Johann Nikolaus Pfitzer
Das ärgerliche Leben und schreckliche Ende deß viel-berüchtigten Ertz-Schwartzkünstlers Johannis Fausti

Das ärgerliche Leben und schreckliche Ende

deß viel-berüchtigten Ertz-Schwartzkünstlers


Johannis Fausti,

Erstlich, vor vielen Jahren, fleissig beschrieben,

von

Georg Rudolph Widmann;

Ietzo, aufs neue übersehen, und so wol mit neuen Erinnerungen, als nachdencklichen Fragen und Geschichten, der heutigen bösen Welt, zur

Warnung, vermehret,

Durch


Ch. Nicolaum Pfitzerum,

Med. Doct.


Nebst vorangefügtem Bericht,

Conradi Wolff: Platzii,

weiland der heiligen Schrifft Doctorens, von

der greulichen Zauberey-Sünde;

und einem Anhange, von den Lapponischen Wahrsager-Pauken, wie auch sonst etlichen zaubrischen Geschichten.

[3] Vorrede
an den günstigen Leser.

Mir zweiffelt gar nicht, freundlicher lieber Leser, es werden sich deren nicht wenige finden lassen, die dieses Buch, von D. Fausti gottlosen ärgerlichen Leben und Wandel, welches doch mit grossem Fleiß, Mühe und Arbeit, als dem rechten Original gemäß, ist zuwegen gebracht worden, ihrem frühzeitigen judicio und verkehrtem Verstand nach, straffen, und auf andere Meinung ziehen und deuten werden, nach jetzigem Welt-Brauch, indeme sie vielleicht vorgeben und sagen mögen, man hätte solche Histori, von wegen der Jugend, die hieraus etwan Böses ziehen und sich ärgern möchte, wol unterlassen können.

Nun ists nicht ohne, daß man, dem Sprüchwort nach, den Teuffel nicht über die Thüre mahlen, oder ihm sonsten Ursach geben soll; denn er für sich selbst gerne bey und um uns zu wohnen, und uns in alle Sünde, Schand und Laster einzuführen, begehret, also, daß wir vielmehr vor dem Teuffel und allen so ihm anhängig und zu gehörig, fliehen sollen, sonderlich so wir uns, wie es doch stündlich geschehen soll, erinnern wollen, wie wir in der H. Tauffe dem Teuffel, all seinem Anhang und Wercken, durch die Wiedergeburt deß Heiligen Geistes, renunciiret und abgesagt haben: Welches denn D. Faustus gantz und gar in Vergessenheit gestellet, und fahren hat lassen.

Derohalben ich dieser Meinung nicht bin, daß ich hiedurch und hiemit eine Anreitzung zur Schwartzenkunst geben wolle, vielmehr aber das Wiederspiel dar zu legen begehre; damit männiglich möge treulich gewarnet und ermahnet werden, [3] sich für dergleichen Nachstellungen und Stricken deß Teuffels um so viel besser vorzusehen, und zu hüten.

Denn kan er die Gottsfürchtigen, auf Gottes Zulassung, hindergehen und bezaubern, massen die Exempel ins künfftige weisen werden, wie vielmehr wird er sich unterstehen, sich an die Unglaubige und Wankelmütige zu machen, dieselbe zu verführen, weiln er doch Tag und Nacht, deß Apostels Petri Worten nach, seiner 1. Epist. im 5. herum gehet, wie ein brüllender Löw, zu suchen, welchen er möge verschlingen: mit welchen Worten denn eben der Apostel, sonderlich mit seinem beygefügten, Seyd nüchtern und wachet, nicht allein die Unglaubigen, sondern auch andere glaubige Christen-Hertzen treulich will erinnert und vätterlich ermahnet haben, sich ja fleissig und augenblicklich vorzusehen, damit sie der schlaue und zugleich unverdrossene Geist nicht zu Fall bringen, und in seine Stricke, ja in das ewige Verderben führen, und stürtzen möge.

Unter vielen Listen und Tücken aber; mit welchen der verdamte Geist dem Menschen nachstellet, ist die Zauberey, und so genante Hexerey, nicht der geringsten eine. Denn der Teuffel, welcher sich auch in einen Engel deß Liechts gar meisterlich verstellen kan, locket durch solche die Leute zu sich, verspricht ihnen, so sie sich ihme mit Leib und Seele ergeben wollen, Kunst, Geschicklichkeit, Ehre und Ansehen, Reichtum und allerley zeitliche Freude, Wollust und Kurtzweil, zu verschaffen: welches er ihnen auch bisweilen leistet, aber letzlich müssen sie es theuer genug bezahlen, in dem er sie, nach einer offt nicht gar langen Geniessung solcher Wollüsten, in die ewigwährende Höllen-pein versetzet.

Daß aber Zauberey seye, ist nicht nur aus der Heyden, bey welchen sie vorzeiten gar gemeine gewesen, (als, da Protheus, deß Iapeti Sohn, sich durch Zauberey in alle Gestalten verwandeln können: Gyges der Zauberer, hat sich können unsichtbar machen: Cynops ein Zauberer, hat dem Evangelisten Johanni in der Insul Pathmo widerstanden: item Moses Cretensis, die Circe, die Medea, und viel andere) hinterlassenen Schrifften, sondern auch aus der H. Schrift, welche der H. Geist selbst hat aufzeichnen lassen, bekandt und offenbar. [4] Denn es wird daselbst gedacht der Warsager, die Pharao hat lassen beruffen, ihm seine Träume auszudeuten, Genes. 14. v. 8. der Zauberer in Egypten, die dem Mosi seine Wunder durch ihre Beschwerungen haben nachgethan, Exod. 7. 11. 22. Ferner wird gedacht deß Bileams, Numer. 22. v. 5. der Zauberin zu Endor, 1. Sam. 28. v. 7. der König Manasse ist auch ein Hexenmann gewesen, der gezaubert hat, 2. Chron. 33. Es hat ingleichen Zauberer gegeben zu deß Propheten Daniels Zeiten, seines Buchs im 2. v. 2.

Im Neuen Testament wird Actor. 8. 9. gedacht Simons, deß Zauberers zu Samaria, der selbst Zauberey getrieben: wie auch deß Zauberers Barjehu, welcher auch Elimas geheissen wird, Actor. 13. v. 6. einer Magd zu Philippis, die einen Wahrsager-Geist gehabt, Actor. 16. v. 16. der sieben Söhne deß Juden Scevae, deß Hohenpriesters, Actor. 19 v. 14.

Und wäre nochmaln zu wünschen, daß solche vermaledeyte Kunst nur bey den aberglaubigen Unglaubigen verblieben wäre, nimmermehr aber auf die Christen, pfui der Schande! transferiret und gebracht worden: immassen denn solches leider! nicht nur vorige von unsern Vättern hingelegte, sondern auch unsere Zeiten beglaubet, und mit Entsetzen erfahren müssen, viel, ach! sehr viel der verführten verstockten Leute, Zauberer, Hexen und Unholden, welche man ihrem Verdienst nach, meistentheils lebendig, verbrennet.

Auch unter den H. Päpsten haben sich etliche die ser Kunst, wenn es anderst eine mit Recht zu tituliren, angesehen und bekandt gemacht; als Sylvester der ander, Benedictus der IX, Johannes der XIII, der XIX, der XX, der XXI, Gregorius der VII, und XI, Clemens der II, Damasus der II, Leo der IX, Paulus der II, Alexander der VI.

Ingleichen schreibet man von dem Bischoff Heinrich von Basel, Johanno Teutonice, von dem Abbt zu Fulda, Orlolffo, Apollonio Thyanæo, Johanne Trithemio, Cornelio Agrippa, Doct. Johanne Fausto, seinem Famulo, Christoph Wagner, Anton. Moro, Petro Apon. Joh. de Luna, Scoto, und andern; welche allesamt hierinnen excelliret, und den Meister gespielet haben.

Gleichwie nun nicht allein wenn in Heiliger Göttlicher Schrifft, sondern auch anderen Historischen Schrifften, mancher [5] Gottloser, Verruchter, in abscheulichen Sünden und Lastern lebender Leute gedacht, und deren ärgerliches Leben und Wandel beschrieben, und gleichsam mit lebendigen Farben abgemahlet wird, nicht eben zu dem Ende beschehen, oder etwan noch heutiges Tages beschihet, daß wir uns daran ärgern, böse Exempel nehmen, oder viel weniger ihnen nachfolgen sollen, ach nein, nimmermehr; viel lieber daß wir uns daran spiegeln, und dadurch von dergleichen Ubelthaten abgehalten, abgeschrecket werden mögen: als haben auch, und zwar eben zu dem Ende, unsere liebe Vorfahren, unter andern die Histori deß berühmten Schwartzkünstlers, D. Johannis Fausti, beschrieben, der Nachwelt hinterlassen.

Und obwohl besagter D. Fausti abentheuerlicher Lebenswandel, und dessen hernachmals erfolgtes erschreckliches Ende, vor diesem mehr als einmal zum öffentlichen Druck kommen, und gelanget; so ist doch gleichwol auch dieses wahr, daß in denselbigen Exemplarien viel unwahres mit eingemischet, viel auch unterlassen worden seye: in dieser Edition aber, als welche dem rechten Original, so Christoph Wagner, der Famulus D. Fausti guten und special Freunden, namentlich, Thomas Wolhaldt, Thomas Hanner, Christoph Haillinger, Caspar Moir, Friderich Bronauer, Gabriel Renner, Johann Victor, auf D. Fausti Befehl, kurtz nach seinem Tod, zu handen geliefert, und in einer alten Bibliothec nachmals aufbehalten worden, allerdings gemässe ist, deren keines anzutreffen.

Uber das ist auch diese Edition mit vielen Christlichen Erinnerungen, welche obbesagter Author vor Jahren darzu gethan, stattlich, und hoffentlich erbaulich versehen: anjetzo aber fast durch und durchvermehret, verbessert, und mit vielen merckwürdigen Begebenheiten und Exempeln, nachdencklichen Fragen und deren kurtzer Erörterung, aus berühmter Leute, die von dergleichen Materie geschrieben, hinterlassenen Schrifften, ausgezieret: daß also verhoffentlich nichts desideriret werden mag, was so wol zur Gemüts-Ergötzung dem günstigen Leser, bey habender Zeit und Gelegenheit dienen, als solchem zugleich einige Warnung und Unterricht abgeben könne.

Der grundgütige GOtt und Vatter im Himmel, der seinen lieben Sohn JEsum Christum darum in diese Welt gesandt [6] hat, daß Er deß Teuffels Wercke zerstöre, der wolle uns insgesamt, und einen jeden insonderheit, für allen Listen und Tücken deß Teuffels, oder wie der Apostel redet, für den feurigen Pfeilen deß Böswichts, behüten, und seine liebe Frongeisterlein, die Heiligen Engel, uns zu ordnen, die uns bewahren in unserm Thun und Leben, auf daß ja der böse Feind keine Macht an uns finden, und haben möge, um seines hochgepriesenen Namens willen, Amen!

Verzeichniß so wol der Capitel deß ganzen Buchs

[7] Verzeichniß so wol der Capitel deß ganzen Buchs, als aller daselbst befindlichen Anmerkungen.
Erstes Theils, erstes Capitel.

Wie Johannes Faustus, als er zu Ingolstadt gestudiret, durch böser Gesellschaft Verführung, mit aberglaubischen Characteren, und erfolgenden Beschwerungen, umgegangen.


Anmerckung.


  • I. Wenn GOtt gute Ingenia und Verstand verliehen, daß man solchen üben, und zu GOttes Ehren anwenden solle.
  • II. Sonderlich sich für böser Gesellschaft hüten.
  • III. Daß die jenigen, die sich in das Zauberwesen begeben, beydes zeitlich und ewig gestraffet werden.
  • IV. Wie die Schwartzkünstlerey anfangs so gering scheinet, gleich als wenn es keine grosse Sünde wäre.

Das ander Capitel.


Wie D. Faustus, durch Wolleben und Müssiggang, zur Zauberkunst kommen.

Anmerckung.


  • I. Daß manchmal die jungen Leute auf Universitäten ihre Zeit übel anwenden.
  • II. Was der Müssigang sey, und was er zuwegen bringe.
  • III. Daß man das Ruhestündlein zu GOttes Ehren anwenden solle.

Das dritte Capitel.


Wie D. Faustus sich einen Vorrath von allerhand Zauber-Schrifften und Büchern geschaffet, und darinnen mit grossem Ernst und Fleiß gestudiret hat.


[8] Anmerckung.


  • I. Daß zauberische Schrifften und Bücher, sonderlich den einfältigen und jungen Leuten, nicht zu lesen verstattet, viel lieber mit Feuer verbrennet werden sollen.
  • II. Ob der Aberglaub für eine Zauberey-Sünde zu halten?
  • III. Von wem die Zauberey ursprünglich herkomme, und durch was Gelegenheit solche aufkommen?

Das vierdte Capitel.


Wie D. Faustus seine Complexion erforschet, ob sie ihm zu seinem Vorhaben werde förderlich seyn, oder nicht?


Anmerckung.


  • I. Der Jugend Sinn und Natur ist zu erforschen, wozu sie geneiget sey, daß man sie bey Zeiten entweder dazu halten, oder davon abhalten möge.
  • II. Ob auch Gespenster seyen?

Das fünffte Capitel.


Wie D. Faustus von einem beschreyten Cristall-Seher den Geist deß Cristalls überkommen, womit er ihm viel Geld verdienen gemacht, ehe und bevor er noch zur völligen Beschwerung deß Satans getreten.


Anmerckung.


  • I. Was davon zu halten, daß die Hexen und Schwartzkünstler, wenn man etwas verloren, oder sonsten Schaden geschehen, den Thäter im Cristall oder Zauber-Spiegel zeigen?
  • II. D. Faustus hat sich allhie beholffen mit der Käiser, Könige, ja der H. Päpste Exempeln, welche gleicher Gestalt in dieser Kunst excelliret, und sich der Welt bekandt gemacht haben.
  • III. D. Faustus ist auch durch dieses, seiner Bekentniß nach, hierinn gestärcket worden, daß gleichwol die Schwartzkünstler jederzeit hoch gestiegen, und vor der Welt ein grosses Ansehen erlangen.

Das sechste Capitel.


Wie D. Faustus sich unterstehet den Teuffel zu beschweren.

[9] Anmerckung.


  • I. Daß D. Faustus seine Beschwerung eben an dem Creutzweg oder Wegscheide, und nicht anderswo angestellet.
  • II. Nigromantia warum sie die Schwartzekunst genennet werde?
  • III. Ob die heiligen Wort, derer sich D. Faustus allhie bey seiner ersten Beschwerung gebrauchet, einige Krafft an und für sich selbst gehabt; wie man etwan noch heut zu Tage glauben möchte, daß sie dieses und jenes auswürcken und verrichten könnten?

Das siebende Capitel.


Dem D. Fausto erscheinet der Satan in seiner Behausung.

Anmerckung.


  • I. Daß man den Teuffel nicht einladen solle, er kommt wol ungebeten.

Das achte Capitel.


Von dem Gespräche D. Fausti mit dem Teuffel.

Anmerckung.


  • I. Daß sich der Teuffel in eines zottichten Bären-Gestalt dem D. Fausto gezeiget, daß ist ihme leicht zu thun gewesen.
  • II. Daß Teuffel seyn, ist gewiß.
  • III. Was eigentlich die bösen Geister sey.

Das neundte Capitel.


Von etlichen Articuln und Puncten, welche der Satan dem D. Fausto vorgehalten hat.

Anmerckung.


  • I. Von dem Bund D. Fausti mit dem Teuffel.
  • II. Ob dieser Bund D. Fausti mit dem Teuffel, wie auch anderer Zauberer und Hexen, ein wahrhafftiger Bund zu nennen seye?
  • III. Ob solcher Bund mit dem Teuffel wieder könne gebrochen, aufgelöset und umgestossen werden?

Das zehende Capitel.


Von der schröcklichen Obligation und Handschrifft, so [10] D. Faustus dem Satan, in Münchs-Gestalt verkappet, hat übergeben.


Anmerckung.


  • I. Nicht nur allhie D. Fausto, sondern auch andern hat der Teuffel gleichmässige Articul angemutet.
  • II. Daß der Teuffel mit eigenem Blut will unterschrieben haben, ist ihme nichts neues, weiln ihn ohn Unterlaß nach Christen Blut dürstet.

Das eilffte Capitel.


Wie hier auf dem D. Fausto der Geist in voriger Gestalt erschienen, ihme treulich zu dienen verheissen, und wie sein Nam gewesen.


Anmerckung.


  • I. Von den Spiritibus familiaribus oder Gemein-Geistern etwas zu reden gibt Anlaß D. Fausti Geist, der sich allhier einen Spiritum familiarem will genennet wissen.
  • II. Ob einer einem andern könne einen Spiritum familiarem zuweisen und überlassen, verehren, vertauschen, und gar verkauffen?
  • III. Was von dem Alraun zu halten?
  • IV. Daß auch die bösen Geister ihre Namen haben, als Mephostophiles, u.s.f.

Das zwölffte Capitel.


D. Faustus vertrauet nicht allerdings seinem Geist Mephostophili.

Anmerckung.


  • I. Daß dem Geist so bald D. Fausti Gedanken wissend gewesen.
  • II. Daß der Geist eben in eines Münchs-Gestalt erschienen.
  • III. Der Teuffel ist ein hoffärtiger Geist, lässt sich nicht gern verspotten.

Das dreyzehende Capitel.


Wie D. Faustus durch Hülffe seines Geistes, seine Haushaltung angerichtet, auch Speis und Tranck, nur nach Belieben, zuwege gebracht hat.


[11] Anmerckung.


  • I. Wenn manchmal das Gütlein durch Spielen, Fressen, Sauffen, u.s.w. ist durchgebracht worden, kommt man in die Armut, welche denn eine Ursach wird, daß man sich dem Teuffel ergibt.
  • II. Wegen der Wollust deß Fleisches, damit er nur immer gute Tage und alles vollauf haben möge, ergibt sich D. Faustus dem Teuffel.
  • III. Ob Speis und Tranck, so der Geist dem D. Fausto täglich zugebracht, natürlich gewesen?

Das vierzehende Capitel.


Wie D. Faustus fort und fort im Luder gelebet, und sich also gar um nichts bekümmert; auch was für ein Gespräch er mit dem Geist gehalten.


Anmerckung.


  • I. D. Faustus ergibt sich gantz und gar dem Fressen und Sauffen, u.s.f.
  • II. Was von den Haus-Götzen, Erdmännlein, zu halten?
  • III. Von den Spiel-süchtigen.

Das funffzehende Capitel.


Wie der Geist Mephostophiles dem D. Fausto verboten, von Glaubens-Sachen zu disputiren, auch etliche Bücher in der H. Schrifft zu lesen untersaget.


Anmerckung.


  • I. Warum der Geist dem D. Fausto solches verboten?
  • II. D. Faustus will seinen Geist für seinen Prädicanten und Lehrer annehmen, da er doch wissen sollen, daß er ein Lügengeist seye von Anfang.

Das sechszehende Capitel.


D. Fausti erste Frag an seinen Geist: was er anfangs für ein Geist gewesen?

Anmerckung.


  • I. Daß Lueifer sey ein Fürst dieser Welt, und ein mächtiger Geist.
  • [12] II. Daß der Teuffel den Menschen nichts Gutes gönne, wie freundlich er sich stellet.

Das siebenzehende Capitel.


D. Fausti andre Frag an seinen Geist: ob der bösen Geister viel seyn?

Anmerckung.


  • I. Daß zwar der Teuffel eine unzehliche Menge um uns her, jedoch her gegen der Schutz der H. Engel mächtig gnug seye, die Frommen zu beschützen.

Das achtzehende Capitel.


D. Fausti dritte Frag an seinen Geist: aus was Ursach die Teuffel von GOtt aus dem Himmel seyen verstossen worden?


Anmerckung.


  • I. Aus was Ursachen Lucifer gefallen, und aus dem Himmel verstossen worden?
  • II. Daß nicht Lucifer allein gefallen, immassen der Geist allhier vorschwätzet, sondern auch alle böse Geister.

Das neunzehende Capitel.


D. Fausti vierdte Frag an seinen Geist: von dem Himmel, und den Engeln.

Anmerckung.


  • I. Daß die Teuffel zwar eine Erkenntniß Gottes haben, GOtt aber lässt nicht zu, daß sie seine Herrlichkeit offenbaren, allermassen allhier Mephostophiles selbst bekennet.
  • II. Daß die H. Engel ausgetheilete Aemter haben.

Das zwantzigste Capitel.


D. Fausti fünffte Frag an seinen Geist: von dem Paradis.

Anmerckung.


  • I. Was die H. Kirchenlehrer von dem Paradis gehalten.
  • II. Von dem verbotnen Baum im Paradis.

[13] Das ein und zwantzigste Capitel.


D. Fausti sechste Frag an seinen Geist: von der Ordnung der Teuffel.

Anmerckung.


  • I. Daß die Teuffel ihre besondere Ordnung und Regiment haben.
  • II. Neun sonderliche Fürsten werden allhier von dem Geist namhafft gemacht.

Das zwey und zwantzigste Capitel.


D. Fausti siebende Frag an seinen Geist: was er, der Geist, thun wolte, wenn er an seiner, D. Fausti, Stelle gewesen wäre?


Anmerckung.


  • I. Daß wir uns nicht mutwillig in die Sünde einflechten, noch auch in derselben verzagen noch verzweiffeln sollen.

Das drey und zwantzigste Capitel.


D. Fausti achte Frage an seinen Geist: ob er in Hoffnung stünde, daß er und andere Teuffel endlich selig werden.


Anmerckung.


  • I. Was von obiger Frag zu halten, da der Geist in Hoffnung stehet, endlich noch selig zu werden.

Das vier und zwantzigste Capitel.


D. Fausti neundte Frag an seinen Geist: von der Hölle.

Anmerckung.


  • I. Ob eine Hölle sey, oder nicht?

Das fünff und zwantzigste Capitel.


Von D. Fausti Hund, Præstigiar genannt?

Anmerckung.


  • I. Von etlichen Schwartzkünstlern die ebenmässig ihren Geist in Gestalt eines Hunds bey sich gehabt haben.

[14] Das sechs und zwantzigste Capitel.


Von deß D. Fausti lustbarer Behausung.

Anmerckung.


  • I. Daß solche Lustbarkeiten der Behausung D. Fausti, eitel Verblendungen gewesen.

Das sieben und zwantzigste Capitel.


Von D. Fausti gezauberten Lust-Garten.

Anmerckung.


  • I. Von etlichen Schwartzkünstlern, welche auch dergleichen Lust-Gärten durch ihre Kunst zuwegen gebracht haben.

Das acht und zwantzigste Capitel.


D. Faustus ist ein berühmter Astrologus und Mathematicus zur selben Zeit gewesen.

Anmerckung.


  • I. Was von der Astrologia und Sternsehern von der Calender-Schreiberey, und dem Nativität-stellen zu halten seye?

Das neun und zwantzigste Capitel.


Von D. Fausti Wahrsagerey.

Anmerckung.


  • I. Von der Chiromantia oder Wahrsagung aus der Hand.
  • II. Von den Zigeunern.

Das dreissigste Capitel.


D. Faustus fraget seinen Geist, ob ihn der Teuffel, wie andere Gottlose, vorlängst auch geregiret und besessen hätte?


Anmerckung.


  • I. Welcher gestalt der Teuffel der Gottlosen Hertz regiere und besitze, und ihnen allerhand böse Gedanken eingebe, und solcher Gestalt sein Werck in ihnen habe.
  • II. Daß der Teuffel der Gottlosen Sinn und Gedanken deß Hertzens kenne und wisse; aber der frommen Glaubigen mit nichten.
  • [15] III. Was der frommen Glaubigen Gebet vermöge wider den Teuffel.

Das ein und dreissigste Capitel.


Von drey jungen Baronen, welche D. Faustus auf ihr Begehren gen München, das Fürstliche Beylager zu sehen, auf dem Mantel dahin brachte.


Anmerckung.


  • I. Daß manche junge Leute aus lauterm Fürwitz, und begierlicher Lesung Schwartzkünstlerischer Bücher, in grosse Gefährlichkeit, ja gar in das Zauber-Wesen gerathen.
  • II. Was von der Mantelfahrt D. Fausti zu halten; auch obs zu glauben sey, daß noch heutiges Tags die Zauberer, Hexen und Unholden, an ferne abgelegene Oerter leibhafftig fahren, oder gebracht werden?

Das zwey und dreissigste Capitel.


Wie D. Faustus Geld von einem Juden entlehnet, und ihme seinen Fuß zum Unterpfand eingesetzet.

Anmerckung.


  • I. Ob man die Juden, weiln sie ja ebenmässig noch heutiges Tags so wucherisch gegen die Christen gesinnet seynd, wie allhie dieser gegen dem D. Fausto, solle dulten oder nicht?
  • II. D. Fausti abgeschnittener Fuß ist nur eine blosse Verblendung gewesen.

Das drey und dreissigste Capitel.


Wie D. Faustus einen Roßtäuscher betreugt.

Anmerckung.


  • I. Von etlichen gleichmässigen Exempeln.

Das vier und dreissigste Capitel.


D. Faustus verkaufft fünff fette Schweine, eins um 6. Gulden.

Anmerckung.


  • I. Ob nach Anleitung dieser und anderer Verwandlungen D. Fausti, [16] noch heutiges Tags durch deß Teuffels Hülffe die Zauberer, Hexen und Unholden, nicht allein sich selbst, sondern auch andere Men schen, können nach ihrem Gefallen, in einem Augenblick in Katzen, Hunde, Wölffe, und andere unvernünfftige Thiere verwandeln?

Das fünff und dreissigste Capitel.


Wie D. Faustus zu Leipzig mit gar leichter Mühe ein sehr grosses Faß Wein aus dem Keller brachte, und solches durch Wettung gewanne.


Anmerckung.


  • I. Was davon zu halten, wenn einem, wie allhie dieser Gesellschaft bey ihrer Abreise, ohngefehr, ein Haas oder Wolff, u.s.f. über den Weg laufft; oder frühmorgens einem ein altes Weib begegnet?
  • II. Vom Bock-holen.

Das sechs und dreissigste Capitel.


Wie D. Faustus zu Erffurt den Studenten etliche Griechische Helden, samt einem ungeheuren Riesen, vorgestellet hat.


Anmerckung.


  • I. Ob einer sich mit gutem Gewissen möge fest oder Schuß- und Stichfrey machen?
  • II. Von den ungeheuren Riesen, auch ob sie jemaln gewesen?

Das sieben und dreissigste Capitel.


Wie D. Faustus, als man seiner bey einer Gasterey verlanget, er aber von dar weit entfernet gewesen, unversehens sich bey den Gästen eingefunden.


Anmerckung.


  • I. Ob denn der Teuffel alles wisse.
  • II. Von einem dergleichen gezauberten unersättlichen Pferd.

Das acht und dreissigste Capitel.


D. Faustus verschaffet durch seine Kunst, daß die blöckenden Kühe alsobald stille worden.

Anmerckung.


  • I. Daß auch noch heutiges Tags den Dieben und Räubern die Kunst die [17] Hunde zu beschweren, daß sie nicht bellen noch beissen, damit sie also ungehindert einbrechen und stehlen mögen, bekant seye.
  • II. Von dem Schlangen-beschweren oder bannen, daß sie ihren Gifft und Wut fahren lassen.

Das neun und dreissigste Capitel.


D. Faustus ergreifft einen Regenbogen in seiner Hand.

Anmerckung.


  • I. Ob solches Regenbogen-fassen dem Teuffel, als einen Herrn der in Lüfften herrschet, natürlicher weise müglich seye?
  • II. Von dem Regenbogen, und was dieser sey?

Das viertzigste Capitel.


D. Faustus verzaubert einem groben Bauren, der in die Stadt gefahren, und ihn nicht auf den ledigen Wagen sitzen lassen, die Räder von dem Wagen in die Lufft.


Anmerckung.


  • I. Ob dieser Schwindsüchtige in der Histori recht gethan, daß er sich der Magischen Cur D. Fausti untergeben? Oder, ob noch heutiges Tags ein rechtschaffener Christ mit gutem Gewissen der Zauberer und Hexen zauberische Mittel könne gebrauchen?
  • II. Daß die Zauberer und Hexen bey Curir- und Heilung der Kranckheiten einig und allein haben wollen, man soll nur ihnen vertrauen, und daran fest glauben, so werde es gewißlich helffen.
  • III. Die Zauberer und Hexen werden vielmal durch den Teuffel dahin angehalten, daß, wenn sie durch Zauberey jemand wollen gesund machen, sie dieselbe Kranckheit so bald einem andern wieder müssen anzaubern, oder wo sie solches nicht vermögen, so bald selbst darüber umkommen.
  • VI. Was von dem Büssen, oder Segensprechen über die Krancken, zu halten seye?

Das ein und viertzigste Capitel.


Von seiner seltzamen Begebenheit vier verwägener Schwartzkünstler, wie sie einander die Köpffe abhieben, und wieder aufsatzten, deren einem aber D. Faustus die Kunst aufgethan.


Anmerckung.


  • [18] I. Was von dem Kopff abhauen der Schwartzkünstler zu halten?
  • II. Vom Unsichtbar machen.

Das zwey und viertzigste Capitel.


D. Faustus frisst einem Bauren sein Fuder Heu, samt dem Wagen und Pferden.

Anmerckung.


  • I. Was aus der täglichen Füllerey und Trunckenheit zu mancher Zeit für Unglück und Hertzeleid entstehen könne.

Das drey und viertzigste Capitel.


D. Faustus frisst zu andrer Zeit einem Bauren ein halbes Fuder Heu auf.

Anmerckung.


  • I. Von einer gleichmässigen Begebenheit.

Das vier und viertzigste Capitel.


D. Faustus fraß einsten einen Wirthsjungen samt den Kleidern, der ihm alleweg zu voll einschenckte.

Anmerckung.


  • I. Von etlichen dergleichen Exempeln.

Das fünff und viertzigste Capitel.


Von einem Hader etlicher trunkenen Studenten, den D. Faustus durch Verblendung stillete.

Anmerckung.


  • I. In welch Unglück und Schaden zu mancher Zeit die Jugend gerathe, wenn sie sich zu den Huren S. V. gesellet.

Das sechs und viertzigste Capitel.


Wie D. Faustus bey einem Gelache in einem Wirthshaus die vollen schreyenden Baure stillte, daß keiner kein Wort mehr reden kunte.



Anmerckung.
  • I. Daß die Zauberer und Hexen den Menschen auf Gottes Zulassung, Kranckheiten zufügen, Lähme zuschicken, Nadeln, Haar, Lumpen und dergleichen in den Leib hinein zaubern können, ja machen, daß manche von dem bösen Geist gar besessen werden, den sie in sie bannen.

Anderes Theils, Erstes Capitel.

D. Faustus will sich bekehren, wird aber von dem Geist wendig gemacht, daß er sich ihme aufs neue verschrieben.


Anmerckung.


  • I. Ob die Zauberer, Hexen und Unholden, bekehret und seelig werden können?

Das andre Capitel.


Was für einen Danck und belohnung dieser fromme Alte, seiner treuen Warnung halber von dem D. Fausto bekommen.


Anmerckung.


  • I. Daß fromme gottsfürchtige Leute manchmal schlechten Lohn verdienen, wenn sie die gottlosen und in beschreyten Lastern lebende straffen, und von solchen abmahmen.
  • II. Daß einer Christlichen Obrigkeit gebühre und zustehe auf die Zauberer und Hexen gute nachforschung anzustellen, und dazu die ihnen in Rechten geweisete zulässige Mittel ohne Verzug zu gebrauchen.
  • III. Welcher Gestalt und auf was Weise und Art die Zauberer, Hexen und Unholden, den Menschen und dem Viehe Schaden thun.

Das dritte Capitel.


D. Faustus machet aus Rachgierigkeit einem Wirth einen Polter-Geist in seine Behausung.

Anmerckung.


  • I. Daß ohne den Willen Gottes, weder der Teuffel, noch seine Werckzeuge, die Zauberer und Hexen, wie gerne sie es auch thun wolten, den Menschen an seinem Leib und Leben schaden mögen.
  • [20] II. Was denn eigentlich solche Geister und Gespenster seyn?
  • III. Von den Ursachen der Gespenster, woher sie kommen, und woraus sie bestehen.

Das vierdte Capitel.


D. Faustus nimmt einen jungen Schuler zu einem famulo auf, mit namen Christoph Wagner.

Anmerckung.


  • I. Von der verbottenen Priester-Ehe im Papstum, was Unheil zu mancher Zeit daraus erfolge.
  • II. Was von den Bastarden oder Hurenkindern zu halten?

Das fünffte Capitel.


D. Faustus verschencket seinen zottichten schwartzen Hund, Prästigiar genant.

Anmerckung.


  • I. Was bey den Heyden die Oracula gewesen.
  • II. Ob und wie der Teuffel die Wahrheit sagen könne? und ob man ihm glauben solle, wenn er schon die Wahrheit redet?

Das sechste Capitel.


Von zweyen Adelichen Personen, die D. Faustus durch seine Zauberey zusammen gekuppelt hat.

Anmerckung.


  • I. Ob einer, der sich in diese oder jene Weibs Person verliebet, bey solcher aber keine Gegenliebe verspüret oder wol zu hoffen hat, verschaffen kan, daß solche durch einen beygebrachten Liebetranck, oder andere Verzauberung, zur Gegenliebe gebracht, und gleichsam hierzu genötiget werden möge?
  • II. Daß solcher und dergleichen durch Zauberische Zusammenkuppelung zuwege gebrachter Ehestand nimmer gut thue, und gemeiniglich ein böses End neme.

Das siebende Capitel.


Hält in sich eine Copey eines Schreibens eines Edelmans an D. Faustum, von wegen eines Gespenstes in einem Schloß.


[21] Anmerckung.


  • I. Ob man die Gespenster befragen, wer sie seyn, und was sie wollen, oder gar beschwören solle?
  • II. Wie und auf was Weise man der Gespenster, und ihres Polterns in diesem oder jenem Ort, los werden könne?

Das achte Capitel.


Von einem Schatz den D. Faustus gegraben.

Anmerckung.


  • I. Welch eine schwere Sünde es seye, Geld vergraben, damit nur die Freunde und Nachkommen nichts darvon geniessen.
  • II. Daß nicht allein die Erhebung deß Schatzes allhie eine feurige Schlang, und andere Gespenster haben verwehren wollen, sondern auch daß das Silber und Gold zu lauter Kolen worden; dieses ist wol mehr geschehen, wie die Erfahrung lehret.

Das neundte Capitel.


D. Faustus stellet einem Cardinal zu Ehren eine Lufft-Jagt an.

Anmerckung.


  • I. Dieser Jagteuffel D. Fausti gibt Anlaß etwas zu melden von dem täglichen Jagen, wie auch dessen Mißbräuchen.
  • II. Der Teuffel und seine Gespenste lassen sich offt bey Nacht mit Hetzen und Jagen sehen und hören.

Das zehende Capitel.


D. Faustus erwecket dem Käiser Maximiliano I. den Weltbezwinger Alexandrum Magnum, nebenst seiner Gemahlin.


Anmerckung.


  • I. Ob diese Erweckung und Vorstellung Alexandri M. und seiner Gemahlin, wahrhaftig gewesen?

Das eilffte Capitel.


Von einem schönen Saal, den D. Faustus durch Zauberey dem Käiser Maximiliano zugerichtet hat.

[22] Anmerckung.


  • I. Hält in sich eine Warnung, sich für solcher teufflischer Verblendungs-Kunst zu hüten.

Das zwölffte Capitel.


Von einem schönen Gewölcke, und bald darauf erfolgtem schweren Donnerwetter, welches abermal D. Faustus auf dem Käiserl. Saal angerichtet.


Anmerckung.


  • I. Was es für eine Beschaffenheit habe mit dem Wettermachen, so den Zauberern und Hexen zugeschrieben wird; ob sie nemlich nach ihrem Gefallen Donner, Hagel, Wetter machen, die Früchte auf dem Felde und an den Bäumen verderben mögen?

Das dreyzehende Capitel.


Wie D. Faustus einem Ritter ein Hirschgeweih an den Kopff angezaubert hat.

Anmerckung.


  • I. Von etlichen gleichmässigen Exempeln.

Das vierzehende Capitel.


Wie gemeldter Ritter sich an D. Fausto, wegen angethaner Schmach und Beschimpffung, hat wieder rächen wollen.


Anmerckung.


  • I. Von denen die zu mancher Zeit einen Hauffen Reuter ins Feld gezaubert, und also ihrem Feind, wo nicht allzeit obgesieget, jedoch entgangen seynd.

Das funffzehende Capitel.


D. Faustus verschafft durch seine Kunst einem Freyherrn eine schöne Lust von vielerley Vögeln.

Anmerckung.


  • [23] I. Von den Augurationibus, oder Weissagungen und Deutungen die von den Vögeln hergenommen werden.
  • II. Was davon zu halten sey, daß Hund, Katzen, Eulen, heulen, wenn jemand sterben soll?

Das sechszehende Capitel.


Wie D. Faustus der Gräfin von Anhalt zeitige Trauben, Aepffel und Birn zuwegen gebracht.

Anmerckung.


  • I. Daß solches alles dem Teuffel, als einem sehr geschwinden und zugleich mächtigen Geist, wol müglich und thunlich gewesen.

Das siebenzehende Capitel.


Wie D. Faustus bey seinem Abschied vom Hof, ein schönes Castell oder Schloß vor der Stadt heraus, dem Grafen zu Ehren aufgerichtet, und in solchem ein herrliches Frühmahl angestellet hat.


Anmerckung.


  • I. Daß abermal nicht allein dieses herrliche Schloß, sondern auch das in demselben stattlich zubereitete und eingenommene Frühmahl nur eine Verblendung, massen der Ausgang erwiesen.

Das achtzehende Capitel.


D. Faustus führet einen in der Türckey gefangenen Edelmann durch seinen Geist wieder nach Haus, da sich dessen Weib bereits in anderwärtige Ehe begeben hatte.


Anmerckung.


  • I. Was zu halten sey von denen, die ohne Schlüssel und andern Gewalt, Schlösser und verwahrte Gefängnisse eröffnen wollen?
  • II. Ob die ehliche Beywonung, sonderlich bey denen neugetrauten Personen, durch Nestelknüpffen, Schloß-zuschliessen, und andere zauberische Wort und Wercke, könne gehindert und zu nichte gemachet werden?
  • III. Der Gutthat, die uns in Zeit der Noth ist erwiesen worden, sollen wir nimmermehr vergessen.

Das neunzehende Capitel.


[24] Wie D. Faustus auf eine Zeit Faßnacht gehalten, und mit etlichen Studenten in deß Bischoffs zu Saltzburg Keller gefahren.


Anmerckung.


  • I. Daß allhie die Studenten durch die Kunst D. Fausti, nicht verblendeter Weise, sondern leibhafftig in den Keller deß Bischoffs von Saltzburg kommen.
  • II. Wie doch D. Faustus allhie, und noch heutiges Tags an manchen Orten die Zauberer und Hexen in die Wein- und Bierkeller, durch versperrte Thüre, so enge Löcher, u.s.w. fahren und kommen?
  • III. Warum doch GOtt nicht allein hie dem D. Fausto verstattet, daß er den guten Kellermeister mit sich hinweg führen mögen, und in so grosser Lebens-Gefahr sitzen lassen, sondern noch heut zu Tage zu mancher Zeit den Zauberern und Hexen verhänget, daß sie manchem frommen Menschen durch ihr Zauberwerck allerley Schaden thun?

Das zwantzigste Capitel.


Wie D. Faustus mit obgemeldten Studenten die Bacchanalia celebrirt, und Faßnacht gehalten.

Anmerckung.


  • I. Von der Faßnacht, und deren Ursprung.

Das ein und zwantzigste Capitel.


D. Faustus will sich verehlichen.

Anmerckung.


  • I. Vom Epicurischen Leben D. Fausti, und anderer ruchlosen Leute mehr.
  • II. Daß der Teuffel jederzeit ein abgesagter Feind sey deß H. Ehestands.
  • III. Allhie an dem D. Fausto sihet mans, gibts auch die Erfahrung, wenn etwan die Hexen und Zauberer wider ihren Bund und ihr Versprechen in demselben, oder nur im geringsten wider den Willen ihres Meisters, handlen, wie er sie martere und peinige.

Das zwey und zwantzigste Capitel.


Wie sich D. Faustus, weiln er ja sich nicht verheurathn dörffen, die schöne Helenam aus Griechenland, zu einer Beyschläfferin [25] durch Vermittelung seines Geists geschaffet, und mit welcher er einen Sohn erzeuget.



Anmerckung.
  • I. Ob der böse Geist unter der Gestalt eines Succubi, oder Incubi, vermöge auf natürliche Weise sich zu vermischen, und einige Schwängerung hieraus aus zu würcken, oder nicht?

Drittes Theils, Erstes Capitel.

D. Faustus, als er seines Lebens Ende herbey rucken sahe, verfertiget ein Testament, darinn er seinen Famulum, Christ. Wagner, zu einen Erben seiner Verlassenschaft verordnet, ihme auch seine Zauberbücher, ja die Kunst selbsten zum höchsten recommendiret.


Anmerckung.


  • I. Daß Zauberey insgemein keine Kunst zu nennen seye.
  • II. Was für eine erschröckliche, greuliche und abscheuliche Sünde die Zauberey sey.

Das andre Capitel.


D. Faustus verschaffet seinem Famulo einen Geist, der sich Auerhan nennen liesse.

Anmerckung.


  • I. Welcher Gestalt sich vor der Zauberey zu hüten.

Das dritte Capitel.


D. Faustus propheceyet, was künfftig geschehen werde.

Anmerckung.


  • I. Ob dem Teuffel, so wol auch durch dessen Vermittelung den Zauberen und Schwartz-künstlern, die Wissenschafft der zukünfftigen Dinge bekandt, und sie zuvor ehe sie geschehen, davon reden können, daß sie geschehen werden?

Das vierdte Capitel.


Der Teuffel gibt dem D. Fausto seinen Dienst und Bund [26] auf, als er nur noch einen Monat zu seinem elenden Ende hatte.


Anmerckung.


  • I. Dem D. Fausto mutzet allhie der Teuffel seine Sicherheit, und rohes Epicurisches Leben gewaltig auf.
  • II. Der Teuffel citiret allhie den D. Faustum für das allgemeine Gericht, der doch selbst nichts anders zu gewarten hat.
  • III. Was das böse Gewissen vermöge.
  • IV. D. Faustus führet zur Klage ein die Cainische Verzweifflungs-Wort: meine Sünde seynd grösser, denn daß sie mir können vergeben werden.

Das fünffte Capitel.


Ein Theologus kommt zu dem D. Fausto, ihn zu trösten.

Anmerckung.


  • I. Gibt einen herrlichen Trost für die jenigen, die sich gleicher Gestalt an GOtt höchlich versündiget haben, und in deß Teuffels Bund getretten seynd.

Das sechste Capitel.


Der Satan erscheinet dem D. Fausto bey der Nacht, und hält ein Gespräche mit ihm.

Anmerckung.


  • I. Eine Warnung für die Schwartzkünstler und Zauberinnen, daß sie in ihren schweren Sünden nicht beharrlich fortfahren bis in ihr Ende.

Das siebende Capitel.


Von D. Fausti Schwermütigkeit und verzweiffelten Gedancken, seiner Seligkeit halber.

Anmerckung.


  • I. Daß D. Faustus allhie saget, daß sein teufflisch geführtes Leben und Wesen eine solche Sünde sey, die nimmermehr könne vergeben werden; fraget sichs, ob denn die Zauberey sey eine Sünde in den H. Geist?

[27] Das achte Capitel.


D. Faustum fichtet der Teuffel an wegen der Versehung GOttes.

Anmerckung.


  • I. Was man eigentlich halten und glauben soll von der ewigen Versehung?

Das neundte Capitel.


Dem D. Fausto träumet von der Hölle.

Anmerckung.


  • I. Was von den Träumen zu halten, und ob sie alle ohn Unterscheid zu verachten, und aus der Acht zu lassen?

Das zehende Capitel.


Wie D. Faustus sich daheim gantz still und einsam gehalten hat, ja deß vorigen Zusprechens sich gantz und gar entzogen.


Anmerckung.


  • I. Wie sich fromme Christen, wenn sie in Anfechtung und Traurigkeit ihres Hertzens, durch Verhängniß GOttes vom Satan getrieben werden, verhalten sollen.

Das eilffte Capitel.


Ein Gespräch D. Fausti mit seinem Famulo, wegen seines bald folgenden Endes.

Anmerckung.


  • I. Von dem trefflichen Gedächtniß etlicher Leute.
  • II. Wie wir allezeit unser Ende bedencken sollen.

Das zwölffte Capitel.


Eine bittere Klag D. Fausti, von der Ewigen Qual und Verdamniß.

Anmerckung.


  • [28] I. Daß kein Sünder, wie groß der auch sey, an GOttes Gnad und Barmhertzigkeit verzweiffeln solle.

Das dreyzehende Capitel.


D. Faustus als er seiner Seeligkeit halber in Verzweifflung gefallen, unterstehet sich die Hand an sich zu legen, damit er seines bösen Geistes abkommen möchte.


Anmerckung.


  • I. Was und wie mancherley die Verzweifflung seye?
  • II. Ob denn die jenigen, so ihnen selbst den Tod anthun, stracks und allerdings zu verdammen seyn?

Das vierzehende Capitel.


Wie der Teuffel dem D. Fausto seines Lebens Ende hat angekündet.

Anmerckung.


  • I. Was es für eine Beschaffenheit mit den Verdamten in der Hölle haben werde.
  • II. Von dem seligen Stand der Auserwehlten im Himmel.

Das funffzehende Capitel.


D. Faustus erkläret sich vor denen beruffenen Freunden, warum er sie habe zu sich erfordern lassen.

Anmerckung.


  • I. Hält in sich die Antwort offtgedachtes Theologi, unter den beruffenen Freunden oder Gästen, wegen der kläglichen Bekenntniß D. Fausti, wie ihn der Satan diese Nacht holen werde.

Das sechszehende Capitel.


Was deß D. Fausti letzte Bitte gewesen.

Anmerckung.


  • I. Wie jederzeit die zu spate Reue, der begangen Sünden wegen, das Verdamniß nach sich ziehe.

Das siebenzehende Capitel.


[29] Von dem erschrecklichen Ende deß D. Fausti.

Anmerckung.


  • I. Exempel anderer Zauberer und Schwartzkünstler, die gleiche Belohnung mit D. Fausto von dem Teuffel bekommen haben.

Das achtzehende Capitel.


D. Faustus wird begraben.

Anmerckung.


  • I. Ob die Verzweiffler und Selbst-Mörder ehrlich zu begraben?

Das neunzehende Capitel.


D. Fausti Sohn verschwindet zusamt seiner Mutter, nach D. Fausti Tod.


Anmerckung.
  • I. Von etlichen dergleichen Exempeln.

Kurtzer, nothwendiger und wolgegründeter Bericht

[30] [1]


Kurtzer, nothwendiger

und

wolgegründeter Bericht,

von dem

Zauberischen Beschweren und Segensprechen,

Durch den seligen

Herrn Conradum Wolff: Platzium,

weiland der heiligen Schrifft Doctorn und Predigern zu Bibrach,


vor vielen Jahren gantz lehrreich verfasst und zusammen getragen:

Anjetzo allen und jeden Christen, zu einer nützlichen Vermahnung und Warnung, für solchen bösen Sachen, wiederum aufgelegt.

[31][33]

[2] Es ist um den Menschen ein unbeständig wetterwendig[Rand: Unbeständigkeit der Menschen.] Ding, wenn er selber, oder die Seinen, mit langwieriger Leibes-Kranckheit, von Gott dem Allmächtigen heimgesuchet wird, da sich die Sache verlängern oder verziehen thut, und er, von wegen der Verlängerung der gnädigen Hülffe GOttes, weder genesen noch sterben zu können vermeinet. Denn dazumal anfähet er in Vergeß zu stellen, und aus der Acht zu lassen das heilig Göttlich Wort, und alle gehörte Predigten, daß man[Rand: Psal. 49. und 50. Matt. 7. Joh. 14, 16.] GOTT den HErrn allein, in aller Trübseligkeit, Creutz und Leiden in dem Namen seines Sohnes, um Hülff ansuchen und anruffen, getröster Hoffnung, Kindliches Vertrauens und Zuversicht, Er wolle und werde wol, laut seiner gnädigen Verheissung, seine versprochene gnädige Hülff und Errettung, nach seinem wolgefälligen Willen, zu gelegener Zeit, wenns Ihn am[Rand: Psal. 9.] allerbesten gedunckt, erzeigen und beweisen, darzu daß wenn der HErr die Hülff aufziehe und verlängern thue, geschehe es nicht der Meinung, als hätte und wolte GOtt unser Gebet[Rand: Ps. 144. Joh. 16. Psal. 56.] nicht erhören, denn Er ist nahe bey allen die Ihn anruffen, höret ihr Schreyen und hilfft ihnen, ja wie im 56. Psalm stehet: Er fasset unsere Threnen in seinen Sack, und zehlet sie, sondern will also den Glauben, [3] Hoffnung und Gedult deß Menschens probiren, darum ob schon der HErr verzeucht, soll[Rand: Habac 2.] dennoch der glaubige Mensch aus wahrem Glauben, und steiffer Hoffnung gedultiglich auf Ihn harren, denn Er gewißlich mit seiner Hülff kommen wird, und nicht verziehen noch ausbleiben.

Solches alles mit einander sprich ich, vergisset der Mensch,[Rand: Menschen suchen Hülff bey den Zauberern.] als ob ers nie gehört, und wendet sich treuloser und meineidiger Weise, zu den teufelischen zauberischen Beschwerern, und aberglaubischen Segensprechern, thut von ihnen, Hülff, [33] Raht, (unangesehen, daß er in der Heiligen Tauff dem Teufel und allen seinen Wercken abgesagt) wider GOTT und sein Wort suchen, bitten und begehren, und muß auch solches teuffelisch zauberisch Beschweren und Segensprechen bey vielen, die dennoch gute Christen gescholten seyn wollen, nicht Teuffelisch und Unrecht, sondern Göttlich Recht und Gut, vertheidigt und verantwort werden, welches denn erst eine Plag über alle Plagen, und eine rechte Verblendung und Bezauberung deß leidigen Satans ist.

Derwegen will die äusserste und höchste Nohtdurfft erfordern, das alle guthertzige Christen vor solchen zauberischen Beschwerern, Segensprechern, Beschweren und Segensprechen, treulich gewarnet, und durch einen guten Unterricht von solcher teuffelischer Zauberey abgemahnet werden, damit sie sich nicht mit solcher greulichen Sünd verunreinen oder beflecken, in Gottes Straff und Ungnad fallen, und also zeitlich und ewig verdammt werden.

[Rand: Der Handel von Zauberey, beruhet auf 3. Puncten.] Der gantze Handel aber, von der zauberischen [4] Beschweren und Segensprechen, steht meines Erachtens in diesen dreyen Puncten. Erstlich, was Beschweren und Segensprechen sey oder heisse. Zum andern, daß es Zauberey-Sünd sey, und bey Verlust der Seelen Heil und Seligkeit zu vermeiden. Zum[Rand: 1.] dritten, Vermahnt-Werdung und Widerlegung, der Einred und [Rand: 2.] Argumenten, damit solch Segensprechen vertheidigt wird, von[Rand: 3.] diesen dreyen Puncten will ich, vermittelst Göttlicher Gnad, zu der Ehr und Rettung deß Göttlichen Namens, und Erbauung der Christlichen Kirchen, nach meiner geringen Gab, ordentlich und so viel müglich, verständlich handeln.

[Rand: Y. Was Segensprechen sey?] Für das Erste, so muß man wissen, was Beschweren und Segensprechen sey oder heisse. Anfänglich aber, beschicht es nicht ohne sondere bedenckliche, und erhebliche Ursach, daß allhie zusammen gefasset oder gesetzet werden, diese beyde[Rand: Beschweren und Segensprechen nicht ohn ein sonder Bedencken zusammen gesetzt.] Wörter, Beschweren und Segensprechen, und also eins für das ander Erklärungsweis, gebrauchet. Denn Lieber was ist es anderst, gewisse Wort oder etwas sprechen, dergestalt, daß durch solche, oder von wegen solcher gesprochener Wort Krafft, solle diesem oder jenem geholffen, gesteuret oder gewehrt werden, denn eben Beschweren; und hergegen, was ist Beschweren [34] anderst, denn mit gewissen Worten und Ceremonien etwas segnen? So heist nun Segensprechen oder Segnen, gewisse Wort[Rand: Was Segensprechen.] erzehlen oder sprechen, über etwas der Meinung, daß also eine Kranckheit in Menschen und unvernünfftigen Thieren, oder etwas anderstwo, vertreiben und abgestellt werde, wel[5]ches ein Stuck der Zauberey, und Aberglaubens.

Es ist aber zweyerley Segensprechen oder Beschweren,[Rand: Zweyerley Segensprechen.] eins zur Rechten, da man bey dem genandten und vermeinten Christen, Holtz, Palmen, Stein, Wasser und Kertzen, und anderst mehr, beschweret, segnet und weihet, damit die Polter-Geister, den Teuffel, das Wetter, Donner, Hagel, Stralen zu vertreiben: welches, ob es gleich wol von ihnen, unter dem Schein deß höchsten Gottesdienst, für gut und recht vertheidigt und verantwortet wird; jedoch so wird es von dem ewigen GOTT, laut seines Göttlichen Worts, für ein recht zauberisch, aberglaubisch Wesen gehalten, verdammt und verworffen, von welchen wir allhie nicht handeln wollen.

Das ander zur lincken Seiten, da der Beschwerer und Segensprecher,[Rand: 2.] gewisse Wort spricht, Menschen und Vieh von Kranckheit zu helffen und zu erledigen, von diesem, ist unser Fürnehmen etwas zu reden.

Die Wort aber, welcher sich die zauberischen Segensprecher[Rand: Von den Worten.] gebrauchen, seyn dreyerley, etliche gar böse, etliche mittelmässig, etliche gar gut und Göttlich. Gar böse Wort seyn[Rand: 1. Böse Wort.] die abgöttische, teuffelische Anruffung der Teuffel. Item, die Namen der Teuffel oder bösen Geister. Mittelmässige Wort seynd die für sich nicht bös seynd, aber mit angehencktem[Rand: 2. Mittelmässige Wort.] Aberglaub, mißbraucht werden, als da ist Sonn, Mond, Stern, denn zur Sonnen Aufgang oder Niedergang. Item, wenn der Mond im Abnehmen oder Zunehmen ist, so sagen die Segensprecher über ein Ge[6]schwulst, Beulen. Item, über Schweinettick, oder Schweinsucht, O Sonn, wie du jetzund aufgehest, oder nider zur Ruh gehst, also nehme diese Geschwulst oder Beulen, oder dieser Schad ab, oder zu, im Namen deß Vatters, Sohns und Heiligen Geistes, und machen ein Creutz-Segen über den andern. Also auch O Mond, wie du jetzund abnimst, oder zunimst, also nehme dieses oder jenes ab oder zu, und setzen dahinden daran, den Creutz-Segen, das gezeichnet mit dem Creutz.

[35] Hieher gehören auch der alten Weiber aberglaubischen Mährlein,[Rand: Weiber Mährlein.] von der Reise unsers HErr-Gotts und S. Peters, von Brand und anderst mehr, welches sie darnach zum Segen gebrauchen.[Rand: 3. Gute Wort.] Gar gute und Göttliche Wort seynd, welche sie aus der Heil. Schrifft nehmen, und zu ihrem zauberischen Segensprechen mißbrauchen, als die Namen deß allmächtigen Gottes,[Rand: Besih Lutherum in seinem Schenhempheras.] JEHOVA, mit welchem Wort beydes Juden und Unchristen wunderbarliche Zauberey treiben, GOtt, Adonai, der Nam JEsu Christi, die H. Drey-Einigkeit, oder Dreyfaltigkeit, im Namen deß Vatters, und deß Sohns, und deß H. Geistes, das Wörtlein Amen. Item, die Namen etlicher Engel oder guten Geister, der hochbegnadeten Jungfrauen Maria, der zwölff Aposteln, die Namen der heiligen drey Könige, und anderer Heiligen. Item, das Leiden Christi, die fünff Wunden Christi, die sieben Wort Christi, die Er am Stamm deß heiligen Creutz gesprochen, die Uberschrifft, welche Pontius Pilatus an das Creutz oberhalb Christo gehefft hat. [7] Item, das Evangelium[Rand: Joh. 1. Luc. 1.] Joannis am 1. Cap. und andere Sprüch aus dem Evangelisten. Item, der Englische Gruß, das Ave Maria, das heilige Vatter Unser, und wer kan es alles erzehlen. Diese gute, gottselige, göttliche Wort? Aber lieber Christ, welcher sich die zauberischen Segensprechen gebrauchen, lasse dich nicht dahin bringen; als ob darum solch Beschweren und Segensprechen recht und gut wäre, sondern bedenck wol, je besser heiliger und Göttlicher die Wort seynd, je böser, greulicher, und GOTT mißfälliger ist der zauberische Mißbrauch.

Dieser jetzund erzehlten bösen und guten Worten, gebrauchen sie die zauberischen Segensprecher mündlich mit Reden, und schrifftlich mit Buchstaben und Schreiben, beyds mit Mitteln als Kräutern: daher der Heidnisch Poet sagt: Sie haben Kräuter und schädliche Wort zusammen gemengt, und ohne Mittel allein blosse Wort, von dem viel in heidnischen Poeten, als Ovidio, Horatio, Virgilio, und bey andern auch zu finden.

Wenn sie aber reden, so gebrauchen sie sich gar selten der gemeine Red oder Zeit, sondern jetzt, und müssen vor der Sonnen Aufgang oder Nidergang, oder zu Mitternacht zuvor etwas verrichten, und schreyen entweder sehr laut, oder murmelns [36] heimlich, mit stillen Worten, daher denn auch die Gelehrten schreiben, dass durch das Wort Beschweren, in Hebraischer Sprach, eine leise Red verstanden wird, und von[Rand: Esa. 29.] solcher leisen stillen Art zu reden der Zauberer, die Propheten Gleichniß genommen, anzuzeigen oder zu ver[8]stehen zu geben, ein stilles, kleinen Lauts Reden, deren, die von wegen vielerley Plagen und Widerwertigkeit, kleinlaut und gedemütigt seynd worden. Item, sie müssen gewöhnlich solche Segen, mit seltzamen vorhergehenden Dingen lernen, als ich nun ein Exempel erzehlen will. Es ist ein gar gewisser Segen, für[Rand: Für die Durchfälle der jungen Kinder.] die Durchfälle der jungen Kinder, den hat eine Segensprecherin ihre Tochter gelernet, sie soll anfänglich einem Wolff dreymal nacheinander, in das Maul greiffen, im Namen der Dreyfaltigkeit, wenn sie darnach zu einem jungen Kind, daß die Durchfeyle hat, gefordert werde, soll sie dem Kind auch dreymal in das Mündlein hinein greiffen, und sprechen, im Namen deß Vatters, und deß Sohns, und deß H. Geistes, Amen, helff dir der Namen Jesu! welches das junge Weib gethan, (hat aber einem jungen Wolff ins Maul griffen, ein alter hätt ihr sonst die Hand herab bissen, und wer der rechte Lohn gewesen) und viel Kinder gesegnet. Item, ein anderer lächerlicher und zauberischer Segen, für die Durchfeyle der jungen Kinder: Man soll nemen ein leines Tüchlein, in ein Wasser tuncken, und dreymal im Mündlein herum fahren, im Namen deß Vatters, und deß Sohns, und deß H. Geistes, darnach das Tüchlein am Rauch über das Feur auf dem Herd, an die Hölen hencken, oder aber man soll deß Kinds Bruntzwässerlein nehmen, und einen Aschen darein thun, darnach ein leines Tüchlein oder Fetzlein, dardurch dreymal im Namen deß Vatters, und deß Sohns, und deß H. Geistes, ziehen, und an den Rauch hencken, wel[9]ches die Durchfeyle den Kindern heilen und vertreiben solle. Es ist mir, da ich solche lächerliche, spöttliche Ding erzehle, wie dem heiligen Chrysostomo, weiland Ertz-Bischoff zu Constantinopel, da er auch von solchen und dergleichen aberglaubischen, alten gottlosen Weiber Mährlein gepredigt, darum ich mich auch gern seiner Wort allhie gebrauchen will, ich schäme mich, ja wurd schamrot von solchem Zusagen: aber die grosse Nohtdurfft drängt mich von [37] eures Heils und Seligkeit wegen, solches zu reden oder zu vermelden. Und wiewol, O lieber Christ, beyde hieoben gesetzten Stücklein, von vielen alten Weibern, den jungen Frauen, als gute Künstlein, gerühmt und hoch befohlen werden, jedoch bedencke, wie es so ein grosses Gelächter und Gespöt sey, mit solchen lächerlichen Ceremonien umgehen, auch wie es so ein grosse Schand und Sünd, ja gefährlicher Handel sey, daß du den Namen der hochgelobten H. Dreyfaltigkeit, und deß einigen Gottes, zu diesem brauchest. Wer hat dirs befohlen, wo kanst du einen Buchstaben aus H. Göttlicher Schrifft, mit einigem beständigen Grund anziehen, da dir GOtt solches befohlen habe? Ja GOtt hat ernstlich geboten, thue allein was Ich dir befiele, wie denn hieunten wird angeregt werden. Also ist ein Brand-Segen, ein Schweinnettick Segen, und ander viel.

Welches alles ich aus der Ursache erzehle, das ein Christen-Mensch, bey diesen Umständen, den Ceremonien, Weis und Geberden, als unzählbarlichen Zeichen der Zauberey abnehme, daß es lauter Zauberey und aberglaubisch Ding seye.

[10] Darzu so schreiben sie solche Wort, henckens Vieh und Menschen an die Häls, gebens auch auf pergamentene Zettul geschrieben, mit Schmaltz überstrichen ein den Leuten, von wütenden Hunden beschädigt. Item, nehmen ein Wurtz darzu, und bohren ein Loch über der Thür im Balcken, an Vieh-Ställen, und thuns überzwerch hinein, schlagen ein eichen Nagel darfür, in Meinung, daß dem Vieh, als Kühen, Rossen, Schafen, etc. nichts Schadhaffts zugefügt solle und könne werden, von ihren Mitgesellen, den Hexen und Unholden.

Und auf solche Weis ja beschweren sie Menschen, und unvernünfftige Thier, als Roß, Kühe, Säue, Schafe und andere, die kranck sind, und einen Schaden empfangen haben.

Hieher in das Register gehören auch die Briefflein, mit solchen oberzählten und dergleichen Worten, und Segen überschrieben, bey sich am Hals hangend, oder anderstwo als oben im Knopff der Handheben deß Degens, oder Wehr tragen, für Schiessen, Stechen, Schlagen und Verwunden, dass auch ein sehr gemein Ding ist bey vielen, auch Hohen und verständigen Leuten, ja rühmen sich auch vermessenlich, es könne[38] sie niemand aufhauen, verwunden, oder Blutriß machen. Einen solchen Segen, soll Grav Philipp von Flandern, von einem Ritter, dem er, um seiner Missethat willen, das Haupt hat wollen abschlagen lassen, aber aus Krafft dieses Segens nicht hat können verwundet werden, überkommen, haben er und seine Diener, solchen Segen abschreiben lassen, und bey sich getragen ha[11]ben, welcher Segen in einem Brieff verzeichnet, und bey sich getragen, soll gut seyn für Hauen, Stechen, Schiessen, alle schadhaffte Thier, Wassers-Feuersnoht. Bin lang in der Berahtschlagung gestanden solchen Brieff von Wort zu Wort mit seinem Inhalt hieher zu setzen. Aber aus Fürsorg und Sorgfältigkeit, daß erst solchen etliche Fürwitzige, die ihn vorhin nicht gewisset, möchten abschreiben, und sich deß gottlosen Segens gebrauchen, mein Bedencken geändert, und ihn ausgelassen. Es soll aber jederman vor diesem, und andern Brieffen und Segen, als vor deß Teuffels Nebelkappen sich bey Verlust der Ungnade GOttes verhüten. Aber wie schändlich und schädlich sie offt durch die Teuffels-Kunst der Segen betrogen werden, gibt und bezeuget die Erfahrung, daß manchem der Kopff zerschlagen, auf den Tod verwundet und geschossen seynd worden, da sie GOTT gestrafft, und durch die Straff zu Buß dieser und anderer greulicher Sünde anreitzen und bewegen, und andere die noch an solcher Zauberey hangen, ein Exempel und Beyspiel, wessen sie sich halten, und enthalten sollen, unter die Augen stellen, wie ich der Exempel die zum Theil lautkündig, beydes hoher und nieder Personen, wol hieher erzählen könnte, wo mich nicht sondere bedenckliche Ursach, und daß solche Exempeln odios und verhäßlich, abhielten.

Aber lieber, wer kehret sich daran, es gehet eben hie mit dieser greulichen Zauberey und Segensprechen-Sünd, wie mit andern auch, Jer. 5. HErr du schlägst solche Aberglaubige,[Rand: Jerem. 5.] den zau[12]berischen Segen für Schiessen, Stechen, Verwunden anhangend, aber sie fühlen nicht, du plagest sie, aber sie bessern sich nicht, sie haben ein härter Angesicht denn ein Fels, und wollen sich nicht bekehren, daß sie solche zauberische Wunden-Segen von sich thäten, als Unrecht erkennten, dich um Gnad und Verzeihung anruffeten, und lerneten von[39] [Rand: Matt. 10.] Hertzen glauben, daß alle Härlein auf dem Haupt gezählet,[Rand: Job 14.] eine Zahl ihres menschlichen Lebens gesetzt, darüber sie nicht schreiten können, auch mit keinem Segen hindurch kommen, geben sich also, und setzen sich mit glaubigen Gebet in den Schutz und Schirm, sondern fahren fort, brauchen zauberisch Segen, und muß darnach nicht unrecht seyn, aber sie werden GOtt darum einen harten Stand thun und schwere Rechenschafft[Rand: Röm. 2.] geben müssen, und dem gerechten Urtheil GOttes nicht entrinnen, so viel von dem ersten, folgt nun das ander, daß es greuliche Zauberey Sünd.

[Rand: 2. Segnen und Beschweren ist eine Zauberey-Sünd.] Zum andern, wir haben jetzt und meines Bedenckens, deutlich gnug gehöret, was Segensprechen oder Beschweren heisse, und sey, folget nun das ander, daß ein Zauberey Sünd sey, und bey Verlierung der Gnade GOttes, und der armen Seel Heil und Seligkeit zu vermeiden und zu fliehen.

[Rand: 1. Das erste Argument, dass Segensprechen Sünd sey.] Erstlich ist Segensprechen eine schwere, unleidentliche, greuliche Zauberey-Sünde wider das erste und ander Gebot, der zehen Geboten GOttes, denn solche Leut ihr Vertrauen nicht warhafftig auf den ewigen, allmächtigen treuen GOtt allein setzen und stellen, und von Ihm al[13]lein als dem rechten Helffer, durch die edle von dem HErrn darzu verordnete Artzney, Remedien und Mittel, Hilff und Errettung mit schuldiger kindlicher Gedult, gehorsamlich begehren und warten, welches denn alles der HErr in diesem Gebot ernstlich von uns erfordert und haben will, sondern mit diesen zauberischen Segensprechen, aus Mißvertrauen, Unglauben, und Ungedult, durch Krafft und Würckung dieser gesprochen gewissen und gemessen Wort, glauben, trauen, und hoffen gesund zu werden, oder in was Sachen es seyn mag, Hilff und Glück zu erlangen.[Rand: Gemeine Red.] Daher denn die gemeine Red kommet, du must daran glauben, du muß darauf halten, item der hat kein Glauben daran, oder er hält nichts darauf, es wird ihn nichts helffen. Will allhie alle Christen um ihrer armen Seelen Heil und Seligkeit willen gebetten haben, daß sie doch bedencken wollen, wie ein schwere, und GOtt unleidenliche Sünd alle Segensprecher, und wer mit ihnen zu schicken und zu schaffen hat, wider das erste Gebot[Rand: Unchristliche Reden.] begehen und thun, ja man höret auch etwa öffentlich, solche unchristenliche heidnische Wort, will GOtt nicht helffen: so [40] helff der Teuffel. Item, wenn mir nun geholffen wird, thäts gleich der Teuffel oder sein Mutter, oder wer da wolte. Und ob es schon andere nicht mit Worten so grob und unchristenlich heraus fallen, jedoch so thuns sie mit der That und Werck selber, da sie von Hilff und Raht zu solchen teuffelischen Zauberer und Segensprecher schicken, rennen und lauffen, und ist wie man spricht, Gur als Gaul, das wölle ihm doch ein [14] guthertziger Mensch lassen zu Hertzen gehen. Darnach so[Rand: Die ander Ursach warum Segensprechen Unrecht ist. Segensprechen eine Zauberey-Sünd wider das ander Gebot.] sündigen sie auch wider das ander Gebot GOttes, in welchem GOtt der HErr uns allen gebeut und verbeut, daß wir den Nahmen GOttes, und was zu desselbigen Preis Ehr und Lob gehörig, nicht sollen vergeblich und unnutz führen, oder auf einige Weis und Weg mißbrauchen, solche Leut aber, die mißbrauchen in ihrem zauberischen Beschweren und Segensprechen auf vielerley Weis und Weg den heiligen Namen GOttes, sein heiliges Göttliches Wort, daraus sie denn zu ihren gottlosen Segen und Beschwerungen, viel gute und heilige Wort ziehen: mißbrauchens aber, entunehrens und entheiligens schändlich, lästerlich und verdamlicher Meinung, wider das ander Gebot, und sein heiliges Wort. Darum o Mensch so behertzige doch, wie es so eine grosse greuliche Zauberey Sünd sey, mit Segen und Beschweren umgehen, wider das ander Gebot, und bedenck doch, daß der HErr, laut angehenckter Drohung an diß Gebot (die also lautet: Denn der[Rand: Exod. 20.] HErr wird den nicht ungestrafft lassen, der seinen Namen mißbraucht,) greulich solche Zauberey- sind entweder zeitlich, oder dort ewig an Leib und Seel straffen werde.

Zu dem hat der ewige GOtt, ein sonder Gesetz, Gebot und Verbot, von und wider die Zauberey, und Zauberer geben.[Rand: Das dritte Argument wider das Segensprechen.] Nun ist mit gewissen Worten etwas beschweren und segnen, ein Stuck von der Zauberey, wie hievor, und herunten bald wiederum vermeldet wird. Wir wollen aber hieher setzen und erzählen, die Zeugnissen [15] aus GOttes Wort, im andern Buch Mosis am 22. Cap. Die Zauberinnen solt du nicht leben lassen. Im dritten Buch Mosis 20. Capit.[Rand: Lev. 20. Ex. 22.] Wenn ein Mann oder Weib, ein Wahrsager oder Zeichendeuter seyn wird, die sollen deß Todes sterben, man soll sie steinigen, ihr Blut sey auf ihnen.

[41] [Rand: Lev. 19.] Im dritten Buch am 19. Capit. Ihr sollet euch nicht wenden zu den Wahrsagern, und forschet nicht von den Zeichendeutern, daß ihr nicht an ihnen verunreinet werdet, denn Ich bin der HErr euer GOtt.

[Rand: Deut. 18.] Im fünfften Buch am 18. Capit. Es solle unter dir nicht funden werden, ein Weissager, oder ein Tagwähler, oder der auf Vogelgeschrey achte, oder ein Zauberer, oder Beschwerer, oder Wahrsager, oder ein Zeichendeuter, oder der die Todten frage, denn wer solches thut, ist dem HErrn ein Greuel.

Diese Zeugniß der Schrifft, von der Zauberey hab ich hieher gesetzt, nicht daß ich von allerley Zauberey allhie zu handeln vorhabens sey, sondern allein von dem Beschwören und Segensprechen, welches ein Stuck von der Zauberey ist, auf daß ein Christen-Mensch allhie allerley Zauberey, sie heiß und habe einen Namen wie sie wolle (denn vielerley Stuck der Zauberey, von alten und neuen Lehrern erzählet werden), lerne fliehen, sonderlich aber soll er die Augen aufthun und mercken, daß durch Mosen mit Namen austruckenlich, das Beschweren oder Segensprechen verbotten, und als ein Greuel vor dem HErrn verdammt werde,[Rand: Das Wörtlein Beschwerer, begreifft in sich die Segensprecher.] denn das [16] Wörtlein Beschwerer heisset die Segensprecher und Beschwerer, welche mit gewissen und gemessen Worten etwas zu heilen, vertreiben, oder etwas zuwegen bringen, sich unterstehen.

Zu dem so zählet der heilige Apostel Paulus, zu den Galatern am 5. Capitel, die Zauberey unter die Werck deß[Rand: Galat. 5.] Fleisches, welche den Men schen, der damit behafft und umgangen, von dem Reich GOttes, oder ewigen Leben absondere oder ausschliesse. Nun seynd Zauberer, Hexen, Unholden, Wahrsager, Zeichendeuter, Tagwähler, Teuffels-Beschwerer, Segensprecher, und Beschwerer, und dergleichen, und alle die mit ihnen zu schicken und zu schaffen haben, Hülff und Raht bey ihnen suchen, alle mit einander in einer Zunfft oder Gesellschafft, nemlich in deß Teuffels: darum wer da will der Ungnad und Zorn GOttes, auch zeitlichen und ewigen Plagen und Straffen entrinnen, und also zeitlich und ewig in der Gnad, Huld, Schutz und Schirm deß Allmächtigen GOttes, seyn und bleiben, der fliehe und meide das zauberisch Segensprechen und Beschwören, als den Teuffel selber.

