Andreas Heinrich Buchholtz
Des Christlichen Teutschen Groß-Fürsten Herkules und der Böhmischen Königlichen Fräulein Valiska Wunder-Geschichte
In acht Bücher und zween Teile abgefasset und allen Gott- und Tugendliebenden Seelen zur Christ- und ehrlichen Ergezligkeit ans Licht gestellet

Widmung

Dem AllerDurchleuchtigsten / Großmächtigsten und Vnüberwindlichsten Fürsten und Herrn /Herrn Leopold

Erwähletem Römischen Käyser / zu allen Zeiten Mehrern des Reichs / In Germanien / zu Hungarn /Böheim / Dalmatien / Croatien und Sclavonien / etc. Könige; ErzHertzogen zu Oesterreich; Herzogen zu Burgund / zu Braband / zu Steyer / zu Cärnten / zu Crain / zu Lützenburg / zu Würtemberg / Ober- und Nider-Schlesien; Fürsten zu Schwaben; Marggrafen des Heil. Römischen Reichs / zu Burggaw / zu Mähren / Ober- und NiderLaußnitz; Gefürsteten Grafen zu Habspurg / zu Tyrol / zu Pfirdt / zu Kyburg und zu Görtz; Land Grafen im Elsaß; Herrn auf der Windischen Mark / zu Portenau und zu Salins / etc.


GOttes gnädigen Schutz / nebest langem Leben /Gesundheit / glücklicher Herschung / Friede / Sieg /und allem Käyserlichen Wolergehen.

Allergnädigster Käyser und Herr

Allergnädigster Käyser und Herr.

So Eurer Käyserl. Majestät wirdigsten Füssen leget gegenwärtiger / der Teutschen angeführter GroßFürstHerkules / sampt seiner ihm vertraueten Königl. Böhmischen Fräulein Valisken sich allerdemütigst nieder; uñ solches aus tiefstschuldiger dankbarkeit; nachdem von Käyserl. Majest. höchstmildest-gewogener Hand / sie ehmals einen Gnaden-Reichs-Stab und Krohn (im sechsten Buche dieser Geschichten zu sehen) einpfangen haben.

Wolte der Himmel! daß mit Eurer Käyserl. Majest: allergnädigster einwilligung und gefallen diese ihre Darstellung möchte geschehen seyn; alsdann würden sie den Zwegk ihres höchsten wunsches schon erreichet haben; und würde ihr geträuester Bruder / der Böhmische König Ladisla sich dessen zugleich innigst erfreuen.

Zwar es ist ausser allem zweifel gesezt / dz alles /was vor Eurer Käyserl. Majest. preißwürdigsten ReichsStuel zutreten sich unternehmẽ darf / nit allein rein und lauter / sondern auch ganz vortreflich uñ allerdinge volkommen seyn müsse; und solches nicht allein nach dem Wesen / sondern auch nach dem äusserlichen Schmucke.

Massen Käyserl. Majest: ohn jemandes einrede /vor die allerhöchste Heilige Würde in der ganzen Christen-Welt geehret wird; welche als Gottes Stathalter / der allerheiligsten Gerechtigkeit vorstehet; welchem nach / vor derẽ ruhmwirdigstẽ Augen sich niemand wird stellen dürffẽ / der durch iñerliche oder äusserliche unsauberkeit dieselbe etwa betrüben oder beleidigẽ möchte.

Vnd weil nit so bald ichtwas durch sich selbst sich alhier vor düchtig wird melden können / sondern nur /was Käyserl. Majest. allergnädigster MachtSpruch davor erklären wird.

Als suchet gegenwärtiger Teutscher Herkules uñ seine Böhmische Valiska in dieser irdischẽ Welt nichts höhers / dann daß Eure Käys. Maj. mit allergnädigsten Augen sie ansehen / und die wirdigkeit /so sie bey ihnen selbst nit wissen noch finden / ihnen mitzuteilen / allergnädigst geruhẽ wollẽ; welches zuerlangen sie untertähnigst hoffen / in betrachtung / dz diese ihre Geschichte niemand zubeleidigen / noch mit Stachel-Reden zu verwunden / sondern bloß zur geistlichẽ und ehrliebenden Gemühts-ergetzligkeit angesehen ist.

Der grosse Gott / welcher sich gegen Abraham den Almächtigen neñet / ließ zeit des Alten Bundes ihm nit nur der wolbegüterten ihre feiste ausgemästete Ochsen uñ gewaltige grosse FeldZehenden / sondern auch die leichten Täubelein und einzelne Garbẽ der armen Leute wolgefallẽ / wañ sie von guter Seele in rechtschaffener andacht geopfert wurdẽ. Und ebẽ dieses war die ursach / daß Abels kleiner Heerd / mit dem wenigẽ Fette seiner Erstlinge betropfet / ungleich heller und anmuhtiger vor Gottes Angesicht brennete /als wann der freche Kain tausend aufgebansete Garben angezündet hätte / deren Lohe sich höher in die Lufft erheben mögen / als daß MenschenAugen sie hätten können abmässen.

Im Neuen Gnaden-Bunde hat Gott in angeno ener Menscheit uns eben dessen versichern wollen / da er seine lieben Jünger vergewisserte / daß der armen Wittiben eingelegte zwey Scherflein / vor GottesOhren einen viel hellern und angenehmern Klang von sich gaben / als die schweren güldenen uñ silbernen Opferstücke / welche von den Reichen ohn Andacht /und aus Hochmut in den GottesKasten geworffen wurden.

Die hohe Obrigkeit hat die Ehre in der Heiligen Schrift / daß sie Götter genennet werden; anzudeuten /daß in vielen stücken sie sich dem wahren einigẽ Gotte gleich zubezeigen pflegen; insonderheit in diesem / daß der unvermögenden Gehorsamen ergebener Wille ihnen angenehmer ist / als was von haabseligen durch Zwang heraus gekeltert / oder aus Furcht geliefert wird.

Welches dann unsern Teutschen Herkules / und seine Böhmische Valisken muhtiget / und in volle hofnung setzet / ihre gutwilligkeit / Eurer Käys. Maj. sich vor eigen zuergebẽ / werde den abgang ihres unvermögens erstattẽ / ohn welches vertrauen sie nimmermehr würden geherzt gewesen seyn / vor dero allergroßmächtigstem Stuel sich finden zulassen.

Dafern nun dere / Gegenwart und alleruntertähnigste Darstellung allergnädigst wird können geduldet werden / müssen sie sich billich vor glükselig schätzen / und die Stunde gesegnen / an welcher sie dieser Welt bekant worden sind. Dann sie werden unter diesen mächtigen Adlersflügeln / Schuz und gnugsame Sicherheit antreffen / wider alle Freveler und verwägene Geizhälse / welche sonsten sich nicht möchten scheuhen dürffen / diese Geschichte / wider das siebende Geboht des Heil. Göttlichen Gesetzes unter gestohlner Kleidung in die Welt auszustreuẽ; mit welchen schlimmen Diebs-Nägeln in diesen lezten Zeiten sich ihrer viel kratzen. Ja es werden zugleich auch andere mißgünstige abgeschrecket werdẽ / ihren unbefugten Geifer und Neid-bittere Galle / wider dieses wolgemeinete Werk auszuspeiẽ / wann ihnen zu Ohren kommen solte / der unüberwindliche Adler (HErr Gott / gib du ihm Krafft / verjunge und erhalte ihn / daß er sein vermögen nicht / als am lezten Tage dieser Welt verliere) habe unter seine sichere Schuz-Flügel angenommen

Eurer Römischen Käyserlichen Majestät


alleruntertähnigste / allergehorsambste Diener und Dienerin Herkules und Valisken.

[1] Freundliche Erinnerung
An den Christlichen Tugendliebenden
Leser
des Teutschen Herkules /
Welcher gebeten wird / diese Geschichte nicht vorzunehmen /
ehe und bevor er folgende kurtze Vermahnung durchgelesen und vernommen hat.

Es hat der UhrSchreiber dieses Buchs vor eine Nohtwendigkeit erachtet / dem gewogenen Leser / bald im ersten Eingange / den Zweg seines Vorhabens vorzustellen / was gestalt seine Andacht in diesem ganzen Wercke eigentlich dahin gerichtet sey / daß des Gemühts Erfrischung / so man im durchlesen anmuhtiger Geschichte suchet / allemahl mit gotfürchtigen Gedanken vermischet seyn möge / und die Erkäntnis der himlischen Warheit auch daselbst befodert werde / da man sichs nicht vermuhten wahr; massen dadurch andächtige Seelen oft veranlasset werden / ihre Seufzer mitten in solcher Lesung gen Himmel zu schicken /damit die irdische Gesonnenheit am Zeitlichen sich nicht zu heftig vergassen / noch den Lüsten zu viel Raum geben möge.

Das schandsüchtige Amadis Buch hat mañichen Liebhaber auch unter dem Frauenzimmer / deren noch keine dadurch gebessert / aber wol unterschiedliche zur unziemlichẽ Frecheit angesponnet sind / wañ sie solche Begebnissen vor Augen gemahlet sehen / welche wol die unverschämtesten vor der Sonnen zu verrichten scheu tragen. Daß ich alhier nicht allein der handgreiflichen Contradictionen und Widersprechungen / womit der Tichter sich selbst zum oftern in die Backen häuet; samt den ungläub-scheinlichen Fällen und mehr als kindischen Zeitverwirrungen / deren das ganze Buch durchgehend vol ist; sondern auch der teils närrischen / teils gotlosen Bezäuberungen geschweige / deren so vielfältige Meldung geschiehet /und doch so wenig Geschmak als Glaubwürdigkeit haben / nicht desto weniger aber diese teuflische Kunst nit allein vor gut uñzugelassen sondern wol gar vor Christ- und götlich wil gehalten werden / als deren sich Christliche Käyser / Könige und Ritter ohn Gewissens-Anstoß gebrauchet, und dadurch mannichem Unglük / aus sonderbahrer Schickung Gottes entrissen / auch viel Gutes zu volführen gestärket seyn sollen. Wil nicht sagen / wie leicht unbesonnene lüsterne Weibesbilder hiedurch / der Zäuberey sich zu ergeben / möchten veranlasset werden. Woraus dann zur gnüge erscheinet / daß der leicht bewäglichen Jugend mit obgedachtem Buche nicht besser gedienet währe / als wann es nur den Schaben und Motten durchzublättern / und der ewigen Vergessenheit übergeben würde.

Ob dann einiger Amadis-Schützer einwerffen wolte / die lustbringende Erfindungen macheten diesem Buche sein Ansehen / und entrissen es der Verwesung; so mag ehrliebenden Herzen dieses noch lange nicht genug seyn. Dann die Leichtfertigkeiten hecheln gar zu grob / und die unziemliche Betreibungen zwischen jungen verliebeten hohen Standes-Leuten brechen so unverschämt loß / daß von keuschen Herzen es ohn ärgernis nicht wol kan gelesen werden; was wolte dann von frech-wilden geschehen? Zwar ein gefusseter ehrliebender Geist achtet dessen wenig; aber wer vermuhtet sich eines solchen bey der lustsüchtigen Jugend? wird demnach keine Entschuldigung übrig seyn / und wer ohn verdacht leichtsinniges Gemühts und Lebens bleiben wil / enthält sich billich von solchen uñ dergleichen Büchern / welche die unzüchtige Kitzelungen mit der Höfligkeit gar zu merckern durcheinander flechten / uñ den Stachel der unbillichen Begierden rägen und hägen; dann menschliche Boßheit ist schon mehr als zu heftig / und bedarfs nicht / daß man Wasser ins Meer trage / oder Oel ans Feur schütte. Ob auch dem Königl. und Fürstl. Frauenzimmer / durch Tichtung so mannicherley unzüchtigen Buhlereien nicht gar zu nahe getreten sey / gebe ich allen Vernünftigen zu betrachten.

[1] Mir zweifelt nicht / der trefliche Barklaius mit seiner berümten Argenis; Herr Sidnei mit seiner Arkadia; Herr Marets mit seiner Ariana / und andere dergleichen züchtige ehrliebende Geschecht Schreiber /haben / der Jugend den Amadis aus den Händen zureissen / nicht die geringste Ursach geno en / jhre Schriften hervorzugeben / Und muß ein jeder gestehen / daß jezt gedachte Bücher ohn Anstoß uñ ärgerniß wol können gelesen werden; aber die wahre Gottesfurcht ist in denselben nicht eingeführet / viel weniger des Christlichen Glaubens einige Meldung geschehen; daher mein Siñ uñ vielleicht anderer mehr / durch solche nicht vergnüget ist; Wiewol obgedachte sinreiche Köpfe zu tadeln / ich nicht gemeinet bin / sondern sie vielmehr preise / und gerne gestehe / daß sie jhres Lobes wert sind; Nur allein hoffe ich bey dem Leser diesen Ruhm zu erhalten / daß er zeugen wird / er finde in fleissiger Lesung dieses Werks was nicht allein sein Welt wallendes / sondern zugleich auch sein Geist himlisches Gemüht erquicken / und jhn auff der Bahn der rechtschaffenen Gotseligkeit erhalten könne; gestaltsam der Christliche Herkules jhm gnugsam zeiget / wie man weder durch irdische Glükseligkeit noch durch Unglüksfälle sich von Gott und vom Christlichen Wandel abziehen lassen / sondern allemahl seinen Heiland im Herzen haben / Christlich leben / die Welt verachten / Fleisch- und Blutes Bewegung und die reitzende Lüste dämpfen / der Untugend absagen / den wahren Gott vor der Welt bekennen / der Tugend nachsetzen / und äussersten Vermögens seines Nähesten Besserung und Rettung jhm angelegen seyn lassen müsse. Dann jezterwehneter Großfürst Herkules ist uns als ein Ebenbilde eines nach vermögen volkommenen Christen der im weltlichen Stande lebet / vorgestellet und der durch getrieb seiner vernünftigen Seele zu allen löblichen Tugenden / auch nach empfangener gnädigen Erleuchtung / zur Gottesfurcht sich ernstlich hinwendet / wie imgleichen auch seine unvergleichliche tapffere und gottfürchtigeValiska / zu ehren dem weiblichen Geschlechte / und zu behäupten / daß auch bey jhnen wahre Tugend stat und raum finde. Ladisla / Fabius / und andere / zeigen auch Tugend- und nach jhrer Bekehrung Christergebene Herzen; jedoch / welche / wegen zu heftiger Fleisches und Blutes Bewägung / an die höchste volkommenheit nicht gelangen. Phraortes / Pharnabazus / Artaxerxes / Mazeus / und andere jhres gleichen / stellen sich zum Beispiel deren / die ausser der Erkäntnis des wahren GOttes / dannoch der Tugend folge leisten / und gleichwol der ewigen Seligkeit wenig nachdenken / viel weniger der Gelegenheit wahrnehmen / die jhnen durch Gottes Gütigkeit zur Bekehrung dargebohten wird. Hergegen stehen Arbianes / Fabius / Leches / Neda und andere / als Ebenbilder deren / die sich von Gott / etliche leichter /etliche langsamer ziehen lassen; und zwar unter diesen ist Ladisla der hartnäckesten einer / mit denen es viel zu thun hat / ehe sie den alten eingewurzelten Wahn des falschen Gottesdienstes jhrer Voreltern ablegen können.

Gleich wie aber eines Dinges Eigenschafft und Art am besten und volkommensten erkennet wird / wann man sein wiederwertiges zugleich betrachtet und dagegen stellet / also hat der Meister dieses Werks an unterschiedlichen Mannes- und Weibesbildern die schnödesten Untugenden / wiewol unter Zuchtliebender Rede-Art / einführen wollen; Als da der verstokte Geta / ein Muster solcher Boßheit ist / die nicht allein weder durch Dräuung noch Streichen nicht kan außgetrieben werden / sondern über das noch ein sonderliches Lob suchet / daß sie von allem Guten ganz abgefernet ist. Artabanus der Parther meldet sich an Wütrichsstat / der seinen schändlichen Lüsten nicht /als durch Furcht oder Zwang einreden darff. Orsillos gibt dir die Unbarmherzigkeit zu erkennen / welche ungestrafft nicht bleiben kan. GamaxusPines /die weder Gott noch Menschen achten / müssen jhres Hochmuhts billiche Straffe über sich nehmen / biß sie durch schwere Züchtigung sich selbst lernen kennen /und daß jhre viehische Leibeskrafft durchaus nicht zuachten sey / wann Gott straffen wil. Einen ganz unbesonnenen und verwägenen Bösewicht / dem sein Frevel eine Zeitlang hingehet / wirst du an dem Böhmischen Nintsla erkennen / welchen doch Gottes Gericht noch endlich trifft. Wiederumb sihest du ein Vorbilde hoher Leute schweres Unfals an König Notesterich / dessen sich Gott endlich wieder erbarmet /und jhn zu ehren bringet Bagophanes / Bagoas undDropion / sind der Könige und Fürsten allerschädlichste Pestilenz; dieser / in dem er durch verwägene Künheit sich unterwindet / seinen König selbst aus dem Sattel zuheben / welcher behueff er die vornehmsten Ehren- und Krieges-ämter seinen Geschöpffen und Verbundenen austeilet / und hingegen andere redliche und geträue Diener zu unterdrücken suchet; jene / in dem sie als liebkosende Schmeichler [2] durch jhr Fuchsschwänzen und alles-gut heissen / eines Fürsten Leumut verderben und zunichte machen / wann sie demselben das höchst-schädliche quod libet licet, Thue was dir gefält / einbilden / und jhn bereden /sein Wille sey frey und von allen Gesetzen ungebunden / so daß er nach Belieben machen möge; worauff nichts anders als Landesverderb / und aller Tugend Untergang folgen kan; welches ob es ohn des Fürsten selbst eigene Gefahr und Schaden geschehen möge /wird Artabanus und Gobares schwerer Fall Zeugnis geben. Hingegen kan Agiß dir einen geträuen Diener seines Herrn darstellen / der weder durch Glück noch Gefahr von redlicher Auffrichtigkeit sich abziehen lässet / so hohes Ruhmes wirdig / als wenig seines gleichen an Herrn Höfen möge gefunden werden. König Mnata warnet durch seinen Unfal alle hohe Häupter / daß sie keinem Bedieneten zu grosse Gewalt einräumen sollen / damit sie nicht jhre Verderbens Schlang in jhrem eigenen Busem nähren. Vor allen Dingen aber wird der Leser gebehten / die Darstellung der geilen Statiren / und jhren gedoppelten Ehebruch ohn böse Gedanken zu lesen / auch daneben Kleons Unglük zu beklagen / welcher der Unkeuscheit vor sich selbst nicht zugethan / aus Furcht des Todes als ein Heyde / in solches Laster eingewilliget /welches er gleichwol nachgehends in seiner Freyheit nicht allein vor sich meldet / sondern auch die unzüchtige Statiren zur Busse und Tugend leitet. Vologeses der älter / und Pakorus legen an den Tag / daß man die Tugend auch an seinem Feinde loben / aber doch sich durchaus zu keiner Unträu oder Verrähterey wenden / jedoch auch an seinem eigenen Herren die Boßheit und Untugend hassen / und solche / als viel möglich / hintertreiben und abwenden müsse. Anderer Anführungen / deren dieses Buch vol ist / geliebter Kürze halben zu geschweigen / weil der Leser in Verfolg dieser Geschichte sie ohn schwer wird anmerken können; wie dann diese Schrifft eigentlich zu dem Ende auffgesetzt ist / daß nebest der Ergezligkeit man auch nüzlich möge erbauet werdẽ; wobey man gleichwol zu Zeiten einen und andern kurzweiligen Auffzug hat wollen einmischen / weil solche Verenderung vielen annehmlich ist. Jedoch sol der Leser hiemit Christlich vermahnet seyn / dieses Buch nicht dergestalt zu lesen / daß er nur die weltlichen Begebnissen zur sinlichen Ergezligkeit heraus nehmen / und die eingemischeten geistlichen Sachen vorbey gehen wolte; sondern vor allen Dingen die Christlichen Unterrichtungen wol beobachte / sie ins Herz schreibe /und darnach sein Leben zurichten / jhm lasse angelegen seyn / insonderheit den zum Ende gesezten Begrieff des algemeinen Christlichen Glaubens nach allen seinen Stücken recht fasse / als welcher jhm zur Richtschnuhr seines Christentuhms dienen / und die Erkäntnis der Christlichen Lehre wol beybringen kan. Solte aber jemand sich gelüsten lassen / meinen wolgemeynten Vorsaz zu tadeln / und die in aller Einfalt durchgesetzete geistliche Unterrichtungen zu verwerffen / als ob sie von schlechter Wichtigkeit / oder an ungehörige Oerter eingeflochten währen / der sol wissen / daß ich jhn nicht als vom guten Geist getrieben / achten kan / weil er ungütlich mit mir ümgehet /und meine gute Andacht (über welche ich den einigen Herzenkündiger zum Zeugen ruffe) zu verargen suchet / die doch einig nur des Nähesten Besserung / auch daselbst jhr lässet angelegen seyn / und zwar zur himlischen Seligkeit / wo vor diesem noch kein ander (als viel mir bewust) sich darumb groß bemühet hat; und ich zu dem Ende mich der lieben Einfalt beflissen /auch keine Streitigkeiten der Lehre (als welche zu jenen Zeiten noch schlieffen) einmengen wollen / auff daß auch die Ungelehrten es begreiffen / und friedliebende Herzen es zu lesen nicht scheu tragen mögen; deßwegen wird Gott das Gedeyen geben / wie ich der ungezweifelten Hoffnung bin / daß noch mannicherLeser / wann ers selber nicht meynet / zur geistlichen Besserung wird gerühret werdẽ; welches zu erfahren /dem UhrSchreiber die grösseste Vergnügung seyn wird. Solten auch hohe Leute und FürstenStandes diß mein Buch zulesen wirdigen / wird jhnen vielleicht ein ziemlicher Abriß vorgestellet seyn / daher sie jhre gebührliche Vollkommenheit anzumercken / und jhr Lobwürdiges fortzusetzen / das Unständige aber abzulegen Anlaß nehmen können.

Zum schließlichen Nachricht ahne ich / daß die Liebe zu meinem Vaterlande diesen Christlichen Teutschen Herkules in meiner Seele gebildet und außgebrütet / wie dann ohn zweifel unser Teutschland mannichen tapffern Held und Fürsten auch zu jenen Zeiten gezeuget / deren Lob der Unteutschen Neid /und Mangel der GeschichtSchreiber unterdrücket /und der Vergessenheit gewidmet hat. So haben auch die Böhmen / Gothen / Schweden / Dänen / und andere Nordische Völcker nicht lauter wilde Säue und Bähren / sondern mannichen trefflichen Fürsten und Ritter unter sich gehabt / deren löblichen Tahten den[3] Griechen und Römern nichts bevor geben würden /wañ sie auffgezeichnet währen. Wer wolte mirs dañ verargen / daß aus diesen Landschafften ich etliche wenige hervor gesuchet / die uns an statt einer Entwerffung dienen können / Ungeachtet der Spanische Hochtrab / die Italiänische Ruhmrähtigkeit und der Französische eingebildete Vorzug (ich rede nicht von allen / viel weniger einigen zu verunglimpfen) die Nase drüber rumpfen / und den groben Ländern / wie sie meynen / solches Lob nit gönnen möchten / da sie doch wider jhren Willen gestehen müssen / daß dieser streitbaren VölckerEinigkeit gnug währe / des Türken / Tartern und Persen Hochmuht und Gewalt zu dämpfen; Und wolte Gott / daß die Teutsche und Schwedische Macht / von so viel Jahren her zu unserm eigenen Verderben angewand / die Ungläubigen getroffen hätte; Konstantinopel / GriechenLand uñ ganz Natolien solte / menschlicher weise davon zu reden / wider Christlich / und der Erbfeind daraus vertilget seyn. Was würde dann werden / wañ ich die angewendete Macht von der ersten Weissen-Berges-Schlacht her rechnen wolte?

Aber den begierigen Leser nicht länger auffzuhalten / noch dessen Gedult zu mißbrauchen / wird der selbe gebührlich ersuchet und gebehten / keinen Verdruß an dieses Werkes Weltläufftigkeit zu tragen /weil es außdrüklich die Gestalt einer außführlichen Geschichte hat haben sollen.

Ich wil mich hieselbst nicht mit vielen Worten entschuldigen / waru ich an statt des unteutschen Wortes Majestät / das Wort Hochheit gebrauchet habe /noch mit denen mich zanken / welche meynẽ / daß dieses Wort der grossen Könige Vortrefligkeit zu melden gar zu geringe sey. Wer ein besseres und bequemeres hat / kan es anzeigen / obs etwa in Ubung gebracht werden wolte; Ich nehme dieses eben so hoch als jenes Unteutsche / hätte auch lieber die ümschweiffende Benennungen / Eure Königl. Hochheit; Eure GroßFürstl. Durchleuchtigkeit / und dergleichen / gar gemieden / wañ sie bey uns Teutschen nicht so gar die Oberhand genommen hätten; welches mit wenigem anzudeuten / ich vor nöhtig erachtet habe.

Solte aber sonsten etwas versehen seyn / welches menschlicher Schwachheit / sonderlich denen leicht begegnen kan / die nöhtigere Sachen zu treiben haben / und ein so grosses Werk nur bey einzelnen Ruhe-Stunden auffsetzen / zweifele ich nicht an des gutherzigen Lesers günstiger Verzeihung / welchen ich dem Schuz Gottes zu aller Leibes und Seelen Wolfahrt hiemit empfele / etc.

An den Nase-Klügling.

Was wolgemeynt / und zur Erbauung dienet /
Das fichte nicht mit Läster-Reden an.
Wer sich so leicht zum tadelen erkühnet /
Und keine Schrifft ohn Schmähung lassen kan;
Der wisse / daß sein Straffe-Lohn schon grünet /
Sein Geifer wird verflucht von jederman.

Kurtzer Inhalt des Christlichen Teutschen Herkules.

Demnach nicht gezweifelt wird / es werde der Leser den kurzen Begrieff dieser weitläufftigen Geschichte gerne wissen wollen / ümb einen Vorschmak dessen zu haben / was in diesen Acht Büchern eigentlich gehandelt wird / und aber solches durch das ganze Werk verstecket ist; als hat man dessen Begierde ganz gerne ein Genügen thun / und den Inhalt auffs kürzeste anhero setzen wollen / wie folget.


Herkules sehr zierlicher Gestalt / ein Ebenbild der wahren Herzhaftigkeit / Tugend uñ Gottesfurcht / im Jahr nach unsers Heylandes Geburt CCIV, am XV Tage des April Monats / von dem GroßFürsten der Freyen Teutschen Herren Henrich / und Frau Gertrud / König Ragwalds in Schweden Tochter ehelich gezeuget / gibt in seinen kindlichen Jahren durch Erleg-und Fahung etlicher Wölffe / seine Herzhaftigkeit an den Tag. (Wird im dritten Buch erzehlet.)

Als er VII Jahr und XIX Wochen alt ist / wird jhm seines Herr Vaters SchwesterSohn Ladisla der junge Fürst aus Böhmen (welcher dazumal X Jahr und XIV Wochen alt) zugesellet / welcher nachgehends von jhm durch kein Mittel hat können lebendig abgetrennet werden / daher man sie zusa en gelassen / und sind in fleissiger Lernung der Sprachen und allerhand Fürstlichen Ubungen aufferzogen worden. Herkules da er XV Jahr alt / erleget vor der Faust einen Teutschen Ritter Nahmens Inge von / welcher ein armes Bauren Mägdlein nohtzüchtigen wolte / geräht darüber (weil alles Balgen verbohten [4] wahr) in seines Vaters Großfürst Henrichs Hafft / und wird von Ladisla mit gewaltsamer Hand der versamleten Bauren erlediget. (Wird im vierden Buch erzählet.)

Sie reisen beyde nach Schweden in den Krieg / als Herkules XVII Jahr / Ladisla XX Jahr alt ist / und nach zweyen Jahren ziehen sie mit einander nach Böhmen zu Ladisla Eltern / woselbst Herkules sich mit Ladisla Fräulein Schwester / Fräulein Valiska heimlich verliebet und verlobet / da er XIX Jahr / sie aber XIII Jahr und III Monat alt ist; ein Fräulein / an Heldenmuht / Schönheit / Tugend und Gottesfurcht unvergleichlich / als ein vollkommenes Muster und Außbund weibliches Geschlechtes / jhrem Herkules sehr gleich und ähnlich. Zu Prag geräht dazumal Herkules mit einem Pannonischen Gesandten / Nahmens Bato in Zwiespalt / hält nacket einen Kampff mit jhm / und sieget ob; wird bald darauff von Pannonischen Räubern in einem Walde gefangen aber durch Römische Frei Beuter denen wieder abgenommen und zu Rom vor Leibeigen an Herren Zinna verkaufft / dessen Tochter Zezilia anfangs / bald auch dessen Gemahl Fr. Sulpizia seiner zu unziemlicher Liebe begehret / welches er durch List ablehnet / in jhrer Gunst dannoch verbleibet / und hernach das Christenthum annimt. Ladisla suchet seinen verlohrnen Freund Herkules (in der Knechtschafft Oedemeier genennet / ) gibt sich deßwegen in Römische KriegsDienste unter dem Nahmen Winnibald / jhm desto besser nachzufragen / weil er so viel Nachricht hatte / daß er in der Römer Hände gefallen wahr / und nach Verlauff eines Jahrs und XI Wochen / erfähret er dessen Zustand /als er bald darauff mit einem Pannonischen Strunzer einen Kampff hält / und jhm angewinnet. Er wil Herkules durch bedrauliche Schreiben von seinem Christenthum abschrecken / weil es aber vergeblich /reiset er hin zu jhm nach Rom / machet jhn der Leibeigenschafft loß / und verbindet sich mit jhm auffs neue in fester Freundschafft / ungeachtet jhres Glaubens Ungleichheit. (Dieses wird teils im fünfften / und teils im sechsten Buch erzehlet.)

Inhalt des ersten Buchs.

Als sie beyde des Vorhabens sind / bald von Rom zu ziehen / und die Welt zu besehen / bekömt Ladisla durch den alten Böhmischen Außreiter Wenzesla /von seiner Fr. Mutter Königin Hedewig traurige Schreiben / daß sein Herr Vater (wie sie gänzlich meyneten) auff der Jagt umkommen sey / und werden beyde Helden bald darauff in jhrer Herberge von XVI Räubern mördlich überfallen / welche sie alle erlegen / aber darüber hart verwundet werden. Nach jhrer Heilung schreibet Ladisla an seine Fr. Mutter / Herkules an das Fräulein / und durchreisen Italien / gerahten vor Padua in einem Walde an drey von fünff Räubern entführete vornehme Römische Fräulein / erlegen die Menschen Diebe / und erlösen die Geraubeten / in deren eine und vornehmste Frl. Sophia / Herrn Q. Fabius / Römischen Stadthalters zu Padua Tochter / sich Ladisla hefftig verliebet / gerahten mit dieser Fräulein Bruder K. Fabius (der die Räuber verfolgete) und seinen Leuten / aus Unwissenheit in Streit / werden wieder verglichen / und ziehen mit einander nach Padua / woselbst Ladisla sich dem Fräulein offenbahret und seine Liebes-Bande fest leget. Sein Mitbuhler Fulvius kömt daselbst an / dem der Vater seine Tochter (jedoch jhr unwissend) versprochen hatte / dieselbe hält es mit Ladisla / der Vater mit keinem; Fulvius gibt Ladislaen Ursach zum Kampff in welchem jener erleget wird. Der Stadthalter stürzet darauf Ladislaen uñ seine Tochter auf unterschiedliche weise in eine vermeynete grosse Lebensgefahr / macht auch durch listigen Anschlag / daß das Frl. Ladislaen Reden als eine wägerung jhrer Heyraht annehmen muß / uñ bald darauf verspricht er sie jhm / so daß sie noch diesen Abend müssen das Beylager halten / welches dem jungen Fabius mit Frl. Ursul auff seiner Schwester Getrieb auch gegönnet wird / da unterdessen Herkules an der von einem Räuber empfangenen Wunde betlägerig ist. Nach dessen Genäsung leiten sie zur Lust nach einem Vorwerke / da Herkules mit seinem ritterlichen Diener Klodius allem auff die Jagt reitet / und des Stadthalters Bruders Tochter von Rom / Fräulein Sibylla Fabia aus des Räubers Silvans Händen erlöset. Worauff sie des folgenden Tages ohngefähr an eine gefährliche Räuber-Höhle von 194. Räubern besetzet / gerahten / und dieselbe (da sie überal nur 42 Mann stark sind) bestreiten / erobern und überaus grosse Schätze darinnen antreffen; werden deßwegen von dem damahligen Römischen Käyser Alexander Severus treflich geehret und begabet. Ladisla Hochzeitfest wird bestimmet / und sendet Herkules seinem vertrauten Fräulein Valisken köstliche Geschenke nach Prag; woselbst des Franken und Sikambern jungen GroßFürsten [5] Markomirs Gesandten sich anfinden / und ümb Frl. Valisken werben / welches freundlich angenommen wird / und das Fräulein einwendet / sie müsse jhrem sonderlich gethanen Verheissen nach /solches jhrem Herrn Bruder zuvor anmelden / womit der Gesandter abgefertiget wird. Die Böhmischen Stände senden jhre Abgeordenten nach Padua / jhrem Könige Reise-Gelder überzubringen / welche daselbst kurz vor dessen Hochzeitfest ankommen. Des Tages nach deren Abzug von Prag / gelanget daselbst Ladisla Bohte an / und ladet die Königin und das Fräulein zur Hochzeit / gleich als das Fräulein durch heimliche Nachstellung auff der Jagt in grosse Lebensgefahr geräht / und sich noch durch Schwimmen loßreisset. Herkules Geschenke an das Fräulein kommen des folgenden Tages zu Prag an / da sie bey jhrer Fr. Mutter und den Landständen so lange ansuchet / daß jhr endlich erlaubet wird / nach Padua auff jhres Herrn Bruders Hochzeitfest zu reisen / und machet sie sich geschwinde fort. Zu Padua wird bey der Hochzeit ein Freystechen gehalten / worbey ein vornehmer Persischer Herr / Nahmens Pharnabazus sich findet / welcher mit Herkules Freundschafft machet. In Herkules Mahrstalle richten die Gespenster ein greuliches Wesen an / und geräht Herkules in ungewöhnliche Schwermühtigkeit / welche durch unglükliche Träume vermehret wird / und alles daher rührete / das Frl. Valiska von etlichen Räubern vor Padua gefangen / und davon geführet wahr.

Inhalt des andern Buchs.

Die unglükliche Gefängnis der Fräulein / wird durch jhrer Reuter einen / Nahmens Neklam / unsern Helden kund gethan / welche darüber in ohmächtige Traurigkeit gerahten / und sich mit einer Reuter-Geselschafft nach dem Flecken machen / da das Unglük sich zugetragen hatte / erfahren daselbst etlicher massen /wohin die Räuber mit dem Fräulein (die in Jünglings Gestalt mit jhren zwo Leib-Jungfern / Libussen und Brelen wẽggeführet worden) sich gewendet haben. In der Nachfolge treffen sie einen Theil dieser Räuber an / deren Führer Gallus / die eine Jungfer Libussen bey sich hatte; dieser Gallus erlanget Gnade bey den unsern / verpflichtet sich zu jhren geträuen Diensten /und gehet mit Herkules in den Wald nach jhrer heimlichen Räuberhöhle (nachdem Sie ihre Angesichter mit einer Kunstfarbe verstellet hatten) da auff diesem Wege Gallus den ehemahls verleugneten Christlichen Glauben wieder annimt / finden das Fräulein nicht in der Höhle / weil fremde Meer-Räuber ohngefähr daselbst angelanget wahren / welche gleich diesen Morgen alle Räuber erschlagen / und den vermeinten Jüngling / der sich Herkuliskus nennete / mit samt seiner Jungfer Brelen mit sich nach jhrem Schiffe genommen hatten. Herkules entbeut solches seinem Ladisla / und gehet mit Gallus zu Schiffe / das Fräulein zu suchen / welche noch in Jünglings Gestalt nach Kreta / und von dar ab weiter nach Tyrus geführet wird / von dannen sie nach Charas sol gebracht / und dem Parther Könige Artabanus geschenket werden. Zu Padua entstehet ein falsches Geschrey von unserer Helden Niederlage / worüber sich Ladisla Gemahl Fr. Sophia schier aus Ungeduld erstochen hätte; Herkuliskus steiget in Kreta aus / schneidet in einen Nußbaum / wohin sie geführet werde / und langet von darab zu Tyrus an. Herkules (der sich Valikules nennet) schiffet nach Korinth / kehret bey einem mörderischen Wirt ein / der jhm nach dem Leben trachtet /verlässet die Herberge / und geräht an einen frommen Christlichen Wirt / bey welchem er etliche Jünglinge antrift / welche nach Elis auff die Olympische Spiele wollen. Gallus zeiget diesem frommen Wirte an / mit was Boßheit sein voriger Wirt ümgehe; welcher darauff eingesetzt wird / und muß Herkules mit zween Rittern deßwegen kämpffen / die er auch erleget. Reiset darauff mit nach den Olympischen Spielen / wird auff dem Wege von vier Rittern beschimpffet / und bricht jhren Hochmuht. Zu Elis in der Herberge kömt er aber mit einem gewaltigen Grichischen Herrn /Nahmens Parmenio zu platze / und erschlägt jhn im Kampffe / worauff er sich wieder auff den Weg nach Korinth begiebt. Ladisla und der junge Fabius machen sich zu Padua fertig / Herkules und das verlohrne Fräulein zu suchen / und rüsten darzu zwey Schiffe aus / da Fabius mit Leches und Markus (Ladislaen ritterlichen Dienern) Ladisla aber mit Klodius (Herkules edlem Diener) zu schiffe gehen / samt jhrer Mannschafft / werden von dreyen Pannonischen Schiffen angegriffen / und erhalten die Uberwindung /hernach wählen sie zween unterschiedliche Wege. Zu Prag geben sich abermal Fränkische Heyrahts Werber an / bey denen der junge Fürst in Gestalt eines geheimen Schreibers sich befindet / haben in der nähe ein grosses Kriegsheer / und gedencken Gewalt zu gebrauchen / [6] welchem vorgebauet wird. Der junge Fürst entsetzet sich über der Zeitung / daß das Fräulein solte geraubet seyn / wil es anfangs nicht glauben; reiset hernach betrübt wieder zu seinen Eltern / und hält ümb Vergünstigung an / das Fräulein zu suchen / welches jhm abgeschlagen / uñ ein Ritter / Namens Farabert / nach Padua geschicket wird / etwas Gewißheit von dem geraubeten Fräulein einzuziehen; welcher dem Franken Könige Hilderich von Herkules trauriger Bezeigung und Nachfolgung Bericht thut; worüber sein Sohn Markomir der junge Fürst / Anfangs in grosse Traurigkeit und Zweiffelmuht / bald darauff gar in Wahnwiz geräht / daß er muß eingeschlossen und verwahret werden. Herkules (jetzo Valikules genant) wird von einem falschen Ritter auff einen Gefahrweg verleitet / da er wegen deß von jhm erlegeten Parmenions / von dessen Bruders Charidemus Leuten gefangen genommen / und mit seinem Diener Gallus zum Tode verurteilet wird / aber bey der Außführung erschlägt er die Schergen / und kömt samt Gallus durch die Flucht zu Fusse davon. Er schicket seinen Gallus nach Korinth, weiters nach Padua / ümb Gelder abzuholen / fortzugehen / welcher am Meers-Gestade den jungen Fabius antrifft / sich (weil er durch die Kunstfarbe verstellet wahr) vor einen Kauffman bey jhm angiebt / und Herkules Unfal anzeiget / welcher samt Leches / Markus und seinen Leuten dahin gehet / den alten Charidemus deßwegen tödten lässet / und dessen junges Gemahl Fr. Euphrosynen / dem Markus freyet; welche Frau unserm Herkules bey Gallus in geheim gnugsame Gelder übermachet; und er darauff nach Korinth reiset von Elis ab / woselbst er Markus und Frau Euphrosynen antrifft / und dieselbe anspricht. Hieselbst finden sich acht Griechische Ritter / welche Frau Euphrosynen verleumden / und von Herkules gezähmet werden. Klodius kömt sehr verwundet zu Herkules / und zeiget jhm an / was Gestalt sein Freund Ladisla bey Patræ mit einem Griechischen Herrn /Nahmens Perdickas gekämpffet / und nach erhaltenem Siege von dem alten Kleander gefangen hinweg geschleppet währe. Derselbe nun wolte jhn lassen enthäupten / weil er seinen Sohn Ariston im Kampff erleget hatte / und als sein Gemahl die junge Agatha jhm heimlich davon helffen wolte / wahr der Alte willens sie deßwegen lebendig zu verbrennen; aber Herkules mit Markus und seinen Kriegsknechten zeuhet hin /und erlöset Ladisla aus des Henkers Hand / giebt sich nicht zu erkennen / und reitet heimlich davon. Klodius heyrahtet die nachgelassene Fr. Agathen. Herkules schiffet nach Kreta / wird auff dem Schiffe von etlichen Mördern angesprenget / und erleget dieselben. Steiget in Kreta aus / und trifft der Fräulein Schrifft an dem Nußbaume an / erfähret also jhren Weg; findet in der Stadt Gnossus zween Betrieger / die sich vor Herkules und Ladisla außgeben / und machet sie zu schanden. Ladisla und Fabius mit jhrer Geselschafft halten sich etliche Zeit auff zu Korinth bey Markus / da eine kurzweilige Heyraht abgehandelt wird. Ladisla Leibknabe von Patræ entrunnen / kömt zu Padua an / und erwecket daselbst grosse Traurigkeit / welche Klodius Ankunfft daselbst / auffhebet /und der Stadthalter denselben zum Obersten der Besatzung machet. Ein verwägener Bube Volumnius stellet Klodius Eheliebesten Fr. Agathen nach jhrer Ehre / und verwundet jhn selbst meuchlischer Weise /deßwegen er nach erlangeter Gesundheit denselben im Kampf erleget.

Inhalt des dritten Buchs.

Inzwischen wird der vermute Herkuliskus zu Tyrus eingebracht / verlobet jhre Jungfer Brelen an jhrer Meer Räuber einen / Nahmens Alexander von Griechischem Adel / und sendet sie beyde zurük nach Padua. Er selbst muß mit den Parthern fort nach Damaskus und so weiters. Alexander und Brela treffen Herkules in Kreta an / thun jhm der Fräulein Zustand zuwissen / worauff er nach dem judischen Lande schiffet / nach Jerusalem reiset / und zu Bethabara sich läuffen lässet / geräht mit einem frechen Judischen Ritter Ben-Levi in Streit / erschlägt jhn / uñ macht mit dem Römischẽ Stadthalter zu Jerusalem /Herrn Pompeius gute Freundschafft / dessen einige Frl. Tochter / Frl. Lukrezie jhm hohe Gewogenheit zuwendet. Er wird von etlichen Juden verwundet /welche gefangen genommen werden / und hernach gebührlich abgestraffet / ohn die den Christlichen Glauben annehmen. Ladisla / der junge Fabius uñ Leches nehmen jhren Weg von Korinth nach Zypern / und förder nach Seleuzien Alexander und Brela ko en zu Padua an / der Stadthalter daselbst machet jhn zum Stadt Hauptmann / wird aber nach wenig Tagen von seinem Spießgesellen erstochen / uñ nimt Brela jhren ersten Bräutigam Ritter Neda aus Böhmen [7] wieder an /der von der Böhmischen Königin nach Padua gesendet wahr. Herkules bricht von Jerusalem auff / und reiset nach Tyrus / woselbst er seiner Fräulein sonderliches Zeichen angemahlet findet / welche mit jhrer Gesellschafft über den Eufrat / und Tygerfluß gehet (und allenthalben jezt gemeldetes Zeichen ankreitet) biß in Assyrien / da sie in einem Walde von einer Räuber-Schar überfallen / und biß auff Herkuliskus und seinen Dolmetscher Timokles alle erschlagen werden. Von diesen Räubern werden diese beyde nach Meden geführet biß zu Herren Mazeus / welcher die Räuber niedermachen lässet / und Herkuliskus samt Timokles gnädig annimt / woselbst dieser verstellete Jüngling Wunder mit schiessen treibet. Dieser Herr sendet jhn nach Ekbatana dem Medischen GroßFürsten Phraortes zu / dessen Sohn Fürst Arbianes jhm Brüderliche Hulde zuwendet / und übet er sich auch daselbst im Schiessen. Herr Mazeus folget nach Ekbatana / dessen Gemahlin Schwester Fräulein Barsene sich hefftig in Herkuliskus verliebet. Herr Pharnabazus der Medischen Groß-Fürstin Frauen Saptinen Bruder / kömt von seiner Italiänischen Reise zu Ekbatana an / sihet / daß dieser Herkuliskus dem Herkules so ähnlich ist / und erhält / daß dieser vermummeter Jüngling (der sich vor Herkules Vaters Schwester Sohn außgab) dieses seines Oheims Verhaltung in seiner Jugend erzählet. Ladisla reiset mit seinen Gesellen und Dienern über den Tygerfluß / gerahten mit VI. Rittern in Kampff / erlegen dieselben / und bekommen gute Beute. Valikules gehet auch über den Eufrat / hernach aber den Tygerfluß / nach dem er und seine Kauffmans-Geselschaft ein hartes Treffen mit einer Rauber Schaar in Mesopotamien gehalten. Herkuliskus zähmet zu Ekbatana ein unbendiges ädles Pferd / und wird dem grossen Partischen Könige Artabanus von Phraortes / Pharnabazus und Mazeus endlich zugeführet nach der Stadt Charas / da sie zuvor Herrn Mazeus seinem Gemahl Fr. Roxanen sich zuerkennen giebt. Ladisla gehet mit seiner Geselschafft fort biß an die Persischen Grenzen / woselbst Fabius von etlichen Räubern listig gefangen / und an einen unbarmherzigen Herrn / Nahmens Orsillos / verkaufft wird / welcher jhn sehr übel hält / und jhn endlich an einen Freyherrn / Nahmens Nabarzanes verkaufft /dessen Gemahl Fr. Statira jhm ungebührliche Liebe zuwendet. Herkuliskus kömt zu Charas an / und wird dem grossen Konige vorgestellet / welcher sich durch keine Rede wil bewägen lassen / jhn seiner Mutter wieder zuzusenden / sondern befihlet / daß er hingeführet und verschnitten werde / er aber erschlägt die /so es verrichten wollen / gibt sein weibliches Geschlechte zu erkennen / nennet sich Herkuliska / und wird von dem Könige vor seine Braut und künfftiges Gemahl angenommen / da er jhr zuvor versprechen muß / sie in Jahrs frist und länger / nicht zu berühren / weil jhrem ertichteten vorgeben nach / sie biß dahin der Göttin Vesta verlobet währe; daher sie auff ein absonderliches Schloß daselbst mit einem Frauenzimmer verwahrlich gebracht wird; und jhr Timokles sich in einer Herberge auffhalten muß. Valikules kömt von seiner Fräulein Spuhr ab / weil er jhr Zeichen nirgend mehr angemahlet sihet / doch einem nächtlichen Gesichte folgend trifft er den rechten Weg wieder an /entgehet der Gefahr durch List / uñ kömt bey Mazeus an / von welchem er der Fräulein Zustand erfähret /zenht nach Ekbatana / und geräht auff dem Wege mit einem verwägenen Skythen in harten Streit / den er niederleget / und wird zu Ekbatana wol empfangen /da er sich ziemlich lange auffhalten muß. Ladisla / in dem er den verlohrnen Fabius emsig / aber vergebens suchet / kömt mit etlichen Persischen Herren in Streit / denen er ansieget / wird von jhren Verwanten verfolget / und machet sich durch einen herben Kampff loß /da er von den Feinden den ritterlichen Tyriotes zum geträuen Diener bekömt. Fabius / jezt Kleon genant /wird von seines Herrn Gemahl Fr. Statiren zur unbilligen Liebe genöhtiget / und hernach wolgehalten; sein Herr merket solches / und wil jhn beurlauben /worin sie aber nicht willigen wil. Fürst Gobares von Susa findet sich bey dieser Frauen / als seiner alten Buhlen / und schenket dem Kleon seinen ehemahligen Herrn Orsillos vor leibeigen / dem er seine Unbarmherzigkeit hart einbringet. Zu Ekbatana wird ein Freystechen gehalten / bey welchem sich Ladisla einstellet / und unwissend mit seinem Herkules sticht / erkennen sich mit Freuden / und nimt Ladisla den Christlichen Glauben an. Ein Jude wird von dreyen Hunden /wegen seiner Lästerung wider den Sohn Gottes / zurissen / worüber etliche Juden wider einen Christen sich verbinden / und gestrafft werden. Leches wird auch ein Christ / und die unsern währen gerne bald auffgebrochen nach Charas / woselbst üm die Zeit Fräulein Herkuliska aus Verlangen nach jhrem Herkules in eine Krankheit [8] geräht / befestiget jhr Getichte wegen Verlobung an die Göttin Vesta bey dem Könige / und genäset wieder. Die Böhmischen Gesanten bringen der alten Königin nach Praag von Padua ab / Zeitung von dem geraubeten Fräulein; Frau Sophia reiset mit Frl. Sibylla nach Rom / werden von dem Käyser und seiner Mutter Fr. Mammea wol empfangen / ziehen wieder nach Padua und bekommen daselbst Schreiben von unsern Helden; diese aber brechen von Ekbatana auf nach Charas.

Inhalt des vierdten Buchs.

Fürst Gobares von Susa merket Fr. Statiren buhlerey mit Kleon / und trachtet jhm deßwegen nach dem Leben; aber sie verbirget jhn bey sich auf einem Gemache / vorgebend / Er sey auff der Jagt erschlagen. Zu Padua genäset sein Gemahl eines jungen Söhnleins. Ladisla und Herkules mit jhrer kleinen Geselschafft gerahten vor Charas mit des grossen Königes Sohn und dessen Leuten / unwissend in Streit / und erlegt Herkules denselben / wenden sich auff einen andern Weg / und ziehen zur Stadt ein / beschauen der Fräulein Schloß / und sehen sie am Fenster stehen Timokles der Fräulein Dolmetscher / kömpt mit jhnen in kundschafft / tuht jhr deren Ankunfft durch Zeichen zu wissen / und schiessen Herkules und sie einem andern Brieffe zu in hohlen Pfeilen. Der Morgenländischen Fürsten Verbündniß wieder König Artabanus /wird zu Charas ruchtbar. Phraortes Großfürst von Ekbatana kompt an zu Charas / führet Herkules in angestrichener Farbe als einen teutschen ritterlichen Diener mit auff des Königes Schloß / da er dem Könige der Fräulein Herkommen und Tahten erzählet / unter dem Vorgeben / er habe an jhres Herrn Vaters Hofe auf gewartet / und von demselben den ritterlichen Orden empfangen. König Artabanus erläubet jhnen beiden das Fräulein zu besuchen / da Herkules mit jhr die Liebe erneuert und sie zum Christentuhm bekehret. Der König nimt Herkules (bey jhm Valikules genennet) in Dienste / jhn nach der Fräulein Fr. Mutter zu verschicken. Herkules besuchet das Fräulein zum andernmahl und stärcket sie im Glauben. Etliche Hoffdiener der Parthischen Fürsten reiben sich an jhm / die er zu Fusse fechtend erleget; mit einem andern Nahmens Mithrenes hält er den Kampf zu Pferde unter der Fräulein Schlosse / sieget / und wird von dessen Herrn / dem jüngern Vologeses mördlich überfallen / welchen das Fräulein vom Schlosse erscheust. Herkules besuchet darauf sein Fräulein zum dritten mahle / und volstrecket mit jhr die Ehe; Er sendet Leches nach Padua und Prag / mit vielen Schätzen / ümb etliche Völcker zu werben / und nach Persepolis zubringen; und reiten die unsern mit Phraortes nach Persepolis zu Großfürst Artaxerxes / welcher das Häupt der Verbündniß war / dem Kriegsraht daselbst beyzuwohnen; schicken auch alsbald an Artabanus einen freundlichen Brieff / in welchem sie ümb jhrer Fräulein Schwester Erlösung anhalten. Sie kommen zu Persepolis an / und werden von der Fürstlichen Verbündniß wolempfangen / ohn allein Fürst Gobares wirfft einen Unwillen auff sie. Artabanus erkläret sich auff die getahne anfoderung / das er das Fräulein nicht lassen könne / sondern ehelichen wolle / ladet unser beide Helden ein zum HochzeitFest / und sendet jhnen statliche Geschenke. Die unsern schicken die Geschenke wieder zurücke / und fodern das Fräulein ernstlich und unter Bedräuung. Zu Persepolis wird Kriegsraht gehalten / wo bey Gobares unsere Helden nicht zulassẽ wil / die Sache wird endlich beygelegt; Herkules schicket seinen Dolmetscher Plautus nach Jerusalem / und bey jhm grosse Verehrungen an Frl. Lukrezien. Artabanus beginnet um schleunige Heiraht bey dem Fräulein anzuhalten / welches sie jhrem Herkules zuschreibet. Die andere Anfoderung unserer Helden wird von dem Könige ungnädig aufgenommen / und dräuet dieselben mit Ruhten streichen zu lassen. Das Fräulein aber erhält bey jhm durch listige Erfindung / XV. Wochen aufschud zum Beilager; welches sie Herkules zuschreibet. Kleon kan wegen Gobares nachstellung sich bey Fr. Statiren nicht länger heimlich aufhalten / erhält von jhr Urlaub davon zu ziehen / und gehet nach Armuzia. Unsere Helden auf angehörete Dräuung wegen des Ruhtenstreichens / fallen mit 16000. Reutern / in des ParthersLand / brennen uñ würgen / halten mit dem Königlichen Feld-Herrn Spitamenes eine Schlacht / erlegen von 24000. Feinden /21000. Mann / und nehmen 3000. sampt den Feldherrn gefangen; welche aber alle ohn entgelt loßgelassen werden. Die unsern kommen mit grosser Beute zu Persepolis an. Gotarzes / Königes Artabanus unehlicher Sohn stellet dem Fräulein auff jhrem Schlosse nach jhrer Ehre bey Nachtzeit / und wird darüber von jhr erstochen. Spitamenes meldet seinem Könige die erlittene Niderlage an / welcher darüber erzürnet /einen andern verwägenen Feldherrn Madates mit 40000. Mann wieder die unsern außsendet / mit Befehl / unsere Helden durch XX. bestellete [9] Ritter zu greiffẽ / und seiner StäupRuhten zuzuführen / welches Vologeses der älter / wiederäht. Die unsern gehen diesem Feinde mit 26000. Mann entgegen aber etwas späte / daher jene dem Persen zimlichen Schaden im Lande tuhn / werden noch gestutzet / ritterlich angegriffen und aufs Häupt erleget / ohn Madates und seine XX. Ritter werden lebendig gefangen / und mit Ruhten gestrichen / weil jhr Vorhaben den unsern verrahten wahr. Herkules in Valikules Gestalt und Nahmen / machet sich mit kleiner Geselschaft nach Charas / das Fräulein durch List zuerlösen. Leches kompt zu Padua an / hält daselbst mit Libussen / auch Neda mit Brelen das Beilager / erzehlet der unsern Zustand / und erhält bey Fr. Sophien (die eines jungen Söhnleins Herku Ladisla genesen wahr) das sie gleich jhren Gemahl / den Christlichen Glauben annimt. Zu Padua werden 7000. Mann vor unsere Helden geworben; Leches und Neda sampt jhren jungẽ Frauen reisen eilig nach Prag / überliefern die Briefe uñ Geschencke / da gleich der alte GroßFürst / Herkules Herr Vater / samt seinem Gemahl und Frl Tochter /Frl Klaren daselbst anlangen / und der Ehe zwischen Herkules und Valißken berichtet werden / worüber die Müttere beiderseits sich hoch erfreuen / und der Vater seinem Sohn 6000. auserlesene Teutsche Völcker schencket / worzu der Bömische Ritter Prinsla 6000. Böhmen wirdet / da 300. ädle jünglinge aus Böhmen / jhrem Könige in der fremde aufzuwarten sich zu jhm schlagen / gehen ingesamt nach Padua /empfangen daselbst jhre Fähnlein / treten samt den Römischen Völckern zu Schiffe / machen auff der See gute Beute / und zihen durch Syrien nach dem Eufrat. Herkules kömt zu Charas an / gibt dem Fräulein sein Vorhaben durch Schreiben im hohlen Pfeile zu wissen; meldet sich bey dem Könige ob sey er von seinen ungeträuen Medischen Begleitern beraubet / und mit Noht lebendig entrunnen. Das Fräulein teilet Gelder aus unter jhren Frauen-Zimmer / davor sie folgendes Tages von zwo fremden Krämerinnen sollen Waaren käuffen; diese Krämerinnen (wahren Persische verkleidete ädle Jünglinge) führet Herkules mit sich auf jhr Schloß / sie selbst aber in Kramer Kleidern / und mit verstelletem Angesicht / mit sich vom Schlosse nach seiner Herberge / leget jhr Ritterliche Kleider an / und kommen zu Pferde glücklich davon. Gleichwol lässet das Fräulein einen Brief auf jhrem Zimmer / in welchem sie jhrer Hofmeisterin Sysigambis jhre Flucht entdecket / un sie auch zur Flucht vermahnet /welche sich warnen lässet / und jhr Leben rettet. Des folgendes Tages erfähret der König der Fräulein Flucht / erschricket darüber heftig / und entstehet grosse Unruhe in der gantzen Stadt. Sein Hofmeister Bagophanes muß sie mit einem Heer 18000. starck verfolgen / und gibt jhm der König ein freundliches Schreiben mit an sie. Herkules hat etwas Anfall auf dem Wege / komt aber mit den seinen wol durch. Madates kömt zu Charas an / meldet seine Niderlage /und setzen Pakorus und Vologeses den König zu rede wegen seines unbillichen Vornehmens gegen die fremden Fürsten. Herkules kömt in einer Persischen Grenze Stadt wol an / und nimt Völcker dahinein zu seinem Schutze. Bagophanes findet sich daselbst mit seinem Heer / fodert das Fräulein von jhm und auf Verwegerung fället er die Stad feindlich an / wird aber geschlagen / gefangen / und endlich wieder loß gegeben. Herkules bricht mit dem Fräulein / und gefangenen Völckern auff nach Persepolis Ladisla wartet daselbst mit Verlangen auf jhn / und erzehlet Artaxerxes seines Herkules LebensLauff in der jugend. Fürst Gobares komt mit seinem Heer zu Persepolis an; Ladisla und Arbianes gehen mit etlichen Völckern aus / Herkules entgegẽ / welcher jhnẽ mit Frl. Valißken begegnet / da sie einander freundlich empfangen. Als sie zu Persepolis anlangen / suchet Gobares bey dem Frl. üm unbilliche Liebe an / worauf sie jhm harte Antwort erteilet. Fabius wirbet in Armuzia 1000. Reuter / des Vorsatzes Ladisla zu suchen Bagophanes kömt zu Charas an / und ist ein Zeuge seiner Niderlage. Artabanus schicket sich zu seinem grossen Feldzuge / uñ wird vor gut angesehẽ das Fürst Vologeses nochmahls mit einem Heer 36000. starck an die Persischen Grenzen gehen muß / die Art zu kriegen unsern Helden abzumercken; Unsere Helden neben Pharnabazus und Arbianes gehen ihm mit 31000 Reutern entgegen / unter denen 9000. Susianer auf Gobares anstiften mit Verrähterey umgehen / werden aber gedämpfet / und endlich der Sieg wieder Vologeses / wiewol mit zimlichen Verlust erhalten. Leches und Neda / auch Klodius und Markus kommen mit jhren Völckern etliche Meile von Persepolis an /da Fabius auf sie stosset / und von jhnen zum Groß-Feldherrn gesetzet wird; bald treffen sie auf Gobares und sein Heer / welcher Frl Valißken verrähterischer Weise von Persepolis gefangen mit sich führete / aus toller Liebe darzu verleitet / sein Heer wird von Fabius geschlagen / er selber gefangen / uñ das [10] Fräulein samt jhrem Zimmer / aller Ehren unverletzet / erlöset /welche sich über Libussen / Brelen / Euphrosynen und Agathen Ankunfft sehr erfreuet.


Ende des kurtzen Inhalts des ersten Theils.

Inhalt des fünfften Buchs.

Herkules und Ladisla kommen zu Persepolis an / erfahren die bübische Entführung / welche gleich diesen Morgen in Artaxerxes abwesenheit geschehen / setzen Gobares nach / erfreuen sich der schon geschehenen Erlosung / empfangen jhre tapferen Völcker / und wird Gobares enthäuptet / Frl. Valißken aber dessen Fürstenthum geschenket / welches sie Pharnabazus wieder zuwendet. Vologeses meldet seine Niderlage zu Charas an Pharnabazus wird mit Frl. Barsenen versprochen / als Phraortes mit seinen Völckern zu Persepolis ankomt / und wird zu dieser / wie auch zu Herkules und Valißken Hochzeit Feste anstalt gemacht. Des Tages vor der Hochzeit meldet sich Artabanus Gesanter Sysimithres zu Persepolis an / bringet dem Fräulein und unsern Helden falsche freundliche Schreiben und Geschencke von dem Könige / muß auf der Hochzeit sich finden lassen / uñ wird damit weggewiesen. Libussa verleurt Frl. Klaren aus Teutschland Brustbildichen / welches Arbianes findet / und sich heftig daran verliebet. Orsillos erhält durch Fr. Valißken Vorbitte / Freilassung bey Fabius / reiset nach Fr. Statiren und erzählet jhr Fabius Zustand; Nabarzanes jhr Ehherr wird auf der Jagt von einem Löuen getödtet. An beiden Seiten bereitet man sich zu der FeldSchlacht / im Persischen Heer findẽ sich 204000. Reuter; 161000. zu Fuß; jngesamt 365000. Mann. An Parthischer Seiten 296000. zu Roß /194000. zu Fuß; ingesamt 490000. Mann. Valißka erfähret Arbianes Verliebung / und sendet Neklam nach Teutschland / eine Heiraht zwischen jhm und Frl. Klaren / zu befodern. Fabius gehet mit 24000 Reutern vor dem Herr aus / trift auf den Parthischen vortrab / welchen Dorylaus 40000. starck führet / erleget das ganze Heer auf wenig nahe / schneidet allen erschlagenen die Zunge ab / weil sie den Persen ein solches gedräuet hatten / und wird von unsern Helden nach erhaltenem Siege frölich empfangen. Die wenige Gefangene werden Artabanus mit allen abgeschnittenen Zungen zugeschicket / worüber er sich sehr eifert. Die HauptSchlacht wird gehalten und allerseits zu Pferde heftig gefochten / biß ein grosses Ungewitter entstehet / und sie trennet / nachdem an Parthischer Seiten 145000 erschlagen und 21800. verwundet worden; an Persischer nur 47154. Tod / uñ 11755. beschädiget sind. Des andern Tages stärcken sie beiderseits jhre Reuterey mit grossem neuen Zusaz von den besten Fuß Völkern / und trift erstlich die Reuterey / hernach die Elefanten / endlich das FußVolk / da nach langem ernstlichen Gefechte der Sieg den Persen zu teile wird / die Parther das Feld räumen / und den Abzug in jhr Lager nehmen müssẽ / nach dem jhrer Reuterey an diesem Tage 117000. erschlagen /15000. hart verwundet / und 21500 gefangen / von den Fuß Völkern aber 82450. niedergemacht / 1420. hart beschädiget / und 12000. gefangen wahren. Da hingegen an Persischer Seite 43150 Reuter und 58225. Fußknechte erleget; 49850. Reuter und 20275 Fußknecht verwundet wahren. Die Unsern rücken alsbald vor das Parthische Hauptlager / nehmen alle Elefanten und Wagen / mit Speisen und Waffen aus jhrem neben Lager / und bringen solches in gute sicherheit. Des Nachts gehet Artabanus mit allen seinen Völkern flüchtig davon / in grosser Furcht biß nach Charas / und bekommen die unsern überaus grosse Beute. Artabanus kan dennoch der Liebe nicht vergessen / rüstet sich aufs neue / und gibt sich ein ungeheurer grosser Indischer Kämpfer / Gamaxus seines herko ens ein Baur bey jhm an / welchen er unsere Helden zu bestreiten bestellet / wie auch vier Hirkanische ädle Jünglinge / welche dieselben mit Gift hinrichten sollen; diese stellen sich bald ein / und werden von Herkules in Dienste genommen. Gamaxus gehet unter der begleitung 40000. Reuter an die Persischen Grentzen / fodert durch einen Heerhold unsere Helden aus zum absonderlichen Kampfe / und wird als ein Baur abgewiesen / welches jhn sehr verdreust / und es an den König gelangen lässet / der jhn für einen Fürsten in OberMeden erkläret. Die Hirkanische ädel Knaben / als sie die Vergiftung wollen verrichten /gereuet es deren einen / Nahmens Bazaentes / und zeiget es Fr Valißken an; die andern verrichten die Vergiftung an der Fürsten Handschuhen / werden darüber ertappet / eingezogen / mit jhrem eigenen Gift beschmiret und lebendig verbrennet / doch noch einer jhres Mittels / weil er willig bekennete / im Gefängnüß behalten. Gamaxus fodert die unsern abermahl aus / und wird [11] der Kampf von Herkules angenommen / der Heerhold aber schimpflich gehalten. Unsere Helden samt Artaxerxes und Phraortes brechen mit einem Heer auf nach den Grenzen / Herkules trit den Kampf an / Gott stehet jhm wunderlich bey / und verleihet jhm Sieg / das er den ungeheuren Gamaxus lebendig gefangen bekomt / worüber noch das Parthische Heer geschlagen / gefangen / und drey Grenze Städte eingeno en werden. Gamaxus wird krum und lahm geheilet / auch / weil er schmähet / mit Ruhten gestrichen biß er gebendiget wird. Zu Charas entstehet deßwegen grosses Leid / und komt die Fürstliche Verbündniß zu Persepolis zusammen auf das Freuden Fest. Fr. Statira komt auch daselbst an / Fabius zu besuchen / welcher jhr bey Pharnabazus Gnade erwirbet / und sie an einen vornehmen Herrn wieder ehelich verspricht / da sie hernach jhr Leben gebessert. Ladisla erzählet Artaxerxes vollends Herkules Wunder-Begebnissen; Unsere Helden werden von der Verbündniß überaus hoch beschencket / uñ brechen die unsern auf nach jhrem Vaterlande zugehen; auf der Reise bey dem Tygerfluß treffen sie 8000. Parthische neugeworbene Völcker an / welche sie gefangen nehmen / und nach Persepolis schicken / bey deren Obersten Sysimithres Fr. Valißka an Artabanus schreibet; bekommen noch 50 Reuter-Werber gefangen / mit XX. Tonnen Goldes baarschafft / und gehen auf Damaskus. Fr. Valißken Abgesanten nach Teutschland kommen zu Magdeburg an / überliefern die Briefe und Kleinot dem Fräulein und jhren Eltern / und bekommen zimliche Erklärung. Zu Damaskus nimt Fabius den Christlichen Glauben an / von dannen die unsern aufbrechen / das heilige Land besehen / und zu Bethabara sich tauffen lassen /zihen in aller stille nach Jerusalem / und werden von Herrn Pompeius Stadthalter daselbst wol empfangen /woselbst Fr. Valißken Abgesanten aus Teutschland anlangen / und vor Arbianes (der daselbst bey den unsern wahr / und mit in Teutschland reisen wolte) gute Zeitung wegen der Heiraht bringen Fr. Valißka geneset alhie eines jungen Söhnleins / welcher in der Tauffe Herkulißkus genennet wird / und nehmen sie nach geendigten sechs Wochen jhre Reise über Meer nach Padua vor / da Frl. Lukrezie mit jhnen fortschiffet. Sysimithres bringet die Zeitung von Fr. Valißken abreise nach Teutschland / nach Charas / worüber Artabanus sich anfangs betrübet / nachgehens vol Eifers wird. Die unsern länden frölich in Kreta an / finden die ingeschnittene Schrifft am Nußbaume / schiffen nach Korinth / und weiters nach Padua.

Inhalt des sechsten Buchs.

Fürst Baldrich / Herkules Bruder / und Fürst Siegward aus Schweden / kommen bey Padua an / und erlösen Fr. Sophien / Fr. Ursulen / und Frl. Sybillen aus Räubers Händen / welche sie in einer höhle gefangen hielten / da Siegward sich in das Fräulein sehr verliebet. Herkules / Ladisla / und Fabius kommen zu Padua einsam an / erfahren dieses Frauenzimmers entführung / reiten hinaus uñ begegnen obgedachten beiden Fürsten / von denen sie zum Kampf außgefodert werden / treffen mit einander und erkennen sich endlich / da Ladisla sein Gemahl frölich empfähet / machen sich ingesamt nach Padua / und zihen Fr. Valißken entgegen / welche von den Paduanischen Frauenzimmer freundlich empfangẽ wird. Die Stadt-Obrigkẽit daselbst bewirten die unsern auf jhrer neu-erbauten Burg / und verliebet sich Baldrich in Frl-Lukrezien. Die gefangenen Räuber werden des folgenden Tages bey Padua gekreuziget / wobey die beiden Fürsten jhren Fräulein jhre Liebe antragen / und zimlich Gehör erlangen / biß endlich durch Fr. Sophien unterhandlung die beiden Fräulein sich noch besser erklären / und freiet dieselbe Gallussen jhre ädle Leibdienerin jungfer Beaten zu. Die beiden Fräulein zeigen jhren Buhlen an / das sie Christen seyn / und keine andere als Christen heirahten wollen / welches jhnen anfangs etwas hart eingehet / und sich doch bald zimlich erklären. Frr. Valißka und Sophia erlangen der beiden Fräulein einwilligung zur Heiraht. Die beiden Fürsten haben diese Nacht überaus schwere Anfechtung von den Teufeln in gestalt der falschen Gözen /wodurch sie furchtsam gemacht / und vom Christentuhm zimlich abgeschrecket werden / aber Valißka tröstet sie / das sie ein Herz fassen / und durch ein anmuhtiger Gesichte in jhrem guten Vorsaz gestärcket werden / daher sie Valißka in der Lehre unterrichtet / welche sie begierig annehmen / und darauf zu den beiden Frl. auf jhr Schlafgemach geführet werden / woselbst die völlige Zusage vor sich gehet. Die Fürstliche Geselschaft fähret hinaus das RaubNest zu verstören / da Baldrich und Frl. Lukrezie / als sie im Walde miteinander gehen / von zween Bären angefallen werden / welche er zwar erleget / aber zugleich das Frl. zimlich hart verwundet / nach deren heilung Gallus mit seiner Beaten (deren Vater er Zeit seines Rauberstandes [12] heftig beleidiget hatte) Hochzeit machet / und die beiden Fürsten das Beilager halten /wobey Arbianes ein Freistechen anstellet. Ein Römischer Herr / Nahmens Skaurus heirahtet Frl. Helenen Valißka erzehlet auf begehren Fr. Sybillen / wie es mit jhrer Verliebung und Verlobung mit Herkules zugangen sey. Farabert der Frankische Ritter / welcher bißher zu Padua sich aufgehaltẽ / gibt sich an bey Valißken / klaget jhr seines jungẽ Fürsten Markomirs Unglück / uñ hält bitlich an / das sie an jhn einen freundlichen Brief wolle abgehen lassen / welches sie gerne leistet / auch schöne Kleinot und andere köstliche Sachen dem Fürsten und seiner Fr. Mutter übersendet / welche Farabert selbst überbringet. Herkules und Ladisla schickten dem Käyser und seiner Fr. Mutter nach Rom einen köstlichen Beutpfennig / da sie beide sich erklären zu Padua bey der jungen Fürsten jhrem Hochzeitfeste zuerscheinẽ / werden auch daselbst prächtig empfangen / und leget der Käyser mit unsern Helden grosse Freundschaft zu. Fr. Sibylla treibet es bey dieser Hochzeit / das die Heiraht zwischen Herr Pupienus und Frl. Virginia von Rom vor sich gehet / bey welcher Handelung zimliche Verwirrungen vorlauffen. Prokulus ein Römischer Ritter fodert Baldrich aus / vorgebend er habe jhm Frl. Lukrezien abgespenstiget / dessẽ er auch Siegwarden beschuldiget / legt darüber ertichtete Briefe auf / durch welche er von andern aufgetrieben war / und wird im Kampfe verletzet. Fr. Lukrezie erhält bey dem Käyser / das jhr Vater Stathalter wird zu Kölln am Rein. Valißka in Amazonischer Gestalt mit angestrichenem Angesicht stellet ein vierfaches Ritter Spiel in des Käysers gegenwart an / in welchem sie und Herkules den höchsten Preiß davon tragen. Ein Pannonischer Gesanter / nahmens Pines mit etlichen Rittern komt zu Padua an / beut einen Kampf aus nach habender Volmacht von seinem Könige / das auf dem fall seines Verlusts das Pannonische Reich den Römern X. Jahr lang die Schatzung entrichten wolle; Herkules nimt solches mit jhm an / überwindet jhn / und nimt jhn vor leibeigen / wie auch dessen MitRitter von Ladisla und andern überwunden werden. Die Gefangene stellen sich unbendig / und werden mit Ruhten gezähmet. Der Käyser zur Dancksagung / krönet Herkules und Ladisla / auch jhre Gemahlinnen als freie Könige der Teutschen und Böhmen / und tuht jhnen statliche Geschenke. Herkules und Ladisla Parthische Leibeigene halten an üm die versprochene Freiheit / erhalten dieselbe / werden mit ritterlichem Gewehr versehen /uñ Arbianes untergeben; uñ schicken sich die unsern zur Reise nach Prag. Die gefangenen Pannonier werden auf die Ruder Schiffe geschmiedet. Endlich brechen die unsern von Padua auf / halten das erste Nachtlager in dem unglücklichen Flecken / woselbst ein Kühhirt jhnẽ von den ehemaligen Verfolgungen wieder die Christen etwas erzählet. Die Pannonier warten den Unsern an den Grenzen auf / sie zu berauben und niderzumachen / daher ein hartes Treffen entstehet / und werden die Pannonier fast alle erschlagen. Worauf die unsern sicher die Böhmischen Grentzen erlangẽ / den alten Pribisla in jhre Geselschaft beko en / jhre Völcker uñ Wagen zurück lassen / uñ in aller stille nach Prag fahrẽ / da sie die alte Königin durch jhre unvermuhtliche Ankunft hoch erfreuen / uñ dem ganzen Lande grosse freude erwecken / uñ wird gegen Ladisla angesetzete Krönung gute anstalt gemachet. Ritter Farabert aus Franken komt bey seinem Könige an / bringet das Schreiben und die Schenkungen wol über; worauf der junge Fürst Markomir wieder zur völligen Gesundheit gelanget.

Inhalt des siebenden Buchs.

Zu Prag kömt unverhoffete Zeitung / das Herkules Eltern und Frl. Schwester von dem Wendischen Fürsten Krito und seinem Sohn Gotschalk geraubet und gefangen nach Frießland geführet sind / welches die unsern aufmuntert / daß sie nach mögligkeit Völker zusammen bringen / von Prag eilend durch Teutschland nach Friesland gehen / und die Räuber mit jhrem Heer erreichen / da Vater uñ Sohn über dem Fräulein uneins worden sind; vergleichen sich aus Noht / und treten mit den unsern die Schlacht an / aus welcher Gotschalk mit einer Schaar hinweg reitet / das Fräulein mit sich über die Isel führet / und sie nach Dänenmarck bringen wil / üm sie daselbst zu heirahten / aber Arbianes / der sie liebete / setzet jhm nach /erschlägt den Räuber und rettet sie / da er kurz zuvor jhre Eltern frey gemacht / und nach jhrem Lager fortgeschikt hatte. Krito wird in der Schlacht gefangen. Arbianes kan wegen der verschlagenen Völker mit dem Fräulein nicht nach jhrem Lager sicher durchkommen / begibt sich mit jhr auf einen Abweg /uñ gibt sich ihr zuerkennen. GroßFürst Henrich mit seinem Gemahl komt zu seinem Sohn Baldrich / den er bißher vor tod geschätzet hatte / erfreuet sich über jhn / wird aber betrübt als er vernimt das er auch ein Christ worden [13] sey / doch gibt er sich bald zu frieden /und erkläret sich / seinen Söhnen das Christentuhm frey zu gönnen; worauf Herkules (der sich bißher verborgen gehalten) sich seinen Eltern zuerkennen gibt /uñ mit Freuden angenommen wird. Krito machet sich in seiner haft unnütze. Arbianes / um Gefahr zu meiden / führet das Fräulein nach einem abgelegenen Dorffe / da er sich wegẽ mördlicher Nachstellung in eines Bauren häuslein nebest dem Fräulein verstecket / welcher Wittho hiesse / daselbst sind sie auf dem Häu sicher / erquicken sich mit Speise und Tranck /und hält er bey dem Fräulein so inständig an / das sie jhm endlich die Ehe verspricht. Etliche Reuter fragen vor dem Häußlein nach jhnen / lassen sich aber aus furcht / es möchten Feinde seyn / verleugnen / da sie doch zu jhrem besten ausgeschickt wahren. Herkules erzehlet seinen Eltern / wie er zum Christentuhm kommen sey / und bewäget sie / dasselbe anzunehmen. Die beyden verliebeten müssen wegen der verschlagenen Völcker des andern Tages biß gegen den Abend auf dem Häu zubringen / da sie jhre beredung halten. Des folgenden Morgens nach der Schlacht gibt Herkules sich jhrem Heer zuerkennen / und wird mit Freuden angenommen. Der Wendische Verrähter Niklot wird lebendig gespiesset / und hernach Krito wie heftig er sich gleich sträubet / mit dem Schwerte gerichtet / und gehen die unsern fort / Friesland einzunehmen. Arbianes bringet dem Frl. auf dem Häu den Christlichen Glauben bey. Hernach verstellet er jhr Angesicht mit der KunstFarbe / legen bäurische Kleider an / sagen dem alten Bauren Wittho grosse Vergeltung zu / und mit dessen Bruder Sohn den jungen Wolfgang gehen sie nach dem nähesten Städtlein /werden auf dem Wege von verlauffenen Wenden angriffen / und erlegen dieselben. Das Frl. wird von etlichen trunkenen Bauren zum Tantz genöhtiget / und gelangen endlich im Stadtlein an / da sie bey Wolfganges Haußherren die Herberge nehmen / und jhnen neue schlechte Kleider machen lassen / des Willens nach jhrem Lager zuzihen / sie gerahten aber in Feuers noht / lauffen zum Städtlein hinaus mit Wolfgangen / und werden von vier Bürgern verfolget / als währen sie Mordbrenner / welche Arbianes erleget /das Fräulein aber inzwischen aus Angst mit Wolfgang davon läuft / und also von jhren lieben Fürsten abgeschieden wird. Unsere Helden nehmen ganz Friesland ein / biß auf eine Festung / welche Fürst Olaf aus Dänenmarck inne hatte / der dañ / weil der letzt verstorbene FriesenKönig jhn zum Erben erkläret / ansprach an das Königreich zu haben vermeinete / aber Herkules überwindet jhn im Kampfe / machet mit jhm Vertrauliche Freundschaft / und schencket jhm Wendland / wohin alsbald ein Heer geschicket wird / es einzunehmen / welches Fürst Siegward führete. Baldrich wird zum Könige in Friesland willig angenommen und gekrönet. Der alte Baur Wittho komt zu unser Fürstlichen Geselschaft / und bringet Zeitung von Arbianes und den Fräulein / sie senden etliche aus / nach dem Städtlein / von jhnen bessere Kundschaft einzuzihen / uñ erfahren so viel das sie im Feur nicht aufgangen / sondern davon kommen seyn. Die Fürstliche Geselschaft bricht aus Friesland auf nach Teutschland; Ein Teutscher Pfaffe vom Teufel angetrieben /wiegelt Teutschland auf wieder jhre Fürsten wegen des Christlichen Glaubens / das sie in grosser Menge jhnen entgegen zihen / umb sie zuzwingen / den Christlichen Glauben zu verleugnen / und wird das Teutsche und Böhmische Heer so bey den Fürsten wahr / zugleich mit aufrührisch gemacht / welche aber befriediget und zum Gehorsam gebracht werden / und ob zwar zimlich Blut vergossen wird / legen endlich unsere Fürsten die Streitigkeit bey / nach dem allen Inwohnern jhres Aberglaubens Freiheit bestätiget wird. Worauf beides Großfürst Henrich / und sein Sohn Herkules / vor der freien Teutschen Könige von dem Volck ausgeruffen und bestätiget werden / reisen nach Magdeburg und lassen sich daselbst krönen /sind aber sehr betrübt / daß sie daselbst nichts von dem verlohrnen Fräulein erfahren mögẽ. Das Fräulein mit Wolfgang läuft durch ein Wasser aus Angst davon / und ermüdet gar / hält Arbianes vor erschlagen / uñ wil sich nicht trösten lassen / gerahten unter dreyer Diebe Hände / und werden beraubet / wandeln ganz ermüdet fort / und kommen endlich auf eine Heerstrasse / da Wolfgang einen Fuhrman wegen seines an dem Fräulein verübeten frevels erschläget und bey dessen Weibe einkehret / wil auf einer Karre das Fräulein nach der Elbe bringen / werden abermahl beraubt / gehen nach einem Flecken / woselbst sie sich etliche Tage bey einer Witwen aufhält / uñ jhr Kinderzeug nähet. Arbianes suchet jhr nach / findet zwar durch Gottes Schickung den rechten Weg / kan sie aber nicht antreffen / und geräht in manniche Noht /welches er im achten Buche erzehlet. Das Fräulein wird von einer ädlen Frauen hintergangen und über Rein geführet vor eine Magd / da sie sich vor Wolfgangs Ehefrau angibt / muß etliche Wochen bey jhr dienen / und wird [14] gar hart und elend gehalten / welches alles sie in Christlicher Gedult überwindet. Fürst Siegward nimt Wendland ein / und bestätigt die alte Fürstin / welche Olaf zum Erben annimt; Siegward komt zu Magdeburg an / und reiset mit der Geselschaft nach Prag / wie auch Fürst Olaf. Farabert komt zu Prag an / mit grossen Geschencken von dem Francken Könige Hilderich / an Königin Valisken / und meldet des jungen Fürsten Markomirs volkommene Gesundheit. Wolfgang leget mit einem / Nahmens Reichard an / das Fräulein durch Gewalt zu erlösen /und nach der Elbe zu bringen / welche von jhrem Haußherren zur Unzucht angesuchet / und von jhrer Frauen übel geschlagen ward. Der Anschlag geräht wol / aber auf der Reise nach Magdeburg / wil Reichard selbst das Fräulein schänden / wird drüber gefangen genommen / uñ komt sie Gesund zu Magdeburg an. Auf der Reise von Magdeburg nach Prag /trift sie jhren Arbianes in Betlers Kleidern an / erfreuen sich hertzlich in rechtschaffener Dancksagung zu Gott; gehen als Krämer zur Fürstlichen Geselschaft und verkaufen jhnen etliche Waaren; Hernach kleiden sie sich fürstlich / legen die angestrichene Farbe ab /treten unvermercket zum Fürstlichen Saal hinein / und erwecken grosse Freude / da sie miteinander versprochen werden. Wolfgang und die IIX. Reuter / welche das Fräulein hatten loßgemacht / werden hoch begnadet. Reichart vor Gericht gestellet / verurteilet / und wieder begnadet / reiset nach seiner Heimat / und sendet das Fräulein jhrer gewesenen Frauen dreyen Töchtern Geschenke. Die Römische Herren von Padua kommen zu Prag an / und hält Arbianes mit Frl. Klaren das Beylager.

Inhalt des achten Buchs.

Auf dem Wall zu Prag machen die Gespenster viel Unruhe uñ komt alsbald darauf die leidige Zeitung /daß des Pannonischen Königes Mnata sein FeldMarschalk Dropion (des ehmaligen Bato / und des Pines Bruder) mit einem grossen Heer in Böhmen eingefallen sey / uñ alles mit Raub / Mord uñ Brand erfülle /Baldrich und Siegward gehen demselben entgegen mit einem zimlichen Heer / und fält dieser dem Feind glücklich ein / Herkules machet sich hin zu seinem Bruder / findet dessen Lager wolbeschaffen / und lässet denselben nebest Siegward dem Feind entgegen zihen / welche in Gefahr gerahten / aber von Fabius entsetzet werden und den feindlichen Vortrab aufs Häupt erlegen Leches gehet des andern Tages wieder auf Kundschafft auß / und wird jhm ein Reuter Grozemisla abgefangen / welcher durch Lügen sich von den Pannoniern loßwirket; Dropion belägert der unsern Lager / worüber das ledige Pannonische Lager durch Grozemisla anstiftung angezündet wird / welches Dropion nicht groß achtet / und der unsern Lager auffodert / welche jhn diesen Tag mit guten Worten hinhalten. Ladisla komt ins Lager / und auf abermahlige aufffoderung gibt er bedräuliche Antwort / worauf der Feind den Sturm eiferig antrit / wird abgeschlagẽ /und gehet wegen Speisemangels wieder zurück nach den Pannonischen Grenzen. Die unsern verfolgen jhn / halten jhn in seinem Lager fest eingeschlossen / fallen in Pannonien / und machen sehr grosse Beute. Mnata zeuhet seinem Dropion mit 150000. Mann zu Hülfe / deßwegen gehen die unsern wieder zurück nach jhrem vorigen wolbefestigten Lager. Mnata und Dropion belagern die unsern zum andernmahl / lassen jhnen zum Schrecken einen Galgen aufrichten / fodern das Lager auf zur Ubergabe / beko en schimpfliche Antwort / und tuhn darauf einen grausamen Sturm /da sie mit grossem Verlust abgeschlagen werden; darauf geschihet ein treffen zu Pferde mit zimlichen Verlust an beiden seiten. Mnata und Dropion zweien sich in etwas / und erfähret Mnata / das Dropion mit Verrähterey ümgehet / dagegen er sich verwahret durch beystand seines geträuen Agiß. Es wird ein fünftägiger Anstand gemacht / in welchem doch ein kleines treffen von 120. Mann an beyden seiten gehalten wird / da die unsern obsiegen. Mnata bekömt heimlich einen grossen Entsaz / fodert die unsern zur Schlacht aus / welche gehalten wird / und fügen die unsern dem Feinde grossen Schaden zu / biß ein grosses Ungewitter sie von einander trennet / und inzwischen den Feinden der grosse Entsatz 80000. stark / zukomt. Die unsern erschrecken darüber / treten doch die Schlacht wieder an / und thun anfangs gute Gegenwehr / biß jhre Völker algemach nachlassen und ausreissen / worüber König Ladisla / Henrich uñ andere Fürsten mehr gefangen werden; Herkules nimt den Pannonischen König gefangen / und sendet jhn nach Prag / wird hernach selbst gefangen / und die Schlacht an der unsern seite verlohren / da von allen Fürsten nur Arbianes aus der Schlacht entrinnet. Dropion wil unsere Könige und Fürsten henken lassen / werden auch schon nach dem Galgen geführet / aber von etlichen Pannonischen Obersten (die jhres Königes Heil betrachteten) beym Leben erhalten. Des folgenden Morgens [15] komt durch Gottes Schickung Valißka /Baldrich und Arbianes mit einem grossen Heer an /auch zugleich von Süden her der Frankische Großfürst Markomir mit 50000. Reutern / uñ bald darauf noch ein Hülfheer von Norden 60000. stark aus Wendland / da allenthalben die Schlacht tapfer angehet / Valißka aber inzwischen der Feinde Lager einnimt und die gefangenen Fürsten erlöset / welche sich verteilen / und der Schlacht allenthalben bey wohnen / in welcher viel merkliches vorgehet / biß endlich die unsern den böseligen Sieg behäupten /viel Feinde erlegen / und das ganze feindliche Heer gefangen bekommen / welche alle zu Leibeigene gemacht werden. König Mnata und Dropion mit seinem Anhange werden vor Gericht gestellet / da König Mnata unter schwerer Bedingung das Leben und Königreich erhält / Dropion aber und sein Anhang zur abscheulichen Straffe verdammet werden. Der ehmalige Reichard hatte Arbianes Leben in der Schlacht gerettet / und bekomt völlige Gnade / auch grosse Vergeltung. Fürst Olaf gehet mit einem Heer nach Pannonien / da die Inwohner sich ergeben. Gallus muß nach Rom dem Käyser den Pannonischen Beutpfennig bringen. Mnata erlanget der unsern gute Gunst je länger je mehr / und werden in Pannonien die begehrete Leibeigene frey gelassen. Arbianes erzehlet wie wunder-gefährlich es jhm bey dem Nachsuchen seiner Fräulein ergangen sey. Der alte Friesische Baur Wittho komt zu Prag an / und wird wol empfangen. Reichard heyrahtet in seiner Heimat zum andern mahl /uñ nimt jungfer Adelheid / komt mit jhr zu Prag an /und werden wol angenommen. Die eingeladenen Könige aus Schweden / Dänenmarck und Gallien kommen nach Prag. Der alte Böhmische König Notesterich / den jederman vor tod hielt / komt aus der Pannonischen Leibeigenschaft wieder zu Prag an / und wird mit grossen Freuden von den seinen empfangen /Er lässet Ninisla uñ Urisla seine Untertahnen (die jhn in diß Unglück gestürzet hatten) gefangen einhohlen. König Mnata verliebet sich mit dem Wendischen Fräulein Vanda / und Fürst Olaf (der seine Unglüksfälle erzehlet) mit dem Schwedischen Fräulein Schulda / welche heyrahten Valißka befodert. Arbianes erzehlet eine sonderliche Anfechtung / so er von dem Teufel in der Einöde erlitten. Ninisla und Urisla werden herzu gebracht / und bekennen jhre Boßheit /worauf König Notesterich erzählet / wie elendig sie jhn drey viertel jahr im engen Gefängniß gehalten /biß etliche Pannonische Räuber jhn daraus gezogen /und vor Leibeigen mit sich in Pannonien geführet. Die beyden Ubelthäter werden verurteilet und gestraffet. König Notesterich nimt den Christlichen Glauben an; Mnata und Olaf halten Beylager / und bald hernach das Hochzeit Fest / wobey allerhand Ritterliche Ubungen vorgenommen werden / insonderheit ein denkwirdiges Freystechen. Fürst Pharnabazus mit seiner Geselschaft komt aus Persen zu Prag an / bringet grosse Geschenke / uñ den ungeheuren Gamaxus mit sich / dem Herkules Gnade erzeiget. Der verwägene Pines machet sich von den RuderBänken loß / komt in Pannonien / wird von Mastyes seinem Könige nach Prag zugeschikt / und erlanget gleicher gestalt Gnade bey Herkules. König Notesterich erzählet / wie hart es jhm in seiner Leibeigenschaft ergangen / biß er endlich samt andern Böhmischen Leuten der Knechtschaft erlassen / in freyen Stand gesetzet / und wieder in sein Königreich ko en ist. Valißka stellet ein vierfaches Freyschiessen an; Herkules ehmaliger Tidullus komt aus seiner Pañonischẽ Leibeigenschaft zu Prag an / wird vor Königin Sophien Bastard Bruder erkennten vor ehelich erkläret. Die viele Leibeigene Pannonier werden auf erlegung grosser Lösegelder von Herkules und Ladisla frey gegeben. Etliche junge Königinnen uñ Fürstiñen genesen etlicher junger Herrlein und Fräulein. Arbianes reiset mit seinem Gemahl und Kriegsheer nach Versen / und wird das ganze Werk mit einführung der ganzen Christlichen Glaubens Lehre beschlossen.


Ende des kurzen Inhalts des Christlichen Teutschen Herkules. [16]

Erster Theil

1. Buch
Erstes Buch.

Die wunderschöne Morgenröhte / welche dem Silberbleichen Monde seinen Schein zu raubẽ sich bemühete / war aus ihrem Lager kaum hervor gekrochen / da erwachete Herkules vom Schlaffe / stieg seiner gewonheit nach / sanfte aus dem Bette / daß sein Freund Ladisla dessen nicht gewahr wurde / legte sich auf die Knie / und betete in herzlicher andacht seinen Christlichen Morgen-Segen. Du grosser Gott (sagte er mit leiser stimme und erhobenen Händen)mit was inbrunst sol ich deiner Barmherzigkeit mein schuldiges Danckopffer leisten? daß du mich diese Nacht und die gantze Zeit meines Lebens so gnädig und väterlich bewahret hast / vor des Teufels List und Gewalt / vor bösem schnellen Tode / vor Kranckheit und andern schädlichen fällen / durch welche ich ohn wahre Busse meiner vielfältigen Sünden plözlich hätte untergehen und ewig verderben können. Dir sey Dank in Ewigkeit / mein Schöpfer / vor diesen gnädigen Schuz meiner Seelen und Leibes. Gesegne und heilige alles mein tuhn / heut und die folgende Zeit meines Lebens; Verzeihe mir alle begangene Sünde / und bewahre mich heut diesen Tag /daß ich nicht in muhtwillige Unthaten falle / die wider das Gewissen streiten / und deines Geistes Einwohnung von uns treiben. Ni mich unter die Beschirmung deiner Flügel / daß mich kein Unfall erlege; gib daß dir alles mein tuhn gefallen moge / und wende von mir / was mir an Leib und Seel schaden kan. HErr mein Gott / dir befehle ich meine liebe Eltern / Bruder / Schwester und An verwandten; bekehre sie von dem heydnischen Irthum; und wie du mich aus lauter Güte und Barmherzigkeit aus der schnöden Unwissenheit gerissen / und in die Klarheit der Erkäntniß deines Sohns meines Heylandes versetzet hast / also handele auch mit jhnen allen / nicht nach jhren Sünden / sondern nach deiner Güte / daß jhnen / HErr Gott / dein heiliger Nahme / und den du uns zum Heil gesand hast / JEsus Christ kund werde / Amen. Hierauff sprach er das heilige Vater Unser / denChristlichen allgemeinen Glauben / und etliche Buß Gebeht Davids; und als er seine Andacht mit diesen Worten endigte:O mein HErr JEsus Christ / dir lebe ich / dir sterbe ich / dein bin ich todt und lebendig; Da erwachete sein Freund Ladisla; und wie derselbe gewohnt war sein Gebet un Gottesdienst gering zu achten / sagte er zu jhm: Herzlieber Bruder / wann dein Jesus so mächtig währe / wie du und andere Christen jhn halten / alsdann könte es nicht fehlen / er müste an statt deines verscherzeten GroßFürstentuhms / wo nicht ein grösseres / zum wenigsten gleichmässiges Königreich dir schenckẽ / weil du bloß üm seinet willen deines Vaterlandes müssig gehen / und deines angebohrnen Erbes must entsetzet seyn; sehe aber noch zur zeit nicht / daß sichs im wenigsten darzu schicken solte. Herkules / nach seiner Christlichen Sanftmuht / antwortete jhm: Liebster Bruder / ich bin deines Gespöttes nunmehr fast gewohnt / welches mich zwar schmerzet / und doch aus Hoffnung / dich der eins zu gewinnen / es gerne gedulde: Zweiffele aber nicht / da in meinem Gebet bey meinem HErrn Jesus ich üm mein angebornes [1] GroßFürstentuhm oder andere weltliche Herrschafften anhielte / wurde er mir solches nicht wegern / bevorab / wann es mir und seiner Christlichen Kirchen heilsam und ersprießlich währe. Aber mein Heyland weiß / daß ein solches bey jhm ich durchaus nicht suche / sondern jhm von grund meiner Seele danke / daß er einen so treflichen Tausch mit mir gehaltẽ / und vor einen engen Winkel dieser unsaubern Welt / mir das grosse heilige Reich seiner Gnaden geschenket / und durch sein vollgültiges Blut mich von Sünden abgewaschen hat; Ja mein Bruder /wann du die Herrligkeit / deren ich schon in fester Hofnung geniesse / mit den Augen des Glaubens erkennen und betrachten köntest / bin ich schon versichert / du würdest zugleich mit mir alle Irdischeit dieser Welt vor stinckenden Koht / und was du Herrschafften nennest / vor eine schlimme Dienstbarkeit halten; dann so viel das grosse Sonnen-Liecht eine angezündete Kerzen übertrifft / ist die himlische Seeligkeit höher / als alles köstliche dieser Welt zu schätzen; Warumb solte ich dann nach meinem verlohrnen GroßFürstentuhm einiges Verlangen tragen / wann umb dieser faulen Erdschollen willen / ich die allerköstlichste Perle des Himmelreichs solte in die Schanze setzen. O nein / mein Freund / Gottes Gnade ist grösser bey uns Christen / als daß wir dieselbe ümb dasselbe vertauschen wolten / was auch wol vernünfftige Heyden vor nichtig gehalten haben. Er wolte weiter reden / aber Ladisla fiel ihm also ein: Genug mein Bruder / genug vor dißmahl / ich weiß schon wol /daß von deiner eingebildeten Pfafferey ich dich heut nicht abbringen werde. So wirstu aber / antwortete er / deinem gestrigen Versprechen gnug tuhn / uñ mit mir die Christliche Versamlung besuchen / üm zu vernehmen / und mit Augen anzusehen / wie fälschlich wir unschuldige Christen von den heidnischen Verfolgern verleumbdet / und / weiß nicht / welcher abscheulichen Sünden beschuldiget werden. Ja wol /sagte Ladisla / es ist mir zwar mein verbrechen (wolte sagen mein versprechen) schon halb leid / als der ich fürchte / meine Götter / durch Beywohnung solcher abergläubischen Sachen / höchlich zu beleidigen; jedoch / weil geschehene Zusage auffzuruffen / einem Bidermanne nicht anstehet / und ich aus Liebe zu dir /wol ehe wider meine Götter gehandelt habe / wil ich mich fertig machen / mit dir zu gehen; wiewol mit dem Bedinge / daß weder du / noch einiger Christ mich nöhtige / euren Sitten und Andachten mich gleich zustellen / ausser dem / was die Erbarkeit mich heissen wird / alsdann wil ich hinwiederumb in aller stille / und ohn gegebene ärgerniß euren Gottesdienst ansehen / als lange ich hören werde / dz nichts Gotteslästerliches wider meine Götter geredet wird; dann sonst würde ichs nicht lange machen / sondern diese Herberge bald suchen. Daß deiner vermeinten Götter keine Meldung geschehen sol / sagte Herkules / habe ich bey dem Ehrwürdigen Lehrer bittsweise erhalten; und pfleget man ohn das deren in Predigten wenig zu gedencken / weil fast alle mal heimliche Aufmercker sich finden / ob sie etwas erschnappen mögen / wodurch wir Christen in Noht und Gefahr / ja umb Leib und Leben können gebracht werden. Wann aber unsere Lehrer ümbher gehen / die Gläubigen zu besuchen /und sie in ihrem Christentuhm zu stärcken / alsdañ werden wir zu aller gnüge unterrichtet / was vor ohnmächtige Götzen euer Jupiter / Mars / Vulkahn / Neptun / und andere jhres gleichẽ seyn / weil sie kein wahres lebendiges Wesen / viel weniger eine allmächtige Krafft / sondern nur der lügenreichen Fantasten ihre Tichtereyen sind / nach deren Träumen man sie nachgehends aus groben Holz und Steinen geschnitzet uñ gehauen / und mit weiß und roht / welches endlich Mäuse uñ Ratzen abnagen / zierlich angestrichen hat.[2] O der elenden / O der närrischen Gottheit! Mir zweifelt nicht / wann das Arkadische Thier nur vom Saktragen muhs hette / und ein Krühmlein Verstandes /wolte ich jhm diese heydnische Thorheit mit leichter Mühe zu erkennen geben. Aber damit wir uns nicht auffhalten / noch ich deinen Götzeneiver reize meines Heylandes zu spotten / wollen wir uns auf den Weg machen / dann ich weiß / daß dem Gottesdienst der Anfang schon gemacht ist / uñ ich mich schämen muß / einer von den letzten zu seyn / der ich billich der erste bin / umb / meinem Gott vor seine unaußsprechliche Gnade zu danken / die er mir armen Sünder in meiner Bekehrung erzeiget hat. Ladisla hatte sich schon gespitzet / seinen Götzen das Wort zu sprechen; aber Herkules fassete jhn bey der Hand / und führete jhn zur Kammer hinaus. Also giengen sie beyde dem Orte zu / wo Herkules wuste / daß sich die Gläubigen zu versamlen / und jhres Gottesdienstes in aller stille abzuwarten pflegeten. Sie waren nicht weit gangen / da sahen sie einen frembden Reuter jhnen entgegen reiten / welcher als in tieffen Gedancken in die Höhe sahe / und wenig acht hatte / was auff der Gasse vorgieng. Ladisla kennete jhn alsbald und sagte: O Bruder / dort komt Wenzesla her / meines Hn. Vaters alter Leibdiener; O daß wir uns verbergen könten! Lieber laß uns das Angesicht mit dem Mantel verhüllen / daß er uns nicht kenne / warumb ich nicht ein grosses nehmen wolte. Aber es war schier zu lange geharret / und der Reuter jhnen auff den Füssen / der sie freundlich grüssete / mit Bitte / ihm einen Gasthoff zu zeigen / da man nach allerhand Zeitungen sich am besten befragen könte. Ladisla blieb ohn einiges Wort sprechen / und gieng allgemach fort. Herkules wolte sich auch nicht kund gebẽ / weil er wuste /daß sein Freund wolte ungemeldet seyn / und zweiffelte / ob er antworten solte. Der fremde verwunderte sich ihres stillschweigens / wuste nicht / ob es aus Furcht / oder Hochmuht / oder Unverstand geschahe /weil sie als mit fleiß das Angesicht verborgen hielten; Er sahe / daß sie adelich gnug gekleidet waren / und zwar nach Römischer art / schwieg ein wenig / und sagte bald darauff zu jhnen: Ihr junge Herren werdet gewißlich nicht Römisch seyn / oder es muß sich hieselbst von XXX Jahren her / als viel die Sitten betrifft / sehr verendert haben. Herkules schämete sich des verweißlichen Auffrückens / und weil er meynete /nicht so leicht erkennet zu werden / taht er den Mantel ein wenig beyseit / und gab diese ernstliche antwort: Mein Freund / jhr solt dannoch wissen / daß wir der Unhöfligkeit nicht so gar ergeben sind / wie jhr uns beschuldigen möchtet / nur weil wir kaum vor dreyen Tagen Rom erst gesehen / werdet jhr uns verzeihen /daß wir eurem begehren nicht gnüge tuhn können. Nun sahe Wenzesla unsern Herkules / weil er antwortete / steiff an / und gebauchte jhn / denselben mehr gesehen haben; kunte sich doch so schleunig nicht besinnen / lauschete jhnen aber / weil sie davon eileten /mit unverrückten Augen nach / biß sie etwa LXXX Schritte von ihm hinweg wahrẽ / da sagte er in sich selbst: O ihr Götter / redete nicht der trefliche Fürst Herkules mit mir? und wer weiß / ob nicht Fürst Ladisla sein Gefärte ist? der sein Angesicht so fleissig verhüllete / daß er von mir nicht erkennet würde; rante jhnen auch Sporenstreichs nach / umb zu erfahren / ob er recht wähnete. Ladisla hörete die HuefEisen und sagete zu Herkules: Gilt Binder / wir sind erkennet / laß uns in diß enge Gäschen streichen / da man zu Pferde uns nicht verfolgen kan / unser Vorsatz dürffte sonst gebrochen werden. Sie tahten hiemit einen Sprung / und lieffen geschwinde fort / dem Alten zu entwischen; der jhrer Flucht bald innen ward / und biß vor das Gäschen jhnen nachsetzete / da er vom Pferde stieg / und äussersten Vermögens hinter[3] ihnen herlief; wahr doch so fertig nicht / diese hatten sich schon verstecket / und seinen Augen sich entrissen; Welches nicht allein ihm sehr leid wahr / sondern zugleich hohes verwundern brachte / aus was ursachen sie vor jhm fliehen möchten / weil sie durchaus nichts arges sich von jhm zu befahren hätten; Doch weil bey so früher Tageszeit die Häuser noch verschlossen wahren / hoffete er / sie würden jhm so leicht nicht entgehen; Lieff also immer fort / biß er vor ein Hüttchen kam / dessen UnterTühr offen stund / und gedachte bald / sie würden dahinein geschlossen seyn; trat hinein und sahe sich fleissig ümb / biß er jhrer im finstern Winkel / hinter einem grossen Weinfasse gewahr ward. Diese verwunderten sich / wie sie jhn sahen / und fing Ladisla mit ertichtetem Zorn und abgekehrtem Angesicht an: Alter / jhr möget wol ein unhöflicher Geselle seyn / daß jhr fremde dergestalt verfolget / die umb gewisser Ursach zu Rom nicht erkennet seyn wollen. So gehet nun eures weges / und lasset uns des unsern abwarten / sonst werdet jhr empfinden / daß meine Fäuste nicht wichtloß sind; oder gedencket jhr etwa / Rom sey eine Freystadt alles Vorwitzes? Er wolte in seiner Dräurede fortfahren /aber Wezesla / der jhn an der Stimme keñete / fiel vor jhm in die Knie und sagete: Durchleuchtigster Fürst /weß zeihen sich eure Gnaden? kennen die jhren alten Diener Wenzesla nit mehr / der ich mannichen beschwerlichen Weg / dieselbe außzukundschaffen / geritten habe? Dieser kunte sich weiter nicht verstellen /fassete jhn beym Arme / hieß jhn auffstehen / und fragete / was er neues aus Böhmen brächte / auch / ob seine Eltern und Frl. Schwester annoch frisch und gesund währen. Wenzesla wolte ihm keinen schleunigen Schrecken einjagen / und gab zur Antwort: Er wüste nicht anders / ohn daß der König bey seiner Abreise ziemlich schwach gewesen; könte nicht eigentlich sagen / wie es umb jhn stünde. Ich muhtmassete wol /sagte Ladisla zu Herkules / daß mein gestriges Nasebluten mir nichts gutes bedeuten würde; aber was stehen wir in dieser Hütten? Du sihest / lieber Bruder /daß wir an unserm Kirchgange verstöret werden; wird demnach das beste seyn / daß wir umbkehren nach unser Herberge. So werde ich vorhin lauffen / sagte Wenzesla / umb mein Pferd zu suchen / welches ich unferne von hinnen habe stehen lassen. Er eilete geschwinde fort / und als er des Gäschen ende erreichet hatte / und nach seinem Pferde sich umsahe / ward er zweer Buben gewahr / welche dasselbe vor sich hintrieben / wiewol es sich hefftig sträubete / und mit allen vieren von sich schlug. Erst bedachte der Alte seine Thorheit / durch hinterlassung des Pferdes begangen; lief / so fast er mochte / hinten nach / und schrihe die Diebe an / wohin sie mit seinem Pferde gedächten; welche sich doch daran wenig kehreten /und jmmerzu bemühet wahren / den auffgebundenen Wetscher vom Pferde zu reissen / der sie wol bespickt seyn dauchte; geriet auch endlich dem einen / daß er sich in den Sattel schwang / und die Beute ablösete /welche auf die Erde fiel. Der ander war nicht faul bey der Auffhebung; doch saß jhm Wenzesla zu früh auff der Haube / riß ihm den Wetscher unterm Arme hinweg / und sagte: Du wirst mir gleichwol diesen liebẽ Schatz nicht ohn alle Einsprach entführen; Zum wenigsten werde ich das Luder mit dir drum ziehen. Inzwischen schlug das Pferd hinten aus / und traff diesen Buben auff die Hufft / dz er niederstürzete / und der Ohnmacht nicht ferne war; Sein Geselle aber setzte sich im Sattel feste / stieß das Pferd an / und rante in aller eile davon / jhm selbst fluchend / daß er den Wetscher mit so grosser Mühe loßgemacht / und sein Glück / wie er meynete / auff die Erde geworffen hatte. Herkules und Ladisla sahen der Kurtzweil von ferne zu / traten endlich näher / und erinnerten [4] Wenzesla / er solte sich des Pferdes begeben / und den geschlagenen Knecht liegen lassen / sie wolten jhm schon zu einem andern verhelffen. Er aber / wie sehr er sich wegen des geretteten Wetschers freuete / so war er doch über der kühnen Dieberey so hart ergrimmet / daß er den beschädigten Dieb zwang sich zu erheben / damit er durch jhn seines Pferdes wieder habhafft werden möchte; muste also dieser arme Tropff mit zuschlagener Hufft fortkriechen biß in Herkules Herberge / da jhn Wenzesla band / und in eine finstere Kammer versperrete; folgete hernach den beyden Fürsten auff jhr Gemach / öffnete den Wetscher / und nahm ein Schreiben herauß / welches er Ladisla mit diesen Worten einhändigte: Durchleuchtigster Fürst; was massen wir Menschen ohn Standes unterscheid der Gebrechligkeit des fleisches / ja dem Tode selbst unterworffen sind / erfahren wir täglich in allen Ständen. Nun ist mir leid / daß ich der UnglücksBohte seyn / und Euer Durchl. melden muß / was massen durch einen kläglichen Fall / die Götter nach jhrem unerforschlichen Raht und willen / den Großmächtigsten Unüberwindlichsten Fürsten und Herrn / HerrnNotestrich / unsern weiland herrschenden König / Euer Durchl. Herrn Vater / zu sich abgefodert haben / wo durch unser gantzes Königreich in einen sehr leidigen Stand gesetzet ist / insonderheit / weil Eure Gn. ausser Landes in der frembde sich schon eine geraume Zeit aufgehalten / uñ kein Mensch erfahren können /an was Ort oder Enden dieselben anzutreffen seyn; Da dañ unterschiedliche Diener von Euer Gn. Fr. Mutter /unser gnädigsten Königin uñ den Landständen ausgeschicket sind / umb zu erforschen / in was Landschafften Eure Gn. zu suchen währe / nachdem schon etliche sich unterstanden / allerhand Zeitungen von deren Tode außzusprengen / und Euer Erb Königreich zu verunruhen / welches aber bißher von Euer Gn. Fr. Mutter und wenig anderer Vorsichtigkeit ist verhindert worden / sonst möchte das Land durch iñerliche Aufruhr wol schon in vollem Unglücks-brande stehen. Wie hohes Verlagen nun das ganze Reich nach Euer Gn. Ankunfft trage / wird dieses Schreiben in etwas vermelden. Ladisla erseufftzete über dieser Zeitung /und lase folgenden Inhalt mit trähnenden Augen:

Hedewig / verwittibte Königin in Böhmen / gebohrne GroßFürstin aus Teutschland / entbeut jhrem Sohn Fürst Ladisla / mütterlichen Gruß: Der grimmige Todt / welcher weder Tugend noch Frömmigkeit schonet / hat leider meinen liebsten König und Gemahl von meiner Seiten gerissen / und mich in den leidigen Witwenstand /dich aber und deine Fräulein Schwester ins Wäysen-Buch eingeschrieben. Du kanst nicht gläuben / lieber Sohn /mit was heissen Trähnen das gantze Reich jhren verlohrnen frommen Herrn und liebreichen Vater beweinen; und vermehret diese Traurigkeit nicht umb ein geringes / daß sie dein / als jhres Erb Königes nicht allein entbehren /sondern nicht eins wissen müssen / in was Stand oder Land du deine Jugend zubringest. Ich habe hin uñ wieder nach dir außgeschicket / hoffe es werde dich endlich einer außfragen / wo du sonst noch lebest. Sey ja nicht träge / so bald du dieses inne wirst / dich auff die Fahrt zu machen / damit ich und dieses Land erstes Tages die Krone auff deinem Häupte sehen mögen; sonst dürffte einem andern / der sich in sie verliebet / die Lunge darnach hängen / welcher dir in wenig Tagen so viel ungelegenheit einstreuen könte / daß du es in geraumer Zeit abzukehren Mühe haben müstest. Und damit dirs an Zehrungskosten nicht gebreche / hastu bey Zeigern Wenzesla eine Anzahl Kleinot / auff 30000 Kronen / und einen offenen Wechsel biß auff 100000 Kronen zu empfahen. Gehabe dich wol / und erfreue deiner betrübten Mutter Seele durch deine fröliche Wiederkunfft. Gegeben auff dem Königlichen Schlosse zu Prag / von deiner getreuen Mutter. Hedwig. Nach Verlesung reichte ers seinem Herkules hin und sagte: Geliebter Bruder / ich find alhie sehr leidige Zeitung; wollest / bitte ich / den Brief lesen / und mir deine Meynung darüber eröffnen. Dieser lase es mit grosser [5] Traurigkeit behende durch / und antwortete ihm: Herzlieber Bruder; Gott ist mein Zeuge / wie hefftig der klägliche Tod deines Herr Vaters mir zu herzen gehet; und mag Böhmen wol mit Warheit klagen daß es den gerechtesten und gnädigsten König an jhm verlohrẽ hat. Wann wir aber betrachten / daß jedweder diesen Weg alles Fleisches gehen / und das irdische dereins ablegen muß / sollen wir unsere Traurigkeit billich mässigen / und gedenken / daß an den unsern nichts neues geschiehet /wann ihnen die Nohtwendigkeit zustosset / die uns allen gemein ist. Zwar es gehet uns saur ein / diesen Trost stracks anfangs zu ergreiffen; Dann wer wolte seiner lieben Eltern Abscheid aus dieser Welt / mit Trähnen unbegleitet lassen? jedoch / weil durch dieselben nichts wiederzubringen ist / muß man billich im Leide masse halten / insonderheit wann wir versichert sind / daß die Verstorbenen bey allen Bekandten einen guten Namen / und stete Gedächtniß jhrer Tugend hinterlassen / welches Lob dem weiland Großmächtigsten Herrn und Könige / Herrn Notesterich keine Vergängligkeit hemmen / viel weniger rauben wird. Er wolte in dieser Trostrede fortfahren / ward aber iñen / daß die Hauß-Tühr mit Gewalt auffgebrochen ward / daher sie beyde alsbald den Helm auffsetzeten / Schild und Schwert zun Händen nahmen / und hinunter vom Gemache ins Hauß traten / da sie gleich funden / daß sechzehn freche / zum theil übel gekleidete / aber mit Schwertern alle wolversehene Wagehälse zur Tühr eindrungen / und durch einander rieffen / wo der Gefangene / den das Pferd geschlagen /hinkommen währe. Unsere Helden traten gehertzt zu ihnen ein / uñ fragete sie Herkules / wer sie so kühn gemacht hätte / jhre Herberge unabgesagt zuüberfallen. Der Rottmeister eine Helle Barte in der Hand haltend / lächelte jhn an und sagte: Es wehre immer und ewig schade / daß der Himmel sich an jhm geirret /und jhn nicht zum Weibsbilde gemacht hätte / auff welchen fall er jhn vor seine Meisterin anzunehmen willens währe. Herkules war ungewohnet / dergleichen Reden gedultig anzuhören / und gab jhm zur Antwort; Er solte sich nur bald zur Tühr hinauß packen / ehe jhm der Abzug verlegt würde / hätte er aber über ichtwas zu sprechen / solte ers mit recht thun /da man sich zur Antwort erböte. Ja schöner Herr /antwortete dieser / ich wil euer Erinnerung statt geben / wiewol mit dem bedinge / daß jhr und euer Geselle mit uns gehet; griff mit diesem Worte nach jhm / in meynung jhn zu fahen; aber Herkules trat zurücke /zog das Schwerd / und hieb von der Seiten her jhm das Angesicht vor dem Kopffe hinweg / daß es wie eine Vorhaube auff die Erde fiel / und er zugleich mit niederstürzete. Nun fahre hin / sagte Herkules / du wirst fort mehr keiner Meisterin bedürffen. Als seine DiebsRotte solches sahe / drungen sie einmühtig auff unsere Helden zu / die sich aber auch nicht seumeten /sondern ein solches Spiel unter jhnen anfiengen / daß ehe sie XX Streiche führeten / schon achte / theils erschlagen / theils zur Gegenwehr undüchtig gemacht wahren; wiewol auch Ladisla eine tieffe Wunde in die rechte Seite bekam / woraus das Blut auff Herkules Kleider sprützete / und er gezwungen ward / einen Abtritt zu nehmen / indem Herkules sich unter die acht übrigen mischete / und wie ein ergrimmeter Löwe um sich schlug und stach / daß noch drey erlegt wurden / und die andern nicht an jhn durfften / ungeachtet er auch an unterschiedlichen Orten seines Leibes verwundet wahr. Als er ein wenig Lufft empfand /kehrete er sich nach Ladisla / und fragete / wie es umb jhn stünde / welcher mit schwacher Stimme antwortete: Sehr wol mein Bruder / wann die Götter dich nur erhalten. Mit welchen Worten er sanfft zur Erden nieder sanck; Worüber sein Freund als ein Löwe auffs[6] neue loßgieng / des gantzlichen Vorsatzes / mit Ladisla zu sterben / oder seinen Todt zu rächen; schlug demnach so eiferig unter sie / daß sein Schwert auch durch die Pantzer gieng / mit welchen jhrer etliche sich unter den Kleidern verwahret hatten / biß sie /ausser zween / zur Erde stürtzeten / und er hingegen auch anfing krafftloß zu werden. Der alte Wenzesla hatte sich bißher nicht gereget / stund auff dem Gemache als ein Verzukter / und sahe diesem Wunder-handel zu; endlich trat er zurück in die Kammer / machte mit den auffgehengeten Harnischen ein grosses Geräusche / kam bald wieder / und rieff mit starker Stimme hinter sich: Ihr meine geträue Diener komt / und fahet mir die Schelmen lebendig / daß sie nicht entrinnẽ; wodurch diese höchlich erschrecket / das Gewehr von sich warffen / und der Tühr zulieffen. Aber Herkules ermannete sich / trat jhnen entgegen / und stieß jhnen das Schwerd durch die Gurgel; rieff darauff den alten Wenzesla zu sich / und befahl / daß er alsbald den WundArzt / so gegen über wohnete / herzu holen solte. Derselbe war mit zween Gesellen bald verhanden / sahe den jungen Held mit blutigem Schwerd und Kleidern zwischen so vielen Erschlagenen stehen /und kunte vor verwunderung kein Wort sprechẽ; Da Herkules zu jhm sagte: Mein Freund / da lieget mein Bruder hart verwundet / wo nicht gar erschlagen; sehet ob noch Leben in jhm sey / ich wil euch der Mühe redlich lohnen. Wenzesla gehub sich als ein Verzweiffelter / und wolte viel rüttels an jhm machen; Aber Galehn der Artzt redete jhm ein; Er solte ihm den Verwundeten helffen sanffte auffheben / und auffs Gemach tragen; Zohe jhm das Wa es als einem Todten ab / und bestrich die SchlagAdern und Naselöcher mit kräfftigem Wasser / daß er endlich noch ein Lebenszeichen von sich gab; deßwegen er jhm allerhand Blutstillung gebrauchte / und insonderheit die gefährlichste Seitenwunde wol in acht nam. Herkules / wie schwach er gleich war / wolte sich nicht verbinden lassen / seufzete / und gehub sich kläglich / biß jhm Galehn zurief; Sein Bruder lebete noch / und solte guter Hoffnung nach / geheilet werden; Worauff er zuließ / daß der eine Geselle ihm die Kleider abzohe /und seine Wunden / deren er XXIV hatte / verband /worüber er gleichwol etliche mahl in Ohnmacht fiel /weil jhm fast kein Blut mehr im Leibe übrig war. Als Ladisla zu sich selbst kam / schlug er die Augen schwächlich auff / und fragete mit liegender Zunge /ob sein Herkules lebete; und weil der Arzt seine Rede nicht verstund / noch jhm Antwort gab / entwarff er sich und sagete: Wer hat euch befohlen / mich zu verbinden / weil mein einig geliebter Bruder tod ist / und ich keine Stunde nach ihm überbleiben wil? Wenzesla kam zu allem Glück darzu und antwortete: Gnädiger Herr / euer Herkules ist nicht todt / sondern nach erhaltenem Siege stärcker als jhr. Wol! so last mich jhn sehen / sagte er / oder meinen Geist ohn ferner auffhalten ihm nachreisen. Herkules war drunten im Hause verbunden / hatte sich schon ziemlich erhohlet / uñ ließ sich die Steige hinauff leiten. So bald jhn Ladisla sahe / sagte er mit blinzenden Augen zu jhm: Mein Brüderchen / lebe / so wil ich auch bald genesen. O meiner Seelen Liebe / antwortete er / bekümmere dich nur meinet wegen nicht im geringsten / sondern laß dir helffen / ich bin GOtt Lob / ausser Todes Gefahr. Der Arzt warnete sie beyderseits träulich / sie solten den Liebes-bewägungen nicht zusehr nachhängen / sonst würden sie übel ärger machen / welches fast schon auffs höchste kommen währe; Die Gedanken müsten so wol als der Leib ruhen / solte jhnen sonst geholffen seyn. Daher Herkules seinen Ladisla erinnerte / dem Arzt folge zu leisten / wo er sonst durch seinen Tod jhn nicht zugleich mit hinreissen wolte. Also wurden sie beyde befriediget / lagen[7] gegen einander über auff Bankpolstern / uñ wurdẽ von des Arztes Gesellen fleißig gewartet. Inzwischen hatte jhr Haußwirt Sabihn sich mit seinem Gesinde wieder hervor gemacht / welche im anfange des blutigen Kampffs davon geflohen waren / und in Winkeln sich hin und wieder verstecket hatten / wo sie meynetẽ am sichersten zu seyn. Sie kunten sich nicht gnug verwundern / daß das Hauß voll Blutes stund / und mit Erschlagenen angefüllet war; und wolte der Wirt von Wenzesla fast mit Gewalt wissen / was die Ursach dieses mördlichen überfalles seyn möchte; wovon er jhn doch keinen bescheid zu geben wuste / und gleich in dem gewahr ward / daß ein Räuber noch nicht verschieden war / ließ jhn durch kräfftige sachen erquicken / und mit Dränung schwerer Peinigung befragen; welcher aber wegen seiner Wunden Schmerzen nicht viel reden kunte / baht sehr / jhm seine Pein durch schleunigen Todt zu verkürzen / und den Gefangenen vorzunehmen / der umb alles Wissenschafft trüge; worauff diesem die Seele außfuhr. Wenzesla schleppete seinen Gefangenen auß der finstern Ka er hervor / der alles angehöret / und so viel seine Schmertzen zuliessen / sich darüber gnug belustiget hatte; sagte auch / wie er die Erschlagenen sahe: O jhr nichtswerte verzagte Hudler; billich müsset jhr da gestreckt liegen / weil jhr euch vor zween jungen Kerlen nicht habet schützen können / denen ich / wann ich gesund und frey währe / allein Mannes gnug seyn wolte. Indem er aber den Haußwirt unvermutlich erblickete / hielt er die Arme vor das Angesicht / um nicht erkennet zu werden. Wenzesla dräuete jhm den abscheulichsten Todt / wo er auff seine Frage nicht gleich zu antworten würde. Er aber sagte: Lasset zuvor euren Haußwirt abtreten / alsdann gelebe ich eures willens. Sabihn gebauchte die Stimme zu kennen / reiß jhm die Arme vom Gesichte hinweg / und nach fleissiger Besichtigung / erkennete er jhn vor seinen Knecht Geta / der jhm vor zwey Jahren / da er in einem andern Hause wohnete / entlauffen war / und einen Zehrpfennig auff 200 Kronen mitgenommen hatte; erblassete demnach vor Zorn / und sagte: O du abgefeimter Bube / gerähtestu also wieder unter meine Hände? gewiß wird dir das Glück nicht so günstig seyn / daß du ungefoltert verscheidest. Erzählete darauff Wenzeslaen / wie er vor ungefehr drittehalb Jahren diesen leibeigenen getauschet / der sich anfangs sehr wol gehalten / endlich aber der Gelegenheit wahr genommen / ihm die Laden auffgebrochen / und was er an Baarschafften funden / mit weg genommen hätte. Der verwägene Geta antwortete ihm: Herr / jetzt betreffe ich euch auff einer gedoppelten Lügen; dann vorerst habe ich eure Lade nicht auffgebrochẽ / sondern mit meinem Nachschlüssel / der zu allen eurẽ Schlössern gerecht war / auffgeschlossen. Vors ander / habe ich mich an eurer Seiten nie wol gehalten / sondern allemahl abgeknappet / wie und was ich gekunt; und hätte ich gewust / daß hier eure Wohnung währe /solte mich der alte KrumReuter wol nicht über eure Schwelle gebracht haben. Mir genüget an deiner gutwilligen Bekäntniß / sagte Sabihn / werde auch desto mehr ursach haben / dir nach Verdienste abzulohnen. Aber sage mir / wer hat diß übel in meinem Hause gestifftet? Je wer anders antwortete er / als die / so diese meine feige Gesellen erschlagen haben? Wer sind aber diese deine ehrliche Gesellen? fragte Sabihn. Besehet sie / antwortete der Bube / wie jhr mir getahn /so werdet ihr eigentlich befinden / daß sie eben diese sind / welche da todt liegen. Sabihn ergrimmete des Spottes / und sagte: Ey so mustu mir heut noch anders reden / es wäre dann / daß dein Fleisch ja so steiff als dein Sinn seyn möchte. Tuht euer bestes / antwortete dieser / dz werde ich auch tuhn / und diesen Saz halten müssen. [8] Die anwesenden Knechte entblösseten ihn am gantzen Leibe / und mit scharffen Geisseln strichen sie ihn allenthalben / daß das Blut von ihm flosse; Er aber stund an der Säule als ein unempfindlicher Kloz / biß er von Schmerzen in Ohnmacht fiel. Sie labeten ihn bald mit kråfftigen Sachen / und dräueten ihn weiter zu geisseln / wo er nicht bekennen würde / durch wessen Anstifftung der mördliche überfall geschehen währe; kunten aber nicht das geringste auß ihm bringen / ohn daß er ein bitteres Gelächter anfing / und zur Antwort gab; Er müste wol ein verzagter Mensch seyn / wann er seine eigene Zunge nicht bendigen / und gute Freunde zu verrahten abhalten könte; möchten sich derhalben umb nichts bekümmern / als wie sie das wenige übrige seines Lebens mit neuen Geisseln vollends herauß peitscheten / dem er von herzen feind währe / weil es ihm so ungehorsam / und auff sein begehren nicht willig außweichen wolte. Niemand kunte sich des Frevels gnug verwundern / und sagte Wenzesla: Ich weiß nicht / ob ich heut grössere Tugend an unsern Helden / oder an diesem verwägenen Tropff steiffere Hartnäckigkeit gesehen habe; und wann ich wissen solte / daß die Bosheit in ihm könte gedämpffet werden / wolte ich ihm das Leben helffen verbitten. Worauff der verstokte Geta zur Antwort gab: Ich habe mir bißher steiff vorgenommen / nimmermehr zu tuhn / was die / so man Tugendhaffte nennet / gut heissen / gläube auch noch diese Stunde nicht / daß ich meine Flecken oder Haut endern werde. Die Haut / sagte Sabihn / wirstu ohn Zweiffel endern / da du leben solt / sintemahl die alte dir dergestalt zukerbet ist / das davon nicht viel mehr übrig scheinet. Ey so reibet mich fein mit Salz / antwortete er / und waschet mich mit Allaunwasser /damit das alte gar hinweg gebeizet werde; alsdañ möchte ich mich vielleicht etwas bessern; aber die Bosheit / wie jhrs nennet / welche gar zu tieff bey mir eingewurzelt ist / wird der Tugend in meiner Seele nimmermehr Raum gönnen; dann ich fühle / daß mein innerstes nichts als abgeschäumeter Frevel und begierige Widerspenstigkeit ist / dabey ichs dann werde bewenden lassen. Hierauff ruhete er ein wenig / ob schlieffe er / dann des Fleisches Schmerzen wahr überauß groß; ermunterte sich aber bald wieder / und sagte mit schwacher stimme: gute Nacht / ich scheide von hinnen; so erfüllet nun / bitte ich / meinen lezten Willen / und schreibet mir diesen Grabe-Reim zu ewiger Gedächtniß / gilt gleich / an die Galgen-Säule /welches ich lieber wolte / oder auff einen Marmelstein:


Hier liegt Geta / dessen Geist

Allen Frevel Tugend heist /

Der ihm Bosheit hat erkohren;


Der nie gutes hat gewolt /

Darumb ist / O schönster Sold!

Sein Gedächtniß unverlohren.


Mit dieser Rede gieng das lezte seiner Seele auß jhm /also daß kein Zeichen einiger Ungebärde an jhm gesehen ward. Wenzesla nam sein fleissig wahr / meynete nicht / daß ihm der Todt so nahe gewesen währe / als er jhn aber keinen Finger mehr regen sahe / fieng er zu den Anwesenden an: Immer schade ist es / daß dieser Mensch in seiner ersten Jugend nicht unter die Hand guter Lehrmeister gerahten ist / welche das zarte Gemüht bald anfangs zur Erbarkeit hätten angehalten; Dann währe dieses Reiß recht gewehnet / was vor herrliche Früchte solte der Baum zu seiner Zeit getragen haben. Ja / sagte Sabihn / hätte jhn mein Herr damahls gekennet / wie ich jhn bekam / würde er ihn vor den ausrichtigsten Menschen gehalten haben; dann nebest den Fleiß und Wachsamkeit wuste er sich demühtig uñ [9] diensthafft zu halten / daß ich mich glükselig schätzete / einen solchen Knecht angetroffen zu haben; wahr auch gesinnet / ihm seine Dienste dereins mit der Freiheit zu belohnen / und die Verwaltung meines Landguts zu vertrauen. Ihr würdet euch aber im Außkehrich heßlich betrogen funden haben /sagte Wenzesla / wo sonst seiner lezten Beichte / die er mit seinem Tode bekräfftiget hat / einiger Glaube beyzumässen ist. Deß wil ich jhm auch eine wirdige Urtel sprechen / antwortete Sabihn; hieß ihn damit neben den andern Leichen auf die Schindgrube schleppen / und den Hunden und Raben vorwerffen.