[42] Weiter so ist in heiliger Göttlicher Schrifft von solchen[Rand: Das 4. Argument, wider das Segensprechen.] Segensprechen kein Befehl, Verheissung oder auch Exempel, daß man gewisse Wort nehmen, und ein Schaden oder Kranckheit zu vertreiben, segnen ja beschwören soll; ja man lisst auch von keinem Gottsfürchtigen, der einmal solches zu thun fürgenommen habe. Es soll aber kein Mensch etwas ausserhalb GOttes Wort, und ohn ein austruckenlichen Befehl an[17]fahen oder fürnehmen. Wie denn GOTT der HErr durch[Rand: Deut. 4. und 12.] Moysen spricht, du solt nicht thun was dich gut duncket, sondern alles was ich euch gebiete, das solt ihr halten, ihr sollet nicht dazu thun, noch davon thun. Darum wenn es schon nicht verboten wäre von GOTT, daß man mit zauberischen Segensprechern, oder Teuffels-Beschwerern nicht sollt zu schaffen haben, (wie es aber bey Verlierung der Gnade GOttes ernstlich verbotten ist), so sollte ein frommer Mensch, dennoch in Ansehung dieser wichtigen Ursach, daß er dessen kein Befehl, Verheissung und Exempel hat, der zauberischen Segen sauber und glatt müssig stehen, und gedencken, wäre es recht und GOtt gefällig, so wurde mir der treue Gott wol solches zu thun befohlen haben: aber sihe, ich hab nicht allein kein Befelch solche, es seyn gute oder böse Wort, dahin zu brauchen, sondern eben stracks das Widerspiel, offentliche Verbot Gottes, von der Zauberey, und den Beschwerern mich zu verhüten, ja auch das ander Gebot, du solt den Namen GOttes nicht unnützlich, oder vergeblich führen, darum will ich solcher Zauberey-Sünd müssig stehen.

Und wenn sonst nichts wäre, in diesem zauberischen[Rand: Das 5. Argument, wider das Segensprechen.] Segensprechen und Beschweren, denn eben das, daß man durch solchs Segnen ein Sach erzwingen will, GOtt gebe es sey schier Gott lieb oder leid, so muß es seyn, wenn man nur daran glaube, so sols ein Christen-Mensch verfluchen, ja dargegen ausspeyen, denn es lehret uns die H. Schrifft, daß wir alle leibliche äusserliche Ding, als Gesundheit deß Leibs, sollen begehren und [18] bitten, mit dem Geding und Anhang, ob es Gottes gnädiger, wolgefälliger Will sey, und uns an unser Seelen Heil und Seligkeit nützlich und gut, so soll er uns der Kranckheit, oder anderer Trübseligkeit abhelffen, wie denn[Rand: 2. Reg. 2. Matt. 8.] David gethan, und der Aussetzige, ja Christus selber am Oelberg, [43] etc.[Rand: Matt. 26. Marc. 14. Luc. 22.] Und sihe nur zu, mit den gottlosen Segnen, will man eine Sach erzwingen, man will GOtt müssen, es muß also seyn, glaub nur daran, O wol ein grosser Greuel, O wol grosse Blindheit der armen Leut.[Rand: Der 6. Artickel wider das Segensprechen.] Letztlich so zeiget und erkläret der heilige Apostel Paulus, worzu alle Schrifft und Wort GOttes diene, nützlich und gut seye, 2. Timoth. 3. Cap. da Er sagt[Rand: 2. Tim. 3.]: Alle Schrifft von Gott eingegeben ist nutz zur Lehre, zur Straffe, zur Besserung, zur Züchtigung, in der Gerechtigkeit, daß ein Mensch GOttes sey vollkommen zu allen guten Wercken geschickt. Hie hörest du Christliches Hertz, daß Paulus nichts sagt von dem zauberischen Segensprechen oder Beschweren, darzu denn sie die zauberische Segensprecher, die heiligen guten Wort, aus der Schrifft geraubt, mißbrauchen.

[Rand: Chrysostomus Tom. 5. Hom. 21. ad populum Antiochenum fol. 195.] Der heilige Chrysostomus in der 21. Predigt zu Antiochia gethan, straffet und verdammt auch die Zauberey-Sünde, deß Beschwerens und Segensprechens, und zeigt, daß man solche Segensprecher soll fliehen, als das fremd und fern, von dem Christlichen Wesen, gar zuwider sey.

[Rand: 3.] Zum dritten, dieweil solche Leut das zauberische Segensprechen, alles für recht, gut und göttlich, mit etlichen Einreden, Argumenten und Ursach, zu vertheidigen und verantworten sich unter[19]stehen; so wollen wir kürtzlich, den Einfältigen und Guthertzigen zu gut, solche Ursach und Einred widerlegen und ableinen, den gesuchten Geschmuck, und angezogene Gestalt eines Engels deß Liechts abziehen, damit man den bösen Engel der Finsterniß mit seinen Teuffels Füssen und Klauen, erkennen und fliehen lerne.

[Rand: 1. Man sagt, es seynd gute Wort.] Die erste Einrede aber ist, es seyn nur lauter gute Wort, man sagt nur von GOtt, wie wolt denn das Unrecht seyn, dessen beredt mich niemands.

[Rand: Antwort.] Antwort: Sihe du lieber Christ, wie der leidige Teuffel, durch seine Zunfftige die zauberischen Segensprecher, solche Zauberey und Teuffels-Segen so meisterlich beschönen, und mit einem gesuchten schönen Färblein verstreichen kan, daß auch ein Einfältiger tausend Eid schwure, es wäre gut und recht, aber merck auf, ich will dich fein berichten: Es ist wol wahr, sie gebrauchen viel guter heiliger Wort, aus Gotttes Wort geraubt, zu ihren Segnen und Beschweren, aber werden [44] darum nimmermehr in Ewigkeit, mit gutem Grund erweisen, daß sie darum recht handeln, und mit einer guten Sach umgehen, denn je heiliger und gottseliger die Wort seynd, je böser und verfluchter ist der Mißbrauch, es kan kein Mensch, der noch bey Vernunfft und Verstand ist, laugnen noch widersprechen, daß je besser und Göttlicher ein Ding ist, desto böser und verdammlicher sey der Mißbrauch desselben. Als zum Exempel: Der Wein ist eine gute edle Creatur, Geschöpff und Gab GOttes, solte denn nun jetzund die Füllerey, das unchristliche Sauffen, [20] darum recht und gut seyn, dieweil es durch das überflüssige zu sich nehmen, und Gebrauch deß Weins beschicht, wolte darum der volle und tolle Mensch sich entschuldigen, er thäte nicht unrecht, das würde kein vernünfftiger Mensch billich und recht heissen: sondern je edler und besser eine Gab GOttes der Wein ist, je böser, grösser und greulicher Sünd ist der Mißbrauch die Füllerey. Also auch je heiliger der Name GOttes, und göttlicher oder heiliger die Wort der Heil. Schrifft seynd, desto schändlicher und abscheulicher, ja greulicher ists, so heilige Wort entheiligen, entunehren, und zu den gottlosen zauberischen Segnen mißbrauchen. Summa, GOttes Wort, und seinen heiligen Namen,[Rand: Nota.] in solcher Gestalt ohn einen Befelch, ja wider das ernstliche Gebot und Verbot GOttes mißbrauchen, ist ein grosser erschrecklicher Greuel und Zauberey-Sünd, wider das ander Gebot GOttes, du solt den Namen deines GOttes nicht unnützlich führen.

Die ander Einred, was in dem Namen deß HErrn, oder im Namen GOttes beschicht, das ist recht, solche Segen[Rand: 2. Gegenwurff.] aber werden in GOttes Namen verricht, darum so seynd sie recht und gut. Diese Einred hat mir gar neulich ein Zauberer und fahrender Schüler, (wie man sie nennet) fürgeworffen. [Rand: Antwort.] Antwort: Da untersteht sich der Teuffel wiederum, seinen zauberischen Segen eine Farb anzustreichen, dieweil es aber nicht wol Leim getränckt, ist sie gar gut und leichtlich abzuwischen und abzuthun. Denn so viel die erste Red belangt, was in dem Namen GOttes beschehe, sey billich gut und recht, muß man mercken, daß [21] es nicht durchaus gilt und wahr ist, denn nichts im Namen GOttes geschehen kan, denn was Gott [45] wolgefällig ist. Derwegen ist es nicht gnug, sprechen das im Namen GOtt etwas thue, sondern man muß besehen und fleissig Achtung geben, ob es auch im Namen GOttes, als GOtt wolgefällig verrichtet werde, denn der Teuffel der da ist ein Engel der Finsterniß,[Rand: 2. Cor. 12. Wie sich der Teuffel in einen Engel deß Liechts verstelle.] pflegt sich also in einen Engel deß Liechts verstellen, wie Paulus lehret, und verändern, denn er kommt nicht in seiner Gestalt, und sagt nicht, das ist der Nam deß Teuffels, der da ewig muß verloren und verdamt seyn, das ist wider die Ehr deß Namen GOttes, das ist unrecht und wider GOtt, das ist die Lügen oder Abgötterey, und wer das thut, muß ewig verdamt werden. Denn wenn er also käme, so wurde ihm niemand folgen noch Glauben geben, sondern er verstellet sich in ein Engel deß Liechts und sagt, gibts auch dem Menschen ein, das ist der Nam GOttes, das dienet zu Ehr und Preis deß Göttlichen Namens, sihe das geschicht im Namen Gottes, wie solt es unrecht seyn, das ist die Warheit und der rechte Gottesdienst, das ist recht und gut. Da folgt ihm alsdenn die unsinnige, tolle und aberglaubige Welt, und lässet ihr also für das reine ausgedruckte lauter Wort GOttes, einen blauen Dunst für die Augen machen, eine Nebel-Kappen, ja rechte Narren-Kappen aufsetzen und anziehen, daß sie GOttes und seines geoffenbarten unwandelbaren Willens fehlet von dem rechten Weg in Abwege, von der Warheit in die Lügen, von dem Leben in Tod, und ewige[Rand: Sprichwort.] Verdammniß kommt, daher denn [22], das alte Sprichwort entstanden, im Namen GOttes, führet der Teuffel die Welt in die Höll. Item, im Namen GOttes schlug jener Baur sein Weib zu tod, etc.

So viel die ander Red betrifft, daß im Namen GOttes die Segen verricht werden, sag ich Nein darzu, der Meinung, die zauberischen Segensprecher die nehmen gleichwol den Namen GOttes, und andere gute Wort darzu, aber sie mißbrauchen und entheiligen ihn, zu dem gottlosen Segen, das vor GOtt ein Greuel, und ein mißfällig und kein Wolgefallen nicht ist, darum ob sie schon sagen, sie thuns im Namen GOttes, so geschicht es doch eigentlich nicht im Namen GOttes, sondern wider die Ehre deß Göttlichen Namens.

Darum so kehre oder wende ich solche gesuchte Einred [46] stracks um und sprich: Wer, wo, und wenn man den Namen GOttes mißbraucht, begeht eine greuliche Sünd, die zauberischen Segensprecher mißbrauchen den Namen GOttes, zu ihren gottlosen Segen, darum so thun und begehen sie eine greuliche und erschreckliche Sünd.

Dieweil aber, lieber Christ, hieran viel gelegen ist, will ich weitläuffiger von dieser Sach etwas hieher setzen.[Rand: Coloss. 3. Wie alle Ding in dem Namen deß HErrn geschehen mögen] Der heilige Apostel Paulus zun Colossern am 3. will haben, daß wir alles, es sey mit Worten und Wercken, in dem Namen JEsu thun sollen, damit aber alles in dem Namen deß HErrn geschehen möcht, gehören darzu, und werden unvermeidentlicher Nohtdurfft erfordert drey Ding. Daß es in Gottes Wort gegründet, und laut seines Inhalts und Befehls [23] fürgenommen und verricht werde. Nun hat man gantz keinen Befehl, mit zauberischen Segensprechen umzugehen, zu schicken oder zu schaffen zu haben, noch auch Gottes Namen und sein Wort zu diesen Segnen zu nehmen, sondern vielmehr ein Gebot, und ernstlich Verbot darwider.

Daß es deines Beruffs sey, nun ist aber das deines Beruffs, daß du GOttes Gebot und Verbot folgest,[Rand: 2.] und aufs fleissigst nachkommest, so hat aber GOtt ernstlich geboten und verboten, daß man der Zauberer, Wahrsager, Teufels-Segensprecher und Beschwerer soll müssig gehen, wie oben gehört, darum bist du das schuldig zu thun, zu dem so hat GOtt die Artzney und den Artzt darzu erschaffen, der Mittel solt du dich gebrauchen.

Daß man GOtt ernstlich um Hülff und Beystand anruffe und bitte,[Rand: 3.] und alles Vertrauen allein auf Ihn stelle, da gebrauchst du dich aber der Zauberey, und schickst entweder am Anfang, oder aber, wenn du meinst, es könne kein gelehrter oder erfahrner Artzt, durch wasserley Mittel mehr helffen, zu dem Teuffel-Beschwerer und Segensprecher, trauest und glaubest, dir durch Krafft der gesprochenen Worte geholffen zu werden, daher man sagt, du must daran glauben, oder etwas darauf halten. Derowegen so kan und soll aus jetzt-gethaner kurtzer Erklärung, ein frommer Christ, wider das teuffelische Segensprechen also schliessen, was in GOttes Namen fürgenommen, und warhafftig verricht soll werden, muß die drey Eigenschafften haben.

[47] Die erste, daß in GOttes Wort gegründet oder demselbigen gemäß sey.

[24] Die ander, daß es seines Beruffs, daß ihm insonderheit auch GOTT befohlen habe. Die dritte, daß man GOtt allein um Gnad anruffe, und beharrlich auch festiglich auf Ihn alles Vertrauen stelle.

Segensprechen aber, und ihm darmit helffen lassen, deren drey Eigenschafft gar keine, wie hieroben gehöret. Derhalben folget schließlich, das Segensprechen nicht im Namen GOttes, sondern im Namen deß leidigen Teufels verrichtet werde, sey auch eine greuliche Zauberey-Sünd, zu welchem der heilige Namen GOttes und andere gute Wort GOttes, lästerlich zu einem Deckel mißbraucht und entheiligt werde.

[Rand: Tom. 5. in 21. Homil. adpopulum Antiochenum.] Dergestalt hat auch der heilige Chrysostomus hefftig wider solch zauberisch Segnen und Beschwören geprediget und geschrieben, in der ein und zwantzigsten Predigt zu Antiochia gethan, da er straffet die Christen daselbst, heidnisch Zauberey, da sie noch mit dem Aposteislerischen aberglaubigen, seltzamen und lächerlichen Zeichen, Glücks oder Unfalls. Item mit dem Zauber-Worten oder Gesäng, Charactern, und anders mehr, item Segensprechen umgangen seynd; und daß sie die alten rasende oder von Alters wegen zitternde Weiber, welche er voll nennet, in ihre Häuser berufft, und gefordert haben, und redet nach langem also.

[Rand: Chrysostomus.] Und du, spricht Chrysostomus, schämest dich nicht, und wirst auch nicht schamrot, ja daß beschwerlicher ist denn der Irrthum selbst, wenn wir euch solches (Segensprechen und Zauberey ermahnen oder erinnern, und widerrahten euch, [25] so vermeinen sie also, entschuldiget seyn oder werden, und sagen,[Rand: Auf gut teutsch; Mansoll die Segensprecher die Stiegen hinab werfen. Luc. 4.] daß diese Segensprecherin oder Beschwererin, sey ein Christlich Weib, und rede nichts anders, denn den Namen GOttes, sie ist ein Christin, und sagt nur von GOTT, ja eben von deßwegen solst du sie als dennoch hassen und sie von dir mit Gewalt hinaus stossen, dieweil sie den Namen GOttes zur Schmach und Gottslästerung braucht, dieweil sie sich für eine Christin ausgibt und rühmet, und thut heidnische Werck. Denn auch die Teuffel den Namen GOttes bekannten, und waren dennoch Teuffel, und sagten also zu CHristo, ich weiß [48] wer du bist, nemlich der heilige GOttes, jedoch hat Er sie bedrohet und ausgetrieben.

Derhalben so bitt ich euch demütiglich,[Rand: Chrysostomus bitt die Christen zu Antiochia treulich, um Gottes Willen, daß sie von dem zauberischen Segensprechen abstehen wollen. Dein ungewindlicher Thurn.] daß ihr rein von diesem Betrug seyet, und haltet euch an GOttes Wort als an einem Stab, und wie unter euch keiner ist, der ohn Schuch und Heß oder Kleider an Marck hinfür gienge. Also solt du auch ohn diß Wort nimmer auf den Marck fürhin gehen, sondern wenn du über deine Thürschwellen schreiten wilt, so rede vorhin dieses Wort: O Teuffel ich widersage dir oder kündige dir ab, und thu mich O CHriste zu dir verfügen. Gehe nimmer aus ohn das Wort, welches dein Stab, dein Waffen, dein Thurn der nicht wird erobert oder eingenommen werden, seyn wird. Bisher die Wort Chrysostomi.

Dieses Ort hab ich der Ursach, aus dem heiligen Chrysostomo hieher schreiben wollen. Erstlich, daß ein Gottseliger sehe, wie ernstlich auch Chrysostomus wider das Segensprechen gepre[26]diget, darnach wie auch dazumal, das zauberische Segensprechen, mit dem fürgewendten Schein, daß es gute Wort, daß es im Namen GOttes beschehe, verthädigt sey worden, und wie solches auch Crysostomus widerlegt, und die Christen zu Antiochia fleissig bittet, von solchem abzulassen, und wie sie sich halten sollen, nemlich dem Teuffel und seinen Wercken absagen, und sich zu CHristo verfügen, von diesem gnug.

Die dritte Einred, lieber soll man sich aber nicht der Mittel gebrauchen?[Rand: 3. Gegenwurff. Matt. 7.] sagt nicht Christus der HErr, was ihr wollet daß euch die Menschen thun sollen, das thut ihr ihnen. Heisset nicht das auch das Gesetz der Natur? Nun wollte ich,[Rand: Ein Teufels Beschwerers-Artzt.] wenn mir, so ich kranck lege oder die Meinen, und mir einer zu helffen trauet, daß ers thät, dieweil denn ich kan mit diesem oder jenem segnen, sollt ich meinem Nächsten nicht helffen.

Antwort: Der Mittel, die von GOtt verordnet und zugelassen, soll man sich gebrauchen.[Rand: Antwort] Aber Segnen und Beschweren ist kein Göttlich, sondern ein Unsegen, unzugelassen verbotten Mittel, ja ein Mittel deß Teuffels. Die köstliche edele Artzney,[Rand: Teuffels-Mittel. Sir. 38.] und der edle, gelehrte und erfahrne Artzt, das seynd zugelassene, und von GOtt dem Allmächtigen, dem Menschen zu Gutem erschaffen, wie am Beschluß vermeldet wird, daß man sie [49] gebrauchen mag und soll, und ob sie schon Kräuter und anders bisweilen auch gebrauchen, so thun sie doch ihre teufflische Segen darzu. Darnach ist es wahr, man soll Vermög Christlicher Lieb, dem Näch[27]sten Guts thun und helffen, aber mit Gott, und nicht wieder GOTT. Mit dem verbottenen[Rand: Augustinus, wenn der Teuffel anfähet einem am Leib behülfflich seyn, so fähet er recht an eines an der Seel Schad zu seyn.] und GOtt mißfälligen Segensprechern, ja da du dem Nächsten also mit diesem Segen, zu helffen unterstehest, und ihn dahin beredest, so hilffst du ihm nicht, sondern enthilffst ihm, daß er in GOttes Ungnad fället, der ein jeglichen, der sich zu den Zauberern und Teuffels-Beschwerern wendet, an Leib und Seel zu straffen drohet.

Die vierdte Einred, lieber bezeuget es nicht die tägliche Erfahrung, daß vielen Leuten Thieren und unvernünfftigen Vieh, ist von grossen Schaden und Kranckheiten geholffen worden, da sonst kein Artzt, Doctor, Scherer hat können wissen zu helffen noch zu rahten, wie kan denn Segensprechen so unrecht seyn.

[Rand: Antwort] Antwort: Fürwar damit, daß man die augenscheinliche Hilff sihet und erfähret, werden viel Menschen betrogen und verführet, ja also bezaubert, daß sie sprechen, GOTT geb es sey recht oder unrecht: Es thue es schier der Teuffel, oder unser HErr GOtt, wenn mir nur geholffen wird, der Krancke sucht den Artzt. Darzu sage ich aber deutlich und verständlich, daß nicht weniger sey, viel Leut und Vieh werden[Rand: Merck.] also gesund oder geheilet, aber sag unverholen, daß ihnen nicht GOtt der HErr, auch nicht solche gesprochene Wort, denn sie haben die Krafft und Würckung nicht, sondern der Teuffel geholffen und geheilet habe. Wie aber? Durch die Verhängniß und Zulassung GOttes, denn der Teuffel kan gleichwol für sich selbst eigens Gewalts,[Rand: Job. 1.] nicht wie die Histori von dem heiligen Job, und viel [28] Exempel der Schrifft anzeigen,[Rand: Matt. 8. Luc. 4.] wenn aber, was und wie ihm GOtt verhängt und zulässet, denn kan ers, und thuts.

So hat nun GOtt der HErr, nach seinem rechten Gericht, zur Straff deines Unglaubens, Mißtrauens und schändlichen Abfalls von Ihm, verhängt und zugelassen dem Teuffel, daß er durch solches Segensprechen, dich selbst, dein Kind, dein Vieh, Roß, Kühe, Ochsen, Schaf gesund gemacht, und geheilet [50] hat, dieweil du der Wahrheit nicht hast wollen Glauben geben, wie denn Paulus der heilige Apostel Paulus in der andern Epistel an die Thessalonichern am andern Capitel,[Rand: 2. Thess. 2.] austruckenlich lehret, daß GOTT der HErr denen, welche die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, kräfftige Irrthum senden werde, daß sie glauben der Lügen, auf daß gerichtet werden alle die, die der Wahrheit nicht glauben, sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit.

So gerahtet nun den Segensprechern und Teuffels-Beschwörern die Sach, daß sie Menschen und Thieren helffen, aber nicht mit GOtt, sondern mit dem Teuffel, welches der gerechte GOtt verhängt, ihnen und dir, zur Straff deines Unglauben, und gottlosen Wesens daß du also bezaubert von dem leidigen Satan, glaubest der Lügen, und schwerest tausend Eid, es sey recht und gut, und GOtt selber hab dir aus Gnaden geholffen, und auf solche Weis wirst du gerichtet und gestraffet, dieweil du der Wahrheit, daß solche Zauberey Sünd sey, nit glauben hast wollen, sondern mehr Lust an dem ungerechten, greulichen, zauberischen, Teuffels-Segensprechen und [29] und Beschweren, und wirst auch, wo du nicht Buß würckest, und von solcher Sünd abstehest, ewiglich verdammt und verlohren.

Es ist die gründliche eigentliche Wahrheit, daß ein Gottsfürchtiger glaubiger Mensch, solte zu tausendmal lieber mit GOtt kranck, und armselig seyn, denn mit dem Teuffel gesund, frisch, und wol auf, lieber mit GOtt sterben, denn mit dem Teufel leben, lieber mit GOtt krancke Roß, Ochsen, Schaf, oder gar keins haben, denn mit deß Teuffels Hilff, und deß teuffelisch Beschweren, Segensprechen, gesunde, starcke, wolgethane Roß, oder anders Viehe, also von andern Dingen auch zu reden.

Wir lesen doch, daß Christus Matt. 10. spricht,[Rand: Mat. 10] daß alle unsre Härlein auf dem Haupt gezählet seyn, es fall keines ohn den Willen GOttes deß Vatters darab. Wie woltest denn du selber, oder dein Kind, oder unter den Deinigen kranck werden, und in eine beschwerliche Kranckheit fallen, ohn den Willen GOttes deß himmlischen Vatters, also auch von den unvernünfftigen Thieren zu reden, so lehret CHristus am gemeldtem Ort, daß kein Sperling oder Spatz, deren man zween [51] um einen Pfenning kaufft, ohne den Willen GOttes auf die Erden falle, so denn kein solches Vögelein, das doch ein unnutz noch gültiges Vögelein ist, ohn den Willen GOttes auf die Erden fället, wie wolt denn ein anders Thier oder Viehe, als ein Roß oder ein anders Thier, daß viel Gelds werth ist, ohn den Willen GOttes kranck werden, oder einen Schaden empfahen. So es denn also GOttes Will, und gnä[30]dige Verhängniß über dich ist, sihe so ergib dich mit schuldigem, kindlichem Gehorsam gedultiglich darein, sprich von Hertzen die Bitt deß Vatter Unser, dein Will geschehe auf Erden wie im Himmel,[Rand: Job. 1.] sage mit dem heiligen frommen Job, der HErr hats gegeben, der HErr hats wieder genommen, der[Rand: Psal. 50.] Nam deß HErrn sey gebenedeyet, ruffe GOTT an, laut seines Befehls, und gebrauch dich der ordentlichen Mittel der Artzney, und darnach befihls GOtt, und gehe der zauberischen Segensprechern müssig, das ist mein treuer guthertziger Raht, und GOttes ernstlicher Befehl, Will und Meinung.

[Rand: 5. Gegenwurff von den Worten der Sacramenten.] Die fünffte Einred, tauffet man doch im Namen deß Vatters, und deß Sohns, und H. Geistes die Kinder. Item, in Ausspendung deß Sacraments, der Gemeinschafft deß Leibs und Bluts CHristi, gebraucht man, und spricht die Wort der Einsetzung, wie solt man denn nicht auch diese, und andere gute Wort, über etwas dürffen sprechen.

[Rand: Antwort] Auf diesen Gegenwurff zu antworten, soll und muß man wol bedencken, daß es ein grosse Ungleichheit, und einen weiten Unterscheid habe, denn das man, in der Administration der Heil. Sacramenten, sich der Wort gebraucht, thut man es aus dem ernstlichen Befehl, Gebot, Willen, Meinung, Verordnung deß Stiffters und Einsetzers GOttes Sohns,[Rand: Die Wort der Tauff] unsers HErrn JEsu CHristi, als daß man mit diesen Worten, im Namen deß Vatters, Sohns, und H. Geistes die Kinder tauffet, thut es der Kirchendiener laut deß austrucklichen Befehls CHristi,[Rand: Matt. 28.] tauffet [31] sie im Namen deß Vatters, Sohns und H. Geistes, aber daß die zauberischen Segensprecher, diese oder aber andere Wort zum zauberischen Segnen, über Vieh und Leut, Gewächs und anders gebrauchen sollen, haben sie in der gantzen heiligen Schrifft kein Sylben, ja kein einigen Buchstaben nicht darvon.[Rand: Die Wort der Einsatzung dess HErrn Nachtmahls, aus was Ursach sie gesprochen werden.] So viel aber betrifft die Wort der Einsetzung, [52] deß HErren Abendmahls, werden sie nicht der Ursach gesprochen, daß durch die Krafft der gesprochenen Wort, CHristus mit seinem Leib und Blut, erst vom Himmel herab genohtzwengt und gezogen, und in Brod und Wein verändert, und räumlich eingeschlossen werde, wie denn darvon die vermeinte und genannte Christen, als zauberische Beschwörer und Segensprecher auf der rechten Seiten dafür halten, sondern darum werden und sollen, diese Wort der Einsetzung gesprochen werden.

Dieweil sie alle Christglaubigen erinnern und lehren, ja verkündigen den Tod CHristi, was er uns mit seinem H. Leiden und Sterben, das er für uns, und uns zu gut gethan und gelitten, erlangt und zuwegen bracht habe, welches soll und muß seyn,[Rand: Matth. Marc. Luc. Paul. 1. Cor. 11.] laut der Wort Christi, solches thut zu meinem Gedächtniß, welches Paulus ausleget, den Tod deß HErrn verkündigen, bis daß er kommt.

Darnach dieweil sie lehren, alle Christglaubigen, was ihnen hie in Ausspendung dieses Sacraments, übergeben werde, nemlich mit dem sichtbarlichen Brod und Wein, der warhafftig Leib und Blut Christi, und also den Glaubi[32]gen von der ersten Institution Einsetzung oder Stifftung CHristi deß HErrn selber, erinnern und ermahnen.

Letztlich, damit also ein gewisser Unterschied,[Rand: 3.] unter dem Hochwürdigen Abendmahl CHristi, und ander leiblichen, äusserlichen Mahlzeiten im Werck gehalten werde, etc. Der Ursach halber, mein lieber Christ, spricht man die Wort der Einsetzung, in Ausspendung deß HErren Nachtmahls.

Darum können die Segensprecher, mit diesem Gegenwurff ihre faule Sach nicht schmücken, sondern sollen wissen, daß es heisset. Du solt den Namen deines HErrn GOttes nicht unnützlich führen, dabey wird es bleiben.

Die sechste Einred, die gesprochene Wort in der Predigt auf der Cantzel,[Rand: 6. Einred, oder Gegenwurf.] haben ihre Krafft und Würckung, derowegen seynd sie auch im Segnen kräfftig? Antwort: Ist wiederum ein grosser Unterscheid, und hat weit eine andere Gestalt mit der mündlichen Predigt deß Göttlichen Worts.[Rand: Gegenwurff, von den Worten in der Predigt.]

Denn erstlich hat GOtt der HErr das Predigamt, und die mündliche Predigt, als seiner Majestät wolgefällig Instrument, [53] selber darzu verordnet, daß es sey ein Werckzeug, dadurch GOtt der Vatter samt dem Sohn, durch den H. Geist, in der Menschen Hertzen anzünde ein rechte Erkenntniß GOttes,[Rand: 2. Cor. 3.] rechten Glauben, steiffe Hoffnung und inbrünstige Liebe, etc. Darum auch ein Amt deß Geistes von Paulo genennet wird.

Darnach so thun solches nicht die gesprochene Wort, oder der Prediger für sich selbst aus ih[33]rer eigenen Krafft, sondern es ist nur ein Werckzeug, Instrument, zu welchem der HERR sein Gedeyen gibt, und dadurch als seiner Majestät gefällige auch darzu verordnete Mittel würcket, wie der heilige Apostel[Rand: 2. Cor. 3.] Paulus zum 1 Chorinthern sagt, nichts ist der da pflantzet, noch der da begeusset, sondern GOtt der das Gedeyen gibt, und hat auch die Predigt deß Göttlichen Worts im heiligen[Rand: Esa. 55.] Propheten Esaia, die Verheissung von GOtt selber, daß sie nicht soll leer abgehen, und leer wieder zu Ihm kommen. Aber die Wort zum zauberischen Segensprechen zu brauchen, hat GOtt nicht geordnet noch befohlen, sondern ernstlich verbotten, hat auch keine Verheissung, sondern Drohung und schwere Straff.

[Rand: 7. Gegenwurff von dem Gebet.] Die siebende Einred. Man bittet und ruffet GOtt an, mit Worten, wolt man denn nicht auch dörffen segnen und beschweren mit gewissen Worten?

[Rand: Antwort Psal. 50. Matth. 6. 7. Luc. 11. Joh. 14. und 16.] Antwort: Man hat in heiliger Göttlicher Schrifft altes und neues Testaments, viel Zeugniß, Gebot, Befehl, Verheissung, und Exempel, daß man GOTT um leibliche, zeitliche, und geistliche innerliche Sachen, anruffen bitten und begehren, und Ihn für empfangene Wolthat an Leib und Seel, ernstlich, andächtig, hertzlich und inbrünstig, in dem Namen JEsu Christi, dancksagen soll. Aber wie itzund offt gemeldet, die Wort zum gottlosen Segnen, und verdammten Beschweren gebrauchen, ist nicht allein nit gebotten, sondern auch ernstlich verbotten, zu dem so begehret ein rechtglaubiger Christ nicht, daß ihm GOtt von wegen deß Verdiensts Krafft und Würde der gesprochenen Wort deß [34] Gebots, Hilff beweise, denn das wär gottlos, abergläubig und verdammt, sondern er ruffet GOtt an mit einem glaubigen Hertzen, daß er Ihm aus [54] Gnaden und Barmhertzigkeit von wegen, und im Namen seines Sohns JEsu Christi gnädiglich erhören, und aushelffen wolle.

Darum so mag auch mit dieser Einred, das verdamte Segensprechen, nit vertheidigt werden.

[Rand: 8. Gegenwurff von der Wunderwercken Christi, und der Apostel. Marc. 7. Joh. 5.] Die achte Einred. CHristus der HErr, hat Teuffel ausgetrieben, und Wunderwerck mit gesprochenen Worten gethan. Item auch die Apostel, darum ist zugelassen, ja man kans auch mit Worten Kranckheiten an Vieh und Leuten zu segnen zu heilen, und anders vielmehr damit zuwegen bringen, als da Christus sagt zum Tauben, oder Gehörlossen, Stummen, Hephata. Item zu dem der 38. Jahr lang kranckgewesenen 2, stehe auf, nim dein Bett und gehe hin.

[Rand: Antwort] Antwort: Es fehlet allhie den Teuffelsbeschwerern und Segensprechern aber nicht um ein Baurenschuhe, sondern mehr den hundert teutscher wolgemessener Meil. Denn wer ist Christus? Er ist allein ein Mensch, sondern der wahre, allmächtige, ewige Sohn GOttes, gleicher Majestät und Herrlichkeit, mit dem Vatter und dem H. Geist: du aber bist ein armer, elender sündiger Mensch, ja Teuffelsbeschwerer, und zauberischer Segensprecher. CHristus nun ist kommen in diese Welt, von unser armen Sünder wegen, hat zwar menschliche Natur an sich genommen, als der rechte versprochene Heiland und Seligmacher deß menschlichen Geschlechts, von dem Esaias: und andere Propheten weißgesaget: Es werde viel und grosse Wunderwerck [35] thun, darum so seynd seine Wort Göttliche Wort gewesen, da Er aus Göttlicher Krafft und Macht, auch laut seines sonderlichen Beruffs, die grosse und herrlichen Wunderzeichen gethan hat. Aber deine, als eines Segensprechers Wort, sind menschliche Wort, ohn und wider das Gebot GOttes, als die zu diesem zubrauchen, nit allein mit Gebot, sondern verbotten ist.

Daß aber die heiligen Apostel auch Wunderwerck gethan haben, so soll man wissen, daß sie dieselbigen auch laut ihres sonderlichen personlichen Beruffs, dadurch die Lehr deß heilsamen Evangelii zu bestättigen gethan haben. Zudem so haben auch die lieben Apostel, nicht für sich selbst aus eigener [55] Krafft (gleich wie auch nicht die heiligen Propheten im alten Testament) Macht und Kunst, und ihren eigenen, menschlichen Vermöglichkeit, solche Wunderwerck gethan, sondern sie seynd nur Diener gewesen, Instrument und Werckzeug durch welche Er, der HErr selber, solche grosse Wunderwerck, und Wunzeichen gethan und bewiesen hat: wie denn solches der[Rand: Marc. 16.] Evangelist Marcus am letzten deutlich anzeigt und zu verstehen gibt. Der HErr, spricht er, würcket mit ihnen, und bekräfftiget das Wort durch mitfolgende Zeichen. Von Wunderzeichen aber, beydes Christi unsers HErrn und der lieben Aposteln, ist hie nicht Noht noch Gelegenheit, nach der Läng zuhandeln. Die zauberischen Segensprecher, haben keinen Befehl, nach sonderlichen Beruff, könnens auch nicht aus ihnen selber, und der gesprochenen Worten Krafft thun, sondern der leidige Sa[36]tan, durch die Verhängniß GOttes, hilfft und thut alles, wie hie oben angezeigt.

[Rand: 9. Gegenwurff.] Die neundte Einred. Hat doch GOtt der HErr selber alle Ding in der Erschaffung der Welt, Himmels, Erden, und was darinn, gesegnet, wie Genesis am ersten zu sehen ist.

[Rand: Antwort] Antwort: Wahr ist es, der allmächtige, ewige GOTT, hat alle Ding gesegnet, welche Göttliche Benediction noch heutieges Tags, und bis an das End der Welt kräfftig und würcklich ist, bleibt, und bleiben wird, daß alles und jedes, vom gütigen GOtt dem Menschen zu gut erschaffen, sich mehret, seine Frücht und Nutzen reichlich erzeigt, und bringet wie jährlich an und in allen Thieren, Creaturen der lieben Erden, Bäum, und Gewächs, Laub und Gras, augenscheinlich zu sehen, und bedarff keines andern Weihen, Segnens, weder zur rechten noch zur lincken Hand nicht mehr, sondern es heisset, was der HErr einmal gesegnet hat, wird in Ewigkeit gesegnet bleiben.

Zudem so heisset und ist dein Segnen nit Benedicere, sondern vielmehr Incantare et Impie Consecrare, beschwören, und mit gottlosen Segensprechen bezauberen, darum das der zauberisch Madensack thut, hat gar kein Vergleichung, noch auch Gemeinschaft mit der kräfftigen allmächtigen und noch heut beständigen und währenden Benediction GOttes deß HErrn. Aber von diesem gnug.

[56] [Rand: 10. Gegenwurff von heidnischen Aberglauben.] Die zehende Einred. Es werden auch, lieber Christ, viel heidnische, aberglaubige Ding, von den zauberischen Segensprechern, und denen jenigen, die mit ihnen zu schicken und zu schaffen [37 3] haben, auf die Bahn gebracht, und angezogen, damit sie sich unterstehen zu erhalten oder beyzubringen, daß die gesprochene Wort, ihre Krafft und Würckung haben. Als von Glückwünschung eines guten Jahrs, vom Zusprechen wenn. eins Niessen (Singultare) pflegt. Item, wenn man von einem sage, so klingen ihm die Ohren, etc. und anders mehr, welches Plinius im 28. B. im 2. Cap. nach Läng erzählet. Aber diese miteinander, seynd heidnische Aberglauben, noch von der heidnischen, aberglaubigen Antiquität übergebliebene alten Weiber Mährlein, wie denn Plinius selber ein Heid, auch heidnisch von dieser, und andere Sachen schreibt.[Rand: Vide Plinium lib. 28. cap. 2.] Darum solche heidnische, aberglaubige, lächerliche Argumenta ridenda potius, quam refellenda sunt: Wie jener Kirchenlehrer redet, das ist, sollen vielmehr verlachet, denn widerlegt werden, denn daß soll bey den Christen ein gewisse Regel seyn und gehalten werden, daß die gesprochene Wort solche Krafft und Würckung nicht haben, welche die Teuffelsbeschwörer, und zauberischen Segensprecher darinn suchen, sondern der leidige Satan der braucht sich also Wort, und anderer Mittel auch, damit er sein Zauberey desto besser schmucken, und hübschere Farb anstreichen könne, die Leut zu bezaubern, daß sie tausend Eid verschwüren, es wäre recht Göttlich und gut.


[Rand: 11. Gegenwurff von Un terlassung der Straff.] Zum letzten, wenn es so unrecht und ungöttlich wäre, mit Beschweren und Segensprechen umgehen, so wirds die Obrigkeit auch verbieten und straffen, nun verbeut mans nicht, darum so kan es nicht so eine grosse Sünd seyn.

[Rand: Antwort] Antwort: Daß die Obrigkeit solche Zauberey-Sünd nicht verbeut und straffet, da schlag Bley zu, es ist schwer, wie man spricht, es gehen viel schwer, und grosse greuliche [38] Sünd in der Welt, von den Obrigkeiten hin und wieder, als Hurerey, Ehebruch, Fressen, Sauffen, etc. ungestrafft fürüber, wolten darum solches nicht Sünd seyn, weil die Obrigkeit, die an GOttes Statt sitzet, ihrem tragenden befohlenen Amt, nach Göttlichem Gesetz, Gebot und Verbot, auch den geschriebenen[57] [Rand: Regi.] Käiserlichen Rechten, in guten Policeyschen burgerlicher Ordnung und Erbarkeit, wider GOtt und ihren eigenen Gewissen, nicht gnug thut, nachkommet, noch auswartet, das sey fern.

Damit aber eine gottselige, GOttes und seines heiligen Worts liebhabende Obrigkeit, weß und was sie sich zu halten, wissens haben möge, will ich einen guten kurtzen und gegründten Bericht oder Bescheid geben: Gottes Wort lehret ausdrücklich daß die Obrigkeit die Zauberer straffen solle, und schuldig sey, die Zauberer solt du nicht leben lassen.

Darnach ist zu wissen, das etliche mit der Zauberey-Sünd behafft,[Rand: Zauberer an Leib und Leben zu straffen.] an Leib und Leben gestrafft sollen werden, nemlich alle die, welche sich mit dem Teuffel verbunden, ein Bündniß und Gelübd machen und versprechen, es sey Frauen oder Manns Namen, GOtt gebe wie sie insonderheit genennt werden, Zauberer, Wahrsager, Schwartzkünstler, Teufels-Beschwerer, Hexen, Unholden, daß aber solche an Leib und Leben gestrafft sollen werden, wird bewiesen aus folgenden Ursachen.

[Rand: 1.] Erstlich, von wegen deß Göttlichen Recht-Gesetz, und Befehl GOttes,[Rand: 2.] Exod. 22. und Lev. 20. darnach von wegen der Käiserlichen geschriebenen Rechten, in Codice 1. 9. Tit. 18. L. Imperator ad populum, welches will,[Rand: 3.] daß sie getödtet sollen werden. Letztlich, dieweil sie von GOtt dem Allmächtigen abfallen, meineidiger treuloser Meinung, wider das Gelübd im H. Sacrament der Tauff gethan, da sie dem Teuffel und allen seinen Wercken widersagt, sich mit dem Teuffel in ein Bündniß einlassen, verlaugnen also Gott und ihren Christlichen Glauben, und ergeben sich an den leidigen Satan, und ob gleichwol sie für sich selbst nichts können, etc. (Denn der Teuffel selbst, wenn und Weis, auch wie lang ihms Gott verhengt, thut alles) jedoch so vermeinen sie, aus grossem verbitterten Neid, und Begierd Schaden zuzufügen, sie könnens und vermögens, ist aber nur Dementatio Diabolica, so eine teuflische Verblendung und Bezauberung.[Rand: Etliche nichtam Leben, sondern mit andern Straffen gezüchtiget zu werden.] Et[39]liche aber mit der Zauberey-Sünd behafft, soll man mit ernstlichen Vermahnungen, Gebot und Verbot, Gefängnissen und Geld straffen. Item, wenn sie nicht abstehen und darvon lassen wolten, mit andern harten und herbern Straffen, zum Gehorsam getrieben werden: als da seynd die mit Segen umgehen, und andern aberglaubischen Dingen, sagen sie seyen nicht Zauberer, noch Teuffels-Beschwerer, sondern sie haben die Segen von ehrlichen Leuten, und alle die jenigen die bey den Zauberern, Teuffels-Beschwerern, Segensprechern, Wahrsagern, um Hülff und Raht ansuchen und an begehren thun. Und ob schon sie ungestrafft von der weltlichen Obrigkeiten bleiben, so wird nicht ausbleiben, das der HErr drohet: Er wolle sein Angesicht wider solche setzen, und sie aus ihrem Volck rotten, wenn sie nicht abstehen und darvon lassen, und GOtt um Verzeihung anruffen, so wird Er sie hie zeitlich und dort ewig straffen.

[58] Beschluß.

Also hast du nun frommer Christ, diesen gantzen Handel, von dem zauberischen Beschweren und Segensprechen. Erstlich, was Beschweren und Segensprechen heisse oder sey. Darnach wie es unrecht, ein Greuel vor GOtt, und Zauberey Sünde sey. Letztlich, Verantwortung, Ableinung, und Widerlegung der Argumenten und Gegenwurffen, oder Einreden, damit man solches zauberisch Segensprechen, als für Recht und Göttlich vertheidigen, und zu beschönen sich unterstehe, alles auf das einfältigst und kurtzest, aber verhofflich gründlichst, zusammen beschrieben. Wer ihm nun will helfen und rahten lassen, wird er leichtlich aus diesem gethanen Unterricht, und Christlichen, treuen guthertzigen Vermahnungen, und Warnungen lernen und abnehmen können, was von dieser gemeinen und in aller Welt gebräuchlichen Zauberey-Sünd, nemlich Segensprechen zu halten sey, und daß ein jeglicher Christglaubiger Mensch, bey Verlierung der Gnaden Gottes, deß ewigen Lebens, ja Verlust seiner armen Seelen Heil und Seligkeit, der Zauberey-Sünd, und dieses gottlosen Segensprechen müssig stehen, und sich darfür als vor dem Teuffel selbst verhüten solle. Wenn aber einem entweder an seinem eigenen Leib, oder der Seinigen, als Kinder, oder den unvernünfftigen Thieren, ein Schad [40] oder Kranckheit zustieß oder widerfähret; so solle er zu Gemüt führen, und wol bedencken, das solches durch den Willen GOttes deß Allmächtigen, und seine gnädige Verhängniß geschehe, entweder zur Straff und Erinnerung unsers sündlichen Lebens, oder aber zur Prob und Erfahrung unsers Glaubens, Hoffnung und Gedult, oder aber zu Glori deß Namens Gottes, etc. und andern dergleichen Ursachen wegen, darum er sich alsobald mit einem glaubigen Hertzen, und inbrünstigem Gebet zu Gott im Namen Christi um Hülff, Raht, Trost, und endliche Errettung und Entledigung, oder Abhelffung solcher Beschwerden lauffen, und verfügen solle, daß Er gnädiglich nach seinem Göttlichen Willen, laut seiner Zusagung helffen wolle. Darnach soll man sich der natürlichen, ordentlichen, von GOtt selber darzu verordneten Mittel zur Artzney, und Raht deß Artzes, in allweg gebrauchen, und darnach die Sach im Namen Gottes walten lassen, sie GOtt befehlen, und Ihn bitten, daß Er das Gedeyen darzu geben wölle, so wird Ers, trau ihm nur darum, wie es an Leib und Seel am besten und nutzesten seyn wird, als unser treuer Gott und Vatter, vätterlich und wol schicken.

Der allmächtige, ewige, gütige GOtt und Vatter, unsers HErrn JEsu CHristi, wolle uns allen durch seinen lieben Sohn Christum, samt dem [59] H. Geist, die Gnad und Gab gnädiglich verleihen und geben, damit wir von dieser schweren Zauberey-Sünd, und allen andern Sünden und Laster abstehen und ablassen, und uns beyds in Religions- und Glaubenssachen, und zu äusserlichem Wandel dieses Lebens, als rechte Christen, und gehorsame, gefällige Kinder deß himmlischen Vatters, nach der wahren, reinen, Göttlichen, und einig seligmachenden Lehr, deß heiligen Evangelii, und Wort GOttes, halten, erzeigen und leben, nach diesem arbeitseligen Jammerthal, das ewige Leben ererben und besitzen mögen, und das alles durch und von wegen deß bittern Leidens, Sterbens und Blutvergiessens, unsers liebsten HErrn und einigen Seligmachers JEsu CHristi, welchem mit GOtt dem Vatter, samt dem H. Geist, ewigen, wahren, einigen GOtt, sey Lob, Ehr und Preis in Ewigkeit Amen.

Fußnoten

1 ? zun.

2 ? gewesen.

3 39 statt 37.

Erster Theil

Das 1. Capitel
Erstes Capitel.
Wie Johannes Faustus, als er zu Ingolstadt studiret, durch böser Gesellschafft Verführung, mit aberglaubischen Characteren, und teuffelischen Beschwerungen, umgangen sey.

Johannes Faustus, ist gebürtig gewesen, aus der Grafschafft Anhalt, (nicht zu Roda bey Weinmar gelegen, wie sich der Author hierinn, in der vor diesem gedruckten D. Fausti Historia, verstossen) und haben seine Eltern gewohnet in dem Marckt oder Flecken, Sondwedel: Diese waren nun arme fromme Bauersleute. Er hatte aber einen wolbegüterten Vettern zu Wittenberg, welcher seines Vattern Bruder gewesen, derselbe hatte keine Leibes-Erben, darum er denn diesen seinen jungen Vettern, Johannem Faustum, welchen er von wegen seines fähigen Kopffs, und guten Ingenii zu sich genommen, an Kindes Statt aufer zo[2]gen, und zur Schul fleissig gehalten; da er denn mit zunehmenden Alter so wol zugenommen, daß er von da auf die Hohe Schul zu Ingolstadt verschickt worden. Als er nun daselbst in seinen Studiis solcher Gestalt zuname, daß er endlich tüchtig erfunden wurde, den Titul eines Magistri zu erlangen, erhielte er solchen mit gutem Lobe, nebenst eilff andern. Ob welchem Beginnen und Wolverhalten denn sein Vetter zu Wittenberg nicht geringe Freude empfunden, nicht minder auch, wie leichtlich zu glauben, seine Eltern; welche [61] auch beederseits, sonderlich der Vetter zu Wittenberg, nicht wenige Unkosten darauf gehen liessen, der Hoffnung, daß sie dermaleins an ihm, als einem Geistlichen, (denn auf dieses Studium solte er sich einig und alleine begeben) Ehre und Freud erleben wolten.

Damals aber, als vor Lutheri sel. Reformation, da das alte Päpstliche Wesen annoch überall, im Schwang ware, und man hin und wieder viel Segensprechen, exorciren und Teuffelsbannen, und ander aberglaubisches Thun triebe, beliebte auch solches dem Fausto sehr wol. Weiln er denn zu böser und gleichgesinneter Gesellschafft, ja an solche Bursch geriehte, welche mit dergleichen aberglaubischen Characteren oder Zeichen-Schrifften umgiengen, die Studia aber auf die Seiten setzeten, ware er gar bald zur Folge gebracht, und verführet. Zu diesem kame noch dieses, daß er sich zu denen damaligen umschweiffenden Zigeunern fleissig hielte, und von ihnen die Chiromantiam, wie man nemlich aus den Händen wahrsagen oder weissagen möge, erlernete; ingleichen gebrauchte er auch an hohen Festtägen, wenn die Sonn Morgends [3] frühe aufgienge, daß so genannte crepusculum matutinum, und andere aberglaubische Sachen mehr.

Als er nun in diesen Dingen gantz und gar ersoffen war, und sich also den Teuffel gar liesse verleiten, setzte er sein bisher getriebenes Studium Theologicum beyseits, legte sich mit Fleiß auf die Artzney-Kunst, und unter solchem Vorwand befleissigte er sich zu erforschen den Himmelslauff, lernete Nativität-stellen, und den Leuten, was sie von ihrer Geburts-Zeit an, für Glück und Unglück erleben solten, u.s.f. verkündigen: nach und nach ward er ein guter Prognosticant, und wuste mit Calender oder Almanach schreiben wol umzugehen.

Welches alles denn seinen gewissen Weg gehabt hätte, wenn er nicht dessen vielfältig gemißbrauchet, und darinnen zu fern gegangen wäre. Es ließ es aber darbey nicht verbleiben, sondern kam gar auf die Beschwörungen der Geister, welchen er dergestalt nachgrübelte, und darinnen dermassen zunahme, daß ihme etliche anhiengen und zuschlugen.

Alldieweiln er sich nun bey seinen Eltern und Vettern [62] zu Wittenberg nothwendig entschuldigen, und ihnen anzeigen muste, aus was Ursachen er von dem Studio Theologico abgelassen hätte, wandte er unter andern ein, daß ihm die Medicina und Astronomia viel eher und besser, als zu welchen er gleichsam von Natur geneiget wäre, eingiengen, weder die Theologia, u.s.w. Er brachte auch von der Universität zu Ingolstadt, ein gutes Zeugniß und Testimonium, seines bisherigen Studirens, aus; darum muste es auch sein Vetter ein gutes [4] Werck seyn lassen, war ihm also darzu in allem behülfflich, daß er nach dreyen Jahren den gradum Doct. in Medicina erlangte: (welches aber Herr Freudius, in den Gewissens-Fragen von Zaub. p. 265. nicht glauben noch zugeben will.)

Anmerckung.

I. Aus Bisherigem hat die liebe studirende Jugend erstlich zu lernen, wenn ihnen GOTT der HERR feine Ingenia, und guten Verstand verliehen, daß sie sollen bedencken, solches sey eine grosse Gabe und Gnade GOttes, solche auch nicht liderlich versäumen, verderben lassen, noch mißbrauchen; daß sie nicht gleich werden einem ungebaueten Acker, der keine Früchte bringet, sondern nur Unkraut, Distel und Dornen heget, deß Poeten Worten nach l. 5. de Trist.


Adde quod ingenium longa rubigine laesum

torpet, et est multo, quam fuit ante, minus.

Fertilis assiduo si non renovetur aratro,

Nil nisi cum spinis gramen habebit ager.


Und so denn ferner die Eltern mit ihrem Fleiß, und Aufwendung der Unkosten, damit sie um so viel besser studiren mögen, viel darauf gehen lassen, daß sie auch solches erkennen, das Ihrige thun, und alles zu GOttes Ehren anwenden sollen: sonderlich aber sich für groben wissentlichen Sünden und Lastern hüten, und die Gelegenheit zu sündigen bestes Fleisses vermeiden. Daher Anna Römers in ihren Sinn-Poppen zu mahlen pflegen einen Damm zwischen zweyen Wassern, welcher mit einem Schlagbaum verwahret stunde, mit dieser Uberschrifft: Principiis obsta verhüte den Anfang, oder Eingang: verstehend, daß die Sünde alsdenn vermeidet werde, wenn man derselben Gelegenheit aus dem Wege gehet; und spricht der Poet gar recht:


Du kanst dich der Sünden Leid,

meidend die Gelegenheit,

leicht entziehen.

[63]

Tritst du auf der Laster Bahn,

so gelangst du Höllen an

in dem Fliehen.


[5] II. Vor allen Dingen aber, sich für böser verführischer Gesellschafft hüten, nach dem tausendmal wahrgemachten Wort: Wer sich zu rechten Leuten gesellet, dem gehet es auch recht. Es ist eben wenn sich der Wolff zum Schaf gesellet, als wenn ein Gottloser sich zum Frommen gesellet, sagt der Tugendlehrer Sirach, im 13. Capitel, und der weise Salomon, in seinen Sprüchen im 1. 4. 6. 20. und 29. Cap. redet auch von der bösen verführischen Gesellschafft gar vernünfftig, da er unter andern also Warnungsweise lehret: Mein Kind, wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht, komme nicht auf der Gottlosen Pfad, und tritt nicht auf den Weg der Bösen: Lasse ihn fahren, gehe nicht darinnen, weich von ihm, und gehe vorüber, denn sie schlaffen nicht, sie haben denn Schaden gethan, und sie ruhen nicht, sie haben denn Ubels gethan.

Denn es pflegt also zuergehen, daß böse Geschwätze gute Sitten verderben, 1. Cor. 15. v. 34. und böse Exempel verführen und verderben einem das Gute, Sap. 4. v. 12. Ein räudiges Schaf kan andere mehr anstecken; bey den Verkehrten wird man verkehrt; stehet das Schaf neben dem Wolff, so stehets in grosser Gefahr; liegt Stroh und Flachs nahe beym Feuer, so wirds leichtlich angezündet: Sic enim habet rerum natura, ut quoties bonus malo conjungitur, non ex bono malus melioretur, sed ex malo bonus contaminetur, sagt der alte Kirchenlehrer Chrysostomus, in Math. Das ist: In der Welt gehets so zu, daß wenn ein Frommer, mit einem Bösen umgehet, so wird von dem Frommen der Böse nicht gebessert, sondern von dem Bösen wird der Fromme angestecket und verderbet.


III. Zum dritten, drohet GOtt der HErr in seinem Wort und Gesetze, den jenigen, die sich durch böse Gesellschaft, oder anderwärtige Verursachung, zur Zauberey und Segensprechen verführen lassen, beydes den zeitlichen und denn auch dem 1 ewigen Todt.

So viel den zeitlichen Todt betrifft, saget zwar die Heilige Schrifft an vielen Orten, daß man die Zauberer und Zauberinne solle tödten und ausrotten, als Exodi 22. Levitic. 20. und Michæ im 5. zu lesen. Beym Propheten Jesaia drohet GOtt der HErr dem grossen Babylon, und meldet, er wolle sie lassen umkehren, um ihrer Zauberey willen. Und im 47. Cap. erstgedachtes Propheten, erzürnet er über die Israeliten [64] der massen, da sie mit Weissagern und Zauberern umgiengen, daß er befihlet, man solle sie von seinem Angesicht hinweg thun: Massen [6] denn von allen hernach nichts mehr als der einige Stamm Juda überbliebe, 2. Reg. 21.

Plutarchus schreibet von den Persern, daß die Zauberer bey ihnen aufs greulichste seyen hingerichtet worden, als die ihnen die Köpffe zwischen zweien Steinen zerstossen, Carpzov. qu. Crimin.

Die Römer haben die Zauberer, Valerii Maximi Zeugniß nach l. 6. c. 3. theils den Thieren vorgeworffen, theils gecreutziget, theils verbrennet, theils von den Felsen herunter gestürtzet, theils auch und zwar die geringsten enthauptet.

Und bezeugen sowol die Historien, als die Exempel so sich zugetragen, daß wenn gleich zu weilen die Obrigkeit hat verschonen wollen, und also ihr Amt hierinnen nicht gethan und verrichtet, daß der Teuffel selbst zum Hencker an ihnen worden.

In der Peinlichen Hals-Gerichts-Ordnung Käiser Caroli V. im 109. Articul stehen diese Wort: So jemand den Leuten durch Zauberey Schaden oder Nachtheil zugefüget, soll man ihn straffen vom Leben zum Tod, und man soll solche Straff mit dem Feuer thun.

Und obwol gleich darauf diese Wort gesetzet folgen: Wo aber jemand Zauberey gebrauchet, und darmit niemand Schaden gethan hätte, soll sonsten gestrafft werden nach Gelegenheit der Sachen, so ist doch gewißlich solches dahin zuverstehen, wofern die Hexen oder Zauberer keinen ausdrücklichen oder heimlichen Pact mit dem Teuffel gemacht, von GOtt abgefallen, und dem Teuffel sich mit Leib und Seele zu eigen gegeben: Denn wenn dieses geschehen: So, sollen und müssen sie nichts desto weniger, wo sie auch schon sonsten niemand, weder an Menschen noch Viehe, Schaden zugefüget, am Leben gestraffet werden, D. Carpsov. 1. qu. Crim. 49. n. 7.

Es haben sich zwar Leute gefunden, die diese Straffen der Zauberey für unbillich und unrecht gehalten, immassen Bodinus zweyer Geistlichen gedencket, deren der eine Wilhelmus Luranus, Theologiæ Doctor, der andre aber Montanus geheissen, die diese Straffen für unrecht gehalten, und vorgegeben, es sey nur eine Fabel und Gedicht, was man von den Zauberern und Hexen sage, und sey gar zu grausam und blutgierig gehandelt, wenn man sie zum Todt verdamme. Dieses haben sie aber darum gethan, weil sie beyde selbsten Zauberer, Exoristen und Teuffelsbanner gewesen; denn der eine, nemlich [7] Wilhelmus Luranus, ist hernach zu Poictirs in Franckreich, wegen seiner Zauberey, zum Todt verdamt worden, und hat selbsten bekennet, daß er in seinem mit dem Satan aufgerichteten Bund, GOtt abgesaget, [65] und dargegen dem Teuffel versprochen, zu predigen, daß alles was man von Zauberey und Hexen sage, lauter Fabelwerck und Gedicht wäre, und daß es unrecht und blutdürstig gehandelt, wenn die Obrigkeit sie zum Todt verdamme. Wordurch er es auch dahin gebracht, daß die Abstraffung derselben eine Zeitlang unterlassen worden, und das Reich deß Teuffels, indem unterdessen der Hauff dieses seines Geschmeisses sich gemehret, gewaltig zugenommen hatte. Der andre aber, nemlich Montanus, ist ein Zauberer und berühmter Exorcist und Teuffels Austreiber gewesen, von welchem sich der Satan in den Besessenen vernemen lassen, er wolle keinem andern, als diesem Montano zugefallen ausfahren.

Andere, unter denen sonderlich Alciatus Ponzinibus und Wierus seynd, haben nicht nur mit offentlichen Schrifften, die Zauberer und Hexen, daß man sie nicht straffen solle, vertheidiget, sondern auch gar übel und fast lästerlich von der Obrigkeit geredet, und sie Schinder und Hencker genennet, die sie am Leben abgestrafft haben. Es hat aber bey diesen das Ansehen gehabt, daß sie mehr dem Teuffel zugefallen, und daß sein Reich möchte gemehret werden, haben reden, als für GOttes Ehre, der Menschen Wolfahrt, und die Administration der Gerechtigkeit, streiten wollen.

Darnach straffet auch GOtt die Zauberey mit dem ewigen Todt: Denn S. Paulus zählet sie in seiner Epistel an die Galater im 5. unter die Wercke deß Fleisches, und saget, daß die solches thun, dieselben das Reich GOttes nicht ererben werden. Und im 21. Capitel der hohen Offenbarung, schreibet Johannes der Theologus, daß der Zauber und Abgötter Theil seyn werde in dem Pful der mit Feuer und Schwefel brennet, welches ist der andere Todt.


IV. Man sihet letzlich am D. Fausto allhie, wie diese grosse Sünde der Schwartzkünstlerey bey ihm einen so gar geringen und kleinen Anfang gehabt.

Solches ist auch deß Teuffels Weise, die er beständig pfleget zu halten, wenn er die Leute zu verführen und in das Verderben zu stürtzen sich hat unterstanden; denn er giebet den Sachen, so an sich selbst geringe und schlecht zu seyn sich ansehen lassen, einen feinen Schein und Anstrich, als daß er sie [8] erstlich lehret segnen und büssen, und darbey GOttes Namen und Wort gebrauchen: Wenn er nun die verblendeten sichern Leute darmit bethöret und eingenommmen, daß sie vermeinen und auch glauben, solches seye ja keine Sünde, alldieweilen ja GOttes Wort darbey geführet werde, u.s.w. so gehet er denn weiter per gradus und gleichsam staffelweise, machet sie vorwitzig, daß sie zukünfftige Dinge zu wissen begehren: So sie auch hierinnen etwas ergriffen und fundiret seynd, stürtzet er sie gar, ehe sie es vermeinen, in das verdamliche Zauber-Wesen bis über die Ohren hinein.

Fußnoten

1 ? den.

Das 2. Capitel
[67] Das andere Capitel.
Wie D. Faustus durch Wolleben und Müssiggang zur Zauberkunst ist verursacht worden.

WEiln nun D. Faustus solchem teuffelischen Wesen, durch obbemeldte Veranleitung, sich so gar ergeben, hat er diesem je mehr und mehr nachgedacht, hat dabey GOtt und seines Worts vergessen; und weiln er durch den Tod seines Vettern zu Wittenberg, zu einem Erben zimlicher Verlassenschafft eingesetzt und gemacht worden, hat er daselbst bald seines gleichen Gesellschafft gefunden: bey welcher Gelegenheit er sich denn also umgewendet und verkehret, daß er von dieser Zeit an, wie von ihm ein Theologus zeuget, der damals um ihn gewesen, nimmer viel nüchtern gewesen, ja zu allem fast unlustig und verdrüssig worden. Und obwol, weiln die Baarschafft deß Vettern, wegen täglichen Fressens, Sauffens, Spielens, in Abnahme gerahten, er sich in etwas der Gesellschafft entschlagen, und sich innen gehalten hat, so ist er doch darum bey solchem Otio und Müssiggang nicht so viel besser geworden, sondern hat deme stetigs nachgesonnen, und getrachtet, wie er anderer Gesellschafft, [9] nemlich der Teuffel und bösen Geister Kundschafft, und durch solcher Hülffe, zeitliche Freude und tägliches Wolleben, möchte überkommen und erlangen: Welches er denn auch erlanget, und mehr als zu viel überkommen, allermassen aus der Continuation und Fortsetzung der Histori mit Mehrerm zu vernehmen sein wird.

Anmerckung.

I. Es bezeugets leider! die tägliche Erfahrung, wie es öffters so gar übel mit jungen Leuten, so diese auf Universitäten oder an andere fremde Ort, etwas redliches zu lernen und zu erfahren, verschicket werden, gerathe und ausschlage, ob sie schon von ihren lieben Eltern gantz treulich gemeinet, auch mit aller Nothdurfft vätterlich versorget und versehen werden, bevorab wenn sie nunmehr daselbst ihres freyen Willens leben, und keiner Aufsicht unterworffen seynd; da es denn bey ihnen heisset: quod libet, licet: Worzu auch manchmal die Eltern selbst, sonderlich die Mütter, stattlich helffen, und eine Ursach ihres Verderbens seynd, wenn sie den Söhnen einen Wexel über den andern zu [67] machen, sie noch darbey erinnern, sich dem Stande, dem Vermögen nach, zu halten, und vor andern sich hervor zuthun, u.s.f. Da sie denn an Statt der Bücher, die Damen aufgeblättert, weilen genugsame Mittel hierzu verhanden, wie etliche lebendige Exempel könnten beygebracht werden, mit denen es alsdenn schlecht ist abgelauffen, so es vonnöthen wäre, sed Exempla sunt odiosa: Und wer heutiges Tags auf der Paßgeigen die Warheit streichen will, dem schlägt man den Fiedelbogen auf den Kopff.

Auff einer hohen Schul in Flandern hat ein solcher jun ger Student, von Geldern bürtig, die Gesetze studiren, und ein Rechtsgelehrter werden sollen, in dem Alter, welches den Gesetzen nicht will unterworffen seyn, und keinem Recht Statt geben.

Dieser Apion, weilen er nun genugsame Mittel von den Eltern erlangte, verwendete solche mehrentheils auf Amee, seiner Wirthin Tochter, die er an Statt der Bücher sehr liebte; und weil er der Jungfrauen Willen nach und nach gewonnen, sich auch mit einem Eheversprechen mit ihr eingelassen, hat er [10] gegenwärtig erhalten, was beyde lang hernach zu spat bereuet. Es war ihnen leicht ihrer Mutter Augen zu blenden, welche ihrer Tochter getrauet, und ihrem Hauswesen abgewartet. Beyde waren unter einer Bedachung, und machten es wie die Karten, wenn sie bey Tags lang miteinander gestritten, so liegen sie deß Nacht beysammen.

Caride ihre Magd verweist der Amee ihre Ungebühr, mit Bedrohen sie zuverrahten. Was kan aber das Silber nicht? Apion verehret sie so reichlich, daß sie ihnen zu ihren 1 böslichen Leben hülffliche Hand bietet, so starck sie ist.

Dieses Gewerb liesse sich nicht lange ohne Gewinn treiben, und gabe Apion der Amee so viel zu trincken, daß sie die Jungfräuliche Wassersucht bekommet, und schwanger wird. Apion aber, so bald er vermerckt, daß diese Sache einen gefährlichen Ausbruch nemen möchte, ziehet er heimlich darvon, und vergisset alles gethanen Versprechens, welches gleich gewesen einem Steinmetzen-Gerüst, das er wieder abbricht, wenn der Schwibbogen ausgemauret ist. Apion kommt nach Haus, und lässet es mit Amee gehen wie es kan.

Was diese verlassene Ariadne für Klagen geführet, ist leichtlich zu erachten. Sie hätt sich ihren Augen gerne verborgen, Gifft genommen, und sich in einen Brunnen gestürtzet, wenn Caride solches nicht verhütet hätte, welche sie getröstet, daß Apion wieder kommen, und sie nicht in Schanden lassen würde.

[68] Die Mutter konte ihr aus Apions Flucht, und ihrer Tochter Traurigkeit leichtlich die Rechnung machen, wie es unter ihnen zugegangen, und kommet in Erfahrung, daß ihre Beysorge leider wahr, und viel zu spat eingewendet. Caride verspricht sie wolle Apion sein Kind bringen, man soll es nur verschwiegen halten; welches denn wiederum ein kleiner Trost war für Amee.

Sie kommt darnider, bringet eine Tochter zur Welt, und hatte Amee und Caride die Abrede genommen, das Kind zu erstechen und in dem Garten unter einen Baum zu begraben, wie denn auch geschehen. Die Mutter aber wuste nicht anderst, als daß Apion das Kind ziehen liesse und wiederkommen würde, die Geschwächte zu freien. Apion aber war in Teutschland verreiset.

Nach zwey gantzen Jahren, ziehet diese Mutter mit ihrer Tochter aus dem Hause, und ein anderer bestehet es, der den [11] Garten lässet umarbeiten, und wird der Amee Kind gefunden, so frisch und unverwesen, als wenn es vor zweyen und dreyen Tagen begraben worden wäre. Es wird Amee mit ihrer Mutter in das Haus beruffen, und so bald sie deß Kindleins ansichtig wird, fängt sie an zu erblassen, ihr Hertz zu beben, und alle Glieder zu zittern; der kleine Leichnam aber durch die Nase, Augen und den Mund zu bluten 2.

Der Obrigkeit kunte dieses nicht verborgen seyn, und war die gantze Nachbarschafft bey solchen zugegen. Hierüber wird die Mutter und Tochter in Verhafft ge nommen, und nach Entdeckung dieses Meuchel- und Kinder-Mords, die Caride auch eingezogen, und diesen beyden die Häupter für die Füsse gelegt, die Mutter aber, weil sie ihrer Tochter nicht besser gehütet, der Stadt verwiesen. Dn. Harsdörfer im 1. Theil deß grossen Schauplatzes Jämmerlicher Mordgeschichte, Hist. 24. 3


II. Nicht ohne Ursach aber wird der Müssigang ein Hauptküssen deß Satans genennet, alldieweil aus solchem, als aus einer bösen Wurtzel, viel Sünde, Schand und Laster hervorsprossen mögen: Otia dant vitia, Müssigang bringet Laster mit sich. Item, homines nihil agendo male agere discunt, durch nichts thun, lernet man nur Böses thun.

Es fragte einer einsmals den tapffern Fürsten Cleomenem, warum doch die Spartaner nicht hätten die Argiver, als ihre Todtfeinde, bey jüngster Gelegenheit und gehaltenem Treffen, gäntzlich vertilget und ausgereutet? Hierauf sprach der Fürst: Das solten wir uns nicht wünschen, daß sie gar ausgerottet wären; denn wir müssen jemand haben, daran sich unsere Jugend zu üben und zu gebrauchen habe. Perspexerat [69] scil. Egregius Dux, sagt Erasmus, corrumpi Juventutem Otio et luxu, malorum omnium magistris.

Dannenhero auch der Faustus, weiln er dem Müssiggang ergeben, und täglich in Wollüsten lebte, in deß Teuffels Kundschafft ist gerathen und kommen, da ihme doch als vor diesem einen gewesenen Theologo, bekandt gewesen seyn solte, was der H. Hieronymus spricht; Semper aliquid facito, ut te Diabolus non inveniat otiosum, das ist: Du solst immerdar etwas vorhaben, damit der Teuffel dich nicht müssig finde. Und Augustinus spricht, ad fratres in Eremo: quid Otium est? nisi vivi hominis sepultura; was ist doch der Müssiggang anders, denn eine Vergrabung und Einscharrung eines lebendigen Menschens?

[12] Mancher siehet das tägliche Wolleben, Fressen und Sauffen, Schlemmen und Demmen von Jugend auf in seiner Eltern Haus, gewehnet sich daran, und lernets bey Zeiten, hält sich zu leichtfertiger, liederlicher, versoffener Gesellschafft, stielet ab was er kan und mag, und trägt solches nasser Bursche zu, oder aber, er ist sein selbst nicht mächtig, er versetzet und verpfändet alles, damit er nur zu Sauffen habe, wie es solcher heillosen Leute aller Orten viel giebt: Wenn aber zu letzt nichts mehr vorhanden ist, und man dem Schnabel soll abbrechen, so fällt man alsdenn in Kleinmütigkeit, und will verzagen. Da kommt denn etwa eine alte Hexe und gibt Raht, wie man die Sach soll angreiffen; oder es erscheinet wol der böse Geist selbst, und verheist einem solchen Menschen ein tägliches Wolleben, und das nimmet er denn gerne und willig an, begibt sich gar ins Teuffels Dienst, nur damit er deß verheissenen Wollebens immerdar, darzu ohne seine Mühe, geniessen möge.

Demnach so soll ein jeder Mensch, und sonderlich die Jugend, ihr Leben also anstellen, damit sie die Zeit und ihre junge Jahre, welche denn dahin fahren, wie das fliessende Wasser, und nimmermehr wiederkommen, nicht mit Müssiggehen zubringen.


III. Wenn auch der liebe GOtt, der selbsten am siebenden Tage von aller seiner Arbeit geruhet hat, einem in seinem Beruff und Stand etwas Ruhe gönnet, daß er zu Zeiten müssig seyn kan, denn wie der Poet saget:


Quod caret alterna requie, durabile non est,


Soll er solches Ocium nicht mißbrauchen, und nicht auf unehrliche und teuffelische, sondern nutzliche und erbauliche Sachen wenden; wie denn der weise Plato seine Schüler, wenn er von ihnen gegangen ist, hat pflegen zu ermahnen und zu sagen: Videte Pueri, ut Ocium in re quapiam honesta collocetis, meinete hiermit, sie solten ihre Zeit zu ehrlichen und nutzlichen Dingen gebrauchen und anwenden.

Fußnoten

1 ? ihrem.

2 Bahrrecht.

3 Harsdörfers buch ist Frankfurt 1650 erschienen.

Das 3. Capitel
[71] [13] Das dritte Capitel.
Wie D. Faustus sich einen Vorraht von allerhand Zauber-Schrifften und Büchern geschaffet, und darinnen mit grossem Ernst und Fleisse gestudiret hat.