Unsere hart verwundete Helden wusten diesen Tag wenig umb sich selbst / insonderheit Ladisla welcher gewißlich des Todes hätte seyn müssen / wann des Arztes grosse Erfahrenheit und Träne nicht gewesen währe; dann es gieng ihm eine Ohmacht über die andere zu / daß er kaum den Odem zihen kunte; und nicht desto weniger wolte er immer seines Herkules Zustandes berichtet seyn / welcher gegen Abend etwas Speise genoß / und auf seinem Lager sich auffrichtete; welches Ladisla ersehend / eine lebendige Farbe unter dem Angesichte bekam / sich auch mit gutem Willen handeln und verbinden ließ. Des folgenden Tages besahe der Arzt Herkules Wunden / und zeigte an; er müste ohn zweifel bey den Göttern in grossen Gnaden seyn / massen unterschiedliche Hiebe so gar gefährlich gangen / und doch wunderlich abgeglitschet wehren / da er sonst ohn alle Hülffe hätte sterben müssen; Wolte jhn aber schon versichern / daß auff gebührliches Verhalten / er innerhalb drey Wochen / seine völlige Gesundheit wieder haben solte; Welches Ladisla mit sonderlicher Belustigung anhörete / der nur acht Wunden hatte / die nicht sonderlich zu bedeuten /ohn die in der rechten Seite / welche Galehn noch nicht öffnen wolte / weil er sich einer neuen Verblutung befahrete, doch weil die übrigen sich wol anliessen / fassete er auch wegen dieser eine gute Hoffnung. Nun hatte er aber noch keinen Heller / so wenig wegen des ersten Bandes / als auff das künfftige empfangen / wuste auch nicht / woher jhm seine teure Arzney-kosten / und die grosse Mühe- und Kunst-an wendung solte belohnet werden; massen sie in diesem Wirtshause etwa IX Tage sich auffgehalten / und weder Knecht noch Diener / ausser einen Leibknaben hatten / der ihnen noch des vorigen Tages entlauffen wahr / und des Wirths Haußknecht jhnen die Pferde warten muste. Daß nun Galehn gleichwol im gewissesten seyn möchte / erinnerte er den alten Wenzesla /die Kranken zu fragen / ob sie die Arzneyen selbst einkäuffen / oder jhm solche bezahlen wolten. Sie hetten sehr zarte Leiber / dergleichen ihm nie vorkommen; so wehre die Verwundung / wie sie selbst wüsten / groß und gefährlich / welche mit Haußkräutern sich nicht wolte heilen lassen; möchte also gerne wissen / wessen er sich hinfüro verhalten solte. Wenzesla solches Herkulessen auf teutsch zu verstehen / der ihm befahl / einen rohten Wetscher auß der verschlossenen Lade zu holen; redete inzwischen mit Galehn /und sagte: Mein Freund / verzeihet / bitte ich / unser gestrigen Schwachheit / welche verhindert hat / daß wir unser schuldigen Dankbarkeit nicht haben können eingedenke seyn / und lasset eure beyde Gesellen herzuruffen. Dieser holete sie selber / daß Herkules Zeit hatte / etliche Sachen zu sich zu nehmen; und als sie alle drey sich einstelleten / gab Herkules dem Meister einen schönen Ring von 50 Kronen / und so viel Baarschafft / zu jhm sagend; Sehet da mein Freund /hiemit sey euch der erste Band und der schon angewandte Fleiß vergolten / so es gnug seyn wird / und begehret jhr ein mehrers / [10] sol es euch zu allem Danke werden. Dieser war jhm solcher Freygebigkeit nicht vermuhten / wegerte sich / alles zu nehmen / und auff Nöhtigung erbot er sich / es in künfftig mit seinen geträuen Diensten zu erkennen / und allerhand nöhtige Arzneyen davon einzukauffen / boht auch jedem Gesellen eine Krone von dem empfangenen; Da Herkules ihm einredete / er solte dieses vor sich behalten /und gab ihnen XXIV Kronen / unter sich gebührlich zu teilen; Wodurch sie ingesamt dermassen zum fleiß auffgemuntert wurden / daß sie stets auffwarteten /und zu allen Diensten sich willig einstelleten. Bey spätem Abend machte sich Galehn an Ladislaen Seitenschaden / lösete jhn sorgfältig auf / und nach fleissiger Besichtigung sagte er zu Herkules: Mein Herr /euer Bruder sol mit der Götter Hülffe an dieser Wunde nicht sterben / dafern er sich nur aller Sorge und Schwermühtigkeit entschlagen / und meiner geträuen Warnung folgen wird. Davor sey Gott im Himmel Dank / antwortete er; vermahnete hernach seinen lieben Freund / sein selbst acht zu haben / damit er nicht Mörder an seinem Leibe würde; welches Ladisla also beantwortete: Mein Bruder / bekümmere dich nur meinetwegen nicht; ich wil / wie bißher geschehen /deines Willens gerne leben / unter der Hoffnung / die Götter werden unsere / kaum vor neun Wochen wie der erneuerte Freundschafft nicht so schleunig zureissen. Aber deine Gesundheit wird das heilsamste Pflaster zu meinen Wunden seyn / deßwegen / ihr mein geträuer Arzt / sagte er zu Galehn / leget nur Fleis an meines lieben Bruders Heilung / und seyd versichert /daß ich euch nicht doppelt / sondern vielfach lohnen werde. Mein Herr / antwortete dieser; ob ich wol zu euer Gesundheit sehr gute Anzeigung spüre / möchte ich doch von herzen wündschen / daß ihr erst in dem Stande währet / darin euer Bruder sich befindet / alsdann wolte ich euch beyde inwendig XIV Tagen gehen und reiten lassen / wohin euchs gelüsten möchte; wolle demnach mein Herr wegen seines Bruders sich nicht bekümmern / der in fünff Tagen vor ihm stehen und sitzen sol. Dieses erfolgete auch in der taht / massen nach solcher Zeit Herkules sich des Tages etliche Stunden von seinem Lager auffmachete / da hingegen Ladisla annoch grosse Gefahr hatte; biß nach Verlauff eilff Tagen / da Herkules schon gehen kunte / der Arzt nach Besichtigung des gefährlichsten Schadens sagete; Nunmehr habe ich / dem Himmel sey Dank / die unfehlbaren Zeichen / daß am Eingeweyde durchaus nichts verletzet / oder doch schon alles wieder geheilet ist; Wann nun mein Herr sich mehr wird zur Speise halten / damit Leib und Geist Krafft bekommen / und der angewandten Kunst zu Hülffe treten / sol durch der Götter Segen und meinen Fleiß / heut über drey Wochen diese schädliche Wunde keines verbindens mehr bedürffen. Dessen nicht allein Herkules / sondern auch Wenzesla froh ward / so daß dieser schon außrechnen durffte / auff welchen Tag er mit seinem Herrn sich auff dem Prager Schlosse finden wolte. Am siebenzehenden Tage nach der Verwundung / legte Herkules seine Kleider an / und ob gleich Ladisla der grössesten Gefahr entrunnen war / hielt doch seine Schwachheit sehr an /daher Wenzesla sich eines langwierigen Lagers befürchtend / ihn diesen Tag erinnerte / es würde die Königin seine Fr. Mutter sonder Zweifel sich hefftig bekümmern / daß sie so gar keine Zeitung von ihm hätte; wolte deßwegen / da es seiner Gn. gefällig /eine schnelle Botschafft ablauffen lassen / damit sie in ihrem Trübsal getröstet würde. Aber Ladisla wehrete ihm solches / einwendend / er hätte Schwachheit halber noch nicht Zeit gehabt / darauff zu sinnen / wessen er [11] sich erklären wolte; so bedürfte es keines anderen Bohten; Er Wenzesla selbst solte fortgehen / so bald er schwachheit halben schreiben könte. Dem Alten kam diese Antwort verdächtig vor / und hielt nochmahl an / da Ihre Durchl. es zugeben könte /wolte er deren Gesundheit abwarten / und Ihr in künfftig auff der Reise auffwärtig seyn; Aber Ladisla wolte ihm nicht Wiederspiel halten / weil er seinen Schluß bey sich schon gemacht hatte.

Des folgenden Tages / da er mit seinem Herkules allein wahr / und derselbe vor seinem Bette saß / redete er ihn also an: Herzlieber Bruder / ich halte vor unnöhtig / unser höchstvertrauliche Freundschafft und Liebe / die von dem ersten Tage unser Kundschafft her / ausser dem neulich ertichteten Unwillen / allemahl zwischen uns steiff und fest bestanden / dich weitläufftig zu erinnern; eines meyne ich / dir allerdinge unverborgen zu seyn / daß ich lieber sterben /als deiner angenehmen Gegenwart beraubet seyn wolte / daher du keines weges gedenken darffst / ich werde mein Königreich antreten / und dich von mir lassen; So ist dir gnug bekant / daß mir der Odem nach der ReichsKron nicht stinket / sondern gesonnen bin / meine blühende Jugend in ritterlichen übungen /und Erfahrung fremder Sitten / auch besuchung abgelegener Länder anzuwenden; iedoch möchte ich gerne hierüber deine Meynung vernehmen / ob du lieber mit mir zugleich gewaltiger König in Böhmen seyn / und nach deines Herrn Vaters Absterben / meiner Länder Macht / zur Eroberung deines GroßFürstentuhms anwenden; oder aber / welches ich lieber wolte / unser genommenen Abrede nach / die Welt versuchen / und deine Mannheit / der ich keine zuvergleichen weiß / in ritterlichen Tahten eine zeitlang neben mir üben und prüfen woltest. Herkules kunte ihm nicht länger zuhören / und antwortete: Davor behüte mich mein Gott /daß dein Erb-Königreich zugleich neben dir einen andern König haben und ernehren; oder ich wider meines Vaters und des Landes Willen / einen Fuß / geschweige grosse feindliche Kriegesheere in mein Vaterland bringen solte. O nein / O nein! Herkules hat so viel Gnade und Vergnügung von Gott / daß er mit gutem Gewissen lieber im Elende / ja in äusserster Armut und Dienstbarkeit sein Leben zubringen / als wider Gewissen ichtwas besitzen und beherschen wil / wie ich dessen schon anderthalb Jahr einen guten Beweistuhm abgelegt habe. So kanstu nicht gläuben /geliebter Bruder / wie höchlich ich mich freue / daß ich dich erster Zeit einen gewaltigen herschenden König wissen sol; gelebe auch der gänzlichen Zuversicht / du werdest durch solche Erhöhung / und auff deinem stolzen Schlosse deines geträuen Herkules nicht allerdinge vergessen / sondern unser geschwornen Freundschafft eingedencke seyn; Ich hingegen verspreche dir / daß mein Herz und Gemüht nimmermehr von dir absetzen sol / sondern in allen Ländern /da ich seyn und ehrlich leben werde (dann ohne Ehre verderbe ich lieber) / ich zu deiner Gedächtniß deinen und meinen Nahmen in einer füglichen Vermischung führen wil. Inzwischen wollestu / bitte ich / deiner Heilung durch widrige Gedanken keine Hinderung geben / sondern des Arztes vorgeschriebenen Satzungen dich gemäß verhalten / auff daß du desto zeitiger in dem Königreich zihen könnest; mich wird mein Gott und Heyland schon führen / wie ers gnädig versehen hat. Hiemit fiel er seinem liebsten Freunde umb den Halß / und küssete ihn auß herzlicher Gewogenheit / als einen / mit dem er sich schier letzen würde. Ladisla empfand sein Herz vor Liebe auffwallen / daß zu befürchten wahr / es möchte die gefährliche Seitenwunde / die sich ein wenig zugesezt hatte / wieder auffbrechen; sahe doch seinen allerliebsten Freund gar lieblich [12] an / und sagte mit sanffter Stimme: So merke ich wol / Herkules stecket in dem Wahn / als ob Ladisla ohn jhn König seyn / oder jhn ohne seine Gesellschafft könne reisen lassen? Ja / wann Böhmen die ganze Welt währe / dann könte ich meinem Herkules folgen mit dem Hofstabe / und meinen Stuel setzen /wo jhn zu seyn beliebete. Herkules wiederantwortete: So solte Böhmen meinetwegen unselig und ihres Königes beraubet seyn? Ladisla: So solte Ladisla umb der Böhmischen Krone willen unselig / und seines lieben Herkules beraubet seyn? Herkules: Ich bleibe der Deine nicht desto weniger; oder meynest du / Herkules könne eines Königes Freund nicht seyn? Lieber rede mir hievon nichts mehr / sagte Ladisla; ich schwöre bey dem Gott aller Götter / daß ich mit willen mich von dir nicht trennen werde; würdestu aber beschworne Träue brechen / und Zeit meiner Schwachheit heimlich von mir scheiden; sihe so wil ich mich / wie krank ich bin / zu Pferde setzen / und nicht auffhören in der Welt umbzureiten / biß ich dich außspüre; sterbe ich dañ solcher gestalt / so sol mein Geist dich allenthalben verunruhen / und deine Träulosigkeit dir vorhalten. Diese Worte redete er mit solcher Bewägung / daß jhm das Blut auß der Nasen hervor schwitzete / sahe auch Herkules mit verwendetẽ Augẽ an / als einer / der leztzügig ligt; dessen er höchlich erschrak / ihn umfing / und sagete: Herzallerliebster Bruder / was verursachet dich zu dieser hefftigen Verenderung? hältestu mich für einen meineydigen Bösewicht / der sich von dir ohn Abscheid hinweg stehlen wil / so verzeihe dirs mein Gott. Hiedurch ersetzete Ladisla alsbald seine Sinnen / drückete ihm die Hand aus innerlicher Hertzensliebe / und antwortete ihm: Habe ich mich an dir zu hoch vergiffen / so räche dich ohn schonen; kanstu aber den Fehler verzeihen / welcher auß der allerlautersten Liebe entstehet / so bleibe mein Herkules / wie ich dein Ladisla bleiben werde; und höre meines Herzen unbewäglichen Schluß: Mein Königreich sol mich durchaus nicht sehen / du geleitest mich denn dahin mit freyem und aller dinge ungezwungenen Willen und Vorsaz. So ist meine Fr. Mutter verständig gnug / die Herschafft zu verwalten / weil ich ausser Landes bin. Würde nun der Himmel es schicken / daß ich auff unser Reise etwa durch unfall das Leben einbüssen solte / und du mein Königreich anzunehmen dich wegern woltest / so ist meine Meynung / daß dein Bruder Baldrich meine Frl. Schwester Valisken (die nunmehr von XIV Jahren) heirahten / und Sie Ihm mein Königreich zur Heimsteur zubringen sol. Herkules wolte jhm hierauff Antwort geben; aber Ladisla kam ihm zuvor / und sagte; Ehe ich dir einige Antwort gönne /beschwöre ich dich zuvor bey dem wahren Gott Himmels und Erden / und bey deinem Jesus / den du täglich anbehtest / daß du dich nicht unterstehest / mich von meiner vorgeno enen Reise abzumahnen; Du weist / daß mein Königreich dein ist / und du mir keinen grössern Dienst tuhn köntest / als dasselbe mit mir gemein zu haben; sintemahl dir aber nicht gefällig ist / deine Jugend daselbst in Müssigang und üppigkeit zuzubringen / ich dir auch solches nicht rahten kan / wil ich dich forthin nicht mehr darzu reizen /sondern habe nun selbst diß mein Land auff gewisse Zeit in meinem Herzen verschworen; deßwegen sol und muß unser gemachter Schluß fest bleiben / und so bald ich genese / ins Werk gerichtet werden. Herkules sagte: Böhmen möchte wündschen / daß ich nie gebohren währe / oder du mich niemahls mit Augen gesehen hättest; dann so viel ich mercke / wird solches Land meinetwegen ohn seinen König seyn müssen /welches ich auff ein oder ander Jahr noch so groß nicht achten wolte; Wie aber / wann mir mein Gott in weit abgelegener Ferne etwa Kriegsdienste / [13] oder wol gar eine Herrschafft versehen hätte / woltestu alsdann dein Reich angeben / und bey mir bleiben? Lieber bedenke doch / mein Bruder / was unbilliche Sache du vornimst / und verschwöre nicht in deinem Herzen /wozu dich Gott selbst beruffen und verordnet hat. So wil ich nun / angesehen deine hohe Beteurung / dich in meiner Gesellschafft herzlich gerne eine zeitlang wissen / allein beschwöre mich nach diesem nicht mehr so hoch / auf daß ich nicht gehindert werde /mein geträues Bedenken dir anzudeuten. Was endlich meinen lieben Bruder Baldrich betrift / so hat derselbe durch GOttes Gnade in künfftig (weil ich ja enterbet seyn sol) so viel Länder zu beherrschen / daß er ein mehres weder verwalten noch begehren kan; Zweifele auch sehr / ob die LandStände deines Reichs damit würden friedlich seyn; Und warumb woltestu mit Schliessung solcher Heyraht zwischen deiner Frl. Schwester und meinem Bruder so schleunig verfahren? nach dem mahl dieser erst von XIIX Jahren ist /und man nicht wissen kan / ob eins dem andern von Gott versehen sey; welche lezten Worte er mit sonderlicher Bewägung vorbrachte. Ich wil alles nach deinem Gutdünken machen / sagte Ladisla / nur daß unser abgefasseter Schluß nicht gebrochen werde /ohn daß wir uns mit mehr Dienern versehen / als wir sonst willens wahren / weil auß Böhmen ich nun Mittel gnug haben kan / sie zu unterhalten. Wie es dir gefält / mein Bruder / antwortete er; doch sehe jch nicht / wie wir uns nur vor umschweiffende Ritter außgeben können / wann wir mit zu grosser Menge reitender Diener einher prangen; hätte ein jedweder einen Handfesten ädlen Diener / der uns ein gutes Leib-Roß nachführete / und einen Knaben / auff unsern Leib zu warten / währe meines ermässens / übrig gnug; und solche zu unterhalten / wie es dir ein geringes / also kan mir auch nicht mangeln / weil meine Fr. Mutter mir im neulichsten Schreiben Hoch Ritterliche Zehrungskosten versprochen hat; und wer weiß / was vor Glük uns durch Abenteuer zustossen möchte / daß wir in der Fremde mehr Gelder überkähmen / als wir auß unserm Vaterlande zugewarten haben? O daß ich nur erst recht gesund währe / sagte Ladisla / damit an Verhinderung unsers löblichen Vorsatzes ich nicht länger schuld trüge. Wir sind ja / weiß nicht wie / zu diesen Wunden kommen / antwortete Herkules / und was hätten wir vor Ruhm davon / wenn diese heillosen Diebe uns hätten gar erschlagen? Ich hatte mich meines Lebens gar zeitig erwogen / sagte Ladisla / als ich sahe / daß die frechen Buben so muhtig in unsere Schwerdter lieffen; Zweifele auch nicht / da der verwägene Geta seine Fäuste mit gebrauchen können /würde es noch gefährlicher umb uns gestanden seyn; jedoch geschehene Dinge sind nicht zu wiederbringen / nur daß sie uns zur Lehre dienen / dergleichen unlöbliche Streite / so viel möglich zu meiden / welche viel Wunden und wenig Ehre geben; Wann ich nun wissen möchte / wie bald ich völlig genesen solte /hätten wir unsere Sachen darnach anzustellen. Wenzesla saß im Neben-gemache / und hörete alle vermahnungen / damit Herkules Ladislaen zur reise nach Böhmen bewägen wolte / aber weil derselbe wegen schwachheit zu sanfte redete / kunte er dessen antwort nicht vernehmen; meinete auch / Herkules unwillige reden gingen auff etwas anders als auff eine verwegerung / nach Böhmen zu ziehen. Galehn störete ihr Gespräch durch seine ankunfft / zu welchem Herkules sagete; Gewißlich / mein Freund / wird mein Bruder schlimmer Haut zu heilen haben als ich. Ja mein Herr / antwortete er; Herr Ladisla ist flüssiger und schwermühtiger art; wiewol des Herrn wunden [14] gegen diesen Seiten-Schaden nicht zu rechnen sind; doch haben wir das gefährligste schon vorbey gebracht. Er lösete hiemit die Binde auff / und als er das Pflaster hinweg taht / drang ein zimlich teil Blut hervor; dessen er sich übel gehuhb / fing an zu schelten / und verwies ihm mit harten worten / warumb er sich so heftig bewäget / daß die Wunde einen Bruch bekommen; es dürffte leicht geschehen / daß das lezte ärger würde als das erste / und er sein lebelang ein krummer Mensch bliebe; trüge demnach bedenken / die heilung allein über sich zu nehmen / wan er seinem geträuen Raht nicht folgen wolte / damit man ihn hernähst nit der versäumnis oder des Unverstandes zu beschuldigen hätte. Herkules hatte ihm seine Geldliebe schon abgemerket / sahe gleichwol / daß eine grosse Verenderung an der Wunde wahr / dessen Ursach er wol wuste / und sagte zu ihm; hätte sein Bruder sich vielleicht übersehen /solte es hinfort nicht mehr geschehen / und möchte er gebeten seyn / allen fleiß an zuwenden / daß die heilung in kurzer zeit verrichtet würde / des wolten sie sich dankbarlich einzustellen wissen. Galehn wuste wol / daß er ein mehres nicht fodern durfte / weil er vor sich schon über 160 Kronen baar empfangen hatte; wolte sich gleichwol dieses erbietens gebrauchen / und fragete / ob ihnen daneben an der eile so groß gelegen währe / so wolte er inwendig drey wochen / von heut an zurechnen / den Schaden ganz heile schaffen; und ob sie ihm noch etwas vor seine mühe zuwenden wolten / stellete er ihrer hohen Freigebigkeit anheim. Warumb solte euch eure mühe unvergolten bleiben? sagte Herkules; thut ihr nur fleiß /daß die Wunde von grundaus geheilet werde / alsdan solt ihr vor diese drey Wochen noch XL Kronen haben. Wie aber / sagte Galehn / wann ich den Kranken vor außgang der drey Wochen gesund schaffete? Ladisla wahr dieses eine angenehme rede / und antwortete ihm: So mannichen Tag ihr mir an dieser Zeit verkürzet / so manniche Sechs Kronen solt ihr über die versprochenen haben / und würde mir nichts lieber seyn / als daß ich diesen Tag völlig gesund würde /das Geld wolte ich euch willig zahlen / und noch wol ein neues Kleid zum überschusse. Ich bedanke mich des milden erbietens / sagte Galehn; ging hin / hohlete ein neues Pflaster / und vermaß sich / dafern dieses nach seinem Willen / wie er hoffete / wirken würde /wolte er sich morgen einer kürzern Zeit erklären; Wie dann wirklich erfolgete; massen dieses so gute Hülffe taht / daß des neunden Tages hernach Ladisla gesund wahr / und das versprochene gerne erlegete. Da kunte nun Wenzesla / der mit Schmerzen diese Tage geharret / jhm keine andere Rechnung machen / als daß Ladisla mit ihm nach Böhmen reisen würde; Deßwegen er / wie unsere Helden diesen Abend im Brete spieleten / zu ihm sagete: Uber drey Wochen / geliebts den Göttern / spielen Eure Gn. mit Ihrer Frl. Schwester /welche / wie ich mir sagen lassen / in diesem Spiel sehr schlauh und erfahren seyn sol; so habe ich noch zur Zeit / wegen Traurigkeit und Kummer / meiner Gnäd. Fräulein Befehl nicht verrichten können / da sie selbst zu mir ans Pferd kam / und mich ihren Durchl. Oheim und Bruder GroßFürst Herkules schwesterlich grüssen hieß / dafern ich ihn bey ihrem Hn. Bruder Ladisla vermuhtlich antreffen würde; Das Wahrzeichen meiner Schwesterlichen Träue und Auffrichtigkeit / sagte sie / gebet ihm bey dem mir geraubeten Bande / welches er als ein Gedächtnis wieder meinen willen zu sich genommen / und so hoher Ehr nicht wirdig ist / deßwegen seine Liebe ich bitten lasse /das unter den Kleinoten eingewickelte Armband von XXV Demanten zusammen gesezt / von mir anzunehmẽ / [15] und es mir zu gefallen stets am rechten Arme zutragen. Ging hiemit zu dem Wetscher / hohlete es her / und lieferte es mit diesen Worten: Durchleuchtigster Fürst / ich wünsche daß mein Gn. Fräulein keinem Unwirdigern etwas schenken möge. Ladisla lachete des Wunsches / und sagte: Wie so mein Wenzesla? wollet ihr dañ nicht auch etwas von meiner Frl. Schwester geschenket haben? Ja / Gnädiger Herr /antwortete er / ich nehme trauen lieber als ich gebe; aber meine Reden halten eine sonderliche Heimligkeit in sich / die ich dereins deutlicher außlegen werde. Herkules ward nicht allein des übergeschikten Armbandes / sondern auch des entbohtenen unfehlbaren Warzeichens ihrer unbrüchigen träue höchst erfreuet /dann er hatte biß daher in ängstiger Furcht gelebet /sie würde wegen seines langen aussenbleibens / und daß er nie keinmahl an sie geschrieben / sein schon vorlängst vergessen haben / oder da sie seines Christenthums innen würde / ihm deßwegen nicht weniger als sein leiblicher Vater selbst / Haß und Wiederwillen zulegen; nach dem er aber dieser Furcht gänzlich enthoben ward / nam er das Armband mit sonderlicher Ehrerbietigkeit an / zog ein kleines Ringelein hohes Werts vom Finger / und überreichte es Wenzesla mit diesen Worten: Es ist mir sehr lieb / daß meine Durchl. Frl. Wase und Schwester / ihres so lange Zeit abwesenden Dieners eingedenke ist; wollet ihr demnach nähst Anmeldung meines Grusses und meiner bereitwilligsten Dienste / diesen schlechten Ring hinwieder zustellen / und daß ich mich erbiete / ihrer Liebe der eins mich mit wirdigerer bezeigung der schuldigen Dankbarkeit finden zulassen / welches mir vor dißmahl nicht der wille / sondern bloß das unvermögen verbeut. Wenzesla nam den Ring zu sich / mit dem versprechen / ihn gebührlich einzulieffern /bekam aber sehr fremde gedanken / daß er nicht vielmehr Ladisla als ihm den Ring zustellete. So bald sich Ladisla zur ruhe gelegt hatte / verfertigte Herkules in aller stille ein Schreiben an das Fräulein / und gab es Wenzesla noch desselben Abends mit diesem befehl: Sehet / dieses Schreiben / in welchem ich meine Frl. Wase umb eine mir nöhtige Werbung an meine Fr. Mutter die Königin bitte / wollet ihr in gute verwahrung nehmen / und es hochgedachtem Fräulein in höchster geheim zustellen / daß dessen kein einiger Mensch innen werde / weil auch die Fr. Königin selbst nicht wissen darff / daß ich ein solches suche; hilfft mir Gott der eins / wie ich hoffe / wieder in mein Vaterland / sol euch dieser dienst wol vergolten werden. Meldet sonst dem Fräul. wegẽ des angefoderten Bandes / es werde keines andern / als des Räubers Hand ihr solches einliefern / biß dahin sie ihr die Zeit nit wolte lange wehren lassen / und inzwischen mit versprochener Schwesterlicher hulde mir gewogen verbleiben. Des folgenden Morgens machte Ladisla auch zwey Schreiben an seine Fr. Mutter fertig / deren das eine zugleich mit an die Landstände gerichtet wahr / als in welchem er anzeigete / wie es Zeit seines abwesens mit des Reichs verwaltung solte gehalten werden; Im andern baht er von ihr vertraulich / was ihm jährlich zum unterhalt solte nach Rom durch Wechsel übergemacht werden. Und nach dem er sie wol versiegelt hatte / händigte er sie Wenzesla solcher Gestalt ein: Hier sind zween Brieffe an meine Fr. Mutter / die sollet ihr auff schneller eile überbringen /und nichts als dieses wenige vermelden; Ich verbleibe ihr gehorsamer Sohn / als lange ich lebe; dafern sie aber ein Mütterliches Herz zu mir träget / wolle sie ihr den Inhalt / wo nicht beyder / doch des grösseren Schreibens gnädigst gefallen lassen; und wann deren keines seyn könne / habe sie [16] macht / nicht allein als eine Mutter / sondern auch als eine gebietende Königin mit mir zu schalten. Wenzesla antwortete: wie dann gnädigster Herr / sol ich das Glük und die Ehre nicht haben / Ihre Durchl. nach Prag zubegleiten? was wird meine allergnädigste Königin sagen / daß von euer Durchl. ich geschieden bin / und derselben nicht auffwarte? Bekümmert euch umb nichts / sagte Ladisla / meine Fr. Mutter wird nach verlesung meiner Schreiben mit mir und euch schon zufrieden seyn; nur grüsset mir daneben meine geliebtste Frl. Schwester /und andere gute Freunde. Also muste Wenzesla von Rom hinweg voll Unmuht und mißligkeit / daß er seinen Herren nicht mit bringen solte; wie wol er noch der guten zuversicht lebete / er würde bald nachfolgen / und die Herrschafft antreten.

Nach seinem Abzuge bereiteten sich unsere Helden / ihren Ritterzug vorzunehmen. Sie hatten schon drey gute Pferde / zu denen kaufften sie noch fünffe / und vier Ritter Harnische von schlechtem ansehen / aber sehr feste / uñ in Sizilien geschmiedet / nahmen zween Leibknaben an / gutes Römischen Adels / welche Sie in roht Scharlaken mit einer güldenen Borte kleideten; Vor sich selbst aber jeder drey köstliche Kleider machen liessen / bestelleten auch zween ritterliche Diener / in Waffen wol geübet / und von den Römischen Geschlechtern / die aber in tieffen Schulden stecketen / daß sie ümb Sold dienen musten / weil sie von ihren Gläubigern hart gedränget wurden / daß sie von jhren Gütern wenig zu geniessen hatten. Sabihn ihr Wirt verwunderte sich / woher ihnen so viel Mittel kähmen / angesehen sie vor ihrer Verwundung gar kärglich gelebet / und sich keines überflusses hatten merken lassen. Weil ihm nun alles / was verzehret wahr / auff einem Bredte bezahlet wurde /hätte er solche Gäste gerne länger behalten / daher er ihnen nach Mögligkeit vorging. Des sechsten Tages nach Wenzesla Abschied / erhielt Herkules bey seinem Ladisla / daß er mit ihm in die Christliche Versamlung ging / und jhrem Gottesdienste beywohnete /so viel einem Ungetaufften zugelassen wahr; und ob er gleich alles vor Aberglauben und Kindische Gebräuche hielt / so begunte er doch den Christen etwas geneigter zu werden / weil er sahe und hörete / daß jhr Gottesdienst viel anders beschaffen wahr / und der Gottlosigkeiten sich keine befunden / deren sie von den Weltweisen und Heydnischen Pfaffen beschuldiget wurden. Nach vollendetem Gottesdienste trat Herkules zu dem damahligen Bischoff Urban / und lieferte jhm 100. Kronen / unter die nohtleidende Christen außzutheilen / mit dem Versprechen / daß / wann ihm Gott zu seiner Reise Glük geben würde / wolte er hernähst ein mehres bey den Armen tuhn; begehrete daneben / daß er jhn ins gemeine Gebeht einschliessen / und vor seinen lieben Gesellen zu Gott bitten wolte / daß er zum Christentuhm erleuchtet würde; ging mit Ladisla wieder nach der Herberge / und ließ daselbst zwölff lahme gebrechliche Christen speisen /und Tuch zu Kleidern geben / hernach besahe er den Ort / wo die beyden vortreflichsten Bohten und Jünger des Herrn / Peter und Paul / jhr Leben durch willigen Todt umb des Nahmen Jesus willen zugesezt hatten /da der heilige Peter gekreuziget / und Paul enthauptet wahr / da dann Ladisla sich in seiner Geselschafft befand. Endlich bestelleten sie ihren Wirt Sabihn zum Verweser und Auffheber aller künfftigen WechselGelder und Briefen / beydes die sie von anderwerz bekommen / und die sie an gewisse örter schreiben und übermachen würden / davor sie ihm jährlich 150 Kronen vermacheten / und auff ein Jahr vorauß bezahleten. Dem Arzt schenketen sie zum Abzuge XX Kronen / und beyden [17] Gesellen X; kaufften auch umb XX Kronen eine köstliche WundSalbe von jhm / womit man alle frische Wunden in kurzer frist heilen kunte /und nahmen des folgenden Tages gar früh Abscheid /in hoffnung / Gott würde sie an ort und ende führen /woselbst sie Ruhm und Preiß erwerben könten. Als sie über die Gasse vor Herr Zinna / Herkules gewesenen Herrn Wohnung vorbey ritten / ward dessen Tochter / Fr. Zezilia jhrer gewahr / winkete ihrem lieben Herkules / auff ein Wort stille zu halten / verwieß ihm höchlich / daß er sich so lange noch zu Rom auffgehalten / und ihr kein mahl zugesprochen hätte. Er aber entschuldigte sich sehr / daß er und sein Freund vor etlichen Wochen gefährlich verwundet / und kaum vor wenig Tagen erst genesen währen; hätte gestriges Tages Zeitung von Hause gehabt / sich eilend daselbst einzustellen / weil seine Fr. Mutter todes verblichen / und er die Haußhaltung wider seinen Willen antreten müste; bähte demnach dienstlich / ihm zu verzeihen / daß er ihr länger Geselschaft nicht leisten könte. Ich habe wol gewust / sagte sie / daß ihr noch stets zu Rom seyd gewesen / aber eure Herberge nicht erfahren können / sonst hätte ich euch diesen Denkring meiner guten Gewogenheit / durch meine Leibdienerin zugeschikt / welchen ich euch nun selbst liefern wil / mit Bitte / jhn eurer ergebenen Freundin Zezilien wegen zu tragen / und bey demselben der Engelländischẽ Geschichte (diese ist im fünften Buche zu lesen) stets eingedenke zu seyn. Hochwerte wahre Freundin / antwortete er; ich bedanke mich der annoch ferner bezeigeten Gutwilligkeit / die ich / wo ich leben sol / zu ersetzen / unvergessen seyn werde; Die Erinnerung aber der Geschichte wird sie ohn Zweifel mit solchem Herzen vorbringen / als ich sie auffnehme; und wolle / bitte ich sehr / ihre geliebte Eltern unser beyder wegen dienstlich grüssen; vielleicht gibt es die Gelegenheit / daß wir uns dereins wieder sprechen. Hieb damit sein Roß an / und rante mit seiner Geselschafft eilig fort / weil er sich befürchtete / von Herrn Zinna auffgehalten zu werden. Als er zum äussersten Tohr außritte / seufzete er / und sagte zu Ladisla: Nimmermehr werde ich das allerliebste Rom auß meinem Gedächtniß kommen lassen / ob ich gleich noch hundert Jahr leben solte; Dann ungeachtet ich hieselbst anderthalbjährige Leibeigenschafft und harte Dienstbarkeit außgestanden / muß ich doch gestehen / daß nähst Gott / ich diesem Orte allein meiner Seelen Wolfahrt / und Gewissensvergnügung zu danken habe; weil ich hieselbst endlich funden / was meinen Verstand erleuchtet / meinen Willen sättiget /mich in Traurigkeit freudig machet / und wider alle Unfälle mich kräfftiget und stärket. O glükseliger Tag / da ich im Böhmerwalde von den Pannonischen Räubern gefangen; noch glükseliger / da ich von den Römischen jhnen wieder geraubet / und in dieser Stadt verkauft ward; Dann durch diese gelegenheit bin ich zur Erkäntniß meines Gottes und Heylandes kommen / ohn welche ich ungezweifelt hätte ewig müssen verdamt und verlohren seyn. Ich weiß nicht / antwortete Ladisla / was sonderliches du doch in diesem Glauben funden hast / ohn einen vermeynten neuen Gott / der etwa vor 225 Jahren / wie du selbst gestehest / von schlechten armen Eltern im Viehstalle gebohren / in Mangel und Armut auferzogen / von seinen eigenen Freunden und Blutsverwandten verachtet / verfolget /endlich gar als ein Ubeltähter zwischen zween Mördern ans Kreuz auffgehenket ist. Nun betrachte dagegen unsere Götter; wie von grossen Leuten / ja von Göttern selbst sind sie entsprossen; wie herrliche Tahten haben sie verrichtet / und umb die ganze Welt sich so hoch verdient gemacht / dz man [18] sie daher nach ihrem Tode billich geehret / und unter der Götter Zahl auffgenommen hat. Herkules antwortete ihm: Mich ja ert dein von Herzen / lieber Bruder / daß du von geistlichen und göttlichen Sachen so gar fleischlich /und da ichs sagen darff / kindisch redest; wil demnach dir alles beydes / so wol / was du von meinem HErrn JEsus / als von deiner vermeynten Götzen Geburt /Leben und Tahten meldest / in aller Kürze und Einfalt beantworten. Und zwar vor erst gestehe ich / daß meines lieben Heylandes Geburt / seinem Fleische nach /äusserlich sehr armselig und geringe vor der Welt scheinet / weil sein Pflege-Vater Joseph nur ein Zimmerman / und seine liebe Mutter / die keusche Jungfer Maria ein verlassenes Wäyselein wahr; aber dagegen waren sie dannoch beyderseits von dem allervortrefflichsten Königlichen Geblüt und Artstamme / welches jemahl in der Welt gewesen; musten aber aus Furcht des Todes ihr Herkommen vertuschen / weil Herodes alle Nachkommen des Königs David suchte außzurotten. Betrachte aber meines HErrn JEsus Geburt nach jhrer innerlichen Treffligkeit und Wirde / dann wird mir kein Mensch derselben gleichen zeigen können; massen einmahl wahr ist / daß er ohn Zuthun eines Mannes / bloß nur durch Krafft und Wirkung des Almächtigen Gottes / von hochgedachter Jungfer Marien empfangen / und ihre Jungfrauschafft durch einigen Menschen niemahls ist verletzet worden. Sie gebahr jhr Söhnlein zwar im Viehstalle / aber zu Trost allen armseligen Menschen / daß Er / dieser Himmels König / auch der allergeringsten sich annehmen / und sie zum ewigen Leben befodern wolte. Jedoch muste seine Geburt gleichwol nicht ohn alles Gepränge seyn / sondern von dem grossen Engel und Himmels-Bohten Gabriel / den Hirten auf dem Felde angekündiget /und von der unzahlbaren menge der himlischẽ Heerscharen besungen werden; Zugeschweigen / daß auch die Weisen Weltgelehrten auß Morgenlande ihn zu verehren / sich bald nach seiner Geburt eingestellet /und mit Golde / Weihrauch und Myrrhen jhn beschenket haben. Nun wirffestu mir ein seine armselige Aufferziehung / und schmählichen Todt; aber wann du mit mir erkennen köntest / daß dieser unser Heyland /wann es ihm umb gute Tage / und treflichen Pracht währe zu tuhn gewesen / wol hätte in seiner himlischen Hocheit bleiben mögen; währe diesem Zweifel schon abgeholffen; es ist dir aber noch zu hoch und schwer in deiner heydnischen Blindheit; Dann sein Vorsaz wahr / uns sündhaffte Menschen bey seinem erzörneten Vater wiederumb außzusöhnen; und weil dessen Gerechtigkeit vor das Verbrechen auch Gnugtuhung erfoderte / ja auch vor die begangene Sünde und Missetaht Straffe erteilen wolte; und aber wir nicht-werte Menschen weder seinem heiligen Willen gnug tuhn / noch die Straffen des starken Armes unsers Gottes ertragen kunten; Als stellete sich unser Heyland zwischen Gott und uns / erfüllete durch sein unsträfliches Leben den Willen Gottes / und in aller Verfolgung und Todesangst fühlete er an unser stat die harten Schläge Gottes / wodurch wir dem himlischen Vater hinwiederumb versöhnet / und zu Gnaden auffgenommen sind / dafern wir nur auff diesen unsern Heyland uns verlassend / uns vor mutwilligen Sünden hüten / und nach dem Willen Gottes unser Leben anstellen. Du wirst dich aber auch erinnern /was ich dir ehmahls zu wissen getahn / wie daß dieser unser Helffer Jesus nicht lange im Tode und Grabe verblieben / sondern am dritten Tage als ein gewaltiger Siegsheld lebendig sich hervor gemacht / und am vierzigsten Tage hernach / sichtbarlich auf gen Himmel [19] gefahren ist / da Er sich zur Rechten Hand Gottes gesezt hat / auch von dañen am lieben jüngsten Tage kommen wird / zu richten alle Menschen / die vom Anfange der Welt biß auff die lezte Zeit gelebet haben / und noch leben werden. Und wann du fragen woltest / wie ich solches gedenke zubeweisen / wil ich dir vor dißmahl nur zu bedenken vorstellen / daß die / so mit dem Herren Jesus auff Erden gewandelt / und seine Lehre angenommen / nachgehends weder durch Pein noch Todt haben können gezwungen werden / dieses zu verleugnen / welches sie ja nimmermehr als vernünfftige Menschen würden gelitten haben / dafern sie nicht währen versichert gewesen alles dessen / warumb sie den Todt vor das Leben erwählet. Du aber /mein Bruder / zeige mir einen Heyden / der die Meynung von seinen Götzen mit seinem Blute jemahls bestetiget und versiegelt habe. Ladisla gab hier auff zur antwort; Ich höre deinen Reden zu / und zwar mit gutem willen / aber nicht anders gedeucht michs / als da meine Fr. Mutter mir in der zarten Kindheit ein Mehrlein zu erzählen pflegte. Ja mein Bruder / sagte Herkules / das äusserliche hören stehet in unserm wilkühr und freyen Willen / aber es innerlich annehmen /und den Glauben daran haben / können wir selbst in uns nicht wirken / sondern solches muß von Gott kommen; Zu dem ich der tröstlichen Hoffnung gelebe / Er werde mein tägliches Gebet und inbrünstige Seuffzer der eins erhören / und durch Krafft des Heiligen Geistes den Glauben in dir wirken. Ladisla antwortete; du weist / mein Bruder / wie inniglich ich dich liebe / aber doch biß an die Götter / die ich umb Menschen willen nicht verleugnen kan; so wirstu dich auch unser Abrede erinnern / und mich so wenig / als ich dich / des Glaubens wegen nöhtigen. Davor behüte dich und mich der Allmächtige Gott / sagte Herkules / daß wir ja keinem Menschen zugefallen ichtwas in unserm Glauben endern; O nein / diese Meynung hats durchaus nicht; vielmehr rahte ich dir selber /daß du ehe nicht abtretest von deinen Götzen / biß der wahre Gott dir den Willen darzu verleyhet; denn sonst währestu ein Heuchler und Spötter unsers Gottes. Ich muß aber das andere Stük deines Einwurffs dir nicht unbeantwortet lassen / woselbst du deiner Götter statliches Herkommen / grosse Tahten / und herliche Verrichtungen ans Bret stellest / wodurch sie sollen verdienet haben / daß man sie unter die Zahl der Götter auffgenommen. O Ladisla / betrachte / bitte ich / was du redest; Sind deine Götter von Menschen gezeuget /je so sind sie ia keine Götter; Deñ wie könten Menschen / die sterblich sind / unsterbliche Götter außhecken? Hat auch wol der Ochse jemahls einen wahren Menschen zum Sohn gehabt? Haben aber deine Götzen / zeit ihrer Menscheit / löbliche Tahten verrichtet / darzu verbindet sie die Erbarkeit / wie uns Menschen alle miteinander. Du weist aber dannoch /wie viel Untahten sie zugleich daneben begangen /und dadurch sich selbst geschändet. Jupiter / der beste unter allen / vertrieb seinen leiblichen Vater den Saturn / und legte jhm solche Schande an / welche ich nicht melden mag; Ja er nam seine Schwester Juno zum Weibe / wider die weltkündigen eingepflanzeten Rechte; trieb auch Unzucht / Ehebruch uñ andere abscheuliche Boßheiten. Dein Bacchus wahr ein Säuffer und Schwelger: Merkuhr / aller Diebe und Räuber Schuzherr; Herkules tahten sind dir bekant / beydes die ruhmwirdigen und lasterreichen. Venus wahr einer gemeinen Metzen / die mit jhrem Leibe Geld verdienet / ähnlicher / als einer tugendhaften Frauen. Noch darff man sie vor Götter angeben / ja vor Himmels Götter. O der schändlichen Gottheit / die mit Laster und Unzucht [20] sich besudelt / wovor auch die gebrechliche Menschen abscheu tragen. Eure Gelehrtẽ wissen und behäupten / daß der Himmel ein reines Wesen sey / von allem Unflat gesaubert; Und in solchem reinen Hause solten so unreine Herren wohnẽ? Sie wissen und behäuptẽ / daß die Gottheit alles gute / alle Vollkommenheit in sich begreiffe; und die Götter solten solche tugendlose Untiehre seyn? Aber ich weiß deine Entschuldigung wol / welche du noch selber nicht weissest. Man müsse der Heydnischen Tichter uñ Bücherschreiber Retten von den Göttern nicht nach dem Buchstaben / sondern nach dem innerlichen Verstande ansehen und außdeuten; man müsse durch Saturn die Unvergängligkeit; durch Jupiter die weit-breite Lufft; durch sein Weib und Schwester Juno die Erde verstehen / und durch ihren Beyschlaff oder Vermischung /die Befruchtung / welche die Erde von der warmen Lufft empfähet / und was dergleichen Auffzüge mehr sind. Höre aber / mein Bruder / ist die Lufft dein Gott? ist die Erde deine Göttin? ie warumb fluchest und speyestu dann alles in die Lufft hin? je warumb trittestu die Erde mit Füssen / und besudelst sie mit deinem unflätigen Kote? Ich sage mehr; wann die Lufft vergifftet ist / daß sie dir die anklebenden Seuchen verursachet / ist dann auch dem höchster Gott vergifftet? Und wann du die Erde mit dem Pfluge oder Grabeisen umbkehrest / schneidestu dann der vornehmsten Ober-Göttin so manniche Wunden? Zum Beschluß / daß ich dich nicht zu lange auffhalte / gibstu vor / die Menschen haben jhnen die Gottheit nach ihrem Tode zugeleget. Ey der schönen Götter / die von Menschen darzu gemacht werden! Kan auch der Mensch einem Lebendigen die unsterbligkeit und Almacht schencken / die er selber nicht hat? Mein Bruder / fodere / bitte ich / von diesen Göttermachern zum Beweißtuhm ihrer Kunst / daß sie mir auß einem Baum einen lebendigen Ochsen / aus einem Esel einen vernünftigen Menschen / ja daß sie nur aus einem vierwöchigem Kalbe / inwendig solcher Zeit eine erwachsene Kuh machen; fehlen sie aber hierin /so gläube ihnen doch nicht / wann sie rühmen / sie haben einen verstorbenẽ Menschen mit der Gottheit überkleidet / und ihn ohn Leitern in den obersten Himmel bracht. Uñ gedenkestu / derselbe sey alsbald ein Gott / der von Menschen davor erkläret wird? Ladisla antwortete: Du must zu Rom fleissig in die Schuel gangen seyn / und einen spitzigen Meister gehabt haben. Ich lasse aber alle deine Einwendungen die Pfaffheit verantworten / denen solches oblieget /und könte inzwischẽ auch sehr viel von deinem Jesus beybringen / welches gnug währe / darzutuhn / daß derselbe kein Gott sey: Streue immerhin ein / und bringe alles bey / was du kanst / sagte Herkules /wann es nur nicht mit Unwarheit und Lästerung geschihet. Jedoch weiß ich vor erst / daß du ihn keiner Sünde / oder einiges Unrechts zeihen kanst. Vors ander gestehe ich / daß seiner menschlichen Art und Wesen nach / er nicht ein Gott und Geist ist / auch nicht ewig / noch durch Eigenschafft der Menscheit allmächtig oder allenthalben gegenwärtig: sondern /weil die Göttliche Art oder Natur mit der menschlichen in einem selbständigen vernünfftigen Wesen /oder / wie die Gelehrten reden / in einer Person verknüpffet und unaussprechlicher unauflößlicher weise vereiniget ist / so ist er Gott und Mensch zugleich / so daß die Gottheit gleichwol der Menschheit ihre Eigenschafften / so viel sie derẽ kan fähig seyn / mitgeteilet hat; wie diß hohe geheimniß ich vor diesem dir einfältig erkläret habe / als viel menschliche schwachheit begreiffen / uñ in diesem tunkeln Lichte der gebrechlichen Vernunft fassen kan. Behalte dir deinẽ tunkelen uñ überverständlichen [21] Glaubẽ / sagte Ladisla / ich vor mein Häupt kan mir das Gehirn nit damit verwirren /un wil viel lieber von dir vernehmen / wie wir unsern Weg am füglichsten fortsetzen können / dz wir die vornehmsten Städte und Landschafften in Italien und Griechenland besehen mögen / ehe wir über das Syrische Meer nach dem verstöreten Judenreich zu gehen /welches du umb deines JEsus willen so gerne besuchen / und im Jordan die Tauffe empfangen wilt. Herkules wolte ihm antworten / aber sein Leibknabe Publius zeigete an / wie eine zimliche Anzahl Reuter mit verhängetem Zaum hinter ihnen her jageten / wornach unsere Helden sich umbsahen / und sich verwunderten / warumb sie ihre blanken Schwerter ümb den Kopff gehen liessen / und dabey ein wüstes Geschrey anstelleten. Herkules sagte: Diese haben wenig gutes im Sinne; müssen demnach fortreiten / das wir eine Enge vor uns einnehmen / und vor ümringung sicher bleiben. Also musten die Leibknaben vorhin / ihre Ritterliche Diener aber Klodius und Markus (denen sie nicht allerdinge traueten) folgen / und blieben sie selbst zuhinterst / da sie ihrer Verfolger geschrey endlich verstunden / daß sie halten / und sehen lassen solten / ob sie so wol ritterlich zu Kämpffen / als unbewehrte Knechte niderzumachen das Herz hätten. Worauff Ladisla zu Herkules sagte; Schicke dich mein Bruder zum KlingenSpiel; wir hören was vor leute wir bestehen sollen / ich zweiffele nicht / unsere gute Sache sol oberhand behalten. Sie foderten ihre beyden Diener vor sich / und frageten / ob sie bedacht währen als ehrliche von Adel sich zuhalten / und ihrem geleisteten Handschlage nachzukommen; Worauff sie antworteten / daß sie ihren redlichen Nahmen nimmermehr schänden / und heut diesen Tag wolten sehen lassen / was vor redliche Träue sie zu ihren Herren trügen. Unsere Helden höreten solches gerne / hiessen sie neben sich halten / und schicketen sich unerschrocken zum Streit. Ihre Verfolger / sechszehen an der Zahl / renneten eiferig herzu / und als sie sahen /daß sie die unsern nicht nach willen umgeben kunten /stutzeten sie / und ritten die vier ansehnlichsten zusammen / einen Raht zuhalten / schikten bald darauff einen Diener ab / welcher den unsern diese Anmuhtung vortrug: Meine vier Gnädige Herren / so dort mit ihren ritterlichen Leuten halten / erinnern sich billich /was gestalt ihr mit eurer gewafneten Geselschafft vor etlichen wochen ihre unschuldigen Knechte erschlagen / welches sie / als ihnen selbst geschehen / sich zu gemüht ziehen; gedenken es auch mit ihren Schwertern an eurem Leben zurächen / dafern ihr nicht vor jeden Erschlagenen ihnen 300 Kronen zahlen / eure Pferde / Harnisch und Gewehr ihnen liefern / und wegen des begangenen Frevels / demütige abbitte tuhn werdet. Wer sind aber deine Herren? fragte Herkules. Vier streitbahre Römische Ritter / antwortete er / vor deren Schwerter Schärffe / Stahl und Eisen brechen muß. So sage du ihnen hinwieder / sagte Herkules / daß ich und meine Gesellen / in betrachtung ihrer Anmuhtung / sie mehr vor Räuber und StrassenDiebe halten / biß sie bessere ritterliche tahten werden sehen lassen / als durch überfall ihrer diebischen Buben geschehen; dann was müssen dieses vor unnütze Herren seyn / die öffentliche Diebe auff der Sträu halten? Ladisla kunte seinen Zorn länger nicht meistern / und taht hinzu: sage jenen StrassenRäubern / da sie die abgefoderte Kronen empfangen wollen / müssen sie uns näher ko en; aber hiemit (das Schwerd zeigend) wollen wir ihnen die Zahlung vergnügen / und ihnen die Häuptkronen dergestalt striegeln / daß sie der Geldkronen nicht mehr gedenken sollen. Der Abgeschikte wunderte sich dieser Kühnheit / und hinterbrachte die Antwort seinen Herren / welche darauff ihre [22] Knechte (die zum Pferdestreit nicht geschikt wahren) zum frischen gefechte Auffmunterten: Sie solten nur geherzt von sich hauen / und gülte gleich / ob sie Mann oder Pferd verwundeten; diese viere / so einen grossen Schaz mit sich führeten / solten ihnen nur eine Handvoll seyn. Klodius wolte seinem lieben Herzen den ersten Beweiß seiner Ritterschafft sehen lassen / und baht instendig / ihm zu gönnen / daß er der Räuber einen zum absonderlichen Kampff außfodern möchte; der ihm aber antwortete: Mein Freund / deine Tapfferkeit gefält mir wol / könte dir auch solches zu deiner Ehre Auffnahme wol gönnen; aber sihestu nicht / daß sie Räuber und keine redliche Ritter sind? wer wil dich versichern / daß nur einer / und nicht vielmehr die ganze Rotte sich an dich machen werde? solten wir dich dann / wie billich / entsetzen / so begäben wir uns aus unserm Vortel. Aber höre meine Meinung: du sihest Handgreifflich / daß die zwölff Diener des Ritterstreits unerfahren sind; unter dieselben soltu und Marx dich mischen / und mehr mit dräuen als Wunden sie umtreiben; so wil ich und mein Bruder die vier Ritter bestehen / und sehen was hinter ihnen stecket. Hiemit legten Herkules und Ladisla ihre Speere ein / und ranten auff die viere hin /die sich nur mit Schwertern versehen hatten; huben deren alsbald zween aus dem Sattel / so daß der von Herkules getroffene / das Genik abstürzete. Bald darauff griffen unsere Helden zu den Schwertern / nahmen jeder einen vor sich / und putzeten sie in wenig streichen dergestalt / daß das Blut von allen Orten hervor drang / und sie endlich todt niederfielen. Inzwischen hatten Klodius und Marx mit ihren Speeren zween Knechte durch und durch gerennet / zogen von Leder / und fingen an scharffe Stösse außzuteilen /deren diese nicht gewohnt wahren / worffen das Gewehr von sich / und bahten mit gefaltenen Händẽ umb Lebensfristung / welches sie mit diesem Bedinge erhielten / dz sie allen jhren Pferden die Span Ader abhauẽ / und die Waffen von sich legen solten / welches sie willig verrichteten. Unterdessen sahe Klodius /daß der von Ladisla abgestochene / weil der Schwertstreit wehrete / sich wieder zu pferde machete / in Meynung / davon zu rennen; deßwegen er ihm eiferig nachsetzete / und eines von hinten zu über die Schulder gab / daß der rohte Schweiß folgete / fassete ihn hernach bey dem Arme / daß er sich ergeben / und mit ihm fortreiten muste / da derweile Markus der erschrockenen Diener hütete. Klodius brachte seinen Gefangenen herzu / gleich da unsere Helden mit ihren Feinden fertig wahren / und sagte zu Herkules: Gnädiger Herr / hie stelle ich den Außreisser wieder / der seiner Geburt nach zwar Römisches Adels / und mir leider in etwas verwand ist; nach dem er aber sich und sein Geschlecht durch Strassenraub geschändet / ist er ferneres Lebens unwirdig; bitte demnach / jhn mir zur straffe zu übergeben. Der Gefangene hatte gehoffet /Klodius würde wegen der Verwandschafft vor ihn bitten / vernam aber das Widerspiel / und hielt bey Ladisla an / umb Lebensfristung; welcher ihm antwortete: Du wirst sehen / wie du mit deinem Befreundten handeln kanst; aber zeige mir zuvor die Ursach an dieses mörderischen überfalles. Dieser ward froh /meynete durch die warhaffte Aussage das Leben zu erhalten / und meldete an / er und seine erschlagene Gesellen währen durch Wolleben in Armut gerahten /und hätten jhren Stand ohn dieses Mittel nicht führen können / daher sie ihren Knechten freye Beute / wo sie anzutreffen währe / vergönnet. Nun hätte vor wenig Wochen jhrer Knechte einer ein sehr gutes Pferd eingebracht / mit Vermeldung / sein Geselle Geta / der einen wolbespikten Wetscher ergriffen /[23] währe vom Pferde geschlagen / und gefangen hinweg geführet / und weil derselbe in Frechheit und kühnen Anschlägen seines gleichen nicht gehabt / hätten seine Mitgesellen ihn ungerettet nicht lassen wollen / damit er nicht vor die Obrigkeit gestellet / und seine verschworne zuverrahten gezwungen würde. Zwar er müste gestehen / daß den Wetscher zugleich mit davon zubringen / sie außgangen währen / nicht aber /den blutigen Kampff anzufahen. O du meynäidiger Bube / antwortete Ladisla; ist daß der Weg / worauff ädle Ritter wandeln sollen? Gnädiger Herr / sagte Klodius / man hat von dieser verschwornẽ Gesellschafft etliche Zeit her geargwohnet / und die rechtschuldigen doch nicht erfahren können / deren gleichwol eine zimliche Anzahl sein sol / und unter ihnen etliche vornehme Herren. Ich meines theils bin von unterschiedlichen etlichemahl erinnert / und von diesem gegenwärtigen selbst / warumb ich von meinen Gläubigern mich so viel plagen / und ihnen meine Güter zuverzehren frey liesse; man hätte ja Mittel /Geld zu erwerben / und die verschuldeten Güter frey zu machen / welches mir da ich nur wolte / ja so zulässig als andern währe; weil ich aber eines ungebührlichen Vorschlages mich besorgete / habe ich nie weiter nachfragen wollen: und haben meine Gnädige Herren zu bedenken / obs rahtsam sey / diesem mit unser augenscheinlichen Gefahr / das Leben zu schenken /da er ohn zweiffel durch seine verschworne sich zu rächen / allen fleiß anlegen würde. Ladisla stellete ihm frey / nach belieben zu handeln / deßwegen er dem Räuber das Schwert durch den Leib sties / daß er zu boden stürzete. Sein Geselle trieb die neun übrigen Knechte auch herzu / welche endlich angeloben musten / diesen Tag aus Rom zu bleiben / und des nähst folgenden nach Herren Sabihn Behausung zu gehen /ihm allen Verlauff anzuzeigen. Klodius und Markus hielten plünderung / nahmen den erschlagenen Rittern ihre Ringe / Armbänder und baaren Gelder / auff 1200 Kronen gerechnet / und wolten sie gar entkleiden; aber Herkules wehrete ihnen; es währe nicht ritterlich / daß man todte Leichnam so beschimpffete; sie hätten ihre zeitliche Straffe hinweg / und durch den Todt überstanden. Unsere Helden nahmen hierauff ihren Weg nach der Landschafft Etrurien / welche die ädleste in ganz Italia ist / reiseten selbe von Südẽ nach Norden durch / und besahen / was daselbst denkwirdig wahr. Aus dieser kahmen sie in Flaminien / und lagen in der Stadt Ravenna wenig tage stille. Von dannen begaben sie sich gen Mantua / eine sehr alte Stadt / 670 Jahr wie man meinet / vor Rom er bauet / und 60 Jahr älter als Troja. Von hierab gingen sie nach Verohn / und endlich nach Padua / in meynung / von dannen nach Aquileja zu reiten / und aus dem nähesten Hafen nach Korinth in Griechenland zu schiffen. Sie traffen auff der ganzen Reise keine ritterliche Ubung an / ohn in den grossen Städten sahen sie viel Fechter / die ihre ertichtete Feindschafft mit trockenen Schlägen außführeten. Als sie von Verohn nach Padua in einem Walde etwas irre ritten / höreten sie gar von ferne ein geschrey etlicher Weiber / die sich kläglich hielten / ob wolte man ihrer Keuschheit Gewalt anlegen; daher Herkules zu Ladisla sagte: Mir zweiffelt nicht / diese schreyende werden unser Hülffe hart benöhtiget seyn / wann wir nur mit unsern Pferden zu ihnen gelangen könten; Aber ihre bemühung durch das Reisich zu brechen / war umsonst / stiegen deßwegen ab / gaben ihren Dienern die Pferde zu halten / und gingen im vollen Harnisch mit Schild und Schwert dem jämmerlichen Geschrey nach / welches sich stets mehrete / nachdem es ein wenig auffgehöret hatte. Als sie nun die dornichten [24] Hecken nicht ohn Mühe durchgekrochen / kamen sie auff einen lustigen grünen Plaz / mit hohen Bäumen zimlich weit von einander besezt / daselbst erblicketen sie fünff starke grosse Männer mit blossen Schwertern / welche drey sehr schöne Weibesbilder vor sich auff der Erden liegen hatten / die sich mit Händen und Füssen umklemmeten / und wie Schlangen sich zusammen wickelten; Die jüngste unter ihnen wahr mutternacket / die zwo übrigen nur mit einem zarten Hemde bekleidet / und lagen ihre bunte Seidene mit Gold gestickete Kleider halb zurissen / etliche Schritte von ihnen. So bald unsere Helden von diesen Räubern gesehen wurden /musten sie ihr anschreihen hören / daß sie stille stehen / uñ ihrer Ankunfft ursach melden solten; auch traten ihrer viere (deren drey gepanzert wahren) alsbald zu ihnen ein / in Meynung / sie durch pochen zu erschrecken / brülleten mit scheußlicher Stimme / was vor unglük sie daher führete / ihren lezten Odem hie zu endigen. Unsere Helden hatten jhre Helme unter dem Arme / daß man ihre Gesichter erkennen kunte /und verwunderten sich die Räuber über Herkules treflicher Schönheit dermassen / daß der ansehnlichste unter jhnen zu seiner Geselschaft sagete: Ihr Brüder /ich lasse euch jenen unsern Raub zu eurem / Willen über / wann ich nur diese (auff Herkules zeigend) zu meinem Buhlen haben mag / welche ausser Zweifel von guter Kühnheit seyn / und sich meiner Art viel vergleichen muß / weil sie sich im Harnische darff finden lassen; und wie könte so trefliche Schönheit einem andern / als Weibesbilde beywohnen? Herkules gab jhm zur Antwort: Als viel ich merke / dürffte ich schier in dieser Wildniß einen zahmen Buhlen bekommen; aber du must mir meine weise nicht verübeln / daß ich keinen Liebhaber annehme / der nicht zuvor einen scharffen Streit mit mir versucht hat; setzete hiemit / wie auch Ladisla / den Helm auff / und bereiteten sich zum Ernste. Dieser aber rief ihnen zu /sie solten sich nichts widriges zu ihnen versehen; steckete sein Schwert ein / und trat ihnen näher / umb ein Liebes Gespräch mit Herkules zuhalten; der ihm aber / angesehen seiner viehischen Leibesstärke nicht trauen wolte / sondern hieß jhn zurük bleiben / oder des Angriffs gewärtig seyn. Der Räuber schätzete diese Dräuung geringe / und in dem er auff jhn zugieng / sagte er: Schönes Lieb / leget euren schweren Harnisch ab / und werdet mir in der Liebe zuwillen /weil es anders doch nicht seyn kan / ich wil mich versichert gar freundlich zu euch halten / und meine Küsse anzubringen wissen / daß euch nach mehren verlangen sol; griff auch mit der rechten Hand nach jhm / in Meynung / sein alsbald mächtig zu werden; aber Herkules schlug ihn mit seines Schwertes Fläche (dann er jhn vorsezlich nicht verwunden wolte) über die Faust / daß er sie saursichtig nach sich ziehen muste / und sagte zugleich: Du unflätiger Schelm /wiltu auch noch Gewalt brauchen? Bald nim dein Schwert in die Faust / oder ich werde dich dannoch niedermachen. Der Wüterich zog hierauff von Leder /und nam nur Herkules Hiebe aus (der ungeseumet zu jhm einstürmete) / vermahnete ihn auch noch immerzu / einzuhalten / und jhm zuvor seine Begierden zu vergnügen / alsdañ wolte er ihm hernach Streits nicht versagẽ / wann es anders nicht seyn könte. Aber Herkules achtete seiner Rede nicht / sondern traff jhn /weil er ungepanzert wahr / in die seite / daß das Blut häuffig hervor sprützete; wodurch dieser seine Liebesgedanken aufgeben / und rechtmässige Gegenwehr /mit Schwert und Schild vornehmen muste / sagte auch mit grausamer Stimme: O du elende / ob ich gleich nie kein Schwert über ein Weibesbild gezücket / so verdienet doch deine Verwägenheit / dz [25] du gezüchtiget werdest; fiel auch mit solchem Ungestüm auff jhn / daß er seiner Wuht drey Schritte weichen muste /dessen er sich vor Ladisla nicht wenig schämete; fassete doch bald wieder Stand / und nam seiner Schanze fleissig wahr; Sie trieben das Gefechte über eine viertelstunde ohn auffhören / daß die anwesende sich dessen verwunderten. Der Räuber hatte zeit seines Lebens solchen Widerstand nicht erfahren / weil er nicht allein ein Baumstarker Mann / über vierdehalb Ellen lang / sondern auch der beruffenste Fechter wahr / und niemand / der ihn kennete / ihn bestehen durffte; Daher nam ihn wunder / daß in Weibes Armen / wie er ihm gänzlich eingebildet / solche Krafft seyn solte /und sagte zu jhm: Jungfrau / ich weiß nicht / ob ich euch vor ein Gespenst halten sol / daß ihr euch meiner Gewalt so lange erwehret. So hältestu mich nun vor ein Gespenst? antwortete er; ich dich aber vor einen Räuber und Jungferndieb; werde dir auch meine Fäuste noch etwas besser zu erkennen geben. Damit gieng der Kampff wieder an / und ward Herkules oben am Halse verwundet; welches jhm aber sein gutes Herz nicht minderte / sondern trieb den Feind so lange um /biß ihm ein Unterhieb geriet / mit welchem er ihm dẽ Ellenbogẽ spaltete / dz er das Schwerd aus der Faust fallen ließ / und vor Schmerzen laut schrihe; aber Herkules doppelte den Streich / und lösete jhm damit den ganzen Arm von der Schulder / daß ihm derselbe nur an der Haut hangen blieb / womit er zu Bodem stürzete / wie ein Ochs brüllete / und sich auf dem Grase walzete / biß er die gottlose Seele mit dem lezten Blute außbließ. Die drey gepanzerte Räuber entsetzeten sich höchlich über diesen unfall / und überfielen Herkules ingesamt / daher Ladisla auch nicht feyrete / mit eintrat / und zu ihnen sagete: Ihr Ertzdiebe / dürffen euer drey sich zugleich wol an eine Jungfer machen? fassete sein Schwert mit aller Krafft / und spaltete dem einen den Kopff vonander / daß nunmehr der Streit gleich geteilet wahr. Die erschrockenen nacketen Weibesbilder höreten zwar den harten Kampff / aber wegen des fünfften Räubers / der ihrer hütete / durfften sie kein Wort reden / noch sich umsehen / weil er das Schwert in der Hand hielt / und sie zu erstechen dräuete / wo sie sich regen würden; nicht desto weniger fassete die jüngste ganz nackete einen Muht / sahe sich um / und ward gewahr / daß schon zween Räuber gestrekt lagen / und die übrigẽ beyden sich kaum mehr schützen kunten / daher sie zu ihren Gespielen sagte: Die Götter / geliebte Schwestern /wollen uns vor dißmähl gnädig retten. Ihr Hüter hatte sich auffgemacht / seinen Gesellen Beystand zu leisten / und als er diese Wort hörete / stund er / und bedachte sich / ob er sie alle drey zuvor erwürgen solte /hätte auch ohn Zweifel diese Mordtaht vollzogen /wann nicht Ladisla gleich mit seinem Manne währe fertig worden / daß er sich gegen jhn hätte wenden müssen / als welcher sich dieses Bubenstüks besorgete / und jhm zurieff; dafern er sich an diesen Weibesbildern vergreiffen würde / müste er durch alle Pein sterben. Hiedurch wurden diese elende dem Tode entrissen / dann Ladisla trieb den Räuber dergestalt umb / weil er ihn zu erschlagen noch nicht willens wahr /daß er jhn von den Weibern abzog / und er hingegen jhnen näher kam / da er sie fragete / ob jhnen auch an jhren Ehren Abbruch geschehen währe die jüngste aber zur Antwort gab; es währe ihnen die Schande zwar sehr nahe gewesen / aber durch der Götter Schuz / und ihrer beyder Hülffe abgekehret und hintertrieben. Der Räuber selbst fing zu ihm an: Ich weiß nicht / was vor Unfelde euch beyde lebendige Teuffel daher geführet / uns in unserm vorhaben zu stören / gleich da wir meyneten / am sichersten zu [26] seyn und unser Liebe wirklich zu geniessen; fassete damit alle seine Kräffte zusammen / und wagete den äussersten Fall /ob er jhm den Harnisch durchhauen könte. Immittels dieses hefftigen Streits er sahe die ganz nackete ihr zurissenes Hemdlein / lieff hin / wickelte sich drein als best sie mochte / und setzte sich wieder zu jhren Gespielen / gleich als Ladisla seinen Feind mit einem Stosse in den Unterleib zur Erden fellete / daß er mit einem Gebölke die unreine Seele samt den Mist außschüttete. Herkules wahr auch seines Gegeners Meister worden / dann weil jhm die beyden stärkesten und erfahrensten auffgestossen wahren / hielt der Kampff ziemlich an / und mattete sich sehr ab / daß nach des Räubers Fällung er gezwungẽ ward / sich nider zusetzen. Ladisla aber ging nach erhaltenem Siege zu dem Frauẽzimmer / taht seinen Helm ab / und nach freundlicher Begrüssung zeigete er sein Mitleiden wegen ihres Unfalles an / sie daneben tröstend / weil ihre Zucht und Ehre unverlezt blieben währe / möchten sie das übrige mit Geduld überwinden. Diese verwunderten sich seiner guten Gestalt und Jugend über die masse / und bahten dienstlich umb Verzeihung / daß wegen ihrer Blösse sie nicht auffstehen / noch jhn gebührlich ehren könten / wie er solches umb sie verdienet hätte; insonderheit sahe jhn die zuvor ganz nackete / nunmehr halb eingewickelte mit schamhafftigen Augen an / und baht sehr / er möchte sich so hoch verdient umb sie machen / und der Röcke einen ihr unbeschweret zuwerffen / damit sie sich bedecken könte; welches er ihr nicht versagen wolte; legte ihr auch denselben ganz höflich umb die Schuldern / unterdessen die andern einen Abtrit nahmen / und wie best sie mochten / sich in der Eile bekleideten. Ladisla vergaffete sich an der entblösseten so gar / daß er sein selbst drüber vergaß / fragete sie doch / ob sie auch meyneten / daß noch etwas Gefahr vorhanden währe; und als er vernam / daß ohn die fünff erschlagene sie keinen Menschẽ gemerket / lösete er seinen Harnisch auff / etwas Kühlung einzunehmen / da dieses Fräulein / ihren dankbaren Willen zu erzeigen /jhm die hülfliche Hand boht / und dauchte sie / nie keinen so wolgestalten Ritter gesehen zu haben / setzete auch auff sein inständiges anhalten sich zu ihm in den Schatten des Baums nider / da der gute Ladisla durch Gelegenheit und Liebe verleitet / sie freundlich küssete / und mit allerhand Liebesreden sich gegen sie zu allen Diensten anerboht; worüber das Jungfräulein verursachet ward / ihn flehlich zu bitten / er wolte doch jhrer Ehren wider sich selbst Beschützer seyn /die er auß den Händen der boßhafften Räuber so ritterlich erlöset hätte. Und ob er gleich / sagte sie / mit alle meinem Vermögen mich jhm verbunden hat /zweifele ich doch an seiner hohen Tugend nicht / die mich alles dessen versichern muß / was zu Beschützung meiner Zucht erfodert wird; ich müste sonst dem Himmel klagen / dz er mir eine kurze Freude zugeschicket / und dieselbe mir bald darauff mit der allerbitterstẽ Wermut versalzen hätte / die nichts als den gewissen Todt in mir verursachen würde / gestaltsam meinem Herrn ich zu allen Göttern schwöre / daß /dafern mir einige Gewalt solte angelegt werden / ich nach dem keine Stunde mehr leben wil. Ladisla erhohlete sich hierauff / lobete ihre Keuscheit in seinem vernünfftigen Herzen / und antwortete ihr: Schönstes Jungfräulein / ich bitte sehr / mir zuverzeihen / daß durch Liebe übernommen / ich mich zuviel unterstehen dürffen / da ich sie doch versichere / daß ich keinen Gedancken zu jhrer Ehrenkränckung gefasset /wie dann solches keinem redlichen Ritter zustehen wil / nur ist mir selbst leid / dz eure außbündige Schönheit mich dahin entzücket / wohin ich vor diesem nie kommen bin. Diese [27] ward nicht allein der Ehren versicherung sehr froh / sondern lies ihr die anmuhtige Zuneigung auch gefallen / daß sie viel freundlicher uñ kühner mit ihm sprachte als vorhin / insonderheit /weil durch Ehren bezeigung er sein keusches Herz ihr gnug zu erkennen gab. Herkules hatte sich auch wieder erhoben / zu welchem die andern beyden Fräulein traten / und ihm grosse Ehr und höffligkeit erzeigeten / mit Bitte / ihnen zu vergünstigen / daß sie ihm als ihrem Erlöser die Rüstung abzihen / und da er beschädiget währe / seine Wunden verbinden möchten. Zwar er wegerte sich dessen etwas / aber weil sie sahen / daß er der Kühlung benöhtigt wahr / nahmen sie jhm ein Stück nach dem andern ab / wiewol anfangs nur den Helm; da sie über seiner zarten Schönheit sich fast entsetzeten / auch der Halswunde gewahr wurden / welche sie bey sanffter Reinigung nicht so gar gefährlich befunden / und sie mit möglichem Fleiß verbunden. Es verwunderte sich Herkules nicht wenig / was Ladisla bey der einen sich hinter dem Baum so lange auffhielte / meynete anfangs / er würde etwa verwundet seyn / und wahr willens zu ihm hin zugehen; weil er aber von dem Frauenzimmer berichtet ward daß er keinen Schaden genommen / sondern sich des Baums zur Kühlung gebrauchte / und von ihrer Wasen mit Gespräch unterhalten würde / blieb er an seinem Orte. Nun hätte Ladisla in seiner Verliebung wol den ganzen Tag auff solche weise zugebracht / dafern er von dem Fräulein nicht erinnert währe / seinen ritterlichen Gesellen zu besuchen / ob er vielleicht verwundet währe / da sie jhn bey der Hand fassete / und zugleich baht / er möchte der schon geleisteten Woltaht noch diese hinzu tuhn / und sie nach jhres Vaters Wohnung begleiten / damit sie neben den jhren Gelegenheit hätte / die gebührliche Dankbarkeit sehen zu lassen. Zum ersten wahr er willig / weil er selbst fürchtete / es möchte seinem Herkules etwas widriges zugestossen seyn. Das andere hätte er gerne versprochen / wann ihm nur Herkules Meynung währe bewust gewesen / dem er nicht vorgreiffen wolte; deßwegen er zur Antwort gab: Wann sein Geselle / der ihm zu gebieten hätte / mit nach ihren Eltern zu reisen einwilligen würde / solte es an jhm nicht mangeln; aber meine geliebte Freundin sagte er / woselbst sind dann ihre Eltern anzutreffen? Sophia (so hieß dieses Fräulein) antwortete: Ihr Herr Vater / von dem uhralten Fabier Geschlechte wähdazu Padua über diese ganze Landschafft Römischer Käyserl. Stadthalter. Nun wuste Ladisla wol / was vor ein hohes Ampt dieses wahr / so daß auch Könige sich vor ihnen demütigen musten / deßwegen er sich tieff gegen sie neigete / und also anfing: Hochgebohrnes Fräulein; ich bitte ganz dienstlich / meiner Grobheit zu verzeihen / daß derselben ich die gebührliche Ehre nicht geleistet / in dem ich ihres Standes allerdinge unberichtet gewesen / so daß wegen meines Frevels ich ohn Zweifel jhrer Vortrefligkeit mehr widriges /als durch beschehene Erlösung / Dienst und Freundschafft erzeiget habe; wegere mich daher nicht / die Straffe / welche sie mir aufflegen wird / geduldig über mich zu nehmen / wiewol ich bey Ritterlichen Ehren beteuren kan daß mich keine Frecheit / sondern eine auffrichtige Zuneigung so kühn gemacht hat; nahm damit ihre Hand / dieselbe ehrerbietig zu küssen; dessen sie sich doch wegerte / und jhm diese Antwort gab: Mein Herr / es sey / daß mein Herr Vater dieses Orts zu gebieten habe / und vielleicht wegen Käyserl. hohen Gnade noch viel ein grösseres vermöchte / so wird er doch / seiner / ohn Ruhm beywohnenden Klugheit nach wissen und erkennen / wie viel er meinem Hochwerten Herrn und seinem tapfferen Gesellen [28] schuldig ist. Daß aber mein Herr sich bey meiner Wenigkeit über die Gebühr entschuldiget / weiß ich nicht zu beantworten / ohn daß ich denselben wol versichern kan / daß mir die höchste Vergnügung dieser Welt jezt diese Stunde begegnet ist / in dem die gütigen Götter mir gegönnet / den Erlöser meiner Ehr und Lebens in etwas zu erkennen / dessen bessere Kundschafft mir der Himmel / wie ich hoffe / zugeben wird. Ladisla machte ihm aus dieser Antwort gute Hoffnung eines glüklichen Fortganges seiner vorgenommenen Liebe; küssete jhr die Hand mit hoher Ehrerbietung /und im fortgehen gab er zur Wiederantwort: Durchleuchtiges Fräulein / die von mir beschehene Rettung ist gedenkens nicht wert / würde auch der Himmel nimmermehr zugegeben haben / daß einem solchen vollko enen Fräulein von diesen schändlichen Räubern einige Gewaltsamkeit hätte sollen angelegt werden / sondern vielmehr hätten die Bäume selbst sich auß der Erde reissen / und diese Buben erschlagen müssen; daß also ich nur bloß vor eine Glükseligkeit rechnen muß / daß die Götter meiner schlechten Dienste hieselbst gebrauchen wollen / dessen ich mich zeit meines Lebens mehr / als aller meiner vorigen Glükseligkeiten rühmen werde. Mein Herr / sagete sie; seine grosse Höfligkeit machet ihn also reden /welche ihre eigene Tahten zu preisen ungewohnt ist; mir aber wil gebühren / die empfangene Woltaht zu erkennen / dessen ich mich äusserst bemühen werde; Vor dißmahl bitte ich / meiner unwitzigen Jugend hochgünstig zu verzeihen / daß anfangs ohn gegebene Ursach / sein tugend-ergebenes Herz / welches aus seinen Worten und Tahten eben so klar / als aus seiner Tapferkeit hervor strahlet / ich in Zweifel zihen dürffen; welches wie ich hoffe / mein Herr / in Betrachtung der Jungfräulichen Zucht und Vorsorge /mir wol übersehen wird. Ladisla verwunderte sich über jhre vernünfftige Reden / und wahr willens / es zu beantworten; hielt aber zurük / da er hörete / daß sie also fort fuhr; Ich wil aber die gebührliche Abbite meines Fehlers biß auff gelegenere Zeit verschieben /und mein erstes wiederhohlen / daß mein Herr mir zu ehren sich mit mir nach Padua erheben wolle / umb /sein hochgeltendes Zeugniß / meiner / dem Himmel sey Dank / erhaltenen Keuscheit / bey meinen Eltern abzulegen; fassete hiemit seine Hand und sagete: Mein Herr / diese streitbahre Hand / wie kräfftig sie gleich ist / wil ich gefangen halten / biß sie durch des Mundes Zusage sich frey machen wird. So würde ich viel lieber ein solches nimmermehr zusagen / antwortete er / daß meine unwirdige Hand von so zarten allerschönsten Händichen immer und ewig möchte gehalten werden. Das Fräulein erröhtete vor dieser Rede / fand sich doch bald / und sagete: Meinen Herren beliebet dergleichen höfflichen Scherz mit mir zutreiben / und dafern er gedenket / mit solcher Antwort mich von meinem bittlichen Ansuchen abwendig zu machen / wird es eine vergebliche Mühe seyn / weil die schon empfangene Wolthat mich zimlich kühn gemacht / nach Art aller unverschämten und geizigen immerhin in der Anfoderung zu bleiben; deßwegen ichs dan nicht allein wil erwiedert haben / sondern auch angenehmer Antwort mich ohn ferners wegern versehen. Mein Fräulein / sagete er / ich verspreche alles / was in meinem äussersten vermögen / und ienem meinem Gesellen nicht zu wieder ist. Je mein Herr / sagte sie / ist iener dan zugleich euer Geselle und Gebieter? Ja mein Fräulein / antwortete er / darzu habe ich ihn erwählet / ungeachtet wir gleiches Standes / und ich in etwas älter bin. So mus eures Gesellen Stolz ja so groß / als eure Demuht seyn / sagte sie / wann er sich über seines [29] gleichen / und zwar älterern / der Botmässigkeit annimt. Ich habe ihm diese Gewalt so willig übergeben / sagte er / als gerne er mir ein gleichmässiges gönnet / da ich michs nur gebrauchen wolte. Wol / sagte sie / so hat mein Herr seiner bedingung den Kauff selber auffgesagt / und dafern er günstig und gewogen ist / wird er sich auffs minste in diesem Stük / seiner Freyheit gebrauchen. Mit diesem Worte gelangeten sie bey Herkules an / dem Frl. Sophia sehr tieffe Ehrerbietung erzeigete / und seine Gestalt fast vor übermenschlich hielt / so daß sie schier auff des ersten Räubers Wahn gerahten währe / und redete ihn also an: Vortrefflicher Ritter und Herr /wann wir die Heldentahten nicht gesehen hätten / die euer unüberwindlicher Arm glüklich vollenbracht hat / könten wir dem scheine nach / anders nicht Urteilen / als daß ihr mit uns eines Geschlechtes währet; weil aber nicht vermuhtlich ist / daß unter einer weiblichen Brust solche Krafft und stärke wohnen solte / müssen wir eure Manheit nicht in zweiffel ziehen; Ich und meine Gespielen schreiben es billich der himlischen Allmacht zu / welche euch meine hochwerte Herren zu unser Ehren- und lebens rettung hieher gesand hat /die unkeusche boßheit der Räuber abzustraffen; welches zu erkennen / die Erbarkeit und die eingepflanzeten Rechte selbst uns zu ruffen / dafern unser vermögen nur so weit reichen wolte; da wir dann nicht zweiffeln / die götter selbst werden unsere Stete vertreten helffen / damit diese hochrühmliche Taht mit gebührlichem preyse durch die ganze Welt verehret werde / nachdem eines Ritters höchstes Lob in dem bestehet / daß er den schwachen beystand / den unschuldigen hülffe / und den nohtleidenden rettung geleistet / welches von meinen Herren vor dißmal uns allerdinge unbekanten / so überflüssig begegnet ist /daß niemand als die unbescheidene Undankbarkeit ein wiedriges reden und zeugen wird. Aber mein Herr /sagte sie zu Ladisla / werde ich auch diese Kühnheit nehmen dürffen eine gleichmässige Bitte an euren Freund / wie an euch / zu legen? Durchleuchtiges Fräulein / antwortete er / demnach sie nicht allein in betrachtung ihres Herrn Vaters / des Hochmögenden Herrn Stadthalters zu Padua / sondern auch wegen ihrer selbst eigenen wirdigkeit uns zu befehlen hat /wird sie diese Frage vor einen überflus erkennen. Herkules / da er aus dieser Rede die Hocheit dieser Fräulein vernam / erzeigete ihr grosse Ehre / und fing an: Durchl. Fräulein / ihre vernünfftige reden zeigen leicht an / von was vortrefflichen Leuten sie müsse gezeuget und erzogen seyn; das hohe Lob aber / welches meiner geringfügigkeit zuzulegen / ihr gefallen wollen / reichet bey weitem noch nicht an meine schlechte Tahtẽ / daher dieselben weit über Verdienst sind erhoben / in dem mit ihren zierlichen reden sie sich haben schmücken lassen / gleich wie man ein unwirdiges Hölzlein mit güldenen Kleidern behänget /daß eine ansehnliche Tocke draus wird; woselbst mei nem Fräulein einzureden / ich die Kühnheit noch nicht ergreiffen kan. Daß aber dannoch der Gnädige Gott als Beschützer aller unschuld / und Rächer aller Boßheit / meinen lieben Freund und mich / zu so heilsamer Stunde in diese Gegend geführet / daß wir unser hochwerten Fräulein klägliches Geschrey ohn gefehr vernehmen / und wider die verfluchten Räuber / ihnen Beystand leisten können / rechnen wir billig unter unsere Glükseligkeiten mit; gestaltsam ein redlicher Ritter das Schwert zu dem Ende gebrauchen sol / daß den unterdrükten Hülffe / und der Boßheit eintrag geschehe; daher leicht erhellet / daß unsere jetzige Verrichtung aus blosser schuldigkeit / damit wir der Erbarkeit und allen redlichen Menschen verhafftet sind /[30] herrühret / und umb so viel weniger Dank und vergeltung verdienet / die dannoch durch meiner Fräulein hochgeneigte Lobreden uns in so häuffiger menge schon wirklich eingeliefert ist / daß wir uns derselben zu allem schuldigen Gehorsam darstellen müssen /und daher sie neben ihren hochädlen Gespielen bey uns nichts durch Bitte zu suchen / sondern durch Befehl alles auffzulegen berechtiget sind; ist also meiner Fräulein an mich getahne Foderung / die mein Geselle wissen wird / meines theils eine Schuld / wann sie dem nicht zu wieder ist / der mir zubefehlen hat. Mein Herr und Erretter / antwortete das Fräulein / ich bin viel zu ungeschikt / seine reden zu beantworten / biß ich eine geraume Zeit von sehr vernünfftigẽ Lehrmeistern darüber werde unterrichtet seyn; aber daß ich den Zweg meines vorhabens umb so viel zeitiger erreichen möge / bitte meinen Herren ich Ehrenfreundlich / mir an zu zeigen / woselbst ich seinen Gebieter /auff den er sich berufft / antreffen solle. Dieser ist es /sagte er (auff Ladisla zeigend) / der mein Fräulein aus Räubers Händen errettet hat. Ich weiß nicht mein Herr / antwortete sie mit einem holdseligen Lächeln / ob dieser euer Freund sich einiges Befehls über euch annehmen werde / als welcher meine Bitte mit eben der Bedingung eingewilliget hat; daher dann ihrem über dieser Frage vermuhtlichen Streite vorzukommen /wer unter euch beyden einer dem andern zu gebieten habe / ist mein ehrengebührliches Ansuchen / diese meine beyde Fräulein Wasen vor düchtige Richterinnen zu erkennen / ob meine Bitte der billigkeit gemäß / und meine Herren / selbe abzuschlagen befuget seyn werden oder nicht. Die älteste / so von XIIX Jahren wahr / nahmens Ursula Kornelia / fiel ihr in die Rede und sagte: Frl. Wase / wie beschimpffet ihr uns beyde so gar hoch / durch diesen euren gar zu kühnen Vorschlag? meynet ihr den Nahmen einer dankbahren allein davon zu tragen / und aus uns so verwägene zu machen / daß wir uns diesen vortreflichen Rittern und Herren solten zu Richterinnen setzen und bestellen lassen / die uns zur äussersten Schande schon verurteilete / jezt diese Stunde / durch die kräfftige sieghaffte gegenurtel ihres unüberwindlichen Schwerts davon loß gearbeitet? O nein! wir versagen euch allen gehorsam / und wollen uns viel lieber von diesen Herren vor Richterinnen wieder euch bestellen lassen / da ihr trauen eines harten Spruchs euch werdet befahren müssen / umb daß ihr unserer Erlöser willens Freyheit durch bestellete Richter einzuziehen / euch dürffet gelüsten lassen; und wer hat euch doch in so kurzer Zeit so kühn uñ beherzt gemacht / da ihr sonsten wie ein Espinlaub zittertet / uñ so bloß an Blut uñ Kühnheit /als an Kleidern wahret? Wer mit kühnen Leuten umgehet / antwortete Frl. Sophia / der gewehnet sich zu gleicher Tugend. Versichert euch aber / meine Schwester / daß ich diese mir angelegte beschimpfung zu eivern / nicht in vergeß stellen werde. Habe ich nicht schon ursach gnug / und mehr als euer keine / meine Augen schamhafftig niederzuschlagen? Und ihr dürffet mir solches durch Aufrückung noch verzweyfachen / gerade als wann ich schuld dran trüge? Nun / nun; wer borget / der gedenke / daß die Zahlwoche folgen müsse. Ich will mich aber mit euch nicht weiter zanken / sondern zu meinen Herren mich wenden / und durch Vortragung meiner Bitte / mich eurer ungütlichen Auflage loßwircken / erinnere dieselben demnach bey der hohen und schon geleisteten Bedienung /sie wollen sich großehrengünstig gefallen lassen / mit uns nach Padua zu kehren / nicht allein / daß ihre kräfftige Hand uns biß dahin sichern Schuz halte /sondern uns auch Gelegenheit gönnen / unsere Danckschuldigkeit sehen zu [31] lassen / nach dem wir mit höchsten Freuden anhören werden / daß sie wegen unser unbeflekten Zucht und Keuschheit / bey unsern Eltern gnugsame Zeugnis ablegen; wie dann mein Herr (auff Ladisla zeigend) aus des lezten Räubers eigener Bekäntnis / dessen ich mich sehr freue / verstanden hat. Herkules befand eine ungewöhnliche Verenderung an Ladisla / und daß er ohn unterlaß dieses Fräulein mit unverwendeten Augen ansahe / woraus er bald schloß / das er müste getroffen seyn; ließ sichs doch nicht merken / und gab auff der Fräulein vorbringen zur Antwort: Wann ich hätte wissen sollen / daß ihrer Durchl. begehren also beschaffen / wolte ich mich darzu unwägerlich erbohten haben / massen mein Freund und ich / uns schuldig erachten / sie nach Padua zu begleiten / und nach aller mögligkeit ihnen Schuz zu leisten; nur allein zeigete er an / daß ihre Reise der eile unterworffen / keine Verzögerung leyden wolte / und daher dienstlich baht / sie durch nöhtigung daselbst nicht auffzuhalten: auch / wo möglich / bey ihren Eltern ihrer nicht zu gedenken. Mein Herr / sagte Frl. Sophia / ich verspreche alles zu leisten / was mir möglich / und der Erbarkeit nicht zu wieder ist. Aber mein Herr (redete sie zu Ladisla) /wird er sich dann nicht mit belieben lassen / daß in seiner sichern Geselschafft ich mit fortreisen möge? vor meine Gespielen ein Wort mehr zu verlieren /halte ich vergeblich seyn / weil sie diese meine Bitte als eine grosse und straffwirdige Unbilligkeit angeklaget haben / und sie / wie ich muhtmasse / bey diesen erschlagenen / trauer- und Schildwache halten wollen / biß sie von andern ihres gleichen abgelanget werden. Verzeihet uns / geliebte Schwester / sagte Frl. Ursula / daß wir eure Bitte nicht riechẽ können / und noch wol unser guten Sache so viel trauen / sie wieder euch / jedoch vor unverdächtigen Richtern (wobey sie schmuzerlachete) außzuführen. Ob wir auff diesem Platze lange verweilen / und diese Räuber bewachen wollen / wird sich bey dem Auffbruche dieser Ritter außweisen / deren willen euch allein zu erwerben /und uns Abzuspenstigen / ihr bemühet gnug seid. Wir unsers teils zweiffeln gar nicht / es werden diese Herren zu außführung ihrer preißwirdigen Ehren / uns den Weg neben herzulauffen / und unter ihrem Schatten die angenehme sicherheits Kühlung gerne gestatten; wobey sich dann außfündig machen wird / welche unter uns die frischeste zu Fuß seyn / oder am liebesten zurük bleiben wird. O nein herzgeliebte Schwester / antwortete Frl. Sophia / ich wil meines Anspruchs wieder euch / mich gerne begeben / nur allein lasset mich nicht dahinden / weil euch bewust ist /daß meine Beine mich einen so fernen Weg nicht tragen können / wo ich nicht bißweilen ruhe nehme. Aber ihr meine Herren / verzeihet unserm kindischen Zanke / der sich umb eine Beute zweiet / ehe sie erlanget ist / und ich doch hoffe / mein Herr (auff Ladisla zeigend) werde nunmehr seine gewogene Einwilligung uns erfreulich anhören lassen. Ladisla wahr nicht allein durch ihre allerdinge vollkommene Schönheit / sondern auch nunmehr durch ihren freundlichen Verstand und vernünfftige Freundligkeit dermassen in liebe entzündet / daß / wo Herkules gegenwart nicht gewesen / er seinen begierden den Zaum so fest nicht halten köñen; aber die furchtsame Ehrerbietigkeit / die er von jugend auff gegen diesen Tugendvollen Helden trug / fesselte seines herzen Inbrunst / damit ja sein Herkules ihn keines Frevels möchte zu beschuldigen haben. Jedoch dem Fräulein seine Ergebenheit zu erzeigen / küssete er ihr die Hand und sagte: Er befünde durch ihre hohe Tugend sich verbunden / ihr zugehorsamen / auch mit williger vergiessung seines Bluts und Lebens ihr Verfechter zu seyn / [32] damit er dem schweren Laster der Undankbarkeit entginge / welches ihm billich müste zugelegt werden / wann er sich ihrem Befehl wiederspenstig erzeigen würde; bähte demnach / ihm kühnlich zubefehlen / ob er vielleicht einiges Geboht zu verrichten /tüchtig und bestand währe. Das Fräulein hatte seiner Liebes-blicke in guter Auffmerkung wahrgenommen /die durch diese reden ihr so viel annehmlicher gemacht wurden / daß nicht allein Herkules / sondern auch die beyden Fräulein den Schuß merketen / und Herkules seinem Freund zu gefallen bemühet wahr /dieser beyder Auffmerkung von den verliebeten abzuwenden / deßwegen er mit ihnen ein sonderliches Gespräch anfing / welches diesen liebes-Arbeitern nicht ungenehme wahr / massen sie daher Luft bekahmen /sich durch unterredung in bessere Kundschafft zu setzen; wie wol das Fräulein nach ihrer Verschlagenheit und Zucht / ihre schon entzündete Flammen ihm nicht so leicht scheinen lassen wolte / und die vorige Rede ihm also beantwortete: Mein Herr seine Höffligkeit /deren er sich im Erbieten gebrauchet / ist viel zu groß / daß sie von mir unerzogenen Schülerin / durch gleichwirdige Antwort solte köñen erwiedert werden. Ich habe demselben ja die allergeringste Dankbarkeit zu erzeigen / sowol wegen meiner Armut an diesem Orte / als kürze der Zeit / und mangel der Gelegenheit / nicht mächtig seyn können; So ist meinem Herrn biß daher / nicht nur mein Unvermögen / sondern auch die Willigkeit allerdinge unbekant gewesen / darff auch wol sagen / mein stand und Wesen / weil meinen Herrn jemahls vor diesem gesehen zu haben / mich nicht zuerinnern weiß; Wie solte er mir dann so hoch / wie seine Reden gehen / verbunden seyn können / da ich schon mehr gutes von seinem mitleidigẽ herzen in dieser einigẽ Stunde eingeno en / als ich zeit meines Lebens nit bezahlẽ kan / und noch den allergeringsten anfang darzu nicht gemacht habe / wo nicht mein Herr meinen guten Willen vor den ersten Grund der künfftigen Folge / da einige Mögligkeit bey mir ist / rechnen wird. Wolle demnach mein Herr der Undankbarkeit sich zu beschuldigen auffhören / als welche bey ihm / da ers gleich suchete / keine stat haben kan; Das hohe Erbieten / sich meiner nach wie vor / geträulich anzunehmen / macht wegen künfftigen Unglüks mich schon aller Furchtloß / weil unter diesen unüberwindlichen Händen / den Tugendliebenden nur Sicherheit und Schuz / den Boßhafften aber billiche Straffen begegnen können; Wie solte ich dann einigen Befehl über diesen mich anmassen / dessen Gunst und Güte meiner Ehre noch länger zu leben gebohten hat / uñ ich deßwegen ihm zur schuldigen Dankbarkeit billich in Ehren auffwärtig bin. Verzeihet / mein Fräulein /wiederantwortete er / eurem dienstergebenen Knechte / daß derselbe ihrem Vorbringen einzureden sich unterstehet / da im übrigen er in allem biß zum Tode willig und gehorsam ist. Ich wil nicht einführen / wie ein unverdientes Lob ihre holdreiche Zunge nur zuleget; nur daß ich meine gedoppelte Schuldigkeit / welche mein Fräulein auffzuheben bemühet ist / fest setzen möge / die vor erst in dem bestehet / daß als lange ich der Tugend ergebener seyn wil / nohtwendig der Unschuld mich nach allen Kräfften annehmen muß /und wann ich solches unterliesse / mich alsbald gegen den Himmel undankbar erzeigen würde / als welcher mir zu dem Ende vor aller Gefahr biß daher Schuz gehalten hat / daß ich ihm nach meiner Wenigkeit folge leisten / und so weit ichs vermag / nacheivern solle; jedoch dieses aus der acht gesezt / bin ich doch nicht minder gehalten / meiner Fräulein als ihren Verschuldeten mich darzustellẽ / würde auch in dessen Unterlassung / unter dz Fähnlein der unverschämtesten [33] undankbahren mich schreiben lassen müssen / gestaltsam mein Fräulein mir ein Loblied / ehe ichs verdienet / auß Gewogenheit gesungen / uñ einen Ruhm mir bey der Welt zu erwerben sich günstig anerbeut / dessen ich nicht fähig bin; ich darff mich weiter nicht erkühnen / mein Fräulein / eine noch viel grössere Gewalt auszudrücken / welche zu jhren diensten mich so heftig antreibet / daß ich sanffter sterben / als dessen mich entbrechen werde; und würde ich die höchste Stuhffe meines Glückes schon erstiegen haben / wann der Himmel mich nur düchtigen wolte / dessen durch Verdienst und Tugend wirdig zu seyn / was ich Geblüts halben wol suchen dürffte; auch das günstige Glük meiner gehorsamsten Auffwartung eine unablöschliche Grundfarbe anstreichen möchte / welche ihrer Vortrefligkeit die Ergebenheit meines Willens in etwas zu entwerffen scheinlich währe. Das gute Fräulein / die dergleichen hefftigen Anlauff niemahls erfahren / sintemahl sie mit Mannesbildern sehr wenig umgangen / und ihres Alters sechzehnde Jahr kaum geendiget hatte / wuste in der Eile keine Antwort zu finden / wahr ihr doch sehr angenehm / daß sie ihn hohes Geschlechtes zu seyn / vermerkete / wolte auch seine Rede nur auff eine gemeine Gutwilligkeit zihen /und dannoch so viel verdeckete Merkzeichen einstreuen / daß an ihrer Gewogenheit zu verzweifeln er nicht ursach haben solte. In dem sie aber also anfing: Treflicher Ritter / meiner Jugend Unverstand und Unerfahrenheit / weiß die gebührliche Antwort keines weges zu ersinnen; Da hörete Ladisla ein helschallendes Hörnlein / je länger je heftiger blasen / wie ers dann mit seinem Markus abgeredet hatte / daß wann er etwas wichtiges vernehmen würde / er solches durch dieses Zeichen anmelden solte; machte ihm deßwegẽ bald die Rechnung / es würde was neues vorhanden seyn / daher er etliche Schritte nach Herkules tretend, sagete: Mein Bruder / wir werden uns in die Waffen begeben müssen. Ja / antwortete er / ich gehe gleich mit den Gedanken üm; baht auch das Frauenzimmer / sich hinter den Baum zu stellen /gegen welchen sie den Rücken kehren wolten / und einen guten Muht zu haben. Guter Raht war hie sehr theur / weil die ohndas erschrockene gänzlich meyneten / es würde eine frische RäuberSchaar verhanden seyn / der jezt erschlagenen Tod zu rächen / daher sie voller Furcht und Schrecken in einander fielen / und ihr unglük mit Trähnen beklageten. Nun hatte gleichwol Markus ursach gnug / dieses Zeichen zu geben /weil er in die XI. Reuter zustreuet von der rechten seiten über das querfeld daher rennen sahe / welches er unangezeiget nicht lassen wolte; wiewol er mit seinem pfeiffen schier ein unwiederbringliches übel verursachet hätte. Dann diese Reuter folgeten der Spuhr eines Wagen / auff welchem die drey Fräulein von den Räubern hinweg geführet wahren. Als nun jhr Führer das Hörnlein hörete / rieff er den seinen zu: Auff / auff /ihr Brüder auff! Die räuberischẽ Diebe haben ihre Wachten außgesezt / und halten dort vor uns im Pusch; Lasset uns demnach ihnen den Lohn ihrer Boßheit geben. Rante hiemit in grossem Eiver dahin /woselbst Klodius und Markus in vollem Harnische mit beyden ädelknaben und vier ledigen Pferden hielten / welche / da sie merketen / daß jhnen feindlich wolte zugesezt werden / gedachten sie ihr Leben teur gnug zu verkauffen / und begaben sich in die enge / so daß die ädelknaben mit den ledigen Pferden hinter ihnen halten musten. Der Befehlichshaber jagete eines steinwurffs vor seinen Leuten her / rieff auch / die unsern solten sich ergeben / oder in Stücken gehauen werden. Klodius gab zur Antwort: Ritter / wer mich gleichwol in Stücken hauen [34] wil / muß meiner Fäuste Gewicht zuvor auch empfinden; aber was Raserey treibet euch / Fremde also anzufallen? Dieser gedachte / er wolte ihn mit vergeblichen Worten / und listiger Verstellung / biß zu seiner Mitgehülffen Ankunfft aufhalten / meynete also / er hätte die Räuber gewiß antroffen und sagte: Ihr Diebe und Räuber / wohin habt ihr die entführten Fräulein geschleppet? Klodius antwortete: Vor diesen Schimpff soltu mir gerecht seyn; Ich bin ein ehrlicher Römer / komme gleich von Verohn mit meiner Gesellschafft / und weiß von den nachgefrageten Fräulein nichts zu sagen / es möchten dann diese seyn / die wir vor etwa einer Stunde kläglich genug ruffen gehöret. Dieser schämete sich / daß er durch Zorn sich so weit vergangen hatte / wolte doch allerdinge nicht trauen / sondern sagte: Dafern ihr mich werdet dahin führen / woselbst ihr meynet /das Geschrey gewesen seyn / halte ich euch vor entschuldiget / und wil mich bemühen / meinen Fehler zu verbessern. Weil nun Klodius sahe / daß er übermannet wahr / und doch diese Schmach zu rächen ihm vorbehielt / stieg er ab vom Pferde / und sagete: Wer mir folgen wil / mag sich auf die Füsse wagen weil man reitend nicht hindurch brechen kan. Worauf dieser mit seiner halbẽ Schaar sich zu Fusse begab / und die andere Helffte bey Markus warten hieß / biß sie weitern Befehl vernehmen würden. Es wolte Klodius jhn gleichwol unterrichten / daß zween Ritter zu der Schreyenden Rettung hingangen währen / und er nicht wissen könte / ob sie gesieget oder verlohren hätten /weil der Streit als von weitem eine zeitlang gehöret worden / und nachgehends alle Zeichen des weitern ergehens sich verlohren hätten. Aber dieser wahr von Zorn taub und blind / und eilete nur fort / den Ort zuerreichen / da er die begangene Untaht rächen könte; ward auch endlich unserer Helden in vollem Harnisch gewahr / fassete sein Schwerd und Schild / dann andere Waffen hatten er und seine Leute wegen der eile nicht angelegt / und lieff auff die unsern mit diesen Worten zu: Haha ihr Fräulein-Räuber / jezt sollet jhr den Frevelmuht teur genug bezahlen. Klodius trabete neben ihn her / und wolte ihn noch seines Irtums unterrichten; aber da halff alles nichts; Er gieng wie ein erzörneter Eber hinzu / und schlug hefftig gnug von sich. Nun merketen unsere Helden seinen Irtuhm leicht / deßwegen sie der Anfallenden Hiebe nur mit den Schilden außnahmen / und anfangs niemand beschädigten / weil ihnen aber gar zu hefftig zugesetzet ward / und Klodius sich neben sie an den Baum stellete / daß sie nicht kunten von hinten zu angegriffen werden / wolten sie jhnen gleichwol zu erkennen geben / mit was Leuten sie es zu tuhn hätten / und aus höchstem Nohtzwange hieben sie jhrer sechsen die Köpffe vonander / daß sie todt zur Erde stürzeten. Ihr Führer wolte solches rächen / und setzete auff Herkules hefftig an / der auß seiner Gestalt urteilete / daß er was vornehmes seyn müste / daher er jhn nicht beschädigen wolte / sondern schlug ihn mit der Fläche seines Schwerts über den Kopff / daß er taumlich ward / gleich da Ladisla zu den Fräulein trat / und ihnen zurieff: Lieber bemühet euch diese eure ohn Zweifel bekante zu befriedigen / daß wir nicht zu mehrer Blutstürzung gezwungen werden. Erst gedachten diese / es würden ihre Leute / und wegen jhrer Rettung außgezogen seyn / deßwegen Frl. Sophia ungescheuhet hinzu lief / wie der von Herkules geschlagene sich wieder erhohlet hatte / und einen behuetsamern Kampff mit ihm angetreten wahr / so daß wenig fehlete / er hätte jhn gezwungen niderschlagen müssen / weil er mit gar zu hefftigem wüten auff ihn drang / und die bißher geschehene Verschonung der Unerfahrenheit seines [35] Bestreiters zulegete. So bald ihn das Fräulein erblickete / rieff sie überlaut; herzliebster Bruder / wiltu unsern besten Freunden keinen bessern Dank sehen lassen? thue gemach / thue gemach / du hast keine Feinde vor dir. Als ihr Bruder Kajus Fabius solches hörete / zohe er sich zurük / gab auch seinen leuten einen Wink einzuhalten / und antwortete ihr; wie dann / Schwester / ist dir durch die gewaltsame entführung eine Freundschafft erwiesen /so hüte dich / daß du nimmermehr deinen Eltern unter die Augen kommest; und wolte hiemit den Kampff wieder anheben. Aber das Fräulein / nebest ihren Gespielen / stelleten sich zwischen die blossen Schwerter / und fiel diese ihrem Bruder in die Arme / mit heissen trähnen sagend: O Bruder öffne doch die Augen deiner Vernunfft und leibes / und sihe dort die erschlagene boßhaffte Räuber / welche von diesen beyden tapfferen Helden erlegt / und wir dadurch bey Ehren erhalten sind. So bald er dieses hörete / warff er den Schild nider / nahete sich zu Herkules / und boht ihm sein Schwert mit diesen Worten: Gewaltiger Ritter / wer ihr seyd / ich bezeuge mit übergabe meines Schwerts / daß ich wider Rittergebühr mich an euch vergriffen / indem vor eure Woltaht ich euch unabgesagt und feindlich überfallen; Welches / da es von mir lebendig kan gebüsset werden / sol mein äusserstes Vermögen zu euren Diensten seyn; wo nicht; so nehmet von mir die gebührliche Rache / nach meiner eigenen Urtel. Hiemit boht er ihm sein Häupt dar / und sagete: Weil dieses Gehirn so unwitzig verfahren /muß es der Straffe sich nicht entbrechen. Fräulein Sophia währe hierüber schier in Ohmacht gerahten / nur die vermeynete Gefahr ihres Bruders erhielt ihre Krafft / daß sie Ladisla zun Füssen fiel / und hefftig weinend zu ihm sagete: Ach mein Herr / dieser ist mein leiblicher und einiger Bruder / die ganze Hoffnung seiner Eltern; bitte deßwegen demühtigst / ihm von meinetwegen zu verzeihen / deß wil ich zeit meines Lebens mich zu allen euren Diensten schuldig erkennen. Durchl. Fräulein / antwortete er / sie zuvor auffhebend; ich verbleibe ihr gehorsamer Knecht /und versichere sie / dz sie meines Gesellen Höfligkeit weder in diesem noch andern Stücken wird zu beschuldigen haben. Wie dann Herkules solches in der Taht erwieß / da er dem jungen Fabius diese Antwort gab; Mein Herr / ihr beweiset mir mit diesem zumuhten mehr Verdrießligkeit / als vorhin mit eurem überfall / nach dem ich euch nicht verdenken muß / daß ihr wegen Entführung dieses treflichen Frauenzimmers entrüstet seyd; aber nicht absehen kan / was gestalt ich das übrige entschuldigen sol; nur ist mir sehr leid / daß durch diesen Irtuhm Menschenblut hat müssen vergossen / und sechs Seelen eurer Reuter auffgeopffert werden / als deren mein Geselle und ich uns aus gezwungener Noht erwehren müssen. Mein Herr /antwortete er / meine Reuter haben nicht auff Römisch gehandelt / daß ihrer so viel ohn mein Geheiß drey Ritter angegriffen; ist ihnen darob etwz zugestanden / haben sie es jhrem Frevel zuzuschreiben; ich aber bin wol vergnüget / daß eure Leiber von mir und den meinen unverlezt blieben sind; werde mich auch befleissigen / eurem guten Willen Abtrag zu machen /so viel mein unvermögen zulässet. Er kunte sich aber über Herkules Schönheit und Stärke in dieser seiner Jugend nicht gnug verwundern / daher er ihn mit unverwendeten Augen ansahe. Hingegen wahr das Frauenzimmer von Herzen froh / daß es zum Vertrage kommen / und ein so gefährlicher Streit beygelegt wahr / und vermahnete Frl. Sophia ihren Bruder / er möchte diese fremde nöhtigen / mit nach Padua zu kehren; Worauff er antwortete: Du [36] hast der gebührlichen Bescheidenheit mich billich erinnert; dañ an stat des ersten Schwertschlages hätte ich solches verrichten sollen. Hierauff hielt er bey jhnen gar inständig an / sie möchten neben jhren Dienern mit ihm reiten /und der ganzen Freundschafft gönnen / wegen geleisteter Rettung ihre Dankbarkeit abzulegen. Die Fräulein traten mit herbey / und erhielten ihr Begehren. Fabius gieng vor seinem Abzuge hin / die erschlagenen Räuber zu besichtigen / die er alsbald / insonderheit den ersten / vor die beschrihenste Fechter erkennete / und zu seinen Leuten sagete; Er hielte fast vor unmenschlich / daß diese zween junge Ritter solche ausgeübete Fechter vor der Faust erlegt hätten. Aber Frl. Sophia / die mit jhm gieng / wuste ihm das Gefechte so zu beschreiben / daß er öffentlich sagete: Dafern er wissen solte / daß diese Helden Göttliches Herkommens währen / wolte er sie davor gerne erkennen und ehren; Kehrete wieder umb / und zeigete ihnen an / sie würdẽ schwerlich gläuben / was vor einen ruhmwirdigen Sieg sie an den Erschlagenen behäuptet / als welche XX Geharnischten nicht würden entlauffen seyn / sondern die überwindung ihnen zweifelhaftig gnug gemacht haben. Worauff Ladisla antwortete; Es könte wol seyn / daß in einer an ihrer Seiten so gerechten Sache / sie ihnen viel zu schwach gewesen währen; Weil aber die Billigkeit / sagte er /unsere Schwerter selbst führete / auch diese trefliche Fräulein mit jhrem andächtigen Wunsch uns zu hülffe kahmen / und Krafft erteileten / haben sie dem Tode nit entgehen können; massen solche leichtfertige Buben durch Göttliche Rache fallen müssen / als auff die jhr eigenes Gewissen selbst tapffer zuschlagen hilfft. Fabius schätzete seine höfliche Demuht sehr hoch / ließ seine erschlagene Reuter in die Erde verscharren / und sahe / daß noch fünfe ziemliche Wunden davon getragen hatten. Inzwischen trat Klodius zu seinem Herrn / andeutend / es hätte ihn einer dieses Hauffens vor unredlich gescholten / bähte / daß zu erster Gelegenheit er solches ritterlich außzutragen /Freyheit haben möchte; welches er ihm einwilligte; und ließ Ladisla der fünff Räuber grosse Schwerter und Schilde / auff welchen sie ihre Nahmen eingeetzet hatten / zum Siegszeichen mit nehmen; machten sich wieder durch das dicke Gesträuch zu jhrer Gesellschafft / und hinterlassenen Pferden / da Ladisla sein geliebtes Fräulein / Herkules Frl. Helenen / und Fabius seine heimlich verlobete Ursul bey der Hand hin durch führeten / Ladisla aber mit gutem Willen etwas dahinten blieb / sich durch freundliches Gespräch bey dem Fräulein besser einzudingen; fand auch allen freundlichen Willen / ohn daß auff Vortragung seiner Liebe sie allemahl eine Scherzantwort gab / oder doch sich dessen so gar fremde stellete / als hätte sie es nicht verstanden; wodurch seine erhitzete Begierden je mehr und mehr entzündet wurden. Als sie endlich mit Mühe die Hecken hinter sich gelegt / nöhtigte Fabius unsere Helden im ersten Gliede vorne an zu reiten / so wolte er als ihr Verbundener ihnen folgen; welches sie aber nicht gestatten wolten / sondern es gebrauchte sich Ladisla dieser Gelegenheit / und ordente / daß Herkules und Fabius im ersten; Er und Frl. Sophia im andern; und die andern beyden Fräulein im dritten Gliede retten solten / weil man weder Gutschen noch Sänfften vor das Frauenzimmer haben kunte / und sie deßwegen sich mit zu Pferde setzen musten. Nun ritte Fräulein Sophia Ladislaen Handpferd / welches aber von diesem leichten Reuter sich nicht wolte zwingen lassen / sondern / wie es ohn das etwas unbendig wahr / begunte es gleich im auffsteigen mit jhr außzureissen. Ladisla erwischete sie bald wieder / suchte [37] hiedurch gelegenheit / sie näher zu bekommen / und weil er den mehrenteil seiner Rüstung abgelegt hatte / erboht er sich / sie auff seinem Pferde vor sich zu führen / dessen sie sich anfangs wegerte /einwendend / sie würde jhm gar zu beschwerlich seyn; aber auff jhres Bruders / und der beyden Fräulein (welche alle ihr Liebesfeur merketen) Zuredung / ließ sie sich zu ihm hinauff heben / da zur anzeige seiner vergnügung / die er hiedurch empfing / er ihre Hände freundlich drückete / und sie es mit einem freundlichen Anblik ersetzete. Es kunte Fabius unsern Herkules nicht gnug anschauen / und empfand solche neigung in seiner Seele gegen ihn / daß ihm unmöglich wahr / selbe weiter zu verbergen / daher er diese Rede an ihn abgehen lies: Mein Herr / der von mir aus Unvorsichtigkeit begangene Frevel / hält mit der begierde zu seiner Freundschafft einen hefftigen Streit in meinen Herzen / daß / so viel diese mich zu ihm hinträget / mich jener hingegen zurük zeuhet / weil ich des gar zu groben Fehlers mich wol erinnern kan; nach dem aber auff seine freundliche verzeihung ich mich verlasse / und dieselbe meinem Verbrechen entgegen setze / hat endlich mein vertrauen der Zungen anbefohlen / die Furcht hinter sich zu legen / und des Herzen Wunsch außzudrucken. Herkules fiel ihm in die Rede / und zeigete an / daß wann er des im Gehölze auß blosser Unwissenheit begangenen / nicht in vergeß stellen / sondern mehr gedenken würde / könte er keinen Schrit weiter mit ihm reiten / dann ich versichere ihn / sagte er / daß / in seine Kund- und Freundschafft auffgenommen zu seyn / ich nur vor eine sonderliche Ehr und Glükseligkeit rechne. Fabius / nach gebehtener Verzeihung / fuhr in seiner Rede also fort: Es pflegen die Sternkündiger dem Himmel zuzuschreiben / was dem Menschen vor Glük und Unglük zustosset; ja wann etliche Gemühter sich mit einander Verbinden / muß dieser oder jener Stern solches verursachet haben. Ich vor meine Wenigkeit wolte vielmehr halten / daß eine jnnerliche Krafft der Seelen uns reize und zwinge / diesem anzuhangen und jenes gehässig zu meyden / oder wol gar feindselig zu verfolgen; und wol denen / die der Tugend-liebe nachsetzen / und durch den äusserlichen falschen Schein der Sinnen-süssen Uppigkeit sich zur verderblichen Wollust nicht verleiten lassen. Freundschafft und Liebe ist heut zu tage auff der Zungen sehr gemein / daß nichts wolfeilers mag gefunden werden / und hat die leichtfertige Jugend den bekanten schnöden Brauch / daß wann sie zusammen kommen / und einer von dem andern weder gutes noch böses nie gesehen / oder gehöret hat / sie als bald brüderliche Freundschafft unter sich auffrichten / so bald der Wein ihre Herzen mit einem Tropffen über Durst anfeuchtet; und meynen /es fliesse aus dem Glase alles her / was den Nahmen wahrer Freundschafft gebieret. Mein Sinn ist dieser Leichtfertigkeit nie hold / viel weniger zugethan und ergeben gewesen / sondern so selzam und wenig ich die Tugend bey meines gleichen jungen leuten antreffe / so geringe ist auch die Anzahl meiner erkieseten freunde; aber daß kan ich sonder sparung der Warheit wol beteuren / daß nie kein Fremder / als mein Herr /mich zu seiner Hulde so sehr gezogen hat. Zwar es möchte mañicher mich vor unbesoñen schelten / daß ich so leichtbewägig bin / einem zu wahrer Freundschafft mich zu verbinden / dessen Nahmen ich kaum zweymahl nennen hören / und gar nicht weiß / wer oder weß standes er sey. Ich aber halte vielmehr / daß mir solches zum besten Außgedeutet werden müsse /inbetrachtung / ich kein äusserliches an ihm / und was daß unbeständige Glük verleyhet / sondern seine hochbegabte Art und Tugend [38] liebe und ehre / die er heut auff einmahl durch Barmherzigkeit und mitleiden gegen daß gefangene Frauenzimmer / durch Herzhafftigkeit und stärke gegen die Räuber / und durch gütige Höffligkeit und vergebung gegen mich / mit vollem Strohme außgeschüttet und zuerkennen gegeben hat. Nun kan wol seyn / daß mein Herr von geblüte höher ist als ich und die meinen; aber solte er gleich eines Hirten Sohn seyn / würde doch seine Tugend bey mir nicht umb ein Haar weniger gelten / als wann er der mächtigste König der unüberwindlichen Teutschen währe. Diesem nach Bitte ich dienstlich / weil mein begangener Fehler mir schon gänzlich nachgelassen ist / es wolle mein Herr mich unter die Zahl seiner geträuen Freunde auffnehmen / und zwar unter diese /welche sich durchaus nicht wegern / Leib und Blut vor ihn in die Schanze zu schlagen / und vor seine Wolfahrt gutwillig auffzuopffern. Herkules gab eben acht auff seine reden / spürete auch aus allen seinen geberden / daß seine Zunge nicht vermochte so viel außzusprechen / als die Seele ihr vorzubringen befahl / weil unter den reden er seine Gestalt offt verenderte /und nach Eigenschafft der worte bald erröhtete / bald anbleichete / auch bißweilen im außsprechen etwas ansties und halten blieb. Antwortete ihm deßwegen ganz freundlich und sagete: Mein Herr / es ist freylich ein närrisches Getichte / daß man den himlischen Lichtern eine solche Wirkung in unsere Seele aufflegen wil / und damit zugleich unsern Mutwillen schmücken und entschuldigen / wann er in der Büberey sich vertieffet; gestaltsam auff diese Weise mein Geselle und ich / den boßhafften Räubern die unverantwortlichste Gewalt müsten angethan haben / als die nit aus getrieb ihrer eigenen wilkühr / sondern durch unvermeidliche Wirkung des Himmels diese züchtige Fräulein geraubet zu haben sich entschuldigen könten. Und wer siehet nicht / daß durch diesen Unweg nicht allein den Lastern Tühr und Tohr geöffnet / sondern auch die Straffe gehemmet / ja der Tugend ihr gebührliches Lob entzogen würde? Freylich mein Herr / stecket es in unser Seele / so wol was lob-als was scheltwürdig ist / nicht weniger / als eben derselben Kräffte die Gemühter verbinden / und gemeiniglich gleich zu gleichen gesellen. Wer nun ausser dieser Meynung der Freundschafft Band und Gültigkeit suchet / gibt scheinbahr an den Tag / wie wenig er derselben Art und Eigenschafft verstehe. Die vollen Becher / wie leicht sie zur Kundschafft anlocken / so leicht brechen sie auch dieselbe wiederumb /und ist nichts gemeiners / als daß solche WeinBrüder sich in einer Stunde dutzen uñ mutzen / schmatzen und kratzen / da dann die Wirkung auff beyden Blättern uns lesen lässet / was von dieser art Freundschafft zu halten sey. Daß ich nun aber etwas näher trete / so kan mit meinen Gedanken ich nicht absehen / was mein Herr an meiner Geringfügigkeit mag gespüret haben / welches eine so hohe Neigung gegen mich einen schlechten außländischen umschweiffenden Ritter und unbekanten Menschen erwecken könte. Zwar einen Liebhaber und Anbehter aller auffrichtigen Tugend gebe ich mich an; wiewol auch dieses mir zur Ruhmretigkeit möchte gedeyen / angesehen der grossen Gebrechligkeit / die ich täglich bey mir verspüre / daß also mich ein jeder billich / wo nicht auß anderm Grunde / zum wenigsten meiner Jugend halben vor frevelmühtig schelten müste / dafern ich mich grosser Geschikligkeit und Tugend rühmen wolte; weil zu Erweisung eines so volkommenen gutes /lange Zeit erfodert wird; jedoch wie dem allen / Bitte ich freundlich / mein Herr wolle / als lange er einige Liebe und begierde gutes zu thun / an mir spüret /mich in dem Gedächtnis-Buche [39] seiner Diener und Freunde angezeichnet stehen lassen; ist dann gleich mein vermögen zu schwach / grosse bedienungen zuleisten / sol doch mein ergebener Wille keine Gelegenheit durch Vorsaz verseumen / sich meinem Herrn als Freunde zu aller mögligkeit darzulegen. Weil Herkules dieses vorbrachte / sahe ihn Fabius mit starrem Gesichte an / und nach seiner Rede endigung sagete er: Mein Herr / mir genüget an seinem Erbieten /wegen angenommener Freundschafft daß übrige sey zu seinem Wolgefallen gesprochen; ohn daß ich unberühret nicht lassen kan / daß ein Verständiger die Tugend nicht aus dem Alter / sondern bloß aus der gültigen Volkommenheit urteilet; wie dann mannicher junger Baum viel gesundere und schönere Frucht bringet / als der mit mossigten ästen sich zwanzig Ellen außbreitet; und wil nicht sagen daß die Tugend sich allemahl scheinbahrer in jungen / als in alten erzeiget /weil in diesen daß löbliche aus Mangel und Abgang der Bewägungen viel leichter / als in der hitzigen Jugend / stat findet / und daher / was so gemein nicht ist / uns viel ädler als das tägliche seyn dünket; Alte Rosen sind auch roht / aber die sich erst von einander tuhn / ungleich lieblicher / auch besseren Geruchs und Krafft / welches niemand / als vielleicht zum scherze leugnen wird. Also führeten diese neuen Freunde ihr sinnreiches Gespräch / biß sie vor Padua anlangeten /und verbunden sich ihre Herzen auff so kurzem Wege in wenig Stunden dermassen fest zusammen / daß solches Band ni ermehr kunte auffgelöset noch zurissen werden. Ladisla übersahe unterdessen seine Schanze auch nicht; dann weil er sein liebstes Fräulein vor sich führete / und ihr in geheim alles reden kunte / suchete er alle Gelegenheit / eine genehme Erklärung von ihr zu erlangen; da sie dann allemahl sich gar höfflich und gewogen / doch nicht nach seinem Willen vernehmen lies / deßwegen er ihr solches unter verblümten reden abzugehen / zu ihr sagete: Mein Fräulein / es fället mir eine Geschichte ein / die sich in meinem Vaterlande zugetragen / und wann es ihr nicht zu wieder währe / ich selbige / die Zeit zu vertreiben / und des unsanfften sitzens sie vergessen zu machen / gerne erzählen wolte. Mein Herr / antwortete sie / sider dem ich aus Räubers Händẽ errettet bin /habe ich über lange Zeit nicht zuklagen gehabt / und ist mir leid / daß mein Herr wegen des unsanfften sitzens sich beschweren muß / dessen ich die einzige Ursach bin / und ihm alle diese Ungelegenheit zuzihe. Ich versichere viel mehr mein Fräulein / sagte er / daß Zeit meines lebens ich nie auff keinem Pferde bequemer gesessen; würde mich auch nicht wegern / auff solche Weise die ganze Welt durchzureiten. Das Fräulein sahe ihn an mit lieblichen blicken und sagte; Seine Höffligkeit mein Herr / ist so groß / und die mir erzeigete Woltahten so häuffig / daß ich mich erkenne in alle dem ihm schuldig und verbunden zu seyn / was ihm belieben kan und mag; meine Ehr außzunehmen halte ich unvonnöhten / weil ein so ehrliebender Mensch wider Ehre nichts begehren wird / der mit Darstreckung seines Leib und Lebens mir dieselbe beschützet / und als sie gleich solte geraubet werden /erlöset und frey gemacht hat. Aber ich bitte sehr /mein Herr wolle seinem Erbieten nachkommen / und die erwähnete Geschichte seines Vaterlandes mir zuerzählen unbeschweret seyn / weil von Kindesbeinen auff / ich meine beste Lust in Les- und Anhörung löblicher und denkwirdiger Geschichten suche und empfinde. Ladisla bedankete sich anfangs des hohen Erbietens / welches er zwar nicht verdienet hätte / und doch vor den glükseligsten Ritter sich schätzen würde / dafern sie ihn dessen wirdig hielte. Sagte hernach; die Geschichte währe kurz und vielleicht [40] unlieblich /aber die Ursach seiner Erinnerung unterschiedlich /möchte auch Wünschẽ / daß über die Menschen /deren er gedenken würde / sie ihre Urtel ohn einige Gunst oder Ungunst zu sprechen / ihr könte gefallen lassen / und zwar solcher Gestalt / als sie über sich selbst in gleichen fällen wolte gesprochen haben. Mein Verstand im Urtelsprechen / sagte sie / ist sehr schlecht und kindisch / doch meine unmaßgebliche Meynung darüber anzudeuten / bin ich meinem Herren gerne Gehorsam. Hierauff nun fing Ladisla also an: In meinem Vaterlande lag eine wunderschöne Jungfer in einem tieffen Turm gefangen / woselbst sie von gifftigen Schlangen und allerhand schädlichem Ungezieffer gar ümringet wahr / daß Menschlichem Ansehen nach / unmöglich schien / sie daraus hätte können errettet werden. Sie wahr aller ihrer Kleider beraubet / mit Händen und Füssen angeschlossen /daß sie weder weichen noch sich wehren kunte / und erwartete alle Augenblik / wann daß Ungezieffer /welches mit dem vergiffteten anhauchen ihr schon dräuete / sie anfallen und verzehren würde. Nun fügeten es die Götter / daß ein Ritter ohngefehr vorüber ging / ihr klägliches Geschrey hörete / und zu allem Glük einen losen Stein in der Untermauer des Turmes antraff / welchen er außhub / und sich in die Gefängnis hinunter ließ / machte sich an das gifftige Gewürm / zutrat sie / und führete die Jungfer frey und gesund heraus / so gar / daß sie nachgehends niemand weiter besprechen durffte / weil ihre Unschuld ans Licht kam. Die Jungfer bedankete sich mit worten höchlich gegen den Ritter / versprach auch die geleistete Rettung in der Taht zu vergelten / und nöhtigete ihn mit zu gehen / damit sie ihm seine Dienste belohnen könte. Dieser wahr hierzu willig und folgete nach /biß sie zu einem verborgenen tieffen Loche kahmen /dahinein sties sie diesen frommen gutherzigen Ritter /legte einen Stein vor das Loch / daß es kein Mensch erfahren solte / ging davon / und lies ihn elendig sterben und verschmachten. Hieselbst wolle nun mein Fräulein / gethanem Versprechen nach / ohn alles ansehen Urteilen / was der Ritter wegen geleisteter Rettung; die Jungfer aber vor ihre Dankbezeigung verdienet habe. Frl. Sophia antwortete; Mein Herr / ich entsetze mich über dieser Erzählung / und hätte nicht gemeinet / daß so grosse Boßheit bey einigem Menschen / geschweige bey einem Weibesbilde solte gefunden werden; da auch meine Urtel gelten solte /spreche ich ohn Gunst und Ungunst / wie ich über mich selbst wolte sprechen lassen / daß diese schnöde Jungfer verdienet / vor erst in die vorige Gefängnis geworffen / und mit zehenfachen Unzieffer geplaget zu werden; jedoch / dafern mein Herr mich berichten wird / ob auch der Ritter diese Jungfer nach geschehener Erlösung an ihren Ehren gekränket habe; wo nicht / muß die Urtel billig gültig seyn / wie gesagt; der Ritter aber solte nicht allein errettet / sondern zum Herren über alle ihre güter eingesezt werden; solte über daß täglich viermahl hingehen / und an der Straffe seiner Feindin sich ergetzen; auch das Gewürm reizen / daß es dieser grausamen und Undankbaren die aller empfindlichsten Schmerzen anlegete. O mein Fräulein / antwortete Ladisla; der gütige Himmel wende ja diese Urtel / und lasse vielmehr alles über mich ergehen. Sie erblassete vor schrecken über diese Worte / und sagete zu ihm; Wie so mein Herr? habe ich ihm zum Verdries geurteilet / warumb hat er mich dann so hoch dazu vermahnet? Ach ach / sagte er / ich kan dieser Urtel nicht beypflichten / weil die Jungfer mir lieber / als mein eigen Herz; der Ritter aber mir sehr verwand ist. Jezt merkete sie sein Räzel / wohin es zielete / taht aber nicht deßgleichen [41] / sondern gab zur Antwort: Eure Liebe und Freundschafft mein Herr / ist mir allerdinge unwissend; unterdessen aber halte ich meine Urtel den Rechten noch gemäß. O mein Fräulein / sagte er / viel zu stränge viel zu stränge! warumb aber zu stränge? fragte sie; ich meine / der Himmel selbst werde meinen Schluß billichen / als welcher nichts so sehr / als die Undankbarkeit hasset; möchte doch gerne von ihm hören / wie ich die Urtel anders fassen solte. Meine Meynung währe / antwortete er / es solte diese Jungfer vor erst gehalten seyn /den unschuldigen frommen Ritter aus dem Loche zu ziehen / und ihm eine bessere Dankbarkeit zu erweisen; würde hernach der Ritter zugeben können / welches ich doch nie gläube / daß sie in vorige Gefängniß gelegt würde / stünde davon zu rahtschlagen / wie /welcher gestalt / und wie lange; ja würde der Ritter nicht klagen / so bedürffte es keines weitern Spruchs. Bey meiner Träue / sagte sie / es währe eine wolbedachte / aber gar gelinde Urtel an der Jungfern Seite /und geschähe über das dem Ritter kein Genügen. Meiner Fräulein Spruch aber / sagte er / würde gar zu scharff seyn / nicht minder wider den Ritter / als die Jungfer selbst / ungeachtet der Ritter ihr zuvor kein Leid angetahn. Gegen den Ritter zu scharff; Dann es möchte seyn / daß nach seiner Erledigung er seine Liebe zu jhr / nicht ablegen könte / und wol lieber sterben / als sie unter den Würmen verderben lassen wolte. Also würde die gesprochene Urtel den unschuldigen mit dem schuldigen treffen. Gegen die Jungfer zu scharff; dann es möchte ihr das übel nachgehends leid werden; hätte über das / weil der Ritter ja erlediget währe / den Tod nicht verdienet / sondern stünde vielleicht in dessen ferner Wilkühr / mit jhr zu handeln. Mein Herr / sagte sie hierauff / ich bin viel zu schlecht und unverständig / diesen wichtigen Einwurff zu lösen; er lerne auch daher / wie ein schweres Werck das Richter Amt sey / welchem Unerfahrne keines weges sollen vorgesezt werden; Daher auch mein Herr übel getahn / daß er mich vor eine Richterin auffgeworffen hat. Wann mir aber keine Frage verarget würde / möchte ich wol wissen / ob auch jezgedachter Ritter so wol Standes als Tugendhalber wirdig gewesen / von dieser Jungfer nicht allein loßgelassen / sondern auch geliebet zu werden. Ladisla merkete ihre Verschlagenheit / daß sie seinen Vorsaz errahten hatte / und zugleich sich seines Standes erkündigẽ wolte / und gab zur Antwort: So viel mir bewust / hat dieser Ritter stets nach Ehr und Tugend gestrebet / sich aber äusserlich uñ vor den Leuten aus höchstwichtigẽ Ursachen schlecht und geringe gehalten / ungeachtet er von hohem / ja von dem höchsten Stande seines Vaterlandes wahr. Vielleicht hat dann die Jungfer / sagte sie / seines Herko ens keine Wissenschafft gehabt / sonst würde sie ohn zweifel sich so unfreundlich gegen ihn nicht verhalten haben; und dafern dem also / hätte der Ritter / meiner Einfalt nach / sehr wol getahn / wann er bald anfangs sich ihr hätte zu erkennen gegeben. Es stund wegen eines schweren Gelübdes in seiner Macht nicht / antwortete er / sonst hätte er vielleicht der Jungfer ohn einiges Bedenken sein ganzes Herz vertrauet; Und was meinem hochwerten Fräulein ich anjezt vorgetragen / kan ich anders nicht rechnen / als ein lebendiges Vorbilde meines jetzigen unfals. Sie hörete den Fuchs wol schleichen / weil er ohn das nicht so gar leise niedertrat / ließ sichs doch nicht merken / sondern fragete als mit Verwunderung; Wie mein Herr? ist ihm dann ehmahls deßgleichen auch begegnet / so erfreue ich mich seiner errettung von ganzem Herzen / weil ohn dieselbe ich nicht würde errettet seyn; Und hat er daher sich wol vorzusehen [42] / daß er nicht allem äusserlichen Schein traue / insonderheit / weil sein Verlust vielen Nohtleidenden zum Verderben gereichen würde / die sich seiner Rettung / bis lange er lebet / zu getrösten haben. Ich vor meine Wenigkeit / werde die mir erwiesene zu preisen wissen / so lange ich mich selbst kennen kan / und daneben bemühet seyn / meinem Ehren- und LebensSchützer eine bessere Dankbarkeit / als gedachte seine Landmännin / zu erzeigen. Ladisla wolte nun länger nicht unter dem Hütlein spielen /sondern fing mit bewäglicher Rede an: O mein außerwähltes Fräulein / wie so hohe Vergnügung ist es meiner Seele / daß mit meinen geringen Diensten ich ihrer Vortrefligkeit einigen beystand getahn und tuhn können; wird auch / weil ich lebe / und dessen gedenken kan / meinem Herzen die allergrösseste Freude schaffen / insonderheit / weil derselben / es zu gedenken / behäglich ist. Aber O daß entweder ich blind /oder mein Fräulein unsichtbar gewesen / und noch währe / daß ihre außbündige Schönheit mir unwissend seyn möchte / weil durch dieselbe ich leider in die grundlose Liebes-Grube gestürzet bin / in welcher ohn jhre Rettung / die allem ansehen nach / ich nicht eins zu hoffen habe / ich gewißlich umbkommen und verderben muß. Aber du gefangener Ladisla / nim den Lohn deiner Verwägenheit nur gutwillig an / weil du liebest / da du deiner Liebe keinen Grund findest /und daselbst zu lieben begehrest / wo deine Seele nicht hafften kan; jedoch versuche noch einmahl zu guter lezt / ob das vortrefliche Fräulein zur Erbarmung und Mitleiden könne erweichet werden / und sie dich auß diesem Verderbensloche loßreissen wolle /dahinein dich jhre Schönheit gestossen; wo nicht / so bitte die Götter / daß ihre selbst gesprochene Urtel sie ja nicht treffen möge / du lebest gleich mit ihr / oder stirbest ihretwegen. Hiemit endete er seine Rede / und hing auff dem Pferde als in halber Ohmacht; Welche Verenderung das Fräulein aus seiner Stille und Farbe merkend überauß hoch erschrak / drückete ihm die Hand und sagete: Begreiffet euch / mein hochwerter Herr und Freund / oder besser zu sagen / mein Ritter und Erretter von den bösen Würmẽ und gifftigen Schlangen / welche freylich mich gefangene und nackete schon anhaucheten / und zu erwürgen dräueten. Ich erkenne ja die hohe Woltaht eurer Erlösung / und billich / wolte auch lieber eines bösen Todes sterben /als einen so hochverdienten Freund in einiges UnglüksLoch stossen / oder zu seinem Verderben die allergeringste Ursach geben. Ich bitte aber ganz freundlich / mir ein widriges nicht anzutichten / welches mir / bey des Himmels Zeugniß / nie in den Sinn kommen ist. Ich verstehe zwar in etwas / wohin er mit seiner Erzählung gezielet / aber nimmermehr werde ich leiden / daß die Außdeutung auff mich könne gerichtet werden; So ist auch meine Schönheit bey weitem noch der Vortrefligkeit nicht / daß ein solcher volkommener Ritter durch dieselbe solte können eingenommen oder gefangen werden; Ist aber etwas an mir / welches ihm gefallen möchte / erachte durch seine Woltahten ich mich verbunden / solches vielmehr zu seiner Vergnügung als Verderben auzuwenden; Nur bitte ich inständig und von herzen / mein Freund und Erlöser wolle in eine annoch Unbekante nicht weiter dringen / als dieselbe sich zu erklären /Macht und Gewalt hat / auch Jungfräuliche Zucht und Scham ihr zulassen wil. Ja mein Fräulein / antwortete er: Wann hungerige Magen und durstige Herzen mit Worten könten ersättiget und gelabet werden; Was hilfft mir hungerigen die Farbe und Geruch eines schönen wolschmeckenden Apffels / wann ich jhn nur auff dem Baume sehen / und nicht geniessen sol; [43] wird nicht meine Begierde nur dadurch gepeiniget? Mein Herr / antwortete sie / was würde er dann des schönen Apffels achten / wann er jhn zuvor in den Koht getreten hätte / daß er durch und durch besudelt würde? würde er denselben nicht alsbald verfluchen / und einen Abscheu daran haben? Verflucht seyn alle /sagte er / die solchen unbillichen Vorsaz haben / und wie solte ich den lieben Apfel in Koht werffen / dessen Niessung ich umb alles mein Gut lösen wolte /meinen dringenden Hunger zu stillen? Das Fräulein antwortete: Mannicher Lusthunger ist so unordentlich und böse / daß er auch die Speise verdirbet / die durch dessen Antrieb genossen wird. Ey so sey auch der verflucht / sagte er / welcher solchen ungebührlichen Lusthunger bey sich hat; Ich beteure es / mein Fräulein / so hoch ein Ritter kan und sol / daß mit keiner anderen / als auffrichtiger geträuer und keuscher Liebe ich derselben zugetahn bin / so daß ich lieber eines grausamen Todes sterben / als einige Unbilligkeit ihr zumuhten wolte; hat aber mein Fräulein etwa schon einem andern sich selbst zugedacht und ergeben / bitte ich / mich solches wissen zu lassen / damit auff solchen Unglüksfall ich zeit meines Lebens beklagen möge / daß ich so ein liebes Täubelein einem andern zum besten / aus des Geiers Klauen habe helffen loßreissen. Nein mein Herr / fiel sie ihm in die Rede / er hat sich zu versichern / daß wie ich zeit meines Lebens von keinem Mannes bilde / als heut diesen Tag bin angesucht / also habe ich auch noch keinen zu meiner Liebe erkieset; jedoch sein Erbieten / mein Freund / nehme ich mit gutem Herzen auf; Daß ich aber ihm völlige Antwort nicht folgen lasse / wird er mir ja nicht verargen / angesehen / ihm mein und der meinigen zustand annoch allerdinge unbekant ist /und ich nicht wissen kan / ob er mit solchem hernähst werde friedlich seyn; bin auch versichert / daß mein Herr mirs dereins auffrücken würde / wann in so weniger Kundschafft ich mich so weit vergehen / und nach seiner Ansuchung ohn meiner lieben Eltern Bewilligung / die ein solches umb mich nicht verschuldet / mich in unständiger Frecheit außdrüklich erklären solte. Lasset euch / bitte ich / ein Zeichen meines guten Willens seyn / daß wie er der erste ist / von dem ich dergleichen Anmuhtungen bekommen / ich von Herzen wünsche / daß ichs von keinem in der Welt mehr hören möge; welche lezte Worte sie zu seinem Troste nicht ohn starke Schamröhte mit leiser Stimme hervorbrachte. Ladisla merkete aus dieser Antwort /daß sie nicht willens wahr / ihm ihre Liebe unbedinget zu versprechen / ehe sie seines Standes unterrichtet währe; hatte sich auch schon auff eine vernünfftige Antwort geschicket; Aber sie naheten dem StadTohr /daß das Fräulein absteigen / und sich auff ein Pferd setzen / auch böse Nachrede zu meiden / von seiner Seiten ab / sich zu ihren Gespielen begeben muste /welches sie mit solcher Freundligkeit taht / daß er ihre gute Gewogenheit wol verspürete. Ladisla und Fabius nahmen Herkules wider seinen Willen in die Mitte /und wolten gleich zur Stadt einreiten / da Klodius aus der Ordnung sich vor seinem Herrn stellete / und jhn seines heutigen Versprechens erinnerte / auch von jhm Erläubniß bekam / sein Anliegen vorzutragen; Worauff er Herrn Kajus Fabius also anredete: Ihr werdet euch besinnen / Ritter / was gestalt ihr bey eurer ersten Ankunfft / meine Ritterliche Ehr zu kränken euch unterstanden / und mich vor einen Dieb und Räuber außgeruffen; Weil ich aber solcher Untaht mich allerdinge frey weiß / und so wol ein Römischer ädelman bin als ihr / ob gleich wegen Abgang zeitlicher Güter / uñ etwas zu erfahren / ich mich / meines Adels ungeschändet / in meines Gn. Herrn Dienste [44] begeben / so bin ich bereit und erbötig / meine Ehe mit der Fast zu handhaben / umb zu erweisen / daß ihr mit Unwarheit mich vor solchen Unmann außgeruffen; sage euch deßwegen ab / und fodere euch zum Kampff / es sey mit dem Speer oder Schwert / oder beydes. Herkules ward auff seinen Diener zornig / und sagte zu ihm: Nimmermehr hätte ich gedacht / daß du mir diesen Schimpff machen würdest; so hastu mir auch den Mann nicht genennet / mit dem du es zu tuhn hättest /ich wolte diesen Spau sonst leicht entschieden haben. Fabius hielt bey Herkules umb Verzeihung an / und gab seinem Außforderer zur Antwort: Ritter / ich meyne nicht anders / als daß ich meines Irtums wegen einen Wiederuff getahn / so bald ich dessen inneworden bin; weiß auch von euch nichts unehrliches / sondern halte euch vor den ihr euch außgebet; Weil ihr aber damit nicht könnet friedlich seyn / und Lust habt / euch mit mir zu versuchen / wil ich euch gerne zu willen seyn / damit jhr hernach möget auffhören euch weiters über mich zu beschweren. Herkules wolte seinem Diener den Kampff verbieten; derselbe aber wante ein / ihre Gn. möchten bedenken / was jhm hierauß vor ein Schimpff entstehen würde / und müste er eines solchen Herrn unwirdig seyn / wann er seiner Ehren keine gebührliche Obacht hätte. So hielt Fabius selbst bey Herkules an / nicht weiter darzwischen zu reden / weil ja auff geschehene Außfoderung Ritters gebühr müste geleistet werden. Also muste ers endlich / wiewol mit höchstem Unwillen geschehenlassen. So bald Fabius seinen Harnisch und etliche Speer hatte herzu hohlen lassen / reichete er Klodius eines /und zeigete jhm den Kampffplaz / wohin er ihm bald folgen wolte; Wie dann auff dessen Ankunfft der Ernst ohn verweilen vorgeno en ward / da sie behutsam auff einander ranten / daß die Speere Splitterweise in die Lufft flogen / und keiner gefellet ward; deßwegen sie andere Speere foderten / die man jhnen mit unwillen gab / weil die Zuseher sagten; sie hätten ihren Ehren beyderseits ein Genügen getahn; welches sie aber nicht achteten / und Fabius zur Antwort gab: Die Götter behüten mich vor diesen Schimpf / daß ich so schlecht vom Platze reiten solte; viel besser / ich werde davon getragen. Wageten darauff den andern Saz / daß sie beyde hinter sich bogen; aber noch unverwendet den Lauff zu ende brachten; muste also der dritte Fall mit neuen Speeren gewaget seyn / und hielten beyderseits ihren Gegener vor einen handfesten Ritter. Sie nahmen jhnen vor / in diesem Treffen Bischoff oder Bader zu spielen / ranten auch so ungestüm auff einander / daß nach Brechung der Speere Roß und Mann mit den Leibern zusa en stiessen /und Fabius samt dem Pferde übern hauffen fiel / Klodius aber eine Splitterwunde in den Arm bekam / und vom Pferde stürzete; wahren doch beyde geschwinde auff / griffen zu den Schwertern / und wolten damit ersetzen / was die Speere nicht verrichten mögẽ. Herkules aber setzete sich zwischen sie / uñ hielt bey Fabius durch bitte an / sich des Schwertstreits zubegeben. Zu Klodius aber sagte er bedraulich; dafern er nicht einhalten würde / solte ers mit ihm zu tuhn habẽ; welcher darauf zur antwort gab: Gn. Herr / ich gelebe eures befehls; aber Fabius wird mich vor einen redlichen Ritter erkennen. Ich habe euch nie anders gehalten / sagte dieser; hättet auch wenig ursach zu diesem Streite gehabt / angesehẽ ich eine gedoppelte Verzeihungsbitte bey euch abgelegt. Ja Herr Fabius /antwortete er / ihr wisset sehr wol / dz sichs dergestalt mit Ritters Ehr nit scherzen oder spielẽ lässet. Die Scheltworte wahren öffentlich gesprochen / aber nit öffentlich widerruffen / welches ich euch auch nicht anmuhten wollen / nunmehr aber bin ich vergnüget /und gelebe hinfort euer Diener. [45] Nicht mein Diener /sagte Fabius / sondern mein Freund und Mit-Römer; und daß ihr meines Irtuhms wirkliche Erkäntniß habt / wil ich euch mit einem guten Pferde / volständiger Rüstung / und 500 Kronen verfallen seyn. Zeit wehrendes Kampffes / wahr Frl. Sophia wegen ihres Bruders sehr leidig / aus furcht / ihm möchte ein Unfall begegnen / weil solche Spiele grossen teils in Glükshänden stehen; fing auch an / vor angst laut zu ruffen / da sie jhn mit dem Pferde stürzen sahe; und kunte Frl. Ursula ihre Liebe ja so wenig bergen / so daß wenig fehlete / sie aus Ohmacht vom Pferde gestürzet währe. Nach dem aber der Streit geendiget /und Fabius ohn allen Mangel blieben wahr / ohn daß er im falle die lincke Hand verstossen hatte / die ihm alsbald wieder eingerichtet ward / legten sie jhre Angst und Sorge ab / bekahmen jhre gewöhnliche Farbe wieder / und ritten ingesampt der Stadt zu / da sie von der Bürgerschaft mit einem Freudengeschrey empfangen wurden / ihre Fröligkeit an den Tag zu geben daß der vornehmsten Herren Töchter /unverlezt jhrer Ehren wieder erlediget wahren / wie man jhnen durch einen Reuter hatte lassen andeuten. Herkules / Ladisla und Fabius ritten forne an / denen die drey Fräulein mit ihren zurissenen Kleidern folgeten / und wunderten sich alle Zuseher / wer die beyden junge Herren währen / denen Fabius (welcher schon ein Römischer Rittmeister wahr) so grosse Ehre taht /und ihnen die Oberstelle gab. Etliche sageten / es währen vornehme Römische Herren / des Stathalters nahe Anverwanten / welche nur zum Possen die Fräulein entführet hätten / ihnen einen kurzweiligen Schrecken einzulagen. Andere gaben vor; die Fräulein hätten es mit ihnen also angelegt / sie heimlich zu entführen / weil sie sich mit ihnen wieder der Eltern Willen verliebet / und dieselben nunmehr Gott danken würden / daß sie einwilligten / nach dem sie etliche Stunden mit ihnen im Pusche allein gewesẽ. Andere brachten ein anders auff die Bahn / nach dem ein jeder seinen eigenen Gedanken nachhängete / und dieselben vor Warheit angeben dürffte. Als sie vor des Stathalters Herren Quintus Fabius herlichen Hoff kahmen /und derselbe mit seinem Gemahl Fr. Sabina Pompeja biß vor das äusserste Tohr an der Gassen hervor gangen wahr / sahe der junge Fabius sie stehen / zeigete sie seinen Gefärten und sagete: Dorten warten meine Eltern auff uns / daß sie uns empfangen mögen; und als er näher kam / stieg er ab vom Pferde / trat zu ihnen hin und sagete: Diese beyde Helden haben unsere Fräulein aus den Fäusten der fünff aller verwägensten Räuber mächtig errettet / uñ bey ihren jungfräulichen Ehren sie erhalten / die ohn ihre Hülffe nicht hätte können geschützet werden; davor wir dann schuldig sind / Zeit unsers lebens ein dankbares Herz gegen sie zu tragen. Unsere Helden wahren auch schon abgestiegen / und verwunderten sich über daß herliche Ansehen des Stathalters / der ein Herr ohngefehr von 52 Jahren wahr; Er hatte einen schönen breiten Bart / welcher Anfing sich grau zu färben; hielt einen Helffenbeinen Stab in der Hand / und stunden sechs Diener hinter ihm in roht gekleidet. Er wahr mittelmässiger länge / stark von Leibe / eines kästenbraunen Haars mit etwas grau vermischet / und bräunlich von Angesicht / grosser Stirn / und scharffsichtiger Augen. Sein Gemahl vom Geblüte des grossen Pompeius / welcher ehrmahls mit Kajus Julius Käyser umb der Welt Herschaft stritte / stund ihm zur linken; eine gar schöne Frau / zimlicher länge und etwas feist / ihres Alters XLI Jahr / hatte sich ihrem Gemahl gleich in schwarzen Sammet mit güldenen [46] Blumen gekleidet / welches ihr ein treffliches Ansehen gab. Sie wahr lebhaffter Farbe / doch mehr weiß als roht / und nach ihrem Alter sehr jung anzusehen; eingezogener und stiller Sitten / und dabey zu zeiten etwas schwermühtig; begegnete ihrem Gemahl mit gebührlichem Gehorsam und lies ihr die Haußsorge insonderheit angelegen seyn / umb welche sich ihr Herr wenig bekümmerte. Als diese beyde ihres Sohns Rede vernahmen wie wol ihnen schon vorhin die geschehene Rettung angemeldet wahr / erfreueten sie sich doch von neuen / und redete der Stathalter unsere Helden / gleich da sie ihm den demühtigen Handkuß leisten wolten / also an: Hochädle mannhaffte Ritter /daß eure Tugend euch aufgemahnet hat / meine einige Tochter / und ihre Gespielen / meine Bäßlein / von den unzüchtigen Räubern zu erlösen / und sie vor Schande zu bewahren / davor bedanken wir uns billig / und von Herzen / werden auch / so weit unser Vermögen sich erstrecken wird / die wirkliche Dankbarkeit sehen zu lassen / unvergessen seyn / in hoffnung /den Abgang an unser Seite / werden die reichen Götter ersetzen. Vor dißmahl halte ich bey jhnen bitlich an / meine Wohnung durch jhr einkehren zubeseligen und mit dem / was das Hauß in der eile Vermögen wird / freundlich vor lieb und gut zunehmen / wie in betrachtung ihres sehr geneigeten willens / ich mich dessen zu ihnen ungezweiffelt versehe. Unsere Helden tahten ihm und seinem Gemahl grosse Ehre / entschuldigten sich mit ihrer unwirdigkeit / und daß sie so hohes Erbieten / Zeit ihres lebens mit keinem Wort zuersetzen vermöchten / viel weniger währen sie der wirde / daß so ein mächtiger Römischer Herr und Käyserl. Stathalter ihnen biß auff die Gasse entgegen treten / und sie daselbst mündlich Einladen und empfangen solte; bahten sehr / ihre Gn. wolten in ihren Hoff einkehren; sie als gehorsame Diener währen demselben auffzuwarten bereit und schuldig. In dessen hatte man den Fräulein ingesamt von den Pferden geholffen / da Frl. Sophia sich zu ihrer Fr. Mutter nahete / und von ihr mit freuden trähnen empfangen und geherzet ward / weil sie diese Tochter mehr als sich selbst liebete. Herr Kornelius / Frl. Ursulen; und Herr Emilus / Frl. Helenen Vater / beyde sehr mächtige und reiche Stadjunkern und RahtsHerren von Rom /die zu Padua ihre Höffe und statliche Landgüter hatten / und daselbst lieber als in Rom lebeten / kahmen darzu / und funden ihre geliebete Töchter und einige Kinder frisch und gesund wieder / dessende sich herzlich freueten / und vor beschehene Rettung sich sehr hoch erbohten; zu denen der Stathalter sagete: Geliebte Herren Schwägere und Brüder / sie werden sich gefallen lassen / mit mir einzukehren / und diesen Erlösern unserer Kinder annehmliche Geselschafft leisten /wie sie dasselbe nicht weniger umb euch / als mich verdienet haben / und wir demnach durch die erbare Billigkeit gehalten sind / ihnen eine mögliche Wiederkehr zu thun. Hieselbst wolten nun die Fräulein auff der Gasse ihren Eltern erzählen / in was grosser Gefahr sie gewesen / und durch dieser RitterMannheit erlediget währen; aber der Stathalter sagte zu ihnen: Geliebte Kinder / eure zurissene Kleider sind Gefahrszeichen gnug; aber daß einsame Lustfahren /hat wol ehemahl einer Jungfer den teuresten Kranz gekostet; und würde ich euch ein solches wol nicht eingewilliget haben / da ichs zeitiger erfahren hätte; jedoch / geschehene Dinge sind nicht zu endern / wie wol ihr eine rechtschaffene Straffe verdienet / und mein Gemahl nicht weniger / die den Töchterchen diesen leichten Willen so bald / und ohn mein Vorwissen gestattet hat. Ich mag euch aber vor diesen fremden Herren [47] weiters nicht beschämen / noch mit mehrer Züchtigung auffhalten / weil eure leere Magen ohn zweiffel rechtschaffen murren / und wird Zeit seyn /die Mahlzeit zuhalten / womit wir biß auff eure Wiederkunfft gewartet. Wann ihr nun den Madensak werdet gefüllet haben / wird noch Zeit übrig seyn / den Verlauff eurer Entführung / und erfolgeten glüklichen Rettung zuerzählen. Hierauff nam er Herkules / sein Gemahl aber Ladisla bey der Hand und führeten sie in den Vorhoff / dessen Hintergebäu von Marmel und Alabaster sehr köstlich auffgebauet / und Königlich gezieret wahr. Da sahe man an den wänden die alten Römischen Geschichte so eigentlich und Kunstreich abgemahlet / daß es Wunder wahr. Gar zu foderst im Eingange stund eine sehr grosse aus Korintischen Erz gegossene Wölffin auff einer Säule / zehen Ellen hoch / die hatte von ihren Haaren ein Nest gemacht / worinnen zwey kleine ganz nackete Knäblein lagen / und an der Wölffin Euter hingen / die mit den hinter- und förder Füssen sich in artiger Stellung hielt / das die Kinderchen hinzu reichen kunten. Frl. Sophia / die mit ihren Gespielen allernähest hinter ihren Eltern herging / trat hervor / und sagte zu unsern Helden; Ihr meine Herren / geliebt euch zu sehen die ersten Erbauer unser Stadt Rom / den Romulus und Remus / wie sie von der Wölffin sind gesäuget worden / so können sie ein wenig sich nach der Rechten umsehen. Ja mein Fräulein / antwortete Herkules / wir bedanken uns der Ehren; und ist dieser trauen nicht ein schlimmer Meister gewesen / der die Geschichte so lebhafft hat abgiessen können / deßgleichen mir zu Rom selbst nicht vorkommen ist. Sie gingen weiter durch den andern Schwibogen in den innern Hoff / da Romulus und Remus in ihren Waffen stunden / und mit erhobenen Angesichtern acht gaben / welchem unter ihnen die Vögel daß erste Glükzeichen der Herschafft geben wolten; und fing das Fräulein aber an; Sehet da / mein Herr Ladisla / zween leibliche Zwilling-Brüder; unter denen aber bey weitem so veste Vertrauligkeit und Liebe nicht wahr / als zwischen meinem Herren und seinem Freunde Herkules sich findet; massen diese sich umb die Herschafft zanken und gar erschlagen /da hingegen ihr nur suchet / wie einer dem andern sich unterwerffen / und von ihm befehliget werden möge. Frau Pompeja hörete ihren Reden zu / und gefiel ihr der Tochter Gespräch nicht übel; sagte demnach zu ihr; Geliebtes Kind / du redest mit diesen beyden Herren / als ob du sie von langer Zeit her kennetest / und ihres ganzen lebens völlige Wissenschafft trügest / du ich mich doch nicht zuerinnern weiß / daß ich Zeit meines Lebens sie gesehen hätte. Herzliebe Fr. Mutter / antwortete sie / so ist auch heut gewiß der erste Tag / daß zu meinem höchsten Glük ich ihre Kundschafft erlanget; weil aber wahre Tugend nicht lange verborgen bleiben kan / welche in diesen Helden so klar als die Sonne im Mittage leuchtet / habe ich selbe aus ihren tahten und reden unschwer vernehmen können. Herkules hörete dieses / kehrete sich nach ihr umb / und antwortete: Durchleuchtiges Fräulein / ich Bitte sehr / sie wolle uns nicht gar zu schamroht machen / als die wir durch ihre hohe Vernunfft schon übrig gelehret sind / wie wir billig beschaffen seyn müsten / da wir einiger Volkommenheit wolten gerühmet werden; weil aber eine solche unsträfliche Bildung der Tugend / welche sie in ihrem Verstande abgerissen / an menschliche schwachheit nicht bald reichen wird / hoffen wir / sie werde mit unserm Unvermögen geduld tragen / angesehen wir noch in den Lehrjahren uns befinden / und der Unterweisung fähig sind: Worauff das Fräulein antwortete: Herr [48] Herkules / ich kan so gar kein Recht mit jhm beko en / wie ichs auch anfahe / es währe dann / daß ich euch und eure ruhmwirdige Tahten lästerte / welches ich vor eine Todtsünde halte, deßwegen wil ich nichts mehr mit euch reden / ich werde dann von euch befraget / oder darzu erbehten. Mein Fräulein / antwortete er; so bitte ich eins vor alles / sie wolle dann mein stilschweigen vor ein stetes fragen / und meine Redẽ vor ein unaufhörliches bitten halten uñ auffnehmen. Je mein Herr / sagte sie mit einem holdseligen lachen; so müste ich ja immerzu uñ ohn aufhören in die Lufft hinein schwatzen / da ich dann entweder viel müste wissen / oder sehr wol tichten können. Ihre süß kluge Zunge / antwortete er / wird gewiß so viel nicht reden / daß ich nicht stets begierig seyn solte / ihren vernünfftigen Worten zuzuhören. Meinem Herrn beliebet nach seiner Höfligkeit also zu reden / sagte sie /aber mein ungeschiktes Geplauder würde seinen Ohren in kurzem so beschwerlichen Verdruß erwecken / daß er wünschen solte / mich nie gehöret zu haben. Der Stathalter sahe / daß dieses Gespräch sich lange verzihen dürffte / wann niemand darzwischen kähme / drumb / solches zu stören / er der Tochter also einredete: Ich weiß schon wol / zweifele auch nicht / diese Herren werden es zeitig an dir gemerket haben / daß dein Mund zur Klapper unverdorben ist; uñ halte ich / du wollest diese Herren mit leeren Worten speisen; gedenkestu nicht / daß sie deinetwegen viel Mühe und Arbeit außgestanden / und der Labung bedürffen? Das Fräulein erröhtete sehr / daß ihr Vater / der sie allemahl hart und unter dem Zwange hielt /sie auch in beyseyn dieser Fremden also beschämete. Herkules aber vertrat ihre Stelle mit diesen Worten: Hochmögender Herr Stathalter; es müste mir immer und ewig leid seyn / daß ein so züchtiges und verständiges Fräulein / durch meine Veranlassung einigen Unwillen von ihrem Hn. Vater einnehmen würde / da vielmehr ich selbst strafbahrer währe / angesehen ich ihrer Rede die einige Ursach bin. Mein Herr verzeihe mir / antwortete der Stathalter / und besorge sich durchauß keines Unwillens bey mir gegen mein Kind. Wir Römer halten es mit unsern Kindern also / daß sie uns zugleich lieben und fürchten / auch ohn Anzeige einiges Unwillens von uns annehmen müssen / was uns gefält ihnen einzureden / wann sie gleich im geringsten nichts verschuldet hätten; dann hiedurch wird mannicher Tochter ihr steiffer Sinn gebrochen / die sonst durch Zärtligkeit nur gastärket würde / welches hernähst im Ehestande ihnen als eine gefundene Beute ist / daß sie ihrem Ehegatten zu gehorsamen / und dessen Willen zu gelebẽ / schon gewähnet sind. Herkules wunderte sich der strängen Zucht / in anderheit /da das Fräulein hin zu jhrem Vater trat / und ihm als vor eine sonderliche empfangene Gunst die Hand küssete / sich ihres Frevels schuldig gab / und ganz demühtig umb Verzeihung anhielt; aber doch keine andere Antwort erlangete / als; Sie solte hingehen und sich bessern. Gleichwol wolte die Mutter ihrer lieben Tochter Ansehen bey den Fremden gerne wieder in Auffnahme bringen / und wahr unwillig / daß dieselbe ohn Ursach solte verhönet werden; durffte doch jhrem Gemahl / dessen Ernst sie fürchtete / nicht kühnlich einreden / daher sie mit glimpflichen Worten sagete: Geliebter Herr / ich wil nicht hoffen / daß ihr Ursach haben sollet / auff unser Kind unwillig zu seyn; massen euch nicht unbewust ist / wie wenig sie sonst in unser Gegenwart zu Reden pfleget; und halte ich / sie thue es vor dißmahl bloß euch zu erfreuen / und zugleich andern anzuzeigen / daß in ihrer aufferzihung wir unsern fleiß nicht gesparet haben. Der Vater schüttelte hierüber den [49] Kopff / und sagete mit einem lachen: Frau / ledige Magen und müde Glieder sind mit worten nicht auffzuhalten; sonst klage ich noch so groß nicht über unsere Tochter / und mag sie nach gehaltener Mahlzeit / diesen Herren zu Liebe und Gefallen immerhin reden / biß sie von ihr selbst auffhören wird; sol mir auch umb so viel lieber seyn / wann ihr guten fleiß bey ihrer Aufferzihung angewand habet. Die Mutter befahrete sich / er würde mehr zur heimlichen Beschimpfung / so wol ihrer selbst / als der Tochter / fliegen lassen / welches zu verhüten / sie Gelegenheit suchte / wegzugehen / baht Ladisla /ihren Abtrit / wegen nöhtiger Anordnung / nicht ungleich auffzunehmen / und befahl der Tochter / ihn zubegleiten; dessen diese beyderseits wol zu friede wahren / dann es dauchte sie / sie währen schon viel zu lange von einander gewesen. Also gingen sie durch den innersten Plaz nach der Steige auff den grossen Saal / der so köstlich erbanet und geschmücket wahr /daß sichs Ansehen lies / es währen des reichen Römers Krassus Schätze ein grosser Teil daran verwendet; dann wo die Schildereyen auffhöreten / da glänzeten die kostbahresten Steine mit eingeschnitzten künstlichen Bildern hervor. An der rechten Seite wahr die Belagerung der Stadt Troja so artig gemahlet / daß jedes Lager der Griechen nach gutem Unterscheid kunte gesehen werden. Dorten hielt der hochmuhtige Obriste Feldherr / Agamemnon / und sein Bruder Menelaus; dorten der listige Vlysses; hie der starcke Ajax; Am andern Orte der steinalte Nestor; das betriegliche hölzerne Pferd stund auff Rädern / und lieffen Jung und Alt aus der Stadt / es als eine sonderliche Gabe / an Stricken in die Stadt zuzihen / zu welchem Ende eine grosse Lücke in die Stadmaur gebrochen wahr / weil mans wegen seiner grösse in das Tohr nicht bringen kunte. Der Trojanischen Helden und ihrer Bundgenossen / wahr dabey nicht vergessen. Hektor / Sarpedon / Paris (dieses Unglüks Stiffter) und neben ihn die berüchtigte Helena (umb deren willen an Griechischer Seite in die 880000; an Trojanischer 686000 / also ingesamt 1566000 Seelen Auffgeopffert sind) / Eneas / Antenor / Memnon / und der Alte Priamus / hielten außwendig umb der Stadmaur her / und wahr des Kriegerischen Weibes Penthesilea Schlacht mit Achilles gar zierlich abgemahlet / da sie von ihm vom Pferde herunter geschlagen / und halb Tod ins Wasser geworffen und ertränket ward. Kurz davon zu reden / so wahr kein denkwirdiger Kampff der Griechischẽ und Trojanischen Helden außgelassen; aber EneasBildnis wahr das Ansehnlichste / über welchem diese Worte stunden:Huic parenti originem debet Roma. Das ist:Diesen hat Rom zum Vater. An der andern Seite des Saals wahr die Stadt Rom abgebildet / nach dem Pracht / wie sie ohngefehr vor 240 Jahren / zun zeiten Käysers Augustus in höchster Volkommenheit gestanden. Oben auff der Stadmaur umher liessen sich Romulus / Numa / Brutus der Könige Feind; unterschiedliche Fabier / Kokles / Skevola Kamillus / Regulus / Skivio / Pompeius / Augustus Käyser / und viel andere Römische Helden als Schuz-Götter sehen; hatten ihre Pfeile und Schwerter in den Händen / und dräueten damit den Feinden der Stad Rom. Die erschrökliche Niederlagen / welche die Römer von den Galliern / Hannibal und Zimbern erlitten / wahren hin und wieder abgerissen / insonderheit / da die 300 Fabier von den Veienten listig hintergangen / und alle erschlagen worden. Unsere Helden besahen diese treffliche Gemälde fleissig / und erinnerten sich aller dieser Geschichten / welche sie in der Kindheit beim Homerus / Livius und anderen gelesen / und schien / [50] als ob sie ihrer selbst drüber vergessen hätten / biß endlich Frl. Ursula sagete: Herr Herkules / ich meine es währe fast Zeit / die Waffen abzulegen / und der außgestandenen Mühe sich zu ergetzen / insonderheit aber bitte ich / mir zu verzeihen / daß ohn geheiß ich dem WundArzt Botschafft gethan / ihm seine Halßwunde besser / als von mir geschehen / zuverbinden. Die Anwesende / wie sie solches höreten / stelleten sich leidig wegen seiner Verwundung / welches durch beteurung / daß gar keine Gefahr dabey währe / er ihnen bald außredete / doch in einem Nebengemache sich verbinden ließ / da ihn der Arzt warnete / den Schaden nicht zu verachten /als welcher sich schon in etwas entzündet hätte / und er deßwegen vor starker bewägung und schädlichen Speisen sich hüten müste / welches aber er wenig achtete. Nach geschehener Verbindung legten er und Ladisla ihre Sommerkleider an / die von Sittichgrünen Atlaß mit silbern Blumen durchwirket / und mit ädlen Steinen reichlich besezt wahren / Strümpffe und Federbüsche wahren gleicher Farbe; Kniebänder und Schuchrosen mit silbern Spitzen besetzet / so daß ihre Kleider gleich / und ohn einigen Unterscheid / die Einigkeit ihrer Gemühter wol zuerkennen gaben. In dieser Gleichheit traten sie zum Saal hinein / und muhtmasseten die Anwesenden daher / daß sie mehr als ädle Ritter seyn müsten. Es hatten die drey Fräulein nicht minder sich zierlich angelegt / so viel in der eile geschehen mögen / und bemühete sich Frl. Sophia insonderheit / ihrem liebsten Ladisla sehen zu lassen /wie ihr die Kleider stünden. Als nun diese drey Engelchen in den Saal traten / fehlete wenig / es hätten weder unsere Helden diese / noch sie jene gekennet /und traff ein / das Frl. Sophia eben die Sittich grüne Farbe gewählet hatte. Keiner wahr zugegen / der sich an Herkules Schönheit und Ladisla anmuhtiger Liebligkeit nicht verwunderte. Sie wahren beyde zimlicher / und fast gleicher länge / schwank von Leibe und fester wolgesetzter Gliedmassen. Herkules hatte ein schön gelbes Haar / welches ihm wie krause Locken über die Schultern hing; seine Hände wahren plüßlich und schneweiß / mit blaulichten Adern / das Angesicht weiß-zart / mit rohtem vermischet / daß wer ihn sahe / nicht anders gedenken kunte / er währe ein Weibesbild in Manneskleidern / weil noch kein Häärlein an seinem Kinn erschien; die Augen stunden ihm wie den Falken / doch voller Liebligkeit und blaulicht. Die Stirne glat / und ein Zeichen seines auffrichtigen Herzen; die Nase etwas erhaben und gerade zu /fast länglicher dann kurzlecht / und strahlete aus allen seinen Blicken eine so anmuhtige Freundligkeit hervor / daß wer ihn sahe / zu seiner Liebe und Gewogenheit angereizet ward / weil alle seine Geberden insonderlicher Demuht und mannlicher freier Ernsthafftigkeit bestunden Ladisla wahr etwas bräunlicher /doch zugleich zart / hatte ein braun kraus Haar / in zimlicher dicke / und einen kleinen Bart gleicher Farbe; am Leibe wahr er etwas stärcker anzusehen als Herkules. Sein Geblüt wallete ihm in allen Adern auff / da er sein geliebtes Fräulein so zierlich herein treten sahe; wie auch ihre Liebesreizungen nicht weniger auffgetrieben wurden / daß er in solcher kostbahren Kleidung sich stellete / und sie daher beständig muhtmassete / er müste auffs wenigste FürstenStandes seyn; ihr auch gänzlich vornam / auff sein weiters Anhalten ihm behägliche Antwort zu geben / da sie seines Wesens nur in etwas Bericht haben könte / dann seine Ansträngungen hatten sie dermassen eingenommen / und die empfangene Woltaht sie bezwungen /daß sie entschlossen wahr / keinem Menschen als ihm ihr Herz einzuräumen; [51] so beredete sie auch ihre angebohrne Keuscheit uñ Zucht / dz weil er sie ganz nacket antroffen uñ gesehen / sie sich dessen zeit ihres lebens schämen müste wañ sie nit sein Ehegemahl würde. So bald die ersten speisen aufgesetzt wurdẽ /ging dz nöhtigen wegẽ des obersitzes an biß der Stathalter bey seinen Gästen / alles nach gefallen zuordnen / Freyheit erhielt; worauf er Frl. Ursulen hinter am Tische die Oberstelle nehmen hieß; welches sie vor einen scherz aufnam / bald aber / den ernst sehend / gerne gehorsamete. Den andern Plaz muste Herkules; dẽ dritten Frl. Helena; den vierden Ladisla bekleidẽ / der schon in der angst stund / sein Frl. würde ihm entfernet werden; als er aber von ihrem Vater den befehl hörete / sich zu ihm niderzulassen / hielt ers vor ein zeichen eines glüklichen außganges seiner Liebe. Diese Bank wahr nun mit den fünffen besetzet / uñ wolte der Stathalter gleichwol seinẽ Sohn von dieser liebẽ Geselschaft nit abtreñen / daher er zu ihm sagete: weil dich das gute Glük zu ihnen hin in dẽ Wald geführet hat / magstu ihres nähern Beysitzens auch allhier geniessen: weisete ihn hin vor den Tisch auf einen Stuel sich niderzusetzẽ / da er seiner vertrauetẽ Frl. an die seite kam. Dieser junge Fabius war sonst ein wolgestalter ansehnlicher Ritter seines alters von XXIV Jahren / in adelichen Sitten und ritterlichen übungen von jugend auff wol unterwiesen / worauf sein Vater desto mehr fleiß wendete / weil ihm von einẽ Geburtskündiger geweissaget wahr / er würde in seinem ersten mannlichen Alter überauß grosse Mühe und Gefahr über sich zu nehmen haben; Es wahr auch an ihm nichts zu tadeln / ohn daß er seinen Zorn nicht wol meistern kunte. Der Stathalter sahe diese junge Leute hinter dem Tische an / uñ sagte zu den andern Anwesenden: Verzeihet mir / geliebte Freunde / daß vor dißmahl ich unsere Kinder so hoch ehre / und sie über uns Eltern zu diesen fremden Herren setze; dann ich habe billich seyn erachtet / daß welche heut in der Gefahr so nahe bey einander gewesen / jezt in der Sicherheit nicht so schleunig getrennet werden / weil alle schnelle verenderung / wie man saget / gefährlich seyn sol. Ladisla gedachte / diß währe schon das andere Zeichen seines gehofften gutẽ Fortganges. Aber Herr Kornelius antwortete dem Stathalter; es währe solches von jhm sehr wol geordnet; welcher dañ aufbegehrẽ sich zu dem jungen Fabius setzete / und sein Gemahl Frau Fausta / des Stathalters Mutter Schwester Tochter / der Skipionen Geschlechts / neben jhn /gegen ihre Tochter Frl. Ursulen über. Herr Emilius folgete ihr / und sein Gemahl Fr. Julia / eine Pollionin / der Stathalterin Halbschwester von der Mutter her /welche neben ihr die Stelle nam / so daß der Stathalter zu unterst vor dem Tische alleine saß / und an der rechten Hand seine Tochter hatte / welche wegen seiner nahen Gegenwart mit ihrem Ladisla nicht reden durffte. Der junge Fabius verrichtete das Vorschneider-Amt / und nöhtigte die anwesenden höflich / so mangelte es zeit wehrender Mahlzeit am guten Seitenspiele nicht / welches Herkules und Ladisla / als die darin wol geübet / sehr liebeten. Bey dem Essen fiel mannicherley Gespräch / biß nach aufgehobenen Speisen die Stathalterin an ihren Gemahl begehrete /ihr ein Viertelstündichen ihren Willen zu gönnen; wolte hoffen / den Anwesenden ingesamt würde es nicht zuwider seyn. Der Stathalter ließ es gerne geschehen / der ihr Vorhaben schon merkete; Worauf sie die drey Fräulein anredete / und ihnen eins zu werden befahl / welche unter ihnen gleich jezt öffentlich erzählen solte / auff was weise sie geraubet / und von diesen Herren wieder errettet währen; würden sie aber sich dessen wegern / dann solten sie diesen Tag auff keinen Tanz hoffen. Frl. Ursula / als die älteste antwortete: sie wüste niemand / die solchem Befehl [52] besser gehorsamen könte / als Frl. Sophia; dann sie währe unter ihnen die geherzeste gewesen / und hätte den grausamen Kampff guten teils angesehen. Frl. Helena stimmete mit ein / und baht / daß sie die Mühe über sich nehmen möchte; welche aber zur Antwort gab: Ich erinnere mich billich / daß heut vor Essens mein Herr Vater wegen meines unnützen Gewäsches mich gestraffet / und ihr wollet mich noch in weitere Ungelegenheit setzen / daß ichs immerzu gröber mache? Auff diese weise / sagte Frl. Ursula darff unser keine redẽ weil auch unsere geliebte Eltern zugegen sind. Der Stathalter sagte lachend: wiewol mein Bäßlein Ursul / als die älteste billich das Wort führen solte / so mögen sie sich doch darüber vergleichen. So muß / antwortete diese / nit die älteste / sondern beretste solchs über sich nehmen; daher meine Schwester Frl. Sophia sich dessen nicht entbrechen wird. So höre ich wol / fing diese an / ihr ruffet mich vor die schwazhafteste aus. Ihr Vater sagte mit einem Gelächter: dz du wolgelöseter Zunge bist / kuntestu in deiner dreyjährigen Kindheit schon zimliche anzeige tuhn. Je Herzen Herr Vater / antwortete sie / ich bitte kindlich / mich in dieser Geselschaft nit so hoch zu beschämẽ. Was hastu dich mit mir zu zankẽ sagte er; ich heisse dich ja weder reden noch schweigen; uñ hastu an deiner Wafen schon Widerhalts gnug; jedoch hat meine Pompeja ein lustiges Spiel angerichtet / und gelebe ich der Hoffnung / wir werden ein acht tägiges zanken anzuhören haben / ehe uñ bevor diese jhres dinges eins werden. Fr. Pompeja wolte diesen streit aufruffen / und sagete; ob sie gleich des Verlaufs gerne möchte berichtet seyn / würde sie doch jhre begierde müssen auffschieben / biß sie mit jhrer Tochter allein währe. Aber der Stathalter antwortete: durchaus nicht / sondern weil das spiel angefangen ist / muß es auch geendiget werden / dann mich verlanget selbst nach umbständlicher erzählung. Weil dañ der Hahne auf seinem Miste am kühnlichsten krähet / uñ ich meiner Tochter zu gebieten habe / sol sie uns dessen bericht gebẽ / so gut sie kan. Ich gelebe meines H. Vaters gebohts billich / sagte das Fräulein / wie ungeschikt ich mich auch hierzu befinde / uñ schon weiß / dz meine verwirrete reden den zweg ihres begehrens nit treffen können; aber unter der hoffnung / dz meine Jugend sich ohn mein Vorwort entschuldiget / uñ meine Frll. Schwestere meinem mangel zu hülffe ko en werden /wil ich zum versuch mich erkühnen. Anfangs wird meine Fr. Mutter sich eriñern / dz wie meine Frll. Schwestere zugleich mit mir fleissig u erläubnis anhieltẽ / uns dẽ Lustweg nach unserm Vorwerke / eine grosse Meile von hiñen gelegen / zu göñen / umb dieser ersten lieblichen Frühlingszeit in etwz zugeniessen / und die schönen Merzenblumen unsers neu-angelegten Garten zubesichtigen / wir solchs endlich erhielten / und um 7 uhr ohn gefehr davon fuhren. Wir hielten uns vier stunden daselbst auf uñ machten unterschiedliche Kränze / die wir unsern Eltern mitbringẽ wolten; liessen uns Milch und Eyer zur speise kochen / uñ wahren fertig / nach gelegter Hitze uns wieder auf den Rükweg zubegebẽ; woran wir anfangs durch dz schwere Doñerwetter / welches in einen grossen Baum unsers Garten einschlug / uñ ohn zweiffel unsers bevorstehenden Unglüks Vorbotte wahr / verhindert wurden / weil der hefftige Regen drey stunde lang anhielt; nach dessen endigung wir uns auf den weg machetẽ / die Stadt vor dem Tohrschliessen zuerreichen; aber über der gar zu grossen eile / rennete der Gutscher mit der vorder Axe wieder einen im Holwege hervorstehenden Stein / dz die Stellung in stücken ging / und die Gutsche daselbst zu brochen stehen bleiben muste; Wir aber vors beste hielten / nach dem Vorwerke wieder zukehren / da wir eine Viertelmeile im glatten Koht und tieffen [53] pfützen mit grossem Ungemache zu ende brachten / eine frische Buttermilch /und was das Hauß bescherete / zur Abendspeise vor lieb nahmen / und in der Vorstuben eine gemeine Sträu machten / darauff wir uns zur ruhe legeten /auch unsern Gutscher und andere des Vorwerks jeden an seinen Ort verwiesen / weil wir allein seyn wolten /und uns keiner Wiederwertigkeit bey diesen friedsamen Zeiten befürchteten. Unsere ermüdete Füsse machten uns die Nacht hindurch schlaffen; aber als die Morgenröhte hervorbrach / schlug ich meine Augen auff / und sahe mit herzbrechendem Schrecken drey grosse gepanzerte Männer / deren Angesichter mich dauchte / mehrmahl gesehen haben / mit blossen Schwertern in die Stube tretten / da der vörderste mit leiser Stimme zu mir sagete: Fräulein / werdet ihr ein Geschrey machen / umb das Gesinde aufzuwecken /wollen wir straks Angesichts euch alle drey erwürgen; sonsten sind wir nicht willens / euch einiges Leid anzuthun / sondern werden euch in guter Gewarsam und Schnz eurer Ehr und Lebens halten / biß eure reiche Eltern / welche wir wol kennen / ein Stük Geldes vor eure Erlösung uns zustellen. In dieser äussersten Angst begriff ich mich nach Vermögen / und gedachte bey mir selbst: Ist es jhnen nur umbs Geld zu tuhn /so werden unsere Eltern hierzu Raht schaffen / und uns lösen können; antwortete ihnen auch / sie möchten mich und meine Gespielen unbetrübt lassen; ich wolte ihnen äidlich angeloben / ihnen solte das begehrte Lösegeld an ort und ende sie es haben wolten /außgezahlet werden / so bald wir nur zu Padua anlangen würden; dessen diese Buben lacheten / vorwendend / ich solte sie nicht so albern ansehen / sondern meine Gespielen / die sie bey Namen zu nennen wusten / auffwecken / oder die angebohtene Gnade würde in schwere Straffe Ehr und Lebens verwandelt werden. Es wahr zu verwundern / daß meine Schwestern von diesem Gepoche nicht erwacheten / und muste in meiner allergrössesten Seelenangst ich sie mit rütteln uñ schütteln munter machen / da sie nach öffnung ihrer Augen / vor den blossen Schwertern sich so hefftig entsetzeten / daß ihnen die Ohmacht nicht ferne wahr; Die erschröklichen Dräuungen aber / die wir höreten / machten uns geschwinde fertig / die Kleider in aller Eile anzulegen; Worauff sie uns unter die Arme fasseten / und wie Lämmer zum Hause hinaus trugen / legten uns auff einen stinkenden Wagen in rauhe Ochsenhäute / warffen eine kötigte Decke über uns / und jageten / als viel sie nachlauffen kunten / mit uns davon. Als wir auff den Wagen gehoben wurden / sahe solches ein Hirt nahe bey der Trinkrennen / und machte ein Geschrey / welches ihm sein unschuldiges Leben kostete; massen noch zween andere verhandẽ wahren / die ihn alsbald niderschlugen / daß wir zusahen / und von unsern Räubern dieses zur Lehre und Warnung bekahmen / dafern wir das Maul nicht halten würden / solten wir auff eben diese weise gestillet werden. Mit was betrübtem Herzen wir nun die vier Stunden / wie uns dauchte / in den stinkenden Fellen lagen / wird der Himmel uns Zeugniß geben; Dieses einige tröstete mich / dz sie uns unser Ehren Versicherung / wie ich meynete / getahn hätten. Ich empfand sonst an den harten Stössen wol / daß der Wagen nicht im gebahneten Wege / sondern über Stein und Blok ginge / auch die Hecken offt umb die Felle herschlugen; hörete auch endlich die Räuber / so bald hinter, bald neben dem Wagen her lieffen / etliche unzüchtige Reden führen / da unter andern der allergrösseste / so von Herrn Herkules zu erst erlegt worden / zu den übrigen sagete: Ich als euer Fürst und Herzog behalte mir des Stadthalters Tochter diesen Tag [54] zur Lust; an den beyden übrigen habet jhr beyde Obristen die erste niessung als lange es euch gefällig; hernach werdet ihr diesen euren Spießgesellen und Hauptleuten auch guten willen gönnen. Was vor Herzleid mir dieses brachte / ist unmüglich auszusprechen / und suchte ich schon mein kleines Messerchen hervor / dieser Schande vorzukommen; aber es wahr (welches ich damahls beklagete) des vorigen Abends auff dem Tische liegen blieben; doch ward ich noch in etwas getröstet / da ich den einen also antworten hörete: Ich riehte / daß man dieser Fräulein Ehre unangefochten liesse; es dürffte uns daher nichts gutes entstehen und ist zu fürchten / nicht allein unsere Fürsten / sondern auch die ganze Brüderschaft möchte drüber entrüstet werden / weil es wieder erteileten Befehl streitet. Was ihm nun zur Antwort gegeben ward / kunte ich nicht vernehmen / wiewol ichs nach meiner Hoffnungs auffs beste deutete. Endlich nahmen sie die Decke von uns hinweg / huben uns herunter / da es voller Hecken stund / und leiteten uns zu Fusse ohn einiges Gespräch durch Püsche und Dornen / fast eine halbe Stunde / biß wir auff einen lustigen Plaz kahmen / auff welchem sehr hohe Bäume zimlich weit von einander stunden / woselbst auch diese beyde Herren uns angetroffen haben. Fr: Pompeja kunte des Endes nicht abwarten / sondern fragete / wie dann unsere Helden diesen verborgenen Ort zu so gelegener Zeit hätten finden und antreffen können; Aber der Stathalter redete ihr ein; sie möchte sich biß dahin gedulden / und ihrer Tochter wolgefassete Gedanken nicht stören. Also fuhr sie weiters fort: So bald wir auff diesen Plaz kahmen / liessen sich unterschiedliche scheußliche Raben / oben von den Bäumen mit greßlichem Geschrey hören / daß auch die Räuber selbst sich davor entsetzeten / und ihr Führer /in die Höhe sehend / ihnen zurieff / sie solten über ihren eigenen Halß schreihen; Da bald ein Rabe / (ich halte gänzlich / es sey meines Hochlöblichen Anherren M. Valerius Korvinus Schuz-Rabe gewesen) vom Baum herunter flog / und schlug einen Kreiß umb dieses Räubers Häupt so niedrig / daß mann ihn mit dem Schwert hätte abreichen mögen; welches er vor ein sonderliches Glükszeichen hielt / dadurch die Götter ihm seines Vorhabens guten Verfolg anzeigeten. Mitten auff dem Platze setzeten sie uns bey einem hohen Baum nider / und trugen uns vor; Unsere Eltern müsten ihnen drey Tonnen Schaz vor unsere Erlösung zustellen / und im nähestem Dorffe / auff einen bezeichneten freyen Plaz niedersetzen lassen / so daß kein Mensch sich dabey finden liesse / der einige Rache vornehmen könte / sonst würden wir nicht wieder loß kommen. Wir höreten zwar / daß es viel und grosse Gelder betraff / tahten ihnen doch aus Furcht und Angst alle Versicherung / es solte nach ihrem Willen gelieffert werden / dafern wir nur Gelegenheit hätten / es nach Padua zuberichten. Diese Anfoderung / sagte ihr Führer / sol Morgen zeitig gnug den euren zuentbohten werden / und müsset ihr biß dahin euch unsere liebe Geselschafft an diesem Orte so gefallen lassen; habet auch wegen Speise und Trank nicht zu sorgen / dessen wir euch allen Uberfluß verschaffen wollen. Ich sahe eigentlich / daß dieser nichts gutes mit mir im Sinne hatte / wolte sich auch gar zutäppisch machen / und mit hervorgesuchten gnug unzüchtigen reden mir seine sonderliche Neigung zu verstehen geben; er währe / sagte er / ein erwählter Fürst und Herzog über viel Völker / und solte ich in kurzer Zeit seine Macht und Herligkeit schon erfahren; bähte / ich möchte ihm meine Liebe versprechen /so wolte er inwendig viertel Jahrs ungezweiffelt das offentliche [55] Beylager mit mir zu Padua auff dem Käyserlichen Schlosse halten / und mich zur Fürstin einer grossen Landschafft / daß ich nicht vermeynete / einsetzen. Ich fassete wegen der ihm gegebenen Antwort / die ich auff dem Wagen gehöret hatte / einen Muht /da ich keinen hatte / und sagte: Er würde mich mit dieser Anmuhtung verschonen / ich wüste mich nicht zuerinnern / daß zwischen Padua und Rom dergleichen Fürsten lebeten / davor er sich außgäbe; währe auch kein Fürstlicher Auffzug / unschuldige Weibesbilder zu rauben / und ums Geld zu schätzen; ich lebete in meiner lieben Eltern Gewalt / bey denen müste ein solches / und zwar auff weit andere Weise gesucht werden; ich vor mich selbst / würde mich keinem Unbekanten unter dem blossen Himmel versprechen. Diese entschuldigung achtete er aber wenig / hielt mir vor / ich könte wegen meiner Jugend Unverstand nicht erkennen / in was Gefahr ich steckete / wann ich durch Schimpff- und verächtliche reden ihn schmähen / oder seinen Fürsten Stand / welcher sich bald melden solte / in zweiffel zihen würde; müste mich demnach eines andern bedenken / und einen solchen Freyer / der noch wol ein bessers tuhn könte / nicht mit so hönischen Worten abspeisen. Zwar mein Herz schlug mir im Leibe / als wolte es zerbrechen / aber die Furcht meiner Ehre unterwieß mich doch / was ich Antworten solte / da ich sagte: Ich bin nicht der Meynung / euren Fürsten Stand zu schmälern; erkenne auch / daß ich unter euer Hand und Gewalt bin; doch sehe ich euch ingesamt vor so redlich an / daß ihr die mir getahne Versicherung / wegen meiner und dieser meiner Wasen Ehre / auffrichtig halten werdet, habt ihr aber / (sagte ich zu dem ersten) einen redlichen und keuschen Willen zu mir / und seid des Standes /wie ihr euch außgebet / so machet euch an meine Eltern / die ihr / aller anzeige nach / wol kennet / und was dieselben hierin thun und lassen werden / müssen billich ihr und ich zu frieden seyn; ein weiters wird kein Mensch aus mich bringen / noch von mir begehren / daß ich wieder der Götter und eingepflanzeten Rechte Verbot / meinen Eltern den gebührlichen Gehorsam versagen solte. Dieser / als er solches von mir hörete / und aus seiner Gesellen bezeigung ihren Mißfallen merkete; stund er auff / und foderte die zween vornehmsten absonderlich / hielt mit ihnen anfangs ein Gezänke; bald darauff eine freundliche Unterredung; kehreten wieder zu uns / und brachten ihr begehren durch ihren Führer meines Behalts / mit diesen Worten vor: Aedle schöne Fräulein; ob wir zwar zu dem Ende euch an diesen Ort geführet / daß eure Eltern uns daß bestimte Lösegeld außreichen solten; so hat doch eure Schönheit dergestalt uns eingeno en /daß wir anjezt mit euch beydes die Verlöbnis der ehelichen Gemahlschafft unter dem freien Himmel äidlich abreden / und das Beylager volziehen / über ein viertel Jahr aber das Hochzeitfest Fürstlich halten / und euch freystellen wollen / ob ihr diese Zeit über lieber bey uns bleiben / oder bißdahin in euer Eltern Gewahrsam seyn wollet / mit bem bedinge / daß ihr unser Heyraht ihnen inzwischen nicht die allergeringste Meldung thut; und werden wir also nicht allein die angemuhtete Schatzung euch gänzlich erlassen / sondern unser Herz und treffliche Schätze die wir besitzen / in eure Gewalt einliefern; Hierauff werdet ihr euch in der güte zuerklären wissen / damit wir nicht verursachet werden / durch Gewalt zuerhalten / welches wir von euch ungleich lieber aus eigener Bewägung und gutwilliger gegen Liebe annehmen wolten. Als wir diesen Antrag mit zittern und zagen angehöret hatten / fielen wir auffs flehen; sie möchten so gewaltähtig mit uns nicht verfahren / sondern [56] unsern Stand und Eltern betrachten; wir währen / die Warheit zu sagen / schon alle drey verlobete Bräute / daher wir ihnen nicht könten zuteil werden. Hier solten wir ihnen nun unsere Bräutigamb nahmhafftig machen /dessen ich mich nicht wegerte / und die drey ersten Römischen Herren / so mir einfielen / angab / aber zum Bescheide bekam; sie wolten uns versichern / ehe dann drey Wochen verlieffen / solten diese drey erschlagen und hingerichtet seyn; müsten deßwegen ihnen nicht weiters wiedersprechen / sondern so glükliche Heyrahte gerne annehmen / und den Göttern davor danken / also würden wir ihnen Anlaß geben /daß sie in künfftig uns desto herzlicher liebeten. Hiemit legten sie ihre Schwerter ab / und wolten die beyde (dann der Führer hatte keinen an) ihre Panzer von sich tuhn / uñ sich zu uns nidersetzen; welches wir merkend / das allerkläglichste Geschrey anfingen /welches unter dem Himmel je mag erhöret seyn; und rücketen wir so fest zusammen / daß wir uns mit Händen und Füssen umklemmeten; daher sie das Panzer-außzihen vergassen / und sich an uns macheten / uns von einander zu reissen. Da liessen wir uns nun zausen und trecken / hielten so fest zusammen / daß uns die Hände schmerzeten / und schrihen inzwischen /daß es einen Widerschall gab; worüber die Räuber endlich von uns abzulassen bewogen wurden / und auffs neue uns gütlich erinnerten / alle Widersezligkeit einzustellen / sonsten wolten sie uns nach angelegter Schande ihren Knechten zum Muhtwillen untergeben / mit denen wir unsere Lebenszeit im höchsten Elende zubringen solten. Wir töhrichte Kinder wolten uns auff die Fleheseite legen / und bahten mit gefaltenen Händen / so übel mit uns nicht zu verfahren; unsere Eltern solten ihnen geben / was sie begehren würden. Sie hingegen gebrauchten sich dieser Gelegenheit und trenneten uns mit leichter Mühe / rissen uns die Kleider vom Leibe ganz grimmig hinweg /und meyneten schon gewonnen zu habẽ; aber wir huben das Geschrey hefftiger an als zuvor; fielen ihnen umb die Beine / daß sie nach willen mit uns nicht schaffen kunten; und als wir uns so nahe wieder beysa en funden / liessen wir von ihnen / und umbgaben uns stärker denn vorhin. Ich kan wol sagen /daß Angst und Noht Kräffte verleihet / massen was ich fassete / dergestalt beklämmet ward / daß ich mich lieber in stücken zureissen lassen / als die Hände abzihen wollen. Wir schlungen uns durch einander / wie man die Erdwürmlein sihet sich verwickeln / und hielten an mit schreihen / so offt sie hand an uns legeten. Aber endlich würde es den Stich nicht gehalten haben / zumahl sie durch Eifer und Begierde übernommen /alle Sanfftmuht beyseit legtẽ / und durch Erbrechung unser Finger uns gar leicht trenneten / wir auch ohn alle Barmhertzigkeit und Hülffe uns der Schande untergeben müssen / dafern dieser unser Erretter glükliche / und von den Göttern selbst versehene Ankunfft den Willen der Räuber nicht gestöret hätte. Dann wir höreten anfangs das rasseln ihrer Harnische zwischen den Sträuchen / und bald darauff sahen wir sie in zimlicher Eile herzu treten; dessen sich die Räuber nicht versehen hätten / und vorerst meyneten / ihrer würde eine zimliche Menge seyn / dz ich eigentlich ihren Schrecken merken kunte / welcher sich doch bald verlohr / und sie gewisse Hoffnung eines schleunigen Sieges fasseten. Hierauff baht sie ihren Ladisla / er möchte den ersten Anfang ihres Kampffs zu erzählen unbeschweret seyn; welches er einwilligte / und biß dahin ausführete / wie Herkules seinen ersten Ansprenger gefället / und darauf von dreyen zugleich angefallen worden; woselbst das Fräulein ihre Erzählung fortsetzete / einwendend / [57] sie würde / umb die Warheit anzuzeigen / gezwungen ihm in die Rede zu fallen / weil er ihren Sieg gar zu geringe machete; beschrieb demnach so best sie kunte / die Heldentaht und wie Ladisla ihrer aller Leben vor dem letzten Räuber ihrem Hüter gerettet / da sie sonst ohn alle Gnade hätten sterben müssen / welches ihnen doch erträglicher als ihrer Ehren Verlust solte gewesen seyn. Als sie nun hiemit ihrer Erzählung ein Ende gab /sagte der junge Fabius; es möchte vielleicht dieser ruhmwirdige Sieg von denen nicht so hoch geachtet werden / welchen der Räuber Krafft und Erfahrenheit unbekant währe; Wer aber den Meister aller Fechter /den hochbeschrihenen Orgetorix / und seine Gesellen Dumnorix und Ambiorix vor etlichen Jahren gekennet / und sie fechten gesehen / der würde die Vortrefligkeit dieser überwindung wol urteilen; dann diese hätte er alle drey auf dem platze tod angetroffen / und noch zween andere ansehnliche grosse Räuber / die ihm unbekant währẽ / ihre Namen aber auf ihren Schwertern / als Fimbria und Sergius / eingeetzet stünden. Der Stathalter erschrak dieser Rede / und sagte: Ich gläube ja nimmermehr / daß diese drey unvergleichlichẽ Fechter sich in Räuber Geselschafft begeben / angesehen / sie durch ihre Kunst und Stärke viel tausend Kronen erworben / und allein durch meine befoderung ein grosses Gut bekommen. Zwar man hat fast zwey Jahr nicht erfahren können / wo sie gestecket / und ist man in dem Wahn gewesen / daß sie nach Gallien in jhr Vaterland gezogen / oder in den Morgenländern Geld zu verdienen / sich auffhielten / so höre ich nun mit Bestürzung / daß sie zu Räuber gedien sind. Den Fimbria und Sergius betreffend / sind mir dieselben nit unbekant / sondern dieser ein Mantuanischer /jener ein Ravennischer vom Adel / beyde umb Untaht willen aus dem Reiche verbannet. Die gröste Verwägenheit aber / die hierunter stecket / ist / daß der unbendige Orgetorix sich vor einen Fürsten hat angeben / und nicht allein nach meiner Tochter freien / sondern das Hochzeitfest auff dem Käyserlichen Schlosse hieselbst zu halten / sich dürffen verlauten lassen; Nun wahr er zu jener Zeit gar kein Auffschneider / sondern jederman hielt jhn vor warhafft / und von Tahten fester / als ruhmrähtig; muß also die Hoffnung mein Kind zu bereden / ihm diese Liebeslügẽ eingeblasen haben. Es sey aber wie ihm wolle / so dürfte hierunter was gefährlichers steckẽ / als man gedenken möchte; welches ich dißmahl beyseit setze; muß mich aber über euch beyden / Herr Herkules und Herr Ladisla /verwundern / daß eure Schwerter so kräfftig / und die Hände so erfahren gewesen sind / diese freche Räuber auffzureiben / welches ausser allem Zweiffel durch sonderlichen Beystand der Götter hat geschehen müssen. Alle anwesende fingen an diese Taht dergestalt zu erheben / daß das Frauenzimmer (außgenommen die Stathalterin / die eine Christin wahr) in den Wahn gerieten / ob nicht etwa Herkules der Gott Apollo /und Ladisla Merkur oder Romulus selbst währe. Diese beyde aber hatten grossen Verdruß an der häuffigen Lobrede / daß endlich Herkules sie ingesamt mit entblössetem Häupte baht / diese schlechte Taht nicht so hoch zu erheben / zumahl er billich zweifeln müste / ob der Streit mit Mördern / Dieben und MenschenRäubern / mit unter die Zahl der ruhmwirdigen zu setzen währe. Sie vor ihr Häupt würden sich dessen umb keiner andern Ursach willen erfreuen / als daß sie Gelegenheit gehabt / so vortreflichen Fräulein / als Kleinoten der Welt / Dienste / und ihren hochansehnlichen Eltern Freundschafft zu leistẽ. Das ist aller Helden Eigenschafft / antwortete der junge Fabius; nicht desto weniger aber [58] muß derselbe die Guttaht erkennen / der sie empfangen hat; wiewol ich einen schli en Anfang darzu gemacht habe. Wie so? fiel ihm sein Vater in die Rede; ich hoffe ja nicht / daß du wider Römische Sitten gehandelt / uñ durch Undankbarkeit dir und deinem Geschlecht einen Schandflek angeworffen habest. Davor behüten mich die Götter / antwortete der Sohn; Viel lieber wolte ich mich ohn Leben / als ohn Ehre wissen. Das Fräulein wolte den Vater des Argwohns benehmen / und zeigete an / was vor ein Streit zwischen jhnen sich aus Irtuhm erhoben; Worauf der Vater den Sohn erinnerte / den blinden Zorn hinfüro zu mässigen / als welcher ein Zeichen eines grossen Vernunfftmangels währe.

Die mitleidige Mütter sassen und kunten ihre Trähnen nicht stillen / in betrachtung der grossen Gefahr ihrer Töchter / biß sie von ihren Gemahlen auffgefodert wurden / einen kurzen Abtrit mit ihnen zu nehmen / da sie sich miteinander berahtfrageten; auff was Weise sie unsern Helden ihre Dankbarkeit erzeigen und beybringen wolten; liessen hernach Frl. Sophien zu sich ruffen / und nach gemachtem Schlusse / setzete sich jedweder an seine Stelle / ohn daß die Müttere nach Hause gingen / und nach Verlauff einer halben Stunde sich wieder einstelleten. Nicht lange hernach traten drey wolgeputzete Dirnen ins Gemach / deren jede ein treffliches Lädichen trug von Hebenholz mit güldenem Beschlage / künstlicher Arbeit / welche sie Frl. Sophien überreicheten; ihnen folgeten zwölff in Scharlaken gekleidete Diener / und hatte jeder ein sehr grosses güldenes Trinkgeschir / mit allerhand köstlichen Steinen außgesezt / die mit dem besten gepregeten Arabischen Golde gefüllet wahren / welche sie nach der reihe auff den Tisch stelleten / und lies keiner sich eines Worts verlauten / biß Frl. Sophia die Lädichen öffnete / einen kostbahren Schaz von güldenen Ringen / Armbändern / Halßketten und anderm Zieraht / auff 150000 Kronen geschätzet / daraus auff den Tisch schüttete / und also anfing: Ihr meine Hochwerte Herren / Herr Herkules und Herr Ladisla /die ihr billig meine uñ meiner geliebten Schwestern Schuzgötter zunennen seid / nachdem wir und ihr selbsten ja bekennen müsset / daß nähst dem Himmel wir niemand als euren kräfftigen Armen und mitleidigen Herzen unsere Ehr und Leben zudanken haben /so lasset / bitten wir drey Erlösete / euch dieses schlechte Opffer gefallen / welches zur anzeige eines dankbaren Willens / wir aus geheiß unser lieben Eltern euch überreichen / nicht unter der Hoffnung / die uns erzeigete Woltaht hiedurch zuersetzen / sintemahl Ehr und Leben mit keinem irdischen Schein zu vergleichen ist / sondern daß wir uns dem Laster der abscheulichen Undankbarkeit entreissen mögen ist / wie gesagt / dieses nicht anders / als ein geringes Zeichen eines Herzen / welches da wünschet / ein gleiches legen zu können / aber wegen der lautern Unmögligkeit zugleich seuffzet / das die reichen Götter hieselbst unsere Stelle vertreten wollen / da unser können auffzuhören gezwungen wird / und doch allemahl tichtet / mit der Zeit ein besser Mittel zu erdenken /welches den Schein dieser schlechten Kleinot übergehen möchte.

Unsere Helden erstauneten über diesem Anmuhten / und in dem einer den andern ansahe / und keiner wuste / was er dazu sagen solte / stund der Stathalter von seiner Stelle auf / und redete sie also an: Ihr ruhmwirdige / und von den himlischen Göttern hochbegabte Ritter und Herren: Ob zwar mein Wunsch die Erkäntnis eures Standes gewaltig nachsuchet / damit denselben ich die gebührliche Ehre bieten dürffte / wil ich solches doch mit [59] eurem guten Willen lieber entrahten / als demselben zuwieder / wissen / und mir genügen lassen an dem / daß die gütigen Götter euch nicht allein meinem Kinde und Bäßlein / sondern viel tausend anderen bedrångeten und durch Gewalt unterdrücketen zu hüffe und Trost an diese Welt kommen /und in Herzhaffter Tapfferkeit vortrefflich werden lassen. Wahr ist es / daß wann Gefahr von uns abgekehret wird / wir der Götter Rettung solches zuschreiben müssen; wer aber dem Werkzeuge / durch welches sie uns beyspringen / Undank zu Lohne legen / oder auch solche Guttaht und Hülffe verachten und in den Wind schlagen wolte / derselbe müste billig in aller Götter Ungnade fallen / nicht anders / als der den Göttern vor des Tages Liecht danken / und daneben der Sonnen alle Beschimpfung erweisen würde. Daß ich und diese meine bey den Freunde Töchter haben / dancken wir dem göttlichen Segen / welcher alle Geschöpff durch Mittel außhecket; hätten wir ungerahtene Töchter / müsten wirs dem Unglük zuschreiben. Daß sie aber nicht grausamer Weise durch räuberische Unzucht genoht zwänget / und hernach gar in stücken gehauen / oder den nichtigsten Hundsbuben zu aller Schande unter die Füsse geworffen sind / kan von uns keinen andern Uhrhebern / als bloß eurem recht Fürstlichen Mitleyden und daher entspringender kräfftigen Hülffe zugelegt werden / als die ihr euer Leben in dieser euer Jugend geringe geschätzet / und dem Mörderischen Schwerte dargebohten / nur daß ihr diese dazumahl aller unglükseligste Kinder retten / und mit vergiessung eures Blutes in die heutige Wolfahrt versetzen möchtet. Versichert euch / ihr meine Hochwerte Herren und Freunde / daß wir des Unverstandes nicht sind / diese eure Guttaht mit stillschweigen zu begraben / sondern es sol vielmehr durch das ganze R \mische Reich und benachbarte Herrschaften von uns außgebreitet werden / daß nehmlich die Tugend /was sie wol in hundert Jahren in mir und vielen andern schwerlich zeugen würde / bey euch in dieser eurer Jugend schon so völlig wirken und scheinen lassen / als hättet ihr nach Ablegung der ersten grauen Haare diese jezige Jugend auffs neue angenommen. Römische Auffrichtigkeit / deren ich mich / ohn unzeitigen Ruhm / alle mahl beflissen / hat einen Abscheuh an schmeichelhafften Lobreden / drumb wollen sie / bitte ich / mich dessen nicht zeihen. Was ich empfangen habe / preise ich billich / nachdem es dessen wert ist / und preise es nicht allein mit Worten / da ich Werke empfangen habe / sondern suche mit allen dankbahren / und vor dißmahl mit diesen meinen Herren Schwägern und deren Gemahlen / mögliche gelegenheit / ein wirkliches zu erklären / welches wir euch auff diese weise darzulegen verabscheidet haben; daß vor erst diese zwölff Becher jhr von unser Hand annehmen / und nach unserm Tode mit unsern Kindern zu gleicher Teilung aller unser Güter gehen wollet. Ist dann ein mehres / damit ihnen könte gedienet seyn / und von uns zu leisten möglich / wollen sie kühnlich fodern / und des gewehrens sich von uns versichern.

Herkules und Ladisla stunden als die Stummen /schlugen die Augen vor sich nider / und liessen aus jhren Geberden gnug sehen / daß sie nicht geringe Bewägung in ihrer Seele empfunden; worüber das gesamte Frauenzimmer sich hoch erfreuete / in meynung / es währe ein Zeichen grosser Freude / wegen getahner Schenkung und künfftiger Erbschafft; biß Herkules / nach dem er sahe / daß Ladisla nicht wolte / dieses antwortete: Das wolle Gott nimmermehr / daß das ungerechte Lösegeld / welches die meinäidigen Räuber [60] gesuchet / wir an jhrer stat empfangen; vielweniger das angebohrne Erbe dieser Durchll. Fräulein schwächen und mindern solten: Hochmögender Herr Stathalter / auch Römische Herren / Frauen und Fräulein; verzeihet uns / bitten wir / diese Frage / ob sie nicht unserer Ritterlichen Ehren beschirmer ja so willig seyn wolten / als wir ihnen samt und sonders zu dienen / höchstbegierig sind; Verfluchet müsten ich und mein bründerlicher Geselle seyn / wann wir andere Gedanken von ihnen fasseten / zumahl ihre hohe gewogenheit auff der allerhöchsten Vergeltungs-Stuffe sich sichtbarlich erzeiget / in dem wir wegen einer Viertelstunde Arbeit / die ohn sonderliche Gefahr gewesen / als leiblichen Söhnen / so grosses Erbe uns angebohtẽ seyn / hören müssen / daß wir unsern Ohren kaum trauen důrffen. Betrachtet aber / bitten wir / obs ohn Verletzung unser Ritterlichen Ehre von uns könne angenommen werden / weil wir nichts durchaus geleistet / als wozu uns das eingepflanzete Gesez verbindet: dann sehet doch; wir haben gewaltleiden der Fräulein klågliches geschrey vernommen; Wen solte das nicht zum mitleiden bewägen? Wir haben gesucht / dessen ursach zu erkennen / wer würde solches ohn Nachrede einer Kleinmühtigkeit unterlassen? Wir haben uns der anlauffen den Räuber erwehret / ehe und bevor wir einige wissenschaft gehabt / ob sie rechtmässige Richter der klagenden /oder boßhaffte Ansprenger währen; wer könte hier sein Schwert in der Scheide behalten / und sich niderschmeissen lassen? Sehet / hochwerte Herren / Frauen und Fråulein / was von uns vor Gegenwehr geleistet /ist bloß zu unserm besten vorgenommen / ja von uns erzwungen; Wir sind nicht außgeritten / den Fräulein Hülffe zu leisten; Wir haben sie biß zu allerlezt ohn Rettung in ihres Hůters Hand stecken lassen; Ja das ich ohn Anröhtung nicht sagen kan / ich bin so unhöflich gewesen / und habe dieses Durchl. Frauenzimmer nicht eins besuchet / sondern sie haben sich gedemühtiget / seynd zu mir kommen / meine Waffen mir abgezogen / meine Wunde verbunden / und / mit einem Worte / sich so verdient umb mich gemacht / dab ob ich gleich hundert Jahr leben solte / ich doch in ihrer Schuld sterben müste; und ich solte ihnen diesen Dank davor erzeigen / und sie ihres väterlichen Erbes zum halben Theil helffen berauben? Dieses Laster wende Gott von mir ab und von meinem Gesellen /damit wir nicht Erz Räuber über die heut erschlagenen werden / und morgen dem billichen Råcher in die Hånde fallen. Ich sage nicht / Durchll. Herren / Frauen und Fräulein / daß sie uns ein solches unter dem schein einiges Lasters anmuhten / aber / weil ihr hohes erbieten nicht ohn Laster von uns kan angenommen werden / ey so gebet unser Entschuldigung stat / damit unser Ritterstand / den wir kaum vor drey Jahren angefangen / nicht durch unverantwortlichen Geiz und Unbescheidenheit im ersten Grase ersticket werde / sondern wir von diesem Laster befreyet / sie uñ andere Woltähter frey ansehen / und so grobes verbrechens uns nicht schämen dürffen. Ein Zeichen dieser hohen ganz unverdieneten Ehre anzunehmen / wegern wir uns nicht / sondern sol uns vielmehr eine stete Erinnerung seyn / wie fest Euren Durchleuchtigkeiten wir verbunden bleiben. Nam hiemit ein zierliches Ringelein von den außgeschüttenẽ Kleinoten /steckete es auf den Goldfinger / uñ taht ihm Ladisla ein gleiches nach; hernach fuhr er in seiner Rede also fort: Ja meine hochwerte Herren / Frauen uñ Fräulein / wir wollen uns noch einer kühnern Freyheit unternehmen / uñ diese aufgesetzete köstliche Geschenke von ihrer gar zu freygebigen Hand empfahen; aber mit diesem bedinge / daß unsere gebietende Frauen / die drey Müttere sie mögen in guter verwahrung bey sich behalten / damit wir dermahl [61] eins solche alle / diesen dreyen Fräulein in künfftig zum Brautgeschenke bey ihren hochzeitlichen Ehrentagen einliefern können. Den hohen Ruhm / von unserm gnädigen Herrn dem Stathalter uns zugelegt / schreiben wir billich seiner ungezweifelten väterliche Gewogenheit zu / wollen uns auch befleissigen / daß ob wir gleich keine gebohrne Söhne / wir dannoch keine andere Herzen / so lange wir leben / unserm Herrn als Vater erzeigen. Nach geendigter Rede raffeten sie die Kleinoten wie der in die Lådichen / und lieferten sie nebest obgedachten Bechern den dreyen Frauen ein / mit bitte /dieselben in gute verwahrung anzunehmen. Die Anwesenden alle beantworteten dieses anmuhten mit einem freundlichẽ Lachen. Nur der Stathalter sagte drauff: Ihr meine Herren und Freunde; wann eurer Antwort auff meine gehaltene Rede ich mit einer neuen begegnen solte / würde solches / bekenne ich /nicht sonder Anwendung der wolgegründeten Vernunfft geschehen können; währe auch zu befahren / dz entweder meine entgegen gestellete Ursachen zurük prallen / oder ihre angeführete ausflüchte angegriffen werden müsten; gestehe sonst gerne / daß Herr Herkules uns anjetzo nicht weniger jhrer beyder hohen Verstand und wolgebildete Geringschätzung zeitlicher Güter / als unsern Kindern / ja auch unsern Feinden jhre unüberwindliche Herzhafftigkeit zu erkennen gegeben. Ich wil vor dißmahl weder ihre getahne Verehrung an unsere Töchter wieder ruffen / noch mich der geschehenen wegerung beschweren / sondern wie ihnen ich allen freyen Willen hierin lasse / also werden sie / ich müste dann gar unglükselig seyn / mir dieses mein ansuchen weder streitig noch abschlägig machen / da ich sie freundlich ersuche / nicht schleunig von uns hinweg zu zihen / sondern umb bessere Kundschafft zu machen / etliche Zeit bey und zu verbleiben. Keine angenehmere Bitte håtte dem verliebeten Ladisla können angelegt werden / und kunte dannoch über sein Herz nicht bringen / sie zu beantworten / weil Herkules Wille ihm unbewust wahr; welcher aber zu seines Freundes Vergnügung diese Antwort gab: Höchstgewogener Herr als Vater / wir müsten zumahl baurisch und unbehöfelt seyn / wann wir ohn Urlaub hinter der Tühr Abscheid nehmen würden; erkennen uns schuldig / unsern Herren / Frauen und Fräulein gehorsam und ehrerbietig auffzuwarten / und zweifeln im wenigsten nicht / sie werden auff geleistetes begehren uns zu unser nöhtigen Reise hinwiederumb beförderlich seyn.

Der Stathalter kunte sich des jungen Herren unaußsinlicher Verschlagenheit nicht gnug wundern / daß er im Augenblick so vorträgliche Antwort zufinden wuste / nicht allein daß angebohtene höfflich außzuschlagen / sondern auch daß begehrete auff solche Weise zu verheissen / daß er immerzu unverbunden bleiben / und sein Versprechen nach belieben auffruffen kunte. Sein Gemahl aber wolte weil der Abend einbrach / dieses Gespräch aufheben / daher sagete sie: Unsere Töchter / wie ich merke / solten fast mehr belieben nach einem Tanze als ferneren höfflichen reden tragen: hieß demnach die Spielleute und Diener (welche bißher einen Abtrit genommen) wieder herein gehen / und nach etlichen künstlichen stücken einen Tanz auffmachen / da Frl. Sophia mit Frl. Ursulen einen zierlichen Reihen Tanz mit gefasseten Händen; hernach jede einen absonderlich vor sich / wiewol zugleich / und nahe bey einander hielt / nach dessen Endigung diese zu jener sagete: Betriegẽ mich meine Augen nicht / Herzen Schwester / so werden die eure von Herr Ladisla nicht angefeindet; und die Götter geben euch ja nimmermehr keinen unwirdigern Buhlen. Herzliebe [62] Schwester / antwortete Frl. Sophia / ob Herr Ladisla mich nicht anfeindet / so habe ich ihm darzu auch keine Ursach gegeben / da es nicht durch Beschwerung auff dem Pferde geschehen ist. Es ist mir aber lieb / Gelegenheit zu haben / euch eure grosse Unträue vorzuhalten / welche ihr mir heut in dem Unglükswalde erzeigetet / in dem ihr mich nacket und bloß bey H. Ladisla einem Wildfremden so gar allein liesset; nimmermehr könte ich euch ein solches Bubenstük anthun. Daß ihr mir aber keinen unwirdigern Buhlen wünschet als diesen / kan ich anders nicht außdeuten / als daß ich gar keinen haben sol; dann wo würde mann sein und seines Gesellen gleichen finden? Frl. Ursula sagte hierauff; Ich sahe uñ merkete wol / mein Schwesterchen / daß euch beyderseits geliebte allein zu seyn (dann sonst währet ihr wol mit uns zugleich davon gangen) darumb wolte ich euch einen Dienst durch unser beyder abweichen thun / wie mich dann eigen gedauchte / ihr hättet mir deßwegen einen Wink gegeben. Sahe sie hierauff traurig an / und fuhr also fort: Es ist aber iezt nicht Zeit zuscherzen / sondern wann ich bey euch der Verschwiegenheit versichert währe / müste unser Freundschafft nach ich euch eine wichtige Heimligkeit offenbahren /die ihr sonst zuspät erfahren möchtet. Diese bekam grosse Begierde solches zu vernehmen / und lobete an / Hand und Mund zu halten. Worauff jene sagte: Wisset ihr auch / Schwester / daß ihr schon eine verlobete Braut seyd? Was? antwortete diese; bin ich eine Verlobete? fing aber bald an zulachen / und sagte: Haltet ihr mich dann vor so frech / daß ich mich diesem Fremden solte so leicht und bald versprochen haben? aber ich werde schon Gelegenheit finden / euch dieses Auffzuges gereuen zu machen. Leget meine Reden nicht ungleich noch vor einen Auffzug aus / antwortete jene; und seyd ihr eures eigenen Zustandes noch unberichtet / stehet es umb eure Sache so viel gefährlicher / weil ich fürchte / der Bräutigam möchte euch ungenehmer als der Tod selbst seyn; Ich verlasse mich aber auf eure Zusage / und frage in allem Ernst / wie euch der geizige Fulvius gefalle / welchen ich trauen umb aller Welt Gut nicht heyrahten wolte / ungeachtet ich keines Stathalters Tochter bin wie ihr. Frl. Sophia erinnerte sich / daß ihr Vater etliche Zeit her diesen Römischen Herren in ihrer Gegenwart zun offtern trefflich gerühmet hatte / mit vermeldung / es währe kein Römischer Herr / der ihm eine Tochter versagen würde; fassete deßwegen traurige Gedanken / und sagte: Ach herzgeliebte Schwester / ich bitte zum allerhöchsten mir zu vertrauen / von wem ihr dessen berichtet seid. Was gehet euch daß an? antwortete sie /ists nicht gnug / daß ich euch die Heimligkeit selbst vertraue? die so gewiß ist / daß wo ich fehle / ihr mir alle Freundschafft auffkündigen sollet. Ich sage euch noch mehr; Fulvius ist schon auff dem Wege / euch abzuhohlen / weil euer H. Vater / ungeachtet alles Wiedersprechens / von euer Fr. Mutter geschehen /ihm völlige uñ unbedingte Zusage getahn hat; welches ich von niemand anders habe / als der mit dabey gewesen ist. Werdet ihr mich nun verrahten / so bringet ihr mich in die gröste Ungelegenheit. Schwester /ich kan Gott Lob wol schweigen / antwortete sie /aber von dieser Heiraht werden mich die Götter / oder der Tod frey sprechen / dessen seyd ungezweifelt versichert. Ich danke euch aber von herzẽ dieser eurer träue / die ich / wo ich leben sol / unvergolten nicht lassen wil. Aber wir stehen allhier zu lange / und möchte unser Gespräch etlichen einen Argwohn bringen. Seyd aber gebehten / und führet H. Ladisla unsere Schwester Helenen zu / daß wir sehen / ob diese sonst so volkommene Ritter [63] auch den Tanzbodem besuchet haben. Was habe ich vor Ursach / sagte Frl. Ursula / ihm Helenen zuzuführen? Ihr habt selbst eines geträuen Freundes von nöhten / der euch von Fulvius loßwirke / und wisset nur / daß ichs heut wol sahe / wie kek er sich der guten Gelegenheit hinter dem Baum gebrauchete. Herzen Schwester / antwortete sie / das Gesicht muß euch mächtig betrogen haben / welches ich auff bessere Gelegenheit verfechten wil /mit dem Tanze aber möget ihrs nach eurem willen ordnen. Also bestellete Frl. Ursula einen sonderlichen neuen Tanz / und foderte Ladisla mit diesen worten auff: Hochwerter Herr / da ich sonder Unhöffligkeit ihm meine herzliebe Frl. Schwester an die Hand bieten darff / nach belieben sie bey sich niederzusetzen oder zum Tanze zufůhren / wil ich dessen nicht länger Auffschub nehmen. Ladisla bedankete sich der Ehren und fing nach Anleitung seiner Liebesbegierden einen sehr zierlichen Tanz mit ihr an / nach dessen Endigung sie zu ihm sagete: Mein Herr / ihr wisset gewißlich nicht minder beym Tanze / als bey dem Kampffe, euch ganz volkommen zu halten. Höchst geliebtes Fräulein / antwortete er; daß mir dann auch der Himmel diese Gůtigkeit zufliessen lassen wolte / bey meinem Fräulein können angenehm zu seyn / weil ohn ihre Gunst und Gegenliebe ich ausser allem zweiffel untergehen und verderben muß. Mein Herr / sagte sie / ich bitte sehr / mir dieses Fråulein nahmhafft zu machen / deren Gewogenheit er so embsig suchet; kan ich ihm dann bey derselben den gewünschten Trost erwerben / als dann sol er dabey prüffen / ob ich nicht willig bin / ihm verbeschehene Rettung tråulich zu dienen. Nun merkete sie / daß er mit einer weitlåufftigen Erklärung loßzubrechen willens wahr / welches /weil vieler Augen auff sie gekehret wahren / sie mit diesen worten abwendete: Mein Herr / ich wil noch hinte seine mir vielleicht nicht unbewuste Außlegung sehr willig anhören; aber dafern ihm beliebet / noch einen Tanz mit mir zuhalten / wird dieses Orts solches niemand verdacht. Er gebrauchte sich dieser Anfoderung / bestellete mit einer Handvol Kronen einen Tanz / und befliß sich aller Zierligkeit / damit er ja seinem Fråulein gefallen möchte. Herkules hatte unvermerket gar genaue acht auff alles sein thun; er wuste / daß er von jugend auff dieser Ubung wenig zugetahn wahr / und sahe doch vor Augen / daß die Liebe ihm die Füsse gleichsam beflůgelte; gedachte demnach / ihm nach allem vermögen zum gewünschten Zweg zuverhelffen / was ihm auch drůber zustossen möchte; nur lag ihm allermeist im Wege / daß auff solche Weise ihr Stand und Wesen müste offenbahr werden / weil so hohe leute mit unbekanten sich zubefreunden / grosses Bedenken tragen würden; jedoch / weil ihm seines Freundes Wille lieber als sein eigener wahr / setzete er alles übrige zurük / und zu Gottes versehung. Der junge Fabius ward auch vermahnet / mit Frl. Ursulen einen Tanz zuverrichten /diese aber / weil ihre Kundschafft und Vertauligkeit schon von zwey Jahrenher viel heimlicher wahr / als die im Tanze bestehet oder gilt / luden sich auff ein Abendgespråch / nach geendigter Gåsterey. Herkules /der im tanzen und springen seines gleichen nicht hatte / saß dannoch lieber stille / als daß er solcher Uppigkeit hätte nachtrachten sollen; so wolte ihn auch niemand wegen empfangener Wunde / zum Tanze nöhtigen; weil aber Ladisla merkete / daß er den andern fleissig zusahe / gab er seinem Fräulein zuverstehen /Er sähe gerne / daß Herkules ein Tanz gebracht würde; die solches zuleisten sich willig anerboht /wann sie nur wissen solte / daß sie es wagen dürffte /uñ es ihm wegen der Wunde nicht beschwerlich[64] währe. Doch führete sie ihm Frl. Helenen zu / da er anfangs sich mit seiner Unwissenheit entschuldigte /und nicht destoweniger solche Schnitsprünge /schrenkungen und andere Zierligkeiten mit seinen leichten und geraden Fůssen verrichtete / daß die Zuseher sageten / es müste dieser Herr in dem allerglüklichsten Zeichen des himlischen Gestirns gebohren seyn / weil alle Leibes und Seelen Zierde in so grosser Volkommenheit bey ihm hervorglånzeten. Aber niemand rühmete ihn höher im Herzen als eben seine Neben Tänzerin / dann sie hatte sich dergestalt an ihm vergaffet / daß sie fast sich selber nicht kennete; wie wol der Pfeil umbsonst verschossen wahr / und die Karte an iener Seite schon dergestalt verstecket / daß der guten Fråulein Gedanken sich in eine grundlose See versenketen.

Die schon halb verlauffene Nacht erinnerte nunmehr die Anwesenden / daß es Zeit seyn würde / sich dem Lager zu widmen / daher der junge Fabius es Herkules frey stellete / wie früh oder späht er Ruhe nehmen wolte; der aber seinem Freunde Raum zumachen suchete / seiner Liebe in etwas nachzuhången /weil er sahe / daß ihm nicht gefiel / so zeitig Abscheid zunehmen; daher er sich gegen Fabius vernehmen ließ / da es ihm so geliebete / wolte er noch ein halb stůndichen mit ihm sprachen. Dem Stathalter und andern Gästen wahr dieses sehr angenehm / und begunte ein jeder ihm einen Sprachgesellen außzusehen. Die drey Frauen traten zusammen / und überlegeten das grosse Elende ihrer Töchter / welches sie unvermeidlich hätten angehen müssen / dafern dieser Helden Hülffe nicht so schleunig kommen währe; und sagte Fr. Pompeja; es währe sehr gefährlich / eine mannbare Tochter in der Eltern Wohnung / und nichts sicherer /als daß man ihr einen Mann gäbe; Aber ihre Schwester Fr. Julia antwortete: Sie hielte davor / daß die Töchter in der Eltern Häusern sicherer währen / als wann man sie nach jhren Willen ausfahren liesse. Der Stathalter und seine Schwäger hatten sich an einem andern Orte zur Unterredung nidergesezt; so nam Ladisla dieser guten Gelegenheit wahr / wie imgleichen Frl. Sophia dieselbe nicht verseumen wolte; traten von den andern in einer zimlichẽ Absonderung zusammen / und brachte er seine Werbung folgender gestalt vor: Hochgebohrnes Fräulein / demnach ich schon zu unterschiedlichen mahlen ihr meine ungefärbte Liebe und herzergebene Träne angemeldet /und doch nicht die geringste Gewißheit eines Ja oder Nein erhalten mögens mir aber unmöglich ist / die über mich schlagenden Flammen ohn Kühlung länger zu erdulden / sintemahl ich ungleich gr \ssere Angst /als mein Fråulein unter Räubers Händen / in meiner Seele empfinde / so daß den Schmerzen / welchen die Erkäntniß durch den Dienst meiner Augen eingenommen in mir wirket / und ihre außbündige Schönheit einig verursachet / ich nicht ertragen mag; als bitte ich von Grund meines Hertzen / sie wolle mich nicht ohn Mitleiden verderben lassen / noch zugeben / daß derselbe durch ihre Grausamkeit getödtet werde / welcher vor jhre Wolfahrt zu sterben / sich nun und nimmermehr wegern wird; jedoch / dafern mit und bey ihr zu leben / mir nicht kan zugelassen seyn / ey so verweile sie nur nicht / mir die Urtel wegen meines Frevels zu sprechen / weil ich rundaus bekenne / daß denselbẽn ich niderzulegen weder willens noch vermögens bin; solte aber mein Fräulein sich erklären können / mich vor den ihren in ehelicher Verbindung aufzunehmen /als dañ wolle sie ihre gedanken mir nicht länger verbergen / damit ich meine unruhigen Geister stillen /und inkünfftig bedenken möge / was zu Fortsetzung meines Wunsches [65] dienen kan. Das Fråulein wahr nicht willens / länger unter der Decke zu spielen /weil die Gefahr mit Fulvius jhr zu hart anlag / deßwegen sie ihm mit dieser Antwort begegnete: Der Himmel ist mein Zeuge / mein Herr / daß ich bißher keinen Liebesgedancken in meinem Herzen empfunden /ehe und bevor ich seiner Kundschafft bekommen; habe auch noch in dem unverständigen Alter gelebet /welches von dergleichen Sachen sehr wenige Erkäntniß / viel weniger Genieß hat; so bin ich über das /Zeit meines Lebens unter so strängem Zwange von meinen Eltern gehalten / daß ich nirgend in Gesellschafften mich dürffen finden lassen / ohn wo sie mit zugegen gewesen / nur daß mir gestern mit meinen Wasen außzufahren gegönnet ward / welches / dafern euer mitleidiges Herz nicht gewesen / mir übel bekommen währe. Ich lasse mich aber bedünken / mein Herr habe in seiner Rede mir mit verdekten Worten /den entblösseten zustand wollen zu Gemüht führen /in welchem er mich angetroffen; da ich dann bekennen muß / daß / wann es mit meinem guten Willen geschehẽ währe / ich billich vor das leichtfertigste Weibesbild můste gehalten werden / die jemahls gelebet; weil es aber durch unwidertriebliche Gewalt also ergangẽ / welche doch / den Göttern sey Dank / ausser dem sehen nichts an mir gehabt / hoffe ich gnug entschuldigt zu seyn; und kan ich mich so viel besser trösten / daß die leichtfertigen Buben des an mir begangenen Frevels sich nicht rühmen können / sintemahl eure Ritterliche Faust jhnen solches wol verbohten hat. Daß ich nun auff den Zweg seiner Reden komme / so wundert mich sehr / daß mein Herr sich so verliebet anstellet / da er mich doch nicht wirdiget / mir seines Wesens etwas vertraulichere Kundschafft zu g \nnen. Er sihet und kennet nunmehr meinen und der meinigen Zustand; und ruffe ich die Warheit zum Zeugen / daß an seinem gnugwirdigen Adel und Herkommen ich vor mich nicht zweifele / sondern ihn so hoch schätze als keinẽ andern in ganz Rom; jedoch müste mirs ohnfehlbar zur unbesoñensten Leichtfertigkeit außgelegt werden / wann ich vor dieser gebührlichen Nachfrage / mich auf getahne Anmuhtung richtig erklären würde; ja wann ich mein Herz demselben ergäbe / von welchem ich noch nicht so viel weiß / ob er mir eins seinen rechten Nahmen offenbahret habe. Min Herr / fuhr sie fort / ich gestehe gerne / daß ich ihm höher verpflichtet bin / als zeit meines Lebens ich nicht vergelten kan; jedoch halte ich auch davor / daß / wie grosse Woltaht gleich ein Ritter einem Weibesbilde erzeiget / er dannoch gehalten sey / ihrer Ehren und guten Leumuts acht zu haben. Nicht rede ich solches / ob trüge ich einigen Zweifel an seiner Redligkeit / sondern bloß zu erforschen / ob auff ihn mich verlassend / ich auff festen Grund oder auff Triebsand bauen würde. Da nun mein Herr einige beständige Antwort von mir erwartet / uñ meines Herzen erklärung zu vernehmẽ / belieben träget / wird er mich seiner heimligkeiten etwz bessere Kundschafft göñen / damit ich wisse / wen ich lieben sol / uñ von wem ich geliebet werde; als dann versichere ich ihn hinwiederumb bey meinen Jungfräulichen Ehren / deren Retter er heut gewesen ist / daß alles heimliche zuverschweigen / ich mich so kräfftig befinde / daß weder Vater noch Mutter / noch ichtwas in dieser Welt durch einigerley weise dessen das allergeringste auß mir erzwingen sol. Würde aber mein Herr dieses mein anmuhten ungleich verstehen / als es von mir nicht gemeynet ist / so bedenke er doch / ob auch einige Eltern in der Welt gefunden werden möchten / die ihr liebes Kind einem allerdinge Unbekanten gönnen würden / geschweige dann diese /deren Macht so groß ist / daß sie von ihren Kindern nohtwendig müssen gefürchtet werden.

[66] Ladisla erkennete in seinem Herzen wol / daß die Erbarkeit selbst sie zu dieser Nachforschung seines Standes antriebe / und hielt die Libe zu dem Fräulein / und die seinem Herkules geschworne Verschwiegenheit einen starken Kampff in seiner Seele / ob er sich ihr gänzlich solte zuerkennen geben; doch ging er endlich in sich / gab der Vernunfft Plaz / und antwortete ihr folgender Gestalt: Hochgeliebtes Fräulein; ich erkenne euer rechtmässiges Begehren / und thut mir von Herzen leid / daß durch Aidschwur gehindert / ich ihr nicht bald anfangs meinen Stand wissen lassen dürffen / wie ich gerne gewolt hätte. Ich gestehe / daß ich eine zeitlang meinen rechten Nahmen verendert /und in nachsuchung meines Herkules / welchen ich vor wenig Monaten erst wieder angetroffen / mich Winnibald nennen lassen; anjetzo aber meinen vorigen Nahmen wieder angenommen habe / vielmehr darff ich diese Stunde nicht von mir sagen / biß mein Herkules mich des getahnen äydes erlassen wird /welches ich leicht erhalten werde Vor dißmahl nur schwöre ich bey meinen ritterlichen Ehren / daß ich ein gebohrner und Herschender König bin / über ein Reich / welches weder dem Römischen Käyser noch einigen andern / Schatzung oder pflichtschuldigen Gehorsam gestehet / sondern nähest seinen Göttern mich allein vor die höchste Obrigkeit erkennet und ehret; bitte aber / mein herzgeliebtes Fräulein diese Geheimnis noch zur Zeit vor sich allein wissen / und umb wichtiger Ursachen willen verschwiegen halte wolle. Das Fräulein erbleichete vor dieser Rede / und antwortete gar furchtsam: O ihr Götter! warumb habt ihr heut einen mächtigen König meinetwegen in Lebensgefahr stürzen wollen / dessen Verlust tausendmahl grösser als der meine gewesen währe? Ja ihr Götter /habt ihr mich eure Magd deßwegen in Råuber Hände gerahten lassen / daß ein König mich nicht allein retten / sondern dessen ich nicht fähig bin / mir seine eheliche Liebe antragen müssen? Ladisla baht sehr /ihn forthin weder heimlich noch öffentlich anders als einen Herren Standes zuhalten / und wo möglich /auff sein inbrünstiges Ansuchen ihm gewirige Erklärung wiederfahren zu lassen; dessen er von ihr mit diesen Worten gewehret ward: Ja mein Herr / sintemahl es ihm also gefällig ist / wil ich noch zur Zeit selber nicht wissen / wer er ist / und wie hoch ich ihn zu ehren schuldig bin. Wegen angetragener Liebe bedanke ich mich von ganzer Seele / und auff sein inständiges Anfodern verhiesse ich in aller beständigen Träue / so viel in meiner Macht seyn kan / als nehmlich / daß entweder Herr Ladisla allein / da sonst meiner Eltern bewilligung folgen kan / oder doch kein ander Mannesbilde eheliche Gewalt über mich haben sol; und ob durch våterlichen Zwang zur brechung dieses Gelübdes ich solte genöhtiget werden / wil ich entweder Herren Ladisla / wie ers begehren wird /durch Noht und Gefahr folgen / oder den Tod mit frölichem Herzen angehen. Auff diese Antwort küssete ihr Ladisla die Hände / und sagte: So schwöre ich hinwiederumb bey den mächtigen Göttern / daß ich ihr als meinem einig geliebten Fräulein die versprochene Träue und eheliche liebe halten / und durch kein Ding der Welt mich davon abwendigen lassen wil; so gar / daß ob sie mir durch jemand solte versaget werden / ich meines Reichs ganze Macht dran wagen / und lebendig mich ihrer nicht begeben wil. Da gingen nun die herzvergnügliche Reden erst recht an / und bemühete sich jeder Theil / dem andern sich behäglich gnug zu machen. Als aber Ladisla durch hitzige Liebesflammen überno en / umb schleunigen wirklichen Verfolg anhielt / wuste sie ihm dergestalt mit holdseliger Einrede [67] zu begegnen / und ihn der gebührlichen Mässigkeit zu erinnern / daß er seiner ansuchung sich selbst straffen muste. Mein Herr / sagte sie zu ihm; wie solte er dem überfluß seiner Liebesbegierden nicht können die billiche Masse setzen / da er doch in alle seinem Vornehmen sich der allergeringsten Ungebůhr nicht merken låsset? Es weiß ja mein Herr / und vertrauter Freund / daß ich numehr die seine bin und bleiben werde / jedoch so lange in keuscher Zusage / biß die Götter uns die eheliche Vermählung wiederfahren lassen. Wird demnach mein Seelen-Schaz selbst verhüten helffen / daß schier heut oder morgen uns kein Mensch der Leichtfertigkeit mit Warheit zeihen könne; Was aber ausser diesem ist und bestehet / damit weiß meinem Herrn ich mich unwegerlich verbunden. Nun wird aber Zeit seyn / dz ich ihm eine heimliche Gefahr offenbahre / deren ich kaum vor dreyen Stunden von einer hochvertraueten Freundin berichtet bin; Daß nehmlich mein Herr Vater mich einem R \mischen Ritter / nahmens Fulvius / sol ehelich versprochen haben / welcher zwar reich an Gütern / aber an Wiz und Tugend nicht viel zu verlieren hat; denselben nun an meine Seite kommen zu lassen / werde ich wol ni ermehr einwilligen / es sey dann / dz mich grössere Gewalt / als die heutige unter Räubers Händen / darzu unvermeidlich zwinge und vergewaltsame; vernehme zugleich / er dürffte sich erstes Tages einstellen / mich abzulangẽ /welches ich mir doch nicht einbilden kan / angesehen meine Eltern noch jemand anders / mich davon kein einiges Wörtlein haben wissen lassen. Ladisla versprach ihr / allen möglichen Zwang seiner Begierden /und sagte: Es währe jhm sehr lieb / daß er des Bulers zeitig inne würde / hielte in Betrachtung des strången Ernstes ihres H. Vaters / wol davor / daß vor geschlossener Heyraht er ihr wenig davon sagen möchte / wolte nur wünschen / daß die Götter den vermeynten Bräutigam ehist herzu führeten / als dann würde sich schon Gelegenheit an die Hand geben / sich durch einen rechtmässigen Kampff seiner zu entledigen / ob es gleich ihrem H. Vater nicht allerdinge mit währe. Ach mein Herr / antwortete sie; solte er sich meinetwegen noch in weitere Gefahr einlassen? Ich meyne ja / die heutige sey schon gar zu groß gewesen; meine meynung aber zu sagen / halte ich zwar wol etwas dran zuseyn / aber noch ungeschlossen / welches ich zu muhtmassen grosse Ursachen habe; und könte mein Herr meinem geträuen Raht folgen / solte ers kühnlich wagen / und erstes Tages mich an meine Eltern begehren; Ich hielte gänzlich davor / es wůrde ihm / in Betrachtung seiner mir erzeigeten Rettung /nicht abgeschlagen werden / insonderheit / wann mein Herr Vater seiner Königl. Würde solte berichtet seyn. Ich wil / sagte Ladisla / mich diese Nacht eines endlichen Schlusses mit meinem Herkules vergleichen /und vor dißmahl diese Beredung abbrechen / weil ich euren Bruder sehe zu uns treten. Eben dieser / sagte sie / kan in unserm Vorhaben uns sehr behülflich seyn / dessen wir uns bedienen werden.

Nun hatte aber der junge Fabius dieser beyder Liebe sich von Frl. Ursulen vertraulich berichten lassen / dessen er selbst schon argwohn hatte / wahr ihm doch nicht ungenehm / weil er nichts höhers wünschete / als ihm einen solchen Schwager mit seiner Schwester zu machen. Er wolte aber in H. Ladisla Gemüht sich unvermerkt hinein schlingen / umb zu vernehmen / ob die äusserlichen Geberden ihm von Herzen gingen; daher er ihn solcher gestalt anredete: Mein Herr /ich spüre / daß meine geliebte Schwester in gebührlicher danckbarkeit sich gerne wolte finden lassen /wañs in ihrem vermögen wäre / wird sich aber ihrer schwacheit leicht erinnern / und deßwegen durch Bitte zu erhalten sich bemühen / daß [68] mein Herr in mangel der Taht / an ihrem guten Willen keinen Unwillen tragen wolle. Ladisla wahr wegen tieffer Liebsgedanken fast nicht bey jhm selber / antwortete demnach so ungereimet / daß das Fräulein sich dessen schämete /und ihrem Bruder hernach zur Antwort gab: Herzgeliebter Bruder / mein Vermögen ist freylich viel zu geringe / diesem Herren den wirdigen Dank darzulegen /insonderheit / weil der unsern keiner noch absehen kan / durch was Mittel man solches vornehmen solte. Zwar die Ritter unsers Landes sollẽ / wie ich mir sagen lassen / keiner adelichen Jungfer ein Geschenk /aus Freundes Herzen herrührend außschlagen / wie mir und meinen Schwestern heut begegnet ist / da wir mit zimlicher Anröhtung haben abzihen / und alles angebohtene auf künfftige Verheiratung wieder annehmen můssen. Ladisla wolte Fabius antwort nicht erwarten / sondern fing an; Ich würde auch das Buch der Unhöfligkeit gar durchblättert haben / wann einigem Fräulein ich meine Gutwilligkeit / in Annehmung eines Geschenkes / das als ein Warzeichen solcher Gunst könte gerechnet werden / entziehen würde; weil aber ein solches von meinem höchstwerten Fräulein mir nicht gebohten ist / sondern ich mir ganze Laden vol habe müssen vorschütten lassen / welches kein Zeichen / sondern eine überwage zunennen / hoffe ich gänzlich / es werde meiner Fråulein Beschuldigung weder meinen Freund Herkules noch mich treffen können. Es höre ich wol / sagte sie / es důrffte der mangel endlich auff mich fallen / als die ich ein Zeichen williger Dankbarkeit meinem Herrn zu bieten /muß bekennen / unterlassen habe. Wol dann / ich gestehe den Fehler / und müste mir leid seyn / daß ich ihn nicht stündlich verbesserte / weil in beyseyn meines liebẽ Bruders ich solches noch wol leistẽ kan. Nam hiemit einen köstlichen Ring / den sie in eine Haarlocke über der linken Achsel hangend / eingeflochten hatte / zog ihn heraus / und steckete ihm denselben an seinen Finger mit diesen Worten: Mein Herr / lasset / bitte ich / dieses das erste Zeichen der Willigkeit seyn / damit wegen geschehener kråfftigen Rettung meiner Ehren / ich demselben zeit meines Lebens verhafftet bleibe; ist es dann gleich schlecht /und viel zu geringe an diesem Finger getragen zu werden / wird der Wille deren / die es liefert / den Abgang der Wirdigkeit zu ersetzen / sich nimmer faul und müssig finden lassen. Ladisla gab durch einen freundlichẽ Handkuß seine Vergnügung zu verstehen / bedankete sich der erzeigeten Ehre / und daß er dieses empfangene umb das teureste Kleinot der Welt nicht vertauschen wolte; lieferte ihr darauff hinwieder umb einen viel köstlichern Ring / dessen Demant helle fünkelte / und baht sehr denselben als ein Zeichen aller Ergebenheit anzunehmen. Das Fräulein wegerte sich wegen ihres Bruders / ein wenig / nam ihn doch zu sich / und steckete ihn in ihren Busem / daß er von andern nicht möchte gesehen werden. Sie wolte auch eine Antwort dabey geben / sahe aber / daß ihr von ihrer Fr. Mutter gewinket ward / zeigete solches an / und wünschete ihrem Vertraueten eine gerusame Nacht / auch daß er des ersten Traums / der ihm zu Padua vorkommen wůrde / möchte unvergessen seyn. Also muste er / weil es hohe Zeit schlaffens wahr /von ihr scheiden / da er mit Herkules in ein Gemach zur Ruhe geführet ward.

Der Stathalter legte sich auch mit seinem Gemahl /und schlieff das Fråulein / ihrer steten Gewohnheit nach / im Rolbetlein zu ihren Fůssen. Der Vater gedachte / sie würde wegen der heutigen Unruhe schon fest eingeschlaffen seyn / ihn aber liessen die Gedanken wegen seiner neuen Gäste kein Auge zugehen. So wahr Fr. Pompeja auch unruhig / welches er merkend / zu ihr sagete: Nun möchte ich herzlich gerne wissen / was vor junge Herren [69] wir jetzo bey uns haben. R \mische sind sie nicht; Griechen auch nicht; und zeiget ihre weisse Farbe / daß das schwarze Afrika /oder daß gelbangelauffene Asia sie nicht gezeuget hat. Geringes Standes können sie nicht seyn / weil sie Römische von Adel vor ihre Diener haben bestellen dürffen. Ihre Sitten und Geberden neben der prächtigen Kleidung und hohen Rede / geben sie vor Fürst- und Königliche Herren an / und solte ich rahten / hielte ich sie vor Teutsche / oder derselben Grenz Nachbarn; wo sie nicht gar aus den Mitternächtigen Reichen /Dännemark oder Schweden kommen. Aber diese Völker übern hauffen sind von art grob und unsittig / wie wol ich etliche Teutschen zu Rom gesehẽ / die von ihrer Jugend an / in Höffligkeiten unterwiesen wahren / welche sie dergestalt begriffen hatten / daß sie den trefflichsten Hofeleuten nichts bevor gaben. Es sey aber wie ihm wolle / so werde ich doch nicht ruhen /biß ich ihrer bessere Kundschafft habe / die unserer Töchter Ehr und Leben zu retten / sich so ritterlich gewaget / und daß äusserste dran gewendet / welches kein ander hätte dürffen gedenken. Fr. Pompeja antwortete: Wann mein liebster Herr hierzu so grosse Begierde träget / können wir in der Nachfrage niemand besser / als unsere Tochter gebrauchen / und treuget mich mein Sinn nicht / sind H. Ladisla und sie eins dem andern nicht ungewogen. Eben dieses / sagte er / hält mich schlaffloß / und kan ich mich ůber des Medchens Kůhnheit nicht gnug verwundern / welche mit ihm nicht anders umbgehet / als währe sie mit ihm aufferzogen / oder wol gar versprochen. Ich habe an ihr Beyspiels gnug / daß die eingepflanzete Regung über die Lehr gehet / massen ich weis / daß sie bißdaher mit Mannesbildern nicht umgangen ist. O hohe Zeit hohe Zeit / daß mit der geschlossenen Heyraht ehist verfahren werde / es dürfften sonst diese beyden wol gar einen neuen Kauff machen; jedoch hätte ich sie nicht schon einem andern versprochen / und dieser sie in Ehren meynete / wie ich fast nicht zweiffele /wüste ich sie ihm nicht zu versagen / im falle ers alsdann an mich begehrete / weil sie ihm doch Ehr und Leben zu danken hat; wovon aber nunmehr nicht zu sagen ist. Geliebter Herr / antwortete sie / ihr wisset /wie hart mir euer Vornehmen zuwieder gewesen / absonderlich / das unser Kind biß auff diese Stunde nichts darumb wissen müssen / und gläube ich nimmermehr / daß sie diese Heyraht mit gutem willen bestätigen werde; Solte sie dann in gezwungener Ehe leben / währe mir leid / dürffte auch nichts gutes daraus erfolgen / weil ihre angebohrne Großmühtigkeit mir viel zu wol bekant ist. Schweiget / sagte er mit sonderlichem Eyfer; sie muß ihren Vater nicht schänden / oder dessen Maul zur Tasche machen; viellieber wolte ich / sie währe schon tod. Es liegt mir aber allermeist im Sinne / daß ich mit Fulvius Abrede genommen / auf morgen diese Heyraht zu volzihen / und zweifele nicht / er werde sich zeitig gnug einstellen; weiß aber nicht / wie ichs best anschlage / daß ich ihm unsere Tochter ohn der Fremden Vorwissen zuführe und beylege; Ehrenhalben muß ich sie dazu bitten / wo ich nicht die Gesetze der gebührlichen Dankbarkeit brechen wil. Ach mein Herr / antwortete sie: solte Fulvius sich morgen einstellen / fürchte ich sehr / es werde ohn Lermen nicht abgehen; dann wo sonst Herr Ladisla unser Kind von Herzen meynet / wird er sich ihrer in diesem falle mehr / als heut im Walde /annehmen / und sein Leben nicht sparen / umb zu besitzen / was er mit Ritterlicher Fast erworben hat. Wir wollen ein bessers hoffen / sagte er / und müsset ihr mit unser Tochter reden / etliche Zeichen einzuzihen /umb dasselbe / was wir fůrchten / eigentlich [70] zu erkennen / als dann werde ich meine Sachen darnach anzustellen haben / damit ich bey Ehren meiner Zusage bleibe / und alles Unheil vermieden werde; gaben hiemit ihrem Gespräch die Endschafft / und nahmen die Ruhe ein. Frl. Sophia hörete alles an / und nam es vor eine sonderliche Schickung der Götter auff / dann sie hätte ihr nimmermehr einbilden können / daß ihr Unglük so nahe vor der Tühr hielte; doch ließ sie sich nichts merken / lag und dachte fleissig nach / wessen sie gegen ihre Fr. Mutter sich erklären wolte / wofern sie der Abrede nachkommen würde / und als sie ihres Schlusses gewiß wahr / schlieff sie frölich ein. Kurz vor der Sonnen Auffgang kam ihr im Schlaffe vor /wie ein schåndlicher Bähre sie anfiele und zureissen wolte; worůber sie in solche Angst geriet / dz sie im Schlaffe überlaut schrihe: O Herr Ladisla / errettet die eure von dem grausamen Bähren / und verlasset mich nicht in dieser äussersten Noht. Ihr Vater wahr gleich erwachet / hörete ihr Geschrey / und störete sie doch nicht / biß sie über eine kurze weile sagete: Ey Gott lob / mein Schaz / daß der Bähre tod / und ihr unbeschädiget seyd; da rieff er sie mit Nahmen / und was sie im Schlaffe zu plaudern hätte. Sie aber fuhr auf /und dankete sehr / daß er sie durch Auffweckung aus der Angst eines bösen Traums gerissen hätte / und hielte sie davor / es fiele ihr der gestrige Schrecken im Schlaffe wieder ein; wie wol ihr Vater an der rechten Deutung nicht umb ein Haar fehlete.

Als Ladisla des Morgens erwachte / fragte er seinen Herkules / wie er geruhet / uñ sich wegen seiner Wunde befünde; der ihm anzeigete / es währe zimlich schlecht bestellet / fühlete nicht geringe Schmerzen /und befahrete sich eines Fiebers / daß er diesen und etliche Tage wol des Bettes würde hüten müssen. Ladisla hatte ihm des Abends alles angezeiget / wie er sich in das Fräulein verliebet / und auff sein hefftiges anhalten ihre Einwilligung zur künfftigen Ehe erhalten / jedoch mit dem Bedinge / daß sie seines Standes und Wesens zuvor wolte berichtet seyn / hätte ihm doch ändlich angelobet / solches keinem Menschen ohn seinen außdrüklichen Befehl zu offenbahren. Welches ihm Herkules nach getahner Glükwunschung gerne Einwilligte / doch daß er von ihm nichts eigentliches melden / noch in ehelicher Ansuchung die Eltern vorbey gehen möchte. Dieser da er seines lieben Freundes Schwacheit vernommen / lies er den WundArzt alsbald hohlen / der aus Herkules Farbe ein schlimmes Zeichen nam / auch nach besichtigung des Schadens / ihm vorhielt; er hätte ohn zweiffel die gestrige Erinnerung aus der acht gelassen; machete nach Gewohnheit dieser Leute den Schaden sehr gefåhrlich; es währe leicht geschehen / daß eine Schnader anginge; die Halßwunden währen ohn daß nicht zuverachten / und könte mannicher durch eine geringe vers / hrung an diesem Orte umb seine Gesundheit / ja umb Leib und Leben kommen. Ladisla geriet hieduch in grössere Angst als er selbst / und taht den Vorschlag / er wolte einen erfahrnen hochgelarten Meister der Arzney herhohlen lassen / damit ja nichts verabseumet würde. Aber dieser / sich befürchtend / sein wort würde mehr vor einen andern als vor sich selbst gesprochen seyn / wolte ungerne darein willigen /wante vor / diese hochgelarten Leute währen den Wundärzten gemeiniglich in der Heilung zuwider /braucheten kostbahre sachen / die wenig nützeten /und nähmen ihm der Mühe Belohnung vor de Maule hinweg. Worauff Ladisla ihm zur Antwort gab: Er hätte sich darumb nichts zu bekůmmern / und solte nur alsbald sagen was er vor seine [71] mühe und arztung haben wolte; gab ihm auch XXV Kronen / da er X foderte / und wolte seinen Vorschlag ins Werk richten; Aber der Stathalter / der Herkules Schwacheit schon erfahren hatte / kam gleich darzu / zeigete seyn Mitleyden an / uñ eriñerte den Wund-Arzt / alles sein Vermögen anzuwenden; gab ihm auch alsbald eine Handvoll Kronen / deren er hoch erfreuet ward / alsbald bessern Trost gab / und selber riet / daß ein Gelehrter der Arzney herzugeholet würde; welcher da er kam / und die Wunde besahe / sagte er: Mein Herr /nach getahner Arbeit sol man ruhen / und nach empfangener Wunde sich stille und mässig halten; welches aber / wie ich merke / von meinem Herren inetwas übergangen ist; doch sol ihm ob Gott wil / noch nichts tödliches gedräuet werden / nur daß er sich etliche Tage einhalte / als dann wird dem ůbel durch Mittel schon zurahten seyn. Lies ihm hierauff die Ader springen / uñ verordnete etliche Arzneyen / die teils innerlich / teils von aussen umb den Hals und Achseln musten geschlagen werden / damit den Zufällen den Weg zu der Wunde verlegt würde. Inzwischen lag Fr. Pompeja / und sinnete nach / wie sie der Tochter hinter die Künste kommen möchte: und als sie dieselbe merkete wache seyn / fragete sie / ob sie auff den gestrigen Schrecken auch geschlaffen hätte; und bald hernach; wie nahe die Gefahr ihrer Kenscheit gewesen währe. Worauff sie anfangs anzeigete / dz Gottes Gnade und dieser Helden Muht / insonderheit Herren Ladisla eyfferiger Beystand ihre Ehre / wie wol kůmmerlich / geschützet und errettet / und wolte sie ihrer Herzlieben Fr. Mutter alles erzählen / welches bey anderer Anwesenheit vorzubringen sie gestriges Tages scheuh getragen. So wåhre nun die Schande ihr am allernähesten gewesen / in dem sie nicht allein der Kleider / sondern auch ihres Hemdes beraubet / sich des allermuhtwilligsten Bubens / welcher sich sehr unverschämt erzeiget / nicht würde länger haben erwehren können / dafern der Himmel dieses Mittel ihrer Erlösung ihr nicht zugeschikt hätte. Die Mutter fragete weiter / ob dañ Herr Ladisla sie in solcher Gestalt angetroffen; welches zu sagen sie sich schämete /und doch gedachte / es würde dieses zu ihrem Vorhaben sehr ersprießlich seyn / ob gleich die Eltern sich ein mehres / als wahr / befahren würden; demnach deutete sie an / daß er freylich sie also gefunden / jedoch / als ihre Wasen schon davon gangen / sich zubekleiden / hätte sie anfangs daß gar zurissene Hemde geholet / und er hernach ihr die Kleider gebracht /welche er ihr auch helffen anlege / dessen sie sich zwar überaus sehr geschämet / und ihm doch solches nicht verwehren können / insonderheit / weil sie ihre blösse bey der Bekleidung noch håtte am meisten sehen lassen müssen; inzwischen hätte er gegen sie sehr verliebte Reden gefůhret / und ihr mit hochbewäglichen Worten seine Inbrunst zuerkennen gegeben / jedoch auff ihr flehliches bitten sich aller Ungebühr enthalten / und doch umb versprechung der Gegenliebe immerzu angesuchet; Welches er auch auff der Heimreise / da er sie vor sich auff dem Pferde geführet / so vielfältig / und mit Seuffzen wiederhohlet /daß sie nicht gewust was sie antworten sollen / auch nicht wüste / was sie geantwortet håtte. Die Mutter nam alles gefåhrlicher auff / als es an ihm selber wahr / und fragete weiter / ob sie dann guten Willen zu ihm hätte; worauff sie diese Antwort / wie wol mit grosser Schamhafftigkeit gab; Herzgeliebte Fr. Mutter / es hat dieser Held sein Leben vor meine Ehr und Leben gewaget und in die Schanze geschlagen / da er keine einige Guttaht von mir empfangen hatte / deßhalben ich ihm euer eigenen Bekäntnis nach / biß in den Tod verbunden bin / [72] werde mich auch nicht wegern / ihm alle ehrenbillige Dankbarkeit zuleisten / so viel an mir seyn wird; Zwar ich weiß sehr wol / was vor Gehorsam ich auch meinen lieben Eltern erzeigen muß / und wieder derselben Willen mich in keine Heyraht einlassen sol; aber dieses habe ich dem Himmel angelobet /daß dafern dieser mein Erretter durch deren Willen mir zum Ehgemahl nicht werden kan / ich unser Göttin Vesta mich zur ewigen Jungfrauschafft übergeben wil / weil ich schon wol weis / das meine liebe Eltern mich wieder meinẽ Willen zu keiner Heyraht zwingen werden. Ich weiß nicht / sagte die Mutter / was geschehen dörffte / aber daß weis ich wol / daß dein Vater dich schier außzusteuren Bedacht ist / so daß du wol schon einem gnugwirdigen Römischen Herren möchtest versprochen seyn. Schon versprochen? antwortete sie; daß währe sehr Ungnädig / daß solches hinter meinem Wissen und Willen geschehen währe /und möchte ich auff solchen Fall wünschen / daß die gestrigen Räuber mich erwürget håtten / so dürffte ich nicht selbst Mörder an mir werden. Daß währe wol ein schöner Gehorsam / sagte die Mutter / und eben der / welchen du bißher deinen Eltern so artig hast verheissen können / daß wann man den Töchterchen ihren Willen nicht lassen wil / sie mit der Vesten /oder wol gar mit dem Mordmesser dräuen dürffen. Diese Wort gingen dem Fräulein dergestalt durchs Herz / daß sie des Weinens sich nicht enthalten kunte; die Thränen brachen ihr durch die Augen wie kleine Bächlein / und sagete endlich zu ihrer Mutter: Fr. Mutter / ich bin euer Kind / daß gestehe und erkenne ich; aber ihr habt mich auch zur Dankbarkeit angewiesen / deß bin ich eingedenke gewesen / welches ich nicht leugnen kan; zugeschweigen / daß ich davor gehalten habe / es währe besser / mich ehelich an einen wirdigen zu versprechen / als Gewaltsamkeit zuerwarten / wovor anfangs ich mich nicht wenig fürchtete / weil ichs ja alles außbeichten mußhättet ihr mich aber versagen wollen / wåhre nicht unbillig mir solches angedeutet / damit ich wissen mögen / was ich tuhn oder lassen sollen. Nun aber habe ich meinem Erretter auf sein inbrünstiges anhalten mich schon ergeben; solches wil ich auch halten / wanns mit meiner lieben Eltern Willen geschehen kan / oder aber mich sterbens nicht wegern; und wisset ihr / Herzen Fr. Mutter / keinen bessern Trost vor mich / als den jezt gesprochenen / alsdann sollet ihr mit der Götter hülffe nit XXIV Stunden an mir eine ungehorsame Tochter haben / als welche euch in diesem fall allen Gehorsam auffzukündigen gezwungen ist / doch nicht aus Widerspenstigkeit / welches mein unschuldiges Blut vor die Götter kommen lassen sol / sondern weil ihrs durch euer stillschweigen und hinterrükliches versprechẽ also verursachet habet. Ihre Mutter entsetzete sich zum höchsten über dieser Erklärung / erinnerte sich auch / daß mit ihrer Heyraht es nicht viel anders ergangen wahr / da sie wider ihren Willen einen alten Römischen Herren durch Zwang ihrer Eltern nehmen solte / und mit Quintus Fabius heimlich davon zog; Hieß demnach die Tochter gutes muhts seyn / mit angehängtem Troste / Gott könte es noch zum besten schicken: Es wåhre aber gleichwol eine grosse Unvorsichtigkeit von ihr / daß sie sich einem zum Gemahl versprechẽ dürffen / den sie nicht kennete / viel weniger wüste / ob er Standes halben ihrer auch wirdig währe; da sie dann ihres Vaters Einwilligung nimmermehr erlangen würde / wann er nicht ådel gnug wåhre. Aedel gnug? fragte das Fråulein; kommen wir biß an diese Frage / hätte ich zu wünschen / daß ich ihm nur ädel gnug seyn möchte; dann ob ich gleich nicht [73] eigen weiß / wer er ist / möget ihr euch doch wol versichern / daß weder König noch Käyser ihm Standes halben ein Fråulein zum Gemahl versagen würde; dann ich halte davor / er erkenne keinen Oberherrn / als den Hi el und das Schwert. Behüte Gott mein Kind /sagte die Mutter / was redestu da? auff diese weise dürffte er wol gar ein Feind des Römischen Reichs seyn. Ja warumb dann / antwortete sie / was würde er dann in Italien umher zihen / mit seinem Freunde Herkules? der ohn zweifel mit ihm gleiches Standes seyn muß. Doch lasset jhn feind seyn; könte er nicht durch meine Heyraht zum Freunde und Bundsgenossen gedeyen? welches auff solchen fall ich wol vorher zusagen dürffte. Nun ich merke wol / sagte die Mutter /daß du dich schon zu tieff mit diesem fremden Herrn eingelassen hast / und kan ich nicht absehen / wie dein Vater hiemit wird einstimmen können; dann ich melde dir in höchstem Vertrauen / daß vielleicht heut diesen Tag noch wol ein Römischer Herr / nahmens Fulvius / nicht weiß ich / ob du je von ihm gehöret hast / uns zu besuchen kommen wird / dem dein Vater deiner Heiraht halben mag etwas Hoffnung gemacht haben; Laß dich aber gegen niemand merken / daß du wissenschafft hierumb tragest / sondern stelle dich /wann er komt / ernstlich / doch nicht störrisch gegen ihn; zu H. Ladisla aber halte dich freundlicher / ob vielleicht sein Gemüht hiedurch von dir könte abgezogen werden. O des elenden Fulvius / antwortete sie; solte ich dem Sudeler / dem Unflaht zu gute von meinen lieben Eltern so sorgfältig aufferzogen / und von meinen Errettern aus Räubers Händen loßgerissen seyn? viellieber wolte ich mich diese Stunde dem Mörderischen Schwerte dieser Räuber darstellen /wann sie noch lebeten. Ja Fr. Mutter / ich ruffe dessen alle Götter zu Zeugen / daß ich meines Herzen ernstliche Meynung sage. Und wie kömt doch mein lieber hochweiser H. Vater auff diesen Unsin? fürchtet er /ich werde keinen Freyer bekommen können? oder meynet er / ich sey schon veraltet? Ich bin zugeringe /von meines H. Vaters Händeln zu urteilen; aber solte dieses unter die Leute kommen / zweifele ich nicht /es würde seinem herrlichen Ansehen keinen geringen Stoß geben; massen von diesem vergeizigten Fulvius ich zwar viel / aber durchaus nichts rühmliches gehöret habe; Versichere demnach ich meine Fr. Mutter /dafern dieser Unhold etwas tähtliches anfahen / oder steiff auff meine Heyraht bestehen würde / dürffte es ihm von H. Ladisla schwerlich zu gute gehalten werden. Ich bedanke mich aber der mütterlichen Warnung und geträuen Rahts von Herzen / uñ wil schon wissen / den vermeynten Buhler also zu empfahen / daß er zwar mit fuge über mich nicht klagen / aber gleichwol auch meine Freundligkeit zu rühmen / wenig ursach haben sol. Der Stathalter kam gleich in die Kammer getreten / er mahnete sie auffzustehen / und die Kleider ohn sonderliche Zier anzulegen / weil Herr Herkules an der empfangenen Wunde sich zimlich schwach befünde; über das hätte er Zeitung / daß der vortrefliche Römische Ritter Herr Fulvius ihn zu besuchen kommen währe / welcher von dir / sagte er zu der Tochter / in Betrachtung seiner hohen Wirdigkeit /auffs beste sol gewilkommet / und als mir selbst /Ehre erzeiget werden. Ja billich empfahe ich jhn ehrerbietig / Herzen Herr Vater / sagte sie; aber meinen lieben Eltern ihn gleich zu rechnẽ / wüste ich keine ursach / als bloß euren guten Willen / weil ich niemand als meinen lieben Eltern kindlichen Gehorsam schuldig bin / es währen dann meine allernäheste Anverwantẽ. Der Vater gab hierauff keine Antwort / ging hinauß / und hieß sein Gemahl ihm folgen / [74] welche ihm alles erzählete / in was gestalt H. Ladisla ihr Kind angetroffen / eheliche Zusage begehret / und vielleicht hefftige Liebesbrunst sehen lassen / so daß das Fräulein in Betrachtung der empfangenen Woltaht / biß auff der Eltern Einwilligung / die Zusage ohn zweifel möchte geleistet haben / welches sie vermuhtlich nicht getahn hätte / da sie ihres Vaters Vorhaben hätte wissen sollen; über das zweifelte sie fast nicht /es währe ihr dieses Herrn Stand wissend / hätte aber aus jhr nichts weiters locken köñen / als dz er ein grosser mächtiger Herr / sein selbst / und keinem Oberherrn verpflichtet währe. Dieser Rede ward er überauß bestůrzet / stund ein wenig in gedanken / und sagte nachgehends; So ist er gleichwol zu Padua kein solcher / sondern zu gehorsamen schuldig / und währen seine gar zu hohe woltahten nicht / müste das ůbrige alles mir wenig Hinderung schaffen; aber in Betrachtung derselben / muß ich säuberlich fahren /und schier gestehen / daß ich sie ihm zu ehren schuldig währe / wanns noch in meiner Gewalt stünde; ich hoffe aber / wann er vernimt / dz sie von mir schon einem andern versprochen sey / werde er sich die Tugend lassen meistern / uñ ein fremdes Gut nicht begehren. Ja lieber Herr / antwortete sie / wann unsere Tochter sich ihm vor fremde / oder einem andern vor versprochen hielte / und nicht vielmehr sich diesem ergeben hätte / wie ich nicht ohn ursach fürchte / daß wol schon ein festeres Band sie wirklich verknüpffet /welches weder Eltern noch Gesetze aufflösen können. Bedencket mein Herr / bitte ich / er hat sie an ihren Ehren vor den abscheuhlichen Räubern geschützet /die so heßlicher gestalt wahren / daß kein Weibsbilde sie ansehen / geschweige ehelichen / oder sonst dessen etwas mit ihnen pflegen k \nnen; ja er hat sie von gegenwärtigem Tode erlöset / welches auch den aller und dankbarsten Menschen zur Gutwilligkeit bewägen solte. So hat er sie nacket angetroffen / ist eine gute Zeit mit ihr allein gewesen / seine Liebe bey frischer Gedächtniß seiner Dienste ihr vorgetragen / und ihr ganz erschrockenes Herz so zu reden / in seinen Hånden gehabt; Ob seine Gestalt / Sitten und Reden ein Fräulein in solchem Zustande einnehmen / und zu seinem Willen bringen können / lasse ich euch selbst urteilen; ja ob ein Mannesbilde sich bey solcher Gelegenheit zu enthalten / mächtig gnug sey. Ich meines teils halte davor / wåhre sie von ihm noch unberühret / würde sie vor Scham kein Auge vor ihm auffschlagen důrffen. Aber ich fürchte sehr / das heimliche Gespräch / welches sie gestern mit einander hielten /rühre auß viel vertraulicher Kundschafft her. Diesem allen nach wolle mein liebster Herr die Nohtwendigkeit dem Willen vorziehen / und in dieser hochbedenklichen Sache sich nicht überschnellen / gestaltsam ich ihre Erklärung nicht ohn entsetzen angehöret / daß entweder sie ihre Zusage diesem Herrn halten; oder da wirs nicht nachgeben können / durch Verlöbniß an eure Göttin Vesten / oder ja durch einen denkwirdigen Tod sich von eines andern Heiraht loßwirken wolle; auff welche Begebniß ich vor Herzleid in die Erde sinken müste; und wer weiß / wessen H. Ladisla sich hierinnen verhalten werde? Meynet ihr /mein Schaz / daß weil er lebet / er dieses einem an dern gönnen könne / was er schon im Besiz zu haben vermeynet / oder wol gar hat? Liebet er Schönheit / so kan er mit der ihren wol vergnüget seyn; sucht er Freundligkeit / die erzeiget sie ihm häuffiger / als ich mir von jhr einbilden mögen; trachtet er nach Stand und Adel / so wird er bey allen Römern nicht höher kommen; vielleicht mag ihr Verstand ihn auch nicht wenig erfreuen. Welches alles / wann ichs zusammen fasse / gibt mirs diesen traurigen gedanken [75] auch wider meinen Willen an die Hand; Er / oder Fulvius werde dieser Heyraht wegen das Leben einbüssen / wo nicht unsere Tochter mit ihm / welches ja der barmherzige Gott allergnädigst abwende / und mich lieber aus diesem Leben abfodere. Diese ihre Rede beschloß sie mit häuffigen Trähnen / und weil sie ihren Gemahl sehr verwirret sahe / erwartete sie mit verlangen seiner Antwort / die er solcher gestalt vorbrachte: Frau /unser Töchterchen hätte nie keinen bessern Vorsprach als euch / bekommen mögen / zu deren Befriedigung zur Lüsternheit jhr fast lieber / als zur Erhaltung meines Ansehens und Glaubens dürfftet geflissen seyn; aber die Götter werdens schon nach ihrer Versehung schicken / wobey ich nicht unterlassen werde / meinen Wiz zu gebrauchen. Eins gebiete ich euch vor alles /daß ihr euch nicht unterstehet / mit ihr an einem Luder zu zihen / ich würde sonst zur Erhaltung meiner Ehren etwas tuhn / das mir gar nicht lieb wåhre.