Es hat sich, wie gemeldet, D. Faustus von der Gesellschafft, damit man es nicht anmercken solte, abgesondert, und einig und allein dahin getrachtet, wie er zu seinem Vorhaben möchte gelangen; weßwegen er hin und wieder bey leichtfertiger und seines gleichen Leuten allerhand teuffelische Bücher, aberglaubische Caracteres, Gottsvergessene Beschwörungen, u.s.f. zusammen geraffet, zum öfftern abgeschrieben, und sich vorsetzlich darinnen geübet: massen denn unter solchen viel Dinges beysammen nach seinem Tod gefunden worden, welches nicht allein Juden und Heiden von Zauberey geschrieben, sondern auch von Segensprechen, die Kranckheiten zu vertreiben, so damals, als noch im Papstthum, nicht ungemein war, wie dieser Tituli und Uberschrifften ausgewiesen: Als, Astrologici, von den Influentien und Einfluß deß Gestirns, und wie man künfftige Dinge, Glück und Unglück, dem Menschen daraus erforschen und verkündigen möge: Welches auch thun sollen die Chiromantici, da man nemlich aus den Linien der Hand dem Menschen künfftiges Glück oder Unglück, Kranckheit und anders mehr, pfleget zu verkündigen: Sortilegi, welche mit seltzamen Figuren und Characteren wunderbarliche und abentheurliche Dinge zuwegen bingen: Incantatorii, da man sich unterstehet den Teuffel zu beschwören, und zu überkommen; in wel[14]chem Stuck sich D. Faustus erstlich am allermeinsten geübet, als hernach folgen wird: Divinatorii, da man aus Göttlichen Wercken künfftige Dinge durch Hülffe deß Teuffels auslegen, und weissagen will: Pythonici und Necromantici oder Nigromantici, darinnen ist nemlich die gantze Kunst anzutreffen gewesen, wornach seinem Hertzen so lange Zeit verlanget hat, als, wie die Todten zu beruffen, wie Essen, Trincken, und anders mehr, leichtlich, obs schon unmüglich, und ausser der Zeit zu seyn scheine, zu überkommen: wie man die Teuffel in die Crystall, Gläser, Spiegel, Steine, Holtz, Wasser, und so [71] fortan, möge beschwören. Und was endlich mehr von dergleichen Büchern und Schrifften anzutreffen gewesen, als, Hydromantici, Geomantici, Pyromantici, Aëromantici, welche alle man, wie oben gemeldet nach seinem erschrecklichen Ende hat gefunden.

Anmerckung.

I. Zu wünschen wäre es, daß dergleichen schwartzkünstlerische, zauberische, Schrifften und Bücher nicht noch heutiges Tages gesehen würden, allein der Teuffel hat es leider dahin gebracht, daß deren viel und mancherley, in Teutscher und Lateinischer Sprach, mit erdichteten Namen heimlich umgetragen, und in hohen grossen Wehrt, gleich als ein Heiligthum, gehalten werden, nicht allein ihres Alters, als sonderlich der theuren Männer wegen, die sie gemachet haben sollen.

Denn sie geben vor (jedoch mit Unwahrheit) Adam, Enoch, Abraham, Salomon und Raziel, den sie Adams Engel nennen; ingleichen der Engel Raphael, der Tobiam die Geister vertreiben lehrte; wie auch der Engel Uriel, der Esram verborgene hohe Geheimniß gelehret, haben sie beschrieben: So unverschämt ist freylich der Teuffel, daß er nicht allein heilige Menschen, sondern auch die Engel im Himmel mit Lügen [15] belegen darff. Doch weil er sich in einen Engel deß Liechts zu mancher Zeit verstellet, und seine Boten, falsche Prediger, sich für Christi Apostel und Lehrer der Gerechtigkeit ausgeben: Ists kein Wunder, daß er seine Lügen mit schönen Namen zieret, und scheinbar machet, damit sie bey den Unglaubigen ein Ansehen erlangen und behalten.

Und diß seynd die Bücher, deren sich die Wahrsager, Beschwörer und Geisterbanner behelffen. Offentlich findet man feyl, in Lateinischer Sprach, drey Wunder-Bücher Hermetis, etliche Bücher Joh. Trithemii, der ein Abbt zu Spanheim, auf dem Hundsrück, weiland gewesen, von subtilen Geheimnissen, Steganographia intituli ret: (davon Carolus Bovillus schreibt, daß er ohngefehr bey einer Stunde darinnen gelesen habe, aber es sey ihm unterdessen ein solch Grauen ankommen, und die Haar zu Berge gestanden, daß ers von Stund an aus den Händen geworffen) item, ein Kunstbuch deß Mönchs Rabani Abbatis Fuldensis. Drey Zauber-Bücher Henrici Cornelii Agrippæ, (von denen Libavius im Bedencken von der Fama und Confession der Fraternität deß Rosen-Creutzes c. 7. also schreibt: Agrippæ Occulta Philosophia ist so angenehm, daß man sie verbotten hat, im Buchladen feyl (zu haben) und noch viel andere mehr.

In Teutscher Sprach seynd ebenmässig bekandt etliche Zauberey-Bücher, welche man fürwitziger Leute Nachfragens halber nicht [72] nennen mag. Zu welchen nicht gar unfüglich gezählet werden können etlicher Sibyllen Bücher, Traum-Bücher, Planeten-Bücher, und andere dergleichen, sonderlich auch diese, in welchen man vermeintlich lernet, wie der Menschen Sinn und Gemut, Glück und Unglück, gegenwärtig und zukunfftig zu erkennen, aus der Haar- und Augen-Farbe, an der Nasen, aus der Stimm und Sprach, bey den Lineamenten der Hände, der Stirn, am Gang, an der Grösse oder Kleine der Leibs-Glieder.

Dieser Schrifften und Bücher etliche lehren gründlich Zaubern; etliche lehrens zwar nicht so vollkommen, geben aber Ursach und Anleitung darzu, daß fürwitzige, müssige Leute, diesen und jenen natürlich unbekandten Dingen immermehr nachforschen: Dardurch denn dem Schwartzenmeister Thür und Thore aufgethan, freyer Zugang bereitet, ja wol er selbst dazu gelocket und beruffen wird. Derhalben nutzlich und rahtsam wäe, daß sie allesamt, es geschehe gleich aus freyem Willen oder [16] aus Zwang ausgeforschet, zusammen gebracht, und nach Inhalt der Käiserlichen Gesetze, mit Feuer öffentlich verbrennet würden, wie jene Zauber-Bücher zu Epheso, als zu lesen in der Apostel Geschichte im 19. v. 18. und diese, welche der Käiser Augustus verbrennen lassen, derer über zwey tausend, in Griechischer und Lateinischer Sprach beschrieben, gewesen, wie bey dem Suetonio davon zu lesen, in Augusto, c. 31.

Hätte dieses Ludwig Goffredus in Acht genommen, wäre er nicht sowol in das zeitliche Verderben (wegen öffentlicher Verbrennung seines Leibs, so geschehen Anno 1611. zu Marsilien in Franckreich) als vielmehr in das Ewige, der Seelen nach, gestürtzet worden, von welchem M. Zeiller, Theatr. Trag. Hist. 3. also schreibet:

In dem Frantzösischen Gebürge, nahend Grace, ist ein Dorff, so man Belvezer nennet, da ein Priester, Namens Peter Goffredy, wegen seines erbarn Lebens, für einen heiligen Mann gehalten worden. Dieser ließ seines Brudern Sohn, Ludwig Goffredus, etwas studiren, damit er ihme mit der Zeit, auf seiner kleinen Pfarr, nachfolgen könte. Und da er dem Todt nahend war, verschaffte er ihme auch seine Sachen und Bücher.

Als aber einstmals Abends dieser Ludwig deß verstorbenen Pfarrers Bücher durchsahe, fande er ein kleines geschriebenes Büchlein, darinn lauter Characteren und teuffelische Beschwörungen waren. Dieses Büchlein nun, wolte er Anfangs in das Feuer werffen: Bald aber reuete es ihm, und brachte ihn der Vorwitz so weit, daß er den Beelzebub beruffte. Dieser erscheint ihm alsobald in menschlicher Gestalt, und fragte ihn, warum er ihn aus seiner finstern Wohnung beruffen hab? Goffredus erschrickt Anfangs einwenig; gleichwol so fragt er den Teuffel, [73] wer er sey? Dieser vermeldet ihm, daß er der Fürst der gantzen Welt wäre, und daß er den Lufft, das Meer, die Erden, und die Hölle nach seinem Gefallen regiere: Wer sein Gebot thue, und sich ihm ergebe, den könne er vortrefflich machen in allem dem, so er von ihm begehre.

Goffredus sagt, dieses wäre wol gut, wenn nicht 1 nur einer nach dem Todt so erbärmlich in der Hölle geplaget würde. Du bist einfältig, antwortet der Teuffel, weil du dieses glaubest. Es seynd lauter Einbildungen und erdichtete Sachen, so man den Leuten, ihnen damit eine Furcht einzujagen, von uns ausgibt. Wer den Teuffel 2 dienet, der wird von ihnen stattlich wieder [17] belohnet. Wenn du denn dich auch mir ganz und gar ergeben willst, so will ich dir auf dieser Welt alles das geben, so du von mir begehren wirst, und nach deinem Tod, solst du der Vornemsten einer unter uns seyn. Goffredus wurd durch solche Zusag verblendet, und nam einen Tag zum Termin, sich darüber zu bedencken: Deß andern Tags aber in der Nacht widerholte er aus dem vorigen Büchlein seine Beschwörung, und erschiene ihm darauf der Teuffel in voriger Gestalt, und fragte ihn, ob er sich bedacht hätte? Ja, sagte Goffredus, ich will dein seyn, so fern du mir folgende drey Stücke versprichst: Als erstlich, daß du mich zu einen 3 der Vornehmsten und Ansehnlichsten unter allen Priestern deß Landes Provence in Franckreich machen. Zum andern, mich ohne Kranckheit und Unglück vier und dreissig Jahr in solcher Ehre leben lassen. Und zum dritten, mir zu wegen bringen wollest, daß ich von den Weibsbildern möge geliebet werden, und die jenige so ich begehre, zu meinen Diensten haben. Hergegen so übergib ich dir meinen Leib, meine Seel, und all mein Thun und Lassen. Der Accord wird getroffen, und schreibet Goffredus seinen Revers mit seinem eigenen Blut: Satan aber den seinigen mit seiner Hand, in welchem er aber an Statt der vier und dreyssig Jahr nur vierzehen setzet, und also dem Goffredus die Augen verblendet, daß er eins für drey lieset.

Ist also dieser Goffredus in die Zahl der Zauberer kommen, und unter denselben einer der Vornehmsten selbiger Zeit worden, einig und allein veranlasset hierzu durch Lesung obgedachtes geschriebenes Zauber-Büchleins, u.s.w.


II. Zum andern, möchte jemand fragen wollen, ob denn der Aberglaub für eine Zauberey-Sünde zu halten: Hierauf antwortet M. B. Waldschmid, Pyth. Endor. p. 149. daß der Aberglaub und Zauberey einander nahe verwandt seyn, und sey darzwischen kein anderer Unterscheid, [74] denn daß sich bey der Zauberey eine Explicata und offentliche, bey dem Aberglauben aber eine Implicata und heimliche Verbündniß mit dem Teuffel befindet: Zum Exempel, eine Art der Zauberey ist es mit, wenn der Mensch ihm gewisse Tage erwählet, und derselben, wie auch anderer Geschöpffe Gottes, anderst brauchet, oder aus Aberglauben ihnen andere Würckung zuschreibet, und darinnen suchet, als worzu sie Gott verordnet hat. Denn was mit der Zauberey nahe verwandt ist, ist auch mit dem Teuffel nahe verwandt; was aber mit ihm nahe verwandt ist, soll sich unter uns nit finden.

Aberglaub ist gleichsam der erste Grad zur Zauberey. Dar[18]um wenn du einen aberglaubischen Menschen sihest, der so leichtsinnig ist, daß er bald diesem bald jenem Narrenwerck Glauben zustellet, so gedencke, daß es bald um ihn geschehen seye, daß er könne ein Zauberer und Schwartzkünstler werden.


III. Woher aber und durch was Gelegenheit die Zauberey aufkommen und fortgepflantzet worden? Berichtet Prætor. im gründlichen Bericht von Zauberern c. 3. Daß es unschwer zu erachten, der leidige Teuffel, der listige alte Drach, der in der Warheit nicht bestanden, sondern ein Lügner und Mörder worden, Joh. 8. v. 44. wie aller anderer Laster, also auch der Zauberer, seye die erste Quelle, Anführer und Vollender: und hat dieselbige erdacht und herfür gebracht, GOtt, der ihn verstossen, zum Verdruß, daß er dadurch seiner Ehre abbreche, und den Menschen zum Nachtheil, sie auf solche Weise von GOTT abzuführen. Es haben ihm aber die Menschen selbst hiezu Anlaß gegeben, nemlich welche seines Theils seynd, die Kinder deß Unglaubens, in welchen er sein Werck und Wohnung hat, und kräfftig ist, Ephes. 2. v. 2.

Was die Menschen erstlich gereitzet, und wie der Satan die Zauberey zu lehren Gelegenheit ersehen und genommen, ist in Heiliger Schrifft nicht ausdrücklich vermeldet. Methodius schreibet in Revelat. quæ ab initio Mundi Contig. F. 2. daß im dreyhundert und viertzigsten Jahr deß Jareds, die Nachkommen deß Cains, Jobeth und Tholuscob, die Söhne Lamechs, gewesen seyn Viri malæartis inventores, solche Männer, die böse Künste, nemlich die Zauberey, haben erfunden, und nachdem Cains Nachkommen alle in der Sündflut umkommen, hab der Teuffel durch den Cham, den Sohn Noæ, dieselbige wieder herfür gebracht; welcher Cham von vielen für den Zoroastrem gehalten wird, wiewol andere vorgeben, es habe Cham die Zauberkunst seinen Sohn Mesraim gelehret, welchen Mesraim sie den Zoroastrem nennen, den Plinius, Berosus, wie auch Augustinus, für den ersten Zauberer halten, der die Zauber- und Hexen-Künste zu erst erfunden habe.

Dem sey nun also oder nicht, so ist doch gewiß, daß böse Lüste [75] deß Fleisches und hoffärtiges Leben dieses verdamliche Laster gezeuget haben. Denn Wollust und Hoffart, der Welt liebe Braut, empfänget leichtlich und bald, und wenn sie empfangen hat, gebieret sie die Sünde, die Sünde aber wenn sie geboren ist, lässet sie nicht ab den Verstand deß Menschen, der sie gezeuget und geboren hat, zu verfinstern, daß er je länger [19] je mehr durch Lüste in Irrthum sich verderbet, Jacob. 1 v. 15. Was hat Evam unsere erste Mutter, zu dem schändlichen Ungehorsam und Abfall anders innerlich gereitzet und getrieben, denn Wollust und Hoffart, daß sie möchte mehr wissen und GOtt gleich werden, wie sie die Schlang überredet hatte? Wie nun Eva zur ersten Sünde, gleicher massen seynd andere Menschen zu andern Sünden, und also auch zur Zauberey kommen, durch unersättliche Begierde hohe Dinge zu wissen, und klüger denn klug zu seyn. Welches denn daraus erscheinet, daß erstlich nur die Gelehrtesten unter den Menschen das Zauberwerck getrieben, wie denn der Prophet Daniel im 2. v. 27. die Zauberer Gelehrte nennet; und Elymas, ein gelehrter Jud und Prophet darmit umgangen, Actor. 13. v. 6.

Es seynd aber nicht zugleich alle Geschlechte der Zauberey aufgestanden, sondern erstlich nur das Weissagen, zu welchem der Ehrgeitz und Ruhmsucht die Gelehrten gelocket hat, damit sie mehr gülten denn andere, und andern vorgezogen würden: Da sie aber aus ordentlichen Mitteln heimliche und künfftige Dinge nicht erkennen kunten, hat der Teuffel ihnen ins Hertz gegeben, oder auch, wie heutiges Tags, in Menschen-Gestalt sich zu ihnen gemacht, und sie gelehret an den Sternen, und der Vögel Geschrey, oder aus ihren und ander Leute Träumen, oder von auferweckten Todten, oder auch andern seltzamen Mitteln, heimliche, verborgene, vergangene und gegenwärtige, ja auch zukünfftige Dinge zuerfahren, und andern zu offenbaren.

Bald hat er sie auch geschwinde Künste und Wunder gelehret, wie die Egyptischen Zauberer hierinn mächtig waren: Bald haben sie sich auch unterfangen zu Segnen und zu Fluchen, Glück und Unglück zu erwecken, darvon sie denn stattlich Schwätzen und Disputiren kunten: Daher sie bey hohen und niedrigen Ständen bey allerley Volck groß und herrlich gehalten worden, als weise Leute, Priester und Propheten, bey denen man Raht und That gesuchet hat in wichtigen Sachen, und fast nichts sonderliches ohn ihr Gutachten angefangen. Sie haben auch solches ihnen selbst zu Nutz gemacht, und Geld und Gut dardurch gesamlet, wie Bileam der Weissager, (den Basilius Magnus für einen Zauberer hält) sich unterstund um Geldes willen Israel zu verfluchen, und ihm der Wahrsager-Lohn gebracht ward, Numer. 22. v. 7. Also verhieß Nebucad Nezar seinen Zaubrern Geschencke und Gaben, [76] Dan. 2. v. 6. [20] und denen zu Philippis dienete der Wahrsager-Geist zu ihrem Genieß, Act. 16. v. 16. 19.

Aus welchem allen erhellen mag, daß die Begierde mehr zu wissen, die Wollust, Hoffart und Geitz, die Menschen erstlich zur Zauberey, den unordentlichen Weg zu lernen, verursachet habe. Hernach seynd andere Ursachen mehr darzu kommen, als Mißtrauen gegen GOTT, Traurigkeit und Ungedult in Unglück und Armut, item Rachgierigkeit, Uppigkeit und Unzucht, u.s.f.

Diese und dergleichen Zauberey ist anfänglich bey denen, die sie konten, heimlich gehalten; mit der Zeit aber durch Gesellschafft und Gespräch geoffenbaret; endlich mit offentlicher Ubung ohne Scheu fortgepflantzet worden, erstlich unter Männern, darnach auch unter Weibern, die alles mit wissen und thun wollen. Und solches zwar ist anfänglich nicht geschehen in aller Welt, sondern allein unter den Heiden: Denn bey Mosis Lebzeiten ist noch kein Zauberer in Jacob, und kein Wahrsager in Israel gewesen, wie etliche den Spruch Bileams verstehen. Und Mose spricht zu seinem Volck, Devter. 18. v. 9. Wenn du in das Land kommest, das dir dein GOTT geben wird, so sollst du nicht lernen thnn die Greuel dieser Völcker, daß nicht unter dir funden werden Weissager und Zauberer. Denn um solcher Greuel willen vertreibt sie der HERR dein GOTT für dir her.

Nachdem aber Israel mit den Heiden in Gemeinschafft sich eingelassen, mit ihnen gebuhlet, und die Götzen verehret, haben sie sich, wie in andern heidnischen Greueln, also auch an der Zauberey verunreiniget, und nicht allein den Heiden gleich, sondern auch viel ärger denn sie, gehandelt: Wie GOTT der HERR hin und wider hefftig darüber klaget. Und ist also folgends die Zauberey in die gantze Welt ausgebreitet, daß nun fast kein Volck, Land, Stadt oder Dorff ist, darinn nicht diese oder jene Zauberey gefunden werde.

Fußnoten

1 ? wenn nur nicht.

2 ? Teufeln.

3 ? einem.

Das 4. Capitel
[78] [21] Das vierdte Capitel.
Wie D. Faustus seine Complexion und Natur erforschet, ob sie ihm zu seinem Vorhaben werde förderlich seyn, oder nicht?

M. Thomas Wolhalt von Torgau, schreibet, daß er damals nach dem Tod Fausti, in einem Memoriali, welches D. Faustus mit seiner Hand geschrieben, gelesen habe, daß, ehe er zu solcher Kunst gelanget und kommen, er, deme nicht unbekandt war, daß ein Mensch immer glückseliger, oder auch unglückseliger wäre, als der andere, ja öffters einer Geister und Gespenster sehe, der andere aber nicht, u.s.f. seye er vorhabens gewesen, seine Complexion und Natur zu erkündigen, und zu vernehmen, ob ihm auch dieselbe in seinem Vorhaben widerig seyn und fehlschlagen, oder aber geneigt und beförderlich seyn würde?

Wie er nun um deß willen sich bester Massen bearbeitet, und emsig in dem Zoroastre, von den ascendenten und descendenten- Geistern, und andern mehr geforschet, und seine Geburt-Stund mit denen damaligen Gestirns-Einflüssen, wol erwogen, hat er befunden, daß er nicht allein mit einem herrlichen Ingenio begabet wäre, sondern auch, daß die Geister eine sonderliche Inclination und Zuneigung zu ihm haben solten. Welches ihn denn noch mehr und mehr in seiner Meinung bekräfftigte und stärckte, da er nemlich etliche mal nach einander in seiner Stuben einen seltzamen Schatten an der Wand vorüber fahren gesehen, auch darauf offtmals, wenn er aus seiner Schlaffkammer bey Nacht gesehen, viel Liechter hin und wieder bis an [22] seine Bettstatt gleichsam fliegen gesehen, und zugleich darbey als ob Menschen miteinander leise redeten, gehöret; dessen er sich denn höchlich erfreuet hat, und diese für Gespenst und Geister gehalten, jedoch noch nicht so viel Muts gehabt, solche anzusprechen.

Anmerckung.

I. Anlangend das jenige, daß D. Faustus seine Complexion und angeborne Zuneigung zu diesem und jenem hat wissen wollen, daran hat er eben an und für sich selbst so gar unrecht nicht gethan. [78] Er hat es aber wissen wollen, und zu dem Ende gethan, damit er hernachmals in seinem unchristlichen Vorhaben desto getroster fortfahren könte, so er seine Natur dazu tüchtig und geschickt zu sein befände; oder widriges Falls, da ja dieselbe nicht allerdings hierzu geneigt, er denselben mit grösserem Ernst zu hülffe kommen möchte; welches aber nicht wol und recht gethan war.

Sonsten mag zwar wol ein jeder auf seine Natur Achtung haben, wozu er geneiget oder nicht geneiget sey, jedoch jederzeit zu diesem Ende, daß er der Zuneigung zum Guten helffe, aber zum Bösen, steure und wehre: Worbey denn sonderlich den Eltern zustehen und gebühren will, damit sie ihrer Kinder Art und Natur wahrnemen, auf daß sie bey Zeiten zu dem Guten angewiesen, von dem Bösen aber, dazu sie vorhin immermehr geneigt seynd, möchten abgewendet und abgehalten werden, sie ja nicht wider ihren Willen zu diesem oder jenem nöthigen und treiben, zum Exempel, zu dem Studiren, da doch das Ingenium nicht da ist, u.s.f.

Daher gar recht jener sinnreiche Poet ein Sinnbild vorgestellet, nemlich einen eisernen Ring, woran und an welchem viel zubereitete Schlüssel anhiengen, mit dieser Uberschrifft:


Ein jeder sperret.


nebenst folgender Erklärung:
Ein jeder Schlüssel sperrt zu dem er ist gemacht:
Nimst du den rechten nicht, wirst du das Schloß verdrehen;
So nimm zu rechter Zeit deß Knabens Sinn in Acht,
Worzu ihn die Natur, nicht deine Kuhr versehen.

[23] Man kan einen Baum in der Jugend wachsend machen, wie man will, und so lang man ihn seiner Zartheit halber, regen kan; so bald er aber starck und hart worden, läßt er sich nirgends zu lencken, man brauche gleich Mittel wie man wolle: Also ist es auch mit der Jugend beschaffen, wird dieselbe nicht bald Anfangs wol erzogen, so wird schwerlich auf die verhärtete und angeborne Laster, nur eine gute Tugend können gepflantzet werden.

Denn einmal gewiß ist, wenn ein und ander Laster bey der Jugend eingewurtzelt, daß daraus, so zu reden, ein Fels werde, darauf die böse Natur ihre Wohnung bauet, die hernach nicht so leichtlich einfällt: Diß alles und jedes, worzu einer geneigt ist, weiß der schlaue Geist gar wol, sihet fleissig zu, und freuet sich, wenn solche Lüste und Begierden bey dem Menschen wachsen und zunemen, bis er mit einem solchen auf den höchsten Grad kommet. Wenn er denn befindet, daß ihm solcher Mensch dienstlich, und ein taugliches Instrument zu aller Bosheit seyn kan, so gibt er ihm nach allerhand Gelegenheit ein, Rachgier, [79] Hoffart, Unzucht, zauberischer Wercke Beliebung, nach Art und Gelegenheit der Personen, und sündlichen Zuneigungen, bis ihm der Streich gelinget, und den Spieß in die Hand erwischet. Ist nun der Mensch neidisch gesinnet, so bewegt er ihn zu Rache; ist er hoffärtig, reitzet er ihn zu weltlicher Ehre Begierde; ist er aberglaubisch, und hat Belieben an dem Zauberwesen, es kan ihm bald Butter zu der Suppen bringen, durch gleichgesinnete Gesellschafft, und dergleichen Bücher-Lesung, wie allhier D. Fausto widerfahren; ist er unkeusch, und heget gleiche Gedancken in seinem Hertzen, verführet er ihn zu unreinen Wercken: Wie er jenen Fürstlichen Bischöfflichen Cantzler zu Bamberg verführet hat, der sich einsten mit solchen geilen Gedancken, nach Erzehlung Rimphof. Drachen-König. p. 118. geschleppet; daß sich der Satan bald sehen lassen vor seinem Logement, in Gestalt einer schönen Jungfrauen, und er der Cantzler gewünschet, daß er diese möchte bey sich haben. Satan ist bald fertig vor seinem Gemache, und gibt sich diese verstellte Jungfrau in menschlicher Gestalt an, und sagt der Herr Cantzler hätte ihrer begehret. Er nimmt die Jungfrau mit Freuden an, buhlet mit ihr und befindet mit Schmertzen, daß es nicht recht ist, will gern vom Satan abseyn; aber der Satan mercket bald seine Ge[24]dancken, und sagt, wofern der Cantzler bey ihm verbleiben wolle, so wolle er alle Tage bey ihm seyn, und sich gantz freundlich bey ihm stellen. Da er nicht so bald will, verstellet er sich in einen grausamen Drachen, drohet ihn alsobald zuverschlingen, und in hundert tausend Stücke zu reissen, wo er nicht bey ihm verbleibe. Der Cantzler entsetzet sich, und machet einen Bund mit dem Satan, wird darüber melancholisch. Der Satan wird als ein Hexenmeister, tröstet ihn, führet ihn ausser dem Thor, und muß sich da ins Teuffels Namen tauffen lassen, wird endlich justificiret.

II. Zum andern, daß allhier gedacht wird, wie daß dem D. Fausto bey nächtlicher Weile zum öfftern Liechter, Schatten-Geister, die leise miteinander geredet, u.s.f. zu Gesichte kommen, gibt Anlaß und Gelegenheit zu fragen: Ob auch Gespenste seyen? Welche Frag billig mit Ja beantwortet: (M. B. Waldschmid, Pyth. Endor. p. 481). Denn daß warhafftig Gespenste seyn, das wird bewiesen und zwar aus den Worten deß 3. Versiculs im 17. Capitel deß Büchlein der Weisheit, daß die Egyptier durch Gespenste seyn erschröcket worden, und seyn ihnen scheußliche Larven erschienen, darvor sie sich entsetzet haben: Vers. 15. aber, und seyn durch grausame Gespenst umgetrieben worden. Ingleichen stehet im Buch Tobiæ im 6. v. 8. daß der Engel zum jungen Tobia gesprochen: Wenn er ein Stücklein [80] von dem Hertzen deß Fisches, den er gefangen, neme und es auf glüende Kolen lege, so vertreib solcher Rauch allerley Gespenst von Mann und Frauen. Wenn nun keine Gespenste wären, so hätte er nicht vonnöthen gehabt dieses zu sagen. Und obwol diese beyde Bücher keine Canonische Bücher der H. Schrifft deß alten Testaments seynd, so finden wir doch auch Beweiß hiervon in den Canonischen Büchern selbsten. Im fünfften Buch Mosis im 18. v. 11. verbeut GOTT der HErr den Israeliten, daß sie keine Todten fragen sollen, und wer es thue, sey für ihm ein Greuel. Durch diese Todte aber werden anders nichts als die Gespenste der Todten verstanden, bey welchen Heiden dazumal in zweiffelhafften Sachen Raht gefragt: Wenn nun keine Gespenste wären, wie hätte man sie fragen können? und was hätte es GOTT verbieten dörffen? Matthæi 14. v. 26. und Marci 6. v. 49. lesen wir, daß, als die Jünger den HErrn Christum bey der Nacht auf dem Was[25]ser gehen gesehen, seyn sie erschrocken, und haben gesprochen, es sey ein Gespenst, und haben für Furcht geschryen. Und da der HErr CHristus bey verschlossener Thür zu ihnen kommen, seynd sie auch sehr erschrocken, und haben gemeinet, sie sehen einen Geist, Lucæ 24. v. 37. Was hätten sie nun aber das dörffen meinen, sie sehen einen Geist oder Gespenst, wenn keine Gespenste wären. Uber das bekräfftigen auch dieses die Exempel heiliger Schrifft, als da ist das Exempel deß Gespensts, welches in der Gestalt deß Propheten Samuels dem König Saul ist erschienen, wie zu lesen im 1. Buch Samuels 28. v. 8. Von guten Gespensten, also zu nennen, oder Gesichten haben wir auch Exempel in heiliger Schrifft, als da im 2. Buch der Könige im 7. v. 6. gelesen wird, daß als die Syrer Samariam belägert, hat der HErr deß Nachts hören lassen ein Geschrey von Wagen, Rossen und grosser Heeres-Krafft, und hab sie damit in die Flucht geschlagen. Als Heliodorus den Tempel zu Jerusalem berauben wollte, erschiene ihm ein wolgeschmücktes Pferd, auf welchem ein erschrecklicher Reuter mit einem gantz güldenen Harnisch saß, der ritte mit aller Macht auf ihn zu, und stieß ihn mit den fördern zweyen Füssen zu boden. Sie sahen auch zween junge Gesellen, die starck, schön und wol bekleidet waren, welche zu beyden Seiten auf Heliodorum zugeschlagen, 2. Maccab. 3. v. 25. 26. In der Schlacht, die Judas Maccabæus mit den Juden gehalten, seynd den Feinden vom Himmel erschienen fünff herrliche Männer auf Pferden, mit güldenen Zäumen, so für den Juden hergezogen, und zween die neben dem Juda gehalten, und ihn mit ihren Wehren geschützet, daß sie niemand überwinden können, 2. Maccab. 10. v. 29. Welches ohne Zweiffel gute Engel und Geister gewesen. [81] 2. Wird auch dieses bewiesen aus vielerley Historien. Die Kirchen Historien betreffend, so schreibet Sozomenus von dem abtrünnigen Käiser Juliano, daß, als er in eine Götzenhöle hineingegangen, und darinnen das Oraculum rahtfragen wollen, seyn ihm unversehens grausame Gespenste erschienen, die ihn zum höchsten erschröcket. Er schreibet auch, daß in der Nacht zuvor, da die Leut zu Antiochia deß Käisers und der Käiserin aufgerichtete Bildniß herunter gestürtzet, sey ein Gespenst in Gestalt eines Weibs, von unsäglicher Grösse [26] und abscheulicher Gestalt, durch die Gassen gefahren, und hab mit einer Geissel ein erschröcklich Geknall gemacht. Er schreibet ebenmässig von Apelle, einem Schmid, daß, als er vor der Aesse gestanden und gearbeitet, sey ihm bey der Nacht ein Gespenst in Gestalt eines schönen Weibs erschienen, und hab ihn zur Unzucht angereitzet, er hab aber das glüend Eisen, das er im Feuer gehabt, heraus genommen, und dasselbe unversehens dem Gespenst in das Gesicht gestossen, und es verbrennet, darüber es mit grossen Geheul und Brummen verschwunden. Die weltlichen Historien belangend, so wird unter andern, nach Anzeigung Suetonii, von Julio Cæsare gelesen, als er mit seinem Kriegsheer aus Gallien an den Fluß Rubiconem gezogen, seye er gewahr worden eines Gespensts in Gestalt eines grossen Manns, so am Wasser gesessen, und auf einer Pfeiffen gepfiffen; welches er für ein gutes Omen und Zeichen gehalten, und daraus abgenommen, an den Ort würde es gut seyn über das Wasser zu setzen, habs auch gewaget und gesagt: Eatur quo Deorum Ostenta, und iniquitas hostium vocat, jacta est alea; last uns gehen, wohin uns der Götter Wunder-Gesicht und der Feinde Unbillichkeit nöthiget, es will gewaget seyn. Da Marcus Brutus sein Heer aus Asia führen wolte, erschien ihm deß Nachts ein erschröcklich Gespenst, das zu ihm in sein Gemach gieng, und stillschweigend sich neben ihm stellete, und da er es fragte: Quisnam Deorum aut Dæmonum es? Wer bist du? bist du einer aus den Göttern oder Geistern und Teuffeln? da antwortete es: Tuus sum Brute malus Genius, in Philippis me videbis, das ist: Brute, ich bin dein Geist, zu Philippis wirst du mich sehen. Hierauf sagte Brutus unerschrocken zu ihm: Sine metu te iterum videbo; Ja ich will dich ohne Furcht und Entsetzen wieder sehen: Welches auch hernach geschehen. Plutarch. in vita Bruti. Der Philosophus Athenodorus kauffte zu Athen ein stattlich Haus, in welchen ein Gespenst umgieng, in Gestalt eines alten Manns, mit einem magern Gesicht, langen Bart, scheußlichen Haaren, mit Fuseisen an den Schenckeln, und einer Ketten an den Händen. Da er nun die erste Nacht im Haus war, ließ er ihm gegen Abend eine Schreibtafel, [82] Griffel und Liecht bringen, saß, und meditirte und schriebe etwas, bald hörte er von weiten eiserne Ketten klingen, name sich aber nichts [27] an, hub seine Augen nicht auf, sondern schrieb immer fort: Bald kam das Gethön ins Gemach hinein, er wendete sich herum, und sahe es da stehen, welches ihm mit einem Finger winckete, er aber winckete ihm wieder mit der Hand, es solte ein wenig warten, und schrieb wieder fort. Das Gespenst kam ihm näher, klingelte ihm mit den Ketten vor dem Kopff, und winckete ihm wie zuvor, da stund er auf und gieng mit ihm; es führete ihn aber unten an ein Ort deß Hauses, und verschwand alda: Er zeichnete den Ort, ließ Morgends nachgraben, und fand man alda etliche Todtengebeine mit Ketten gebunden, die nam man heraus und begrub sie an dem Ort, da man andere hin zu begraben pflegte, darauf erschien das Gespenst nicht mehr. Wir wollen auch auf diesen unsern Schauplatz führen (schreibt Herr G. P. Harsdörf. im 2. Theil deß grossen Schauplatzes Jämmerl. Mordgeschichte, Hist. ult.) ein Gespenst, welches einem Frantzösischen Edelmann Robert genannt, in Welschland bey Nacht als er irre geritten, erschienen, und ihn in ein Wirtshaus gewiesen, in welchem der Wirt und Gäste Mördern und Strassenräubern gleich gesehen, desswegen sich Robert zum Feuer gesetzet, seinen Degen in Acht genommen, seine Pistol fertig gehalten, und in einem Buch gelesen. Zu Mitternacht kommt das Gespenst wieder, und weiset ihm, er solte folgen, welches er auch gethan, und in einen Garten zu einen Brunnen geführet worden, allda das Gespenst verschwunden; er will nicht wieder zuruck in das Haus kehren, sondern erwartet mit grossen Verlangen deß Tages, mit welches Morgenröte er wiederum verreiset, und der Obrigkeit deß Orts darbey angezeigt was ihm begegnet: Da denn so bald nachgeforschet, und ein Kauffmann, der neulich ermordet, in dem Brunnen gefunden worden: Deßwegen etliche von den Thätern ergriffen, ihre gebührende Straffe ausstehen müssen. Zween Tage hernach erscheinet dieses Gespenst Robert wiederum, und verspricht, ihn drey Tage vor seinem Todt zu warnen, weil er gethan was recht gewesen: verschwindet darauf, und lässet ihn in düstern Gedancken nachsinnen, ob es ein guter oder böser Geist; massen er sich bestürtzt, und ohne Trost, welchen sonsten die guten Geister hinder sich lassen, wie auch ohne Furcht, so die bösen Geister in die Gemüter drucken, befunden. [28] Nachdem er wiederum in Franckreich gekehret, sich verheuratet und in allem Wolergehen lebte, kommet das Gespenst wiederum, und sagt ihm, er solte sein Haus beschicken, und sich zum Todt bereiten, in dreyen Tagen werde er diese Welt verlassen müssen. [83] Robert lässet diese Erinnerung nicht ausser der Acht, und schicket sich zum letzten Abschied, wiewol er nach und nach zweiffelte an der Erfolgung, weilen die drey Tage verflossen, und er sich bey guter Gesundheit und aller Sicherheit befande. Die Nacht zu Ende der drey bestimmten Tage fängt der Hund, welchen Robert in seiner Kammer schlaffen lassen, an zu bellen: er springt aus dem Bette, ergreifft den Degen, eröffnet die Kammer, und will das Gesind aufwecken, indem wird er auf der Stiegen durch und durch gestochen, daß ihm der Degen in dem Leib stecken verbleibt, und der Thäter über seinen halbtodten Leichnam darvon springt. Wer dieser Meuchelmörder gewesen, kunte niemand wissen, allein wurde der Degen erkandt, daß er Sarmont, einem seiner besten Freunde zuständig, der sich damals in Holland aufgehalten. Robert verzeihet seinem Mörder von Hertzen, und befiehlt man soll deßwegen keine Nachfrage halten, verstirbt also folgenden Tages sehr Christlich. Sarmont, deß Verstorbenen Freund, hatte um Nerinam vor Robert gebuhlet, und war in dem Hause vor seinem Verreisen in Niederland wol bekandt gewesen: Daher name Falsia, die Magd im Hause, Ursach auszugeben, Sarmont hätte ihren Herrn, den Robert umgebracht, und hielte sich heimlich in der Gegend auf, wie der Degen beglaubt, oder hätte ihn verrätherischer Weise ermorden lassen durch einen andern, Nerinam die hinterlassene Wittib zu freyen. Diese Verleumbdung wurde hernach offenbar, als Falsia sich auf schweren Fuß befand, und in Kinds- und Todtes-Nöthen bekennete, Morin Sarmonts Diener, welchen er Wehrhafft gemacht, und mit seinen Degen beschencket, wäre Vatter zu ihren Kind, und Roberts Mörder: allermassen auch besagter Morin solche Wahrheit durch seine Flucht bestätiget. Zu Stockholm hat sichs begeben, daß ein Metzger daselbst sich in seine schöne Dienstmagd verliebet, welche aber in seinen sündlichen Willen nicht willigen wollen, es sterbe denn sein Weib, und daß er sie eheliche. Weil nun die Alte nicht [29] fahren wolte, und ihm das Warten zu lang werden, hat er auf Mittel gedacht, ihr der Marter abzuhelffen, und zu dem Ende einen Sarg machen lassen, weil damals die Pest regierte, und hat ihr im Schlaf mit seinem Schlachtbeil das Haupt zerspaltet, und sie in den Sarg geleget, mit Vorgeben, sie wäre an der Pest gestorben. Nach ihrer Begräbniß hat er ihm die Magd trauen lassen, und ist solcher Mord niemand als ihm, dem Thäter bewust gewesen. Darauf hat ein erschröcklich Gespenst ihm im Haus grosse Unruhe gemacht, ihn auch endlich dahin bracht, daß er aus dem Haus wegziehen, [84] dasselbe leer stehen, und sich in ein anders begeben müssen, in welchen er zwar für dem Gespenst, aber nicht in seinen Gewissen Ruhe gehabt. Es hat sich aber begeben, daß als ein Reichstag zu Stockholm ausgeschrieben worden, und eine Adeliche Wittib dahin verreiset, ihrer Rechts-Sache halben, sie aber wegen grosser Menge des Volcks keine Herberg bekommen können, ist sie, ob man ihr schon die Beschaffenheit deß Hauses wegen deß Gespenstes angedeutet, dennoch in demselben eingekehret, mit Vorwenden, daß sie sich nicht scheuete, sondern ihrem GOtt trauete. Zu Mitternacht ist das Gespenst mit grossen Gepolter in die Stuben kommen: Worüber die Wittib zu GOtt gebetet, und ihr Angesicht zur Wand zu gewendet, bis das Gespenst verschwunden, welches sie ein wenig ruckwärts erblicket, und in eines Weibes Gestalt mit zerspaltenem Haupt gesehen. Dieweil ihr nun kein Leid widerfahren, ist sie die folgende Nacht, als das Gespenst wieder erschienen, behertzter gewesen, und hat nach ihrem Gebet es also angeredet: Alle gute Geister loben GOtt den HErrn. Worauf das Gepenst in der vorigen Gestalt ihr geantwortet: Ich bin ein guter Geist, und lobe GOtt den HErrn. Als nun die Wittib hierauf gefragt, warum denn dieser Geist sich in dem wüsten Haus aufhalte? hat nach der Erzehlung der begangenen Mordthat der Geist ihr zuverstehen gegegeben, der Leib könne nicht ruhen, bis ihr Mann von der Obrigkeit zu verdienter Straff gezogen würde. Hierauf soll nun die Wittib ihren Wappenring von dem Finger abgezogen, und denselben zwischen die zwey Theil deß Haupts geworffen, und sie also den zerspaltenen Schädel mit ihrem Haartuch wieder zusammen gebunden haben. Darauf das Gespenst verschwunden. So bald der Tag angebrochen, hat die Wittib der Obrigkeit alles angedeutet: und weil [30] man ihr nicht glauben wollen ist das Grab eröffnet, das Haartuch, in welchem der Name genehet, samt dem Ring wieder gefunden, und der Mörder zur gebürlichen Straff gezogen worden. Idem lib. cit. part. 3. Hist. 75. Dieses alles nun beweiset genugsam, daß wahrhafftig Gespenste seyn: und obwoln nicht ohne ist, daß offtmals Menschen-Betrug mit unterlaufft, da ein und anderer durch ein zugerichtes Gespenst den andern geäffet und geschröcket, massen folgende Exempel, unter vielen, beglauben mögen, jedoch aber so folget nicht, daß darum wahrhafftig keine Gespenste seyn solten, oder daß es nur lauter Betrug damit seye. Balæus schreibt vom Papst Bonifacio dem VIII. er habe durch ein Rohr dem Papst Cœlestino in seine Schlaffkammer schreyen lassen, als wenn es ein Engel thäte: Cœlestine cede, si salvus esse cupis, d.i. Cœlestine[85] weiche vom Päpstlichen Stul, und laß ihn fahren, wenn du selig werden wilt: Durch welches betrügliche Gespenst der einfältige Mann sich dahin hat bewegen las sen, daß er zur Stund resigniret hat. Erasmus Roderodamus in Epist. gedencket eines Meßpfaffen, der lebendige Krebs genommen, ihnen brennende Lichtlein angebunden, sie auf dem Kirchhof herum kriechen lassen, und hab das Volck offentlich beredet, es seyn Seelen der Verstorbenen, so Meß und Allmosen begehrten, damit sie aus dem Fegfeuer möchten erlöset werden; der Betrug sey aber offenbar worden, daß man etliche Krebs mit Licht-Stümpfflein auf dem Kirchhof des Tags gefunden, die er nicht aufgelesen hatte. Lavaterus p. 1. de Spectris, c. 9. gedencket eines Jesuiten zu Augspurg, der eine Evangelische Beckers Magd zum Abfall bewegen wollen, und hab ihr deßwegen als ein Gespenst zugesetzet und sie sehr erschröckt und geplagt, mit Vermelden, wenn sie von der Lutherischen Ketzerey nicht würde ablassen, so würde folgende Nacht der Teuffel selbst kommen, und sie holen; es habs aber die Magd dem Knecht geklagt, und gebeten ihr beyzustehen. Was geschicht? folgende Nacht verstecket sich der Knecht in der Magd Kammer, der Geist aber kommt, fängt ein mächtiges Gepolter an, allein der Knecht wischt mit seinem Gewehr herfür, dieses der Jesuiter ersehende, gehet auf ihn mit aufgereckten Händen, ihm also mit seinem Teuffels-Habit einen Schrecken einzujagen; aber der Knecht nicht faul, stieß ihm das Gewehr in den Leib, daß der Geist niederfiel und [31] starr todt war. Der Knecht wecket behend jederman im Haus auf, mit Vermeldung, wie er den Geist erstochen habe; als man aber recht zusahe, sihe, da war es der Jesuiter gewesen. Fast dergleichen erzehlet Chytræus, 1. de Mort. et vit. æter. p. 2. p. 56 von einem Pfaffen, Herrn Hansen, welcher zu einem reichen Weib, so ihm verwand gewesen, bey der Nacht, in Gestalt eines Gespensts, in ihr Schlaffkammer kommen, und sie übel geängstiget. Sie hat aber einen bekandten Freund zu sich in die Kammer versteckt, welcher einen guten Prügel zu sich genommen, ihm einen guten Rausch getruncken, damit er ein Hertz haben möchte. Da nun das Gespenst herbey kommen, gebrüllet und sich ungebärdig gestellet, sey er mit seinem Prügel herfür gewischt, hab zum Gespenst gesprochen: Bist du der Teuffel, so bin ich seine Mutter, und hab tapffer auf ihn zugeschlagen, hätte ihn auch noch härter getroffen, wenn nicht der Pfaff geruffen hätte: Parce, non sum Anima, sed Dominus Johannes, schone, ich bin keine Seel oder Geist, sondern Herr Hanns. Ein solch Gespenst ist auch gewesen im Closter Salmonsweil, nahe bey Uberlingen, da ein Mönch sich gestellet, als ob er der Teuffel wäre, [86] und die Gäste tribuliret, den aber ein Graf von Montfort, so daselbst eingekeret, mit dem Degen erstochen hat, wie Crusius Part. 2. Annal. Suev. l. 9. c. 19 schreibet: und daselbst ein anders Exempel erzehlet von einem Schreiber der zu Beichlingen sich zum Gespenst gemacht, und zu Nacht seines Herrn, deß von Werther, Mägde Brüste mit seinen kalten Händen angerühret hat; aber endlich von einem Edelmann über die Stiegen hinunter geworffen, und deß andern Tags, wegen seines durch den Fall übel zugerichteten Angesichts und Stirn, jedermans Gespött, und von seinem Herrn abgeschafft worden ist. Die Historien, die sich nur vor etlicher Zeit begeben, mit dem Pfaffen zu Clavenna; mit dem Gespenst zu Orleans; mit den Mönchen zu Bern, die Anno 1509 den 31 May, weil sie durch zauberische Teuffels-Kunst, Gespenste gemachet, offentlich verbrennet worden, stehen am hellen Tag. [87]

Das 5. Capitel
[32] Das fünffte Capitel.
Wie D. Faustus von einem berühmten Crystall-Seher, den Geist deß Crystalls überkommen, wormit er ihm viel Geld verdienen gemacht, ehe und bevor er noch zur endlichen Beschwörung deß Satans getretten.

Im ob angeregten Memoriali D. Fausti ist gleicher Weise befindlich gewesen, daß Faustus von einem, Namens Christoph Hayllinger, einem berühmten Exorcisten, wie auch Crystall-Seher, der aus gerechtem Verhängniß GOttes dazumal in voller Weise auf der Gassen auf einem Abend, von einem Bergknappen ist erstochen worden, nicht lang vorher den Geist im Crystall überkommen, und darinnen wunderbarliche Sachen, welcher ihme sehr nutz und dienstlich zu seinem Vorhaben zu seyn vermeinete, gesehen: durch welches Mittel er auch viel Gelds zuwegen gebracht. Weil ihn aber Tag und Nacht verlangte ein viel Grössers in der Kunst zu erfahren, und nachdeme er nun die bekräfftigsten Beschwörungen deß Satans, seiner Meinung nach, zuwege gebracht, hat er sich endlich vorgenommen solche zu probiren, und in das Werck zu stellen. Und ob er sich zwar Anfangs darüber entsetzen wollen, weiln er besorget, es möchte ihm der Streich nicht gerahten, oder so ihm die Kunst fehl schlüge, würde er vielleicht eines andern erwarten müssen; hat er sich doch bald wieder aufgerichtet, und sonderlich mit diesem getröstet, daß gleichwol die Nigromantia und schwartze Kunst nicht jedermanns Thun seye, auch ein schönes Ansehen vor der Welt [33] habe; wie denn mancher hierdurch sehr berühmt gemacht, hervor gezogen, von jedermann hohes und niedriges Stands groß gehalten worden: Zudeme, so seye ja von Anfang der Welt und zu allen Zeiten besagte Schwartze Kunst im Schwang gangen, und haben sich solcher Käiser, Könige, ja die Heiligen Päpste selbsten, allermassen die Historien bezeugen und ausweisen, bedienet.

Anmerckung.

I. Auch noch heutiges Tags, wenn mancher etwas verlohren hat, [88] so gehet er hin zum Wahrsager, der zeiget ihm in seinem Crystall oder Spiegel eine Gestalt dessen und dessen, der es gestolen soll haben. Nun kan dieses nicht natürlich zugehen, der Spiegel kan solche Gestalt nicht von sich geben, sonst müste es ein jeder Spiegel oder Crystall thun; sondern mit dem Teuffel, der niemal in der Warheit bestanden, Joh. 8, v. 44. Wo will denn jemand gewiß seyn, daß die Gestalt recht sey, daß kein Betrug dahinter sey? Ist derowegen eine aberglaubische Blindheit, solche nichtige aberglaubische Mittel, die doch keiner ohne grausame Sünde gebrauchen kan, gebrauchen; (denn er tritt auch implicitè und heimlicher Weise in den Bund mit dem Teuffel, hat Gefallen an seinen Wercken, die er durch solche Wahrsager treibet, und setzet sein Vertrauen auf den Teuffel, er werde ihm durch sie die Wahrheit eröffnen, und ihm helffen) zumaln die Erfahrung hundert für einmal gewiesen, daß der Teuffel entweder die Leute geäffet, und hintergangen, oder aber unschuldige in dem Crystall gezeiget, und dardurch viel Jammer und Hertzenleid angerichtet hat.

Herr Lutherus gedencket in seinen Tischreden, p. 208. Daß der Teuffel auf eine Zeit einen armen Gesellen in sichtbarer Gestalt erschienen, und hab ihm grossen Reichthum versprochen, wenn er die Tauff, und die Erlösung durch Christum geschehen, verlaugnen, und nimmermehr Buß thun wolte. Als er nun eingewilliget, hab er ihm einen Crystall gegeben, daraus er Wahrsagen können, und dardurch hab er einen grossen Zulauff und Namen bekommen, daß er reich darüber worden. Endlich hab ihn der Teuffel meisterlich betrogen, daß er unschuldige Leute aus dem Chrystall Diebstals halben angegeben, darauf [34] er eingezogen worden, hat seinen Bund, den er mit dem Teuffel gemacht, bekennet, hat ernstlich Buß gethan, und ist mit Feuer verbrennet worden.

Zeillerus erzehlet in Dialog. 99, daß ihrer zween miteinander gereist seyn: der eine hab den andern vexiret, sein junges Weib werde vielleicht unterdessen zu Haus mit einem andern buhlen; dieser aus Fürwitz, zuerfahren was sein Weib zu Haus jetzt mache, gehet zu einer Zauberin, und begehret, sie soll in ihrem Spiegel sehen, was sein Weib der Zeit thue. Die Zauberin läst ihr Kind in denselben sehen, das sagt, sie sehe eine junge Frau, so und so gestaltet und bekleidet, und stehe ein junger Gesell vor ihr, nur in Hosen, und ohne Wammes, der oben sein Hemd entblösse. Der Mann befindet aus der Be schreibung deß Kindes, daß es seine Ehefrau seye: kehret im Zorn wieder nach Haus, darüber seine Frau erschrickt, und fraget, ob er seine Sach so bald verrichtet habe? der Mann aber führet sie beyseits, ziehet den Degen aus und sagt, ob nicht auf die und die Zeit ein junger Gesell oben[89] entblöst vor ihr gestanden sey? die Frau fällt ihm zu Füssen, und bittet, er soll sich nicht an ihr in der Gähe vergreiffen: es sey wahr, daß auf erzehlte Zeit und Weise dergleichen vorgangen, es sey aber ihr Bruder gewesen, welcher zu ihr kommen, und sich beklagt, wie ihm ein Aysse auf der Schulter so wehe thue, und sie gebetten, daß sie darzu sehen wolte; da er denn deßwegen das Wammes abgezogen, und das Hemd ein wenig herab gestreifft habe: dieweil denn die Kleidung und anders, wie es der Zauberin Kind beschrieben, mit seines Schwagern Kleidung und anderm zugetroffen, so hat er seine Frau um Verzeihung gebetten, und ist fro gewesen, daß er seine Hände nicht in unschuldigem Blut gewaschen.

D. Fausti Famulus, Christoff Wagner, war einsmals gen Neapolis kommen, und hatte vernommen, daß ein reicher Kauffmann auf dem Meer wäre beraubt und umgebracht worden, und die Güter ihm genommen, welche um viel tausend Gülden seynd geschätzet worden. Und als seine Erben gern gewissen Grund erfahren hätten, wie es doch darum bewandt, und wer der Thäter gewesen wäre, boten sie groß Geld aus, wenn einer etwas davon entdeckte und offenbarete. Da dachte Wagner, es wolte ein gut Ding für ihn seyn, vermeinte ein stattlich Geld davon zu bekommen, und gab sich an, wie er die Kunst köndte, und offt versucht und probiret hätte.

[35] Nun waren die Leute auch aberglaubisch, wie denn die Welschen viel darauf halten, liessen den Wagner seine Kunst gebrauchen, verhiessen ihm zwey hundert Thaler. Da nam er eine Crystall, beschwur sie, und hielt sie gegen der Sonne; da sahe man eines reichen Kauffmanns zu Neapolis Bildniß darinnen, welche sie wol kannten, der solte die That an dem andern auf dem Meer begangen haben.

Nun war das wahr, daß er mit ihm ausgefahren war, und kamen doch gleichwol nicht miteinander wieder. Er ward verklagt bey der Obrigkeit, und gefragt, ob er nicht wüste, wo der Kauffmann geblieben? dieser gab zur Antwort: er wäre vor ihm hergeschiffet, ob er wäre versuncken, oder verschlagen worden, oder aber irre gefahren, köndte er nicht wissen. Gleicher Gestalt wurden auch seine Diener gefragt, die sagten alle also. Und da man es dabey nicht wolte bleiben lassen, zog man sie alle gefänglich ein, und marterte sie, fiengen an einem Knecht an, der bekandte, als er gepeiniget ward, daß sie ihn ermordet hätten; darauf zogen sie den Herrn auch ein, der bekandte gleichfalls aus Pein, wie der Knecht, er hätte es gethan: worauf das Urtheil gefället wurde, man solte sie als Meerrauber zum Tod bringen.

Unterdessen kommt der Kauffmann, den man vermeinet erschlagen [90] zu seyn, wieder zu Land, frisch und gesund, ohn allen Schaden, und war verschlagen worden, daß er an einem Ort fünff Wochen hatte still ligen müssen. Da sahen die andern, daß sie von dem Wagner waren betrogen worden, namen ihn derwegen für, er solte das Geld wieder heraus geben: er aber wolte nicht, sondern gieng davon. Da liessen sie etliche der Scherganten ihn verfolgen, ihn zu ergreiffen, und erwischte ihn einer beym Arm, und hielte ihn gar vest: aber Wagner fuhr in die Höhe, und nam den Scherganten mit sich hin auf, und als er ihn zimlich weit erhoben hatte, ließ er ihn wieder auf die Erde fallen, daß er ein Bein zerbrach. Als dieses die andern sahen, grauete ihnen für der Speise, und wolte keiner mehr daran, und ihme nacheilen. Also kam Wagner darvon, und hätte der Teuffel bald ein schön Spiel anrichten sollen. Hildebr. in Goet. p. 143.

Eine traurige Begebenheit erzehlet auch hiervon Herr G. P. Harsdörf. in der 151 Hist. deß 7 Theils Jämmerl. Mordt-Geschichte, dieses Lauts: Valdrea, eine Wittib hatte ihre Treue lange Jahr über bey einer Fürstin in Franckreich, mit wolge[36]leisten Diensten, als eine Silberbeschlieserin, beglaubet, und ihr viel schöne Pfennige zusammen gesparet, daß sie also bey Hof in allem Uberfluß gelebt, und ihr nichts ermangelt, als die Kunst gute Tage ohne Laster und Sünde zu ertragen.

Dieses alte und verdorrte Holtz begunte sich mit neuer Liebe anzufeuren, und ob sie wol so schön, als ein krancker Spanier, und so freundlich, als ein gesunder Aff, vermeinte sie doch, daß sie noch wol liebwürdig, und so klug, daß sie fremdes Wasser auf ihre Mühle leiten köndte. In diesem Wahn richtet sie ihre Neigung auf einen jungen Schrifftling, genannt Mastick, welcher ein sehr schöner und wolgeberdiger Jüngling war; dabey aber arm, daß er keine andere Mittel hatte, sich hoch zu schwingen, als die Schreibfeder, so nach und nach stärcker werden solten.

Valdrea gab diesem Mastick viel gute Wort, er aber ihr hergegen wenig Gehör, daß sie ihn auf Begebenheit in ihr Zimmer führet, und ihre Gewapnete (die Ducaten) in der Gefängniß weiset, der Hoffnung, sich durch solcher Glantz zubeschönen, und diesen Jüngling zu verblenden, daß er sie zu ehelichen willigen solte. Die Versucherin aber richtete nichts aus, weil dieser Mastick ein Abscheuen für diesem lebendigen Grab, und alltäglichen Fegfeuer hatte; wol wissend, daß wer sich durch Geld überwinden lasset, von seiner Knechtschafft-Fessel nicht frey werden kan, als durch den Tod, und daß viel darzu gehöret, bis ein alte Frau stirbt.

Als nun dieser Jüngling die alte Megæram, mit hönischen Scheltworten [91] unbescheiden verlacht und verachtet, hat sie die Liebe in Haß, die Freundschafft in Feindschafft, ihre Holdseligkeit in Grimm und Zorn verwendet, daß sie Tag und Nacht gedacht, sich an diesem närrischen und undanckbarn Gesellen zu rächen.

Es fügte sich aber nachgehends, daß etliche Nacht-Diebe mit falschen Schlüsseln, in das Zimmer kamen, in welchem das Silber-Geschirr verwarlich aufbehalten worden, und dasselbe in grosser Anzahl entwendeten. Hierüber wolte Valdrea fast verzweiffeln, wiewol sie ausser allem Verdacht, und nicht daran schuldig war. Man forschet aller Orten nach, die Schergen wenden grossen Fleiß an, können aber nichts erkundtschafften, und diesen Gesellen auf die Spur kommen.

Valdrea hatte eine alte Gevatterin, Namens Ginetta, welche eine berühmte Hexenmeisterin, und das Vergangene [37] und Künftige in ihrem Crystall oder Zauberspiegel sehen liesse. Zu dieser name Valdrea ihre Zuflucht, und nachdeme sie auf eine gewisse Zeit beschieden worden, hat sie ihr vorgewiesen etliche gantz unbekandte Angesichter wie sie das Silbergeschirr entwenden. Hiermit aber war ihr nicht gedienet, weil sie nicht wuste wo sie zu betretten.

Was beginnet aber dieses rachgierige Weib? sie saget, daß ihr dadurch nicht geholffen, und daß dieser Streich nicht geschehen mögen, sonder Hülff und Raht eines von ihren Hausgenossen, welcher sonder allen Zweiffel Mastick sey; solte deßwegen seine Gestalt auch darbey erscheinen machen.

Ginetta hinterbringt solches ihrem Meister, dem Teuffel, und wird deßwegen (ihrem Vorgeben nach) von ihm geschlagen, daß sie die Wahrheit mit der Unwahrheit vernachtheilen wollen.

Also nemlich kan sich der böse Feind bergen, und ihme Glauben und Trauen auswürcken.

Ginetta aber verspricht die Gestalt Masticks, in einem Spiegel darbey, fürzuweisen, darmit Valdrea auch zu frieden, und solches ihrer Fürstin unverzögert angedeutet, daß sie doch eine Dienerin mitschicken, und wolte sehen lassen, wie Mastick um den neulichen Diebstal gute Wissenschaft und Antheil gehabt. Ob nun wol die Fürstin Anfangs darein nicht willigen, und den Satan gleichsam um Raht fragen wollen, hat ihr doch Valdrea die Sache so leicht gemachet, und daß sie auch ihren Spiegel, wegen deß gebräuchlichen Schmucks zu raht ziehe, daran weniger gelegen, u.s.w. geantwortet.

Nachdem nun die Fürstin eine Dinerin, Ramberta genannt, dahin gesendet, und die Sach besagter Massen angehöret, daß nemlich Mastick Wissenschafft und als ein Beystand der Diebe seinen Antheil von dem entwendten Silbergeschirr habe, hat sie den unschuldigen Schrifftling[92] in Verhafft nemen, und an die Folter oder peinliche Frage werffen lassen. Dieser Jüngling war zart, und bekendte aus Schmertzen, was er nie zu Sinne genommen zu thun. Kein Verdacht konte wider ihn (weil man von den Zauberspiegel nichts melden dorffte) gebracht werden, ausser dem, daß er offt zu spielen pflegte, und keine Mittel darzu habe. Ob er wol sich Anfangs entschuldigte, daß er vom gewonnenen Geld spielte, wolte es doch nichts helffen, und wurde ihm auch aufgerucket, daß er aus Gasconien, [38] da die Kinder mit langen und pichichen Fingern geboren werden, und er sonder Zweiffel nicht aus der Art geschlagen wäre.

Kurtz zu sagen, der arme unschuldige Mastick wurde zum drittenmal peinlich gefraget, und als ein Haus-Dieb zu dem Strang verurtheilet. Seinem Beichtvatter bekennte er, daß er solchen Diebstal noch begangen, noch begehen helffen, mit Bitte solches nach seinem Tod anzusagen, und daß er solches aus Marter bekennet, u.s.f. Valdrea sahe ihn hinrichten, und erfreuete sich, daß sie nunmehr ihre Verachtung mit seinem Tod gerächet. Seine Unschuld aber muste bald über ihren Kopff kommen.

Wenig Tage hernach wird ein Mörder eingezogen, welcher bekennt, daß er besagtes Silbergeschirr entwenden helffen, und daß seine Gesellen in Engeland entwichen, ihme aber seinen Antheil zuvor zugestellet. Mastick, sagte er beständig, wäre dieses unwissend gewesen, und auf diese Bekäntniß wolte er sein Leben enden, wie denn auch erfolgt. Uber dieses schwätzete Ramberta von der Ginetta Kunst, oder vielmehr Zauberspiegel, und wurde Valdrea benebens der Hexen und Ramberta in das Gefängniß gesetzet: da denn der gantze Verlauff sich eröffnet, und die zwo Alten gehenckt, und verbrennet, Ramberta aber, weil sie aus Einfalt ihrer Fürstin gehorsamt, der Gefängniß erlassen worden.


Der verfluchte Zauber-Spiegel,

ist der Falschheit wahres Siegel:

wer mit dem zu Rahte geht,

Seel und Leib in Wagniß setzt,

ja die höchste Majestät

hat ein solcher Mensch verletzt;

Darum dort der Höllen-Flammen

schlagen über ihn zusammen.


II. Zum andern, hat D. Faustus sich beholffen, neben andern, mit der Käiser, Könige, ja der Päpste bösen Exempeln, welche in dieser Kunst excelliret, und sich fast berühmt gemacht, als die Historien, und in denselben ihr beschriebener Lebens-Wandel, ausweisen.

[93] Als Sylvester der Andere, oder Hildebrand, gar jung nach Orleans in ein Closter kame, da fande er allda andere fromme Mönche, die mit Teuffels-Beschwörungen umgiengen, von denen er auch die Kunst erlernet.

[39] Von dem Papst Johanne dem XIII. wäre viel zu schreiben, wenn es die beliebte Kürtze zugeben wolte, welcher sich über alle massen in der Magia und Zauber-Künsten vertieffet; derselbe damit er den Teuffel desto eher und mehr an sich bringen möchte, soll er, wenn er geopffert, und anders an der heiligen Stätte verrichtet, diß alles unter dem Schein deß Gottes-Diensts dem Teuffel verrichtet, ihn auch in solchem Namen erfordert, und angeruffen haben.

Deßgleichen Johannes der XIX. von welchem Benno, ein Cardinal, viel schreibet, der soll einen Spanier, einen Crystall-Seher, um sich gehabt haben, und so viel von ihm erlernet, daß er hernach, laut der Verbündnüß mit dem Teuffel, und seines Beystands, zum Päpstlichen Stul gelanget.

Ebenmässiges schreibet ermeldter Benno vom Papst Johanne dem XX. welcher auch ein grosser Schwartz künstler gewesen: wie nicht minder vom Papst Johanne dem XXI. einem Portugiesen, bürtig aus Lisabon, welcher erstmals in einem Closter seine Teuffels-Beschwörungen trefflich triebe, (als ein Sennischer Abt von ihm schreibt) vermittels welcher Ubung ward er bald zum Tosculanischen Bischoff, hernachmals gar zum Papst erwählet.

So ist Gregorius der Siebende, ein Ausbund aller Zauberer gewesen.

Und damit wir nicht allzuweit ausschweiffen, sollen von obgedachten Sylvestro II. an, bis auf diesen Gregorium VII. achtzehen Päpste gewesen seyn, welche die Zauberey und Teuffels-Beschwörung nicht allein geübet, sondern auch sich dem Teuffel gantz und gar ergeben haben.

Hernachmals haben sich ihrer noch mehr hierinnen der Nachwelt bekandt gemacht, als Gregorius der XI. Benedictus der IX. Paulus der II. Alexander der VI. welcher von den Papisten selbsten Pestis maxima genennet worden.

Wohin denn ohne Zweiffel D. Faustus wird gesehen, und vermeint haben: ist das solchen grossen und heiligen Leuten der Christlichen Kirchen Vorstehern, billich und recht gewesen, wie viel mehr wird es mir recht seyn, alldieweil man doch sagt, daß sie nicht irren können? u.s.w.

Galerius Maximus der Käiser, ist ein grosser Tyrann und Schwartzkünstler gewesen, welcher nichts hat angefangen ohne Rahtfragung [94] der Teuffel; hat die Zauberer und Schwartz[40]künstler in grossen Ehren gehalten, und zu grossen Herren gemacht.

Maxentius, der Römische Käiser, ist auch ein grosser Zauberer gewesen, hat bisweilen schwangere Weiber aufgeschnitten, und der neugebornen Kindlein Eingeweide besehen, und Vertrauen auf den Teuffel und die Zauberer gesetzet.

Julianus, der hernach Käiser worden, und vom Glauben abgefallen, hat seinen Præceptorem den Maximum, der ein grosser Zauberer gewesen, für seinen vornemsten Raht gehalten; Er hat gantz Griechenland durchzogen, und die Zauberer und Wahrsager von seinem Reich rahtgefraget.

Der Römische Käiser Valens hat durch Beschwörung den Teuffel gefraget, wer nach ihm würde zur Käiserlichen Würde gelangen? aber der Teuffel hat ihm nicht richtige, sondern dunckele Antwort gegeben, welche denn ein Ursach gewesen, daß viel Leute darüber seynd ertödtet worden.

Zoroastres, der erste König der Bactrianer, wolte deßwegen gar für einen GOtt angesehen und gehalten werden. Denn er kondte die Sternen, gleich als Funcken, zu sich bringen, daß er damit, als durch ein Miracul und Wunderwerck, die Unverständigen desto mehr sich über ihn zu entsetzen und zu verwundern, an sich brächte. Endlich ist er vom Teuffel, dem er zuviel Plage angelegt, mit seiner Zauberey verbrannt worden; welches seine Jünger mit einem herrlichen Scheine also ausgeleget und gedeutet, daß er, als ein sonderlicher Freund der Götter, in einem feurigen Wagen gen Himmel genommen worden: derhalben er den Namen Zoroastres, das ist, vivens Astrum, bekommen. Er hat gelebet zur Zeit deß Königs Nini, mit dem er auch gekrieget.

Daß der König Manasse ein grosser Zauberer gewesen, ist ausser allem Zweiffel; denn von ihm wird ausdrüc klich gelesen im andern Buch der Chronica im 33 Cap. v. 6, daß er habe Tage gewählet, und auf Vogelgeschrey geachtet, und hab gezaubert, und Wahrsager und Zeichendeuter gestifftet.


III. D. Faustus ist letzlich in seinem verdamlichen Vorhaben auch hierdurch gestärcket worden, daß gleichwol die Zauberey ein solches Thun seye, wordurch diejenigen die hierinnen hochgestiegen, vor der Welt ein sehr grosses Ansehen überkommen mögen.

Also ward der Cardinal Brazutus etlichen Päpsten, welcher Præceptor er in der Nigromanti und Schwartzen Kunst [41] gewesen, so angenehm und lieb. daß er von ihnen auch für ihren GOtt ist angeruffen worden.

Simon der Zauberer, mit welchem der Apostel Petrus zu Rom viel [95] zu thun hatte, war bey dem Käiser Nerone in solch hohem Ansehen, daß er gleich einem Gott gehalten wurde; und, da ihm der heilige Petrus seine Zauberey niederlegte, dazumal als er vorgabe, er wolle in das Gestirn zu den Göttern fliegen, und auf das Wort Petri herab fiel, ward der Käiser dermassen darüber entrüstet, daß der liebe Apostel daher das Leben verlieren muste.

Dieser Zauberer Simon, rühmete sich sehr seiner grossen Thaten und Wercke, und sagte: Ich kan mich für denen unsichtbar machen, welche mich greiffen wollen, und wiederum wenn ich will, laß ich mich sehen: wenn ich entrinnen will, kan ich Berge und Steine durchtringen, als weichen Koth: wenn ich mich von einem hohen Berg herabstürtze, komme ich unverletzt auf die Erde, als wenn ich geflogen wäre: bin ich gebunden, so will ich mich selbst ledig machen, und die, welche mich gebunden haben, kan ich binden. Werde ich in einen Kercker geworffen, so sollen die Thüren selbst aufgehen: die Bilder und Götzen will ich lebendig machen, daß man soll vermeinen, sie seyn lebendige Menschen. Ich will machen, daß plötzlich Bäume und Sträuche sollen aufwachsen: wenn ich ins Feuer geworffen werde, werde ich nicht brennen: mein Angesicht verwandele ich, daß man mich nicht kennet; und zeige mich den Leuten, als ob ich zwey Angesichter hätte. Ich kan zu einem Schaf, Geyse, und andern Thier werden: ich fliege in die Lufft, gleich als ein Vogel: ich kan Goldes genug sehen lassen. Und was ists vonnöthen, daß ich viel sage? alles was ich will, das kan ich thun, denn ich habe schon viel Dinge vorhin versuchet und vollbracht.

Einsmals als mich meine Mutter Rachel hieß auf den Acker gehen und schneiden, hab ich allda die Sichel sehen liegen, ihr von Stund an gebotten, daß sie hingienge und schnitte; sie schnitte auch zehenmal mehr weder die andern.

Dieses und noch ein mehrers schreibet von ermeldtem Simone Mago, Clemens, der Jünger deß Apostels Petri, lib. 2. Recog.

Bodinus erzehlet folgende Geschicht, Dæmonom. Teutsch. l. 2. c. 7. p. 133. Zu Cordua in Andalusia, ist eine junge Dirne von sechs Jahren, in ein Nonnen-Closter gestossen worden, [42] welcher der Satan in Gestalt eines Mohren erschienen, und hat mit ihr als einem Kind gespielet und geschertzt, ihr doch allezeit hochverboten, sie solte niemand von seiner gemachten Kundtschafft mit ihr Meldung thun. Diese nun erwiese bald einen trefflichen Verstand in allen Sachen, daß sie deßwegen von den andern hochgehalten worden. Als sie nun zu dem zwölfften Jahr gelanget, hat sie der Teuffel beschwätzt, sie solte sich mit ihm vermählen, er wolte sie für die allerheiligste Nonne in gantz Hispanien, [96] an Statt deß Heirathsguts machen, und zu übergrossen Ehren bringen. Diese unberichte Magdalena (also hiesse sie) willigte in sein Begehren, und indeme ihr der unreine Geist beywohnete, hat ein anderer Teuffel in ihrer Gestalt, in der Kirchen betend sich sehen lassen.

Diese Magdalena sagte, was in der gantzen Welt geschahe, und kame darüber in den Ruff, daß sie eine Prophetin wäre, wurde auch deßwegen zu der Aebtesin deß Closters erwählet, ob sie wol das sonst darzu erforderte Alter noch nicht erlanget. Zu Oesterlicher Zeit verlor der Priester eine Hostie, und selbe hatte die abwesende Abbtesin Magdalena in dem Munde, als ob sie ihr von einem Engel gegeben worden. Die grossen Herren schrieben ihr zu, daß sie bey GOtt für sie bitten möchte, und fragten sie auch in wichtigen Sachen zu Raht. Und dieses triebe sie bey 30 Jahren; weiln sie aber befürchtet, sie möchte endlich von etlichen ihren Schwestern verrathen werden, hat sie sich selbst angeklaget, und von Papst Paulo III. Perdon erlanget.

Gewiß aber ist dieses, daß offtermals weltliche Ehr und Hoheit die Hertzen verblendet, und Ursach und Anlaß zur Zauberey gibt. Mancher ist verachtet für der Welt, lebt in einem geringen Standt, ist aber darmit nicht zu frieden, er will höher hinaus und über andere steigen, und sihet gar nicht auf GOtt und dessen Willen: und dieweil er an seiner Hülffe verzaget, und meinet GOtt werde ihn nicht erhöhen zu seiner Zeit; es wäret auch etwas lang damit, er sihet, wie immer andere höher und grösser werden als er, so nimmt er denn den Teuffel zu hülff, ergibt sich demselben, treibet Zauberey, und wird durch Mittel derselben und deß Teuffels Hülff, der jenige, der er gern längst aus Hochmut gewesen wäre; wie solches die Exempel unterschiedlicher Päpste bezeugen, die durch Zauberey und Hülff deß Teuffels, auf den Päpstlichen Stul erhöhet worden. Hildebrand in Goet. p. 267.

[97]
Das 6. Capitel
[43] Das sechste Capitel.
Wie D. Faustus sich unterstehet den Teuffel zu beschwören.

Als nun D. Faustus in dieser seiner vorhabenden teufflischen Kunst so viel erlernet und gestudiret, so viel ihm nemlich zu seinen Sachen, und das jenige zu überkommen dienstlich seyn würde, was er lang zuvor begehret hatte, sihe, da gehet er einsten an einem heitern Tage aus der Stadt Wittenberg, um zu suchen und zu finden einen bequemen und gelegenen Ort, allwo er füglich seine incantationes und Teuffels-Beschwörungen möchte bewähren, und dermaleinst in das Werck setzen: findet auch endlich ungefehr einer halben Meilen Wegs von der Stadt gelegen, einen Wegscheid, welcher fünf Ausfahrten und Gänge hatte, darbey auch groß und breit, und also ein erwünschter Ort war. Bey diesem Wegscheid verbliebe er den gantzen Nachmittag, und nachdeme der Abend herbey kommen, Faustus aber gesehen, daß keine Fuhr mehr, oder jemand anders, durchgienge, nahme er einen Reif, wie die Küfer, Büttner oder Bänder haben, machte daran viel wunderseltzame Characteres, nebens diesem auch setzte er noch zween andere Circkel oder Ründe.

Und da er solches alles nach Ausweisung der Nigromantia bestermassen angestellet und verrichtet hatte, gieng er in den Wald, der allernechst darbey gelegen war, der Spesser-Wald genannt, und erwartet mit Verlangen der Mitternachts-Zeit, zu welcher Zeit er wol wuste, daß der Mond sein volles Liecht und Schein haben würde: kaum aber ist die [44] Zeit herbey kommen, so hat er sich aus dem Wald in den mittlern Reif oder Circkel gemacht; beschwur also gleich Anfangs mit Mißbrauchung Göttliches Namens und Verlästerung, den Teuffel zum ersten, und andern, und dritten mal.

Kaum waren die Wort recht ausgeredet, da sahe er alsobald, alldieweil der Mond schon helle schiene, eine feuerige Kugel anher kommen, die gieng dem Circkel zu mit solchem Knallen, gleich ob eine Musqueten wäre los gebrannt worden, [98] fuhre aber gleich darauf mit einem feuerigen Strahl in die Lufft; ob welchem allen denn der D. Faustus sehr erschrack, so, daß er auch aus dem Circkel lauften wolte, jedoch gedachte er dieses dabey, gehe er gleich aus dem Circkel, so werde er doch nicht mehr lebendig anheim kommen: fassete derwegen wieder einen Mut, beschwure den Teuffel aufs neue auf obige Weise; aber da wolte sich nichts mehr regen, noch ein Teuffel sehen lassen. Nam derhalben eine härter lautende Beschwörung zur Hand; alsbald entstunde im vorerwehnten Wald ein solcher ungestümmer Wind und Winds-Brausen, daß es das Ansehen hätte, als ob alles zu Grund gehen wolte: und kurtz hierauf rannten aus diesem Wald etliche Wägen mit Rossen bespannet, bey dem Circkel in einer Fury vorbey, welche einen solchen Staub machten, daß Faustus bey dem hellen Mondes-Schein nichts nicht sehen kunnte.

Da nun dieses alles ein Ende hatte, dabey aber D. Faustus, wie leichtlich zu glauben, so erschrocken und verzagt ware, daß er schier auf seinen Füssen nimmer stehen kunnte, und wol mehr als hundert mal wünschte, daß er 100 Meilen Wegs von dar [45] wäre, sahe er wider alles Verhoffen, gleich als unter einem Schatten ein Gespenst oder Geist um den Circkel herum wandern: zur Stund fassete er wiederum einen Mut und beschwur den Geist, er solte sich erklären, ob er ihm dienen wolte oder nicht? Er solte nur frey reden. Der Geist gab bald zur Antwort, er wolle ihm dienen, jedoch mit diesem Bedinge, daß so er anderst etlichen Artickuln und Puncten, welche er ihm vorhalten wolle, werde nachkommen, so wolle er die Zeit seines Lebens nicht von ihm scheiden.

D. Faustus vergaß auf dieses alles seines vorigen Leides, und gehabten Schreckens, und war in seinem Gemüte recht frölich, und zu frieden, daß er dermaleinst, nach so vielen ausgestandenen Sorgen, das jenige erlangen und überkommen solte, wornach seinem Hertzen so lange Zeit verlanget hat, und sagte getrost zum Geist: wolan, dieweil du mir dienen wilt, so beschwöre ich dich nochmals zum ersten, andern und dritten mal, daß du morgen in meiner Behausung erscheinen wollest; allwo wir denn von allem dem daß ich und du haben wollen, zur Genüge reden und handeln wollen.

[99] Dieses saget der Geist dem D. Fausto zu: alsobald zertratt er den Circkel mit Füssen, und gienge mit Freuden herausser, erwartete mit sehnlichem Verlangen deß bald ankommenden Tages, nach deme er in die drey Stunden lang mit solchem Beschwörungs-Werck zugebracht hatte.

Anmerckung.

I. Aus was Ursachen D. Faustus seine Teuffels-Beschwörungen eben an den Wegscheiden und Creutzwegen, und nicht anderswo getrieben, auch solche Weise noch heutiges [46] Tages von den Zauberern in Acht genommen werde, und solte eines wol wissen wollen.

Der Prophet Ezechiel, seiner Weissagung im 21. v. 21. spricht also: Der König zu Babel wird sich an die Wegscheide stellen, fornen an den zweyen Wegen, daß er ihme Wahrsagen lasse, mit den Pfeilen an das Los schiesse, seinen Abgott frage, und schaue die Leber an.

Aus welchen Worten denn abzunemen ist, weiln damaln in Egypten, Chaldæa und Persia die Zauberey sehr im Schwang ging, daß sie ihre Beschwörungen und ande re Zauber-Stücke an den Wegscheiden müssen getrieben haben. Massen denn auch Cardanus saget l. 18. de Subtilit. daß die Zauberer ihre Mittel, mit welchen sie den Leuten Schaden zufügen wollen, zu graben pflegen unter die Thürschwellen, oder an die Wege, welche Creutzweise übereinander gehen, oder in die Regenflüsse: auch treiben solches etliche auf den Todtengräbern, nach den Worten Ovidii:


Per tumulos errat sparsis discincta capillis,

certaque de tepidis colligit ossa rogis.


II. Zum andern, ist bey dem Wörtlein Nigromantiæ allhier zu mercken, daß Nigromantia, Necromantia, die Schwartzekunst zwar insgemein genennet werde, theils weil solche von dem schwartzen Cäsperle, dem Teuffel selbst gelehret und gelernet wird, welcher, weil er ein Fürst der Finsterniß, wie er genennet wird in der Epistel an die Ephesier, im 6. v. 12. gemeiniglich auch in schwartzer scheußlicher Gestalt erscheinet, darneben auch zu den Wercken der Finsterniß Lust hat, und sie treibet, der Schwartze genennet, und gemeiniglich schwartz gemahlet wird: theils weil sie solche Zauberkunst in der Schwärtze oder Finsterniß heimlich und verborgen, durch Hülffe der schwartzen Teuffel, üben und treiben, ita D. Dieterich, Tom. 2. Sap. Conc. 5. p. 1025.

Iedoch schreibet Goldastus, von Confisc. der Hexengüter, p. 77. daß dieses barbarisch geredt sey, und von den Ungelehrten erstlich erdacht worden, die nicht gesehen, daß es kein Lateinisch, sondern ein [100] Griechisches Wort ist, von νεκρὸς, welches einen Todten heisset, und von μαντεία, welches soviel heisset als Divinatio oder Weissa gung. Und kan wol seyn, daß diese Art der Zauberey die älteste sey, denn auch von Alters her die Zauberer Necromantici allein seynd genennet worden: und soll dieser Greuel Anfangs von den Heiden herkommen seyn, von denen gelesen wird, daß sie gewisse Opffer gethan, die Erden [47] und Gräber mit Wein, Wasser und Milch begossen, und ihre zauberische Beschwörung gebraucht, wordurch sie die Todten aus der Erden hervor zu bringen vermeint, von ihnen zukünfftige Ding zu erfahren; welcher Greuel auch bey dem Volck Gottes, den Juden im Alten Testament, eingerissen.


III. Drittens, ist auch in der Histori gedacht und erwehnet worden, daß D. Faustus erstlich den Teuffel mit heiligen Worten und Ruffung GOttes Namens beschworen habe, zu letzt aber, wie auf solche Beschwörung zum andernmal kein Geist mehr erscheinen wollen, (oder vielmehr sich also gestellet) habe er eine hartlautende Beschwörung zur Hand genommen, und gebrauchet.

Solches gehet leider! annoch bey unsern Zeiten im Schwang, und bezeugets die Erfahrung an hohen und niedrigen Stands-Personen, welche ihnen kein Gewissen machen, viel heilige Namen, unter andern den Namen deß Allerhöchsten Tetragrammaton, welcher ist Jehova, (mit welchem die Juden viel Wundereyen getrieben haben) item, Adonai, JEsus CHristus, die Heilige Dreyfaltigkeit, S. Johannis Evangelium abgeschrieben, die Sieben Wort Christi am Creutz gesprochen, und viel anders mehr, auf Papier oder Pergament gezeichnet, bey sich oder am Hals, auch wol auf dem blossen Leib zu tragen, nicht anderst meinende, es könne ihnen alsdenn nicht allein keine Zauberey nichts anhaben, sondern unterstehen sich noch wol unter solchem Schein, es werden ja gute Christliche Wort und heilige Namen darbey gebraucht und ausgesprochen, übernatürliche Sachen zu verrichten; wie denn D. Faustus auch darfür gehalten und gemeinet, daß solche Namen und Wörter so heilig und so kräfftig wären, daß auch die Teuffel und Geister darfür erzittern; und sich fürchten müsten, und gleichsam gezwungen würden, auf derer Meinung, dem Menschen zu erscheinen, u.s.w.

Aber hierauf ist die Antwort, daß sie solche heilige Wort und Namen zu solchem Affenspiel gebrauchen, ist unverantwortlich, ja verdamlich. Denn je heiliger diese Wörter seynd, je grössere Sünde sie begehen, daß sie das Heiligthum so schändlich für die Hunde werffen, und mißbrauchen, ja lästern den heiligen Namen GOttes auf das greulichste, welches doch im andern Gebot mit Ernst und Eifer verboten wird.

[101] Wenn diese und dergleichen Brieflein, darauf gewisse Characteres und Worte, oder wenn gleich solche völlig, ja zum [48] öfftern ausgesprochen werden, solche starcke Würckung haben solten, so würden freilich die jenigen Personen noch mehr für dem Satan, der Zauberey, u.s.f. geschützet seyn, welche täglich mit der H. Schrift umgehen, ja gantz mit sich in Händen und Ermeln herum tragen; da doch dieselbe, wo sie nicht durch wahren Glauben in der Menschen Hertzen eingewurtzelt, und sich durch gute Früchte mercken lässet, nichts denn ein todter Buchstab ist, und bleibet, ob sie gleich tausendmal angehänget, angebunden, umher getragen, oder aufs Papier, Siegel und Ring, gedrücket wird. Wie solches der alte Kirchenlehrer Chrysostomus, Homil. 43. in Matth. bezeuget: Es tragen etliche Priester (sagt er) einen geschrieben Theil deß Evangelii am Hals, aber sage an, du Unver ständiger, wird nicht das Evangelium alle Tage in der Kirchen gelesen, daß es jederman hören kan? so nun einem die Evangelia nicht nutzen, dem sie in die Ohren gelegt seynd, wie sollen sie ihm denn helffen, wenn ers nur um den Hals träget? darnach, Lieber, worinn bestehet die Krafft und Würckung deß Evangelii? ist sie in den äusserlichen Buchstaben, oder in dem innerlichen eigentlichen Verstande? Stehet nun die in dem rechten Verstande, so wäre es viel nützlicher, daß man das Evangelium ins Hertz hinein legete, als daß mans nur ausserlich um den Hals hänget.

Die heiligen Wort betreffendt, die man spricht oder anhänget, sagt unter andern Prætor. im Gründl. Bericht von Zaub. p. m. 65. die haben an ihnen selbst keine Heiligkeit, oder seynd also gebraucht mehr heilig: denn sie werden solcher Gestalt ohne GOttes Befehl, ja wider GOttes Verbot, und wider GOtt geführet. Und der Teuffel weiß und ziehet selbst GOttes Wort an aus dem 91. Psalm vor dem HErrn Christo. Er nennet GOtt, nennet die H. Engel, er bekennet, sie müssen aus GOttes Befehl den HErrn bewahren, beym Evangelisten Matthæo im 4. v. 6. Er nennet auch JEsum den Sohn Gottes, Matth. 8. v. 29. ja er ist in der Predigt zugegen, und nimt das Wort aus vieler Menschen Hertzen hinweg, Lucæ 8. v. 12. darum fürchtet und fliehet er weder GOttes und Christi Namen noch Wort, also, und wie gesagt, gebraucht.

Und wenn er das scheuete, wie solte er denn einigen Christen anlauffen dürffen? denn sie ja alle im Namen GOttes deß Vatters, und deß Sohns und deß H. Geistes getaufft seynd, nach Christi Ordnung und Befehl, Matthæi 29. v. 19. Hilfft derowegen nichts wieder den Teuffel, wenn man auch 10 Bibeln [49] frässe, und zwantzig um sich bündete; will geschweigen, daß ein kleines Zeltlein 1 mit wenig Worten, [102] an den Hals gebunden, helffen sollte. Was hierbey geschihet, ist eitel Spiegelfechten und Betrug deß Teuffels, der sich so scheu stellet gegen den Aberglaubischen und Unverständigen, damit er durch solchen Mißbrauch deß Namens GOttes, diesen in seinem Strick behalten, und jenen auch hinein locken und fangen möge.

Sihe aber in der Apostel Geschichten, wie der Teuffel die bezahlet, die ihn also im Namen JEsu vertreiben wolten, Actor. 19. v. 16.

Fußnoten

1 ? Zettelein.

Das 7. Capitel
[104] Das siebende Capitel.
Dem D. Fausto erscheinet der Geist in seiner Behausung.

D. Faustus hat indessen mit grossem Verlangen die Eröffnung der Stadt-Pforten mit angebrochenem Tage erwartet, und bey sich wol tausenderley verwirrte Gedancken geführet, welche mehrentheils dahin gerichtet gewesen, ob ihn nicht etwan der Teuffel nur äffen möchte, ob der Geist sein Versprechen leisten und halten würde, und ihme in seiner Behausung erscheinen, in welche er ihn doch eingeladen hatte? u.s.w. Mit welchen verbosten Gedancken er sich bis in seine Behausung geschleppet, allwo er sich von Stund an in sein Studir-Stüblein verfüget, deß Geistes mit sehnlichem Verlangen erwartende.

Ein, zwey, und mehr Stunden lauffen vorbey, der Geist will doch nicht erscheinen, hinter, vorsich und neben sich sihet ohn Unterlaß D. Faustus, ob er noch nichts vom Geist erblicken möge; aber alles vergebens, so, daß Faustus sich fast deß Geistes und seiner Erscheinung verzeihen wollte: aber kurtz hierauf, da ersihet er gleich zur Mittags-Zeit einen Anblick nahe bey dem Ofen, gleich als einen Schat[50]ten hergehen, und dünckte ihn doch es wäre ein Mensch; bald aber sihet er solchen auf eine andere Weise; weßwegen er zur Stunde seine Beschwöung aufs neue anfienge, und den Geist beschwure, er solte sich recht sehen lassen. Da ist alsobald der Geist hinter den Ofen gewandert, und hat den Kopff als ein Mensch hervorgestrecket, sich sichtbarlich sehen lassen, und vor dem D. Fausto sich zum öfftesten gebücket, und Reverentz gemachet.

Anmerckung.

I. Bey dieser Einladung deß Teuffels von D. Fausto in seine Behausung, ist dieses Erinnerungs-Weise zu behalten, daß man denselben nicht eben zu Gast laden darff, er kommt sonst wol ungebetten: denn er ist ein schlauer, listiger, zugleich auch mächtiger Feind, sihet und höret alles', was wir thun und vorhaben, und wenns ihme GOtt verhänget [104] und zulässet, so verderbet er alles was gut ist, er wolte auch, daß nicht ein Gräslein oder Läublein wüchse, geschweige denn daß ein Mensch geboren würde, und leben möchte; so er denn seinen Vortheil und Gelegenheit ersiehet, diese nimmt er gar bald in Acht.

D. Luther erzehlte einsten unter andern bey einer Mahlzeit, da auch von dergleichen teuffelischer Einladen, durch grausames Verschwören, oder Fluchen, u.s.f. geredet wurde, daß da etliche von Adel auf eine Zeit von einer Gasterey anheim gekehret, und miteinander in die Wette gerennet, und unter dem Rennen einer dem andern zugeschryen, der letzte deß Teuffels, habe der jenige, so wegen zweyer Pferde, sonderlich deß jenigen so er dazu mal an der Hand führte, nicht sowol fortkommen können, das eine Pferd verlassen und den andern nachgerennet, das ledige Pferd aber seye zuruck geblieben; welchen denn der Teuffel genommen und vor ihren Augen in die Lufft geführet.

Fincelius gedencket l. 2. Mirac. folgender Begebenheit: Dreyzehen Meilen von Görlitz, sagt er, hatte auf eine Zeit ein Edelmann Gäste eingeladen und beruffen, da sie aber aussen blieben, wird er darüber zornig, und spricht: Ey wollen sie nicht kommen, so mögen alle Teuffel kommen. Von Stund an seynd [51] sie zugegen da, die er auch empfangen, weiln er sie für seine Gäste angesehen, doch hat er sie bald an den Klauen erkannt, deßwegen er denn hefftig erschrocken, und mit Weib und Kindern eilends aus dem Schlosse gelauffen. Unterdessen haben die Teuffel im Hause panquetiret, allen Mutwillen getrieben, und mit scheußlichen Rüsseln zu den Fenstern heraus gesehen und gefrolocket.

Ein kleines Kind aber war im Schrecken vergessen worden, welches die Teuffel haben ergriffen, und einer dem andern zugereichet, bis ihnen solches ein behertzter Diener, der es gewaget hat, und in die Stube getretten ist, in GOttes Namen genommen.

Eine Jungfrau hatte einen Junggesellen die Ehe zugesaget, und sich hoch verschworen, wo sie einen andern würde nemen, solle sie der Teuffel auf der Hochzeit wegführen. Was sie nun gewünschet, ist ihr auch begegnet, und da sie mit einem andern Hochzeit gehalten, hat sie der Teuffel in Gegenwart der Hochzeit-Gäste lebendig davon geführet, als Bodinus berichtet, l. 3. Dæmonom. c. 1.

Zu Forst in Nieder Laußnitz wird Anno 1638. von denen daselbst liegenden Reutern ein Fleischer oder Metzger im Holtz beraubet, und ihme hundert Thaler abgenommen.

Als nun der Metzger, welcher den rauberischen Soldaten gekennet, beym Commendanten selbiges Orts die Sache anbringt und klaget, wird der Soldat gefordert, und darüber vorgenommen. Wie er aber [105] nichts gestanden, sondern offt und vielmal bey Teuffel-holen sich vermessen und verschworen, sihe, da kommt der Teuffel endlich, einen Allomodo Rock anhabende, in deß Commendanten Stube hinein getreten; und als er von dem Commendanten gefraget wurde, wer er seye? und warum er also unangemeldet herein kommen wäre? hat er geantwortet, er sey eingeladen und geruffen worden. Darauf seinen Rock auf deß Commendanten Tisch werffende, den Soldaten bey dem Kopff erwischet, und ihn mit sich hinweg geführet: da denn die hundert Thaler vom Soldaten hinweg gefallen seynd, ist er der Soldat deß andern Tags eben an dem Ort im Holtze, da er den Fleischer angegriffen und beraubet hatte, tod gefunden worden.

Johann Georg Gödelmann von Rostock, erzehlet in seinem Buch von den Hexen folgende Geschicht, welche sich in Sachsen-Land soll begeben haben.

[52] Ein Jüngling hatte sich in eine Jungfrau verliebet, und weil er befürchtete, daß sie gegen ihm in gerühmter Gegenliebe nicht beständig verbleiben möchte, hat er solches Mißtrauen ihrem Versprechen entgegen gesetzet, darauf sie betheuerlich sich vernemen lassen: Sie wünsche, daß sie am ersten Tag ihrer Hochzeit der Teuffel holen solte.

Nachgehends vergisset sie ihres Schwurs, und verlobet sich mit einem andern, ungeachtet sie deßwegen von ihrem ersten Buler etlichmals erinnert worden. Als nun der Hochzeit-Tag herbey gekommen, und die Hochzeit-Gäste alle frölich zu Tische sassen, wachet der Braut das Gewissen auf, daß sie sich sehr traurig erwiesen.

Indem kamen zween Fremde in das Hochzeit-Haus geritten, welche man freundlich empfangen, und zu dem Tantz, der damals angefangen, geführet, dem Aeltesten auch die Braut, einen Reyen mit ihr zu thun, nach üblichen Lands-Gebrauch, höflich anbefohlen.

Dieser Gast, oder vielmehr dieser Geist, führte erstlich die Braut in dem Saal auf und nieder, darnach umfast er sie, wischet zur Thür hinaus, und führet sie in den Lüfften hinweg: seine Diener und Pferde verschwanden, daß niemand wissen mögen, wo sie hingekommen. Die Befreundte schickten aus auf alle Strassen, den Leichnam zum wenigsten zu finden und zu begraben; aber vergeblich.

Folgenden Tages kamen zween von den fremden Gästen wieder, und brachten die Hochzeit-Kleider der Braut, sagende, daß GOtt ihnen Macht gegeben über dieser Hochzeiterin Leib und Seele, weil sie sich selbst freywillig ihnen ergeben; aber nicht über ihre Kleider. Nach so gethanen Bericht seynd sie verschwunden, nicht ohne Entsetzen aller, die solches gesehen, und als eine wahre Geschicht haben angehöret.

[106]
Das 8. Capitel
Das achte Capitel.
Von dem Gespräche D. Fausti mit dem Geist.

DA nun D. Faustus den Geist hinter dem Ofen ersehen, begehret er nach wenigem Bedencken, daß er solle hervor gehen, und ihme, seinem Versprechen nach, die jenigen Artickul oder Puncten [53] vorhalten, mit was Condition und Bedinge er ihme dienen wolle.

Der Geist schlug hierauf ihme solches erstlich ab, mit dem Vermelden, er seye so gar weit nicht von ihm, er könne dennoch mit ihme von allerhand nöhtigen Sachen Unterredung pflegen. Da ereifferte sich hierüber Faustus, und wolte aufs neue seine Beschwörung anfangen, und ihn noch härter beschwören; welches aber dem Geist nicht gelegen war, (oder sich also stellte) und gieng hinter dem Ofen hervor.

Allhier aber sahe D. Faustus mehr als ihme wol lieb war, denn die Stube ward in einem Augenblick voller Feuerflammen, die sich hin und wieder ausbreiteten, und der Geist hatte zwar einen natürlichen Menschenkopff, aber sein gantzer Leib war gar zotticht, gleich als ein Bär, und mit feurigen Augen blickte er Faustum an, worüber denn dieser sehr erschrack, und ihme befahl, er solte sich wiederum hinter den Ofen machen, wie er auch thate. Darauf fragte ihn D. Faustus, ob er sich nicht anderst denn in einer so abscheulichen und greulichen Gestalt zeigen könnte? Der Geist antwortete Nein; Denn, sagte er, er wäre kein Diener, sondern ein Fürst unter den Geistern, wenn er ihm das jenige leisten und halten wolle, was er ihme werde vorhalten, so wolle er ihm einen Geist zuschicken, der ihme bis an sein Ende dienen werde, und nicht von ihm weichen, ja in allem und jeden willfahren, was nur seinem Hertzen würde belieben zu wünschen, und zu begehren.

[54] Anmerckung.

I. Erstlich, daß sich der Satan allhier in eines zottichten Bären oder Bocks Gestalt D. Fausto gezeiget, das ist ihme leicht zu thun gewesen; und befinden wir aus GOttes Wort und den Historien, daß [107] der Teuffel mancherley Gestalt, den Menschen zu erscheinen angenommen, in Gestalt der Thiere, wie er Evæ in Schlangen Gestalt erschienen, und sie zu Fall gebracht, Genes. 3. in der Gestalt eines zottichten Bocks, Katzen, Fuchses, Haasen, u.s.f. Luther in den Tischreden, c. 9. härichter Männer, Esa. 13. v. 21. et 34. v. 14. item eines Jägers, einer Weibsperson, eines Botten, wie dem Hiob: (denn etliche alte Kirchenlehrer halten dafür, daß die Botten, die dem Hiob den grossen Schaden, den ihm der Satan zugefüget, so geschwind nach einander verkündiget, nicht Menschen, sondern böse Geister und Teuffel gewesen seyn, den Hiob dadurch zu quälen.)

Bodinus sagt hiervon in diesem Stuck also, Dæmonom. Teutsch. l. 2 c. 6. p. 118. Iedoch muss man diß nun hierbey anregen, daß dennoch ein fremdes Ansehen hat, daß der Satan, so sonst im Brauch hat, allerley Leiber, wie es ihm gefällig, anzuziehen, doch mehrentheils und gemeiniglich, wenn er keine Menschen-Gestalt annimmet, in Bocks-Gestalt sich erzeiget und vorstellet: es geschehe denn vielleicht aus dieser Ursach, weil es stinkend und ein geiles Thier ist. Daher man in der Heiligen Schrifft erfähret, daß die Teuffel Böcke heissen: immassen denn der Chaldæische Ausleger über den Jesaiam dieses Wort Sair, welches einen Bock heisset, verdolmetschet. Denn der Prophet sagt im 13. und 34. Cap. Die Drachen und Böcke werden in dem Babel tantzen, und der Luiton (andere lesen Leviton) oder Satyrus wird seinen Gesellen ruffen: (andere habens gegeben) für Lustwohnung der Drachen, für Höfe der Straussen, Eulen und Weiher: für tantzende Waldmännlein, für Feld-Teuffel und Geißmännlein, die einander begegnen und einander laden. Und der Zihim würde sich da lägern, und ihre Häuser voll Hohim seyn. Allda denn etliche Zihim halten für allerley Ziegen oder Geiß Geschlecht, und Hohim für allerley hoch einfliegende Vögel: gleichwol nichts desto weniger deuten sie alle mit den Geißmännlein die gedachten Böcke an. Bis hieher Bodinus.

[55] Zu Wilster in Holstein, ist einem ehrlichen Burger folgende Geschicht warhafftig widerfahren: Als auf eine Zeit dessen eheliche Hausfrau gesessen und gesponnen, ist ihr der Teuffel in Gestalt einer Maus auf das Spinnrad gelauffen kommen. Der ungewöhnlichen Kühnheit der Maus bey hellem Tage, hat sich die Frau zu erst nicht genug verwundern können, weil sie nicht anderst ge dacht, denn es wäre eine rechte gemeine Maus. Als nun selbige Maus verschwunden, wird sie gewahr, daß ihr Garn auf der Spule klein zerschnitten ist, und von einander fället, als wäre es zerhacket, und mit Messern zerschnitten Darauf denn weiter erfolget, daß den Leuten im Hause ihre Leinwad in ihrem Kasten und draussen, auch ihre Kleider und was sie am Leibe [108] trugen, in kleine Stück zerschnitten wurden, es war alt oder neu, daß es von einander fiel.

Auch wenn sie zu Tische sassen, und gute Leute bey sich hatten, und ein gantz Tischtuch auflegten, ob sie gleich nichts sahen oder höreten, wurd es doch vor ihren Augen in kleine Stücklein zerschnitten. Und diß geschahe nicht allein an deß Wirts und der Wirtin Kleidern und leinen Geräthe, sondern auch an ihres Gesindes, auch an dem, was sie verschlossen hatten, an Kleidern und Leinen: wenn sie vermeinet dasselbige unversehret heraus zu nennen, so hieng es Stückweise wie Wolle zusammen, und fiel von einander. Und das hat eine geraume Zeit gewäret, und ist von vielen Christlichen Predigern daselbst in Holstein GOTT fleissig angeruffen worden, daß er solch Unglück und Straffe von den Leuten gnädiglich abwenden wolle; welches GOtt endlich erhöret, und dem bösen Feind gesteuret, daß solch Creutz zu letzt aufgehöret.

Das dienet uns nun zu unserer Gewissens Information, sagt Herr M. Freudius, in den Gewiss. Fragen von Zaub. p. 51 also, daß wir uns vom Wort nicht lassen abführen: Christus will mit uns handeln durchs Wort und Sacramenta, diß und kein anders: wer sich daran nicht genügen lässet, was ists Wunder, daß sie vom Teuffel verführet und betrogen werden? Item, daß wir uns nicht mit sol chen Gedancken und Einbildungen bethören, der Teuffel erscheine alle wegen in seiner scheußlichen und greulichen Gestalt, wenn er die Menschen versuchen und verführen wolle, nein; der Teuffel, [56] als ein tausendkünstiger Protheus weiß und kan mancherley Form und Manier gebrauchen, gleichwie auch die falschen Propheten und reissende Wölffe unter Schafskleidern sich verbergen, wie der HErr Christus lehret Matthäi 7. Ja wo er nicht von der höhern Gewalt GOttes gehindert wird, so kan er in derjenigen Form und Gestalt erscheinen, in welcher er will; doch erscheinet er gemeiniglich in der jenigen Gestalt, in welcher er seinen Zweck am meisten gedencket zu erreichen, und deß Menschen Eigenschafften, Temperament und Inclinationen oder Neigungen vermeinet am gleichsten zu werden, ihm zu schaden, und ihn je länger je mehr in sein Netz zu ziehen: denn wie der Menschen Hertzen stehen, darnach erscheinen auch die Gesicht und Offenbarung, sagt Herr Lutherus an einem Ort.

Wir haben aber auch hiebey die Providentz und Güte GOttes zu erkennen, in dem gelehrte und wolerfarne Leute observiret haben, daß der Teuffel gemeiniglich in vili et horrenda figura, in verächtlicher und abscheulicher Gestalt dem Weibes-Volck sonderlich erscheine, daß solche Weiber hernacher die Entschuldigung nicht vorwenden können, [109] sie hätten gedacht, es wären Engel, und nicht Teuffel, weil sie in schöner lieblicher Gestalt ihnen vorkommen wären.


II. Zum andern, daß Teuffel seyn, so man Diabolos nennet, ist gewiß. Die Sadduceer zwar glaubten weder Engel noch Teuffel; aber das Buch Mosis weiset ein anders: und im Neuen Testament finden wir, daß der HErr CHristus Teuffel ausgetrieben habe, Matth. 8. 9. 12. 17. Marci 1. 3. 5. 7. 9. 15. Lucæ 4. 8. 9. 11. Ja er selbst der HErr CHristus ist vom Teuffel in der Wüsten versuchet worden, Matth. 4.

Das Wort Diaboli (welches die Teutschen Teuffel genennet, wiewol es etliche vom tieffen Fall herziehen) ist Griechisch, ἀπὸ τοῦ βάλλειν, und heist zu Latein Calumniator, ein Verleumder: denn er uns Menschen immer vor GOTT verleumdet, und machts vor seinem Gericht gleichsam wie die böse Juristen, die mit Lügen und Calumnien ihre Gegenpart suchen schwartz zu machen. So machte er es vor GOtt deß unschuldigen Hiobs halber, den er also verleumdete, als ob ihm seine Gottesfurcht kein Ernst wäre, sondern daß er nur GOTT dienete um seines eigenen Nutzens willen, Job. 1. v. 9. 10.

[57] Dannenher haben ihn die Hebreer Satan, das ist, Feind, Hässer, oder Widersacher genennet; welchen Namen er mit Recht hat ab effectu, von seinem Thun und Vornehmen, da er in allen seinem Wercken GOtt und Menschen zu wider ist. Gleichwie es auch Salomon im Buch der Weisheit am 2. v. 24 andeutet, da er spricht: GOtt hat den Menschen geschaffen nach seinem Bild, daß er unsterblich seyn solte, aber durch deß Satans Neid ist der Tod in die Welt kommen. Dessen denn auch sonst an andern Orten mehr in Heiliger Schrifft gedacht wird.

Ja nicht allein die Heilige Schrifft, sondern auch allerley Geschlechte der Philosophen, die Academici, Peripatetici, Stoici, und Araber stimmen hierinn, daß Geister und Teuffel seyen, überein: Also, daß wer es in Zweiffel ziehen wolte (gleichwie die Epicurische Atheisten thun) der müste gantz ungereimt die Principia Metaphysica verneinen, ja daß ein GOtt sey laugnen: welches doch vom Aristotele ist bewiesen worden, samt der Bewegung der Himmlischen Cörper, die er den Geistern und Intelligentiis, oder verständigen Kräfften, zugibt. Denn diß Wort Geist, verstehet sich beydes von Engeln und von den Dæmonibus oder Teuffeln. Und wiewol Plato, Plutarchus, Porphyrius, Jamblichus, Plotinus, dafür halten, daß es gute und böse Dæmones habe: jedoch verstehen billich die Christen das Wort der Dæmonum stets für unsaubere böse Geister.

Auch die Theologische Facultät in der Sorbon zu Paris, hat in ihrer Determination Anno 1398 den 19 Septembris, nach der Meinung [110] der alten Lehrer, die jenigen für Ketzer erkandt, so da halten, daß auch gute Dæmones seyen. Gleichwie hingegen die Engelischen Geister allezeit für gut werden gehalten. Welches denn ein nothwendiger Unterscheid ist, damit man den jenigen, die unter der Vermäntelung der guten Dæmonum, die Teuffel erfordern und anruffen, ihre gottlose Entschuldigung benemen möge. Bodinus, l. 1. Dæmonum. c. 1.


III. Es seynd aber die Teuffel böse Geister, und von GOTT verstossene Engel, welche freilich von GOTT dem HErrn erstlich reine, verständig und mit einem freyen Willen, gleich andern guten Engeln zur Ehre GOttes geschaffen, und mit grossen Gaben gezieret worden: aber dieweil sie solcher Gnaden-Gaben gemißbrauchet, sich also selbst willig von GOtt abgewendet, und den dem gefallenen menschlichen [58] Geschlechte zu guten versprochenen Erlöser und Heiland trotziglich verachtet haben, seynd sie ihrer vorigen Gerechtigkeit und Frömmigkeit beraubet, unflätige Geister und Feinde GOttes und deß gantzen menschlichen Geschlechtes worden; wider welchen sie auch täglich mit grossem Grimm, Haß und Toben, wüten: darum sie denn auch von GOTT ver stossen, und zur ewigen Verdamniß aufbehalten seynd.

Und zwar ist in diesem Stück die Meinung der Alten der sicherste Weg: denn dieselbigen haben gelehret und darfür gehalten, daß GOtt alle Geister in der Gnaden, und ohne Sünde geschaffen habe, aber als etliche unter ihnen sich wider ihren Schöpffer auflänen wollen, darüber seyen gestürtzet worden. Woher sie auch ziehen deß Drachen Fall, der eine grosse Anzahl Sternen mit ihm herab gezogen: dardurch in der Offenbarung S. Johannis im 12. Cap. der Oeberste oder Fürst aller Dæmonum oder bösen Geister, samt seinen Unterthanen bedeutet wird.

S. Augustinus redet gleichfalls auch also darvon im 22. Capitel deß 8. Buchs von der Stadt GOttes. Derowegen solche Meinung, als die älteste und ansehnlichste auch von den Christen wird für glaubhafft angenommen Bodin. cit. loc.

[111]
Das 9. Capitel
Das achte Capitel.
Von etlichen Articuln und Puncten, welche der Geist dem D. Fausto vorgehalten hat.

AUf sothanen Vorschlag deß Satans antwortete D. Faustus, er solle ihm nur sein Begehren eröffnen und vorhalten; der Teuffel spricht, so schreibe sie denn von Wort zu Worten auf, und gib alsdenn hierauf richtigen Bescheid, es wird dich nicht gereuen. Ich will dir hiermit fünff Articul vorschreiben, nimst du sie an, wol und gut, wo aber nicht, solst du mich hinfüro nicht mehr zwingen zu erscheinen, wenn du auch gleich alle deine Kunst zu raht ziehen, und dich deren gebrauchen würdest.

Also nahm D. Faustus seine Feder zur Hand, und verzeichnete solche, wie folget:

[59] I. Er solle GOTT und allem himmlischen Heer absagen.

II. Er soll aller Menschen Feind sein, und sonderlich derjenigen, so ihn seines bösen Lebens wegen würden straffen wollen.

III. Clericis und Geistlichen Personen solle er nicht gehorchen, sondern sie anfeinden.

IV. Zu keiner Kirche gehen, die Predigten nicht besuchen, auch die Sacramenta nicht gebrauchen.

V. Den Ehestand hassen, sich in denselben nicht einlassen, noch verehlichen.

Und wenn er diese fünff Articul und Puncten wolle annehmen, so solle er sie zur Confirmation mit seinem eigenen Blut bekräfftigen, und ihm eine Obligation, mit seiner eigenen Hand geschrieben, übergeben, alsdenn wolle er ihn zu einem Mann machen, der nicht allein allerhand erdenckliche Lust und Freude haben, und die Zeit seines Lebens über geniessen solle, sondern auch das seines gleichen in der Kunst nicht seyn werde.

D. Faustus sasse hierüber in sehr tieffen Gedancken, und je mehr und öffter er diese greuliche und Gottsvergessene Articul übersahe und überlase, je schwerer sie ihme zu halten [112] fallen wolten: jedoch bedachte er sich endlich, und gedacht bey sich selbst, alldieweiln doch der Teuffel ein Lügner seye, und ihme schwerlich alles das jenige, wornach etwan seinem Hertzen verlangen würde, seiner Zusage nach, schaffen und zu wege bringen solte, so wolle er auch alsdenn noch wol anders Sinnes werden.

Und wenn es ja mit der Zeit dahin käme, daß er ihn, als sein wahres Unterpfand, haben und hin[60]nehmen wolte, so wolte er wol beyzeiten ausreissen, und sich wiederum mit der Christlichen Kirchen versöhnen: Würde ihm denn über alles Verhoffen, die Zeit und Raum zu kurtz, sich zu bekehren, so habe er gleichwohl nach seines Hertzens Lust und Begierde in dieser Welt gelebet: Halte der Geist etwan in einem und andern keinen Glauben, laut seiner Zusagung, so seye er ihm auch hinwiederum nicht Glauben zu halten schuldig. Derohalben er folgender Gestalt geantwortet:

Mit deinen obschon wenigen Articuln und Puncten verursachest du mir, Geist, nicht geringe Bangigkeit; Jedoch alldieweil du von mir derentwegen eine runde Resolution haben willst, so nimm ich den ersten Articul an, dieweil ich doch jederzeit an der Auferstehung der Todten gezweiffelt, noch anjetzo ein Jüngstes Gericht glaube.

Der andere Articul will mir etwas schwerer fallen, daß ich aller Menschen Feind seyn solle; daraus denn folgen müste, daß ich auch die jenigen hassen und anfeinden solte, die mir niemals Leides gethan hätten? So habe ich ja jederzeit die Beywohnung der Leute geliebet, und kan deren nicht wol entberen oder entrahten: mit wem hätte ich sonst meine Freud und Ergötzlichkeit? Dieses aber will ich wol zusagen und versprechen, wer mich wird anfeinden, und mir übel wollen, dessen Feind will ich sein und bleiben. Begehrte derohalben, man solte ihm diesen Articul zu seiner Willkühre und Gefallen anheim stellen, er würde sich schon hierinn vorzusehen wissen.

Was aber den dritten Articul belangte, sagt er, so sey er allezeit vorhin ein Pfaffen-Feind gewesen; zu [61] dem Ende auch und wegen der wenigen Zuneigung darzu, habe er von der Theologia gäntzlich abgelassen.

[113] Den vierdten Articul köndte er auch wol halten; er achte doch ohne das nicht viel auf die Predigten, noch andere Ceremonien und Sacramenta der Kirchen, da wolle er gute Gewerschafft thun, deren müssig zu gehen.

Letzlich, daß er den Ehestand vermeiden solle, dessen trage er ja noch allerley Bedenkens; doch gleichwol wenn er betrachte, daß in dem Ehestand allerhand Creutz, Unruhe, Sorgen, ewige Verbündniß, und offtmals deß Weibes böse Sitten und Untugenden vorfallen, habe er nicht Willens sich zu verehlichen: er könne sich doch wol mit Köchinnen und Concubinen behelffen.

Auf welche deutliche Erklärung, hat der Geist nichts weiter eingewendet, sondern geschwiegen, und diesen Bescheid ertheilet: So komme dem, so viel dir immer müglich ist, nach, aber deine eigene Handschrifft mit deinem Blute bezeichnet, wirst du mir geben; stelle es also an, und lege sie auf den Tisch, so will ich sie holen.

D. Faustus antwortet, wolan es ist gut: aber eines bitte ich dich zur Letze, daß du mir nicht mehr so greulich, und in jetziger Gestalt erscheinen wollest, sondern etwan in eines verkleideten Menschen Gestalt: welches denn der Geist dem Fausto zu sagte, und also verschwande.

[62] Anmerckung.

I. Hilff lieber Gott, welch ein grosser und abscheulicher Greuel ist dieser, daß dieser elende Mensch in solche teuffelische Articul und Puncten einwilliget, und sich also wider GOTT, Engel und Menschen, wie auch wider besseres Wissen und Gewissen, mit seinem und aller Menschen, ja GOttes und der heiligen Engel abgesagtem Feinde verträget, und in eine verdammliche Bündniss einlässet: es muß ja ein Christliches Hertz ob dieser dem Original gemässer Erzehlung erzittern und erstaunen.

Also nemlich und solcher Gestalt gehet es, wenn man GOttes Wort fahren lässet, GOtt aus den Augen setzet, den H. Geist aus dem Hertzen mutwilliglich vertreibet, und seinem eigenen Gehirn, und fleischlichen Begierden und Lüsten immerdar folget, auch sich durch nichts, weder Warnen noch Straffen, nicht will einreden lassen.

Und diß ist eben die rechte und einige Ursach, warum dieser Mensch so tieff gefallen, ja in die ewige Verdammniß gefallen: denn [114] die Schuld ist nicht an GOtt, als wenn er ihn also hätte geschaffen und darzu versehen, darum er auch nicht anderst habe werden können, allermassen D. Faustus selbst hiervon also geredet.

Denn als er auf eine Zeit nebens etlichen Magistris, die ihn nach Gelegenheit wegen seiner beschryenen Zauberey und ärgerlichen Lebens-Wandel mit Guten straffeten, zu Tische sasse, und eben von-dergleichen Materie zu reden vorfiele, sagte er hierauf, daß der Mensch, nachdem als nemlich seine Materie und Wesen wäre, gut oder böse, bekehret oder nicht bekehret werden köndte. Denn so er, zum Exempel, von guter Materie herkommen wäre, so bliebe er auch, oder da er schon verführet worden, köndte er leichtlich wiederum zum Guten gebracht werden; da im Gegentheil, so er aus einer bösen Materie entsprossen, köndte er nimmermehr zum Guten bekehret werden.

Er von sich selbsten müsse ihnen doch bekennen, wäre ja wol einer halb guten Materi, jedoch wäre dagegen die böse Materi bei ihme gantz und voll, und wäre mit ihm gleichwie mit einem guten Gewächse, welches gerne heraus schlagen, und gute Früchte tragen wolte, köndte aber vor dem täglich wachsendem Unkraut nicht wachsen noch zunemen, sondern müste ersticken: also auch hätte es eine Bewandniß mit ihme, [63] denn was anfänglich Gutes an ihme gewesen, das wäre nunmehr bey ihm ersticket, um daß seine böse Materie über Hand genommen hätte, u.s.w.

Diß ist aber eine erdichtete, falsche, böse, ja Gotteslästerliche Meinung; nach welcher auch folgen müste, daß Pharao, Saul, Judas, Ahitophel, und andere, seyen von böser Materie gewesen, darum so habe es also und nicht anderst seyn müssen zu ihrer Verstockung und Verzweifflung: da hergegen David, Petrus, Maria Magdalena, der Schächer am Creutz, und viel tausend andere gefallene und widerum aufgerichtete Sünder, von halb böser Materie müssen gewesen seyn, über welche die gute Materie habe die Oberhand gewonnen, derohalben so seye auch etwas Gutes daraus herkommen, und haben bekehret werden müssen.

Behüte Gott jedermann durch seinen Heiligen Geist für solcher Unsinnigkeit! Faustus solte dem Heiligen Geistes-Trieb, und dem Wort Gottes gefolget, auch wider solch Eingeben deß Satans emsig gebetet, und denn den Heiligen guten Geist nicht also vorsätzlich von sich vertrieben haben, so wäre er ohne Zweiffel durch die Gnade und Barmhertzigkeit GOttes erhalten worden. Aber da da hat es gefehlet. Darum ist er auch also tieff in den Abfall, um GOtt, und alle seiner armen Seelen Wolfart und Seligkeit kommen.


II. Zum andern: Ob zwar etliche seynd, die nicht gestehen wollen, daß Zauberer und Hexen wahrhafftig GOtt absagen, und mit dem Teuffel [115] einen Bund machen, und das, was zwischen dem Satan und den Menschen hierinnen vorgehe, nur eine Conventionem ex dolo factam, eine solche Vereinigung, darzu die Menschen durch Betrug gebracht werden, nennen, und sagen, sie sey ihnen zu verzeihen und zu gut zu halten; denn es könne der Teuffel mit ihnen keinen wahrhafftigen Bund machen, weil er keine Macht und Gewalt über die Menschen hab, habe auch keine Rede und Sprach, damit er was von ihnen begehren und fordern, und hinwieder ihnen verheissen köndte, so seyen auch die Sachen und Stücke, in welchen sie sich miteinander verbinden, so schwer, so gottlos und schändlich, daß kein vernünfftiger Mensch sie begehren oder thun solte: jedoch aber so ist dieses Einwenden von so grosser Wichtigkeit nicht, (schreibt gar recht und wol B. M. Waldschmid, Python. Endor. p. 70.) daß um deß willen kein wahrhafftiger Bund zwischen ihnen solte oder köndte gemacht wer[64]den; denn obwol der Teuffel keine Macht oder Gewalt über die Menschen hat, so nimmt er ihme doch, wenn es ihm GOtt zulässet, grosse Macht und Gewalt über sie, und hat sie an seinen Stricken, daß sie von ihme gefangen sind zu seinem Willen, 2. Timoth. 2. v. 25. Und ob er zwar naturaliter und von Natur keine Sprach und Rede hat, die ihm natürlich wäre gegeben worden, so gebrauchet er sich dennoch derselben, wie aus dem Fall Adams und Evæ, Genes. 3. aus der Histori Hiobs, Cap. 1. und 2. und den Versuchungen, damit er dem HErrn Christo zugesetzet hat, Matth. 4. offenbar ist.

Ferner, so können auch die schwere, gottlose und schändliche Stück und Sachen, darüber der Bund aufgerichtet wird, denselben nicht hindern, denn was den Menschen zu schwer ist, das kan der Teuffel nach seiner grossen Macht ins Werck setzen. Oder wenn es von ihme nicht geschihet, oder er es auch nicht thun kan, so unterlässet er es mit Fleiß, zu dem Ende, daß er der Menschen damit spotte, und mit seinen Lügen äffe. Was gottlos und schändlich ist, hält auch die Menschen so wenig von solchem Bund ab, als wenig die Abscheulichkeit deß Mords, Diebstals, Ehebruchs, Mörder, Diebe und Ehebrecher davon abhält.

Um deß willen kan nun derjenigen Meinung nicht bestehen, die nicht zugeben wollen, daß ein warhafftiger Bund zwischen dem Teuffel und den Zauberern und Hexen aufgerichtet werde.

Die gantze Sach bestehet in Facto, daher ist hierinnen den Zauberern und Hexen billich zu glauben, welche bekennen und gestehen, wenn sie eingezogen werden, daß sie einen Bund mit dem Teuffel gemacht haben. Und seynd auch nicht allein aus den Patribus, Cyprianus und Augustinus dieser Meinung, daß ein solcher Bund zwischen ihnen [116] aufgerichtet werde, sondern es hat auch sol ches Grund und Beweis in heiliger Schrifft selbsten. Denn so lesen wir im 5. Buch Mos. im 18. Cap. v. 11. Es soll unter dir, Israel, nicht gefunden werden maleficus, jungens junctionem, oder percutiens consociationem, der einen Bund machet, oder sich in einen Bund verbindet, mit den unreinen Geistern; wormit denn auf diesen teuffelischen Bund gesehen wird.

Es bestehet aber dieser Bund, nach der Zauberer und Hexen gethanen eigenen Aussage und Bekenntniß darinnen, daß I. ein Mensch, der den Bund mit dem Teuffel aufrichtet, [65] GOtt seinem Schöpffer absagt, den HFrrn CHristum verläugnet, seine Wohlthaten verfluchet, schändet und lästert, auch die wahre Christliche Religion und Glauben verschwöret und dargegen all sein Vertrauen auf den Teuffel setzet, seinen Befehl und Willen stets vollbringet, Gottes Creaturen und Geschöpffe zum Schaden und Verderb der Menschen gebrauchet, auch sich dem Teuffel mit Leib und Seele zu eigen ergibt. II. Muß er dieses, wenn er nicht schreiben kan, mit einem Eidschwur, durch eines andern bekandten Teuffels Namen, oder wenn er schreiben kan, mit eigener Handschrifft, die auch wol mit seinem eigenen Blut von ihm geschrieben werden muß, bekräfftigen, und solches entweder auf gewisse Zeit und Jahre, oder die gantze Zeit seines Lebens, die der Mensch zu leben vor sich hat. III. Wenn etwan der Teuffel besorget, es möchte der Mensch, als sein Bundsgenoß, wieder wendig werden, und von ihm abfallen, so macht er ihm ein Stigma oder Merckmahl an den Leib, ihn damit dieses Bunds und deß versprochenen Dienstes stets zu erinnern, und zur Beständigkeit anzumahnen; und solches Merckmahl pfleget er ihm zu machen entweder an oder hinter den Ohren, oder wo er son sten will, zwischen den Leffzen, oder unter den Augbrauen, oder auf der rechten Achsel, oder unter der Achsel, oder an der Brust, oder auf dem Rucken, oder Hüfften, oder heimlichen Oertern, welches Merckzeichen sich findet, wenn man ihn ausziehet. Und ist der Ort, da dieses Merckzeichen ist, ein wenig erhaben, und wegen der Narben etwas hügelicht, auch gantz ohne Blut und unempfindlich, daß ein solcher Mensch daran nichts fühlet, wenn gleich mit Nadeln darein gestochen wird. Daher auch erfahrne Scharffrichter am ersten nach solchen Merckzeichen fragen, dieselbe suchen, und damit die Tortur gemeiniglich anfangen, wie Bodinus schreibt l. 2. Dæmonom. c. 4. Teutsch. p. 100. meldet aber doch auch dabey, daß der Teuffel dieses Merckzeichen an Zauberern und Hexen bisweilen hinweg und ausgethan habe, damit sie bey und an derselben nicht möchten erkant werden. IV. Geschihet auch dieses, daß zu Bekräfftigung dieses Bunds, Zauberer und Hexen sich im Namen deß Teuffels tauffen lassen, auch andere Namen darbey empfangen[117] daß also ein Zauberer zween Namen hat, nemlich seinen ersten Tauffnamen, darnach seinen Zaubernamen. V. Verspricht dagegen der leidige Teuffel ihnen auf ihr Ansuchen stets Hülffe zu leisten in allen Nöthen, auch [66] Rath und That in allen Sachen zu geben, ihnen allerley Wollust, auch Reichthum, Geld und Gut, ohne ihre Arbeit, zu verschaffen, erbeut sich auch ihr leibeigener Knecht zu seyn, ihren Willen in allem zu thun, und fleissig zu verrichten, was sie ihm werden befehlen. VI. Wenn dieses alles richtig gemacht und verglichen, so lehret er alsdenn einen solchen Menschen selbsten, oder sonsten durch seine Werckzeuge, allerley Mittel zur Zauberey zu gebrauchen, sie zu machen, und auf mancherley Weise damit Schaden zu thun, u. d. g. In diesen Stücken nun bestehet der Bund selbsten.

Damit aber derselbe desto mehr steiff und fest auch unverbrüchlich gehalten werden möge, als pfleget auch der Teuffel seine Zusammenkunfften fleissig mit den Zauberern und Hexen anzustellen, solchen Bund immer mit ihnen zu verneuren und zu bestättigen; zu welchen Zusammenkunfften er sie pflegt abzuholen, und sie durch die Lufft hindurch zu führen.


III. Letzlich, so jemand allhie fragen wolte, ob solcher Bund mit dem Teuffel wiederum könne gebrochen, aufgelöset und umgestossen werden, Deme antwortet Herr Freudius, in seinen Gewissens-Fragen von Zauberey, p. 47. aus Prætorii gründlichem Bericht von Zauberey p. m. 79. et seq. Daß zwar erstlich gesagt wird, die Hexen und Zauberer haben mit dem Teuffel einen Bund gemacht: der Bund mag unter andern darinn bestehen, dass er ihnen rahten und gebieten solle, so wollen sie seinem Raht und Befehl folgen, und den vollbringen mit allem Fleiss.

Es ist aber ein schröcklicher, unbilliger, ehrloser und schändlicher Bund und Vertrag, und kaum deß menschlichen Namens werth, der sich also verbindet. Wenn es nun jemand gereuet, und folget nicht, bleibt denn auch der Bund bestehen? ich achte, er sey gebrochen, und möchte derwegen, der vor im Bund gewesen, sich nun wiederum begeben in einen andern Bund, nemlich in den Bund GOttes. Und daß solche einen Zugang wiederum zu GOtt haben können, ist daraus offenbar, daß der Herr selbst die Spötter, welche in deß Todes Bund und im Verstand mit der Höllen noch sicher blieben, und trotziglich fortfuhren, zur Buß ermahnet, darbey denn Verheissung der Gnaden allezeit verstanden wird, wie zu lesen beym Esaia im 28. v. 14.

Zum andern wird gesagt: Sie haben sich dem Satan ergeben, solches kan ihnen nicht vergeben werden; ich antworte: [67] Niemand kan eines andern Gut vergeben, welches so wahr, und von Natur so [118] bekandt, dass auch alle Verheissung derer Dinge, die nicht in deß Verheissenden Gewalt stehen, in Käiserlichen Rechten unnütz genennet werden, Instit. Justin. lib. 3. tit. 19. Ein Vatter kan seiner Tochter, ein Mann seines Weibes, und ein Hausherr deß Gesinds Gelübd und Verbündniß, das sie GOtt dem HErrn selbst gethan, bekräfftigen oder umstossen, und wills GOtt selbst gut heissen, 4. Buch Mos. 30. v. 4. Nun seynd ja alle und jede, böse und gute Menschen, nicht ihrer selbst sondern GOttes mit Leib und Seelen erblich eigen, und unmittelbar unterworffen: Er hat sie geschaffen, ernähret und erhalten; derowegen hat solches der Hexen ergeben keine Krafft, GOTT übergebe sie denn. Und wenn es schon Krafft hätte, und sie nun deß Teuffels eigen wären, könten sie denn nicht wiederum erlöset werden von der Höllen Gewalt? Wie sind wir denn daraus entgangen, die wir auch Kinder deß Zorns gewesen, und unter der Obrigkeit der Finsterniß, wie Paulus redet, zun Ephes. 2. und warum kan es ihnen nicht vergeben werden? Mangelts an der Allmacht und Güte GOttes? Du wirst das nicht sagen dürffen. Oder mangelts an ihnen, daß sie es nicht begehren? ich glaub es kaum; denn ihrer viel ruffen GOtt an, bitten um Gnad, und glauben Vergebung der Sünden: und die kan ihnen auch, wenn sie sich von Hertzen bekehren, wiederfahren.

Zum dritten wendet man vor: der Hexen Bund mit dem Teuffel sey mit Zeichen und gehabter Gemeinschafft bestättiget, und derentwegen unauflöslich. Ich antworte: Der Bund ist betrüglich, von denen, die ihrer selbst nicht mächtig, unordentlicher Weise, und zu verbottenem Ende aufgericht, und deßwegen an ihm selbst nicht bündig. Es stehet allein bey GOTT dem HERRN, ob Er deß Teuffels und der Menschen Bund will gelten lassen, oder nicht. Ihr Will gilt nichts ohn seinen Willen. Wenn nun GOtt dem Menschen Buß und Besserung, auch Hoffnung zu seiner Gnaden schencket, so hat Er den höllischen Bund umgestossen, daß er so wenig gilt, als wäre er nie gemacht. Der erste Glaub, den wir GOtt und unserm Erlöser JEsu CHristo, in der heiligen Tauffe versprochen, der gilt.

Zu dem hat auch der Teuffel selbst den Beding deß Bundes nicht gehalten, wenn er den Hexen Pferdmist, Scherben, Stein und Bein für Geld bringet, und sie in Noth stecken [68] lässet, wider seine Zusage. (Was für grossen Betrug der Teuffel mit dem Gelde treibe ist weltkündig, indem er seinen Leibeigenen dessen viel gibt, das aber zu Hause, und in dem Kasten zu Scherben, zu Kolen, oder gar zu Pferdmist wieder wird, wie es anfangs gewesen: Immassen D. Reinck. in Respons. de Sagis, bezeuget, wie sonderlich erhellen mag aus dem von ihme angezogenen Protocoll. de 23 und 24 die Jan. zu N: ihr Buhl, der verhaffteten [119] Dirne, bringe ihr Perlen und Gold, wenn sie es weg lege, sey es ein Knoche oder Strohalm.) Wo nun die Vertrags-Puncten nicht erfolgen, so ist der Vertrag selbst zerschnitten. Derowegen die Hexen aller ihrer Pflicht ledig und los seynd, wenn sie ihnen sonst nur wollen helffen lassen.

Die Zeichen, die an ihrem Leibe seyn sollen, bestättigen den Bund nichts. Denn die Bestättigung muß zu bey den Seiten, oder an beyder Partheyen geschehen; sie haben aber dem leiblosen Geist kein Gegenzeichen machen können.

Die Gemeinschafft der Hexen und deß Teuffels kan zweyerley verstanden werden: entweder vom Dienst und Nachfolge; oder vom Zechen, Tantzen und Buhlen. Sie kan aber die Buß nicht unmüglich machen, Jerem. 3. v. 1.

Ist also der Hexen Bund mit dem Satan auflöslich, und kan ihnen, nach deß HErrn gnädigem Willen, Buß und Seligkeit wiederfahren.

Soll derowegen niemand den armen Teuffels- und Menschen-gefangenen Leuten die Seligkeit so liderlich absprechen, und zur Verzweifflung Ursach und Anlaß geben: sondern vielmehr das Gericht dem gerechten Richter heimstellen, die betrübten Hertzen trösten, die Kleinmütigen stärcken, die Zerschlagenen verbinden, den Verzagten GOttes Hülffe verkünden, und dahin brüderlich arbeiten, daß sie ihre Sünde recht erkennen und beweinen, mit hertzlichem Vertrauen auf die Barmhertzigkeit GOttes, in seinem Sohn Christo JESU, u.s.w.

[120]
Das 10. Capitel
[69] Das zehende Capitel.
Von der schrecklichen Obligation und Handschrifft, so D. Faustus dem Teuffel, in eines Münchs habit verkleidet, hat übergeben.

NAchdeme nun der höllische Geist von Fausto abgewichen, vielleicht die Zeit zu gewinnen, um die versprochene Obligation oder Handschrifft zu verfertigen, hätte er wol noch Zeit gehabt seinen Abfall von GOtt mit reuigem bußfertigem Hertzen zu verbessern: allein D. Faustus trachtete nur dahin, wie er seine Wollust und Mütlein in dieser Welt recht abkühlen möchte, und war eben auch dieser Meinung, welcher jener vorneme Herr gewesen, der unter andern auf dem Reichstage zu etlichen gesaget hat: Himmel hin, Himmel her, ich neme hier das Meinige, mit dem ich mich auch erlustige, und lasse Himmel Himmel seyn; wer weiß, ob die Auferstehung der Todten wahr sey?

Name derhalben ein spitziges Schreibmesserlein, und öffnete ihm an der lincken Hand ein Aederlein, das ausfliessende Blut faste er in ein Gläslein, satzte sich nieder, und schrieb mit seinem Blut und eigener Hand, nachfolgende erschreckliche Obligation und Verbündniß: und saget man für warhaftig, daß in solch seiner lincken Hand einige eingegrabene Schrifft von ihme dazumal sey gesehen worden: ô homo fuge, O Mensch fliehe für diesem Greuel und thue recht.

Die Obligation lautet also:

ICh Johannes Faustus, Doctor, bekenne hie öffentlich am Tag, nachdem ich jederzeit zu [70] Gemüt gefasset, wie diese Welt mit allerley Weisheit, Geschicklichkeit, Verstand und Hoheit begabet, und allezeit mit hochverständigen Leuten geblühet hat; dieweil ich denn von Gott dem Schöpffer nicht also erleuchtet, und doch der Magiæ fähig bin, auch darzu meine Natur von himmlischen Influentien geneigt, zu deme auch gewiß und am Tage ist, daß der irrdische GOtt, den die Welt den Teuffel pflegt zu nennen, so erfahren, mächtig, gewaltig und geschickt ist, daß ihme nichts unmüglich, so wende ich mich nun zu dem, und nach seiner Versprechung soll er [121] mir alles leisten und erfüllen, was mein Hertz, Gemüte, Sinn und Verstand begehret und haben will, und soll an nichts Mangel erscheinen, und so denn dem also seyn wird, so verschreibe ich mich hiermit mit meinem eigenen Blut, welches, wie ich gleichwol bekennen muß, daß ichs von dem GOtt deß Himmels empfangen habe, daß ich dasselbe und auch diesen meinen Leib und Gliedmassen, so mir durch meine Eltern gegeben, und alles was an mir ist, sammt meiner Seelen, hiemit diesem irrdischen Gott feil trage, und verspreche mich ihm mit Leib und Seel.

Dargegen sage ich, vermöge der mir vorgehaltenen Articul, ab, allem himmlischen Heer, und was GOttes Freund seyn mag. Zur Bekräfftigung meiner Verheissung, will ich diesem allen treulich nachkommen; und dieweil unser aufgerichte Bündniß vier und zwantzig Jahr währen soll, so soll er denn, wenn diese verschienen und verloffen, dieses sein Unterpfand, Leib und Seele angreiffen, und darüber zu schalten und zu walten Macht haben: soll auch kein Wort Gottes, auch nicht die solches [71] predigen und vortragen, hierinnen einige Verhinderung thun, ob sie mich schon bekehren wolten.

Zu Urkund dieser Handtschrifft, habe ich solche mit meinem eigenen Blut bekräfftiget, und eigenhändig geschrieben.

Als er nun solche greuliche, erschreckliche, Gottes-und Ehr- und Seligkeit- vergessene Verschreibung verfertiget hatte, ist bald darauf der Teuffel in eines grauen Münchs Gestalt erschienen, und zu ihm getretten; da denn D. Faustus ihm seine Obligation und Verschreibung eingehändiget, darauf er gesaget: Fauste, dieweil du denn mir dich also verschrieben hast, so sollst du wissen, daß dir auch soll treulich gedienet werden; sollst aber benebens wissen, daß ich als der Fürst dieser Welt, keinem Menschen diene, und alles was unter dem Himmel ist, das ist mein, darum diene ich niemand: aber Morgenden Tags will ich dir einen gelehrten und erfahrenen Geist senden, der soll dir die Zeit deines Lebens dienen und gehorsam seyn; sollst dich auch für ihme nicht fürchten, noch entsetzen, er soll dir in Gestalt eines grauen Münchs, wie ich anjetzo, erscheinen und dienen.

[122] Hiermit neme ich diese deine Handtschrifft, und gehabe dich wol. Also ist er verschwunden.

Anmerckung.

I. Nicht nur D. Fausto allhie, sondern auch andern vor und nach ihm hat der leidige Teuffel gleichförmige Articul und Puncten, welche meistentheils zur Schändung deß Göttlichen Namens, Verachtung dessen geoffenbarten Worts und aller Göttlichen Wolthaten, ingleichen zum Verderb und Schaden deß Nebenmenschens gerichtet gewesen, sei[72]nen Bund-Genossen angemutet, allermassen die Historien uns berichten.

Unter vielen nur eines oder deß andern zu gedencken: so hat Papst Johannes der XIII. sich mit unterschiedlichen Articuln dem Teuffel verlobet, damit er zur Päpstlichen Hoheit gelangen möchte, welches auch erfolget.

Johannes der XIX. verschriebe sich dem Teuffel, unter andern, daß er an keinem Freytag, da man billich das schmertzliche Leiden und Sterben JEsu Christi hätte betrachten sollen, zu keiner Kirchen gehen, noch einiges Gebet verrichten solte.

Von Gregorio VII. melden die Historici, daß er in dieser Kunst die Egyptischen Zauberer, Jamnem und Jam brem weit übertroffen habe: denn dieser Gregorius wagte es frisch, er hatte bey sich einen Ertzpriester, Namens Laurentium, der ein grosser Schwartzkünstler war, und als den der Teuffel auch abgefertiget, fande er einen andern, den Theophylactum: die Bündniß aber, die er mit dem Teuffel gemacht, war diese, daß er allen denen zu wider seyn wolte, die ihn wegen seines bösen Lebens strafften, und sie mit Brand, Gifft und Mord verfolgen und angreiffen, sich auch nimmer verehlichen. Es trug ihm dannenher sein Spiritus familiaris, den er täglich bey sich hatte, stetigs zu Ohren, wer die jenigen waren, die sich ihme widersetzen wolten: welches er denn so fleissig in Acht name, daß er mit Beyhülffe seines getreuen Lehrmeisters Gerhardi Brazuti, etlichen Päpsten die Hälse abbisse, als Clementi II. Damaso II. Leoni IX. Victori II. Stephano IX. Nicolao II. unangesehen daß sie doch alle von der Kunst waren, und ein Teuffel den andern austriebe.

So ist am Tage vom Papst Alexander dem Sechsten, einem Hispanier, aus Valentia bürtig, dessen Nam zuvor war Rodericus Borgia; dieser hatte sich bey ihm, als er zu Bononia anfänglich auf der hohen Schul studiret, zween Vettern, so heimliche Crystall-Seher und Teuffels-Beschwörer waren, von welchen er soviel erlernet, daß er vermittels eines Spiritus familiaris, zu grosser Geschicklichkeit, nachmals gar zu dem Cardinalat kame: da er denn Tag und Nacht dahin trachtete, [123] wie er möchte höher steigen. Derohalben er einsten aus seiner Nigromantia in seinem Pallast auf dem Saal einen Circkel angestellet, und den Teuffel beschworen: (wie Modena sein geheimster Raht von ihm meldtet) da denn der Teuffel erschienen, und Bündniß mit ihm gemacht, daß er sich mit Leib und [73] Seele verschreiben solle, dagegen wolle er ihm die Zeit seines Lebens dienen, und zu der dreyfachen Cron verhelffen, welches auch geschehen.

Von einem Masconischen Graven schreibt einer, mit Namen Peter Abt zu Cluniax, daß in der Stadt Mascon, in der Lyonischen Provinz an dem Fluß Araris gelegen, ein Grav gewohnet, der ein grosser Schwartzkünstler war, der hielte seine Kunst sehr heimlich; aber nach seinem Tod befand man, wie und welcher Gestalt er sich mit dem Teuffel verbunden hatte, nemlich ein Durchächter der Geistlichen zu seyn: daher er auch in eine solche Wüterey gerahten, daß er, so viel er vermocht, ihnen mit Gewalt, oder durch gesuchte Ursach, all ihr Haab und Güter genommen, verjagte und verstiesse dieselben ohne alle Barmhertzigkeit aus den Kirchen, gab für, was ihr Schreyen und Geplerr nutz wäre, dieweil doch nach diesem Leben kein anders folgen würde.

Deßgleichen schreibt auch Petr. Mamorius in seinem Flagello Malefic. von Wilhelmo Lurano, welcher der H. Schrifft Doctor, und berühmter Prediger in Franckreich, darnebens auch ein grosser Zauberer und Schwartzkünstler gewesen, daß, als er wegen seines Zauberwesens Anno 1453 den 12. Decemb. zu Poictirs verdamt, er mit seinem eigenen Mund bekandt, daß er nicht allein alle Religion müssen verschweren, sondern auch ein besonders Instrument einer schrifftlichen Obligation oder Verbündniß von sich geben, darinnen er sich mit dem Teuffel, und der Teuffel wieder mit ihm, auf gewisse Puncten verglichen, unter andern, daß er GOtt verlaugnen, und dem Teuffel opffern wolle: Er hat ihm auch gelobet und verheissen zu predigen und zu lehren (wie er denn auch gethan) es sey alles diß was man von Zauberey und He xerey sage, eitel Fabelwerck, und man verübe eine grausame Tyranney, wenn man jemands darum am Leben straffe; und durch dieses Mittel, sagt der Author, sey die Straff der Zauberer und Hexen aufgehoben, und deß Satans Reich vermehret worden, sintemal hierauf die Zauberer mit Macht ohne Zahl zugenommen. Er habe auch offt den Teuffel angebetet, der sich zu Zeiten in Gestalt eines Menschen, zu Zeiten eines Bocks, sehen lassen: welche seine Bekändtniß noch zu Poictirs unter den Gerichts-Actis zu finden, wie Bodinus erwehnet, in Præfat. Dæmonom. p. 10. 11.


II. Zum andern aber, daß der Teuffel gleichwol von D. [74] Fausto eine Obligation und Handtschrifft mit seinem eigenen Blut bezeichnet, [124] begehret, ist dem Teuffel nichts neues; weiln ihn ohne das allezeit nach Christen-Blut dürstet.

Also schreibet man vom Papst Paulo II, der sich gleicher Weise dem Teuffel mit Leib und Seele, und zwar mit seinem eigenen Blut soll verschrieben, und als das Blut aus der eröffneten Ader heraus gesprungen, gesagt haben: So wahr dieses mein Blut ist,- so wahr ist der Teuffel mein, und ich bin sein; darauf alsobald der Satan nach dem gesprützten Blut gegriffen, und geantwortet, so wahr will ich dir auch Glauben halten.

Solche und dergleichen Verschreibung mit eigenem Blut, hat auch gethan Gerhardus Brazutus, ein Cardinal, item Henricus Cornelius, Hettes Hennensis, der Wildtfeuer zu Nordhausen, Johannes Teutonicus, und Laurentius ein Ertzpriester zu Rom: ingleichen D. Fausti Famulus, Joh. Wagner, und andere mehr.

So hat Anno 1571 ein Advocat zu Paris bekandt, er habe nicht allein mit einer ordentlichen Handschrifft sich dem Teuffel zu eigen ergeben, und GOtt verläugnet, sondern dieselbe noch darzu mit seinem eigenen Blut signiret und bezeichnet, Bodin. l. 2. Dæmon. c. 4.

Anno 1587 ist eine Hex zu Dillingen gefänglich eingezogen worden, die soll 31 Jahr in ihrem Wittibstand gelebet haben als eine Hebamme, dieser hat der Teuffel versprochen, sie in keiner Armut stecken zu lassen. Nun ist der Teuffel zum andern mal zu ihr kommen, und begehret, sie soll sich ihme ergeben, und mit ihrem Blut unterschreiben: da sie aber sagte, wie sie nicht schreiben köndte, da hat er ihr einen Ritz oder Riß an dem lincken Arm gemachet, ihr eine Feder in die rechte Hand gegeben, und mit dem aufgefangenen Blut die Feder gefüllt, welche er ihr geführet, und damit über das Papier gefahren; jedoch sey nichts darauf geschrieben zu sehen gewesen, (wie sie hernach in der Tortur bekandt und ausgesagt) welche Schrifft denn der böse Geist zu sich genommen habe; und wenn sie hernachmals etwan zur Kirchen gehen, oder ein Gebet verrichten wollen, zur Stunde sey der Teuffel zu ihr kommen, und hab ihr solch ihre vermeinte Verschreibung vorgehalten.

[75] Was darff es aber viel Wunderns, daß der leidige Teuffel der Menschen, und sonderlich der Christen-Blut, dessen er jeder Zeit ein abgesagter Feind ist, darzu begehret, weil er doch ihnen immerdar als ein scharffsehender Lux und tückischer Bär nachschleichet? Denn ein wilder Bär, wenn er einen Menschen in der Einöde antrifft, wirfft er ihn zu Boden, und sauget das Blut von ihm, und läst ihn liegen; welches auch der Lux dem Hirschen und Hasen thun soll; also will auch der Teuffel hiermit anzeigen, wie hefftig sehr er das Blut deß Menschlichen [125] Ge schlechts, an CHristo und seinen Gliedmassen, anfeinde, ja zu seinem Eigenthum suche.

Dieses sihet man auch an den verstockten Juden, als deß Teuffels heimlichen Instrumenten und Werkzeugen, welche der Teuffel dahin beredet, daß sie, damit er seinen Haß gegen CHristum genugsam erweisen möchte, deß CHristen-Bluts begierig seynd, ja dasselbe haben wollen und müssen: und gebrauchen es vornemlich darzu, (wie ein bekehrter Jud davon geschrieben) wenn ein Jude nunmehr, in den letzten Zügen läge und sterben wolle, so pflege man sie an etlichen Orten deß Leibes mit Christen-Blut zu schmiren, mit diesen oder dergleichen angefügten Worten: So der, der im Gesetz und in den Propheten verheissen, kommen und vorüber ist, und er der Messias gewesen ist, so seye dir deß Unschuldigen Blut, der in seinem Glauben gestorben ist, hülfflich und förderlich zum ewigen Leben.