Das Fräulein hatte sich inzwischen von dem SchlaffGemache hinweg begeben / uñ wehrete ihr die Zeit eben lange / ehe sie ihren Ladisla sahe / welcher ebenmässig sich bemühete zu jhr zu kommen; fügete sich auch von ungefehr / daß sie sich einander auff dem Gange oben unter dem Dache begegneten / da das Fräulein zur Tühr hinauß / und er hinein treten wolte; Weil er nun in tieffen Gedancken ging / und nirgend auff acht hatte / stieß er sich an ihren Leib /ehe er sie sahe. Wie nun mein Herr / sagte sie darauf; gehet man in so verwickelten Gedanken? wůnschete ihm hiemit einen guten Morgen / und fragete / wie er nach gestriger schwerer Arbeit geruchet håtte. Er aber schämete sich des Fehlers / hielt demütig umb Verzeihung an / mit angehängter Bitte / sie wolte doch sein LiebesLeiden beobachten / und die hochgewünschete Hülffe ihm nicht versagen / nachdem sie in der Taht spürete / daß er seiner Sinnen nicht mehr mächtig /und vor Liebe blind währe. Dieses brachte er mit so traurigen Geberden vor / daß sie ihren Trost ihm nicht versagen wolte / und ihm zur Antwort gab: Mein herzgeliebter Herr und Vertrauter; warum solte ich ihm einige gebührliche Hülffe versagen / da er deren benöhtiget währe / und solche von meiner Wenigkeit herrühren könte? angesehen er mir viel eine grössere wiederfahren lassen / als zu vergelten mir nicht möglich seyn wird. Nicht wolle er / bitte ich / ein solches Mißtrauen in mich setzen / sondern nachdem ich ihm Herz und Willen übergeben / hat er alles mein Vermögen in seiner Gewalt / und zu seiner Vergnügung /so weit eine Braut ihrem Verlobeten schuldig ist oder seyn kan / so gar / daß an meinem ergebenen Gehorsam er nicht ohn Sünde zweifeln würde. Solte aber mein höchstwerter Schaz / wie ich nicht hoffen wil /dasselbe schon an mich begehren wollen / was jungfråuliche Zucht verletzen könte / alsdañ bitte ich von grund meiner ihm untergebener Seele / er wolle seiner hohen Vernunfft die Meisterschafft über die Liebesreizungen und Begierden gönnen / und nicht ursach geben / daß man schier heut oder morgen anders als keusche Zucht von uns sagen solte. Ich bin die Eure /und sonst keines andern / es gehe mir drüber wie es wolle; aber diß gelobe ich an diesem nüchtern morgen / daß in eheliche Volstreckung ich nicht gehehlen wil / biß entweder er meiner lieben Eltern Willen erlanget / oder mich in seiner Gewarsam ausser meines Vaters Wohnung hat. Verspricht nun mein Herr / hierin einzuwilligen / und diesem zuwider mich auf nichts zu nöhtigen / so wil alsbald mit ihm ich mich an einen geheimen ort verfügen / in vertrauen zu berichten /was ich diese Nacht wunderbahrer weise erfahren /und zu Fortsetzung unsers Vorhabens ihm nicht länger verschweigen kan. Ladisla erkennete hieraus ihr ehrliebendes [76] keusches Herz / gab der Vernunfft Raum / und verhieß ihr begehren ohn arge List einzugehen; dessen sie sehr erfrewet ward / weil sie vor Liebesgewalt sich befürchete; ging mit ihm auff ein abgelegenes Gemach / und begehrete vorerst / jhr die eheliche Träue zu schwörẽ / welches er willig leistete / und mit abermahliger übergabe eines sehr köstlichen Ringes bekråfftigte. Darauff taht sie ein solches hinwiederum / mit versprechen / ehe den Tod zu wählen / als einen andern Bråutigam anzunehmen. Erzählete hernach alles / was ihre Eltern mit einander auff dem Bette /und hernach die Mutter mit ihr absonderlich geredet /auch wessen sie sich erkläret hätte. Aber / sagte sie /mein vermeynter Schaz Fulvius hat sich schon eingestellet / die Eheverlöbniß / oder wol gar das Beylager zu volzihen / welches ich aber mit dieser Hand abzuwenden entschlossen bin / ich treffe dañ sein oder mein eigen Herz mit dem kalten Eisen; jedoch vor Wagniß des äussersten / müssen wir der Vernunfft gebrauchen / und werde ich anfangs meine schlechte Liebe zu ihm / und die lebhafftere zu euch / jhm durch Geberden und Worten zuerkennen geben / ob die hoffnung ihm dadurch könte abgeschnitten werden; würde er sich aber dessen über mich beschweren dürffen / wil ich eine solche Erklärung fassẽ / welche weder mir selbst unehrlich / noch ihm behäglich seyn sol; nur eins tuht mir leid / daß mein Herr Vater / dem ansehen nach / schon zimlich weit mit ihm muß ein gestiegen seyn / und ich daher gezwungen werde / in diesem stük mich seinem gehorsam zu entbrechen /welches ohn sonderliche beleidigung zu tuhn / ich noch gute hofnung habe; zum wenigsten muß sein angelegtes Beylager noch auf etliche Wochen verschoben werdẽ / da wir dann inzwischen unser bestes in acht zu nehmen unvergessen seyn wollen. Ladisla erschrak der Zeitung von herzen / und fürchtete nichts so sehr / als von der eile überfallen zu werden: dem übrigen meynete er sonst wol vorzukommen; nur baht er / sie möchte ihm nichts verschweigen / wie gefährlich es gleich wåhre / damit man beyzeiten vorbauen könte.

Unter diesem ihrem Gespräch lies der Vater die Tochter suchen / da die Magd berichtete / sie hätte vor kurzem sie mit H. Ladisla auff dem Obergange sehen sprache halten / und mit einander weg gehen; dessen er sich nicht wenig bekümmerte / und nicht anders meinete / als das ihr Band feste gnug zu knüpffen sie unvergessen seyn würden; wuste doch den sachen nicht zu rahten / weil ers in seiner Heyraht nicht viel anders getrieben hatte. Sein schlimmestes wahr / daß er seiner Anverwanten Raht nicht ersuchen durffte /weil er wieder deren Willen sich mit Fulvius so weit eingelassen hatte / und zwar auff dessen Vaters Bruder Getrieb / der sein guter Freund wahr / und ihm diesen Unwirdigẽ so hoch gerühmet. Uber daß kunte ers Ladisla nicht vor übel halten / als dessen Liebe auff der Träue gegründet seyn / er nicht zweiffelte. Nur gingen alle seine Gedanken dahin / wie er entweder diesem durch vernůnfftige Ursachen die Liebe benehmen / oder des Fulvius loß werden möchte; und weil dieses ihm unmöglich dauchte / angesehen er völlige Zusage getahn / sinnete er jenem desto fleissiger nach / wozu er sehr dienlich erachtete / wann er zuvor seiner Tochter Willen brechen / oder sie auffs wenigste Zaghafft machen würde. Diese nun fürchtete sich / ihre Abwesenheit möchte ihr ungleich außgelegt werden / daher sie nach kurzer Ergezligkeit ihrer zůchtigen Liebe Herren Ladisla bey der Hand nam /vom Gemache führete / und sehr baht / ein gutes Herz zuhaben / weil sie nicht glåuben könte / daß sie ohn gefehr / und nicht vielmehr durch der Götter schickung an einander gerahlen währen / da er sie ihm erwerben müssen / ehe Er sie jemahls gesehen håtte; sie erkennete solches billig / der [77] Hoffnung gelebend / ob sichs gleich im Anfange etwas stossen würde / solte doch der Außgang glüklich und gewünschet seyn. Ladisla umbfing sie lieblich / und wahr ihm schwer /schon abzuscheiden; daß übrige schlug er von der Hand / vorgebend / es könten Ritter wol hundert Gelegenheiten finden / sich an einander zu reiben / sähe auch vor Augen / daß er Fulvius würde durch einen Kampff abtreiben müssen; auff welchen Fall er sich der Götter hülffe / und seiner guten Sache tröstete /weil er wüste / daß sie keinem andern als ihm allein /eheliche Träue verheissen / und in ihres Vaters Versprechen nicht allein nicht eingewilliget / sondern auch davon daß allergeringste nicht gewust hätte. Dessen ruffe ich die Götter zu zeugen / antwortete sie / daß mein Herz noch keinem Menschen als euch mein Schaz ist ergeben gewesen / und ich vor dieser meiner Liebe Anfang / von meines H. Vaters Vorhaben nicht daß allergeringste gewust / wie wol ich nimmermehr in solche Ehe würde gehehlet haben. Es müste mir aber schmerzlich leid seyn / wann ihr meinet wegen euch noch weiter in Gefahr setzen soltet /und ich doch selbst ein solches befürchte; verspreche aber hiemit / daß wann der Unfall / welches der Himmel abwende / euch ja treffen solte / ich als dañ keine Stunde euch überleben wil / damit unsere Seelen im Tode ungetrennet bleiben mögen / wann das herbe Glük uns dieses lebens Vergnügung nicht gönnen wolte. Er baht höchlich / sie möchte dergleichen unlustige Gedanken nicht fassen; ihm währen Fulvius gleichen wol ehe auffgestossen / denen der Himmel keinen Sieg über ihn verhänget hätte; hoffete auch diesen / wann er ihn vor der Faust håtte / redlich zu bestehen / daß er seiner unbilligen Liebe drüber vergessen / und sie nach diesem schon unverunruhet lassen solte; machte sich auff geno enen Abscheid nach Herkules / und ging sie zwischen Furcht uñ Hoffnung nach ihrer Fr. Mutter Gemache / woselbst ihr Vater gleich ankommen wahr / mit ihr zureden / wessen er sich gegen Fulvius erklären wolte / der ihm schon hatte lassen anmelden / dafern es ihm nicht zu wieder / währe er bereit ihm auffzuwarten / und daß bewuste schleunigst zuvolziehen / weil in Käyserl. hochwichtigen Geschäfften (welches doch errichtet) er stündlich auffbrechen / und eine ansehnliche Gesandschafft über sich nehmen müste; hätte aber das Beylager zuvor halten / und das Hochzeitfest zugleich bestimmen wollen / welches auff seine wiederkunfft alsbald solte gefeiret / und dabey ein Freystechen angestellet werden. Als nun der Stathalter seine Tochter sahe ins Gemach treten / empfing er sie mit diesen worten: Ich bin Herzlich erfreuet / daß du gestern vor Unehr beschützet bist; es verhüten aber die Götter / daß durch deine Rettung ich nicht höher / als durch die Entführung betrübet werde. Das Fräulein stellete sich geherzt und antwortete: Sie könte nicht absehen / was ihr H. Vater sich ihretwegen zubefahren hätte / nachdem sie ihm in seine Gewarsam wieder gelieffert währe; so währen ihre Erretter so auffrichtige redliche Ritter und Herren / hielten auch ihren H. Vater in solcher Ehr und Wirde / daß er ihretwegen keine Sorge noch widrige Gedanken haben dürffte; solten aber die Götter ein Unglük / das ihr H. Vater zuvor sähe / beschlossen haben / möchten dieselben alles über sie allein außschüttẽ / und ihrer herzlieben Eltern / auch wanns möglich währe / jhrer gütigen Erretter schonen. Ihr Vater befand sich mit der aller schweresten Traurigkeit beladen / aber sein Gemahl tröstete ihn mit diesen Worten: Mein herzgeliebter Herr / was hermet ihr euch so? unsere Tochter ist Gott Lob / so verständig / daß sie wol erkennen wird / wie sie euch zu allem Gehorsam [78] verbunden sey; und nachdem es hohe Zeit ist / ihr das bißher verschwiegene zu offenbahren / sol mans länger nicht hinterhalten. Ja / mein liebes Kind / sagte er hierauff zu dem Fråulein; du weist /mit was grosser Vorsorge wir dich erzogen / unter der hoffnung / schier Freude an dir zu erleben; können dir auch kein ander zeugniß geben / als daß du bißher uns in allem bist gehorsam gewesen / wie einem frommen Kinde wol anstehet; Nun bistu zu den Jahren kommen / daß uns Zeit deucht / dir ein Gemahl zu ersehen / der am Stande / Tugend und Gütern dir gleich sey; haben auch denselben nach unserm wunsch angetroffen / und zweifeln nicht / du werdest auch in diesem Stük / welches der rechte Beweißtuhm deines Gehorsams seyn wird / uns gerne und willig folgen / und denselben vor deinen liebsten Bräutigam und künfftigen Gemahl mit Herzenslust annehmen / welchen wir mit reiffem Raht und wolbedachter Vorsichtigkeit uns zum Sohn und Tochtermann erkohren haben / der dich auch nach deinem Stande gebührlich wird zu halten / lieben und ehrẽ wissen. Das Fräulein antwortete hierauff: Gnädige herzallerliebste Eltern; ihre bißher getragene herzliche Vorsorge vor mich / wird kein Mensch / vielweniger / die ichs genossen / in zweifel zihen; aber zu höchst erfreuet mich / daß mein Gehorsam so beschaffen ist / das er gültig und gnugsam erkennet wird /welchen dañ Zeit meines Lebens fortzusetzen / ich so willig als schuldig bin; daß aber mein Herr Vater mir so gar unvermuhtlich eine Heyraht vorträget / weis in ansehung meiner einfältigen Jugend / ich so schleunig nicht zubeantworten; bitte demnach / mein H. Vater wolle mir den Freyer nennen / und mir Bedenkzeit geben / mich wol und gnugsam zubesinnen; an welcher Vergünstigung / ich umb so viel weniger zweiffeln darff / weil ich schon weiß / daß meine liebe Eltern mich weder verkäuffen noch verschenken / noch wider meinen Willen verheyrathen werden / und ich billig mit Wissenschafft darumb haben muß / in Betrachtung dieses / den einigen Tod außgenommen /meine wichtigste und schwereste Verenderung seyn wird / da ich meinen herzallerliebsten Eltern mich entzihen / und mich einem andern untergeben sol. Ihr Vater merkete wol / daß sie auff diese Antwort fleissig bedacht gewesen wahr / und auff solche weise ihr nicht würde beyzukommen seyn; deßwegen er ihr aus einem stärkern Fasse einschenken wolte / und sie also anfuhr: Ich wil nicht hoffen / daß du vorsichtiger und klüger seyn will / als ich; oder gedenkestu / ich werde ohn Raht und Bedenken in so wichtiger Sache verfahren / und deines rahtens bedürffen? O nein? wie undüchtig du hiezu bist / so wenig werde ich dir einräumen. Du woltest aber vielleicht den Bråutigam gerne eine Zeit zuvor genennet habẽ / daß du ihn hernähst mit deines gleichen außmustern könnest / ob er dir zu schwarz / oder zu weiß / zu lang oder zu kurz / zu feist oder zu mager / zu alt oder zu jung sey / worzu etliche deiner Gespielen sich weidlich solten gebrauchen lassen / und dürffte dergestalt noch erst gebohrẽ / oder wol gar gemahlet werden müssen / der dir und jederman gefallen solte; Deßwegen antworte mir ohn Bedingung / ob du meiner väterlichen Vorsorge / und bey andern Leuten gnug geltendem Witze dich ergeben / und meinem Willen folge leisten wollest. Mein Herr und Vater / antwortete sie / ich gehorsame in aller Mögligkeit so lange ich lebe / und ohn Bedingung; aber mich einem allerdinge unbekanten und ungenanten zu versprechẽ / davor erwähle ich den Tod / weil ich in der Furcht stehe / mein Gemüht könne sich mit demselben nicht vereinigen; oder auch wol / daß vielleicht derselbe ein Ehrenkränkliches Gebrechen [79] an sich hätte / daß meinen lieben Eltern verborgen wåhre. Wolle demnach mein H. Vater / zu bezeugung väterlicher Hulde / mir den Bråutigam gnådig nennen; nicht daß ich ihn von allenthalben zu überlegen / uñ mit andern durch die Hechel zuzihen willens bin / sondern / damit ich meiner Freyheit die mir Gott und das Glük durch meine Eltern begönnet hat / mich gebrauchen möge; sonst währe heut der erste Tag / daß ich klagen müste / mein H. Vater handelte mit mir seiner einigen Tochter gar zustränge /wovor ich durch alle Götter Bitte. Fiel hiemit vor ihm nieder / küssete ihm die Hände / und netzete sie dergestalt mit Trähnen / daß sie tropffeten; welches auch mehr als einiges ander Mittel bey ihm wirkete / daß er zur Erkäntnis kam / und die Wichtigkeit ihrer Wegerung beobachtete. Gleichwol halte er noch Hoffnung /sie zugewinnen / hieß sie auffstehen / und sagete: Er könte nicht außsinnen / aus was Ursachen sie in dieses Mißtrauen gerahten währe: wolte nit destoweniger es in Bedacht zihen / und vor dißmahl sie nur des heutigen befehls erinnern / den vortrefflichen R \mischen Herren / H. Fulvius auffs ehrlichste zuempfahen. O ja mein herzlieber H. Vater ganz gerne / sagte sie / ungeachtet ich sein gar keine Kundschaft habe /auch niemahls zuhaben begehre / weil seine Ehre gar krank seyn sol / und ihm ein sehr schlechtes Loblied nachgesungen wird; welches mich doch nicht angehet / und ich einen andern gerne seyn lasse der er ist. Den Vater ward wegen dieser Rede schwinden / und fragete / ob sie närrisch währe: H. Fulvius gleichen lebete in ganz Rom nicht / und würde sie vielleicht durch Irtuhm wegen des Nahmens betrogen seyn. Den ich meyne / antwortete sie / sol Markus Aurelius Fulvius heissen / zwar ein reicher / aber filziger Mensch / von Jugend auf zu Lügen gewåhnet / großsprechern und unreines Mauls / der Unzucht ergebẽ / und daneben frech und verwågen; der durch viehische kråffte etliche Siege erstritten / weil ihn vernünftige Feinde noch nicht angegriffen; und ob er gleich von grossen Gütern / solle er doch seine Diener in der Kleidung den Schmiedeknechten gleich halten / weil er selbst kaum so viel Lust habe / renliche Kleider anzulegen. Nun wuste ihr Vater wol / daß nicht alles von ihr ertichtet wahr / wiewol das Gerüchte immerzu ein Ding grösser pflegt zumachen; wolte ihr aber durchaus nichts gestehen / dann sein Reichtuhm hatte ihn verblendet /und lebete der Hoffnung / ein Tugendsames Weib würde seinen Gebrechen wol abhelffen können; straffete sie demnach mit harten worten; wessen sie sich zeihen dürffte / einen Unschuldigen zulästern; das Gerücht währe falsch / und H. Fulvius aller Römer Zierde. Sie aber antwortete unerschrocken: meinetwegen bleibe er der er ist / wann ich nur mich über ihn nicht zu beschweren habe; ich wil meinem Herrn Vater zugehorsamen / ihm mehr Ehre erzeigen als er wert ist /aber lieber tausendmahl sterben / als nur ein Augenblik solchem Unhold geneiget seyn. Seine Gebrechen sind kündiger / als daß sie meines Beweißtuhms bedürffen / und bleibe nur mein H. Vater mir bißdahin väterlich gewogen / daß mir an Zeugen in dieser Sache gebrechen wird; ich bin / dem Himmel sey dank / von meinen lieben Eltern allemahl zur Tugend angehalten / darumb wil ich Tugendhafften folgen / so daß keiner nimmermehr Raum oder Gunst bey mir finden sol / der Tugendloß ist / und so mannichen Lastern sich zueigen ergeben hat. Dieser Außschlag gab ihrem Vater Nachricht gnug / wessen sie gegen diesem Freyer gesonnen wahr / und daß alles sein vorhaben durch åussersten Zwang zu werke gerichtet / oder gar zu Wasser werden müste / daher befahl [80] er den Göttern die Schickung / weil ihm sein Herz sagete / es würde viel anders als nach seinen Gedanken gehen /ließ die Tochter bey der Mutter / und ging hin Herkules zu besuchen. So bald er hinweg wahr / baht das Fräulein ihre Mutter mit heissen Trähnen / dem Vater diesen Vorsaz auß dem Sinne zu bringen / massen sie viel lieber den allergrausamsten Tod und alle Pein gedultig angehen / als diesem filzigen Lügener sich ergeben / oder ihm ihr Herz zuwenden wolte. Die Mutter aber gab zur Antwort: Sie wüste nicht viel gutes Rahts; Ladisla und sie müsten ein gutes Herz uñ unbewäglichen vorsaz ergreiffen / daß Fulvius Einbildung den Krebsgang gewünne / und wann es ja auffs äusserste kommen solte / möchte sie versuchen / mit Ladisla heimlich davon zuzihen; welches sie vorbrachte / umb zuerforschen / wie weit sie sich mit ihm eingelassen hätte. Und zwar hierdurch ward das gute Fräulein gefangen; dann sie fiel der Mutter umb den Halß / herzete und küssete sie / und baht / in solcher Gewogenheit fortzufahren; daher die Mutter spürete /dz der Brey schon versalzen / und das abmahnen viel zu späte währe; hieß sie deßwegen gutes muhts seyn /und daß es alles noch gut werden könte; nur müste sie ihre heutige Lehre in acht nehmen / den ohn das argewöhnischen Fulvius zum Widerwillen anzuspornen; würde dann hiedurch Ladisla mit ins Spiel kommen /daß es zum Streit geriete / welches sie doch ungerne wolte / müste er trauen sein bestes wissen / nachdem sie kein ander Mittel sähe / und ihr Vater vor sein Häupt / wegen getahner Zusage nicht anders könte /als seiner Ehre durch die Leistung ein Genügen tuhn. Ey so wollen wir die Sache der himlischen Versehung befehlen / sagte das Fräulein nach deren Schluß muß es doch den Außschlag nehmen / wir sinnen und richten was wir wollen und können; setzete sich nider /ließ von der Mutter ihr die Haar etwas zierlicher auffbinden / und redete von den hohen Tugenden der beyden Helden / mit diesem Schluß / daß sie sich vor die glükseligste schätzen würde / wann sie mit derer einem solte vermählet werden. Ladisla hatte sich zu seinem Herkules verfüget / zeigete ihm Fulvius ansuchen an / und dz allem ansehen nach er ihn mit dem Schwerte würde abweisen müssen; welches er ihm hefftig wiederriet; er solte der Vernunfft gebrauchẽ /und durch morden und todschlagen ein Gemahl zu erwerben sich nicht unterfangen; Es währe wider die Erbarkeit welches Gott nicht gut heissen / viel weniger Glük und Segen darzu verleihen könte / insonderheit /wo Fulvius mit ihr schon solte versprochen seyn. Ladisla taht ihm der Fräulein Widerwillen zu wissen /und daß sie diesem ihr Herz zuzuwenden nie währe bedacht gewesen / noch ihres Vaters Vorhaben gewust hätte. Worauff ihm Herkules antworten wolte /sahe aber den Stalhalter zur Tühr hinein treten / und gaben diesem Gespräch Anstand / weil ohn das derselbe sie erinnerte / daß des Arztes wolmeinung müste in Obacht genommen / und H. Herkules in der Ruhe gelassen werden. Also muste nur sein Leibknabe bey ihm bleiben / da im hingehen der Stathalter zu Ladisla sagete: es tuht mir sehr leid / mein Herr / dz sein Freund meiner Tochter wegẽ in diese schwacheit gerahten ist; iedoch hoffe ich zu den Göttern / es werde sich mit ihm bald zur Besserung schicken; bitte unterdessen fleissig / sie wollen bey mir sich aller Freyheit gebrauchen / als ob sie bey den ihren daheim währen. Und weil mir heut ein fremder Gast von Rom / Herr Fulvius zusprechen wird / ich aber wegen einer Unpäßligkeit / und daß wegen eines entstandenen Eckels vor der Fleischspeise / der Mahlzeit nicht beywohnẽ kan / wolle mein Herr [81] neben andern Eingeladenen sich bey derselben frölich erzeigen / ich wil nach abgetragenen Speisen mich bey ihnen einstellen /und gebührliche Geselschafft leisten. Angenehmere Zeitung hätte unserm Ladisla nicht vorkommen mögen / und gedauchte ihn / als sähe er seinen Mitbuhler schon zu seinen Füssen liegen / welches doch zu verhehlen / er antwortete: Hochwerter Herr / als Vater; ob zwar wegen schwacheit meines Freundes ich nicht wenig bestürtzt bin / und schlechte Lust habe zu frölicher Geselschafft / wil ich doch in diesem uñ allem was mir möglich seyn wird / meinem Herrn gerne und willig gehorsamen / wünsche nicht mehr / als daß meine geringe Dienste meinem Herrn nur könten behäglich seyn / und mit solchem väterlichen Herzen angenommen werden als sie aus kindlichem herrühren. Mein Herr / und geliebter Freund als Sohn / antwortete er / ich nehme diß hohe Erbieten mit solchem Herzen auff / welches sich überall vergnüget befindet / errinere mich wol / wie hoch ich ihm verpflichtet bin / uñ bitte die Götter / mir Krafft und Freyheit zu verleihen / sein gutes Herz und gewogenheit ersetzen zu können. Der junge Fabius kam darzu / uñ nam der Alte einen Abtrit nach seinem geheimen Zimmer / woselbst er sein Unglük und die instehende Gefahr beweinete / und dz durch Unbedachtsamkeit er sich so schlim verwickelt hatte.

Kaum wahr er hinweg gangen / da stellete Fulvius sich ein / hatte sich statlich herauß geputzet / und sechs wolbekleidete Diener hinter sich her treten /deren Mantel mit Sammet durchfüttert wahren / wiewol er leyden muste / er hätte sie von andern entlehnet. Er wahr groß und starker Gliedmassen / hatte ein schwaz dicke Kraußhaar / welches er selten zu kämmen pflegete / schwarzgelbe Farbe / magere Backen und lange Habichsnase / wuste sich zimlich höfflich anzustellen / aber man merkete / daß es gezwungen Ding wahr. Als dem Stathalter seine Ankunfft vermeldet ward / ging er ihm entgegen / nam ein fröliches Gesicht an / und hies ihn wilkommen seyn. Ladisla und der junge Fabius traten auch zu ihm hin / und empfingen ihn nach wirdigkeit / wiewol Ladisla über Gewohnheit sich gar ernsthafft und mit kurzen Worten vernehmen lies. Die Stathalterin kam mit ihrer Tochter / den Gast zu wilkommen / welches die Mutter mit guter Freundligkeit / die Tochter aber so kaltsinnig und mit gezwungenem Hochmuht verrichtete /daß ihr Bruder bald merkete / es müste ein angelegtes Spiel seyn / sonderlich / weil er vor wenig Tagen in erfahrung kommen wahr / daß sein Vater mit dieser Heyraht umbginge / in welchem Wahn er durch dessen Rede gestärket ward / da derselbe / wie er der Tochter Entführung vernahm / also loßbrach: O daß nun H. Fulvius verhanden währe / und die Rettung selbst verrichten möchte. Nun wahr diesem das Geschrey seiner Untugend wol bewust / nahm ihm auch vor / die Heyraht nach allen Kräfften zuhindern / insonderheit als er zu der Schwägerschafft mit Ladisla Hoffnung hatte. Fulvius / so bald er das Fräulein sahe / befand er sich verliebet / redete / ungeachtet ihrer Ernsthafftigkeit sie freundlich an / und gab ihr sein grosses Mitleyden wegen gestriger Gefahr zu vernehmen / mit bezeugung / wie bereit und willig er seyn wollen / sie loßzumachen / da er dessen einige Wissenschafft gehabt hätte. Sie bedankete sich des Erbietens gar nicht / sondern sagete: Die Götter behüten mich vor dergleichen Gefahr / und daß ich ja nimmermehr wieder in Tugendloser Leute Gewalt fallen möge; Daß ich aber bey Ehr und Leben erhalten bin /habe ich diesem meinem höchstwerten Herren und unvergleichlichen Helde zu danken / dem ich mich daher in ehren ganz verpflichtet [82] weiß und wissen muß. Fulvius sahe Ladisla an / lachete in seinem Herzen dieser hohen Benahmung / und sagte zu ihm: Herr und unbetanter Freund / daß er dieser treflichen Fräulein in ihren nöhten zu Hülffe getreten ist / dessen bedancke ich mich gegen ihn / und erkenne mich demselben hinwiederumb mit einem Ritterdienste verbunden. Herr und unbekanter Freund / antwortete Ladisla /daß wenige so etwa in Rettung dieser Durchl. Fräulein ich verrichten mögen / darzu hat mich die Pflicht meiner selbsteigenen Ehre verbunden / gebühret mir also von keinem Menschen dank davor / wiewol ich Unwirdiger von meinem Gnädigen Fräulein so hohe Vergeltung ihrer Gutwilligkeit wieder meinen Willen annehmen müssen / daß ich mich schuldig erkenne /derselben Zeit meines Lebens als ein verpflichteter Knecht und Diener ohn einige Außrede auffzuwarten. Ach mein Herr / antwortete sie / ich bitte sehr / meine geringfügige Dankbarkeit nicht so hoch zuerheben weil dieselbe viel zu schwach ist / an daß minste seiner hohen Verdienste zu reichen; dann weil ja über Ehr und Leben kein Ding in der Welt mag geschätzet werden / und aber dieses beydes euer siegreiches Schwert mir erhalten hat / muß ich die allmögenden Götter bitten / den Abgang meines unvermögens zuersetzen / und wird mir Vergnügungs gnug seyn / wann ich sehen werde / daß mein dankbegieriger Wille meinem Herren nicht wird unangenehme seyn. Mein Fräulein / wieder antwortete er; was erhebet sie ihres unwerten Dieners gar zu schlechte Dienste über allen Verdienst / daß ich vor anderen deßwegen schamroht stehen muß? Ihre ja ihre Krafft / so in ihrer Tugend und Volkommmheit bestehet / wahr nicht allein meines leichtẽ Schwertes Nachdruk / sondern benam den Råubern allẽ Muht und stärke / und stürzete sie zur Erden / daß ihnen weder Vermögen mich zubeschädigen / noch sich zubeschützen übrig blieb. Das Fräulein blickete ihn hierauff mit liebreizenden Augelein an / und sagete: Mein Herr und wahrer Freund; es beliebet ihn also / mich leichtes Federchen zu schmůcken / die ich Ungültigkeit halben wol hätte verstäuben müssen; Dann O weh mir elenden / wann sonst keine mächtigere / als meine eigene Krafft sich meiner angenommen hätte / so würde ich schon entehret / und kein Mensch mehr seyn; Wolle demnach mein Erretter mir gönnen / seinen hochverdienten Preiß außzutragen / und beydes Freunden und Feinden bekant zu machen / daß wie ich ihm alles was ich bin / zu danken habe / also auch solches zu bekennen nicht möge gehindert werden. Fulvius hörete diesen ihren freundlichen Reden zu / als ein Entzükter /kunte sie nicht gnug anschauen / die ihm doch kein Auge zuwendete / sondern / als wåhre er nicht zugegen / sich nach Ladisla kehrete; worüber der Stathalter schier in die Erde gesunken wåhre / weil er sahe /dz dieses Trauerspiel sich schon bey nüchterm Munde anspinnen wolte; suchte deßhalben Ursach davon zu scheiden / und baht Fulvius höchlich umb Verzeihung / daß er ihm / Schwachheit halber / bey der Mahlzeit nicht könte Geselschafft leisten; hoffete doch / sein Gemahl / Sohn und Tochter / neben andern erbehetenen Freunden / würden seine stelle biß nach abgetragenem Tische vertreten / da er sich willig bey ihnen wolte finden lassen. Herzlieber H. Vater / sagte das Fräulein zu ihm: Ich bitte kindlich / mir zu gönnen /daß ich euch in euer Unpaßligkeit auffwarten möge. Nein / geliebtes Kind / antwortete er / gehe du mit diesen beyden Herren zum essen / und leiste ihnen als eine Hauß Tochter gebührliche Gesellschafft / ich werde mich hernach schon finden. Es hätte Fulvius mit dem Vater gerne noch vor der [83] Mahlzeit die Ehe abgeredet / damit er sie bey Tische als eine Braut neben sich haben / uns hiemit Ladisla / den er schon neidete / höhnen möchte; weil aber der Stathalter eilig davon ging / muste er sich gedulden / und nahm ihn Fr. Pompeja bey der Hand / das Fräulein aber ihren liebsten Ladisla / biß sie den Essesaal erreicheten. Ehe die Speisen auffgesetzt wurden / spracheten sie stehend miteinander / da der junge Fabius seiner Schwester winkete / und zu jhr sagete: Weistu auch /daß man dir diesen Filz und Lügener zufreyen wil? mich würde deines Elendes ja ern / wann du in dieser Unglükspfütze soltest versinken; so sihe dich nun vor / nim deine Vernunfft zu hülffe / und halte feste /was mich dünket schon in deiner Hand zu seyn. Das Fräulein ward hiedurch herzlich erfreuet / und antwortete: Herzallerliebster Bruder / ich habe gleich diesen morgen mein unglük erfahrẽ / aber der Tod sol mich davon befreyen / wann ichs lebendig nicht meiden kan. Ich untergebe mich deinem willen / wil auch deinem Raht geträulich nachko en / nur biß gebehten /und leiste im fall der noht Herrn Ladisla beystand. Zweifele daran nicht / sagte er / ich habe schon anordnung gemacht / daß es nicht noht haben sol. Es hatte aber Fulvius / seinen Pracht sehen zu lassen / 120 Reuter auff einen Monat in Dienste genommen / mit denen er zu Padua eingerittẽ wahr. Dieses wuste der junge Fabius / gedachte deßwegen / wann sich etwa ein Aufflauff erregen solte / müste man auch Leute umb sich haben; und ließ seine bey ihm habende Ritterschafft sich schleunig / doch in aller stille wapnen /mahnete darzu 80 junge vom Adel in der Stadt heimlich auff / und gab ihnen das Zeichen / wann sie vor seines Vaters Hofe würden hören in die Tromete stossen / solten sie zur HinterTühr hinein dringen / und fernerer Anordnung gewärtig seyn. Fulvius wahr so grobes Verstandes nicht / daß er der Fräulein gute Gewogenheit gegen Ladisla nicht solte gemerket haben; Er verließ sich aber auf des Alten so münd- als schrifftliche Verheissung / und entschuldigte sie in etwas / daß sie ihn als ihren Erretter zu ehren gehalten währe; daß sie aber gegen ihn so freundlich sich nicht bezeigete / hätte er jungfräulicher blödigkeit gerne zugelegt / und daß sie so gar seiner keine Kundschaft hatte; blieb also anfangs ohn sonderlichen Eifer / welchen ihm doch sein argwöhnisches Herz alle Augenblik mehrete / daß er bald hernach vornam / ihr dieses / so bald er sie in seiner Gewalt haben würde / rechtschaffen einzukerben. Die nöhtigung sich zu setzen /ging an / und stellete der junge Fabius / diesen beyden Herren frey / einen Siz nach belieben zu erwählen. Ladisla wolte keine Unhöfligkeit gebrauchen / und nöhtigte den fremden / die Oberstelle zu nehmen / der gleichwol auch scheinen lassen wolte / daß er nicht unter den Bauren auffgewachsen währe / wegerte sich fast / uñ baht endlich / daß H. Ladisla ihm zugefallen den Obersiz bekleiden möchte / welches er dann /unter der Vorschützung eines willigen Gehorsams höflich annahm / da dieser doch einer weiteren Wegerung ihm vermuhten wahr / und jhn nicht wenig verdroß / daß er dieses Streichs sich selber nicht gebrauchet hätte; ließ auch seinen Stolz in dem sehen / daß er Ladisla nicht folgen wolte / sondern umb Freyheit /einen annehmlichen Siz zu wählen / anhielt / auch bald darauff sich auff des Stathalters seinem Wirtsstuel / gerade gegen Ladisla über setzete. Herr Kornelius ermahnete Frl. Sophien / sich zu Fulvius niderzusetzen; und dieser selbst hielt darumb beständig an / mit Einwendung / daß er eigentlich diese Reise getahn /umb ihre bessere Kundschafft zu erlangen / und[84] nähme ihn wunder / da sie solches annoch nicht wissen solte. Sie aber brachte höflich vom es wolte einer Tochter des Hauses nicht gebühren / über erbehtene Herren und Gäste sich zusetzen / sondern gar vom Tische zu bleiben oder den untersten Plaz zunehmen; das übrige währe nach seinem Gefallen / wie wol in sehr handgreiflichem Scherze geredet / und währe nichts neues / daß die einfältigen Paduanischen Medchen sich von den Römischen Herren zur Kurzweil müsten auffzihen lassen / als deren Unachtsamkeit nicht verdienete / daß man ihretwegen einen Schrit /geschweige / zehn und mehr tägige Reisen tuhn solte /wiewol sie ihres teils solches in höchster Warheit nicht begehrte / sondern ihrer geringfügigkeit sich wol erinnerte / welches Herr Fulvius / wie sie bähte / eins vor alle mahl wolte lassen geantwortet seyn. Dieser wolte solches beantworten / und umb das beysitzen weiters anhalten; aber Frl. Ursul und Helehn traten gleich in den Saal / die von Frl. Sophien empfangen und zum Tische geführet wurden; da Ladisla von seiner Stelle hervor sprang / uñ diesen beyden Fråulein selbige einräumete / sich aber neben sie niederließ /da Frl. Sophia ihm ungenöhtiget folgete / als an den untersten Ort; worüber Fulvius schier währe rasend worden; meynete / es håtte Ladisla ein solches mit ihr angelegt / und schwuhr bey sich selbst / es ungerochen nicht zu verdäuen. Ladisla merkete aus seiner Gesichtsverenderung / dz ihm das Herz gerühret wahr / ließ sich doch nichts anfechtẽ / sondern erzeigete sich gar freymuhtig. Der junge Fabius setzete sich wieder an seiner Ursulen seite; Herr Kornelius blieb bey Fulvius / dem H. Emilius / und zulezt die Stathalterin folgete. Frl. Sophia nam auf ihres Bruders Vermahnung das Vorschneideramt über sich / und reichete Ladisla das erste; welches er der Stadthalterin gab. Sie boht ihm das ander und dritte / aber die beyden Fräulein musten es von ihm nehmen. Als sie ihm nun das vierde zuhielt / baht sie ihn / es ohn fernere Wegerung zu behalten; worauff er gehorsamete. Das fünffte ůbergab sie Frl. Helenen / mit Bitte / es H. Fulvius zu reichen. Dieser hatte sich inzwischen eines andern bedacht / und den äusserlichen Zorn sinken lassen / weil er Ladislaen freymühtigkeit sahe / und ward die halbe Mahlzeit ohn denkwirdiges verrichtet /nur / da Fulvius Frl. Ursulen ein Glaß mit Wein einreichen / und die zierliche Höfligkeit gar zu groß machen wolte / schüttete er ihr solches unversehens in den Busem / daß ihr der Wein am Leibe gar hinunter biß auff die Knie lief / und sie sich des Schrekschreyens nicht enthalten kunte. Frl. Sophia hatte dieses Plumpstükchen nicht gesehen / erschrak daher über ihrem ruffen / und fragete ängstig was ihr gebräche? Sie aber antwortete: mir gebricht nichts / Herzen Schwester / nur daß ich gar zuviel bekomme. Ladisla håtte diesen Grobrunk nicht umb viel gemisset / taht doch / als såhe ers nicht / und blieb in seinem Gespräch mit Frl. Helenen / welche fleissig nachfragete /warumb Herr Herkules nicht zu Tisch kommen wåhre / und als sie seiner Unpäßligkeit bericht einnahm /ward sie dessen leidig. Der junge Fabius nam hieselbst gelegenheit / dessen Tugend zu růhmen / wünschend / dz er den Kampf mit Orgetorix hätte mögen ansehen; welches Fulvius also beantwortete: Zwar den besten sihet man nicht / massen ein jeder / wañ er in der Welt umsuchet / allemal seines gleichen findet; jedoch möchte ich eines solchen Ritters Kundschafft /wie dieser beschrieben wird / wol haben / dem das Glük sehr günstig muß gewesen seyn / daß er dem jeztge dachten guten Fechter hat anfiegen können /[85] welches ich mit rühmen wil / weil ich nicht zweifele /es werde im Kampffe auffrichtig zugangen seyn. Ladisla hörete den Spot und Beschimpffung mit grosser Empfindligkeit / begriff sich aber / und antwortete: Herr / dieses Ritters Kundschafft / der nie als auffrichtig gekämpffet / und sich mehr auff seine Tugend als auff das blinde Glük verlassen hat / wird euch unversaget seyn / so bald er Schwachheit halber das Lager wird angeben köñen. Dieser aber / weil er Ladislaen biß auff den Tod gehässig wahr / sagte nichts darauf / sondern stellete sich / als hörete ers nicht; welches jener zwar mit brennendem Zorn auffnam /und es doch verschmerzete / weil er bequemere Gelegenheit sich zu rächen hoffete. Herr Kornelius / der Fulviussen am nähesten saß / wolte ihn mit freundlichem Gespräch unterhaltẽ; bekahm aber allemahl kurze hochmuhtige Antwort / welches ihn nicht wenig verdroß / weil er in der Jugend auch Ritterschafft getrieben / und in mannichem Schimpf und Ernst guten Preiß erworben hatte; doch übersahe er ihm nach seiner Sanfftmuht / und ließ nicht ab mit ihm zu reden /weil das Frauenzimmer sich an ihn gar nicht kehren wolte / die nur mit Ladisla und Fabius ihr Gespräch fortsetzeten / da Frl. Sophia nicht unterließ / den grossen Unterscheid der Ritter einzuführen / und daß diesen Stand nichts so sehr zierete / als die Höfligkeit und Demuht / so daß ein Ritter mit diesen beyden stücken begabet / insonderheit des Frauenzimmers Gewogenheit wirdig währe weil dieselben mehr hierauf / als auff scharffe Schwerter und spitze Speere hielten. Fulvius / daß er Kundschafft mit ihr machen möchte / beantwortete dieses also: Ja mein Fräulein /die jezterzähleten Stücke stehen einem Ritter in Wirtschafften nichtübel an / wann sie bey gebührlichen Leuten angewendet werden; aber ihrer viel (ich schlieffe meiner Fräulein gleichen auß) wollen diesen Bogen gar zu stränge spannen daß er zu zeiten drüber brechen muß; weil der ritterliche Muht die unterste Stuffe ohn Verletzung seines Ansehens nicht betreten kan. Frl. Sophia aber wolte sich hierüber mit ihm nicht einlassen / welches Ursul merkend / nur dieser rede ihre stelle vertrat: Ich halte davor / Herr Fulvius /meine Frl. Schwester rede nicht von den unvernünfftigen / die Ritters Hocheit nicht beobachten / und sie biß an die unverantwortliche beschimpfliche Demuht herunter ziehen wollen / sondern ihre Meynung ist bloß auff diesen Zweg gerichtet / daß die ungefårbete Freundligkeit eine sonderliche Zier an einem Ritter /wie die Sonne am Himmel sey. Herr Komelius fürchtete sich / es möchte diese Verantwortung von ihm ungleich auffgenommen werden / mischete sich deßwegen mit ein / und sagete: Beyderseits Meynung währe recht und gut / als die nicht wider einander stritten. Welches Frl. Sophia also beantwortete: Herr Vetter Kornelius / streitẽ sie nicht / so reimen sie sich auch nicht. Aber der hölzerne Bock Fulvius merkete nicht / daß seine ungereimete Antwort hiedurch verlachet ward. H. Kornelius veranlassete ihn zum weitern Gespräch / in dem er ihn fragete / ob nicht neulicher Zeit zu Rom sich etwas denkwirdiges zugetragen hätte; wodurch er ihm die Tühr zu seinen Lügen auffsperrete / daß er bald von hier / bald von dar / ohn Ordnung und Außführung etwas hervor brachte / und allemahl seinen eigenen Ruhm einmischete / wiewol mit so handgreiflichen Lůgen / daß Ladisla der von vielen / guten bescheid wuste / sich der unwarheit seyr verwunderte. Endlich nam Fulvius ihm vor / Frl. Sophien einen verdekten streich zu versetzen / welches er durch dieses Getichte sehr artig zuverrichten meinete / da er also anfing: Es fält mir gleich iezt ein lächerlicher [86] Possen ein / der ohngefehr vor XVI Tagen sich zu Rom begeben, nehmlich / ein vermeintes züchtiges Fräulein ward einem trefflichen Römichen Herrn / meinem vertraueten Freunde / von ihren Eltern zugefreyet / deren Nahmen ich nicht nennen wil. Als nun der Ritter sich einstellete / die Heyraht zu volführen / kam er dieser guten Jungfer unvermuhtlich / und fand sie bey einem unachtsamen jungen Aedelman sitzen / mit dem sie allerhand närrischer Kurzweil und Affenwerk trieb / welches diesem ernsthafften Ritter anzusehen ungelegen wahr; hies derhalben den jungen Laffen auffstehen; und als er sichs wegerte / trieb er ihn mit prügeln auß / gab hernach der Jungfer einen guten Außwischer / und lies sie ungeheyrahtet sitzen /womit ihre Eltern zwar übel zufriede wahren / aber doch den Schimpff hinnehmen musten / weil sie der frechen Tochter gar zuviel Willen gegönnet hatten. Hiemit brach er die ungeschikte Erzählung ab / und wahr niemand zugegen / der seinen Zweg nicht verstanden hätte / nur daß sichs niemand wolte annehmen / ohn Frl. Sophia schrieb ihm gar zuviel Witzes zu / ob hätte er ihre vorige Stachelrede hiemit ersetzen wollen; gedachte endlich / es müste ihm dieses Wagstük nicht so hingehen / und fing zu den beyde Fräulein also an: Herzgeliebete Schwestern / es hat H. Fulvius uns eine Geschicht erzählet / ohn zweiffel /unsere geringe Urtel darüber zuvernehmen / und wol auch / daß sie uns zum Beyspiel diene / uns beydes vor Affenwerk / und vor solche ernsthaffte Freyer wol zuhühten; bitte demnach schwesterlich / sie wollen /die lange Zeit zuvertreiben / sich unbeschwert heraus lassen / was sie von dieses Freyers ritterlicher Taht halten. Die beyden Fräulein beredeten sich kürzlich /und gaben ihr zur Antwort: Herzgeliebte Frl. Schwester / wir haben die erzälete Geschicht nicht so eigentlich mit allen ihren umbständen in acht genommen /wollen deßwegen ihre Meynung zuvor hören / und nachgehends / wo es uns gegönnet ist / unsere Gedanken auch darüber vernehmen lassen. Ich muß euch wol zugefallen seyn / sagte das Fräulein / dann womit wolten wir sonst die Zeit hinbringen? Jedoch / wann ich zuvor wissen solte ob Herr Fulvius uns diese Kurzweil gönnen könne. Ey warumb nicht / mein Fräulein / antwortete er / massen ich solche Begebnis zu dem Ende vorgetragen habe. Daß muß mir lieb seyn / sagte sie; kehrete sich zu ihren Gespielen / und fuhr also fort: Ob ihr / meine Schwesterchen daß erzählete vor eine Geschichte / oder Getichte haltet /kan ich nicht wissen; doch stehet uns allerseits frey /unsere Gedanken davon zu haben; aber auff den fall der Warheit / sage ich / daß dieser Ritter sich als ein ungeschliffener grober Flegel hat sehen lassen / indem er diesem Fräulein ein solches zur Unzimligkeit außgeleget / welches sie zweiffels ohn auß Höfligkeit getahn / und dieser Büffelsochse wol aller Zucht mag entfernet seyn / welches er gar zu merklich an den Tag gegeben / in dem er den jungen Aedelmann nicht als ein Ritter / sondern als ein Steckenknecht überfiel /welches ich ihm nicht würde gesehenket haben /währe ich in dessen stelle gewesen. Es hat sich aber das gute Fräulein nebest ihren Eltern billich zu erfreuen / daß sie eines solchen ungehöfeltẽ Klotzes abkommen; dann sie möchte lieber tausendmal sterben / als eine Stunde sein Ehgatte seyn. Dafern ihr nun herzliebe Schwestern / mit mir eines seyn könnet / wollen wir diesem nichtwerten Ritter die Urtel sprechen / daß er vorerst des Ritterstandes sol entsetzet / und unfähig seyn / sich neben einem ehrliebenden Fräulein niderzusetzen; ja er sol auß allem adelichen Frauenzimmer in Ewigkeit verbannet seyn und bleiben. Die anwesenden lacheten / [87] daß sie dieses mit solchem Eyfer vorbrachte / ohn Fulvius begunte den Auffzug zumerken / und schwur im Herzen / ihr solches bald ersten tages seiner Heyraht mit schwerem Wucher einzubringen. Herr Emilius fůrchtete sehr / es dürffte dieser Scherz einen groben unglüklichen Ernst verursachen /welchem vorzubauen / er Fulvius zuredete; Er zweifelte nicht / seine hohe Vernunfft wůrde des Frauenzimmers kurzweilige Scherzreden im besten vermerken; fragete darauff / ob die Ritterlichen Ubungen zu Rom stark im schwange gingen / und die Strassen sicher zu reisen währen. Welches er beantwortete: Man hätte eine Zeither nichts von Mordtahten verno en / ohn daß ohngefehr vor acht oder neun Wochen vier statliche Ritter gutes Römischen Adels / von vier verwägenen Strassenräubern überfallen / ermordet /und nacket außgezogen währen; nennete sie auch bey nahmen / daß Ladisla eigendlich hörete / er redete von denen / welche er und Herkules im Kampff nidergelegt hatten / gedachte demnach / dieses fügen die Götter also zu des lügeners Straffe; gab ihm auch diese Antwort: Der Herr verzeihe mir; ich komme auch von Rom / und weiß sehr wol umb diese Begebnis / daß gedachte vier Ritter nicht von vier Råubern oder Mördern / sondern von zween fremden Rittern im auffrichtigen Kampffe / durch eine rechtmässige Nohtwehr erleget sind / weil sie diese mit räuberischer Faust angriffen / und ihnen eine Beute abzujagen sich unterstunden. Fulvius antwortete: Er währe ganz unrecht berichtet; die Sache währe ihm gar zuwol bewust /hätte auch der Ermordeten gute Kundschafft gehabt /und würde es nimmermehr gutheissen / so jemand /wer der auch währe / solche ehrliche Ritter vor Strassenräuber außruffen wolte; wüste aber ungezweifelt /daß sie von solchen unredlichen Buben schelmischer Weise ermordet währen. Herr bedenket euch was ihr redet / sagte Ladisla / es könte etwa einer in dieser ehrlichen Geselschafft seyn / der von diesen vier Räubern angefallen / und ihnen ihren Lohn erteilet hätte. Wann ich solches wissen könte / antwortete Fulvius /müste der bübische Mörder den Seelen der erschlagenen zum Versöhnopffer mit meinem Schwerte abgeschlachtet werden. Ladisla kunte den Zorn nicht länger verbergen / und sagte: Höret Fulvius / gedenket ihr dieses zu hand haben? ja / antwortete er / gegen jederman den es gelüstet. Ey wolan / sagte jener; so gestehe ich vor dieser löblichen Geselschafft / daß mein Freund Herkules und ich / von diesen vier Räubern auff freier Strasse ohn alle gegebene Ursach überfallen sind / und wir ihnen den Lohn ihres Frevels in einem offenen Kampffe zugestellet haben / welchen sie billiger von des Büttels Hand empfangen hätten. Weil ihr dañ Fulvius meinen Freund und mich ohn alle Ursach vor Räuber / Schelmen und Buben scheltet / wil ich unser beyder Ehre / dafern ihr keinen Wiederruff thut / wieder euch handhabẽ / schiebe die Schmach in euren eigenen Busem / sage euch auff Leib und Leben ab / und fodere euch zum offentlichẽ Kampff aus / auff daß ihr sehen lasset / ob ihr so wol fechten als schänden könnet. Das anwesende Frauenzimmer erschrak über die masse / als sie Ladisla so reden höreten / und seine feurige Augen sahen / die ihm im Häupte funkelten; keiner aber von den Anwesenden kunte ihm solches vor übel halten / daß auch der junge Fabius zu Fulvius sagete: Herr ihr handelt nicht ritterlich an diesem Helden / welches ich mit meinem Schwerte behäupten wil. Dieser antwortete mit greßlichem Gesichte: Ey so wapnet euch ihr junge Bratvögel / daß ich bald prüfen möge was ihr auff der Schuele gelernet habet / nur ist mir leid / das mein[88] sieghafftes Schwert ich auff solche Lassen zücken sol. Hunde können nichts als rasen; und Narren / als großsprechen / sagte Ladisla; biß aber versichert / daß ich dessen eine Reue in dich bringen werde. Frl. Sophia redete mit ein / und sagte zu Fulvius; O ihr boßhaffter ehrendiebischer Ritter / was vor Unglük richtet ihr mit eurem Lügenmaule an. Der Stathalter hatte sich in seinem nahen Zimmer biß daher stille gehalten / und alles angehöret / als er aber den Aufflauff vernam /sprang er in den Saal / und geboht Friede zuhalten /oder er würde sich seines Haußrechts nebest habender Römischer Gewalt zugebrauchen wissen. Ladisla lieff ihm entgegen / und gab zur Antwort: Mein hochwerter Herr als Vater / ich beruffe mich auff diese ehrliche Geselschafft / daß ich gezwungen werde / mit der Götter Hülffe darzuthun / daß mein Geselle und ich des Lasters unschuldig seyn / deß uns dieser Verleumder zeihet / oder eines ehrlichen todes zusterben. Ihr könnet nicht wol anders sagte der Stathalter / demnach ichs selber angehöret / wie nahe mans euch geleget hat / zweiffele nicht / die Götter werden der Unschuld beystehen.

Inzwischen wahr Fulvius hinunter gelauffen / seine Reuter zusamlen / und lies der junge Fabius das verabredete Zeichen mit der Tromete geben / da seine Leute fast im Augenblik beysammen wahren / und zum Hintertohr hinein drungen. Ladisla aber machte sich hin zu Herkules und gab ihm daß verlauffene kürzlich zuverstehen; der sich unlustig befand / daß er dem Streit nicht beywohnen / noch seine Ehre selber retten kunte. Der junge Fabius folgete ihm auff dem Fusse nach / und erboht sich gegen Herkules / vor ihm die Stelle zu vertreten; aber Ladisla gab zur antwort: Er möchte sich gedulden / den Schänder würde der Frevel in kurzem gereuen. Nun wahr ihm des vorigen Tages sein Schild und Harnisch von den Räubern übel zugerichtet / daher ließ der junge Fabius ihm trefliche gute Waffen bringen / mit welchen er sich fertig machete. Er ward aber der Reuter im Platze gewahr /und fragete / was diese wolten? da ihn Fabius berichtete: weil Fulvius mit einer starken ReuterSchaar ankommen / und ihm bald anfangs nichts gutes geträumet / hätte er auch eine Mannschafft auffgebohten /daß man im fall der noht bestand seyn könte / wie ers wählen würde. Ladisla sprang dessen vor freuden auff / weil er bübischer hinterlist sich nicht zu befürchten hatte. Sein Fräulein kam auch darzu / und klagete /wie der Schänder zum Abzuge sie vor eine leichtfertige junge Metze gescholten / und möchte sie wünschen / daß dieser Schimpf zugleich mit könte gerochen werden; Worauf er antwortete: Mein Fräulein / traget nur ein wenig Geduld / ich wil meiner eigenen Schmach vergessen / biß die ihre wird gerochen seyn; nur bitte ich / mir eine Gunst mitzuteilen / unter deren Krafft und Wirkung ich desto geherzter fechten möge. Sie sahe umb sich / und als sie merkete / daß sie viere nur daselbst wahren / trat sie zu ihm / küssete ihn freundlich / und sagete: Ich hoffe nicht / daß H. Herkules und mein Bruder mir dieses zur Leichtfertigkeit außdeuten werden. Fabius antwortete: So werde aber ich dirs nicht zugute halten / es sey dann / daß du deinem Liebsten noch einen Kuß / und äusserliches Gunstzeichen mitteilest / welches er seinem feinde aufm Helme zeigen könne. Meinem Liebsten? sagte sie; so müste ich ja meinen H. Vater küssen; jedoch /weil derselbe abwesend / mag H. Ladisla / da es ihm gefällig / dessen stelle vor dißmahl vertreten; also verrichtete sie ihres Bruders Befehl zu dreyen mahlen /und empfing gleiche Münze zur Bezahlung. Hernach spannete sie eine [89] Halßkette von den reinesten Demanten ab / wickelte sie umb den Adier / der auff seinem Helme stund / und baht die Götter / dafern sie unschuldig / möchten sie diesem Ketchen die Krafft verleyhen daß des frechen Schänders Gewissen / wann Ers sehen würde / gerühret und zaghafft gemacht würde. So bald er und Fabius gewapnet wahren /nahmẽ sie feste Speere zu sich / zeigeten ihren Reutern die Ursach ihres Streites an / und bahten im fall der Noht ihnen beyzustehen / welches von ihnen mit darbietung Leib und Lebens versprochen ward. Frl. Sophia wolte diesem Streit zusehen / setzete sich mit den beyden Fräulein auff eine Gutsche / und fuhr hin nach einem hohen Zwänger / von welchem sie die Streitbahn übersehen kunten / da das Fräulein sich gånzlich ergab / im fall ihr Ladisla das Leben verlieren würde / sich da herunter zu stürzen / und ihm im Tode Geselschafft zu leisten. Fulvius hielt schon draussen vor dem Tohr mit seinen leuten / und befand sich so gar erbittert / daß er vor Rachgier fast blind wahr. Ladisla und Fabius folgeten ihm bald mit ihren Reutern in zierlicher Ordnung / da Ladisla ädler Knecht Markus vorhin reiten / und Fulvius in seines Herren nahmen auff Speer und Schwert außfodern muste; oder da er so kühn nicht seyn würde / sich Mann an Mann zuwagen / stünde ihm frey sich seiner Leute zugebrauchen / denen gebührlich solte begegnet werden; die Wahlstat währe der grüne Anger / recht an dem Stadgraben / woselbst die Tugend den frevel abstraffen solte. Fulvius gab ihm zur Antwort: Reite hin und sage den beyden Laffen / daß sie sich nur gefasset halten / ich werde jezt da seyn / uñ ihnen die Milchzähne beklopffen. Du schändest diese Ritter /sagte Marx / als ein Verleumder / welches ich an dir behäupten wolte / da ich meinem Herrn vorgreiffen dürffte. Dieser sahe sich nach seinen Leuten umb /und fragete; ob nicht einer Lust hätte XX Kronen zu verdienen / und diesem elenden das fell zu krauen. Bald taht sich einer hervor / rante und rieff Markus nach (weil er schon hinritte / die Antwort zu bringen) er solte die Antwort zuvor recht einnehmen. Nun meynete dieser / es würde Fulvius etwas nachbieten wollen / hielt stille / und ließ ihn näher kommen; der aber an stat der Worte ihn mit dem Schwerte überfiel / daß er kaum zeit hatte / das seine zu entblössen; da er dann / wie er zum Gewehr kam / einen hefftigen Kampff mit ihm hielt / schlugen verwägen auff einander loß / und gaben mit wenig Streichen ihrem erhitzten Blute Lufft / daß sie beyderseits hart verwundet wurden / biß endlich Marx mit einem stosse / den er seinem Feinde durch die Gurgel gab / den vollen Sieg davon brachte / und seinen Weg mit verhängtem Zaume vornam / weil er merkete / daß etliche sich loß gaben / ihn anzugreiffen. Ladisla sahe ihn so blutig daher rennen / und sagte zu Fabius: das muß ein verwägener Schelm seyn / der eines Abgesandten Werbung solcher gestalt beantwortet / welches ich ihm wieder hoffe einzubringen. Als er aber von ihm alles Verlauffs berichtet ward / lobete er seine Mannheit /die er unvergolten nicht lassen wolte; stellete seine Leute in eine zierliche Ordnung / mit Befehl / kein Gewehr zu zücken / biß Fulvius Hauffe sich regen würde / und setzete er sich auff die Bahn / seines feindes mit verlangen erwartend; welcher auff einem grossen schwarzen Hengste daher trabete / und seinen Reutern geboht / sich des Streits nicht anzunehmen /es währe dann / daß sie darzu gefodert oder gezwungen würden. Er aber schickete sich zum Treffen / und begegnete ihm Ladisla sehr eifrig; hielten doch so feste / dz keiner den andern im Sattel bewägen mochte / ungeachtet die Speere in stücken [90] zersprungen / und Fulvius schon erkennete / daß er kein Kind vor sich hatte. Sie nahmen neue Speere zur hand / wiewol Fulvius das Schwert lieber gebraucht hätte / mit welchem er rechtschaffen zu wüten pflegete / weil es ihm weder an Verwägenheit noch Leibeskräfften mangelte. Aber der andere Rit muste gewaget seyn / da sie als blinde allerseits nebẽ hin stachen / und doch mit Pferden und Leibern einander dergestalt rüreten / daß Roß und Mañ beyderseits übern hauffen fiel / und alle Zuseher meyneten / es währe unmöglich / daß sie unbeschädiget blieben währen / dann ihre Pferde zappelten und verschieden in weniger zeit. Sie aber arbeiteten sich ungeseumet hervor / dann sie wahren unverletzt blieben / wiewol sie des harten falles beyde wol empfunden / nahmen Schwert und Schild zur Hand / und hoffeten beyde den Sieg zu erstreiten / der nur einem zu teil werden kunte. Es wahr ein grausamer Kampf an zusehen / massen sie einander zuhämmerten / daß es funken bey hellem Tage gab; dann Fulvius wahr in Waffen lange Zeit geübet / und wolte seinem feinde keinen fuß weichen / sondern da er über vermuhten dessen festen Stand sahe / mehrete er seine Wuht je länger je hefftiger. Ladisla hingegen ging im anfange behuhtsamer / dann er merkete / daß hinter seinem feinde kräffte stecketen / auf welche er die seinen sparẽ muste; schützete deßwegen sich mehr / als er seinen feind verletzete / der ihm solches vor eine Zagheit außlegte / da er zu ihm sagete: Gilt mein Kerl / es ist sicherer spielen unter den Metzen / als unter dem Schwerte; über welchen Schimpf er sich dergestalt eiferte / daß er seiner behuhtsamkeit vergaß / und so hefftig auff ihn ging / daß wie ungerne Fulvius wolte /er ihm etliche Schritte weichen muste / und darüber eine zimliche Wunde in die linke Schulder bekam. Das Fräulein wahr anfangs sehr traurig auff der Zinnen; als sie aber Ladisla vermehrete Kråffte spürete /ward sie von herzen froh / und empfing Hoffnung zum Siege; wiewol Fulvius / ungeachtet seiner Wunde / sich bald wieder erhohlete / und mit solchem nachdruk anfiel / daß Ladisla hernach offt gestund / ihm währen seines gleichen wenig vorkommen. Sie trieben dieses eiferige Gefechte eine halbe Stunde ohn auffhören / biß sie genöhtiget wurden Odem zu schöpffen; stunden und sahen einander mit verwunderung an /und wie hefftig Fulvius die Wunde schmähete / so höchlich freuete sich Ladisla derselben. Nach kurzer Erhohlung munterten sie ihre fäuste wieder auff / und sagte Fulvius: Mein Kerl / was wird die Metze sagen /wann sie dich tod vor ihren füssen sehen wird? Je du Schänder / antwortete er / hastu dann schon so grossen fortel erstritten / daß du mir den Tod ansagen darffst? fielen hiemit auffs neue an einander / ob håtten sie noch keine Arbeit verrichtet; aber Ladisla brauchte sich der Vorsichtigkeit / und ließ jenen sich abmatten / dessen unerhörtes wüten doch so viel durchdrang / daß jener eine fleischwunde ins rechte Oberbein bekam / welches das Fråulein ersehend / vor angst den Nahmen Ladisla überlaut rieff. Er vernam ihre stimme gar eigen / schämete sich fast / und in dem er seine Hiebe verdoppelte / sagte er: Ich werde ja dein rasen noch endlich brechen / wo mir sonst die Götter nicht ungnädig sind / brachte ihm auch mit dem Worte einen streich über das linke Bein / daß er strauchelte / und keinen festen Trit mehr setzen kunte; worüber niemand so hoch / als das Frl. erfreuet ward. Fulvius sahe nunmehr / daß er dem Tode nicht entgehẽ würde / worin er sich unwillig gab / meynete auch /auffs wenigste seinen Bestreiter mitzunehmen / und warff ihm seinẽ Schild wider die Brust / daß er strauchelte / und des falles sich kaum enthalten kunte; jedoch erhohlete [91] er sich / und sagte: Bistu Bösewicht ein Ritter / und wirffst den Schild mutwillig von dir? trat ihm ein / und nach etlichen Hieben / deren er keinen außnehmen kunte / schlug er ihn mit vollen Kräfften über das Helmgesichte / daß es sich aufftaht / führete darauff einen andern streich / und hieb ihm die Zunge im Maul hinweg / daß zugleich beyde Kinnebacken abgelöset wurden / und der Unterteil des Angesichtes nur an der Haut behangen blieb / daß er alsbald tod zur Erden stürzete / da ihm Ladisla mit einem bittern Spotte zurieff: Höre nun auff zu rasen und zu buhlen. Das Fräulein / solchen fall ersehend /sprang vor freuden auff / und sagte: Ey dem Himmel sey Dank / daß ich von diesem grimmigen Bähren erlöset bin / der mich hinte im Schlaf zureissen wolte; ließ auch alsbald einen Diener hin lauffen / ihren Eltern des Kampfs außgang anzumelden.

Der junge Fabius rennete hin zu Ladisla / wünschete im Glük zum Siege / und meynete / er würde alsbald nach der Stat zureiten / dessen er aber nicht willens wahr / sondern ihm sein ander Leibroß zu führen lies / zu Fulvius hauffen ritte / und mit starcker Stimme sie also anredete: Ihr Ritter / sagte er / deren jeden ich ehrlicher als euren gewesenen Herren den Ehrenschänder halte; ich habe nun an diesem Trotzer ein hohes Fräulein gerochen / die er in höchster Unschuld geschmähet hat; bin aber an ihm noch nicht vergnüget / sondern weil er noch eines redlichen Ritters / und meine selbst eigene Ehre boßhaffter Weyse angegriffen / suche ich einen unter euch / der etwa solche schändung gut heissen wolte / auff daß derselbe des erschlagenen Stelle wieder mich vertrete / und ich Gelegenheit habe / meines Freundes / und meine selbst eigene Ehre zu schützen; dem ich auff den fall meines Sieges / Lebens Freyheit verspreche / wann er Fulvius Boßheit bekennen wird. Dieser ganze Hauffe hatte seine Krafft und Erfahrenheit gesehen / meineten / er würde sich so gar abgemattet haben / daß er weitere Bemühung nicht suchen dürffte; als sie aber ihn noch so frisch reden höreten / wolte ihm niemand Antwort geben; biß endlich ein junger frischer Ritter / nahmens Messala / des ertödteten Anverwanter aus der Ordnung hervor sprengete / und zu ihm sagte: Ritter /ob ihr redlich seid / weil ich nicht wieder fechten /weil ich euer keine Kundschafft habe; daß ihr aber den redlichen Herren Fulvius vor unredlich scheltet /dem wiederspreche ich so weit / daß ich dessen von ihm nie ichtwas vernommen; nehme demnach / seine Ehre zuverfechten auff mich / weil er bißher den Ritterstand nicht geschändet / sondern gezieret / auch durch feindes Hand sein Leben unerschrocken geendet hat. So bistu der Mann / sagte Ladisla / der böse Buben from sprechen wil? kehrete damit umb / und erwartete seines feindes mit dem Speer / da sie bald unmenschlich stränge auffeinander zusetzeten / auch zu beyden seiten traffen / wiewol mit ungleicher Wirkung / massen dem Messala daß rechte Bein durchstochen ward / das daß halbe Speer drinnen stecken blieb / und er halb ohmächtig vom Pferde stürzete. Ladisla sprang ihm nach / reiß ihm den Helm ab / und sagete: Nun erkenne Fulvius Boßheit / oder stirb. Dieser schlug die Augen auff / und antwortete: Mein Leben stehet in deiner Hand / und sage noch wie vorhin / daß ich von Fulvius nichts unredliches weis /ohn daß du ihn dessen jetzo zeihest / welches wegen meiner Unwissenheit / ich weder bejahen noch leugnen kan / und da dem also ist / als dann werde ich keine Warheit zu lügen machen; Ihr seid kein unhöfflicher Ritter / sagte Ladisla / deßwegen lasset euch heilen und lebet; schwang sich bald auffs Pferd / und wolte nach Fabius reiten; [92] welcher aber nach Fulvius leuten sich hin begeben hatte / und ihnen dieses andeutete: Er hätte einen lieben Freund / dessen Ehre ihr Führer unredlicher Weise gescholten / und da einer ihres mittels des erschlagenen Stelle behäupten wolte / solte er sich melden / und sein Leben an seines wagen. Bald ritte ein kurzer unansehnlicher Ritter hervor / und antwortete: Mein Herr / ich lasse euren Freund so redlich als er ist / aber wann mir jemand wiedersprechen wolte / da ich gestehe / das Fulvius ein Großpraler gewesen / währe ich gesoñen / es mit meinem Speer zuerhalten. Was bistu dann vor ein Ritter sagte Fabius / daß du in eines solchen Dienste dich begeben hast? dieser antwortete: Ich habe es erst erfahren / nachdem ich mich bestellen lassen / sonsten wolte ich wol einen andern Herren gefunden haben. Aber ich sehe / daß ihr gerne ein Speer brechen wollet / drum bin ich euch zugefallen / nicht aus Feindschaft / sondern meine Mañheit gegen die eure zuversuchen /sage euch auch weiter nicht ab / als auff ein Schimpffspiel. Dieser wahr froh / daß er nicht gar ohn Streit abzihen solte / ranten beyde auffeinander / daß die Speer in die Lufft flogen / und doch keiner beschädiget noch im Sattel bewäget ward / dessen Fabius sich fast schämete. Sie legten zum andern mahle ein / mit gleichem Außgange; aber im dritten Satze gingen ihre Pferde beyderseits übern hauffen. Fabius machte sich bald loß / und erinnerte seinen Gegener /welcher Kurzius genennet ward / er solte sich auff die Füsse machen / und den Streit verfolgen; aber er gab zur Antwort: Mein Herr / alles was möglich ist / bin ich euch gerne zuwillen / aber dieses ist unmöglich; begehrete auch / daß man ihm auffhelffen möchte / da alsbald erschien das er nur einen Fuß hatte / und das eine unter Bein ihm biß zur helffte mangelte / welches er im Streit wieder die Parther verlohren hatte; sagte demnach zu Fabius; da sehet ihr mein Gebrechen; ich sol auf die füsse treten / und habe nur einen; überdas bin ich euch / krafft meiner Bedingung mehr streitens nicht geständig; begehret ihr aber meiner Dienste /sintemahl ich vernehme / daß ihr ein R \mischer Ritmeister seyd / sollet ihr mich nach eurem Willen und nach meinem Verdienste haben / der ich schon vor acht Jahren ein UnterRitmeister gewesen bin. Fabius ließ ihm solches gefallen / und gab ihm Bestallung /welches die andern sehend / alle umb Dienste anhielten / dessen er sich sehr freuete / weil seine ReuterSchaar neulicher zeit durch feindes überfall sehr geschwächet wahr; ließ sie alle seinem Fähnlein schwören / und unter Kurzius befehl nach dem Lager zihen /da er ihnen ein Monat Sold vergnůget hatte / und Messala sich verpflichten muste / ihnen 2500 Kronen zu schaffen / welche Fulvius ihnen hatte versprochen.

Die unsern kehreten wieder umb mit dem hocherfreueten Frauenzimmer nach des Stathalters Hofe /welcher von Herzen betrübt wahr / daß wegen seiner unbedachtsamen Zusage Fulvius das Leben einbüssen müssen; erkennete doch Gottes Versehung / und sagte zu seinem Gemahl: Dieser Römische Herr und erster Bräutigam unser Tochter ist zum dahin / und hat umb ihret willen / man kehre es wie man wil / unter feindes hand erliegen müssen / da hingegen ich gemeynet wahr / ihm mein Kind diesen Abend beyzulegen. Jedoch doch wil ich gleichwol in diesem stük meinen freyen Willen haben / und ihr noch vor morgen einen /den ich mir dieses Augenblik in meinem Herzen erkohren / an die hand geben / und ehelich zuführen /damit ich des Unwesens abkomme / und weitere Unlust verhütet werde; Ich erinnere euch aber / so lieb euch meine Huld ist / daß ihr mir im geringsten nicht dawider [93] redet / dann ich wil / wie gesagt / durchauß meinen Willen haben. Sie erschrak zwar dieser Rede auffs hefftigste / durffte aber nicht widersprechen /nur daß sie zur antwort gab: das Fräulein währe seine Tochter / und würde er nach seiner Weißheit und angebohrnen Güte wol mit ihr verfahren. Ja / sagte er; sie hat ein trotziges halsstarriges Gemüht / wie ich heut zum ersten mahl erfahren; aber ich werde versuchen / ob das Reiß mir schon entwachsen sey / daß ichs nicht mehr beugen könne. Der Diener meldete ihm H. Ladisla wiederkunfft an / der auch ungefodert hinauff trat / und nach beschehener Ehrerbietung zu dem Stathalter sagete: Mein Herr / nachdem ich Ehrenhalben anders nicht gekunt / als dem Schänder Fulvius das Haupt zubieten / die Götter auch der Unschuld sich angeno en / uñ mir den sieg verlihen; als bitte dienstlich / mich des ungebührlichẽ Aufflaufs großgeneigt entschuldiget zu nehmẽ. Mein Herr / antwortete er / ich habe euren harten Kampf durch ein klares Durchsicht / oben auf meinem Turm gar eben angesehen; kan wegẽ geschehener Ehrenrettung ihm nichts verübeln / nur daß mir leid ist / daß Fulvius sich so mutwillig in sein Verderben gestürzet / an dem gleichwol Rom nicht einen verzagten Ritter verlohren hat. Baht hierauff Herrn Kornelius und Emilius / sie möchten ein halb stündichen allein zu seyn / sich nicht verdriessen lassen / weil Ladisla nach Herkules ging / und er mit seinen Kindern und Gemahl etwas zu reden hätte / daß ihm gleich jetzo unter die Hand gefallen währe; ging alsbald mit denselben auf ein besonderes Gemach / und nam die Tochter also vor: Liebes Kind / du hast diese beyden Tage sehr grosse Widerwertigkeit und Anfechtung ausstehen müssen / und solches doch nicht umb Missetaht / sondern um deiner Tugend und Gaben willen. Gestern haben dich die Räuber in ihren händen gehabt; heut ist der treflichste Ritter aus Rom / Herr Fulvius deinet / ja bloß deinet wegen erschlagen. Nun bin ich aber nicht bedacht /solcher gefahr hinfüro mehr gewärtig zu seyn; viel weniger noch / meinen einmahl gefasseten Schluß zu endern / sondern was ich in meinem Herzen geschworen habe / sol und muß diesen Tag erfüllet werden /nehmlich daß du diesen Abend einem / den ich mir alsbald nach geendigtem Kampffe außersehen / ehelich beygeleget werdest; ist dann der Bräutigam gleich nicht auß Rom / so finden sich auch noch zu Padua gnug-ådle Herren / die dein wert sind / und ich denselben schon weiß / welcher dir gefallen sol und muß; hüte dich aber bey straffe meiner Ungnade / daß du mir mit deiner heutigen Leir nicht wieder aufgezogen kommest / mit welcher du dir selbst diesen Tanz gefidelt hast / und ich sonst so eilig mit dir zu verfahren nicht gemeynet war. Hier befand sich das Frl. in den höchsten nöhten / dariñen sie jemals gewesen war /und kunte vor Herzensprast kein Wort sagen / deßwegẽ er also fort fuhr: jezt wil ich in deiner Mutter uñ deines Bruders gegenwart kurzum von dir wissen / ob du gehorsamen wollest; wo nicht / werde ich schon mein Vaterrecht mit zu hülffe nehmen. Nicht viel fehlete / ihr wäre vor Angst geschwundẽ; sie stund zitternd vor ihm / weil er sie ohn unterlaß zur antwort antrieb / da sie endlich ihren Bruder kläglich ansahe /uñ mit einem Wink zuverstehen gab / er möchte ihre Stelle zur Antwort vertreten; wie er dann von ihm selber schon des willens wahr. Aber der Vater hies ihn schweigen / und sagete: Was hastu dich weiter einzumischen / als ich dichs heisse? hat sie selber nicht Mauls gnug? heut über Tische kunte sie ja den ansehnlichen Herrn Fulvius trotzig gnug / und mit höhnischen reden über das Maul fahren / daß mich dessen Geduld groß Wunder nahm; wie ist [94] sie dann nun so sprachloß / da sie ihrem Vater den schuldigen Gehorsam versprechen sol? Als das Fräulein diesen hartnäckigen Vorsaz sahe / überging sie der kalte Schweiß /setzete sich nieder auff die Bank / und fiel in tieffe Ohmacht / daß die Mutter sie schon vor Tod hielt. Aber der Vater risse ihr die Kleider auff / rüttelte sie /und befahl der Mutter Krafftwasser zu hohlen / welches sie im Augenblik verrichtete / daß also das Fräulein wieder zu rechte gebracht ward; die aber ihre Mutter baht / sie möchte doch den angenehmen Tod ihr nicht hindern / weil sie unter keinem gnädigen Vater mehr Leben könte. Er aber sagte / was heissestu einen gnädigen Vater? einen solchen / der dir allen eigenen Willen gönnen / und deine Wolfahrt nicht betrachten sol? O nein / daß heisset nicht ein gnädiger /sondern ein unvernünfftiger Vater. Oder meynestu /ich habe nicht höchstwichtige Ursachen dieses meines vornehmens? traue mir / dein Vater bedenket wol dieses / was dir nicht eins zu sinne steigen mag; deßwegen sihe dieses mein beginnen nicht anders an / als welches die dringende Noht erfodert und haben wil. Ach mein allerliebster Herr und Vater / antwortete sie / ich wil folge leisten / wanns nur nicht so eilig ist. Ey wanne / sagte er; so wiltu mir gehorchẽ / aber nicht wanns mir / sondern dir gelegen ist? sehet doch die gehorsame Tochter / von der alle Paduanische billich ein Beyspiel nehmen solten. Ach ihr Götter / fuhr sie fort / benehmet meinen H. Vater diesen gefasseten Zorn / oder gebet meiner Seele den gewünschten Abscheid von ihrem Leibe. Du antwortest mir hiemit auff meine frage nicht / sagte er; und was gedenkestu mich mit leeren Worten abzuspeisen? geschwinde und sage mir / wessen du gesonnen seyst / und erinnere dich / daß nicht allein VatersRecht / sondern auch Römischer habender Gewalt dich zwingen kan. Ach mein Herr und Vater / antwortete sie / ist dañ euer väterliches Herz nicht zu bewägen / daß mir nur ein einziger Tag Bedenkzeit gegöñet würde? Was Bedenkzeit / sagte er; nicht ein halb viertel stündichen; dann was hastu nöhtig dich zu bedenken / ob du mir wollest gehorsam seyn? oder hastu etwa einen Rükhalter ohn meinen Willen erkieset / auff welchen du dich steurest? O der vergeblichen Gedanken! Aber auch O des elenden Römischen Stathalters / der sich dieser gestalt von seinen eigenen Kindern hintergehen liesse! Nur noch eins / mein Herr Vater / sagte sie; betrachtet bitte ich ob ihr euer liebes Kind in einer gezwungenen Ehe werdet können sehen auß verzweifelung dahin sterben. Dahin sterben? antwortete er; ich wil dz du es nit vor eine gezwungene / sondern gutwillige Ehe haltest. Doch was zanke ich mich lange mit dir? sprich bald ohn ferner bedenken / ob du gehorsamen wollest oder nicht. Hieraus merkete sie / daß alle ihre Hoffnung vergebens / uñ ihr die Zuflucht zu Ladisla vor der faust abgeschnitten wahr; daher erwog sie sich zusterben / und gab diese Antwort: Nun dann mein Herr Vater / ihr habt euch schon gar zu lange über den Ungehorsam eurer Tochter beschweret / welches keinem Menschen hefftiger als mir selbst zuherzen gehet; wil demnach mich dieser beschuldigung entbrechen / und euch eben den Gehorsam leisten / der keinen höhern zulässet / auch die Götter selbst keinen grösseren erfinden können; als nehmlich / ich wil eures willens geleben / oder da ich nicht kan / durch willige Todesstraffe der Anklage des ungehorsams entno en seyn. Recht so / antwortete er; daß wil ich auch haben von allen meinen Kindern / wann ich ihrer gleich tausend hätte / daß sie mir entweder gehorsamen / oder den Tod drum leyden sollen; und solches hat mich mein Uhr Anherr T. Manlius Torquatus schon vor 562 Jahren [95] gelehret. Dann so wenig dieser seinem Sohn den freyen willen zu streiten gönnen wolte / eben so wenig werde ich zugeben / daß du deines gefallens einen Bråutigam wåhlen / sondern den ich dir geben werde /annehmen solt / ob er gleich in deinen Augen der allerverächtlichste seyn würde. Jaja mein Herr Vater /sagte sie / ich bin viel zugeringe / eurem Willen zu widerstreben / wovor auch ohn das die Götter mich wol behüten werden; deßwegen ordnetes mit mir / wie es euch best dünket. Der Vater stellete sich / als verstünde er ihre redẽ nit / und sagte: Warumb kuntestu mir nicht bald anfangs diese einwilligung in die Heyraht geben / daß ich mich mit dir zuvor überwerffen muß? Ich aber / sagte er zu seinem Gemahl / gehet hin / und machet die Kleider fertig; der Bräutigam wird bald verhanden seyn / und in unser dreyen einsamen Gegenwart meiner Tochter verehlichet werden / nach dem sie mir nunmehr den gebührlichen Gehorsam verspricht / daß ichs ordnen möge / wie michs best dünket. Ja Herr Vater / sagte das Fräulein / ich bleibe beständig dabey / machets nach eurem Gutdünken /ich wil mich der zugelassenen Wahl nicht begeben /sondern weil ich nicht gehorsamen kan / gerne sterben. Ihr Vater kunte sich dieser Beständigkeit nicht gnug verwundern / meynete gleichwol noch / sie zu beugen / und sagte: So viel ich höre / gehestu wieder hinter dich wie der Krebs, und meynest du etwa ein Scherzspiel drauß zu machen? Nein O nein / sondern wiltu wählen so wähle; dann ehe eine Stunde vergehet / soltu verheyrahtet / oder kein Mensch mehr seyn; alsdann kan ich erst rühmen / daß ich eine gehorsame Tochter gehabt habe. Die Mutter kunte den Ja er länger nicht ansehen / begab sich auffs weinen und flehen / und muste auff ernstlichen befehl ihres Gemahls weg gehen. Er aber kehrete sich nach der Wand / und besahe etliche Schwerter / die daselbst bloß aufgehenket wahren; daher das Fräulein ihr keine andere Rechnung / als zum gewissen und schleunigen Tode machete / und ihrem Herzen nichts so wehe taht / als daß sie von ihrem Ladisla nicht eins Abscheid nehmen solte. Da nun ihr Vater zu ihr trat / und sie abereins erinnerte / sich im Augenblik zu bedenken / weil nach einmahl geschehener Wahl er die Enderung schwerlich zulassen würde; setzete sie sich vor ihm auff die Knie / küssete und netzete ihm die Hände mit Trähnen / dz sie auf die Erde stelen / begriff sich bald darauf / und fing diese Rede an: Herzallerliebster Herr uñ Vater; die Götter habẽ mich unglüklich gemacht / dz ich eures väterlichen begehrens / wie ich billig solte /nicht geleben kan; aber dannoch mir diesen Gnadenblik dagegen verlihen dz ich meinen Ungehorsam mit meinem Blute bůssen und bezahlen mag. Ich erkenne die hohe väterliche Gnade / Liebe und Vorsorge /deren ich Zeit meines lebens so überflüssig genossen /daß ich derselben weiters nicht wert bin; uñ ob ich zwar mir gänzlich vorgenommen hatte / nimmermehr ichtwas wieder meines Herrn Vaters Willen zu wollen oder wågern / so hat doch der kleinste Gott von allen mich davon abgeleitet / welches ich / viel einen grössern zu können / nicht getrauete. Ich erkenne meine Schuld / mein Herr Vater / und ist mir / sage ich nochmahl / Lieb / daß sie kan gebüsset werden; bedanke mich (eure Gütigkeit nicht länger zumißbrauchen) der mir bißher erzeigeten Liebe und Hulde /wünsche meinen Eltern langes Leben / beständige Gesundheit und immerwehrendes wol ergehen / insonderheit / daß die Götter ihnen eine gehorsamere Tochter an meines lieben Bruders künfftigem Gemahl geben mögen / als ich leyder nicht seyn kan; bitte /meinen Erettern; O ja meinem höchstverdienten Ladisla / den lezten Gruß meiner unbrüchigen [96] Gewogenheit und Träue anzumelden / welches mein Bruder mir nicht abschlagen wird / und wähle mir hiemit einen schleunigen Tod / aber von dessen Händen / der mir das Leben gegeben hat. Hierauff rieff sie den Himmel an / er möchte ihrer Seele die Geselschafft der seligen nicht mißgönnen. Der Vater lies sie gar außreden /und sagte hernach: So wählestu dir den Tod? hastu dann etwa verredet / ehelich zu werden? dieses nicht Herr Vater / antwortete sie. Wie kanstu dann / fragete er / dir den Tod schlechter Dinge wählen / ehe und bevor du vernimst / welchen ich dir außersehen habe; jedoch / damit ich weder dich noch mich länger auffhalte / sondern die Volstreckung / wie ich geschworen ehistes leiste / wil ich dir den Bräutigam zuvor nahmhafft machen / dem du diesen Abend hättest sollen beygelegt werden / wie wol ich anfangs nicht bedacht wahr / dir ihn wissen zu lassen / welcher gleichwol /so bald du wegen deines Ungehorsams abgetahn bist /den gebührlichen Brautschaz / und nach meinem Tode die helffte aller meiner Güter heben sol; diese nun /gib acht / ist eben der / welcher gestern und heut deiner ehren verfechter gewesen / Herr Ladisla; trat hiemit nach der Wand nam ein Schwert in die Hand /und stellete sich / als wolte er ohn Wortsprechen ihr das Häupt herunter schlagen. Das Fräulein / ihres Vaters letzten Worte hörend / fiel vor freuden in Ohmacht / und lag gestrekt auff ihrem Angesicht. Der Sohn trat zwischen den Vater und die Schwester / und sagete: Herr Vater / ist euch mit meiner Schwester Blute dann so wol gedienet / wann es durch eure selbst eigene Hand auff die Erde geschüttet wird / so vermischet das meine mit dem ihren / ob eure Vergnügung hiedurch könte vermehret werden; dann ich verschwöre dessen Vaters lebendiger Sohn länger zu seyn / der eine so gehorsame Tochter tödten wil / und mir viel ungehorsamern das Leben lässet; ists aber möglich / daß meine kindliche Bitte mag angenommen werden / so verzethet doch mir und ihr diesen fehler / dessen ursach ich die blosse Unwissenheit halte / weil ich nicht zweifele / sie werde nunmehr sich dem schuldigen Gehorsam nit entbrechen. Der Vater legte das Schwert von sich / und sagete: So merke ich wol / daß du umb ihre Heimligkeit mit weissest / und hast mir solches verschweigen können? Herr Vater / antwortete er; ich beruffe mich auch die Götter / daß ich ausser ungewisser Muhtmassung nicht das allergeringste habe / wie vielleicht mein Herr Vater auch nicht / daher ich wol entschuldiget seyn werde. Das Fräulein lag noch in tieffer Ohmacht / aber ihr Bruder rüttelte sie / daß sie wieder Lufft bekam / richtete sich gemehlich auff / und stritte Schahm und freude dergestalt in ihrem Herzen / daß ihr Wiz und Vernunfft / ja alle Gedanken stehen blieben; endlich / da der Bruder sie der Dankbarkeit erinnerte / fiel sie dem Vater mit unzåhligen Küssen und Trähnen umb den Halß / und fing also an: O mein herzgeliebter Herr und Vater / jezt komme ich zur Erkäntniß / wie hoch ich mich versündiget / indem ohn euer Vorwissen ich mir einen zum Bräutigam belieben lassen; ich schwöre aber bey den himlischen Göttern / daß weder Vermässenheit noch leichtfertige Bewägungen / sondern bloß die vermeynte Schuld der Dankbarkeit mich darzu verleitet hat / und zwar zu keiner weiteren Verheissung / als biß auff das väterliche bewilligen; auff welche Verwegerung zwar Herrn Ladisla zu meiden / aber auch keinen andern ni ermehr auzunehmen / ich mich bey der Götter Ungnade verlobet habe; Dieses ist meine begangene Sünde /die hernähst mit allem kindlichen Gehorsam zu ersetzen / mich befleissigen wil. Ich könte zwar Herrn [97] Ladislaen überauß hefftiges anhalten / und meine Unwissenheit / schon verlobet zu seyn / zu meiner Entschuldigung anführen / wann ich mich nicht ganz gerne vor allerdinge schuldig angeben wolte. Ich verzeihe dir dein Verbrechen / sagte der Vater / und bekräfftige dein Versprechen / doch daß du zuvor hingehest / und dich bey H. Ladisla selbst seines eigentlichẽ Standes und Wesens erkündigest / damit ich wisse / wovor ich ihn halten sol / und ob er vor der Heyraht Käyserlicher Gnade bedürffe; aber mit dieser ernstlichen Verwarung / daß wo du ihm auch nur den allergeringsten Wink dieser meiner Einwilligung geben wirst / ehe ich dichs heisse / du bey mir verfluchet / und von aller meiner Hulde verbannet seyn sollest; wil auch alles wiederruffen / uñ dich als eine mutwillige ungehorsame zu straffen wissen. Das Fräulein lobete beständig an / alles nach seinem Willen zu verrichten / ließ Ladisla von der Gesellschafft fodern / unter dem schein / als wolte der Vater selbst ihn sprechen; Als er nun kam / und sie mit ihm gar allein wahr / sagte sie zu ihm: Mein Herr und wahrer Freund / mir zweifelt nicht / seine mir hochbeteurete Liebe stehe auf unwankelbahren füssen / und habe er das vertrauen zu mir / ob ich eine verborgene frage /aus höchstzwingender noht an ihn würde abgehen lassen / die ihm (welches ich äidlich angelobe) nit sol schädlich seyn / er werde solches von mir nicht ungleich auffnehmen. Er durch Liebe bezwungen willigte ihr alles ein; Und fuhr sie weiter also fort: So ist nun meine herzliche Bitte / mir in Vertrauen zu sagen / wer / und auß was Landschaft er eigentlich entsprossen sey; sonst ist unmöglich / daß ich euer Liebe trauen / oder auff geschehene Zusage mich verlassen kan. Nun hatte er mit Herkules schon abgeredet wie weit er sich herauß lassen solte; wunderte sich aber nicht wenig des ernstlichen nachforschens / und gab zur Antwort: Sie wüste ja / daß sie sein Herz und Seele in ihrer Gewalt zu ihrem Willen hätte / deßwegen wolte er ihr / als seiner Vertraueten diese Heimligkeit gerne offenbahren / wie auch zum teil schon geschehen / dafern sie nur solches verschwiegen halten könte. Was zweifelt mein Schaz an meiner träue / sagte sie / meinet er / ich werde ursach seiner Ungelegenheit seyn wollen? doch nehme ich dieses auß / wann mein Herr Vater von euch dereins wegen meiner Heyraht besprechẽ werden solte / meynet er alsdann / demselben dieses zu verbergen / und gleichwol seinen Willen zuerhalten? Nein / sagte er / auff solchen fall werde ich mich ihm eben so kund geben / wie ich anjezt meinem höchstgeliebeten Fräulein in reiner Warheit zu wissen tuhe / daß mein Herr Vater vor neun Monat ohngefehr / todes verblichen / der ein herschender König in Böhmen wahr / uñ hat durch diesen seinen Todes fall mir seinem einigen Sohn das ganze Reich verlassen / welches ich meiner Fr. Mutter / Herkules Vaters Schwester biß auff meine Wiederkunfft zu geträuen Händen befohlen; Ja mein Schaz / ich habe unter dem Nahmen Winnibald in Römischen Käyserl. Diensten mich in die anderthalb Jahr zu Felde gegen die Pannonier gebrauchen lassen / und durch Niederlegung eines Pannonischen Kämpfers verdienet / daß man mir das Römische BürgerRecht angebohten. Sonst habe ich eine einzige Schwester von ohngefehr XV Jahren / mit welcher mein Schaz dereins Schwesterliche Liebe wol wird halten können. Das Fräulein bedankete sich herzlich / und zum Zeichen ihrer Vergnügung küssete sie ihn etliche mahl / dessen er sich in hoher Belüstigung verwunderte / massen sie noch nie in der Einsamkeit sich gegen ihn dergestalt bezeiget hatte. Nachgehends fragete sie / wie es mit seiner Wunde beschaffen währe; und da sie [98] vernam / daß er selbst köstliche Salbe mit von Rom gebracht / uñ sie damit verbunden / auch keine Schmerzen noch einige Hinderniß daher empfünde / baht sie umb Verzeihung ihres nöhtigen Abscheidens / und brachte ihrem Vater die Antwort; welcher zu ihr sagte: Nun den Göttern sey Dank / daß du dergestalt versorget bist / wiewol ich lieber sehen möchte / daß er eines Königes Bruder / als ein herschender König währe. Befahl hierauff /daß Mutter / Sohn und Tochter auff ein Gemach gehen / und was sie auch vernehmen würden / von dannen nit weichen solten / biß er sie würde fodern lassen; dem sie auch gehorsamlich nachkahmẽ. Er verfügete sich darauf nach einem andern / von diesem weit abgelegenẽ Zi er / in welchem nichts als die vier Wände / und oben in der Höhe / kleine vergitterte Fenster zu sehen wahren. Auff dieses lies er Ladisla zu sich fodern / welcher willig erschien / fand den Stathalter in tieffen Gedanken gehen / und in der Hand zwey grosse Schreiben halten mit dem Käyserlichen Pitschafft. Auff seine Befragung / was der Herr Stathalter so tieff nachsinnete / bekam er zur Antwort: Es währen ihm von seinem allergnådigsten Käyser Alexander / etliche Schreiben / unterschiedliches Inhalts zukommen / welches er teils gerne / teils mit höchster Wiederwertigkeit verrichtete / weil er fürchtete / es möchte grosse Unruhe verursachen. O mein Herr / taht er hinzu / es ist höchlich zubeklagen / daß mein allergnädigster Käyser nicht nach seinem Willen schaffen darff / sondern offtmahl sich von andern gezwungen muß beherschen und nötigen lassen. Er hatte diese Worte kaum geredet / da erhub sich ein grosses Getümmel auff der Gassen / und im Plaze des Hoffes / auch zugleich ein Geschrey; es hielten sich Römische Feinde in der Stat auff / welche gegriffen / und nach Rom zu gebührlicher Straffe solten hingeführet werden. Sie höreten dieses eigendlich / aber der Stathalter nam sich dessen gar nicht an / sondern baht Ladisla umb verzeihung wegen eines geringen Abtrittes /daß er vernehmen möchte / auß was Ursachen sie bey ihrem Vorhaben so unbendig schriehen; ging hiemit von ihm / und zog die eiserne Thür nach sich zu. Nun hörete Ladisla das Geruffe sich stets vermehren / auch endlich einen mit harter Stimme sagen; suchet fleissig ihr redlichen Soldaten / daß wir den andern Schelmen und verrähterischen Bösewicht auch sahen mögen; der eine ist schon auff dem Bette in seiner ertichteten Krankheit ergriffen / und sol sein Geselle allhie vor einer Viertelstunde auch gesehen seyn / daher er ohn zweiffel dieses Orts sich muß verborgen halten. Hierüber erschrak er so hefftig / daß ihm das Geblüt zum Herzen lieff: Römische Feinde? sagte er bey sich selbst; Römische Feinde? und derselben zween? vielleicht bin ich und Herkules verrahten / daß man uns wegen der Verstellung vor Feinde oder Kundschaffter hält; ja vielleicht ist mein Herkules wol schon gefangen. Lieff hiemit zur Thür / zu sehen / wie es seinem Freunde ginge; aber er fand dieselbe so fest versperret / daß ihm unmöglich wahr / sie zu öffnen. Jezt gedachte er / der Stathalter hätte ihn in diese Gefängnis gelocket / daß er ihn den Außspehern lieffern möchte /und fiel ihm ein / wie beschweret er sich befunden /dem Käyserl. Befehl nachzukommen. Bald hörete er einen zum andern mahl ruffen; und dauchte ihn des Stathalters Stimme seyn; man solte nur fleissig suchen / alsdann würde sich der Verrähter schon finden / weil sein Geselle selbst Anzeige getahn / daß er noch auff dem Hofe seyn müste. Hierauff schlug er allen Zweifel auß / und machete ihm die unfehlbare Rechnung /er und kein ander würde gesuchet; und wie er etwas jachzornig [99] wahr / lieff er voll Galle / und fieng an sein Unglük zu verfluchen; durffte auch die Gedanken fassen / ob jhm etwa durch Fräulein Sophien nachgestellet würde / und sie zu seinem Unglük mit listigen Worten seinen Zustand außgeforschet hätte. O ich Unglükseliger sagte er / nun muß ich entwender mein Leben verlieren / oder den Römern mein Königreich zinßbar machen / wo nicht gar in die Hände liefern; doch wil ich lieber sterben / als mein liebes Vaterland verrahten / oder dessen Freyheit übergeben. Aber rühme dich nun / Ladisla / du habest zu Padua Heyraht gesucht / und dein Leben drüber zugesetzet. O Fräulein Sophia / ist dieses die Liebe und Träue / welche ihr mir versprochen? Ist diß der Lohn / daß ich euret wegen mein Leben so liderlich geschätzet / und zu euer Rettung gewaget? doch ergehe mirs nach der Götter Schluß; Dieselben erhalten nur meinen lieben Herkules / der wird mich schon rächen / und nicht unterlassen / mein Reich zu schützen / auch wann er seines wieder erlanget hat / den Römern ein solches Blutbad anrichten / daß mein Tod ihnen teur stehen sol / wo sie nicht gar drüber zu grunde gehen müssen. Nun dann mein Herkules / so bewahre dich dein GOTT / und lasse diß Ungewitter über mich allein ergehen. Aber was rede ich? habe ich doch mit meinen Ohren angehöret daß man dich gefangen / und wie sie meynen / in ertichteter Krankheit angetroffen hat. O was gedenkestu / wo ich stecken möge? daß ich dich in deiner äussersten Noht verlasse? und wie wird dein unüberwindliches Herz diese Schmach immermehr erdulden können? daß du von den Schergen dich must schleppen und stossen lassen. Ich fürchte / ja ich fürchte / deine Großfürstliche Seele habe den allerädlesten Leib schon verlassen / und solches vor grossem Unmuht. Nun mein Herkules / Geduld / Geduld! bistu dahin / so wil ich dir bald folgen / es sey dann / daß ich mein Leben / dich zu rächen fristen könne; alsdann wil ich diese Stadt schleiffen / und ein Erbfeind des Römischen Nahmens leben und sterben; ja ich wil alle meine Nachbarn umb mich her / samt den Nordischen Reichen auffwiegeln / und ganz Italien als eine fluht überschwemmen / biß dein unschazbares Blut durch ganze Blutströme gerochẽ sey. Es rief aber zum dritten mahle einer im Platze / an der Stimme Herrn Kornelius nicht ungleich: Habt ihr dann den Bösewicht noch nie ertappet? Er liegt ohn zweifel dieses Orts verborgen; so bemühet euch nun / daß wir sein mächtig werden / alsdann sol es jhm ergehen gleich wie seinem schelmichten Gesellen. Ey sagte er hierauff; so gnade dir dein Gott / liebe Seele / du unvergleichlicher Held in Verstand und Tugend; aber pfui mich / daß ich mein Schwert von der seite gegürtet habe; könte dann dieser Buben ich mich nicht länger erwehren / so hätte ich ja zum wenigsten / damit ich mich selbst entleiben / und dieser Schmach entgehen könte / daß ich dir / O mein geträuester Freund und Bruder im Tode Geselschafft leistete / weil das feindselige Glük uns diese Lufft länger nicht gönnen wil. Aber O ihr unsinnigen Römer / ist das euer hochberůhmter Verstand / daß jhr dieselben alsbald wegen ihres Herkommens vor Feinde haltet / die euch nie kein Leid getahn / sondern alles gutes gewünschet haben? Hier hörete er endlich die Trommete blasen /und alles Volk verlauffen / welches jhn wunder nahm.

Nun wahr der Stathalter allemahl haussen vor der Tühr stehen blieben / und hatte [100] seine Reden venommen / wornach ihn nur einig verlangete; als er aber hörete / daß er mit wütigen Gedanken umbging / und der Verzweifelung nicht ferne wahr / fiel ihm ein / er möchte in Mangel des Schwerts etwa mit dem Kopffe wider die eiserne Tühr lauffen / oder das Brodmesser hervor suchen / sich zuentleiben; öfnete deßwegen die Tühr gar sanftmühtig / nam sich durchauß keines dinges an / sondern trat mit gewöhnlichen Geberden zu jhm hinein / und sagte: Verzeihet mir. Ladisla aber fiel ihm alsbald in die Rede / sahe ihn mit überauß greßlichen Augen an / und sagte: Was verzeihen; saget mir Herr Stathalter / wie es meinem Bruder Herkules gehe / und gedenket nicht / daß ich seinen Schimpf lebendig werde ungerochen lassen. Ey wie so mein Herr / anwortete er gar sanfftmühtig; es gehet ja dem frommen Helden nicht anders als wol / ohn was die empfangene Wunde betrifft. Was vor Wunde / fragete er; wer hat dañ das unschuldige Herz verwundet? Mein Herr begreiffe sich / antwortete der Stathalter /es ist ja Herr Herkules wegen gestriger Wunde etwas schwach. Wie? sagte dieser; träumet mir dann / oder ist mir das Gehirn verrükt? Ich meyne ja nicht anders / es haben sich etliche hören lassen / wie sie ihn auff dem Bette in ertichteter Krankheit ergriffen. Da begunte nun der Stathalter sich überauß leidig anzustellen / und antwortete: O mein lieber Herr und Freund /es ist mir sehr leid / dz durch die unvorsichtige Tühr versperrung ich ihm so ungenehme Gedanken erwecket habe. Aber dieser stund annoch im zweifel / lieff nach der Tühr / und kuckete hinauß / ob einige Verrähterey verhanden währe; und wie stille er gleich alles sahe / lag ihm doch die Einbildung so stark im Gehirn / daß er sagete: Mein Herr / wie unschuldig ich mich gleich aller Untaht weiß / kan ich mich doch nicht wol bereden / daß ich weit irre / es werde mir dann angezeiget was vor ein Getümmel unten im Hofe gewesen / und was vor verstekte man gesuchet. O mein werter Herr / antwortete er / ists wol möglich /daß er daher einige widrige Gedanken schöpffen mögen? so muß ich mich selbst anklagen / daß durch meine Unvorsichtigkeit er darzu veranlasset ist. Er weiß / daß ich zweyer Käyserl. Schreiben gedacht /deren wichtigstes eine ungewöhnliche durchgehende Schatzung fodert / welche / wie ich fürchte / grosse Unruhe verursachen wird. Das andere betrifft das jezt ergangene / und werde ich befehlichet / fleissige Nachsuchung auff dem Lande und in den Städten zu tuhn / ob nicht etliche Auffrührer von der Besatzung zu Rom / welche außgerissen / sich hieherumb auffhalten möchten / auff dieselben solte ich ein gewisses Geld schlagen / und wann sie ergriffen würden / lebendig gen Rom liefern lassen. Als solches durch den Schreiher kund worden / hat man alsbald einen Feldwebel und Fähndrich außgespüret / die zwar angepacket / aber bald wieder außgerissen / und sich auff meinem Hofe verstecket hatten / find doch / einer im Pferdestalle auff meines Reit Knechts Bette / der ander gleich hierunter im Waschhause wieder ergiffen worden.

Ladisla erhohlete sich hierauff / stund als währe er vom Schlaffe erwachet / und wolte das Mißtrauen noch nicht allerdinge weichen / sondern hielt an / dz ihm möchte vergönnet seyn / nach seinem lieben Herkules zu gehen. Je warum nicht / sagte der Stathalter /nur allein bitte ich / mein Herr wolle ihm ja nichts widriges von mir einbilden / oder meine Träue in Zweifel zihen. Davor behüten mich die Götter / antwortete er / dz solche Gedankẽ [101] meinen Siñ einnehmen solten; aber ich bin die zeit meines Lebens in so grosser Angst nicht gewesen / als diese halbe Stunde / und ist mein bestes / daß ich kein Schwert bey mir gehabt / ich hätte sonst vielleicht / Schimpf zu meiden / mir das Leben abgekůrzet / da ich ruffen hörete / der eine währe schon gefangen / und nach Verdienst zugerichtet / und hielte sich der ander auch dieses Orts auff. Ob nun wol ich mir durchauß nichts böses bewust bin / dessen ich meinem eigenen Gewissen Zeugniß abfodere / ist doch die Verrähterey und Hinterlist so groß /daß man der Welt nicht trauen darff; und machte ich mir die Gedanken / ob nicht etwa Fulvius Freunde solchen Lerm erwecketen / und durch unbillige Rache mein Verderbe sucheten; welches unter falschem scheine / daß ich ein fremder bin / sie leicht hätten zu werk richten mögen. Als der Stathalter dieses hörete /ließ er sein betrübtes Angesicht sehen / uñ sagte: Es möchte eine blosse Unvorsichtigkeit niemahls so grossen schrecken erwecket haben / als aniezt leider geschehen währe / welchen aber durch ein angenehmers zuersetzen er ihm wolte lassen angelegen seyn. Führete ihn auch mit sich über den Plaz nach einem köstlichen Gemachẽ / da ihm Herkules Leibknabe begegnete / und von demselben seiner übrigen Sorge gänzlich entlediget ward.

Inzwischen hatte die Mutter ihre Tochter als eine Fürstl. Braut außgeputzet / da sie wie ein gemahletes Bildichen glänzete. Ihr langes gelbes Haar hing ihr auff dem Rücken nieder; oben auff dem Häupte hatte sie einen grünen Kranz mit schönen Blumen und köstlichen Kleinoten durchsetzet; jhr Oberkleid wahr ein schneweisses Silberstük / mit eingewirketen Blumen; der Unterrok ein Tyrischer Purpur mit einer Perlenschweiff / und forne herab mit vierdoppelter Reihen Demanten verbremet; aber dz scheinbahreste an ihr wahren die verliebeten Aügelein / welche die übermachte herzens Freude dañoch so völlig nit entwerffen kunten / wie sehr auch die lebhaffte Farbe des nach wunsch gebildeten zarten Angesichts sich bemühete / ihnen die hülffliche Hand zu bieten. In beyden Ohren hatte sie zwo Perlen hangen als eine grosse Haselnus / die auff 6000 Kronen geschätzet wurden. Ihr Halßketchen wahr von eingefasseten Demanten fünffdoppelt umb den Halß / und hing zu unterst dran recht zwischen ihren Brüsten ein Kleinot in Gestalt des kleinen Liebegottes / grosses werds. Auff dem Daumen trug sie einen grossen güldenen Ring mit einem Demant / der seiner grösse und reinigkeit wegen hoch geschätzet wahr / mit welchem sie ihrem liebsten solte vermählet werden. Der Stathalter wahr kaum mit Ladisla auff das zierliche Gemach getreten /da kam ein kleines Mägdelein / und zeigete an / man wartete auff nichts / als auff seinen Befehl; da er alsbald Ladisla also anredete: Mein hochgeliebter Herr und Freund; billig müste ich von den Göttern gehasset / und von allen redlichen Menschen geschändet werden / wann ich unbemühet bliebe / etwa eine Gelegenheit zu ergreiffen / wodurch die treflichen Dienste / unter Lebensgefahr mir und den meinen erzeiget / in etwas erkennet würden. Nun weiß ich schon vorhin wol / daß mein Geld und Gut / ob ich dessen gleich /den Göttern sey Dank / zur zeitlichen Notturfft übrig habe / der Gültigkeit eurer Woltahten die Wage nicht halten kan; ja von meinen Herren uñ Freunden nicht eins wil angenommen werden / wie insonderheit sein Freund Herr Herkules sich dessen am meisten wegert; so habe ich doch unter andern ein mir sehr beliebtes /bißher wol verwahrtes / und meinem bedünken nach /zimlichen werdes Kleinot / welches ich vielleicht [102] aus sonderlicher Neigung höher als ein ander schätzen mag; Dieses meinem Herrn / als der insonderheit sich meiner Tochter angenommen / einzuliefern / habe ich mir gänzlich vorgesetzet der Hoffnung gelebend / er werde mir solches nicht / wie das gestrige / verächtlich außschlagen / sondern von meiner Hand unwegerlich annehmen. Ladisla antwortete ihm: Mein hochwerter Herr; ich bitte sehr / meine geringschätzigen Dienste nicht so gar über ihre Wirdigkeit zu erheben / als die gestriges Tages mit wenigen Schwertschlägen verrichtet sind / und mein Freund Herkules mehr als ich dabey geleistet hat. Wie solte dann mit gutem Gewissen / uñ Verletzung meines Ritterstandes ich davor so hohe Belohnung annehmen / und ein so liebes hochwertes Kleinot ihm abhändig machen können? gnug ist mirs / und über gnug / daß ich die Ehre gehabt / den unschuldigen hochbetrübten Fräulein in ihrer gefahr beyzuspringen / als durch welches mittel ich in meines Herrn kundschaft gerahten bin. Dafern nun mein Herr einigen guten willen zu mir tråget /bitte ich von herzẽ / mich mit weiterer nöhtigung / das Kleinot anzunehmen / günstig zuverschonen. Nun mein Herr / sagte der Stathalter / so schlaget ihr mir auch dieses mein Erbieten vor der Faust rein abe? wol dañ / so muß ich gleichwol versuchen / ob meiner Tochter hände geschikter uñ glükseliger sind / euch solches beyzubringen. Ladisla wolte nochmahls umb verzeihung seines wegerns anhalten; aber das Fräulein trat gleich zur Tühr hinein / welche diesen Weg mit so erschrockenem Herzen ging / als solte sie einem ganz unbekanten zugeführet werden / daß sie schier nicht wuste / ob sie gehen oder verzihen solte; endlich straffete sie sich selbst / daß sie Ursach der Verzögerung ihrer Vergnügung währe / machte sich mit geraden Füssen fort / und trat nach ihres Vaters Anordnung ein kleines Mägdlein mit einem kleinen vergüldeten Schrein hinter ihr her. Es schwebeten aber so viel und mannicherley Gedanken in ihrem Gehirn umbher / daß sie als eine trunckene wankete / und mit dem Fusse / da sie ins Gemach trat / wieder die Unterschwelle sties / daß der Kranz auff ihrem Häupte loß ward / und sie denselben herunter nehmen / und in der Hand tragen muste. Ihr Vater aber stellete das kleine Mägdlein ihr an die Seite / und redete sie also an: Geliebtes Kind; die Vergeltung / so ich Herren Ladisla heut / wie du weist / vor seine hohe Dienste zugedacht habe / kan ich ihn nicht bereden / daß ers annehme /wie fleissig ich auch bey ihm anhalte / und mich dessen doch nicht würde unterstanden haben / wann du mich nicht viel eines andern berichtet hättest. Sie aber ward dieser Rede schamroht / und lächelte / in Meynung / ihr H. Vater wolte sie noch weiter auffzihen /daher sie nichts antwortete. Ladisla wahr sehr betrübet / daß er so hart genöhtiget ward / hätte auch schier Eingewilliget / in Betrachtung / daß er das Geschenke in andere wege mit gleichem Werd ersetzen könte; aber Herkules Widerwille / und der übelstand fiel ihm zu stark ein / daß jhm unmüglich wahr / sich zu erklären / uñ ja so stille als das Fräulein schwieg; die jhn mit höchster Verwunderung ansahe / und nit wuste /wessen sie sich verhalten solte; endlich aber antwortete sie ihrem Vater also: Solte Herrn Ladisla sein stille schweigen oder Verwegerung ungetichtet seyn / als dann würde ich mich in die Welt nicht zuschicken wissen / sondern hätte ursach / mich dessen zubeschweren. Durch diese Hefftigkeit ward Ladisla bewogen in des Stathalters Begehren einzuwilligen; welches derselbe merkend / ihm mit dieser Rede zuvorkam. Nun wolan Herr Ladisla / es haben gewißlich ihrer wenig sich zu rühmen / daß ich ihnen gegenwärtiges mein [103] liebstes Kleinot angebohten; weil er mir aber solches lieber / als ihm selber gönnet / wil ich ihn weiters nicht bemühen / sondern es einem andern vorbehalten / und doch auff andere Mittel bedacht seyn / ihm seine Freundschafft und Dienste zuvergelten; aber dein wundere ich mich / sagte er zu der Tochter / daß du mich viel eines andern berichtet hast. Wem wahr lieber als Ladisla / daß er wieder seinen Willen nichts nehmen solte? er fing an sich zu bedanken / daß er der Anmuhtung mit gutem Willen überhoben währe / heffete auch / sein hochgewogenes Fräulein / welche vielleicht seine Gedanken nicht recht möchte gefasset haben / würde ihm solches zum ärgesten nicht außdeuten / weil er sich einer so teuren Vergeltung unwirdig schätzete / er auch seine Dienste nicht in solchem Vorsatze angewendet hätte; und währe ihm lieb daß dieselbe einem wirdigern vorbehalten würde / er hätte an der blossen Gutwilligkeit und angebohtenen Ehre übrig gnug; jedoch / wann er die Kühnheit brauchen dürffte; wolte er umb die freye Wahl eines Geschenks bitten / da es sonst zugleich mit der Fräulein Willen geschehen könte. Der Stathalter hätte der Antwort gerne gelachet / da er seiner Tochter braungefårbeten Eyfer sahe / der sich bald in eine bleiche verenderte / und sie ihn schon von der Seiten sehr saursichtig anblickete / ihr gänzlich einbildend / Er würde wegen daß ihr Vater sie ihm angebohten / wiedrige Gedanken jhrer Ehren und guten Leumuts geschöpffet / und des Kauffs Reue bekommen haben. Ladisla harrete inzwischen auff des Stathalters Einwilligung wegen seines anmuhtens / welcher zu ihm sagete; Mein Herr / er weiß ja ohn daß /welche Freyheit ich ihm zugestellet / nach seinem Willen zu fodern und zubegehren; daher mir nichts liebers seyn kan / als wañ er sich dessen kühnlich gebrauchen würde; weil ich aber befürchten muß / daß er umb ein so geringes anhalten möchte / welches ohn meine Beschimpffung den nahmen eines Geschenks nicht haben könte / wird er mir verzeihen / daß ich biß auff daß ergangene Anheischen / die Einwilligung auffschiebe. Ich wil nicht hoffen / antwortete er / daß ich meinem Herren zuwieder etwas wählen werde /sondern meine Bitte reichet nur biß an daß köstliche Krånzlein / welches mein Fräulein auff ihrer Hand träget / und ich auff Einwilligung vor eine mehr als überflüssige Belohnung meiner geringfügigen Dienste rechnen würde; trat hiemit zu ihr hin / in hoffnung /den Kranz ohn Wegerung von ihr zu empfangen. Aber er ward heßlich betrogen; massen sie auff seine näherung zu rük trat / und mit verächtlicher Rede sagete: O nein ihr falscher Ladisla / ist es euch so ein geringes / Götter und Menschen zu täuschen und eine Kunst / ein einfältiges Fräulein auffzuzihen / werdet ihr trauen von mir unwirdig geschätzet / die geringste Blume / ich geschweige diesen Kranz zuerhalten. Der arme Ladisla erschrak über ihren unfreundlichen Anblicken und sauerer Rede so hart / daß ihm unmöglich wahr / ein wörtlein vorzubringen / oder einen Fuß aus der Stelle zusetzen endlich fing er an: Nun nun mein Fräulein / hat euer gehorsamster Knecht / welches er doch nicht weiß / sich an euch versündiget / so nehmet / zur bezeugung seiner Unschuld diese letzte entschuldigung von ihm an. Er wolte weiter reden / aber die Zunge versagete dem Willen weitern Gehorsam /und suchte die Ohmacht das übrige zu volstrecken; welches der Stathalter ersehend / ihn bey dem Arme schüttelte / und zu ihm sagte: Nicht also mein geliebter Herr / nicht meiner Tochter Kranz / sondern wer denselben / weil es ihr Brautkranz ist / von ihr begehret / muß sie darzu nehmen; und zwar diese [104] meine liebste einige Tochter ist eben das Kleinot und Geschenk / welches ich ihm zu lieffern willens bin / und er mir solches / ohn zweiffel auß Irtuhm und Unwissenheit außschläget / und nichts mehr als diesen elenden Kranz an ihre Stat fodert. Dieses nun brachte ihm eine so gelinge Verenderung / daß er vor freuden sein selbst vergaß. O mein hochgeneigter Herr und Vater /sagte er; ich verfluche meiner Jugend Tohrheit / in dem ich unbedachtsamer Weyse mich eines dinges wegere / daß mir lieber als meine Seele ist; küssete ihm die Hände aus grosser Liebe / und fuhr also fort; Ich hätte nimmermehr gedacht / daß so grosse Hulde euer Vaterherz eingenommen / die dieses volkommene Frl. mir zur Vergeltung würde folgen lassen; sonsten müste ich schandwirdig seyn / wann ich mich hierzu solte lassen bitten / warumb ich so inständige Ansuchung getahn; Es ist aber meine Vergnügung viel grösser / als daß ich sie mit Worten oder Geberden solte können an den Tag geben / daher mein Herr und Vater keiner andern Danksagung gewärtig seyn wolle / als welche in steter Bereitwilligkeit stehet /dessen Gebohten und Befehlen Tag und Nacht zugehorsamẽ / als lange meine Seele in mir wird rege seyn. Geliebter Herr und Sohn / antwortete er; mein Wort ist gesprochen / weil ich in heimliche Erfahrung /nicht ohn sonderbahre Herzensfreude kommen bin /daß mit dieser Vergeltung ich euch den angenehmsten Willen erzeigen wůrde / wie ihr dessen nicht allein wirdig seyd / sondern ich auch erkennen muß / daß jhr sie gedoppelt mit dem Schwerte gewonnen / jhre Ehre und Leben gerettet / und durch eure herrliche Tugend sie euch verbunden gemacht; daher mirs billich zum höchsten Unglimpf müste außgeleget werden / wann ich sie seinem Willen eine Stunde vorenthielte; Ist demnach mein ganzer Vorsaz / daß sie diesen Abend meinem Herrn Sohn ehelich vertrauet und beygelegt werde / welches die Götter mir zur freude auf meinen Geburstag also schicken; und kan das HochzeitFest nach seinem belieben erstes Tages folgen / so bald Herr Herkules völlig wird genesen seyn. Da ging nun Ladisla verliebte Seele in vollen sprüngen / als er hörete / daß er seiner Liebe den freyen Zaum dürffte schiessen lassen.

Das Fräulein hatte sehr ungleiche Gedanken von ihm geschöpffet / vernam aber nunmehr den Irtuhm /und hermete sich überauß sehr / wegen der außgestossenen Reden / daß sie weder jhren Vater noch Liebsten ansehen durffte. So hatte auch Ladisla das Herz nicht / zu ihr hinzutreten / biß der Vater zu ihm sagete: Ich weiß nicht / Herr Sohn / warumb er anjetzo weniger / als vorhin sich zu meiner Tochter nahet / da sie doch schon seine ist? Worauff er antwortete: Seine Liebe währe zwar im höchsten Gipfel / aber die Glükseligkeit so groß / daß sie von seinen Gedanken nicht könte abgefasset werden. Ey / sagte der Vater / so wil ich durch meinen Abtrit euch Raum geben / eure Gedanken recht zu samlen. Du aber / sagte er zu der Tochter / schicke dich auff eine gebührliche Abbitte /deiner begangenen Grobheit; ging also davon / und ließ H. Kornelius und H. Emilius mit ihren Gemahlen und Töchtern anfodern / auff sein Geburts Tages-Fest in feyerlicher Kleidung zu erscheinen / wie sie darzu schon erbehten währen. Nach seinem Abtrit umbfing Ladisla sein Fräulein gar lieblich / und rühmete sein Glük / daß er nunmehr die Freyheit haben würde /sich an seiner Hochgeliebten zu ergetzen / wiewol er nicht absehen könte / was vor Bewägung den Vater zu so hoher Begünstigung angetrieben håtte. Sie aber fing mit demühtiger Rede an / den begangenen frevel jhr nicht zu verargen / dessen ursach er selbst erkennen würde / erboht [105] boht sich nach diesem zu allem Gehorsam / als viel einem Gemahl zu leisten möglich währe / und sagte hernach: Wir haben den Göttern hoch zu danken / vor ihre uns erzeigete Gnade / aber die jetzige freude ist mir vor einer Stunde dergestalt besalzen / dz ich des schreckens in einem Monat nicht vergessen werde / angesehen ich mich dem Tobe schon ergeben / und den Halß dem Richtschwerte willig dargebohten hatte; erzählete hiemit kürzlich / wie der Vater mit ihr geberdet / und nach Anzeige ihrer Frau Mutter / bloß allein zur straffe / daß sie ohn der Eltern Vorwissen und Bewilligung so kühn gewesen /sich ehelich mit ihm zu versprechen. Ladisla klagete ihr sein übergestandenes auch / welches ohn zweifel jhm auß eben der Ursach begegnet währe / und er doch gerne verschmerzen wolte / ungeachtet er dem Tode sich nie so ängstig als dißmahl ergeben hätte; aber / sagte er / diß sind gar zu traurige Gespräche /und reimen sich nicht zu unser Wollust. Das Fräulein erinnerte ihn / sie würden vor dißmahl nicht lange zeit zum Gespräch haben / sondern er würde sich gefallen lassen / die täglichen Kleider abzulegen / weil ihre Verwanten sich bald zur Vermählung einstellen würden; daher er nach freundlich genommenem Abscheide hin zu Herkules ging / und ihm seinen Zustand zu wissen taht / der ihm Glük und Gottes Segen darzu wünschete. Inzwischen wählete er aus seinen vier Kleidern eines von Silberstük gemacht / daß er dem Fräulein möchte gleich gekleidet seyn; steckete einen langen schneweissen Federbusch auff den Huet / an dem ein Kleinot in Gestalt eines Löuen der ein Schäfflein im Rachen trug / gehefftet wahr. Das Feldzeichen / in welchem er einen leichten vergüldeten Degen trug / wahr purpurfarbe / mit schönen morgenländischen Perlen hin und wieder als mit Trähnen behefftet. Er legte auch eine köstliche Demant Kette umb den Huet / und ein par Armbänder / von gleicher Art umb die Arme; wickelte zwölff stücke der zierlichsten Kleinot in ein schneweisses seidenes Tüchlein / und sendete sie dem Fräulein bey Tullius seinem Leibknaben / welche sie in Gegenwart ihrer Eltern empfing / und sich sämptlich verwunderten / daß ein umbschweiffender Ritter solche sachen bey sich führete. Bald darauff stelleten sich die erbehtenen Anverwanten ein / denen es fremde wahr / daß in ihren besten Kleidern zu erscheinen sie ersuchet wahren.