Anno 1573 ward ein Jud den 28. Januari zu Berlin hingerichtet, Jud Leupold genannt, der war ein grosser Teuffels-Beschwörer und Zauberer, und ergabe sich auch dem Teuffel mit Leib und Seel. Denn der Teuffel hatte ihm verheissen grossen Reichthum, Ehre und Ansehen. Dieser hatte nun von einem Gottes vergessenen Bettler ein Kind erkaufft, welches er denn zur Stunde den andern Juden ansagte; derhalben sie das Kind creutzigten, und thäten ihme allerdings wie ihre Vorvätter dem HErrn Christo, sie geisseltens, sie verspottetens, und nagelten es an ein Creutz, und namen das Blut darvon.

Anno 1475 am heiligen Charfreytag, ward ein Kind von dem Juden Simon gemartert zu Trient. Denn als die Juden in derselbigen Stadt ihr Ostern, ihren Ceremonien nach, begehen wolten, und doch zur Zeit kein Christen- Blut [76] zum Gebrauch ihres ungeseuerten Brods hatten, da brachten sie ein Kind drey Jahr alt verstolens in Samuels, eines Juden Behausung, folgender Gestalt.

An dem Charfreytag um Vesperzeit, sasse dieses Kind vor seines Vattern Thüre, in Abwesenheit der Eltern; da nahete sich Tobias, ein jüdischer Verrähter, zu ihm, gab ihm gute Wort, daß es zu ihm lieffe, da trug ers, als er niemand warname, der es sehen kundte, in deß Rabbi Samuels Haus. Als nun die Nacht heran nahete, da freueten sich der Rabbi und sämtliche Juden über dieses unschuldige Christen-Blut, und legeten ihm ein Faciletlein um sein Hälslein, auf daß man es nicht schreyen möchte hören; spanneten ihm bald seine Aermlein aus, und schnitten ihm erstlich aus, was ihn solte einsten zu einem Mann machen, darnach stachen sie es allenthalben mit spitzigen Pfriemen, einer die Hände, der ander die Füsse haltende. Als sie nun sehr viel Bluts gesamlet hatten, da huben sie an einen Lobgesang zu singen, [126] und zu dem Kind mit hönischen Drohworten zu sprechen: Nimm hin du gehangter Christe, also haben etwan dir unsere Voreltern gethan, also sollen alle Christen, im Himmel und auf Erden, noch mehr geschändet werden.

Indessen verschiede das unschuldige Märterlein, und eileten die Juden mit dem aufgefangenen Blut zu ihrem Nachtmahl, allwo sie in solches ihr ungeseuertes Brod eintauchten und assen: Zur Nachts-Zeit aber wurffen sie den todten Leichnam in ein fliessendes Wasser, nahe bey ihrem Haus, und hielten also die Ostern mit Freuden.

Endlich wurden sie doch, aus gerechtem Gerichte GOttes, ausgekundtschaffet, gefangen der Obrigkeit überantwortet, und bekamen ihren verdienten Lohn.

Dergleichen Ubelthat haben auch die Juden etwan fünff Jahre hernach in dem Städtlein Mota in Friaul gelegen, mit gleichmässiger Hinrichtung und Ertödtung eines andern Kinds, begangen; darum wurden auch der Thäter drey gefangen, gen Venedig geführt, daselbst nach anderer angethanen Marter, auf den Scheiterhauffen geleget, und lebendig verbrennet.

Anno 1529. ist zu Bosing in der Marck, welche in Ungarn gelegen, und den Wolgebornen Herren, Herren Frantzen und Wolffgang Gebrüdern Grafen zu S. Georgen und Bosing, zugehöret, ein Knäblein, mit Namen Hänsel im neundten Jahr seines Alters, verloren worden, welches Gregorii [77] Meiligers, Wagners und Bürgers daselbst Kind gewesen. Und wiewol durch fleissiges Suchen der Eltern und Anverwandten, das Knäblein unter den Juden, so allda wohnhafft gewesen, gesucht, auch sonst an viel und andern Oertern seinetwegen Nachfrage gehalten worden, ist doch solches etliche Tage lang verloren blieben, bis es durch Göttliche Schickung wiederum am Mitwochen nach Christi Himmelfahrts-Tag, zwischen 7. und 8. Uhr Vormittag, ausserhalb Bosing, in einer dicken Dornenhecken, mit gebundenen Händen, in einem Hemdlein, auf seinem Angesicht liegend, gefunden worden, mit vielen Wunden und Stichen übel zugerichtet, und darauf in seiner Eltern Haus getragen worden. Als hat die Obrigkeit dieses Orts solche That bald ihrem Gnädigen Herrn angezeiget, und auch dessen die benachbarte Ort wissend gemacht; welche denn nach Besichtigung dieser freveln That so bald geurtheilet, daß solche eine Jüdische Arbeit wäre. Derentwegen man alle befindliche Juden daselbst eingezogen, ja ernstlich angezogen, welche aber doch nichts haben bekennen wollen. Nachdeme man sie aber nach den Pfingsttägen mit ernstlicher Frage angesprochen, haben sie an der Marter, wie auch hernach, bekandt, daß sie den Knaben in einem Keller gemartert haben, ihm alle Aederlein geöffnet, [127] das Blut mit Federkielen ausgesogen, und mit Frolocken erstlich in ihre Synagog getragen, nachmals gen Marcheck geführet, und einem Rabbi überantwortet.

Nach beschehener dieser Beicht und Bekändtniß der Juden, seynd sie sämtlich auf einen Freytag vor Gericht geführet, und allda noch einmal befraget worden, ob sie dessen, was sie deß ermordten Knabens wegen vorher bekandt hätten, nun auch geständig wären? und als sie mit ja geantwortet, ist das Urtheil mit Recht über sie gefället worden, daß alle Juden zu Bosing, jung und alt vertilget, und mit Feuer solten verbrennet werden. Doch haben gedachte Herren Graven den Jüdischen Kindern, so unter acht und zehen Jahren gewesen, Gnade widerfahren lassen, ihnen das Leben gefristet, und zur heiligen Tauff kurtz hernach befördert: Aber die alten Juden, Mann und Weib, Ledige, auch Knecht und Mägde, in die dreyssig Personen, seynd hinaus ausser Bosing, auf eine Wiesen geführet, woselbst ein grosser angezündeter Scheiterhauffe gewesen, auf welchen sie gesetzet, und sämtlich zu Aschen verbrennet worden.

[128]
Das 11. Capitel
[78] Das eilffte Capitel.
Wie dem D. Fausto hierauf der Geist in voriger Gestalt erschienen, ihme treulich zu dienen verheissen; auch wie er geheissen hat.

GLeich Abends, als D. Faustus nun zu Nacht gessen hatte, und kaum in seine Studir-Stuben kommen ware, sihe, da klopffet jemand sittiglich an der Stuben-Thüre, dessen Faustus sonsten nicht gewohnet, zumaln die Haus-Thüren allbereit verschlossen waren: Er merckte es aber bald, was es bedeuten würde, und eröffnete die Thüre; da stunde nun zugegen eine lange in grauen Münchs-Habit verkleidete Person, dem Ansehen nach eines zimlichen Alters, und eines gantz grauen Bärtleins, den hiesse er so bald in die Stuben gehen, und sich zu ihme auf die Banck niedersitzen, welches der Geist auch gethan.

D. Faustus fragte ihn gleich anfangs, mit was er sonsten umgehe? Dem antwortete der Geist: O Fauste, wie hast du mir meine Herrlichkeit genommen, daß ich nun eines Menschen Diener seyn muß; dieweil ich aber von unserm Obersten darzu gezwungen worden, muss ich es auch lassen geschehen. Wenn aber das Ziel und Termin seine Endschafft wird erreichet haben, so wird es mir eine kurtze Zeit gewesen seyn, dir aber wird es ein Anfang seyn einer unseligen unendlichen Zeit.

So will ich mich nun von jetzo dir gantz unterwürffig machen, sollst auch keinen Mangel an mir haben, ich will dir treulich dienen; so solst du dich auch vor mir nicht entsetzen, denn ich bin kein scheuß[79]licher Teuffel, sondern ein Spiritus familiaris, der gerne bey den Menschen wohnet.

Wolan denn, sagte hierauf D. Faustus, so gelobe mir im Namen deines Herrn Lucifer, daß du allem fleissig nachkommen wollest, was ich dir werde zu muten, und von dir begehren. Der Geist beantwortete solches mit Ja; und solst zugleich wissen, sagte er, daß ich werde Mephostophiles genennet: und bey diesem Namen solst du mich hinfort jederzeit [129] erfordern, wenn du etwas von mir begehrest und haben willst, denn also heisse ich.

D. Faustus erfreuete sich hierüber in seinem Gemüte, daß nun seine Sach und lang verlangtes Begehren einmal zu einem erwünschten Ende kommen seye, und sprach: Nun Mephostophiles, mein getreuer Diener, wie ich verhoffe, so wirst du dich allezeit gehorsamlich finden lassen, und in dieser Gestalt, wie du jetzund erschienen bist, erscheinen. Ziehe nun vor diesesmal wiederum hin, bis auf mein ferneres Erfordern und Beruffen.

Auf diesen Bescheid bückte sich der Geist, und verschwande.

Anmerckung.

I. Von den Spiritibus familiaribus, oder Gemeinschafft-Geistern etwas zu reden, gibt Anlaß D. Fausti Geist, der sich allhier einen Spiritum familiarem will genennet wissen.

Spiritus familiares aber seynd solche Geister, (immassen M. B. Waldschm. Python. End. p. 453. weitläufftig erkläret,) mit denen manche Menschen in sonderbarer Gemeinschafft und Verbündniß stehen, die sie mit ihnen auf gewisse Zeit und Jahre aufrichten, mit dem Beding unter dessen ihnen zu dienen, und ihnen zu diesem oder jenem behülfflich zu seyn, wornach ihr Sinn und Gedancken stehen.

[80] Daß es nun dergleichen Geister gebe, wollen wir nicht in Abrede seyn, und in keinen Zweifel ziehen. Denn es auch dahin kommen ist daß dieselbe wol öffentlich an manchem Ort in Gläsern, Püchsen, Federkielen, und dergleichen verkaufft und andern hingegeben werden; Massen auch mancher Mensch, den der Fürwitz, Hochmut, Ehrgeitz und dergleichen antreibt, darnach trachtet, einen solchen Dienst-Geist zu erlangen, entweder um der Gemüts-Gabe willen, daß er durch seine Hülff Weis, Klug, Gelehrt, Beredsam, vieler Sprachen kundig, im Disputiren spitzfindig, und qualificirt und geschickt werden möge, daß er in omni scibili und in allen Wissenschafften wol erfahren werden, und es andern weit bevor thun möge, auch hohen Ruhm vor andern erlangen: Massen Surius 6. Jun. c. 27, eines Idioten gedencket, der auf diese Weise geschwind und ohn einiges Studiren in der H. Schrifft also gelehrt worden, ob hätte er dieselbe von Jugend auf studiret, und wäre der vornemste Doctor derselben. Solchen Spiritum hat Socrates gehabt, von welchem Plutarchus de Genio Socratis T. 2. p. 589. schreibt, er seye vortrefflicher und gelehrter gewesen als sechshundert andere hochgelehrte Philosophi. Dem Cornelio Agrippæ hat der böse Geist in Gestalt [130] eines Hunds aufgewartet, und ist in Erfahrung heimlicher Dinge Sprachen und Künsten ihm bedienet gewesen: ingleichen deß Cardani Vattern, Bodin. 1. 2. c. 5. Dæmonom.

Oder mancher Mensch trachtet nach einem solchen Spiritu, um deß Leibes-Lust willen, Unzucht und allerley Mutwillen vermittels dessen zu treiben, wie die Zauberer und Hexen zu thun pflegen; oder durch seine Hülffe allen Uberfluß an gut Essen und Trincken zu haben; oder durch ihn starck zu werden, und andern damit überlegen zu seyn, sich vest und unsichtbar zu machen, damit man allerley Diebs- Mord- und Huren-Stücke treiben, und von den Menschen nicht gesehen werden möge.

Oder es trachtet auch mancher darnach, um der Güter deß äusserlichen Glücks willen, durch seine Hülffe grosse Ehre, Geld und Gut, Glück und Handlung, und dergleichen zu erlangen. Massen denn unterschiedliche Päpste durch Hülffe solcher Geister die Päpstliche Hoheit erlanget haben.

Theophrastus Paracelsus soll seiner Meinung nach einen Spiritum familiarem in seinem Degenknopff stets bey sich ge[81]führet haben, durch dessen Hülffe er die Tinctur und das Goldmachen soll ergründet haben.

Ob nun wol diese Spiritus familiares und Dienst-Geister in andern Landen, Italien, Franckreich und anderstwo gemein, jedoch so ist die Gemeinschafft mit denselben auch in Teutschland eingerissen, so gar, daß auch etliche in die Meinung gerahten, sie köndten sich derselben fünff, zehen, auch mehrere Jahre gar wol gebrauchen, und alsdenn derselben ohne Schaden und Gefahr der Seelen, auch ohne Verletzung deß Gewissens, wol wieder los werden, und ihnen also mit guter Manier wieder abdancken, und einem andern überlassen.

Aber sie betriegen sich selbsten, und seynd unrecht daran. Denn daß solche Spiritus familiares und Dienst-Geister nicht gute Geister und Engel, sondern böse Geister und Teuffel seyen, ist daraus offenbar, dieweil diese Geister nicht von GOtt gesendet werden, heimlich die Menschen zu lehren und zu unterrichten, und vor andern gelehrt, geschickt, reich und dergleichen zu machen; denn davon finden wir in der gantzen heiligen Schrifft nichts; es heisset aber, wie ein vornemer Theologus an einem Ort saget: quae Scriptura tacet, tacendo negat: worvon die heilige Schrifft still schweiget, das verneinet und verwirfft sie mit solchem Stillschweigen.

Es ist zwar nicht ohn, daß GOtt im Alten und Neuen Testament durch die gute Engel den Menschen viel hat verkündigen lassen: aber diese hat GOtt extraordinariè und absonderlich gesendet, auch ist ihr [131] Verkündigen nicht heimlich, verborgen und innerlich, sondern äusserlich und offentlich, nicht zu deß Menschen Verderben, sondern zu seinem Heil und Besten geschehen: aber mit diesen Dienst-Geistern, davon wir reden, hats eine andere Beschaffenheit, die werden nicht von GOtt gesendet, auch geschihet ihr Verkündigen, Lehren, Unterrichten, und dergleichen nicht äusserlich und offentlich, sondern heimlich, auch wol innerlich, und daß andere davon nichts wissen und hören.

Zu maln ist diß kein ordentlich Mittel, durch Hülff solcher Dienst-Geister gelehrt zu werden, und dieses oder jenes zu erlangen; denn GOtt hat uns andere Mittel darzu verordnet, Er weiset uns zur heiligen Schrifft, darinnen sollen wir forschen, Joh. 5 v. 39 nicht aber zu den Spiritibus familiaribus und solchen Dienst-Geistern, Gemeinschafft mit ihnen zu haben. Der Apostel Paulus sagt nicht 1. Timoth. 4 v. 16. [82] attende occultæ inspirationi, habe Acht auf die innerliche Eingebung deß Geistes, sondern attende lectioni et doctrinæ, habe Acht auf diese Lehr, halte an mit Lesen.

So hat auch GOtt die Arbeit, den Fleiß, und den sauren Schweis darzu geordnet, daß wir dieselbe zur Hand nemen und anwenden sollen, wenn wir das wollen erlangen, was wir begehren: wenns aber von einem solchen Dienst-Geist erlanget würde, so geschehe es nicht durch das ordentliche Mittel, nemlich den Fleiß und Arbeit, und ist derwegen diese Weise der Ordnung Gottes zu wider, und kan daher ein solcher Geist freilich kein guter Geist seyn.

Zu dem, so bekennen auch solche Dienst-Geister nicht, daß sie von GOtt gesendet werden, welches ein gewisses Kennzeichen, daß sie keine gute Geister und Engel seyn, denn diese, wie aus allen Historien offenbar ist, haben, wenn sie jemand erschienen seynd, bald im Anfang ihres HErrn und GOttes gedacht, von dem sie gesendet worden, aber das sagt kein solcher Geist nicht: solte er es gleich bey einem und dem andern vorwenden, so ist es doch eitel Betrug und List, welches aus seinen Wercken leichtlich kan gemercket werden, wenn man darauf fleissig Achtung gibt.

Uber das, der gute Geist und Engel kommt zu den Menschen auf vorhergehendes glaubiges und andächtiges Gebet zu GOtt; aber der familiaris und Dienst-Geist wird durch abgöttische und zauberische Wort und Beschwörung herbey gelocket und gebracht.

Die guten Geister und heilige Engel dienen den Menschen ihre Seligkeit zu befördern, denn sie werden ausgesandt zum Dienst um derer willen, die die Seligkeit ererben sollen, Hebr. 1. v. 14. Aber ein solcher Dienst-Geist suchet nichts wenigers als dieses, all sein Thun und Dienen gehet dahin, nicht deß Menschen Seligkeit zu befördern, [132] sondern ihn vielmehr daran zu hindern und ihn darum zubringen, und endlich mit sich in die ewige Verdamniß zu führen.

Die gute Geister, die von GOtt gesendet werden, scheuen das Liecht nicht, sie erscheinen auch den Menschen in einer solchen Gestalt, daraus ihre Englische Majestät hervor leuchtet: aber solche Dienst-Geister scheuen das Liecht, und lieben die Finsterniß, lassen sich auch nicht leichtlich sehen; oder wanns geschihet, so geschihets in einer solchen Gestalt, die den Teuffel, der darunter stecket, bald verräht und zu erkennen gibt.

[83] Die gute Geister leiden nicht gerne einen Zwang von den Menschen, lassen sich auch nicht ins Dunckele einsperren, und an gewisse Ort verarrestiren: der familiaris und Dienst-Geist aber, lässet sich nach dem mit dem Menschen aufgerichteten Bund zwingen, daß er dieses oder jenes thun muß, läst sich an solche Oerter weisen, an welche niemand kommt, als der dem er dienet, auch wol in Crystallen einsperren, in Gläsern und Federkielen verwahren, in Schnuptüchlein einbinden, auch in lange Haar und Zöpffe einflechten, und dergleichen, damit er seinem Herrn stets zu Dienst seyn möge. Massen auch zu Lutheri Zeiten ein Edelmann in dem Saum seines Kleids einen solchen Geist gehabt, der ihm bedient gewesen, daß er in allen Rennen und Ritterspielen das beste Kleinod, und die höchste Ehre davon gebracht.

Und obwol nicht ohn, daß ein solcher Geist seinem geistlichen Wesen nach sich nicht also einsperren lassen kan, daß er seyn solte in ubi circumscriptivè, und mit einem umschribenen Ort umgeben, wie die leibliche Creaturen: jedoch so ist er in ubi definitivè also da, daß wo er ist, da ist er gantz, und in allen Theilen desselben Orts, nicht daß er daselbst seyn müste, sondern daß er freiwillig an einem solchen Ort zu seyn ihm läst gefallen und doch in einem Augenblick auch da seyn kan, wo er will. Daher wie er ein Tausendschalck und Künstler ist, also kan er wol die Gestalt einer Spinnen oder Fliegen, und dergleichen an sich nemen, und sich in ein Glas oder Büchse einsperren lassen, und auf diese Weise dem Menschen immer zugegen seyn.

Ich habe gesehen, schreibt Philander von Sittewald, in Expert. Rupert. p. 642. Als ich aus Paris nach Venedig mit zweyen Edelleuten reisete, daß dem einen wurde ein Dutzet Cronen von seinem Freund gegeben, ihm einen solchen Geist aus Welschland mitzubringen, weil er vernommen, daß sie deren Enden zu erkauffen. Wir verrichteten unsere Reise, und verzehreten die Cronen: musten gleichwol einen Spiritum mitbringen, oder mit Unhöflichkeit das Geld wieder geben. Was Rahts? Ohnfern von Paris, auf der Wiederkehre, nam mein Edolmann eine kleine schwartze Ameiß, thät sie neben etlichen Körnlein in [133] eine Schachtel, und übergab sie, als den begehrten Spiritum, mit dem Unterricht der Sachen einen Schein zu machen, der Spiritus müste reinlich unterhalten werden, jede Freytag auf Gold und Silber spatziren, etc. [84] Dem andern war es ein grosser Danck, und weil wir wusten, daß es lauter Betrug, fragten wir hernach mehr denn einmal, ob der Spiritus auch das Seinige thäte? und vernamen mit Verwunderung, daß es wahr war: gedachten aber auch bey uns selbst, daß man dem bösen Geist nicht viel darff ruffen, sondern daß er selbst suchet sich zu insinuiren.

Das thun aber die guten Geister gar nicht, von denen man dergleichen in Gottes Wort weder höret noch lieset. Ist derwegen aus diesem allen offenbar, daß solche Spiritus familiares und Dienst-Geister keine gute, sondern böse Geister, und mit einem Wort zu sagen, nichts anders als Teuffel selbsten seyn.


II. Es fraget sich aber, fürs ander, ob einer einem andern könne einen Spiritum familiarem zuweisen und überlassen, verehren, vertauschen, und gar verkauffen?

Diese Frag beantwortet Herr Freudius in Gewiss. Frag. von Zaub. p. 98 mit ja, und zwar könne dieses geschehen: erstlich ex Dei permissione, aus GOttes Zulassung. Denn ob es wol nicht in der Zauberer und Hexen, noch auch in deß Teuffels Willkühr stehet, daß er entweder selber, oder auf der Zauberer und Hexen Anweisung, von ihnen aus- und bey einem andern möge einziehen, sondern solches stehet allein in GOttes Gewalt und Zulassung, Psalm 78. v. 49. Darum thut GOtt solche Gewalt den Zauberern und Schwartzkünstlern blos und schlecht nicht einräumen, daß sie über die bösen Geister nach ihrer Beliebung solten zu gebieten haben, von ihnen aus und zu andern einzuziehen, und denselben zu dienen. Je dennoch so verhänget GOtt und lässet solches offtmals zu, wie die Exempel bezeugen.

Zum andern, ex Diaboli pactione, aus deß Teuffels Verbündniß. Denn ob es wol heisset:


– – – facilis descensus Averni,

sed revocare gradum, superasque evadere ad Auras,

Hoc Opus, hic labor est.


Leichtlich kan sich einer mit dem Teuffel einlassen, aber schwerlich kan er desselben wieder los werden; jedennoch so thut er bisweilen den mit ihm getroffenen Pact auf fünff und mehrere Jahre dem Menschen halten, auf daß er dadurch ihrer desto mehr, und den Losgelassenen auch wieder zu seinem Dienst bringen möge.

[85] Drittens, suscipientis consensione, mit der Annemer Bewilligung. Denn es heisset: Willkühr bricht Landrecht, und der Satan [134] erfordert gern vollkommene Bewilligung, und einen ungezwungenen freyen Willen deß Menschen. So nun ein Mensch zu wider GOttes Willen, dem Teuffel gut- und mutwillig sich ergeben will, so lässet GOtt denselben nicht allein in seines Hertzens Dünckel; daß er wandele nach seinem Raht, Psalm 81, v. 13, sondern auch gar dem Teuffel zur Straff wegen vorbegangener Sünden überantworten.


III. Hieher gehöret nun auch fürs dritte, was von dem Alraun zu halten, daß nemlich wer solchen habe, an Geld keinen Mangel haben solle u.s.f.

Herr G. P. Harsdörf. im 2. Theil deß grossen Schauplatzes Jämmerl. Mordgeschichte, Hist. 45 giebt hiervon diesen merckwürdigen Bericht. Unter den Erdgewäch sen, sagt er, ist keines das einen gantzen Menschen bildet, ausser der Wurtzel, welche man Mandragel, Mandragora oder Alraun nennet. Von dieser Wurtzel sollen deß Labans Haus-Götzen gemacht gewesen seyn, wie die Rabbinen wollen.

B. Porta schreibt, daß ein Italiänischer Zahnbrecher solche Wurtzel als einen Menschen geschnitten, und in die Scham ein Hanffkörnlein gestecket, selbe darmit eingegraben, und dardurch zu wegen gebracht, daß der Allraun mit dem Haupt auf alle Fragen geantwortet. Dergleichen soll die Jungfrau zu Orleans gehabt haben, welche die Frantzosen wider die Engelländer vertheidiget.

Josephus, l. 7. de bell. Jud. c. 25 nennet diese Wurtzel Baaras, von dem Thal wo sie häuffig wächset, und saget, daß sie zu Nachts leuchte wie eine Glut, und soll durch ein hungerigen Hund heraus gerissen werden, darvon zu lesen beym Plinio im 25. Buch am 12. Cap.

Etliche wollen daß diese Wurtzel unter den Hochgerichten gefunden werde, weil der Same von den erhenckten Dieben herunter trieffe, und solche Mandragoram wachsen mache; welches Wort auch teutsch, und von Mann tragen der Wurtzel den Namen gegeben. Allraun aber werde sie genennet von dem Wort All und raun, raunen, weil es allen heimlich in die Ohren raune, was sie thun sollen, um reich zu werden.

Ob nun wol diese Wurtzel ohne Sünde seinen natürlichen Gebrauch haben mag, so hat doch der böse Feind sein Spiel hierbey., und machet, daß derselben übernatürliche [86] Tugend wird zugeschrieben. Daher gebrauchen manche Allraun, ehren und beten die an, waschen und schmücken die, kleiden die in Sammet und Seyden. Was ist aber schröcklicher und abscheulicher, als den Teuffel in Gestalt eines Allrauns kämmen, bürsten und täglich putzen?

In einer vornemen Handelstadt in Franckenland, hat sich eine merckwürdige Geschicht von einem Allraun begeben, daraus zu ersehen [135] seyn wird, wie der böse Feind die Einfältigen so meisterlich zu betriegen weiß, und ihnen hernach mit ewiger Verdamniß zu lohnen pflegt. Wir wollen den gantzen Verlauff kürtzlich erzehlen, jedoch unter verblümten Namen, damit niemand erkandt werden möge, denn theils deroselben Befreunden noch im Leben.

Magdalon ein Handwercks-Weib, hinterläst unter andern einen Allraun, oder eine solche Wurtzel, wie wir vor beschrieben haben. Als sie sterben will, befiehlet sie der ältesten Tochter, sie solte dieses schwartze Männlein in ein fliessendes Wasser werffen, welches sie auch nach der Mutter Tod gethan, und nicht gewust was es gewesen; aber doch gesehen, daß ihr Vatter einsten dieses Kästlein hinder die Thür geworffen, und deßwegen, wie die Leute aberglaubisch, verdorben seyn solle.

Die jüngere Tochter hatte vielmals hören sagen, daß wer einen Allraun hätte, bey jederman angenem und niemals Mangel litte, fragte deßwegen darnach, weil sie wuste, daß einer unter der Mütterlichen Verlassenschafft verhanden gewesen. Maria die älteste Tochter will nicht sagen, daß sie solchen in das Wasser geworffen, Uneinigkeit und Zwiest zu vermeiden. Man suchet alle Winckel aus, die Wurtzel aber ist nicht zu finden.

Nachdem die Abtheilung geendet, und Hedwig die jüngere Schwester beharrlich nach dieser Wurtzel Verlangen träget, findet sie unter ihrem Geräthlein in einer Truhen den Allraun verborgen, und erfreuet sich darüber nicht wenig. Ob nun der böse Geist dardurch mit ihr geredet, und ihr Raht und That gegeben, kan man nicht wissen. So viel aber hat man ersehen, daß es ihr dem äusserlichen Ansehen nach, wol ergangen. Sie hat einen Beckenknecht geheuratet, ihn zu Burger und Meister gemachet, ja das erste Jahr ein schönes Haus gekaufft, und Gelds genug gehabt, da ihre Schwester hergegen verdorben, und in die äusserste Armut gerahten.

[87] Hieher gehören die Wort deß Predigers am 8. Cap. v. 14. Es seynd Gerechte denen gehet es, als hätten sie Wercke der Gottlosen; und seynd Gottlose, denen gehet es, als hätten sie Wercke der Gerechten.

Nach wenig Jahren fället diese Hedwig in eine tödliche Kranckheit, und schreyet, man solte ihren Mann eiligst holen, denn sie wol spürete, daß sie nun plötzlich sterben müste. Man spricht ihr zu, sie solte sich zu einem Christlichen Abschied gefast machen, ihre Sünde erkennen, und auf GOttes Barmhertzigkeit ihr Vertrauen setzen: aber sie will von diesem nichts hören, sondern schreyet nur nach ihrem Mann.

[136] Endlich als der Mann zu der Thür hinein tritt, will sie anfangen von dem Allraun zu reden, er aber schlägt sie auf das Maul, daß sie alsobald in die Züge fällt, und stirbt dahin. Wie wol sie gefahren, wird ihre Seele erfahren haben. Nachdem man sie zur Erden bestattet, ist sie mit vielem Heulen und Schreyen in dem Haus wiederum erschienen, daß ihr hinterlassener Wittwer ausziehen, und in einer andern Behausung wohnen, nachgehends aber die Seine anderst bauen müssen.

Hieraus erhellet, was Salomon sagt Proverb. 16. v. 8. Es ist besser wenig mit Gerechtigkeit, denn viel Einkommens mit Unrecht. Und an einem andern Ort sagt er: Es ist besser arm, und niedriges Gemüt seyn mit den Elenden, denn Raub austheilen mit den Hoffärtigen, und kargen mit den Geitzigen. Und was CHristus der HErr spricht, Matt. 16. v. 26. Ach was hilfft es dem Menschen, wenn er auch die gantze Welt gewinnet, und leidet Schaden an seiner Seele?


IV. Letzlich wird auch allhier in dieser Erzehlung angezeiget, dass sich D. Fausti Geist Mephostophiles nennen lasse, welches sonsten ein Persianischer Name seyn soll.

Daß aber auch die Geister ihre Namen haben, erhellet zugleich hieraus: denn haben die gute und heilige Geister, die Engel, ihre Namen, allermassen sich dorten bey der Verkündigung deß HErr Messiæ vor der Jungfrauen und GOttes-Gebärerin Maria der Engel, Gabriel, das ist: GOttes Mann, oder GOtt ist meine Krafft, genennet, Luc. 1. v. 26. und der Engel Michael, zu teutsch, wer ist wie GOtt? der in Persien wider den Teuffel stritte, Dan. 10. v. 13. Deßgleichen in dem Büchlein Tobiæ nennet sich der Engel Raphael, das ist, GOttes Artzt, Tob. 3. v. 25.

[88] Warum solten denn die bösen Geister nicht auch ihre Namen haben? GOTT der HERR spricht ja klärlich in dem Buch Hiobs im 1. vers. 7. zu dem Teuffel, der zugleich damals unter den Kindern GOttes vor den HERRN tratt, Satan, wo kommst du her? Auch sagten dorten die verbosten Juden zu dem HERRN CHristo, Er treibe die Teuffel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teuffel, Lucæ im 11.

Also nennete sich deß Christoff Wagners Geist, Aurhan. Deß Papsts Pauli deß II. nennete sich Lammaleche. Papsts Alexandri deß VI. Geist läst sich nennen Loyaute. In dem Böhmischen Gebürge, und denn fürter auf Schlesien zu, halt sich ein abentheurlicher Geist auf, der sich Rubezal nennet, welcher sich offtmals in eines Münchs Gestalt zu den Wandersleuten, denen der Weg durch das Gebürge oder Gehöltz nicht bekandt ist, gesellet, mit Vertröstung, sie sollen unbekümmert seyn, er wolle sie wol auf den rechten Weg führen: wenn er sie [137] nun in das Holtz verführet, daß sie nicht wissen wo aus oder ein, so soll sich der Schadenfroh auf einen Baum schwingen, und überlaut lachen, daß es im Wald erschallet.

Es soll ebenmässig eine jede Bulschafft seinen Namen haben, wie aus den Bekandtnissen der Hexen wissend ist; als Aurhan, Hennengetter, Hemmerlein, Wolffel, Mücker, Phasan, Blaß, Capaun, Juncker Haan, und viel andere. Also thut D. Fausti Geist auch, und nennet sich Mephostophile: denn kein Herr nimmt einen Diener oder Knecht an, er wisse denn, wie sein Nam heisse und genennet werde.

[138]
Das 12. Capitel
Das zwölffte Capitel.
D. Faustus vertrauet nicht allerdings seinem Geist Mephostophili.

D. Faustus hatte eben zu der Zeit ausser der Stadt etwas zu verrichten, daß er also ein paar Tage mit seinem Geist nicht kunte umgehen: so bald er aber wieder nach Haus kommen, da gedachte er, sihe, ich hab gleichwol diese Tage über, als ich ausser der Stadt gewesen, offt an meinen [89] Geist gedacht, und ist mir doch auf dem Wege niemals erschienen, da er mir doch zugesaget, nimmer von mir entfernet zu seyn, vielleicht wird er mir nicht Glauben halten.

D. Faustus aber stunde zur Zeit eben noch in solchen Gedancken, als der Geist Mephostophiles zu ihm eintratte, ob welches veränderter Kleidung er gleichwol einen Argwohn schöpffte, denn er vermeinte (war aber nicht) der Geist hätte erstesmals einen andern Münchs-Habit angehabt, weder jetz- und, das ihme denn sein gefastes Mißtrauen zu dem Geist vermehren wolte, schwiege aber doch: dieses vermerckte der Geist und sprach zu ihm: mein Herr Fauste, warum gedenckest du so Arges in deinem Hertzen, und vertrauest mir so wenig? Habe ich dir nicht zuvor gesaget, du solst mich bey meinem Namen nennen, wenn du etwas von mir verlangest und haben wilst. Setze lieber Fauste so gar kein Mißtrauen zu mir, hast du doch noch nichts von mir begehret: zu deme, so bin ich dir ja zuvor in der Kleidung eines grauen Münchs wie jetzund auch erschienen, thue die Augen recht auf.

D. Faustus lächelt darob, und sagte zu Mephostophili: es mag seyn, daß zwar eben diese Kleidung anjetzo sey, welche du erstesmal angezogen hast, du soltest aber der heiligen Münche nicht also spotten; denn solche Kleidung und Habit, dergleichen du anhast, und sonderlich deß H. Francisci Ordens, haben auch wol Käiser- Königliche- und Fürstliche Personen angetragen, ja sich darein als sie sterben wollen, verhüllet, und mit zur Erden bestatten lassen. Hättest du dich wol können bekleiden wie die erbarn Landsknechte, Türcken oder [90] Juden, die ohne das dir etwas näher angehören, als diese.

[139] Der Geist antwortete und sprach, ey warum vexirest du mich, beliebt es dir, so kan ich diese Kleidung bald ausziehen, und eine andere anthun, mir gilt es eben gleich, es ist mir ein Münch wie ein Landsknecht oder Jud, einer wie der andere.

D. Faustus sagte hierauf, mein Mephostophiles, halte mir solches zu guten, du solst bey dieser Kleidung verbleiben, führe deinen Orden nur strenge; ich will dir aber hinfüro, damit du mich nicht so geschwind erschleichest, ein klein Glöcklein anhängen, auf daß ich dich an dem Klang und Geläute vernemen möge.

Der Geist ereifferte sich ob solchem Beginnen und Zumuten D. Fausti sehr hefftig, sagende, er wäre ihm Geistes genug; so er einen Narren haben wolte, warum er ihn nicht einen bestellet hätte, ihn aber fahren lassen? was er deß Gespöttes bedörffe? er wäre ein hocherfahrner, gelehrter und subtiler Geist, deme alle die Gelehrtesten auf der Welt nicht vermögen in einiger Kunst obzuliegen; derowegen so solle er hinfüro nur sein Gespött lassen, denn er es nicht leiden könne, wolle ihn also hiermit gewarnet haben, wo er anderst nicht haben wolle, etwas zu erfahren, das ihme nicht gut seyn möchte.

Daß auf Anhörung solcher deß Geistes Drohworte dem D. Fausto wol zu Mut müsse gewesen seyn, ist nicht wol zu glauben, zu maln wenn er betrachtet und gesehen, wie aus deß Geistes Augen gleich als Feuer-Stralen vor Eifer geschossen, derowegen er ihn fleissig um Verzeihung bate, mit [91] dem Versprechen, es solte hinfüro nicht mehr geschehen: er wisse selbst wol, daß ein Mensch, der vor einem andern etwas wisse und könne, sich nicht verachten lasse; wie viel weniger er als ein hocherfahrner Geist? Sprach also ferner: Mein Mephostophiles, ziehe vor dieses mal wiederum hin, und gib mich nicht auf; wenn ich dir aber werde mit Namen ruffen, so erscheine und sey mir in allem willfährig. Also ist der Geist in einem Augenblick verschwunden.

Anmerckung.

I. Daß allhier dem Geist Mephostophili deß D. Fausti Gedancken [140] so bald seyndt bekandt gewesen, solte einem wol Gedancken machen, ob es seyn könne. Es ist aber solches bey so gestalten Sachen dem Teuffel gar wol müglich gewesen, als der aller Gottlosen Gedancken ein Erkenner ist; denn er gibet sie ihnen ein: Er sihet und regiret aller Menschen Hertzen, die nicht mit GOttes Wort verwahret seynd, ja er hält sie in seinen Stricken gefangen, daß sie gedencken, reden und thun müssen nach seinem Willen, 2. Timoth. 2. v. 26. Und der Apostel spricht in der 2. an die Corinthier im 4. vers. 4. Der Gott dieser Welt verblendet der Unglaubigen Sinne. Wie solte denn dem Geist unbewust gewesen seyn, daß D. Faustus gleichsam ein Mißtrauen zu ihm setzen wolte, weilen er ihm ohne Zweiffel diesen Gedancken selbst eingegeben hatte, wie auch von Juda geschrieben stehet, daß ihme der Teuffel ins Hertz gegeben, daß er Christum verrahten solte: und dem Cain gabe er nicht allein ein, daß er böses von seinem Bruder Abel gedachte, und ihme feind ward, sondern er triebe ihn auch an, daß er ihn ermordet.

Dargegen der Frommen Glaubigen Gedancken weiß er nicht, bis sie darmit heraus fahren; denn Christus ist ihme zu klug. Wie er nun nicht hat wissen können, was Christus in seinem Hertzen gedachte, also kan er auch nicht wissen der Gottseligen Frommen Gedancken, als in wel cher Hertzen Christus wohnet.

Jedoch können die Teuffel offt, ihrer Subtil- und Ge[92]schwindigkeit nach, aus vielen Anzeigungen schliessen, erfahren und wissen, was die Menschen im Sinne haben; wie aber dieses zugehe, gibt der heilige Augustinus zu erkennen, wenn er spricht: Cum noster animus movetur, propter eam conjunctionem quam habet cum corpore, in eo aliqua imprimit sui motus vestigia et qualitates, quæ tamen à nobis, cum sensus hebetes habeamus, non videntur; nisi cum illi motus et vehementes et fortiores fuerint. Et in iracundia usu venit: Nam si aliquis excandescat, rubor in facie, et flamma in oculis, statim ardet. Idem accidit, cum et fusiùs exhilaramur. At cum animi motus leniores fuerint, non est dubium, quin ettiam aliquid corpori inuratur, quod licet ipsi non sentiamus, tamen à Dæmonibus cognosci potest.


II. Daß aber fürs ander der Geist eben in eines Münchs Gestalt und Habit dem D. Fausto erschienen, und also solchem heiligen Orden, in den sich wol eher Königliche und Fürstliche Personen begeben, gleichsam einen Affront angethan, ist dem Ansehen nach nicht recht, wie Faustus selbst gestehet; es möchte denn etwan ein anderst-Gesinneter hievon sagen, was man Sprichwortsweise saget:


Non audet Stygius Pluto tentare, quod audet

effrænis Monachus, plenaque fraudis anus.


[141] Eine Fabel wird erzählet von dem Ursprung und Herkommen deß heiligen Münch-Ordens, folgender Gestalt: Der Teuffel hat einsten einen faulen losen Bruder in einer Wüsten angetroffen, und ihn gefragt, wer bist du, und was thust du hie? Da hat der Bruder geantwortet, er sey ein Christ, und sey darum in diese Wüsten kommen, daß er der Christlichen Lehre desto besser abwarten, und ein einsameres Leben führen möge. Da hat der Teuffel weiter gesagt, wolan, weil du von den Leuten gewichen bist, und dich freywillig abgesondert hast, so wird folgen wollen, daß du heiliger und frömmer seyest denn andere Leute, darum will dir und deines gleichen zustehen, daß ihr andere Kleidung traget, dardurch ihr von andern gemeinen Leuten für heilig und fromm möget gehalten und erkannt werden. Der Bruder sihet seine Kleider an, die nun fast zerrissen waren, und sprach, er wolte gern ein ander Kleid tragen wenn ers hätte; der Teuffel sagte, ich will dir eines bringen. Auf den andern Morgen brachte er dem Bruder etliche Ellen graues Tuchs, schneidet in der Mitte ein Loch hindurch, und hieng es ihm also gantz an den Hals: Der Bruder gehet also fort, und trägt [93] vornen das Tuch unter den Armen, hinten aber blieb es ihme an den Büschen und Dörnern behangen, und machte ihm also viel zu schaffen, daß er der Arbeit gar entwohnete, zu welcher er ohne das nicht grosse Lust truge. Uber etliche Tage kommet der Teuffel wieder, und da ihm der Bruder klagte, wie ihm das Tuch so viel Mühe mache, nimt er so bald eine Weide von dem Baum, und schürtzet ihn darein, wie mit einer Gürtel, und machte grosse Schösse und weite Ermeln; daher es auch noch kommet, daß sie Gürtel mit Knoten tragen, und die Kappe samt den Ermeln so weit worden, daß sie noch heutiges Tages niemand erfüllen kan: Darnach machte er ihm auch einen Krantz, denn, sagte er, es ziemet einem so heiligen Mann kein Haar zu tragen, wie die Layen und Unheiligen thun: Endlich, da sich der Bruder beklagte, es sey ihm nicht müglich, daß er sich nun hinfüro mit Arbeiten solte ernähren, denn das Kleid sey zu weit und ungeschickt darzu. Gibt ihm der Teuffel den Raht, er soll gehen in den nächsten Flecken, und bitten um GOttes willen, und schreyen: Panem propter Deum, gebt mir Brod um GOttes willen; und damit es ihm auch da nicht mangeln solte an dem, darein er das Brod samlen möchte, so nimt der Teuffel deß Bruders sein Hemd, nähet es oben und unten zu, und schneidet mitten ein Loch darein, und machet ein Gardian daraus. Der Bruder gehet hin, und will Brod betteln, und da er in das nächste Dorff kam, und den Leuten damals ein solch wunderliches Thier noch neu und unbekandt war, lieffen die Kinder, so der Pferde und Gänse hüteten, von dem Feld heim, und schreyen und wusten[142] nicht, was das für ein Thier wäre. Es war aber eben um die Zeit, daß der Hirt das Viehe um den Mittag eintriebe, da schrie im Eintreiben der Dorff-Ochs, seiner Gewonheit nach, Mo, Mo, Mo, Monch, heben die Kinder an, sihe, sihe, unser Dorff-Ochs kennet ihn. Also hat der Teuffel den ersten Mönch gemacht, der Dorff-Ochs aber hat ihn getaufft.

III. Zum Dritten, wird zugleich hieraus fürstellig gemacht, die Hoffart und Stoltz deß Geistes, der sich vom Fausto nicht will vexiren lassen, und kan durchaus nicht verdulten, daß man das Gespötte mit ihm treibe. Welches denn frommen Christen zu einem Trost dienen soll, als welche seiner nicht eher los werden können, nebenst dem Gebet, denn mit dessen Verachtung; wie solches unter andern Herr D. Luther bemercket, und folgende Begebenheit [94] erzählet Colloq. Mens. p. 206, da er spricht: Im Anfang meiner Lehr, da das heilige seligmachende Evangelium den gepresten Gewissen gepre diget zu werden begunte, legte sich der Teuffel sehr darwider, und liesse unter andern nicht ab vom Poltern zur Nachtszeit, an unterschiedlichen Orten: Denn er hätte gern zu Magdeburg das Purgatorium oder Fegfeuer, und den Discursum Animarum in seinem Esse erhalten. Nun war allda ein reicher und begüterter Burger, dem starb ein Kind, welchem er aber keine Seelmesse hielte; das thäte denn den Pfaffen trefflich wehe, giengen demnach zu Raht, und brachten im End zu wegen, daß der Teuffel alle Nacht um acht Uhr in die Kammer deß Burgers kame, und winselte und ächzete gleich einem jungen Kind. Dem guten Mann ward hierüber angst und bang, wuste nicht wie er ihm thun solte, befragte sich derwegen mit den frommen Leuten, den Pfaffen, welche denn noch ihr Gespötte mit ihm hatten, und ihme hoch verwiesen, daß er seinem verstorbenen Kind keine Vigilien gehalten, das nun nicht ruhen könte, u.s.w. Es war aber allbereit zur selbigen Zeit meine Sermon über den Spruch: Sie haben Mosen und die Propheten, ausgangen, in welcher der gute Mann fleissig gelesen, und soviel befunden, daß nichts auf die Seelmessen zu halten seye; weßwegen er mir zu geschrieben, und um einen getreuen Raht gebetten. Ich schriebe ihm wiederum, er solte weder Vigilien halten lassen, noch sich fürchten, sondern gewiß glauben, daß es der Teuffel wäre, der solches alles anrichtete, er solte nur fleissig beten und den Teuffel verachten; welches denn so bald alle in dem Hause thaten, und verachteten den Teuffel, und sprachen: Teuffel was machst du, hast du sonsten nichts mehr zu thun? hebe dich du verdamter Geist in den Abgrund der Hölle, dahin du gehörest, u.s.f. [143] Wie nun solches der Geist vername, da war er kein winslendes Kind mehr, sondern ein Polterer; stürmte, warff und schluge allenthalben, thäte sehr scheußlich, und liesse sich offt sehen wie ein Wolff der heulet. Aber die Leute im Haus, so gar auch die Kinder, verachteten ihn nur desto mehr, und waren ohne Furcht für ihm, daß wenn etwan jemand unter ihnen die Treppen oder Stiegen hinauf gieng, so trappte er denn mit den Händen hernach, alsdenn sprachen sie unverzagt, huy Teuffel bist du toll? Einmals kommt Herr Jacob, der Probst zu Bremen, [95] nach Magdeburg, und kehrete mit Fleiß bey diesem Burger ein, um zu hören und zu vernemen, ob wahr sey, was man von dem Poltergeist in seinem Haus ausgesprenget? Als es kaum acht Uhr zu Nacht geschlagen hatte, da liesse sich der Geist zur Genüge vernemen, so, daß der gute Probst nach Bette eilte: es waren aber zwey Kammern neben einander, in der einen schlieff die Frau deß Hauses, samt ihren Kindern, und einer Magd, in der andern lag der Probst und der Hauswirt; da es denn nicht lang anstunde, daß der Geist kam und machte ein Gepolter in der Kammer, name dem Probst das Deckbett, daß dem guten Herrn recht bang ward, und hefftig zu beten anfienge. Letzlich kommt er auch in die andere Kammer zu der Frauen, derer er überm Bette herlieffe, gleich als wären lauter Ratten zu gegen: da es nun gar zu lang wären wolte, kehrete sich die Frau herum, reckte den Hindern zum Bett heraus, und liesse einen streichen S. V. sprechende, sihe da Teuffel, da hast du einen Stab, den nimm in deine Hand, gehe damit Walfarten nach Rom, und hole von dar Ablaß. Also bliebe der Teuffel, auf sothane Verachtung und Verspottung hinfüro gar aus, und hatte das Poltern ein Ende. Aus den Vitis Patrum wird diese Geschicht erzählet: Daß einsmals ein Altvatter hab gesessen und gebetet, und da sey der Teuffel bald hinter ihm her gewesen und hab ein Gerumpel gemacht, daß den guten Altvatter gedaucht, er höre einen gantzen Hauffen Säu kerren und gruntzen, womit ihn der Teuffel schrecken, und am Gebet hindern wollen; der Altvatter aber hab gesprochen: Ei Teuffel wie ist dir so recht geschehen, du soltest seyn ein schöner Engel, so bist du zu einer Sau worden: darauf habe das Gethön und Kirren so bald aufgehöret; denn es habe der Teuffel diese Verachtung nicht leiden können. Contemptus frangit Diabolum, observatio inflat, ait Lutherus. [144]

Das 13. Capitel
[96] Das dreyzehende Capitel.
Wie D. Faustus, durch Hülffe seines Geistes, seine Haushaltung angerichtet, und Speis und Tranck zu wegen gebracht hat.

Obwoln nun D. Faustus vermeinet, es könne ihm hinfüro nichts mehr mangeln, alldieweiln er einen so getreuen Diener an dem Geist habe, hat es doch gleichwol nach und nach an einem und dem andern ermangeln wollen. Denn die baren Mittel von der Verlassenschafft, seines vor etlichen Jahren verstorbenen Vettern, hatten nunmehro ein Ende, und war von disem allen, ausser der Behausung, in welcher er wohnete, und etlichen Wiesen und Feldern, weniges mehr überig, wegen vielen Spielens und Panquetirens, darzu er sehr geneigt war.

Weßwegen er mit seinem Mephostophile Raht hielte, wie er doch andere Mittel an Statt der verlornen, haben und erlangen möchte, damit er eine bessere Haushaltung anstellen und führen köndte; denn eben um der Ursach willen, sagt er, daß er in diesem Leben ein gutes Leben haben, und ihme nirgends etwas abgehen möchte, habe er sich dem Teuffel ergeben, u.s.f.

Der Geist sagte hierauf: Mein Herr Fauste, gib dich zu frieden und beschwere dein Gemüt nicht mit der gleichen kummerhafften Gedancken, sorge doch hinfüro für nichts mehr, ich bin ja dein Diener, dein getreuer Diener, und so lang du mich haben wirst, solst du keinen Mangel an irgend etwas haben: darum solst du nicht sorgen noch trachten, [97] wie deine Haushaltung möge fortgeführet werden, weiln du weniges Einkommen hast, und das andere fast aufgezehret ist; denn wenn du nur Schüssel, Teller, Kannen und Krüge hast, so hast du schon übrig genug; für Essen und Trinken aber darffst du nicht sorgen, ich will dein Koch und Keller seyn: dinge nur keine Magd, die es vielleicht verrahten möchte, aber einen Famulum und Jungen magst du wol haben: ingleichen Gäste und gute Freunde, die dir Gutes gönnen, und deß Deinigen bishero zimlich genossen, die magst du wol einladen und beruffen, [145] und mit ihnen frölich und gutes Mutes seyn.

Daß nun dieses Anerbieten deß Geists dem D. Fausto erfreulich müsse zu hören gewesen seyn, ist wol zu glauben: allein er wolte fast darob zweiflen, weßwegen er auch zum Geist sprach: Mein lieber Mephostophiles, ich muß doch gleichwol fragen, wie und woher willst du solches alles überkommen?

Der Geist lächelt hierüber, und sagt, darfür sorge du nur nicht, aus aller Könige, Fürsten und grosser Herren Höfen kan ich dich sattsamlich versehen; an Kleidern, Schuhen und anderm Gewand, solst du auch keinen Mangel leiden: darum was du Abends und Morgens verlangest und haben wilst, das verzeichne und lege die Verzeichniß auf den Tisch, daß ich sie hole, und dieses zu rechter Zeit verschaffe.

Dessen erfreuete sich D. Faustus gar sehr, und thäte dem also, verzeichnete zur Stunde die Kost nebens einem guten Trunck zweier oder dreyerley Wein-Gewächse, um zu sehen was er für einen Artus-Hof haben würde.

[98] Abends um sieben Uhr wurde ihm hierauf zum erstenmal der Tisch gedecket, auf welchen denn der Geist ein zierlich-verguldtes Trinck-Geschirr setzte; welches D. Faustum veranlaste seinen Mephostophilem zu fragen, woher doch diß schöne Trinck-Geschirr komme? Deme er bald antwortete, er solte davon nicht fragen, er habe ihm dieses in das Haus verehret, dessen solte er sich ins Künfftige bedienen. Worauf Faustus schwiege, sahe auch zugleich, daß Semmeln und anders mehr auf dem Tisch lage, ja nicht lang hernach sechs oder acht Gerichten, welche alle warm und auf das Beste zu bereitet gewesen, wie ingleichen die Weine, auf dem Tisch gestellet wurden.

Anmerckung.

I. Wenn bey manchem das Gütlein durch Spielen, Fressen und Sauffen, und tägliches Wolleben ist durchgebracht worden, gleichwie allhie bey D. Fausto, kommt man alsdenn in die Armut, und weiß weder hinter sich noch vor sich, darinn steckt mancher und manche sehr tieff, und ist mit Schulden hart beladen, wird daher betrübt, melancholisch und traurig, und weiß sich doch weder zu helffen noch zu rahten. Bey solchem Zustand pflegt ihnen der Teuffel nachzustellen, verheisset ihnen[146] grossen Reichthum, wenn sie sich ihme ergeben wollen, hat auch manche dahin gebracht, daß sie sich ihme ergeben, und in seinen Bund getretten seynd, und diß aus Antrieb der Armut.

August. Lerchheimer im Bedenken von Zauberey c. 19. schreibet von einer armen Wittib, daß sie hab bekennet, sie sey also darzu kommen, daß sie in einem Wald gegangen, Holtz zu holen, und da sey der böse Geist in Gestalt eines Försters zu ihr kommen, und hab sie gefragt, warum sie so traurig sey, ob ihr der Mann gestorben? Darauf sie ihm mit Ja geantwortet. Er hab aber weiter gefragt: Ob sie ihn nemen, und ihm gehorsam seyn wolle, so wolle er ihr Gelds genug geben, und hab sie mit vielen Worten überredet, daß sie darein gewil[99]liget, und Gott ab und dem Teuffel zugesagt, darauf hab er sie gebuhlet. Er sey aber nach vier Wochen wieder zu ihr kommen, und hab ihr einen Besen dargereicht, darauf sey sie mit ihm geritten auf eine in der Nähe gelegene Hayden zum Tantz, darbey noch 10. andere Weiber gewesen, unter denen sie mehr nicht als zwo gekennet. Weiter er zehlet er von einem Weib, das sehr traurig, auch zornig über ihren Mann gewesen, der Ursach wegen, weil er ihr das Geld verspielt gehabt; sie sey aber in Unmut hinaus in den Weingarten gangen, da ihr Unterwegs ein schwartzer Mann begegnet, der sie getröstet und ihr verheissen, er wolle ihr Gelds genug geben, wenn sie seinen Willen thun wolte. Sie hab sich überreden lassen, hab GOtt ab und ihm zugesagt, hab mit ihm Unzucht getrieben, und von ihm einen Schos voll Geld bekommen, welches aber bald zu Hafen-Scherben worden.

In unserer Nachbarschafft, spricht M. B. Waldschmid, Pyth. Endor. p. 37. soll sich begeben haben, wie es erzehlet worden, daß ein armes Weib aus ihrem Ort und Haus betrübt und traurig sey hinaus gangen aufs Feld, und hab sich sehr bekümmert, wo sie ihr Friedens Geld, welches ihr mit ehestem zu bringen auferleget worden, hernehmen solte, weil sie keine Mittel gewust. Es sey ihr aber ein Mann begegnet, der hab sie gefragt, warum sie so traurig sey? Dem hab sie ihr Anligen, wegen Mangel deß Frieden-Gelds, geklagt, darauf er gesprochen: wenn sie ihm folgen und seines Willens leben würde, so wolte er ihr so viel Geld geben. Als sie sich nun lang gewehret, habe er sie doch endlich dazu beredet, daß sie es gethan, sich ihm in seinen Willen ergeben, und hierdurch sey sie Anfangs, wie sie bekennet hab, zur Zauberey kommen.


II. Zum andern, wegen der Wollust deß Fleisches, daß er nur in dieser Welt gute Tage und alles vollauf haben möge, ergibt sich mancher dem bösen Geist, wie D. Faustus auch gethan welches er allhier selbsten bekennet, zu dem Ende gethan zu haben.

[147] Mancher ist dem Fressen und Sauffen, Schlemmen und Demmen so ergeben, daß er nicht nachlassen kan, so lang ein Kreutzer übrig bleibet, es haben gleich Weib und Kinder zu brocken oder zu beissen, ja wenn kein Geld mehr vorhanden ist, kommt man an die Kleider und Hausrath, versetzet und verpfändet, so lang etwas da ist; wenn aber zu letzt nichts mehr vorhanden ist, und man dem Schnabel soll abbrechen, so fällt man in Kleinmütigkeit, und will vergehen. Da kommt denn etwan [100] ein alte Hexe, und gibt Raht, wie man die Sach soll angreiffen, oder es erscheinet wol der böse Geist selbst und verheist einem solchen Menschen ein tägliches Wolleben, und das nimmt er denn willig und gern an, begibt sich gar ins Teuffels Dienst, nur damit er deß verheissenen Wollebens immerdar geniessen möge. Zu welchem Wolleben denn auch sonderlich gehöret die Unzucht und Geilheit, als wordurch ihrer sehr viel in diese schwere Sünde gerathen seynd.

Man sagt sonst Sprichworts-Weise: junge Huren, alte Hexen; denn die Hurerey stürtzet viel in die Hexerey, und wo der Teuffel Unzucht, Geilheit, und ungebürende Liebe gegen andere Leute mercket, da freuet er sich, gesellet sich zu einem solchen Menschen, und hat Gewalt über ihn, Tob. 6, v. 17. und ist wol eher geschehen, daß, wo er gemercket, daß eine Mannsperson, ihm ein Weib oder Jungfrau so tieff ins Hertz gebildet hat, Unzucht mit derselben zutreiben, oder im Gegentheil ein Weib mit einer Mannsperson, da ist er wol solchen in Gestalt derselben Mann- oder Weibsperson erschinen, und hat ihn oder sie durch verdamliche Unzucht in seine Stricke gebracht.

Jenes junge Weib warff ihren Sinn und Hertz auf eine schöne Mannsperson, mit derselben ungebürlicher Liebe zu pflegen; darauf erschiene ihr der Teuffel auf dem Feld in Gestalt derselben Mannsperson, und verrichtet das jenige mit ihr, worzu sie ihre böse Lust getrieben hatte, und machte sie hernach vollends zu einer Hexen. Ein fast dergleichen klägliches Exempel erzehlet M. Zeiller, Hist. 1. Theatr. Tragic. folgendes Innhalts. Es lebte vor Jahren zu Lyon in Franckreich ein Leutenant über die Schaarwacht der Stadt Namens La Jacquiere, der wegen seines unzüchtigen Lebens sehr beschryen war. Einsmals begab es sich, daß er bei der Nacht auf der Gassen, zwischen eilff und zwölff Uhren, zu andern fünff seiner Gesellen, so mit ihm herum giengen, sagte: er wisse nicht, was er geessen habe, so erhitzt sey er, also, daß, wenn ihm auch der Teuffel begegnete, er ihme doch nicht entrinnen solte, er hätte denn seinen Willen mit ihm vollbracht.

So bald er diß geredt hatte, wird er gleich in einer Gassen, nahend der Saone oder Araris-Brucken, eines adelichen Weibsbilds gewar, welche wolbekleidet, mit einem Laggeyen, so eine Laterne truge, schnell fortgieng, [148] und sich stellte, als ob sie sich nicht lang auf der Gassen aufzuhalten hätte. Der Leu[101]tenant verwunderte sich, daß er so spat eine Dame, so wol gebutzt, auf der Gassen alleine mit einem Laggeyen antreffen solte, eilet ihr derwegen nach, grüste und befragte sie, wo sie so spat hinaus wolle? Die Dame machte eine tieffe Reverentz, thut ihr Visier hinweg, grüst den Leutenant auch, und zeigt ihm an, daß sie bey einer ihrer Befreundin zu Nacht gessen, und sich so lang verweilet habe, der Leutenant wurde wegen ihrer schönen Gestalt, und daß sie ihn so freundlich ansahe, gleich in Liebe entzündet, und erbot sich deßwegen, sie nach Haus zubegleiten, sonderlich dieweil er von ihr verstehet, daß ihr Mann nicht zu Haus sey. Die Dame bedanckt sich dieser Courtoisie und Höflichkeit halber, und gehen also diese beyde einen zimlichen weiten Weg miteinander, und werden von den obgesagten fünff Wächtern begleitet, von welchen der Leutenant drey hinweg schicket, und allein zween, als seine Vertrauteste, bey sich behalten thut.

Da sie nun zu der Dame Haus, so nahend dem Castell Pierre Cise, am Ende der Stadt Lyon, gegen Paris zu, gelegen, kamen, zoge der Laggey einen Schlüssel aus dem Sack, mit welchem er aufsperrte. Dieses abgelegen einschichtige Haus hatte zwo Gaden Höhe, die obern zwey Zimmer waren allein zum Holtz und andern dergleichen Sachen gebaut: unten aber war ein Saal, und eine daran stossende Kammer. Im Saal stunden zwey Bette, deren Decken von gelben Taffet, die Tappezereyen und Vorhänge aber von gelben Sarge accomodiret und zugerichtet waren. Und ob es wol im Julio; gleichwol weiln sich ein kalter Wind erhebt hatte, befahle die Dame dem Laggeyen ein Fagot oder Wellen anzuzünden. Unterdessen setzten sich diese Leut, ein jedes in einen Sessel, und fähet den Leutenant an, der Dame seine Lieb und grosse Passion zu verstehen zu geben, mit inständiger Bitt, Mitleiden mit ihm zu haben, und solchen geneigten Willen ihme nicht zu versagen.

Die Dame entschuldigt sich Anfangs mit ihrer Ehre, vermeldet auch, daß die Männer heutigs Tags sehr untreu seyn, und wo sie etwas von den Weibern zu wegen bringen, sie solchen Favor alsobald allenthalben publiciren und ausruffen, deßwegen so könne sie ihm nicht willfahren. Der Leutenant verheist ihr mit einem Schwur, daß er solchen Favor keinem Menschen entdecken wolle, und daß er bereit sey, sich ihrentwegen in die äusserste Gefahr zu begeben. Die Dame bewilligt [102] endlich in sein Begehren, und führet ihn in die nächste Kammer, in welcher ein Bett von gleichen Zeug, wie im Saal, zu gerichtet war.

Nach vollbrachter That, bate der Leutenant auch vor seine beyde Gesellen, welche er seine beste Freunde nennet: dessen die Dame übel [149] zu frieden war, und sagte, ob er meine, daß sie eine Wölffin seye, welche sich einem jeden frey geben solte; sie hätte es ihme nicht zugetraut, daß er vor die Gnade, die kein Mensch auf Erden, ausgenommen ihr Mann, von ihr habe zu wegen bringen können, also solte undanckbar seyn, und indeme sie das sagte, stellete sie sich, als wolte sie hinweg gehen, er aber hielte sie mit grosser Bitt, hertzete und umfieng sie: und nachdem er abermals seinen verfluchten Willen mit ihr vollbracht hatte, fieng er wieder an, vor seine beyde Gesellen zu bitten, und unter andern auch dieses zu vermeldten, daß zu befürchten sey, wenn sie ihnen diese Gnad abschlagen werde, daß sie die Sach allenthalben offenbaren und ausschreyen möchten. Die Dame gibt endlich, wiewol dem Ansehen nach, sehr ungern ihren Willen darein, und werden die zween dessen vom Leutenant verständigt, welche sich auch nicht lang bitten lassen, weiln sie ein solches vermeintes Glück nicht um ein Königreich gegeben hätten.

Nachdeme sie nun also alle drey ihre vermaledeyte Begierden ersättiget hatten, und wieder im Saal beysammen waren, fiengen sie an, sich über der Dame Schönheit zu verwundern. Einer lobte die Stirn, der Ander die Augen, der Dritte ihre schöne gelbe Haar und so fortan; die Dame aber stunde vom Sessel auf, und sagte zu ihnen: ihr vermeint wol etwas gewaltiges erjagt zu haben, aber der Gewinn wird so groß nicht seyn, als ihr gedenckt. Mit weme vermeint ihr wol, daß ihr zu thun gehabt? Die drey erbare Gesellen erschracken alsobald ob solcher Rede, und wusten nicht was sie antworten solten: doch sagt der Leutenant endlich: mein Frau, ich glaube, daß wir mit der adelichsten und schönsten Dame, die da leben mag, zuthun gehabt haben: und wer diß laugnen wolte, der müste seiner Augen und seines Verstandes beraubt seyn.

Ihr seyd betrogen, antwortet sie, und so ihr wüstet wer ich wäre, so würdet ihr anderst reden. Ich will mich euch entdecken, und sehen lassen, wer ich bin. Und indem sie das sagte, hub sie ihr Gewand auf, und ließ diese drey das allerab[103]scheulichste heßlichste Aas sehen; und verschwand darauf mit samt dem Haus wie ein Blitz, und bliebe nichts übrig, als eine verfallene Mauer von einem alten Gebäu, dahin man den Mist und allerley Unflat zu tragen pflegte.

Der Leutenant und seine beyde Gesellen seynd darüber vor Schrecken zu Boden gefallen, und mehr als zwo Stunden also, wie die Schweine im Koth ausgestreckt verblieben. Endlich finge einer unter ihnen an zu respiriren, und seine Augen aufzuthun, und da er den Mond am Himmel sihet, sich zu becreutzigen, und GOtt um Gnade zu bitten. Und indeme er also sich beklaget, schickt es sich, daß einer mit einer Latern [150] dahin kommet, seine Nothdurfft zu verrichten: welcher, da er jenen klagen höret, vor Schrecken davon laufft, und es in den nächsten Häusern anzeiget. Die Nachbauren lieffen zu, und dieweil gleich der Tag anbrach; erkanten sie den Leutenant, welcher auch anfing zu athemen, und Göttliche Hülff anzuruffen, unter deß der dritte, sonder Zweiffel vor Furcht, allbereit gestorben war. Man truge sie alle drey, wie sie waren, voller Gestancks und Unflats, ein jeden in sein Logement, und wurde der Verstorbene begraben, den beyden aber gab man einen Beichtvatter zu, davon der Leutenant deß andern Tages starb: der dritte aber lebte bis auf den vierdten Tag, welcher deß gantzen Handels Verlauff hernach offenbarte.


III. Zum Dritten, möchte jemand allhier nicht unbillich anstehen, und gedencken, es könne ja nicht seyn, daß Mephostophiles dem D. Fausto also gedienet, und ihm Speis und Tranck nach seinem Verlangen und Begehren zugetragen habe; und so dieses schon geschehen wäre, so wäre doch solches alles nicht natürlich gewesen, u.s.f.

Welches aber gar wol seyn kan und mag; denn der Teuffel ist ein hurtiger und sehr geschwinder Geist, schwinget sich in einem Nu und Augenblick, von einem Ort zu dem andern, ja gleichwie der Plitz vom Anfang zu dem Niedergang fähret, also geschwind ist er an Stätten und Orten. Wie wir dessen ein Exempel beym Propheten Daniel haben, da der gute Geist den Habacuc bey den Haaren erwischet, und ihn zu dem Propheten Daniel geführet, damit er gespeiset und geträncket würde.

Darum es den öffters geschehen, daß die Zauberer durch ihren Geist, auf Zulassung und Verhängniß GOttes, diesem oder jenem Herrn dieses oder jenes aus der Kuchen und Keller [104] genommen, und einem andern, der es verlanget, zugeführet haben. Zu dem, so hat ja D. Faustus nicht vom Lufft leben können, es muß alles natürlich hergangen seyn.

Es meldet Philippus Melanchthon, massen es Manlius in seinen Collectaneis erwehnet, wie daß einsmals der Abbt von Spanheim, Johannes Trithemius, welcher ein berühmter und erfahrner Schwartzkünstler gewesen, mit andern gereiset, nach Anzeigung Wilibaldi Pirckameri, und in eine Herberg gekommen, allwo weder zu beissen noch zu brechen ware, und verlangte doch etlichen unter der Gesellschafft nach einem guten Gericht Hechte, sprachen schertzweise zu dem Abbt: Ehrwürdiger Herr, verschaffet, allhier etwas, und lasset die gantze Gesellschafft eurer Kunst geniessen. Der Abbt klopffte hierauf mit dem Finger an das Fenster, und befahl, mit allerehesten eine gute grosse Schüssel voll gesottener Hechte zu bringen, welches auch bald hernach geschehen, [151] dessen sie alle miteinander erfreuet worden, und wol gesehen, daß es kein Blendwerck gewesen.

Diese Kunst konte auch ein Abbt zu Fulda, Erlolffus genannt, der verreiste einsten durch Bretten, nicht weit von Heydelberg gelegen. Als er nun auch mit etlichen von Adel in einer Herberg eingekehret, da wolte ihnen daselbst der Wein nicht schmecken, und als sie von dem Wirth einen bessern begehret, kein besserer aber vorhanden war, befahl der fromme Abbt seinem Geist eine Flaschen guten Weins bringen, welches auch bald geschahe, doch daß es der Wirth, der gleichwol in der Stuben zugegen ware, nicht vermerckete.

Der Abbt brachte von solchem Wein dem Wirth ein Glas zu, und sprach zu ihm: Ey wie möget ihr sagen, daß ihr keinen bessern Wein habet, versuchet hier euren Wein. Da diesen der Wirth kostete, und doch nicht sahe, daß ein anderer als der seinige wäre geholet worden, verwunderte sich höchlich darob, kunte nicht ersinnen wie solches zugegangen: aber die Diener und andere die mit am Tische gegessen, wusten wol was der Abbt durch seine Kunst zu wege zu bringen vermochte.

Pasetes ist ein solcher Schwartzkünstler gewesen, wie von ihm die Griechischen Scribenten bezeugen, daß er einsmals auf einem Nachtmahl die allerköstlichen Gerichte zu wegen gebracht: eben dieses meldet man von einem Domherrn, Johannes Teutonicus genannt. Imgleichen von dem Famulo deß [105] D. Fausti, Christoph Wagner, Antonio Moro zu Halberstadt, und andern mehr.

Woher aber nimt der Teuffel, Wein, gesottene Hechte, und dergleichen? Erschaffen kan er sie nicht, so muß er sie gewiß anders woher nemen: etwan aus einer herrlichen reichen Kuchen und Keller. Da etwan der Koch den Fisch hat angerichtet, daß man ihn auftrüge, ist er ihm plötzlich entzucket worden, daß er nicht gewust wo er hingekommen ist; also auch der Wein. Dessen zu einem Beweis schreibet unter andern Lerchheimer im Bedencken von Zauberey c. 8. f. 19. also:

Zu O. am Rhein haben etliche Edelleute ihre sonderliche Höfe, allwo sie einziehen, wenn sie in die Stadt kommen. In deren einem, genannt der Fr. Hof, hielte ein Burger Hochzeit. Da die Gäste nun zum Abendmahl kommen waren, und zu Tische sassen, und man die Fisch kochete, die nun solten vom Feuer genommen und angerichtet werden, sihe da fällt ein hefftiger Wind zum Schlot oder Schornstein, ingleichen zu den Fenstern und zu der Thür hinein, wehet alle Liechter aus, stürtzet den Kessel über dem Feuer um, daß es erleschet: dessen sie denn alle, die in der Kuchen zugegen waren, erschracken, wie leicht zu erachten. Als sie nun wiederum zu sich selbst kommen, die Liechter [152] aufs neue angezündet und gesuchet, wo die Fische wären; ist nicht ein Grädlein Fisch gefunden worden. Wohin werden denn diese Fische anderst kommen seyn, als zu einem Zauberer, der etwan Gäste geladen, und nichts auf sie zugerichtet hat?

Wie man denn auch in oberwehntes Wagners Historia lieset, daß er bey angestellter Gasterey, zu einem Fenster immer eine Schüssel nach der andern herein genommen und aufgesetzet, daß sich seine Gäste verwundern müssen, wo das herrliche Essen herkommen möchte; wie er auch an die Wand mit einem Stabe geschlagen, ist ein Jüngling heraus kommen, der zween guldene Becher in seiner Hand getragen, darauf deß Türckischen Käisers Namen und Wapen gestanden; aus der andern Wand war eine Jungfrau kommen, mit einem gantzen Korb voll schöner, kunstreicher, güldener und silberner Trinckgeschirr, darunter vieler Fürsten und Herren Namen und Wappen, sonderlich deß Königs in Hispanien und Franckreich waren, (vide Hildebrand. in Goet. p. 73.).

Das alles denn sein Meister Auerhan, der leidige Teuffel, mit schneller Herzubringung der Tractementen aus Päpst[106]lichen und Königlichen Küchen, der Trinckgeschirr aus Käiserl. und Königl. Silber und Schatzkammern, durch GOttes Zulassung, zu Werck richten und præstiren können.

[153]
Das 14. Capitel
Das vierzehende Capitel.
Wie D. Faustus, fort und fort im Luder gelebet, und sich also gar um nichts bekümmert: auch was für ein Gespräch er mit dem Geist gehalten.

DA nun D. Faustus für nichts mehr zu sorgen hatte, woher er Essen, Trincken, Geld und anders, überkäme, lag er Tag und Nacht im Luder, spielte, fraß und soffe mit seinen Zech-Brüdern, Alchymisten, Goldgründern und etlichen Studiosis, so, daß, nach Verfliessung etlicher Zeit, fast jederman in der Stadt, sonderlich die Nachbarschafft, weiln sich D. Faustus sich nichts mehr, wie vorhin, weder um die Praxin der Artzney-Kunst, noch weniger um die annoch habende Aecker und Wiesen, die er von seinem Vettern ererbet hatte, bekümmerte, zu zweiffeln anfinge, ob dieses recht zugehe, wol wissende, daß D. Faustus nicht vom Lufft leben könnte, darzu er ohne das schon wegen der Zauberey, in zimlichen Verdacht, bey männiglichen stunde.