Der junge Fabius baht seine Schwester / daß sie mit Frl. Ursulen auff ein Nebengemach gehen möchte / woselbst er mit ihr absonderlich zu reden hätte; Wie er dann folgender gestalt sich daselbst herauß ließ: Herzliebe Schwester / wie heffrig mir deine heutige Angst zu Herzen gangen / so hoch erfreue ich mich deines jetzigen Glückes / worauß ich dieses zur Lehre fasse / daß die Götter uns Menschen wunderselten eine Vergnügung gönnen / bevor sie uns den bittern Leidensbecher zu trincken geben; wünsche dir aber Glük und den himlischen Segen zu deiner instehenden Heyraht / und kan nicht umb hin / dir meine bißher verschwiegene Heimligkeit zu entdecken / wie ich nunmehr in die zwey Jahr mit meinem herzgeliebten Fräulein gegenwärtig / in vertraulicher Liebe gelebet /so daß wir nicht als durch den Tod mögen gescheiden werden; Wann du nun bey unsern Eltern durch deine Vorbitte erhalten köntest / daß unser Beylager zugleich mit deinem fortginge müsten wir dir deßwegen höchlich verpflichtet seyn. Frl. Sophia sahe ihre Wasen an uñ lächelte; welche Fabius Reden gerne geleugnet hätte; weil sie aber keine Zeit zum langen Gespräch übrig hatten / bekam der Bruder die Verheissung von der Schwester / sie wolte sein Beylager [106] ihr eben so hoch als ihr eigenes lassen angelegen seyn /hoffete auch / durch Ladisla Vorbitte wol durchzudringen. Sie verfügeten sich also wieder nach dem Saal / gleich wie der Bräutigam durch eine andere Tühr hinein trat / und der Stathalter jhn nach freundlichem empfahen dem Fräulein zuführete; welches die anwesende nicht wenig befremdete / aber durch des Stathalters Vorbringen bald unterrichtet wurden / welcher also anfing: Geliebte Herren und Freunde; da sehet ihr den vortreflichen Ritter und Herrn / Herrn Ladisla / dem zwar viel ein höher EhrenNahme zustehet / welchen ich doch / weil es ihm also gefället /gerne ungemeldet lasse. Dieser Herr / was massen er meiner liebsten einigen Tochter Ehr und Leben gestern und heut geschützet / ist niemand unter euch unwissend. Als ich nun gemerket / daß eine brünstige wiewol zůchtige Liebesfla e sich zwischen ihnen angezündet / daß sie lieber allein / als in anderer Gegenwart mit einander schwatzen wollen / und aber in meiner Jugend an mir selbst und meiner Pompejen erfahren / daß wann die Vogel beginnen zu nisten / sie sich schon vergesellet haben / und auff weiteres gedenken /so habe ich das rahtsamste zu seyn gemeynet / jhnen den Zweg umb so viel näher zu stecken / damit allerhand Ungelegenheit und Verdacht möge abgewendet werden; bin demnach entschlossen / ihnen diesen Abend das Beylager zu machen / damit nicht morgen ein ander ko e / der / wie heut geschehen / meiner Tochter halben des Lebens ohn werde / oder es einem andern nehme. Was diesen Ritter und Herren betrifft /dafern ich nicht wüste / ihn meiner Tochter gnug wirdig zu seyn / hätte ich ein so wichtiges Werck in langwieriges Bedenken gezogen / ohngeachtet er meine Tochter ihm selbst erstritten hat; Wollen demnach meine Herren und Freunde dieser Schleunigkeit sich nicht verwundern / oder einige ungleiche Gedanken darauß schöpffen / nachdem ich sie bey meinen Ehren versichern kan / daß der H. Bräutigam und die Braut dieses mein Vorhaben kaum vor anderthalb Stunden selbst erfahren. Die Anwesende gaben ihm recht / nur daß H / Kornelius / der ihm am nähesten stund / ihm heimlich ins Ohr raunete; Er wünschete von herzen Glük und Heil zu der Heyraht / hätte daran durchauß nichts zu tadeln / wann es nur von andern im besten auffgenommen würde / daß man so geschwinde verführe / und gleichwol fein stünde / daß man Herrn Ladisla ehe vor einen Freyer als Bräutigam erkennete. Aber der Stathalter gab zur Antwort: Es hinderten ihn böser Leute Mäuler nicht / die viel zu geringe währen / seinen heiligen Vorsaz wanken zu machen. Indessen fing Ladisla also an: Hochmögender Herr und Vater /auch Gn. Fr. Mutter / und sämtliche werte Herren /Frauen / Fräulein und Freunde: Das eigenwillige Glük / welches mir / ungeachtet meiner Jugend / manniche Tük erwiesen / hat sich heut so überflüssig günstig erzeigt / dz ich alles vorige hiedurch tausendfach ersetzet halte / indem es meinen Herrn Vater beredet / das Durchleuchtige mit allen jungfräulichen Gaben und Tugenden außgezierte Fräulein / seine herzvielgeliebte Frl. Tochter mir nicht allein zu versprechen / sondern alsbald darauff an die eheliche Hand zu geben. Wie ich nun hiedurch den inniglichen Wunsch meiner Seele erhalten / also befinde ich mich schuldig / vor erst meinem Herr Vater und Fr. Mutter / Dank und kindlichen Gehorsam / meiner herzgeliebten Frl. Braut eheliche Träue und Ergebenheit; und der gesamten hochansehnlichen Freundschafft / gebührliche Ehre zu leisten. Weil aber solches in einem oder wenig Tagen von mir gebührlich nicht verrichtet werden kan / bitte ich sehr / mir die Zeit zu gönnen / [107] welche mein Gemüht allerwerts erzeigen / und mich ihren nicht allerdinge unwirdigẽ Sohn / Ehegemahl /Schwager und Freund erweisen könne. Der Stathalter antwortete: Geehrter Herr und Sohn / es ist sein Gemüht und Wille uns durch eine solche Taht erzeiget und kund getahn / daß man an dem künfftigen durchauß nicht zuzweifeln hat. Wir an unser seite erklären uns hinwieder zu aller Elterlichen und Schwägerlichen Freundschaft und Liebediensten / hoffen daneben / mein geliebtes Kind werde von uns dergestalt aufferzogen und unterrichtet seyn / daß sie jhren Herrn und Ehegemahl wird gebührlich zu ehren und lieben wissen / worzu sie nochmahls in Gegenwart dieser Gesellschafft von mir väterlich ermahnet wird. Hierauff befahl er / den Römischen Vermählungsgebräuchen den Anfang zu machen. Aber die Braut trat hin zu ihrem Vater / vorgebend / ehe alles vorginge /hätte sie mit ihren lieben Eltern ingeheim zu reden /wobey sie Herrn Ladisla / auch H. Kornelius und dessen Ehegemahl als Zeugen erbähte; und als ihr solches eingewilliget ward / gingen sie in das näheste Gemach / da sie also anfing: Herzgeliebete Eltern; es müste mir sehr leid seyn / daß nach meiner Verheyrahtung / mein allerliebster und einiger Bruder noch ferner im ledigen Stande leben / und meiner Eltern Hoffnung / wegen der nachkommenden Fabier / weiter außsetzen solte; möchte demnach von herzen wünschen / dz meine Eltern seine Heyraht gleich diesen Abend mit fortsetzen wolten / weil ich in gewisse Erfahrung kommen bin / daß er vor zweyen Jahren sich mit einem ehrlichen / schönen und seines Standes gemässen Fräulein verbunden / auch vielleicht mit derselben schon weiter eingetreten ist / als daß sie k \ñen getrennet werden / daher dann auß fernerer Auffschiebung ihres öffentlichen Beylagers nichts als Ungelegenheit erfolgen möchte. Der Vater gab ihr zur Antwort: Ich merke wol / nun dir geholffen ist / wiltu deinem Bruder wieder helffen; Du solt aber gemach tuhn / und nicht alles nach deinem Willen und Gefallen ordnen; oder meynestu etwa / es würden auff zwo unterschiedliche Hochzeiten gar zu viel Kosten gehen / und wilt demnach mit einem Feur zwo Stuben hitzen? nim du vor dißmahl dein glük vorlieb / und laß dir genügen; ich werde Zeit nehmen / mich hierauff zu bedenken. Ach Herzen H. Vater / sagte sie / euer Verstand fodert so lange Bedenkzeit nicht / welches an dieser meiner Heyraht gnug erscheinet; die andere Entschuldigung ist nur zum Scherze vorgebracht. Kehrete sich hernach zu H. Kornelius und dessen Gemahl / sie höchlich bittend / ihr bey ihren Eltern zu hülffe zu kommen / daß ihrem Bruder gerahten würde / welches sie neben ihn zu verschulden / stets wolte geflissen seyn; Sie hätte zwar ihren Herrn und Bräutigam mit herzu gebehten / aber dessen Unterhandlung wolte sie zum lezten Stichblade behalten / wann ihres Herrn Vettern Vorbitte nicht würde zureichen können / welches sie doch nicht meynen wolte; Daß sie aber ihr Vorsprach Amt desto kühner auff sich nehmen könten / wolte sie ihren Glauben verpfänden / dz eines des andern wert währe. H. Kornelius gab ihr zur Antwort: Herzliebe Frl. Wase und Tochter / ich bitte /mich mit dieser anmuhtung zu verschonen / daß ich heimliche Verlöbnissen / so hinter den Eltern her geschehen / billichen / ja befodern solte; Ich habe nie dergleichen Winkelheyrahten gut geheissen / bin auch noch nicht willens / mich dabey gebrauchen zu lassen. Zwar euer H. Bruder ist ein Ritter und KriegsBeampter / der seine mänliche Jahr erreichet / und mit gutem fuge solche Ehrensachen vornehmen / auch seiner Eltern Meynung darüber hören kan; aber dem[108] Fräulein halte ich sehr vor übel / daß dieselbe sich von ihm bereden lassen / und nicht zuvor Nachforschung getahn / ob seine Eltern auch einwilligen würden; Und da auch ihre Eltern oder Anverwandten keine Wissenschafft drum haben / währe sie andern zum Beyspiel harter Straffe wirdig / daß sie eurem Bruder / wie eure Reden fast gehen / sich so leicht gegöñet hat. Mein Herr Vetter / antwortete sie; das Alter hat leider diesen gebrechen an sich / daß es der Jugend Tohrheit nit erkennen kan / welcher in den frischen Jahren / alle jetzige graue Håupter sind unterworffen gewesen / und nach ihrer festgegründeten Weißheit / die der Jugend doch nicht beywohnet / alle Menschen wollen gerichtet haben. Mein Herr und Vetter rede doch / bitte ich / von meinem Bruder / und seinem ganz geheimen Fräulein / wie ihr euch dazumahl wünschetet / da ihr meine hochgeliebte Wase Fr. Fausten zum ersten mahle mit Liebes-Augen anblicketet; alsdann werdet ihr diesen verliebten beyden /viel eine billichere Urtel sprechen; Wegert ihr euch aber ferner / so wil ich meinen Liebsten bitten / daß er solches an euch begehre / dem ihr / in betrachtung seiner geleisteten Dienste / es nicht werdet abschlagen köñen. Frl. Wase / sagte er hierauf; Ihr dürfftet auf solche weise alles leicht erhalten / was euch gelüstet /und uns zu leisten möglich währe; aber ist eures H. Vaters Sinn dadurch schon erstritten? doch wil ich euch endlich zu willen seyn; fing damit an / dem Stathalter zu gemühte zuführen / was vor Unraht aus verzögerung dieser Heyraht entstehen könte / die allem ansehen nach schwerlich würde zu hintertreiben seyn /in Betrachtung / daß sein Sohn schon in Römischen Diensten währe / und seines willens geleben könte /ob gleich die Eltern Hinderung machen wolten / insonderheit / weil seine Tochter diesen Grund setzete /daß er ein Standes-mässiges Fräulein liebete. Fr. Fausta kam mit darzu / und redete das beste zur Sache; es hätten sich wol ehe junge Leute hinter der Eltern Wissen eingelassen / und eine gute Ehe gehabt. Der Stathalter merkete seiner Tochter Auffzug / dessen er gleichwol gewiß seyn wolte / und fragete sie / ob seinem heutigen Befehl gelebet währe; und als sie sich keines Befehls zuerinnern wuste / rief er sie absonderlich / und sagte zu jhr: Offenbahre mir mit wenigem /ob du nicht von Fräulein Ursulen redest. Ja Herr Vater / sagte sie; aber ich bitte kindlich / euren väterlichen Willen drein zu geben; sonst hat mein Bruder mirs etwa vor einer Viertelstunde geoffenbahret / und mich zu dieser Unterhandlung vermocht. Gnug / sagte der Vater / ich habe diese Heyraht selbst vorgehabt. Sie traten wieder hin zu der andern Geselschafft / und gab der Vater Herrn Kornelius diese Antwort: Es befremdet mich eure Vorbitte in etwas / weil ihr von dieser Sache redet / als müste ich nohtwendig einwilligen / und euch die vermeynte Braut gnug bekant währe; Werdet demnach mir dieselbe auch nennen /daß ich mich zuerklären wisse. Dieses Verdachtes antwortete er / befahrete ich mich gleich anfangs / und ist mir leid / daß ich meiner Frl. Wasen gehorsamet; kan aber bey meinen Ehren erhalten / daß ich von der angemeldeten Braut nicht das geringste weiß. Der Stathalter fragete sein Gemahl: Was gebet ihr aber vor eine Stimme? könnet ihr ein Fräulein zur Töchter annehmen / ehe ihr sie kennet? Mein Raht ist der geringste / antwortete sie / doch währe sie ein solches Fräulein / wie mein Kind sie beschreibet / und sie unserm Sohn gefiele / der verhoffentlich keine unwirdige zum Gemahl außsehen wird / müste ich mirs mit gefallen lassen. Ich aber nicht also / sagte der Vater /sondern wil zuvor etwas mehr drumb wissen / und zwar / ob sie unter andern auch von guten Mitteln sey / welches ich mir nicht einbilden kan. Zwar vor sich /sagte Frl. Sophia / [109] hat sie einen gar geringen Brautschaz / aber ich hoffe Herrn Kornelius zuerbitten / daß er seine milde Hand aufftuhe / und als ihr Unterhändler ein par Tonnen Schatzes zuschisse /weil er grosses Vermögens ist / und nur eine einzige Tochter hat. Nein geliebte Wase / antwortete er; daß wird Kornelius wol nicht tuhn / welcher mit dieser Anmuhtung wil verschonet seyn. Ey / sagte das Fräulein; die Braut ist dem Herrn Vetter verwand / drumb wird er ihr seine Hülffe nicht so gar versagen. Verwand? sagte er; daß ist kein ander Mensch / als Kajus Salvius Tochter / die springfüssige Agnes. O du leichtfertiges Tihrichen / hastu schon zwey Jahr her dich der Liebe beflissen / und bist kaum XVI Jahr alt? ich habe nicht ersinnen können / worauff dein Vater und du so pochest in der äussersten Armut / so ists dieses / daß ihr Herren Fabius und Kornelius güter miteinander verprassen wollet? aber geliebte Wase / wer hat doch euren Bruder an diese Heyraht gebracht? zwar unehrliches weis ich nicht von ihr / ist auch schön genug und gutes Standes / aber wie wird man doch ihren auffgeblasenen Geist vergnügen können? Ach mein H. Vetter / sagte sie / mein Bruder ist des viel zuwitzig / mit diesem Fräulein sich einzulassen; Aber H. Vater / wann ihr nun an dem Fräulein nichts zu tadeln wüstet / und ihre Eltern auch einwilligten / könte es dann nicht alsbald fortgesetzet werden? Der Vater antwortete; tadele ich sonst nichts an ihr / so tadele ich doch mit H. Kornelius / daß sie ohn ihrer Eltern Vorwissen sich meinem Sohn weiter / als einer Fräulein gebühret / gegönnet hat; doch wil ich mich väterlich heraus lassen / wann du mir das Fräulein nunmehr nennen wirst. Ich bedanke mich kindlich der genehmen Antwort / sagte sie / und muß gar ein Wunderding seyn / daß meine geliebte Eltern meines Herrn Bräutigams und meine Liebe / so zurechnen /im Augenblik außgespüret / aber durchaus nicht merken können / daß mein Bruder nicht ohn Ursach abends spät und morgens früh / zwey ganzer Jahr her / wann er daheim gewesen / sein geliebtes wirdiges Fräulein / meine herzallerliebste Schwester / Frl. Ursul Korneliin besuchet hat. Kornelius und Fausta erschraken / daß ihnen die Sprache verging / und als sie sich erhohlet hatten / dräueten sie der guten Tochter / weiß nicht was vor lächerliche Straffen / welches sie mit sonderlichem Ernste vorbrachtẽ / und die Anwesende sich dessen wol zulacheten; biß der Stathalter sagete: Wie nun Schwager Kornelius / ist meine Tochter Ursul noch eine solche / bey welcher ihr eurem täglichen Vorgeben nach / so gar keine eheliche Begierde merken könnet / daß ihr euch befürchtet / sie habe sich etwa unser Vesten verlobet? gewißlich hat mein Kind euch jezt redlich vergolten / was ihr mir vorhin ins Ohr raunetet. Aber daß wir zur Sache schreiten / hoffe ich ja / mein lieber Sohn habe bißher sich also verhalten / daß er dem Römischen Adel und seiner Freundschafft kein Schandflek sey; und gelebe daher der Zuversicht / ihr werdet meiner Bitte Plaz geben / und euch unser Kinder Heyraht gefallen lassen / mit welcher mein Gemüht über ein Jahr schon umbgangen ist / und ich daher auff ihr tuhn und lassen so viel weniger acht gegeben. Kornelius antwortete: Hochwerter Herr Schwager; ich bedanke mich der hohen Gewogenheit gegen mich und meine Tochter /und weil ich mir einen liebern Sohn nicht wünschen kan / stelle ichs zu seinen Händen / und vermache dem Bräutigam zur Heimsteur die Helffte aller meiner liegenden und fahrenden Haabe / und nach meinem Tode das übrige alles. So recht mein Herr Vetter /sagte Frl. Sophia / ich wuste vorhin wol / daß ihr [110] dem Fräulein die Außsteur nicht versagen würdet. Also wahr dieser Kauff geschlossen / und wurden die junge Leute nach Römischem Gebrauch ehelich vermählet. Bey der Abendmahlzeit gingen allerhand kurzweilige Unterredungen vor / da Frl. Ursul sich rechtschaffen leiden muste; dann Frl. Sophia / umb ein Gelächter zu machen / sagte zu ihr: Herzliebe Schwester / ihr meynet nun aller Gefahr entrunnen seyn / weil ihr mit eurem Liebsten vermählet seyd / aber die euch von den Eltern angedräuete Straffen werden euch den Kitzel rechtschaffen vertreiben / massen euer H. Vater euch frische Ruhten gebunden / und die unbarmherzige Mutter euch in die finstere Kammer sperren wil /daß euch in vier Wochen kein Tagesliecht bescheinen sol; den Brodkorb wird sie euch so hoch hången / daß ihr täglich nur einmahl essen / und die ganze Zeit über das klare Wasser trinken / auch kein weiß leinen Gerähte anlegen sollet. Was gebet ihr mir nun / daß ich meinen Bruder bitte / euch in der Finsterniß Geselschafft zu leisten? Ich kenne ohn das euer furchtsames Herz / und daß ihr vor grauen in der Einsamkeit würdet müssen des Todes seyn. Frl. Ursul hatte einen breiten Rücken / achtete des Gespöttes und entstandenen Gelächters nicht groß / sondern gab mit höflicher Antwort so viel zu verstehen / daß sie ihr Glük und Heil zu verschlaffen nicht währe gesinnet gewesen; dann / sagte sie / meine Fr. Mutter hätte mein sechzigstes Jahr abgewartet / ehe sie mir von heyrahten das allergeringste gesaget. Muß ich nun die Schuld tragen? antwortete ihre Mutter / die etwas einfältig wahr; hastu dich doch kein mahl nicht verlauten lassen / daß du zu heyrahten willens währest; Welches noch vor das kurzweiligste auffgenommen ward / und der Stathalter es also beantwortete: So hat mein Sohn wol getahn / daß wie er der Mutter verseumniß / und der Tochter Blödigkeit verspüret / er durch seine gutwillige Anbietung nicht allein den Mutterplatz vertreten /sondern auch der Tochter Ansuchen zuvor kommen ist; gleich wie aber H. Kornelius und sein Gemahl sich heut als Vorbitter meines Sohns haben gebrauchen lassen; also wil ich hinwiederumb mich ihrer Frl. Tochter annehmen / und die scharffen Ruhten und stokfinstere Kammer von ihr abzuwenden / gefliessen seyn.

Nach abgehobenen Speisen erklang das Seitenspiel in drey unterschiedlichen Verteilungen / und fehlete nichts bey dieser Lust / als Herkules Gegenwart / umb dessen Abwesenheit Frl. Helena sehr traurig wahr /weil sie sahe / daß ihre Gespielen den Zweg ihres Wunsches erreichet / sie aber ohn allen Trost in ihrem verborgenen Feur sich selbst verzehren muste. Hingegen wahr Frl. Sophia so voller Lust / daß sie meynete / alles Unglük währe nun überwunden / und hätte niemand mehr Ursach traurig zu seyn; doch wahr Helenen Unmuht ihr unverborgen / welchen zu vertreiben sie schon alle gedanken anwendete; setzete sich vor dißmahl zu ihr nieder / und fragete nach der Ursach ihrer schwermühtigen Traurigkeit / ob derselben nicht raht zu schaffen wåhre. Diese / nachdem sie einen tieffen Seuffzer aus dem verborgenstẽ ihres Herzen her vorgesucht / gab zur Antwort: Ach herzliebe Schwester / die Ursach meiner Traurigkeit ist wichtiger / als daß ihr durch andere Mittel ohn durch den Tod solte können abgeholffen werden; Bitte deßwegen / dieser Nachfrage euch zubegeben / und meine Bekümmernis ungestöret zulassen. Ey daß währe Wunder / sagte Sophia / daß mein Vermögen so schlecht / und euer Ubel so unheilbar seyn solte; lasset mich / bitte ich / euer Anliegen wissen / vielleicht habe ich noch ein Kunststükchen in [111] meinem Arzney Buche / dessen ihr mir zudanken hättet. Ach nein /antwortete sie; Unmögligkeit ist viel zuschwer; eure Arzneykunst mit allen ihren Kräutern und Wurzeln reichet noch lange nicht so weit. Es kan seyn / sagte jene / daß mein Vermögen geringe ist / aber der Wille sol mir nimmer mangeln / euch zu dienen; und wann ihr mirs nicht vor übel hieltet / wolte ich euer Gebrechẽ noch wol errahten. So müstet ihr / antwortete diese / sehr gescheid seyn / wann ihr wissen köntet /was ich meinem Herzen selbst nicht offenbahren darff. Daher erkenne ichs desto leichter / sagte Frl. Sophia; und höret nur die rechte reine Warheit; ihr liebet / ja ihr liebet was vortreffliches. Ja sagte jene /den Himmel liebe ich / oder vielmehr den allerschönsten Stern des Himmels / die mit aller klar- und Volkommenheit angefüllete Sonne; diese behte ich in meinem Herzen an / und verehre sie mit unablässigem Seuffzen. Ach nein / antwortete diese; es ist die Sonne nicht; es ist ein vortrefflicher mit aller Tugend und Schönheit hochbegabter Ritter; der hat euer Herz eingenommen / mit den Strahlen seiner Volko enheit mit dem Schein seiner unvergleichlichen Strahlen. Wie entsetzet ihr euch so / herzliebe Schwester? was wil die Verenderung eurer Farbe? habe ich euch am rechten Orte getroffen / so leugnet mirs nicht / daß ich Raht schaffe; wonicht / so verzeihet meinem wolgemeinten Irthum. O weit weit gefehlet / herzliebe Schwester / antwortete sie; Mannes Liebe hat bißher mein Herz wol můssen unbelåstiget lassen / an welcher ich mir nichts anmuhtiges einbilden kan. Nein o nein du gifftige Todseuche / dich wil ich gerne meiden; und was solte mir Mannes Joch? O die Freiheit die Freiheit ist der Knechtschafft weit weit vorzuzihen; jezt lebe ich meines gefallens; jezt stehe ich auff und lege mich nieder / wie und wann ich wil. Solte ich mich binden lassen / da mir aller Wille vergönnet ist? diesen Unsin wird mir kein Mensch beybringen; Frl. Sophia mag immerhin sich unter das Joch zwingen lassen; Helena wil ihr eigen Herr seyn und bleiben. Verschonet mich deßwegen herzen Schwester mit dieser Aufflage / und versichert euch / daß Helena viel witziger ist / als daß sie muhtwillig ins Feuer lauffen /oder sich ins Meer stürzen wolte. O Schwester Schwester / sagte Sophia hierauff; wie kan doch das Herz der Zungen solchen Muhtwillen übersehen / daß sie wieder Wissen und Gewissen reden darff? bedenket / bitte ich / wie offt ich und andere an euch dieses Laster gestraffet / daß ihr stets widrige Gedanken und reden führet. Meine Last wil ich mit der Götter Hülffe noch wol tragen / könte auch vielleicht helffen / daß eure Seele eben so wol befriediget würde; aber wer seine Krankheit halßstarrig verhehlet / dem kan nimmermehr geholffen werden. Sie wolte mit dieser Verweißrede fortfahren / ward aber von Ladisla zum Tanze aufgefodert / nach dessen endigung sie ihm anzeigete / wie verliebet Frl. Helena sich gegen Herkules befünde / und es gleichwol aus Scham nicht gestehen dürffte; dessen er nicht wenig betrübt ward / und sie nach kurzem Bedenken fleissig baht / ihr diese Gedanken zubenehmen / dann es wüde zu keiner Wirkung gelangen / massen ein wichtiges (er verstund aber sein Christentuhm) im wege täge / welches solche Heyraht nicht zulassen würde. Worauff sie auch ihr Vorhaben enderte / und doch groß Mitleyden mit dem Fräulein hatte. Als nun die Zeit zur Ruhe verhanden wahr / wurden die neuen Eheleute zu Bette geführet / da Ladisla den mehrenteil der Nacht mit seinem Fräulein in freundlichem Gespräch zubrachte / biß sie gegen den Morgen einschlieffen. Umb sieben Uhr / da die Sonne ihre helle Strahlen [112] auff ihr Bette warff / ermunterten sie sich / und wahren mit diesem Himmes Lichte nicht aller dinge zufrieden / das es nicht etwas länger mit seinem Anbruch verweilete; stunden auff /und nahmen ihre Kleider zur Hand / da das Fräulein einen zierlich geschriebenẽ Brief unter ihrem Brusttuche fand / welchen sie öffnete / und folgendes Hochzeit Gericht laut daraus her lase:

Herzlicher Glückes-Wunsch
An Fräulein Sophia Fabia.
1
O Fräulein! deren Tugendschein
So wenig kan verborgen seyn /
Als im Mittage Sonnenstrahlen /
Wann alle Lufft ist Wolken-loß /
Und sich daß Himmel blau läst bloß
Ohn alle schwarze Striemen mahlen.
2
O Fräulein! euren klugen Wiz /
Der seinen unverrükten Siz
In euer Seel' hat wollen wählen /
Kan mein geringes Reimgeticht
In dieser Sterbligkeit gar nicht
Nach wirdiger Gebühr erzählen.
3
Ja wann des Glückes falscher Neid
Von eurem Leben sich so weit
Abhielt' / als Tugenden beywohnen;
Dan würd euch diese grosse Welt /
Und was darin sich Erbar hält /
Mit allen Glückes Gaben lohnen.
4
Euer' allerschönsten Augelein /
Die wol zwo klare Sonnen seyn /
Der Rosen-Mund / die vollen Wagen /
Des wolgeschaffnen Leibes Zier
Bricht alles dergestalt herfür /
Daß ichs und keiner wird ablangen.
5
Wann euer süsses Zünglein spricht /
Schafft sie / daß Feindes wüten bricht /
Sie kan die Helden niderschmeissen;
Sie kan dem schwarzen Zornes Grim
Und allem groben Ungestüm
Die Waffen auß den Händen reissen.
6
Glükselig lebet dieser Held /
Dem eure Gunst wird zugestelt /
Dem ihr euch ehlich habt ergeben;
Ich spreche / daß derselbe Mann
Ihm besser Glük nicht wünschen kan /
Wie hoch ihn Ehr auch mag erheben.
7
Mein teurer Wunsch ist diß allein /
Daß ihr mögt beyde frölich seyn /
Als lang in euch das Blut kan wehren;
Was aber eurer Tugendpracht
Betrifft / weiß ich / daß keine Macht
Des Alters solche wird verzehren.

Das Fräulein lobete der Reimen (dann sie wahren in Lateinischer Sprache geschrieben) Anmuhtigkeit /aber der Inhalt / sagte sie / ist auff eine viel volkommenere angesehen; halte mich doch diesem Tichter hoch verpflichtet seyn / daß er mich so wol unterrichtet / wie ich geartet seyn müste / wann ich seines Lobes fähig / und euer Liebe / mein Schaz / wirdig seyn wolte. Aber ich kan nicht wissen / auff was weise dieser Brief mir hieher geliefert ist / es währe dann / daß meine Leibdienerin ihn schon gestern Abend mit den Kleidern herein getragen hätte. Ladisla besahe die Hand gar eigen / kunte aber nichts darauß erkennen / und erboht sich / da er den Tichter erfahren würde / ihm die Kunst und Mühe mit ein paar hundert Kronen zu ersetzen; Dann / sagte er / ob die Arbeit sich gleich gering ansehen lässet / auch der Meister es in weniger Zeit mag auffgesetzet haben / ist doch zubetrachten / wie lange Zeit / Kosten und fleiß er angewendet / ehe er zu dieser fertigkeit kommen ist. Als sie nun ihre Kleider gar angelegt hatten / und Ladisla den Huet auffsetzen wolte / fiel ihm eine gleichmässige Schrifft herauß / welche er auffhuhb / und dem Fräulein vorlase.

[113] Herzlicher Glückes-Wunsch
An Herrn Ladisla.

(Sophia heisset Weißheit)

1
Wann sich Glük uns wil verbinden /
Müssen wir in Sträuchen auch
Unsers Herzen Labsaal finden.
Seht Herr Bräutigam / der Rauch
Der Euch gestern angewehet /
Ist in lauter Lust verdrehet.
2
Eures festen Herzen Stärke
Träget euch zur Weißheit hin /
Deren Tugend / wie ich merke /
Euren unbestritnen Sin
Ihr ganz eigen hat gemachet /
Dessen ihr vor Freuden lachet.
3
Wann der sch \nen Weißheit Flammen
Und ein ungezwungner Muht
Sich ohn arge List zusammen
Halten / muß des Unfals Wuht
Seinen Neid vergeblich tragen /
Und sich durch sich selber schlagen.
4
Ladisla Eur blanker Degen
Welchen ihr so herzhafft führt /
Hat der Weißheit Gunst und Segen /
Wie ein jeder gnugsam spürt /
Durch die Tugend eurer Sitten
Im Pusch und Gehölz' erstritten.
5
Jezt geniest ihr aller Lüste /
Welche Weißheit schaffen kan /
Ihre nimmer-leere Brüste
Nähren euch jezt umb und an /
Die durch ihrer Milch außfliessen
Eur Herz durch und durch begiessen.
6
Nehmet es zu gutem Danke /
Daß die Weißheit Euch so wol
Ist gewogen; Wann der Kranke
Wird genesen; alsdann sol
Seine Stimm' und Lautenklingen
Euer Glük noch mehr besingen.

Nach verlesung lachete Ladisla vor freuden und sagete: Höret ihr den Tichter / herzgeliebter Schaz / den kranken Tichter nicht? kein Mensch als mein bester Herkules hat diese Reimen auffgesezt / und durch einen fremden abschreiben lassẽ? dann seine Art ist mir ohn daß mehr als zuwol bekant; hat auch ohnzweiffel sie in allerstille herein geschafft / da mein Tullius gestern Abend mir das Kleid nachbrachte. Ey so müssen wir den allerliebsten Freund in seiner Schwacheit besuchen / und ihm vor diese Ehre gebührlich danken / sagte sie; gingen mit einander hin /und funden den Stathalter schon bey ihm vor dem Bette sitzen / und die beyden Aerzte zur Seite stehen /die nach auffgelösetem Schaden guten Trost gaben /daß inwendig zehen Tagen er völlig solte genesen /dafern er sich nicht mit schwermühtigen Gedanken plagen / sondern der Heilung in ungestöreter Ruhe auff seinem Lager fein abwarten würde; welches ihnen allen sehr angenehm zu hören wahr. Der junge Fabius kam auch zu ihnen / und als sie ingesamt von ihm Abscheid nahmen / baht er Ladisla und den jungen Fabius / ihm noch ein Stündichen Geselschafft zutuhn / worzu sie willig wahren.

Nun hatte ihm der Stathalter des vorigen tages auff sein Begehren etliche Bücher zustellen lassen / vor die lange Weile darin zulesen / unter welchen des Plinius Schrifften wahren von der Welt Geschichten; aus dessen andern Buche hatte Herkules die Gotteslästerlichen Worte angemerket / welche er führet von Gottes Allmacht / die er außdrüklich leugnet. Es fielen ihm gleich dazumahl solche lästerungen ein / schlug den Ort auf / und gab ihn Ladisla zu lesen / mit Bitte /ihm ungescheuet zu sagen / was er von dieses hochgelahrten Mannes meynung hielte. Dieser nahm das Buch / und lase diese Worte laut uñ deutlich:Die vornehmesten Tröstungen der Unvolkommenheit am Menschen sind diese: daß auch Gott selbst nicht alles könne; dann er kan ihm selbst den Tod nicht antuhn / ob er gleich wolte / welches er doch dem Menschen als sein bestes / in den so grossen Lebensstraffen mitgeteilet hat. Daß er auch nicht könne die Sterblichen mit der Ewigkeit begaben / noch die Verstorbenen wieder zum Leben hervor ruffen; noch [114] machen / daß der gelebet hat / nicht solte gelebet haben / der Ehrenämpter verwaltet hat / sie nicht solte verwaltet haben. Habe auch über vergangene Dinge kein Recht / als das Recht der Vergessenheit; könne endlich auch nicht machen / daß zweymahl zehne nicht zwanzig währen.

Nach verlesung bedachte er sich ein wenig / und bald darauff sagete er: Gilt Bruder / dieser hochgelehrte Man wird dich in die Schule führen / und dir deinen Glauben (er redete aber Bömisch / daß Fabius es nicht verstehen solte) zur Tohrheit machen; massen ich mit aller meiner Vernunfft nicht begreiffen kan /wie dieses zu wiederlegẽ sey. Lieber Bruder / antwortete er auff Lateinisch / es ist mir lieb / daß du mir deine Blindheit fein gerade zu bekennest / und mit diesem Lästerer Gottes Allmacht in zweiffel zuzihen gestehest / welches mir doch nicht lieb ist. Aber Herr Fabius / was haltet ihr von dieser Meynung? Ich halte meine Urtel hieselbst billig zurük / sagte er / weil es über meinen Verstand gehet / habe auch wol ehemahls etliche davon reden hören / die am Ende ihres Gesprächs weniger wusten / als im Anfange. Sie sind darin zuentschuldigen gewesen / sagte Herkules; Ursach; sie haben den Felsen nicht erkennet / auff welchem Gottes Almacht unbewäglich gegründet ist / und wider das toben dieses wütigen Hundes auch wol in Ewigkeit fest bleiben wird. Ich würde mich vor glükselig schätzen / sagte Fabius / wann ich dieses Felsens Erkäntniß hätte / und des Plinius angeführte Worte auß dem Grunde zuwiderlegen wüste. Mein Herr / antwortete er; Er gebrauche sich nur der gesunden Vernunfft / so wird er beydes die ungezweifelte Allmacht Gottes erkennen / und des Plinius kindische / ja viehische Einwürffe mit leichter Mühe umstossen. Weil sie nun beyde von jhm gute Anleitung hierzu begehreten / fing er also an: Demnach der Mensch auß dem grossen Weltbuche sehen und lernen kan / daß ein Gott sey / und nohtwendig ein Gott seyn müsse /so wird er zugleich auch daher erkennen / die Allmacht Gottes des HErrn / als des grossen Schöpffers /oder nur Erhalters der Welt. Ja besinnen wir uns ein wenig / so gibt uns die Vernunfft alsbald an die Hand / daß Gott ein Allmächtiges Wesen sey. Dann solte es ihm an einiger Krafft oder Macht mangeln / so würde er nicht Gott / das ist / er würde nicht der kräfftigste noch mächtigste seyn / sondern einen noch kräfftigern und mächtigern über sich haben / und also währe er nicht Gott / dann über Gott kan und muß nichts seyn. Wer dann nun erkennet / dz Gott Gott ist / der sihet und erkeñet zugleich / daß er allmächtig ist / und alles tuhn kan / was er wil / im Himmel / auff Erden / im Meer und in allen Tieffen; ja daß durchaus kein ding bey ihm unmöglich ist. Dann also schleust unsere Vernunfft ohn Anstoß und Zweifel / da sie richtig zugehet. Alle vernünfftige Heyden haben einen Gott gegläubet / und die denselben gegläubet haben / die habẽ ihm zugleich auch die Allmacht zugelegt; Daher spricht Homerus(Odys. XVI.) Gott kan alles. Und was ist bey den Lateinischen Tichtern / Virgilius / Horatius /Ovidius und andern mehr / gebråuchlicher / als eben ihr Jupiter omnipotens / daß sie jhren höchsten Gott den Allmächtigen nennen? Zizero bekennet Gottes Allmacht mit klaren Worten / wann er im dritten Buch von der Götter Art spricht:Nichts ist / das Gott nicht solte tuhn können / und zwar ohn alle Mühe. Der uhralte Linus / des Orpheus Lehrmeister hat solches mit diesen Worten gestanden:Gotte ist alles leicht zu tuhn / und nichts ist ihm unmöglich. O ja / wer nur das einige Geschöpff Gottes / das unvergleichliche Sonnenliecht ansihet uñ betrachtet / muß sich freylich ůber des Schöpffers Allmacht zum höchsten verwundern. [115] Die Himmelsverständige haben durch ihre Rechnung abgemässen / daß die Sonnenkugel CLXVI mahl grösser / als die ganze Meer- und Erdenkugel ist. Hat nun die Erde in ihrem Umkreiß 5400 Teutsche Meilen / so muß ja die Sonnenkugel in ihrem Umkreiß 896400 Teutscher Meilen haben; welches zwar den Ungelehrten aller dinge ungläublich vorkomt weil sie ihnen / dem ansehen nach kaum so groß als eine Klaffter scheinet; aber wer da betrachtet ihre sehr weit abgelegene Höhe von der Erden / als von deren mitteltippelichen sie 1039500 / das ist / tausend mahl tausend / neun und dreyssig tausend und fünffhundert Meilen entfernet ist / der wird ihm der Sonnen Grösse nicht unmöglich vorkommen lassen. Bey welcher Grösse / wann wir zugleich ihren schnellen Lauff erwägen / haben wir wol ursach mit dem weisen Jüdischen Lehrer Syrach zu sprechen:Das muß ein grosser HErr seyn / der sie gemacht hat / und hat sie heissen so schnell lauffen. Doch zu unsem Zweg näher zu zielen / wann wir Gottes Allmacht eigentlich erkennen wollen / müssen wir zuvor wissen und verstehen / was Allmächtig sey und heisse.Allmächtig seyn / heisset nicht / beydes das gute und böse verrichten können. Allmächtig seyn / heisset nicht / sich selbst nicht allein erhalten / sondern auch verderben und vernichten können. Allmächtig seyn / heisset nicht / die ewige /bey Gott selbst bestehende / und dem Geschöpff nach seiner masse mitgeteilete wesentliche Warheit auffheben; oder daß ichs kurz sage / was einmahl wahr gewesen ist / zu falsch und Lügen machen können. Massen / wer böses tuhn kan / der ist nicht allerdinge Gut / vielweniger wird er Gott seyn. Verstörete er dann sein Wesen / so währe er nichts mehr. Leistete er aber das lezte / so machte er falsch / was er zuvor selbst wahr gemacht hat / uñ sündigte also wider sich selbst. Was heisset dann / Allmächtig seyn? Gutes / und lauter gutes / auch alles gute / nichts aber wider sich selbst tuhn können / und zugleich von aller Zuneigung uñ Gefahr des bösen / des Schaden / der Sünde /und des Verderbens aller Dinge / und durch sich selbst befreyet seyn. Sehet / das heisset Allmächtig seyn. Hätte nun der in diesem Stük unverständige Plinius diesem etwas besser nachgedacht / würde er / in Verleugnung der Allmacht Gottes seinen mehr als kindischen Unverstand nicht mit eigener Feder verrahten haben. Betrachten wir aber seine obangezogene Worte / so ist dabey anzumerken / daß er sie in dieser Andacht vorträget / umb zu behäupten / daß Gott nicht ein selbständiges Wesen ausser der Welt / sondern eben die Krafft sey / die im Wesen / oder (wie die Gelehrten reden) in der Natur Himmels / Erden und anderer Geschöpffen ist und stecket / wie er solches außdrüklich hinzusetzet. Aber O der verwägenen / O der blinden Tohrheit! Hier muß trauen Plinius /einer von den Allerweltweisesten / mit seinem Beyspiel bekräfftigen / daß es wahr sey / was ein Christlicher Lehrer saget: GOtt habe die Weißheit dieser Welt zur Tohrheit gemacht. Und abermahl: Die Welt habe durch ihre Weißheit Gott in seiner Weißheit nicht erkennet. Er ist ja in seinem tichten eitel worden / und sein unverständiges Herz ist verfinstert; Da er sich vor weise hielt / ist er zum Narren worden. Dann vorerst zweifelt er auff gut Epicurisch / ob auch ein Gott sey; was solte er dann wol gesundes von Gottes Wesen und Allmacht vorbringen? jedoch lasset uns vernehmen / obs gleich der Mühe nicht wert ist / was hinter seiner vermeyneten Weißheit sonderliches stecke / damit dieser ohmächtige Erdwurm den allmächtigen Gott anhauchen darff. Anfangs meynet er;Es gereiche den Menschen zum sonderlichen Troste / daß Gott nicht allmächtig sey. Aus [116] des elenden / des faulen und nichtigen Trostes! solte es auch wol einem Kinde Trost bringen / daß sein Vater ihm weder rahten noch helffen kan / wañ es in schwerer Krankheit darnieder lieget? Kein Witziger redet so unwitzig. Oder solte einem Untertahnen es tröstlich seyn / daß seine Obrigkeit ihn vor seinen Feinden / die sein Verderben suchen / nicht schützen kan? das muß auff gut Plinisch freylich ein sonderbahrer Trost seyn. Wer aber den Sachen vernünfftig nachsiñet / wird ohn zweifel gerade das Gegenspiel vor wahr halten, nehmlich / der vornehmste Trost des Menschen in allen seinen Nöhten sey / daß sein liebreicher Gott alles könne / und ihm durchauß kein Ding unmöglich sey. Dann wer an Gottes Allmacht zweifelt / wie kan derselbe ichtwas vertraulich von Gott bitten? muß er nicht auff gut beraht behten / unter der Furcht / obs auch in Gottes Macht stehe / ihm zugeben was er bittet? Also hat dieser elende Mensch ihm einen Trost gemacht auß eitelem Schrecken / und wie ein alter Jüdischer König von den Gottlosen spricht:Sie fürchten sich da nichts zu fürchtẽ ist; Also tröstet sich dieser / da nichts weniger als Trost sich eräuget. Zwar ein gottloses Weltkind / möchte vielleicht auß Gottes Unmacht einen Trost fassen / und sagen: Was schadet mirs dann endlich / oder was sol ich mich groß drum bekümmern / daß ich dieses oder jenes gute / welches mir zwar wol anstünde / nicht leisten kan? Kan doch Gott selbst nicht alles / wie solte ich dann alles können? Aber was dieser Trost ihm nützen werde / wird sein künfftiges Ach und Weh offenbahr machen / in welches er durch diesen greulichen Lästerungstrost sich selbst stürzet. Höret nun weiter / auß was Gründen der Lästerer Gottes Allmacht bestürme:Gott kan ihm selbst den Tod nicht antuhn / ob er gleich wolte; spricht er vorerst: Ist eben so viel gesagt: Der Demant verbrennet nicht im Feur / wie Stoppeln; schmelzet nicht / wie Butter an der Sonnen; vergehet nicht / wie der Rauch; derwegen ist er nicht so standfest / hart und daurhafft als diese Dinge. Ja ein tiefersinneter Schluß! Oder / als wann ich sagen wolte: Die Sonne verleuret sich nicht wie der Staub / darumb ist sie nicht so kräfftig. Wer solte diese Blindheit nicht beklagen / daß eben auß der grössesten Macht Gottes /dieser unwitziger / Gottes Unmacht und Gebrechen erzwingen wil? Je könte Gott sterben / so währe er nicht Gott / so währe er nicht allmächtig / sondern der Tod wäre mächtiger dann er / währe sein Gott und sein Meister. Weil es nun eine allerdinge lautere Unmögligkeit ist / daß Gott sterben könne / so solte Plinius vielmehr also geschlossen haben: Gott kan nicht sterben / deßwegen ist er allmächtig; nehmlich / es ist keine äusserliche noch innerliche Macht / welche Gott den HErrn könte zu nichte machen. Das Drachenschwänzlein / so er hinan hånget / da er spricht:Ob Gott gleich wolte / könne er ihm doch den Tod nicht antuhn; Ist nicht eine geringe Lästerung; Dann wie wolte das allerhöchste und vollkommenste Gut wollen / daß es stürbe; und wie kan das sterben wollen / das von Ewigkeit her / und das Leben selber ist? Es ist aber dem Plinius noch nicht gnug an diesem Unwitze / sondern tuht noch hinzu:Der Mensch in seinem grossen Lebensunglük habe diß / als das beste Mittel von GOTT / bekommen / daß er sich selbst entleiben kan. O der Gottlosigkeit! Hat dann GOTT dem Menschen die wirkliche Sterbligkeit anerschaffen / oder ihm gut geheissen und befohlen / sich selbst des Lebens zuberauben? Nein / O Nein! Die Sünde / die Sünde hat ihm dieses Leid zur harten Straffe zu wegen gebracht.[117] Dann håtte der erste Mensch nicht gesündiget / sondern an Gottes Gebot sich fest gehaltẽ / würde er nimmermehr in den Tod gerahten seyn / sondern so lange in dieser jrdischen Welt gelebet haben / biß ihn Gott nach seinem gnädigen Willen in die Ewigkeit auffgenommen håtte. Ist demnach die Unsterbligkeit den Menschen von dem leidigen Teufel durch die Sünde geraubet und der Tod beygebracht. Doch hat man dieses mit Plinius als einem Heyden nicht zu streiten /als welchem diese geoffenbahrete Glaubenslehre / von des ersten Menschen anerschaffener Unsterbligkeit unbekant ist. Aber auch / wann der Mensch den Vorsatz und Willen nimt / sich selbst zuermorden / das rühret trauen nicht her von GOtt / sondern von des Teuffels eingeben / als der von Anfang ein Mörder ist. GOtt setzet ja in seinen heiligen zehen Gebohten / hat es auch den Menschen ins Herz gepflanzet /Du solt nicht tödten; so wenig dich selbst als einen andern. Wie solte dann Gott den Menschen das heissen oder eingeben / was Er ihm so ernstlich verbohten hat? Kan die Obrigkeit ihren Untertahnen auch wol gebieten / wieder die Gesetze zu sündigen / welche sie durchaus wil gehalten haben? was haben wir dann vor Ursach / dem allergerechtesten und heiligsten Gott mehr Ungerechtigkeit und Sünde / als den Menschen anzurichten? Nun währe es aber Sünde / wann Gott dem Menschen gäbe was Sünde ist. Aber O nein! kein witziger Mensch wird Gott einiger Sünde zeihen. Andere vernünfftige Heyden haben viel heiligere Gedankẽ von Gott geführet: Plato spricht in seinem Buche von den Gesetzẽ:Gott sey eine Ursach alles guten /und keines bösen. Aristoteles spricht im neunden BuchMetaphys: Bey dem ewigen Wesen ist weder böses /noch Verderbung / noch Sünde; Und in seinem siebenden Sitten Buche an Nikomachus schreibet er:Gleich wie dem unvernünfftigen Vieh kein Laster beywohnet /also auch Gotte nicht. Ja sprichstu; Es hat aber Plinius nach Stoischer Meynung die ansich selbst-Handanlegung vor eine Helden Tugend gehalten / und daher Gott keiner Sünde geziehen / oder daß er an der Sünde Wolgefallen hätte. Antwort: Er hat aber daran sehr geirret / welches er aus anderer Heyden Schrifften / insonderheit des Aristoteles herlichen Sittenbuche erlernen sollen / da er im fünfften Buche schreibet:Die Gesetze verbieten / daß jemand sich selbst tödte; dann spricht er;Daß Gemeine Beste werde dadurch beleidiget / und werde demnach ein solcher nach seinem Tode billig durch Schmach gezeichnet / und vor Ehrloß gehalten. Zum wenigsten hätte Plinius von diesem schändlichen Irtuhm durch die abscheuliche Folge / so dannenhero entstehet / sich sollen abschrecken lassen; dann ist / sich-selbst-entleiben-können / eine Krafft /ein sonderliches Vermögen / und ein gutes Ding / und zwar ein solches / welches Gott dem Menschen verlihen / und ers doch selber nicht hat; je so wird ja folgen müssen I das Gott dem Menschen einige Krafft gegeben / die er selber nicht hat; und also 2 Gott den Menschen mächtiger gemacht habe / als er selber ist /zum wenigsten in diesem Stücke. Worzu 3 noch dieses kömt / daß des Menschen Glükseligkeit auch wol in seinem Verderben / in seinem tode und Untergange bestehen kan. Wer hat solche unbesonnene Tohrheiten von einem vernünfftigen Menschen je gehöret? Noch dannoch fähret er fort / Gottes Allmacht aus einem andern faulen Grunde anzufechten / nehmlichdas er die Sterblichen mit der Ewigkeit nicht begaben könne. Diesen eiteln Wahn zu hintertreiben / ist zu merken / daßdie Ewigkeit auff zweyerley Art verstanden werde. Erstlich heisset Ewig; daß ohn Anfang gewesen ist / und ohn auffhören bleiben wird. [118] Hernach; daß zwar in der Zeit / oder ja mit der Zeit einen Anfang genommen /aber doch kein Ende nehmen wird. Nach dem ersten Verstande ist allein Gott / und kein ander Ding Ewig; nach dem andern / ist die Ewigkeit allen Engeln uñ vernünfftigen Seelen von Gott mitgeteilet / wird auch nach dieser Sterbligkeit in der Aufferstehung von den Todten / unsern Leibern zugeleget werden. Von den Engeln ist unnöhtig / alhier zu handeln / weil deren Erkäntnis aus dem Lichte der Vernunfft sehr geringe ist. Der Seelen Ewigkeit wird von den verständigen Heyden gerne gegläubet und vor wahr gehalten / welches auch von Plato und Aristoteles durch wolgesezte Gründe bewehret ist. Der trefliche Römische Bürgemeister M. Tullius in seinem Buche von den Gesetzen schleust also: Weil die (heydnische) Gesetze wollen /daß etliche von den Menschen / als Herkules und andere / sollen vor Götter geehret werden / sey solches ja eine Anzeigung / daß die Seelen unsterblich seyn. Und ob dieses gleich kein bündiger Beweißtuhm ist /so folget doch daher / daß der Seelen Unsterbligkeit sey von den Gesezgebern vor gewiß gehalten worden. Am andern Orte (lib. I. tusculan. quæstion.) beweiset er der Seelen Unsterbligkeit daher / daß alle Menschen / was sich nach dem Tode zutragen werde /ihnen lassen angelegen seyn. Ovidius sagets rund und dürre heraus / und spricht im XV Buche seiner Verwandelungen: Morte carent animæ. Die Seelen sterbẽ nicht. Daß aber unsere Leiber nach diesem Leben auß dem Staube der Erden dereins wiederumb werden hervor ko en / ist zwar der Vernunfft ein verborgenes Geheimniß / und allein den Glåubigen auß Gottes Worte offenbahr; jedoch hat Plinius noch lange nicht ursach gnug / so verwägen zu leugnen / daß Gott die Sterblichen mit der Ewigkeit nicht begaben könnte /ob er gleich dessen kein Beyspiel gesehen hatte; dann was solte Gott verhindern / dasselbe ewig zuerhalten /was er aus nichts erschaffen hat / wann es nur sein Wille währe? Ja möchte jemand zu Plinius seiner Entschuldigung einwenden; so kan gleichwol Gott keinem Geschöpffe die erste Art der Ewigkeit mitteilen. Ist gar ein ungereimter Einwurff. Dann ist dieses oder jenes ein Geschöpff; das heisset; ist es gemacht worden / so muß es ja einen Anfang genommen haben; hat es aber einen Anfang genommen / so kans ja nicht von Ewigkeit stets gewesen seyn. Daß nun GOtt nicht kan machen / daß ein Geschöpf von Ewigkeit her sey; solches gibt seiner Allmacht keinen Abbruch / sondern weil es / wie die Gelehrten reden /Contradictoria / widersprechige Dinge sind;Von Ewigkeit her seyn. Und:Nicht von Ewigkeit her seyn; oder einen Anfang gehabt haben; so währe es wider Gottes ewige Warheit / auß dem einen das andere / nemlich auß demJa / Nein; und auß demNein / Ja machen; und würde also Gott seine Warheit selbst auffheben; welches an ihm keine Almacht sondern grosse Unbestendigkeit und Falscheit seyn wůrde. Was Plinius weiter herauß köcket;Gott k \nne die Abgelebeten nicht wieder zurük ruffen; das ist: Er könne die Todten nicht wieder zum Leben aufferwecken / solches wird er dereins am jüngstẽ Tage viel anders / wiewol mit seinem grossen Schaden / ja mit Ach und Weh erfahren / da er wegen dieser Verkleinerung der Allmacht Gottes /sehr schwere Hellenstraffen wird über sich nehmen müssen / deren Vorschmak er schon in diesem Leben empfunden / als ihn der Dampff des Feur und Schwefels / welches der Berg Vesuvius außwarff / erstickete / wie hefftig er sich auch bemühete / demselben zuentgehen. O hätte er nur ein wenig nachgefraget / was etwa XLIV Jahr zuvor / als er diese seine Geschicht Bücher dem Römischen Bürgemeister [119] Titus Vespasianus zuschrieb / sich im judischen Lande hatte zugetragen / da der welt Heyland Jesus / etliche verstorbene zum Leben aufferweckete / alsdann würde er seine gar zu verwägene Feder nicht so leichtfertig wieder Gottes Allmacht geschärffet haben. Seine übrigen Einwürffe / da er vorgibt / Gott könne nicht machen.Daß der gelebet hat / nicht solte gelebet haben; der Ehrenämter bedienet hat / sie nicht solte bedienet haben; oder; das zweymahl zehn nicht zwanzig machten; sind auß obigem leicht zu entscheiden. Dann machte GOTT solches / so machte er aus der Warheit Lügen und Unwarheit. Daß müste aber wol ein feiner GOTT seyn /der sich in seiner Warheit selbst zum Lügner machte! So wenig nun Gottes Almacht dadurch verletzet wird / daß er sich selbst nicht würgen kan; eben so wenig tuht es seiner Allmacht schaden / daß er sich selbst nicht zum lügner machet; noch was einmahl wahr gewesen / heisset eine Lügen uñ Unwarheit seyn; noch die nohtwendige Folge (zweymahl zehn sind zwanzig) / welche er der Vernunfft als eine unvermeidliche Warheit eingepflanzet / auffhebet und fälschet. Eines ist noch ůbrig zuberühren / daß er hinzu tuht:Gott habe nullum in præterita jus, præterquam oblivionis. Kein Recht über die vergangenen Dinge / als das Recht der Vergessenheit; ist etwas dunkel geredet; Und heisset entweder so viel / daß Gott die vergangenen Dinge vergessen könne / oder daß er sie nicht vergessen könne. Verstehet er daß lezte / so lasse ichs in so weit lauffen / daß Gotte die vergangenen Dinge freylich stets vor Augen stehen / aber er dannoch viel ein grösser Recht ůber dieselben habe / als nur allein /daß er sie nicht vergessen könne. Nimt er daß erste; so ist er gedoppelt gottloß; massen die Vergessenheit keine Stat noch Raum findet bey Gott / als welchem nichts vergangen / nichts zukünfftig / sondern alles gegenwärtig ist / welches Aristoteles bekennet /(lib. de bon. fortun.) da er spricht:Gott sihet gar wol das Gegenwärtige / vergangene und Zukünfftige. Und Homerus(Odys. IV) Die Götter wissen alles Und was wolte das wol vor ein Gott seyn / dessen Gedächtnis die Vergessenheit beschleichen könte? Es ist fast eine unnütze mühe / und vergebliche Arbeit / sich in Wiederlegung eines so handgreifflichen Irtuhms länger auffzuhalten / insonderheit / weil meine Herren und Brüderliche Freunde ohn zweiffel ihre gedanken am andern Orte haben; zu beklagen aber ist es / daß in andern Künsten und Wissenschafften ein so hocherfahrner fast unvergleichlicher Man / in diese tieffe und unsinnige Finsternis gerahten ist / daß er die augenscheinliche Allmacht Gottes anzufechten / und ein grösser Himmelsstürmer / als des Ovidius seine / zu werden / sich nicht gescheuhet hat; da andere verständige Heyden nie gebilliget haben / was Gott zur Beschimpffung gereichen kan; dz dem nach des vorgedachten M. Tullius Warnung ihn von solcher gottlosigkeit hätte billig abhalten sollen / welcher im andern Buche von der Götter Art / also schreibet:Es ist eine böse und Gottlose Gewohnheit / wieder die Götter zureden / es geschehe gleich aus Ernst / oder nur zum Scherze. Hiemit gab er seiner rede die Endschafft / und weil der junge Fabius alle seine Worte in sein Handbüchlein schrieb / sagte er zu ihm: Mein Herr / ich bitte sehr / er wolle meine Reden keinem verständigen zeigen / damit seine Schrifft nicht ein Zeuge sey meines geringen Verstandes. Ich werde diese Unterrichtung vielmehr tåglich durchlesen / sagte er / damit ich mich befleissige / den Göttern ihre gebührliche Ehre zugeben / und mich vor deren Läster- und Beschimpffung zu hüten. Herkules wolte sie nicht länger aufhalten / baht nochmals / daß sie es / als unter der [120] Rose geredet / verschweigen möchten / und lies sie damit von sich; da auff dem Wege Fabius zu Ladisla sagte: Er hielte vor gewiß / daß wo nach etlicher Meynung die Seelen der verstorbenen in andere Leiber gegossen würden / müsten die Götter drey unterschiedliche / als die verständigste / herzhaffteste und freundligste zusammen verknüpffet / und diesen Helden damit volkommen gemacht haben; und dürffte ich fast wähnen /sagte er / es sey Herr Herkules dem Christlichen Glauben zugetahn. Ist mein Herr Schwager und Bruder der Meynung / sagte Ladisla / so ist mein fleissiges Ansuchen / er wolle solches vor sich allein meinen; welches er dañ gerne versprach. Die zehen Tage über / daß Herkules sich in seiner Kammer halten muste / dauchten der Geselschafft länger als ihm selbst / weil er ihrer aller Herzen ihm fast eigen gemacht hatte. Am eylfsten Tage legte er seine Kleider an / und ging mit den andern zu Tische / da der Stathalter eine fröliche Gästerey / und dabey ein herliches Seytenspiel anstellete. Weil dann Ladisla seiner liebsten / Herkules anmuhtige Spiel- und Singekunst gerühmet hatte / suchte dieselbe alle Gelegenheit / wie sie ihn hören möchte / merkete aber / daß er bey so grosser Geselschafft kein belieben darzu trug daher sie solches bey spätem Abend / als die Fremden alle hinweg wahren / von ihm erbaht / da er die Laute nahm / und weil es zwischen Ostern und Himmelfahr wahr / dieses Teutsche Osterlied / welches er selbst gesezt hatte / sang und spielete:


1
Nun hat das heilge Gottes Lam /
Dem man am Kreuz das Leben nam /
Den schönen Sieg an Hell' und Tod
Behäuptet als ein wahrer Gott.
2
Sein Ferßensi ich gibt nicht mehr Blut /
Verschwunden ist der Schlangen Muht;
Ihr Häupt ist nun zerknirschet gar /
Das bey dem Kreuz so freche wahr-
3
Der Drache hat sich eingehůlt /
Sein Troz und Frevel ist gestilt /
Sein Gifft macht ihm selbst angst und Pein /
Und dringet auff sein Herz hinein.
4
Wo ist O Tod / dein Stachel jez?
Wo habt ihr Teuffel euren Wiz?
Wo ist der Hellen Macht und Sieg?
Wer führet wieder uns den Krieg?
5
Das Lam / daß der Welt Sůnde trägt /
Hat eure Macht in Koht gelegt.
Es herschet kräfftig dort und hier /
Und eur Leid wehret für und für.
6
Ja liebster Heyland / deine Krafft
Hat uns nun Fried und Ruh geschafft;
Die Feinde die uns drångten sehr /
Sind mat und gelten fort nicht mehr.
7
Was murret ihr / ihr Teuffel noch?
Was sperret sich der Hellen Loch?
Und dürffen Gottes seiner Schaar
Noch Marter dräuen und Gefahr.
8
Das Lämlein daß erwürget wahr
Bricht eure Wuht und Rachgier gar.
Der Löu' aus Juda steht uns bey /
Und macht von eurem Zorn uns frey.
9
Der Simson bricht der Hellen Tühr /
Der kühne David trit herfür.
Der Goliath liegt schon gestrekt /
Und die Philister sind erschrekt.
10
Du Heyland / du geherzter Held
Hast aller Feinde Macht gefelt /
In dem du aus dem Grab auffstehst /
Und wieder ein zum Leben gehst.
11
Was wolten wir dann fürchten sehr
Des Todes Macht / das hellisch' Heer?
Las toben was da wil und kan /
Trit nur den Kampff mit ihnen an.
12
Ist deine Macht O Mensch / gleich schwach /
So hebt dein Heyland hinten nach.
Durch dessen Krafft wirstu bestehn /
Und dein Feind muß zu Boden gehn.
13
O Heyland hilff zu aller Frist /
Der du vom Tod erstanden bist;
Trit her zu uns in aller noht /
Führ' uns ins Leben durch den Tod.

[121] Die Anwesenden höreten der lieblichen Gesangs-weise zu / weil sie von den Worten nichts verstunden / ohn allein Ladisla / der es aber wenig achtete; Und weil sie wusten / daß Herkules alles gegenwärtige Lob sehr zuwider wahr / sagten sie nichts darzu / ohn daß Frau Sophia sich der geschehenen Ehre höchlich bedankete / nebest dem Wunsche / daß sie deßgleichẽ offt zu hören m \chte gewirdiget werden; welches doch selten geschahe. Diesen Abend bestimmete er mit Ladisla die Zeit zum Hochzeitfeste / und daß er seiner Fr. Mutter die Heyraht durch eigene Botschaft zu wissen tuhn wolte / damit sie ihm nöhtige Gelder zu seinem Vorhaben übermachen / und er der ansehnlichen Freundschafft sein Vermögen und Herligkeit sehen lassen könte.

Am ein und zwanzigsten Tage nach seiner Verwundung / da er allerdinge gesund uñ stark wahr / bekam er Lust ein wenig außzureiten / und erbohten sich Ladisla und Fabius / ihm Geferten zu geben. Der Stathalter solches hörend / sagete: So lasset uns mit einander nach meinem Vorwerke reiten / und den Ort in Augenschein nehmen / woselbst meine Töchter von den Räubern auffgefangen und hinweg geschleppet sind. Die Stathalterin wolte mit / und ihre beyden Töchter bey sich haben / deßwegen eine Gutsche vor sie zugerichtet ward; aber die Herren setzeten sich ingesamt zu Pferde / und liessen Klodius uñ Marx samt andern XXXVI wolbewapneten Reutern mit zur Begleitung zihen. Sie ergetzeten sich den Tag über im grünen / und hatte das Frauenzimmer ihre Kurzweil bey der fliessenden Bach / die durch den Lust Garten lief / und voll herlicher Fische wahr / deren sie mannichen mit dem Angel herauß fingen / und auff die Abendmahlzeit spareten / genossen auch sonst der schönen Sommerzeit (massen es der erste Tag des Mäi Monats wahr) mit guter Fröligkeit. Herkules kunte nicht lange stille seyn / hieß Klodius / sein Pferd und Brust Harnisch samt Schild und Helm herbringen / nam ein Strik Winde zu sich / die Klodius führen muste / und ritte hinauß auffs Feld / etwa einen Hasen / oder (wo das Glük wolte) Hirsch auffzutreiben. Er wahr kaum eine Viertelmeile vom Vorwerke /da sahe er von ferne eine Gutsche von Violenbraunen Sammet / mit breiten güldenen Schnüren besetzet /welche umbher zugemacht wahr; ritte näher hinzu /und fragete den Gutscher / ob er nicht wissen dürffte /wer in der unbegleiteten Gutsche sässe? der jhm zur Antwort gab: Wann er vor einer Viertelstunde kommen währe / würde er eines vornehmen Römischen Herrn Tochter drinnen angetroffen haben / die von dreyen vermummeten Räubern mit gewalt davon gerissen / und hinweg getragen währe / daß er nicht wissen könte / wohin man sie geschleppet hätte. Wie fährestu dann mit dem Wagen davon / antwortete er / und låssest die Geraubete im stiche? Was kan ich ihr helffen? sagte dieser; es ist mir noch lieb / daß ich Pferde und Wagen gerettet habe / als welche mir anvertrauet sind. Das währe ein schlechter Verlust / sagte Herkules; Du must aber ein Pferd außspannen / und mich des Weges fůhren / ob ich auff die Spuhr kommen /und dem Fräulein Hülffe tuhn könte. Darauff stehet grosse Gefahr / sagte dieser; doch weil ihr michs heisset / wil ich gehorsamen; ritte also mit ihm fort / und funden nach Verlauff einer halben Viertelstunde /einen mit Gold und Perlen gestikten Schuch / welchen Klodius auffheben muste / und sie leicht urteileten /die Geraubete würde ihn vor angst haben fallen lassen; und weil sie der Spuhr eigentlich nachsehen kunten / liessen sie den Gutscher zurük reiten / und nach Padua fahren; Sie aber renneten [122] noch eine Viertelmeile weiter fort / und merketen an der Räuber Fußstapffen / daß sie vom gemeinen Wege abgewichen / und nach der Rechten zu sich in einen Pusch begeben hatten / sahen auch / daß auff ihre Ankunfft ein Ungewapneter von einem Baume stieg / uñ die Hecke suchte / eileten ihm nach / und vernahmen auß ihrer Hunde bellen / daß etwas wachsames verhanden wahr. Herkules / so bald er den Pusch erreichete / rief mit starker Stimme hinein / dafern einiger Mensch daselbst verborgen låge / und sich nicht melden würde / solte es ihm sein Leben kosten; aber niemand wolte sich kund geben; biß Klodius auff fleissiges umsuchen /einen geharnischten Ritter hinter einer Nebenhecke daher traben sahe / und es seinem Herrn anzeigete /welcher ihm gerade entgegen ritte. Dieser solches sehend / rief ihm mit starker Stimme zu / was er hie suchete oder begehrete. Herkules merkend / daß er seinen Mann gefunden hatte / gab zur Antwort: Es håtten etliche boßhaffte Schelmen ein Römisches Fräulein auß ihrem Wagen hinweg geführet / die er zu retten willens währe. Der Ritter / welcher Silvan hieß / fragete weiter / was ihn dieses Fräulein anginge? Er meynete ja nicht / daß er Ansprache an sie hätte. Es sey wie ihm wolle / antwortete er / so bin ich dannoch willens / jhr in Nöhten beyzuspringen / wie alle redliche Ritter dem ehrlichen Frauenzimmer verbunden sind. Beyspringen? sagte dieser; hat sie euch doch keinen Bohten geschikt; und was wisset ihr / ob sie nicht mit gutem Willen / oder auffs wenigste zu jhrem guten Glük entführet ist? Zankens ist hier nicht Zeit /sagte Herkules; ob sie mir aber gleich keinẽ Bohten geschicket / so hat sie ohn zweifel die Råuber zu diesem Bubenstük auch nicht eingeladen; und habt ihr Wissenschafft hierumb / so saget mirs / dz ich mich darnach zu richten habe. Silvan antwortete: Ob ich Wissenschafft drum hätte / wer wolte mich zwingen es zu sagen? Auff welchen Troz er antwortete: trauen Ritter / eure Höfligkeit ist klein / wie groß jhr sonst von Leibe und Hochmuht seyd; wann ich aber wissen solte / daß ihr an diesem Raube schuldig wäret /würde ich versuchen / des übels eine Reue in euch zubringen. O du elender / sagte Silvan / darffstu mir noch darzu dräuen / und währest eines Unterhåndlers und Vorbitters so hoch benöhtiget / wann du ohn Straffe entgehen woltest? fassete alsbald sein Schwert / und rante mit vollem Grim auff ihn zu / der meynung / ihn eines Hiebes zu fellen. Aber Herkules / der des Schimpffs auch gewohnet / weich ihm auß dem Streiche / setzete ihm nach / daß er sich wenden muste /und fingen einen so heftigen streit mit einander an /daß Silvan sich darůber entsetzete / und zu seinem Gegener sagte: Du must gewißlich in einer guten Schuele gelernet haben / und jammert mich dein / daß du so früh sterben must. Ja wann du mich mit dem Maule überwinden köntest / antwortete er / würde es an deinem Willen nicht mangeln / wie aber / wann du Rechnung ohn den Wirt gemacht hättest? doppelte hiemit seine Hiebe / daß jener zu weichen gedrungen ward / weil er schon etliche Wunden empfangen hatte. Herkules aber ließ nicht nach / sondern trieb jhn / biß er ihm endlich unter das Schwert kam / ihm den Helm vom Häupte riß / und den Tod dräuete / wo er sich nicht ergeben würde; Weil er nun merkete / daß er außzureissen willens wahr / warff er jhn vom Pferde /sprang ihm nach / sezte ihm das Schwert an die Gurgel / und sagte: Bald laß mir das Fräulein kommen /oder du must sterben. Ritter / ihr seyd der erste / antwortete er / vor dem ich mich demühtigen muß; Ihr fodert aber einen Schatz von mir / welcher mir eben so lieb als mein Leben ist. Daran lieget nichts / sagte er / und hastu [123] Recht darzu / sol sie dir schon bleiben /aber du must durchauß und ohn verweilen schaffen /daß ich mit ihr rede Ja / antwortete Silvan / ihr solt sie sprechen; ließ sich auch von Klodius biß an den Pusch leiten / und rief überlaut: Sosius führe das Fräulein her. Dieser kennete die Stimme / und trat mit ihr daher / die einer Leiche ähnlicher als einem lebendigen Menschen wahr; doch wie sie Silvan wehrloß sahe / fiel sie vor Herkules nieder / und sagte: O ådler Ritter und Herr / rettet mich elende auß dieses verfluchten Räubers Händen / deß wil ich euch zeit meines Lebens verpflichtet seyn. Stehet auff mein Fräulein / antwortete er / und beschimpffet mich nicht solcher gestalt / sondern zeiget an / ob euren Ehren Gewalt angelegt sey. Nein mein Herr / sagte sie / eure Zukunfft hat die Schande von mir abgekehret. Silvan /der vor Liebe brante / sahe / daß er diese Beute solte fahren lassen / wolte aber lieber sterben / und da er Gelegenheit sahe / rückete er Klodius das Schwert aus der Faust / und setzete mit grossem wüten auff Herkules an; der ihm aber tühnlich begegnete / und weil jener ohn Schild und Helm wahr / zerspillete er ihm das Häupt biß auff die Zähne / womit der Kampff sein Ende nahm. Das Fräulein ward dessen hoch erfreuet /empfing ihren Schuch von Klodius / und baht Herkules mit überauß bewäglichen Worten / er möchte ihrer Ehren Hühter seyn / und sie nach Padua bringen / woselbst jhm seine Dienste solten vergolten werden. Er erboht sich darzu willig / und fragte Silvans Knecht /ob noch Ritter in diesem Pusche währen / davon er bey straffe des Todes die Warheit sagen solte; welcher durch die Gefahr geschrecket / gutwillig bekennete: Es hielten eine geringe halbe Meile XL Reuter und XXX Fußknechte von hinnen / zu welchen seine Mitknechte schon hingelauffen währen / sie zu hohlen. Herkules befahl / es solte Klodius auffs geschwindeste hinreiten / umb Ladisla anzumelden / daß er mit seinen Völkern ihm zum Entsatz eilete. Setzete sich nach dessen Abschied auch zu Pferde / und das Fräulein vor sich / weil ruhens zeit nicht seyn wolte.

Nun hatte Herkules seinen Helm biß daher noch nicht geöffnet / betrachtete doch dieser Fräulein Schönheit vor sich auff dem Pferde / und weil ihn dauchte / daß ihr Angesicht mit seiner herzgeliebten Fräulein Valißken Gestalt in etwas überein kähme /ließ er auß herzlichem Verlangen einen tieffen Seuffzer gehen / setzete den Helm ab / und drückete ihr die zarte Hand mit diesen Worten: Hochgebohrnes Fräulein / ich habe heut ein unschatzbares Glük gehabt /indem ich von Gott gewirdiget bin / ein so trefliches Fräulein zuretten / und ob derselben ich gleich unbekant bin / hoffe ich doch / sie werde meine geringe Gesellschafft ihr nicht lassen zuwider seyn / und mit mir auff das näheste Dörflein reiten / weil wir Padua heut nicht erreichen mögen; Ich wil sie / wils Gott /zu einer Gesellschafft bringen / deren sie wird sehr wilkommen seyn. Das Fräulein / so noch voller Schrecken wahr / verwunderte sich über seiner Schönheit und Jugend / baht / umb der Gefahr willen / sehr zu eilen / und weil er sich so freundlich gegen sie mit Reden / Geberden und Handdrücken erzeigete / geriet sie in furcht einer unbillichen Liebe / und gab ihm diese Antwort: Vortreflicher Ritter / und hochwerter Herr; mein Vermögen wird nimmermehr bestand seyn / ihm die gebührliche Vergeltung vor geleistete Hülffe abzulegen; weil einig und allein durch seine Tapfferkeit ich vor dem gräulichen Silvan geschützet / und der Unehr entrissen bin; gelebe auch zu meinem Herrn der tröstlichen Zuversicht / er werde sich meiner Ehre ferner annehmen / [124] damit ich unbeflekt bey meinen Verwanten zu Padua anlangen möge; alsdann wil ich nicht allein seine Mañheit / sondern auch sein Tugendergebenes keusches Herz zu rühmen nicht unterlassen; und da jhm mit einer guten Anzahl Gelder gedienet ist / sol er dessen nach seinem Willen von den Meinen empfangen. Herkules wolte ihre Zucht etwas besser prüfen / welches ihn hernach offt gereuete / und gab zur Wiederantwort: Schönstes Fräulein /ich wundere mich nicht / daß jhretwegen die Ritter sich vergehen / und zu StrassenRäuber werden / insonderheit / wann sie Standeshalben ihrer Hulde und Liebe können fähig seyn; massen die Strahlen ihrer anzündenden Augelein / dergestalt kräfftig und durchdringend sind / daß auch das allerhärteste Herz dadurch solte erweichet / und zu ihrer Liebe angestränget werden; bitte demnach dienstlich / mir nicht zu verdencken / daß ich nichts mehr wünsche / als ihr Knecht und Diener genennet zu werden; ob ich dann gleich in jhren Diensten sterben und untergehen solte / würde ich diesen sanfften Tod vor ihre Ungunst erwählen; deßwegen wolle sie an meiner Wenigkeit nicht zweifeln / daß ich nicht alles mein Vermögen dran strecken werde / sie in gute sicherheit zu führen. Mit welchen Worten er ihr die Hand freundlich küssete / uñ zugleich von der Heerstrassen ab / das quer Feld einnam / nach einer Grund zu / da ihn dauchte es der näheste Weg nach dem Vorwerke währe. Das Fräulein aber urteilete darauß / er wolte sie gar entführen / und zu seinem Willen nöhtigen / daher sie also anfing: Ach mein Herr / warumb meidet er doch die rechte Strasse? Ich bitte und ermahne ihn bey seiner Ritterlichen Krafft / die er heut in Rettung meiner angewendet / er wolle nichts ungebührliches wider mich vornehmen / noch durch eine solche Taht seine selbst eigene Ehre beschimpffen / welches ihm kein Meer abwaschen könte. Uber das bin ich von solchen Leuten / welche ihm nicht allein die erzeigete Rettung / nach seinem Willen vergelten / sondern auch / da er einigen Mißbrauch an mich legen würde / eine sehr schwere Rache wider ihn außzuführen måchtig gnug sind; doch wie dem allen / so rede ich solches nicht aus Hochmuht oder Ruhmrätigkeit / sondern bitte demühtig / er wolle mit mir dergestalt verfahren / daß ich ursach haben möge / ihn zeit meines Lebens / als meinen Erretter zu ehren und lieben / sonsten da seine Gedanken mit anderm Begiñen solten schwanger gehen / müste ich seine Rettung nur vor einen Raub halten / dessen ich mich zu seiner Auffrichtigkeit nicht versehen wil. Trefliches Fräulein / antwortete er / sie hat sich meinetwegen nichts arges zubefahren; aber würden ihre Eltern und Anverwanden mirs auch verargen können / da ich meiner erstrittenen Beute bessere Kundschafft mir wünschete? ich bin ja unverheyrahtet / und sie lebet auch ohn Gemahl. Ach mein Herr / sagte sie / er wolle seinen Begierden nicht selber schmeicheln / noch vor zulässig halten / was in aller Welt vor unbillich gescholten wird; solte er aber seinen worten nach / nichts als bessere Kundschafft begehren / kan ihm darinnen wol gewilfahret werden /nur wolle er von diesem verdächtigen Wege abkehren / und der Strasse folgen / damit ich meinem Hn. Vetter / dem Römischen Käyserl. Stathalter zu Padua ohn Schmälerung meiner jungfräulichen Zucht und Ehre möge geliefert werden; alsdann wird diese seine Taht zu Rom nicht geringer geschätzet seyn / als der vortreflichen fremden Herren / die meine herzgeliebte Wase und Schwester Frl. Sophia Fabia aus Räuber händen erlediget / und ihrer einer dieselbe auff gebührliches Ansuchen zum Gemahl erhalten hat; ich auch mich [125] außdrüklich zu dem Ende auff diese Reise begeben / daß ich meiner Frl. Schwester bey ihrem Hochzeitfest möge auffwärtig und bedienet seyn. Hier bekam nun Herkules grosse Reue / seiner ertichteten Anmuhtung / küssete ihr die Hand und sagete: Durchleuchtiges Fräulein / ist dann Fr. Sophia Fabia ihre so nahe Anverwantin? Ja mein Herr / antwortete sie; Wir sind zweer Brüder Kinder / und ist mein Nahme Sibylla Fabia. Hochgebohrnes Fräulein / sagte hierauff Herkules: Der wahre Gott Hi els und Erden ist mein Zeuge / daß Zeit meines Lebens ich keinem einigen Weibsbilde Ungebühr zugemuhtet / auch gegen ihre Durchl. dessen im allergeringsten nicht gesinnet bin /sondern meine Reden sind eines teils zum Scherze /andern teils dahin gemeinet / daß weil ich lebe / ich euer Vortrefligkeit ergebener Knecht und Diener seyn und bleiben wil; und ist mir herzlich leid / daß sie meine Worte ungleich auffgenommen / oder wegen dieses Abweges Argwohn gefasset hat / welchen ich aber bloß / der Gefahr zuentgehen / und sie in Sicherheit zu angenehmer Geselschaft hinzuführen / vorgenommen habe / weil ich befürchte / des erschlagenen Miträuber dürfften dem gemeinen Wege bald folgen; weil ich mich auch unwirdig erkenne / ein so hohes Fräulein vor mir auff dem Pferde zu führen / wil ich willig absteigen / und neben ihr zu fusse herlauffen. Ach nein / mein Herr / antwortete sie; so währe ich das unhöflichste Weibesbild / wann ich meinen Erlöser vom Pferde stossen / und an seine stelle mich drauff setzen würde. Ich bedanke mich aber von herzen vor das hoheerbieten / vernehme daher sein ehrliebendes Gemüht / welches ich weit höher als seine Tapfferkeit schätze / und ich die meinen auch dahin vermahnen wil / ihm alle mögliche Dankbarkeit zu erzeigen. Aber mein Herr / vielleicht ist er selbst deren einer / die meine Fr. Schwester von den Räubern erlöset habẽ. Ich bin meiner Fräulein / wie auch ihrer Fr. Schwester stets ergebener Knecht / antwortete er; uñ jenes Gebäu / welches dort vor uns liget / ist der ort /woselbst mein Frl. in Geselschaft eines hochädlen Frauenzimmers zur Nachtherberge großgünstig vorlieb nehmẽ wird.

Frr. Ursul und Sophia gingen haussen vor dem Vorwerke / umb zu sehen / ob Herkules mit dem fremden Fräulein / wovon ihnen Klodius gesagt hatte / bald kommen wůrde; Und als sie ihn von ferne erblicketen / lieffen sie ihm frölich entgegen / da ihm Fr. Sophia zurieff: Mein Herr Bruder / Herr Herkules / was vor ein schönes zahmes habt ihr gefangen / und seid nur dem Wilde nach gerittẽ? Das Fräulein erkeñete alsbald ihre Stimme / und sagte zu Herkules: Ach mein Herr / warumb hat er sich mir nicht wollen zuerkennen geben / daß ich ihm die gebührliche Ehre geleistet hätte / nachdem sein hochberümter Nahme aus meiner Fr. Schwester Schreiben mir wolbekant ist? Er aber stieg vom Pferde / und huhb sie herab /über welche die beyde Frauen sich zum höchsten verwunderten / sie freundlich umbfingen / und zu ihr sageten: O Herzen Schwesterchen / wie sehen wir euch so unvermuhtlich / und ohn Geselschafft? diese antwortete: Sie währe vor wenig stunden von dem schnöden Silvan geraubet / håtte auch ohn zweiffel Ehr und Leben einbüssen müssen / wann dieser tapffere Ritter und Herr sie nicht errettet und den Räuber erschlagen hätte. Worauff Fr. Sophia sagte: Muß dann Herr Herkules den Fabier Töchtern zum Heyl und ihrer ehren Rettung gebohren seyn? O wie hoch ist ihm Herr M. Fabius hierumb verbunden / weil er nur dieses einige Kind hat / durch deren Verlust alle seine Freude zugleich mit würde verschwundẽ seyn. Herkules antwortete; seine schlechte Dienste währen [126] dessen nichts wirdig; aber hat mein Klodius / sagte er / sich noch nicht eingestellet? O ja / sagte sie / er hat meinen Gemahl und Bruder mit der ganzen Reuterey auffgemahnet / sind auch biß auff meinen H. Vater und IV Reuter alle fortgangen. Herkules hörete solches gerne /lies ihm ein geruhetes Pferd und das hinterstellige seines Harnisches geben / und setzete ihnen frisch nach. Der Stathalter und sein Gemahl empfingen das Fråulein / als ihr eigen Kind / und frageten / wie ihre Eltern sie so einsam hätten reisen lassen / freueten sich nicht minder ihrer Zukunfft / dann ihr Vater H. Markus Fabius wahr des Stathalters einiger Bruder / ein trefflicher Herr zu Rom / der die höchsten Ehrenämter bedienete / und am Käyserlichen Hoffe viel vermochte / auch bey des Käysers Mutter Fr. Mammea in sonderlichem Ansehen wahr. Ihre Mutter Fr. Plazida /Herren Cassius Apronianus / gewesenen Römischen Bürgemeisters Tochter / hatte sie zu allen jungfräulichen Tugendẽ erzogen / daß ihres gleichen zu Rom wenig gefunden ward. Als nun die Geselschafft zu wissen begehrete / wie sie von Herkules gerettet worden / der vor wenig stunden von ihnen geritten wåhre; antwortete sie. Hochwerter Herr Vetter; nachdem mein H. Vater der glůklichen Heyraht meiner Fr. Schwester ist berichtet worden / und daß das Hochzeitfest in weniger Zeit folgen würde; habe ich der Zeit nicht können erwarten / sondern bey meinen Eltern bitlich angehalten / daß ich alsbald herüber reisen / und meiner Fr. Schwester Geselschafft und auffwartung leisten möchte / welches sie mir endlich bewilliget / und mit XVI Reutern mich auff meiner Gutsche begleiten lassen; wie ich nun in guter Sicherheit fortgezogen bin / hat ein Hetrurischer Herr / nahmens Silvan mit seiner grosse Geselschaft mich heut überfallen / meine Reuter alle erschlagen / und mich noch eine Stunde fortfahren lassen / jedoch mir etliche Räuber nach geschicket / welche mich und meine Dienerin aus der Gutsche in einen Pusch getragen / und mich dem Silvan / welcher sich daselbst allein befand / eingelieffert. Dieser Räuber hat vor sechs wochen bey meinen Eltern umb mich angehalten / und als er abschlägige Antwort bekommen / sich hefftiger Dräuungẽ vernehmen lassen / wie hart er diesen vermeinten Schimpff zurächen / und dannoch meiner /wo nicht zu ehren / doch zu seinem Willen mächtig zuwerden / Raht wüste; hätte auch ohn zweiffel seine Boßheit an mir volstrecket / wo nicht Herr Herkules durch mächtige Erl \sung mich von ihm loßgemacht hätte. Der Stathalter tröstete sie / wegen überstandener Gefahr / und daß sie diesen Unfal nicht zu sehr solte zu herzen nehmen / weil noch alles durch der Götter schickung wol abgelauffen / und ihre Ehr und Gesundheit unverletzet blieben währe. Inzwischen hatten Silvans abgelauffene Knechte seinen Völkern angedeutet / daß ihr Herr von einem Ritter angesprenget / und schon so weit gezwungen wåhre / daß er ihm das Fräulein zustellen müssen / dürffte auch wol gar Lebensgefahr außstehen / wo man ihm nicht zu Hülffe kähme. Worauff Silvans Schwester Sohn / nahmens Vinius / ein verwägener frecher Mensch / mit der ganzen Reuterey sich auffmachete / und den Fußknechten zu folgen / Befehl erteilete. Er kam bald bey Silvans Leichnam an / und verstund von Sosius / wie sichs begeben hatte; bekümmerte sich doch wenig wegen des Unfals / weil er ihm alsbald Hoffnung machte /das Fräulein vor sich wieder zuerstreiten / ging also fort / und folgete Klodius seiner Spuhr nach / da er der Fräulein Magd antraff / und sie bey sich behielt /umb / wie er sagte / sie dem Fräulein wieder zuzuführen. Ladisla setzete mit [127] seinen Leuten auch frisch fort / und wahr kaum bey der Heerstrasse angelanget / da er von ferne den Staub vor sich sahe; hielt darauff stille / und stellete die seinen in Ordnung dafern man ihn rechtfertigen würde. Vinius stach vor seinen Reutern her / und so bald er der unsern gewahr wurde / rante er zu ihnen hin / und fragete; ob ihnen nicht ein Ritter aufgestossen währe mit einem Fräulein in lichtrohter Kleidung. Klodius muste ihm auff Befehl antworten /und fragen / was er auff das Fräulein zu sprechen hätte; es währe ihnen ja ein solcher Ritter begegnet /dem sie Schuz und Beystand auff allen Fall leisten wolten. Dieser gab hönisch zur Antwort: Er hätte anjezo nicht Zeit / sich bey ihnen auffzuhalten / damit ihm das Fråulein nicht entführet würde / möchten sich deßwegen gedulden / biß auf seine Zurükkunfft / als dann wolte er ihnen Fuß halten; auff was Weise sie es begehren würden. Schwenkete hiemit seine Schaar /und wolte neben ihnen weg reiten; aber Ladisla stellete sich ihm in außgebreiteter Ordnung entgegẽ / und fragete nochmal / was vor Recht er zu dem Fräulein hätte / nebest der Bedrauung / er solte sich der Nachfolge begeben / oder ihn zum Feinde haben. Dieser sahe daß ihm der Weg verleget wahr / zweiffelte zwar am Siege nicht / weil er die unsern an Mannschaft übertraff; nur besorgete er / dz auf diese weise das Fräulein ihm möchte entrücket werden / versuchte deßwegen noch einmahl / in güte zuerhalten / daß er seinen Weg ungehindert möchte fortsetzen / mit åidlichem Versprechen / er wolte hernach den unsern gedoppelt zuwillen seyn; dafern sie ihm aber sein Glük würden verhindern / müsten sie es alle mit dem Halse bezahlen. Ladisla wolte ihm darauff nicht antworten / sondern beredete sich mit Fabius / wessen er sich zu seinen Reutern zuversehen hätte / es tähten ihm die schmåhliche Dräuworte sehr wehe / die er auff sich nicht könte ersitzẽ lassen / und hätten sie sich billich zuschämen / daß sie solchen Troz erdulden müsten / da sie an der Zahl ihm beynahe gleich währen. Fabius redete hierauff seine Reuter an / und als sie sich erbohten / ihrer Pflicht biß in den Tod eingedenk zu seyn / sagte Ladisla zu Vinius / er solte des Nachjagens / oder seiner Freundschafft sich begebẽ /man hätte seinẽ stolzen Dräuungen schon viel zuviel ůbersehen. Wolan / antwortete dieser; dein lezter Tag ist kommen / welcher dir so viel unerträglicher fallen sol / weil du mir an meiner höchsterwünscheten Glükseligkeit verhinderlich bist. Womit sie von einander zogen / und die ihren zum Treffen ordneten. Herkules kam gleich hinzu gerennet / vernam von Ladisla allen Verlauff / und wahr des gänzlichen vorhabens / die Blutstürzung abzuwenden / schickete alsbald seinen Klodius an Vinius / und lies ihm sagen; der so das Fråulein gerettet / und schon in Sicherheit gebracht /währe gleich jezo wiederkommen / und liesse ihm sagen / daß wann er etwas auff ihn zusprechen hätte /solte er solches mit seinem Schwerte wieder ihn außfechten / und zu weiterm Mord keine Ursach geben /und stünde ihm frey / mit ihm oder Ladisla den Kampff anzutreten. Der Räuber sol wilkommen seyn /antwortete Vinius / und sage ihm / das er sich fertig halte. Klodius hies ihn einen Lügener / und das er auff seine Schanze acht gäbe; hinterbrachte die Antwort /und machete Ladisla traurig / daß er ohn Streit abzihen solte / muste doch einwilligen / und fielen die beyde ganz eiferig mit den Schwertern aufeinander /da Vinius durch seine erste Wuht zimlich Stand hielt; aber Herkules ward bald sein Meister / lähmete ihm vor erst den rechten Arm / und gab ihm also fort einen Stoß in die Gurgel / daß er Tod niderstürzete. Seine Reuter erschraken der schleunigen Niderlage / [128] und auff Ladisla Befragung / ob sie umbkehren / oder gleicher Belohnung wolten gewärtig seyn / bahten sie umb schön Wetter / gaben der Fråulein Magd von sich / uñ auf Vergůnstigung führeten sie den Erschlagenen mit sich davon. Herkules dankete Gott / daß ohn weiteres Blutvergissen der Streit geendiget wahr /und befragete die feindlichen Reuter / auff was vor einen Anschlag sie eigendlich außgezogen währen; welche zur Antwort gaben; es hätten ihre beyde Erschlagene Herrẽ nebest andern gewaltigen Rittern sich verschworen / Herren Fulvius Tod an den beyden fremden Herren zu Padua zu rächen; weil nun Silvan von Rom vertrauliche Nachricht bekommen / daß das Fräulein auff dem Wege nach Padua währe / hätte er solche aufffangen / und sie ihm ehelichen wollen. Herkules gab zur Antwort: Ich bin einer von den fremden zu Padua; weil dann eure beyde Herrẽ eine unverdiente Feindschaft mir zugeworffen / haben sie durch Gottes Rache den Lohn schon hinweg; Kehrete mit seiner Geselschafft wieder um nach dem Vorwerke / und wurden daselbst frölich empfangen.

Bey der Abendmahlzeit saß Herkules auff Fr. Sophien Anordnung bey dem Fräulein / redete aber wenig mit ihr / weil er sich seines gebrauchten Frevels nicht wenig schämete. Die Nacht ruheten sie auff zwey gemeinen Lagern / und wahren früh morgens mit dem Tage wache / da Fr. Sophien eine sonderliche Lust ankam / den Platz im Walde zu besichtigen / da sie auß Räubershänden erlöset / in ihres lieben Ladisla erste Kundschafft gerahten wahr / welches ihr so hefftig anlag / daß sie nicht ruhen kunte / ihn zu bitten / daß er die Geselschafft vermögen möchte / mit zureiten / dann sie währe willens / an dem Orte eine sonderliche Gedächtniß zu stifften / welcher sie seiner Liebe zu allererst wirdig gemacht hätte. Ladisla kunte ihr ohn das nichts versagen; so wahr es auch ein kurtzer Weg / der in zwo Stunden mit ihren schnellen Pferden kunte erreichet werden; begrüssete demnach seinen Herkules und den jungen Fabius / ihm Geselschafft zu leisten. Der Stathalter erboht sich / selbst mitzuzihen; auch wolte seine Gemahl den Ort besichtigen / daß also sie ingesamt in den ersten Frühstunden sich auffmachten / und den Weg vor sich nahmen; wolten zwar anfangs ohn Waffen reiten / aber auff des Stathalters anmahnen / legten sie dieselben an / weil man nicht wissen könte / was vor Unfall sich zutragen möchte. Als sie den Pusch erreicheten / musten sie die Pferde unter der Verwahrung etlicher Reuter Jungen hinter sich lassen / und zu fusse durch die Hecken brechen / welches dem Frauenzimmer nicht eine geringe Beschwerung gab; wiewol sie gute Gehülffen bey sich hatten; massen der Stathalter sein Gemahl / wie auch Ladisla und Fabius die ihren mehrenteils schleppeten und trugen. Herkules führete Frl. Sibyllen mit ihrer guten Vergnügung / der sich doch noch immerzu fůrchtete / sie würde wegen seiner gestrigen Reden einen heimlichen Unwillen auff ihn geworffen haben /daher er auch vor dißmahl zu ihr sagete: Durchl. Fräulein / wann ich an mein gestriges Verbrechen gedenke / da ich so ungebührlichen Schertz mit ihr treiben dürffen / schäme ich mich fast / sie kühnlich anzusehen / und wundere mich ihrer hohen Gütigkeit /daß sie meinem Muhtwillen so leicht verzeihen können / und mich ihrer Gefährtschaft noch wirdiget; versichere sie aber / daß zeit meines Lebens ich mich äusserst bemühen wil / diesen Frevel durch ein bereitwilliges Herz jhr zudienen / abzutragen / und wünsche nicht mehr / als daß ich des beschehenen v \llige Verzeihung bitten dürffte. Das Fräulein / die an seiner [129] Zucht und Schönheit überauß grosses Gefallen trug /antwortete ihm: Ach mein Herr / ich bitte freundlich /er wolle sich allerdinge Unschuldigen nicht anklagen /gestaltsam ich von jhm ja nichts als alles gutes empfangen; hätte auch vielmehr umb Verzeihung zu bitten / daß ich sein ehrliebendes Gemüht in zweifel zihen /und mich ůber ihn beschweren dürffen / wovor ich gerne Abtrag machen wolte / wann ich nur des Vermögens währe. Er hingegen wendete ein / es währe seine höchste Vergnůgung / wann sie sein Verbrechen übersehen und vergessen wolte; huhb sie auch über alles Gesträuche mit anmuhtigen Bezeugungen seines ergebenen Willens / dessen sie mit guter Auffmerkung wahr nam / weil sie ohn das eine Schuldigkeit der Vergeltung vor geleistete hohe Dienste in ihrem Herzen empfand / daher sie ihm alles gutes / wie ihr selbst / gönnete; betrachtete auch nicht allein seine Tugend mit den Gedanken ihrer hochvernünfftigen Seele / sondern sahe sein liebreiches Angesicht ohn alle Einbildung der Genießwilligen Liebe zum oftern an / und hütete sich nicht vor dem Gifft / welcher durch der Augen und Zungen Bedienung sich biß in das innerste des Herzen hinein zu senken pfleget /weil sie nicht allein noch jung / und im XVI Jahre ihres Alters / sondern auch von ihren Eltern in höchster Zucht aufferzogen / und von allerleichtfertigen Geselschafft abgehalten wahr / welche offters der zarten Jugend viel schädlicher / als die gifftigsten Schlangen sind. Die holdseligen Unterredungen kůrzeten ihnen des Weges Länge / und machten sie des mühseligen gehens wenig empfinden / daß ehe sie sichs versahen / sie sich schon auff dem Platze befunden / und nicht ohn Bestürzung sechs auffgerichteter herlicher Mahlzeichen gewahr wurden / daher sie anfangs meynetẽ / sie hätten den rechten Ort nicht angetroffen / eileten doch nicht destoweniger / die erhabenen außgehauenen Steine zubesichtigen / unter denen der eine sechs Ellen lang und drittehalb Ellen breit /ganz glat gehauen wahr / an dem sie diese Messinges künstlich eingegossene Schrifft lasen:Stetswehrendes Ehren Gedächtniß der treflichen Helden / welche auff diesem unseligen Platze von vierzig R \mischen Rittern unredlicher weise angegriffen / und nach langem ernstlichen Gefechte übermannet und erschlagen sind; deren Todt an den M \rdern und ihren Helffers-Helffern zu rächen / die löbliche verschworne Gesellschafft ihr vorbehalten hat.

Unten am Steine wahr die Jahr-Monat und Tagezahl solcher Niederlage abgehauen. Der Stein so diesem am nähesten stund / wahr ein grosses Mannesbilde / welches in der Rechten ein Schwert / und in der Linken einen Schild hielte / und lase man zu oberst auff einem Getäffel diese Schrifft:Orgetorix der grosse von Leibe / Gemüht / Kunst und Kräfften / aller Fechter Ehr und überwinder / bestalter Herzog über 38000 Mann / lieget unter diesem Steine begraben / von XV geharnischten Rittern schelmisch überfallen / deren er vor seinem Tode zwey nidergehauen; dessen Blut umb Rache schreyhet. Nähest ihm stund ein gepanzertes Bilde mit gleichem Gewehr / und mit dieser Uberschrifft:Herr Dumnorix Obrister über 4000 lieget unter diesem Steine / von acht Rittern unredlicher Weise erschlagen. Das folgende Bild gleicher Gestalt / wahr unter dieser Schrifft zuerkennen:Herr Ambiorix /Obrister über 3000 / hat allhier seinen kühnen Geist aufgegeben / von acht Rittern nidergemacht. An den zweyen übrigen auffgerichteten Steinen / in nicht so hoher grösse / lasen sie diese Worte; als am ersten:Fimbria / Herren Dumnorix Obrister Wachtmeister / von fünff Rittern ermordet / hat seinem Obristen im Tode Geselschafft leisten wollen. An dem lezten:Sergius / Herren Ambiorix Häuptman über ein Freyfähnlein / ist alhie von vier Rittern erleget worden. Sie verwunderten sich dieser [130] Begebniß zum höchsten / und sagte Herkules. Die Nahmen und Zeitbenennungen geben gnug an den Tag / daß den von uns erschlagenen Räubern diese vermeynete Ehren Gedächtnis auffgerichtet worden; warumb man aber solche Taht XL Rittern zuschreiben wollen / ist mir unwissend / es geschåhe dann aus großpralerey / den Buben ein so viel grösser Ansehen zu machen / welches ich doch wenig achte / und nur nachsinne / wer immer und ewig so verwägen seyn dürffen / diese Steine herzusetzen / und zwar ohn Vorwissen der Landes Obrigkeit; muhtmasse daher /es müsse eine grosse Menge der verschwornen Räuber obhanden / und vielleicht wol gar in der nähe seyn; angesehen / daß in so kurzer Zeit dieses alles nicht allein geschwinde verfertiget / sondern auch auffgerichtet ist. Ich weiß nicht / antwortete der Stathalter / ob dieses ein verzaubertes oder wahrhafftes Werk ist; dann Römische Untertahnen haben diese Bilder ja nit öffentlich hauen / vielweniger die Dräuung der Rache hinzusetzen dürffen; daher ich wähne / dem Römischen Reiche stehe eine grosse annoch verdeckete Gefahr vor / welches etlicher massen aus des Orgetorix reden gegen meine Tochter / erscheinet. Der junge Fabius sahe ohngefehr an einem grossen Baume eine weisse steinerne Taffel blänken /ging hinzu / und lase daran folgenden Inhalt:Diß sind die sechs unehrliche Ritter / welche durch die Hände der Helden vor ihrem Tode auffgeopffert sind. Er rief die andern herzu / es zu lesen / sahe über sich / und ward sechs auffgehenkter Leichnam gewahr / die endlich vor seine Reuter erkennet wurden / welche Herkules und Ladisla bey seinem unvorsichtigen Anfall erschlagen hatten / und nachgehends in die Erde verscharren lassen / welche wieder außgegraben / und an diesen Baum geknüpffet wahren. Als Ladisla sie besahe / sagte er: Ohn zweifel haben die Uhrheber dieses Werks ihre Auffmerker in Padua / welche ihnen alle Beschaffenheit wol werden eingebracht haben /daß also der blosse Hochmuht ihnen diese Lügen eingeblasen hat. Niemand wahr bestürzter hierüber / als Fr. Sophia / und gedauchte sie / die Steine müsten in der Nähe gearbeitet / und heimlich herzugebracht seyn / worüber sie zu ihrem Vater sagete: Jezt erkenne ich erst meine grosse Gefahr / in welcher ich dazumahl gestecket; dann solte ein grösser Hauffe Räuber den damahligen Verlauff erfahren haben / und ihnen Hůlffe geleistet / hätten wir alle das Leben einbüssen müssen. Sie ging aber fleissig umher / ob sie nicht irgendwo ein Merkmahl antreffen möchte / wodurch man der Sache bessere Kundschafft einzöge; und ward endlich nach fleissiger Nachspürung gewahr /daß nach der linken seite des Gehölzes inwarz / das Graß sehr zutreten wahr / und eine Wagenleise / die fast gar zugescharret / sich etlicher massen vernehmen ließ; welches sie jhrem Ladisla anzeigete / und bey ihm anhielt / etliche von den Reutern außzusenden /die dem Wege nachgingen / und bericht einhohleten. Aber Herkules / der mit gleichmässigen Gedanken umging / sagte: der Sinn trüge ihm etwas sonderliches zu; wolte demnach die ganze ritterliche Geselschafft freundlich ermahnet haben / ihr Gewehr zu beobachten / und redete den Stathalter also an: Hochmögender Herr / mir zweifelt nit / diese ganze Landschafft / wo nicht der Käyserliche Stuel selbst / sey einer grossen råuberischẽ Geselschafft zur Beute außerkohren / so daß erster Zeit / ehe und bevor der Rauch auffgehet /ein hellbrennendes Feur Städte und Dörffer verzehren möchte; und wer weiß / ob dasselbe nicht alhier in der Nähe unter der Asche glimmet / daß mans durch gute Vorsicht dämpffen könte / ehe es hervor gescharret würde; und ob gleich unsere Geselschaft klein und geringe [131] ist / sind wir doch mit Waffen so wol versehen /daß wir uns eines räuberischen Sturmes mit der Hülffe des Allmächtigen Gottes wol erwehren können; deßwegen auff des Herrn Stathalters Vergünstigung /ich wol der Meynung währe / einen kurzen Weg ins Gehölz zu nehmen / ob sich einiger Räuberhauffe wolte blicken lassen. Der Stathalter ließ ihm solches wolgefallen / und erboht sich / selbst mitzugehen /nahmen das Frauenzimmer zwischen sich / und gingen in guter Ordnung den getretenen ungleichen Weg eine ganze stunde lang / ehe sie etwas gewahr wurden; Daher Fr. Pompeja wegen Müdigkeit anhielt /wieder umzukehren; Ihre Tochter aber hingegen sie baht / noch ein wenig fortzugehen / weil der Weg je länger je gebahneter fiele. Der junge Fabius trat eines guten Steinwurffs vorauß / und ward dreyer gepanzerter grosser Männer innen / die unter einem schattichten Pusche schlieffen / und ihr Gewehr neben sich liegen hatten. Er wendete sich umb / winkete der Geselschafft stille zu seyn / ging mit grossen Schritten dem Pusche zu / stieß den einen mit dem Fusse in die seite / daß er erwachete / und fragete ihn / wie er den rechten Weg nach Padua wieder antreffen möchte / weil er im Walde irre ginge. Dieser verwunderte sich neben seinen Gesellen / woher dieser gewapnete Ritter so einig zu fusse herkähme / und gab ihm zur Antwort: Du gehest nicht irre / guter Geselle / sondern bist auff dem Wege deines guten Glüks; stund hiemit auff /und griff nach seinem Schwerte; Fabius aber / der seinen mörderischen Vorsaz merkete / ließ ihm so viel Zeit nicht / sondern wie er sich bückete / das Gewehr auffzuheben / versetzte er ihm eines in den Nacken /daß jhm der Kopff vor seine eigene Füsse fiel; wodurch die übrigen beyde auffgemuntert / ihn mit grossem wüten anfielen / deren er sich ritterlich erwehrete / biß Herkules und Ladisla ihm zu hülffe eileten /und den ganzen Hauffen folgen liessen; daher die Räuber als ungeharnischte mit leichten Sprüngen sich davon machten / und zueilen nicht auffhöreten / biß sie vor einer mit Dornhecken umgebenen Höhle anlangeten / und sich daselbst verkrochen.

Die unseren verfolgeten sie / so viel wegen Verhinderung der Waffen geschehen kunte / biß sie bey diesem Orte ankahmen / des verdeckten Loches sich verwunderten / und näher hinzu traten / auch ein grosses Getümmel und Waffen-geråusche unter der Erden vernahmen / worüber Herkules sich hoch erfreuete / rieff die ganze Gesellschafft herbey / und fügete ihnen zu wissen; hie wåhre ohn Zweifel das gefährliche Raubnest / welches sie durch GOTtes Hülffe gedächten zustören / dafern sie als ehrliche Rittersleute geträuen Beystand leisten / ihre Schwerter frisch gebrauchen /und dieser unsterblichen Ehre mit teilhafftig seyn wolten; welches sie ihm alle schwuren. Wie geherzt sich nun unsere Helden erzeigeten / so erschrocken stellete sich das kleinmůhtige Frauenzimmer / insonderheit Fräulein Sibylla / ungeachtet Herkules sie tröstete /und ihnen drey Hüter vor einen ungewarneten überfall zuordnete. Frau Pompeja begunte mit ihrer Tochter zu schelten / daß sie die einige Ursach dieser Gefahr währe / in welcher sie vielleicht alle umkommen müsten / die sich aber bester massen entschuldigte; es währe ja alles ohn jhr wissen geschehen / und möchte die Mutter sich zu frieden geben. Der Stathalter wahr ohn Waffen / und hatte nur sein leichtes Seiten-Gewehr bey sich / daher Ladisla ihn vermahnete / bey dem Frauenzimmer zu bleiben / biß man bessere Kundschafft eingezogen hätte. Welches er also beantwortete: Wie mein geliebter Herr [132] Sohn / seyd ihr dann diesem Lande mehr schuldig als ich / daß ihr fechten /und ich in der Sicherheit verborgen liegen solte? fing hierauff an / die anwesende Reuter also anzureden: Nun lasset sehen / ihr meine Söhne / wie träulich ihrs mit dem Vaterlande meynet. Hier ist Ehre / Ruhm und Belohnung zu erstreiten / so daß euch das Glük mit beyden Händen zur Niessung ihrer Gaben herzuwinket; Lasset euch nur eine geringe Gefahr nicht abschrecken / noch eine kurtze Arbeit verdrießlich seyn; Ich verspreche euch bey meiner Redligkeit / höhere Vergeltung als ihr selbst nicht gedenken möget; tuht nur die Augen und Ohren auff / und folget euren Führern / welche / ungeachtet sie Fremdlinge sind / dannoch sich willig vor die Wolfahrt unsers Landes darbieten / in welchem sie nicht einen fußbreit eigenes haben. Dafern nun die feindselige Räuber sich werden hervormachen dürffen / so greiffet sie frisch und tapffer an / ich wil vor eines jeden Feindes Häupt hundert Kronen erlegen. Uber dieses erbieten wurden sie dergestalt beherzt gemacht / daß sie versprachen / ritterlich zu siegen oder růhmlich zu sterben.

Herkules blieb inzwischen immer fleissig vor der Höhle stehen / und nach tiefsinniger Horchung merkete er / daß das Getümmel sich immer weiter hinein zohe / deßwegen er X Reuter wählete welche den Harnisch ablegen / und umbher gehẽ musten / zuvernehmen / ob die H \hle etwa mehr Eingänge hätte; besetzete dieses Loch mit drey Mann / und stellete die Völker in gute Ordnung / mit Befehl / wessen sie auff Begebenheit sich verhalten solten. Es stund nicht lange an / da kahmen die außgeschikten wieder herzu / und brachten Kundschafft ein / daß sie noch eines Loches gewahr worden / aus welchem sich gepanzerte Männer hervor tåhten / und zum Streit fertig macheten. Nun dann geschwinde auff / sagte Herkules; trat zwischen Ladisla und den jungen Fabius vorne an / und hies Klodius mit XIV Mann folgen; die übrigen aber unter Markus Befehl sich gefasset halten. Sie funden /daß sich schon XX Räuber aus der Höhle hervorgemacht / und das Loch ringsumher besetzet hatten /daher Herkules sagte; man müste allen Fleis anwenden / daß nur der Eingang erstritten / und die Feinde davon abgetrieben würden; tahten hiemit den Angriff / und funden wieder vermuhten starke Gegenwehr /weil jene den äussersten Fleiß anwendeten / des Lochs Meister zubleiben; dann also ward ihr Hauffe immer gemehret / so lange sie Freyheit hatten heraus zu steigen. Herkules lies Markus mit XII Mann zu sich fodern / gieng neben Ladisla mit ungläublicher Krafft auff die Räuber / und kunte doch ihrer keinen weichen machen / sondern auff dem Platze ihres ersten Standes liessen sie sich niederhauen; welchen Verlust die lebendigen nichts achteten / weil ihr Hauffe stets gemehret ward. Klodius merkete daß auff der andern Seite des Loches der Feind so festen Stand nicht fassen kunte / deßwegen er selbst sechse durch die Hecken brach / und nach kurzem Gefechte das Loch dieses Orts erstritte / dessen Herkules sich freuete / und seine Tapfferkeit rühmete / weil dem Feinde das Außsteigen hiedurch schon benommen wahr; muhtigte daher seine Leute auff / und das mit Abschneidung der Råuber-Köpffe sie sich nicht hindern solten / er wolte ihres wolverhaltens ihnen schon Zeugnis geben / und ihnen das versprochene Geld zehnfach verschaffen. Darauf ging das schlachten grausam fort / und wurden XXXVI Räuber hieselbst erschlagen / das nur ein einziger [133] davon außreiß / welchen sie zwar leicht håtten nidermachen können / aber Herkules wehrete solches / und befahl / ihn lauffen zu lassen / jedoch zu verfolgen / daß man sähe / wohin er sich wendete / würde alsdann ohn zweifel ihnen an stat eines Spürhundes dienen können. Er aber besetzete dieses Loch mit drey Mann / und vernam nicht ohn schmertzen / daß er bey dieser Schlacht drey Reuter eingebůsset hatte. Seine Völker musten alle zusammen treten / ohn die das Frauenzimmer und die beyden Löcher bewahreten / und befand / daß sie noch drey und dreissig Mann stark fechten kunten; hielt eine kurze Vermahnung / in welcher er ihre schon erzeigete Tapfferkeit rühmete / und zur Standhafftigkeit sie ermahnete / welches ihnen mit statlichen Schenkungen solte vergolten werden. Der Stathalter nahm eines entleibeten Räubers Schild und Schwert zur hand / hatte bißher nur mit worten geholffen / und wolte nunmehr selbst mit fechten / dann er hörete / daß die / so dem flüchtigen gefolget wahren / die Zeitung brachten / sie hätten noch ein Loch angetroffẽ / wobey sich etwa XVI Mann / und zween in vollen Ritterharnische sehen liessen. Da wolte nun nicht lange harrens Zeit seyn / gingen also frisch fort /und funden / daß schon XXIV Räuber in fester Ordnung stunden / und teils mit langen Spiessen umb das Loch hielten / daß sie keinen Schrit sich von ihrer Stelle begaben / sondern das Loch zubeschirmen /willens wahren. Ein grosser ansehnlicher Räuber aber trat aus ihrem Mittel in vollem Harnische hervor / und rieff über laut; ob ein redlicher beherzter Ritter unter den unsern währe / solte derselbe mit ihm einen absonderlichen Kampff annehmen; und dürfte einer es nicht wagen / möchte er selb ander kommen. Herkules aber sagte zu Ladisla; mein Bruder; dieser suchet nichts / als Zeit zugewinnen / daß sein Hauffe vermehret werde / deßwegen greiff nur die Räuber frisch an / mit der ganzen Macht / ich wil mit Gottes Hülffe diesem verwägenen den Troz bald legen / und dir hernach beyspringen. Der junge Fabius wolte ihm den einzelnen Kampff wiederrahten / und als solches nicht hafftete / boht er sich ihm zu beystand an / weil das Ungeheuer es selbst also begehret håtte. Aber Herkules sagte zu ihm: Mein Freund / dort wird eure Hülffe nöhtiger seyn / hier gilt nicht nöhtigens / gehet hin /ich wil geliebts Gott schier folgen. Trat hiemit unerschrocken auff seinen Außfoderer ein / nach dem er sich mit seinem gewöhnlichen Gebet Gott also befohlen hatte:HErr Gott / du starker Schuz aller / die auff dich hoffen; stehe mir schwachen bey mit deiner Krafft /und gib gnädig / daß dieses verwägenen Menschen sein Frevel gebrochen / und seine Boßheit gestraffet werde; mir aber verleyhe den Sieg / weil ich nicht aus Liebe /Menschenblut zuvergiessen / sondern auß unvermeidlicher Noht / dieses Kampffs mich unternehmen muß. Sein Feind ging mit Wuht und rasen auff ihn loß / dann er hatte fast Riesenstärke / daher Herkules ihn sich anfangs abarbeiten ließ / weich ihm mehr aus / als daß er die Hiebe mit dem Schilde abgewendet hätte; endlich da er sich sehr verhauen hatte / lieff er ihm ein und verwundete ihn am linken Arme / daß er vor Schmerzen den Schild fallen ließ / jedoch auß grossem Eifer i er hefftiger von sich schlug / worüber er aller Beschützung vergessend / sich in der Bemühung gar bloß gab / daß ihm Herkules einen geraden Stich in das rechte Auge anbrachte / und bald darauff einen unter dem Brustharnische in den Leib / einer halben Ellen tieff; worauff er zurük trat / und sich in ein wolgemässenes Lager stellete. Der grosse Ruland fühlete / daß er tödlich verwundet wahr / wolte doch seinẽ Feind gerne mit in den Tod nehmen / lieff unsinnig ein / und taht einen solchen kräfftigen streich / [134] welchen kein Stahl hätte mögen auffhalten / aber er fiel zu kurz / und traff ihm doch etwas an der seite auff den Helm / daß ihm das straucheln nicht ferne wahr; erholete sich doch bald / und sahe seinen Feind vor Ohnmacht wanken / und bald darauf in die Knie schiessen; trat zu ihm und sagte: Nun wirstu mir den MeisterSatz halten / riß ihm den Helm hinweg / und schlug ihm das Haupt von der Schulder. Der andere geharnischte Räuber / so bald er seinen Gesellen straucheln sahe / gab sich auß der gemeinen Schlacht / und rieff Herkules zu / gleich da er den lezten Hieb taht: Ritter halt ein / oder du must sterben; welches er aber nicht achtete / sondern nach vollbrachtem Schlage antwortete: Dieser hat seinen Lohn hinweg / und wird Gottes Hand dich auch bald finden. Sie hielten kein langes Gespräch / sondern fingen an so grausam auff einander zu schlagen / daß die Zuseher sich darob entsetzetẽ; und ob zwar der Räuber an Leibeskrafft den Vorzug hatte / so ging ihm Herkules doch mit seiner Geschikligkeit weit vor / indem er jhn von allen seiten anfiel / den schweren Hiebẽ außtrat / und im Augenblik wieder loßging / wann jener sich verhauen hatte / daß er ihn daher in kurzer Zeit an vier Orten verwundete. Der Stathalter hatte bißher seinem Gefechte mit höchster Verwunderung zugesehen / und fing an zuruffen: Ihr Götter haltet diesem Helden Schutz / wie ers durch seine Frömmigkeit verdienet. So bald Herkules seine Stimme hörete / dauchte ihn /er empfinge neue Krafft / wolte die Zeit mit diesem nicht so lange zubringen / sondern warff sein eigen Schwert von sich / und riß dem Räuber seines aus der Faust; welcher sich des Schimpfs schämete / warff den Schild hinweg / uñ suchte Gelegenheit mit ihm zu ringen / fühlete aber sein eigen Schwert gar zu bald in den Rippen / dz er zu bodem fiel / mit händen und füssen zappelte / uñ kein wort mehr sprach. Herkules riß jhm dẽ Helm herunter / schlug ihm dz Häupt ab /und reichte dem Stathalter den Helm mit diesen worten: Da mein Herr / setzet um gefahr willẽ diesen auf /dz ihr bessern schirm habẽ möget. Dieser nam solches mit Dank an / uñ traten mit einander den ihren zu hülffe / da inzwischẽ Ladisla seine Leute geherzt anführete / und eine heftige Schlacht gehaltẽ hatte / so dz der feinde schon XX an diesem Ort erlegt waren /uñ kunten doch den Eingang nit erstreitẽ. Herkules rieff überlaut; man müste durchdringen / sonst währe alle Arbeit vergebens; dann er sahe daß der Feinde Anzahl sich immerzu mehrete / uñ eines erschlagenen Plaz geschwinde wieder ersetzet ward. Die Räuber empfunden Herkules Fäuste bald / und hatten mit grosser Bestürzung angesehen / was Gestalt er ihre beyde Oberste Vorsteher hingerichtet; deßwegen sie auff ihn als eine Fluht stürmeten; aber Ladisla und Fabius leisteten ihm redlichen Beystand / biß er aus diesem Gedrånge sich loß arbeitete / und mit acht Mann / unter denen Klodius wahr / auff der ander Seite einbrach / woselbst er in kurzerzeit IX Räuber mit seiner Faust erlegete. Die andern feireten auch nicht / weil der Feinde Geschrey in der höhle sich nur immerzu hören lies / beschützet den Außgang; ja sie drungen so häuffig hervor / dz ihrer etliche der Schilde vergassen / und nur mit den Schwertern auff ihre Fechtkunst sich verlassend / den Streit auffnahmen /daher sie weidlich einbüsseten / daß das Loch umbher mit den erschlagenen umbschanzet ward / und die Feinde sich des Gewehrs nicht mehr gebrauchen kunten / weil die unsern ohn Ruhe auff sie angingen. Ein ansehnlicher Räuber / da er den Stathalter / den er wol kennete / gegenwertig sahe / überlieff er ihn ganz verwägẽ und sagte: So mustu dich dañoch nicht rühmen /daß du die bißher so glükliche Geselschaft [135] zustöret /und ihren Schaz erstritten hast; führete damit einen gewaltigen Hieb / in Meynung / ihn in der mitte von einander zuschlagen; er aber weich ihm aus / trat wieder nach / und schlug ihm das Häupt fast gar herunter; doch wahr ihm die Gefahr so nahe / daß ihm nicht allein das Wammes vorne auffgehauen / sondern auch der Bauch geritzet wahr; Ladisla und seyn Sohn sahen dieses erst nach verrichteter Taht / wolten ihn nicht weiter allein lassen / sondern nahmen ihn zwischen sich / und hielten ihm kräftigen Schuz / weil sie sahẽ /dz schon mehr Räuber sich an ihm reiben wolten. Herkules unüberwindliche Faust drang endlich Sieghafft durch / das er einen freien Gang zu der Höhle machte / die er vieren zuverwahren gab; er aber mit den übrigen schlug von hinten zu in die Feinde / daß sie endlich verzageten / und sich wie das Vieh hinmätschen liessen; ohn ein junger frischer Råuber hielt sich wol / dem Herkules Gnade anboht / wo er sich willig geben würde; dessen er sich nicht lange bedachte / Schwert und Schild von sich warff / und sich erboht / alles was er könte / willig zu leisten. Herkules fragete ihn alsbald / ob die Höhle noch mehr als drey Außgänge hätte. Nein antwortete er / sie sind ihnen nun alle versperret / und währet ihr nicht so glükselig gewesen / sie so zeittig außzuforschen /wůrde euer ůbel gewartet seyn; dann ich versichere euch / daß bey eurer Ankunfft unsere Geselschafft 194 Mann stark gewesen. Mich betreffend / bin ich erst vor zehen tagen durch List und Gewalt von meiner Anverwanten einem hieher gebracht / und zu einem Häuptman ůber 400 Mann gesetzet; ist mir aber sehr lieb / daß diese Räuber vor erfüllung ihrer angelegten Grausamkeit den verdienten Lohn empfahen; und muß eine sonderliche schickung Gottes seyn / daß ihr gleich jezo kommet / da alle ihre Kriegsamten bey einander sind / welches sonst selten geschihet; zweiffele nicht / die auffgerichtete Ehrengedächtnis werde euch darzu veranlasset haben / welches die Verstendigsten befürchteten / und doch / als überstimmet /nicht abwehren können. Ladisla lies inzwischen die erschlagenen Räuber zählen / deren bey diesem Loche LVI wahren / und sie daher außrechneten daß noch C in der Höhle seyn musten; woruber der Stathalter nicht wenig erschrak / aber durch Herkules Freihmutigkeit getröstet ward / der seine Geselschafft also anredete: Ihr redlichen Brüder / sehet wie eine Menge der Schelmen wir schon abgeschlachtet / und deren gleichwol noch so viel in der Höhle sich auffhalten; aber lasset euch vor denselben nicht grauen; die stärkestẽ sind erleget; ihre beyde Führer dürffẽ vor Häuptweh nichts mehr gebrauchen / die Gottes Allmacht durch meine schwache Hand abgestraffet hat. Freuet euch aber / daß wir der Höhle Meister sind /und sie ohn unsere Vergünstigung nicht heraus kriechen können. Wiewol ich willens bin / ihnen ein Loch zu machen / daß wir sie locken / und zur gebührlichen Straffe zihen; dann ich bin des gänzlichen vorsatzes /diesen Ort nicht zuverlassen / biß der herliche Sieg völlig wird erstritten seyn. Seine Leute rieffen / er möchte nach seiner Weißheit ordnen / sie wolten alles gerne bey ihm und bey ihrem Ritmeister auffsetzen. Darauff lies er sie Odem schöpffen / zählete sie / und befand / daß er bey diesem andern treffen vier gute Kerle zugesetzet hatte / und ihrer sechse zimlich verwundet wahren / welche er nach dem Frauenzimmer schickete / da man sie verbunden hatte / und die außgeruheten von dannen abfoderte / das sein Häufflein noch in dreissig bewehrten bestund / dieselben mitgerechnet / welche die Außgänge verwahren musten.

Es lieff aber ein Reuter herzu von der ersten Höhle / und schrey über laut / Waffen [136] Waffen? Herkules ging ihm mit den seinen entgegen / und vernam daß seine beyde Gesellen mit pfeilen aus der Höhle verwundet / und dieser entrunnen wåhre / der Feinde außsteigen anzumelden; eilete deßwegen fort / und sahe / daß schon drey und zwanzig hervorgekrochen wahren / denen das Gewehr auß der Höhle zugerichtet ward. Er überfiel sie mit ganzer Macht / und wůrgete mit den seinen immer vor sich weg / daß sie auff den Erschlagenen stehen und fechten musten. Der junge gefangene Räuber wolte sein Leben wieder verdienen / stritte gewaltig / und erlegte drey Feinde in kurzer Zeit; welches Herkules sehend / zu ihm sagete: Halte dich wol mein Kerl / du solt dessen geniessen / davor wil ich dir Bürge und Schuldmann seyn. Die gewapneten Reuter sahen dieses Tapfferkeit zu ihrer Erinnerung an / daß sie sich selbst auffmunterten / und eiferiger als vorhin fochten / daher sie in einer halben Stunde LII Råuber dieses Orts erlegeten / hingegen an ihrer Seite drey nider gehauen / und viere verwundet wurden; und kam den unsern sonderlich zu statten /daß Ladisla den Feind gar zeitig vom Loche trieb /und sie sich weiters nicht herauß wagen durften. Nun hielten sich doch nach des Räubers Anzeige / noch XLII darinnen auff / da hingegen ihrer nur zwey und zwanzig gesunde übrig / und zwar zimlich mat wahren / weil sie des Tages weder Speise noch Trank genossen hatten. Ladisla gab acht / daß die Außgänge fleissig besezt würden / und als er zimliche Sicherheit vernam / ging er zu dem Frauenzimmer / die vor Angst schier verschmachteten / weil sie hinter dem Gepüsche das klappern der Waffen / das schreihen der kämpfenden / und das Geheule der sterbenden höreten. Seine Ankunfft gab ihnen grossen Trost / insonderheit / weil sie vernahmen / daß er ohn wunden war. Sie fragten alle zugleich / ob der grausame Streit sich nicht schier geendiget / und die Räuber erschlagen währen. Denen er zur Antwort gab: wann sie ein anderthalb hundert todter Leichnam sehen / und die annoch übrigen Räuber erwürgen helffen wolten / müsten sie nicht lange seumen; tröstete sie in ihrem zagen / uñ machte sich wieder zu seiner Geselschaft /welche durch des jungen Räubers Anleitung einen lustigen Brunnen antraffen / und sich zimlich labeten /weil es ein heisser Tag wahr. Unsere Helden aber hielten Raht / wie es weiter anzugreiffen seyn würde; Sie wahren an Mannschafft schwach / und fast ermüdet; hingegen die in der Höhle frisch und in grosser menge; daher wolte der Stathalter / daß man auff die nähesten Dörffer schickete / und Bauren herzu ruffen liesse. Aber Herkules wendete dagegen ein / die Dörffer währen zimlich weit abgelegen / und würde ihre ohn das geringe Mannschafft dadurch geschwächet; wie bald könte sichs zutragen / daß die in der Höhle sich auß Verzweifelung ermanneten / und einen verwägenen Außfall hielten: Seine Meynung währe / daß man bey einander bliebe / und in Gottes Namen das Werk zum Ende brächte; setzete den Helm auff / und redete sein Häuflein also an: Wie wollen wirs nun weiter halten / ihr lieben Brüder? sollen wir den Lauff einstellen / da wir den Zweg auf einen Sprung nahe ergriffen? ja sollen wir als die flüchtigen zurük lauffen / und etwa den schlimmen Bauren die Ehre und den Ruhm des Sieges abtreten / den wir biß auf wenig Hieben in der Faust haben? ich meines teils bin viel anders gesinnet; bedenket / wie treflich Käyserl. Hocheit / und die Stad Rom / ja das ganze Römische Reich euch růhmen werden / euch Segen und Wolfahrt zuruffen; und denen unter euch mit Gelde gedienet ist / sollen dessen volauff empfangen; ja wer weiß / was vor ein treflicher Schatz hieselbst verborgen [137] ist / dessen ihr billich mit geniessen müsset; blösset nur die Schwerter zu guter letzt noch dißmahl / und fechtet behutsam / ich hoffe euer keinen mehr zu verlieren; und jene unsere Brüder / die dort erschlagen liegen /haben höhern Preiß durch ihren ruhmwürdigen Tod erworben / als die grössesten Hauptleute / die in der Schlacht wider einen öffentlichen Feind ihr Leben einbüssen. So erkläret euch nun / wessen ihr gesonnen seyd / ich weiß / daß ihr schon alle an meiner Seiten stehet. Ja / rieffen sie einhellig / wir wollen sterben oder siegen / da wir nur die Feinde herauß locken können.

Die in der Höhe hielten auch Raht / ob sie sich ergeben / oder den Streit fortsetzen solten; weil sie aber meistentheil Römische / und wegen Missetaht verbannete wahren / hatten sie durchaus keine andere Hoffnung / als daß sie alle müsten gekreuziget werden; wolten also lieber im Kampff als durch schwere Pein sterben; daher sie durch einen guten Trunk Wein sich beherzt macheten / und im andern Außgange dergestalt mit Pfeilen von sich heraus schossen / daß die Hühter zuweichen gezwungen wurden. Herkules bekam dessen frühe Nachricht / ging mit der gesamten Mannschafft dahin / wie schon zwey und zwanzig mit ihrem Gewehr sich umb daß Loch gestellet hatten /und mit verwägenem Trotze seiner Ankunfft erwarteten. Ladisla taht mit neun Mann den ersten Angriff /aber es wahr ihm unmöglich durchzubrechen / ob sie gleich viel Blut vergossen. Fabius trat ihm selb viere zu / da ging es noch schårffer daher. Aber ein Räuber von grosser Krafft / muhtigte die seinen / und rieff überlaut: Stehet fest ihr Brüder / was weichet ihr /fechtet getrost; was solte uns diese elende handvol Reuter angewinnen? bedenket eure Wolfahrt / welche im Siege oder Tode bestehet / und lasset euch nicht von dem Loche abtreibẽ. Ladisla trat diesem Schreier näher / und traff ihn dergestalt / daß er im dritten Hiebe zur Erden stürzete. Herkules uñ der Stathalter setzeten mit den übrigen an / da ging es über die Råuber / welche als halbtrunkene ganz verzweiffelt fochten / und sich selbst wenig beschützeten / wann sie nur den unsern eine Wunde anbringen kunten; daher wahr dieses daß allerhefftigste treffen / in welchem die unsern meist verwundet / aber nur zween erschlagen wurden. Endlich drang unser Helden Schwert noch durch / das die Feinde abgetrieben / die Höhle außwendig wieder besezt / und die draussen sich befunden / alle erlegt wurden / ohn daß vier verwundete sich ins Gesträuche verstecketen / und ihr leben retteten / die nachgehends Frau Sophien und ihre Geselschafft in grosse Angst brachten / wie im anfange des sechsten Buches wird zuvernehmen seyn. Der Räuber kahmen in diesem Treffen XX umb ihr Leben. Hingegen wahr Ladisla / der junge Fabius / Klodius / Markus und die anderen alle verwundet / ohn Herkules /der Stathalter uñ drey Reuter; wiewol Ladisla uñ Fabius jedweder nur zwo Fleischwunden an Armen und Beinen empfingen. Herkules wahr über die masse betrübt / als er die seinen dergestalt zugerichtet sahe /ging deßwegen vor das Loch / umb zuversuchen / ob er die übrigen / an der Zahl XIIX zu williger Ergebung bewegen möchte / und rieff hinein / dafern sie sich auff Gnade stellen / und ohn Gewehr hervorgehen würden / solte ihnen das Leben geschenket / und sie auffs höchste mit der Landesverweisung gestraffet werden; dessen sie sehr froh wurden; dann ihre Häupter wahren erschlagen / und wusten diese nicht / wie stark sie draussen wahren; ergaben sich also mit gutem Willen / und stiegen ihrer zehne nach einander heraus. Herkules hies die ůbrigen in der Höhle verharren / biß diese gebunden [138] wåhren / dann er wolte sich ihrer versichern / daß sie nicht rükfällig würden / und seine Leute in ihrer Schwacheit erwürgeten; diese aber bedingeten sich dessen anfangs / und als Herkules sie wolte angreiffen lassen / gingen sie von einander / ergriffen der ertödteten Schwerter / und überfielen die unsern mit grosser Verwägenheit; schriehen auch den übrigen in der Höhle zu / sie solten hervor steigen / und den Sieg erstreiten helffen. Aber ihre Freude wehrete nicht lange / dann Herkules und Ladisla hieben alsbald ihrer fünffe danieder; der Stathalter und sein Sohn neben den dreyen gesunden Reutern traten auch herzu / daher die annoch lebendige zum teil verwundete das Herz fallen liessen / sich ergaben / und gebunden angenommen wurden; welches die übrigen achte in der Höhle ersehend / die schon ergriffene Schwerter von sich legten / und sich der vorigen Gnade ergeben wolten; Aber Herkules sagte; sie solten hervor gehen und sich keiner Bedingung verlauten lassen / wo sie nicht alsbald sterben wolten. Die geringe Hoffnung der gnade beredete sie / daß sie einwilligten / und sich binden liessen / wahren also XIII gefangene / uñ der begnadete junge Räuber von der ganzen Menge übrig / und erfreueten die unsern sich des herlichen Sieges / weil nur zwölffe von ihrer Anzahl erschlagen / und XXV verwundet wahren. Herkules ging darauff ein wenig beyseit / taht seinen Helm ab / und mit gefaltenen Händen und trähnenden Augen richtete er dieses Gebeht kniend zu Gott.Mein Helffer Jesus Christ / wie kan ich dir gnug danken vor deinen Schutz und mächtigen Beystand / über welchen sich alle Welt verwundern wird; möchte wünschen /daß sie ihn nur erkenneten. O stehe mir ferner bey / du mein geträuer Heyland / und gib / daß ich ja nicht unschuldig Blut vergiesse / sondern die Boßheit straffen /und die Gerechtigkeit beschützen helffen möge. Dir mein Gott sey Lob / Ehr / Preiß und Herligkeit / von nun an biß in Ewigkeit / Amen.

Nachgehends befahl er / daß die Reuter sich alle entwapnen und Lufft sch \pffen solten; ging zu den Gefangenen / und fragete / ob nicht Wundsalbe in der Höhle zubeko en. Der älteste Räubersgenosse / nahmens Servilius / ein Mann von LXV Jahren / antwortete: Mein Herr / schenket mir Leben und Freyheit /ich bin ein Wundarzt / und habe allerhand köstliche Wundsalben in der Höhle / wil auch allen geträuen fleiß anwenden / daß nicht allein euren Wunden raht geschaffet / sondern auch überfluß an Speise und Trank aufgetragen werden sol. Ja Alter / sagte Herkules / ihr solt Leben und Freyheit / darzu eine sonderliche Gnade haben / da ihr eurem versprechen redlich nachkommet. Hieß ihn alsbald loßbinden / und sprach ihn der Stathalter frey; wofür dieser auff den Knien und mit Trähnen dankete; hohlete bald sein Bindezeug hervor / und baht / daß dem einen Gefangenen auch Gnade wiederfahren möchte / weil er nichts übels getahn / und ihr Koch währe / würde jhnen auch Speise gnug schaffen. Diesem ward gefolget / und Ladisla samt Fabius / Klodius und Markus vorerst / hernach auch die andern alle verbunden / deren XXI wahren. Servilius vertröstete sie alle der folgenden Gesundheit / ohn dz ihrer viere hinkend / einer an beyden Beinen / und fůnffe an einer Hand lahm bleiben würden / welches auch erfolgete; der Stathalter aber ihnen die Verheissung taht / daß sie zeit ihres Lebens reichlichen Unterhalt haben solten. Herkules ging unterdeß ungewapnet nach dem Frauenzimmer /die wegen des lezten Streites sich mehr als vorhin entsetzet hatten; dann die halbtrunkenen führeten ein grausames Geschrey / daher sie durch seine Ankunfft sehr erfreuet wurden / und wahr ihre erste frage / ob die ihren noch alle lebeten / und das blutvergiessen schier ein ende genommen [139] hätte. Ja / sagte er / dem ewigen allmächtigen Gott sey Lob und Preiß; die geschwornen Feinde dieser ganzen Landschafft sind gedämpffet / und viel tausend unschuldige Seelen von dem Verderben befreyet; und ob schon von unser Geselschafft etliche das Leben ritterlich zugesetzet /haben sie doch einen unsterblichen Nahmen erstritten / der ihnen / weil Padua stehet / bleiben muß. Er wolte weiter reden / aber Fr. Ursul hielt gänzlich davor / jhr Fabius würde drauff gangen seyn / fiel ihm in die Rede / und sagete: O Herr Herkules / hat etwa mein Gemahl das Leben verlohren? O ihr Götter! Behüte Gott / antwortete er / warumb gedenket meine Freundin ein so unglükliches? ich komme zu dem ende / daß ich sie abhohlen / und auff eine Feldmahlzeit einladen wil / womit sie vor dißmahl vorlieb nehmen werden. Dem Allerhöchsten sey hievor Lob und Dank gesaget / antwortete die Stathalterin / der wolle umb seines lieben Sohns willen die meinen ferner schützen und bewahren. Sophia / Ursula und Sibylla fasseten sich bey den Händen / und gingen voran /Herkules aber begleitete die Stathalterin mit sonderlicher Herzensfreude / und sagte zu ihr Hochwerte Fr. Mutter; grössere Vergnügung habe ich zu Padua nicht funden / als daß ich anjezt mit sonderlicher freude vernehme / daß sie eine Christin ist / dann diesem Glauben bin ich auch / Gott Lob / von herzen zugetahn und ergeben. Mein geliebter Sohn / antwortete sie / ich habe es zu unterschiedenen mahlen aus seinen Reden gemuhtmasset / und erfreue mich seines Christentuhms sehr / möchte wünschen / daß mein Sohn H. Ladisla auch darzu könte gebracht werden /alsdann würde meine Tochter sich leicht bereden lassen / ihm zu folgen. Ich gelebe der tröstlichen Zuversicht zu Gott / sagte er / daß ich ihn mit der Zeit gewinnen werde / aber so schleunig wird es nicht geschehen / weil er der Abgötterey gar zu sehr anhanget. Gott wird es nach seinem gnädigen Willen schicken /sagte sie / wann nur einige Hoffnung übrig ist; Ich aber wil nicht unterlassen / in meinem täglichen Gebeht bey Gott anzuhalten / daß der Heilige Geist der meinigen Herz erleuchten wolle. Herkules fragete / ob nicht ein Christlicher Lehrer sich zu Padua auffhielte; und als er von ihr vernam / dz die Christliche Gemeine des Orts über 1500 Getauffte / und 3000 Ungetauffte stark währe / auch ein treflicher Lehrer alle Woche den Glauben außlegete / verhieß er ihr / in erster Versamlung mit zuerscheinen. Als sie bey der Höhle anlangeten / und das Frauenzimmer das geronnene Blut auff der Erden stehen / auch die abscheuhlichen Todten sahen / welche das bedrauliche Gesicht noch nicht abgelegt hatten; erschraken sie über alle masse / insonderheit / da sie Ladisla und Fabius Wunden inne wurden. Der alte Servilius trug ihnen die kalte Küche auf von allerhand Gebratens und anderen niedlichen Speisen / schenkete ihnen daneben einen Wein ein / deßgleichen der Stathalter selbst im Keller nicht hatte / wodurch sie allesamt erquicket und gelabet wurden.