Diesen Argwohn und Verdacht nun zu benemen, liesse ihm der Geist Mephostophiles angelegen seyn, den D. Faustum, als seinem Herrn, zum Theil dessen zu erinnern und zu ermahnen, sich besser vorzusehen, und eine bessere Haushaltung zu führen, zum Theil selbsten die Aecker zu besämen, das Heu und Grommet von seinen Wiesen abzumähen und einzubringen, die Frucht zu schneiden und einzuernden: welches denn etliche Zeit her, allermas[107]sen M. Casp. Moir, der mit D. Fausto zur selbigen Zeit in Kundschafft gelebet, deßwegen gläublichen Bericht gethan, dieser Diener und Geist Mephostophiles, mit allem Fleisse gethan und verrichtet, und also seines Herrn Glauben noch in etwas erhalten hat.

Allein dem D. Fausto wollte in die Länge diß eingezogene erbare Leben nicht gefallen, sprach demnach einsmals mit allem Ernst zu seinem Geist: Schaffe mir, O Mephostophiles, Geld, woher du es gleich nemen soltest, denn ich bin gar geneigt zum Spielen, welches ich auch für mein liebstes exercitium halte; hierinnen will ich nicht allein meine Zeit vertreiben [154] und zubringen, sondern auch ausserhalb dieses meines Hauses, meine Lust mit guten Gesellschafften recht büssen: Meinest du Mephostophiles, ich habe mich deinem Fürsten, dem Lucifer, so hoch verobligiret, daß ich ein Mönchisches eingezogenes Leben führen wolle? O nein, es ist viel anderst gemeinet. Schaffe du mir, deines Herrn Versprechen nach, ein gutes Leben auf dieser Welt, und laß das übrige an mich; verrichte aber doch darneben das Meinige, wie bisher, nur den Leuten den Argwohn zu benemen.

Mephostophiles kunte nicht vorbey, sondern antwortete hierauf, mein Herr Fauste, was habe ich dir jemals versaget? habe ich nicht durch Wartung der Felder und Wiesen, durch Einsamlung der Früchte so viel zu wegen gebracht, daß du deine Haushaltung hast führen mögen, sondern auch dadurch den Leuten zimlich aus den Mäulern bist kommen? D. Faustus bejahete solches, und sprach zu Mephostophili: Es ist nicht ohne, und ich dancke [108] dir wegen deines angewandten Fleisses und gehabter Vorsorge; allein, mein Diener, es wird mir solches zu halten in die Länge beschwerlich fallen, darum will ich nun hiermit mein gantzes Hertz vor dir ausschütten; nemlich, wilst du nicht alles dasjenige thun und verrichten, was ich haben will, und mir, meine übrige Lebenszeit, alle gehörige Nothdurfft und ersinnliche Ergötzlichkeit verschaffen, so sage ja, oder nein.

Mephostophiles sahe wol, daß sich D. Faustus zimlich hierüber ereiffert hatte, antwortete demnach: Wolan, mein Herr Fauste, ich bekenne es daß ich dein Diener, und also schuldig bin, dir allen gebührlichen Gehorsam zu leisten. Damit du mich nun nicht für einen Lügengeist halten mögest, so solst du sehen und in der That erfahren, daß keine Unwahrheit an mir seyn soll; ich will dir Geld und alles was du vonnöthen hast, zur Genüge verschaffen: aber eines bitte ich dich, dieweil etliche dich eben darum werden anfeinden, daß es dir so wol ergehet, so halte auch deine mit deinem Blut geschriebene Zusagung, daß du alle diejenigen wollest verfolgen, die dich etwan deines Lebens wegen straffen werden, dessen erinnere ich dich nochmals.

D. Faustus gabe dem Geist wiederum gute Wort, und [155] sagte, ich habe doch niemaln einen Zweiffel oder Mißtrauen in dich gesetzet; daß du aber haben woltest, ich solte ein stilleres und eingezogeneres Leben, damit die Leut nicht mercken solten, was ich im Schild führe, führen, das kan ich nicht, ist mir auch nicht gelegen.

Nach diesem Gespräche hat ihn der Geist hinfürter nicht mehr gestraffet, sondern in allem und [109] jeden seinen Willen erfüllet, Geld zugetragen, mit Kleidung, Schuhen, Bettgewand, versehen: an allerhand Speisen und Geträncken hat es nicht gemangelt; kein Holtz hat er nie gekaufft, und hat einen Weg als den andern dessen einen grossen Vorrath gehabt. Hernach aber wolte es der Geist auch nicht mehr thun, sondern D. Faustus muste das Seinige auch darbey thun, und mit seiner Kunst etwas schaffen, wie wir bald hören werden.

Anmerckung.

I. D. Faustus setzet allhier sein Datum so gar auf das Fressen und Sauffen, und tägliches Wolleben, daß er sich auch der Haushaltung nichts annimt, noch sorgen will, darum spricht er zu dem Geist, ich will kurtzum, daß du mir gut Leben verschaffest: und diß ist eben, warum er sich dem Teuffel ergeben hat, wider die klaren deutlichen Wort deß Propheten Esaiæ im 5. Cap. Wehe denen die deß Morgens früe aufstehen, deß Sauffens sich zu befleissigen, und sitzen bis in die Nacht, daß sie der Wein erhitze, und haben Harpffen, Paucken, Pfeiffen und Wein, in ihrem Wolleben.


Von Trunckenheit nichts Guts entsteht,

Vernunfft und gute Sitten tödt,

Darzu ein schnelles Sterben bringt,

Und ewig in die Höll verschlingt.


Von Claus, deß löblichen Churfürsten Johann Friedrichs zu Sachsen, Narren, wird gesagt, daß einsten S. Churfürstl. Durchl. auf einen Abend hätten zu viel gezechet, und am Morgen geklaget, wie das Haupt so wehe thue; da sprach Claus, wieder an, Herr Friederich, wieder an. Der Churfürst sprach, ja wol Claus, was würde denn endlich daraus werden? Claus antwortet, ein Narr würde daraus, wie ich lang gewesen bin.

Und ist wahr, ein Sauffer hat die Nacht über wenig Ruhe, er ligt und schläfft nicht ruhig, ihm ist nicht wol, so hat er auch mancherley wunderliche Träume: Deß Morgens wenn er aufstehet, so er anderst kan, befindet er sich auch beschweret, der Kopff thut ihm wehe, der gantze Leib ist matt, als wenn [110] er fast zerschlagen wäre. Er hat [156] zu keinem Ding keine Lust, weder zur Arbeit, weder zum Essen oder Trincken: Da folget alsdenn der Schwindel deß Haupts, rote Augen, böse bleiche Farb, Flüsse, Schnuppen, Fäulung des Geblüts, böser Magen, schwache Gedächtniß, Lähme der Glieder, Zipperlein, Zittern der Hände, Schlag, Wassersucht, Krätze, u.s.f. Endlich aber folget Verkürtzung deß Lebens, daß er noch vor der Zeit sterben muß, wie allen bekandt ist.

Diß aber trifft doch nur den Leib an, wie will man aber sich bey GOtt dem HErrn dermaleins verantworten?

Der heilige Chrysostomus sagt Serm. 1. de Lazaro et Epul. quisquis in Temulentia totos dies agit, quisquis in deliciis et ingurgitatione suas cogitationes defigit, sub Diaboli Tyrannidem redactus est.


Wer täglich fressen und sauffen thut,

den hat gewis der Teuffel in Hut.


II. Fürs ander, bey dem Dienst, den der Geist dem D. Fausto gethan, und ihm seine Feld-Arbeit verrichtet, ist kürtzlich deß Dienstes zu gedencken, welchen die Teuffel heutiges Tags den Leuten in ihren Häusern leisten sollen; wie man denn sagt, daß in Island dienstbare Geister seynd, welche der Leute Knechte sind in ihren Häusern, tragen Holtz und Wasser in die Kuchen, und wenn in einem andern Land was Grosses geschihet, es stirbt etwan ein grosser Herr, es wird eine Schlacht gethan, u. d. g. so wissen es diese Geister, und verkündigen den Leuten: Man nennet sie sonsten Erdmännlein, Gütchen und gute Hulden oder Haus-Geister, und man hat sie gefunden, daß sie die Schüsseln in der Kuchen gewaschen haben, sie haben der Pferde gewartet; und ist ein Wahn bey den Leuten gewesen, daß wo sie seynd, da seye eitel Glück und Gedeyen, erzürnen sie wol nimmermehr.

Was aber hievon deß Herrn Lutheri Meinung seye, ist aus folgendem Exempel, so in seinen Tischreden beschrieben wird, zu vernemen.

Ein Gardian gieng mit einem andern Bruder über Feld, und da sie in die Herberg kamen, sagte der Wirth, sie solten ihm liebe Gäste seyn, er würde ohne Zweiffel nunmehr ein Glück haben, denn er hätte in einer Kammer einen Poltergeist, daß niemand darinnen schlaffen köndte, doch würden die Gäste, so darein geleget wären, nicht geschlagen, sondern nur vexiret, und sprach zu den Mönchen, er wolte ihnen daselbst ein gutes [111] Bett zurichten, der Geist würde ihnen, als heiligen Leuten nichts anhaben können.

Deß Nachts nun, nachdeme sie sich geleget hatten, und schlaffen wolten, rauffte der Geist immerdar einen nach dem andern bey dem Kräntzlein an der Platten, da fiengen die Mönche an miteinander zu zancken, und sprach je einer zum andern: Lieber laß das Rauffen bleiben, [157] last uns jetzt schlaffen: da kam der Geist bald wiederum, und rupffte den Gardian bey dem Kräntzlein, daß ers wol empfand, bey diesem merckte der Gardian, daß es der Geist thäte, und sprach zur Stund: Fahr hin im Namen deß Vatters, und deß Sohns, und deß Heiligen Geistes, und komme zu uns ins Kloster. Auf dieses liesse sie der Geist mit frieden, und hatten Ruhe.

Da sie nun bey ihrer Wiederkunfft ins Kloster kamen, saß der Geist auf der Schwelle der Pforten, und schrye, bene veneritis Herr Gardian. Der Gardian gedachte, halt nun hab ich dich in meiner Gewalt, und fragte ihn was er wolle? er gab zur Antwort, er wolle ihm im Kloster dienen, und bate, man wolte ihn irgend an einen Ort ordnen, da er, wenn er seines Diensts bedürffte, ihn finden köndte.

Auf dieses wiese er ihn in einen Winckel in der Kuchen; damit man ihn aber kennen möchte, zogen sie ihm ein Mönchskappen an, und bunden eine Schelle daran: darnach rieffen sie ihm, daß er Bier holen solte, welches er thate und sagte, gebt gut Geld, so wil ich euch gut Bier bringen. Ist also bekandt worden in der gantzen Stadt. Wenn er für einen Keller kam, da man ihm nicht wol gemessen hatte, sprach er, gebt volle Mas und gut Bier, ich hab euch gut Geld gegeben.

Und weiln dieser Haus-Geist in einem Winckel in der Kuchen wohnete, war der Kuchenbub ein Schalck, gosse heimlich das Gespülig und andern Unflat, heisse Brühe, u. d. g. in den Winckel, und ob ihn schon das Teuffelein bate, und warnete, er wolte aufhören, und ihme nicht mehr Verdriese thun, wolte er doch nicht nachlassen, noch aufhören. Da ward der Geist zornig, und hienge einsten den Kuchenbuben über einen Balcken in der Kuchen, doch daß es ihm am Leben nicht schadete.

Der Herr von Rechenberg, in Schlesien, liesse sich bedienen durch einen Reuter, der fast alle Handwercker gekonnt und verstanden, was man zu den Pferden, zum Geschirr, Sattel und Zeug, ja was man sonsten in der Haushaltung nur be[112]dörffen mögen. Wenn sein Herr reisete, und etwan Nachts in der Herberg nach Haus oder an seine Gemahlin gedachte, auch deroselben seine Ankunfft oder etwas anders verständiget hätte, nam der Reuter den Brief, und überliefert ihn in einer halben viertel Stund, verzoge auch nicht länger, als bis die Antwort verfertiget, und stunde alsdenn bald mit derselben vor seinem Herrn.

Einsmals kamen viel vorneme Herren zusammen auf ein Hochzeitliches Freuden-Fest, und war dieser Herr von Rechenberg der allerletzte, daß man auch vermeinet, er würde gar aussen bleiben. Auf dem Abend aber kam er, und wurde in ein Zimmer gewiesen: sein Reuter aber fragte nach dem Hausknecht, wo er denn seine zwey Pferd solte hinstellen, weiln er ja die Stände bereits eingenommen sehe; welcher ihm [158] in Unwillen antwortete, fände er keinen Raum in dem Haus, so möchte er die Pferd auf das Dach stellen.

Der Reuter verstunde es also, und haspelte seine Pferd hinauf, und stellte sie recht auf den Canal. Da lieffe an dem Morgen jederman zu, mit grossem Verwundern: dessen wurde sein Herr verständiget, fuhre ihm deßwegen hart über das Maul, was er da gemacht? Ey, sprach er, der Hausknecht gab mir dieses Quartir, und kein anders. Darauf wiese man ihn an einen andern Ort, weil man sich deß Dachs besorgte; und war lustig anzusehen, wie er die Pferde wiederum herunter gehaspelt.

Als ihme nun dieser Reuter etliche Jahr gedienet, begehrte er seinen schrifftlichen Abschied, und wolte nicht länger verbleiben, weiln seine Zeit aus wäre.

Als auf eine Zeit, wie Wierus in 1. de Præstig. Dæm. berichtet, ein Burger der zwar ein schönes jedoch darbey sehr geiles Weib hatte, eine ferne Reise angetretten, sagte er gleichsam Schertzweise bey seinem Abzug, zu dem Haus-Geist Hütgen: Mein Gesell, ich will dir mein Weib, bis ich werde wiederkommen, anbefohlen haben, daß du ihrer hütest.

Da nun das Weib in Abwesenheit deß Manns unterschiedliche Buler zu Gast lude, und in ihr Bett einliesse, war er alle wegen dafür, und legte sich darzwischen, doch daß ihn niemand sahe, und warffe die Buler über das Bett herab auf die Erden, daß sie keiner anrühren kunte, will geschweigen, daß einer von ihnen seines Willens mit ihr solte gepflogen haben.

[113] Als nun der Mann nach verrichten seinen Sachen wiederum anheim kam, und noch zimlich weit vom Hause war, kame ihme der Haus-Geist mit Freuden entgegen gelauffen, und sprach: ach wiegerne sehe ichs, daß du einmal wieder anheim kommest, damit ich deß beschwerlichen Aufsehens abkomme, das du mir auferleget hast. Der Hausherr fragte ihn, wer er wäre? er wüste sich dessen nicht zu entsinnen. Da antwortete er, ich bin Hütgen, deme du dein Weib anbefohlen hast, als du von hinnen verreisen woltest; und nun sihe, ich habe sie dir bewahret, wiewol mit grosser Mühe: aber das will ich dich hiemit gebeten haben, du wollest sie mir hinfüro nicht mehr solcher Gestalt befehlen; denn ich viel lieber aller Schweine in gantz Sachsen hüten will, als deines eintzigen Weibs, so offt hat sie mir die Augen wollen verkleiben, und mit Gewalt zur Huren werden.

Es ist aber ausser allem Zweiffel, daß der böse Feind ein Ursacher und Stiffter seye solcher und dergleichen Abentheuer, ja daß solche Hütgen, Haus-Geister, oder wie sie heissen mögen, nichts anders als der Teuffel[159] selbst seyen: und ob sich gleich solche Geister fromm stellen, und es den dienstbaren Geistern deß Allmächtigen, die doch von ihm nicht verordnet: daß sie die Haus-Arbeit verrichten sollen, die uns Menschen zu thun anbe fohlen ist, sondern daß sie uns sollen behüten in allem dem, das wir aus GOttes Befehl zu thun schuldig seynd, wie geschrieben stehet Psalm 91. nachthun wollen, so ist es doch nur falscher Schein, und erweiset der Ausgang, daß sie der Menschen Verderben suchen.


III. Hat aber D. Faustus zu seiner Zeit viel Sauffbrüder gehabt, solte er wol heutiges Tages viel Spielbrüder finden, und aller Orten antreffen, welche eben sowol als er zu dem Spielen geneigt, ja darauf also verpicht seynd, daß sie fast darfür nicht schlaffen mögen, kein Geld ist ihnen zu lieb, u.s.w. Und wenn schon bey ehrlichen Zusammenkunfften allerhand kurtzweilige Reden und Gespräche vorgehen, jedoch so bald ein solcher Spielsüchtiger etwan einer Karten, zum Exempel, gewar wird, zerstöret er so bald das gute Gespräch, und lachet ihm das Hertz, weiln er zu Spielen überkommet: gehet denn das Spiel an, kan er kaum erwarten, bis man auswirfft oder den Anfang macht; ist denn etwan dazumal kein Stern oder Glück beym Spiel, wird man nicht allein auf den Mitspieler ergrimmet, sondern wirfft nicht selten die aller[114]gottslästerlichsten Flüche herauser, daß kein Wunder wäre, GOtt liesse zur Stund seine gerechte Rache sehen, und über einen solchen ergehen.

Die verständigen Heiden haben vom Spielen nichts gehalten, sondern dasselbe zu vermeiden vermahnet, wie Cato saget: Aleam fuge.

Käiser Augustus aber ist ein Spielsüchtiger Herr gewesen, daß man auch einsten dessentwegen eine Schmäh-Schrifft gemacht, also lautend:


Zweymal Augustus unterlag

Zu Wasser mit seiner Schiff-Macht,

Darum im Bretspiel er übte sich,

Ob er einmal gewinnen mög.


Also ist auch Käyser C. Caligula ein grosser Spieler gewesen.

Was aber solche und dergleichen spielsüchtige Flucher und Gottslästerer zu mancher Zeit für ein Ende genommen, weisen die Historien.

Zu Ofen in Ungarn hat der Spielteuffel einen gottslästerlichen Spieler in die Lufft hinweg geführt. Gleichmässiges hat sich auch mit einem spielsüchtigen fluchenden Landsknecht begeben.

Zu Eßlingen ward jährlich am Tag S. Catharinæ ein Marckt gehalten, auf welchen als einsten ein Edelmann verreiset, geriethe er zur Spielgesellschafft: Es kam aber dazu, daß der Edelmann all sein Geld verspielet, und da es nun dunckel worden, befahle er dem Knecht die [160] Pferd zu bringen, und ritte auch noch selbiges Abends darvon: unterwegens aber gedachte er fort für 1 fort an sein verspieltes Geld, dessen denn vermutlich nicht wenig gewesen, daß er also ergrimmet, einen Fluch und Gottslästerung über die andere heraus warff, daß auch der Knecht darwider zu reden begunte, mit Vermelden, daß sie nun im Wald wären, auch GOtt leichtlich verhängen köndte, und so fortan, der Edelmann aber nur noch greulicher gefluchet.

Indessen stossen ihm etliche Reuter auf, (welche freilich lauter Gespenste gewesen) mit grossem Geräusche und Getümmel, diese salbeten den Edelmann mit Stössen dergestalt, daß er halb todt vom Pferd fiele; welchen doch sein bescheidener Knecht nach weniger Zeit wieder zu Pferd brachte, ritten aber doch die gantze Nacht irr, bis sie Morgens Früh in das Closter [115] Bebenhausen kamen, gantz matt und krafftlos, und was den Edelmannn betrifft, so kranck und schwach, daß er auch allda nach dreyen Tagen seinen Geist aufgegeben, wie Manlins berichtet in Collectan.

Fußnoten

1 Ausgabe von 1695: fort und fort.

Das 15. Capitel
[162] Das funffzehende Capitel.
Wie der Geist Mephostophiles dem D. Fausto verbotten, von Glaubens-Sachen zu disputiren, ihme auch ein und andere Bücher in der H. Bibel zu lesen gänzlich untersaget.

D. Faustus hatte gleichwol immer hin gute Tage, und tägliches Wolleben, weiln ihm an nichts ermangelt, wornach seinem Hertzen gelustete; jedoch hat es in und unter solcher Zeit nicht wol fehlen können, daß etwan nicht ein einiger guter Gedancke in seinem Hertzen hätte sollen aufstehen, der ihm von GOttes Allmacht, Güte und Treue, den er ja so schändlich, wider besser Wissen und Gewissen, verlaugnet, hätte sollen heimlich predigen, und sein Gewissen rühren; zumaln ihme solches sonsten, wegen Anfangs verbottener Besuchung deß Gottesdiensts und Niessung deß H. Sacaments, nicht gerühret werden möchte.

Weßwegen er einsten bey sich selber sprach: ich hab gleichwol bey mir die H. Bibel, und noch andere Christliche Bücher mehr, ich kan in diesen wol lesen, ob mir gleich die Kirch und der Gottesdienst verbotten ist, mit diesen will ich zu Hause meine Kirch anstellen; es muß mein böses Gewissen dem Teuffel nicht allezeit offen stehen; es ist dennoch bey mir ein kleines Fünklein einiger Zuversicht nnd Andenckens an GOtt, wer weis, GOtt möchte sich meiner dermaleins erbarmen, u.s.w.

[116] Bald aber hierauf ist der Geist Mephostophiles zu ihm getretten, und hat ihm diese seine Gedancken vorgehalten sprechende: Mein Herr Fauste, ich will dir deines jetzigen Vorhabens halber gantz und gar nicht zu wider, oder daran hinderlich seyn: allein eines bitte ich dich, betrachte wol was du in dem vierdten Artickul deiner Verschreibung zugesaget und versprochen, das halte, wilt du nicht in Unglück gerathen.

Das Bibelbuch belangend, (denn die andern achte ich nicht,) soll dir wol darinnen zu lesen vergünstiget seyn, jedoch nicht mehr als das erste, andere und fünffte Buch Mosis; [162] der andern Bücher aller, ohne den Job, solst du müssig gehen. Den Psalter Davids lasse ich nicht zu; deßgleichen im Neuen Testament, magst du drey Jünger, so von Thaten Christi geschrieben haben, als den Zöllner, Mahler und Artzt, lesen, (meinet Matthæum, Marcum und Lucam) den Johannem meide: den Schwätzer Paulum, und andere so Epistel geschrieben haben, lasse ich auch nicht zu, darnach wisse dich zurichten.

Darum wäre mein Raht, gleichwie du anfänglich in der Theologia gestudiret, nemlich in den Patribus, daß du darinnen fortfahren möchtest, diese will ich dir nicht verwehren: so hast du dich auch verlobet, du wollest der Dreyfaltigkeit absagen, wollest auch darvon nichts reden oder viel disputiren, wie ingleichen von den Sacramenten und andern Glaubens-Punckten: so du aber je mit disputiren dich wilst belustigen, so nimm dazu Anlaß von den Concilien, Ceremonien, Messe, Fegfeuer, und andern dergleichen Glaubens-Sachen mehr, zureden.

[117] D. Faustus ereifferte sich gleichsam hierüber und sagte, ja lieber Gesell, du wirst mir nicht allzeit Mas und Ordnung vorschreiben, was ich hierinn thun und lassen soll.

Mephostophiles gantz erzürnet gab ihm diese Antwort: so sage und schwehre ich bey meinem höchsten Herrn, der unter dem Himmel ein Fürst, ja ein mächtiger und gewaltiger Fürst regiret, du must dieses meiden, und diese angezeigte Bücher, so ich dir verbotten habe, verfolgen, und darinnen nicht lesen, oder dir soll eines begegnen, das dir nicht lieb seyn wird, u.s.f.

D. Faustus antwortete, nun leider sehe ich, wie hoch ich mich an GOtt vergriffen hab, und wie vermessentlich ich mich, laut der Articul, verobligiret habe, daß ich nicht mehr lesen und reden darff, was doch andere frey und ungehindert thun dörffen, ach was hab ich gethan!

Wolan, sagte er weiter, besagte Bücher der heiligen Schrifft mus ich nicht lesen, darzu von Glaubens-Sa chen nicht disputiren: so will ich gleichwol dieses von dir haben, du thust es gleich gern oder nicht, daß du mir nemlich verheissest, mein Prædicant und Lehrer zu seyn, und mir alles das jenige, worvon ich gerne einen Unterricht und Wissenschaft haben [163] möchte, kurtz und deutlich berichten, und als ein hocherfahrner Geist lehren: Welches ihm denn der Geist treulich zu thun zugesaget hat.

Anmerckung.

I. Was allhier die Bücher Mosis, wie auch andere, anlanget, die der Geist Mephostophiles dem D. Fausto zum Theil verbotten, zum Theil zugelassen, so ists an deme, [118] daß zu allen Zeiten durch Eingeben deß Teuffels etliche seynd gefunden worden, die daran zu tadeln gehabt haben: wie denn Hieronymus meldet, daß die Rabbinen den Juden sollen verbotten haben das erste Buch Mosis zu lesen, auch darinnen nicht viel zu grüblen, es wäre denn einer über dreissig Jahr alt, denn es wird in solchem nichts anders tractiret und gehandelt, als von den Altvättern, wie sie Kinder gezeuget, Heurat gemachet, u.s.f.

Daß ihme aber dennoch etliche Bücher Mosis, als das erste, andere und fünffte zugelassen worden, solte einer gedencken, daß etwan der Teuffel vermeinet, dieweil er darinnen nicht viel gewonnen, D. Faustus werde auch daraus nicht viel fassen, und sich zu nutze machen. Also da der Teuffel den HErrn CHristum in der Wüsten versuchte, hat er mit ihme aus dem fünfften Buch Mosis dis putiret; aber muste darüber zu schanden werden.

Ingleichen hat der Geist den Job zugelassen, deme er doch nicht viel abgewonnen hat, unangesehen, daß er ihm Kinder, Haus und Hof beschädiget, ja gar vernichtiget hat.

Den Psalter deß Königes Davids betreffend, so ist dieser voll Trostes und Lehren in allerley Creutz und Anfechtung, dannenher hat der Geist solchen dem Fausto verbotten, damit ihm der Vorrath Göttliches Trostes möchte entzogen werden: da auch gleich Faustus nichts mehrers noch weiters durch den guten Geist hätte lesen, hören, beten und ergreiffen können, denn allein diese Psalmen Davids, so solte es schon bey ihm etwas Seelen-fruchtbarliches gewürcket haben.

So mag auch wol billich der Teuffel S. Johannem den Evangelisten, den heiligen Paulum, und andere anfeinden, die ihm nemlich in seinem Reich grossen Abbruch gethan: und ist in S. Paulo und Johanne eine vortreffliche Weisheit und Grosmütigkeit gewesen, denn sie reden von Menschen-Satzungen und andern irrigen Lehren, ingleichen vom Antichrist, als wäre er vor Augen.

Welches auch vor vieler Zeit allbereit schon wargenommen hat Churf. Albrecht zu Mayntz, von dem geschrieben wird, als dieser kurtz vor seinem Tod zu Augsburg Anno 1530. die heilige Bibel, sonderlich aber in solcher die Episteln Pauli gelesen, und zwar mit Verwunderung gelesen [164] hatte, kommt einer seiner Rähte von ungefähr darzu, und nachdem er dieses wargenommen, spricht zu ihm: Gnädiger Churfürst und [119] Herr, was machen E. Churf. Gn. mit diesem Buch? da habe er geantwortet, ich weiß es selber nicht was es für ein Buch ist, denn alles, was nur darinnen ist, das ist wider uns.

Dargegen so will der Geist D. Fausto Ordnung machen, was er lesen und von was er disputiren soll. Denn zur selbigen Zeit regirte annoch das Papstum, und allerley menschliche Traditiones, welches doch den Faustum mächtig für den Kopff stösset, weiln solche Menschen-Satzungen und Lehren mit der heiligen Schrifft nicht wolten übereinstimmen; ja S. Paulus 1. Timoth. 4. solche Satzungen rechte Teuffels Lehre nennet, wenn man sie nemlich dafür rühmet, daß sie sollen dienen, die Vergebung der Sünden damit zu verdienen: alsdenn seynd sie stracks wider Christum, wie Feuer und Wasser widereinander seynd.


II. Daß fürs ander allhier D. Faustus den Geist zu seinen Prædicanten und Lehrer angenommen haben will, der ihm von heiligen und guten Sachen gewissen, und wie ers begehret, getreuen Unterricht geben solle, massen auch der Geist ein solches versprochen und zugesaget, hätte freilich D. Faustus aufs wenigste dieses wissen sollen, daß Christus beym Evangelisten Johanni am 8. v. 44. von dem Teuffel gesprochen: er sey in der Warheit nicht bestanden, und die Wahrheit sey nicht in ihm, wenn er die Lügen rede, so rede er von seinem eigenen, denn er sey ein Lügner, und ein Vatter derselben: und ihm also nimmermehr vertrauen sollen.

Denn ob er wol auch die Warheit gar wol weiß und erkennet, erkennet er sie doch nicht in Salutari, sondern simplici et generali cognitione, nicht mit heilsamer, sondern mit blosser und allgemeiner Erkäntniß. Wenn er sie auch redet, wie er bisweilen gethan hat, so thut ers doch auch nicht aus Liebe zur Wahrheit, sondern aus Liebe zu seinem Vortheil und Nutzen, die Leut dadurch zu betriegen, zu verführen, und sie desto eher in seine Macht und Gewalt zu bringen; daher weil es ihm an der Lieb zur Wahrheit mangelt, ist und bleibet er dennoch, wenn er gleich etwas war redet, wie er denn dem D. Fausto in vielen Stücken war geredet, ein Lügner.

Er hat es bey unsern ersten Eltern im Paradeyß genugsam bewiesen, da er zu ihnen gesprochen: ihr werdet mit nichten deß Todes sterben, sondern GOtt weis, welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgethan, und werdet seyn wie GOtt, und wissen was gut und böse ist, Genes. 3. v. 4. 5. [120] In diesen Worten hat der vermaledeyte Geist nicht allein Gott ins Angesicht wiedersprochen, und Ihn ausdrücklich Lügen gestrafft: denn GOtt hatte ja zuvor klärlich ein anders gesaget: [165] welches Tages du davon essen wirst, wirst du deß Todes sterben, Genes. 2. v. 17. allhier aber sagt der Teuffel nein darzu, das sey nicht war, und spricht: ihr werdet mit nichten des Todes sterben, und will damit soviel sagen: entweder hast du Eva nicht recht gehöret, was GOtt gesagt hat, oder hast du es gehöret, so hast du es anderst verstanden, als es GOtt gemeinet, daß ihr werdet deß Todes sterben, so ist es nicht wahr. Das heist ja GOtt ins Angesicht Lügen straffen.

Das thäte er aber nicht allein, sondern er sagte der Eva auch eine zweyfache Lügen: die eine war eine Trost-Lügen, da er sagte; ihr werdet mit nichten deß Todes sterben. Als wolt er sagen: ey erschrecket nicht für GOttes Worten, es wird kein Gefahr deß Todes mit euch haben, denn der ist in keinen Apffel eingebacken, ihr werdet daran nicht fluchs ersticken und dahin fahren. Die andere war eine Verheissungs-Lügen, da er sagte: welches Tages ihr davon essen werdet, so werden eure Augen aufgethan, und werdet seyn wie GOtt, und wissen was gut und bös ist. Mit welcher Lügen er ihnen dreyerley verheissen wolte, nemlich ein helleres Gesicht, da sie so gar nicht würden sterben, daß sie vielmehr an ihren Leibskräfften und Sinnen viel herrlicher werden würden. Darnach die Göttliche Gleichheit, da sie GOtt nicht mehr würden unterworffen seyn, sondern ihre eigene Herren werden. Drittens die Wissenschafft aller Dinge, da sie durch das Essen von dem Baum deß Erkäntniß Gutes und Böses würden in aller Weisheit und Erkantniß vollkommen werden.

Und diese seine Lügen spickte der verschalckte Geist mit dem, GOtt weis, damit er ja denselben ein Ansehen und Glauben machte, oder GOtt als einen neidischen und mißgünstigen GOtt ihnen vormahlete, der nicht gern sehe, daß sie zu hoch kommen möchten, sich aber dargegen bey ihnen desto angenemer machte, als ob er ihnen von Hertzen alles Gutes gönnete, und zu ihrem Besten treulich riethe, damit sie noch mehr und höher in ihrer Herrlichkeit steigen möchten.

O möchte einer aber wol darzu sagen: Leug Teuffel, leug! denn alles war erstuncken und erlogen. Im Apffel stack zwar der Tod an sich selbsten nicht, aber doch assen sie daran den Tod, weil sie GOtt und seinen Wort ungehorsam waren, [121] und haben sie es auch hernach viel anderst befunden, da sie haben sterben müssen. Die Augen wurden ihnen wol aufgethan, aber dazu, daß sie ihre Schand und Blösse gesehen und erkandt haben: und seynd sie GOtt so gar nicht gleich worden, daß sie vielmehr dargegen das Ebenbild Gottes verloren, und ihme, dem Teuffel, ähnlich und gleich worden seynd. M. B. Waldschmid. Pyth. Endor. p. 663.

So gar wahr waren nun diese Wort deß Teuffels nicht, wie ers [166] gleichwol vorgegeben: was solte denn allhier der Geist Mephostophiles dem D. Fausto anders geprediget haben, als Lügen; bevorab in himmlischen, göttlichen Sachen, und die seine Seligkeit hätten betreffen mögen?

[167]
Das 16. Capitel
Das sechszehende Capitel.
D. Fausti erste Frag an seinen Geist: was er anfangs für ein Geist gewesen.

D. Faustus lage die Nacht über zur selbigen Zeit in tieffen Gedancken, und war mit seinem Geist nicht zu frieden, daß er ihm hatte verbotten von Glaubens-Sachen weder zu lesen noch viel zu disputiren; doch tröstete er sich dabey, daß er ihme zugesaget und versprochen, was er hierinnen verlange zu wissen, dessen allen einen getreuen und warhafften Unterricht zu ertheilen.

Weßwegen er bald hernach seinen Mephostophilem zu sich erfordert, und zu ihm sagte: Mein angehender, und wie ich hoffe, getreuer Lehrmeister, ich hab jederzeit gehöret, daß kein Herr einen Diener anneme, er wisse denn woher er seye, wer zuvor seyn Herr gewesen, und bey wem er gedienet habe; so weiß ich dieses von dir, daß du ein Geist, und mir zu dienen von deinem Herrn dem Lucifer gesandt bist, aber das weiß ich noch nicht was du für ein Geist seyest, Lieber sage mir die Warheit, und verhele mir nichts.

[122] Mephostophiles antwortet, mein Herr Fauste, ich bin in der Warheit ein fliegender Geist, wohne mit andern unter dem Himmel, muß dem Fürsten Lucifer unterworffen seyn; und wenn das schädliche Gifft Lucifers erstesmals nicht in uns gewürcket und durchgetrungen hätte nach seinem Fall, so wolten wir Geister keinen Menschen beschädigen, sondern uns freundlich zu ihnen halten.

Nun aber kan es nimmer seyn, sondern alldieweil ich in und unter der Lufft wohne, was ich kan und vermag, das muß ich beschädigen, ja alle Elementen und Menschen, so mir nicht Einhalt gethan wird, beleidigen: welches ich doch nicht allzeit gern thue.

Auf solche kurtze Anzeigung wolte damals D. Faustus nicht weiter disputiren, und liesse den Geist von sich.

Anmerckung.

I. Es ist bemeldtes Geistes Anziehung, daß Lucifer sey ein Fürst [168] dieser Welt, und daß er regire und wohne unter dem Himmel in den Lüfften, mehren theils der heiligen Schrifft gemässe, aus der andern Epistel S. Pauli an die Ephes. im 6. Er sagt auch allhier selbst, er sey ein sehr geschwinder fliegender Geist.

Solches kan man abnemen aus dem Kampff Christi mit dem Satan beym Evangelisten Matthæo im vierdten Capitel. Da der Versucher den HErrn Christum in der Wüsten, auf GOttes Indult und Verhängniß, in einem Huy und Augenblick, leibhafftig auf die Zinnen deß Tempels zu Jerusalem gestellet, und von dannen hinwiederum auf einen sehr hohen Berg geführet hat.

Dieser Berg aber wird selbiger Orten Quaratana genennet, von welchen Grav Albrecht von Löwenstein, wie auch andere, so im heiligen Lande gewesen, meldet absonderlich, daß er im Jahr 1562. allda zur Besichtigung dieses Bergs auch kommen seye, und daß er sehr gefährlich seye zu steigen; [123] denn es gehe eine Spitze von Felsen heraus, über welche man steigen müsse, und wären ihrer viel mit ihm gewesen, die nicht hinauf, Schwindels halben, hätten steigen können: wenn einer von dar in den Grund herab und zum Exempel ein Cameel sehe, scheinet es nicht anderst, als wäre es ein kleines Hündlein gewesen.

Ist dieses nun nicht eine grosse Geschwindigkeit deß Teuffels, daß er also von Jordan erstlich auf die Zinnen deß Tempels, und von dannen sich auf diesen hohen Berg mit Christo begeben? er mag wol heissen ein Fürst der in den Lüfften regiret, und ein fliegender Geist.

Verwundern müssen wir uns zwar, Chrysostomi judicio nach, dieses Handels halben, über der hohen Gedult und tiefen Demut deß leutseligen Herrn, so wol auch über der grossen Macht und Kühnheit deß leidigen Versuchers. Aber der Text ist klärlich vor Augen, die Möglichkeit ist aus andern Exempeln bekandt, daß wir nicht Ursach haben daran zu zweiffeln.

Den daß etliche vorgeben, es sey solches nur im Traum, oder in einer tieffen Einbildung geschehen, ist dem Context zu wider: der Teuffel begehret ja von Christo, er soll sich herunter lassen von der Zinnen deß Tempels, und einen Sprung in die Lufft thun, darauf Christus geantwortet: er wolle GOtt seinen HErrn nicht versuchen. Dieses kan ja im Traum und Einbildung nicht geschehen seyn; denn wo einem träumet, als springe oder fliehe er, so ist das keine Versuchung GOttes.

Und noch ferner meldet obangeregter Evangelist Mathæus, daß er ihn von dannen auf einen sehr hohen Berg geführet habe, da er ihm alle Reiche der Welt, und deroselben Herrlichkeit gezeiget, und also seine Glieder, Locomotiv und Füsse gezwungen und genöthiget.

Denn ja nimmermehr glaublich, daß der HErr Christus freywillig [169] ihme gefolget, und also zur Sünde cooperiret und mitgewürcket, sondern wie ihn der Satan auf die Zinne deß Tempels gestellet, und er sich nicht selbst dahin verwegener Weise erhoben, also auch hat ihn der Satan mit sich genommen, und in der Lufft darvon getragen.


II. Daß ferner der Geist sich beschönen will, wie freundlich er gegen den Menschen seyn wolte, wenn er nicht mit deß Lucifers Gifft wäre angestecket worden, das ist durchaus nicht wahr. Denn sie seynd allzumal um der Hoffart und Trotz, daß sie sich auch GOtt dem HErrn widersetzet, [124] von Ihm in den Abgrund der Höllen gestürtzet worden; und kan sich dieser Geist darmit nicht behelffen, daß er dem Lucifer unterworffen seyn müsse.

Wie freundlich aber sie gegen die Menschen gesinnet seyn, kan man aus allen Elementen, sonderlich aber aus dem heutigen Zustande der Welt sehen und warnemen.

Zu deme was der Geist noch weiter darzu setzet, daß sie freundliche Beywohnung den Menschen thun wolten, wenn es bey ihnen stünde, deß dancke ihnen weiß nicht wer. Von solcher Beywohnung deß bösen Geistes, die er ohne das ohn Unterlaß suchet, saget S. Paulus, Ephes. 2. daß er die meinste Beywohnung habe bey den Kindern deß Unglaubens, sichern, rohen, unbußfertigen Hertzen, sonderlich den Zauberern, Hexen und Unholden, als welche vor andern rechte Kinder deß Unglaubens seynd, dieweil sie wissentlich und vorsätzlich Glauben und Religion, ja GOtt und seinen Sohn JEsum Christum verläugnen, sein Wort, durch welches der Glaub in den Hertzen erwecket wird, lästern und lügenstraffen, den Bund, den GOtt in der heiligen Tauff mit ihnen aufgerichtet, ihme aufsagen, und dargegen einen verfluchten Bund mit dem Teuffel machen, und sich ihm mit Leib und Seel ergeben, wie D. Faustus gethan; welcher Teuffels-Bund ein σύνϑεσμος und eine solche Verknüpffung und Verbindung mit ihm ist, daß sie nicht ohn ihn, und er wiederum nicht ohne sie ist.

Wenn aber der heilige Petrus spricht, der Teuffel gehe herum wie ein brüllender Löw, uns zu verschlingen, so lasse mir einer solches ein freundliche Beywohnung seyn. Es gehe ein Mensch, wie keck er auch ist, einem hungerigen Löwen, Bären, Wolff, unter Augen, sie stellen sich gleich wie freundlich sie wollen, was Gefahr er ausstehen werde, gibt die Vernunfft.

[170]
Das 17. Capitel
Das siebenzehende Capitel.
D. Fausti andere Frag an seinen Geist: Ob der bösen Geister viel seyen.

D. Faustus machte sich deß folgenden Tags wiederum fertig zu einem Gespräche, und [125] fragte seinen Mephostophilem: Ey Lieber sage an, es werden gewiß euer Geister fast viel seyn? wenn denn deme also, wie kan doch ein Mensch für euch bleiben und sicher seyn, ist deme also? ja Herr Fauste, sagte hierauf alsobald der Geist, unser ist sehr viel, und gewißlich, so viel als der grossen Hürneissen und Hummeln seyn mögen, und wohnen um und um bey den Leuten, und geben Achtung auf ihr Thun, und seynd unverdrossen, Menschen und Viehe zu beschädigen.

Anmerckung.

I. Aus diesem mag man lernen, wie der Teuffel so gar viel über um und neben uns seyn, welche nimmer schlummern, noch ruhen, sondern jederzeit dahin trachten, wie sie schaden mögen. Wie viel aber eigentlich derer seyn, solches kan aus der heiligen Schrifft nicht dargethan werden.

Als dorten der Teuffel, Marci 5. und Lucæ 8. von Christo gefraget ward, was sein Name wäre? gab er zur Antwort, und sprach: Legion heisse ich, denn unser ist viel. Und Lucæ 3. wird gesagt: es waren viel Teuffel in ihn (den Besessenen) gefahren. Item, der HErr Christus spricht beym Evangelisten Matthæo im 12. Cap. Der Teuffel komme mit andern sieben Geistern, die ärger seynd denn er selbst: da denn die Zahl sieben für viel mag genommen werden. Und Marci im 16. Cap. stehet geschrieben, daß Christus habe sieben Teuffel von Maria Magdalena ausgetrieben.

Aus welchem denn leicht abzunemen ist, daß der Teuffel eine unzehliche Menge seye: aber, ob schon solches nicht verneinet mag werden, und ob die Welt gleich voller Teuffel wäre, soll doch dieses wahren Christen zu einem beständigen Trost dienen, daß der Schutz der heiligen Frongeisterlein, der lieben Engel, mächtig genug seye allen Teuffeln zu widerstehen: dessen denn Geist- und Weltliche Historien voll seynd.

Nur dieses einigen, vom Schutz der H. Engel, zu gedencken, was [171] Herr P. Melanchth. über die Auslegung deß 10. Capitel Danielis erwehnet, er saget aber also:

[126] Anno 1529. als zu Speyer auf dem Reichstage, der Wienerische Bischoff, Faber genannt, etliche Irthume von dem Abendmahl, Päpstischen Gebrauche nach, in seiner Predigt vertheidigte, hat solches Simon Grynæus, welcher von Heydelberg aus, zum Herrn Phil. Melanchth. und andern, dahin gespatziret, mit angehöret.

Und weiln er ein trefflicher gelehrter Mann, auch ein gottsfürchtiger Liebhaber der Göttlichen Warheit ware, hat ihm besagte Predigt sehr mißfallen, gienge also nach der Predigt zu ermeldtem Fabro, grüssete ihn freundlich und sagte, er hätte ihme, aus Christlichem Eifer beweget, etwas anzuzeigen.

Als ihn nun der Faber gerne vernemen wolte, fieng Grynæus an und sagt: es thäte ihm hertzlich wehe, daß ein solcher gelehrter, ansehnlicher Mann, wie er, solche grosse Irthume vertheidigen wolte, u.s.w.

Welche Wort denn dem Bischoff nicht sonders, wie zu glauben, gefielen, und fragte ihn wie er hiesse? Grynæus sagte ihm seinen Namen. Als nun der Faber sich gleich in etwas hierüber entsetzte, in Betrachtung, wie er mit einem sehr gelehrten Mann, deme er nicht viel dörffte angewinnen, zu thun hätte, stellte sich als hätte er nothwendige Geschäffte bey der Königl. Maj. zu verrichten; bate aber darneben den Grynæum, daß er ihn deß andern Tages wiederum besuchen wolte, sagte ihm zugleich sein Logement, gabe ihm die freundlichsten Wort, sagende er wäre begierig mit ihme gute Kundschafft zu pflegen, und dieser Sache wegen ein mehrers mit ihme zu reden.

Grynæus vermeinte nicht anderst, als wäre dieses deß Fabri purlauterer Ernst, und versprach zu kommen; gieng also von ihm hin zum Herrn Philippo in seine Herberge, deme er denn alles das jenige anzeigte, was er mit Fabro geredet, u.s.w.

Als man sich nun daselbst noch nicht recht zu Tische gesetzet, ward der Herr Philippus alsbald aus der Stuben gefordert, und wie der Diener sagt, zu einem alten jedoch unbekandten Mann, der eine sonderliche Gravitet sowol im Angesicht als in der Kleidung vernemen liesse, dieser nun zeigete dem Herrn Philippo an, daß gar bald etliche Schergen der Stadt, aus Befehl ihrer Königl. Maj. in die Herberge einfallen würden, und Grynæum gefänglich annemen; denn ihm solch Unglück der Faber angestifftet hätte, darum solte er ver[127]schaffen, daß so bald Grynæus sich davon machte, sein Leben zu retten: gesegnete hiemit den Herrn Philippum.

Philippus zeigete solches eilends dem Herrn Grynæo an, wie auch [172] andern anwesenden Herren; derwegen sie zur Stund aufstunden, und begleiteten den Grynæum über die Gassen der Stadt, bis an den Rhein, blieben auch am Gestad so lang stehen, bis sie Grynæum, der in einem Schifflein fortgebracht worden, nimmer sehen kunten.

Die gesamte Gesellschafft war kaum wieder in ihre Herberge angelanget, da wurde derselben angedeutet, wie daß vor einer kleinen Weile die Schärgen wären allda gewesen, und nach dem Herrn Grynæo gefragt, sie würden ohne Zweiffel bald wiederkommen. Ward also hiemit der blutdürstige Anschlag von Gott gnädiglich verhindert. Und weil man nach vielen Nachforschen und Nachfragen keine dergleichen Person in der Stadt finden noch ersinnen mögen, wer diesen gefährlichen Anschlag entdecket, hat man billich schliessen müssen, daß diese ein Engel müsse gewesen seyn.

[173]
Das 18. Capitel
Das achtzehende Capitel.
D. Fausti dritte Frag an seinen Geist: aus was Ursache die Teuffel von GOtt aus dem Himmel wären verstossen worden.

AN einem Sonntag zur Zeit da man eben Predigt hielte, ward auch D. Faustus einmal beweget, etwas Gutes vorzunehmen, und gute Gedancken zu führen, sprache demnach zu seinem Geist, den er deßwegen zu sich erfordert hatte, mein Mephostophiles, sage mir, Lieber, warum und aus was Ursachen seyd ihr denn alle von GOtt aus dem Himmel verstossen worden? das muß traun ein grosser Fall gewesen seyn, und um welches willen ihr noch anjetzo, weil ihr euch an Gott nit anderst rächen kuntet, euch unterstehet euer Mütlein zu kühlen an seinen Geschöpffen, sonderlich an den Menschen.

Mephostophiles antwortet, er wisse selbst nicht, warum der Lucifer, der damals der oberste [128] Engel gewesen, und höher denn sonsten einer für GOtt gestanden ist, mit GOtt sich entzweyet, und den Höchsten erzürnet habe: das wissen wir aber wol, fuhre er fort, daß alle wir Geister, so ihme seynd anhängig gewesen, haben sein entgelten müssen, und seynd mit ihm zu gleicher Verdamniß hinab in den äussersten Abgrund deß Erdreichs verstossen worden; doch hoffenlich nicht länger als bis an den Jüngsten Tag, da wir wiederum wie zuvor gleich seyn werden, und den seligen Stand erreichen, aber Lucifer, und seine Mithelffer, die neben ihm gewesen, werden ihren vorigen Stand und Würde in alle Ewigkeit nimmer erlangen: dieses aber weiß er gar wol, darum tobet und wütet er auch wider GOtt und alle Menschen.

D. Faustus antwortet hierauf und sprach: ey Lieber, fahre besser herausser, dieweil du sagest, daß Lucifer mit seinem Anhang nimmermehr werde zu GOttes Huld und Gnaden kommen, so ist leicht zu erachten, daß er sich all zu hoch und viel an dem Allmächtigen werde versündiget haben.

Mephostophiles versetzte, ja freylich hat er sich hoch vergriffen, und diß ist alles seiner Hoffart bey zu messen; [174] denn GOtt setzte ihn höher weder die andern Engel, jedoch nicht höher der Seligkeit wegen, er name aber war, daß GOtt darauf bedacht war, wie er die Menschen zu gleicher Würde, Freyheit und Seligkeit bringen, und neben die Engel setzen wolte: dieses war nun dem Lucifer gantz zu wider, war überdas so hoch vermessen und hoffärtig, daß er auch GOtt den Trutz bote, und sich gleiches Göttlichen Wesens wolte theilhafftig machen.

[129] Da nun GOtt seinen grossen Hochmut also sahe, und darob ereiferte, auch die andern Engel, die in der Unschuld verblieben, und sich wider GOtt nicht setzen wolten, beobachtete, sihe, da brandte deß Allmächtigen Zorn an, und ward Lucifer samt allen die ihme anhiengen, nach seinem gerechten Eifer, aus dem Himmel verstossen.

Anmerckung.

I. Daß die bösen Engel gefallen und zu Teuffeln worden seynd, muß solche Schuld dem gerechten GOtt nicht beygemessen oder zugerechnet werden, weiln er sie im Anfang ihrer Schöpffung zu guten und reinen Creaturen erschaffen hat, sondern sie haben sich selbst durch ihren eigenen Mutwillen von dem höchsten Gut abgewendet, und seynd also durch ihre selbst eigene Sünde dahin kommen, daß sie aus guten Geistern böse, aus Engeln Teuffel worden seynd. Denn Christus, der Grund und Mund der Warheit, der auch den bösen Feind am besten kennet, sagt selbst Joh. 8. v. 44. der Teuffel sey von Anfang ein Mörder gewest, und sey in der Warheit nicht bestanden: denn die Warheit, spricht er, ist nicht in ihm; wenn er die Lügen redet, so redet er von seinem eigenen, denn er ist ein Lügner, und ein Vatter derselbigen. Solche Wort nun zeigen an, daß ob gleich die Teuffel im Anfang als gute Creaturen geschaffen worden, so seyn sie doch durch ihren eigenen Mutwillen von GOtt und der ewigen Warheit, welche Christus ist, abgefallen, und also aus sich selbst zu ewigen Lügnern und Mördern wider GOtt und seine Glaubigen worden.

Was es aber eigentlich für eine Sünde gewesen, durch welche die Teuffel in solchen verdamten Standt seynd gesetzet worden, ist zwar nirgends in der H. Schrifft ausdrücklich angezeiget und vermeldet; wiewol solchem die H. Vätter fleissig nachgedacht, jedoch es nicht alle gleich getroffen haben.

Mephostophiles zeiget gleichwol allhier an, daß der Lucifer sich mit GOtt hab entzweyet, und das mehren theils darum, daß sich GOtt, [175] das ist Christus, die andere Person der Gottheit, deß menschlichen Geschlechtes angenommen, und [130] geliebet hat. Dannenher auch Cyprianus in Serm. de Zelo et bono patient. saget, Lucifer seye aus Eifer und Mißgunst gefallen, daß er dem Menschen nicht gegönnet, daß er nach GOttes Ebenbild geschaffen seyn solte.

Deßgleichen schreibt Tertullianus 1. de patient. es seye aus lauterer Ungedult geschehen, da er gesehen, daß GOtt dem Menschen alle Creaturen unterworffen hatte.

Bernhardus gibt vor, er sey aus Neid und Haß gefallen, da er nemlich gesehen, daß die menschliche Natur weit über die Engel solte erhaben werden, indeme daß der einige GOttes Sohn Menschliche, und nicht Englische Natur an sich nemen wollen.

Etliche sagen, es sey ein Streit unter den Engeln entstanden, worüber seyn die Bösen, die sich ihrer hohen Gaben üherhoben haben, aus dem Himmel gestürtzet worden.

Andere halten auch dafür, daß der Satanas und sein Anhang, aus grosser Lieb zu den Weibern gefallen seye, und zihen dahin die Wort Genes. 6. da sahen die Kinder GOttes nach den Töchtern der Menschen: ist aber eine Fabel, denn der Teuffel ist gefallen, ehe Adam ist geschaffen.

In einer Summa aber schliessen die meinsten Kirchen-Vätter, daß dieses schrecklichen Falls der bösen Engel, oder Teuffel, keine andere Ursach seye, als das schändliche Laster, die Hoffart. Denn dieweil die Engel, so hernach seynd Teuffel worden, herrliche schöne Gaben gehabt, und sich viel zu gut, zu hoch und zu edel darzu gedeucht, daß sie dem Allmächtigen solten unterworffen seyn, seynd derohalben dem Schöpffer ungehorsam worden, und haben sich durch solche leidige Hoffart zugleich in zeitliches und ewiges Verderben gebracht.

Nicht minder Gelehrte deuten diese Hoffart dahin, daß der Teuffel den Sohn GOttes, Christum JEsum, seiner grossen Demut halben, welche er gegen seinem himmlischen Vatter allezeit bewiesen, trotziglich verachtet und sich deßwegen über denselbigen herfür gethan habe; ziehen zu dem Ende dahin die Wort deß Propheten Jesaiæ am 14. v. 12. wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern! wie bist du zur Erden gefallen, der du die Heiden schwächtest! gedachtest du doch in deinem Hertzen, ich will in den Himmel steigen, und meinen Stul über die Sterne GOttes erhöhen, ich will mich setzen auf den Berg deß Stiffts, an der Seiten gegen Mitter[131]nacht, ich will über die hohen Wolcken fahren, und gleich seyn dem Allerhöchsten.

Ob nun wol diese Meinung an ihr selbst nicht gar verwerfflich ist; denn gleichwie die Menschen nichts anders verdammet, als der Unglaube, [176] daß sie den Sohn GOttes entweder boshafftiglich verachten, oder sich seiner nicht getrösten, also ist auch der Engel Fall darum so erschrecklich, daß sie den Sohn GOttes trotziglich verachtet haben, u.s.w. So ist doch dieser Spruch Jesaiæ eigentlich von dem König zu Babel, und dessen Untergang zu ver stehen.

Also saget dorten auch der HErr Christus Lucæ 10. Ich sahe wol den Satanas vom Himmel fallen als einen Blitz: da denn der HErr Christus nicht von einem äusserlichen, sondern von einem geistlichen Fall, und zwar von seiner Hoffart redet.

Herr Lutherus saget unter andern hiervon in seiner Postill im Sommertheil, von der Zerstörung der Stadt Jerusalem, Lucæ 19. Was geschahe im Paradeyß? Lucifer war der schönste Engel, GOTT hatte ihn geschmücket, daß er der Schönste war unter allen Engeln GOttes, und sein Heer war das schönste Heer, unter allen Creaturen GOttes: da er aber sahe, daß er so geschmückt und geputzt war vor allen andern, so vernünfftig und weis, daß er hätte fünff Welt mögen regieren, da ward er stoltz, und wolte GOtt verachten, da sprach GOtt zu ihm: höre Lucifer, darum habe ich dich nicht also geschmücket und mit Gaben ausgezieret, daß du stoltz seyn und mich verachten soltest; und stürtzte ihn also in den Abgrund der Höllen. Wahr ists, Lucifer war begabter, grösser und so zu reden besser, denn die andern alle; weil er aber hoffärtig seyn wolte, und GOtt verachtete, ist er so gefallen. Bis hieher Lutherus.


II. Daß ferner allhier D. Fausti Geist sich vernemen läst, als ob er unschuldig dieses Falls halben wäre, und es doch mit andern habe entgelten müssen, es stehe ihn aber einmal gleichwol die Seligkeit bevor, u.s.f. darauf ist zu antworten, daß sie durchaus alle miteinander GOtt ihren Schöpffer verlassen haben, und aus gerechtem Zorn und Urtheil GOttes in den Abgrund der Höllen verstossen worden.

Denn S. Judas saget in seiner Epistel gar klärlich, daß GOtt die Engel, die ihre Behausung verlassen hätten, zum Gericht deß grossen Tages mit ewigen Banden im Finsternüß verwahret habe.

[132] Was ist das aber anders, als daß die Engel, welche GOtt erstlich rein erschaffen hat, in ihrem seligen Ursprung und Wesen nicht geblieben seynd, sondern aus freyen Willen abgefallen, und also böse und verdamte Geister worden?

Und in der andern Petri im andern stehet geschrieben: hat GOtt der Engel die gesündiget haben, nicht verschonet, sondern sie mit Ketten der Finsterniß zur Hölle verstossen, und übergeben, daß sie zum Gerichte behalten werden, etc.

Welche Sprüche denn genugsam anzeigen, daß die Teuffel, einer [177] wie der ander, aus ihrem vorigen Wesen und Wolstandt abgewichen, und GOttes, wie auch aller Christglaubigen Feinde worden seynd, daß nemlich dasselbige durch ihre eigene Sünde beschehen, und derhalben sie alleine ihres Verderben und Verdamniß Ursacher seynd.

[178]
Das 19. Capitel
Das neunzehende Capitel.
D. Fausti vierdte Frag an seinen Geist: von dem Himmel, und den Engeln.

D. Faustus fuhre in seinem Gespräche fort, und sprach zu dem Geist: Lieber Mephostophiles, ob ich mir zwar leichtlich einbilden kan, daß ich nimmer in den Himmel komme, so möchte ich doch gleichwol von dir wissen, wie innwendig der Himmel mag geschaffen seyn, und was es für eine Beschaffenheit habe um die ewige Gottheit?

Mephostophiles antwortete alsbald: ach! mein Herr, dieses kan ich nicht erzehlen, denn wir seynd in den unauslöschlichen Zorn GOttes also tieff gefallen, daß, was wir zuvor gesehen haben, wir dessen, wie auch alles himmlischen Wesens und Freude gäntzlich beraubet seynd, und ist nunmehro uns nicht anderst, als einem Menschen der etwas in einem Traum hat gesehen, wenn er erwachet, so ist dasselbe nicht mehr zugegen; also auch können wir nichts darvon sagen: und GOtt will auch [133] nicht von uns Geistern haben, daß wir seine Herrlichkeit verkündigen und offenbaren sollen, welche er dermaleins am Jüngsten Tag wird offenbar machen.

D. Faustus vermerckte bald hieraus, daß dem Geist mißfiele in dieser Materie weiter fortzufahren, weßwegen er auf eine andere und zwar diese Frag geriethe, wie es doch mit den Engeln, welche jetzund in grossen Freuden bey GOTT seynd und wohnen, eine Bewandtniß und Beschaffenheit habe.

Mephostophiles antwortet, und sprach: so viel ich gesehen habe, und mir noch wissend ist, so seynd die Engel in drey Hierachias abgetheilet, als in die Seraphin, Cherubin, und Thron-Engel; und ist einer wie der andere im vollkommenen Stande.

Die ersten, als die Seraphin, betrachten GOttes Güte, wie er doch alles sowol erschaffen hat, und wo sie auch hinsehen, da kommen sie nimmermehr zum Ende, daß sie beschliessen köndten alle Majestätische Herrlichkeit GOttes.

Die Cherubin betrachten die Krafft GOttes, ja die gewaltige Hand GOttes, die er in Erhaltung Himmel, Erden, ja deß gantzen Firmaments gesetzet.

[179] Die dritten, als die Thron-Engel, können nicht genugsam begreiffen noch ansehen die ewige GOttheit; an deren sie denn all ihr Freude, Wollust und Ergötzlichkeit haben.

Die ersten vertreten das Amt der Engel: die andern begeben sich zu den Menschen, beschützen und bewahren sie: die dritten regiren Könige und Für[134]sten; und ist kein Engel unter diesen allen, der nicht solte zehen Welt regieren können, so veste nemlich, starck und mächtig hat GOtt seine Würckung in sie gegossen.

Anmerckung.

I. Zu mercken ist allhier, daß gleichwol die Teuffel etwas von der Erkäntniß Gottes wissen, GOtt aber lasse es ihnen nicht zu, daß sie seine. Herrlichkeit solten offenbaren, allermassen der Geist selbsten gestehet.

Denn Matthæi im 4. Cap. v. 3. versuchet der Teuffel Christum und spricht, bist da GOttes Sohn? In welchen Worten denn der Teuffel bekennet, daß er etlicher massen wisse, daß Christus eine Göttliche Krafft an sich habe; daher ihm der HErr Christus wiederum antwortet, sagende, du solst GOtt deinen Herrn nicht versuchen.

Deßgleichen Matthæi im 8. Cap. v. 28. 29. Als der HErr Christus in die Gegend der Gergesener kame, und ihm zween Besessene aus den Gräbern entgegen lieffen, da triebe er die Teuffel aus; diese wolten nun auch Christum bekennen, da sie sagten: Ach JEsu du Sohn GOttes, was haben wir mit dir zu thun, bist du herkommen uns zu quälen ehe denn es Zeit ist? dieses aber wolte der HErr nicht zu lassen, und triebe sie aus.

Der Evangelist Marcus im 1. Cap. v. 23. meldet, daß der HErr Christus zu Capernaum an einen Sabbattag in die Schul gieng, darein sie einen besessenen Menschen brachten, welchen ein unsauberer Geist triebe, der schry und sprach: was haben wir mit dir zu schaffen, JEsu von Nazaret? bist du kommen uns zu verderben? ich weiß wer du bist, nemlich der heilige GOttes: und berichtet Marcus zugleich kurtz darauf vers. 25. und JEsus be schalte ihm und sprache, verstumme und fahre aus von ihme.

Weiter sagt jetzt ermeldter Evangelist eben in diesem Cap. daß der HErr Christus an einem Abend, da bereits die Sonne untergangen war, von den Besessenen viel Teuffel ausgetrieben habe, und meldet dieses darbey vers. 34. Er liesse die Teuffel nicht reden, denn sie kandten ihn.

[180] Und im dritten Cap. v. 11. 12. spricht er: wenn ihn (JEsum) die unsaubern Geister sahen, fielen sie vor ihm nieder und [135] schryen laut, du bist der Sohn GOttes: Er schalte sie aber hart, daß sie ihn nicht offenbar machten.

Also stehet auch in den Geschichten der Apostel geschrieben im 16. Cap. v. 17. Da lieff S. Paulo und seinen Gesellen eine Magd nach, die hatte einen Warsager-Geist, die schrye und sagte durch ihren Geist: Diese Menschen seynd Knechte GOttes deß Allerhöchsten, die euch den Weg der Seligkeit verkündigen.

Item im 19. Cap. dieses Buchs, v. 13. 15. meldet S. Lucas, daß Sceva ein Hoherpriester sieben Söhne gehabt habe, die Teuffelsbeschwerer gewesen; und wenn sie die Teuffel von den Besessenen wolten austreiben, da gebrauchten sie darzu den Namen deß HErrn Jesu, und sprachen zu den Teuffeln: Wir beschwören euch durch Jesum, welchen Paulus prediget. Die Geister aber antworteten und sprachen: JEsum kennen wir wol, und Paulum wissen wir auch wol, wer seyd ihr aber?


II. Daß fürs ander die heiligen Engel ausgetheilete Aemter haben sollen, dieses bezeuget auch die heilige Schrifft. Denn der Engel Gabriel bringet der Gottes Gebä rerin Mariæ die Botschafft von der Empfängniß und Menschwerdung deß Sohns GOttes, Lucæ 1. v. 26. Die Engel verkündigen den Hirten grosse Freude, daß der Sohn GOttes zu Betlehem geboren seye, Lucæ 2. v. 10. Die liebe Engel begleiten das JEsulein in und aus Egypten, Matth. 2. v. 13. 19. dienen ihm in der Wüsten da nemlich Christus vom Geist daselbst hart angefochten ward, Matth. 4, v. 11. Trösten ihn am Oelberg, da er mit dem Tod range, Lucæ 22. v. 43. bewachen sein Grab, und bezeugen seine fröliche sieghaffte Auferstehung, Himmelfahrt und Wiederkunfft zum Gerichte der Lebendigen und der Todten, Joh. 20. v. 12.

Aus dem Alten Testament ist bekandt, daß der Engel mit einem feurigen Schwerdt das Paradeyß verwahret, 1. Buch Mos. 3. v. 24. Ismael, deß Ertzvatter Abrahams Magd Hagar Sohn, als er in der Wüsten grossen Durst litte, da wiese ein Engel der trostlosen Mutter am Wege zu Sur einen Wasserbrunnen, 1. Buch Mos. 16. v. 7. Drey Engel erschienen dem Abraham im Hayn Mamræ, da sie Sodoma und Gomorra wolten vertilgen, und der eine der 90. jährigen Saræ verkündigte, daß sie schwanger, und einen Sohn gebären werde, 1. Buch Mos. 18. v. 2. 10.

[136] Also erschienen die Engel dem Loth unter dem Thor zu Sodoma, nnd in der Stadt Sodoma, da die Burger der Stadt gantz ungestümmiglich deß Loths Haus umgaben, und begehrten die fremden Gäste; da schlugen die Engel sie mit Blindheit, führten darnach den Loth, seyn Weib samt zweyen Töchtern, von dem Verderben und Untergang der [181] Stadt, in ein Städtlein Zoar genannt, 1. Buch Mos. 19. v. 1. et seq.

Der Altvatter Jacob als er wiederum in sein Vatterland ziehen wolte, und sich für seinem Bruder dem Esau sehr fürchtete, da sahe er sichtbarlich die Mahanaim, und Herrscharen der heiligen Engel, 1. Buch Mos. 32. v. 2.

Da GOtt der HErr durch Mosen das Volck Israel aus Egypten in die Wüsten an das rothe Meer geführet hatte, und ihnen der König Pharao hinten nacheilete, da zoge auch am Himmel vor dem Volck her der Engel deß HErrn in einer Wolcken-Seule, und war mit Blitzen aus der Wolcken als ein Zeichen von GOtt, daß er dem Israelitischen Volck wolte vätterlichen Beystand leisten, 2. Buch Mos. 16. v. 19.

Der Engel deß HErrn stunde auch dorten am Wege, und verhinderte den Warsager Bileam daß er nicht solte in der Moabiter Land ziehen, das Volck GOttes zu verfluchen, 4. Buch Mos. 22. v. 22.

Als Josua der streitbare Kriegsfürst bei Jericho war, und seine Augen gegen dem Himmel aufhube, da name er gewar daß ein Mann gegen ihm stunde, der hatte in seiner Hand ein blosses Schwerd, und Josua gieng zu ihm und sprach, gehörest du uns an, oder den Feinden? Er sprach nein, sondern ich bin ein Fürst über das Heer deß HErrn, und bin jetzt kommen, im Buch Josuæ am 5. v. 13.

Als das Assyrische Heer zu Zeiten deß Königs Hiskiæ in Israel die Stadt Jerusalem belägerte, und der fromme König zu GOtt mit dem Gebet ernstlich rieffe, da fuhr aus der Engel deß HErrn in der Nacht, und schluge in dem Assyrischen Läger hundert und fünff und achtzig tausend Mann, wie zu lesen beym Propheten Jesaia im 37. Cap. v. 36.

Als Sadrach, Mesach, und Abednego, in den feurigen Ofen, auf ergangenen Befehl deß Königs Nebucadnezar, geworffen wurden, da gesellete sich der Engel zu ihnen, und thate ihnen eine sonderbare Hülffe, daß solche unmässige Hülffe ihnen gleich als ein kühler Thau wurde, Danielis im 3. Cap. v. 24.

[137] So ward auch Daniel der Prophet von dem Engel gespeiset in der Löwengruben, seiner Weissagung im 6. Cap. v. 22. Eben diesem Propheten erschien einsten der Engel deß HErrn am Wasser Ulai, in Persien, und verkündigte ihm von der letzten Monarchy, der Endschafft deß Käiserthums, von der Zukunfft Christi, und von der Auferstehung der Todten, im 8. Cap. vers. 16.

Item, als am Abendopffer der Prophet betete, ist der Engel Gabriel zu ihn kommen, ihn angerühret, und diese Bottschafft gebracht, daß er ihm alle zukünfftige Dinge berichten wolle, darum seye er auch von GOtt ausgegangen, denn GOtt habe sein Gebet erhöret, er sey vor GOtt lieb und angenehm, Dan. im 9. Cap. v. 21.

[182] Deß frommen alten Tobiæ Sohns Geferte in das Land Medien, war der Engel Raphael; und als dieser bey Raguel, die Saram zu einer Heurat ihme zu wegen gebracht, die doch zuvor sieben Männer gehabt, da vertriebe der Engel den Asmodæum, so die vorigen umgebracht hatte; ja er geleitete ihn sicher wiederum in sein Vatterland, ja er lehrete ihn auch, wie und auf was Weise er seinem alten verblendeten Vatter zu Wiederbringung deß Gesichtes verhelffen möchte, allermassen aus der Histori Tobiæ erhellet.

Aus welchen jetzt erwehnten Historien heiliger göttlicher Schrifft, kan der Christliche Leser lernen, und ihme selbsten zu guter Hoffnung tröstlich seyn, was die liebe heilige Engel, ihrer Natur, Amt, Beystand, Hülffe und Wesen nach, für treue dienstbare Geister seynd: wie man denn solches noch klärlicher etwan mit neueren Begebenheiten darthun köndte, welcher Gestalt jederzeit die liebe heilige Engel die Frommen und Glaubigen erhalten und geschützet haben; worvon aber oben bereits etwas in der Anmerckung über das 17. Capitel, dieses Theils, ist gedacht worden, und noch ein mehrers köndte beygesetzet werden, wenn es die Gelegenheit, wegen beliebter Kürtze, wolte zugeben.

Es mag aber ein jeder frommer Christ, wenn er zu Bette gehet, oder Morgens wiederum aufstehet, bey sich selbst ermessen, woher es doch komme, daß er mit den Seinigen frisch und gesund, und gutem Wolstandt seye, ja das Seinige noch also verwarlich stehe? warlich dieses thut GOtt durch den Schutz der lieben Engel.

[138] Denn in der Epistel an die Hebreer im ersten stehet ausdrücklich: die Engel seynd allesamt dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um deren willen, die ererben sollen die Seligkeit. Und David spricht in seinem 34. Psalm: der Engel deß HErrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilfft ihnen aus.

Wie auch im 91. Psalm stehet: Er hat seinen Engeln befohlen über dir, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß sie dich auf den Händen tragen, und du deinen Fuß nicht an einen Stein stossest.

[183]
Das 20. Capitel
Das zwantzigste Capitel.
D. Fausti fünffte Frag an seinen Geist: von dem Paradeyß.

WIe gerne D. Faustus etwas mehr von den Engeln von seinem Geist erlernet hätte, muste er doch solches vor diesesmal lassen anstehen, weiln er gesehen, daß dieses dem Geist nicht gar angenehm ware, weßwegen er von solchen auf die Gedancken von dem Paradeyß geriethe, und fragte kurtz hierauf den Geist um die Umstände deß Paradeysses.

Mephostophiles aber antwortet und sprach, du kanst mein Herr Fauste selbst leichtlich abnemen und gedencken, daß das Paradeyß nicht in dieser Welt stehe, sondern etwan gegen Osten, gar nahe bey dem Himmel liege, also, daß jetzund die Sonn vom Mittag bis gegen Abend sich darein verbirget, und alsdenn nimmt der Mond die Wohnung zur Nachts-Zeit darinnen.

D. Faustus versetzte alsobald, wie soll ich dieses von der Sonnen und dem Mond verstehen? Solcher Gestalt, sagte der Geist: das Paradeyß ligt gegen der mitternächtlichen Linie, und gegen Aufgang der Sonnen, da etwan anjetzo keine lebendige [139] Seele wohnet, hat also allein Sonn, Mond und Sterne, ihre Ergötzlichkeit darinnen.

Die Sonn hat ihren herrlichen Schein so lauter und so klar, daß man an ihr alle Form und ihre gantze Substantz darinnen sehen kan; so hat sie auch daselbst keine hitzige Natur, sondern ist so lieblich und scheinbarlich, daß auch ihre befindliche Hitze lieblicher ist als die Lufft; und wenn Adam erstesmals darinnen seine Wollust haben wollen, so hat er sich an die Sonne geleget, in welche er gantz vollkommlich mit unverruckten Augen sehen mögen; dannenher er vielleicht der Sonnen Würckung seinen Nachkommen geoffenbaret hat.

Die Sonn aber ist hernachmals nach dem menschlichen Fall gleichwol der Hitze halben gegen der mitternächtlichen Linie herabgestiegen, und hat die sündliche Welt entzündet, wie es annoch ist, also, daß von nun an kein Mensch in die [184] Länge der Sonnen Hitze kan erdulten und vertragen: welches denn ingleichen von dem Mond zu verstehen ist.

Auch seynd die Sterne so klar und helle, daß sie von dar das Erdreich erleuchten können, gleich einem Carfunckel. So toben die Planeten am Himmel so ungestümmiglich, daß es im Paradeyß nicht anderst erschallet, als wie in dieser Welt das Donnern; sie seynd aber gantz anmutig und lieblich.

In diesem herrlichen Wohnhaus, in dieser angenemen Wollust hat Adam alles mit sonderbarer Geschwindigkeit, und der Vollkommenheit nach, in die er versetzet gewesen, betrachtet, mit Augen gesehen, und solches, nachdeme er aus dem Paradeyß vertrieben worden, als ein erfahrner Astrono[140]mus, seinen Nachkommen hinterbracht: denn er war von GOtt also erleuchtet, daß sich alle Geschöpffe GOttes zu ihm neigeten.

Mein Mephostophiles, fragte D. Faustus, wie ist doch dieser Garten, der in der Schrifft Eden genennet wird, beschaffen gewesen? seynd auch darinnen Bäume, Gras, und anders gewesen?

Der Geist sagte ja, und zwar nicht viel anderst, als wie auf dem Erdreich die Gärten und lustbare Wälder anzusehen, jedoch in etwas unterschieden: das Gras, wie es GOtt erstlich erschaffen hat, also stehet es annoch da, und hat Adam und Eva sich niemaln genug über die schöne helle, anmutige und bunde Farben, mit welchen es vermenget ist, verwundern können.

Was die Bäume belanget, die seynd so hoch, daß das Gewülcke deß Himmels dardurch streichet, und breiten sich die Aeste so weit, daß man sie nicht übersehen kan: die Blätter daran seynd zum Theil breit, zum Theil spitzig, und so groß als ein Reisspies: das Obst daran fället nimmer ab, sondern bleibt also stehen bis an den Jüngsten Tag: in der Mitten aber deß Paradeysses, da Adam geschaffet und gepflantzet hat, seynd Feigenbäume und allerley Obst; und die Blümlein darinnen seynd so lieblich am Geruch und auch am Geschmack, daß solches alles niemand recht beschreiben mag.

So hat es auch im Paradeyß gehabt allerley vierfüssige, geflügelte und kriechende Thiere, die alle gantz zahm waren, [185] und sich gar heimlich zu dem Menschen Adam thäten, denen gab er nun aus erleuchtetem Verstande, einem jeden seinen Namen: war auch zu der Zeit an ihnen kein Grimm, [141] Zorn, Wütigkeit noch Gifft, sondern waren dem Menschen, wie gesagt, gantz unterthänig und gehorsam, ja gar zahm und fast furchtsam.

Alsbald aber Adam und Eva die Schantz aus Hoffart wider GOtt, ebenermassen wie wir Teuffel übersahen, und GOtt ihren Schöpffer mit Ungehorsam erzürneten, und von dem Engel Cherubin aus dem Paradeyß vertrieben wurden, da giengen alle Thiere in das sündliche Land, veränderten ihre vorige Natur, Freundlichkeit und Zuneigung zu dem Menschen, ja ein jedwederes Thier-Geschlechte war in Wüte und Bitterkeit gleichsam verwandelt, und wurden hernachmals deß Menschen Feinde, also daß nunmehr kein Thier in dem Paradeyß ist, sondern liget dieser halben fast öde.

D. Faustus verwunderte sich und sagte: Lieber Mephostophiles, wo stehet aber der Baum deß Erkäntniß Gutes und Böses, daran sich Adam und Eva vergriffen haben? der Geist antwortete, dieser Baum deß Guten und Bösen stehet mitten im Paradeyß, ein gantz einfältiger schlechter Baum, welches denn auch Adam und Eva am meinsten eingenommen und betrogen hat, weiln sie nicht vermeinet, daß GOtt eben so viel an diesem Baum gelegen wäre, oder daß so eine grosse fast Göttliche Würckung darinn stecken solte: die Aepffel daran seynd nicht so gar groß, aber aussen an der Schelffen seynd sie an der Farb wie ein Regenbogen gesprengt, der Apffel aber inwendig ist gesprengweise formiret, mit leibfarben Creutzlein; und stehet dieser Baum bis an den Jüngsten Tag, alsdenn er mitten voneinander fallen und spalten soll.

Lieber Mephostophiles, versetzte hierauf [142] D. Faustus, kan aber niemand mehr zum Paradeyß gelangen oder kommen? nein, antwortet er, kein lebendiges wird mehr dahin kommen können. Denn um diesen verbottenen Baum ist ein Wall, mit feurigen Ketten umringet, und hütet deß Gartens der Engel Cherubin mit einem feurigen Schwerdt; aber aller und jeder selig abgeleibter Seelen sehen einen Blick und Freude dieses Paradeysses, und lassen sich dessen begnügen, bis zur [186] vollkommenen Freude deß ewigen Lebens.

Wo aber und an welchem Ende ist der Ort, da der fliessende Brunn innen stehet, fragte D. Faustus? der Geist antwortet, dieser Brunn oder Teich ligt mitten im Paradeyß, und befeuchtet den gantzen Garten; theilet sich aber hernach in vier sonderbare Hauptflüsse, unter welchen der erste genennet wird Ganges oder Pischon, der andere Gihon, der dritte Tigris, der vierdte Euphrates.

Der erste Fluß Ganges ist ein gar grosses und namhafftes Wasser in dem Indier Land, so dasselbige Land alles umgehet: wird gegen dem Aufgang in 19. grosse schiffreiche Flüsse ausgetheilet, und kommt zuletzt an vielen Orten in das grosse Meer; und wiewol er hefftig in das Meer sincket, so ist er dennoch so groß, daß er am schmälesten 800. Schritt weit, am breitesten aber 1000. Schritt, und mehr denn 20. Schritt tieff ist.

Der andere Fluß Gihon oder Nilus, sonsten auch Melo genannt, welcher für den grösten in der Welt geachtet wird, kommt aus einem schwartzen Fluß mit schnellem Lauff, und scheidet Africam und Mohrenland in einer Gegend, so von den Einwohnern Catadupa benamset wird: Er befeuch[143]tet in einer Schnelle gantz Egyptenland, und alsdenn laufft er wiederum zuruck; er bringet mit sich viel Erden oder Letten, erziehet und unterhält auch viel grosse Wasserthiere, als Crocodil, Lindwürmer, Wasserpferde und dergleichen. Wächst mit dem Zunemen, wenn die Sonn im Löwen ist, bis zu dem Mittel der Jungfrauen, darnach nimmt er ab.

Der dritte Fluß Tygris ist der allerschnelleste Fluß deß grossen Armenier Landes, und fast in der gantzen Welt bekandt: dieser findet bald einen See, Aritissa genannt, durch den laufft er gewaltiglich mit vielerley Farben aus, und fället darnach gegen dem Berg Tauro in ein ungeheures holes Loch deß Berges, kommt alsdenn durch eine verborgene Stadt aus, und bringet bey dem See Zoranda allerhand versenckte Dinge herfür, und wird wiederum ein Fluß. Abermals versencket er sich in verborgene Gänge, und nachdeme er 25000. Schritt also verborgen gelauffen ist, kommt er wiederum zu Lande, in der Gegend Sophen, nahend bey Arsenia dem Fluß: dieser [187] Fluß richtet sich nachmals in zween Theile bey den Coridrianischen Bergen, und begeusset die erste Seleuciam und Messenem, der andere befeuchtet die Oerter gegen Mitternacht, gegen den Feldern deß Bergs Caucasi, und so sie wiederum zusammen rinnen, heiset er abermals Tygris, und fleusset letzlich in das Persier-Meer.

Euphrates der vierdte Fluß, so auch aus dem Paradeyß gehet, ziehet sich in groß Armenien, in den Berg Paracoatra genannt, und so er etliche Zuflüsse in sich empfähet, und darmit verstärcket wird, kehret er seine Krafft gegen dem Berg Tauro, und so ihm der nicht widerstehet, so rinnet er fürhin gewalt[144]sam und läst Comagenam auf der rechten Seiten, Arabiam aber auf der lincken Hand; und wie schiffreich er auch ist, so wird er doch darnach in weite Pfützen getrennet, und giesst sich nicht offentlich aus.

So viel hab ich nun dir, mein Herr Fauste, von den Umständen deß Paradeysses Meldung thun wollen.

Anmerckung.

I. Was allhier der Geist von Erschaffung deß Paradeyses D. Fausto erzehlet, lassen wir wohlbedächtlich in seinem Wehrt beruhen, Mephostophiles sage darzu was er wolle: wollen aber aus den alten Kirchenlehrern einige anziehen, und besehen, was diese von dem Paradeyß halten.

Damascenus spricht: Die Stette ist annoch, denn sie ist eine Kammer aller Frolockung, diese ist höher denn die Erde, mit mässigem und zwar mit dem allerclarsten Lufft erfüllet, und allewegen mit blühenden Pflantzen gezieret, voll gutes Geruchs, und wohnet nichts Unvernünfftiges darinnen.

Isidorus meldtet, das Paradeyß seye mit allem Geschlechte deß Holtzes, und Aepffelbäumen gezieret und besetzet; allda seye keine Hitze, sondern ein ewiger temperirter und gesunder Lufft, in der Mitte lauffe ein Brunn, der den gantzen Ort befeuchtet.

Beda erwehnet, das Paradeyß stehe gegen Aufgang der Sonnen, und so hoch daß die Wasser der Sündflut nicht dahin gereichet haben: und weiter sagt er, das Paradeyß reiche bis an deß Mondes Kreiß, und hätte der Mensch Adam nicht gesündiget, so hätte ohne Zweiffel GOtt auch das Paradeyß also geweitert, daß es alle Menschen beschlossen hätte.

[188] Ferner zeiget Beda an, daß von wegen seiner über gro ssen Höhe niemand dahin kommen könne, und daß die Wasser, so von dem Paradeyß heraus lauffen, wenn sie herab fallen, einen so grossen Hall und Thon von sich geben, daß der nicht zu beschreiben wäre.

Mit welchem auch Ambrosius und Basilius übereinstimmen, und zeigen überdas an, daß diese Wasser fliessen aus einem [145] Brunnen deß Paradeysses, und gebären vier Flüsse. Dieser Ort wäre auch unter dem himmlischen Zeichen der Waag und deß Widers gelegen, gegen dem Aufgang; darum durchgehet die Sonn jährlich zweymal das Mittel deß Paradeysses, und ist ein Garten voller Wollust: denn allda ist stetige Grünung. Lustbarkeit der Blumen, Uberflüssigkeit der Frucht, wolschmäckende Kräuter, Beschattung der Bäume, angeneme Befeuchtung, und anmutiger Vögelgesang.

Da auf eine Zeit in Gegenwart Herrn D. Lutheri von dem Paradeyß die Frag vorlieffe, was doch das Paradeyß für ein Ort, wie und wo es gewesen wäre? antwortete er und sprach: ich halte darfür, daß die gantze Welt das Paradeyß seye genennet worden: aber Moyses beschreibet es nach dem Gesichte Adams, so ferne, nemlich er es hat sehen können, an den vier Wassern.

Adam war und wohnete gegen Morgen, in Syrien und Arabien, als er geschaffen ward, nachdem er aber gesündiget hatte, da ist es nicht mehr so lieblich gewesen wie vormals; es war ihm kein Paradeyß noch Lustgarte.

Also heisset Moyses die Gegend zu Sodoma und Gomorra ein Paradeyß; wie denn auch Samaria und Judæa ein sehr fruchtbares Land gewesen ist: nun aber saget man, es seye gar sandig, wie mich Graf Otto zu Stollberg berichtet, der im Heiligen Lande gewesen ist, etc.

Phil. Melanchthon spricht in seiner Chronic: das Wort Paradeyß bedeutet den besten und herrlichsten Ort auf Erden, und einen solchen Standt der Menschen, da sie in Unschuld ohne Sünd und Tod ewiglich gelebet hätten: und dieweil der Text ausdrücklich vier herrliche Quellen nennet, daraus grosse schiffreiche Wasserströme in die vier Orte der Erden fliessen, ist darmit angezeiget, daß die Menschen diesen besten und herrlichsten Ort der Erden hätten bewohnen sollen, welchen diese vier grosse Hauptwasser Euphrates, Tygris, Ganges und Nilus wässern solten: unter diesen vier Hauptwassern ist fast der dritte Theil deß gantzen Erdbodens gefasset und begriffen.

Also auch, aus diesem Paradeyß verstossen seyn, heisset, aus diesem seligen Standt, da keine Sünd noch Tod war, verstossen seyn, und aller Elementen und Creaturen, mit kleinern Segen, Glück und Gedeyen entrahten.

[189] Es ist aber kein Zweiffel, daß die ersten Menschen in der Gegend der Erden gesessen und gewohnet haben, da hernach, [146] und etwan jetzt annoch Damascus gelegen: ist derohalben auch glaublich, daß sie an dem Ort erstlich erschaffen seyen, und gewohnet haben.

Der Jüdische Geschichtschreiber Josephus beschreibet in seinem ersten Buch das Paradeyß, und spricht: GOtt hat einen schönen Garten gegen Aufgang der Sonnen mit allerley grünen Gewächsen gepflantzet, in welchem ein Baum deß Lebens, und ein anderer deß Verstandes, zu unterscheiden Gutes und Böses, gestanden ist: in diesen Garten hat GOtt Adam samt seinem Weib geführet, und ihnen befohlen, diesen Baum fleissig zu vermeiden.

Es wird auch dieser Garte gewässert und befeuchtet von einem Wasser, welches geringsweise um die Erden lauffet, und sich daselbst in vier Flüsse austheilet, na mentlich in Euphratem, Tygrim, Gangem und Nilum.

Merckwürdig seynd derhalben die Worte deß Herrn Lutheri, in seiner Auslegung über das erste Buch Mosis, daß nemlich das Paradeyß in der Welt und auf Erden seye; denn es stehe im Text, GOtt hat gepflantzet einen Garten in Eden, gegen dem Morgen oder Aufgang.

So müssen ja auch natürliche Bäume seyn, wie die unserige; darum es nichts mit ist, daß unsere Sophisten gesagt haben, wie es hoch droben über der Erden lige, hart unter dem Mond: es muß hier auf Erden seyn, und müssen auch die Bäume seyn, die GOtt im ersten Capitel geschaffen hat.

Zum andern, ist ja Adam aus Erden geschaffen, und darzu verordnet, daß er darauf seyn solte, und ward darum ins Paradeyß versetzet, daß ers bauen und verwahren solte.

Zum dritten werden vier Wasser genennet, welche man noch weiß, die aus dem Garten fliessen: diß alles beweiset genugsam, daß es muß auf der Erden seyn.

Origenes und mehr andere, haben sich hin und her darmit geworffen: aber Augustinus hat etwas klüglicher gehandelt, und gesaget; wer dieses und anderes nicht begreiffen kan, der soll GOtt die Ehre geben, und ihm die Sach befehlen.

Dieses aber ist der Behelff auf einer Seiten, daß Moyses nicht saget, daß die vier Wasser im Garten gewesen seyn, sondern nur ein Wasserstrom, darvon die vier Wasser herstammen; was wollen wir nun daraus machen?

Also habe ich mehrmal gesagt, und sage es noch, müglich ists, daß es zur selbigen Zeit also gewesen seye, daß GOtt einen [147] Garten oder ein lustiges Land dergestalt umschrencket habe, aber nach meinem [190] Beduncken mag es also verstanden werden, daß es der gantze Erdboden wäre; mir ligt nur dieses im Wege, da der Text also lautet, daß es etwas anders, nemlich ein sonderbarer Ort oder Raum seye, wie sonsten auch lustige Gärten nicht ein gantzes Land begreiffen: darum weiß ichs nicht zu erörtern, wie es gewesen seye, ich muß mich gefangen geben.

Jedoch, dieweil man die vier Wasser, wie gesagt, noch wol weiß, die daraus kommen, wolte ich gerne also sagen, daß der Lustgarte irgend ein Ort seye gegen dem Morgen, der nunmehr verborgen oder vielleicht zerrissen ist, welches GOtt am besten bekandt ist: es muß aber ein fast weiter Raum gewesen seyn, denn die Wasser ligen sehr weit von einander, ja schier gegen einander; darum will ich meine Vernunfft gefangen nemen, und darbey bleiben, daß ein rechter natürlicher Garte gewesen seye, wie sonsten ein Lustgarte seyn möchte.

Etliche disputiren, und wollen also schliessen: Enoch und Elias, inmassen der Heilige Geist saget, seynd in den Himmel lebendig verzucket und aufgenommen worden; nun spricht dorten der HErr zu Moyse, da dieser begehrte GOttes Angesicht zuschauen, im 2. Buch Mos. im 33. Cap. v. 20. daß kein lebendiger Mensch köndte die Herrlichkeit GOttes sehen, und doch gleichwol Enoch und Elias, wie gesagt, lebendig in den Himmel wären verzuckt worden, daß nemlich solches zuverstehen müsse seyn von dem irdischen Paradeyß, darinnen keine Tödtlichkeit seye, sondern lauter Freude, Wollust und Ergötzlichkeit.

Item, daß GOtt der HErr dem Moysi befohlen, er solle auf den Berg Nebo steigen, von dar in das gelobte Land sehen, er aber daselbst, vom HErrn selbst, begraben, auch seine Begräbniß hernach nicht gefunden worden, aus solchem müsse folgen, daß er in das Paradeyß seye verzuckt worden: item andere halten darfür der Berg Thabor, allda Moyses und Elias dem HErrn Christo bey seiner Verklärung erschienen, Lucæ 9. v. 30. allwo auch Petrus und Johannes einen Blick der Herrlichkeit GOttes wargenommen haben, soll gegen Morgen ligen, allwohin diese Propheten aus dem Paradeyß herab gestiegen seyn, und mit Christo von dem Ausgang, welchen er solte erfüllen zu Jerusalem, geredet, das ist, was er für ein Ende nemen würde.

[148] Ingleichen, da der HERR Christus zu dem reuigen Schächer am Creutz sagte, und ihme versprache, Heut wirst du mit mir im Paradeyß seyn, Lucæ 23, v. 43. da seynd bald hierauf Christus und der Schächer, beede verstorben, und Christus begraben worden, ehe er gen Himmel gefahren; daß also der Schächer in das Paradeyß soll verzuckt worden seyn, darinnen bis zur allgemeinen Auferstehung der Todten zu verbleiben.

[191] Welches alles aber denen Gelehrten mag anheim gestellet seyn.


II. Ferner ist sowol im obgedachten Gespräche, als sonderlich im 1. Buch Mosis im 3. v. 3. Meldung gethan worden deß verbottenen Baums, da GOtt der HErr sprach: ihr solt von allen Früchten der Bäume im Garten essen, allein von dem Baum deß Erkäntniß Gutes und Böses sollet ihr nicht essen.

Was nun dieser für ein Baum gewesen seye, ist nicht eigentlich bemeldet, allein Isidorus und Augustinus seynd der Meinung daß in diesem Baum dreyerley Holtz gestecket; eines zu Aufenthaltung des Lebens, oder zur Nah rung; das andere, zu Bewahrung deß Gehorsams, als das Holtz deß Wissens oder der Erkäntniß Gutes und Böses; denn da sie darvon assen, wurden zur Stunde ihre Augen aufgethan, daß sie wusten, was sie zuvor nicht wusten; die Neigung und Begierde deß Fleisches wurde in ihnen angereitzet, und dieses nicht allein, sondern sie erkandten auch die Schwachheit und Widerstrebung deß Fleisches; so erfuhren sie auch, was die Gesundheit und Stärcke wäre.

Das dritte und edelste Holtz war das Holtz deß Lebens, auch auf dreyerley Weise zu verstehen, erstlich wegen seiner Krafft: denn es gab dem der es asse die Krafft der Untödtlichkeit, und verhütete die Kranckheiten und Schwachheiten. Zum andern, wegen der Gelegenheiten: denn dieses Holtz stunde mitten in dem Paradeyß, als das köstlichste und würdigste, gleichwie das Hertz deß Menschen in der Mitte deß Leibes, als das alleredelste Glied desselben, liget. Zum dritten, wegen der Bedeutung: indeme Augustini Meinung nach, bey dem Holtz deß Wissens oder der Erkäntniß Gutes und Böses der freye Will oder die freye Willkühre, bey dem Holtz deß Lebens aber, Christus der HErr bedeutet wird.

[192]
Das 21. Capitel
[149] Das einundzwantzigste Capitel.
D. Fausti sechste Frag an seinen Geist: von der Ordnung der Teuffel.

D. Faustus hatte auch genug wegen obiger Frag vom Paradeyß, und gedachte bey sich wol, er würde es doch nicht erlangen, oder darein kommen, darum er auf eine andere Materi seine Gedancken richtete, und fragte seinen Mephostophilem: Lieber sage mir, habt ihr Teuffel oder Geister auch einige Ordnung oder Regiment unter euch, gleichwie in dieser Welt, in einem Land, in einer Herrschafft, u.s.f. ein jeglicher Herr alleine regiret, oder seyd ihr nur solcher Gestalt untereinander vermenget?

Der Geist antwortete und sagte hierauf: Nein Herr Fauste, ich habe dich unlängsten berichtet, welcher Gestalt wir durch den Zorn GOttes aus dem Himmel seynd verstossen worden; darbey waren nun vielerley Gesellschafften, und war ein Engel höher denn der andere im Stand gewesen: also bleibet es auch noch heutiges Tages, daß Lucifer und mit ihm andere zuvor grosse heilige Engel-Fürsten waren, dergestalt seynd sie jetzund Fürsten der Welt, und haben ihr Regiment in neun absonderliche Fürstenthümer getheilet, die sich an die vier Oerter der Welt, Aufgang, Mittag, Niedergang und Mitternacht, erstrecken; allwo einer immer stärcker und mächtiger regiret als der andere.

D. Faustus bate um einen bessern Bericht hiervon; der Geist willfahrte, wiewol ungerne, und sprach: das erste Regiment der Geister wird ge[150]nannt Pseudothei; diese seynd nun gifftige und greuliche Geister, die ohne Unterlaß sich unterstehen, wie sie GOttes Ehre und Namen verlästern mögen: dannenher sie die Menschen in allerhand Abgötterey führen und leiten, ja sie thun und begeben sich bisweilen in die abgöttischen Bilder, daraus sie sich Göttliches Namens und Würde anmassen, und wollen auch wie GOtt selbst angebetet werden.

Die andere Ordnung der Geister werden Spiritus Mendaciorum genennet; diese seynd Warsager-Geister, und ob sie [193] schon mit ihrem Warsagen nicht bald fehl schlagen, wie die jenigen selbst gestehen müssen, welch mit ihnen umgehen, so seynd sie doch sehr falsch, wenn man sie fraget von der heiligen Schrifft; geben nicht leichtlich einen rechten Bericht. Ihr Oberster wird Python genennet.

Das dritte Regiment ist deß Belials, die man insgemein heisset Vasa iniquitatis. Diese richten alles Unglück an, geben dem Menschen ein, wie man allerley Instrument und Gefässe, wormit man GOtt erzürnen, den Nächsten aber an seinem Leibe und seiner Gesundheit gefähren mag, zu wege bringen kan; führen über das die Menschen in alle Sünde, Schand und Laster.

Das vierdte Regiment gehöret dem Obersten Asmodæo zu. Diese seynd ebenmässig gantz rachgierige Geister, vornemlich aber dem Ehestand gantz aufsätzig, gehässig und feinde, nemen der Menschen Hertzen ein, daß auch ihr Neid und Rachgierigkeit, so sie gegen ihren Nächsten gesetzet, nicht bald mag gelöschet und gedämpffet werden: sie seynds auch, welche die versündigte Menschen am [151] meinsten bey Gott verklagen, und um Straffung anhalten, werden derhalben Ultores Scelerum genennet.

Die fünffte Ordnung, deren Obrist und Vornemster der Satan heist, seynd die jenigen, die man Præstigiatores nennet, als die Zauber-Geister. Diese lehren die Menschen übernatürliche Sachen und Wunder thun, und das oberste oder erste Regiment, so oben erwehnet, ist mit diesem einig, wie sie mögen die Menschen mit falschen Wunderzeichen, auch Versprechung zeitlicher Ehre und Wollebens, von dem wahren GOtt und rechtem Gottesdienst abkehren, abwendig machen, und verführen.

Das sechste Reich oder Fürstenthum, darinnen der Principal Meririm ist, nennet man sonsten Aëreas Potestates. Wohnen gemeiniglich unter dem schwartzen Gewülcke, und düsterer Lufft, vermengen sich nicht selten unter die Donner, Blitz und Ungewitter, und er warten wenn es ihnen Gott verhenget, damit sie solches Geschoß, zu einem und andern Verderben abgehen lassen; richten gifftige Nebel, Reiffen und anders an, daß Seuchen und Kranckheiten entstehen.

[194] Deß siebenden Regiments Obrister ist Abaddon benamset, unter welchem seynd die Furiæ; seynd gar gifftige greuliche Geister, erwecken nur Krieg, Empörung, Zweytracht und alle Uneinigkeit, erhitzen grosser Potentaten Gemüter so brünstig, daß dardurch Land und Leute in höchstes Verderben und Jammer gerahten.

Das achte Regiment und Ordnung ist deß Astaroths, und diese nennet man Criminatores: die decken nemlich auf, und bringen an den Tag der [152] Menschen Schand und Laster; sie würcken auch in den Menschen das sündliche Gifft, wie nemlich GOttes Name möge gelästert und geunehret werden, reitzen die Menschen zu falschen Argwohn an gegen dem Nächsten, geben ein allerley falsche betrügliche Gedancken.

Der neundte Fürst in seinem Reiche ist der Mammon. Diese darinnen heisset man Tentatores et Insidiatores, welche die Menschen auf allen Betrug, Wucher, falsche Practicken und Finantz verleyten, damit sie zu grossen Ehren und Reichthum kommen, dargegen nemen sie solcher Menschen Hertzen ein, und besitzen sie, daß sie weder Gott fürchten, noch sich vor dem Nebenmenschen scheuen; bringen sie aber zuletzt in Verzweifflung, daß sie zu mancher Zeit an ihrem eigenen Leben zum Mörder werden. Also Herr Fauste, habe ich kürtzlich von den Regimentern der Geister, und was ihr Wesen und Regierung ist, dich berichtet, verhoffe du werdest darmit zu frieden seyn.

Anmerckung.

I. Bey dieser Frag, ob ein Unterscheid der Teuffel oder Geister seye, und daß sie ihre besondere Ordnung und Regiment haben, ist zu wissen, daß darum kein Zweiffel seye, gleichwie ebenmassig unter den guten Engeln: denn eben darum sagt dorten der HERR Christus, haben sie ein Reich, Lucæ 11. v. 18.

Gleichwie nun zu einem Reich viel Personen und ungleiche Aemter gehören, also seynd auch ungleiche Aemter unter den Teuffeln. Denn etliche seynd geringere Teuffel, die mit Hurerey, Ehrgeitz, und dergleichen Sünden anfechten, andere aber seynd höherer Würde, die da anfechten mit Unglauben, Verführung, Ketzerey, mit Verzweifelung, u.s.f.

Daher gibt es unter ihnen Abgötterey-Teuffel, Sauff-Teuffel, Geitz- und Wucher-Teuffel, Tyranney-Teuffel, [153] Zauber-Teuffel, Fluch-Teuffel, [195] Huren-Teuffel, Ehe-Teuffel, Hoffarts-Teuffel, Sorg-Teuffel, Rach-Teuffel, und dergleichen mehr, die die Menschen zu solchen Sünden reitzen und locken; und hat ein jedwedere Sünde seinen Præfectum oder, so zu reden, ihren Hauptmann, mit seiner Rott, der seine Sünde, darzu er verordnet ist, redlich treibet und darzu hilfft, in allen Landen und Pro vinzien.

So ist auch dieses gewiß, daß, wie es in den weltlichen Regimenten hergehet, daß die obersten Herrschaffen unter ihnen haben andere Glieder und Stände, und diese hinwiederum unter ihnen andere, über welche sie zu gebieten haben: (denn wo ein solche Policey und Ordnung nicht ist, da ist kein Reich noch Regiment, sondern ein wüstes, wildes und vermengtes Wesen, da alles untereinander gehet, wie das Viehe auf der Weide, oder das Wild im Wald) also hat auch der Teuffel, als ein gewaltiger Herr und mächtiger Fürst, andere unter ihm auch Gewaltige, und deren jeder hat wiederum unter sich ein Menge böser Geister unter dem Himmel, wie der Apostel anzeiget in seiner Epistel an die Ephes. Cap. 6. v. 12.

Nicht nur aber stehen diesem Fürsten der Welt zu Gebot, und verrichten seinen Befehl, die bösen Geister und Teuffel, da immer einer, wie gesagt, dem andern an Stärcke und Gewalt überlegen ist, sondern es seynds auch unter den Menschen die Kinder deß Unglaubens, in denen der Teuffel sein Werck hat, Ephes. 2, v. 3.

Cyrillus sagt in Johann: Es sey fern, daß wir gedencken wolten, es werde darum der Teuffel ein Fürst der Welt genennet, daß wir glauben wolten, er könne über Himmel und Erden herrschen und regiren, denn er ist nicht der Schöpfer und Regirer der Welt, wie etliche fälschlich darfür halten, sondern durch die Welt werden allhier verstanden die böse gottlose Menschen, welche den weltlichen Wollüsten nachhengen, und ihren bösen Begierden folgen, solcher Leute Gott und Fürst ist der Satan.

Gleichwie der HErr Christus, als der Fürst deß Lebens, sein Reich auf Erden hat und in den frommen und glaubigen Kindern GOttes durch sein Wort und Geist lebet und würcket, daß sie an ihn glauben, gerecht und selig werden, auch GOtt dienen, loben und preisen: also richtet der Teufel auch neben ihm sein Reich auf, darinnen die Gottlosen und Unglaubigen seine Diener seynd, die ihme dienen, und gern und [154] willig thun was er haben will, als Gott verlaugnen und absagen, Christum schänden, sein Wort lästern, u.s.w.

Hieher gehöret auch was Herr Lutherus unter andern setzet in seiner Postilla: Wir sollen wissen, spricht er, daß die Engel unterschiedlich seynd: denn gleichwie unter den Menschen einer gross der [196] ander klein, einer schwach der andere starck ist; also ist auch ein Engel grösser, stärcker und weiser als der andere: dieses muß man auch von den Teuffeln und bösen Geistern verstehen.

Eben wegen dieser Gewalt und grosser Macht deß Satans, berühmte sich einsten D. Faustus bey einer Gesellschafft, daß er sagte, er dörffte sich wol höher achten und schätzen, weder der Römische Käiser, der nur über ein Käiserthum zu gebieten hätte, ihm aber wäre der Großfürst dieser Welt unterthan, und thue was er wolle oder begehre.


II. Es geschihet auch fürs ander zugleich allhier Meldung, welcher Gestalt die Teuffel ein von einander unterschiedenes Regiment haben, und deren werden von dem Geist neune an der Zahl gezählet: als, der erste Fürst der Teuffel, Pseudotheus; dieser wird mutmaßlich ein solcher Teuffel gewesen sein, der den HErrn Christum, Matthæi im 4. Cap. in der Wüsten versuchet hat, und hernach an ihme begehret, er wolle ihm alle Reiche dieser Welt geben, so er niederfiele und ihn anbetete: will also Christum zur Abgötterey verführen.

Der andere Fürst Python, welchen D. Fausti Geist einen Warsager-Geist nennet, mag wohl ein Lügen-Geist heissen; dieser wird etwan deren einer gewesen seyn, wie im ersten Buch von den Königen im 22. Cap. v. 22. stehet: Da gieng ein falscher Geist aus der Propheten Munde, der überredete Ahab, den König in Israel, daß er hinauf zöge in den Streit wider die Syrier, gen Ramoth in Gilead, allwo er gefallen und umkommen, immassen der Prophet zuvor gesaget hat.

Und Christus der Mund und Grund der Warheit, spricht Johannis im 8. Cap. v. 44. der Teuffel sey ein Lügner, und sey nicht bestanden in der Warheit, wenn er die Lügen rede, so rede er von seinem eigenen, denn er sey ein Lügner, und ein Vatter derselbigen. Aus welchem denn zu ersehen ist, was diese für Geister seynd, die man Warsager-Geister nennet, nemlich Lügen-Geister, ob man schon vermeinet, sie schlagen zu Zeiten zu; aber Christus spricht deutlich, sie bestehen nicht in der Warheit.

[155] Der dritte Fürst Belial, der soll dem Menschen eingeben, wie man allerhand böse Instrument und schädliche Werckzeuge erfinden und machen solle, wormit man dem Nächsten entweder aus verteuffelter Bosheit, oder aus Rachgierigkeit, nach Leib und Leben trachtet. Dergleichen eines sonderlich das Püchsenpulver ist, so 1356. erfunden worden; ingleichen das Geschütz. Item von Lucio Tarquinio Superbo, dem siebenden und letzten König der Römer lieset man, daß er Geissel von Ochsenhäuten, eiserne Fußbande, Ketten und Schlösser, für die Gefangene erfunden habe. Fast dergleichen wird von Perillo, und andern [197] mehr erzehlet.

Der vierdte Fürst Asmodæus, ist gewesen derjenige, so der Sara Raguels Tochter ihre sieben Männer ertödet hatte, alsbald wenn sie beyligen solten, Tobiæ im 3. v. 8. Und noch heutiges Tages deß heiligen Ehestands abgesagter Feind ist, auch Tag und Nacht dahin trachtet, wie er zwischen Eheleuten Uneinigkeit und Widerwillen pflantzen, ja gar Mord und Todschlag erwecken möge.

D. Hier. Weller erzehlet in der Haustafel folgende Begebenheit. Es haben in der Stadt Basel zwey Eheleute in friedlicher Ehe gelebet: dieses verdrosse nun den Ehe-Teuffel, und versuchte solche Ehe zu trennen, der denn dem Kauffmann einen Argwohn eingabe, als wäre sein Eheweib eine Bulerin, und hielte mit dem Diener heimlich zu, welches er daher möchte abnemen, dieweil die Frau dem Diener ein paar Hosenbänder, die ehedessen ihres Herrn, deß Kaufmanns gewesen, verehret hatte. Und als der Herr diese Hosenbänder an dem Diener ersehen, ist er in solchem Argwohn gestärcket worden, und daher bey sich entschlossen, das Weib zu ermorden.

Derhalben er an einem Sonntag die Kinder und das Gesinde heissen in die Kirchen gehen, er aber bliebe mit dem Weib allein zu Hause: und alsobald zuckte er den Dolchen, und sagte zu dem Weib gantz ergrimmet, wie daß sie eine Ehebrecherin wäre, und mit dem Diener zu hielte, deme sie auch seine Hosenbänder verehret, u.s.f. Und ob ihm wol diese Unschuldige zu Füssen gefallen, und mit Thränen ihre Unschuld bezeugen wollen, ist er doch durch Antreiben deß Teuffels dahin gebracht worden, daß er den Dolchen in deß Weibs Brust verborgen, daß sie todt nieder zur Erden gefallen. Bald aber nach solcher unmenschlichen That hat es ihn gereuet, hat sich an den Tisch gesetzet, und einen Brief geschrieben, wie er nemlich durch [156] teufflischen Eifer und Argwohn zu solcher That seye verleitet worden, und hat solchen Brief an den Arm gebunden, ist zu öberst auf das Haus gestiegen, von dar herabgesprungen, und sich also freywillig zu tod gefallen, in Ansehen vieler Menschen.

Der fünfte Fürst ist der Satan, welcher durch die Menschen Zauberei treibet; dieser wird vielleicht die Zauberer deß Königs Pharaonis, und Simonem Magum (mit welchem der Apostel viel zu thun haben müssen) und viel tausend andere, sonderlich den D. Faustum, und hernachmals seinen Famulum, gelehret, und in dieser Kunst unterwiesen haben.

Der sechste Fürst Meririm, ist gewesen, den der heilige Geist in dem Buch Hiob im ersten Capitel, den Satan nennet; der den frommen Mann, auf Verhängniß Gottes, mit bösen Geschwären geschlagen, sein [198] Haus und Kinder mit dem Strahl und Donner verdorben hat.

Der siebende Fürst Abaddon wird etwan gewesen sein, der in deß grossen Königs Cores oder Cyri Hof in Persien, sich enthalten hat, der dem Propheten Daniel ein und zwantzig Tage widerstanden, wider welchen aber der grosse Engel Michael gestritten und obgesieget hat, Daniel im 10. v. 13. der ohne Zweifel Mord, Krieg und Aufruhr würde angerichtet haben: davon auch zu lesen in der Offenbarung S. Johannis, im 9. Cap. v. 11.

Der achte Fürst ist der Astaroth; dieser wird mächtiglich geregiret haben zur Zeit deß unschuldigen Leidens und Sterbens unsers HErrn JEsu Christi, und hernachmals zur Zeit seiner Apostel und Jünger; denn er hat regiret in den Hertzen der Hohenpriester und Schrifftgelehrten, Pilati und Herodis, welche sämtlich des HErrn Predigt und Lehre nicht allein verlästert und verfolget haben, sondern haben auch durch falsche Practicken und Gezeugniss den unschuldigen HErrn zum Tod gebracht. Er hat auch geregiret in den Kriegsknechten, die ihn gelästert, verhönet, verspottet, verspeyet; ja in den Juden selbst, welche geschryen, creutzige creutzige ihn, er ist nicht wehrt, daß er leben soll, und wo Pilatus solches nicht thue, seye er deß Kaisers Freund nicht.

Also hat dieser Teuffel den Aposteln und Jüngern deß HErrn Christi hernach, da das Wort deß heiligen Evangelii begunte ausgebreitet zu werden, grimmiglich mit allerhand Verfolgungen zugesetzet, wie auch vielen tausend Märtern und Märterinnen; worvon nicht allein die zehen schwehre Christen-[157]Verfolgungen unter etlichen Römischen Käisern erlitten, zeugen und ausweisen, sondern es hat es der HErr Christus schon allbereit zuvor verkündiget Joh. 16. v. 2. daß es also ergehen werde.

Der Neundte Fürst ist der Mammon; den weiß männiglich wie er bey den Finantzern, Wucherern und Geitzhälsen regiret, derowegen auch unvonnöthen zu seyn erachtet wird, fernere Meldung hiervon zu thun: dieser hat ohn allen Zweiffel besessen Judam Ischarioth, Matth. 26. v. 15. Marc. 14. v. 10. den Ananiam, samt seinem Weibe Saphira, in den Aposteln Geschichten im 5. Cap. v. 3. 8.

[199]
Das 22. Capitel
Das zweyundzwantzigste Capitel.
D. Fausti siebende Frag an seinen Geist: was er, der Geist thun wolte, wenn er an seiner Stelle gewesen wäre.

NAch etlichen Tagen kame dem D. Fausto ein reuiger Gedancke zu Sinne, und gedachte einmal an seine Seligkeit, welche er so mutwillig verschertzet hätte, sagte demnach zu seinem Geist: Lieber Mephostophiles ich bitte dich, verhele mir nichts von deme ich dich will fragen. Der Geist sprach, so sage an: Faustus fuhr fort und sagte, alldieweil Christus der Sohn GOttes nicht mit Englischer Gestalt hat wollen bekleidet seyn, sondern hat angenommen die Natur deß Menschen, auf daß er den Menschen wiederum in diese Freyheit und seligen Stand möchte bringen, wie er anfänglich von GOtt rein und ohne Mackel erschaffen worden, und daß der Mensch nach der Auferstehung eingehen möchte in das ewige Leben, da GOtt selbst ist, welches Christus allen Glaubigen erworben hat, ich aber gantz mutwillig und böslich von Christo abgefallen bin, und leichtlich erachten kan, [158] daß ich mit euch Teuffeln in gleicher Verdamniß seyn werde: wie, wenn du wärest zu einem Menschen geboren worden, und also an meiner Stelle gewesen wärest, wie woltest du dich verhalten haben?

Hierauf antwortete ich, sagte der Geist, wiewol wir nicht allerdings verzweiffeln, sondern annoch hoffen selig zu werden, seynd wir doch nimmermehr in einem solchen seligen Stand, wie du und andere Menschen: wenn ich aber ein Mensch geboren worden wäre, so wolte ich Tag und Nacht meine Hände mit Dancksagung gegen GOtt im Himmel aufheben, daß er seinen Sohn mit dem menschlichen Fleisch und Blut bekleidet hat, nimt sich deß menschlichen Geschlechtes an, auf daß er es von deß Teuffels Gewalt erlösete, wird der Teuffel ärgster Feind, und gibt dem Menschen das ewige Leben; dargegen muß der Teuffel in der Hölle wiederum büssen, was er verderbet hat: solcher Erlösung, mein Herr Fauste, bist du auch theilhafftig gewesen, aber nun, wegen deines zeitlichen [200] Prachts, Ehrgeitz und Hoffart, hast du solche verschertzet, und must ohn allen Zweiffel gleicher Verdamniß mit dem Teuffel, den du hierzu gleichwol erfordert hast, in der Höllen gewärtig seyn.

Auf diese deß Geistes ungescheuete Aussage hat D. Faustus geschwiegen, und bald hierauf den Geist von sich gelassen; wie solches einsten D. Faustus selbst seinem vertrauten Famulo, dem Wagner erzehlet hat.

Als er aber deß Nachts zu Bette gegangen, seynd ihme die Reden deß Geistes stetigs in den Ohren gelegen, worüber er geseufftzet, und also mit sich [159] selbst gesprochen hat: ach du elender und verfluchter Mensch, dir hat GOtt Leib und Seele gegeben, diese soltest du besser verwahret haben, zu deme wie hätte doch GOtt der HErr seine Güte, Gnade und Barmhertzigkeit grösser gegen dir ausschütten, oder dir zueignen können, denn daß er seinen einigen Sohn in diese Welt gesendet, auf daß er das verderbte menschliche Geschlechte wiederum zu recht brächt, die Menschen das ewige Leben hierdurch im Glauben erlangen möchten?

Darfür solte ich ja billich, wie mein Geist recht gesaget, mein lebenlang danckbar gewesen seyn! Ach! daß ich um eines so kurtzen und zeitlichen wollüstigen Lebens willen mich mit dem Teuffel also böslich verbunden habe!

Nunmehr aber ist es mit meiner Bus und Reue ohn allen Zweiffel zu spat. Ach! daß ich nur noch ein kleines Füncklein eines rechten Glaubens hätte zu Christo: oder daß ich Macht und Verlaubniß hätte mich mit einem Geistlichen zu unterreden, auf daß ich von ihm einigen Trost, oder wol gar die Vergebung meiner schweren Sünde empfienge! Aber von nun an wird es leider viel zu spat seyn.

Jedoch gleichwol, dieweil mein Geist Mephostophiles gedencket, daß er und seine Consorten je vermeinen etwan noch selig zu werden, unangesehen, daß sie sich wider GOtt gesetzet, und deßwegen von ihm aus dem Himmel verstossen worden; so wird es mir ja auch nicht fehlen, daß mir also wiederum geholffen werde.

[160] Anmerckung.

[201] I. Was allhier der Geist dem D. Fausto zum Bösen und zu seiner Verdamniß geprediget, das haben wir zu unserm Trost, und zwar viel besser, in dem Wort GOttes, der heiligen und Göttlichen Schrifft. Darum sollen wir es zu Hertzen nemen, und jederzeit unsern Bund wol bedencken, den wir in der heiligen Tauff eingegangen haben, daß wir wollen dem Teuffel, und allem seinen Anhang und Wercken widerstreben; hergegen stetigs in der Furcht GOttes leben und wandeln, fleissig das liebe Wort hören: denn es ist, wie S. Paulus saget, in der Epistel an die Römer im ersten v. 16. eine Krafft GOttes, die da selig machet alle die daran glauben.

Wo nun lauter Unwissenheit und Verachtung GOttes und seines Worts ist, da hat der Teuffel gut machen, denn wo man das Schwerd deß Geistes, welches ist das Wort GOttes, nicht hat, da kan man ihm nicht Widerstand thun, Ephes. 6. vers. 17.

Das können wir aber desto hertzhaffter thun, wenn wir uns, wie gesagt, der heiligen Tauff erinnern und trösten, darinnen wir Christo JEsu einverleibet worden, und ihn angezogen haben, Galat. 3. v. 27. seynd auch durch Krafft der heiligen Tauff vom Teuffel und seinem Reich erlöset worden, und hat uns GOtt in seinen Gnaden-Bund auf- und angenommen, den wird er ihm durch den Teuffel ja nicht brechen lassen, oder zunichte machen. Dem Teuffel ist fast nichts so sehr zu wieder als die heilige Tauff, als die da ist der geistliche Absagbrief, darinnen wir ihm einen geistlichen Kampff unter deß HErrn Christi Creutzfahnen anbieten, und uns aller seiner Gemeinschafft unser Lebtage gäntzlich verzeihen. Was aber ihm am meinsten zu wider ist, das sollen wir uns desto mehr theuer und werth seyn lassen, und uns daran desto vester wider ihn halten. Dieses, dieses hätte D. Faustus besser behertzigen sollen.

Und ob wir uns schon, als arme, gebrechliche sündliche Menschen, an GOtt und seinen Gebotten gröblich versündiget hätten, so sollen wir uns doch bald widerum zur Reue und Buse schicken, keinen Gefallen an der vollbrachten Sünde tragen, damit uns nicht geschehe wie hier D. Fausto, und andern verzweiflenden Menschen, welcher Sünde mit Cain grösser seynd, als daß sie können vergeben werden, und die den angebot[161]tenen Reichthum und Güte GOttes, oder dessen Gnade, anzunemen zu lange verzogen haben: denn hernach das Pœnitere will viel zu spat werden.

[202]
Das 23. Capitel
Das dreyundzwantzigste Capitel.
D. Fausti achte Frag an seinen Geist: ob er in Hoffnung stünde, daß er und andere Teuffel dermaleins auch selig werden.

DAß auch die Teuffel annoch in Hoffnung stünden selig zu werden, allermassen oben der Geist erwehnet, dieses wolte dem D. Fausto nicht eingehen, sprach demnach abermal zu seinem Mephostophile: ihr Geister, wie könnet ihr euch getrösten, oder in Hoffnung stehen künfftiger Seligkeit?

Nachdem ihr nemlich von dem Angesicht GOttes seyd verstossen worden, da habt ihr euch nicht können besser rächen, denn daß ihr euch unterstanden GOttes und deß Schöpffers liebstes Kleinod zu maculiren, da habt ihr den Menschen Adam und seine Evam, ja durch sie das gantze menschliche Geschlecht in grosses Hertzeleid und ewigen Jammer gebracht; dieweil ihr nun dieses gethan, was soltet ihr euch wol Gutes zu Gott zu versehen haben?

Der Geist antwortet hierauf: das haben wir Geister nicht gethan, sondern unser Fürst Lucifer, der hat darnach getrachtet, wie er GOtt, wegen deß Falls, wiederum eines möchte versetzen: aber wir Geister thun nicht bald dem Menschen Leides, ja die Menschen selbst thun manchmal einander mehr Leides an, als wir nimmermehr.

D. Faustus spricht: Mein Mephostophiles, diese Antwort aber will den Stich nicht halten. Als [162] der Mensch Adam durch Verführung deß Teuffels in den Fall, und durch denselben in den Zorn GOttes gerahten, was hat GOtt alsdenn für einen Sententz ausgesprochen? nemlich diesen, ich will Feindschafft setzen zwischen dir, Teuffel, und dem Weibe, zwischen deinem Samen und ihrem Samen, derselbe soll dir den Kopff zertretten, und du wirst ihn in die Fersen stechen.

Dieser Text nun saget lauter und klar, daß GOTT zwischen euch Teuffeln und dem Sohn GOttes eine ewige Feindschafft gesetzet habe: wo aber eine ewige Feindschafft ist, da hat man sich ja nichts Gutes zu getrösten, noch kan man die Hoffnung haben, daß es dermaleins werde wiederum gut werden, [203] und das Urtheil aufgehoben seyn?

Weil denn dieses eine unaufhörliche Feindschafft seyn wird, so werdet ihr Teuffel das Feld nicht behalten, sondern unterliegen, also daß Christus wird obsiegen, und dem Teuffel und seinem Samen den Kopff zertretten; dargegen werdet ihr ihn und seine Glaubigen, wie ein Floh, in die Fersen stechen; daher könnet ihr euch ja abermals keiner Seligkeit getrösten.

Der Geist antwortet: du verstehest diese Wörter nicht; bist du darbey gewesen, da es ist ausgesprochen worden? diese Feindschafft ist auf den Menschen zu verstehen, und nicht auf Christum: der Same ist die Schlang, und nicht wir, denn wir seynd erschaffene Creaturen, und bleiben ohne Samen, derohalben wir nicht gebären, und keines Samens theilhafftig seynd: und hierauf schwiege der Geist still.

D. Faustus merckete das, und gedachte bey sich selbst, harr, kanst du mir sagen was du thun [163] woltest, wenn du an meiner Stelle wärest, so must du weiter fort, und sprach, lieber Mephostophiles sage an, wie getröstet ihr euch denn eurer vermeinten Seligkeit? er antwortet: Christus hat nicht allein für die Menschen gelitten, sondern für alle Creaturen, die mit einer vernünfftigen Seele und Verstand begabet seynd, oder wissen das Gute von dem Bösen zu unterscheiden; dieses nun wissen wir auch: so werden in dem Wort Mensch, alle vernünfftige Creaturen begriffen und genennet, die seynd wir auch.

Faustus spricht hierauf, wie glaubet ihr aber selig zu werden? er antwortet, durch die Hoffnung; denn Paulus spricht, die Hoffnung läst nicht zu schanden werden. Faustus versetzet, seyd ihr aber auch gewiß darinn in solchem Glauben? er antwortet, ja so gewiß als du Herr Fauste: denn dir mag nicht unbewust seyn, wie sehr du dich an GOtt versündiget hast, und hoffest du mögest von GOtt Barmhertzigkeit erlangen, also stehen wir zwar auch in Sorgen, wir haben GOtt gros erzürnet, jedoch möchte noch die Erbarmung GOttes über uns leuchten, und sich ausbreiten wie die Morgenröthe; auf die Weise nun stehen wir in der Hoffnung: denn wir glauben alles, was man von dem Leiden, Sterben und Auferstehen Christi geschrieben hat.

[204] D. Faustus antwortet bald, der Glaube aber an Christum muß dieses alles befestigen, wo ist euer Glaube? er spricht, in der Hoffnung und gewisser Zuversicht, er werde sich etwan unser auch erbarmen: denn seynd alle Menschen in Sünden, und ausser Christo ewig verloren, so seynd wir auch aus [164] dem Himmel in die Sünden verstossen worden; kan der Mensch nichts den sündigen, so können wir auch nichts anders; kan der Mensch etwas Gutes thun, so wollen wir auch (ists müglich) etwas Gutes thun: darum sagt abermal Paulus, Er hat es alles beschlossen unter die Sünde, auf daß Er sich aller erbarme; da, da schliesset Paulus niemand aus. Zudeme so spricht auch Christus zum Versucher dorten in der Wüsten: du solst GOtt deinen HErrn nicht versuchen, darum ist auch Christus unser HErr.

Hierauf sprach Faustus, wolan du hast eine gute Hoffnung, verharre und verbleibe nur dabey, ich zweiffle fast; allein so gewiß du nun selig wirst, so gewiß werde ich vielleicht auch selig werden. Und weiln D. Fausti guter Freunde einer eben damals an der Thüre anklopffte, musten sie von fernerer Unterredung abbrechen, welches auch dem Mephostophili nicht unangenem ware, und längst gerne von solcher Materie still geschwiegen hätte.

Anmerckung.

I. In diesem und im vorhergehendem Capitel werffen die Teuffel oder Geister ihre Unschuld auf den verstossenen Engel, als ob sie annoch wegen der Seligkeit in Hoffnung stünden; weßwegen denn schon vor vielem Alter in der Kirche die Frag entstanden, ob die bösen Geister auch etwan möchten selig werden?

Der heilige Augustinus in seinem Buch von der Ketzerey im 43. Capitel, meldet von einem gar alten Lehrer, namens Origenes, welcher um das Jahr Christi 230. zu Alexandria gelebet, der habe gelehret und darfür gehalten, daß auch der Teuffel mit allen seinen Engeln endlich solle und möge selig werden, von wegen der unendlichen Barmhertzigkeit GOttes: daher denn diese die hernachmals deß Origenis Meinung zugethan gewesen, hiervon viel Disputirens, in der Kirchen [165] gemachet, und nach diesen von den Libertinern gehöret worden, (vielleicht anheute noch von den Atheisten.)

[205] Aber der Sache ist leicht zu helffen, sonderlich bey den jenigen. welche GOttes Wort etwas bey ihnen gelten lassen.

Denn in heiliger göttlicher Schrifft stehet mehr als an einem Ort klärlich und deutlich, daß die Teuffel, wie auch alle halsstarrige, sichere und unbusfertige Sünder, ohne einige Hoffnung der Barmhertzigkeit GOttes, ewig sollen verloren und verdamt seyn und bleiben, nach dem einmal gesprochenen Urtheil Christi, beim Evangelisten Matth. am 25. Cap. v. 41. und 46. welches er am jüngsten Tag über sie werde ergehen lassen, nemlich: gehet von mir ihr Verfluchten in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teuffel, und seinen Engeln. Und bald hierauf setzet der Evangelist das Wort darzu: und sie, verstehe die Teuffel und Verdamten, werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben.

Was kan doch eigentlicher geredet werden von der Verdamniß der Teuffel, als dieses, weiln ja Christus so klärlich spricht, und auf die ewige Pein deutet? item das Wörtlein gehen, welches Matthæus erkläret und nennet es ewige Pein, da warlich kein Aufhören zu erwarten wird seyn, weiln es ewig ist, soll auch ewig wären, und nimmer kein Ende überkommen. Daher auch unsere liebe Alten offtmals in diese wehemütige Worte ausgebrochen: ach ewig wie ist das so lange! oder O Ewigkeit! O Ewigkeit! wie lang bist du O Ewigkeit!

So spricht auch der HErr Christus Marci am neundten, v. 46. ihr Wurm wird in der Hölle nicht sterben, und ihr Feuer wird nicht verlöschen. Noch deutlicher aber Johannis 5. v. 29. die da Gutes gethan haben, spricht er, werden herfür gehen zur Auferstehung deß Lebens, die aber Ubels gethan haben, zur Auferstehung der Verdamniß. Saget also nicht schlechter Dinge, sie werden ins Leben oder in die Verdamniß gehen, sondern zur Auferstehung deß Lebens und Gerichts, das ist, zu einem solchen Leben und Gericht, das ewig währen wird; denn der HErr Christus selbst nimt solche Wort aus dem Propheten Daniel am 12. Cap. v. 47. sprechende: und viel so unter der Erden schlaffen ligen, werden aufwachen, etliche zum ewigen Leben, etliche aber zur Schmach und Schande.

Wohin auch gehöret das jenige, das in der hohen Offenbarung gelesen wird Cap. 20. v. 10. und der Teuffel der sie [166] verführet, ward geworffen in den feurigen Pful und Schwefel, da das Thier und der falsche Prophet ware, und werden gequälet werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Dieses ist ja verhoffentlich deutlich genug geredet von der ewigen Verdamniß der Teuffel; daß wir derenthalben die Gedancken nicht machen dörffen, als wenn der Teuffel samt seinen Engeln, oder die [206] Geister, was sie auch zu ihrem Behuf vorwenden, und die Menschen desto sicherer zu machen, vorgeben mögen, wie ingleichen alle unbusfertige sichere Sünder noch solten dermaleins, wegen der unbegreifflichen Barmhertzigkeit GOttes selig werden.

Und köndte diese Lehre noch weitläufftiger sowol aus der alten Vätter, Augustini, Ambrosii, Tertulliani, als auch heutiger reinen Lehrer, Schrifften ausgeführet werden, wo es die beliebte Kürtze zugeben oder leiden wolte: bleiben indessen bey dem unfehlbaren Wort Christi, der an dem Jüngsten Tag obbemeldtes Urtheil selbst aussprechen wird; wie denn S. Johannes in seiner 1. Epistel im 3. v. 8 gleichfalls saget, Christus seye darum in diese Welt kommen, daß er wolle deß Teuffels Wercke zerstören, daraus ja folgen muß, daß nichts Gutes an dem Teuffel und seinen Wercken seye. Und wenn von Christo gesaget wird, Er seye in diese Welt kommen zu suchen das verloren war, wiederum den Schaden zu ergäntzen, welcher durch den Fall unserer ersten Eltern dem menschlichen Geschlechte durch die Verführung deß Teuffels ist zugefüget worden. Wo nun eine ewige Feindschafft ist, mag man sich ja nichts Gutes darbey zu einem oder dem andern Theil versehen, und so weiter.

[207]
Das 24. Capitel
Das vierundzwantzigste Capitel.
D. Fausti neundte Frag an seinen Geist:
von der Hölle.

OBwoln D. Faustus immerhin gute Tage hatte, kame ihme doch einsten, aus Regemachung seines Gewissens, zum öfftern dieser Gedanck zu Sinne, wie es mit ihm dermaleins in der Hölle hergehen werde. Fragte demnach seinen Mephostophilem, ob solches alles war wäre, was man [167] von der Hölle predigte und sagte, ob nemlich eine Hölle wäre oder nicht?

Der Geist antwortete hierauf; so bald mein Herr zu Fall kommen, da ware die Hölle schon geschaffen: daß aber die Teuffel und Verdamte schon darinnen seyen, dieses ist nicht; aber wol die verstossene Engel die empfinden schon Qual und Angst von der Marter und Pein, so zu seiner Zeit folgen wird. Daher Lucifer und sein Anhang mit Ketten der Finsterniß gebunden seynd, das ist, sie haben ihr Urtheil, als wenn die Hölle bereit schon wäre.

D. Faustus sprach, ey Freund, die Hölle ist aber schon lang bereitet, und es wird doch eine andere Bewandtniß mit derselbigen haben? er antwortet, wiewol voller Ungedult, ja es möchte wol seyn; denn sie liget zu äusserst unter der Erden, aber der Nebel und Finsterniß verdecken sie, ist zugleich umgeben mit Feuer, Schwefel und Pech, auch anderm Gestanck: darum wissen wir noch nicht, welcher Gestalt und Weise die Hölle geschaffen seye, noch auch wie sie von GOttes Zorn erbauet und angebrandt seye, sie hat aber weder Ende noch Grund.

D. Faustus sahe wol daß seinem Geist das fernere Forschen von der Beschaffenheit der Höllen mißfiele, liesse derhalben von solchem ab, und begab sich zu Bette, gedachte darbey, es ist doch noch lang dahin.

Anmerckung.

I. Auf diese Frage, ob eine Hölle seyn möge oder nicht, ist zu wissen, daß viel Ketzer entstanden seynd, so keine Auferstehung am [208] Jüngsten Tag geglaubet haben. So aber dem also seyn solte, müste folgen, daß auch keine Hölle noch [168] ewige Verdamniß wäre. Wie denn zur Zeit deß HErrn Christi die Sadduceer waren, die kein ewiges Leben glaubten, noch ein Hölle, noch Engel.

Almaricus der Ketzer gabe vor, es wäre keine Auferstehung, kein ewiges Leben, noch ein Paradeyß, viel weniger eine Hölle. Dieses Schlags war auch Carpocrates und andere.

Ebenmässig haben etliche gemeinet, daß als Lucifer aus dem Himmel verstossen worden, solches inner einer halben Stunde beschehen seye, zu der Zeit aber habe GOtt auch die Hölle geschaffen.

Daß aber eine Hölle seye, ist erstlich aus den Articuln unsers Christlichen Glaubens zu schliessen, da wir be kennen, Er ist niedergefahren zur Höllen: welches denn in Warheit nicht figürlich noch bedeutlich, sondern klar, sine Tropo, und nach dem Buchstaben verstanden werden muß.

Wohin auch gehöret der Spruch S. Pauli, in der Epistel an die Ephes. im 4. v. 8. Er ist aufgefahren in die Höhe, und hat das Gefängniß gefangen geführet, und hat den Menschen Gaben gegeben; daß er aber aufgefahren ist, was ists, denn daß er hinunter gefahren ist in die untersten Oerter der Erden?

So bringet auch dieses klärlich mit sich die Historia vom reichen Mann und armen Lazaro, Lucæ im 16. nemlich daß der Reiche in die Hölle begraben worden. Und wird die Distantz der Höllen weit weit vom Schos Abrahæ abgesondert: als, da der Reiche bittet, es möchte doch Lazarus zu seinen fünff Brüdern abgefertiget werden, damit sie nicht auch möchten kommen an diesen Ort der Qual. Item, Chore, Dathan und Abyran, samt ihrer Rotte, als die Erde unter ihnen zerrisse, und thäte ihren Mund auf, und verschlange sie mit ihren Häusern, da fuhren sie lebendig hinunter in die Hölle. In diesen Worten nun wird zwischen der irdischen Klufft und der Höllen ein grosser Unterscheid gemachet.

Herr Lutherus, in dem Sommer-Theil seiner Postill, da er von der Auferstehung Christi am heiligen Ostertag handelt, und den Christlichen Glauben vor sich nimt, da wir sprechen, Er ist niedergefahren zur Höllen, etc. Lehret hiervon also: viel seynd gewesen, es seynd auch ihrer noch viel, die diesen Articul mit der Vernunfft, und mit den fünff Sinnen haben begreiffen wollen, sonderlich dieses, wie es doch zugangen seye, [169] daß Christus ehe er aufgestanden und gen Himmel gefahren, und annoch im Grabe gelegen, hinunter gefahren seye zur Höllen?

Uberdas beschreibet fein den Ort die heilige Schrifft hin und wieder; [209] als einen finstern tieffen Kercker, Luc. 12. v. 58. als eine Grube darinnen kein Wasser ist, Zach. 9. v. 11. als eine tieffe Höle und Klufft, welche gros und weit ist, und ihren Rachen weit aufsperret, Esaj. 30. v. 33. als einen feurigen Pful der mit Schwefel brennet, Apocal. 20. v. 10. als einen brennenden Ofen, da alle Verächter und Gottlose Stroh seyn sollen, Malach. 4. v. 1. als eine Wohnung der Ottern, Schlangen, Scorpionen und anderer gifftigen Thiere, Hiob. 20. v. 16.

Der heilige Chrysostomus saget hievon unter andern also: wenn einer fraget, wo woltest du sagen, wo und an welchen Ort die Hölle wäre? was gehet dich das an? weil man nur fraget: ob eine Hölle seye, so soll man wo sie seye nicht erforschen wollen: und obwol etliche es darfür gewiß achten, daß sie im Thal Josaphat sey, welches man saget, daß vor Zeiten bey den Alten ein Krieg im Feuer deß Thals Josaphat sey geführet worden, welches doch in der heiligen Schrifft nicht gefunden wird. Wenn du aber vom ort fragest, will ich dir antworten und sagen, daß sie ausser dem gantzen Erdboden etwan an einen Ort gesetzet sey. Nun ist nicht viel daran gelegen, daß man eben wisse, wo sie sey, man soll vielmehr darauf dencken und dahin trachten, wie sich ein jeder darfür hüten, und ihr entfliehen möge.

Wormit wir es auch kürtzlich beschliessen wollen, daß nemlich eine Hölle sey, nach dem Zeugniß der heiligen Schrifft; wer es nicht glauben will, der wird es zu seiner Zeit schon erfahren, wie es etwan nebens andern wird erfahren haben Thomas de Balvere, gewesener Königlicher Schottischer Raht, welcher seinen König einig und allein dahin verleitet und gebracht hat, die Evangelischen Prediger daselbst aus dem Königreich zu vertreiben und aufs äusserste zu verfolgen, lebete darneben auch in allen Sünden und Lastern, dieser als er sterben wollen, hat er von nichts anders geredet, denn er seye verloren und verdamt. Und da die Mönche vor sein Bett kommen, und ihme Trost zu sprechen wollen, hat er geantwortet: schweiget nur stille, ich habe deß Narrenwercks wol mehr gehöret, habe aber nimmermehr geglaubet, daß eine Hölle, ein Teuffel oder Himmel seye, ihr könnet mir doch nimmer helf[170]fen, denn ich bin verdamt, und fühle wol daß mich der Teuffel schon allbereit angefasset, daß er mich in den Abgrund der Höllen mit sich führe: ist auch also ohne Reu dahin gefahren.

Als nach seines Herrn, deß D. Fausti Tod, sein gewesener Famulus, Christoff Wagner, seinen Geist Aurhan einsten kurtz nach seiner Verschreibung erfordert, daß er Bericht thun solte von den Teuffeln und der Hölle, wie viel ihrer darinnen, und wo die Hölle wäre, auch wie gros, und was Gelegenheit es darinnen hätte? wegerte sich dessen der Geist, und sagte, er solte erstlich nicht von so hohen Dingen anheben, [210] sondern von etwas geringers fragen. Diß dürffte er eben hie nicht wissen, wäre doch so lange Zeit nicht dahin, so würde er selber hinein kommen, und es erfahren.

Nota:

Ob zwar wol mehrere dergleichen Fragen D. Fausti an seinen Geist in dem Originali obhanden, als vom Lauff, Zierde und Ursprung deß Himmels, item vom Winter und Sommer, u.s.w. So ist doch nimmermehr zu glauben, daß der Geist so ungereimt von der Sachen solte geredet haben, allermassen gleichwol alldorten zu ersehen, zumaln er ja der beste Astrologus und Physicus ist, unter dem Himmel seine Wohnung hat, wie bekandt ist, u.s.f. Ubergehen demnach wolbedächtlich solche, und gelangen anjetzo zu der Fortsetzung der Histori, welche wir mit folgendem Capitel anheben wollen.

[211]
Das 25. Capitel
Das funffundzwantzigste Capitel.
Von D. Fausti Hund Præstigiar genannt.

ES meldet der wolgeborne Grav Heinrich, Grav und Herr zu Isenburg, daß er gar gute Kundtschafft mit D. Fausto gepflogen habe, wegen viel und mancherley Kurtzweiligkeiten, die zu der Zeit, als er zu Wittenberg Studirens wegen sich aufgehalten, von ihm gesehen.

Unter andern hat er dieses, immassen das Original anzeiget, berichtet; als er der Grav einsten mit andern guten Freunden zu obbemeldem D. Fausto [171] in seine Behausung kommen, habe er die gantze Gesellschafft gantz freundlich empfangen, ihnen allen guten Willen erzeiget, stattlich bewürtet, und an Speisen und Getranck keinen Mangel spüren lassen, er aber habe nicht sehen noch warnemen können, wo doch dieses alles herkäme, zumaln er darauf sonderliche Achtung gegeben: zugleich sahe er daselbst an der Seiten D. Fausti ligen einen grossen zotteten Hund, zu welchem denn D. Faustus nur ein Wort redete, das aber der Grav nicht verstunde, alsobald gienge der Hund hinaus vor die Stubenthür, thät ihm alsdenn die Thür selbst auf, und wartete daselbst, bis man ihm ruffte.

D. Faustus lächelte hierüber und fragte den Graven, wie ihme der Hund gefiele, darauf er geantwortet, er möchte ihn wol noch einmal sehen; zur Stund rufft Faustus dem Hund, der kame bald, und sprang auf die Banck; seine Augen aber waren gantz feuerrot und fast greulich anzusehen, und ob er wol schwartz zotticht war, jedoch wenn er ihm mit seiner Hand über dem Rucken herfuhre, so veränderte sich gleichsam selbige Farb, worüber er der Grav sich in etwas entsetzte, und bey sich bedachte, es gienge darmit nicht natürlich her; schwiege doch stille: sahe auch zugleich hernach von selbigem Hund mancherley possierliche Sprünge und andere Gauckeley, allermassen auch ebenmässiges D. Faustus mehrmals hernacher und in Gegenwart anderer, mit dem Hund getrieben.

Anmerckung.

[212] I. Bey diesem Hund deß D. Fausti (darvon auch Manlius in Collect. berichtet) erinnern wir uns zugleich dessen, was D. Casp. Hedion, Chron. part. 2. gedencket von einem Ita[172]liäner, Namens Andreas, der lieffe hin und wieder durch die Gräber, hatte bey sich einen roten und doch blinden Hund, derselbige von ihm angesprochen, verrichtete grosse Wunder. Denn so er auf dem Marckt stunde, und viel Volcks um ihn her ware, wurden guldene, silberne und eiserne Ringe hinderwarts dem Hunde herzu getragen, und auf die Erden niedergeleget, welche bemeldter Andreas verdeckte, und aus seinem Geheisse nam der Hund einen Ring nach dem andern, und gabe einem jeden den Seinigen. Dergleichen handelte er auch mit mancherley Müntzen und groben Geld-Sorten, die er durcheinander gemischet, und mit Namen nachmals absonderte: auch so das Volck um ihn herstunde, und er gefraget wurde, zeigte er an, welche Huren, Ehebrecher, Geitzige, u.s.f. wären; ingleichen was er von jedem insonderheit gefraget wurde, darauf deutete er mit Warheit, derohalben denn etliche nicht unbillig sagten, daß solches alles nicht richtig, sondern durch Hülff deß bösen Geistes zugienge.

Von Henr. Cornelio Agrippa, dem beruffenen Schwartzkünstler, melden die Historien, daß er auch einen Geist in Gestalt eines Hundes, den er Monsieur genennet, mit sich geführet habe mit einem Halsband, auf welchem wunderseltzame Characteres und Buchstaben geschrieben gewesen, von welchem er alles hat erfahren können, was er begehret zu wissen. Als nun dieser Agrippa zu Lyon in Frankreich in einer geringen Herberge sehr kranck darnieder lage und dem Tod gar nahe ware, hat er den Hund mit solchen Worten los gemachet und fahren lassen: fahre hin du verfluchtes Thier, der du mich gar verdamlich und ewig verloren gemacht hast. Alsobald hat sich solcher Hund (oder Geist) in den nächsten Fluß Ararim gestürtzet, und ist nicht wiederum gesehen worden: bald hernach ist auch Agrippa halbverzweifflend verstorben.

Von dem Freyherrn Johann von Bar, dem Frantzosen, thut man ebenmässige Meldung, daß er auch einen grossen Hund oder Rüden bey ihme gehabt, und wenn er zum Jagen oder Hetzen ausgeritten, habe er gedachten Hund an einen Baum gebunden, mit einem fast langen Haarstrick; und ob er wol nicht zugegen gewesen, sondern immer fortgeritten mit den andern Hunden, ist er doch versichert gewesen, daß alles sowol grosses als kleines Wildpret, das dem Hund zu Gesichte kommen, allda hab still stehen müssen, bis es der Hund erleget und gefellet. Als einsten dieser Bar dem Hund sehr gedräuet, [173] und darbey hoch betheuret, ist er in die Lufft gefahren und verschwunden.

[213] Deßgleichen soll ein Ertzzäuberer, ein zwar frommer Priester Namens Laurentius, so zu Rom sich aufgehalten, einen solchen Hund gehabt haben, der ihme überal nachgefolget ist, vor seinem Tisch aufgewartet, und welches das meinste ist, mit ihme geredet hat.

[214]
Das 26. Capitel
Das sechsundzwantzigste Capitel.
Von D. Fausti lustbarer Behausung.

VOn der sonderbaren Zierlichkeit, auch wegen allerhand daselbst befindliche Ergötzlichkeit der Behausung D. Fausti, schriebe einsten zur selben Zeit M. Calp. Moir an zween seiner guten Freunde in Erffurt, (das Original weiset, daß es zween Kauffleute daselbst gewesen) mit kurtzen und zwar solchen Worten: Liebe Herren und gute Freunde, ihr habt in euren neulichsten Schreiben an mich erwehnet, wie daß ihr viel, wiewol in Geheime, von D. Fausto gehöret, und möchtet gerne in Kundtschafft mit ihm gerahten; will euch hierauf nicht verhalten, und berichten, daß er gar ein guthertziger Mann ist: und wenn es eure Gelegenheit wäre, daß ihr euch bey dieser Winter-Zeit, alldieweil der Schnee noch wäret, aufmachtet, und zu mir verfügtet, köndtet ihr es werckstellig machen, da ich denn euch gute Anleitung und Anführung zu ihme würde geben können; allwo ihr denn in seiner Behausung, obschon diese nicht allerdings groß, wie auch der Garte daran deßgleichen, je dennoch gewißlich einen sonderlichen Lust und seltene Ergötzlichkeit darinn haben und geniessen würdet, wie nebens mir etliche andere vertraute Freunde und Studiosi bekennen werden, als nemlich: in seinen [174] zweyen Stuben werdet ihr vernemen eine Zusammenstimmung eines lieblichen Vogelgesangs, allerhand lieblich singender Vögel; die Wachtel, die Amsel höret man frölich schlagen, die Nachtigall unvergleichlich singen, den Papagey, an einem andern Ort hangend, zierlich reden, ja auf alle Fragen Antwort ertheilen: die Zimmer seynd mit allerhand schönen Tappeten behänget, mit schönen Gemählden bezieret, und gehet gleichfalls an aller Lustbarkeit dem Garten nichts ab; da daselbst siehet man mit Lust in dem Vorhof gehen Cappaunen, Enten, Indianische Hanen und Hennen, Rephüner und Haselhüner, (wider die Gewonheit) Kränche, Raiger, Schwanen, Störche, u.s.f. ohne Scheue. Oben am Hause hat er ein Taubenhaus, darinnen fliegen ein und aus Tauben von vielerley raren Farben, auch welches zu verwundern, wilde, und Holtztauben.

[215] Diese und noch mehr andere Lustbarkeiten mag man allda sehen: jedoch lässet er nicht einen jeden hinein in solch seine Behausung, sondern nur die ihme angenem, auch alles was sie sehen, warnemen und hören, bey sich und in der Stille behalten, damit man keinen Verdacht der Zauberey und Schwartzkünstlerey, in welchem er gleichwol bey etlichen der Stadt stecket, von ihme schöpffen möchte, denen vergönnet ers mit Lustbarkeit zu sehen: die andern aber die ihme hierinn suspect und argwöhnisch fallen, ob sie schon gleich andern gedachtes beschauen wollen, mögen sie doch solches keines wegs warnemen.

[175] Anmerckung.

I. Hieraus nun erhellet klärlich die mächtige Verblendung deß Tausendkünstlers, deß leidigen Teuffels, der die Leute also zu verblenden und zu verzaubern weiß an den Augen und Sinnen, daß sie entweder das was etwas ist, nicht sehen, oder das was nichts ist, für etwas ansehen, oder ein Ding in einer andern Gestalt sehen, als es in Warheit damit beschaffen ist, gleichwie allhier mit den Vögeln, Papageyen und andern vermeinten Lustbarkeiten beschehen.