Nach gehaltener kurzen Mahlzeit foderte Servilius Herrn Herkules auff einen Ort allein / und sagete zu ihm: Gn. Herr / nach dem Eure Gn. mir Leben und Freyheit gnådig versprochen / wolte derselben ich mich gerne dankbar erzeigen / und ihr ingeheim solchen Schatz die Hand spielen / der einen Fürsten vor Armut wol befreyen sol. Er aber wolte ihm hierauff nicht antworten / sondern foderte Ladisla und den jungen Fabius herzu / und in deren gegenwart sagete er zu jhm: Höret Alter / was ihr jezt mir allein zuwenden woltet / das zeiget uns zugleich an / dann ich trage bedenken / mit euch absonderlich hievon [140] zuhandeln. Servilius taht solches ungerne / hielt auch zurük / nur daß er bat / sie möchten mit ihm in die Höhle steigen / da könte er seine worte wirklich leisten. Sie gingen samt den Stathalter und Frauenzimmer hinein / und verwunderten sich zum höchsten ůber der Zierligkeit dieses verborgenen Gebäues / in welchem alles so renlich und sauber wahr. Zu unterst wahr es mit Steinen ůbersetzet / und ganz durch und durch gewölbet; der gemeine Platz drinnen war so weit begriffen / daß 500 Mann sich daselbst auffhalten kunten. Das Gewölbe lag auff herlichen Pfeilern / welche fünff Ellen lang / und wahr mit dicker Erde überschüttet / und mit dornichten Hecken / welche mit fleiß darauff gepflanzet / so dichte bewachsen / daß kein Hase hindurch kriechen mögen / daher man die runden Klaffter-weiten Löcher / durch welche von oben herab das Liecht hinein fiel / von aussen gar nicht sehen kunte. Die drey Eingänge wahren rund und zwo Klaffter weit / in welchen starke Leitern stundẽ / darauff man ein und auß steigen kunte. Inwendig wahr ein gegrabener Brunnen von klarem lieblichen Wasser / worauß man mit der Hand schöpffen kunte. Vorne im ersten Eingange hing eine Messinges Taffel / deren eingegossene Schrift meldete dieses Gebäues Alter / daß es vor etliche und dreyssig Jahr / nemlich im zwölfften Jahre Käysers L. Aurelius Commodus / da zu Rom die Friedes- wie auch die Vesten-Kirchen abgebrant war / erbauet wåhre. Die unsern besahen alles gar genaue /verwunderten sich / daß dieses Gebäu in solcher stille hätte können verfertiget werden / daß kein Mensch dessen inne worden. Da Servilius ihnen anzeigete / es währe über Menschengedenken eine Mördergrube /aber nit dergestalt außgeführet gewesen / biß man sich nach Außsage der Taffel unterwunden / das Gemåuer zu legen; die Steine währen mehrenteils mit händen bey Nachtzeit herzugetragẽ; Bauleute hätte man hin und wieder auffgefangen / mit verbundenen Augen herbey geführet / und zeit wehrender Arbeit sie mit guter Speise und grossen Verheissungen auffgehalten / aber nachgehends sie alle im Schlaffe erwürget. Ich / sagte Servilius / bin nunmehr 38 Jahr in dieser Geselschafft gewesen / und drey Jahr vor Außführung dieses Gebäues zum WundArzt / vor XX Jahren aber zum Schazmeister von ihnen bestellet; habe zwar ihrer Beute / so viel das Maul verzehret / mit genossen / aber nie keinen Mord oder Raub volbringen oder befodern helffen / dessen ich die Götter zu Zeugen ruffe. Herkules fragete ihn / ob nicht Nebengemächer währen / in welchen die Räuber ihre Waffen und Speisen håtten / weil man in diesem grossen Platze dessen nichts fünde. Ja mein Herr / antwortete er / wir wollen alles besichtigẽ; führete sie an die seite ostwerz / und öfnete eine Tühr zu einem langen und weiten Gemache / woselbst ein solcher Vorraht an Früchten / Meel / gesalzenem Fleisch und gedorreten Fischen / auch an Wein uñ eingewürzeten köstlichen sachen war / dz 4000 Mañ etliche Jahr damit zu aller Notturft wären versorgt gewesen / sintemal er auß den Rechnungẽ darlegete / dz dieser Vorraht sich auf 5 Toñen Goldes belief. Hernach führete er sie nach der seite gegen Westen; öfnete ein Gemach gleicher grösse / uñ zeigete ihnẽ die treflichsten Harnische und Schwerter in so überflüssiger menge schi ern / dz sie ein entsetzẽ darob hattẽ; dañ ein Kriegsheer von 6000 Reutern uñ 44000 zu fusse kunte alhier außgerüstet werden; uñ erstreckete sich seiner anzeige nach / dieser Waffen ihr wert auf IX Toñen Goldes. Nun mein Gott / sagte Herkules / wer hat jemahls eine solche Rüstung in Räuberhölẽ gesuchet? aber ist man auch willens gewesen / solche unter einer Mañschaft außzuteilẽ? [141] Ja mein Herr / antwortete Servilius; währe diese Höhle noch ein viertel Jahr verborgen blieben /würden 50000 Mann sich in einer Woche eingestellet / und das Gewehr empfangen haben; und werden eure Gefangene unter scharffer frage wol bekennen müssen / was vor ein Anschlag über ganz Italien gemacht worden. Der Stathalter foderte Dinten und Papier /schrieb einen Brieff nach Padua / und begehrete an den Raht / daß sie 1500 Mañ mit 200 oder mehr Wagen / straks Angesichts herschicken solten / und muste der eine unverwundete Reuter nach eingenommener gnugsamer Labung das Schreiben überbringen / da Servilius ihm anleitung gab / er würde im nähestẽ Dorffe ein Pferd in der Schenke mit allem Zubehör finden / das solte er nur im Namen Klaudius Bessus (welches ein ertichteter Nahme währe) abfodern / und auffs schnelleste fort reiten; Er aber ging mit unser Geselschafft in der Höhle sudwarz / öffnete ihnen eine grosse Kammer / die mit seidenen Waaren / Purpur /Silber und Güldenen Stücken dermassen erfüllet wahr / daß man eine kleine Messe damit håtte auffschlagen mögen. Sehet meine Herren / sagte er / hie werdet ihr auff zwanzig Tonnen Goldes die allerköstlichsten Waaren finden / die von allen Ecken her zusammen geraubet und gestohlen sind. Das Frauenzimmer entsetzete sich über dieser Menge / aber Herkules befahl Servilius von den schönsten Sachen alles vierdoppelt außzusuchen / welches dem Frauenzimmer zur ersten Außbeute eingeliefert ward / so daß ein jeder seinem Gemahl / Herkules aber Frl. Sibyllen solches einhåndigte / die sich dessen allerseits bedanketen. Hier machte sich nun der Alte abermahl an Herkules allein / und sagte: Mein Herr / ich erachte das bißher gelieferte gnug zu seyn / wobey eure Gesellen zu gleicher Teilung gehen / deßwegen / da es euch geliebet / so gehet mit mir unvermerket an einen Ort / woselbst euer Glük vorbehalten wird. Er aber antwortete: Eure Gewogenheit / mein Freund / habe ich gnug verspüret / ist aber noch etwas übrig / so lassets diese Herren zugleich mit wissen; dann ich werde hinter ihnen her mir nichts zuwenden lassen. Mein Herr bedenke sich /sagte er; rieff die andern herzu / und baht / mit ihm Nordwerz zugehen / und ihm eine Tühr helffen zu öffnen / welche mit acht dicken eisern Stäben verriegelt /mit so viel starken Mahl Schlössern verwahret / und mit groben Brettern außwendig überzogen wahr / daß kein Mensch sich daselbst eines Gemaches hätte können vermuhten seyn. Sie hatten Mühe gnug / dieselbe auffzumachen / und da sie hinein traten / funden sie zwölff mit grobem Eisen beschlagene Kasten / die mit gemünzetem Silber und Golde gefüllet waren / und trug dieser Schatz sechzig Tonnen Goldes auß; wobey Servilius berichtete / daß vor zwölff Wochen den Werbern zehn Tonnen Goldes zugestellet währen / die anjezt in Teutschland / Pannonien / Gallien / Spanien und Griechenland Reuter und Fußvolk bestelleten. O ihr Götter / rieff der Stathalter / wie kan das Römische Reich euch vor diese gnädige Rettung gnug danken / oder diesen Helden gebührliche Vergeltung legen? Freylich gebühret den Göttern Dank / antwortete Ladisla / aber unser Vermögen ist zu geringe /daß man sich deßwegen umb einige Vergeltung bekümmern wolte. Ja meine Herren / sagte der Stathalter / ich zweifele nicht / Rom werde noch Leute vom Verstande haben / davon wir dißmahl weiters nicht reden wollen.

Nach dieser Besichtigung setzeten sie sich nieder zum Trunke / hielten mannicherley Unterredung von dem grausamen Vornehmen dieser Räuber / und verfügete sich Servilius [142] zu Frl. Sibyllen / zu ihr sagend: Gn. Fräulein / wo ich nicht irre / so ist der junge Herr entweder ihr naher Anverwanter / oder ihr liebster /dem ich gerne ein Glük vor andern gönnen möchte /aber bißher solches von ihm nicht erhalten können /daß ers annehme; seid demnach gebehten / und beredet ihn hierzu / welches ohn zweiffel zu eurem besten mit gereichen wird. Frl. Sibylla antwortete ihm schamhafftig; es währe dieser Herr zwar ihr guter Freund von gestern her / aber nicht weiters / jedoch wolte sie sein Begehren durch andere versuchen; ging zu Fr. Sophien / und taht es ihr zu wissen. Dieselbe nun baht Herkules in Ladislaen Gegenwart / er möchte sich dessen ferner nicht wegern / damit kein Schaz untergeschlagen würde; zu geschweigen / daß sie als die einige wahre Uhrheber dieses fast unglåublichen Sieges / der Beute von rechts wegen zu geniessen hätten. Er aber entschuldigte sich / um Geizes Verdacht zu meiden / wolte auch nicht antwortẽ / biß der Stathalter und sein Sohn zuvor Wissenschafft drumb hätten. Hernach ging er hin zu Servilius / und sagte; Alter / ihr habt euch wol vorzusehen / daß ihr ja durchaus kein verborgenes oder beygelegtes verschweiget / unter der Hoffnung / ihr wollet solches schier heut oder Morgen nachhohlen; dann ich versichere euch / daß nicht allein dieses Raubnest erstes tages aus dem Grunde verstöret / und ihr nicht wieder hieher gelassen werden sollet; sondern da sich ichtwas finden wird / dürffte euch solches zu grosser Gefahr gereichen / welches mir dann euret wegen Leid seyn würde / und ich euch doch im geringsten nicht retten könte. Gn. Herr / antwortete er / diese Rechnung habe ich mir leicht zu machen / uñ müste meiner Sinnen wol beraubet seyn / wann ich etwas zuverhehlen mich unterstünde; sondern ich suche Gelegenheit / daß annoch ungemeldete euer Gn. absonderlich einzuhändigen. Euer Wille mag wol gut seyn / sagte Herkules /mir aber ist er nicht angenehm / weil ich nichts in dieser Welt habe / welches ich mit diesen meinen Freunden nicht gerne teilen wolte. So mag ich euch / sagte Servilius / in diesem Stücke mit unsern gewesenen dreyen Fürsten / Orgetorix / und den beyden / so im Ritterharnische gestritten / wol vergleichen; massen dieselben ihres dinges so einig wahren / daß keiner vor dem andern Gewalt / Reichtuhm oder Ehre begehrete / sondern alles gemein hatten / auch vor einen Mann stunden. Aber doch folgen ihre Gn. mir allein /bitte ich sehr / ob nicht ein oder etliche Stücke seyn möchten / die er zu sich nehmen / und einem guten Freunde oder Freundin zum Beutpfennige liefern könte. Gingen also beyde hin / öffneten ein verborgenes Tührlein / welches außwendig mit Brettern wunderlich vermacht wahr / daß kein Mensch dessen inne werden mögen. Sehet / sagte Servilius / heut lebet kein Mensch als ich / der dieses heimliche Gemach weiß; Ja unsere drey Fürsten und ich haben nur Wissenschafft darumb gehabt; führete ihn hinein / uñ zeigete ihm zwanzig Laden / mit Kleinoten so reichlich außgefüllet daß ein König zu diesen zeiten es nicht wůrde bezahlen können / und fuhr er in seiner Rede also fort: Hier liefere meinẽ Herrn ich vorerst die gemeinen Kleinot / vor Ritmeistere / Häuptleute uñ Fähndriche hingelegt / als 680 par Armbänder / jedes par zu 140 Kronen am Wert; gleich so viel Halßketten / jede von 125 Kronen; und so viel Ringe / jeder zu 60 Kronen; auch 680 Kleinot auf dem Hute zu tragen / jedes von 150 Kronen. Dabey liefere ich vor ihre Weiber dergleichen Sachen / in eben der Zahl und dem Wert. Welches alles sechs Toñen Goldes uñ 46000 Kronen außtråget. Vors ander vor XII Obristen zu Roß / deren jeder 1000 Reuter; und [143] vor XXII Obristen zu Fuß / deren jeder 4000 Knechte; unter X Fähnlein führen solte / stelle ich meinem Herrn zu 34 Degen Gefäß mit Demanten außgesezt / jedes zu 4000 Kronen; so viel Ringe / jedẽ zu 2000; so viel par Armbänder / jedes par zu 3000 Kronẽ; so viel Demanten Halsketten / jede von 6000 Kronen; und gleich so viel Kleinot an Hüten zutragen / jedes auff 4000 Kronen; schließlich so viel Kleinot an die Halsketten zu hefften / jedes auch 4000 Kronen gerechnet; Und dann vor ihre Gemahlen in gleicher Anzahl und Kostbarkeit eben so viel weibliche Stücke / da an Stat der Gefäß Leibgürtel geleget sind / tragen XV Tonnen Schatzes / und darüber 64000 Kronen aus. Drittens sind alhie zu empfahen drey Degen Gefäß und drey Weibergürtel / jedes Stük in guter geltung eine Tonne Schaz; sechs Kleinot / halb Weibliche und halb Mänliche / jedes Stük 50000 Kronen; so viel Halsketten von Demanten / jede eine Tonne Schaz; sechs par Armbänder von Demanten / jedes par eine Tonne Schaz; so viel Ringe; jeder 34000 Kronen; so viel par Ohren gehänge / jedes par 20000 Kronen; drey Messerscheiden / und Demantketchen dran / jede zu 12000 Kronẽ; träget XXIV Tonnen Goldes 60000 Kronen aus / welches nur unsern dreyen Fürsten und ihren Gemahlen hingeleget ist. Uber das finden sich noch allerhand ungefassete ädelgesteine und Perlen vor VI Tonnen Goldes / und endlich allerhand gemeine Ringe / Ketten / Armbänder und Kleinoten zum Pferdeschmuk / in die IV Tonnen Goldes am wert; daß also mein Herr in diesem einzigen Gemache fast LVI Tonnen Goldes an Kleinoten findet; und daß bißher gezeigete ingesamt über CL Tonnen Goldes / oder XV Millionen außträget / welche dem Römischen Käyser so bald auffzubringen / schwer genug fallen würde. Hernach nam er einen vollen Schmuk Fürstlicher Weiberkleinot / und einer Obristin ganzes Gepränge / wickelte es in zwey Bündlein zusammen /und hielt es ihm mit diesen Worten zu: Gn. Herr / wer weis ob des Käysers / oder ja seiner Mutter Geiz euer Gn. von diesen kostbahren Sachen viel zuwenden wird? deßwegen nehme er auffs minste doch diese wenigen Stücke zu sich / ob er etwa dermahleins seiner liebsten etwas schenken wolte / umb deretwillen ich umb gnådige Einwilligung anhalte. Herkules gedachte / es möchte vielleicht also ergehen / hätte doch dessen nichts geno en / aber weil er seiner höchstgeliebeten Frl. Valisken eingedenke ward / sagte er: Wolan; daß ihr gleichwol meinen guten Willen sehet / wil ich euch solches nicht abschlagen / und hernähst eures besten eingedenke seyn. Es hat sich aber der günstige Leser über der grossen Menge dieser Schätze nit zuverwundern / wann er vor erst betrachtet / das Italien zu der Zeit mit Reichtuhm fast über schwemmet wahr / als dahin alle Länder ihre Schatzungen so geraume Zeit hatten einlieffern müssen / daher man ädle Bürger zu Rom fand / die vor sich mehr als Königliche Schätze besassen; dann daß ich des überaus reichen Krassus geschweige / so meldet der Römische Geschichtschreiber Kassius Dio / welcher Zeit dieser Begebnis gelebet / daß etliche zwanzig Jahr vor dieser Geschichte / ein Römischer Bürgemeister / nahmens L. Septimius Plautianus / dem Antoninus Karakalla (welcher nachgehends an seines Vaters / Käysers Severus Stelle / das Reich bekommen) seine Tochter verheyrahtet / und ihr solche Außsteuer mit gegeben /welche funffzig Königinnen währe gnug gewesen. Nun aber hatten die Räuber nicht allein so lange Jahr her geraubet und gestohlen / sondern mehr als hundert vertribene reiche Bürger aus Rom und andern grossen Städten hatten sich zu ihnen geschlagen / und ihre Gelder mit sich genommen.

[144] Klodius / wie verwundet er auch wahr / gedachte ohn Beute nicht zu scheiden; dann als er einen erschlagenen besuchte / ward er nicht allein geldes /sondern auch Ringe und Armbänder bey ihm gewahr /zeigete solches seinem Gesellen Markus an / und ersuchten sie ihre Herren / ob ihnen könte gegönnet werden die erschlagenen zuplündern / da ihn Herkules an den Stathalter verwies / welcher zu ihm sagte: Mein guter Freund Klodius; ihr und euer Geselle Markus habt vor eures Vaterlandes Wolfahrt redlich gefochten / und euer Blut nicht gesparet / dessen ihr unfehlbare Vergeltung zu hoffen habet; gehet aber hin mit eurem Gesellen / und suchet euch den vierdenteil aller erschlagenen aus; was ihr bey denselben findet /sol euer seyn; ohn das eurem Herren Herkules die beyde Geharnischte vorbehalten werden; die übrigen drey Teile sollen meines Sohns Reuter zur Beute haben. Diese sagten davor grossen dank / nahmen den jungen Räuber zu sich der ihnen die vornehmsten zeigen muste / und schleppeten der erschlagenen XLIII auff einen Ort allein / bey denen sie XIV Halßketten /ingesamt 5000 Kronen am wert; XXXII par Armbänder / auff 4500 Kronen geschätzet; C Ringe auff 8000 Kronen; und an Baarschafft 15000 Kronen erschnappeten / welches sie aller Schmerzen vergessen machte / und sie meineten / ihre Mühe währe ihnen schon zehnfach ersetzet. Bey den übrigen erschlagenen /deren CXXXII wahren / funden die Reuter an Geschmeyde und Baarschafft 66400 Kronen wert. Und weil die unsern sich verwunderten warumb diese Räuber so grosse Baarschaften an Gold bey sich hätten; zeigete Servilius ihnen an / weil es alle / Obristen und vornehme Hauptleute währen / hätten sie solches Geschmeyde täglich am Leibe; die Baarschaften aber währen nichts als Spielgelder / weil sie mit Würffeln und Karten die Zeit pflegeten zuzubringen; Und ob zwar viel unzüchtige Buben mit drunter gewesen /håtten doch ihre Fürsten nie zugeben wollen / dz einiges Weibesbilde herein gebracht würde. Nun hielt Herkules sich viel zu ädel / die erschlagenen zuentwapnen / und ließ Fabius solches durch den jungen Räuber thun / welcher ihre Kleider von güldenen Stücken gemacht / und mit 1000 Zahlperlen (deren jedes Stük 100 Kronen kostete /) gestikt / herzu brachte / nebest zwo Demanten Halsketten und so viel par Armbänder gleicher gattung / auff zwo Tonnen Goldes an wert. Sechs Ringe wurden von ihren Fingern gezogen / gleicher Schatzbarkeit / daß also diese stolze Räuber V Tonnen Goldes kostbarkeiten an ihrem nichtwerten Leibe trugen. Dieses alles lieferte Fabius seinem Vater / welcher es Herkules mit diesen Worten einreichete: Hier ist das Zeichen eures herlichen Sieges / da der Himmel euch die Ehre gegönnet hat / die grössesten Feinde des Römischen Reichs mit eurer siegreichen Faust zuerlegen / welches Käyserl. Hochwürde / und der Raht zu Rom schon erkeñen wird. Was nun diese Buben vor hohe Gedanken geführet haben / ist auß diesem Pracht in etwz abzunehmen / und wird mein geliebter Herr sich nicht wegern / dieses Siegzeichen anzunehmen / da ihm sonst seine angewante Mühe nicht gereuet / welches ich nimmermehr hoffen wil. Herkules / nachdem ers zu sich genommen hatte / antwortete hierauff: Hochwerter Herr und Vater; dem grossen Gott sey Dank vor seine unaußsprechliche gnade und kräftigen Beysand / durch welchen ich diese Wüteriche hingerichtet / dann sonst würde meine geringe Krafft viel zu schwach gewesen seyn / ihren Streichen zuentgehen; der Allmåchtige wolle meinen Wunsch bestätigen / daß an ihren Häuptern aller mitverschwornen Frevel [145] zugleich mit abgehauen sey; und ob dieses Kleinot-geprånge gleich mehr vor eine Belohnung als Gedenkzeichen könte gerechnet werden / wil ichs doch unter beyderley Benenung annehmen; jedoch daß meinen lieben Freunden auch ein Stük davon werde / wobey sie sich dieses unsers Glüks erinnern können. Hiemit teilete er die vier Armbänder unter das Frauenzimmer aus; dem Stathalter und seinem Sohn steckete er einen Ring an / uñ warff Ladisla eine Kette umb den Halß; das übrige samt den abgeschnittenen 1000 Perlen / nahm er zu sich / und mahnete die Geselschafft an / den Abzug zubeschleunigen / weil man der verschriebenen Wagen Ankunfft vernahm. Servilius trat hervor / und zeigete an; Es währe noch das silberne und güldene Geschir / samt den gearbeiteten Kleidern (welches er vergessen) nicht gezeiget; schloß einen grossen Kleiderkasten auff / in welchem XXX Fürstliche Mannes-und Frauenkleider hingen / die nicht unter V Tonnen Schaz gezeuget wahren; Allernähest dabey wahr die Silberkammer / in welcher auf drey Fürstliche lange Speisetische alles beyeinander wahr; und hierüber viel ander silber und gülden Geschir / ingesamt auf zwo Tonnen Goldes gerechnet. Der Stathalter nahm vier kleine köstliche Goldbecher davon / und stellete sie dem Frauenzimmer zu; zeigete daneben an / daß er gesinnet währe / alle eroberte Sachen nach Padua zu schaffen / und biß auff Kåyserl. Hocheit fernere Anordnung in Verwahrung zu nehmen; welches ihnen allen wolgefiel. Wurden demnach LXXX Wagen mit gemünzetem Silber / XXV mit gemünzetem Golde; XVI mit Kleinoten und Geschirren / und LXXIIX mit köstlichen Waaren beladen; und weil man die grossen Geldkasten nicht erheben mochte / ward das Meel auß den Tonnen und ledern Säcken geschüttet / und das Geld dahinein gepacket. Jedem angekommenen Soldaten und Wagenknecht wurden durch die Bank hin zwo Kronen verehret / und musten 500 Kriegsknechte diese Nacht die Höhle bewachen / auff daß man folgender Tage die Essewaaren und Gewehr abführen könte / da dann bey Lebensstraffe keiner in die Höhle solte gelassen werden / ohn Servilius und etliche ihm zugegebene / den Völckern Speise uñ Trank nach Notturfft außzureichen. Die Verwundeten und Gefangenen wurden mit auffgeladen / und des nähesten Weges nach der Stad geführet. Auf V Wagen fuhren die Unsern / unter der Begleitung 50 Kriegsknechte /daher sie kommen wahren / da sie die auffgerichteten Steine zerschlugen / die erhenketen in die Erde scharreten / und den beschwerlichen Weg durchs Gepüsche nach ihren Pferden zu fusse vor sich nahmen. Ladisla und Fabius hatten wegen ihrer Wunden mit sich selbst zu tuhn / daher sie etlichen Kriegsleuten befahlen / ihren Gemahlen durchs Gehecke zu helffen / und Herkules ehrenhalber nicht vorüber kunte / sich der Fräulein wieder anzunehmen / und sie über Püsche und Sträucher zu heben / welches sie zwar vor lieb nahm / jedoch schamhafftig zu ihm sagete: Mein Herr / es tuht mir sehr leid / daß ich leider ihm zu nichts diene / als nur Ungelegenheit zu machen; Gestern war ich ihm beschwerlich auff dem Pferde; jezt muß er mich gar tragen und schleppen / wo ich sonst mit fort sol; nur möchte ich von Herzen wůnschen / daß meine Eltern Gelegenheit finden könten / seine mir bezeigete hohe Dienste wirdig zu vergelten / welches doch nimmermehr geschehen wird / weil ich sehen und erfahren muß / daß / da ich schuldig bin / er noch zum überfluß ein so köstliches Kleinot mir umb den Arm gespannet / welches gnug wåhre / der Käyserin selbst vor ein wirdiges Geschenk darzulegen. Also sperret mein Herr mir nur [146] den Weg / daß ich ja nur immer tieffer in die Schuld gerahten / und alle Gedanken zu einer Wiederkehr ablegen muß. Herkules gab zur Antwort: Hochgebohrnes Fräulein; es gefält ihr ja so /meine schlechte Bezeigungen dergestalt zu erheben /da doch ich und jederman die Geringfügigkeit derselben längst erkennet; Dann was etwa gestern mag vor gangen seyn / so hat mein Frevel das gute weit überwogen / daß ich mehr umb Verzeihung zubittẽ / als Vergeltung zugewarten habe; des heutigen weiß ich mich nichts zuerinnen / als wovor ich doppelt und dreyfach danken muß / in dem mein Fräulein mir unwirdigen die Ehre ihrer Begleitung gegönnet / und die schlechte Gedächtniß des heutigen Streits von mir annimt; erkenne ůberdas noch meine Schuld / daß von Rechtswegen ich gehalten bin / großgeneigete Verzeihung des bey ihr erwecketen Schreckens zu bitten /welche / da ich sie nebest der gestrigen gebehtenen erhalten werde / habe ich tausend Ursachen schon /Eurer Durchl. zeit meines Lebens davor in allem Gehorsam auffzuwarten. Ach mein Herr / antwortete sie /wie gar weit überwieget doch seine Höfligkeit die Erkäntniß / und sein erbieten mein Unvermögen; Kan dann einem Fräulein höhere Woltaht begegnen / als daß sie auß Räubers Händen gerissen / und bey Ehren erhalten wird? Ich bitte aber sehr / sich einiger Unbilligkeit nicht anzuklagen / deren ich ja nicht die allergeringste von ihm eingenommen / ohn was seiner angebohrnen Freundligkeit zu reden beliebet / und mir durchauß nit schädlich; ja / nachdem ich sein ehrliebendes Gemüht verspüret / durchauß nicht zuwider gewesen; deßwegen / wo mein bitliches ansuchen etwas bey ihm zuerhalten wirdig ist / wolle er dessen nicht gedenken / sondern mir nicht weniger das nach sinnen einer gebührlichen Dankbarkeit / als die Betrachtung der empfangenen Rettung und Guttaht frey und ungehindert gönnen; alsdann werde ich in der Taht erkennen / daß sein guter Wille ohn Tichtung /und seine Höfligkeit ohn eitele Entschuldigung mir zugetahn und in Ehren gewogen ist. Ich weiß nicht /antwortete er / warum mein Fräulein meine Erkäntniß zu binden / uñ die wahre Erzählung meines Verbrechens auffzuheben / so bemühet ist / es sey dann / daß hie durch der helle Strahl ihrer treflichen Tugend /mein versuchen der Nachfolge / durch den ersten Anschein straks überleuchten und verfinstern sol / welches ohn das wol geschiehet / angesehen meine Unmacht mich schon gnug hindert / höflich zu seyn / und der schwere Stein der bäurischen Ungeschikligkeit mir an den Füssen hanget / der mein bemühen nicht über sich steigen / viel weniger ihrer Volkommenheit zur seiten schweben lässet; jedoch / weil auß jhrem Verboht ich die Vergebung meiner Unbescheidenheit hervorblicken sehe / wil ich / dafern sie nur kan / solches der Vergessenheit mit stets dankbegierigem Herzen gerne übergeben / demühtig bittend / meinem schlechten Vermögen mit ihrem überfluß außzuhelffen / als lange sie mich Tugendbegierig kennen und halten wird / welches / da ichs selbst nicht kan / wil ich suchen / durch meiner Fr. Schwester Fr. Sophien kräfftige Vorbitte es zuerhalten. Ja mein Herr / sagte sie; eben diß sind die Beweißtumsreden / die ihn mehr höflich als (um Vergebung zu sagen) warhafftig angeben; dann vor erst wil er durch eine Arbeit zugleich den Glanz seiner Sonnen mit den Wolken der nichtigen Beschuldigung verbergen / und die kaum glimmende Funken meiner unrühmlichen Asche über alle Himmel erheben; wiewol mit keinem glüklichern Verfolg / als daß er mich erstlich an seinem guten willen zweifeln machet / und hernach / weil ich stets schamroht vor ihm stehen muß / mich von seinem [147] Gespräch gar abschrecket / welches dañ nohtwendig folgen muß / weil ich weder die warheit zubekennen /noch die Gebühr zubeobachten freyheit haben sol; Sehet mein Herr / wie gerne wolte er mir einbilden /er währe in meine Schuld durch seine mir erzeigete Woltaht gerahten / und weil er meiner Dienste keine zu finden weiß / tichtet er / daß ichs recht sage / eine Finsterniß / da nicht ein Schatten ist; nehmlich / er wil sich als ein Verbrecher beschuldigen / und hat dessen nicht den allergeringsten Schein / oder hat er den Schein / so ist es mein falscher / welchen er mir durch seine äidliche Entschuldigung / deren ich mich wol erinnere / so gar benommen hat / daß ich mich meines bäurischen Irtuhms recht schåmen muß; also /mein Herr / habe ich vor dißmahl auß dringender Noht unhöflich seyn / und ihn erinnern müssen / mit mir hernähst dergestalt nicht zuspielen / und vielleicht durch gar zu grosse Höfligkeit in den Mund zu fühlen / ob der Hoffart Zähne mir außgebrochen oder eingesenket seyn; möchte zwar mit einem so Tugendliebenden Herrn gerne umgehen / wann ich nur durch den unverdienten Ruhm davon nicht abgeschrecket würde. Herkules küssete ihr die Hand auß ehrliebender Gewogenheit / und gab zur Antwort: Ich gestehe mein Verbrechen / hochgebohrnes Fräulein / daß ich derselben zuwider geredet habe / welches doch von mir nicht kan wiederruffen werden / nur daß ichs in ihrer Gegenwart nicht hätte alles vorbringen sollen / weil ich dadurch einiger Schmeicheley / derẽ ich doch ferne bin / kan beschuldiget werden; bitte demnach demühtig umb Vergebung / und verspreche hiemit /daß ich hernähst des sichersten spielen / und nachdem ich jhren Willen erkennet / demselben wissentlich nicht zuwider reden wil.

Sie brachten ihren gang mit solchen höfflichen geschwätzen zu / biß sie bey ihren Pferden anlangeten /da der Fräulein Gutscher sich eingestellet hatte / weil er von dem abgeschikten Reuter ihre Rettung vernommen / und daß sie bey dieser Geselschafft währe /daher sie sich auff ihre Gutsche setzete / und Fr. Sophien baht / ihr Geselschafft zu leisten; welche ihr gerne zu Willen wahr / weil sie ohn daß Beliebung trug / etwas vertraulich mit ihr zu redẽ / nachdem sie in jahresfrist einander nicht gesprochen hatten. Es fiel ihr aber das Liebesgespräch ein / welches Ladisla mit ihr auff diesem Wege nach geschehener Erlösung geführet / welches sie dem Fräulein nach der länge erzählete / und bald darauff der beyden Helden Tugend /Frömmigkeit und höffliche Zucht dergestalt rühmete /daß das Fräulein sich nicht enthalten kunte zu fragen /wer doch dann eigentlich diese Herren / und aus was Landschafft sie währen; bekam aber zur Antwort / sie müsten ohnzweiffel sehr hohes Standes feyn / ungeachtet sie sich davor nicht außgäben / und doch aus allen ihren Werken erschiene / insonderheit / weil sie grosse Gelder und statliche Kleinoten bey sich führeten / und alles was man ihnen schenken wolte / verächtlich außschlügen; man hätte aber gemerket / daß sie noch zur Zeit nicht wolten erkennet seyn / daher man sie mit vieler Nachfrage gerne verschonete. Das Fräulein merkete / daß ihre Frage zukühn gewesen /baht dessen verzeihung / und gedachte doch in ihrem unbetrieglichen Herzen / es währe nicht minder kühn /sich einem allerdinge unbekanten so gar schleunig in ehelicher Liebe zuergeben / wie wol sie muhtmassete / daß sie mehr wüste als zu bekennen willens währe. Als sie mit dem spätesten Abend zu Padua anlangeten / nahmen sie eine kurze Mahlzeit ein / und legten sich zur Ruhe / da Herkules und Ladisla bey einander blieben / und Frl. Sibylla Fr. Sophien Schlaffgesellin seyn muste; [148] der Stathalter aber gieng nach seinem absonderlichen Gemache / und verfertigte an den Käyser folgendes Schreiben:

Allergroßmächtigster unüberwindlichster Käyser / alzeit mehrer des Reichs / allergnädigster Herr; Ihrer Käyserl. Hoheit berichte ich hiemit in untertähnigstem Gehorsam / was Gestalt zween fremde Ritter und Herren / nahmens Herkules und Ladisla / deren Herkommen und Vaterland uns von ihnen verschwiegen wird / vor drey wochen alhier bey mir angelanget / und meine Tochter neben andern Römischen Fräulein auß der allerfrechesten fünff Räuber Händen durch die Krafft ihrer einzelnen Schwerter erlöset / auch bald darauff der eine / nehmlich Herr Ladisla / meine Tochter geheyrahtet. Als wir nun heut früh XLII bewehrter Reuter stark / mit wenigem Frauenzimmer hinauß zogen / den Ort der geschehenen Rettung zu besichtigen / werden wir daselbst fünff aus Steinen gehauener / und den erschlagenen Räubern zum Gedächtniß auffgerichteter Bilder gewahr / deren vornehmster / Fürst Orgetorix (der ehmahls beschriehene Fechter) / Herzog über 38000 Mann genennet ward /daher wir muhtmasseten / es müste ohn zweifel eine sehr gefährliche Bůndniß vieler Räuber wider das Römische Reich obhanden seyn / welche auszuspüren unser einiger Wunsch wahr / da meine Tochter Sophia unterdessen eines heimlichen Weges durch fleissige Nachsuchung gewahr ward / und deßwegẽ anhielt / denselben zugehen /welches unter dem Getrieb und Anführung obgedachter beyden Ritter stündlich zu fusse verrichtet ward / deren hochrühmliche Klugheit ein gefährliches wolerbautes Raubnest unter der Erden außkundschaffete / mit 194 Mann besetzet / deren keiner geringer als eine Häuptmanschafft bedienete / und durchgehend außgeübete Fechter wahren / aber durch der Götter Hülffe und obgedachter fremder Ritter preißwürdigen Heldenmuht / sind sie mit so geringem Beystande meines Sohns und XXXIIX Reuter / biß auff XIV so gefangen / und IV so außgerissen /alle mit einander in öffentlicher Schlacht vor freyer Faust erleget / ihre beyde Fürsten Kajus Azerius und Markus Trebellius in vollem Ritterharnische von Herkules in absonderlichem Kampfe nidergeschlagen / und endlich der Sieg völlig erhalten / wie Zeiger dieses / so mit gefochten / weitläufftig erzählen kan. Währe nun diese schädliche Verbündniß uns noch XII Wochen verborgen blieben /würden wir ganz Italien mit 100000 Feinden überschwemmet gesehen haben / welche in Teutschland /Pannonien und andern Ländern schon auff den Beinen stehen / und die helffte auß gedachter Höle solte bewaffnet worden seyn. Denn Römischen Schutz Göttern sey Danck vor diese Errettung / welche ausser zweiffel diese beyden Helden (also mag ich sie / ungeachtet ihrer Jugend / mit Recht nennen) uns zu hülffe gesand haben /die werden wie bißher / ihnen unsere Wolfahrt ferner lassen befohlen seyn / uñ wird Ihre Kåyserl. Hocheit mir allergnädigst anzeigen / wie ichs mit der grossen erstrittenen Beute halten / auch was sonst obgedachten beyden Herren / die sich umb uns so hoch verdient gemacht / ich anmelden sol. Befehle mich dero Käyserl. beharlichen Gnaden / verbleibend / weil ich lebe / meines Allergnädigsten Herrn und Käysers alleruntertähnigster Knecht Quintus Fabius.

Hiebey ward aller Gefangenen beständige Urgicht /welche man inzwischen von ihnen nam / geleget / und machte er ein kurzes Denkzettel an seinen Bruder M. Fabius / bey Kåyserl. Hocheit zuvernehmen / wie es mit den Gefangenen / deren Beschaffenheit und unterschiedlichen Zustand der Bohte berichten würde /auch mit der treflich- uñ kaum vor XXXV Jahren erbaueten Råuberhöhle solte gehalten werden. Absonderlich schrieb er ihm / was gestalt Herkules des Tages zuvor seine Tochter Sibyllen auß des Räubers Silvans händen gerissen / und ihre Ehr errettet / bähte demnach / er möchte fleissig befodern helffen / daß diesen beyden unvergleichlichen Helden gebührlicher Dank möchte bezeiget werden / deren Tapfferkeit mit seiner Feder nicht könte beschrieben werden / und würde seines ermässens löblich seyn / wann man ihnen die erstrittene Beute zuspräche / wodurch andere fremde angelocket werden könten / dem Römischen Reiche Dienst und Hülffe zuleisten. Dieses alles [149] stellete er dem einen unbeschådigten Reuter zu / mit Befehl / allenthalben auf sein Freybrieflein frische Pferde zu fodern / uñ aufs allerschnelleste nach Rom zu reiten / damit er der erste Zeitungs-bringer wäre / welches ihm kein geringes Geschenk eintragen würde; den wahren Verlauff solte er nach allen Umständen erzählen / und insonderheit der beyden fremden Herren gebůhrliches Lob kühnlich und wirdig vortragen. Also muste dieser in der Nacht auffbrechen / seumete sich auch nicht / biß er das anbefohlene verrichtet hatte / dessen ihm zu Rom von dem Käyser und andern grossen Herren an die 12000 Kronen zum Botenbrod geschenket wurden. Umb Mitternacht kahmen die beladene Wagen an / welche biß an den Morgen bewachet wurden / uñ vertröstete der Stathalter die verwundeten Reuter / sie soltẽ sich wenig Tage gedulden / ihre wundenfleissig verbinden / und sich aufs beste speisen lassen / welches er alles bezahlen / und ihnen von Käys. Hocheit reiche belohnung verschaffẽ wolte.

Des Morgens ging Herkules in die Christliche Versamlung / und hörete den zehnden Saz des XXVII Psalms:Mein Vater und Mutter verlassen mich / aber der Herr nimt mich auff; sehr tröstlich außlegen / welches der Lehrer so artig deutete / als hätte ers eigentlich auf ihn gerichtet; dann weil etliche unter den zuhörern junge Leute wahren / die den Glauben wieder ihrer Eltern Willen angenommen / und deßwegen von denselben sehr gehasset wurden / tröstete er sie; man müste Gott mehr als den Menschen gehorchen / und wegen der Eltern Unwillen die Wahrheit nicht verlassen / noch die Seligkeit in die Schantze schlagẽ; es hätte zwar Gott gebohten / die Eltern zu ehrẽ und ihnen zu gehorchen / aber Gottes Ehr und Gehorsam ginge noch weit vor / der währe der höchste Vater / so daß man die leiblichen Eltern auch hassen müste /wann dieselben uns von Gott abwendig machen wolten; ja wann wir umb der himlischen Warheit willen der Eltern und Anverwanten Hulde uñ Gunst verlöhren / tråte Gott zu / und ersetzete alles tausendfach an deren Stat. Herkules hielt es vor ein sonderliches Zeichen göttlicher Gnade / daß er ohn gefehr / diese Predigt anzuhören kommen wahr / trat nach verrichtetem Gottesdienste zu dem Lehrer (der schon wuste / was vor Tahten er gestriges tages verrichtet) und stellete ihm 500 Kronen zu / unter die Armen zuverteilen /nebest dem Versprechen / nach diesem ein mehres zu tuhn; ging wieder hin nach Ladisla / und sagte; wir sind freylich schuldig / dem wahren Gott zu danken /daß er uns gestern so grossen Sieg verlihen / und vor sonderliche Gefahr beschirmet hat; zweiffele nicht /wir werden ohn hohe Vergeltung nicht bleiben / so wol an seiten Käyserl. Hocheit als auch dieser umbliegenden Landschafft. Fr. Sophia kam auch darzu gangen / zu sehen / wie es mit ihres Gemahls Verwundung beschaffen währe / und vernam mit freuden /daß nicht allein Servilius ihm erläubete zu gehen wie er wolte / sondern auch inwendig neun tagen völlige Heilung versprach. Sie sagete aber zu Herkules; mein Herr Bruder / ich freue mich von Herzen / daß er von dem Räuberischen Schwerte dißmahl unverletzet blieben / und möchte dannoch zugleich mit wünschen /daß er auch ein Wündichen in Geselschafft empfangen hätte. Ladisla fragete sie / warumb sie ihm übels anwünschen könte / welches ihm trauen wenig freude brächte / und ob sie meinete / der Sieg währe nicht rühmlich gnug / wann man ungeschlagen davon kähme. Sie aber gab zur Antwort: Versichert euch /mein Schaz / ob ihr euren Herkules als einen geträuen Bruder liebet / daß ich ihn nicht weniger als eine ergebene Schwester meyne und Ehre; aus welchen Worten er [150] ihr Räzel bald verstund / daß sie von einer Liebes-Wunde redete / und auff Frl. Sibyllen zielete; so wahr auch Herkules nicht so einfältig / daß er eines Dolmetschers bedurfft hätte / wie wol er sichs nicht merken lies / sondern antwortete; Ich gebe meiner herzgeliebten Fr. Schwester nicht unrecht / gestaltsam ich wol bekennen muß / daß ich mit meinem täglichen Muhtwillen Straffe gnug verdiene / weil mich aber mein Gott vor Wunden und Wündichen bewahret hat / werde ich schuldig seyn / ihm davor zu danken. Sie wåhre ihm gerne näher getreten / aber weil Ladisla ihr einen heimlichen Wink gab / zohe sie die Pfeiffe ein /damit sie ihm nicht zuwieder handelte / und zeigete an / der Schneider håtte ihre weisse atlassen Sommer-Kleider fertig gemacht / da sie dieselben in dieser Hitze anlegen wolten; welches sie nach ihrem Abtrit verrichteten / und bald darauff von dem Stathalter nach dem Saal erbehten wurden / da die vornehmsten Herren der Stat bey ihm wahren / die mit grosser Ehrerbietung ihnen entgegen traten / und nach verrichteter gewöhnlicher Höffligkeit Herr Fabius anfing: Hochtapffere Herren und hochgeliebte Söhne Herr Herkules und Herr Ladisla / billich bedanke wegen Römischer Käyserl. Hocheit / und des Römischen Rahts uñ Volkes ich mich gegen euch gebührlich /daß ihr gestriges tages zu eurem unsterblichen Preiß und Ruhm / nicht allein dieser Stad / sondern ganz Italien / bloß aus liebe zur Gerechtigkeit / so grosse Dienste erwiesen / in dem ihr durch eure ritterliche Klugheit und unverzagte Helden Krafft / Brand /Mord / und verwüstung / und mit einem Worte / daß unvermeidliche algemeine Verderben abgekehret /und glüklich hintertrieben habet / welches wir und unsere Nachko en / weil die Welt stehet / rühmen müssen. Ich bedenke mit höchster Erschutterung / was vor ein Jammer in dieser Stad und Gegne / über XII wochen / ist eine geringe Zeit / sich würde zugetragen haben / wan eure Vorsichtigkeit nicht gewesen / ja wann nicht der Himmel aus sonderlicher Gnade euch zu uns hergeschicket håtte / gleich an dem Tage / da die Räuber an meiner lieben Tochter und ihren Gespielen den Anfang macheten. Vor dißmahl habe ich nicht mehr vorzubringen / als daß meine hochgeliebte Herren und Freunde / eine kleine Verzögerung nicht verunwilligen wollen / welche zwischen euren Verdienst und billiche Erkåntnis nur biß dahin eingeschoben wird / daß mein allergnädigster Käyser und die Stad Rom mir Befehl erteilen / ihre Dankbarkeit euch wissen zu lassen. Als der Stathalter diese Rede geendiget hatte / fing ein ansehnlicher Paduanischer Herr /nahmens Zezilius Antenor / der vortreflichste unter dem Adel selbigen Ortes / und der Stad oberster Vorsteher / jm Nahmen der Stad also an: Durchl. Herren /Herr Herkules und Ladisla (vielmehr Theseus zunennen) / ihr warhaffte Schützer und Erretter unsers Vaterlandes; Was massen unsere Stad Padua und ihre Einwohner / ja alle umliegende Landschafften und Stådte euch nähst Gott alle Wolfahrt und das Leben selbst zu danken haben / als die ihr das augenscheinliche Verderben von uns allen abgewendet / solches hat der hochansehnliche Römische Stathalter Herr Fabius anjetzo nicht ohn ursach eingeführet; weil aber Euren Durchll. der eigentliche Bericht des mörderischen vorhabens noch so außführlich nicht entdecket ist / gebe denselben ich zu vernehmen / daß nach angestelleter peinlicher Frage / wir von ihren Gefangenen diesen einhelligen Bericht eingezogen / womit Servilius gutwillige Bekäntniß allerdinge einstimmet / daß nehmlich M. Trebellius / K. Azerius / beyde verbannete Römische Herren / und Orgetorix ein Gallier / [151] jener beyden Drittes-Mañ / mit ihrem grausamen vorhaben schon drey Jahr schwanger gangen / und inwendig vier Monat auffs höchste solches ins werk zu richten /entschlossen gewesen; Sie wolten mit 100000 Mann in dreyen unterschiedlichen Kriegsheeren diese Stad Padua / Mantua und Ravenna zugleich anfallen / den ganzen Adel und alle verheyrahtete / auch unmanbahre Töchter ohn einige Verschonung erwürgen / die mannbahren Fräulein und Jungfern zu ihrer Heyraht und unkeuschen Willen behalten / ja alle freye Menschen erwürgen / den Leibeigenen von allenhalben her / Freyheit und das Bürgerrecht schenken / und nach dem Vorbilde Romulus und Remus ein neues Reich anrichten / da dann jeztgenante drey Städte ihre drey Fürstlichen Sitze hätten seyn sollen; Ihre geworbene blutdürstige Völker hätten die Anreitsgelder schon empfangen / lågen hin und wieder in Feindes Ländern verstreuet / und warteten nur auff Befehl ihrer Fürsten / wann sie aufbrechen und die Waffen empfangen solten; Es ist vor Menschen Augen unmöglich / daß man die Gefahr hätte können abwenden / gestaltsam sie uns würden über den Halß ko en seyn / ehe wirs inne werden mögen / und wahr der eine Sammelplatz uns so nahe / nehmlich die erstrittene Höhle / daß viel 1000 Mann in einer Nacht daselbst die Waffen hätten ergreiffen / und mit dem frühzeitigen Tohr auffschliessen uns in den Betten überfallen können. Sehet ihr Durchll. Herren / dieses Verderben hat eure glükliche Außforschung und herlicher Sieg von unsern Hälsen hinweg gerissen / unser Leben bestehet durch eure Hand / unsere Weiber und Kinder ruffen und frohlocken / daß die unvergleichliche Helden Herr Ladisla und Herr Herkules zu ihrer Rettung erschienen sind; Unsere manbahre Töchter rühmen / daß sie nicht dürffen den Räubern auffwarten und zu dienste stehen / ja daß sie jhrer Eltern leibeigene Knechte zu heyrahten nicht gezwungen werden; So sind wir ja nun schuldig / so vielfältige Guttaht zuerkennen; so müssen wir ja billich ein williges Herz darbieten zur Dankbarkeit. Und deßwegen sind wir von dem Raht und Gemeine dieser Stad abgeordnet / sie als unsere sonders geehrte Herren und Schützer freund- und dienstfleissig zu bitten / daß sie auß dieser Stad nicht weichen wollen /ehe uñ bevor sie an Römische Käyserl. Hocheit diese ihre höchstrümliche Taht eilig gelangen lassen / und wessen sie sich hierin verhalten sollen / unterrichter sind; inzwischen stehet alle unsere Haabe und Vermögen / ja unser Leib und Leben zu ihrem Dienste / werden auch nicht unterlassen / uns zubemühen / damit unser guter Wille in der Taht möge erscheinen können.

Unsere Helden hatten dieser hohen Ehr sich nicht versehen / denen ohn daß kein Ehrgeiz beywohnete /uñ antwortete Herkules folgender Gestalt: Durchleuchtiger Herr Stathalter / Hochansehnliche Herren Abgeordnete / sonders gnädiger Herr Vater und geneigete Herren; Mein Brüderlicher Geselle und ich schätzen uns vielzugeringe die von eurer Gn. und Herrligkeiten jezt gehaltene Lob- und Dankreden auff uns zuzihen; ja wann unsere Nahmen von ihnen nicht außdrüklich gemeldet währen / würden wir der Antwort uns nicht erkühnen / angesehen / wir so hohen Ruhm und Dank zuverdienen uns gar zu unbestand und geringe achten / daß wir vor Schützer dieser mächtigen Stad uns solten angeben lassen / ohn deren Ankunfft ihre Wolfahrt nicht hätte können erhalten werden. O wer weis nicht / daß Padua durch der Inwohner Vernunfft und Vermögen wol königlichen Gewalt und Anlauff hintertreiben / geschweige / eine Handvol Räuber dämpffen solte / insonderheit [152] / da sie unter den Schuzflügeln des Allergroßmächtigsten Römischen Käysers / unsers allerseits gnädigsten Herren /Sicherheit und Schirm gnug haben kan und hat; müsten demnach der unsinnigen Verwägenheit in- und außwendig uns gewidmet haben / wann wir solches nicht erkennen / oder nur in zweiffel zihen wolten. Zwar wir danken es der gnädigen himlischen Versehung / daß wir das Glük gehabt / nicht allein durch des Orgetorix und seiner boßhafften Gesellen Bestreitung die erste Ursach dem gestrigen Siege zugeben /sondern daß wir auch diesem ohn zweiffel herlichen Werke beyzuwohnen beseliget gewesen / weil dannoch der Räuberische Frevel viel Ungelegenheit machen können / da er nicht in der Aschen würde gedämpffet seyn; aber / hochansehnliche Herren / was schreibet man uns beyden einzelnen / die glükliche Verrichtung allein zu? warumb hinterhält der hochmögende Herr Stathalter seine eigene Tahten / die nicht geringer / sondern grösser als die unsern zu schätzen sind? dann seine geleistete Gegenwehr ist den Räubern so schädlich / als seyn heilsamer kluger Raht uns nüzlich gewesen; zu geschweigen / daß seine blosse Gegenwart jene zu schrecken und uns zu muhtigen kräfftig gnug wahr / daß also demselben der höchste Preiß und Dank / da sonst einiger erstritten ist / von Gott- und Rechts wegen gebůhret. Aber Durchleuchtiger und Wolgebohrne Herren / warumb muß der tapffere Held / Herr K. Fabius / es Herrn Stathalters an Muht und Tugend gleich gerahtener Sohn /seines verdienten Lobes beraubet seyn / und uns alles gar abtreten / der trauen seine Sinne und Fåuste hiebey nicht umb daß geringste weniger gesparet als wir? Ja wo bleibet seiner Reuter löbliches Wolverhalten /ohn deren Hülffe und Beystand wir unser Leben nicht hätten mögen davon bringen / und wir ihnen deßwegen Dank und Vergeltung schuldig sind. Muß also diese Taht dem Herrn Stathalter und seinem Sohn billig beygemässen werden / weil dieselben nicht allein das Amt unverzageter Streiter / sondern auch vorsichtiger Befehlhaber geleistet / uñ die Mañschafft hinzugeführet / durch derẽ Schwerter schärffe die Feinde hingerichtet / und dem Henker entwichen sind; uns beyden aber ist es gnug / wann unsere schlechte Nebenhülffe und Beystand hat angenehm und ersprißlich seyn können; wodurch aber die uns angebohtene Ehre wir so gar nicht verdienen mögen / daß auch ohn unsere Gegenwart der völlige Sieg ihnen hätte bleiben müssen. In erwågung dessen alles bitten wir sehr /uns über unser Verdienst und Wirdigkeit nicht zuehren / damit uns nicht mehr Ursach / uns zu schämen /als sie zu lieben / gegeben werde; unser stets begieriger Wille / ihnen samt und sonders mögliche Dienste zu leisten / sol auff alle Begebenheit sich bereit halten und finden lassen / deren gute Gewogenheit unsere Verrichtungen schon mehr als zu viel vergolten hat /wovor wir zugleich uns höchlich bedanken / und / wie gesagt / hinwiederumb zu aller Mögligkeit uns verbinden. Der Stathalter gab zur Antwort: Ihr meine hochgeliebete Herren und Freunde / was habe ich doch bey diesem grimmigen Kampffe mehr tuhn / als euch glüklichen Fortgang und Sieg wünschen können? bin ich nicht als ein überflüssiger Stummer in diesem Spiel gewesen? hingegen habet ihr / Herr Herkules / nicht geordnet / versehen / die unsern angeführet / gestärket / entsetzet / ja die beyden Fürsten und Führer der Räuberischen Verbündniß / einen nach dem andern mit eurem Schwerte im absonderlichen Kampffe erleget / und mich hernach mit ihren Waffen außgerüstet? Mein Herr Schwieger Sohn aber mit seiner Hand beschützet / und [153] den feindlichen Anfall von mir auff sich selbst gezogen / daß ich unbeleidiget bliebe? Meinen Sohn betreffend / was könte mir ergetzlicher seyn / als daß er die Ehre gehabt / euch in diesem rühmlichen Werke beystand zu leisten / und unter eurer Anführung das seine zu tuhn / welches aber an eure Verrichtungen bey weitem nicht reichet. Hat er dann gleich mit gefochtẽ / so habt doch ihr die stårkeste Feindesmacht gebrochen; hat er den Räubern sich entgegen gesezt / so ist ers als einheimischer dem Vaterlande schuldig. Ihr aber als fremde / und uns allerdinge unverbundene habt euch nit gewegert /eure Leiber unter so grosse menge der Räuber zustellen / und allen ihren Anfall auff euch hinzurichten /nur daß deren über uns beschlossener Mord auffgehaben / Landesverwüstung abgewendet / und wir allesamt der Sicherheit und Ruhe geniessen möchten. Dieser euer Ruhm / ihr unvergleichliche Heldẽ muß nicht verschwiegen werdẽ / dafern wir nicht durch Undankbarkeit der Götter Ungnade und gebührliche Straffen über unsern Halß zihen wolten / wovor die Ewarkeit selbst uns bewahren wird. Hernach wendete er sich zu den Abgeordneten / und baht sie / nachdem sie unserer Helden Antwort würden hinterbracht haben / sich bey ihm zur Mahlzeit einzustellen / und jhnen Geselschafft zu leisten. Es hatte aber der Raht zu Padua allen Verlauf nach Mantua und Ravenna /auch andern Städten geschrieben / und der gebührlichen Dankbarkeit sie erinnert / welche sich alsbald bemüheten / eine mögliche Vergeltung sehen zu lassen. Fr. Sophien wehrete inzwischen die zeit lange /ehe sie mit jhrem Ladisla allein zu reden kam / ließ jhn nach der Abgeordneten Abtritt zu sich in den Garten fodern / und nach kurzer Unterredung fragete sie /wie ihm jhre Wase Frl. Sibylla gefiele; und als er sich vernehmen ließ / daß sie gar ein züchtiges und schönes Fräulein währe / dergleichen er wenig gesehen; antwortete sie / jezt lässet sie sich auff ihr Römisch schmücken / weil ihre Kleider ihr auff der Gutsche unverrücket blieben sind; Ich aber habe diese Nacht wenig geschlaffen / sondern an ihrem anmuhtigem Gespräch mich erlustiget; sonsten gefiel mir gestern sehr wol / daß Herr Herkules sich ihrer im Gepüsche so fleissig annam / dann anfangs befurchte ich / er würde ohn Freundligkeit mit ihr fortgehen / wie vor diesem mit Frl. Helenen / aber ich merke wol / daß er ein guter Erkenner in Unterscheid der Schönheit ist; dañ ob ich gleich an dieser wenig zu tadeln habe / kan ich sie doch mit jener nicht vergleichen. Ladisla merkete jhr Vorhaben / und antwortete: Euer Vorsaz /mein Herz / währe wol gut / aber sehet zu / und machet euch nicht Ungunst an der andern Seite. Ey /sagte sie / ich handele nach Recht und Warheit / und nicht nach Gunst / drum werde ich nicht sündigen; Aber sehet dorten Herr Herkules hertreten / welcher schon meynet / gar zu lange von euch gewesen seyn; Lieber gönnet mirs / ein wenig mit ihm zu scherzen /ich weiß wol / wo ich zukehren sol; Sie gingen mit einander ihm entgegen / und sagte sie zu ihm: Mein Herr Bruder / wie gehet seine Liebe so einsam und ohn alle Geselschafft? Darumb / antwortet er / daß niemand mit mir gehen wil / und ich daher Gesellschafft suchen muß. Ja / sagte sie / vielleicht wollet ihr niemand bey euch haben / sonsten fünde sich die Geselschafft wol ungesucht. Meine Anmuhtigkeit ist so schlecht / sagte er / daß meiner wenig begehren /weiß auch fast selber nicht / woher meine Schwermuht entstehen mag. Sie antwortete: Mancher kan auch in der Demuht stoltz seyn / welches ich vor den grössesten Stoltz halte; und daß dieses auff euch geredet sey / wil ich nicht leugnen / dann ihr meidet die fröliche Geselschafft mit fleiß / und [154] leget hernach die Ursach eurer Einsamkeit auff andere / die doch gerne mit euch umgingen. Ob die Schuld an mir liege /sagte er / daß ich gemieden werde / kan wol seyn / gestehe es auch selber / wann mir nur zugelassen ist /des beschuldigten Stoltzes mich zuentledigen / dessen ich ungerne wolte teilhaftig seyn; findet aber meine Fr. Schwester dieses oder andere unzimliche Laster an mir / wolle sie meiner nur nicht verschonen / weil ich meine Gebrechen nicht allemahl von mir selbst erkennen kan; deßwegen sind dieselben meine allerliebesten Freunde / welche sich meiner Besserung annehmen / und selbe fortzusetzen bemühet sind / zweifele auch nicht / da meine Fr. Schwester täglich mit ihrem Verweißtuhm fortfahren wird / solle es sehr viel bey mir fruchten. Ach ja freylich / antwortete sie / mit dergleichen spitzigen Pfeilen muß man auff träuherzige Freunde zuschiessen / damit man abgeschrecket wird /dz man kein Schertzwort mit euch reden darff. Ladisla lachete / daß ihr gefiderter Bolzen so zeitig zurük prallete / wie sie dann weiters nicht vorzubringen wuste / und Herkules schon auf eine Antwort bedacht wahr; aber sie fiel jhm ein / und sagte: Nun sehet euch umb / Herr Herkules / jhr seyd schon tähtlich wiederleget / als wolte niemand eure Geselschafft haben /dann dort lässet meine Frl. Schwester Frl. Sibylla sich von meiner Fr. Mutter herleitẽ / damit sie eure Einsamkeit breche / deren sie ohn zweifel wird wahr genommen haben. Es gingen aber diese beyden frisch fort / dann sie nahmen jener hinter dem Rosenpusche nicht wahr / biß sie in den offenen Weg traten / welches das Fräulein ersehend / alsbald stutzete / dann sie kennete unsere Helden nicht so bald. Aber Fr. Sophia rieff ihr zu: Geliebte Frl. Schwester / komt mir doch zum Beystande / dann ich bin zu wenig und schwach / diesen beyden Herren allein zu antworten. Herkules trat ihr höflich entgegen / empfing sie mit einem Handkusse / und nach Wünschung eines frölichen Morgen fragete er / ob sie nach dem eingenommenẽ Schrecken wolgeruhet hätte. Sie hingegen baht um Verzeihung / dz sie durch ihre Ankunfft ihre Unterredung störete / sahe jhn unterdessen in diesem dünnen Kleide an / und verwunderte sich so gar über die volkommene Zierligkeit seines Leibes und aller Gliedmassen / daß sie fast erstummete; und als Fr. Sophia jhre Verenderung sahe / kam sie ihr zu Hülffe / und sagete: Herzgeliebete Frl. Schwester / meynet sie wol / daß dieser Herr noch eben derselbe sey /welcher gestriges Tages ein solches Gemetze unter den Räubern hielt / dz wir Ohren und Augen zudrücken musten? Ach nein / sagte Frl. Sibylla / wann mir das Angesicht nicht bekant währe / würde ichs schwerlich gläuben. So geliebet meiner Frau Schwester es gar offt / sagte Herkules / mich bey fremden stum zu machen. Bey fremden? fragete sie; je wer ist dann alhie fremde? Meine Fr. Mutter / euren Ladisla und mich / werdet ihr ja nicht vor fremde schelten; ist euch dann meine Frl. Schwester so frembde / und habet schon unterschiedliche Reisen zu Pferde und zu fusse mit ihr gehalten? da werdet ihr ja mit einander etwas Kundschafft gemacht haben. Es ist mir leid gnug / antwortete er / daß das Durchl. Fräulein ich vom gehen so ermüdet sehen muste; weil ichs aber nicht endern kunte / hoffe ich deßwegen entschuldiget zu seyn. Mein Herr / antwortete das Fräulein / weil mein eigener Vorwitz mich zu dieser Reise getrieben /habe ich das ritzen und stechen der Dornen billich er litten / und halte / meine Frau Schwester werde das ihre auch empfunden haben. Ich? sagte Fr. Sophia; trauet mir sicher / herzgeliebtes Schwesterchen / daß diese Dornen mich so gar nicht gereuen / daß ich sie vielmehr liebe / weil unter denselben [155] ich meine allerliebste Rose (auff Ladisla zeigend) gebrochen / und möchte in Warheit euch wol ein gleiches Dornen-oder vielmehr Rosenglük wündschen und gönnen. Das Fräulein ward hierüber schamroht / begriff sich aber bald / und gab zur Antwort: Ich bedanke mich alles guten / und daß meine Fr. Schwester so grosse vergnügung zwischen den Dornen empfangen / erfreue ich mich ihretwegen billich; mich aber betreffend / habe ich nie grössere Angst als in den Dornen gehabt / aus welchen Hn. Herkules sieghaftes Schwert mich vorgestern loßgewirket / wovor meine geliebte Eltern dankschuldige Gemühter erzeigen werden /weil ichs nicht als mit geflissener Ehrerbietung zuersetzen weiß. Herkules hatte grosses gefallen an den züchtigen Reden dieser überausfrommen Fräulein /und antwortete hierauff: Durchl. Fråulein / ich bitte Gott / daß er euer Wirdigkeit gleichmässiges Glük zuschicken / und wahre Tugend mit erwünscheter Erstattung beseligen wolle; betreffend meine geringe /und des gedenkens nicht werte Dienste / sind solche tausendfach in dem ersetzet / daß sie mit ihrem belieben und vergnügen geschehen / und wer mit so reicher Erstattung nicht friedlich seyn kan / währe meiner Urtel nach unwirdig / von redlichen Leuten geliebet zu werden. Hiemit kan vielleicht mein Herr sich befriedigen / antwortete sie / aber meine Schuld sich nicht loßwirken / dann das empfangene fodert mehr Pflicht / als die Worte Leistung / und währe trauen gar eine schlechte Dankbarkeit / die sich nur unter diesem erbieten finden liesse / daß die Woltahten angenehm währen; O nein / mir ist gar zu häuffige Gutwilligkeit erzeiget / welche mit Worten nicht kan abgetragen werden / sondern auffs minste den steten Willen verdienet / so weit das Unvermögen keinen wirklichen Abtrag zulassen wil. So můste ich ein glükseliger Mensch seyn / sagte Herkules / wann mit einem Schwertschlage ich solchen Dank erfechten könte; jedoch weil mein Fräulein ja einige Schuld und Verhafftung alhie an ihrer Seiten fodert / und ich Unhöfligkeit zu meiden / ihr nicht widersprechen darff /so bitte ich dienstlich / dieselbe wolle ihre Schuld seyn lassen daß sie mir befehle / und in ihren Diensten mich gebrauche / damit in der Zahl ihrer minsten Diener zuverbleiben / ich die grosse Ehre haben möge; welche lezten Worte nicht allein bey Fr. Sophien / und ihrer Fr. Mutter / sondern bey Ladisla selbst einen Argwohn entstandener Liebe verursacheten. Und die Warheit zu sagen / empfand Herkules grosse zuneigung in seinem Herzen gegen dieses Fråulein / daß / dafern solches noch frey und unbewohnet gewesen / er vielleicht die stete unverrückete Wohnung derselben darinnen gegönnet håtte; aber seiner Beståndigkeit und Tråue / die er einmahl von sich gegeben / wahr viel ein fester Schloß vorgehenket / als daß es durch einigen Menschen hätte können gebrochẽ werden / insonderheit / weil er noch an keiner andern sahe / daß seines Herzens Schatz in etwa einer Volkommenheit übertroffen hätte / nur daß seine Erndte noch nicht in reiffer Saat schnitte / sondern annoch im blühenden Grase wahr / welches aber doch so unfehlbare Hoffnung der allervolkommenstẽ Früchte zeigete / daß weder ein besseres hätte können gewünschet / noch dieses von einigem andern hintertrieben werden; daher Fr. Sophien Hoffnung bloß in der Einbildung sich kitzelte / indem sie eine Ehestifftung zwischen ihm un diesem Fräulein anzurichten vorhabens wahr. Als sie nun dißmahl sahe /daß das Fräulein auff Herkules lezte Reden zuantworten zückete / wolte sie etwas darzwischen einschiessen / und sagete zu ihm: H. Herkules / meynet Eure Liebe dann / daß meine Frl. Wase eine gantze [156] Stad voll Diener halte / daß er nur unter die geringsten wil eingeschrieben seyn? O nein / ich halte nicht / daß sie jemahl einen einzigen in Bestallung genommen habe. Ich widerspreche diesem gar nicht / antwortete er / uñ merke dañoch mit freuden / daß / ob das Frauenzimmer gleich keine Diener bestellet / sie doch geträue Dienste nicht ausschlagen / die aus gutem Herzen fliessen. Ein solches erfodert die Erbarkeit und unsere Notturfft / die vieler Hůlffe und Beystandes benöhtiget ist / sagte Fr. Sophia / aber dannoch glåube ich nicht / daß meine Frl. Schwester sich von vielen bedienen lasse. Sibylla wolte die angebohtene Dienstwilligkeit selber beantworten / und fing also an: Tapferer Herr Herkules / seine mir erzeigete Woltaht ist so beschaffen / daß ich deren weniger als meiner selbst vergessen werde / ich auch keine andere Ursach habe / als ihn an die seite meiner allernähesten Blutsverwanten hinbey zusetzen; dann weil Ehr und Leben in gleichem Gewicht hangen / weiß ich schon /daß ich jhm nähst meinen Eltern verpflichtet bin. Er nam diese Antwort mit sonderlicher Ehrerbietung auff / und wünschete / das Vermögen der Erkäntniß so hohes erbietens von Gott zuerlangen. In dem wurden sie zur Mahlzeit gefodert / da im hingehen Fr. Sophia jhre Wasen fragete / wie jhr Herkules nach seiner Art und Leben gefiele; sie aber seine freundliche Geberden / artige Geschikligkeit und demůhtige Reden so hoch rühmete / daß sie auch wůnschete / die Götter ihr einen solchen Bruder hätten gönnen mögen.

Diese und folgende Tage wurden mit fröligkeit zugebracht / biß am sechsten nach bestürmung des Raubnestes sich der obgedachten dreyen Städte abgeordente angeben liessen / eine schöne Dank- und Lobrede an unsere Helden ablegeten / und hernach bahten / sie möchten sich hochgünstig gefallen lassen mit ihnen in den Unter Plaz zugehen / woselbst drey treffliche Gutschen von Blauen / Grünen und Purpur Sammet mit güldenen Borten verbremet hielten / und vor jeder acht muhtige Pferde in gleichem Zeuge / wie die Gutschẽ / bespannet wahren / hinter denen hielten XXIV treffliche ReitPferde mit köstlich gesticketẽ Satteln und Silbern Gebiß / deren jedes von zween freygegebenen Leibeigenen / in Blauen / Grünen / und Purpur Sammet gekleidet / geleitet ward; welches alles Herr Zezilius Antenor im nahmen der zehn nachbar Städte also überliefferte: Hochberühmte Herren und grosse Freunde / Herr Herkules und Herr Ladisla; vorerwähneter Städte Raht und Bürgerschafft haben sich gescheuhet / mit blossen uñ leeren Worten die gebührliche Danksagung / wegen des zu störeten Raubnestes abzustatten; übersenden diese Gutschen /Pferde und LIV Teutsche Leibeigene freygekauffte Knechte / mit dem was dabey mag gefunden werden /zum Zeichen ihrer Dankbegierigkeit / unter der ungezweiffelten Zuversicht / sie werden solches von ihrer Hand gutwillig annehmen / da ihnen zugleich alhie zu Padua / Mantua und Ravenna eine Herren Wohnung sol erbauet / und inwendig jahresfrist fertig überlieffert werden / mit diesem Anhange / daß sie vor die höchsten Geschlechter dieser Städte / und nähesten Beysitzer des herschenden Bůrgemeisters öffentlich erkläret / und außgeruffen werden sollen; auch / so bald Römische Käyserl. Hocheit ihre weitere anordnung allergnädigst einkommen lassen wird / werden die Städte ein mehres von ihnen als hochgewogenen Herren zu bitten / Kühnheit nehmen. Unsere Helden entsetzeten sich der Liefferung nicht so viel / als des angeheffteten Erbietens / und gab ihnen Ladisla zur Antwort; Hochansehnliche Herren; die gar zu starke Uberladung ihrer Freygebigkeit / benimt [157] uns dz Vermögen zu antworten / nachdem uns unverdienten so grosse Fürstliche Schenkungen auffgedrungen werden / denen dz allergeringste zuerwiedern wir gar zu wenig sind. Ob wir nun gleich sehen / daß wir das Gegenwärtige anzunehmen uns nicht werden entreissen können / damit wir keine Unhöffligkeit über uns laden / so bitten wir doch von Herzen / sie wollen das übrige gar zu unmässige Erbieten nur auff den Willen beruhen lassen / und sol uns mehr als gnug seyn / daß wir in die Bücher ihrer ädlen Geschlechter verzeichnet werden. Grosse prächtige Gebäu und Wohnungen bey ihnen zu besitzen stehet uns nit an / die wir des Vorhabens sind / die Welt zu versuchen / vielweniger /daß wir junge unerfahrne Ritter in ihres hochweisen Rahts Versamlungen nieder sitzen solten. Bedanken uns demnach nicht weniger vor das hohe erbieten / als vor die herzugeführete Geschenke ganz dienstlich /und verpflichten uns hinwiederumb zu ihren Diensten ingesamt und insonderheit; die Anwesende unsere hochwerte Herren gebührlich ersuchend / sie wollen diesen und folgenden Tag uns hieselbst Geselschafft leisten / und ihre bessere sehr angenehme Kundschafft uns ungewegert gönnen. Hierauff musten die bestelleten Diener zwo grosse und ein kleines Lädichen von jeder Gutsche abheben / die auff den Saal getragen wurden / und unsere Helden sich sehr ungeduldig bezeigeten / daß ihnen noch ein so verborgenes geliefert ward / dann in den sechs grossen Laden wahren drey Tonnen Schaz gemüntzet Gold eingehämmert / und die Kleinot in den dreyen kleinen Laden / trugen auch so viel auß. Die Gutschen Wagen- und Reitpferde samt dem Zeuge und erkåufften Leibeigenen / wahr alles mit einer Tonne Schaz bezahlet / und wurden insonderheit die Gutschen (doch nicht der Schaz darauff) im nahmen der offtgeneñeten dreyen Städte eingelieffert. Zulezt kahmen zween ansehnliche frey erkauffte Teutschẽ auff zwey schneweissen wolgeputzeten Pferden / führeten auff dem linken Schenkel ein grüngemahltes Ritterspeer mit ganz güldenẽ Spitzen /in der rechter Hand ein Schwert / dessen Gefäß von Demanten glänzete / Sattel und Zeug schimmerte von Gold und Perlen / und der ganze Ritterharnisch wahr stark übergüldet; den Schild hatten sie auff dem Rücken hangen / in deren jedem ein Löue stund / welcher in der rechten ein Schwert / in der linken Tatzen einen Schild hielt mit dieser Umschrifft:Peregrini Leones Aquilam liberarunt prudenter et fortiter ab Ursorum rabie. Das ist:Die fremden Löuen haben den Adler von der Bähren Wuht klüglich und herzhafft erlöset. Auff ihrẽ Helmen stund ein Adler und Löue / die sich mit Tatzen und Klauen freundlich umbfingen / und lase man an einem Täfflein diese Schrifft:Quam benè conveniunt! Das ist:Wie vertragen sich diese so wol miteinander! Als diese Geharnischte zu unsern Helden naheten / tahten sie beyde den Helm ab / und weil sie Teutsche Herren Standes / und vor sieben jahren auf einem Streiff gefangen und Leibeigen verkaufft wahren / wusten sie sich wol zuschicken / hatten auch die Sprache wolgefasset / und fing der eine diese Rede an: Hochberühmte Helden; wir ehemahs gefangene /der Geburt Teutsche ädle / sind von unsern Ober Herren der dreyen Städte gnädig befehlichet / ihnen uns mit Pferd und Gewehr untertähnig einzulieffern / hoffen auch / angenommen zu werden / und durch getreue Dienste dereins die Freyheit wieder zuerlangen. Unsere Helden kenneten diese alsbald / dañ sie wahren in ihrer jugend am Großfürstlichen Hofe in Teutschland schon erwachsene Hoffjunkern gewesen / deren einer Lutter / der ander Friedrich hieß / und gab ihnen Herkules zur Antwort; [158] Sie bedanketen sich gegen die hochlöblichen Städte ihrer gar zumilden Güte / könten eines so Rittermässigen Geschenkes sich nicht wegern / und wolten ihr voriges erbieten hieselbst wiederholet haben. Als Friedrich seine Sprache hörete /uñ beyder Gesichte erwog / sagte er zu seinem Gesellen auff Teutsch: Bruder ich habe nit geirret / es sind in Warheit die Königliche Fürsten; stiegen hiemit voller freude von den Pferden / und wolten sich vor ihnen niderlegen; aber Herkules der solches merkete / sagte mit Teutschen worten zu ihnẽ; sehet ihr uns vor bekante an / so lasset uns ungemeldet; daher diese zwar ihr Vorhaben enderten / aber die Sache wahr schon verrahten / dann weil sie zu Ravenna beyde dieneten /und unter den Nahmen Herkules und Ladisla ihre Heldentaht rühmen höreten / sagte Friedrich zu seinem Herren daselbst / er hielte gänzlich davor / sein Landes Fürst und dessen Verwanter der Königliche Fůrst auß Böhmen würden diese Helden seyn / welche nit allein diese Nahmen führeten / sondern schon in der kindlichen Jugend gewisse anzeige ihres unvergleichlichen Helden Muhts hätten sehen lassen. Dieser machete dem ganzen Raht daselbst solches zuwissen / die es weiter außtrugen / das ein gemeines Geschrey sich erhub / die Teutschen Könige währen kommen / und hätten Italien von den Räubern erlöset. Den andern Städten wahr eben dieses zugeschrieben /daher man aus solcher Mutmassung die obgedachten Schilde und Helme gebildet hatte. Als sie nun sahen /wie die beyde geharnischte das abgeredete Wahrzeichen der Ehrerbietung unterliessen / geriet der meiste teil in zweiffel / ob sie die Fürsten währen; aber Friedrich berichtete seinen Herren / der zugegen wahr / er hätte nicht gefehlet / aber sie wolten noch zur Zeit durchauß nicht erkant seyn / daher ward in allen Städten bey Leibesstraffe verbohten / von den fremden Helden / was ihren Stand uñ Vaterland beträffe / einige Meldung und Nachfrage zutuhn.

Diese beyde Tage nun wurden in fröligkeit verzehret / und bekam Herkules hohe Begierde / an sein herzgeliebtes Fräulein zuschreiben / sagte deßwegen zu Ladisla; dafern es ihm gefällig / wolte er alle ihnen geschenkte Teutschen nicht allein frey lassen / sondern sie wolbegabet nach Haus schicken / die jhm heut oder morgen grossen Vorschub / sein GroßFürstentuhm zuerhalten / tuhn könten; welches er nicht allein gerne bewilligte / sondern zugleich anhielt / daß sie jhren Weg auff Prag nehmen möchten /dann er währe gesonnen dahin zu schreiben / ungeachtet er schon / wie er wüste / vor eilff Tagen einen eigenen Bohten dahin gesendet; machten also jhre Schreiben fertig / und foderten jhre Leibeigene / an der zahl LVI Mann / unter denen XXX gutes Adels /die übrigen versuchte teutsche Reuter wahren / vor sich / welche Herkules auff teutsch also anredete: Gewißlich habt jhr euch meines Gesellen und meines Glückes mit zuerfreuen / weil jhr durch dieses Mittel uns überliefert / und von eurer vorigen Knechtschafft loßgemacht seyd / dann jhr sollet wissen / daß gegenwärtiger mein Herr Bruder / der Großmächtigste König aus Böhmen / und ich / eures herschendẽ GroßFürsten / Herrn Henrichs Erstgebohrner Sohn Herkules bin / welches jhr gleichwol in diesen Ländern bey Leibesstraffe nicht melden sollet. Wir wollen euch nach angebohrner milden Güte / nicht allein in vorige Freyheit setzen / sondern mit nöhtigen Zehrungskosten versehen / daß ihr wieder in unser Vaterland zihen / und des euren abwarten könnet / wovor ich von euch weiters nichts heische / als dz ihr dereins dessen eingedenke seyd / und bey meinen Eltern und angebohrnen Untertahnen meiner im besten gedenket; sollet auch nicht [159] verschweigen / was jhr alhie gesehen und erfahren habet. Hernach rief er Friederich und Lutter absonderlich zu sich / und sagete: Wann ich an euer Träue zweiffel trüge / würde ich euch diese eingemachte kostbahre Kleinot nicht anvertrauen; gab hiemit Friedrichen ein Schreiben an seine Fr. Mutter /dieses Inhalts:

Herzallerliebste Fr. Mutter; Ich euer gehorsamer Sohn Herkules / füge Euer Gn. zu wissen / was gestalt mein gnädiger allein wahrer Gott mich nicht allein meiner anderthalbjährigen Knechtschaft entrissen / sondern so hoch begnadet / daß ich in meinem vertriebenẽ Stande mehr Ehr und Gelder erstritten / als ich mir in Teutsch land vermuhten seyn könte / wie Zeiger dieses berichten wird. Was ihre verteufelte LügenPfaffen von mir låstern /wollen sie ja nicht glåuben / sondern sich versichern / daß ich einem so heiligen und reinen Gott diene / welcher durchaus keine üppigkeit und Unzucht / oder was dem anhanget / dulden noch ungestraffet lassen kan. Bitte kindlich / meinen allerliebsten / wiewol / als ich vernehme / ungnädigen Herrn Vater / zugrüssen / dessen abgeneigter Wille mich mehr als andere Unlust schmertzet; Meinem geliebeten Bruder Baldrich überschicke ich sechs Reitpferde mit allem Zubehör / auch einen köstlichen Harnisch / und nebest sechs Kleinoten 20000 Kronen gemünztes Goldes zum Beutpfennige / hoffe / er werde aller Fürstlichen Tugend und der löblichen Ritterschafft eiferig nachsetzen / und sich durch falsche Verleumdungen von Brüderlicher Gewogenheit und Träue nicht abwenden lassen. Was meiner herzlieben Frl. Schwester absonderlich versiegelt ist (dieses wahren acht herliche Kleinot) wird meine Gn Frau Mutter derselben schon einliefern lassen. Befehle sie hiermit alle meines wahren Gottes und Heylandes Obacht geträulich / lebe auch und sterbe Ihr biß an Gott gehorsamer Sohn Herkules.

Nach Einhändigung dieses Briefes stellete er jhm die Kleinot in einem ledernen Beutel zu / und wurden die Baarschafftẽ auff die sechs Pferde gebunden / mit erteiletem gnugsamen Bericht / wie es mit allem und jedem solte gehalten werden. Hernach ging er mit Luttern auff sein Schlaffgemach / und sagete zu ihm: Sihe da / erinnere dich der Gnaden / die ich dir heut erzeige / uñ reise nicht von Prag hinweg / biß du dieses Schreiben samt beygefůgeten Sachen selbst / uñ in möglicher Geheim dem Königlichen Fräulein daselbst / zu sicheren Händen wirst gestellet haben / als welches alles jhr von Fr. Sophien ihrer Schwågerin zugeschicket wird; Was du aber zu liefern hast / ist ein stoltzes Handpferd mit köstlichem Zeuge / eine Gutsche mit sechs Pferden / (wahr die geschenkete blaue) und eine verschlossene Lade auff derselben. Dieser versprach / alles geträu und fleissig in acht zunehmen und zu bestellen. Darauff teileten Herkules und Ladisla unter den XXX ådelgebohrnẽ 21000 Kronen aus /und den übrigen XXVIgen / 7800 Kronen / daß sie sich davon růsten uñ beritten machen solten; aber Friedrich und Lutter bekahmen jeder ein wolgerůstetes Pferd / guten Ritterharnisch / und noch 1500 Kronen über das vorige / und als sie von Ladisla ein Schreiben an seine Fr. Mutter empfangen hatten / gingen sie in aller Eile fort.

Es wahr dieser der ander Tag / an welchem unsere Helden der Städte Abgeordnetẽ zu Gaste hatten / und sich gar frölich erzeigeten / insonderheit Herkules /welcher viel uñ offt an sein Fräulein gedenkend eine sonderliche Vergnůgung spůren ließ / und daher mit Frl. Sibyllen so viel freundlicher umging; worüber Frl. Helena einen starken Eifer in ihrer Seele empfand / weil sie in der furcht stund / sie würde von jener außgestochen werden; ja / sagete sie in ihrem Herzen /wer weiß / was unter ihnen schon abgeredet ist / oder sonst vorgangen / weil er sie im freyen Felde allein gefunden / und einen guten Weg mit sich geführet [160] hat; kunte demnach vor dißmahl ihren Mißgunst nicht bergen / sondern da sie mit Frau Sophien nach dem Garten / die angenehme Kühlung zu empfahen / gangen wahr / sagte sie zu ihr: Es würde ihr bestes seyn / daß nach diesem sie daheim bliebe / weil ihre Hellerchen hieselbst nicht mehr geltẽ wolten. Diese hatte nun schon etliche Zeichen ihrer Unwilligkeit angemerket /weil sie nicht allein Frl. Sibyllen wenig Freundschafft erzeigete / sondern zuzeiten ihr auch gnug gramselige Anblicke verlihe / dessen ursach sie leicht erriet / aber sichs nicht merken ließ / sondern zur Antwort gab; Sie wolte nicht hoffen / daß sie ursach hätte / dergleichen von jhr zu argwohnen; währe jhr aber etwas zuwider geschehen / bähte sie / jhr solches zuoffenbahren / alsdann wolte sie an ihrer Bemühung nichts erwinden lassen / daß es nicht allein abgestellet / sondern auch verbessert wůrde. Frl. Helena wahr schon leidig / daß durch Eiversucht verleitet / sie sich so weit bloß gegeben hatte / wolte gleichwol nicht angesehen sehr / als klagete sie ohn ursach / und fuhr also fort: Es kähme jhr zu Ohren und Gesicht / daß zuzeiten sie von Frl. Sibyllen verächtlich und hönisch gehalten würde / wüste doch dessen ja keine Ursach /es währe dann / daß die von Rom so frisch ankähmen und neue Kleiderart mitbrächten / sich vor andern was sonderliches einbildeten; doch bähte sie / hievon nichts zugedenken / dann sie wolte nicht gerne ihre Feindschaft haben / sondern ungleich lieber nachgeben / und die geringste seyn. Ach nein / antwortete Fr. Sophia / warumb soltet ihr ohn ursach nachgeben /und unbilligkeit verschmerzen / sintemal ihr ja beyde eines Standes und Wirden seyd / und euch Alters halben noch ein Vorzug gebühret; saget mir nur / bitte ich / in welcher Sache jhr euch beleidiget haltet / und lasset mich vor das übrige sorgen und antworten. Diese bedankete sich des guten willens / und gab vor /sie hätte jhr steiff vorgenommen das ergangene zu verschmerzen / und keinem Menschen zu melden / nur daß sie gleichwol so einfältig nicht angesehen wůrde /ob währe sie allerdinge merkloß / wolte sie nit unterlassen / die erstkünfftige Beleidigung jhr anzudeuten. Fr. Sophia wolte dieses feur lieber dämpffen als schüren / und sagte zu jhr; es könte seyn / daß falsche Mäuler sucheten / einiges Mistrauen zwischen jhnen anzurichten / oder eine ungegründete Einbildung könte sie verleiten; und wann ich nicht wissen darff /sagte sie / wessen sich meine Frl. Schwester eigentlich zubeschweren hat / währe viel besser geschwiegen / als nichts gewisses sagen; sonstẽ kan ich wol äidlich bekräfftigen / daß Frl. Sibylla der Art nicht ist / einigen Menschen / geschweige jhre so nahe Anverwantin zuverhöhnen; ja Herr Herkules selber verwundert sich jhrer frommen unbetrieglichen Einfalt /daher er auch mit jhr mehr als mit einiger andern gerne umgehet / welches doch nicht aus Liebe zu jhrer Schönheit / sondern wegen jhrer aufrichtigkeit geschihet / als der schon an einem andern sehr hohen Orte verbunden ist. Helena währe dieser lezten Rede schier zur Erden nider gesunken / sie verlohr alles jhr Geblüt unter dem Angesichte / daß sie einer neulich verschiedenen Leiche nicht unåhnlich wahr / und Frau Sophia sie fragete / was dieser gelingen Verenderung ursach währe; worauff sie antwortete: Ich weiß selber nicht wie mir geschihet / es můste mich dann ein gifftiger Wurm aus diesem Rosenpusche anhauchen. Fr. Sophia merkete jhr Anliegen / taht doch nicht deßgleichen / sondern fassete sie beym Arme / und führete sie in die Läube / da sie bald wieder zurechte kam / und jhr voriges Gespräch folgender gestalt wieder anfing: Es kan seyn / daß von meiner Wasen Sibyllen ich mir ein mehres eingebildet / als an sich selbst ist / und da solches [161] aus jhrer folgenden Bezeigung erscheinen wird / wil ich allen Unwillen ablegen / und als eine Freundin jhr Unglük beklagen helffen. Unglük? sagte Fr. Sophia; stehet jhr dann ein Unglük vor / so helffets nicht beklagen / sondern abwenden / und offenbahret es mir / daß man demselben vorbaue / ehe es loßbricht. Ja wann sichs nur wolte lassen vorbauen /antwortete sie; die Liebe ist blind und eigensinnig /wo nicht wol gar unsinnig / und lässet jhr nit rahten wie die geübten zu klagen pflegen; nun kan ich aber aus allen jhren Geberden und Vornehmen nicht anders schliessen / als daß sie wegen Herrn Herkules Heyraht nicht geringe Hofnung gefasset / worin sie ohn zweifel sich wird heßlich betrogen finden / als viel ich auß eurer jetzigen Erzählung verstehe. Ach nein / sagte Fr. Sophia / jhr jrret in eurer Urtel sehr weit / und kan ich euch dessen wol versichern / massen ich weiß / daß sie jhren Anteil zu Rom schon hat / ob sie mir gleich solches nicht gestehen wil. Ja / Fr. Schwester / antwortete sie / warumb wil sie es aber nicht gestehen? Je / daß sie dessen gerne wieder abseyn wolte / weil jhr dieses Leckerbißlein ungleich besser gefält. Ey ey / geliebte Schwester / sagte sie / wie habt jhr so unehrbare Gedanken von diesem überauß frommen und keuschen Fråulein; ich habe euch ja nie von einer fremden viel geringern so verächtlich reden hören /und wolte nit ein grosses drumb nehmen / daß sie solches erfahren solte; darumb verschonet sie mit dergleichen ungebührlichen Aufflagen / weil sie dessen gantz unschuldig ist / und gebet nicht ursach / daß sie sich gegen meine und eure Eltern über euch zubeschweren habe. Diese fing an sich zuschämen / und es vor einen halben Scherz außzugeben; aber Fr. Sophia wolte sie von solchem Unwege abführen / und sagete; es währe diese Entschuldigung zumahl unerheblich /und müste man trauen von solchen hohen Standes Fräulein dergleichen schlimmen und ehrenverkleinerlichen Schertz nicht tichten / vielweniger über die Zunge lauffen lassen; Sie vor jhr Håupt wolte die ursach jhres Widerwillens zum teil schier errahten /welches aber alles in einem falschen Wahn bestünde /wolten demnach dieses Gespräch auffruffen / und dessen nimmermehr wieder gedenken. Gingen darauff wieder nach der Geselschaft / uñ funden Herkules mit dem Fräulein ein liebliches Gespräch halten / welches in diesem Herzen den Eiver auffs neue anzündete / so dz sie aus Mißmuht nach hause ging.

Des folgenden tages wurden auff Fr. Sophien Angeben / die vornehmsten jungen von Adel / nebest den ådlen Jungfern / jene im nahmen Herkules / diese im namen Frll. Sibyllen / und Helenen auff eine Maalzeit und Tanz eingeladen / deren eine zimliche Menge fast in gleicher Anzahl erschiene. Herkules muste auff Fr. Sophien Anhalten sich zu dem Frauenzimmer setzen /da er seine stelle bey Frl. Luzilla Antenoria nam / und sie ingesamt nebest fleissiger nöhtigung zum essen /mit einem freundlichen Gespräch ergetzete / durch welches ihrer viel / ungleich vergnůglicher / als mit den Speisen gesättiget wurden. Nach der Mahlzeit gieng der Tantz an / und ward dadurch ein bundter Reihen-Sitz veranlasset / da ein Paduanischer ädler Jůngling / Nahmens Avonius Priscus sich zu Frl. Helenen fand; er wahr gutes herkommens / reich / und in ritterlichen Ubungen wol unterwiesen / der auch seinen Mann wol stehen durffte / nur das er von Gesicht etwas Ungestalt / und in der Welt wenig versucht wahr / wovon seine Eltern ihn als ihren einzigen Sohn durch Zwang abgehalten hatten. Er hatte durch seinen Vater bey der Fräulein Eltern schon unterschiedliche mahl Ansuchung getahn / auch biß auff der Tochter Erklärung gute vertröstung [162] erhalten / jedoch allemahl unter der Verwahrung / daß sie ihrer Tochter allen freyen Willen in Heyrahtsachen lassen wolten / deren Einwilligung zuerlangen er sich zubemůhen hätte. Sie aber wahr ihm spinne feind / daß sie ihn nicht ansehen mochte / verdroß ihr auch höchlich / daß er noch weiter sich bey ihr angeben durffte / da sie doch bey seiner eigenen Schwester / Jungfer Pulcheria ihm außdrüklich hatte sagen lassen / sie bedankete sich gegen ihn wegen der zu ihr tragenden guten Gewogenheit /und bähte daneben sehr / er wolte nach diesem sie mit solchen Anmuhtungen verschonen / uñ sonst seines freyen gefallens sich nach einer liebsten umbtuhn /weil kein einiges tröpflein der liebes Neigung sich in ihrem Herzen befünde. Als er vor dißmal sich zu ihr nidersetzete / baht er anfangs um verzeihung uñ lies aus seinen Worten gnug spüren / dz ob sie ihm gleich bey seiner Schwester eine solche Antwort zuentbohten / die nichts als Abweisung nach sich führete / so erinnerte er sich dannoch / daß einem getreuen Liebhaber obläge / auff erstmahlige Verwägerung inständiger anzuhalten / auff daß daher erschiene / daß die Liebe nicht nur auff der äussersten Borke / sondern in dem tieffestẽ des Herzen hafftete; bähte demnach dienstlich / ihm sein kühnes Vornehmen hochgünstig zuverzeihen / und mit seinem übel ein Mitleiden zu tragen. Dieser stund ohn der Kopff nicht recht / weil Herkules sich zu Frl. Sibyllen nidergesezt hatte / und verdroß sie hefftig / daß sie einen so ungleichen Auffwarter haben solte / daher sagete sie zu ihm; nachdem er den Worten seiner Schwester nicht trauen wolte / müste sie / seiner auff einmahl abzukommen / eine Erklärung fassen / deren sie sonst gerne möchte überhoben seyn / und solte er demnach wissen / daß seine Auffwartung ihr allerdinge unangenehm wåhre / auch unmöglich / daß sie in seinen Willen gehehlen könte /solte deßwegen ihrer hinfůro allerdinge müssig gehen / und ihm eine andere Beysitzerin erwählen / damit sie nicht gezwungen würde / ihre Stelle zuverlassen / und nach hause zugehen. Der gute Mensch entsetzete sich zum höchsten / und fragete sie / ob ihr dann mit seinem Tode gedienet währe; worauff sie zur Antwort gab: Er möchte ihret halben immerhin leben / so lange es den Göttern gefiele / nur solte er festiglich gläuben / daß wann sie auff andere Weise sich seiner nicht entbrechen könte / wolte sie ihr den Tod wünschen /wie lieb ihr sonst das leben währe. Wol mein Fräulein / antwortete er / so sehe ich nunmehr / das mein Herz Feur / und das eure Wasser ist; daß auch meine Neigung weiß und die ihre schwarz ist / welche nimmermehr vereiniget werden können / muß also ihr als einem Fräulein die freye Zunge ungehe et lassen /und mich bemühen / dasselbe zuverachten was mich vor nichts hält; stund hiemit von ihr auff / und taht einen zierlichen Tanz mit einer recht schönen und wolerzogenen ädlen Jungfer / nahmens Urbina. Es hatte aber Fräulein Luzilla Antenoria / des Avonius Mutter Schwester Tochter das obgesetzete Gespräch alles angehöret / taht es auch Avonius Schwester alsbald zuwissen / welche ohn daß hitzig vor der Stirne wahr / und auff Gelegenheit tichtete / ihres Bruders Schimpff zu rächen / welches sie also ins Werk richtete: Als sie mit einem Paduanischen ädlen Jüngling /nahmens Fulzinus / der ihr heimlicher Buhle wahr /einen Tanz hielt / und bey Helenen hertanzete / trat sie derselben vorsezlich / doch als ohngefehr auff den Fuß / daß ihr solches hefftig schmerzete / und sie deßwegen vor eine grobe unvorsichtige außschalt / welche dieses biß nach geendetem Tanze unbeantwortet ließ; hernach aber sich zu ihr nidersetzete / und daß das beysitzende Frauenzimmer [163] es eigentlich vernehmen kunte / sie also anredete: Helena Emilia von Rom / wz vor eine freche Freyheit bildet ihr euch ein /daß wann ihr unter dem Tanze die Füsse weiter außstrecket / als unsers gleichen geziemet / und man alsdann unversehens dieselbe berühret / ihr eine ehrliche Jungfer / die allerdinge eures gleichen ist / und ja so gut als ihr / vor eine grobe unvorsichtige dirne /vor einer solchen adelichen Geselschafft außschelten dürffet? trauen ihr habt hiedurch eure Römische Höffligkeit wenig blicken lassen / und bedürfftets besser als ich / daß man euch das grobe abhöfelte; wil euch aber diesen schlimmen Streich auff dißmahl zu gute halten / und werdet mir zu danken haben / daß ich euch hiedurch anlaß gebe / eure Fůsse hernähst etwas züchtiger einzuzihen. Die so es höreten / erschraken dieser rede / und Helena selbst erstarrete vor Zorn und Eyver; endlich da ihr die Vernunfft und Sprache wieder kam / sagte sie: Wer Pech angreifft der besudelt sich damit. Und wer auff Koht trit / antwortete jene /der macht in flissen und sprützen; sind euch aber die Paduanische ädlen Jungfern als Pech / so könnet ihr euch ja derselben enthalten / daß von ihrer groben unvorsichtigkeit ihr unbesudelt bleibet; wisset aber / daß wir unsere vier Viertel ja so lang rechnen als ihr eure Elle. Fr. Sophia ward dieses Zankes inne / trat hinzu /und sagte als im scherze; Sie wolte nicht hoffen / daß man diesen Jungfern Streit mit scharffen Schwertern beylegen müste. Nein / antwortete Avonius Schwester / nur wolle ihre Gn. meine Beysitzerin abmahnen /daß sie hernähst nicht mehr ehrliche ädle Jungfern in solchen hochansehnlichen Geselschafften vor grobe unvorsichtige Dirnen außschelte / oder man wird ihr solche vorsichtige Höffligkeit nicht allemahl zu gute halten; vor dißmahl aber / weil ich Gelegenheit gehabt mich gebührlich zuverantworten / sol ihr verzihen seyn. Fr. Sophia wolte keinem Teil zu oder abfallen / sondern erinnerte sie beyderseits / ihren Jungfråulichen Wolstand zubeobachten / damit nicht die anwesende junge Aedelleute einen Spot mit ihnen trieben; welches die Paduanische mit einer sonderlichen Freymühtigkeit auffnam / und sich davor bedankete / mit der Beteurung / daß wann diese Erinnerung ihr zeitiger währe vorgehalten / wolte sie die hohe Beschimpffung verschmerzet haben. Helena aber / welche meynete / es solte Fr. Sophia mit jener anlegen und sie vertreten / ward hierüber so entrüstet / daß sie zur Antwort gab / wann ihre Fr. Wase sie noch weiters hätte beschimpffen wollen / währe solches am fůg- und leidlichsten ohn anderer beysein geschehẽ; stund damit auff und ging mit ihrer Leibdienerin davon / welche schon mit der andern ihrer folge Magd angebunden hatte / und wenig fehlete / daß sie ihrer Jungfern Ansehen zu schützen / ein artiges Haarzausen angefangen hättẽ / dem einig nur hiedurch vorgebauet ward. Die Fehde wahr gleichwol hiemit gestillet / und machte der gute Avonius so gute Kundschafft mit gedachter Jungfer Urbinichen / daß er Helenen der Vergessenheit übergab / und bald hernach mit dieser Verlöbnis hielt.

Es wurden die übrigen Tage mit allerhand ehrliebender Kurzweile zugebracht / biß der Stathalter von seinem Bruder durch schnelle Botschafft berichtet ward / dz die Käyserlichen Schreiben / nach allem Wunsch auffgesetzet / ihm des folgenden tages wůrden eingelieffert werden; und hätte zwar Käyserl. Hocheit dieselben mit zuzihung des Römischen Rahts verfertigen lassen / aber von allen Anwesenden den Aid genommen / nichts davon anders wohin zuberichten / biß die Volstreckung zu Padua geschehen währe. Diese [164] Zeitung hielt er in geheim / und stellete auff denselben Tag eine weitläufftige Gästerey an / worzu alle Rahtsherren und ädle / samt ihren Frauen und Töchtern eingeladen wurden. Nach abgetragenen Speisen stund der Stathalter an seiner stelle auff / entblössete sein Häupt / nam einen grossen Brieff in die Hand (welchen er vor einer Stunde empfangen) und redete unsere Helden also an: Durchleuchtige Herren /hochgeliebete Freunde / Herr Herkules und Herr Ladisla; Mein allergnädigster Käyser / Herr Aurelius Alexander Severus / dann auch der Raht und Gemeine der Stad Rom / lassen meinen Herren durch mich jhren Gruß / geneigten Willen und Freundschafft an melden. Diese stunden alsbald an jhrem Orte gantz ehrerbietig auff / neigeten die Häupter biß zum Tische nider / und bedanketen sich der hohen Käyserlichen Gnade / imgleichen der grossen Gewogenheit der Stad Rom / deren keines sie fähig währen / noch zuersetzen wüsten. Ihr meine Herren / fuhr der Stathalter fort; es ist mir jetzt diese Stunde eine Käyserliche und Römische Versehung allergnädigst in diesem Schreiben auffgetragen / welches eigentlich sie beyde betrifft /und mir der Inhalt annoch verborgen ist / hoffe / sie werden mir verwilligen / solche alhie öffentlich zu verlesen / und durch günstige Einwilligung alles gut heissen. Herkules antwortete / jhr Allergnädigster Käyser hätte mit jhnen zuschaffen volkommene Gewalt / dessen Hocheit sie in aller Untertähnigkeit zu gehorsamen bereit stůnden; Worauff er das Siegel brach / und folgende Worte lase:

Dein / und der Stadt Padua Schreiben / lieber Quintus Fabius / sind bevorab Käyserl. Hocheit / hernach dem Raht und Gemeine der Stad Rom wol eingeliefert / in welchem Bericht getahn wird / was massen die Römischen gůtigen Schutz Götter durch Klug- und Hertzhafftigkeit der beyden teuren fremden Ritter und Helden /Herrn Herkules und Herrn Ladisla / das vor Augen schwebende Verderben / dem gantzen Römischen Reiche / insonderheit den Städten Padua / Mantua und Ravenna /von der boßhafften Räuberischen Verbündniß angedräuet / gnädig abgewendet / den verborgenen Ort der schnöden Versamlung wunderbahrer weise kund gemacht / und eine so grosse Menge der Redlensführer abgestraffet /welche / da sie wenig Wochen hätten leben sollen / die Wolfahrt des Römischen Reichs ungezweifelt wůrden zurůttet / Italien verheeret / und ein grosses Blutbad vieler unschuldigen angerichtet haben. Wann dann Käyserl. Hocheit / als auch der Raht und Gemeine der Stadt Rom /diesen augenscheinlichen Beystand der Götter erkennen /und die Heldentaht obgedachter guten Ritter hoch preisen / Als haben sie schuldiger Dankbarkeit zu folge / beydes Göttern und Menschen / davor gebůhrlichen Abtrag zumachen / ernstlich nachgesinnet / auch jene alsbald durch ein dreytågiges Dankfest und vielfältige Opffer verhoffentlich begnüget / nachgehends einhellig beliebet / und auff Kåyserl. Hocheit allergnädigsten Vortrag beschlossen / gesetzet / und bestätiget; schliessen / setzen und beståtigen auch hiemit und krafft dieses öffentlich / daß wolgedachten Heldmuhtigen Rittern und Freunden des Römischen Reichs folgender gestalt dankbarlich sol begegnet werden: Als vorerst wird ihnen und allen ihren Nidersteigenden- und Seiten-verwanten das Römische Bůrgerrecht mit allen Freyheiten geschenket / und werden sie II. in den höchsten Adelstand auffgenommen. Folgends wird jhnen III. jedwedem eine güldene Kron /als sieghafften Uberwindern zugesand; und sol IV. jedwedem eine Ehren-Seule zu Rom auff dem Marsplatze mit der überschrifft: Liberatores Antenoridum, Protectores Italiæ, & Imperii amicissimi, (das ist: Diese sind der Stad Padua Erretter / des Italienlandes Schützer / und des Römischen Reichs liebeste Freunde); auffgerichtet werden. V. Dafern sie freye Herrschafften besitzen / oder in Erbschafft zu gewarten haben / sol ihnen solche Freyheit bestätiget / und alle deren Inwohner / wann sie es begehren / Freunde des Römischen Reichs genennet werden. VI. Würden aber ihre Herschafften verpflichtet seyn / sol ihnen zehnjährige Schatzung erlassen werden. [165] VII. Hätten obgedachte Ritter Lust / Römische Kriegsbestallung anzunehmen / sollen jedem sechs Legionen (36000 Mann) untergeben / und ihnen vor ihr Häupt / als lange sie dienen / doppelter Sold vermachet werden / neben freyer Wahl / wider was Feinde des Römischen Reichs zu kriegen / ihnen belieben würde. IIX. Haben sie Krieg wider ihre eigene Feinde / so nicht Römische Bundgenossen oder Untertahnen sind / sol ihnen die Römische Reichshülffe biß auff 120000 Mann zuzihen. IX. Ihre aus dem besten Korinthischen Ertz gegossene Bildnissen zu fusse / und ihre Pferde hinter ihnen stehend (welches die Ehre ist / daß sie zu fusse gesieget) sollen zu Padua /Mantua und Ravenna vor dem Rahthause / mitten auff den Marktplaz gesetzet werden / mit dieser schriftlichen Ehrengedächtniß: Hercules & Ladislaus, peregrini, nunc cives & amici, Rempublicam nostram ab interitu vindicarunt. Dz ist: Herkules und Ladisla die fremden /jezt Bürger und Freunde / haben unsere Herschaft vom Verderben errettet. X.Die in der Höhle eroberte Beute / Silber / Gold / Kleinot / ådelgestein / Waaren /Waffen / Speise / Trank / alles groß und klein / nichts ausgenommen / sol ihnen als ihr Eigentuhm eingeliefert werden / daß ohn jemands Einrede sie damit schalten und walten mögen nach freyen belieben. XI. Die vorgenommene Dankbarkeit der Städte wird gut geheissen / auch daß die Fürstliche Häuser auffgerichtet / und jedes mit einem vor selben Städten belegenen Landgute eigentühmlich versehen werde / deren jedes zum wenigsten jåhrlich 6000 Kronen auffbringen kan / und sollen dieselbẽ halb aus der Stådte gemeinen Seckel / halb aus unser Rentkammer daselbst erkaufft werden. XII. Alwo sie im Römischen Gebiete reisen würden / sol jeder auff XII Diener oder Gefårten und XXIV Pferde kostfrey gehalten werden. XIII. Geliebet ihnen endlich in der Stad Rom zu wohnen / wird ihnen eine Rahtsstelle / und freyer Zutrit zu allen Ehrenämtern angebohten / und sollen sie bey Kåyserl. Hocheit ihren täglichen Speisetisch auch allernähest der Burg ihre wirdige Wohnungen haben / dann sie werdẽ von nun an geheissen Imperij filij & Imperatoris fratres; Das ist / des Römischen Reichs Söhne / und des Käysers Brüder.Sonsten da ihnen mit etwas annehmlichers solte können an die hand gegangen werden /es sey zu Wasser oder zu Lande / wird ihnen solches freywilliger geleistet werden / als sie es fodern oder begehren können.

Nach endigung dieses Vortrages bedanketen sich unsere Helden der überaus hohen Gnade untertåhnigst / wünscheten Käyserlicher Hocheit glückliche Herschung / der Stad Rom dem Häupte der Welt stetes auffnehmen / dem ganzen Römischen Reich Gottes Schuz wieder ihre unbillichen Feinde / allen Inwohnern glükliches Gedeien / und dem H. Stathalter zeitliche und ewige Wolfahrt / mit dem erbieten / der Römischen Käyserl. Hocheit und des Römischen Reichs geträueste Diener und Freunde / biß an ihre und der ihren Freyheit zu seyn und bleiben. Der Stathalter setzete ihnen die übergeschicketen Kronen auff ihre Häupter / und hieß alsbald künstliche Mahler kommen / welche sie nach Lebens grösse eigentlich abreissen musten; wornach Gießzeug gemachet werden solte / in welchem sie von aus oberwähnetem kostbahren Zeuge ganz geharmscht / doch mit blossem Angesicht abgegossen wurden. Bald nach geschehener Bekrönung liefferte er ihnen die Schlüssel zu den Gemächern / auff welchen die Råuberbeute verwahret ward / welche sie auch wieder ihren Willen zu sich nehmen musten. Die anwesende Gäste wůnscheten ihnen Glük und stete Vermehrung ihrer ehren / wovor sie sich höflich bedanketen. Der Stathalter hörete /daß seine Tochter bey dem Kunstmahler bestellete /ihr Angesicht abzubilden / und in ihres Gemahls Abrisses linke Seite zusetzen / mit dieser umbschrifft:Hoc in corde quiescit Sophia Fabia. Das ist:in diesem Herzen ruhet Sophia Fabius Tochter / welches er sich zwar nicht übel gefallen lies / und doch zu ihr sagete: Ich merke wol / du währest auch alhie zu Padua gerne [166] mit im Spiel / lässet sichs aber auch verantworten? und ist dirs nicht gnug / daß zu Rom deine Ehren Seule neben deinem Gemahl auffgerichtet ist? Worauff sie antwortete: Gn. Herr Vater / ist dieses euer Ernst / so lassets mich / bitte ich / recht wissen. Er streich ihr über das Häupt und sagete; Ich weis schon wol / daß du angebohtene Ehre nicht außschlågest, nam den Brieff wieder hervor / und lase überlaut folgende Worte daraus:Die erste Rahtgeberin Sophia Fabia welche ohn zweiffel durch eingeben der Götter getrieben /die Nachsuchung der Räuber befodert hat / sol vor erst ihrem Gemahl auff dem Marßplatze zur linken stehen / mit dieser Gedåchtnis-Schrifft: Romanarum mulierum decus, SOPHIA FABIA, das ist: Sophia Fabius Tochter ist die Zierde der Römischen Frauen.Vors ander wird ihr ein güldenes Krönichen gesand / und Zeit ihres lebens zutragen erläubet. Wird dann drittens geheissen eine Schwester des Römischen Kåysers. Als ihr nun das Krönichen auffgesetzet ward / ging sie auff die Knie sitzen /bedankete sich alleruntertähnigst gegen Römische Käyserliche Hocheit / Raht und Gemeine der Stad Rom / wünschend / die Götter wolten ihr liebes Vaterland hinfüro mit solcher Gefahr gnädig verschonen / und dessen Auffnehmen ihnen lassen anbefohlen seyn; stund wieder auff / und baht ihren Vater / er möchte der Geselschafft ohn weiteres Auffschieben anzeigen / was vor ein Ehrengedåchtnis ihm selbst zugesprochen währe; worauff er zur Antwort gab; es ist mir Ehre gnug / daß dem rechtschuldigen alles nach meinem Wunsch begegnet ist / und hat man dannoch meiner hiebey nicht vergessen wollen / sondern mir zwischen Herren Herkules und Ladisla eine Ehrenseule zu Rom erkennet / an welcher diese löbliche Taht zum stetswehrenden Gedächnis geschrieben worden /und zu oberst diese Worte: Q: FABIVS, FELIX, PIVS, VICTOR GLORIOSVS. Das ist:Q. Fabius der Glůkselige / Gottfürchtige / Sieghaffte / Preißwirdige. Hier wartete nun Fr. Ursul mit Verlangen / was jhr liebster K. Fabius doch zu hoffen hätte / weil er ja im Streite nicht geschlaffen / sondern sein äusserstes biß auff Vergiessung seines Bluts mit angewendet. Der Schwiegervater merkete ihren Ehrgeitz / uñ stellete sich / als ob nichts mehr übrig währe / worůber sie fast betrůbet ward / daß sie zu sagen sich nicht enthalten kunte: Gnådiger Herr und Vater / mein Liebster hat sich zwar des Sieges mit zuerfreuen / aber vielleicht keinen Teil an der ausgeteileten Römischen Gnade. Worüber er lachete / und zur Antwort gab: Es ist der Weiber gemeine Krankheit / daß sie ihre Männer gerne geehret sehen. Hieß damit seinen Sohn auffstehen / und Kåyserl. Gnade und Willen vernehmen; Zohe das Schreiben wieder hervor / und lase daraus:Den jungen K. Fabius / Römischen bestalten Ritmeister /sol I auff dem Marsplaze eine etwas nidrigere Seule vor des Vaters Fůssen gesetzet werden / mit eben der Uberschrifft / die den Helden gegeben ist. II Sol er zum Obristen über eine Römische grosse Geschwade oder Legion bestellet werden / und III über den gewöhnlichen Sold auß der Rentkammer jährlich als lange erlebet / 6000 Kronẽ heben / auch IV In der ersten Wahl zum Rahtsherren in Rom gekieset werden Dieser erbleichete vor solcher Ehre / sagte vorerst Römischer Käyserl. Hocheit und der Stad Rom in tieffster Untertähnigkeit Dank / erinnerte sich gerne / daß es eine blosse freygebigkeit währe / zu welcher er durchaus nicht hätte Anlaß geben können / rechnete es dahin / daß man ihm hiemit anzeigen wolte / was er dem Vaterlande schuldig / und er alle Belohnung vorher einnehmen müste / ehe er einige verdienet.

Des folgenden Morgens ließ der Stathalter alle Reuter / so dem Streite beygewohnet hatten / vor sich ruffen / erzählete ihnen / wie er ihr Wolverhalten nach Rom berichtet / [167] und darauff eine Käyserliche Gnade einkommen währe / welche er ihnen vorlesen wolte /und also lautete:Die so dem Streite wieder die Räuber beygewohnet / uñ zu Beschůtzung des Vaterlandes ihr Blut und Leben nicht geschonet haben / sollen jedweder ohn unterscheid 8000 Kronen auß der Rentkammer empfahen / nebest einem Ritterharnisch / Pferde / und allem Zubehör / auff 400 Kronen geschätzet / und so etliche von ihnen das Römische Bürger Recht nicht haben / sollen sie selbst erscheinen / oder ihre Namen einschicken /und ins Stad Buch eingeschrieben werden; auch da sie weiter begehren zu dienen / sollen sie nach belieben / zu Roß oder zu Fuß / alle miteinander vor Unterhäuptleute hiemit bestellet und angenommen seyn / und solchen Platz zuerlangen sich zu Rom anfinden. Die aber / so in dem Gefechte ihre Gesundheit eingebüsset / und einige Lähmniß an Händen oder Fůssen bekommen / sollen über obgesetzete Verehrung jährlich / so lange sie leben 300 Kronen zu ihres Lebens unterhalt / von den dreyen Städten Padua / Mantua und Ravenna zuempfangen haben. Die so ihr Leben vor das Vaterland in diesem denkwirdigen Kampffe eingebüsset / weil sie vor sich selbst der Vergeltung nicht geniessen können / sollen zu Padua an dem ehrlichsten Orte begraben / und ihnen gehauene Grabe Steine auffgerichtet / ihren nähesten Erben aber 6400 Kronen aus gemeinen Reichs Aufkunfften abgefolget werden. Und weil die beyde Römische vom Adel / Klodius und Markus ihres tapfferen wolverhaltens / vor andern gerühmet werden / sol ihnen alles dreyfach gege ben werden / auch / dafern sie ihrer jetzigen Herren Dienste mit gutem Willen können erlassen seyn / vor Römische Ritmeister alsbald bestellet werden. Nach Verlesung ließ er jhnen die Gelder baar außzahlen / und die versprochene Waffen und Pferde einhändigen / neben der Erinnerung / es würde jhnen zum besten gereichen /wann sie alle mit einander nach Rom reiten / und Käyserlicher Hocheit alleruntertähnigst danken würdẽ / worzu sie dann alle sehr willig waren. Schließlich wurden alle Gefangene herzu geführet / und ihnen dieses vorgelesen:Die erschlagene vermeynete Räuber-Fürsten / auch der außgegrabene Orgetorix sollen gevierteilet / und umb Padua / Mantua und Ravenna auff freyer Heerstrasse auffgehenket / die andere getödtete an Kreuze umb die Räuberhöhle gehefftet werden. Die annoch lebendige Räuber stehen in ihrer Uberwinder freyen Händen / und mögen sie nach belieben deren etliche begnaden / und die andern entweder selbst straffen / oder hieher nach Rom senden. Weil nun unsere Helden deßwegen mit dem Stathalter schon Abrede genommen hatten / daß der junge Räuber / welcher sich im Gefecht ergeben / samt Servilius und dem Koche nur allein solten begnadet seyn / wurden die übrigen eilfe auff Wagen geschmiedet und nach Rom fortgeschicket.

Es foderten Herkules und Ladisla ihre beyden Ritterlichen Diener Klodius und Markus vor sich / und zeigeten ihnen an / daß sie nicht gemeynet währen /ihnen ihr Glük uñ Befoderung zu hemmen / sondern solten hiemit jhrer Dienste erlassen seyn / nach belieben hinzureisen / und die angebohtene Ritmeisterschafft zu behäupten / wolten nicht hoffen / daß sie einiger ungebühr sich über sie würden mit fuge beschweren können / und währen sie erböhtig / jhnen allerhand Befoderung bey Kåyserl. Hocheit zubeweisen. Klodius aber fing mit betrübeter Rede vor sich also an: Durchleuchtiger Gnädiger Herr / Ihre Gn. haben mich auff zwey Jahr in Dienste genommen / so lange dero ich mich auch verbunden / und ruffe ich mein Gewissen zum Zeugen / dz ich biß daher in dieser Welt nichts mehr gewünschet / als Ihrer Gn. in meiner untertähnig-gehorsamsten Auffwartung gefallen zu können; gelebe demnach der tröstlichen Zuversicht /Eure Gn. werden mich nicht so schleunig aus ihrem Dienste verstossen / sondern die versprochene Zeit mich aushalten lassen / dann ich bin des gänzlichen vorhabens / in Euer Gn. Lehr Schuele erst recht zu fassen / wie ich [168] dermahleins eine Häuptmanschafft mit Ruhm verwalten alten könne. Markus gab eben dieses vor / und hielten an / daß ihnen nur gnådig vergönnet werden möchte / mit der Reuter Geselschafft nach Rom zureiten / umb / jhre erworbene Gelder überzubringen / und ihre verpfändeten Güter damit grösten teils frey zu machen / welche von den geitzigen Gläubigern durch gar zu schweren Wucher außgesogen / würden. Sie verwunderten sich dieser Erklärung / spüreten daher ihre Träue und Liebe / und vermacheten ihnen wegen der künfftigen Dienste dreyfachen Sold / hielten auch jedem einen Leibknecht / der jhnen die Pferde versehen muste / daß sie fast wie Spießgesellen von jhnen gehalten wurden; Die Reise nach Rom / sageten sie / könte ihnen nicht gehindert werden / solten nur zuvor alle Reuter / so dem Streite beygewohnet / herzu fodern; und als dieselben ankahmen / redete Herkules sie also an: Ihr redliche Spießgesellen / wir erinnern uns billich eures ritterlichen Beystandes und gutwilligen Gehorsambs / welchen jhr in neulicher Bestürmung des Raub Nestes uns geleistet / und weder Blut noch Mühe gesparet / sondern durch solche Tapfferkeit uns die empfangene hohe Ehre erstreiten helffen; Hievor erkennen wir uns in eurer Schuld seyn / wollen uns auch bemühen / euch deßwegen in etwas zu ergetzen / nicht zweifelnd / jhr werdet unsere Gutwilligkeit annehmen / und so bald jhr zu Rom ankommet / Römischer Käyserl. Hocheit und dem Raht unsere alleruntertähnigste Dienste / Gehorsam und Gruß anmelden / auch / daß wir inwendig eines Monden frist uns selbst einstellen wollen / vor empfangene Gnade zu danken. Die Reuter wünscheten jhnen zu jhren Ehren Glük / wendeten ein / Römische Käyserl. Hocheit hätte jhre Mühe und Wunden satsam vergolten / währe also unvonnöhten / daß Ihre Gnn. sich deßwegen einige Gedanken macheten; Jedoch / da dieselbe jhnen ein geringes Gedächtniß hinterlassen wolten / wobey sie sich der Ehre erinnern könten / daß unter ihrer glücklichen Anfůhrung sie gestritten / solte jhnen solches von hertzenlieb und angenehm seyn; erböhten sich sonsten zu allen möglichen Diensten uñ Gehorsam / und solte jhr Befehl nicht auß der acht gelassen werden. Darauff musten Klodius und Markus jhrer jedem 4000 Kronen zur Verehrung / und 200 Kronen zum neuẽ Kleide austeilen / welches anzunehmẽ sie sich anfangs sehr wegerten / aber doch durch Nöhtigung sichs nicht entbrechen kunten; da dann die drey Städte sie auch nicht wolten unbegabet lassen / sondern einem jeden Reuter 2000 Kronen / Klodius und Markus aber / jedem 8000 Kronen einreicheten. Als nun diese beyde auff Abfärtigung nach Rom warteten / fragete Herkules seinen Klodius / wie es mit seinen Gütern zu Rom beschaffen währe / und ob er davon etwas zu heben hätte. Er schämete sich anfangs solches zu sagen; Daher begehrete Ladisla von Markus zu wissen / was vor einen Zustandes mit seinen Gütern hätte; welcher ohn weiters bedenken anzeigete / seine liegende Gründe / Hauß und Hoff / wåhren auff 85000 Kronen angeschlagen / und hafftete wenig über die helffte / als 46000 Kronen Schulden darauff / welche aber nicht allein alle jährliche Auffkünffte verzehretẽ / sondern den Schuld Hauptstuel stets grösser macheten; Die Gelder währen nicht aus üppigkeit oder Mutwillen erborget / sondern von seinen Eltern / die vor zwey Jahren gestorben / und zwölff Jahr beyde krank gelegen /auff Arzte gewendet; Weil er aber diese wenige Zeit so grosses Glük gehabt / und schon ein mehres / als er schuldig währe / erworben håtte / wolte er sie frey machen / und seinen Anverwanten auff etliche Jahr austuhn. Klodius [169] legete die unzeitige Scham auch ab /und deutete auff abermahlige Erinnerung an / seine Güter währen 112000 Kronen an Wert; Nun hätte sich aber sein Vater Seel. vor seiner Mutter Bruder (welcher durch Unglük hernach umb alles seine kommen) auf 40000 Kronen in Bürgschafft eingelassen /und seine drey verheyrahtete Schwestern hätten jede wegen 6000 Kronen Hauptstuel / die übrigen besten Stücke zugeniessen / daß er jährlich kaum 150 Kronen einnehmen könte; wolte nun gleich wie Markus sich von der Bürgschafft loßwirken / und mit jhm sich auffs geschwindeste wieder einstellen. Herkules antwortete ihm: es ist dir nicht zurahten / daß du aller deiner Baarschafften dich entblössest; lege sie hin /daß du sie dereins findest / wann du zu heyrahten gedenkest; sihe da / weil du aus Lust / in meinen Diensten länger zuseyn / deine Befoderung außschlågest /wil ich dir meinen guten Willen wiederumb sehen lassen / und strecke dir 40000 Kronen vier Jahr ohn Zinsen vor / so bistu nach deinem Stande dein lebelang geborgen / und lebe nur der Zuversicht / daß nach Befindung deiner künfftigen Dienste ich sie dir gar schenken kan. Ladisla bezeigete sich gegen Markus desgleichen / und empfingen dagegen auffs neue Verheissung in jhren Diensten weder Blut noch Leben zusparen. Sie schicketen aber jhrem Arzt Galenus 400 /seinen beyden Gesellen ingesamt 100 Kronen zum Beutpfennige. Dem Römischen Bischoffe machte Herkules 12000 Kronen über / auff Rente zulegen /und die Auffkünffte in dreyen gleichen Teilen auff Armen / Kirchendiener / und SchuelLehrer zu verwenden. Die in der Räuber Höhle gefundene Waffen schichteten sie gleich / und sendeten dem Käyser die Halbscheid nach Rom zum Gedächtniß / nebest allem Pracht von Kleinoten / Silbern und Gülden-Geschir auch zierlicher Růstung / die einem RäuberFürsten beygelegt wahr; daneben 50 Wagen mit Meel / 20 mit Wein / 24 mit eingesalzenem Fleisch uñ Fischwerk /und drey Tonnen Schaz an gepregetem Golde und Silber. Weil jhnen auch Frau Mammcen des Käysers Mutter Geitz wol bekant wahr / schicketen sie derselben zwo Tonnen Schaz an Gold und Silber; Eine Tonne an allerhand Kleinot / vier schwerbeladene Wagen von Purpur / Seiden / Silbern und Gülden-Stücken / und den ganzen Schmuck auff eine Räuber Fürstin beygelegt / schrieben daneben an den Käyser und seine Fr. Mutter hohe Danksagungs Briefe / und erbohten sich / nach Verlauff vier oder fünff Wochen sich einzustellen / woran sie doch durch einen merklichen Unfall verhindert wurden.

Des fünfften tages nach solcher Abfärtigung stelleten sie eine grosse Gästerey an / worauff 670 Rahts Herren und Aedle / aus Padua / den umbliegenden Städten / und vom Lande; und über dieselben noch 30 Herren Standes / mit ihren Gemahlen und Mannbaren Töchtern eingeladen wurden / die sich alle willig einstelleten. Die Speisen und herlichsten Weine wurden in grossem überflusse auffgesetzet / und alles Fürstlich angerichtet / dann sie spareten weder Kosten noch Mühe / uñ hatten auff dem weiten schönen Anger / woselbst Fulvius erleget wahr / eine sehr grosse Läube machen lassen / in welcher 2300 Menschen / als 700 Männer / und 1600 Weibesbilder an 130 langen Tischen gespeiset wurden. Nach gehaltener Mahlzeit ward von dem Frauenzimmer ein zierlicher Tanz gehalten / wobey unsere Helden und andere junge Herren sich finden liessen / biß umb ein nidersitzen angehalten ward / da Herkules und Ladisla aufftraten / und etliche Laden bey sich nidersetzen liessen / auch Ladisla also anfing: Hochmögender Herr Stathalter und Fr. Stathalterin / Wolgebohrne[170] Herren / Frauen und Fräulein / Hochädle Herren /Frauen und Jungfern: Mein brüderlicher Freund Herr Herkules und ich / bedanken uns sehr dienst und freundlich / daß auff unsere einladung sie alhier erschinen / und ihre angenehme Kundschafft uns gönnen wollen / welches Zeit unsers lebens zu růhmen wir Ursach haben werden. Es wissen sich aber unsere anwesende Herren und Freunde / ohn unsere Anzeige zuerinnern / was Gestalt Römische Käyserl. Hocheit /unser allerseits allergnädigster Herr / uns beyde dermassen hoch begnadet / daß wir solches nicht eins recht begreiffen / geschweige ersetzen werden / uñ deßwegen uns in stäter Verwunderung stillschweigend bezeigen / weil wirs mit wirdigen Worten nicht außreden können; dann nicht allein die angetahne Ehr ist zu groß und ůberschwänglich / sondern auch die gelieferten Schätze und Reichtuhm mehr als Königlich. Wir unsers teils sind nicht Willens / so hohe Gnade zuverschweigen / sondern davon mit Mund /Herzen und bezeigungen zu reden / auch denen die es nicht recht wissen / anlaß zugeben / daß sie es etlicher massen begreiffen und neben uns rühmen mögen; geleben demnach der gänzlichen Zuversicht / unsere sämtlich Anwesende hochgeneigete Herren / Frauen /Fräulein und Jungfern werden ohn Wiederrede unser Vornehmen sich gefallen lassen / und ein geringes Dankzeichen / welches wir einliefern wollen / mit günstigem Willen / als ein schlechtes Pfand unsers bereitwilligen Herzen zu ihren Diensten / von uns auff und annehmen. Niemand wahr / der hierauff antworten wolte / biß der Stathalter auffstund / und dieses vorbrachte: Durchll. Herren / Freunde und Schwigersohn; es hat Römische Käyserl. Hocheit und der Raht zu Rom sich noch allemahl wol vorgesehen / daß sie weder die empfangene Woltahten undankbarlich vergessen / noch Unwirdige groß ehren / daher dañ kein Mensch an eurer Wirdigkeit zweiffeln muß noch kan /welche durch so klare Zeugnissẽ uns vor Augen leuchtet / daß ein Maulwurff-blinder sie sehen und Fühlloser sie greiffen solte; gnug aber ist es Käyserl. Hocheit und dem Raht zu Rom / auch uns allen Herzerfreulich / daß eure Liebden die beschehene Dank-ehre vor wichtig und genehm halten / und sich der stäten Gedächtnis anerbieten / welche auch an dieser Seite nicht sol in vergeß gestellet werden. Das Denkzeichen / welches unsere allerseits hochwerte Herren uns anbiete / währe ganz unvonnöhten / massen viel ein kråfftigers schon in unsern Herzen stecket / welches nur der Tod heraus reissen / die Dankbarkeit aber auff die Nachkommen fortsetzen uñ unsterblich machen wird; jedoch / daß wir nicht vor unhöfliche mögen angesehen werden / lassen wir uns ihr Vornehmen nohtwendig gefallen / aber mit dem bedinge /daß es vor erst nicht einem Geschenke als Denkmahl ähnlicher sey; vors ander / daß es wegen der grossen Menge dieser Anwesenden / nicht auff einzelne Häupter / sondern Städte und örter möge angeschlagen werden. Durchl. Herr Stathalter / Gn. Herr als Vater /antwortete Herkules / wie auch Wolgebohrne und hochädle anwesende Herren / Frauen und Jungfrauen; mein geliebter Bruder Ladisla und ich bedanken uns Dienstlich ihrer hohen Gewogenheit / und beschehener Einwilligung / wollen auch des Herrn Stathalters erste Bedingung gerne in acht nehmen / und daneben hoffen / die andere könne uns wol erlassen werden /wañ sie unsers Vorhabens werden berichtet seyn; Als nemlich / es haben die vermeinte Räuber-Fürsten auff XXXIV Obristen und deren Weiber / dañ vor 680 Häuptleute und ihre Weiber etliche Kleinot unterschidlicher Gattung beygelegt / von denen wir nur etliche dieser [171] hochlöblichen Geselschafft außteilen wollen / nit als ein Geschenke / sondern blosses Denkzeichen des ergangenen. Als nun niemand dawieder redete / wurden vor erst den Anwesenden 540 ädlen Frauen so viel Häuptmans Weiber Ringe außgeteilet /deren jeder 60 Kronen galt; den ädel Jungfern an der Zahl 850 wurden so viel Haupmans Weiber Armbänder gegeben / jedes zu 70 Kronen. Darnach wendeten sie sich zu den Herrẽ Standes Frauen / deren 100 wahren / und lieferten ihnen so viel Häupmans Weiber Halsketten / jede zu 125 Kronen; den Frey Fräulein aber / deren 106 anwesend / jeder ein Hauptman-Weiblich Kleinot / jedes zu 150 Kronen. Nach diesem legte Ladisla Frl. Helenen eine Obristin-Halskette mit angeheffteten Kleinot umb den Halß / am gewehr 10000 Kronen. Herkules gab Frl. Sibyllen ein gleichmåssiges / und überdaß einen Ring und par Armbånder / jener 2000 diese 3000 Kronen wert. Fr. Ursul aber ward von Ladisla mit einem vollen Obristin-Schmuk / auff 23000 Kronen / und die Stathalterin mit gleichmässigem / überdaß noch mit einer Hauptmann in ganzem Zieraht von Herkules beleget; welches alles zusammen gerechnet 176705 Kronen außtrug. Nach solcher Verrichtung wurden 560 Rahtsherren und ädlen Rittern so viel Hauptmans Ringe; noch 130 Rahtsherren / so Herren Standes /Hauptmans Ketten; Herren Kornelius / Emilius / und Zezilius Antenor auch den beyden Burgemeistern von Mantua uñ Raveña / jedem ein ganzer Hauptmansschmuk; dem jungen Fabius eines Obristen volståndiges / und endlich dem Stathalter eines Obristen und Hauptmans Zieraht gegeben; daß alles unter die Männer verteilete sich auf 101130 Kronen belief. Alle Anwesende namen diese grosse Freygebigkeit mit höchstem Unwillen auff / daß auch der Stathalter sich darüber ungeduldig erzeigete; musten es doch geschehen lassen / und erbohten sich / Gelegenheit zusuchen / daß es verschuldet würde. Es wahr aber hiemit noch nicht geendet / sondern unsere Helden liessen 150 Reuter Harnische und 3000 Rüstungen zu fusse auff den Platz führen / welche sie in drey gleiche Teile legeten / und den drey Stådten solche zum stets wehrenden Gedächtniß zustelleten / mit Bitte / eigene kleine Zeughäuser auffzubauen (dero behnef bey jedem Teil 6000 Kronen gelegt wahren) und es alle darin verwahrlich zubehalten; bey jedem Teil wurden V Fuder Meel / IV Fuder Wein / und VI Fuder Fleisch und Fische / nebest 6000 Kronen wert silbern Münze geleget / solches alles unter die Armut in den dreyen Städten / weß Glaubens sie auch seyn möchten / außzuteilen. Dem Stathalter und seinem Sohn stelleten sie jedem 20 Ritterwaffen und 50 Fußknechte Gewehr zu / und fing darauff Herkules an / diesen beyden folgende Anmuhtung zu tuhn: Durchll. Herren /Herr Vater / und Herr Bruder; ist es / daß dieselben meinen Bruder Ladisla und mich / wie wir dann nicht zweiffeln / Väter- und Brüderlich lieben / werden sie nicht allein unsere Bitte in gutem auffnehmen / sondern auch gelten lassen / so daß sie alle übrige Beute mit uns gleich teilen / und willig zu sich nehmen wollen / welches wir Zeit unsers Lebens Kind- und Brüderlich růhmen / und daher ihre ungefärbete Neigung verspüren wollen; weil ihnen ja solches von rechtswegen schon zugehöret / als welche gleiche Arbeit mit uns überstanden haben. Niemand kunte sich dieses Erbietens gnug verwundern / aber der Stathalter gab darauff diese Antwort: Durchll. Herren / hochgeliebte Freunde als Söhne; ihr gewogenes Freunde herz gegen mich und meinen Sohn / ist durch so hohe Bezeigungen schon kund gemacht / daß wir ohn [172] Sünde daran nicht zweiffeln könen / daher wir in allẽ mögligkeiten ihrem begehren nachzusetzen / hinwiederumb schuldig und verbunden sind; betreffend die geschehene Anmuhtung / ob sie gleich ihnen nicht anders als zur rühmlichsten Tugend der hohen-Freygebigkeit außgeleget werden kan / müsten wir an unser Seiten dagegen vor die unbesonnesten Menschen gescholten werdẽ / dafern wir dieselbe eingingen; dañ vorerst wollen sie bitte ich / ihrer mir ehmahls gegebenen Antwort sich erinnern / als vor ihre hohe Bedienungen / ich nebest meinen Anverwanten ihnen gleiche Erbschafft mit unsern Kindern anboht / und ich diese ihre Entschuldigung muste gelten lassen / Gott möchte ja verhüten / daß unser Kinder Erbteil durch sie nicht geschwächet würde; warumb solte dann ihr Gut durch uns gemindert werden? Daß ihr aber meinen an Kayserl. Hocheit getahnen Bericht (wie ich in Erfahrung komme) beschuldiget / ob hätte ich eure verhalten zu groß / mein uñ meines Sohns aber zu geringe gemacht / und das währe die ursach / daß man euch die Beute allein zugesprochen / welches ich hie nohtwendig erwåhnen muß / so kan solcher Auflage ich mich gedoppelt entbrechen: Vorerst / bin ich und mein Sohn Römer / und in Römischen Dienstẽ / und ob wir gleich allein diesen Schatz erstritten hätten / welches doch gar nicht ist / währe solcher nicht uns / sondern der höchsten Obrigkeit heimgefallen; welches sie unbeschwert bedenken wollen; Hernach ist der abgefårtigte Reuter vor dem versamleten Römischen Raht über den wahren Verlauff äidlich abgehöret /und mir ein zimlich harter Verweiß zugeschrieben /den ich aufflegen kan / warumb ich diese herliche Taht nicht mit mehren ümständen in meinem Briefe erzählet håtte; daß also dieses Verdachtes ich mich gnug entschuldiget weiß / und sie daher nit gedenken dürffen / als wůrde Käyserl. Hocheit ein anders in der Sache geschlossen haben / wañ ich schon eure und unsere Tahten (das mit unwarheit geschehen müssen) gleich gehalten hätte. Jedoch / damit unser Streit auffgehoben werde / und wir ja so wenig unhöflich seyn mögẽ / als sie bey Annehmung unsers ersten anmuhtens wahren / sehet da / meine liebe Herren Söhne / so nehmen wir die richtige Halbscheid aller annoch unverschenketer Beute an / aber solcher gestalt / daß ich verfluchet seyn wil / wofern ich nicht alles / klein und groß / derselben Fräulein zum besten verwahre / die meinem hochwerten Herrn Sohn / Herrn Herkules /nach des Himmels Versehung dereins ehelich sol zugeführet werden. Ich aber / fing der junge Fabius an /bedanke mich zufoderst der gar zu grossen Ehr und Schenkung / wovor ich meinen beyden Herren und brüderlichen Freunden ohn einige Bedingung zu dienste verbunden bleibe / schlage das angebohtene nicht auß / dafern meine Fr. Schwester Sophia / es mit diesem Vorbehalt wieder von mir annimt / daß sie dessen meinem Gemahl nicht eines Hellers wert zuwende /deren ich hiemit alles annehmens ernstlich untersagen wil / und da ich solches nicht erhalten solte / werden meine Herren eine ganz abschlägige Antwort mir nicht verdenken / und nicht desto weniger mich vor ihren geträuen Knecht und Diener halten; Dann warumb solte ich mich mit der schon viel zu grossen von Käyserl. Hocheit empfangenen Gnade nicht begnügen lassen? Ja / warumb solte ich ohn einigen Verdienst /da meine Herren selbst keine ursach anzeigen können / ein solches mir zuwenden lassen / welches zeit meines Lebens ich nicht allein nicht vergelten / sondern auch vor ehrliebende / insonderheit vor Käyserl. Hocheit nicht verantworten könte? Diesem nach bitte ich dienstlich / meine Herren wollen ihre hohe Neigungen [173] mir dergestalt sehen lassen / daß ohn Verletzung meiner Gebühr ich dieselbe zulassen und annehmen könne / und wiederhohle hiemit mein voriges auffrichtiges Erbieten. Unsere Helden stelleten sich über diese Wegerung traurig / aber der Stathalter sagte mit einem scherzhafften Lachen: Sehet ihr nun /meine Herren / daß man zuzeiten den Kauffman mit seiner Waare bezahlen kan? Ihr habt mir vor diesem den Peltz auch gewaschen / und nicht naß gemachet /deßwegen verdenket mirs ja nicht / dz mein Hündi chen-Gedenks / ein gleichmässiges Gebelle von sich giebet; dann ich beteure hoch / daß ichs von niemand anders / als von euch Herren gelernet / und meiner Meynung nach diese Kunst gar zu gelegener Zeit angebracht habe; solte jhnen solches nun unangenehme seyn / da ich doch das gar zu hohe Erbieten in keine wege verdienet / so werden sie nun erst erkennen / wie hefftig mich ihre ehmahlige Wegerung muß geschmerzet haben; wollens aber zugleich auffruffen /und Zeit unsers Lebens einander Träue und Freundschafft / ja alles können und vermögen schuldig bleiben / je länger wirs leisten und sehen lassen / welches die Volkommenheit der auffrichtigen Freundschafft ist. Hierauff hieß er die Spielleute frisch auffmachen /und fing Herkules Römischer Käyserl. Hocheit Gesundheit / Ladisla aber des Römischen Reichs Auffnehmen an zu trincken / welches mit entblösseten Häuptern stehend verrichtet / und zur sonderlichen Ehrerbietigkeit auffgenommen / auch nachgehends dem Kåyser mit seiner hohẽ Vergnügung erzählet ward. Fr. Ursul / da sie dieses sahe / trat sie mit Frl. Sibyllen zu unsern Helden / bedanketen sich im Nahmen des ganzen Frauenzimmers / wegen der ausgeteileten Kleinot / und wünscheten ihnen stäte Auffnahme ihrer Ehren / langes Leben und beständiges Wolergehen / damit sie noch mannichem bedrängeten zur Hůlffe und Rettung sich gebrauchen lassen könten; liessen hernach zwey güldene Becherlein mit Wein füllen / welche das ganze Frauenzimmer auff der teuren Helden Gesundheit außtrunken. Es wehrete diese Gästerey biß in die sinkende Nacht / und wahr von unsern Helden bestellet / dz auff diesen Tag alle Arbeiter an den dreyen Fürstlichen Gebäuen in den dreyen Städten / auff ihre angerichtete Kosten musten gespeiset und mit gutem Wein beräuschet werden; liessen auch aller geladenen Gäste Dienern und Mågden /jedem eine Krone / und des Stathalters seinem Gesinde / jedem X Kronen zum Beutpfennige zustellen /worauf 4000 Kronen verwendet wurden. Des folgenden Morgens foderte Herkules von dem Christlichen Lehrer des Ortes die Zahl der armen Christen / deren sich 400 alte unvermögende / 200 Wåiselein / 150 Lahme und Krüppel / und 300 arme Schüler angaben / welche er alle mit Kleidern und Schuhen versehen ließ / auch den Vorstehern 150000 Kronen zustellete /daß sie beleget / und die Auffkünffte zum Unterhalt der Armen angewendet würden. Die Städte Padua /Mantua und Ravenna stelleten auch trefliche Gästereyen an / nur unsern Helden zu ehren / welche dahin ritten / und mit Fůrstlichem Gepränge empfangen wurdẽ.

Des zwölfften Tages nach dem Käyserlichen angelangeten Befehl / wurden die gegossene Bilder auff eine Stunde in allen dreyen Städten auffgerichtet / da alle Einwohner hinzudrungen / und gerne Hand mit anlegen wolten. Alle Häuser umb den Markt her /wahren mit Menschen angefüllet / biß endlich einer herzu trat / der mit seiner Geselschafft einen runden leeren Kreiß umb die Bilder machete / in welchem zwanzig Spielleute mit Pauken und Trometen ein lustig Feldstük hören liessen / daß die ganze Stad erschallete / [174] nach dessen endigung kahmen zwanzig andere an ihre stelle mit sanfftem Seitenspiel / grossen und kleinen Lauten / Geigen und Harffen / stimmeten sehr artig mit einander ein / biß nach Verlauff einer halben Stunde drey zierliche Knaben zu ihnẽ traten /und mit unterschidlichen Stimmen nach der Singe-kunst gesetzet / folgendes Lob- und Danklied in dz Seitenspiel erschallen liessen.


1
Last die Helden uns besingen /
Ja die Helden / deren Preiß
Keiner gnug zu rühmen weiß /
Die uns Heyl und Leben bringen;
Ja die Helden / denen wir
Schuldig bleiben für und für.
2
Ihre Klugheit / die den Jahren
Trefflich vor gewachsen ist /
Hat der frechen Räuber List /
Und verfluchten Bund erfahren;
Ihre Klugheit / deren wir
Schuldig bleiben für und für.
3
Ihre Kühnheit / zu beschützen /
Die in Noht und Trübsal stehn /
Hat uns Rettung lassen sehn /
So daß wir noch sicher sitzen;
Ihre Kühnheit / denen wir
Schuldig bleiben für und für.
4
Herkules ist unser Leben /
Ladisla ist unser Geist /
Die man billich Schützer heist /
Denen / weil sie vor uns streben /
Unsre Kinder und auch wir
Schuldig bleiben für und für.
5
O ihr Götter unsrer Mauren /
O vergeltet diese Taht /
Lasset sie nach eurem Raht
Dieser Welt noch lange tauren /
Biß ihr sie durch freye Wahl
Uberschreibt in eure Zahl.

Nach Endigung dieses Liedes nahmen die drey Sänger Abtrit / und stelleten sich sechs Paduanische Frauen /halb Adel / halb Bürgerstandes / auch drey ädle Jungfern (unter denen ein Frey Fråulein wahr) und so viel Bürgers Töchter an ihre stäte / schlugen einen engen Kreiß umb die auffgerichteten Bilder / und hielten einen zierlichen Tanz; hernach fingen sie mit einander bey dem Lautenspiel dieses Lied mit sehr anmuhtiger Stimme an:


1
Kompt ihr Paduansche Frauen /
Und ihr Fräulein komt herbey /
Daß wir uns zum Lobe zauen,
Derer / die uns wieder frey
Und von neuen Leben machen /
Komt ihr Jungfern / singt zugleich /
Dann die vor den Ehstand wachen /
Sorgen eben wol vor euch.
2
Unser' Ehr und Leben stunden
Schon in frecher Räuber Hand /
Die sich dort zusammen funden;
Ihr Grim / über uns entbrand /
Wahr schon an der Schwerter Spitzen /
An den Spiessen auffgestekt /
Da wir solten Blut nur schwitzen /
Biß wir lägen außgestrekt.
3
Herkules der Uberwinder /
Ladisla / der Sieges Held /
Wolten nicht daß unsre Kinder /
Eltern / Männer / Häuser / Feld /
Gar zu scheitern solten gehen /
Ihr unüberwindlich Schwert
Ließ so schleunig Straffe sehen /
Wie der Bliz vom Himmel fährt.
4
Sie verwehten das Gewitter /
Eh man dessen Wuht empfand /
Eine kleine Hand vol Ritter
Hielt den Fechtern Wiederstand /
Sie bestürmten ihre Gänge /
Sie zubrachen ihren Schluß /
Daß sie lagen nach der länge /
Recht wie Boßheit sterben muß.
5
Schreibet dieses an die Wände /
Schreibet dieses in das Herz /
Herkules Siegreichen Hände
Treiben alles hinterwerz
Was uns suchet zu verhehren /
Ladisla hält unsern Geist /
Daß er noch muß lange wehren /
Und nicht wie der Strohm verscheust.
[175] 6
Nun ihr Helden / last euch preysen /
Wie ihr solches wol verdient /
Euer Lol sol nicht vergreisen /
Weil die hohe Tanne grünt /
Weil die Hirsch' in Auen weiden /
Massen eure Siegeshand /
Hat Raub / Mord / Angst / Noht und Leyden
Von uns allen abgewand.

Nach dem Gesange hielten sie den andern Tanz umb die Bilder / und nahmen mit tieffen Neigungen einen höflichen Abtrit; darauff kahmen allerhand Blase-Trommel und Seitenspiel in grosser Anzahl in dem Kreisse beyeinander / und macheten ein Stük / welches zwar in ungleichem Klange / aber Singe-künstlicher Gleicheit einstimmete / die Pauker hatten wie auch die Blaser und Pfeiffer ihr Zeug so viel möglich /gedämpffet / welches aber doch das Seitenspiel zimlich überschallete / und dannoch nicht unlieblich anzuhören wahr / insonderheit daß die Heerpauker die küstlichen Abteilungen der Schläge / so artig in acht nahmen / uñ nicht allein nach Gelegenheit bald hart bald sanffte / sondern bey den ganzen und halben Schlägen ein zierlich-buntes Gehacke macheten / und hingegen / wann die Trometer züngelten / die Pfeiffer und Seitenspieler auch ihre künstlichen Läuffchen verblümeten / sie sich langsam / als ob sie die Masse hielten / vernehmen liessen. Als dieses eine Stunde gewehret / kahmen drey unterschiedliche Hauffen von zwölff Männern / zwölff Knaben und Mägdlein gleicher Teilung / und zwölff Frauen und Jungfern / auch jedes zur Halbscheid in den Plaz / stelleten sich in die drey Ecken des Kreisses / und in dem alles Spielzeug auff das sanffteste ging / fingen sie ihr Pindarisches Lied an / in welchem der Manneshauffe den ersten Saz also anstimmete:


1
So müssen wir der teuren Helden Preiß
Gebůhrlich und mit vollem Munde singen
Auff auff! und last das Seitenspiel erklingen /
Wer Pauken nach der Kunst zu rühren weiß /
Muß seinen Dank mit geben; blaset frisch
Auff Zinken / auf Posaunen und Schalmeyen /
Das Orgelwerk bestimmet wol und risch /
Trometer auff! mit her an diesen Reihen;
Ihr Sänger ihr / verblümlets krauß und bund /
Ihr Männer komt / last hören Herz und Mund;
Ihr Kinder solt die zarte Stimm' erheben;
Ihr Weiber auch / und reine jungfern Zucht /
Dann eure Ehr stund schon auff Windesflucht /
Daß nur ein Schrit wahr zwischen Tod und Lebẽ.

Diese Außfoderung beantworteten die Knaben und Mägdlein im Gegensatze mit so erbärmlicher und zugleich anmuhtiger bewäglicher Stimme / daß allen zuhörern die Tråhnen auß den Augen hervor drungen /indem sie also sungen:


Herr Herkules / der grosse Sieges Held /

Herr Ladisla der trefftlich' Uberwinder /

Beschützen uns arm' und elende Kinder /

Ihr blankes Schwert besichert Vieh und Feld.

Drum nehmen wir noch füsse Nahrung ein;

Sie haben sich vor diesen Riß gestellet /

Durch welchen wir ermordet solten seyn /


Die freche Schaar ist bloß durch sie gefellet.

O Padua! wo währestu wol iez /

Wann Herkules und Ladislaen Wiz

Das heimliche Gebäu nicht hätte funden?

Du währest schon Asch' und ein Lösche-brand /

Und deine Mark ein durchauß Wůstesland;

Wem sind wir dann als diesen / mehr verbunden?


Den Nachsaz hielten die Frauen und Jungfern / so daß das sanffte Flöht- und Seitẽspiel auff Geigen und Harffen mit einstimmete / wie folget:


Herr Herkules / Herr Ladisla /

Wir Frauenzimmer sind jetzt da /

Eur teurerworbnes Lob nach Mögligkeit zu preisen.

Eur Ehr und Nahme sol alhier

Bey Jung- und Alten für und für

Voll blühen / und zu keiner Zeit vergreisen.

So opfern wir an können-stat

Das wollen / das euch zuerheben


Ihr Helden / diß Geticht

Verschmähet uns doch nicht /

Gönnt uns das freye rühmen;

Ob unser Mund

Es gleich so bund

Nicht kan noch mag verblümen;

[176]

Noch niemahls sich gewegert hat /

Dann ihr seyd unser' Ehr und Leben.


Als dieses ausgesungen / und der Kinder / auch Frauen und Jungfern Tantz gehalten / und zulezt noch ein mahl mit volstimmenden Zeuge auffgespielet wahr /trat ein Redener auff / und meldete den Anwesenden an / was gestalt Römische Käyserl. Hocheit die Auffricht- und Einweihung dieser Bildnissen der Durchll. Herren und unüberwindlichen Ritter / Herrn Herkules und Herrn Ladisla / allergnädigst befohlen und angeordnet hätte; zeigete daneben die ursach an / rühmete die Weißheit / Tapferkeit und freundliche Demuht unserer Helden / wünschete ihnen Glük / Heil / Gesundheit / langes Leben / und ståte Auffnahme jhrer Ehren und Preises / stellete sie zum Vorbilde der Römischen Jugend vor / uñ vermahnete dieselbe zur möglichen Nachfolge. Fr. Sophia und Ursul / mit Frl. Sibyllen /stunden oben auff dem Rahthause / sahen die Auffrichtung der Bilder / und was dabey vorging / alles an / liessen sich auch der Gesånge Abschrifft geben /und brachten sie den unsern hin; welche solches alles mit grosser Ungeduld lasen und erzählen höreten /daß auch Herkules sagte; wann er hätte wissen sollen / daß man ihn solcher gestalt schier zu einem Abgott machen wollen / wolte er nach erhaltenem Siege keinen Tag in Italien blieben seyn; dann wer wolte sich nicht schämen / sagte er / eine solche ganz unverdienete und übermenschliche Ehr anzunehmen / insonderheit / wann sie durch gemeinen Schluß geleistet wird. Aber der Stathalter redete ihm solches auffs beste aus dem Sinne; es könten dankwillige Gemühter ja nicht anders / als ihre Freude wegen geschehener Rettung an den Tag geben / vornemlich / weil sie versichert währen / daß Käyserl. Hocheit daran ein gnädigstes Gefallen tragen wůrde / welche / sagte er /grosse Begierde haben sol / euch gegenwärtig zu sehen / allermeist / weil er vernommen / daß ihr / Herr Herkules / mit ihm fast eines Alters seyd. Unter diesem Gespräch trat ein Diener in den Saal / und meldete an / daß eine grosse Menge Spielleute und Sänger /klein und groß / Mannes und Weibesbilder / umb Erläubniß anhielten / daß sie in den innersten Platz des Hofes möchten gelassen werden / woselbst sie den beyden Helden zu ehren auch wolten hören lassen /wie ihre auffgerichtete Bilder eingeweihet wären. Herkules durffte nicht widersprechen / weil der Stathalter alsbald ja sagete / fürchtete sich auch / es möchte ihm sein Mißfallen ungleich ausgeleget werden / uñ stellete sich mit Ladisla vor ein versperretes Fenster / durch welches sie alles sehen / aber nicht wieder kunten gesehẽ werden; als auch alles in gleicher Art und Stellung / wie vorhin auff dem Marktplatze verrichtet wahr / liessen sie den Spielleuten / deren an der Zahl 80 wahren / 4000 Kronen austeilen / den Frauen /Jungfern / Knaben und Mägdlein aber / wie auch den Månnern / so das singen mit einander verrichteten /ward Seiden Gewand zu Kleidern / und jedem klein und groß durch die Bank hin 50 Kronen dabey gegeben / auch über das dem Frauenzimmer güldene Ringe /jeder 50 Kronen wert. So ließ Ladisla den Spielleuten in ein Wirtshauß zwey Faß Wein bringen / und Mahlzeit anrichten / bekahmen aber des folgenden Morgens die Zeitung / der Wein währe gar zu kräfftig gewesen / welcher die ohndas halbnärrischen Spielleute vollends der Sinne beraubet / daß sie sich wol abgeschmissen / und vor etliche hundert Kronen Spielzeug zuschlagen hätten. Der Christliche Lehrer aber zu Padua / schickete diesen Morgen ein Schreiben an Herkules / in welchem er den XXXIII und XLVI[177] Psalm des Geistreichen Königes David nach Tichterkunst in Griechischer Sprache geschrieben hatte / also auff teutsch lautend:

Der XXXIII Psalm.
1
Ihr Gerechten freuet euch
Uber GOttes hohe Güte /
Preist ihr Frommen ihn zugleich /
Und erhebet eur Gemühte;
Lasset eure Harff' erklingen;
Lasset uns sein Lob besingen.
2
Stimmet stimmet freudig an
Alle zehen Psalter-Seiten /
Lasset uns bey jederman
Singend GOttes Lob ausbreiten /
Machets gut ihm zu gefallen /
Daß die Seiten frisch erschallen.
3
GOttes Wort das treuget nicht /
Amen ist was er verheisset;
Rechte liebt er und Gericht /
Und den der sich deß befleisset;
Seht wie seine Güte quillet /
Die den Erden Kreiß erfüllet.
4
Alles was man Himmel heist /
Ist durch Gottes Wort gemachet /
Und durch seines Mundes Geist
Das Heer das am Himmel wachet /
Das der Welt in diesem Leben
Klarheit muß und Wärme geben,
5
Er hat aller Wasser Macht /
Die wir in den Meeren sehen /
Als in einen Schlauch gebracht /
Daraus sie nicht müssen gehen
Und der Abgrund hohe Tieffen
Sind ungreiflich einbegrieffen.
6
Fürchte Gott du gantze Welt /
Richte hin zu ihm dein Schreyen /
Und was sich auff Erden hält /
Müsse seine Hocheit scheuhen /
Dann sein Wort kan alle Sachen
Durch Gebieten fertig machen.
7
Aller stoltzen Heyden Raht
Stürzet unser Gott in Schanden /
Was das freche Volk vorhat
Ist aus und nicht mehr verhanden /
Aber Gottes Raht muß bleiben
Und sein Vorsatz wol bekleiben.
8
Wol dem Volk und aber wol /
Das in Gott recht kan genesen /
Und sein Eigentuhm seyn sol /
Wie ers ihm hat auserlesen /
So daß er durch Glaubens werben
Sol den Himmels Saal beerben.
9
GOtt besiht von oben her
Aller Menschen Kinder tichten /
Was auff Erden der und der
Sich vermisset auszurichten /
Kan vom Stuel an ihren Werken
Alles böß' und gute merken.
10
Was des Reichs Vermögen schafft
Kan den König nicht vom bösen /
Noch der Glieder starke Krafft
Keinen Riesen nicht erlösen;
Starke Rosse / wie sie springen /
Können doch nicht Hülffe bringen.
11
Sihe GOttes Augeschaut
Hin auff diese die ihn ehren /
Deren Hoffnung auff ihn baut /
Die zu seiner Güte kehren /
Auff daß er dem Tode wehre /
Und in Teurung sie ernehre.
12
Drumb wil unsre Seel an Gott
Fest ohn alles wanken hangen /
Weil von ihm in aller Noht
Wir gewissen Trost erlangen /
Als der unsern Schild sich nennet /
Und uns seine Hülffe gönnet.
13
Unser Herz ist voller Lust /
Weil wir seiner Gunst geniessen /
Und sein Nahm ist uns bewust
Dem wir zu vertrauen wissen.
O laß deine Güt uns offen /
Wie wir HErr Gott auff dich hoffen.
Der XLVI Psalm.
1
GOtt ist unser festes Schloß /
Unser Hülff' und gantze Stärke /
Ob die Noht noch eins so groß
Währ' / als ich sie jetzund merke /
Das sie uns schon troffen hat /
Ist doch unsre Furcht geringe /
Ob die Welt gleich unterginge /
Dann wir wissen Trost und Raht.
[178] 2
Solten auch die Berg' hinein
In der Fluten Abgrund sinken /
Wolte das Meer rasend seyn /
Und von eitel Wellen blinken /
So daß seine Macht und Wuht
Nichts als hohe Bülgen währen /
Tahl und Berge zu verheeren /
Bleibt uns doch der freye Muht.
3
Dann des grossen GOttes Stad
Muß frisch / fest und lustig bleiben /
Und die Brünlein die sie hat /
Immer süsses Wasser treiben /
Da der Heilgen HüttenBau
Des Allmächtigen bestehet /
Welcher nimmer untergehet /
Nimmer schwach wird oder grau.
4
GOtt hat drinnen das Gezelt
Seiner Wohnung auffgeschlagen /
Der sie immerzu erhält /
Drumb bleibt sie ohn Furcht und Zagen /
Dann bey früher Tages Zeit
Wil ihr Gott Heil lassen spüren /
Sie aus Ungewitter führen
Unters Dach der Sicherheit.
5
Heyden müssen Herz und Sinn /
Händ' und Füsse sinken lassen /
Königreiche fallen hin /
Wissen keinen Stand zu fassen /
Ja die gantze weite Welt
Muß in einem Nuh vergehen /
Wann er seinen Zorn läst sehen /
Und gerichtlich Sprache hält.
6
Dieser HErr und starcke Gott
Ein Beherscher der Heerscharen
Trit zu uns her in der Noht /
Jakobs Gott wil uns bewahren.
Komt und schauet wie er fährt /
Der die Erd' erschreklich zwinget /
Und in grosses Schrecken bringet /
Ja das oberst unterst kehrt.
7
Der die Krieger nidersticht /
Und macht Fried an allen Enden /
Der die Bogen gar zubricht /
Daß sie nicht mehr Pfeile senden /
Der des Spiesses Schafft zuschlägt /
Der die grossen Heereswagen /
Wann er sie nicht kan vertragen /
Durchs Feur in die Asche legt.
8
Stille seyd / und denket dran /
Daß ich Gott stark bin von Tahten /
Dann ich wil bey jederman
Meiner Ehr schon selber rahten /
Und auff Erden weit und breit.
Mit uns ist der HErr der Schaaren /
Jakobs Gott wil uns bewahren /
Der uns schützet jeder Zeit.

Herkules lies diese geistreiche Gerichte ihm wol gefallen / lase sie mit sonderlicher Andacht / und unterlies nicht / so offt die Christen zusammen kahmen /sich bey ihnen anzufinden / wie wol in solcher Geheim / daß der Stathalter dessen nicht gewahr ward /welcher doch aus seinen reden wol merkete / daß er dem Christlichen Glauben zugetahn wahr / und sich dessen doch nicht vernehmen lies. Sonsten brachten sie die übrigen Tage biß zu der angesetzeten Hochzeit in allerhand zugelassener Kurzweil zu / und entstund durch die tägliche Beywohnung eine wahre brüderliche Freundschafft zwischen Herkules und Frl. Sibyllen / daß sie nicht wol kunten lange vonander seyn /so daß der Stathalter und Ladisla selbst in den wahn gerieten / sie müsten sich ehelich versprochen haben /welches sie umb so viel mehr gläubeten / weil Herkules einesmahls über Tische sich bey ihr anmeldete /dafern sie willens währe / ihre liebe Eltern schier zubesuchen / wolte er sie nach Rom begeiten / dessen sie dann wol zufrieden wahr. Inzwischen quälete sich Frl. Helena mit ihrem heimlichen liebes Leyden / das ihr Fleisch und Farbe entging / worzu der Eyver wieder Frl. Sibyllen nicht wenig halff / und ob sie gleich durch mannichen tieffen Seuffzer gnug zuerkennen gab / wie unruhig ihre Geister wahren / wolte sie doch dessen nicht daß allergeringste gegen einigen Menschen gestehen / sondern wendete allemahl ein / es läge ihr der eingeno ene Schimpff von Avonius Schwester so hefftig an / daß sie eine stetswehrende Unruhe in ihrem Herzen [179] empfünde / welche ihr ohn zweiffel in kurzem den Lebensfadem brechen würde. Fr. Sophia fragete sie / wodurch sie dann meynete /daß ihre Seele in Ruhe könte gesetzet werden; worauff sie antwortete: Durch süsse Vergnügung / oder durch den Tod. Sehet so / mein Schwesterchen / gab sie zur wiederantwort; also habt ihr freilich ein ander heimliches Leyden als daß aus Beschimpffung entstehet / massen dieses nicht durch süsse Vergnůgung /sondern durch andere Mittel müste vertrieben werden. Jene hatte sich verhauen / und sagte: Man müste einem geängsteten Herzen nicht verůbeln / wann es zu zeiten ungereimete reden führete / und währe ihr nichts angenehmer / als daß man Sie über ihr Anliegen nicht zu scharff befragete / insonderheit / wann man nicht wolte oder nicht könte raht und Enderung schaffen. So muß ich mich dann nach eurem Willen richten / sagte Fr. Sophia / wann ihr mich aber in dem Verdacht habet / daß ich zu eurem besten mich nicht wolle gebrauchen lassen / tuht ihr mir daß grösseste Unrecht von der Welt / welches ich doch auff den unverhoffeten Fall gerne verschmerzen / und nicht destoweniger eure geträueste Freundin und Schwester seyn und bleiben wil; womit sie zu diesemmahle beschlossen / weil Fr. Ursul zu ihnen trat / und anmeldete /daß der morgende Tag zur Lustfahrt berahmet währe; welches Frl. Helena beantwortete; so můsten nur die Lust-vollen ihre Geselschaft vermehren uñ die Angst-traurigen daheim bleiben; wie man sie auch darzu nicht vermögẽ kunte / daß sie mit gefahren währe; Und wann Herkules abscheid (davon im anderen Buche) sich nicht hätte zugetragen / würde sie ausser allem zweiffel ihr Leben eingebüsset haben.

Es wird nunmehr Zeit seyn / daß wir dem Alten Wenzesla dereins nachfragen / wie es ihm auff der Rükreise von Rom nach Prag ergangen / auff welcher er XV wochen zu brachte; eilete zwar anfangs / so viel sein Pferd ertragen kunte / aber da er in einem Dorffe nicht weit von Salzburg benachtete / und nach dem Heu auff einer alten Leiter stiege / fiel er oben herunter / und taht einen so schweren Fall auff das Hinterhäupt / daß er als ein Todter Mensch liegen blieb / ward doch von den frommen Leuthen endlich wieder erquicket / aber er lag als ein Vernunfft-loser /und kunte sich durchaus nicht begreiffen / so gar / daß er zehn Wochen ohn Verstand wahr / hätte auch in solchem Elende sterben müssen / wann ihm nicht von einem alten Weibe Raht geschaffet wåhre / welche ihn mit Kräutern auß- und inwendig heilete / daß er algemach wieder zu sich selber kam / und seinen Wirt vor rasend hielt / wie derselbe jhm die lange Zeit seiner Schwacheit zu wissen taht; dessen der gute Mann lachete / und ihm zum unfehlbaren Zeichen gab / er möchte nur sein Haar / Bart und Nägel an Händen und Füssen beobachten / die würden ihm ansagen /wie neulich ohngefehr er sich hätte putzen lassen. Er hermete sich hierüber gewaltig / meynete vor gewiß /sein König würde zu Prag schon gekrönet seyn / und wolte sich alsbald auff den Weg machen / aber auff Raht seiner Artztin muste er noch acht Tage außhalten. Nun hatte ihm sein Wirt alle Sachen fleissig verwahret / ohn daß er sein Pferd im Pfluge und vor dem Wagen gebraucht / daß es nunmehr besser zum zihen als reiten wahr; welches er aber nicht achtete / sondern weil er ZehrGelder gnug bey sich hatte / machte er alles richtig / und kam XV Wochen nach seinem Abzuge aus Rom im Königreich Böhmen wieder an /da er allenthalben nach seines Königes Wiederkunfft fragete / und mit Schmerzen vernam / daß kein Mensch die allergeringste Zeitung von ihm wüste; worüber er desto hefftiger nach Prag [180] eilete / wahr auch der Königin sehr angenehm / da er sich bey jhr angeben ließ / so daß sie ihn straks angesichts anredete: Wie mein guter Wenzesla? was bringet ihr mir vor Zeitung von meinem Sohn eurem Könige? die übrigen Ausreiter sind schon vorlängst mit keiner Antwort wieder kommen / und hat meine Hofnung sich einzig und allein auf euch gegründet; so saget mir nur bald /ob ich noch eines Sohnes Mutter bin. Ich weiß nicht anders / sagte er; dann wie ich meinen Gn. Herrn leztmahl gesprochen / wahr er frisch und gesund. Ey so sey den Göttern dank / antwortete sie; aber warumb bringet ihr jhn nicht mit euch? Dieser wuste nicht / was er vor erst anzeigen solte / weil sein Häupt ohn das noch nicht allerdinge richtig wahr / sagete endlich: Eure Hocheit wollen mir gnädigst verzeihen /wann derselben wegen ausgestandener langwierigen Krankheit und Håuptes Verwirrung / ich alles der gebühr nicht vortragen kan; ich bin vor XV Wochen bey meinem Gn. Herrn Ladisla zu Rom gewesen / habe auch fleissig bey jhm geworben / mit überzukommen /aber solches keinerley weise erhalten / ja nicht eins erfahren können / ob er willens währe zu folgen oder nicht; aber so viel merkete ich an beyden / daß sie eilfertig wahren zu einer Reise / wohin / kan ich gar nicht wissen / nur daß ich nach wiedererlangeter Gesundheit die Hoffnung fassete / mein Gn. Herr würde vorlångst sich schon eingestellet haben. Wie seyd jhr närrisch Wenzesla? fragete die Königin; ihr schwätzet mir ja Sachen vor / die weder gehauen noch gestochen sind. Ja was sol ich anders melden / antwortete er /weil ich selber nichts gewisses weiß / als daß seine Ankunfft gar ungewiß ist. Wisset jhr mir dann keinen bessern Trost zu geben / als diesen / sagete sie / so habe ich an euch den rechten abgefärtiget. Ach / gnädigste Königin / antwortete er / die Götter sind meine Zeugen / daß aus seinem Munde ich keine andere Antwort bringen mögen / als daß Eure Hocheit mit jhm und mit mir wol friedlich seyn würde / so bald sie nur seine Schreiben würde gelesen haben. Nun sehe ich eigen / sagte sie / daß euer Witz zurük blieben sey /dann ihr saget mir von Briefe-lesen / und habt mir noch keinen gezeiget. Er schämete sich dessen sehr /baht umb Verzeihung / und gab ihr beyde Schreiben gebührlich ein / deren grösseren sie alsbald öffnete /und ihn mit fleiß durchlase / aber der Inhalt wahr ihr allerdinge zuwider / wie höchlich sie gleich seiner Gesundheit sich erfreuete. Frl. Valißka kam gleich von der Jagt zu hause / da ihre Fr. Mutter dem Briefe nachsinnete; Als sie nun den alten Wenzesla neben ihr stehen / und das Schreiben in ihren Händen sahe /fragete sie ihn alsbald / ob er ihren lieben Bruder angetroffen håtte; da die Mutter ihr zur Antwort gab: Er hätte ihn zwar gefunden / brächte aber nichts als lauter ungewisses von ihm. Das kan nicht wol seyn / antwortete sie; ob gleich seine Ankunfft mag ungewisse seyn / dessen ursach ohn zweifel seines Herkules Verlust seyn wird. Den hat er schon wieder funden / antwortete die Königin / welches ich vorhin aus meines Bruders Schreiben wol habe muhtmassen können /wann er nur auch sein Königreich wieder finden könte. Wie dann mein guter Wenzesla / sagte das Fräulein / wisset ihr uns dann nicht zu berichten / wie es eigentlich umb meinen Herr Bruder beschaffen sey? Dieser gab zur antwort: Er währe nach seinem Abscheide von Rom in eine Häuptverstörung gerahten / erzählete auch solchen Unfal gar umständlich / und sagete hernach; der Königin starkes nachfragen hätte ihn so verwirret gemacht / weil er den Schaden noch nit allerdinge überwunden hätte / wann ihm aber etwa ein halb stündichen Bedenkzeit gegönnet würde /wolte er [181] sich wol wieder erhohlen. Das Fräulein hatte / weiß nit was vor Hoffnung guter Zeitung von ihrem Herkules / daher sie zu ihm sagete: Ey so gehet mit mir auff mein Gemach / und erhohlet daselbst eure verstörete Gedanken; ging mit ihm hin / uñ wie sie allein wahren / fragete sie / wie es dann eigentlich umb ihres Bruders Wolergehen beschaffen währe. Er aber antwortete; Durchleuchtigstes Fräulein / ich bitte untertähnigst mir etwas Bedenkzeit zu gönnen; nam hiermit Herkules Schreiben hervor / und lieferte es mit diesen Worten ein: An Ihre Durchl. habe ich nicht allein von ihrem Herr Bruder / sondern auch von dem tapfersten und schönsten Fürsten der Welt / Herrn Herkules / einen brüderlichen Gruß anzumelden / und von diesem zugleich ein sehr geheimes Schreiben /welches Ihrer Gn. in höchster geheim einzuliefern ich befehlichet bin / nebest Anzeigung / Ihre Gn. würde /ungemeldet / daß sie dieses Schreiben beko en / den Inhalt bey ihrer Fr. Mutter wol verrichtẽ. Es ist mir sehr lieb / sagte sie / daß ich solches allen unwissend empfangen / dann ich kan ohn das schon errahten /was der Inhalt seyn wird / welches zwar nicht heimlich ist / oder ichtwas sonderliches auff sich hat / nur daß es gleichwol von keinem als von mir kan verrichtet werden / und dannoch meine Fr. Mutter nicht wissen darff / daß ichs auff sein Vorwissen treibe; steckete hiemit das Briefelein in ihren Busem / und fragete weiter / ob er ihrem Oheim auch das übergeschikte Armband eingeliefert / und das abgenommene Bändichen gefodert hätte. Er aber antwortete: das Schreiben würde vielleicht anzeigen / daß es von jhm fleissig verrichtet wåhre / und hätte Herr Herkules ihm dieses Ringelein hinwieder zugestellet / Ihrer Durchl. seinetwegen es einzuhändigen / aber das Bändichen nicht von sich geben wollen / vorwendend / er wäre willens sein versprechen zu halten / und Ihrer Gn. es selbsten wieder einzuliefern. Sie nam den Ring mit grosser Herzensbewägung zu sich / und sagete zu ihm: Verunruhet euch weiter nicht in euren Gedanken / damit ihr die Erzählung eures Verrichtens bey meiner Fr. Mutter gebůhrlich leisten möget / ich wil inzwischen in mein Nebenkämmerlein treten / und des Briefes Inhalt durchsehen; Denselben fand sie nun dieser gestalt:Durchleuchtigstes Fräulein / die gröste Pein meines bißher außgestandenen Unglüks ist das langwierige Abwesen von der vergnůglichẽ Gegenwart eurer untadelhaftẽ Volkommenheit / welche je länger je mehr sich in meine Sinnen einwickelt / und ohn durch den Tod nicht verjaget werden kan. O wolte Gott / daß meine Frl. Schwester ihres ergebenen Knechtes auch zuzeiten eingedenk währe / dessen / der nunmehr anderthalb Jahr sich als ein verkauffter Leibeigener hat müssen zu Rom drücken und schmiegen / nur daß er des prügelns und anderer Straffen möchte enthoben seyn / und dannoch in dieser schweren Dienstbarkeit etwas funden hat / welches ihm lieber als Eltern und alle Welt ist / nehmlich die Erkäntniß des einigen wahren Gottes / die nach diesem sterblichen Leben uns allein allein zur himlischen Seligkeit bringen kan. Also ist meine geistliche Liebe zu Rom / meine leib liche zu Prag unverrücket gewesen / und kan jene nunmehr allenthalben frey / diese aber nur auff dem Königlichen Böhmischen Schlosse seyn / als lange jhre Liebe solches nicht verlässet; verlässet sie es aber / so wird meine Seele folgen / und verlässet sie es umb Liebe willen zu einem andern / werde ich dannoch nicht zurük bleiben / sondern zum wenigsten dem Geliebeten mißgönnen / daß er den unvergleichlichen Schatz erlanget /welcher meiner Seele so gar eingebildet / und in das innerste meines Herzen gegraben ist. Verzeihet eurem unwirdigsten Knechte / mein Fräulein / daß er als gewesener Sklave eines Sklaven der Untugend / noch hoffen darff /was ihm kindliche Kühnheit einbilden dürffen / uñ versichert euch daneben / daß er der Welt und allen Fürstlichen Gedanken anderthalb Jahr abgestorben / bloß ihretwegen solche wieder annimpt / sonst / da ihre Vortrefligkeit nicht währe / er kein Fürstliches [182] Blutströpflein behalten würde / welches er dann inkünfftig noch alles aufzuschütten / gänzlich bedacht ist so bald ihm die Zeitung kommen solte / daß er sey außgetahn bey derselben / die er weit über sich selbst liebet / und vor allen jrdischen Menschen der Welt erhebet. Es erhält jhn aber bißher noch / ihre ihm bekante auffrichtige Tugend und Redligkeit / welches umb ein grosses vermehret hat der übergeschikte Gruß und das höchstangenehme Armband / welches von seinem Arme nicht kommen wird / es sey dann / daß er noch weitere und festere Versicherung habe dessen das da hoffet und inniglich wünschet / Ihrer unvergleichlichen Volkommenheit untergebenster Knecht /bißher Oedemeier / jetzt wieder genant Herkules. Geschrieben aus Rom am XXII Tage des Jenners / im Jahr nach meines Heylandes Geburt CCXXVI.

Das verliebete Fråulein ward ůberauß hoch erfreuet / da sie dieser Bestendigkeit innen ward / vermerkete aber doch zugleich zweyerley; als daß vor erst er diese Zeit über in schlimmer Dienstbarkeit müste zugebracht haben / welches ihre Seele zum trähnenden Mitleyden bewägete; hernach / daß er gleichwol ein sehr angenehmes Laabsal in diesem Unglük / in Erkäntnis Gottes bestehend / funden / worüber sie sich herzlich erfreuete; dann ob zwar sein Herr Vater ihrer Fr. Mutter hatte zugeschrieben / wie sein Sohn Herkules nicht allein seine alten Götter schändete / sondern einen neuen gekreuzigten angenommen / und in eine abscheuhliche Geselschafft / die Christen genennet /sich begeben / welche aller Keuscheit und Tugend abgesagete Feinde / in heimlichen Sünden uñ Schanden sich wälzeten / und daher von der Obrigkeit allenthalben durchåchtet und gestraffet würden / kunte doch weder sie noch ihre Fr. Mutter ein solches dem züchtigen fro en Herkules zutrauẽ / insonderheit / weil nur die Teutschen Pfaffen solches ohn Grund redeten /die in dergleichen Sachen sich ohn daß wieder andere Götter gerne gebrauchen liessen / daß sie die ihren desto höher erheben / und sich selbst dadurch ein Ansehen machen möchten; doch dachte sie dißmahl diesem lezten gar wenig nach / sondern trug sehnliches Verlangen / des widrigen außgestandenen Unglüks Wissenschafft zuhaben / ging demnach wieder hin zu Wenzesla / der sich unterdessen fein bedacht hatte /wie er alles ordentlich vorbringen wolte / welches er ihr rühmete / und nach der Königin mitzugehen anhielt; sie aber zuvor von ihm zu wissen begehrete / ob ihm Herkules Begebnissen / in was Stande er bißher gelebet / nicht bewust wåren; welches er ihr alles anmeldete / wie er von Pannonischen Räubern im Bömischen Walde weggeführet / durch andere Römische denen abgenommen / und nach Rom gebracht / woselbst er einem Geizigen Herren / vor Leibeigen verkaufft worden / dem er die Pferde putzen und abrichten / auch andere schwere Arbeit über sich nehmen můssen / und dannoch davon frey zu werden nicht begehret / weil er sich in eine neue Lehre verliebet gehabt / davon er weder mit güte noch bedräuung des allerschåndlichsten Todes könte abgebracht werden /sondern hielte sich noch vor glükselig / wann er umb solcher Lehre willen sein Blut zuvergiessen solte gewirdiget seyn; wie ich dann / sagete er / solche Leute auff meiner hinreise in Italien selbst gesehen / welche sich lieber lebendig auffs Feur setzen liessen / als dz sie den Römischen Göttern ein wenig Weir auch hätten auff die Kohlen streuen wollen. Das übrige wuste er nun aus Ladisla Munde zuerzählen / der ihm solches alles umbständlich kundgetahn / auch wie er nach fleissiger Nachforschung / seiner Leibeigenschafft endlich währe inne worden / und ihn wieder loßgemacht. Sie fragete / ob dann ihr Herr Bruder nicht allezeit bey Herkules zu Rom gewesen? Nein sagte er; er hat sich / weiß nicht wo / in [183] Kriegsdiensten auffgehalten / da er vermeynet / seinem Herkules am besten nachfragen zu können / auch daselbst endlich so viel außgekundschaffet / daß er seines zustandes berichtet worden / selbst nach ihm gereiset / und durch seines Feldherren Vorschrifft ihn loßgemacht hätte. Ey / antwortete sie / so werden sie noch wol an ihr Vaterland gedenken / und zu rechter Zeit sich einstellen; aber wir wollen nach meiner Fr. Mutter kehren / und meines Herren Bruders Erklärung vernehmen. Diese aber saß in schweren Gedanken / überlegte den gelesenen grösseren Brieff auffs genaueste / biß sie endlich an den andern auch gedachte / welchen sie eben durchsahe / als das Fräulein wieder zu ihr kam /und diesen Inhalt lase:Gnädigste Fr. Mutter und Königin; daß mir eine lautere unmögligkeit sey / die schwere Last der Kron und Herschafft in dieser meiner Jugend über mich zu nehmen / ehe und bevor ich ein Königreich zuverwalten gelernet / welches aber nicht hinter dem Ofen / sondern durch Erfahrung muß gefasset werden /hat mein grösseres Schreiben gemeldet; wann dann solche Schuelen zimliche Kosten erfodern / zweifelt mir nicht / sie werde aus můtterlicher Bewägung gegen meinen Herkules und mich / hierzu gerne Raht schaffen /daß aus meinem ErbReiche ich ohn sonderliche Beschwerung der Untertahnen / nöhtige LebensMittel haben möge; wie viel oder wenig / stelle ihrer mütterlichen Anlage ich anheim / als welche meinen Stand wol beobachten / und mich nicht schimpfflich stecken lassen wird. Wir werden ehist auffbrechen / unsere Reise vorzunehmen / und zu Padua uns umb ein Schiff bemühen /woselbst / die nach Rom an Herren Sabinus / bey Janus Kirche wohnend uns etwa Schreiben oder Wechsel überbringen würden / unter dem Tohre nachfragen können /ob wir vielleicht unsern Verwalter daselbst bestellẽ möchten / daß nicht nöhtig währe nach Rom zuzihen. Verlasse mich hierzu Kindlich / und nach vermeldung eines herzlich gemeyneten Grusses an meine Fr. Mutter und Frl. Schwester von meinem Herkules und mir / empfehle ich sie der geträuen Obacht aller frommen gütigen Götter /verbleibend / weil ich Lebe / meiner herzgeliebten Fr. Mutter und Königin gehorsamster Sohn Ladisla / bißher Winnibald geheissen.

Als sie den Brieff verlesen hatten / hielt ihr das Fräulein ihren Goldfinger zu / und sagete: Sehet gnädige Fr. Mutter / wie ein artiges Ringelein hat mein Oheim und Bruder Fürst Herkules mir zugeschicket; ja liebes Kind / antwortete sie / er schenket dir einen Ring / und raubet dir deinen einzigen Bruder. Ich wil dem nicht wiedersprechen / gab sie zur wiederantwort; dann kunte Ladisla in der Kindheit seine Eltern hindan setzen / nur daß er seinen Herkules haben möchte / wird er nach befestigter Freundschafft schwerlich von ihm abzubringen seyn. Was abzubringen / sagte die Königin / sie möchten immerhin beysammen seyn / wann nun Herkules ihn nicht in die weit abgelegenen Länder / umb Ritterschafft zu üben /verlockert / sondern mit ihm sich hieher machete /damit wir nicht zuklagen hätten / daß er unsers Wåysentuhms Ursach währe. Aber Wenzesla / habt ihr euer Gehirn schier wieder gesamlet / daß euch entflossen wahr? Ja / allergnädigste Königin / antwortete er / ich weis iezt wiederumb / daß ich zu Prag auff dem Schlosse bin / und werde doch von neuen wieder wankelmühtig und irre gemacht / in dem eure Hocheit ich ůber Fürst Herkules klagen höre / und gleichwol nimmermehr nicht gläuben kan / daß die ůbergebrachten Schreiben solches verursachen solten / angesehen ich mit meinen Ohren gehöret / wie herzlich er meinen Gn. Herrn anmahnete / sich auff den Weg zumachen /und sein Königreich anzutreten / dessen Antwort aber wegen Schwacheit seiner Sprache ich nicht vernehmen kunte / dann er lag damahls noch an seinen Wunden hart danieder; Ja ich habe des Fürsten freywilliges Erbieten lauschend gehöret / daß er mit ihm ziehen /und eine zeitlang sich [184] bey ihm zu Prag auffhalten wolte. Die Königin kunte ihm långer nicht zuhören /sondern fiel ihm also ein: Was saget ihr mir von Wunden? Ist dann mein Sohn verwundet gewesen? Ja freylich / antwortete er / und zwar so hart / daß wir ihn schon vor todt handelten. Und sein Herkules kunte zugeben / sagte die Königin / daß er solcher gestalt verwundet würde? O der geträue Herkules / antwortete er; Hätte sein unvergleichlicher Muht nicht getahn / würden wir keinen lebendigen König haben /wiewol er auch XXIV / aber nicht so gefährliche Wunden bekam. Erzählete hierauff von anfange / wie er sie ohngefehr auff der Gassen angetroffen / das Pferd verlohren / und sie nachgehends von den Dieben im Hause überfallen währen / so daß er dessen nichts vorbey ging / was Zeit seiner Anwesenheit sich zu Rom zugetragen hatte. Nach Endigung seines vorbringens sagete das Fräulein lächelnd zu jhm: Als viel ich aus eurer Erzåhlung vernehme / habt ihr meinen Herren Brüdern im Gefechte wider die gottlosen Diebe tapfern Beystand geleistet. Was solte ich geleistet haben / antwortete er / mit lachendem Munde; Mein stumpffes Schwert galt an dem Orte nichts / so würden die tapffersten Helden der Welt meine Hülffe nicht haben angeno en; ja mich zubeschůtzen / hätten sie nicht lassen würden; und hatte endlich meine Gnädigste Königin mich nicht außgesand zu fechten /sondern ihrem Herr Sohn nachzufragen / daß also Euer Gn. ich vier Entschuldigungen vor eine anmelden kan / da ich noch die fünffte uñ wichtigste verschweige. Die wolte ich leicht errahten / sagte das Fräulein / wann ihrs von mir begehretet. Nimmermehr / antwortete er / reichen Euer Gn. Gedanken so weit. So weit? sagte sie; gilt Wenzesla / ihr habt euch euer Haut gefürchtet. Nein / antwortete er / Eure Gn. schiessen zwar sehr nahe / aber sie treffen das Ziel nicht; ich furchte noch mehr meines Fleisches und meiner Knochen / als der Haut. Dessen die Königin samt dem Fräulein hefftig lachen musten. Diese nun kunte nicht länger harren / ihrer vertraueten Leibjungfer Libussen solche fröliche Zeitung mitzuteilen / foderte dieselbe nach ihrem absonderlichen Gemache /fiel ihr frölich umb den Halß / und sagte zu ihr: Herzliebes Kind / was habe ich hinte diese Nacht einen ůberaus erfreulichen Traum gehabt / welchen ich dir nicht muchte nüchtern ansagen. Ja / ja / antwortete sie; gilt Gnädigstes Fräulein / wo nicht der alte Wenzesla / welchen ich gleich jetzt gesehen / solchen Traum mit sich als eine sicher warheit hergebracht hat. Du hasts recht errahten / sagte sie / und höre; Mein Herkules / mein allerschönster Herkules lebet noch / und bleibet in meiner Liebe fest und beständig. Die Jungfer zohe jhrer Art nach / sie auff jhre Schoß /herzete und drückete sie / und antwortete: Mein herzallerliebstes Fräulein / wird Ihre Gn. mir dann nun schier danken / daß ich sie von dem hartnäckigten Vornehmen zu sterben / abgehalten / und ihren steiffen Unsin nach Mögligkeit gebrochen habe? sehet /sehet / bitte ich / was Eure Gn. diesem ihren ergebenen Fürsten vor ein Herzleid wůrde gemacht haben /wann sie in ihrer Meynung fort gefahren währe; hätte ers auch erdulden können / wann er vernommen / daß umb seinet willen die unvergleichliche Valißka ihr den Tod angetahn? Schweige mit deiner unvergleichlichen / sagte das Fräulein / sie sanffte auff die Backen schlagend / du weist / wie abhold ich diesem Nahmen und deiner Schmeicheley bin. Das gewähnet Ihre Gn. mir nimmermehr ab / antwortete sie / biß dieselbe mir zuvor ihres gleichen zeigen wird; daß ich mich aber der Schmeicheley muß beschuldigen lassen / solches geschihet wider Euer Gn. Wissen und [185] Gewissen; dann Schmeichler und Fuchsschwäntzer sind keinem Menschen träue / sagen auch niemand unter Augen / was sie meynen unangenehm zu seyn; Ob nun mit Euer Gn. ichs bißher auch also gehalten habe /werden sie am besten wissen. O wie viel sind wol meines gleichen zu finden / sagte das Fräulein / ob ich sie dir gleich nicht zunennen weiß; und höre nur einen; übergehet mein Herkules / der volkommene Herkules mich nicht in allen Stücken? Ich vermische Eure Gn. mit Fürst Herkules nicht / antwortete jene: Er ist der unvergleichliche / und sie die unvergleichliche / die sich / O des Glüks! mit einander auffs allerähnlichste vergleichen werden. Und O daß der unvergleichliche jetzt an meiner Stelle sitzen / und die unvergleichliche solcher gestalt / wie ich / auff seiner Schoß erst halten möchte / oder daß zum wenigsten er nur Euer Gn. erwachsener Manbarkeit solte berichtet seyn / alsdann würde ohn zweifel er nicht lange seumen / dieselbe zubesuchen. Er wird schon zu rechter Zeit kommen / da er leben sol / sagte sie / und da ihm dieses solte geraubet werden / wil ich meiner einmahl gefasseten Beståndigkeit nach / ihm im Tode folgen; aber mein Kind / sihe / das ist (auff den Ring zeigend) die Gedächtniß meines Herkules / und dieses (ihr den Brieffreichend) die Versicherung seiner beständigen Liebe. Libussa lase jhn alsbald durch / und sagte: betrachtet nun / Gn. Fräulein / wie hoch jhr euch an eurem ergebenen Schatze vergriffen / indem jhr wegen seines Nicht-schreibens / seine Träue und Beständigkeit in zweiffel gezogen / und tuht dessen alsbald gebührliche abbitte / welche an seine stat ich annehmen / und weil ich seinen Sinn wol weiß (dann ich habe auch ein Schreiben von ihm empfangen) Euer Gn. die von ihm bestimmete Busse aufflegen wil. Das Fråulein meynete nicht anders / sie hätte wahr geredet /und fing an gantz inniglich zu begehren / daß ihr das Schreiben gezeiget / oder zum wenigsten nur der Inhalt gesaget würde; Aber Libussa saß und lachete der Liebe Leichtgläubigkeit / zohe sie auch noch besser auff / und gab vor / Herkules begehrete von ihr / sie möchte unvermerkt befodern / daß ihm das Fräulein mutter-nacket abgemahlet überschicket würde; wodurch sie sich etwas beleidiget befand / daher Libussa jhr diesen Irtuhm bald wieder benam / und daß alles ihr ertichteter Schertz wåhre; Herkules Zucht währe jhr ja bekant / welche sie nicht in zweifel zihen würde; Aber / sagte sie / wolte oder könte Ihre Gn. ihm nicht gönnen / euer nacketes Bildniß zusehen / da sie ihn doch nicht allein nacket beschauet / sondern des schändlichen Pannoniers Blut von seinem blossen Leibe abwaschen helffen? Solches geschahe / antwortete sie / aus kindlicher Einfalt uñ schwesterlicher Liebe / weil ichs vor sein selbst eigen Blut hielt / und die vermeynete Wunde suchete. Meynestu Nårrin aber wol / daß ich mich einem schlimmen Mahler würde nacket vorstellen / mich abzubilden. Ich kan die Kunst selber / sagte Libussa / drum komme Eure Gn. mit mir / so wil ich den Pinsel alsbald ansetzen. Halt ein mit deiner Thorheit / antwortete sie / und wiltu ein abgemahletes Weibesbild haben / so laß dich abschildern / und öffentlich aushängen / ob einer währe dem du gefallen köntest; Höre aber liebes Kind / ich wil nun meine Klage- und Traurlieder alle mit einanderverbrennen / und nach diesem der Hofnung und Beständigkeit Gesänge tichten / wañ ich nur bald Gelegenheit hätte / ihm sein Schreiben zu beantworten. Es wahr dieses Fräulein vor ohngefehr einem ViertelJahre in das sechszehende Jahr jhres Alters getreten /aber schon so manbar / daß man sie vor siebenzehnjährig schåtzete; ihrem großmůhtigen Hertzen und geschiklicher Vernunfft taht kein [186] ander ich was bevor /daß jederman sie vor ein Wunder der Welt / uñ volkommenes Meisterstück des Himmels hielt / ward auch nach jhres Herrn Vaters Hintrit nicht viel minder von den Landständen / als eine herschende Königin geehret. Der Himmel hatte sie mit einer überschwenglichen Schönheit begabet / daß wer sie sahe / sich an jhr vergaffete / als an dem volkommensten Kunstwerk dieser Irdischeit. Von Art und angebohrner Eigenschaft wahr sie frisch und ohn Schwermühtigkeit /aber sider Herkules Entführung ganz umgekehret /daß man sie immerzu traurig sahe / und zu keiner frölichen Geselschafft bringen kunte. Ihre einige Vergnügung wahr Jungfer Libussa / welche jhr Herz in Händen hatte / uñ aller ihrer Heimligkeit Wissenschafft trug / so gar / daß das Fräulein die allerinnersten Gedanken ihr nicht verbergen kunte / und währe diese nicht gewesen / würde sie ohn Zweiffel drauff gangen seyn. Ihrer Fr. Mutter zu gefallen / muste sie bißweilen sich frölich erzeigẽ / aber so gezwungen ding es wahr / so selten geschahe es auch / da dañ die Trauertråhnen sich gemeiniglich mit einmischeten / dessen zwar die Mutter offt wahr nam / aber deren eigene Ursach aus ihr nicht bringen kunte / sondern da wante sie anfangs ihres lieben Bruders Abwesenheit / nachgehends auch des Vaters elenden fall und Untergang ein; Ja / wann sie ihre Mutter traurig und betrübt sahe / wuste sie solches als eine quelle ihrer Trähnen anzugeben / weil ihre Schwermuht nicht abe- sondern biß an Wenzesla Ankunfft täglich zunam / welche sie zuzeiten durch Tichtung allerhand Klage Lieder suchte zuvertreiben / und wahr doch nicht anders als wann man Oel ins Feur schüttet. Ausser diesem einigen Verlust ihres liebesten Herkules / wahr nicht leicht etwas / welches sie zur sonderlichen Gemühtesbewägung håtte antreiben können / dann ihr Herz wahr so frisch / ihre Seele so gar ohn Furcht / ihre Geister so munter und zageloß / dz schon in der Kindheit bey eiteler Nacht ohn alle Geselschafft sie von einem Gemache auff das ander ging / und dieselben verlachete /welche vor Gespensten sich so hart fürchteten; dann ob sie wol zugab / daß solche gefunden würden / und zu Nachtzeiten ihr Wesen und Gepölter trieben /můste doch ein Mensch sich vielmehr auff der Götter Schutz und sein gutes Gewissen verlassen / als dergleichen Begebnissen fürchten. Sie wahr so großmühtig / daß sie offt sich verlauten ließ / wann sie dereins eines herschenden Fürsten Gemahl werden solte /wolte sie nit zugeben / daß die Töchter nur bloß zur Hausarbeit gewåhnet würden / sondern anordnen /daß sie täglich etliche Stunden sich im schiessen /werffen und andern Waffen ůbeten / daß in zeit der Noht sie sich nicht in Kellern verstecketen / sondern dem Vaterlande zu hülffe kåmen / und ihre Ehemånner nicht im stiche liessen. Weher aber kunte ihr niemand tuhn / als wann man ihr in diesem das Wiederspiel hielt / und weibliches Geschlechts Untůchtigkeit einwendete / dessen ausser ihren Eltern sich keiner durffte unterstehen. Ihres Leibes beschaffenheit betreffend / hat wol kein Mensch ein volkommener Liebreitzungs-Bilde in dieser Welt gesehen; an ihrem gantzen Leibe wahr nicht ein ungestaltes Flecklein /die Gliedmassen zart und gelenke / die Haut Milchweiß / das Fleisch weich aber nicht welk oder hangend / die Knochen klein aber fest / und jhre Sehnadern so stark und rege / daß sie im vierzehnden Jahr jhres Alters den arbeitsamsten Mägden den Arm mit einer Hand so fest halten kunte / daß jhnen unmöglich wahr / denselben ohn jhre willige Erlassung loßzureissen. In jhrer zarten Jugend wolte man sie in weiblichen Künsten / als nähen / stricken / Klöppeln / Goldspinnen und dergleichẽ [187] unterrichten / aber sie verachtete solches / vorgebend / es währe Mägde Arbeit / die sich damit ernehren müsten; ging viel lieber nach der Schule / dann ihr Herr Vater hielt ihr einẽ gelehrten Römer zum Lehrmeister; doch da sie etwas älter ward / sahe sie bißweilen den Kunstlerinnen zu / die mit der Nadel und zarter Seide das zierliche Mahlwerk nicht allein nachmacheten / sondern wol übertraffen /nam auch wol das Werk selbst zur hand / und nach kurtzer Unterweisung gab sie den Meisterinnen nichts bevor. Die Lateinische und Griechische Sprache fassete sie sehr wol / daß im dreyzehnden Jahre ihres Alters sie den Römischẽ Livius und Griechischen Herodotus fertig lesen und verstehen / auch ohn Hülffe einiges Wort-Buches auslegen / die Griechischẽ Geschichte Lateinisch / diese hinwieder Griechisch / und beydes auff gut Teutsch und Böhmisch erzählen kunte / welches in ihrem folgenden Unglük ihr bester behelff und Vortel wahr. Ihre beyden Leib Jungfern Libussen und Brelen führete sie zur Lust mit an / daß sie solche beyde Sprachen lernen musten. Ovidius Schrifften rühmete sie wegen des anmuhtigen sehr artigen Lateins und fliessender Tichter Kunst / aber weil er zu unzüchtig von Göttern und Menschen schrieb / meidete sie alle seine verdächtige Bücher; über Horatius Flackus kurzgezwungener Art verwunderte sie sich / und lase seine Oden- oder Lieder-bücher gerne / aber Virgilius Maro / sagte sie / ist der Lateinischen Tichter Adler / dem der Griechen Ruhm Homerus es lange noch nicht gleich tuht / dann er ist gar zu lůgenreich / und weiß ihm die Farbe nicht so wol als jener anzustreichen / hat auch den Göttern gar zu ungereimete Sachen zugelegt / als ob dieselben umb der Menschen willen unter sich Krieg und Streitigkeiten anfingen / und Gottloser meinäidiger Leute Bübereyen verfechten wolten; sonsten hielt sie die Geschichte von der Griechischẽ Helenen Entführung /von Alexander Pariß geschehen / vor ein Getichte; dann / sagte sie / wie solte ein ehrliches Weib ihren Gemahl verlassen / und so weit über Meer sich mit Willen als eine Ehebrecherin entführen lassen? Ist sie aber so ehren-vergessig gewesen / und hat ihr Königliches Herkommen dergestalt geschändet / was hätten dann die Gerecht- uñ Frömmigkeit-liebende Griechen nach diesem schändlichen Weibe gefraget / es währe dañ / daß sie / Rache zu üben / und ihre Unkeuscheit zu straffen / den Zug in Asien vorgenommen hätten; aber hiemit stimmen die Schreiber nicht zu / sondern Menelaus habe sie als ein Gemahl wieder gefodert / ja sie nach erhaltenem herben Siege als ein frommes Weib wieder zu sich genommen / welche Narren-Liebe ich straffbahrer als Helenen Leichtfertigkeit achte / und rühme des streitbaren Helden Ajax Raht weit vor des Ulysses / da er dieser Ehebrecherin den Tod sol zugesprochen haben / worüber er dann sein Leben durch Verrähterey und Meuchelmord einbüssen müssen. Wann man sie dann fragete / wovor sie solche Tichtereyen hielte / wendete sie ein / wann es nicht gar erlogen währe / wolte sie unter der Helenen Nahmen etwa ein schönes fruchtbahres Eiland in dem Egeischen Meer verstehen / welches die Trojaner den Griechen in des Beherschers Abwesenheit durch der Inwohner Verrähterey und Gutwilligkeit entwendet /und darüber in diesen schweren Krieg sich gestürtzet hätten; pflag sich gleichwol dabey zu bedingen / ein jeder möchte hierin seines Glaubens leben / sie hätte ihre Meynung vor sich. Solcher gestalt sinnete sie den Sachen schon in der Jugend nach / welche sie bey den alten Schreibern lase / und verfluchete der Teutschen und Böhmen Unverstand / daß sie ihrer Vorfahren Heldentahten aufzuschreiben [188] so gar nicht achteten. Jedoch wahren die Bücher nicht ihre gantze Lust / sondern Waffen und Rüstung / Schwerter und Bogen /Pferde und Sturmzeug liebete sie überaus sehr / aber in nichts übete sie sich so hefftig / als im schiessen und reiten / wiewol die Pferde / als lange ihr Herr Vater lebete / ihr nicht allemahl bewilliget wurden. Im zwölfften Jahr ihres alters lies sie leichte Fechtschwerter machen / und in solcher Kunst sich unterrichten / welches neben dem schiessen ihr von den Eltern wol gegönnet wahr / und sie daher in beyderley überauß fertig ward. Als ihr Herr Vater sein Reich gesegnet / gebrauchte sie sich des reitens freier / daß man sie selten auff der Gutsche fahren sahe / wann sie es nicht ihrer Fr. Mutter zur Geselschafft tuhn muste. Im jagen übete sie sich fast täglich / führete ihre Pfeil und Bogen zu Pferde / und befliß sich nur das Wild reittend zu fellen / worüber sie so gewiß von freier Faust ziehlen lernete / daß sie auch in vollem rennen die Hasen niederschoß / und selten fehlete. Zu Pferde saß sie so geschikt und feste / daß ihres gleichen im ganzen Königreiche nicht wahr; die Muhtigen ritte sie am liebesten / dann sagete sie / das Herz nimt bey mir zu / wann ich sehe das Tihr / welches ich beschreite /einen sonderlichen Geist haben. So lange lag sie ihrer Fr. Mutter an / da sie XIV Jahr alt wahr / daß sie ihr endlich gönnete einen Reitharnisch machen zu lassen / welchen sie täglich anlegete / und etliche Stunden darin auff dem Gemache umbher ging / auch wol inwendig in dem verschlossenen Burgplatze also bewapnet ihr Pferd tummelte / das Schwert an der Seite / und das Ritter Speer auf dem Schenkel führend / daß ihre Fr Mutter offt zu sagen pflag; bildestu dir ein /liebes Kind / durch diese Ubungen vielleicht ein Mannesbilde zu werden? Sie aber allemahl zur Antwort gab; sie möchte wünschen / daß solches möglich währe / oder doch zum wenigsten der Brauch seyn möchte / daß das Weibliche Geschlecht den Ritterlichen Ubungen nachzöge; so gar hatte die Tapfferkeit ihr Gemüht eingeno en / und wahr doch daneben ohn alle blutgierig- und grausamkeit. In Sitten und Geberden bezeigete sie sich nach aller Menschen Wunsch; man hörete sie weder fluchen / noch schelten / man sahe weder leichtfertig Ding noch ůppigkeiten an ihr /darumb liebete und ehrete sie jederman; dem Stolz und der Unfreundligkeit wahr sie von Herzen feind /und wan sie sich gegen jewand von Herzen freundlich und gewogen stellete / als dan wahren ihre Aügelein und ganzes Angesicht so voller Reizungen / daß auch das Frauenzimmer selbst sich in sie verliebete / daher es kam / daß ihre Eltern / wann sie recht bewäglich umb etwas anhielt / ihr solches nicht bald abschlagen kunten. Im Tanzen übete sie sich gerne / aber nach Herkules Verlust lies die Bekümmernis ihr diese Lustübung nicht zu / nur wann Jungfer Libussa ihr zuzeiten die Schwermühtigkeit außredete / und sie nicht weniger seines Lebens als standhaffter Träue durch allerhand bewägliche muhtmassungen versicherte /dann lies sie sich bereden / insonderheit / wann diese Jungfer nach ihrer beywohnenden Anmuhtigkeit sie baht / auff des allerliebsten Fürsten Herkules Gesundheit diesen oder jenen Tanz zutuhn / welchen die Jungfer auff der Laute dann zuspielen pflegte: Sie liebete überdaß die Singekunst und das Seitenspiel überaus hoch / dann ihr Stimmichen wahr so rein / helle und hoch / auch die Kehle der allerkrausesten verblümlungen und bald gebrochenen bald überhüpffenden schnellen läuffchen dermassen gelernig / daß keine Faust ihr solches auff Geigen oder Flöhten nach machen kunte; doch hatte die durchdringende Art /langsam und mit [189] bebender Verweilung die wichtigen Wörter außzudrücken / noch die allerlieblichste / Anmuhtigkeit in ihrem Gesinge. Die Stimme allein lies sie nicht gerne hören / sondern schlug selbst entweder die Laute oder Harffe / und lies alsdan die Liederchen erschallen / deren Reimen und Singeweisen sie selbst setzete / massen sie nicht allein zierliche Teutsche /sondern auch Griechische und Lateinsche Verse schrieb. Ob nun gleich alle ehrbare Menschen dieser Tugendergebenen Fräulein hold und günstig wahren /lies doch das boßhaffte Glük ihr in der Jugend zu unterschiedlichen mahlen sehen / dz es weder Schönheit noch Frömmigkeit achtet / wie ihr dann sehr früh geweissaget ward / daß sie Glückes Tücke würde erfahren müssen; Acht Stunden vor ihrer Geburt / taht ihre Fr. Mutter einen gefåhrlichen Fall / daß man in grossen furchten stund / es möchte die Frucht schaden genommen haben; und gleich da sie gebohren ward /ritte der König ihr Herr Vater von der Jagt nach seinem Schlosse / da ihm ein Balke von einem alt verfallenen Hause auff der Burgstrasse seinen Leibdiener /welcher allernähest hinter ihm her ritte / erschlug; welches beydes also außgeleget ward / daß das liebe Fräulein nicht ohn wunderselzame und lebensgefährliche Fälle bleiben würde; welches dann zimlich früh an ihr erfüllet ward; massen als sie kaum neun Wochen alt wahr / nam ein Affe (der auff dem Schlosse /als gezähmet umbher lieff) / sie unvermerket aus der Wiege / und trug sie auff ein hohes Gebäu / so daß /wann Gottes Engel nicht ihr Schuz gewesen währe /sie ohn zweiffel das Leben hätte einbüssen müssen /uñ ward sie mit grosser Mühe wieder herunter gelassen / worüber doch zween Dachdecker den Hals abstürzeten. Wann ihre Fr. Mutter sie des nachtes an der Brust liegen hatte / und sie drüber einschlieff / tråumete ihr unterschiedliche mahl / als wann sie eine Schlange neben sich hätte / worüber sie erwachend /das liebe Kind zu dreyen mahlen von sich weg aus dem Bette warff / welches doch immer ohn Schaden blieb. Als sie im zehnden Jahr ihres alters wahr / und mit etlichen des Frauenzimmers nach der Stadkirchen ging / den gemeinen Opffern beyzuwohnen / worzu sie dann sonderliche Lust hatte / da lieff ein ergrimmeter wůtiger Ochse in vollen sprüngen und mit außgestrecketem Halse ihr entgegen. Ihre zugegebene Geselschafft sahen ihn zeitig daher kommen / rieffen dem Fräulein / die ein wenig vor ihnen herging flohen davon / und verstecketen sich im nähesten Hause / in meynung sie würde / ihrer geradigkeit nach / mit lauffen / und ihrer Rettung selbst acht haben; aber sie weich nicht umb einen Schrit / sondern / wie er mit allermacht auff sie zustürmete / sprang sie ihm gerade auff den Halß / hielt sich mit der Linken am Horne /wie sie best kunte / und mit der Rechten zohe sie ihr Messerlein hervor / welches sie an der Seite in einer silbern Scheide trug / uñ als sie ihn nirgend besser zuverwunden wuste / sties sie ihm solches ins Auge so tief sie kunte / machte sich ringfertig wieder herunter /und lies ihn immerhin rasen / dañ er kehrete sich nicht mehr an sie / sondern lief wegen empfindender Schmerzen die quere uñ breite / und in dem er das Messer an einem hervorstehenden Holze außreiben wolte / sties ers nur tieffer hinein / biß er endlich mit hefftigem gebrülle zur Erden stürzete / und mit allen vieren von sich schlug. Ihr Frauenzimmer höreten solches und misseten das Fräulein / durfften doch nicht aus der Tühr hervor gehen / sondern kucketen durch ein Loch / und sahen sie mit schimmernden Augen und zornigem Angesicht stehen / daß die rechte Hand und Ermel ihr mit Blute gar besprützet wahr; fingen deßwegen ein klägliches geheule an / daß [190] die Leute des Hauses herzu gelauffen kahmen / und ihres Geschreies Ursach nachfrageten. Das Fräulein trat zu ihnen hinein / straffete sie wegen ihres weglauffens /und sagete: So viel ich merke / dürfftet ihr mich leicht im Stiche lassen / und nur eures Heils warnehmen /wann sich die Gefahr eräugete / daß nach diesem ich nicht Mädchen / sondern Kerle zu meiner Auffsicht haben müste; erzåhlete ihnen hernach / wie es ihr mit dem Ochsen ergangen währe. Der König erfuhr solches zeitig / foderte sie vor sich / und mit halbnassen Augen sagte er zu ihr: Mein Herzen Valißken / wie daß du nicht vor dem wütigen Ochsen dich scheuhetest / und ihm gar auff den Hals springen durfftest? Gnädigster Herr Vater / antwortete sie / freilich scheuete ich mich vor ihm / aber weil ich der Flucht nicht trauete / muste ich mich ja retten / als best ich kunte / sonst hätte er mich gar zu Tode gestossen. Er aber straffete sie / neben der erinnerung / die jungen Fräulein müsten sich so verwägener Kühnheit nicht gebrauchen / die wol den herzhafften Männern misglücketen. Sie hingegen wante ein / sie währe so wol gesinnet / ihr Leben durch allerhand Mittel zu retten / als ein Mann; und wer weis / sagete sie / ob ich nicht habe sollen ein Knabe werden / weil meine Seele viel lieber mit männlichen als weiblichen Sachen umbgehet; hätte ich nur meinen Bogen bey mir gehabt / ich wolte ihm die Augen beyde auß dem Kopffe geschossen haben / ehe er mir so nahe kommen währe / dz er mich mit den Hörnern erreichen können; wil mich auch hernåhst wol besser vorsehen /daß ich meine Rettung nicht mit einem Brodmesser vornehmen dürffe. Ihr Herr Vater kunte vor verwunderung ihr keine Antwort gebẽ / streich ihr etlichemahl über das Häupt und sagete: Die gütigen Götter steuren allen wiedrigen Fällen / und behüten dich / dz ihre Versehung an dir zu allem guten vollendet werde. Sonst taht sie mannichen hohen Fall / welches doch immer ohn sonderlichen Schaden abging; insonderheit hatte sie kein Glük auff dem Wasser / daher sie auch selten sich der Schiffart vertrauete. Drey Tage vor ihres Herr Vaters Verlust / ging sie mit einer kleinen Dirne abermahl hin / dem Gottesdienst in der Stad und den gewöhnlichen Opffern beyzuwohnẽ / da lieff ihr ein sehr grosser toller Hund entgegen / vor dem sie zu rücke hinter eine Brunnenseule weich / und da sie ihn eigentlich auff sich zu springen sahe / fassete sie mit der Linken einen zimlichen Stein / mit der Rechten aber ihren Dolch / welchen sie nach erlegung des Ochsen stets / wo sie auch ging / zu sich nam; als nun der Hund ihr nach dem Gesichte sprang / sties sie ihm den Stein in den Rachen / und stach ihm zugleich die Kehle ab / daß er zu ihren Füssen nieder fiel; lies sich doch hiedurch von der Beywohnung des Gottesdienstes nicht abschrecken / sondern hielt bey den Pfaffen an / daß sie vor ihres Herren Vaters Wolfahrt ein Opffer schlachten möchten / welches auch geschahe / da nach fleissiger Besichtigung der Leber und des Herzen ein alter Pfaffe ihr zuschrie: Durchleuchtigstes Frl. meldet / bitte ich / eurem Herr Vater / unserm allergnädigsten Könige an / dz seine Konigl. Hocheit sich in VI Tagen nicht von ihrem Schlosse begebe /noch falscher Lockung folge / dañ es stehe deroselben ein nahes Unglük bevor / welches viel unleidlicher als der Tod / oder auffs wenigste der Tod seyn wird; Euer Gnaden wil das gute Glük auch noch nicht geträulich beystehen / sondern dräuet derselben unsägliche Noht und Gefahr / welches aber noch weiter zurücke stehet. Das Fräulein hielt viel auff dergleichen Opfferzeichen / da hingegen ihr Herr Vater sich nicht sonderlich dran zu kehren pflegete / schlug auch vor dißmal [191] alles in den Wind / wie bewäglich gleich das Fräulein ihm solches vortrug / auch zugleich den Unfall mit dem wütigen Hunde hinzusetzete; da dann der elende Verlust bald drauff erfolgete / wodurch das gantze Königreich in grosses Hertzleid gesetzet ward / und sein Gemahl die fromme Königin seinen unglüklichen Tod eine geraume Zeit beklagete.

Wir wenden uns aber wieder hin zu dem Fräulein /sie in ihrer hohen Vergnügung anzuschauen / welche sie aus Herkules Schreiben empfing / und ihrer Seele unmöglich wahr / die innigliche Freude recht außzudrücken; dessen Libussa wol wahr nam / und ihr Herz durch ein anmuhtiges Liebesgespräch je mehr und mehr auffwallete / daß sie endlich eine Schreibfeder ergriff / und von freyer Hand ein Liedlein auffsetzete /auch demselben eine frische anmuhtige weise gab / da inzwischen Libussa ihr die Laute (welche in guter Zeit nicht gebrauchet wahr) ganz neu bezog / die begehrete Stimmung einrichtete / und mit Verlangen erwartete / was vor Einfälle dem Fräulein vor dißmahl fugen wolten; welche bald darauff dieses sang und spielete:


1
Nun Seele / nim nun sanffte rast /
Nachdem du wieder funden hast /
Den du vorlängst erkohren;
Mein Herz / nim die erquickung an /
Dann der dich völlig trösten kan /
Ist nicht so gar verlohren.
2
Der allerschönste dieser Welt /
Der dich vor seine schönste hält /
Bleibt nach wie vor dein eigen;
Wie weit er dir entrissen ist /
Wird er dannoch zu keiner frist
Sein Seelchen von dir neigen.
3
Du schönster Stern am Himmels Saal /
Hab' ich das Glük zu deiner Wahl?
Sol ich dein noch geniessen?
Du Strahlen-helles Sonnen-licht /
Vor dessen Schein der meine bricht /
Und fält zu deinen Füssen.
4
Wann wirstu meine wolken dann
Vertreiben / daß ich sehen kan /
Wie deine Tugend spielet?
Die bloß nur auff Volkommenheit /
Mehr als die Jugend deiner Zeit
Ertragen kan / hinzielet.
5
Du Ebenbild der keuschen Zucht /
Betrachte deiner Jahre flucht /
Sey nicht so gar vermässen
Im Streiten wieder Frevelmuht /
Dann wer im Treffen alles tuht /
Wird endlich doch gefressen.
6
Fälst aber du / so fall' ich auch /
Dich wehe Lufft an oder Rauch /
Ich wil mit dir nur stehen /
Nicht ohne dich / du bist allein /
Was meinem Leibe Geist kan seyn /
Dein Tod ist mein vergehen.
7
Solt' aber meine Seele noch
Mit deiner daß gewünschte Joch
Der keuschen Liebe tragen;
So hab ich was mein Herz begehrt /
Und wann mir solches wiederfährt /
Wil ich nicht weiters klagen.

Ach mein tausend schönstes Fräulein / sagte Libussa nach des Gesanges endigung; daß doch der allerliebste Fůrst dieses Liedchen von so anmuhtiger Stimme gesungen / anhören möchte; aber eure Gn. tuhe ihm diese Gunst / und sende ihm dessen Abschrifft zu / ich weis / es wird die Krafft haben / ihn von dem ende der Welt nach Prage zu treiben. Bey leibe schweig mein herzen Kind / antwortete das Fräulein / würde er mich nicht vor eine leichtsinnige halten / wann er dessen inne würde? ich nähme nicht daß halbe Rom drum /daß ein ander Mensch als du / dieses Lied sähe oder hörete; dann ob ich gleich wol leyden kan / daß er meiner geträuen Liebe inne werde / muß es doch weder durch mich noch durch meine Reimen dergestalt geschehen / dz michs einiger weise in ungleiche Nachrede stürzen könte; [192] ein freundliches Brieflein an ihn zu schreiben wil ich mich nicht wegern / aber von solcher worten Gattung muß es trauen nicht gestellet seyn. Ja ja / sagte Libussa / liebet eure Gn. so bedachtsam / so liebet sie noch in so flammichter Hitze nit / als ihre Schwermütigkeit michs eine zeitlang hat bereden wollen / doch rühme ich dieses an euer Gn. billich / und bitte die gütigen Götter / daß sie ihre Gedanken vor außgang eines Monats befriedigen. Befriedigen? antwortete das Fräulein; doch ja / es heisse also / dañ ich bin noch zur Zeit befriediget / wann ich nur offt Schreiben von ihm haben / oder (ach Glük erfreue Hoffnung) seine liebreiche Augen gegenwärtig schauen möchte. Diesen Wunsch wird der Himmel bald erfüllen / sagete Libussa; aber eure Gn. wünschet schon mehr Schreiben / uñ hat dieses durchzulesen kaum Zeit gehabt; wer weiß was folgen kan? geduldet euch mein Fräulein / nichts wächset und reiffet auff einen Tag; gebet dem lieben Fürsten Ruhe / daß er die Schreibfeder aus der Hand legen / und andere Nohtwendigkeiten verrichten möge. Auff diese Weise reizete sie das Fräulein / biß sie zur Mahlzeit gefodert ward / da ihre Fr. Mutter mit ihr abredete / daß sie alsbald einen Landtag außschreiben / und den Reichsständen ihres Königes Gesundheit und Vorhaben aus seinem eigenen Schreiben anzeigen wolte.

Des folgenden tages gab sich vor dem Stadtohr ein Königlicher Gesanter aus Gallien oder Frankreich an /120 Pferde stark / und begehrete von der Königin und dem Königlichen Fräulein / im Nahmen und von wegen seines Königes / gehöret zu werden. Die Königin ließ ihn in der Stad mit seinen Leuten verlegen /und setzete ihm den dritten Tag zur Verhörung an /unter welcher Zeit er nicht allein sich der Fräulein Wesens und Eigenschafften erforschete / sondern sie einsmahls auff die Jagt ausreiten sahe / und in seinem Hertzen gestund / daß er nie etwas volkommeners gesehen hätte. Es ließ aber die Königin alsbald etliche vornehme Herren / als den Reichs Kantzler / Herrn Bretisla / Herrn Pribisla / Herrn Krokus / Herrn Stanisla und Herrn Bugesla zu sich nacher Prage fodern /in deren Gegenwart die Königliche Gesandschafft solte abgelegt werden. Dem verliebeten Fräulein schwanete nichts gutes / massen sie wuste / daß der Sikamber König in Gallien (welches ein Teutsches Volck wahr) zimlich schwach war / und einen tapfferen hochberühmten Sohn hatte / so noch unverheyrahtet / uñ nach des Vaters Hintrit in der Herschafft folgen wůrde; foderte demnach ihre Libussen zu sich /und sagete zu ihr: Mein Kind / was sol ich nun beginnen? gilt wo diese Gesandschafft nicht bloß meiner wegen angestellet ist? Wie aber / wann meiner Fr. Mutter diese Heyraht gefiele / und die Reichs Sassen mit zurieten? Ich weiß nicht / wodurch ich das leidige Glük dergestalt mag wider mich erzürnet haben / daß mirs so gar keinen frölichen Tag gönnet / der nicht mit Unruhe und Angst solte versalzen seyn? Jedoch mag dieser Gesandter bringen was er wil und kan / so sol und muß ich meinem Herkules vorbehalten seyn /oder allein durch einen schmerzhafften Tod von ihm abgeschieden werden. Ich stehe mit Eurer Gn. in gleichen Gedanken / sagte Libussa / wil auch nimmermehr rahten / daß dieselbe ichtwas eingehe / welches dem allergeträuesten Liebhaber Fürst Herkules könte nachteilig seyn / weil ich ohndas wol weiß / daß mein Gn. Fräulein in diesem Stük keinen Wechsel oder Tausch nimmermehr bewilligen wird; nur allein muß die Sache auffs vorsichtigste und klüglichste gehandelt / und entweder abgelehnet / oder unter lauter Ungewißheit auffgeschoben werden / auff daß die Zeit[193] verlauffe / und wir Fürst Herkules von allem gute Nachricht geben können / welcher auff solchen fall schon wissen wird / wie er seine Bände fest legen /und diesen MitBuhler abweisen sol. Das Fräulein stund in tieffen Gedanken / und gab zur Antwort: Je länger ich dem dinge nachsinne / je gefährlicher mir alles vorkomt; Dann vorerst muß nohtwendig meiner Fr. Mutter / und allen andern / meine Fürst Herkules geschehene Verheissung verborgen bleiben / und darff ich mich im geringsten nicht verlauten lassen / daß ich nicht mehr frey bin. Hernach werde ich solche Ursachen müssen einführen / durch welche des schlauhen Kantzlers Raht und Meynung (dann vor diesem fürchte ich mich am meisten) hintertrieben werde; und schließlich muß ich dannoch gegen den Gesandten mich also bezeigen / daß ich weder vor eine stoltze /noch unfreundliche / noch verwägene in seines Königes Lande außgeruffen werde. Wie aber / sagete Libussa / wann dieser in andern Geschäfften abgeschikt / und alle unsere Furcht und Sorge umsonst und vergebens währe? wie dann sehr offt geschiehet / daß wann ein König etwa willens ist / einen andern zu bekriegen / versichert er zuvor durch Gesandten sich anderer Landschafften / damit dieselben sich nicht einmischen / und an seinem Vorhaben ihm hinderlich seyn mögen. Nein / mein Libuschen / sagte sie / dz Hertz saget mir eigen / daß eine Freywerbung vorhanden ist / solte ich aber solches umsonst fürchten /werde ich dessen froher als kein ander seyn. Weil es nun der näheste Tag wahr vor der Verhörung / nam sie jhre Zuflucht zu der instehenden Nacht / welche ihr einen heilsamen Fund an die Hand geben würde. Des Morgens da sie auffstund / war sie ziemlich frölich / und ziegete Libussen an / wessen sie sich in ihrem Hertzen erkläret hätte / nicht zweifelnd / es solte solches von Einheimischen und Fremden wichtig gnug geachtet werden / daß man den Gesanten gleich so klug wieder hinzihen liesse / als er kommen wahr. Sie ließ sich auch von Libussen treflich ausputzen /und solte diese ihr bey der Gesandschafft auffwarten. Die Königin hatte jhre Traurkleider angelegt / zu ihrer Rechten stund ein Königlicher Stuel / mit einer güldenen Decke behänget / auff welchem die Königliche Kron / der Reichs Apfel und ein blosses Schwert lage; Allernähest saß sie / uñ zu ihrer linken das Königliche Fräulein. An der linken Seite des Gemachs sassen obgedachter Kantzler und die vier Böhmische Herren / und wahr zur Rechten des Gemachs ein schöner Stuel vor den fremden Gesandten hingesetzet; welcher / als er zur Tühr hinein trat / ehrete er die Königin und das Fräulein gebührlich / und ließ anfangs der Königin einen Begläubigungs Schein einhändigen /welchen sie erbrach / und folgenden Inhalt lase:Hilderich / der alten Teutschen Sikambrer GroßFürst /König der Franken in Gallien / wůnschet der Großmächtigsten unüberwindlichsten Königin und Frauen / Frauen Heidewieg / gebohrner GroßFürstin der Teutschen anjetzo herschender Königin in Böhmen / seinen Gruß und alles Liebes; Dero Liebe hiemit anzeigend / daß der Einbringer dieses / der ådle Klogio / von uns und unserm freundlichen lieben Herr Sohn / GroßFürst Markomir /unsers Reichs und Stuels kůnfftigen Besitzer / ausdrüklich aus unserm Reich nach Prage an Eure Liebe gesand sey / eine unter Königl. und GroßFürstlicher Träue und Glauben gemeynete Werbung bey Euer Liebe und dem Durchleuchtigsten Königlichen Fräulein in Böhmen /Fräulein Valißken anzutragen / und bitten Eure Liebden freundlich / dieselben wollen geneñeten unserm Gesanten Freyheit geben / die Werbung abzulegen / auch demselben / als uns selbst / vollkommenen Glauben zustellen.


Hilderich der K \nig.


Nach Verlesung sahe die Königin / daß ihr muhtmassen (welches sie bißher niemande [194] offenbahret hatte) sie nicht triegen würde / meynete aber / das Fräulein würde dessen nicht die geringsten Gedanken tragen / und gab ihr den Brief zulesen; welche ihrem Vorsatze nach / sich noch allerdinge frey und unwissend stellete. Dem Kantzler ward darauf der Brieff von der Königin zugeschikt / und befohlen / mit dem Gesanten in ihrem Nahmen gebührlich zu reden; welcher auch nach Verlesung den Gesanten fragete / wie sein Nahme währe; und als derselbe sich Klogio /einen Ritter und Königlichen geheimen Raht und Oberkammer-Herrn nennete; fuhr der Kantzler also fort: Wolgebohrner Herr Klogio; es hat euer allergnädigster König / und dessen Herr Sohn / der Großmächtigste Unüberwindlichste König und GroßFürst der Sikambrer uñ Franken in Gallien / uñ der Durchleuchtigste Königliche Fürst und gebohrner Großfürst Herr Markomir / an die auch Großmächtigste Unůberwindlichste Königin der Böhmen / gebohrne GroßFürstin der Teutschen / meine allergnädigste Königin / und an das Durchleuchtigste Königliche Fräulein /beyde gegenwärtig / euch abgefertiget / Ihrer Königlichen Hocheit und dero Frl. Tochter einige Werbung vorzutragen; und weil Ihre Hocheit und Durchleuchtigkeit dieselbe freundlich anzuhören bereit und willig sind / ist von allerhöchstgemelter Königin euch hiemit Freyheit gegeben / dasselbe / warumb ihr gesendet worden seyd / anzumelden / und darauf freundlicher Antwort gewärtig zu seyn. Der Gesandte neigete sich hierauff sehr tieff und ehrerbietig / und fing also an: Großmächtigste Unüberwindlichste Königin / auch Durchleuchtigstes Fräulein; Der auch Großmächtigste Unüberwindlichste König und Großfürst der Sikambrer und der Franken in Gallien / und Ihrer Königl. Hocheit Herr Sohn / der Durchleuchtigste GroßFůrst Herr Markomir / entbieten Eurer Königl. Hocheit und Durchleuchtigkeit / jhren freundlichen Gruß und alles Liebes / durch mich unwirdigen / ihren gevolmächtigten Gesanten; und geben Ihrer Hocheit und Durchl. Oheimb- und freundlich zuvernehmen / was gestalt höchstgedachter mein allergnädigster König wegen allerhand Leibesschwacheiten / allergnädigst gewilliget sey / die Herschafft abzulegen / und selbe seinem freundl. lieben Herrn Sohn völlig auffzutragen; Weil nun dessen Durchleuchtigkeit annoch unverheyrahtet ist / und Königl. Hocheit nichts so hefftig wůnschet uñ begehret / als daß höchstgedachter sein Herr Sohn mit einem wolwürdigen Königlichen Gemahl möchte versehen seyn / welche mit demselben zugleich gekrönet und eingeführet würde / und aber Ihrer Königl. Hocheit Fräulein Tochter / die Durchleuchtigste Frl. Valißka / meinem Könige und dessen Herrn Sohn /als die allerpreißwirdigste und vortreflichste Fürstin dieses Erdbodems / von unterschiedlichen Orten her gerühmet wird / als wünschet und begehret mein König in dieser Welt nichts höhers und liebers / als einer solchen mit Königlichen Tugenden volbegabten Fräulein Vater; dessen Herr Sohn aber / deroselben Bräutigam und Gemahl zu werden; Da auch solcher ihr Wunsch und Begehren zur glüklichen Endschafft solte können gebracht werden / erbieten sich Ihre Königliche Hocheit und Großfürstl. Durchleuchtigkeit /gegen das Durchl. Königl. Fräulein / Fräulein Valißka sich dergestalt zuerzeigen / daß grössere väterliche Liebe und Hulde / als bey dem Könige / und mehr ergebene eheliche Träue / als bey dem Durchl. Großfürsten / Herrn Markomir / dero Durchleuchtigkeit in dieser gantzen weiten Welt nicht antreffen noch finden werden. Die Königin nam diese Werbung mit grosser Ehrerbietung an / foderte den [195] Kantzler zu sich / und nach kurtzer Beredung mit dem Fräulein (welche sich so gar ohn alle Bewägung und Verenderung bezeigete / als ginge sie solches nicht an) sagte die Königin dem Kantzler / was er antworten solte; wie dann derselbe alsbald also anfing: Gegen den Großmächtigsten König der Sikambrer und Franken /als auch dessen Herr Sohn den Durchleuchtigsten Großfürsten Herrn Markomir / bedanket ihre Königl. Hocheit und dz Durchleuchtigste Fräulein sich Wase-und freundlich / wegen der geschehenẽ huldreichen Anwerbung / erklären sich auch gegen den Herrn Gesanten gnädigst / demselben ihrer jetzigen gelegenheit nach / auff morgen umb diese Zeit / eine auffrichtige wolgemeynete Antwort zuerteilen; und wird der Herr Gesanter gnädigst ersuchet / auff den Mittag sich bey Königlicher Mahlzeit anzufinden. Also nam Klogio hiemit seinen Abtrit / voller Hoffnung / er würde seinem Könige und dem verliebeten Fürsten eine behågliche Antwort überbringen / insonderheit / weil er auff sehr fleissige Nachfrage / ob das Fräulein schon Freywerber gehabt / einerley Antwort bekam / daß man davon noch zur Zeit nicht das allergeringste vernommen hätte. So bald dieser Gesante weggangen wahr /begehreten der Kanzler und die andere Böhmische Herren / es möchte die Königin und das Fräulein sich gnädigst heraus lassen / wessen in dieser hochwichtigen Sache sie gesonnen währen. Das Fräulein gab ihrer Fr. Mutter an / sie möchte nach des fremden und ihr gantz unbekanten Königes und seines Sohns Wesen Nachfrage tuhn / damit man vor allen dingen wissen könte / ob sie auch der Wirdigkeit währen /sich mit ihnen einzulassen. Diese Frage stellete die Königin den anwesenden vor / worauff der Kanzler antwortete; es währe ihm dieser Franken Könige Zustand zimlicher massen bekant / und hätte er in seiner Jugend vor XXX Jahren sich eine zeitlang an des jetzigen Königes Herrn Vaters Hofe auffgehalten / welcher Hunno geheissen / ein vortreflicher berühmter Herr / der unterschiedliche herliche Siege von den Römern / wie auch von den Galliern erhaltẽ / uñ seine Herschaft statlich erweitert; der jetzige König Hilderich / wäre zu der Zeit ein junger Herr von X Jahren gewesen / an dem man eine hohe Geburtsart verspüret hätte; doch würde Herr Bugesla ohn zweifel von demselben ein mehres erzählen können / weil dessen Sohn / wie ihm gesagt währe / vor etlichen Wochen aus demselben Königreich zu Hause kommen. Ja / fing Bugesla an / mein Sohn Nostriz / welcher nunmehr VI Jahr in fremden Landen sich auffgehalten / und Ritterschafft gepflogen auch vor wenig Tagen wieder fortgezogen ist / hat mir von diesem Könige viel lobwirdiges gesaget / als welcher ein sehr Weltweiser verständiger Herr sey / unerschrocken und glükhafftig /ein Schrecken aller seiner Feinde / werde auch von seinen Untertahnen wegen seiner sanfftmühtigen Herschung dergestalt geliebet / daß sie alle bereit und willig sind vor ihn zusterben; Er hat schon XII Jahr nach seines Vaters Königes Hunno Absterben das Reich löblich verwaltet / und sol einen schlimmen Schaden bekommen haben / daran er befürchtet / das Leben einzubüssen / wiewol die Aerzte gutẽ Trost zur Gesundheit geben sollen; Er hat ein junges Gemahl /welche ihm schon IIX Söhne gezeuget / die aber auf den einzigen Markomir alle hingestorben sind; dieser junge Herr ist erst von XIIX Jahren / aber sehr tapffer und streitbar / dessen er beydes in- und ausserhalb Reichs einen grossen Nahmen erworben hat / sol vor einem halben Jahre stillschweigend mit wenig geträuen Dienern aus dem Lande gezogen / und nach Verlauff XV Wochen wieder kommen seyn / [196] aber voller Traur- und Schwermühtigkeit / so daß er weder bey frölichẽ Geselschaften noch bey ritterlichen übungen sich findẽ lässet / welches doch sider der Zeit er wiederum mag geendert habẽ. Mutter uñ Tochter höreten dieser Erzählung fleissig zu / uñ begehrete darauf die Königin / das Fräulein solte sich vernehmen lassen /wessen sie in dieser Sache gesiñet wäre; welches sie aber züchtig von sich ablehnete; es wolte ihr als einer jungen Tochter nicht gebühren / ihrer gnädigsten Frau Mutter hierin vorzugreiffen / zweiffelte nicht / dieselbe würde mit den gegenwärtigen Herren es reifflich überlegẽ / damit sie wüste / was in dieser Sache sie weiters vornehmen / und ihrem Herr Bruder / der nunmehr auch ihr gebietender König währe / davon überschreiben solte / massen sie nunmehr gezwungen würde / ihrer Gn. Fr. Mutter / uñ anderen guten Freunden zu offenbahren / was Gestalt ihr Herr Bruder / da er hätte hinreisen wollen / seinem verlornen Herkules nach zu forschen / er sie des Abends zuvor zu sich allein in den Königlichen Lustgarten gefodert / und mit höchstbewäglichen / teils freundlichẽ / teils bedraulichen worten von ihr begehret / sie solte ihm als eine geträue Schwester äidlich angeloben / daß als lange er lebete / sie in keine Heyraht gehehlen / vielweniger dieselbe schliessen wolte / ehe und bevor sie ihn dessen berichtet / und von ihm brüderliche Einwilligung erhalten hätte. Nun hätte sie zwar anfangs sich gegen denselben gewegert / icht was von Heyrahtsachen zu reden / weil sie noch ein Kind / und daran nie gedacht håtte / aber weil er sie solcher Anfoderung nicht erlassen wollen / hätte sie seinem Willen ein Genügen getahn / welches sie auch / umb Meynäid und der Götter Ungnade zuverhüten / auffrichtig halten und leisten wolte. Ihre Fr. Mutter / welche nicht wuste / ob dieses ertichtet / oder wahr währe / hatte daran ein gutes Wolgefallen / wie wol / sich dessen nicht merken zu lassen / sie zu ihr sagete; sie hätte nicht wol getahn / daß sie mit solcher Verheissung sich überschnellet / und es nicht alsbald ihren Eltern angezeiget / welche damahls solche Zusage und äidliche Verbindung hätten auffruffen und abschaffen können / welches nunmehr nit würde geschehen dürffen / zweiffelte auch sehr / ob einiger von den gegenwärtigen Herren darzu rahten / und ihres Königes Ungnade würde auff sich laden wollen. Dieses wahr alles das rechte Wasser auff der Fräulein Mühle / stellete sich doch / als währe ihr die getahne aidliche Verheissung leid / und sagte; Es würde gleichwol nicht destoweniger ihrer Gn. Fr. Mutter frey stehen / es mit den anwesenden Herren zu berahtschlagẽ / ob diese Heyraht anzunehmen währe oder nicht / welches sie alsdan ihrem Herr Bruder zuschreiben wolte / dessen Sin und Meynung ihr allerdinge unbewust wåhre /ober diese Werbung würde belieben oder verbieten; und da es ihnẽ ingesamt also gefiele / wolte sie mit ihrer vertraueten und verschwiegenen Leib-Jungfer Libussen gerne einen Abtrit nehmen / und ihnen freyheit geben / nach belieben zuhandeln. So bald sie in ein abgelegenes Gemach sich begeben hatte / fing die Königin zu den anwesenden an; liebe geträue; ob ich zwar bald anfangs der Meynung gewesen bin / diesem jungen Fürsten der Sikambrer und Franken mein liebes Kind zuversprechen / insonderheit / weil Herr Bugesla demselben ein so gutes Zeugnis nachredet / welches ich weder vor errichtet noch vor falsch halten kan / so stosset mich doch daß jetzige Vorbringen meines Kindes gewaltig vor den Kopff / daß ich demselben durchaus nichts gewisses zuzusagen weiß /sondern ihn hinweisen muß / biß mein lieber Herr Sohn seinen Willen hierüber erklären wird. Der Kanzler Herr Bretisla antwortete; [197] er müste bekennen / daß der Fräulein Vorbringen ihm über alle masse fremd vorkähme / dem er zuwiedersprechen sich wol nimmermehr erkühnen würde; nur allein befürchtete er sehr / es möchte der Franken König / ein sehr gewaltiger und mächtiger Herr diese Einwendung vor ein Getichte und verdeckete abschlägige Antwort halten /woraus dem ganzen Königreiche nichts gutes erwachsen könte. Die Königin / der diese Heyraht im hertzen allerdinge zuwieder wahr / weil sie mit viel andern Gedanken umbgieng / antwortete ihm darauff; sie vor ihr Håupt wüste ihre Frl. Tochter von allen lügenhafften Tichtereyen sehr ferne seyn / hätte auch ein kräffliges Zeichen / dz sichs also verhielte; massẽ als ihr Herr Sohn von ihr und dem Fräulein heimlichen Abscheid genommen / hätte er dieselbe einer getahnen Verheissung erinnert / worauff sie zur Antwort gegeben / daß sie lieber sterben als aidbrüchig werden wolte. Ob aber der Franken König solches vor ein Geticht achten wolte oder nicht / stünde nicht bey ihr /es zu verhindern / als durch ein aufrichtiges bejahen; doch wie dem allen / so hoffete sie ja nicht / daß sie eben schuldig währe diesem König zum Gehorsam zu stehen; Und was wolte er machen / sagte sie / wann mein Kind diese Heyraht / ihrer Freyheit nach / gar abschlüge / wanns mit gebührlicher Höfligkeit geschähe? Der Kanzler / dem vielleicht grosse Verheissungen mochten geschehẽ seyn / bedachte sich hierauff eines andern / brachte vor / es währe seine Rede nicht so gemeynet / auch nit so weit bedacht / wolte auch hernähst es dergestalt wissen zu überlegen / daß seine gnädigste Königin daran ein gnugsames Wolgefallen haben würde. Herr Pribisla / welcher unserm Herkules das Fräulein in seinem Herzen schon zugedacht hatte / gab diese Stimme: Die geschehene Werbung währe ehrlich und dankens wert / aber dem Fräulein durch brechung ihres getahnen äides / ihr Gewissen zu verunruhen / wolte er nun und nimmermehr rahten; Ja / sagte er / wer weiß / was vor hochwichtige und dringende Ursachen unser gnådigster König gehabt / diese hochbeteurliche Verheissung von seiner Frl. Schwester zunehmen / welche ich /weil ich sie ohndas nur muhtmasse / in meines Hertzen innersten lieber vertuschen als loßdrücken wil. Die Königin merkete / daß dieser mit ihr einerley Gedanken führete / wolte doch kein Wort darzu reden /sondern der übrigen Meynung auch vernehmen; welche aber mit Pribisla gantz einig wahren / auch einen festen Schluß macheten / was vor eine Antwort dem Gesandten solte mitgeteilet werden / welche dem Fräulein vorher anzumelden / ihre Fr. Mutter auff sich nam. Unterdessen erfreuete sich das Fräulein mit jhrer Libussen / daß jhr diese Erfindung so wol gerahten war / und / wie sichs ansehen liesse / der Fr. Mutter Herz schon gewonnen hätte; da endlich die Jungfer zu ihr sagete: Gn. Fräulein / wie komt es doch / daß ein Warheit liebender Mensch zeit der Noht so glüklich liegen kan? Ich halte / es komme daher / weil man sich der Unwarheit zu einem solchen nicht versiehet. Du loser Balg / antwortete sie / schiltestu mich so kühnlich vor eine Lügnerin? Weistu nit / daß man die Nohtlügen mit unter die Warheiten rechnet? Doch sihe / habe ich nicht die lautere reine Warheit / ja noch viel zu wenig geredet / nur daß vor Herkules ich meinẽ Bruder genennet habe / welcher aber ja auch mein Bruder / ach ja mein herzallerliebstes Brüderchen und Tausend Schätzchen ist / mit welchem zehnmahl hundert tausend mal tausend mahl tausend Markomiren / und wann ihr gleich noch eins so viel währen / ich mit nichten vergleichen vielweniger vertauschen kan? Die Königin trat gleich zu jhr in das Zimmer / [198] machete jhr den Schluß zuwissen / und befahl jhr / daß gegen den Gesandten sie sich freundlich bezeigen solte / dessen sie sich willig erboht. Bey der Mahlzeit geschahe demselben nun alle Ehre / und wahr er gleich als verzukt über der Fräulein Volkommenheiten / kitzelte sich auch dergestalt in seiner Hoffnung / daß er schon festiglich gläubete / er würde seinem jungen Großfürsten die rechte Arzney mitbringen. Nach geendigtem Mahle hielt er bey dem Frl. an / ihm die Gnade eines absonderlichen Gesprächs zu verleihen; welches sie mit freundlicher Höfligkeit ablehnete / biß die Antwort auff seine Werbung ihm würde erteilet seyn. Des folgenden Morgens ward er wieder vor gefodert / da der Kanzler im nahmen der Königin die Danksagung vor geschehene ehrliebende Anwerbung wiederhohlete; und darauff anzeigete / ob zwar ihre Königl. Hocheit nichts liebers wünschete /als dz ihrem freundlichen lieben Oheimben / dem Großmächtigsten Könige der Franken und Sikambern / uñ dessen Herrn Sohn dem Durchleuchtigsten GroßFürsten Herrn Markomir / sie eine völlig klare Antwort erteilen und zuentbieten könte / so verursachete doch ihres freundlichen lieben Herrn Sohns Herren Ladislaen Abwesenheit ein wiedriges / und zwar aus diesem Häuptgrunde / daß das Fräulein demselben /als ihrem Herrn Bruder / vor mehr als anderhalb Jahren die äidliche Verheissung tuhn müssen / daß ohn dessen bewust und Einwilligung sie keine Heyrahtshandelung anstellen / vielweniger bestätigen oder schliessen wolte; Krafft deren äidesleistung man nun gehalten währe / die getahne wirdige Anwerbung demselben in fremde Lande eiligst zuzuschreiben /und gelebete man der gänzlichen Zuversicht es würde an anderer Seiten nicht allein solche verzögerung nit ungleich auffgenommen / sondern auch geduldet werden / wann etwa über verhoffen (wovon man doch daß allergeringste nicht wüste) der Großmächtigste König in Böhmen / Herr Ladisla / seine geliebete Fräulein Schwester schon anderwerts solte versprochen haben. Dem Gesanten wahr dieses eine unvermuhtliche Erklärung / ward auch so dutzig / daß er nicht ein Wort darauff antworten kunte; endlich zeigete er an / daß er alles wol verstanden / hätte doch gehoffet / eine glüklichere Verrichtung zu leisten / und mit einer höchstannehmlichen Gewißheit seine gnädigste Herren zuerfreuen. Worauff die Königin selbst zur Antwort gab; Geleistete äide verknüpfeten gar zu hart / welches vor dißmahl eine nähere Erklärung ganz nit zulassen wolte / solten aber die gütigen Götter diese Heyraht versehen haben / an welcher sie ihres teils auff ihres Herrn Sohns Einwilligung ein gutes Genügen haben könte / währe hernähst weiters hierüber zuhandeln /welches ihm vordismahl zur schlißlichen Antwort müste angemeldet seyn / würde es seinen Gnädigsten Herren bescheidentlich zuhinterbringen / vor geschehene gewogene Werbung zu danken / und ihren Gruß hinwie derumb anzumelden wissen. Hierauff muste Jungfer Libussa ihm eine statliche schwere Kette / mit angebundenen Kleinot einreichen und an den Hals legen / welche er mit untertähnigster Danksagung annam / hörete auch gegenwärtig an / daß die Königin ihrem Reichs Kanzler befahl eine gehörige Antwort auff den eingelieferten Begläubigungs-Brieff auffzusetzen / und dem Herrn Gesanten nach Verlauff einer Stunde einhändigen zulassen / damit derselbe an seiner Reise nicht gehindert noch auffgehalten würde. Klogio hörete solches ungerne / und zeigete an / es bestünde seine Reise nicht auff solcher Eilfertigkeit /und baht umb Freyheit / noch etliche Tage sich hieselbst auffzuhalten; welches jhm dann ganz willig gegönnet [199] ward. Diesen ganzen Tag schlug dieser sich mit Grillen / lies sich auch entschuldigen / bey der Königlichen Mahlzeit zuerscheinen / aber des folgenden Morgens hielt er abermahl umb ein absonderliches Gespräch bey dem Fräulein an / welches auff ihrer Fr. Mutter Bewilligung sie ihm gönnete. Da er nun auf ihr eigenes Zimmer zu jhr kam / und daselbst keinen weiblichen Zierraht / sondern Bogen / Pfeile /Schwerter / Harnisch und allerhand Pferdezeug sahe /wunderte er sich dessen nicht wenig / nam auch daher ursach / das Fräulein also anzureden; Wann ich nicht so eigen wüste / Durchleuchtigstes Fräulein / daß ich auff dem Königlichen Böhmischen Schlosse zu Prage bin / würde ich dieses Zimmer vor meines gnädigsten Großfürsten des unvergleichlichen Helden Markomir seine Gewehrkammer halten / auff welcher von seiner Durchl. ich Abscheid nam / als er mich hieher sendete / umb dieselbe Arzney jhm zusuchen / ohn welche seine fast ausgehellichte Seele ausser allem Zweiffel den wolgebildeten Leib bald verlassen wird; Ja /Durchl. Fräulein / gläubet / bitte ich / meiner Rede /welche derselben vorzutragen ich stark befehlichet bin / daß nemlich höchstgedachter mein gnädigster Großfürst durch das allerdurch dringendeste Feur eurer wunderschönen Aügelein in seiner Seele und allen Empfindligkeiten dergestalt entzündet ist / daß die hitzige Glut ihn bald verzehren und zu Asche verbrennen wird / dafern ihm nicht durch eben dasselbe raht geschaffet werden solte / was ihn so hart verletzet hat. Ach gnädigstes Fräulein / gebet / bitte ich / nicht zu /daß derselbe der Würmer Speise werde / der sich zu ihren gehorsamsten Diensten verlobet hat / und gebrauchet euch eurer angebohrnen Freyheit / welche eurem Herr Bruder keine Herrschafft über Eure Durchl. gegeben hat; ob dann gleich mein gnädigstes Fräulein in ihren kindlichen Jahren demselben aus Unverstande einen solchen äid geleistet haben möchte / so ist doch dieselbe meines ermässens daran mit nichten gebunden / insonderheit / da derselbe in fremden abgelegenen Landen sich auffhält / so daß man nicht eins weiß / an was Ort und Enden dessen Durchl. mag anzutreffen seyn. Er hatte diese Worte kaum ausgeredet / da klopffte eine des Frauenzimmers an die Tühr welche das Fräulein / weil sie gar allein bey jhm wahr / aufmachete / und etliche fremde Diener stehen sahe / so vier schwere Laden herzu getragen hatten / lieferten auch dieselben / als hätten sie dessen gute Freyheit / gar auff das Gemach; welche Kühnheit jhr nicht wenig zu hertzen ging / so daß sie sich nicht enthalten kunte / zu fragen / auff wessen Geheiß sie solches zu tuhn sich unterstünden. Welches Klogio der Gesandte also beantwortete: Durchl. Frl. es übersendet mein gnädigster Großfürst / Herr Markomir deroselben ein geringes Zeichẽ seiner Ergebenheit / untertähnig bittend / dieselbe solches mit gnädiger Gewogenheit annehmen / und dadurch sein nohtleidendes Hertze was beruhigẽ wolle. Herr Gesanter / antwortete sie mit einem Ernste / seyd ihr auff euer erstes Anbringen einer Antwort von mir gewärtig / so lasset alsbald diese eure unhöflichen Diener alle herzugetragene Sachen wieder hinweg in eure Herberge bringen biß auff weiteren Bescheid / dann es müssen solche unhöfliche Gesellen wissen / dz jhnen nicht erläubet sey / ohn meine ausdrükliche Zulassung / dieses mein Zimmer zubetreten / vielweniger mich so verächtlich zuhalten / daß auff meine Frage sie mich nicht eins einer Antwort gewirdiget; Werdet ihr aber solches nicht schaffen / werde ich schon die rechte Zeit wissen / mich dessen bey eurem Großfürsten zu beschweren. Klogio entsetzete sich hierüber / und mit einem Wink gab er seinen Dienern zuverstehen /[200] daß sie ohn Auffschub mit allen Sachen wieder hingehen musten / daher sie kommen wahren. Hernach fiel er in die flehe / und baht mit einem Fußfalle umb gnådige Vergebung / einwendend / daß er den groben Tölpeln solche Frecheit nicht befohlen hätte / er auch dieselben / da Ihre Durchl. es begehreten / deswegen am Leben straffen wolte. Das Fräulein richtete ihn freundlich auff / und antwortete ihm: Aus seinen Reden erkennete sie seine Unschuld / und solte hiemit alles vergeben und vergessen seyn; bald hernach gab sie ihm zu vernehmen / wie sie nicht unwillig wåhre sein Vorbringen zubeantworten / nur möchte sie zuvor von ihm gerne berichtet seyn / ob sein Großfürst Herr Markomir sie dann gesehen hätte / wie aus seinen Reden sie nicht anders muhtmassen könte. Ja /gnådigstes Fräulein / antwortete er / es wolle / bitte ich / Eure Durchl. sich gn. erinnern / daß vor ungefehr neun Wochen deroselben ein junger Ritter mit einem Purpur ReitRocke und langem weissen Federpusche im Gehöltze auff der Jagt ohngefehr begegnet / sie freundlich gegrüsset / und gefraget / ob sein Weg recht nach Prag zuginge; Worauff sie jhm mit einem kurtzen Ja geantwortet / und ohn verweilen dem Wilde nachgeeilet. Es kan seyn / antwortete sie / wiewol ich mich dessen kaum erinnere. Ist aber derselbe euer Großfürst gewesen? Ja / sagte er; und hat dessen Durchl. sich darauff XII Tage in Prag als ein schlechter Ritter auffgehalten / auch täglich Gelegenheit gesucht / ihr allerliebreizendeste Angesicht zusehen /worüber er vor unleidlicher Liebeshitze in eine gefährliche Krankheit gerahten ist / daß er sich also schwach hat müssen lassen nach seiner Heymat hinführen / ist auch sider dem nicht genesen / sondern des steiffen Vorsatzes verblieben / seinem Kummer durch den Tod die Endschaft zugeben; biß der König sein Herr Vater durch einen jungen ädelman / welchen der junge Großfürst hefftig liebet / die Ursach seiner Schwacheit in Erfahrung gebracht / und ihn heissen gutes muhts seyn / unter der verheissung / durchaus nichts zu sparen / biß er ihm diese wirdige Heyraht hätte zuwege gebracht / ob er gleich sein gantzes Vermögen dran setzen solte. Sehet / Gnädigstes Fråulein /einen solchen inbrünstigen Liebhaber hat dieselbe an meinem Gnädigsten Großfürsten / welcher meines ermässens verdienet / daß durch Euer Gn. Begünstigung sein Leben gerettet und dem frühzeitigen Tode entrissen werde. Es müste mir sehr leid seyn / antwortete das Fräulein / daß ein so ruhmwirdiger Fürst meinet wegen einiges Ungemach erleiden solte / weiß auch wol / daß meine ganz' geringe Schönheit der Wirkung nicht ist / einen solchen Fürsten in LiebesLeyden zu stürzen / sondern eine falsche Einbildung / oder sonsten ein schädlicher Zufal muß dieses bey ihm verursachet haben. Doch wie dem allen / so vernehmet /Herr Gesanter / meine Gewissens nöhtige Antwort auff euer erstes vorbringen. Ihr rahtet mir / ich solle meiner angebohrnen Freyheit mich gebrauchen / und wollet mir zugleich einbilden / der meinem Herr Bruder von mir geleistete äid verbinde mich nicht zum gehorsam dessen / was ich so teur versprochen habe. Zwar es mag der Herr Gesandter / angesehen meine Jugend und weibliches Geschlecht / mich vor so unverständig halten / als wüste ich diesem seinen Vorbringen nicht mit gültiger Wiederlegung zu begegnen; und gestehe ich gerne / daß meine Einfalt vielleicht nicht sihet / was verständigere sehen; aber daß ich gleichwol nicht gar in der Maulwurffs-blindheit liege / wird verhoffentlich meine kurtze Antwort in etwas Anzeige tuhn. Der Herr Gesanter erinnert mich meiner Freyheit / die ich Gott Lob von meiner Geburtsart habe; Ja [201] ich erinnere mich derselben ohndas selbsten /wolte sie auch nicht umb aller Welt Gut vertauschen /aber dieselbe heisset mich nicht / meines Herrn Bruders (welche nunmehr auch mein gebietender König ist) wolgemeyneten recht brüderlichen Willen (dessen ich gantz gewiß bin) zuverachten / oder vor nichts zu schätzen / sondern meine Vernunfft heisset mich vielmehr meine angebohrne Freyheit allemahl mit dem Zucht- und Tugendstabe zu mässen / und ausser derselben keine freyheit zu begehren. Ja Herr Gesanter / ich gebrauche mich meiner freyheit recht und gebührlich / indem ich mich von demselben nicht bereden lassen wil / etwas zubegehren / das nicht aus freyheit / sondern aus frecheit entspringen würde / wañ ichs tähte. Dann sehet weiter / ihr woltet mir gerne /weiß nicht durch was vor einen nichtigen blauen Dunst / einbilden / ich währe nicht schuldig meinen geleisteten hoch beschwornen äid zu halten; dann es währe in kindlichen Jahren geschehen / es währe aus Unverstande geschehen / und mein Herr Bruder und König währe nicht anheimisch / sondern in fremden Landen. Gnug lasset ihr euch dadurch vernehmen /daß ihr mich vor eine unverständige haltet / davor ihr mich ausdrüklich scheltet / und ich eurem Verstande zu gute halte; Aber heisset nach diesem eure Kinder die äide brechen / welche man Göttern aus wolbedachtem Muhte schwöret / und nicht mich / die ich von Jugend auff von meinen lieben Eltern zur Gottesfurcht angewiesen bin / keiner Götter zu spotten /sondern lieber zu sterben / als wider dieselben zu sündigen; Ja wagets vor euch selbst / und brechet die Gelübde den Göttern getahn / ich werde euch in dieser Lehre nimmermehr folge leisten; Habe ich dann in kindlicher Jugend den äid abgestattet / so habe ichs doch / ohn Ruhm zu melden / wol verstanden / was ein äid nach sich führet / und hätte ichs aus Unverstande getahn / so würde gleichwol diese Zeit her derselbe in etwas verringert seyn / da ich jhn noch diese Stunde vor verbindlich halte / und biß an meines Lebens Ende halten wil. Daß aber mein Herr Bruder nicht hier bey uns ist / so würde mich ein solches von dem Meinäide nicht befreyen / so lange ihr mir nicht dartuhn könnet / daß die Götter auch nicht bey uns seyn / bey welchen ich geschworen habe. Klogio wahr durch diese Antwort dergestalt beschämet / daß er kein Wort dawider reden kunte; endlich noch fing er an: Durchl. Fräulein / ist etwa ein verflogen unbedachtsam Wort aus meinem Munde mir entwischet /daß ich aus Kummer über meines Durchl. Großfürsten elenden Zustand nicht alles so genaue überlegen kan / bitte ich untertähnigst / mir solches gnädigst zu verzeihen; Und nachdem ich einen solchen hohen Verstand bey Eurer Durchl. Jugend finde / welcher in wenig grauen Häuptern zu suchen ist / so flehe dieselbe ich durch alle Götter an / vor meinen fast leztzügigen Großfürsten eine heilsame Arztney mir gnädigst mitzuteilen. Solte euer Großfürst meinet wegen in einige Ungelegenheit gerahten seyn / solches würde mich nicht wenig bekůmmern / sagte sie; und ist es euch ein Ernst / bey mir Raht zu suchen / so wil nach meinem geringen Verstande ich euch einen solchen mitteilen / welchen verhoffentlich kein Verständiger tadeln / und kein Mensch verbessern wird. Unterrichtet euren Fürsten / oder führet jhm zu Gedächtniß / daß ein jeder / er sey Fürst oder Baur / seinen Willen in der Götter Willen hinstellen / und mit deren Schickung allemahl friedlich seyn müsse / so daß wider deren Versehung er nichts begehren sol; Hat nun der Himmel mich diesem euren Großfürsten zum Gemahl ausersehen / als dann werden die Götter es fügen / daß mein Herr Bruder sich dagegen nit sperre; [202] würden aber die Götter mit eurem Großfürsten / wie auch mit mir ein anders vorhaben / alsdann wird unser keiner den Himmel stürmen / noch den Schluß der allwaltigen Versehung brechen können; ich meines teils versichere den Herrn Gesanten / daß kraft meines getahnen äides ich nicht anders fahren kan noch wil /sondern lieber tausend Seelen / wann ich sie hätte /mit meinem Blute außspeyen / als mich in der Götter schwere und unvermeidliche Ungnade stürtzen. O ein guter und heilsamer Raht vor einen vernunfftmächtigen Menschen / antwortete Klogio / aber wo die Liebesbegierden die Herschaft führen / da hilfft er zu nichts / als zum schleunigen Verderben. So muß auch ein Mensch lieber verderben / als wider die Götter sich aufflehnen / antwortete sie / und ist dieser Raht eurem Großfürsten nicht behäglich / müsset ihr euch nach einem bessern umtuhn / aber danebẽ wissen /daß wann eures Königes von euch angeführete Reden / zur Bedräuung solten gemeynet seyn / nehmlich / er wolle sein gantzes Vermögen dran setzen / mich seinem Sohn zu liefern; sage ich euch zu / daß eures Königes Vermögen / ja der gantzen Welt Macht nicht stark gnug sey / mich von der Götter gehorsam abzuschrecken / als lange ich solcher Gottlosigkeit durch einen ruhmwirdigen ehrlichen Tod vorkommen kan; und wil auff solchen unverhoffeten fall euch gewißlich nicht bergen / daß gleichwol hinter dem Berge auch Leute wohnen. Wil nun euer König weißlich handeln / wie er ja wegen seiner vorsichtigen Klugheit hochberühmet ist / so wird er meines Herrn Bruders Erklärung erwarten / ob gleich dieselbe sich in etwas verweilen dürffte / insonderheit / weil wir beyderseits noch so zu rechnen Kinder sind / und zu heyrahten Zeit genug vor uns haben; Dieses ist meine Erklärung / dabey bleibe ich beständig biß in den Tod. Ich muß mich damit befriedigen lassen / antwortete er / wie wenig Trost auch mein Fürst daraus zuschöpffen hat /nur wolle Eure Gn. meines Königes erbieten gegen seinen lieben Sohn nicht gefährlich ausdeuten. Eines aber hoffe ich noch zuerhalten / daß Eure Durchl. dieses von dero ergebenem Knechte geschriebene Brieflein gnädig anzunehmen jhr werde gefallen lassen; mit welchem Worte er solches einzuliefern bedacht wahr; dessen sie sich aber also wegerte: Es wil einem züchtigen Fräulein nicht anstehen / hinter ihrer Fr. Mutter Wissen von jungen verliebeten Fürsten / Briefe zu nehmen / aber wann er mir solchen in dero Gegenwart darbeut / und ihr Befehl mit zustimmet / bin ich darzu willig. Muste also der gute Klogio auch hieselbst einen blossen schlagen / und das Schreiben zurük halten / weil er ausdrüklichen Befehl hatte / es ihr in geheim beyzubringen; Und als er sahe / daß durch weitere Ansträngung er die Sache nur verderben würde /brach er nach kurzgenommenem Abscheid des folgen den Tages auff / voll Unmuht / daß er weniger als nichts verrichtet hatte. Sein Abzug wahr allen angenehm / und geboht die Königin auf der Fräulein begehren / den Böhmischen Herren / welche hierumb Wissenschafft trugen / ganz ernstlich / daß sie keinen Menschen davon sagen solten. Auff den angesetzeten Reichstag erschienen die Stände willig / denen die Königin durch Herr Bretisla ihren Kanzler vortragen ließ: es hätte ihr lieber geträuer Wenzesla ihren Sohn Herr Ladisla ohngefehr zu Rom angetroffen / da er desselben Tages neben seinem brüderlichen Freunde Fürst Herkules einen gefährlichen Kampff wieder XVI Räuber angetreten / aber durch ihre Mannheit /wiewol nicht ohn empfangene Wunden sich loßgearbeitet. Zwar sie hätte an ihren Herr Sohn inständig begehret / daß er sich eh ist einstellen / [203] und die Herschafft antreten möchte / aber die Ursach seines aussenbleibens würden sie aus seinem Schreiben selbst vernehmen. Hierauff zohe die Königin das grössere Schreiben hervor / und reichte es dem Kanzler / welcher es überlaut lase / daß alle Anwesende es deutlich vernehmen kunten:

Ladisla / Erbkönig in Böhmen / entbeut der Großmächtigsten Fürstin und Frauen / Frauen Heidewieg / gebohrner Groß-Fürstin aus Teutschland / gekr \neter verwittibter Königin in Böhmen / seiner Gn. Fr. Mutter / Kindliche Liebe und Träue bevor. Herzgeliebte Fr. Mutter /euer Schreiben neben übergeschikten Kleinoten und Wechselbriefen habe ich von Zeigern Wenzesla wol empfangen / bedanke mich kindlich der geleisteten mütterlichen Träue / und ist mir herzlich leid / daß mein Gn. Herr Vater / Herr Notesterich / König in Böhmen / diese Welt gesegnet / und durch einen leidigen Unfall seinen Untertahnen / Gemahl und Kindern von der Seite hinweg gerissen ist / empfinde doch daneben einen sonderlichen Trost aus obgedachtem Schreiben / daß das gantze Königreich der Woltahten meines Herrn Vaters höchstseel. eingedenke / mich ihren angebohrnen Reichs Erben von Herzen wünschẽ / und zu ihren König zu krönen begierig sind /welches zeit meines Lebens mit sonderlichen Gnaden zu erkennen ich mich schuldig befinde. Als ich aber ein hartverbindliches Gelübde in meinen äussersten Nöhten dem höchsten Gott Jupiter geleistet / daß zur Dankbarkeit vor die erwiesene Hülffe ich seine Kirche in Libyen zum Jupiter Hammon genennet / besuchen wolte / und daher in meinem Gewissen nicht ruhig seyn kan / biß ich mein versprochenes Opffer daselbst gegenwärtig geleistet / so zweiffelt mir nicht / es werde meine Fr. Mutter und die sämtlichen löblichen Stände meines Erb Königreichs ihnẽ solches gefallen lassen / insonderheit / weil der Durchl. Großfürst Herkules auff mein bittliches Ansuchen mich dahin begleiten wird. Weil ich dann nicht wissen kan /wie bald meine Reise möchte geendiget werden / und dannoch inzwischen das Königreich ein gegenwärtiges Häupt haben muß / als wird meine Fr. Mutter mit Zuzihung der grössesten Landes Herren (die im eingeschlossenẽ Zettel nahmhaftig gemacht) die Reichsverwaltung biß dahin geträulich handhaben / daß auff meine (so die Götter wollen) Wiederkunfft / dem gantzen Reiche deßwegen gebůhrliche Rechenschafft könne gegeben werden; im fall aber der Tod mich übereilen solte / ist meine geliebte Frl. Schwester / Frl. Valißka / die näheste Erbin /dessen sie mit keinem Rechte mag beraubet werden. Jedoch getraue ich den gütigen Göttern / sie werden inwendig zweyer Jahre frist mich wiederumb nach Hause bringen. Die mächtigen Rükhalter unsers Königreichs (da innerliche Empörung oder äusserlicher Krieg entstehen würde) weiß meine Fr. Mutter ohn mein erinnern / nehmlich den Großmächtigsten GroßFürsten der Teutschen /Herrn Henrich / wie auch den Großmächtigsten König in Schweden Herrn Haron / welche auff begehren ihnen keine Hülffe versagen werden. Empfehle hiemit mein geliebtes Reich / Fr. Mutter und Frl. Schwester dem Schutz aller Götter. Gegeben in Rom am XXIX Tage des Jenners / an welchem Tage vor XXV Jahren meine Eltern ihr Königliches Verlöbniß auff dem Schlosse zu Prag gehalten.


Ladisla.


Nach verlesung lies die Königin den Brieff in der Versamlung umbher reichen / nicht allein die Hand und das Pitschafft / zuerkennen / sondern es auch selbst durchzulesen / dessen sie sich alle wegerten /als welche an der Königin Aufrichtigkeit nicht zweiffelten / ausser einer / nahmens Herr Ninisla / besahe es hinten und fornen / lase und wiederlase es / und stellete sich dabey zimlich ungeberdig / welches den meisten Anwesenden sehr übel gefiel / daß endlich Herr Krokus / der ihm am nähesten saß / zu ihm sagete, Ob er etwas Zweiffel hätte / möchte ers ihm nur in vertrauen andeuten. Dieser antwortete / es könnte solches hernach geschehen / nur möchte man den Nebenzettel sehen lassen / auff welchem die ReichsRähte verzeichnet stünden. Es ward solches alsbald geleistet / und befunden sich diese Nahmen: Herr Bretisla wiederbestätigter Reichskanzler / Herr Zeches / Herr Wlodimir / Herr [204] Vorich / Herr Bela / bestätigte Land-Kriegs- und Schaz Rähte; Herr Krokus / Herr Bugesla / Herr Stanisla / Beysitzer. Ninisla hatte gehoffet / mit unter dieser Anzahl zu seyn / und als er ein wiedriges befand / hielt er an / daß etliche von der Ritterschafft /welche er mit Nahmen nennete / einen Abtrit mit ihm nehmen möchten. Es ward ihm solches gerne erläubet / weil die benenneten sich nur auff XIV Håupter ersträcketen / unter welchen seyn Sohn Urisla mit wahr. Als diese von den andern abgesondert stunden /fing Ninisla also an: Ihr meine liebe Herren und Anverwanten / was dünket euch bey dem abgelesenen Schreiben? Es ist zu Rom geschrieben / bey unsern und aller freien Königreichen abgesageten Feinden; es ist ein Befehlschreiben an alle Stände von einem der noch nicht zur Kron befodert ist; der Urschreiber setzet nach freiem Willen Vorsteher des Landes / und fraget die Stände nicht eins / da er selbst noch zur Zeit weder Stand noch Håupt ist. Uber daß komt mir das Schreiben an sich selbst sehr verdächtig vor / und klinget in meinen Ohren nicht anders als hätte Bretisla der stoltze Mann es selbst auffgesetzet; welches ich umb so viel mehr vor wahr halte / weil vor wenig Tagen mir ein reitender Bohte auß Rom begegnet /welcher auff meine Nachfrage nach neuen zeitungen /mich unter anderen berichtete / es währen zween junge fremde Ritter vor weniger Zeit in Rom von XVI Häschern nidergemacht / welche von dem Käyser befehlichet gewesen / dieselben als feindliche Kindschaffter gefänglich anzunehmen / weil sie aber sich nicht ergeben wollen / währen sie also nidergestossen. Was wollen wir nun tuhn / ihr meine Freunde / wollen wir schweigen oder reden? wollen wir das Vaterland verrahten oder retten? Zwar unsere Macht ist geringe /aber gebet mir Volmacht zu reden / und stehet fest bey mir / was gilts / wir wollen den Strik zureissen /damit man uns fesseln wil. Ninisla wahr bey dieser Rotte in grossem Ansehen / und däuchte sie sein Vorbringen der Wahrheit gemåß / daher sie ihm allen Beystand verhiessen; er aber alsbald Freyheit zu reden von der Königin begehrete. Der Kanzler wuste daß er ein Unruhiger und Ehrgeiziger Mensch wahr / redete mit der Königin / und auff deren Gutheissen antwortete er also: Ihr begehret gehöret zu werden / Herr Ninisla / und seid so kühn gewesen / in gegenwart unser allergnädigsten Königin und der Durchl. Fräulein / etliche eurer Anverwanten auffzufodern / und mit denen einen absonderlichen Rahtschlag zu halten / noch ehe dann unsere allerseits höchstgebietende Königin alle Notturfft vorgetragen hat. O sehet euch ja vor und machet euch nicht selbst Ungelegenheit; habt ihr aber etwas anzumelden / so lasset zuvor alles ungestöret geschehen / was unsere gnädigste Königin zu handeln willens ist. Also muste dieser ruhen / und zuvor anhören was der Alte wenzesla auff der Königin Befehl mündlich vortrug; er hätte auff gut Glůk seinen Weg auff Rom genommen / weil ihm sein Herz zugetragen / sein König würde daselbst anzutreffen seyn / welcher ihm auch bey seinem Einzuge in der Stad / auff der Gassen nebest Fürst Herkules begegnet / und ihn mit sich in ihre Herberge geführet / da sie bald darauff von XVI Dieben mit Schwertern überfallen währen /hätten sie aber durch ihre Krafft alle nidergeschlagen /und durch fleiß eines berühmten Arztes nahmens Galenus / währen sie an ihren Wunden geheilet / welche ganze Zeit ůber er ihnen auffgewartet / biß sie ihre völlige Gesundheit erlanget / und zu einer weiten Reise sich fertig gemacht hätten; ihr damahliger Römischer Wirt hiesse Sabinus / wohnete nicht weit von der Kirche [205] Pantheon / woselbst alles vorgelauffen währe; bey dem könte man sich erkunden / und stünde er hieselbst / den abscheuhlichsten Tod zu leiden / wo sichs anders verhielte. Ninisla begunte von seinem Gewissen geängstet zu werden / welches ihm Krokus rührete / da nach Wenzesla gehaltener Rede er ihn träulich warnete / sich wol vorzusehen / um weitern Verdacht zu meyden; er wüste daß ihm schon ungleiche Nachrede erwachsen währe / darumb daß er den König auff die Jagt gelocket / woselbst er erschlagen worden. Ninisla sagte zu ihm / er wolte ihm bald Genügen tuhn; stund auff und meldete dem Kanzler an /er und andere mit ihm / währen ihres zweiffels durch des alten Außreiters Erzählung entnommen / daß er nichts vorzutragen hätte / nur dz er hoffen wolte / man würde einen redlichen Freund des Vaterlandes seiner Freyheit nicht berauben / bey Reichsversamlungen etwas vorzutragen / dann ob er gleich in keinen Reichsamtern sässe / liesse er dannoch ohn Ruhm zumelden / ihm des Landes Wolfahrt ja so eiferig / als ein ander / angelegen seyn. Daran handelt ihr recht und löblich antwortete der Kanzler / und wann mit etliche tausend Kronen ich mich von meinem mühseligen Ampte loßkäuffen könte / wolte ich solches mit freuden tuhn. Jener taht / als ginge ihn diese Rede nicht an / sondern wendete sich zu Krokus / und gab vor; daß er seinen Weyland gnädigsten König auff die Jagt geruffen / währe auff dessen außdrüklichen Geheiß geschehen / und da jemand deßwegen ichtwas auff ihn zu sprechen hätte / solte er solches mit recht tuhn / als dan wolte er demselben redlich zubegegnen wisse; könte aber dannoch nicht unterlassen / es seuffzend zu beklagen / daß das Reich einen / und doch keinen König hätte; doch was die gesamten Stände vor gut achten würde / solte ihm mit gefallen. Dieselben nun / nach kurzer beredung / befahlen der Königin die oberste Auffsicht / und den acht genenneten Herren die Mitherschafft; als sie auch vernahmen /daß vielleicht ihr König noch wol zu Padua seyn möchte / oder zum wenigsten daselbst unter den Tohren Nachricht verlassen hätte / welchen Weg er eigentlich genommen / beschlossen sie / etliche ihres mittels dahin zu senden; zu welcher Reise dann Herr Ninisla sich gutwillig anerboht / aber den Bescheid bekam / die Königin mit zuziehung der Herren ReichsRähte wůrden schon wählen / welche sie darzu düchtig erkenneten da es ihn so bald als einen andern treffen könte. Als nun die ganze Versamlung voneinander gehen wolte / deutete ein alter vornehmer Herr /nahmens Pribisla an / er hätte der hochansehnlichen Versamlung etwas guter Meynung vorzutragen / da er sonst könte gehöret werden; und auff erläubnis fing er also an: Hochädle Herren und Freunde / wir tuhn recht und wol / daß wir unserm Erbkönige / dem Durchleuchtigsten Fürsten und Herren / Herren Ladisla / durch Abgesanten unsern Gehorsam und untertähnigste Dienste anmelden wollen / welches auch seine Durchl. ohn zweiffel gnädigst annehmen und außdeuten wird; aber ihr meine Herren / auff was Art und Weise wollen wir solches verrichten? ists etwan gnug / daß die künfftige Herren Abgesanten / wer sie dann seyn werden / ihre Werbung mündlich vortragen /oder etwa ein Schreiben / von unser allerseits gnädigsten Königin / und den hochansehnlichen Herren ReichsRäthen versiegelt und unterzeichnet / zum Beweißtuhm mit sich nehmen? Solches wird ja niemand vor gut halten / der nur bedenket / daß unser Herr und König nit zu Prag auff dem Schlosse / noch in Teutschland bey seiner Fr. Mutter Herr Bruder dem Großmåchtigsten Großfürsten / sondern in der Wildfremde sich auffhålt / wo selbst seine [206] Durchl. eben so viel eigenes hat / als der geringste von unsern Dienern; warumb wolten wir ihn dann hůlffloß lassen /und nicht mit gebührlichen Königlichen Lebensmitteln versehen? Währe es anderst zurechnen / ihr meine Herren / als daß er sich mit unserm guten Willen aus seinem Eygentuhm verbannete / und dessen nicht eins zu seiner Notturfft zu geniessen hätte? Die Vernunfftlosen Bienen unterhalten ja ihren König / fliegen auß / uñ hohlen ihm daß allersüsseste ein; und wir wolten unsern König / da er / dem Böhmischen Nahmen Ruhm zuerwerben außfleuget / und uns als faule Hummeln im Stocke zehren lässet / ohn Mittel / ohn Gelder / und nöhtige zehrungskosten / darben und verderben lassen? Ich schäme mich / das Beyspiel der unflätigen Ratzen einzuführen / von denen die Mäusefänger melden / daß sie ihrem Könige den besten überfluß zuschleppen. So lasset uns nun die unvernünfftigen Tihre fragen / was Gestalt unsere Abgesanten vor unserm Könige erscheinen müssen / die werdens uns schon sagen / die werden uns dieses in die Ohren ruffen; eurem Konige ist weder mit süssen worten / noch bundgemahleten Brieffen / noch darstellung etlicher Bömischen Untertahnen gedienet; schaffet ihm / daß er seinem Stande gemäß leben könne / alsdan werdet ihr als rechtschaffene Untertahnen bey eurem Könige handeln. Damit ich aber nicht vor einen Großsprecher angesehen werde / der viel rede / und wenig tuhe / wolan / so habe ich zwar zween Erben / einen Sohn und eine Tochter / aber dieselben wil ich vor erst also versorgen / meinen Sohn Leches vermache ich meinem gnädigsten Könige zum Leibdiener / und meine Tochter untergebe ich meinem gnädigsten Königlichen Fräulein zur Magd und auffwärterin; hernach biete ich alle meine fahr- und liegende Haabe / Lehn und Erbe aus zukauffe / daß die Herrn Abgesanten das Geld davor meinem gnädigsten Könige mit übernehmen / damit seine Durchl. in der fremde nicht mangel leyde / sondern sich noch Bömischer Zusteuer zuerfreuen habe / und warte ich auff nichts anders / als daß sich ein Käuffer angebe / die lieferung sol auff erlegung der Gelder stündlich folgen. Die Versamlung schämete sich nicht wenig / daß sie dieses nicht zuvor bedacht / rühmeten Herren Pribisla Vermahnung / und erkenneten / sich ihm deßwegen verbunden seyn / traten zusammen / beredeten sich einer freywilligen Steuer / und wie hoch dieselbe sich erstrecken solte. Ninisla gab sein Bedenken / es möchten die Untertahnen sehr ůbel empfinden / daß man der gleichen ungewöhnliche Nebenschatzung ansetzen wolte / die Königliche Kammer würde ausser zweiffel wol mit so vielem versehen seyn / als ihr künfftiger König mit etlichẽ wenig Dienern verzehren würde / der vielleicht nur als ein schweiffender Ritter zu reisen gesonnen währe; jedoch könte er ihrem Gut dünken sich nicht wiedersetzen / nur dz er hoffete /man würde ihn damit verschonen / weil die Pannonischen Räuber ihn nit allein abgeplündert / sondern sein Gut reinweg gebrand / auch sein Weib / Kinder (ohn den ältesten Sohn) und alles Gesinde nidergeschlagen / ja ihm nichts als seine liegende Gůter und außstehende Gelder / übrig gelassen / davon er mit genauer Noht seinen Stand führen könte. Herr Bugesla gab ihm zur Antwort; es währe auff keine gezwungene Schatzung angesehen / sondern es solte Herrẽ /Aedlen / Bürger und Bauer frey gestellet werden / was sie tuhn oder nicht tuhn wolten; und solten redliche Leute aus allen Ständen erwählet werden / die alles /was eingebracht würde / auffheben / und dagegen einen Schein von sich geben solten. Hiemit wahr diesem wiederwertigen das Maul / aber nicht [207] der Unsin gestopffet / und schlossen sie / daß ihrem Könige / als lange er ausserhalb Landes seyn würde / jährlich 100000 Kronen / dieses erste Jahr aber alsbald eins so viel nach Padua solte übergemachet werden / auff daß er sich zur Reise desto besser außrüsten könte; macheten auch die drey erwähleten Beysitzer / als Herren Krokus / Bugesla und Stanisla aus / der Königin und dem Fräulein solches anzudeuten / doch daß Herr Pribisla als der erste nachsinnige Rahtgeber mit ihnen ginge. Die Königin erfreuete sich des erbietens höchlich / und versprach Pribislaen / ihr Herr Sohn solte es / wo nicht an ihm selbst / zum wenigsten an seinen Kindern zu verschulden wissen / dz er nicht allein den ersten Vorschlag getahn / sondern alle seine Güter dieser Behueff freywillig zukauffe außgebohten / und wolte sie ihn hiemit vor ihren geheimen Raht und Drosten erkläret / angenommen uñ bestätiget haben. Dieser aber antwortete hierauff: Allergnädigste Königin / ich wil nimmermehr hoffen / daß ihre Hocheit im sechs und siebentzigsten Jahre meines alters mich mit dieser unerträglichen Bůrde belegen wird; ich habe nunmehr XLVI Jahr aneinander dem Vaterlande unter bedienungen auffgewartet / uñ mir die unfehlbahre Hoffnung gemacht / ihre Hocheit würden mich anjezt aller solchen beschwerden gnädigst erlassen / weil ich mir gänzlich vorgenommen /hierumb untertähnigst anzuhalten; dann meine Schuldern sind nunmehr unvermögen / die Beine wanken /und ist nichts an mir / als der blosse Wille / welches nicht der Ruhe begehren solte. Ich habe aber einen Sohn / wie eure Hocheit weiß / der ist jung und stark /und hat fünff Jahr lang den ritterlichen übungẽ nachgesetzet / denselben wil ich meinem Könige zusenden / ihm auff der Reise auffwärtig zu seyn / oder da er schon fortgezogen ist / ihm zu folgen / auff daß er in der fremde einen angebohrnen Untertahnen zum Diener habe / dem er kühnlich trauen dürffe. Mein guter Pribisla / antwortete die Königin / ich erlasse euch /weil ihr lebet / meiner Dienste nicht / jedoch trage ich sie euch auch nicht auff / ob soltet ihr mit ungemach hieselbst arbeiten und aufwarten / sondern ihr sollet alle eure freyheit haben / und nach belieben / wie und wann ihr wollet / zu Hofe seyn / aber nicht desto minder eure Bestallung haben; und ob ihr solches nicht gerne annehmen woltet / müsset und könnet ihr mirs doch nicht versagen. Als die Königin ausgeredet hatte / trat das Fräulein mit der allerbewäglichsten freundligkeit zu ihm / hatte ein schönes Kleinot vorne an der Brust auffgehefftet / welches sie abreiß / und es ihm mit diesen Worten einreichete: Mein guter Freund Pribisla / hie wil ich euch dieses Pfand zu verwahren geben / als eine Handschrifft dieser Verheissung / daß wo mein Herr Bruder die Vergeltung eurer heutigen Träue zu leisten nicht erleben solte / ich an dessen stat treten / und das von meiner Fr. Mutter versprochene erfüllen wil. Der Alte bedankete sich der hohen Gnade / nam das Kleinot willig zu sich / und gab zur Antwort: O jhr Götter / lasset mich nur so lange leben / daß ich mit meinen dunkelen Augen dieses unvergleichliche Fräulein mag sehen zur Traue fůhren / und schicket ihr den wirdigen Bräutigam zu / alsdann wil ich nicht allein dieses Kleinot gebührlich wieder einliefern / sondern auff Ihrer Durchl. Beylager zwanzig Fuder Wein mit meinen Kosten aus Italien herbeyschaffen. Wie nun Pribisla? sagte sie hierauf / meynet jhr / daß ich euch dieses geringe auff so schweren Zinß leihen wolle? O nein / mein Freund / solchen Schacher-Handel treibe ich trauen nicht. Behüten[208] mich ja die G \tter vor solche Gedanken / antwortete er; es ist Euer Durchl. freygebigstes Herz mir gar zu wol bekant / nur bitte ich untertähnigst / dieselbe wolle ihres unwirdigen allen Knechtes Erbieten nicht verstossen / wie zu deren Gn. ich in aller Untertähnigkeit die feste Zuversicht trage. Wolan / sagte sie / so nehme ichs auff meiner Fr. Mutter Bewilligung gerne an / aber mit dem bedinge / daß wann nach der Götter Willen ich dereins verheyrahtet seyn werde / ich eure Tochter / wo sie noch ledig seyn wird / von dem meinen außsteuren / und sie nach Standes Wirde mit einem Gemahl versehen wil / dessen euer Adel uñ Freundschafft sich nicht schämen sol / dann mir ist nicht unwissend / daß sie ihrer Mutter wegen mir noch etwas verwand ist; solte sie aber schon verheyrahtet seyn / sol ihrem Liebstẽ das erste grosse Lehn in dem Lande verfallen seyn / in welchem ich wohnen werde. Pribisla bedankete sich untertähnigst dieses hohen Erbietens / und sagete: Jezt erfahre ich des alten Sprichwortes Gültigkeit / daß wer auff fruchtbaren Acker säet / zehnfachen Gewin zuerwarten habe. Euer Gn. aber ergebe ich mich samt allen den meinen zur beståndigen Gewogenheit / als lange sie uns untertåhnig-getråu spüren werden. Weil diese so redete /hielt die K \nigin Raht mit den gesamten ReichsRähten / was vor Gesanten zuerwählen wären / und hielt gänzlich davor / es wůrde den Ständen angenehm seyn / wañ man diese drey Herren darzu verordnete / nehmlich Krokus / Bugesla und Stanisla / welche sie als jetzige ihre Abgeschikten darzu gleichsam vorgeschlagen hätten; wie sie dann solches vor ein Zeichen sonderlicher Gnade auslegeten / und ihnen Volmacht gaben / hin und wieder zuschreiben / daß die gewilligte Geldhůlffe auffs schleunigste bey einander gebracht würde / weil man nohtwendig damit eilen müste / und auffs höchste nach Verlauff XII Tagen die Reise geschehen solte. Inzwischen verfertigte die Königin samt den Landständen ein Schreiben an Ladisla /wobey sie als Mutter noch ein absonderliches legete. Frl. Valißka wolte diese Gelegenheit nicht versäumen / setzete sich mit jhrer vertraueten Libussen auff ihr verriegeltes Gemach / daselbst muste sie ihr etliche Haar von ihrem Häupte schneiden / und weil sie mit dergleichen Arbeit wol umbzugehen wuste / ein mit Perlen durchseztes Armband machen; unterdessen nam sie die Feder zur hand / und setzete ein Brieflein an ihren Herkules auff / welches ihr nimmer gut genug dauchte / daher sie es wol dreymahl enderte /und endlich auff diese weise abschrieb.

Durchleuchtigster GroßFürst / hochwerter Herr Oheim und Bruder; wie schmerzlich euer Liebe außgestandenes Unglůk mich gequälet / so hoch bin ich durch dessen Endigung ergetzet worden / insonderheit / daß dieselbe dannoch mitten in dem Leyden der unverschuldeten Knechtschafft einige Vergnügung durch die Erkäntnis des einigen wahren Gottes eingenommen / welche zu fassen / ich hohes Verlangen trage. Der von zeigern dieses Wenzesla / übergebrachte schöne und sehr angenehme Ring ist mir wol eingelieffert / werde mich durch dessen stätiges anschauen euer Liebe geträues auffrichtiges Herz täglich vorstellen / und daß zur gebührlichen Dankbarkeit derselben ich mich schuldig halten muß / so daß / wie geschehener teurer Verpflichtung an meiner Seite noch kein Häärlein entgangen / ich hinfüro auff so fest beschwornen Grund / weder Werke noch Worte / noch Gedanken baue / als die euer Liebe können behäglich seyn. Dieses zu leisten / dessen mein Gewissen mir Zeugnis gibt / habe ich mich bißher beflissen / und wird sein einiger wahrer Gott / der auch mein Gott seyn sol / mir die Krafft verleyhen /diesem bestendigen Vorsatze so wenig Abbruch zu tuhn /als wenig ich mich selbst zu hassen oder zu schänden gesonnen bin. Die Kühnheit meines Schreibens wird eure Liebe durch meine Jugend entschuldigen lassen / welche ohndaß frevelkůhn ist / wie dessen daß geringschätzige beygefügete [209] (welches angenehm zu seyn ich wünsche) noch stärker bekräfftigen kan. Daß ich mich aber hierzu selbst bereden können / machet einig / daß ich seyn und bleiben muß / meinem höchstwerten Herkules / dem teuren GroßFürsten / zu ehren stets verbundene Valißka.

Dieses stellete sie dem alten Wenzesla in grosser Geheim mit diesen Worten zu: jhr wisset mein Freund / daß jhr mir neulich ein vertrauliches Schreiben von Fürst Herkules übergebracht / und habe ich seinem Begehren / so viel ich gekunt / gnug getahn / wie er aus diesem Brieffe sehen wird / welchen jhr jhm ohn einiges Menschen Beyseyn oder Anmerkung einhändigen sollet. In diesem versiegelten Büchslein aber ist ein Ring der in Blutstillung oft bewehret ist / welchen jhr jhm / also vermachet / einreichen / und meinetwegẽ jhn erinnern werdet / daß wo möglich / er meinen Herrn Bruder von der gefährlichen weiten Reise abmahne; dafern sie aber schon würden fortgangen seyn / alsdann stellet dieses alles Ritter Leches zu / daß ers in seiner Nachfolge mit übernehme. Nun hatte sie aber nicht allein gedachten Ring / sondern auch das köstliche Armband mit hinein vermachet / deswegen sie jhm solches so fleissig zu geträuen Händen befahl; nam hernach ein eingewickeltes sehr köstliches Brust Kleinot hervor / von 48. Demanten in gestalt eines Habichts gemacht / welcher in der rechten Klaue ein Täublein / in der linken / ein Zettel hielt / mit diesen Buchstaben: S.F.C. welche bedeuteten:Secura facilè capitur. Eine sichere wird leicht gefangen. Dieses solte jhrem Bruder H. Ladisla mit übergebracht werden /und daß ers wirdigen möchte / nicht allein brüderlich anzunehmen / sondern auch dereins schier seiner Liebesten zu schenken / welches / daß es bald geschehen möchte / jhr höchster Wunsch währe. Wenzesla bedankete sich der hohen Gnade / daß jhre Durchl. jhn solches zu verrichten wirdigte / versprach allen untertähnigen Gehorsam und Fleiß / und wie er nicht allein kurzweilig wahr / sondern sich einer heimlichen Liebe zwischen Herkules und dem Fräulein vermuhtete /fing er an denselben der gestalt zu rühmen / und nicht allein seine Tapferkeit / sondern auch seine Freundligkeit und Gestalt zu erheben / daß sie leicht merkete /zu was Ende dieses angesehen währe / ließ sich aber nichts vernehmen / sondern gab zur Antwort; es ist mir lieb / daß mein Herr Oheim und Bruder lobwirdig ist / möchte nur wünschen / daß er die weiten Reisen einstellete / und vielmehr sich nach Schweden erhöbe / damit sein verlobetes Königliches Fräulein / Frl. Schulda jhn schier wieder zusehen bekähme; welches sie so ernstlich vorzubringen wuste / daß diesem seine vorige Muhtmassung gänzlich benommen ward.

Es hatten die sämtlichen Landstände sich zimlich angegriffen / und drey Tonnen Schaz zusammen gelegt / welche auff Wagen geladen / und des folgenden Morgens / nachdem das Fräulein dem Alten das Schreiben eingehändiget / in Begleitung 500 Reuter /biß an die Römischen Grenzen fortgebracht wurden /und folgeten die drey Gesanten nebest Leches und Wenzesla / mit acht Dienern bald hernach. Gleich da sie das Römische Gebiet erreitheten / liessen sie jhre Manschaft wieder zu rücke gehen / zeigeten jhren Schein Brieff von der Königin auf / in welchem gebehten ward / diese jhre Leute samt bey sich habenden Wagen und Sachen frey und sicher nach Padua ziehen zu lassen / und gingen ohn Hinderung mit grossen Tagereisen fort / biß sie in einem Dörfflein / eine Meile von Padua gelegen / anlangeten / woselbst sie in ein Wirtshauß einkehreten / sich von Koht und Staub zureinigen / auff daß sie in gutem Ansehen den Einzug in die Stadt halten möchten. Sie frageten diese [210] einfåltigen Leute nach neuen Zeitungen / und empfingen Bericht / es würde folgendes Tages des Römischen Stathalters Tochter zu Padua mit einem fremden Herrn Hochzeit machen / wobey ein Ritterliches Stechen solte gehalten werden / und allen / so wol fremden als jnheimischen Rittern die Rennebahn erlåubet seyn; den Dank würde die Braut selbst neben anderen Römischen Fråulein austeilen / doch hielte es jederman davor / wann der Bräutigam und sein Bruder mit stechen solten / hätte kein ander Hoffnung / den Preiß zuerwerben, erzähleten daneben / was wegen Zerstörung des RaubNestes sich zugetragen / nur daß sie unserer Helden Nahmen dabey nicht meldeten. Hieraus verstunden die Gesanten / daß jhnen an der Eile würde gelegen seyn / damit jhnen die Herbergen nicht berennet werden möchten. Unter dem Tohr frageten sie nach der Königin geheiß / ob nicht fremde Ritter bey dem Tohrhüter verlassen hätten / daß / wann etliche Schreiben oder andere Sachen ankähmen / sie an bestimmete örter abgeleget werden solten; weil aber unsere Helden dieses aus der acht geschlagen / ward jhnen mit einem kurzen Nein geantwortet / womit sie auch zu frieden wahren / in Hoffnung / unter andern Tohren bessere Nachricht zu finden; ritten also die Gasse hin / biß sie auff den Markt kahmen / und der aufgerichteten Bilder gewahr wurden / ümb welche die kleinen Knaben und Mägdlein von drey biß zu sieben Jahren in grosser Menge als an einem Reihen tanzeten / und dieses Kinderliedlein sungen:


Die Helden haben Trost und Leben

Uns armen Kinderlein gegeben /

Und Räubers Frevel abgekehrt;


Drum wollen wir sie stets besingen /

Und lassen unser Lied erklingen

So lange Welt und Himmel wehrt.


Herr Krokus befahl Wenzesla näher zu reiten / ümb diese Bilder recht zu beschauen / welcher nicht allein aus der überschrift / sondern auch aus den bekanten Angesichtern die Warheit bald fassete / aber wegen Verwunderung hielt er als ein gehauenes Bild stokstille / wiewol sein Pferd anfing zuspringen / worüber die Kinder erschrecket wurden / daß sie mit einem Geschrey davon flohen. Etliche vornehme Bürger stunden auf dem Platze / und stelleten jhn zu rede / warümb er die Kinder so verjagete / uñ von jhrem wolzugelassenen Spiele abschreckete; woran er sich aber wenig kehrete / sprengete hinter sich nach seiner Geselschafft / und sagte zu jhnen: Ihr meine Herren / ich bringe euch das grösseste Wunder zur neuen Zeitung /dann entweder ist unser König und der junge Teutsche Großfürst in jene Bilder verwandelt / oder sie sind jhnen zu sonderlichen und unsterblichen Ehren auffgerichtet / dañ sie heissenHerkules und Ladisla die Fremden; Sie ritten ingesamt dahin / fundens also /und frageten die Anwesenden mit sonderlicher Freundligkeit / ob die Ritter / von denen dies. Bildnissen geno en währen / sich in der nähe auffhielten. Ward jhnen aber geantwortet / dieselben müsten aus abgelegener fremde kommen / denen solches unbewust wåhre; das grosse angelegete Werk gegen dem Stadhause über / würde auff Käyserliche Anordnung jhnen zur erblichen Burg erbauet / biß zu deren Verfertigung sie vieleicht bey dem Römischen Stathalter Herrn Fabius sich auffhalten würden; gaben jhnen auch Nachricht / welche Gasse sie reiten müsten. Aber Wenzesla hielt nicht vor rahtsam / unangemeldet bey ihnen einzukehren / weil sie vielleicht unerkennet seyn wolten / welches er muhtmassete / weil jhres Standes und Vaterlandes bey der Oberschrifft nicht gedacht ward zogen demnach diese Gasse zwar hin / aber sie wolten in eine Herberge nicht weit von des Stathalters [211] Wohnung einkehren / da jhnen doch der Einzug / mit vorwenden / das Hauß währe von andern Rittern besprochen / abgeschlagen ward; doch so bald Wenzesla anzeigete / sie wåhren Herrn Ladisla Diener / wurden sie mit sonderlicher Ehrerbietung auffgenommen. Ehe sie jhre Ankunfft anmeldeten / ersuchete Leches die Geselschafft / sie möchten seine Gegenwart verhehlen / er währe willens / sich als ein Unbekanter auf der Morgenden Steche-Bahn finden zu lassẽ / ob er etwa in seines Königes Gegenwart seine Ritterschafft zu prüfen Gelegenheit haben könte; welches sie jhm nicht allein gerne zu liessen /sondern auch Mittel zur nöhtigen Außrüstung gaben /mit Ermahnung / alles sein Vermögen anzuwenden /damit sein ganzes Vaterland durch jhn geehret würde / worauff er Abscheid von jhnẽ nam / und in eine abgelegene Herberge sich legete. Wenzesla aber ritte nach des Stathalters Hoff / ob er seinem K \nige jhre Ankunfft in geheim andeuten könte / traf einen prächtig-gekleideten ädel Knaben vor der Pforten an / welcher Tullius wahr / denselben baht er / die Mühe auff sich zu nehmen / daß er Herrn Ladisla eigenen Diener könte zusprechen bekommen; Derselbe / mein Herr /bin ich / sagte er / und wann bey seiner Gn. jhr etwas wollet bestellet haben / möget jhr mir solches befehlen. Es ist mir sehr lieb / antwortete er / und zeiget nur eurem Gn. Herrn in höchster geheim an / es sey einer / Nahmens Wenzesla / der jhn gerne sprechen wolte. Dieser lief geschwinde hin / fand jhn bey dem Frauenzimmer / uñ machete jhm das anbefohlne zu wissen worüber er sich entfårbete / in meinung / er würde so einsam von seiner Fr. Mutter und den Landständen auff das Hochzeitfest abgeschicket seyn; nam einen Abtrit / einwendend / Herr Herkules liesse jhn fodern / zu welchem er ging / und mit jhm abredete /daß sie Wenzesla einen Wink geben wolten / in etwa eine Herberge zu reiten / welches auch geschahe / und sie jhm auf dem Hueffschlage zu Fusse nachfolgeten. Die Gesanten hatten sich auff ein absonderliches Gemach gelegt / und wahr Wenzesla allein unten im Hause / der sie ehrerbietig empfing. Ladisla fragete jhn / wie er so einsam kähme / und ob niemand von den Ständen abgeschicket währe / auf seinem Hochzeitfeste zuerscheinen. Hochzeitfest? sagete dieser: ich versichere eure Gn. daß weder deren Fr. Mutter /noch einiger Mensch des allergeringstẽ von dieser hocherfreulichen Zeitung ichtwas vernommen; beklagete hernach sein Unglük / daß er so lange Zeit auff der Reise von Rom nach Prage zubringen müssen /und meldete der dreyer Gesanten gegenwart an / welche sich alsbald würden einstellen / wann sie nur wüsten / wovor jhre Durchl. sie bey andern ehren solten. Sie sollen / antwortete Ladisla / uns beyde gleich ehren; dann wer ich bin / ist nunmehr den Vornehmsten bewust / aber Herkules Vaterland sol aus gewissen Ursachen verschwiegen bleiben. Der Alte meldete jhnen solches an / daher sie alsbald mit gebührender untertähniger Ehrerbietung zu jhnen traten / und freundlich empfangen wurden / da Krokus also anfing: Unsere allergnädigste K \nigin / und gnädigstes Fråulein entbieten jhren Durchll. beyderseits Mütter-und Schwesterlichen Gruß / die såmtlichen Landstånde aber untertähnigsten Gehorsam; haben jhrer Durchl. höchstbeliebtes Schreiben / wiewol etwas späte empfangen / dero Gesundheit auch mit Freudenthränen verno en: und als die Landstånde berichtet sind / daß jhr Gnädigster König willens / sich eine Zeitlang in der Fremde aufzuhaltẽ / haben sie in untertähnigstem gehorsam damit friedlich seyn müsse /ob uns gleich in dieser Welt nicht liebers / als unsers Königes leibliche Gegenwart wåhre. Dieses jhrer[212] Durchl. anzudeuten / sind wir von höchstgedachten /unser Fr. Königin und dem Königl. Fräulein / dann auch den sämtlichen Landständen abgefertiget / und daneben dieses Schreiben nebest 300000 Kronen freywilliger Landsteur / behuef jhrer Durchl. Königlicher ausrüstung zu vorgenommener Reise / unterthänigst einzulieffern. Ladisla bedankete sich des übergebrachten Grusses / nebest angedeuteter Freude über der Landstände Gutwilligkeit / erkennete daraus jhre gewogene Herzen / welche zu vergelten / er stets wolte gefliessen seyn; brach das Schreiben / und fand dariñen / was gestalt sie alle mit einander seiner vorgenommenen sehr beschwer- und gefährlichen Reise halber gantz unmuhtig währen / und die Königin vor andern inständig anhielt / sich deren zu begeben / und durch abgeordnete das Gelübde abzulegen / damit sie der můhseligen Reichsverwaltung benommen / ihr angehendes Alter in Ruhe setzen / und den angebohrnen Erbherren erstes Tages möchte die Herschaft führen sehen. Nachgehends rühmete sie der Untertahnen Gutwilligkeit wegen der aufgebrachten Gelder / insonderheit was der alte geträue Pribisla dabey verichtet / und zu seines Königes Unterhalt alle seine Güter loßschlagen wollen / welches die Stände nur verhindert /und ihrem Könige / als lange er in der fremde seyn würde / jährlich 100000 Kronen überzumachen sich anerböhten. Die vorgeschlagene ReichsRähte währen alle beliebet / die Herschafft in gutem Wolstande /und so wol innerlich als äusserlich Friede und Ruhe. Als er alles gelesen / lieferte ihm Wenzesla wegen der Fräulein das Brust Kleinot mit eben den befohlenen Worten; Worauf er zur Antwort gab: Meine Frl. Schwester wird vielleicht einen WarsagerGeist haben / daß gleich diesen lezten Tag vor der Hochzeit sie mir solches anbefihlet / welches nach jhrem Begehren fleissig sol verrichtet werden. Inzwischen wartete Herkules mit grossem Verlangen / was vor Zeitung er von seinem Fräulein haben würde / und ob er schrifftlicher Antwort gewirdiget währe; hatte aber noch keine Gelegenheit / Wenzesla abzufodern / dann es wahr Ladisla in voller Erzählung seiner Heyraht begriffen / dem sie alle fleissig zuhöreten / und ihm darzu Glük und Segen wünscheten. Nun wolte gleichwol der Alte seine Werbung bey Herkules gerne ablegen / darumb gab er vor / er währe von der Königin befehlichet / etwas absonderlich mit jhm zureden; ging auch mit ihm aus dem Gemache / nam das Schreiben nebest dem versiegelten Schächtelchen hervor / und sagete zu ihm: Durchl. Fürst / das mir anvertrauete Schreiben habe ich an gebührlichen Ort nebest beygefügetem Ringe geträulich eingeliefert / und wird ohn zweiffel das Fräulein alles seinem begehren nach / verrichtet haben / krafft dieses Schreibens Anzeige; sonsten habe ich gnädigsten Befehl / ihre Durchl. von meinem Gn. Fräulein freundlich zugrüssen / und daneben anzudeuten / daß sie in diesem versiegelten Büchslein derselben einen Ring übersende / dessen Krafft in der Blutstillung treflich bewähret sey; schließlich auch / daß das Durchl. Königl. Fräulein in Schweden höchlich wünschen solle / ihren verlobeten Fürsten / Herrn Herkules schier zu sehen; möchte daher seine Reise auffschieben / uñ dieselbe vorher zu besuchẽ unbeschweret seyn. Wie erfreulich ihm das empfangene Schreiben wahr / so fremde kahmen ihm die lezten Reden vor / merkete doch bald /daß sie selbst unter dieser Bemäntelung jhre eigene Begierde ihn zu sehen / hätte anzeigen wollen / daher er sich ihrer Beständigkeit übrig schon versicherte /stellete sich doch allein in einen Winkel / uñ nach Verlesung des Briefes / als mit inniglichster Vergnügung überhäuffet / gab er zur [213] Antwort: Mein Freund Wenzesla / eure fleissige Verrichtung hat meine Frl. Schwester mir gerühmet / welche zu seiner Zeit ich unvergolten nicht lassen werde; der meiste Inhalt dieses Briefes ist / daß die Fr. Königin samt dem Fräulein mich hart ansträngen / ich möge meinen Bruder Herrn Ladisla von der gefährlichen Reise abwendig machen / welches ich schon auff einen guten fuß gesetzet / und seine Heyraht zu dem ende aus allen Kräfften befodert habe; zweifele auch nicht / ich werde ihn endlich bereden / meinem ansuchen stat zu geben. Eben dieses bey Euer Durchl. zuwerben / sagte er / hat mein Gn. Fräulein / und Königl. Hocheit selbst mir anbefohlen / unter welchem Scheine Eure Durchl. ich auch abgefodert habe. Gingen hiemit wie der hin zu den andern / und hielten mannicherley Unterredung / da die Gesandten / Herkules / der Königin / der Fräulein / und gesamten Landstände Gruß und untertähnigste Dienste anmeldeten / uñ dz er in ihres Königes geträuer freundschafft wie bißher / beständig verbleiben möchte / dann würden sie dereins bey Beherschung ihrer Reiche keine ausländische Macht zu fürchten haben. Auff welches Vorbringen er wegen des beschehenen Grusses sich anfangs kind-brüder-und freundlich bedankete / hernach anzeigete / wie er seinem geliebeten Bruder Herrn Ladisla durch so unzähliche brüderliche Bezeigungen dergestalt verpflichtet währe / daß er Gottes Straffen billich zubefürchten hätte / wann durch einige Widerwärtigkeit oder Furcht er sich von seiner Freundschaft anwendig machen liesse. Aber / sagte er / es wundert mich höchlich / daß unsere Fr. Mutter die Königin meines Bruders Heyraht noch allerdinge unberichtet ist / angesehen vor sieben Wochen schon deroselben es bey eigener reitender Botschafft zuwissen gemacht worden / und wir über das zum andern mahl geschrieben /welches / da es recht zugienge / auch schon bey eurem abreisen müste eingeliefert seyn. Wenzesla antwortete / sein eigen Beyspiel lehrete / wie leicht einem einzelnen Bohten auff so weiten Reisen / langwierige Verhindernissen einfallen könten / und möchte vielleicht wol alsbald nach ihrem Abzuge der Bote angelanget seyn; wie er auch hieran nicht fehlete; dann Ladisla erster Abgeschikter wahr mit dem Pferde auff der Reise gestürzet / und hatte ein Bein und einen Arm zubrochen / daß er sich etliche Wochen verbinden lassen müssen; jedoch kam er des andern Nachmittages nach der Gesanten Abreise / zu Prag an / ließ sich bey der Königin angeben / und lieferte ihr diesen Brief von ihrem Sohn Ladisla ein:

Herzgeliebte Fr. Mutter; ich kan nicht ümhin / euch mit frölichem Herzen zu vermelden / was gestalt durch sonderbahre Schickung unser gütigen Götter mit dem Durchleuchtigen Hochgebohrnen Fräulein / Frl. Sophia Fabiin / des Hochmögenden Herrn / Herrn Q. Fabius /Römischen Stathalters zu Padua Frl. Tochter / auff jhrer Hochansehnlichen Eltern und meines lieben Bruders Herkules Bewilligung ich mich ehelich eingelassen und versprochen / auch willens bin / auff schier kůnfftigen XVII Tag des Brachmonats / das Hochzeit fest Fürst- und gebührlich anzustellen; wann denn ich nicht zweifele /eure Mütterliche Hulde werde hierin gerne einwilligen /und dieses Fräulein / in betrachtung jhrer Tugend und sehr hohen Römischen Geblütes / vor eine künfftige Schwieger Tochter unwegerlich auff und annehmen /und aber zu bevorstehendem Ehrenwerke nicht geringe Kosten erfodert werden / als gelanget an die Fr. Mutter mein Kindliches ersuchen / mir mit etwa 150000 Kronen beyrähtig zu seyn / damit ich mein Vermögen der hochansehnlichen Freundschafft meiner herzgeliebeten Fräulein / dartuhn / und nicht nötig haben möge / daß aus derselben Beutel (deren Heyrahtsgelder sich über 1200000 Kronen erstrecken) alles bezahlet werden dürf fe; k \nte ich dann daneben das Glük haben / daß meine herzgeliebte Fr. Mutter / oder auffs wenigste (woran ich nicht zweifeln wil) meine Frl. Schwester [214] auff angesetzetes Heyrahtfest allhier erscheinen würde / solte mir ein solches die höchste Vergnügung bringen. Ich gelebe der Zuversicht / meine Fr. Mutter werde mich keine Fehlbitte / wo i er möglich / tuhn lassen / welche nebest meiner auch herzgeliebeten Frl. Schwester von meinem Herkules Kind- und Brüderlich gegrüsset wird; dessen Vergnügung über meine Heyraht / aus beygelegeten Beylager-Getichten (wahren die / welche am 113 und folgendem Blade stehen) kan erkennet werden. Geschrieben zu Padua am XXII. Tage des April Monats / von Eurer Mütterlichen Gnaden gehorsamstem Sohn Ladisla.

Die Königin ward dieser Zeitung überauß hoch erfreuet / ließ die ReichsRähte und Herren Pribisla vor sich ruffen / und sagete zu ihnen: Geliebte Freunde /ich habe von eurem künfftigen Könige meinem herzliebhen Sohne ein beliebtes Schreiben empfangẽ /welches allen Schrecken des kaum vergangenen grausamen Donnerwetters mir benommen hat / möchte zwar wünschen / daß unsere Gesanten noch alhie währen / doch werden wir sie nicht dürffen zurük fodern / wann sie nur der verspochenen Eyle sich erinnern möchten; reichete ihnen hiemit das Schreiben /dessen Inhalt ihnen grosse Vergnügung brachte / und fragete Pribisla / warumb das Fräulein nicht gegenwärtig währe. Ach / sagete die Königin / ihre Abwesenheit machet / daß meine Freude nicht recht loßbrechen kan / massen sie heut früh mit etlichen Jägerknechten und Reutern hinaus auff die Jagt geritten /und noch nicht zu Hause kommen ist; fürchte sehr /daß sie etwa von dem Gewitter beschädiget / oder sonst zu Unfal kommen sey; das leidige Jagen ist ihr ja von ihrem höchst Seel. Herr Vater leyder angeerbet / wovon sie nicht kan abgehalten werden / dessen ich mich nicht wenig bekü ere. Niemand wolte sie mißtrösten / nur daß sie alle wünscheten / ein Mittel zu erfinden / daß das Fräulein von dieser Ubung könte abgezogen werden / und hielt der Kanzler vor rahtsam / dz etliche außgeschickt würden / ihr nachzuforschen / ob sie irgend wegen des harten Donnerwetters sich in einem Dorffe verspätet haben möchte. Als sie noch hievon redeten / trat sie mit ihren pfützenassen Kleidern ins Gemach / und gab durch ihre todten-bleiche Farbe gnug zu verstehen / daß es nach ihrem behagen nicht ergangen wahr. Die Mutter empfing sie mit zimlich harten worten / und sagte; Geliebtes Kind / wie machestu mir doch so mannichley Angst und herzleyd mit deinem verfluchten Jagen; bedenke doch daß mein geliebter Sohn Herkules auff der Jagt gefangen / ja dein Herr Vater gar drauff umbkommen / und sein Leben elendig eingebüsset hat; drumb so laß doch ab von dieser / meines erachtens / unlustigen und gefährlichen Lust / damit ich nicht mehr Bekümmernis daher einnehmen dürffe. Das Fräulein ward bestürtzet / daß in der ReichsRähte gegenwart die Mutter ihr so hart zuredete / daher sie anfangs bedenken trug / ihre außgestandene grosse Gefahr zuerzählen; die Königin aber fuhr also fort: Wie sehe ich dich so bleich / naß und Ungestalt / mein Kind? gilt wo du nicht in Lebensgefahr gestecket hast / und mit grosser Mühe erhalten bist? davor ich dann den Göttern billich danke. Ich weiß fast selber nicht / herzliebe Fr. Mutter / antwortete sie / ob ich den heutigen Tag / unter die Glüklichen oder Unglüklichen schreiben sol; sonst muß ich wol gestehen / daß mir Zeit meines Lebens / Wetter und Menschen nie so hefftig / als eben heut zugesetzet / so daß ich mich wundere / wie ich der grausamẽ Verfolgung habe entgehen können. Die Königin entsetzete sich vor solcher Rede / hub die Hände auff gen Himmel und sagete; Nun ihr hülffreichen gütigen Götter / ich danke euch vor diese heutige Rettung /und daß ihr der unbedachtsamen Jugend eure kräfftige [215] Hand habt bieten wollen; wirstu mir aber nach diesem das Reiten und Jagen so hefftig treiben / soltu nicht sagen / daß du mein Kind seist / dann du gönnest mir ja fast keinen ruhigẽ Tag / daß ich deinet wegen nicht in Sorgen stehen müste. Ach / Gn. Fr. Mutter / sagte sie / eyfert euch nicht so sehr / und verzeihet mir die bißher begangene Fehler; ich wil nach diesem schon wissen mich zumässigen / zweiffele auch nicht / der Himmel selbst / und meine ärgesten Feinde zugleich /haben mich hievon heut diesen Tag abschrecken wollen. Die Anwesende sämptlich bahten solches zuerzählen / sie aber ging zuvor nach ihrem Zimmer / und muste Libussa ihr ganz andere Kleider anzihen / welche auff ihrem zarten Leibe noch zimlich viel Koht sehend / zu ihr sagte; wie gehet diß zu Gn. Fräulein? hat dieselbe sich mit den Säuen im Mistlachen gewälzet? O mein liebes Kind / antwortete sie / was vor einem unsäglichen Unglük und verderben bin ich heut entgangen! Himmel / Erde und Wasser haben mich vertilgen wollen / so daß ichs vor ein Wunder rechne /und mir selbst kaum trauen darff / daß ich lebendig alhier wieder angelanget bin. Diese wolte alsbald alles verlauffs berichtet seyn; aber sie befahl ihr mit nach ihrer Fr. Mutter Zimmer zugehen / da sie alles vernehmen würde / wo sonst der Schrecken ihr so viel Verstand und Worte übrig gelassen hätte / daß sie alles in die Nachdanken fassen und außreden könte. Als sie nun zu ihrer Fr. Mutter sich nidergesetzet hatte / fing sie also an: Hat der Himmel mich heut gerettet / so hat er mich nicht weniger geschrecket daß ich gänzlich davor halte / die Göttliche Versehung habe mir zeigen wollen / wie hart sie dieselben angreiffe / die ihrem Grimme unterworffen sind. Als ich heut früh mit meiner Geselschafft außritte / warnete mich ein alter Pfaffe / ich solte zwar Hasenart nicht hindan setzen / aber doch der Entvogel Weise fleissig in acht nehmen; welches ich nicht verstund noch groß achtete / biß die Noht michs rechtschaffen gelehret /und an die Hand gegeben hat. Vor erst wolte mein Pferd sich weder satteln noch zäumen lassen / biß ichs zum Gehorsam prügelte; und als ichs ůber die Brücke ritte (hie warnete mich der Pfaffe) sträubete es sich hefftig / stund als ein verschüchtertes Rehe / und hielt sich nicht anders / als ob es über ein Feur hätte gehen sollen, ich hatte fast immer an ihm zu stossen und schelten / biß ichs ihm endlich můde machete / daß es Gehorsam leistete. Etwa eine halbe Meile von der Stad sties ich auff ein artiges Rehe / dem ich mannichen Pfeil nachschikte / ehe sichs legen wolte / und wie es den Tod im Herzen fühlete / fiel es mit so erbårmlichen Geberden nider / daß michs höchlich jammerte. Bald darauff ward ich etlicher Reuter gewahr /die mit verbundenen Maul und Wangen / daß man sie nicht keñen solte / zerstreuet umbher ritten / worůber ich in Argwohn eines Auffsatzes geriet; wie auch meinen Reutern und Jägerknechten nicht wol dabey wahr / und mich warneten / ich solte mich wieder zurük zihen / weil sichs ohn daß zum schweren Wetter ansehen liesse; taht ihnen auch folge / hies das Rehe auff den mitgeführten Karren legen / und nach der Stad eilen; aber ehe ich michs versahe / wahr ich umbgeben / und zählete XII auff vorgemeldete Weise vermummete Reuter / welche mir nach schrihen / ich möchte stille halten / und so hart nicht eilen / sie wolten meine geträue Begleitsleute seyn / und mich an Ort und Ende führen / da mir besser bey einem jungen Bräutigam / als bey der altẽ Mutter seyn würde. Meines lachens wahr hie nicht viel übrig / insonderheit /als ich sahe / daß ihrer sechse auff meine Leute zusetzeten / und sie alle in stücken hieben. O mein herzen Kind rief die Königin / schweige [216] schweige / und laß mich ja bey leibe kein grösser Unglük hören. Aber Pribisla redete ihr ein / Ihre Hocheit möchte sichs gefallen lassen / daß das Fräulein alles anzeigete / weil sie durch der Götter Hülffe entrunnen / und alhie frisch und gesund wieder ankommen währe. Meine Reuter und Jägerknechte / fuhr das Fräulein fort /wahren hiemit auffgeopfert / und hatte ich noch drey Pfeile im Vorraht / deren ich mich zugebrauchen bedacht wahr; weil sie aber den Weg nach der Stad zu /gar verlegeten / und zugleich mir auff den Leib rücketen / zog ich von Leder / und suchete mit Gewalt durchzubrechen / wie ich dann ihrer drey also zurichtete / daß sie es nicht nachsagen werden / bekam auch hiedurch so viel Lufft / daß ich aus ihrem Gedränge mich loßwickelte / und das freye Feld einnam / der Hoffnung / ich würde nunmehr gewonnen / und meine Seele gerettet haben / und ob gleich das grausame Donnerwetter schon angangen wahr / daß der Blitz alles feurig scheinen machete / liessen doch jene so wenig nach / mich zuverfolgen / als ich mich bemühete auszureissen; doch hatte ich diesen Vorzug / daß mein Pferd schneller von Schenkeln wahr / und einen guten Vorsprung in kurtzer Zeit gewan. Aber umb Verzeihung / sagte sie / daß ich mein mattes Hertz zulaben genöhtiget werde; stund auff / und taht einen guten Trunk aus ihrer Fr. Mutter Becher / da die Königin unterdessen sagete: O Kind / Kind / wann der Hi el sich dein nicht erbarmet håtte / würdestu ohn zweifel schon tod oder geschändet seyn / und hat wol niemand als dein Schutz Gott deinem Pferde so gerade Füsse gemacht. O nein Herzen Fr. Mutter / antwortete sie / der Himmel hat mich in das grösseste Unglük gestürzet / massen wie ich in vollem rennen wahr / und mein gutes Pferd nicht anders als ein Vogel daher flohe / taht der Himmel einen hefftigen Doñerschlag / daß der feurstrahlende Keil in eine hohe Eiche fuhr / und dieselbe mitten voneinander spaltete / wandte sich hernach zur seiten / und ging dergestalt unter meinem Pferde her / daß ihm das rechte Vörder- und linke Hinter-Bein ober dem Knie glat abgeschlagen ward / und ich mit ihm zur Erden stürzete / dessen meine Verfolger sich höchlich freueten / überfielen mich auch / weil ich unter dem Pferde mich nicht loßarbeiten kunte / und nahmen mich /wiewol mit zimlich freundlichen Worten gefangen. Mein Schwert / Bogen und Köcher ward einem zur Verwahrung eingeliefert / mich aber nam ein ander vor sich auffs Pferd / und begunten mit mir fortzuzihen / da wir inwendig einer Stunde an die Molda kahmen / und ich auff meine frage / wohin sie mich dann zu führen willens währen / keine andere Antwort bekam / als / mein Bräutigam (welches sie aus auffrichtiger Einfalt erzählete) würde diese Nacht sich so freundlich gegen mich erzeigen / daß mich von ihm zu scheiden kein Verlangen tragen würde. Es wahr mir solches eine verdächtige Rede / daher ich alle meine Gedanken anwendete / wie ich mich loßmachen könte. Nun sahe ich von ferne VI ledige Baurenpferde in der Weide gehen / und ritten wir in einem tieffen Wege /da nur zween bey einander her zihen kunten / hatten uns auch schon von der Molda hinweg gewand und die Heerstrasse erreichet / da mein Führer stille hielt /und von seinem Gesellen ein Leilach foderte / in welches er mich ganz einhüllen wolte / damit ich unerkäntlich währe; ich aber ward meines heimlichẽ Dolches eingedenk / zog ihn unvermerket aus / drückete ihm denselben ins Herz / daß er ohn Wortsprechen vom Pferde stürzete / und schwang ich mich glüklich auff das hohe Ufer des engen Fahrweges /daß mir kein Pferd folgen kunte / lief darauf / so schnel ich muchte / [217] nach den obgedachten Bauren Pferden / setzete mich auf deren eines / und rante Spornstreichs gleich auf die Molda zu. Die hintersten Reuter wahren meiner Flucht zeitig inne worden / hatten sich ümgewand / und bearbeiteten sich / mir den Weg abzuschneiden; mir aber fiel zwar zum gefährlichen / aber doch gutem Glücke des alten Pfaffen warnung ein; und da ich nach der Hafen art durch das Feld davon zufliehen keine mögligkeit sahe / nam ich der Entvogel gebrauch an mich und setzete gerade auf die Molda zu. Am Ufer kam mir ein erschrekliches grausen an / dann der schnelle Strohm bildete mir nicht allein den gewissen Tod vor die Augen / sondern das hohe Ufer / von welchem ich etliche klafter hinab sahe / machte mich verzaget / daß ich den Sprung nicht wagen durffte / hielt also stille / biß die leidigen Verfolger sich naheten / denen ich zurief / sie solten mich meines weges ziehen lassen / oder ich wolte mich ins Wasser stürzen; welches sie auch ein wenig stutzen machte / daß sie anfingen mir gute Worte zu geben / vorwendend / sie sucheten ja mein Verderben nicht / ich hätte mich des allergeringsten nicht zu befürchten / meine Wolfahrt bestünde in diesem / wann ich mit jhnen unwegerlich fortzihen würde; aber dieses wahr noch lange die rechte Lokpfeiffe nicht / sondern ich fragete besser nach / was vor einen Bräutigam sie mir dañ vorschlügen / solten sie mich wissen lassen / alsdañ würde ich mich erklären können. Dieses anzudeuten wahr jhnen ungelegẽ /ümsetzeten mir meinen Weg / daß ich weder zur seiten noch hinterwarz fliehen kunte / sondern bloß nur der tieffe Fluß mir offen stund. Die übrigen Reuter kahmen auch angestiegen / deren einer von ferne rief /sie solten mich anfassen / es hätte nichts zu bedeuten /daß ich mich in das Wasser stürzen würde. Nun muß ich bekennen / daß ich sehr zweiffelmühtig wahr /dann weil ich des Schwimmens aller dinge unerfahren / sahe ich auff solchen Fal / daß ich mich in den Tod stürzen würde / jedoch / weil jhrer viere zugleich von den Pferden stiegen / und auf mich zudrungen / fassete ich eine kurze Erklärung / sahe gen Himmel und rief mit andächtigem Herzen; du warhaftiger Gott /wie du auch heissest / hilf mir aus der Wassers Noht /wie du mich von dem Donnerkeil und diesen Räubern hast erlöset; und als diese Buben gleich nach mir griffen / wagete ich den sprung frisch zum Ufer hinab / da der Wind und unter meine Kleider mich fassete / und mich wol VI grosser Schritte hinein führete / daß ich schon daher schwam wie ein Entvogel / wiewol die augenblikliche Wasserkälte auf den heissen schweiß mir gar ungewohne taht. Es dauchte mich ein Spielwerk seyn / so lange meine Kleider trocken wahren /und der Strohm mich nicht fassete / aber hernach galt es trauen todes Angst; ich hatte wol ehmals schwimmen gesehen / aber es wolte mir nicht fugen / massen wann ich mit den Füssen zuschlagen anfing / zogen sich meine durchnetzeten Kleider zusammen / daß ich nur drinnen verwickelt ward. Bald darauf geriet ich in den Strohm / der mich über und über purzelte / und ich mich dem Tode gutwillig er gab / nur daß ich mich scheuhete / das unreine Wasser zu trinken / und daher meinen Mund feste zuhielt / biß ich das Häupt ausserhalb Wassers merkete / dañ schöpfete ich Lufft / und durch dieses Mittel entging ich dem hefftigsten Strom / in dem ich mit den Füssen unterwarts / und mit den Händen nach dem andern Ufer zu arbeitete /biß ich an einen Sandhügel geriet / da mir das Wasser nährlich an den Leib reichete / und ich fein aufrecht stund mich auszuruhen. Meine Verfolger hielten am Ufer und rieffen mir zu / ich solte mich ja nicht durch die Flucht von dem gefasseten Stande lassen abtreiben / das [218] Wasser währe an der noch übrigen seiten unergründlich / darinnen ich ohn alle Hülfe ersauffen müste; es hätten jhrer etliche sich fast ausgezogen /die mir nach schwimmen / und mich retten solten. Als ich diesen unangenehmen Trost hörete / rief ich die himlische Hülfe zum andern mahle an und sagete; du Gott / der du bißher mein Schiff / Ruder und Steurman gewesen bist / gib nicht zu / daß die mehr als halb geleistete Rettung an mir vergeblich sey. Wagete mich also mit Trost vollem Herzen wieder fort /arbeitete auch auf die vorige weise / daß mir der Mund stets ausserhalb Wassers blieb / daher ich Gottes unfehlbaren Beystand spürete / und nichts höhers wünschete / als daß dieser mein hülfreicher Gott mir bekant seyn möchte / ümb jhm meine Dankbarkeit sehen zu lassen. Es wehrete mein after schwimmen zwar noch eine gute weile / doch ehe ich michs versahe / stieß ich mit einem Fusse wieder den Grund /daß ich den übrigen Weg im Wasser gehend endigte /und Gesund ans trokne Ufer trat. Hie sahe ich mich erst kühnlich umb / und ward gewahr / daß die langen nassen Kleider mir am Lauffe sehr hinderlich seyn würden / und ich doch einen weiten Weg zu Fusse wandern muste / warf deswegen das Oberkleid gar hinweg / ruhete ein wenig auf die Schwimme-Müdigkeit / und dankete dem Gott inniglich / der mir so weit in sicherheit geholffen hatte. Bald naheten sich zween Buben / welche weit obenwertz des Flusses sich ganz nacket hinein gewaget / und die Schwerter ins Maul gefasset / ohn zweifel des Vorhabens / mich zuerschlagen / da sie mich lebendig nicht würden über bringen können; weil mich aber Gott vor dißmahl retten wolte / traf ich VI bequeme Werfsteine an / deren ich mich getröstete / ließ den fördersten zu mir ankommen / welchem ich / da er das Ufer fast erreichet hatte / die Stirne mit einem / und bald darauf das Maul mit dem ander stein der gestalt küssete / daß er niderstürzete; ich behende zu jhm hin / nam sein Schwert zu mir / und erwartete des andern ohn alle Furcht / nur daß ich abscheuh an dem nacketen und unflätigen Buben hatte / welcher ganz verwägen auf mich anging / rüffend; weil jhr / schönstes Fräulein /nicht habt glüklich leben wollen / müsset jhr unglüklich sterben; ich schätzete sein Dräuen gar liederlich /mich nähst Gott auff meine zimliche Fechter-Erfahrenheit verlassend / stellete mich in ein bequemes Lager / und sahe der Unflat daraus / daß ich mich meiner Haut erwehren würde / welcher von der Fechtkunst wenig vergessen hatte / daß ich vor jhm mich leicht beschützete / jhm auch Gnade und Leben anboht / dafern er sich mir ergeben / und die Anstiffter dieser Freveltaht nahmhafft machen wolte; weil er dessen sich aber wegerte / und endlich als ein rasender anfiel / ließ ich jhn in mein Schwert lauffen / daß jhm das Herz durchbohret ward. Nicht desto weniger ritten die übrigen jenseit des Ufers auff und nider / ob sie mit den Pferden durchsetzen könten / daher ich mich eines neuen überfalls befürchtend / meine Füsse auffmunterte / und mit rischen Sprüngen das blutige Schwert auff allen Nohtfall in der Faust haltend /mich nach der Stad kehrete / da ich mein Niderkleid biß an die Knie auffheben muste / dz ich am lauffen nicht verhindert würde; es dauchte mich nicht raht seyn / am Ufer hinzulauffen / damit ich den Schelmen nicht allemahl im Gesichte bliebe / sahe von ferne eine Hecke / hinter dieselbe begab ich mich / und lauschete / wz sie anfahen würden merkete auch / daß sie sich unter einander nidermacheten; doch wolte ich ihr leztes nicht abwarten / sondern nach andenrthalbstündigem irrelauffen traf ich ein altes Weib an / die ihrer Sage nach / Graß vor ihre Kuh samlete / und fragete sie / ob ich den [219] nähesten Weg zur Stad vor mir hätte; welche mich sehend / beyde Hände zusa en schlug / und zu mir sagete; O allerschönste Jungfer / wie kommet ihr an diesen Ort? Ich gab ihr zur Antwort / sie solte hiernach nicht fragen /sondern mir Anleitung geben / wie ich hinweg kommen möchte. Ja wol / sagte sie / der Weg ist viel zuweit / welchen euch eure zarten Beine nicht tragen können. Ich aber hätte mich schier über der Vettel erzürnet / bekam doch endlich noch einen so verwirreten Bescheid / daß ich ungewisser von ihr ging als ich kommen wahr / dann sie beschrieb mirs so kunterbund durch einander / ich müste erst Hotte / hernach wieder Schwade / dann etwas gleich vor mich hin /den ungebahneten Weg gehen / sonst würde ich in die Pfützen biß über die Ohren gerahten; welches ich zwar mit einem Gelächter beantwortete / aber rechtschaffen zufunde kam / indem ich biß an den Leib durch dẽ weichgefahrnen Koht waden / und hernach mich in einer Bach dabey wieder abwaschen muste. Kaum wahr solches geschehen / da stieß ein Reuter auff mich / den ich vor einen verwägenen Puschklöpffer hielt / sahe mich von ferne kommen /stieg ab von seinem Pferde / band es an eine Staube /und blieb stille stehen / als er merkete / daß ich gerade und ungescheuhet auff ihn zuging / ihn auch fragete / ob diß der rechte und näheste Weg nach der Stad währe; worauff er mir zur antwort gab / es nähme ihn groß wunder / wie so eine ådle schöne Jungfer mit blossem Schwerte in diesem weiten Felde so einsam ginge / griff auch nach mir / uñ sagete zugleich / er hätte nie das Glük gehabt dasselbe anzutreffen / was ihn vergnügete / ohn vor dißmahl; Ich wiche hinterwarz / boht ihm die Spitze und warnete ihn / sich wol vorzusehen / und nicht weiter zu gedenken als mein guter Wille währe; woran er sich doch wenig kehrete /sondern mich baht / seine Liebe mir gefallen zu lassen / und mich hinter die Hecke zu ihm niderzusetzen; suchete auch / wie er mir das Schwert ausschlagen / und sich meiner bemåchtigen könte; worauff ich zu ihm sagete: Du schändlicher Bube / weiche und laß mir dein Roß / oder wehre dich meiner; schlug ihn auch flächlings über die Ohren / daß er dessen wol empfand; noch wolte er sich nicht warnen lassen / und drang immer hefftiger zu mir ein / worüber ich ihm eine Wunde über die linke Faust gab / daß er schrihe /und sich seines Schwerts zugebrauchen anfing / da ich ihm nach kurtzem Gefechte das Eisen durch die Gurgel stieß / und mir hiedurch ein Pferd erstritten hatte /auff welches ich mich setzete / des Ert \dteten Schwert an meine Seite hing / und von einem Bauren auf den rechten Weg gefůhret ward / welchen ich bald kennete / und auffs schnelleste fortjagete / die Stad schier zu erreichen. Es begegneten mir aber zween andere / die mich frageten / wie ich zu dem Pferde und Schwerte kommen währe; denen ich gleich zu antwortete / wie es ergangen wahr. Diese aber darauff sagten / ich würde meine Leute bey mir gehabt haben / welche ihren redlichen Gesellen abgesetzet / oder wol gar ermordet hätten / und begunte der eine schon sein Schwert zu zücken / dem ich doch / ehe er sichs versahe / einen Schnit über die Kehle gab / dz er die Erde suchete / auch den andern / wie er sich an mich machte / dergestalt abfertigte / daß sein Pferd / wie des vorigen / ohn seinen Reuter davon lief / ich aber nach eilferley Gefahr / und Niederschlagung neun gottloser Schelmen / (dem Himmel und dem wahren Gott / der drinnen herrschet / sey dank) gesund und frisch dieses Schloß wieder erreichet habe / und ist mir nicht unangenehm / daß ich die Zubereitung des Abendessens sehe / wobey ich mein Frühstücke einnehmen wil. Es hatten ihre Fr. Mutter und alle anwesende die Erzählung [220] mit Verwunderung angehöret / daß die Königin zu unterschiedlichen mahlen darüber erstarrete / und alle lebendige Farbe verlohr / fingen auch an zu überlegen / wer doch i ermehr des ersten überfalles Stiffter seyn möchte / da etlicher Muhtmassung recht zutraff / wiewol sie es nicht durfften melden / und erst lange hernach an Tageslicht kam. Bey der Mahlzeit sagete die Königin zu dem Fräulein: Herzallerliebstes Kind / sol ich dich nach abgelegetem Schrecken mit einer gewünscheten Zeitung erfreuen? O ja / Gn. Fr. Mutter / antwortete sie / habt ihr etwa von meinem Herr Bruder etwas gutes / so teilet mirs mit. Siehe da / sagte sie / lise dieses / so weistu so viel als ich und wir alle mit einander. Aber die gute Mutter wuste nicht / wie hoch sie ihre Tochter hiedurch erfreuete /welche auch jhre Hertzensvergnügung nicht verbergen kunte / da sie nach Verlesung saget: Ach mein Gott /der du mir heut so gantz gnädig geholffen hast / gib doch / daß ich diese meine Fr. Schwägerin und Schwester ja eh ist sehen und umfahen möge / weil ich schon wol weiß / daß mein Herr Bruder kein unwirdiges Fräulein heyrahten wird; fassete auch alsbald die Gedanken / wie sie erhalten möchte / die Reise auff das Hochzeitfest erstes Tages vorzunehmen / und wahr ihr sehr leid / daß sie ihr heutiges Unglük so umständig erzählet / und dadurch ihrer Mutter Sorge und Bekümmerniß rege gemacht hatte. Nach der Mahlzeit ging sie mit Libussen ein halbstündichen auff ihr Zimmer / da sie mit betrübeten Worten zu jhr sagete: Ich habe heut überaus grosse Angst in meiner Seele empfunden / aber wann mein Herkules mich mit einem Briefelein begrüsset und erfreuet hätte / wolte ichs alles vor gedoppelt ersetzet rechnen; meynestu aber nicht / geliebetes Kind / daß ich nicht ursach gnug habe / mich über ihn zubeschweren / weil er bey meines Bruders eigenem Bohten mir nicht schreiben wollen? O wie könte ich doch ein solches über mein Herz bringen / daß ich so gute Gelegenheit verabseumete? Libussa lachete deß / und gab zur Antwort: Gn. Fräulein / ich hätte nicht gemeynet / daß der Liebe eine solche Vergessenheit solte beywohnen; bedenket Eure Gn. nicht / dz ihr Antwort-Schreiben gestern früh erst fortgeschicket / und dem lieben Fürsten noch nicht geliefert ist? oder meynet sie / er habe solches so lange vorher riechen können? muß er nicht zuvor wissen / ob seine Schreiben auch angenommen werden oder nicht? Was würde sie doch von jhm halten oder urteilen / wann er sie mit seinen täglichen Briefen ůberstürmete / ehe und bevor er einige Antwort bekommen? Wolle demnach Eure Gn. dieser Bezichtigung ihn schwesterlich erlassen / biß er jhrer Antwort kan habhafft seyn / und verabseumet er alsdann einige Gelegenheit / ists doch noch früh genug ihn anzuklagen. Mein Herkules muß dir ohn zweifel Jahrsbestallung geben / sagte sie / daß du allemal wider mich sein wort redest / oder hastu etwa so gute Kundschafft mit ihm gepflogen / so sage mirs / daß ich dich wegen seiner gewirdigten Liebe gebührlich ehren möge. So muste die Geige gestimmet werden / antwortete jene /wo sie sonst scharff klingen sol / und hat der Eifer mein Gn. Fräulein schon eingenommen / so ist mirs halb leid / dz ich mich nicht zutähtiger bey ihm gemacht habe / vielleicht hätte ich auch noch eine bessere / als gemeine Gunst von ihm erhalten / dann ich getraue durch meine Gestalt und Freundligkeit noch wol einen Fürsten zu meiner Nebenliebe zubewägen / ob er mir gleich nicht werden kan. Dem Fräulein wahren ihre lustige Schwänke und ehrliebendes Herz bekant /sonst würde sie ihr diesen Streich schwerlich zu gute gehalten haben; doch sagte sie zu ihr; Kind Kind / fidelstu nicht zu grob auff kleinen [221] Seiten? wie würde dir solches ein ander als ich / zum besten außdeuten köñen? Sihe dich aber wol vor / daß du ja nicht aus unbedacht in anderer Leute Gegenwart dergleichen Scherz treibest / du dürftest dir sonst Ungelegenheit ohn dein Verbrechen verursachen. Ja mein Fräulein ja / antwortete sie / da Scherz keinen Käuffer hat / lasse ich ihn wol unaußgebohten; ihre Gn. haben mich ja viel anders geprüfet; daß aber bey derselben ich solche Kühnheit gebrauche / ist die einige Ursach / daß vor übermässiger herzens Liebe ich nicht weiß / auff was Art euer Gn. ich Lust und anmuht erwecken wil /und wann ich wissen solte / daß dieselbe ich hiedurch verunwilligte / wolte ich mir lieber die Zunge abbeissen / als ein Wörtlein ihr zu wieder reden. So magstu immerhin plaudern / sagte sie / wann wir allein sind. Diese Erläubnis / fuhr jene fort / wolte ich gerne haben / und kan nunmehr nicht verbergen / wie lieb mirs ist / daß eure Gn. heut mit zween nacketen hat fechten müssen. Je / antwortete sie / du wirst ja nicht gar aus der Erbarkeit Schranken loßbrechen. Lasset michs doch zuvor alles aussagen / wieder antwortete jene; dann hätten die frechen Buben volle Ritterharnische angehabt / samt Schild und Helm / důrffte umb Eure Gn. es gefährlich gestanden seyn. Ich aber /sagte das Fräulein / möchte wünschen / daß ein ieder drey Harnische angehabt hätte. Wie so? fragte iene. Bistu nicht eine Närrin? sagte sie / dann unter solcher Last hätten sie ja im Wasser ersauffen můssen. Libussa schämete sich der Fehlfrage / und fing an: Was habe ich mich dann auch groß umb diese Buben zu bekümmern? viellieber fahre ich fort in des allertrefflichsten Fürsten Verteidigung / und wage eine Wette /ob nicht innerhalb kurtzer Zeit Eure Gn. Schreiben von ihm hat; und nicht allein nur Schreiben / sondern wegen des Haaren Armbandes zehnfache Erstatung; aber wie dann Gn. Fräulein / wann ich Arbeitslohn ihm angefodert / und zuwissen getahn hätte / daß ich die Künstlerin gewesen bin? O du dumkühnes Tihr /antwortete sie / du wirst ja so unverschämt nicht seyn. Unverschämt? sagte Libussa; heisset man das unverschämt / wann der Arbeiter seinen Lohn fodert? Du loser Sak / antwortete sie mit einem lachen / ich habe noch nicht viel Briefe gesehen / in welchen er deine Arbeit angefodert; wiltu aber Arbeitslohn haben / so fodere ihn von mir / und nicht von meinem Herkules. Ich wil schon wissen / ihn von beyden auff einmahl zufodern / sagte sie / aber daß euchs schwer gnug fallen sol / mich zu befriedigen. Ey dräue so hart nicht /anwortete das Fräulein / können wir dañ den Häuptstuel so geschwinde und auff ein mahl nicht abtragen /wollen wir die Zinsen richtig machẽ / Gott gebe nur /daß die Zeit schier komme / daß du uns beyde in einem Gemache mahnen könnest. Also führeten sie ihr ehrliebendes Gespräch / und wuste diese Jungfer dem Fräulein so genehm vorzuschwätzen / daß sie offt ja so befriediget sich befand / als wann sie auff ihres Herkules Schosse gesessen währe.

Des nähstfolgenden Morgens ward auff dem Königlichen Schlosse angemeldet / es währe eine Geselschafft von LVI Reutern / in lauter Sammet gekleidet vor dem Stadtohr / welche vorgäben / sie kähmen von jhrem Könige Ladisla aus Italien. Die Königin ließ das Fräulein solches wissen / daß sie nach angelegetem Schmuk zu ihr kähme / und der Gesanten Werbung mit anhörete / welche dann alle eingelassen /und in die besten Herbergen verlegt wurden / von denen Friederich und Lutter allein sich nach Hofe verfügeten / und nach abgelegetem Kind- und Brüderlichen Gruß von Ladisla und Herkules an die Königin und [222] das Fräulein / reicheten sie Ladisla Schreiben ein also lautend:Gnådigste Fr Mutter; ich wil nicht zweiffeln / jhr werde mein Schreiben / in welchem ich meine sehr glükliche Heyraht angemeldet / wol eingelieffert seyn; Mein Hochzeitliche Freudenfest wird auff bestimmete Zeit / da ich lebe / vor sich gehen / möchte meiner Fr. Mutter und Frl. Schwester gegenwart von Herzen wůnschen / damit nicht allein ich jhnen mein allerliebstes und mit allen Fürstlichen Tugenden begabtes Fräulein /sondern zugleich auch andere Ehren-Begebnissen zeigen möchte / deren wir von Käyserl Hocheit noch viel mehr gewärtig sind / wie zeigere dieses / Friederich und Lutter werden berichten könnẽ / denen sie vollen Glauben zustellen wollen; und weil ich willig gestehen muß / daß mein Herkules aller meiner Ehren die einige Ursach ist /dessen Heldenmuht und Tugend zubeschreiben ich undüchtig bin / wird meine Fr. Mutter leicht erkennen /wie hoch wir demselben verpflichtet sind. Die begehreten Gelder wolle meine Fr. Mutter nur zurük behalten: weil deren ich über Notturfft habe / und in kurzem eines grösseren Schatzes mir vermuhten bin; möchte nochmahls von Herzen gerne jhre und meiner Frl. Schwester Anwesenheit / wo möglich / hieselbst wissen und sehen. Gegeben zu Padua am XII. Tage des Mey Monats / von ihrem gehorsamen Sohn Ladisla.

Mutter und Tochter lasen es zugleich mit einander /und ging dieser ihres Herkules Ruhm dergestalt durchs Herz daß sie sich / von ihm geliebet zuwerden / viel zugeringe schätzete Weil sie dann verlangen trugen Ladislaen Glük zu erfahren / muste Friederich solches mit allen umbständen erzählen / welcher dabey vermeldete / es zweiffelte niemand / die eroberte Beute in der Räuber Höhle würde Herkules und Ladisla von dem Römischen Käyser ganz und gar geschenket werden / ungeachtet dieselbe sich ůber die CL Tonnen Goldes belieffe / welches die Königin vor ungläublich hielt. Lutter wahr vielfältig drauff bedacht / wie er dem Fräulein die Sachen neben dem Schreiben heimlich beybringen wolte / daß er von seiner Geselschafft sich nicht trennen / sondern zugleich mit ihnen nach Teutschland gehen möchte / hatte nun schon vernommen / wie gute Lust sie zu schönen Pferden trüge / daher er die / so Herkules seinem Bruder schickete / hoch zurühmen anfing / nebest anzeige / daß dem Durchl. Fräulein von Fürst Herkules er auch eines zu liefern hätte / dafern dieselbe ihm gnädigst befehlen wolte es herzuhohlen. das Fräulein verstund alsbald / daß er sie allein zusprechen Gelegenheit suchete / sagte demnach zu ihm / er möchte sie alle bringẽ / daß sie dieselben beschauete / als dann wolte sie biß in den grösten Vorplaz folgen; welches dann alsbald geschahe / da die sechs nach Teutschland übermachte zur Seite gestellet wurden / deren mit Gold und Perlen gestickete Sättel und Zeug nach abgezogenen rohten ledernen ůberzügen statlich hervor blicketen; der Fräulein schneweisses / mit langer liechtrohter Mähne und Schwantze ward von zween Teutschen absonderlich geleitet. Lutter hatte die zu Padua empfangene ganz güldene Huefeisen ihm zu Prag mit silbern Nägeln unterlegen lassen. Naseband /Gebiß / Stangen Steiffbügel und Spangen wahr alles klammer Gold mit ädlen Steinen außgesezt / vor dem Häupte hatte es ein Kleinot hangen in gestalt eines halben Monden / welches von Demanten schimmerte; Zaum / Sattel / Vor- und hinderzeug wahr mit Gold und Perlen auffs reichlichste gesticket / uñ die Decke so auff dem Pferde lag / und an beyden Seiten den Steiffbügeln gleich hing / wahr ein gülden Stük in grün / daß desgleichen Pracht daselbst nie gesehen wahr. Ober dem Kleinot vor der Stirn wahr ein zartes weisses Leder angehefftet / und auff demselben der Nahme VALISCA, mit gůldenen Buchstaben. Hinter dem Pferde folgete die blaue Sammete Gutsche mit sechs muhtigen Blänken im güldenen Zeuge / welches alles das Fråulein mit [223] Verwunderung ansahe / und Lutter ihr solches also einlieferte: Durchleuchtigstes Königliches Fräulein / der auch Durchleuchtigste Fürst und siegreiche Held / Großfürst Herkules / hat mir gnädigst anbefohlen / ihrer Durchl. dieses Pferd /welches in dem Eilande Sizilien geworffen und abgerichtet ist / in seiner Durchl. Nahmen untertähnigst einzuhändigen / mit Bitte / solches an Stat eines geraubeten Bandes unbeschwert anzunehmen / und mit schwesterlicher Gewogenheit im stets zugetahn zu verbleiben. Die Gutsche samt auffgesetzeter Lade wird gleicher Gestalt euer Durchl. von höchstgedachtem Fürsten zugeschicket / wobey ich den Befehl habe / deroselben dieses Schreiben / und dabey gefůgeten /zu der Lade gehörigen versiegelten Schlüssel / ohn anderer auffmerkung zuzustellen / welches ich hiemit an diesem bequemen Orte wil geleistet haben / und wird eure Durchl. mir göñen / daß die Lade alsbald auff ihr eigenes Zimmer getragen werde. Mein Herr Oheim und Bruder / der Durchl. Großfürst / antwortete sie / hat gar zu übrige Kosten an den Pferdeschmuk geleget / welches ich nit zu vergelten weiß / als nur mit einem schwesterlichen Willen / der zu keiner taht gelangen kan. Die Lade werdet ihr hintragen lassen wie ihr befehlichet seid / und wil ich schon sehen wohin dieselbe etwa weiters sol fortgeschicket werden. Ihrer andern Leib Jungfer Brelen befahl sie nach ihrem Zimmer mit Luttern zu gehen / denselben biß auff ihre Ankunfft mit unterredung auffzuhalten / und die Lade in ihr absonderliches Kämmerlein niderzusetzen. Sie aber ging mit Libussen nach der Königin /rühmete den überauß kostbahren Schmuk des von Herkules geschikten Pferdes / und die wolgemachte Gutsche / zeigete daneben an / der Uberbringer wolte von wegen ihres Herrn Bruders und dessen Frl. Braut sie gerne absonderlich sprechen / wolte ihn deßwegen auff ihr Zimmer führen / dafern es die Fr. Mutter vor gut hilte; machte sich auff Bewilligung mit Libussen dahin / hieß Brelen einen Abtrit nehmen und bey der Königin auffwarten / aber in Libussen Gegenwart taht sie bey Luttern allerhand Nachfrage / und merkete /daß ihm ihre und Herkules Liebe unbewust wahr /daher sie ihn abfertigte / mit dem Versprechen / daß sie seine fleissige Verrichtung dereins zu seiner Befoderung wolte zu rühmen wissen; gab ihm damit urlaub / ging mit der Jungfer in die absonderliche kleine Nebenkammer / in welcher die Lade nidergesetzet wahr / machte den Schlůssel loß / und wolte alsbald auffschliessen / da sie von der Jungfer erinnert ward /den Brieff erst zu lesen. Ach / sagte sie / aus übermässigen freuden habe ich dessen gar vergessen; zog ihn hervor / und sagete weiter: Kom doch mein Kind /und hilff mir meines Herkules Schreiben lesen / ich darffs allein nicht-erbrechen / aus furcht / es möchte etwas wiedriges darinnen stehen. Etwas wiedriges? antwortete sie; wisset ihr auch mein Fråulein / warumb er euer Gn. daß köstliche Pferd und die schöne Gutsche geschicket hat? nirgend umb / als daß ihr darauff sollet zu ihm nach Padua reiten oder fahren. O meine Herzen Libussa / sagte das Fräulein / nun liebe ich dich erst recht / weil du so gar meine Gedanken sehen kanst / welche mich diese ganze Nacht schlaffloß gehalten / ob ich nicht ein Mittel / diese reise bey meiner Fr. Mutter zuerhalten / außsinnen möchte / ist aber alles vergeblich gewesen / biß das Glük mir solches ohngefehr jezt diesen Morgen an die Hand gegeben / und ich darzu schon den ersten Anfang gemacht. O behüte Gott behüte Gott / sagte die Jungfer: Eure Gn. werden ja diese meine Scherzrede nicht in ernst auffnehmen; dann wer wolte zu dieser gefährlichen Reise rahten [224] können / angesehen ihre Gn. kaum vorm Stadtohr sicher ist / und ihrer Schönheit wegen so hefftige Nachstellung erfahren muß? Was? antwortete sie / woltestu mir nicht bessern Trost geben / und in meinem Vorhaben mir hinderlich seyn? glåube mir bey meinen Ehren / daß ich dir mein Lebelang nicht trauen / noch dich lieben wil / wo du mir ein Wörtlein hierin zuwieder redest; mein Schluß stehet feste / ich muß auff meines Herren Bruders Hochzeitfest / es gehe auch wie es wolle. Libussa sahe ihren Ernst /und gab zur Antwort; ihre Gn. wüste ja wol / daß sie mit willen ihr nicht zuwieder tuhn noch reden könte /und wañ sie meynete sicher durchzukommen / wolte sie es nicht allein gar nicht hindern / sondern untertähnigst ansuchen / daß sie in ihrer Geselschafft bleiben möchte. Ja meynestu / sagte das Fräulein / ich werde ohn dich fortzihen? ich muß ja einen geträuen Menschen bey mir haben / und wen wolte ich zwischen Herkules und mich gebrauchen können / als dich meine andere Hand? Diese kunte ihren Scherz noch nicht einzihen / uñ sagte; ich wundere mich ůber euch / Gn. Fräulein / daß sie den Wagen schon anspannet / ja daß in Gedanken sie sich schon zu Padua befindet / willens / mich an den Fürsten hinzuschicken / da sie doch noch nit eins weiß / ob auch Fürst Herkules sie des Orts / wissen wil; eure Gn. lese doch zu vor das Schreiben / dann hat sie noch Zeit gnug übrig / sich zuerklären. Sie erbrach dasselbe zwischen Furcht und Freude / und fand diesen beliebten Inhalt:Mein Schöpffer / der allerhöchste und einige Gott / gibt meinem Gewissen und diesem Schreiben Zeugnis / daß in diesem jrdischen mich nach nichts so sehr verlanget /als zu erfahren meiner Durchl. Frl. Schwester Wolergehen / und ob sie ihres unwirdigen / doch Herz- und Seelen-ergebenen Knechtes Herkules in Schwesterlicher Gewogenheit und versprochener Liebe zuzeiten könne eingedenke seyn. Das Fräulein brach hieselbst ab / uñ sagte; O du mein höchstgeliebtes allerwirdigstes Herz / warumb magstu doch an meiner träue zweiffeln /oder dich selbst vor unwirdig schätzen uñ schelten /da doch mein unvolkommenes Wesen an deinen Ehrenpreiß noch lange und bey weitem nicht reichet? Geträue Liebe wanket zwar nicht / anwortete Libussa / aber in langer Abwesenheit und weiter Ferne fürchtet oder eifert sie noch wol / insonderheit / wann man von dem so gar keine Zeitung hat / daß man so hefftig liebet. Wie leicht kan euer Herkules ihm diese Gedanken machen; daß treflichste Königliche Fräulein der Welt / ist nunmehr in die mannbahren Jahre getreten; ihre Schönheit leuchtet allen andern vor; Dännenmark / Schweden / Wenden / und andere Königreiche (des neulichen Markomirs hätte ich schier vergessen, haben ihre junge erwachsene Fürsten / deren keiner sich wegern solte / ein solches Kleinot der Welt mit seinem Blute zuerstreiten. Ists dann Wunder / mein Fräulein / daß der teure Liebhaber / der beständige Anbehter eurer Vortrefligkeit / die wahrhaffte Wissenschafft eurer Gegenliebe wünschet? Ich sage vielmehr / tähte ers nicht / ja fürchtete er das oberwähnete nicht / so währe er entweder kein Erkenner eurer Schönheit / oder liebete nur oben hin auff ein gut beraht. Lasset ihn demnach / Gn. Fräulein / wünschen und wiederwünschen / biß er nach erhaltener Besitzung nicht mehr wünschen noch fürchten / sondern nur trauen und geniessen darff. Es mangelt mir jezt gm kleinen Gelde / sagte das Fräulein / sonst müste ich dir einen Heller schencken / welchen das in Gegenwart gesprochene Lob verdienet; aber ich wil durch dein Geplauder mich im lesen ferner nicht stören lassen; fuhr auch also aus dem Schreiben fort.Verzeihet / Durchl. Fräulein / meiner Verwågenheit / und schreibet sie / bitte ich / [225] derselben Krafft zu / die solche in mir wirket; eurem volkommenen Geiste / der nichts als Tugend bläset; euren durchbrechenden Augelein / die alle Hertzen durchdringen; eurer unvergleichlichen Schönheit / die sich bemühet / den Leib zur wirdigen Herberge einer so auserlesenen k \stlichen Seele zu machen.

Recht so / Fürst Herkules / recht so / fing Libussa an; straffet mich nun nach diesem mehr / mein Fräulein / wann ich eure Wirdigkeit preise; sehet / euer Herkules / dem jhr vielmehr trauen müsset / sagets nicht allein in die vergengliche Lufft / sondern er schreibets aus wolbedachtem Vorsaz auff ewigwehrende Blätter / daß es bekleiden und bleiben sol. O Fürst Herkules / wie einen breiten Schild gebet jhr mir in die Hand / welchen ich allen Straff-pfeilen meiner Gn. Fräulein vorwerffen / und sie unbeschädiget auffangen kan. Sprechet nun auch / mein Fräulein; Herkules du Fuchs Schwänzer / du Schmeichler / du Liebkoser; Ja suchet eure kleine Gelderchen hervor /und bietet ihm einen Schårf zum Schreibelohn / oder ist Schreiberey kostbahrer als mündliches Vorbringen / so bietet ihm zween. Ey ey / sagte sie mit einem Handklitschen / wie einen bewehrten Zeugen habe ich nun ohn alles gefehr bekommen / den ich um viel nicht missen wolte. Frl. Valißka muste des Vorbringens laut lachen / sagte endlich: es ist mir leid / daß ich den Brief nicht allein gelesen / und dich nit davon gelassen habe; Nun könte ich dir deine Ruhmrätigkeit mit einem Worte umbstossen / wann ich bloß allein sagete; Mein Herkules wisse aller unverständigen Kinder art uñ weise / daß sie niemand günstiger seyn /als der sie lobet; aber ich wil mich nicht immerfort mit dir katz-balgen / und gebiete dir / daß du mich vor Verlesung dieses allerliebsten und herzerquiklichen Briefes ungestöret lassest. Nur noch ein Wort / mein Fräulein / sagte sie / ist es der allerliebste und herzerquikliche Brief / so ist er auch mit lauter Warheit an gefüllet / dann Lügen und Unwarheit haben Euer Gn. noch nie gefallen. Unterscheide die Lügen vom höflichen Scherze / antwortete sie / so wirstu bald hinter die rechte Meynung kommen; lase damit weiter folgenden Anhang:Diese Volkommenheiten / beteure ich / wirken allein / daß ich wünschen darff / dessen ich nicht fähig bin / und doch auff ihre beywohnende Güte mich verlassend / noch nicht gar von der Hoffnung abtrete /des so köstlichen Gutes / welches die Welt kaum wert ist / und dem der eins völlig geniessenden mehr Neider als Gönner machen wird. O Wunder dieser Welt! setzet /bitte ich / meiner flatternden Seele einen festen Grund /welches nur mit diesen Worten geschehen könte / wann ihre holdselige Zunge ihrer Feder diß zu schreiben anbefehlen wolte: Frl. Valißka erinnert sich des versprochenen unwidersprechlich. O des süssen Klanges / O des erquiklichen Trostes! Nun mein Fräulein / werde ichs schier erhalten / so bin ich genesen; verfehle ich aber des Wunsches / so geniesse ein wirdiger und glükseliger als ich nicht bin / wanns nur ohn meinen Willen geschihet /der sich unterstehen wird (wo möglich ohn meiner Fräulein Verletzuug) ihm so hohe Vergnügung zu mißgönnen; umb dessen Abwendung ich meinen Gott täglich anruffe / und bey demselben nicht minder Erhörung / als bey meinem Fräulein Beständigkeit zu finden hoffe. Beygefügetes Reitpferd nebest bespanneter Gutsche und auffgesetzeter Lade / wolle mein Fräulein von ihrem Diener Herkules als ein mögliches Zeichen seiner unbewäglichen Untergebenheit auffzunehmen unbeschweret seyn /und verbleibe ich Zeit meines Lebens / Meiner gebietenden Fräulein gehorsamster und ganz eigen-ergebener Knecht Herkules.

O Fürst Herkules Fürst Herkules / sagte sie hierauff / warumb mag eure gar zu zweifel spitzige Feder mir die Seele so durchstechen; oder was vor Ursach habt jhr / mich vor träuloß und unbestendig zu argwohnen. Nichts / durchaus nichts / antwortete Libussa / als nur / was dieser Brieff anzeiget / eure Volkommenheit / deren zugeniessen er so hoch wünschet /[226] und sie zu verlieren sich befürchtet: wie er dann wol gedenken mag / daß mehr junge Fürsten als er und Markomir das schönste wählen. Und bedenket nur /mein Fräulein / ob jhr dieser Steknadel so acht habet /als eures kostbahresten Kleinots; jene stecket jhr in ein Nadelküssen / bleibet sie; gut; wo nicht / macht jhr euch weiter keine Gedanken; dieses aber verschliesset jhr nicht allein in feste / mit eisen beschlagene Truhen / sondern setzet es auff das wolverwahrteste Gemach / und dannoch fürchtet jhr euch noch wol vor Dieben. Warumb gönnet jhr eurem Herkules nicht eben diese gebührliche Freiheit / sich der Diebe zu besorgen / die euch so heftig nachstellen? Dieser Vorsorge verdenke ich jhn nicht / antwortete das Fräulein / wann er nur meine Träue nicht in zweifel zöge / die ich bey Markomirs anwerbung / und noch gestern / meiner Meynung nach / völlig dargelegt / in dem ich seinet / ja bloß seinetwegen mich dem wütigen Strohm anvertrauet / ob ich jhm zu gute uñ zu seiner Vergnügung mein Leben retten könte / welches ich mir sonst im troknen lieber hätte durchs Schwert kürzen lassen / solte es auch mein eigenes verrichtet haben / da mirs zur Hand gewesen währe. Wol / sehr wol getahn / sagte die Jungfer; eure unvergleichliche Seele / eure geträueste Bestendigkeit flammet aus dieser Taht Sonnen-klar hervor: aber gönnet doch / mein Fräulein / gönnet dem durch hin verliebeten Fürsten dessen zuvor Wissenschaft / ehe jhr seinen Zweifel /der doch so gar Zweiffelmuhtig nicht ist / anklaget und entgegen feindet Aber wil dann jhre Gn. die gelieferte Lade auch unbesehen wieder hinweg tragen lassen / wie des Markomirs seinen geschahe? das wirstu bald erfahren / antwortete sie / ergreif den Schlüssel / öfnete das wol verwahrete Schloß / und fand anfangs ein seidenes Tuch / als eine Hülle; nahm dasselbe hinweg / und zohe etliche Stük der besten Güldenen Stük Tücher hervor dreyerley Gattung / jhr zu Kleidern; Unter diesen stund eine helffenbeinen Schachtel in welcher zwölf trefliche Stük allerhand Häupt- und Brust-Kleinote lagen; noch ein schwarzes Schåchtelchen mit Gold belegt / welches da es geöfnet ward / blitzeten die Strahlen von den kostbahresten Demanten hervor / dann es wahr der ganze Räuber-Fürstin Schmuk / welchen Servilius jhm in der Höhle unvermerket eingehändiget hatte. In beyden Schachteln lag ein kleines Brieflein / welches andeutete / daß solches alles dem Fräulein von Herkules geschicket würde / zur Vergeltung der jhm ehmals erzeigeten abwaschung des unsaubern Pannonischen Blutes. Die dritte und vierde Schachtel fand sich auch / da in der einen eine köstliche Halßkette von Rubinen und Smaragden üms ander geheftet / gedoppelt drey Ellen lang / ein par Armbänder fünffdoppelt gleicher Art / ein Leib Gürtel und Messerketchen eben derselben Arbeit / zwey Ohrengehänge und sechs Ringe mit grossen Rubinen / gelegt wahren / auch ein beygefügetes Zettel anzeige taht / daß es als ein Beutpfennig der Königin von Herkules solte eingereichet werden. In der lezten lagen zehn par güldene Armbånder und zehn Ringe / vor das adeliche Frauenzimmer der Königlichen Fräulein / so daß jene schwarz und weiß verblümet / und auff jedem Schlosse ein schöner Rubin eingefasset wahr / diese aber drey Rubinen in gestalt eines Kleeblades hatten; noch zwey par Armbänder von Rubinen und Schmaragden / und zween Ringe von köstlichen Demanten / vor der Fräulein zwo Leib Jungfern; und endlich XII köstliche Ringe von allerhand Steinen vor das Fräulein selbst / welches alles auch ein Zettel anzeigete. Als Libussa nun die schönen Tücher zu den Kleidern besahe / fiel ein kleiner praller Beutel [227] heraus / von silbern Stük gemacht / uñ oben darauf zwo sehr schöne Korallen an stat der Knöpfe / welchen sie ofnete / und tausend Stük ZahlPerlen darinnen fand / (welche von der Räuber Fürsten jhren Kleidern abgeschnitten wahren) über deren volkommener Reinigkeit / Grösse und Runde sie sich verwunderte / und den überschlag machete / daß sie über eine Tonne Schaz austrugen. Hiemit wahr die Lade / dem Ansehen nach / ledig / und doch sehr schwer zu heben / merketen auch das ein Mißscheid in der Lade wahr / weil sie den Bodem fast in der Mitte sahen / funden bald / daß derselbe kunte hinweg getahn werden / und traffen unter demselben 15000 eingepackete Kronen an / dabey dieses Zettel lag:Der Königlichen Fräulein Valißka Handpfennig auff ein Jahr 15000 Kronen. Nach kurzer Betrachtung sagete das Fräulein; iezt klage ich meines Herkules Verschwendung mehr an / als seinen vorigen Zweifel; dann lebet er ohn Gewißheit meiner Liebe / warum schenket er mir dann mehr als mein ganzes Heiraht Gut anträget? Sie stellete Libussen ihrẽ Anteil zu / welche davor dankete / legte ihren ganzen Schmuk an / und nam der Königin überschiktes mit sich in der Schachtel. Als dieselbe nun jhre Tochter mit solcher Kostbarkeit zu jhr treten sahe / entsetzete sie sich darüber / und sagte: Hatte der fremde dieses bey dir zu werben? Sage mir doch / liebes Kind / von wannen komt dir ein solcher fünkelnder Schaz? Ich wil meiner Gn. Fr. Mutter den jhren zuvor auch anlegen / sagte sie / und hernach die Zettel zeigen / welche uns den milden Geber kund machen sollen. Die Königin stund als im Traum / als ihr so viel Stücke von dem Fräulein gelieffert wurden / sahe auch aus den Bey Brieffen Herkules Freygebigkeit / und gingen jhr die Augen vor Freude über / da sie zu jhrer Tochter sagte: Du bist wol eine teure Bademagd; doch die Götter geben dir keinen unwirdigern zu waschen / als meinen Sohn Herkules / und weil derselbe dich mit einem so reichen Handpfennige versehen / wirstu mir nichts mehr abfodern. Diese Worte durchgingen der Fräulein Mark und Seele / daß ihr unmöglich wahr / ihre Liebesveränderung zu verhehlen / dessen auch die Mutter wahr nam / und die Gedanken zufassen begunte /diese beyde würden schon ein mehres als Brüderschafft gemacht haben / welches dann ihr einiger Wunsch wahr / uñ sichs doch nicht merken ließ. Libussa muste der Fräulein adeliches Zimmer herzu hohlen / denen die übergeschikte Sachen eingereichet wurden / und Jungfer Brela als die andere / und nähst Libussen die geheimeste Leib Jungfer / den andern Teil des vornehmsten bekam; nach deren Abtrit fing das Fräulein also an: Herzallerliebste Fr. Mutter / ob gleich der heutige fremde mir im Nahmen Fürst Herkules alle erwähnete Sachen eingeliefert hat / ist doch dieses nicht seine Häupt- sondern nur Nebenwerbung gewesen / dann er wahr eigentlich von meinem Herr Bruder Ladisla und dessen Frl. Braut befehlichet / mir anzudeuten / daß wo einige Schwester- und Schwägerliche Liebe ich gegen sie trüge / würde ich nicht unterlassen / auff ihrem Hochzeitfeyr zuerscheinen /da sie mir den wolverwahrten Beutpfennig selbst einliefern wolten / der nicht geringer als der übermachte seyn solte; und hätte Fůrst Herkules bey dieser Gelegenheit solches verrichten wollen / weil er nöhtiger Geschäfte wegen nach Rom reisen müste / und dem Beylager nicht beywohnen könte; Zwar sie wünscheten beyderseits nichts liebers / als zugleich auch der Fr. Mutter Gegenwart; weil aber die Landschafft unser beyder Reise schwerlich einwilligen würde /hätten sie darauff so hart nicht dringen dürffen. Nun wolte ich meiner herzgeliebten künfftigen Fr. Schwester [228] ihr erstes Begehren nicht gerne abschlagen /wanns immer mensch- und möglich bey der Fr. Mutter zuerhalten währe / warumb ich dann kindlich und demühtig bitte. Die Königin erschrak der Werbung /und gedachte sie eins vor alles abzuweisen / gab ihr demnach diese Antwort: Herzliebes Kind / sage mir davon ja kein Wort mehr; ich bin schon diese Nacht in so grosser Angst wegen deines gestrigen Unglüks gewesen / daß mich alle mahl gedauchte / du währest mir von der Seite gerissen; Ja wann du hinaus vor das Tohr reitest / verlanget mich / daß ich dein Angesicht wieder sehe / uñ ich solte dich einen so langen gefährlichen Weg reisen lassen? bedenke / ob ich solches vor dem Himmel und der Welt verantworten könte /wann durch diese Zulassung ich dein Unglük und Verderben befoderte? Dein Bruder wird ohn zweiffel mit seinem Gemahl hieselbst bald ankommen / dañ hastu noch Zeit genug / dein Schwesterliches Hertz jhnen zu erzeigen; daß sie dir aber solches zumuhten /geschihet nur Ehrenhalben / dann sie selbst würden mirs verdenken / wann ich dich dergestalt hinzihen liesse. So entschlage dich nun solcher Gedanken / und betrachte dein gestriges Unglük / als dañ wird dir dieser Vorsaz selbst mißfallen. Diese abschlägige Antwort trieb dem Fräulein die Trähnen aus den Augen /welches die Königin sehr befremdete / und daher in ihren vorigẽ Gedanken / wegen ihrer Verliebung gegen Herkules gestärket ward / dann sie kennete jhren festen Sinn / und daß jhr Herz zuvor bluten muste / ehe das Augenwasser hervor brach / hörete auch diese Rede der Fräulein mit sonderlicher bewågung an: Gnådigste Fr. Mutter / es tuht meiner innigen Seele leid / und ist ihr fast unerträglich / daß ich meinem einigen Herr Bruder auff seinem gewünscheten Beylager nicht Geselschafft leisten sol; Ja wann etwa Kriege oder andere Unruhe währen / die mich hievon abhielten / dann hätte ich Entschuldigung einzuwenden; sol ich aber mein nicht-erscheinen bloß hiemit beschönen / daß meine Fr. Mutter mir solches nicht gönnen wollen / weiß ich nicht / ob redliche Leute daran ein genügen haben werden. Mein Herr Bruder ist gleichwol ein berühmter und mächtiger König / aber auff seinem eigenen Beylager wird er ein verlassener ohn-freund seyn / absonderlich / weil sein Herkules ihm keinen Beystand leisten kan; jedoch muß ich meiner Fr. Mutter billich gehorsamen /wie schwer mirs auch in diesem Stücke fället / wiewol ich noch der festẽ Zuversicht gelebe / sie werde sich eines andern bedenken / uñ in einer so schlechten Sache meinen Herrn Bruder nicht schimpflich stecken lassen. Ein Baur folget ja seinen Verwanten von einem Dorffe zum andern; ein Bůrger von einer Stad zur andern / warumb solten dann Königliches Standes Schwester uñ Brüder einander diese Freundschafft nicht leisten? Ich habe ja des Meers wüten nicht zubefürchten / dann die Gutsche kan mich dahin tragen; so sind auch noch so viel Reuter wol in Böhmen / die mich sicher begleiten können / wann es nur meiner herzallerliebsten Fr. Mutter gefallen wolte / welche noch dieses bedenken wird / wie ungleich die Frl. Braut / und jhre Eltern es ausdeuten werden / daß kein Anverwanter auff dem Beylager erscheinet. Freylich werden sie argwohnen / als achte man diese Römische Braut / und ihre Eltern zu geringe; welches wol immerzu ein schlimmes Mißtrauen verursachen dürffte. Die Königin hatte sie ůberaus lieb / hörete nicht allein ihre wehmühtige Reden und nachdenkliche Ursachen /sondern sahe daneben ihre Trähnen herunter fliessen /welche sie länger nicht reitzen kunte / daher sie antwortete: Gedulde dich liebes Kind / ich wil noch weder ja noch nein gesagt haben / [229] sondern es vorhin mit den ReichsRähten in bedacht zihen / dann es ist nicht so ein geringes / wie deiner Jugend nach du es von der Hand schlägest; Wann du noch ein unmanbahres Fräulein währest / hätte ich so viel weniger zubedenken; nun du aber schon ansehnlicher bist / als dein Alter mit sich zubringen pfleget / muß ich so viel mehr und grössere sorge vor dich tragen. Ey herzen Fr. Mutter / sagte sie / hindert mich sonst nichts an der Reise / so könte ich mich leicht mit einem Mañeskleide verstellen / uñ euch dieser angst mit einem par Hosen benehmẽ. Die Königin lachete des anschlags /uñ gab zur antwort: O mein Schätzgen / meinestu dz dich iemand wegẽ eines par Hosen vor einen Jungling haltẽ werde? Nein o nein! deine Zartheit / uñ dz du zimlich schon gebrüstet bist / würde dich viel zu bald verrahten. Meinen Busem / sagte sie weiß ich wol zuvermachen; so war jensmal meines Bruders Fürst Herkules Zartheit nicht viel geringer als die meine. Seine Sitten und Geberden / sagte die Königin / auch die Gliedmassen / gingen der Mannheit näher als deine. Ich wil mich in solchem allen auch wol zwingen / antwortete das Fräulein / und ob ihr meine Haar mir vorwerffen würdet / sol ein leichter Helm dieselben bald unsichtbar machen. Du hast es schon gar fleissig übergeleget / sagte die Mutter / gehe hin und heiß mir den Kanzler herkommen / daß ich seine Gedanken hierüber vernehme. Das Fräulein seumete sich nicht / redete ihn mit höchster Freundligkeit an / er möchte sich vor dißmahl als ein rechtschaffener Freund sehen lassen / und ihre Reise befodern / welches nicht allein sie / sondern auch ihr H. Bruder verschulden solte; wer ihr aber hierin zuwieder seyn würde / nachdem sie ihre Fr. Mutter schon gewoñen hätte / an dem wolte sie sich schier heut oder Morgen / als an ihrem ärgesten Feinde rächen; welche Dräuung er nicht unbillich zu herzen zog. Sie hingegen wahr so schlauch / daß sie die versamleten ReichsRähte / bey denen auch Pribisla wahr / stehendes Fusses besuchete / und eben die Verheissung und bedraulichen Trozworte ihnen vorbrachte / worauff dieselben ungefodert nach der Königin gingen / es mit ihr zu berahtschlagen / da das Fräulein vorher Pribislaen seiner getahnen Zusage erinnerte / und mit diesen Worten beschloß: In diesem Stük wil ich euch redlich prüfen / ob ihr ein Werk- oder Mund-Freund seid. Sie alle aber / wie auch zuvor der Kanzler versprachen ihr alle Befoderung ihrer Reise / und liessen ihr doch die Gefahr nicht unangezeiget; welches sie mit einem Gelächter und dieser Rede beantwortete: Gott hat mich gestern nicht zu dem Ende im Wasser erhalten / daß ich Morgen oder übermorgen zwischen hie und Padua sol erschlagen werden. Vielmehr sollen die Herren ReichsRähte betrachten / daß ich durch diese Gelegenheit sie der schweren Last grossenteils entheben /und ihren König mit mir überbringen werde. Als die ReichsRähte bey der Königin anlangeten / und dieselbe ihnen ihrer Frl. Tochter heftiges und mit Trähnen vermischetes begehren vorgetragen hatte / antwortete Herr Bretisla als Reichskanzler also: Ihrer Königl. Hocheit Vorbringen ist von uns untertähnigst angehöret / und schon von dem Durchl. Fräulein an uns fast hefftig begehret worden / daß wir in diese Reise einwilligen möchten. Meine Meynung nun hierüber zu eröffnen / so gestehe ich / daß ich zwischen Tühr und Angel so klam nie gestecket / als eben jezt; dann diese gefährliche Reise zu rahten / und die Verantwortung auff mich zu nehmen / da ihrer Gn. einiger Unfal zustossen solte / ist mir nicht tuhnlich / dann es würde /wie billich / bey mir gesucht werden; dem Fräulein aber steiff zuwiederstehen / wil ich lieber die [230] Kanzley Bedienung auffruffen / weil ihren gewissen Zorn und schwere Rache ich über mich zihen würde. Die andern wahren alle der Meynung / aber niemand betrübeter als Pribisla / daß er auff sich selbst ungehalten wahr / umb / dz er nicht von Hoffe gezogen währe. Endlich ward der Schluß gemacht / die Königin möchte das Fräulein absonderlich vornehmen / ob sie von der Reise könte abgebracht werden / wo nicht /solte man sie auff der sämtlichen Landstände Bewilligung hin weisen / so verflösse inzwischen die Zeit /und würde das Beylager oder Hochzeitfest gehalten. Die Königin ließ sich alles wolgefallen / ohn daß sie der ReichsRähte Gegenwart dabey wissen wolte; foderte das Fräulein vor / und nach wiederhohlung der grossen Gefahr / vermahnete sie dieselben mit gütigen Worten / von diesem Vornehmen abzustehen / dann /sagte sie / es könte kein verständiger solches gut heissen. Als sie diesen unbedingeten Abschlag hörete /überging sie zugleich ein Herzbrechendes Leyden und rachgieriger Eyfer / und gab mit gebrochener Rede diese Antwort; Nun wolan / du liebe Geduld / ergib dich deiner Fr. Mutter Gebot in gehorsam / nach dem deren Wille / meinem Herr Bruder dem Könige / und mir des Königes Schwester / zu wieder gemacht ist; sihe dich aber nach diesem vor / Valiska / wem du trauest. Kehrete hiemit umb / und wolte davon gehen /aber der Zorn übermeisterte sie / daß alles ihr rohtes in eine bräune verendert ward / und sie im hingehen mit einem bitteren Lachen anfing: Ich hätte der gebührlichen Dankbarkeit schier vergessen / damit ich den Herren Rähten samt und sonders verbunden bin /umb daß ihr versprechen sie so fleissig ins Werk gerichtet; sie sollen aber dannoch wissen / daß wann sie keinen andern Vorsaz gehabt / sie ihr reiches Erbieten wol sparen / und andere als ein Königliches Fräulein mit leeren Worten speisen möchten. Nun nun / die Geduld / wie schon erwähnet / muß hie Meister spielen / aber biß dahin. Unmöglich wahr ihr / ein mehres vorzubringen / oder weiter fortzugehen / setzete sich deßwegen auff den nähesten Stuel nider / der Hoffnung / sie würde bessern Bescheid erhalten. Es erschraken aber die Rähte dergestalt über ihre spitzige Reden / daß sie nicht umbhin kunten / durch den Kanzler ihr also zu antworten. Durchleuchtigstes Fräulein / unsere untertähnigste Bitte ist / uns des Argwohns gnädigst zuerlassen / und ihren Zorn von uns abzuwenden / die Götter wissen das wir bereit und erbötig sind / auch unser Blut vor ihrer Durchl. Wolfahrt auffzuopffern; ist dann ihre Gn. mit der Frau Königin Antwort nicht friedlich / so geruhe sie doch gnädigst / es den versamleten Landständen vortragen zu lassen / damit hernähst uns wenigen es nicht in die Schuch möge gegossen werden / und man / welches ja der Himmel abwende / uns nicht vor Verrähter des Königlichen Geblüts angeben und straffen möge. Die Königin redete ihr auch ein / was diese Verwågenheit solte / daß sie denen dräuen dürfte / die an Stat des Königes herscheten; sie hätte sich vorzusehen / und des ergangenen Abtrag zu machen. Gn. Fr. Mutter /antwortete sie / wann die Herren ReichsRähte also anstat des Königes herscheten / daß sie dessen redlichem willen sich gemäß bezeigeten / währe ich straffwirdig; weil sie aber wieder ihren König und dessen willen (der ihnen aus des Königes einladungs Schreiben bekant ist) herschen wollen / werde ich ihnen nimmermehr gut heissen / viel weniger der König; doch habe euer Mütterlichen Gn. ich zu hefftig geredet / so bitte ich dessen herzliche verzeihung; dz aber der Kanzler sich unterstehen darff / mich über dz noch auffzuzihen / sage ich nochmahls / [231] ich müsse es biß dahin der Geduld befehlen. Dieser wuste vor Angst nicht zuantworten / endlich entschuldigte er sich mit grossen verfluchungen / daß ihm solch bübisches Vornehmen nie in den Sin gestigen währe. Worauff sie zur Antwort gab: Herr Reichskanzler / ich nehme eure Entschuldigung an / wann ihr mir dagegen den Wahn abnehmet / daß euer Vorschlag wegen der Landstände Versamlung auff nichts anders gemeinet ist / als mir ein Näsichen anzudrehen / und durch diese Verzögerung die Zeit des Beylagers vorbey zuspielen; wisset ihr nicht / daß am XVII dieses / das Fest bestimmet ist? oder meinet ihr / ich könne ohn federn hinüber fliegen? Doch / ich wil dieses alles nicht so hoch treiben / sondern sage nur so viel: Ist eure Entschuldigung euch ernstlicher / als daß heutige Versprechen / so machets also: Gebet unterschiedlichen Außreitern einen offenen Brieff; traget in demselben den vornehmsten Ständen des Königes Willen und mein Ansuchen redlich vor / und hohlet also ihre Stimmen ein / als dann wil ich euch vor unschuldig halten / und sonst keines weges. Diesen Vorschlag /dessen sie sich wunderten / musten sie eingehen / und wiederhohlete der Kanzler seine Abbitte und Entschuldigung / welche das Fräulein mit hohem Erbieten annam. Ihre Mutter merkete wol / was vor ein Hake sie so hefftig nach Padua zohe / lies sichs aber nicht vernehmen / und fragete doch / was sie bewöge /diese Reise so unablässig zu begehren; welches sie beantwortete; Vor erst währe daß grosse Verlangen /ihrem Herrn Bruder und künfftiger Fr. Schwester zu gehorsamen; hernach bildete sie sich gänzlich ein /wer ihr die Reise hemmen wolte / würde ihres Glüks verhinderung seyn / weil vor einem viertel Jahre ihr im Traume vorkommen / als ob sie in Italien in der Stad Padua (welche sie nicht als aus den GeschichtBüchern kennete) aus einem grossen Dornpusche /eine treffliche güldene Kron / wie wol nicht ohn Mühe hervorgezogen / da zwar die Dornen sie gestochen /und doch nicht blutig gemacht; die gifftigen Schlangen unter dem Pusche sie vielfåltig angehauchet / und doch nicht vergifftet hätten. Die Königin gab zur Antwort; Ob sie sich dann vor solchen Dornen und Schlangen nicht fürchtete? es währe ja leicht geschehen / daß ein Fräulein zuschaden und schanden kähme; solte demnach vielmehr sich durch diesen Traum von solcher Reise abschrecken lassen. Nein Gn. Fr. Mutter / sagte sie; wer den Kern essen wil /muß zuvor die Schale zubrechen; die Kirschen oben im Gipffel werden zwar mit Gefahr abgebrochen /aber sie schmecken doch am süssesten; so lasts nun seyn / ob mich Dornen stechen / wann sie mich nur nicht verwunden; daß mich Schlangen anhauchen /wann sie mich nur nicht vergifften. Biß zu frieden /antwortete die Königin / die Außreiter sollen Tag uñ Nacht mit schnellen Pferden eilen / und der Landstände Meynung einhohlen / aber deren Schluß soltu dich unterwerffen. Also wurden die Schreiben schleunigst verfertiget / in welchen alles nach der Fräulein begehren angeführet ward / neben angehengter Frage / in wie starker Bekleitung sie fortgehen solte / dañ es wolte der Kanzler sich alles verdachts entbrechen. Nun wolte aber Frl. Valiska des gewissesten spielen /machte in aller stille ein kurzes Nebenschreiben /darin sie umb Vergünstigung / und des Königes Willen zu geleben anhielt / auch sich aller Dankbarkeit erboht; welches dann so wol wirkete / daß sie alle einwilligten / und die Anzahl der Begleitung den Reichs-Rähten heimstelleten / ohn allein Herr Ninisla lobete nicht allein der Fräulein Vornehmẽ / sondern taht hinzu / es würde ein sonderlicher Wolstand seyn /wann sie als ein frisches Frl. [232] etwa mit V oder VI Reutern fortzöge / gleich ob sie eine Amazonin währe. Die Reichs-Rähte gaben ihr biß an die Römischen Grenzen 250 Reuter zu / deren hernach 110 umbkehren / und 40 gar mit ihr fortgehen solten. Frl. Valiska seumete sich nicht / sondern / nachdem sie umb der Braut anverwanten willen eine Tonne Goldes an Baarschafft / uñ treffliche Kleider vor sich und den Bräutigam / wie auch eine gute Anzahl Kleinot in Wetscher gepacket und auff MaulEsel geladen hatte /setzete sie sich mit Libussen und Brelen auf eine Gutsche / lies ihr gewöhnliches PrunkRoß ihr nach führen / uñ eilete den Weg in guter Sicherheit frölich fort /biß sie an einem Abend zimlich späte in einem offenen Flecken vier kleine Teutsche Meile von Padua einkehrete / der Meynung / am folgenden Morgen unbekanter weise den Einzug zu halten / und anfangs keinen / ohn den alten Wenzesla ihre Ankunfft wissen zu lassen. Weil sie aber zu dem Hochzeitfest zu späte / und zu ihrem Unglük viel zu früh kahmen / sparen wir ihre Begebniß biß dahin / und wenden uns nach Padua ins Wirtshauß / woselbst Herkules und Ladisla / wie oberwähnet / bey den Böhmischẽ Gesanten sich etliche Stunden auffhielten / hernach Abscheid von ihnen nahmen / und dem Stathalter ihre Ankunfft zuwissen macheten / der dessen froh wahr / und sie auff seiner Leib-Gutsche zum Abendessen einhohlen ließ /verwunderte sich ihres herlichen Ansehens / und ehrete sie als Königliche Gesanten. Die übergebrachten Gelder ließ Ladisla von des Stathalters Rentschreiber annehmen / uñ seinem Gemahl Fr. Sophien einliefern / ob sie gleich nicht zur Hochzeit / sondern zur Reise geordnet wahren. Diesen Abend feyrete Ritter Leches auch nicht / sondern kauffte eine gute Rüstung nach seinem Willen / damit er auff der Stechebahn erscheinen wolte.

Es trug sich aber des Abends gar späte zu / daß der Stathalter / indem er die Steige hinunter ging / einen Brief mit dem Wischtuche unversehens auswarff /welchen Fr. Sophia / die hinter ihn herging / auffhub /und unwissend des Inhalts ihn in den Busem steckete; Weil auch unsere Helden die Vornacht bemühet wahren / zum morgenden stechen alles anzuordnen /muste Frl. Sibylla bey ihr schlaffen / da / indem sie die Kleider von sich legeten / der gefundene Brief / an welchen sie nicht mehr gedachte / ihr aus dem Busen auff die Erde fiel; dessen das Fräulein inne ward / und sie fragete / von wannen er kähme. Jene aber zur Antwort gab: sie hätte ihn ohngefehr gefunden / wüste nicht / wer ihn verlohren / oder was ermeldete. Ey so lasset uns zusehen / sagte das Fräulein / ob vielleicht etwas dran gelegen währe / daß mans seinem rechten Herrn wieder zustellen möge. Als sie ihn nun auffalzeten / sahen sie / daß Herr M. Fabius der Fräulein Vater ihn von Rom an den Stathalter geschrieben hatte / legeten ihn deswegen wieder zusammen / weil sie nicht begehreten ihrer Eltern Heimligkeiten nachzuforschen; aber das Fräulein machte sich allerhand gedancken / daß ihr Vater nicht an sie geschrieben /auch ihr Vetter ihr nicht eins den Elterlichen Gruß angemeldet; daher sie sagete: Ich wil ja nicht hoffen /daß etwa böse Zeitung in diesem Schreiben begriffen sey; meine Fr. Mutter wahr nicht zum besten auf / uñ wird mein H. Vater an seiner Zipperleinsplage niderliegen / sonst währe er schon hie; einmahl weiß ich wol / daß Klodius und Markus die Botschafft brachten / er währe etwas unpaß gewesen. Fr. Sophien selbst wahr nicht gar wol dabey / wolte sie doch nit mißtrösten / sondern gab vor / sie würde ja auch etwas drum wissen / wann ein sonderliches Unglük sich zugetragen [233] hätte; aber diese ward nur in ihrer furcht gestärket / daß sie endlich nicht umhin kunte /sie zu bitten / den Inhalt ein wenig nachzusehen; worin sie ihr gern zuwillen wahr / und diese Worte heimlich lase:

Herzlieber Bruder / aller der deinen gutes Wolergehen habe ich beydes aus jetzigem und vorigem Schreiben ersehen; und wirstu Käyserlicher Hocheit sonders-gnädigste Gewogenheit gegen die beyden fremden Helden wol erfahren haben / deren ehiste Ankunfft man sich dieses Orts mit Freuden vermuhtet. Wann dann deiner Meynung nach / der Ritterliche Held Herr Herkules eine züchtige ehrliche Liebe zu meinem Kinde tragen solte /wollestu unbeschweret seyn / mit ihnen überzukommen /und unsere beyden Töchter mitzubringen / da dann wolgedachter Herr ohn zweifel die gebührliche Anwerbung vor die Hand nehmen / und alles nach Standes Erhei schung vollenzihen wird. Daß aber meine Sibylla ihm so geheim seyn / und vielfältige Unterredung mit ihm pflegen sol / ungeachtet ich an beyderseits Zucht / krafft deiner Vergewisserung nicht zweifele / so nimt michs dannoch nicht wenig wunder / weil bißdaher man sie / mit Mannesbildern umzugehen / nicht hat bereden können; doch ist sie Fleisch und Blut / hat auch eine dankbare Seele / die ohn zweifel eine Gegenliebe in ihr wirket /weil sie von diesem Helden Ehr und Leben hat. Wollest mich demnach eure Ankunfft etliche Tage zuvor wissen lassen / daß ich auff so wirdige Gäste / unangesehen meines Zipperlein / mich in etwas schicken möge. Gehabe dich wol / und biß neben den deinen gegrüsset von deinem Bruder M. Fabius.

Das Fräulein kunte des Endes kaum erwarten / aber auff ihre Frage gab Fr. Sophia ihr zur antwort: Es kähme ihr die Hand unleserlich vor / deswegen sie ihr einhelffen möchte. Meines Herr Vaters Hand / sagte sie / ist mir gar leicht zu lesen / trat hinzu / uñ lase frisch weg / biß sie an die geschriebene Liebe kam /da die Schamhafftigkeit sie dergestalt überfiel / dz sie kein Auge auffschlagen durffte / sondern zu Fr. Sophien sagete: Geliebete Fr. Schwester / was vor Lust hat sie doch an dieser Aufftreiberey? ich habe ja solches um euch wissentlich nicht verschuldet. Sie hingegen beteurete ihre Unschuld hoch / daß sie weder umb diese Sache noch des Schreibens Inhalt ichtwas gewust hätte / biß auff ihr Anhalten sie dessen inne worden; und was werffet ihr mir Aufftreiberey vor? sagte sie / ist es eures Vaters Hand / werdet ihr wissen. Ach ja / antwortete das Fräulein / es ist freylich dessen Hand / aber wie mag er doch immermehr auff solche Gedanken gerahten seyn? Lasset uns den Brief vollends durchlesen / sagte Fr. Sophia / so finden wir vielleicht / das uns aus dem Zweifel helffen kan. Weil sich aber das Fräulein weiteres lesens wegerte / lase sie ihr das übrige fein deutlich vor / worüber sie vor Scham nicht mehr bey ihr bleiben kunte / sondern legete ihre Niderkleider ab / und machte sich nach dem Bette; und als Fr. Sophia ihr alsbald folgete / fing jene an: Ach herzgeliebte Fr. Schwester / was vor Unglük doch / hat euch diesen Brief in die Hände gebracht? nun sind ja die Götter meine unfehlbare Zeugen / daß weder Herr Herkules dergleichen Liebe je an mich gesoñen / noch ich gegen einigen Menschen mich dessen verlauten lassen; aber das Schreiben gibt mir ausdrüklich so viel an die Hand / daß mein Herr Vetter der Stathalter uns beyde in Verdacht halten muß / worin er uns gewiß das gröste Unrecht tuht /weil wir dessen aller dinge unschuldig sind; aber dieses gestehe ich euch / daß auff sein ehrliebendes Anhalten ich ihm Schwesterliche Liebe und Träue verheissen / welches ich umb so viel lieber getahn / weil ich des Vorsatzes bin / daß / wann mir der Himmel einen solchen leiblichen Bruder gegeben hätte / ich an andere Mannes- als Vater- und Bruder-Liebe nimmermehr gedenken wolte. Fr. Sophia antwortete: Herzen Schwester / warumb machet ihr euch deßwegen so bekü erte Gedanken? Dann vorerst ist ja nichts [234] im Schreiben / das euch zu Schimpff oder Unehr könte ausgedeutet werden / und währe über das diese Ehe ja so uneben noch nicht angeleget / in Betrachtung /mein Herr Bruder Herr Herkules hohes Fürstenstandes ist / wie ihr wol gläuben möget / und ihr eins des andern wol wert währet; Ist nun mein Herr Vater durch eure freundliche Unterredung uñ sonst bißher gepflogene Freundschafft in diese Gedanken gerahten / das lasset euch ja nicht wundern / dann ich wil euch bekennen / daß ich eben der Meynung gewesen bin /aber dessen mich gegen niemand verlauten lassen /weil euer keiner mir dessen ichtwas vertrauet hat. Saget mir aber eure herzliche Meynung / wann Herr Herkules umb Heyraht anhielte / woltet ihr ihm solches abschlagen? Darzu ist er viel zu verståndig / antwortete sie / daß er solches nicht bey mir / sondern bey denen / die über mich zugebieten haben / suchen würde; bitte deßwegen / die Fr. Schwester wolle dieses Faß zuschlagen / und von ungefangenen Fischen keine Mahlzeit anrichten; ich habe ihr schon mehr /als meine Scham ertragen kan / zugehöret. Fr. Sophia solte aus der Fräulein Reden billich gemuhtmasset haben / daß Herkules keine eheliche Liebe gegen dieselbe trüge / aber ihre Einbildung wahr so starck auff diese Ehe gerichtet / daß sie noch immerzu einen guten Ausschlag hoffete; brach doch vor dißmahl ab /und begab sich zur Ruhe. So bald der Sonnen Vorbohte den Hi el Bleichroht / und die Erde süß-feuchte gemacht / wahren diese beyde schon wache / und liessen sich auffs allerbeste ausputzen. Fr. Sophia merkete / daß das Fräulein nie so grossen fleiß auff ihren Schmuk / als dißmahl angewendet / uñ daß ihr einfältiges frommes Herz immer zutähtiger ward /daher sie umb so viel mehr ihr Vorhaben ins werk zurichten sich entschloß / so bald einige Gelegenheit sich eräugen würde. Es wahr gar ein schöner lustiger Tag / und weil die Stechebahn nahe vor der Stad wahr / wolten sie sich der Gutschen nicht gebrauchen / sondern zu fusse hinaus gehen / da der Stathalter und sein Gemahl voraus traten / und folgeten nach der Ordnung / Ladisla mit seinem Gemahl / Herkules mit Frl. Sibyllen; der junge Fabius mit Fr. Ursulen / und hinter ihnen die Böhmischen Gesandten. Herkules wahr wegen versicherter Liebe seiner Frl. Valißken so voller Vergnügung / daß er sich nicht mässigen kunte; und weil er Frl. Sibyllen in so treflicher Zierde neben sich sahe / lag ihm die andere so viel stärker im Gedächtniß / daher er mit dieser sich desto freundlicher geberdete / dessen Fr. Sophia fleissig wahr nam. Auff der SchauBühne nahmen sie den Sitz nach der Ordnung des Ganges / aber Frl. Helena / da sie Herkules nicht zum Begleiter haben solte / sondern Frl. Sibylla ihr vorgezogen ward / stellete sie sich krank und ging nach Hause. Die drey Geschenke / so den Uberwindern solten eingereichet werden / wahren ein Halßband am Wert 3000; ein Armband 1600; und ein Ring 1000 Kronẽ, welche Fr. Sophia / Frl. Sibylla und Fr. Ursul austeilen solten; auch waren so viel grüne / mit treflichen Perlen durchzogene Krånze dabey gelegt. Die Gesetze wurden abgelesen / und offentlich auffgehenkt; alsI. solte weder scharff noch feindselig / sondern mit stumpffen Speeren gestochen werden. II. Der Gefellete solte seinen Gegener nicht weiter bemühen. III Schwertstreit währe allerdinge verbohten. Hierauff hielten die Ritter ihren Einzug in die Schranken / CXXV an der Zahl; Der erste wahr ein ansehnlicher Herr / der auff seinem Helm einẽ Engel führete / in dessen Rechten ein Schildlein hing mit dieser Schrifft:Benè si honestè. Gut genug / wanns erbar ist. In seinem Schilde stund ein Ritter / da einen Riesen umbrachte / [235] und diese Worte dabey:Robur cedat fortitudini. Leibeskrafft muß der Hertzhaftigkeit weichẽ. Seine Feldbinde wahr Karmesihn roht mit treflichen Perlen durch und durch gesticket / und die Pferdedecke gleicher Farbe mit Silber durchwircket; sein Harnisch blau angelauffen / mit silbern Sternichen / und sein Pferd weiß mit braunen Flecken / als mit Aepffeln beworffen. Wie er auff die Bahn ritte /schlug er den Helm auff / und erwieß den Zusehern grosse Ehr und Höfligkeit im grüssen / daß niemand zweiffelte / er müste ein grosser Herz seyn / wie er dann sechs wolgeputzete reitende Diener hatte; unter dem Angesicht wahr er schwarzbraun / doch lieblicher Gestalt / seines Alters ohngefehr von XXIIX Jahren.

Nach ihm kam ein Ritter in schwarzem Harnische /und überal schwarzem Zeuge / welches so artig gemacht wahr / als kröche es vol kleiner Würmlein. Im Schilde stund eine Jungfer / die einen Ritter umbfangen hielt / und ein ander zohe sie / wie wol vergebens und wieder ihren Willen zu sich; die Umbschrifft wahr:Aut tu meus, aut ego vermium cibus; Du must meine / oder ich der Würmer Speise seyn. Auff dem Helm hatte er den Tod mit der Sichel / der diesen Spruch in der Linken führete:Præstat mori quam sperni: Besser Tod als verachtet seyn. Es wahr dieser ein vornehmer Römischer Herr / gegen Frl. Sibyllen mit Liebe verhafftet / daher trug er gegen Herkules einen starken Eyfer / weil er ihn vor ihren Bräutigam hielt / dz wo er sich vor dem Käyser nicht gefürchtet / er ihn gewiß zum Kampf außgefodert hätte. Der dritte wahr mit einer lichtblanken Rustung gezieret / mit schwarzem Blumwerk; Feldzeichen und Pferdedecke wahren auch weiß / mit schwarzen Korallen gesticket / und das Pferd glänzend schwarz. Im Schilde stund ein Uberwundener mit frölichem Angesicht / ungeachtet ihm Helm / Schild und Harnisch zuschlagen / und das Blut im aus den Wunden floß / mit diesen Worten rings umbher:Victus sæpè Victore fortior. Der Uberwundene ist offt herzhaffter als der Uberwinder. Auff dem Helme lies sich ein nidergelegter Löue sehen /und diese Worte auff einem Nebentäflein;Succumbo Sorti. Ich unterwerffe mich dem Glücke. Nach ihm folgeten die übrigen in feiner Ordnung; aber der lezte hatte die meisten Anschauer / dessen Harnisch mit fleiß geetzet wahr / als ob er ganz restig währe. Feldbinde und Pferdedecke wahr Himmelblau / aber mit Seide artig durchwircket / als obs mit Koht hin und wieder beworffen währe / daher etliche ihn den Kotigten / andere den rostigen Ritter nenneten. Im Schilde führete er einen Hinkenden mit diesen Worten;Pedis vitium me fecit ultimum. Meines Fusses Mangel macht daß ich der lezte bin. Auff dem Helm stund ein heßlicher Mann / welcher die linke Hand vor die Augen hielt / und in der Rechten ein Täflein mit diesem Spruche:Nocte latent mendæ. Bey Nachtzeit sihet man den Mangel nicht. Als die Schranken geschlossen wahren / stellete sich ein unbewapneter Reuter vor die Schaubühne / und fragete: Ob von dem Römischen Stathalter ihm vergünstiget währe / eine Frage vorzubringen. Und als ihm von demselben mit ja geantwortet ward / sagte er: Es währe ein vornehmer Herr unweit von hinnen / welcher vor etlichen Wochen einen sehr lieben Freud / nahmens Silvan der Großtähtige / durch unfal verlohren hätte; weil dann derselbe willens währe / den Tod seines Freundes an dem Tähter zurächen / und aber er denselben nicht ausforschen könte / als bähte er diese hochlöbliche Versamlung durch Rittersehre / da ihrer einem solcher Tähter kund währe / und wo er anzutreffen / ihn dessen zuverständigen / damit er seinem Vorsaz ein genügen tuhn [236] könte. Herkules hörete bald / daß es eine errichtete Frage wahr / baht den Stathalter umb urlaub zu antworten / und sagete zu dem Abgeschikten: Mein Freund / ich er