Solche leibliche Verblendung und Verzauberung aber betrifft entweder die äusserlichen Sinne, als die Ohren, Augen und Hände, da der Mensch also bezaubert wird, daß er meinet, er sehe dieses oder jenes, da er doch nichts siehet, und ihme wol etwas anders für seinen Augen stehet. Er vermeinet etwan er höre oder greiffe dieses oder jenes, da er doch nichts höret oder greiffet, auch wol ein anders, als er ihme einbildet; wie man von den Gespensten und Poltergeistern weiss, daß sie bisweilen bey der Nacht die äusserlichen Sinnen also bezaubern, daß sie ein Getümmel machen, als wenn sie allen Hausrath, Schüssel, Teller und Häfen untereinander würffen und zerbrächeten, da doch deß Morgens alles in seiner Ordnung unzerbrochen erfunden wird. Oder sie betrifft die innerliche Sinne des Menschen; da der böse Geist durch die Phantasie den Verstand und Vernunfft also betrieget, daß er ihme daher allerley seltzame und unglaubliche Dinge so stark und tieff imprimiret und einbildet, daß er gäntzlich darfür hält es seye warhafftig also, u.s.w.

Daß er nun solcher Gestalt die äusserliche und innerliche Sinne also verblendet, dieses kan er leichtlich auf folgende Weise thun, nemlich: Erstlich durch Veränderung der Lufft, durch deren Behülffe die Augen ein Ding seiner Gestalt nach sehen und begreiffen, ihnen benebens[216] allerhand Bilder und Bildungen darinnen machen, die ihnen der Satan in der Lufft vorstellet, welches etwan auch sonsten pfleget zugeschehen bey Nachtszeit in dicker Finstere und bey neblichter Luft, wenn die Augen ohne das etwas trübe, blöd und dunckel seynd: und dieweil der Teuffel dieses weiß, daß es auch natürlicher Weise geschehen kan, als gebrauchet er sich auch der Lufft darzu, die Augen der Menschen zu verblenden und zu bezaubern.

[176] Fürs ander thut ers, daß er die natürliche Werckzeuge der leiblichen Sinne, wordurch sie ordentlich ihre Würckung haben, hindert und gleichsam zuruck ziehet, auch auf Zulassung GOttes wol gar verderbet. Die Augen seynd nun die Werckzeuge, dardurch das Gesicht seine Würckung hat und zwar, wie die Gelehrten wollen, nicht emittendo, oder also, daß sie ihre Strahlen solten von sich heraus schiessen lassen, sondern recipiendo, und also, daß sie die Gestalt der äusserlichen Dinge die vor ihnen seynd, zu sich nemen, massen denn wenn ein Mensch für dem andern stehet, und einer den andern ansihet, deß einen Bildniß in deß andern Augen stehet.

Nun kan es aber leicht geschehen, daß die Augen durch überflüssige Feuchtigkeit mögen verderbet und dunckel werden, welches auch der böse Geist gar wol weiß, und auch wol durch äusserliche Mittel zuwegen bringen kan, daß dannenher die Augen also verblendet meinen, sie sehen dieses oder jenes schwebe vor ihnen herum, u.s.f.

Zum dritten thut ers durch Schwächung und Hinderung der natürlichen Kräfften und Würckungen der vernünfftigen Seelen, deß Verstands, der Gedächtniß, u.s.f. Leiden denn solche Geschäffte der Seelen Noth, und werden mangelhafft, so urtheilet der Mensch übel und unrecht von einem Ding, und gehet eben zu wie bey den Melancholicis, die ihnen wundersame Sachen einbilden, ja zugegen seyn vermeinen, da sie doch wol nimmermehr, oder doch weit darvon entfernet seynd.

Vierdtens thut ers durch Veränderung der Dinge, welche er dem Menschen vorstellet. Wie er nun selbsten die Menschen zu verführen allerley Gestalten kan an sich nemen; also kan er auch anderer Dinge Gestalt dem äusserlichen Ansehen nach ändern, und dem Menschen also vorstellen, daß er sie mit seinen Augen weit anderst ansihet, mit den Ohren anderst höret, und mit den Händen anderst fühlet, als sie sonsten ihrer eigentlichen unverruckten Natur und Gestalt nach beschaffen seynd.

Ja letzlich thut ers auch, daß er einem etwas aus den Augen rucket, und an Statt dessen etwas anderst hinein schaffet, und vorstellet, welches er nach seiner natürlichen Behendigkeit, als ein Tausendkünstler, leicht und behende thun kan, das wir aber wegen der Langsamkeit[217] unserer Sinnen nicht mercken und so bald in Acht nemen, dahero vermeinen, es seye eines war[177]hafftig in das andere verwandelt worden; immassen er solches gethan bey den Egyptischen Zauberern, von welchen gelesen wird Exod. 7. v. 12. daß, als sie dem Moysi und Aaron die Schlangen nachmachen wollen, und ihre Stäbe auch auf die Erden geworffen, daß Schlangen daraus worden, da seye es darmit also zugangen, daß der Satanas ihre Stäbe schnell hinweg geruckt, und warhaffte Schlangen an derselben Statt hingeleget.

Von solchen und dergleichen Verblendungen lesen wir auch im ersten Buch Samuelis im acht und zwantzigsten Capitel von der Zauberin zu Endor. Diese brachte dem König Saul eine Person herfür, die die Gestalt deß Propheten Samuelis hatte, aber es war nicht der warhafftige Samuel, sondern ein Teuffels-Gespenst, welcher dardurch dem Saul die Augen also verblendete, daß er meinete, er wäre der rechte Samuel, und die Ohren also betäubete, daß er darfür hielte, er hörete den rechten Samuel; daher er sich auch für ihme mit seinem Antlitz zur Erden neigete, und anbetete.

Da Anno 1260. Käiser Wilhelmus von seiner Crönung von Aach nach Cölln kame, und daselbst vielen Fürsten und anwesenden Herren ein stattliches Panquet zurichtete; ließ Albertus Magnus auch darbey ein Stuck seiner Zauberkunst sehen, denn er machte und verschaffete, daß der Saal, darinnen das Panquet gehalten wurde, mitten im Winter, und also um die Weihenachten, mit Blumen, annemlichen Kräutern, Laub und Gras grünete: der Guckguck, die Lerch und Nachtigall darunter sich hören liessen, nicht anderst als wenn es im Frühling gewesen wäre. Welches denn dem Käiser so wol gefallen, daß er ihn und seinen Closterbrüdern ein stattliches Landgut verehrete.

Bey dem H. Augustino wird von deß Diomedis Gesellen gelesen, welche denn nicht warhafftig in Vögel verwandelt worden, sondern der Teuffel hat sie in einem Nu und Augenblick hinweg genommen, und die Vögel anders woher an ihre Statt gebracht: also und dergestalt mag man auch sagen von D. Fausto, daß, wenn er aus angeborner Hoffart seinen vermeinten Pracht hat wollen sehen lassen, daß es ihme wol müglich gewesen seye, allerley dergleichen Vögel und Thiere beyzubringen; oder es seynd eitel Teuffel gewesen.

[218]
Das 27. Capitel
[178] Das siebenundzwantzigste Capitel.
Von D. Fausti gezauberten Lustgarten.

ES fähret aber obbesagter M. Moir im gedachten seinem Schreiben an seine gute Freunde in Erffurt also fort: ohn angesehen, daß bey uns jetzund ein zimlicher grosser Schnee gelegen ist, so ists doch beweislich, daß deß D. Fausti Garte nichts darum weiß; ja das noch mehr zu verwundern ist, immassen ich selbst bin darbey gewesen, so seynd neulich um die Christfeyertäge etliches Frauenzimmer, ihre Brüder und Befreunde, die allhier zu Wittenberg Studirens halben sich annoch aufhalten, zu besuchen kommen: diese Studenten haben nun eine geraume Zeit mit D. Fausto gute Kundtschafft gehabt, nicht allein daß sie ihn gerne um und neben sich leiden mochten, sondern und zwar vornemlich daß sie jederzeit etwas neues und verwunderliches bey ihme sahen, und vernamen; diese Edelleute nun, sage ich, berieffen auch damals D. Faustum zu sich zu Gast, tractirten ihn wol, hatten allerhand Kurtzweil, und wärete solches Wolleben bis in die spate Nacht hinein.

Bey genommenen Abschied bedanckte sich D. Faustus wegen erwiesener Ehre zum höchsten gegen die Junckern, und lude sie, wie auch das Frauenzimmer, folgendes Tages in seine Behausung auf einen sauren Trunck Weins: welches sie ihme denn auf der Hand zusageten, und froh waren, daß sie also eine Gelegenheit haben würden, ihren Schwestern und Baasen mit einer Kurtzweil aufzuwarten; jedoch wolten sie noch nichts davon sagen, was hinter dem D. Fausto steckte, und weßwegen er in der Stadt zimlich beschreyet wäre.

[179] Als sie nun sämtlich deß andern Tages nach eingenommenen Mittagmal zu D. Fausti Behausung kamen, kehreten sie allda ein, und wurden von ihm mit aller Höfflichkeit empfangen; da sahen sie denn mit Verwunderung oben in den Zimmern an die jenige Lust und Ergötzlichkeit, deren ich bevorher gedacht habe, welches alles doch ja nichts ist zu vergleichen gewesen mit seinem ausbündigen herrlichen obschon nicht sonders grossen Lustgarten: denn allda, wiewol zur Zeit [219] sonst alles in der Stadt mit Schnee bedecket ware, sahe man doch keinen, sondern einen lustbaren frölichen Sommer, mit Gewächsen, Laub und Gras, ja allerley vermengten Blümlein. Uber das waren auch allda zu sehen schöne Weinstöcke mit mancherley Arten Trauben behänget, welche bereits reiff waren: über die bunten Tulpen, gefüllte Josephstäbe und Narcissen, ingleichen über die vielfärbigen Blumen und mancherley Rosen ist sich nicht genugsam zu verwundern gewesen, bevorab über die an der Mauer deß Gartens zierlich aufgeführte Granaten, Pomerantzen, Limonien Citronen-Bäume; denn von andern gemeinen, als Kirschen, Aepffel und Birnbäumen, will ich anjetzo nichts melden, ausser diesem, daß D. Faustus, als er gesehen und wargenommen, daß sich seine Gäste, sonderlich das Frauenzimmer, über solchem allen vergaffeten, und gleichsam für Verwunderung nur eines das andern ansahe, solche Verwunderung zu vermehren und zu vergrössern, durch seine Kunst verschaffete, daß zur Stund die Bäume andere, als ihre Natur mit sich brachte, Früchte herfür gaben, nemlich, etliche Birnbäume trugen Datteln, junge Kirschenbäume hatten Feigen an andern [180] hiengen zeitige Castanien; und wer wolte die Stauden-Gewächse und andere alle erzehlen? daß freylich, wie gesagt, sonderlich das Frauenzimmer, deme von diesem allen vorhero nichts ist wissend gewesen, darüber erstaunet, und nicht ergründen können, wie und woher doch dieses alles kommen möge; jedoch auf Zusprechen D. Fausti haben sie sich endlich erkühnet, und etliche der schönsten Blümlein abgebrochen, welche sie auch ihren Eltern und andern, bey ihrer Anheimkunfft mitgebracht.

Letzlich schliesset M. Moir dieses sein Schreiben mit diesen Worten: lasset euch, ihr meine gute Freunde, die Mühe der Reisse nicht thauren, denn ich versichere euch, und will gut darfür seyn, daß ihr an ihm einen guthertzigen und frölichen Mann, ja bey ihm alle Ergötzlichkeit finden und haben werdet; jedoch mit diesem ausdrücklichem Vorbehalt, daß es nicht offenbar, sondern in höchster Geheime und Stille gehalten werde: denn er ist ohne das wegen der Schwartzkünstlerey in der Stadt beschreyet: hat derohalben solche Personen, die ihm suspect und argwöhnisch fallen, nicht gern um sich: [220] um meinet willen wird er euch gewißlich nichts abschlagen. Datum etc.

Anmerckung.

I. Allhier sihet man fast augenscheinlich, was den D. Faustum darzu beweget und gebracht hat, daß er sich dem Teuffel ergeben; nemlich, seine vermessene Hoffart, und wie er von männiglich nur für hoch angesehen und gehalten werden möchte, wie denn der Teuffel ihme zugefallen glaublich alle seine Ceremonien wird angewendet und gebrauchet haben, vielleicht auch andere hiemit zu hintergehen, und sich hierein verliebet zu machen; oder aufs wenigste zu äffen.

[181] Sonsten aber weissen die Historien, daß auch andere Schwartzkünstler dergleichen Lustgärten gehabt haben: immassen man lieset von dem Assyrier Zarmocenide, welcher mit seiner Nigromantia, so er zu Athen von deß Zoroastris Discipeln erlernet, zu Königlicher Würde war kommen, daß er nemlich mit seiner Kunst ein solch-schönen Garten zugerichtet, daß derselbige für ein Wunder der Welt hätte gehalten sollen werden, und seye auch dieser Lustgarte beständig geblieben, so lang er gelebet.

Dieser Lustgarte, schreibet man, habe ob der Stadt Zarmo, darinn Zarmocenides stetigs gewohnet, gleichsam in den Lüfften geschwebet; von der Stadtmauer über ist in der Höhe, in Gestalt eines Regenbogens, eine höltzerne Brücke gangen zu dem Garten, darinnen von allerley Bäumen, Blumen und Gewächsen, eine Lustbarkeit zu sehen gewesen: und weiln ihme solche Kunst wol zugeschlagen und gedeyen, hat er allenthalben Schulen mit grossen Unkosten aufrichten lassen, worinnen man mit Fleisse die Nigromantiam hat lesen und profitiren müssen, welche er auch mit stattlichen Einkommen versehen.

Deßgleichen schreibet man auch von dem Virgilio Marone, daß er auch in der Magia so hoch erfahren gewesen, daß er mit einem unbeweglichen Lufft einen Zaun um seinen Garten gemachet hat wie einen Nebel, und eine lüfftene Brücke; über diese seye er allenthalben frey nach seinem Gefallen gangen: er machte und verschaffte auch, daß es in den Garten nicht regnet, denn nur wenn er wolte.

Ebenmässig wird auch diß von ihm gesaget, daß er auf eine Zeit von seiner Bulschafft seye geäffet worden, indeme sie ihm befohlen, daß er sich in einen Korb setzen solle, alsdenn wolle sie ihn zu ihr hinauf ziehen: als sie ihn aber etliche Gaden hoch hinauf gezogen, hat sie ihn allda männiglich zu spott in dem Korb hangen lassen; da habe er durch seine Kunst zu wegen gebracht, nachdeme er wiederum herab kommen, daß als die Dame deß folgenden Tags auf den Marckt zu der [221] Zeit da am allermeinsten das Volck zugegen gewesen, gehen wollen, ihr nicht anderst vorgekommen, und sie beduncket, als hätte sich die Tyber ergossen, und müste sie also durch das herzu gelauffene Gewässer waten, hebete und schürtzte sich auf für allem Volck bis fast an den Nabel: worüber denn ein sehr grosses Gelächter unter dem Volck entstanden, bis ihr endlich die Augen geöffnet worden, und erkante, woher dieses alles gerühret.

[182] Von dem löblichen Papst und Schwartzkünstler Benedicto (welcher zuvor Theophylactus, hernachmals aber von wegen seiner bösen Thaten und beruffener Zauberey Maledictus genennet worden) schreiben Platina und Johannes Balæus, daß er habe gleicher Gestalt einen solch schönen Lustgarten gehabt, und mit seiner Kunst zu wegen gebracht, der eben so wenig im Winter als im Sommer verwelcket seye; item im Winter seye eben dieses zu sehen gewesen, das in dem Sommer ware: so seyen auch allerley Vögel dahin kommen, die man nur erwünschen und erdencken mögen, u.s.f.

[222]
Das 28. Capitel
Das achtundzwantzigste Capitel.
D. Faustus ist ein berühmter Astrologus und Mathematicus zur selben Zeit gewesen.

Oben ist gedacht worden, daß D. Faustus, ehe er sich gar dem bösen Geist ergeben, von dem Studio Theologico gäntzlich abgelassen, hergegen sich auf die Astrologiam, und zum Vorwandt auf die Medicinam mit gantzen Fleiß geleget: als er aber hernachmals den verdamlichen Bund mit dem Teuffel gemachet, ist er durch Beyhülff seines Geistes in der Astrologia dermassen erfahren gewesen, daß auch andere Astrologi zur selbigen Zeit vermeinet, und ihme zugeschrieben, daß er mit Fug der andere Zoroaster köndte genenet werden: denn seine Prognostica oder grosse Practica, welche er denn unterschiedlichen grossen Herren dedicirte, stimmeten alle überein, alldieweil er sich in solchen nach seines Geistes Weissagungen und Vorankündigungen zukünfftiger Dinge und begebender Fälle, welche sich auch also erzeigeten, richtete.

Seine Allmanach und Calender richtet er dahin, daß er alle Jahr ein anderes Werck für sich name, und durffte sich einer kecklich darauf verlassen, sonderlich was die Witterung belangte.

[183] Er verzeichnete benebens auch in solchen so gar Zeit und Stund, wenn dieses oder jenes künfftiges geschehen solte; warnet eine jede Herrschafft besonders, als so etwan eine Theurung, Krieg, Aufruhr, oder Seuche und Kranckheiten kommen solten, u.s.f. (wie denn der Teuffel aus langer Erfahrung der Natur, und aus dem sündlichen Leben der Menschen, viel zukünfftige Zorn-Straffen GOttes zuvor sehen kan:) dannenher er in der Stadt und in den umliegenden Orten in einem grossen Ansehen dieser seiner Calender wegen ware, so, daß er noch hin und wider gute Gönner fande, die ihme von wegen deß manchmaligen Crystallsehens, öfftern Warsagen, und anderer Gauckeley und heimlicher Zauberey, das Wort redeten.

Wie denn unter vielen nach seinem Tod gefundenen Briefen, einer ist gelesen worden, da ihme ein vornemer Prælat in [223] Italien, Azzolini vom Geschlecht, wohnende zur selben Zeit zu Pavia, zu geschrieben, darinnen er D. Faustum ersuchet, ihm seine wahre Nativität zu stellen. Deme denn D. Faustus gewillfahret, und in versichert, daß er bald werde in einen höhern Stand kommen: welches auch kurtz hierauf erfolget, denn er zum Cardinalat kommen, zu S. Maria in Porticu; daher er sich gegen dem D. Fausto gantz danckbarlich erzeiget, wie denn das andere Schreiben mit sich bringet, mit welchen er ihm zugleich zwey hundert Cronen überschicket.

Deßgleichen ward noch ein Schreiben gefunden von einer Fürstin, die sich hat in anderwertige Eheverlöbtniß einlassen wollen. Und deren noch mehr.

[184] Anmerckung.

I. Hiebey wird nun Anlaß und Gelegenheit genommen, etwas zu melden, was von der Astrologia judic. und Sternguckerey, ingleichen von der Calender-Schreiberey, und dem Nativitätstellen zu halten seye.

Die Astrologiam zwar betreffend, so wird dieselbe für eine solche Kunst ausgegeben, nach welcher man aus dem Gestirn deß Himmels und dessen Positu und Zusammenfügung künfftige Dinge erlernen kan. Darauf denn halten ihrer gar viel, sonderlich die Calender-Schreiber, welche diß und jenes in ihren Practicis prognosticiren, und das Thema erigiren (wie sie reden) darinnen sie geboren worden.

Nun können und wollen wir zwar (sagt Herr Freudius, in Gewiss. Frag. von Zaub. p. 207.) nicht in Abrede seyn, daß der allein weise GOtt den lieben Sternen am Firmament, unter denen der allerkleineste grösser sein soll als die Erdkugel, in der ersten Erschaffung kräfftige Würckungen, die sie unter den sublunarischen Creaturen verrichten solten, eingepflantzet habe; denn er befahle ihnen, Genes. 1. v. 14. sie solten scheiden Tag und Nacht, und geben Zeichen, Zeiten, Tag und Jahr, Lentz, Sommer, Herbst und Winter machen, und der Welt mit ihrem Liecht und Glanz bedienet seyn.

Ingleichen ist auch dieses nicht zu verneinen, daß vermittelst ihrer Würckung das Gewitter geändert, und das Temperament der Menschen ungleich affectioniret und regiret werde: denn die Sonne verursachet mit ihrer frölichen Ankunfft Hitze und Wärme; der Mond befeuchtet den Erdboden und was darauf lebet und schwebet: wenn der Hundsstern mitten im Sommer aufgehet, so muß es heiß werden, u.s.f.

Unsere Leiber und Naturen empfinden es alsbald, wenn etwan eine Finsterniß geschihet, oder ein neuer oder voller Mond eintritt, [224] das Geblüte und alle Humores ändern sich, wie Hippocrates in seinen Aphorismis bezeuget, bevorab wenn die Solstitia und Äquinoctia einfallen; und was dergleichen Experimenten und Würckungen mehr seynd, die wir fast täglich in unserm gemeinen Leben, Theils im Ackerbau, im Säen und Pflantzen, theils in der Medicina empfinden und vermercken. Ja da kann ein Astronomus lange Zeit zuvorausrechnen und verkündigen, zu welcher Zeit, Tag und Stund, die Sonn [185] und Mondfinsternüssen sich begeben werden, welches auch so gewiß geschihet, daß es nicht fehlet.

Demnach wenn ein Astrologus in diesen Terminis verbleibet, und in seinem Prognosticiren und Nativitätstellen darauf Achtung gibt, so kan er gar wol und ohne Verletzung seines Gewissens zukünfftige Witterung mutmaßlich aus den Zeichen deß Himmels verkündigen, auch dem Menschen aus Betrachtung seines Horoscopi, und deß Standes der Sternen, wenn er ihn richtig ergründet, wegen seiner Leibs-Constitution etlicher massen Nachricht geben; derowegen auch diese die solches thun, hier nicht verstanden werden.

Aber diese Temerität und Vermessenheit will sich nicht mit beständigen Grund verantworten lassen, daß man sich unterstehet nicht allein in die Calender ein besonderes Lügen-Feld zu setzen, und darinnen einem jeden Tag durchs gantze Jahr hindurch seine gewisses Wetter beyzumessen, das doch so unzehlich offt betrieget, und zu verwundern ist, daß man nicht klüger werden will: sondern auch, welches weit ärger ist, daß man sich unmüglicher Sachen unterwindet, und aus der vermeinten Nativität-Stellung von solchen zufälligen Dingen, die geschehen und nicht geschehen können, etwas gewisses vorher sagen will, wie es dem Menschen in seinem Leben, Stand und Beruff ergehen werde, was er werde für ein Weib bekommen, was heut oder morgen aus ihm werden solle, ob er fromm oder gottlos, reich oder arm, gesund oder kranck, vornem oder schlecht sein, was er für Glück und Unglück haben werde? welches Todes er sterben werde? und was der Fälle mehr seyn mögen, u.s.f.

Welches alles aber mehr erdichtet ist, als einen gewissen Grund hat, einmal daher, weiln die heilige Schrifft die Wissenschafft aller zukünfftigen Dinge GOtt dem HErrn einig und allein zueignet, und dieselbe allen Menschen rund abschläget. Denn eben mit dieser Proprietät und Eigenschafft hat sich der grosse GOtt selber von allen Menschen gezogen, und von den Götzen der Heiden abgesondert, und beim Propheten Esaia Cap. 41. v. 22. 23. gesprochen: lasset sie herzu tretten und uns verkündigen, was künfftig ist. Verkündiget uns und weissaget etwas zuvor, lasset uns mit unsern Hertzen darauf achten [225] und mercken, wie es hernach gehen soll: oder, last uns doch hören was zukünfftig ist. Verkündiget uns was hernach kommen wird, so wollen wir mercken, daß ihr Götter seyd.

[186] Und im folgenden sieben-und-viertzigsten Capitel v. 12. 13. redet er die stoltze Babel an, die in Wollust lebte, und spricht: So tritt nun auf mit deinen Beschwörern, und mit der Menge deiner Zauberer, unter welchen du dich von deiner Jugend auf bemühet hast, ob du dir möchtest rathen. Laß hertretten und dir helffen die Meister deß Himmelslauff, und die Sterngucker, die nach den Monden rechnen was über dich kommen werde.

Darum gebot er seinem Volck, den Kindern Israel, beim Propheten Jeremia im 10. v. 2. ihr solt nicht der Heiden Weise lernen, und solt euch nicht fürchten für den Zeichen deß Himmels, wie die Heiden sich fürchten.

Und ob man schon herwider excipiren und einwenden möchte, daß hierinnen nur verbotten werde, man soll auf heidnische Weise sich für den Zeichen deß Himmels nicht entsetzen, und daraus weissagen, so wird doch nicht der Mißbrauch allein, sondern das Factum und die That der Heiden an sich selbst gestraffet, daß sie vermeineten, die Sterne inclinirten und regirten das Thun und Lassen der Menschen; worinnen heutiges Tages ihrer viel mit ihnen übereinstimmen.

Darnach streitet auch wider solche sehr gerühmte Wissenschafft (Ph. Melanchth. heissets pulchram phantasiam) die Libertät und Freyheit deß menschlichen Willens. und alle Tugend oder Laster, die daraus entspringen und herquellen; hängen die nun an den Astris, und werden wir darzu geneiget und gebeuget von dem Gestirn, so stehen sie mit nichten in unserer Macht und Willkühr, sondern durch die Kräffte deß Himmels werden wir darzu gezwungen und angetrieben: köndte man also keinen Dieb verdencken, daß er stielet, noch einen Mörder mit Rechte straffen, daß er gemördet und den Nächsten umgebracht hat; sondern es würde unvermeidlich folgen, sie wären allerseits durch den Einfluß deß himmlischen Ge stirns darzu gezwungen worden. (Woher nicht unfüglich gehöret jenes Richters Antwort, die er einem bösen Buben gab, welcher sich darmit entschuldigen wollen, sein Planet brächte es mit sich, daß er hätte stelen müssen, und sprach: mein Planet erforderts auch, daß ich die Diebe muß hencken lassen. Und jener Dieb zu Marpurg, der sich beklaget, daß ihme Unrecht geschehe, so man ihn hencken würde, zumaln er doch zum Stelen geboren seye, und anderst nicht thun können: deme aber D. Nicolaus Rhodiginus, welcher diesen Gesellen trösten sollen, [187] recht geantantwortet: mein Kerl gedencke, bist du zum Stelen geboren, daß du [226] auch zum Hangen geboren seyest.)

Derohalben hat der weltberühmte Claudius Ptolemæus, ob er gleich ein Heide gewesen, jedoch gar nachdencklich gesaget: Astrorum Decreta non esse Prætoria, das ist, deß Gestirns Zuneigung seye kein strenges Herrn-Gebot; oder, Gott regire das Gestirn also, damit es den Menschen nicht zwinge, daß er stracks also, wie ihn sein Temperament neiget, leben, handeln und wandeln müsse; denn der Mensch hat und behält doch seinen freyen Willen, seinem Temperament nach zu leben, oder sich demselbigen zu widersetzen.

So bezeuget auch die H. Schrifft, daß des Menschen Glück und Unglück nicht von den Sternen, sondern von GOtt komme, Syrach im 11. v. 14. Was er an den Gütern deß Leibes, deß Gemütes und deß Glücks hat, hat er nicht von den Sternen, sondern von GOtt, der giebet Weisheit und Verstand, wie dem Salomon, im ersten Buch der Könige im 3. Cap. v. 12. Er giebet ihme Gesundheit, nach dem Zeugniß Syrach, seines Buchs im 34. v. 20. Er stärcket ihn, Esai. 41. v. 10. Er machet ihn schön, nach dem Wort Ezechiæ, am 31. Cap. v. 9. Sein Segen machet ihn reich ohne Mühe, in den Sprichwört. am 10. v. 22. der setzet ihn in sein Amt, und machet ihn zum König und Regenten, wie den David: zum Lehrer und Prediger, wie Jeremiam: zum Hausvatter, wie den Abraham. Er hilfft ihme zum Ehegatten; denn ein vernünfftiges Weib (und also auch ein vernünfftiger Mann) kommet vom HErrn, Salomons Worten nach, seiner Sprüche im 19. v. 14. sein Leben und Sterben stehet endlich in seiner Hand: darum spricht David, meine Zeit, HErr, stehet in deinen Händen, Psalm 31. v. 16. nicht aber in der Gewalt deß Gestirns.

Wenn etwan jähe traurige Todesfälle beschehen, so pfleget solches von etlichen der Sternen-Lauff und Einfluß zugemessen werden, immassen die Exempel beglauben mögen.

Daß der Fürst der Redner M. T. Cicero, so jämmerlich seye um seinen Kopff kommen, vermeinet Cardanus, de Genitur. Gen. X. seye hergekommen von seiner unglückhafften Nativität oder Geburtstund: darinnen er den feurigen Blutstern Martis, in dem aufsteigenden Himmels-Haus, und einen feindseligen Gegenschein mit dem tückischen Stern Saturni, und mit dem Jove gehabt habe.

[188] Daß Käiser Nero sich selbsten so schändlich ermordet, seye daher gerühret, weiln in seiner Geburt-Stund deß blutdürstigen Martis Stern in dem siebenden Himmels-Haus, unglückselig in den Krebs, in einem gesechsten Schein deß heimtückischen Saturni gestanden; obgedachtes Cardani Zeugniß nach, Genit. XL.

Daß der Hertzog zu Mayland, Galeacius Sfortia, von dreyen zusammen [227] geschwornen Buben mit dreyzehen Wunden umgebracht worden, seye geschehen, dieweil er in seiner Geburt-Stund die Sonn in dem Wassermann, einem gewaltsamen Zeichen, und den Blutstern Martis gleich gegenüber stehend gehabt, schreibet abermals Cardanus Genit. XLIV.

Daß der tapffere Kriegsheld, Carolus Borbonius, sein Leben vor der Stadt Rom durch einen feindlichen Schuß habe einbüssen müssen, schreibet man ebenmässig der bösen Constellation zu, in welchen er das Liecht dieser Welt erstesmals gesehen: denn er den obersten bösen Planeten, den tückischen Saturnum, im ersten Hause, mit dem Drachenschwantz, und den gewaltsamen Stern Herculis, gehabt habe. Virgan. in Isagog. fol. 722.

Daß Henricus der andere dieses Namens, König in Franckreich, im Jahr Christi 1559. den 28. Junii, auf dem Beylager der Princessin seiner Tochter Elisabeth, im Turnier verwundet worden, darüber er sein Leben einbüssen müssen, als er kaum das viertzigste Jahr erreichet hatte, wurde seiner unglückseligen Geburt-Stund zugeschrieben.

Daß der hochlöbliche Churfürst Johann Friederich, vor Mülhausen gefangen, und in das Angesicht verwundet worden, seye von dem unglückseligen Zustand deß Mondes in seiner Churf. Durchl. Geburt-Stund verursachet worden; welcher in dem Gevierdschein deß verderblichen und damals auch übelstehenden Stern deß Saturni seinen Lauff gehabt.

Daß der theure Held, Churfürst Moritz, von einem treulosen Buben verrätherisch und zwar hinderwarts erschossen worden, seye durch die böse Geburt-Stund verursachet worden: da doch andere, und unter solchen der Jesuit Alexander de Angelis, vermelden, daß die Sternseher in Churfürst Moritzens Geburts-Linien und Sternen nichts finden können, welches auf einen plötzlichen und gewaltsamen Tod gezielet habe.

Ja ganz vermessentlich ist dieses von etlichen vornemen [189] Mathematicis gehandelt gewesen, unter welchen Cardanus einer mit ist, welche dem HErrn Christo seine Nativität aus den Sternen, als Zeichen deß Himmels, gestellet; wie denn gedachter Cardanus ihme dem HErrn Christo, auch sein Leiden und Tod aus dem Steinbock, aus dem Marte in domo Martis, u. d. g. prognosticiret. Gleich als wenn das Werck menschlicher Erlösung, welches der HErr Christus durch sein Leiden und Sterben vollbracht hat, auch seine Anzeigungen und Weissagungen in den Sternen deß Himmels gehabt, und sich in den Causis secundis oder Neigungen der Sternen hätte spühren lassen, da uns doch GOtt in Ihm geliebet hat, ehe der Welt Grund geleget worden, aus der Epistel an die Ephes. im 1. v. 5. Ehe denn die Sterne, und derselben Namen gewesen. Daher das Werck unserer Erlösung genennet wird [228] ein Geheimniß, das von der Welt her verschwiegen ist, wie Paulus redet in der Epistel an die Römer im 16. v. 25. Ephes. 3. vers. 6.

Uber das alles kan keine vernünfftige rechtmässige Ursach angezeiget werden, warum so eben die Impression und Eindruckung der himmlischen Influenz in dem Moment und Augenblick der Geburt eines Menschen so kräfftig seye, und stärcker als andere Einflüsse, die sonsten die Zeit seines Lebens über ergehen, daß ihrentwegen alles geschehen, und sich alles Thun und Lassen nach ihr gleichsam reguliren und richten müste.

Die Vernunfft rahtet ja schnurstracks das Widerspiel, als welche der gegenwärtigen Constitution und Beschaffenheit deß Himmels sowol ihre Krafft und Würckung zuschreibet, als die, die schon vergangen ist. Wenn man derowegen einer jeden Stund, Tag, Monat und Jahr seine gewisse und unzehlbare Impressiones zueignet, so schliesset sichs nicht unbillich, daß durch solche die erste und alte so in der Geburt soll eingedruckt worden sein, geschwächet und verdunckelt werde. Und bezeugets die Erfahrung, daß mancher Mensch durch fleissiges Auferziehen, durch eine gute Diæt und Mässigkeit in Essen und Trincken, durch gute und erbauliche Conversationen mit andern, item durch grosse Krankheiten und andere Zufälle sich selbsten ändere und im Alter anderst werde, weder er in der Jugend gewesen ist; was hilfft nun diesem seine Impression und der Einfluß, den er aus den Sternen in seiner Geburt empfangen haben soll? wird nicht dessen Nichtigkeit hieraus gewaltiglich erhalten und erzwungen, daß seinethalben [190] nichts gewisses vom Leben und Wandel eines Menschen zuvor gesaget werden kan?

Weiter so ist es ja unmüglich, daß man præcisè und eigentlich die Stund und vor allen Dingen den Augenblick der Geburt eines Menschen, will geschweigen der Empfängniß, unfehlbarlich wissen kan; denn darmit gehet es nicht selten lange und sorglich zu, und geben die Nativitätisten selber nach, daß der Himmel so geschwind herum lauffe, daß dessen Sterne, ehe man sich umsihet, sich verändern und zu etwas anders disponiren. Wer will nun unter ihnen treffen die Zeit und den Punct der Zeit, darinnen ein Kind zur Welt geboren wird? ist dieses aber unmüglich zu treffen, wie es in Wahrheit ist, so ists auch vergebens und umsonst, ex certo Astrorum positu das geringste vorher zu verkündigen.

Darzu wenn man betrachtet, daß bisweilen Zwillinge von einer Mutter geboren werden, kurtz aufeinander, und eine geringe Zeit dazwischen verlauffet, die doch der Natur und Inclination nacheinander gantz zuwider seynd in ihrem Leben, in ihrem Fürnemen, Handlungen, [229] Glück, Künsten, Ehren, und andern zum menschlichen Leben behörigen Dingen, auch im Tod nicht gleich seynd. Wie kommet es, daß Jacob und Esau, die so nahe einander in der Geburt gefolget, daß einer deß andern Fersen gehalter, Genes. 25. v. 35. und also unter einem Gestirn auf die Welt kommen, gleichwol gantz contrare und widrige Naturen und Zustände gehabt?

Und welches fast höher dringet, so werden auf der weiten breiten Welt gleich zu einer Zeit viel tausend Menschen wol alle Tage geboren, und seynd gleichwol nicht einer Natur, sie lernen und treiben nicht einerley, es begegnet ihnen nicht ebenmässiges Glück oder Unglück, welches sonst geschehen müste, wo die Sterne etwas imprimireten.

Zu deme was solche Astrologi dem Menschen als gewiß zuvor verkündigen wollen, daß ihme dieses oder jenes begegnen werde, daß müssen sie herwissen entweder von GOtt, oder dem Himmel, oder deß Menschen Willen selbsten, aus Ursach, weiln GOtt, der Himmel und deß Menschen Wille, Ursachen seynd der zukünfftigen Dinge.

Von GOtt aber haben sie diese Wissenschafft nicht her: denn es heisset hier, wie es in der Epistel an die Römer im 11. v. 34. stehet, wer hat deß HErrn Sinn erkannt? oder wie es heisset in der ersten an die Corinth. im 12. v. 11. Niemand [191] weiß was in GOtt ist, ohne der Geist GOttes; der will ihnen auch solche Wissenschafft nicht mittheilen, als denen es nicht gebühret zu wissen Zeit und Stund, welche der Vater seiner Macht vorbehal ten hat, Actor. 1. v. 7.

Vom Himmel haben sie sie auch nicht: denn die zukünfftige Dinge die in deß Menschen freyen Willen stehen, können aus deß Himmels Stande nicht erkandt werden; alldieweiln der Himmel ist causa universalis, eine allgemeine Ursach, die zukünfftige Dinge aber seynd particulares effectus, sonderbare Wercke und Dinge: und kan auch die Seele und der Wille deß Menschen, als ein geistliches Ding, dem Himmel, als einem materialischen und leiblichen, nicht unterworffen seyn.

Von deß Menschen freyen Willen haben sie sie auch nicht, denn sie wissen nicht was in dem Menschen ist, sondern GOtt weiß es, Joh. 2. v. 25. Es verhält sich auch der Mensch in denen Dingen die zukünfftig seynd, indifferent und also, daß sie von ihme geschehen oder auch nicht geschehen können: daher auch ein Astrologus darvon nichts gewisses sagen kan. Ja es kan der Mensch der Inclination und Neigung der Sterne widerstehen, und derselben zu wider thun, und sie hierdurch gar verhindern. Denn wie er das Gute, so ihm etwan sein Horoscopus und Geburts-Stund andeutet, mit dem Gebet und andern gottseligen Ubungen im Leben kan befördern helffen, daß es durch GOttes Gnade desto eher erfüllet wird: also kan er auch im Gegentheil [230] das Böse so ihm darinnen wird angedeutet, mit dem Gebet und Christlichem Leben und Wandel hindern und ihm zuvorkommen, daß es GOtt aus Gnaden abwendet.

Ein hochberühmter Theologus und Chronologus weisete einsten dem Herrn Phil. Melanchthoni seine Nativität: als er sie nun besehen, lächelte er, gibt sie ihm wider und spricht: Non plus Fata tamen quam pia vota valent; gebt euch zu frieden, ein starckes Vatter unser kan alle böse Aspecten aufhalten, ita refert Dn. Herbergerus, et addit; ich Valerius, habe mich mein Lebenlang für solchen Fürwitz gefürchtet, ich habe niemals meine Nativität zu stellen gestatten wollen, ich will lieber meinem HErrn JEsu und seinem Pater noster, das er mir zu beten befohlen hat, trauen, Part. 10. Magnal. Medit. 25.

Also sagte vor vielen Zeiten auch der hochverständige Aristoteles, 1. 6 Metaph. c. 3. daß zwar das Gestirn eine Würckung in die irdische und viehische Seelen habe, welches aber [192] die vernünfftige Seele eines gerechten Menschens alles abwenden könne. Und der weise König Alphonsus, der sonst die Gelehrten sehr hoch hielte, antwortete, als er gefraget wurde, warum er doch den Nativitätstellern keine besondere Ehre erzeigete? Astra regunt fatuos, Sapiens dominabitur Astris; Stulti ergo Principes Astrologos honorant: Das Gestirn, sagt er, regiret die Thoren, aber ein weisser Mann weiß, daß ihm das Gestirn nichts zu gebieten habe. Æneas Sylvius 1. 4. Comm. de reb. gest. Alph. n. 3.

Darum eifert der H. Augustinus so sehr über die jenige, welche ihre Sünde mit dem Gestirn entschuldigen wollen, und sagt: es sprechen die Menschen, die Natur und das unvermeidliche Geschicke und Antrieb der Sternen hat mich darzu gebracht. Höre Mensch, was ist das für eine Natur, und unvermeidliches Geschicke und Antrieb der Sternen? wo seynd dieselbige Sterne? gewißlich seyd es diese so an dem Himmel stehen. Wer hat dieselbige erschaffen? GOtt, wer hat ihren Lauff also geordnet? GOtt. Sihest du nun, wo es hinaus lauffe? denn du wilst soviel sagen: GOTT ist schuld daran, daß ich gesündiget habe, darum muß GOTT ungerecht seyn; du aber bist gerecht in deinem Thun, Denn wenn er die Sterne nicht also er schaffen hätte, so hättest du nicht gesündiget, super. Psalm. 31.

So mag nun solche lästerliche Einbildung hinfahren, und soll ein rechtschaffener Christ glauben, daß seine Zeit nicht an das Geschöpff gebunden seye, und in Gottes Händen stehe, wie gar recht erinnert der selige Herr Dilherr, im Zeit- und Welt-Lauff, Part. 1. Medit. 4.

Daran aber hindert mit nichten, daß unterweilen die Prædictiones eintreffen; denn das geschihet entweder ohngefehr, oder aus andern Ursachen, und nicht aus den Sternen: und wo auch zu Zeiten etwas [231] gemercket wird, das mit dem Ausgang, der zuvor verkündiget worden, bestättiget wird, so finden sich doch unzehliche andere Thaten, die nicht gemercket noch erfüllet werden. Oder wie Herr D. Danhauer Part. 1. Lact. Catech. p. 227. hiervon schreibet: hat schon bisweilen etwan einer aus den Sternguckern mit seinem Prognostico eingetroffen, so ists doch keine Ursach, daß man darum solchen Phantaseyen Glauben zustellen solle. Es findet bisweilen auch der Blinde ein Hufeisen, und eine blinde Henne ein Körnlein, (fehlet aber meinstentheils) und was ists Wunder, wenn [193] einer offtmals würffelt, so er auch einmal eilff oder zwölff Augen wirfft, es muß ja nicht immerdar fehlen. Triffts einer aber allezeit, und sagt gerade zu, so gehets gewiß nicht recht her, es laufft die Schwartzekunst mit unter, der Satan liget mit unter der Decke.

Spurinna hatte dem C. Jul. Cæsari zuvor gesaget, er solte sich am funffzehenden Tag Martii wol hüten und vorsehen, denn da würde sein Unglück nicht aussen bleiben. Cæsar hat zwar dessen gelachet, und da der funffzehende Tag Martii gekommen, deß Spurinnæ gespottet, als ob er hätte falsch geredet, sintemal der benandte Tag da, und er doch ausser der Gefahr wäre. Spurinna hat darauf geantwortet, der Tag wäre zwar gekommen, aber noch nicht aus, und vorbey gangen. Und hat sichs auch im Werck also gefunden: denn da Cæsar bald darauf in das Rahthaus eingegangen, ist er am selbigen Tag erstochen worden, Sueton. in J. Cæs. c. 81.

Da König Henricus der IV. dieses Namens, am vierzehenden Tag Martii, Anno 1610. zu Paris in seiner Kutschen erstochen worden, hat ihme auch solches ein Astrologus zuvor verkündet.

Hiervon schreibet nun Emanuel von Meteren, im zwey-und-dreyssigsten Buch der Niederländischen Historien: Man sagt, daß dem König der Hertzog von Vendome, sein Barstart-Sohn, desselbigen Tages gewarnet habe, weiln der Medicus la Brosse, ein alter Astrologus gesagt hätte, er solte sich diesen Tag wol vorsehen, denn es würde ihm nach dem Leben gestellet werden.

Der König soll geantwortet haben: la Brosse wäre ein alter Narr, und Vendome ein junger, weiln er dem alten Glauben gebe. Aber die Wahrheit hat sich nichts desto weniger gefunden: denn um vier Uhr Nachmittag ließ der König seine Kutsche anspannen, und wolte mit dem Duc de Suily, seinem Thresorier, ins Arsenal oder Zeughaus fahren, Ordnung zu den künfftigen Triumph, so bey dem Einzug der Königin und deß jungen Dauphins solte gehalten werden, anzustellen. Zu ihm sassen in die Kutsche die Hertzogen von Espernon und Mombasson, benebens zween andern Herren. Der König wolte nicht, daß ihme die [232] Leibguardie dißmal folgen solte.

Als er nun kame in die Gassen la feronerie genandt, bey den unschuldigen Kindlein, war ihm ein Mörder nachgefolget, der lang auf ihn gepasset hatt, ein grosser starcker Mann. Da [194] nun dem König ein Karren in den Weg fuhre, dadurch der Kutscher etwas still halten muste, drange dieser Mörder unter dem Volck hervor, und gabe ihm mit einem an beyden Seiten schneidenden Messer eines Schuhs lang, zween Stiche zum Rücken hinein nach dem Hertzen, dadurch die grosse Hertz-Ader entzwey geschnitten worden, daß der König so bald die Sprach verlor, und vorwarts tod niederfiele.

Ob nun gleich in diesen, und etwan mehr andern Exempeln die Nativitätstellung eingetroffen, so ist doch daraus erstlich keine gewisse allgemeine Folge zu erzwingen, dieweil es lauter rara und contingentia seynd, und dargegen wol viel hundert mal hierinnen gefehlet worden.

Zum andern so ist die Frag: Ob eben allein aus dem positu deß Himmels und Würckung der Sternen, oder aber aus sonderlicher Erleuchtung des H. Geistes, der Prognosticant geweissaget habe? oder aber, (wie denn wol solcher Prognosticanten gewesen) aus Eingeben deß bösen Geistes, und wie sie genennet werden, der familiarischen Geister, geweissaget, welches hernach der Teuffel an den Gottlosen, bey welchen er mächtig ist, oder auch wol bey den Frommen, wenn man zur Zeit nicht betet, oder GOtt sonsten ein solches, jedoch nicht zum Seelen-Schaden, verhenget, effectuiren, und eine tödliche Kranckheit oder anderes Unheil an den Hals bringen können, damit es das Ansehen habe, als seye es nach Inhalt der Nativität durch deß Himmels Lauff geschehen.

Denn obgleich der Teuffel ohne GOttes Willen uns kein Haar krümmen kan, und eigentlich die futura von deß Menschen Lebens-Ziel nicht weiß, so kan er doch dieses und jenes, was er in Willens ist, oder bey GOtt zu erlangen getrauet, gleich als zukünfftige Dinge durch Menschen weissagen, und hernach obgedachter Massen zu Werck richten: fehlets ihm aber, so schämet er sich der Lügen nicht groß, weiln man wol weiß, daß er ein Vatter der Lügen ist.

Drittens, so ist hierinn auch zu bedencken, ob nicht ihrer viel, wenn sie der Nativität, so sie ihnen haben stellen lassen, so hart und vest getrauet zu der ihnen bedeuteten Zeit, durch stetige und scharffe Einbildung ihnen allererst die prognosticirte tödtliche Kranckheit an den Hals gebracht; immassen den Medicis nicht unbewust ist, daß ihme ein Mensch ja sobald durch sich selbst bey sothaner Einbildung, als von einem andern durch Inficirung, eine tödtliche Kranckheit zuziehen. und durch [195] Verhengniß GOttes zum Tod bereiten kan: worvon [233] Herr D. Schmid folgendes Exempel erzehlet, Conc. 7. im Psalm. 90.

Ein gelehrter und nicht unbekandter Mann, dem solches begegnet, schreibet an einem andern auch gelehrten Mann, wie ich die Copias solches Schreibens annoch bey meinen Händen habe, also: Es erzeiget sich bey mir, bey gegenwärtigen geschwinden Zuständen etwas Furcht und Grauen, welchen ich mehrentheils die Schuld giebe der grossen Thorheit so ich begangen, indeme ich mir meine Nativität habe stellen und aufrichten lassen, darinn mein Terminus vitæ (Lebens-Ende) auf dieses Jahr gesetzt ist, darüber ängstiget sich die Natur, ob ich schon weiß, was von solchem allen zu halten, und daß mein Ziel in GOttes Händen stehet.

Schliesset zuletzt also: Meine Tag deß Lebens wolte ich keinem rahten, daß er ihm die Nativität stellen lasse.

Diß seynd die Formalia deß sonst gelehrten und wolbe kandten Manns, der auch wol im selbigen Monat sein Leben geendet, welcher, als ich nicht zweiffele, länger gelebet hätte, wenn er solche Thorheit, wie er sie selbst nennet, nicht begangen, sondern seinen Eingang und Ausgang GOtt in kindlicher Einfalt befohlen hätte.

Vierdtens, so kans auch GOtt einem nach dem gestellten Prognostico ergehen lassen, nicht wegen der Sternen, sondern zur Rache und Straffe, darnach er gerungen, und darmit er sich versündiget hat, daß er seine Hoffnung nicht zu GOtt allein, sondern auch zum Gestirn und Astrologo gesetzet, und dergestalt den geheimen Raht GOttes erfahren wollen. Da uns doch Christus gebeut, daß wir auch nicht auf den morgenden Tag für unser Leben (heidnischer Weise) sorgen, sondern alles GOtt anheim stellen, und uns ihme befehlen sollen.

Welches denn in Acht hätte nemen sollen Cariton, ein Edelmann zu Urbino, dessen der E. Herr G. P. Harsdörffer gedencket in der 37. Erzehlung im andern Theil deß grossen Schauplatzes Jämmerl. Mordgeschichte, folgendes Inhalts:

Cariton ein Edelmann zu Urbino, hatte sich von Jugend auf mit zulässigen Wissenschafften nicht vergnügen lassen, und allezeit gelehrter als gottsfürchtiger seyn wollen. Sonderlich aber liesse sich dieser Edelmann gelüsten, das Zukünfftige zu wissen, und hatte ihm der Satan durch die Sterne-Kunst mit einer ungefehr eingetroffener Warheit viel Lügen verkaufft.

Er hatte den Planeten Lauff in seiner Geburts-Stunde [196] zu Papier gebracht, und auch andere Erfahrne dieser Kunst darvon urtheilen lassen, welche alle einmütig geschlossen, er werde keines natürlichen Todes sterben, sondern durch seinen Tochtermann ermordet werden. Dieses schwebte ihm unablässig in den Gedancken, und wie die bösen [234] Zeitungen mehr eintreffen als die guten, ist ihm diese Furcht gleichsam zum Hencker worden, und wie ein Schwerdt Damocles über dem Haupt geschwebet.

Er hatte drey Töchter, die nöthigte er alle drey in das Closter, damit er ja keinen Tochtermann für seinen Augen sehen solte. Die zwo ältesten willigen gerne in solch einsames Leben; die jüngste und frischte aber, Eugesta genannt, name ihr eine Bedenckzeit, welche sie nach und nach verlängerte, und endlich ungescheuet sagte, sie hätte kein Nonnenfleisch, und fühlte, daß ihr diese Art zu leben unerträglich, und ihr Gemüte von GOtt nicht darzu gewidmet.

Nachdem nun mit Drohen und Straffen nichts auszurichten, sperret sie ihr Vatter in eine Gefängniß auf seinem Landgut, da sie noch Sonne noch Mond bescheinen kundte, der Hoffnung sie solte noch froh seyn, von dar aus in das Closter zu gehen. Der Verwalter solches Landguts hatte nicht wenig Mitleiden mit dieser unschuldig-Gefangenen, und erzehlete Marso einem Edelmann, der in der Stadt Urbino sich wegen begangener Ableibung nicht dörffen sehen lassen, und auf dieses Schloß in Bauren-Kleidern geflohen ware, daß sie, die Jungfrau, wegen ihres Vatters Aberglauben allda gefangen läge.

Dieser Marso verliebte sich von hören sagen, und begibt sich also unbekandter Weise in deß Verwalters Dienst, daß er in wenig Tagen Gelegenheit bekommt diese Eugestam zu sehen, zu lieben und von ihr geliebet zu werden. Daß der alte Cariton in ihre Verlöbniß nicht willigen würde, aus vorbesagten Ursachen, wusten die beeden Verliebten gar wol, und entschlossen sich deßwegen die Flucht zu nemen, und nach Livorno zu entwei chen, welches auch mit Gelegenheit geschehen.

Cariton wurde alsobald innen, daß seine Tochter entkommen, und mit einem Baurenknecht Sylvio genannt (diesen Namen hatte Marso angenommen) nach Livorno gereiset: hierüber betrübte sich Cariton Tag und Nacht, weiln er kennete den, so sein Tochtermann allbereits ohne Zweiffel worden; und so viel er Unbekandte ansahe, vermeinte er bey jedem, dieser oder jener werde ihn umbringen.

[197] Es fügte sich aber daß Cariton den Hertzog von Urbino mit einer bösen Rede beleidigte, und deßwegen nach Livorno fliehen muste, weiln etliche hundert Cronen auf seinen Kopff gebotten worden. Also kame Cariton auch nach Livorno, Willens in Spanien abzusegeln. Marso erkennet ihn alsobald, weil er ihn zuvor bey Hofe gesehen; Cariton aber kennete Marso nicht, und will ihm Eugesta mit einem Fußfall, benebens ihrem Mann ihr Verbrechen ab, und um Gnade bitten.

Als deßwegen eines Tags Marso mit zweyen von seinen Freunden sich bey Cariton um Verhör anmelden lässet, bildet er ihm ein, es [235] wären Leute die ihn greiffen und zu Verhafft bringen wolten, nimt derohalben sein Pistol und seinen Degen, tritt für die Thür, und indem sich Marso neiget, schiesset er ob seinem Haupt hinweg: deßwegen denn Marso vermeinet, sein Schwervatter wolle ihn ermorden, entblösset den Degen, sich zu vertheidigen, und durchrennt sich Cariton selbsten, daß er tödtlich verwundet zu Boden sancke, Marso auch Anfangs in den Arm verletzet worden.

Cariton lebte noch bis auf den Abend, und erzehlete den Mißverstand, welcher unter beeden vorgegangen, und hatte noch Zeit seinen Aberglauben zu bereuen, und sowol schrifftlich seinen Fürsten, als mündlich seinen Tochtermann um Verzeihung zu bitten: massen auch selbiger (Marso) vor Gericht frey gesprochen, und nachmals bey dem Hertzog gnädige Lands-Huldigung erhalten hat.

Schließlich ist auch wol mancher Astrologus und Nativitätsteller ihme selbst mit solch-seinen Prædictionibus uud Weissagungen gantz schädlich gewesen.

Zu Johanni Galeacio, Hertzogen su Meyland, immassen Nicet. Chron. 1. 5. c. 7. berichtet, sagte einsmals ein Astrologus, er sehe soviel aus dem Gestirn, daß er, der Hertzog, kein hohes Alter würde erreichen, sondern jung sterben. Der Hertzog fragte ihn hierauf, ob er denn auch wüste, wie lang er selbst leben würde? Als er nun geantwortet, er hätte noch lang zu leben; da liesse ihn Galeacius ohne Verzug hencken, ihme darmit zu erweisen, daß seine Kunst weit fehlete.

Papst Johannes der XXII. dieses Namens, den etliche den XX. etliche den XXI. nennen (vorhin Petrus Hispanus genannt) war deß Himmelslauffs wol erfahren, stellete ihm selbst seine Nativität, und beredete sich selbst, er würde gar alt werden, und lang den Päpstlichen Stul besitzen; liesse sich [198] auch dessen offentlich bey den Seinigen vernemen: aber im vierdten Monat hernach, welcher war der achte seiner Regierung, ward er durch Einfallen eines Gewölbes oder Cammer, so er allererst im Pallast zu Viterbo neu erbauen lassen, erschlagen: bliebe zwar nicht alsobald tod, sondern er ward unter dem Gehöltz und Steinen hervor gearbeitet, und starb am siebenden Tag hernach, im Jahr Christi 1277. Videatur Nigrinus in der Päpstischen inquisition pag. 488.

Es hatte ein Astrologus in seinem Prognostico ungescheuet gesetzet, Henricus VII. König in Engelland würde selbiges Jahr mit Tod abgehen. Der König liesse den Astrologum mit freundlichem Schreiben gantz ehrerbietig abholen, und in seiner Gegenwart fragen, ob er seiner Kunst gewiß wäre, und ob einer aus dem Gestirn etwas Gewisses schliessen und anzeigen könne?

[236] Da nun solches der Astrologus bejahet, und vermeinet, er werde seiner Kunst halben hochgeehret und gerühmet werden, hat der König ihn gefraget, ob er ihme denn auch selbsten eine Nativität gestellet, und wüste, was ihm begegnen würde? und weiln die Weihnacht-Feyertäge vor der Thür, ob ihme wissend, wo er seine Feyertäge halten würde?

Als er aber geantwortet, nein, das wisse er nicht; hat der König gesaget: Wolan, so bin ich gelehrter als du, denn ich weiß es, und befihlet alsobald ihn in den Thurn zu werffen, und nicht eher heraus zulassen, bis das Jahr vorüber, in welchem gleichwol der König am Leben geblieben. Illic ubi fatis refrixerat divinandi calor, cum risu dimissus est, saget Erasmus, de Lingua.

[237]
Das 29. Capitel
Das neun-und-zwantzigste Capitel.
Von D. Fausti Warsagerey.

D. Faustus hatte sonsten sowol von den Studenten, als den nah-gelegenen Edelleuten, einen zimlichen Zugang, von wegen seiner perfecten Warsagerey, bevorab der Chiromantia, da er einem die Hände besahe, und deren Lineamenten betrachtete, so urtheilte und verkündigte er bald, was ihme die Zeit seines Lebens begegnen würde, [199] ob er Glück oder Unglück haben, ob er lang leben, ob er erschossen, erstochen, oder eines natürlichen Todes sterben werde, ob er seine Eltern und Geschwistrigte überleben, was für ein Weib er überkommen, wie viel Weiber er haben, ob sie reich und vermöglich oder aber arm seyn werden, wieviel und was für Kranckheiten er auszustehen hätte, was er für Glück und Unglück auf seinen Reisen haben, und ihme wiederfahren würde, für wem er sich sonderlich vorsehen und hüten solle; ob er geistlich oder weltlich dermaleins seyn werde, ob er sich zu einer Witfrauen oder zur Ledigen verheuraten werde; zu welcher Zeit er auf dem Land und zu Wasser seinen Handel oder Reise vornemen, und glücklich zu Ende bringen solle, und was dergleichen mehr gewesen.

Die ihn nun also und solcher Gestalt dessentwegen Rahts gefraget, denen gabe er weitläufftigen und sattsamen Bescheid, nemlich, daß dieser oder jener Planet, darinnen er geboren, ihm dieses zu thun oder zu lassen warnete und anzeigete, und also werde er von dieser oder jener Kranckheit auf kommen, oder dieses und jenes werde ihn hart anstechen und zu wider seyn, so werde er auch endlich sein Leben also und solcher Gestalt enden; deßgleichen seye dieses seine Complexion, die habe solche Würckung, allermassen dieses klar und augenscheinlich an den Lineamenten der Hände, wie auch der Stirne, zu finden wäre, u.s.f.

Anmerckung.

I. Die Physiognomici, Chiromantici, deren einer sonderlich D. Faustus gewesen seyn soll, schauen die Linien und Zeichen an, die sich an [238] deß Menschen Leibe und dessen Gliedmassen, [200] Stirn, Augen, sonderlich an den Händen befinden, als da ist unter andern Linea Martis, Cingulum Veneris, u.s.w. und wollen daraus gewiß weissagen, wie lang einer leben, was er für Glück oder Unglück haben, auch wie viel er Heurat und Kinder bekommen werde, u.s.f.

Nun lassen wir wolbedächtlich diese Zeichendeuterey und Weissagungen an seinen Ort hingestellt seyn, verneinen auch nicht, daß sie nicht bisweilen solten zutreffen: allein müssen sie in den Schrancken der Natur verbleiben, darinnen solche Linien und Zeichen ihre Ursachen haben, daraus auch von der Natur deß Menschen etlicher massen kan geurtheilet werden. Denn was einer im Sinne hat, das sihet man ihm an den Augen an, es sey Gutes oder Böses, saget der weise Syrach im 13. Cap. v. 3. Aber doch gleichwol müssen keine gewisse und unfehlbare Weissagungen und Deutungen daraus genommen werden, deren Erfüllung also nothwendig folgen werde und müsse.

Denn solche Zeichen und Linien in den Händen und anderstwo haben keinen Zwang über den Menschen, und handeln mit ihm und seiner Natur nicht daß sie ihn zu diesem oder jenem unvermeidlich solten ziehen und zwingen, sondern nur also, daß sie dieses oder jenes conjecturaliter oder mutmaßlich anzeigen: ists etwas Böses, so kan ein frommer Mensch mit dem Gebet, Frömmigkeit und Gottesfurcht demselbigen begegnen, und seine Natur durch GOttes Hülffe ändern und bessern.

Sonsten wenn man daraus von deß Menschen Lebens-Zeit und Länge unfehlbar weissagen will, so ists vermessentlich genug gehandelt, denn das heisset GOtt dem HErrn in seine geheime Rahtstuben steigen, und Ihm so zureden in sein Buch gucken, darinn Er eines jeglichen Menschens Tage geschrieben hat, ehe denn sie noch da waren, Psalm 139. v. 16. und kan das von keinem Menschen gesaget werden, daß seine Zeit in seinen Händen stehe, sondern es bleibet wahr, was David zu Gott saget, in seinem ein und dreyssigsten Psalm, v. 16. Meine Zeit stehet in deinen Händen.

Wenn wir unsere eigene Hände anschauen und besichtigen, dörffen wir nicht die Zigeuner und Planetenleser oder Handschauer fragen, was wir thun oder vornemen sollen, daß wir uns ernähren, sondern sollen uns allezeit erinnern, daß wir sie in Unschuld waschen, aus dem 73. Psalm v. 13. nicht [201] mit bösen Griffen verunreinigen, wie der Apostel rahtet, in der ersten Epistel an die Thessalonicher im 4. v. 6. ohne Unterlaß heilige Hände zu GOtt im Himmel aufheben, 1. Timoth. 2. v. 8. Ihn um Glück und Wolfahrt hertzlich bitten und anruffen, daß Er uns für allem Ubel beydes am Leib und an der Seele, ingleichen [239] für Schanden und Lastern gnädiglich behüten wolle, und denn dieselbigen nicht feyren lassen, oder in die Schos legen, sondern mit solchen etwas Gutes schaffen, auf daß wir uns und die unserigen mit unserer Hände Arbeit ernähren, und auch den Armen und Dürfftigen etwas mitzutheilen haben können, nach deß Apostels Pauli Erinnerung, in der Epistel an die Ephes. im 4. Cap. v. 28. Denn eine lässige Hand machet arm, aber der Fleissigen Hand machet reich, stehet in den Sprichwörtern Salomons im 10. v. 4.

M. Joh. Holstein, D. Lutheri Tischgänger, sagte einsten zu Herrn D. Luther (wie aus dessen Tischreden cap. 37. fol. 383. zu ersehen) man sehe es einem an den Händen an, wenn einer milde, kostfrey und gutthätig wäre, und vermeinte, daß mans aus der Chiromantia urtheilen köndte. Darauf antwortete D. Lutherus, und sprach: das ist freylich wahr, an der Hand kan mans sehen, wenn einer milde ist, denn man muß mit der Hand ausgeben, mit den Füssen gibt man nicht.


II. Hieher gehören nun auch mit allem Rechte die so genannte Zigeuner; welche sich ebenmässig auf dergleichen Zeichendeuterey und Handwarsagung schon lange Zeit her geleget haben, und annoch legen; von welchen was zu halten stehe, und ob man sie solle passiren lassen, wollen wir den berühmten Zeillerum vernemen, der unter andern also von ihnen an einen vornemen Mann schrei bet, Centur. 1. Epist. 71. Was der Herr von den Zigeunern oder Ziehe einher schreibet, die sich neulich bey ihnen herum wieder haben sehen lassen, so saget Aventinus in seiner Bayrischen Chronica lib. 8. fol. 418. von ihnen also: dieser Zeit, also Anno 1439. seynd am ersten die Zigeuner in diß Lande (Bayern) kommen; hatten einen König der hieß Zundl.

Seynd die gantze Christenheit ausgezogen, haben ausgeben, sie seyn aus Egypten, müssen ausziehen alle sieben Jahr eine Rott, darum, daß sie etwan unsere L. Frau nicht beherbergen wollen.

Haben sie mit Stelen, Zauberey und Warsagen ernähret; seynd lauter Buben, eine zusammen geklaubte Rott aus [202] den Gräntzen Ungarn und der Türkey. Wissend ist es, daß es Verräther deß Türcken seynd, und der Christen Land dem Türcken und andern der Christenheit Feinden verkundtschafften etc.

In der Gülchischen Chronic stehet am 263 Blat, daß sie Anno 1418. erstlich in Teutschland kommen seyn. Andere sagen, daß man sie Anfangs Anno 1417. bey dem Teutschen Meer, und in den Seestädten gesehen habe.

Sie selbst aber geben beym Stephano Pasquiero, in seinen Recherses de la France, 1. 4. c. 19. für, daß aus Egypten ihr Ursprung seye, und daß ihnen von dem Papst sey auferleget worden, weiln sie den [240] Christlichen Glauben verläugnet, daß sie zur Bus alle sieben Jahr durch die Länder herum ziehen, und alsdenn wider nach Haus kommen müssen.

Anno 1427. sagt erstgedachter Author, seyen sie erstlich nach Paris kommen, und ist den 3. September Anno 1561. auf dem Reichstag zu Orleans geordnet und versehen worden, daß man sie forthin nicht mehr in Franck reich dulden solle.

Fabricius Campanus führet den italiänischen Namen Singani her vom Cinolo, einem kleinen Vogel, zu Latein Motacilla, zu teutsch Bachsteltze genannt, welcher so elend daß er keinen beständigen Ort hat, und so krafftlos seyn soll, daß er sein eigen Nest nicht machen kan, sondern seine Eyer in eines andern Vogels Nest legen muß.

Marquardus Freherus vermeinet, daß sie von den Landfahrern, so die Griechen Ahinganos genennet, ihren Ursprung haben, wie sie sich denn noch heutiges Tages Arabischen Herkommens zu seyn rühmen.

Kürtzlich: die jenigen sündigen aus einem gottlosen Fürwitz schwerlich, sagt D. L. Osiander, welche die Landfahrer, die man Zigeuner nennet, rahtfragen; so um Geldes willen mit grosser Verwegenheit und groben greifflichen Lügen von vergangenen, gegenwärtigen und zukünfftigen Sachen weissagen, und unterdessen stelen, was sie heimlicher und diebischer Weise ertappen können: und erzeigen sich fürwitzige Leute gegen solchem losen Gesindlein gar freygebig, da sie sonsten gegen den Armen filtzig und genau genug seynd.

Ob nun wol dieses Lumpen-Gesinde, welches unter dem Namen der Zigeuner die Welt durchwandern, solche Leute seynd, daß man leichter einen weissen Raben, oder einen schwartzen Schwanen finden solte, als unter ihnen einen Frommen; [203] so ist doch gleichwol dieses wunderns und deß lesens würdig, was sich warhafftig mit einer solchen Person unter ihnen begeben und zugetragen, und deßwegen auch als eine seltene Begebenheit von Herrn Harsdörffer seinem ersten Theil deß grossen Schauplatzes Jämmerlicher Mordgeschichte mit Fleiß einverleibet worden, folgendes Lauts:

In Champagne ist eine Gesellschafft besagter Egypter oder Zigeuner in einem Marcktflecken angelanget, und allda Herberge gesuchet, unter welchen eine Schwangere so kurtz zuvor ihren Mann verloren hatte, darnider kommen, und von andern wegen ihrer Schwachheit zuruck gelassen worden.

Die Edelfrau, welcher der Marckflecken eigenthumlich zustunde, erbarmete sich über die Verlassene, und leistete ihr allen Beystand; als sie aber vermerckte, daß es der Kindbetterin das Leben kosten möchte, in dem die Schwachheit von Tag zu Tage überhand name, liesse sie selbige durch den Geistlichen deß Orts besuchen, und zu Rettung [241] ihrer Seelen beweglichst vermahnen; massen sie auch die noch übrige kurtze Zeit ihres Lebens zu einem seligen Tod wol angewendet.

Bevor nun die letzte Stunde herbey nahete, bedancket sich die Zigeunerin gegen ihre Wolthäterin, und gab ihr zuvernemen, wie sie in der Jugend ihren Eltern entführet, sich mit einem flüchtigen Edelmann, der einen ermordet, und wegen Sicherheit sich unter die Zigeuner begeben hatte, verelichet, auch mit ihme diese zugegen stehende Tochter Oliviam vor etlichen Jahren erzeuget, welche sie ihr denn anbefehlen, und zugleich einen Beutel mit hundert Cronen, zu ihrer getreuen Hand anvertrauen wolte, mit Bitt ihr solches Geld so lange aufzuheben, bis sie erwachsen, und solches zu einer Aussteuer vonnöthen haben möchte.

Avoye, also nennete sich diese Edle, hörete mitleidig zu, und verspricht ihr auch alle möglichste Willfahrung, dieses Mägdlein von so böser Gesellschafft ab, und zu allem Guten in ihren Diensten aufzuziehen, verhoffend ein Werck der Christlichen Liebe darinnen zu erweisen; empfängt also den Beutel mit dem Geld, und nimt Oliviam auf unter ihre andere Dienerinnen, nach bald darauf erfolgten Tod Tamaris, der Zigeunerin.

Olivia erzeiget sich nach der Zeit wol, ist fleissig und getreu, daß ihre Frau keine Klage über sie haben können, sondern vielmehr wegen ihrer Bescheidenheit und guten Sitten [204] ihr mehr, als andern ihren Bedienten mit Gunsten gewogen worden.

Hieraus entstunde nun Haß und Neid, so die andern Mägde wider diese junge Zigeunerin, wie sie sie nennten, führten, und wurde ihr zum öfftern alles Unheil, so sich in dem gantzen Dorff begabe, beygemessen, und zu Beglaubung solcher Verleumdung, mischten sie vielerley Wurtzel, Kräuter, pergamentene Zettel mit unbekandten Buchstaben unter ihr Geräthlein, auch was verloren wurde, muste alles die junge Zigeunerin entzucket haben.

Die Edelfrau will diesem Verdacht keinen Glauben geben, und entschuldigte ihre Unschuld mit der Ankläger Verweiß, worüber sich denn die Feindschafft je mehr und mehr vermehrete.

Allein was geschihet? Leon, der Sohn in dem Haus, verliebet sich in Oliviam, und ob er wol vermeinet, es wäre dieses Schloß leichtlich zu erobern, hat er doch mehr Widerstand gefunden, als er ihme eingebildet; indem er nicht nur mehrmals abschlägige Antwort erlanget, sondern es ist auch sein unziemliches Beginnen seiner Frau Mutter angesaget worden, welche ihm das Haupt mit einer scharffen Laugen gezwagen.

Nach diesem verwandelt Leon seine Liebe in Haß und Feindschafft, und weiln ihm nacher Paris zu reisen anbefohlen worden, allda einige [242] Zeit Geschäffte wegen zu verharren, will er nicht ohne zuvor verübte Rache ab scheiden: massen er die Gelegenheit erkundtschafftet, unvermerckter Weise aus seiner Frau Mutter Schatzkasten, der Olivia hundert Cronen zu entwenden, und dargegen hundert Blätlein Eichen-Laub an die Stelle einzulegen.

Und darmit scheidet er, und verzehret das Geldlein zu Paris in vollen Freuden. Avoye gibet bald hernach der Olivia Urlaub, vermutlich aus der Ursach, ihrem Sohn hiermit alle Veranlassung zum Bösen aus dem Wege zu räumen, weiln er bald wieder nach Hause kommen und etliche Strittigkeiten in der Nachbarschafft vertragen solte. Indem sie nun ihr das anvertraute Geld einhändigen will, findet sie den mit Blättern angefüllten Beutel viel zu leicht, und schliesset aus diesem Betrug, daß die Olivia von ihrer Mutter die Zauberkunst ererbet, und die vorgemelde Auflagen und Beschuldigungen ausser allen Zweiffel wahr seyn müsten.

[205] Hierüber wird ein Geschrey in dem Schloß, Olivia hinaus gestossen, und von den rasenden Bedienten und Bauren mit Steinen verfolget, daß sie in ihrer Unschuld von der Steine einem unglücklich getroffen, zu Boden geworffen, und also jämmerlich um ihr junges Leben kommen müssen.

Leon kehret nach kleinem wiederum nach Hause und fällt in ein hitziges Fieber, daß die Aertzte ihn fast verlassen wollen, und der Beichtvatter seine Seele zu versorgen beschicket wird. Es kundte ihm demnach nicht unwissend seyn der Oliviæ jämmerlicher Tod, und daß er desselben Ursacher wäre, sagte ihm sein Gewissen: dieses nun zu entladen, eröffnet er dem Beichtvatter und seiner Frau Mutter den hinterlistigen Diebstal, durch welchen er Oliviæ verächtliches, und wie ers nennte, verrätherliches Verfahren gegen ihn zu rächen vermeinet; nicht wäh nend, daß es zu einem solchen Ende ausschlagen solte, und daß diese Unschuldige darüber um das Leben kommen.

Hierüber betrübte sich die alte Mutter, daß sie ihr den blutigen Leichnam der Oliviæ nicht aus dem Sinne schlagen kunte, und bedunckte sie stetigs, daß solche That um Rache gen Himmel schreye, wie das Blut deß gerechten Abels. Weil sie nun dieses Verfahren nicht sattsam bereuen kundte, verschaffte sie die hundert Cronen benebenst noch andern gewissen Einkunfften, für Tamaris und die Olivia jährliche Seelmessen zu lesen; und gehet auch kurtz hernach den Weg aller Welt.

Leon stehet indessen von seiner gefährlicher Kranckheit wider männigliches Verhoffen auf, richtet aber seiner Mutter letzten Willen keines Weges aus, und verlachet die Wiedererstattung deß entwendeten [243] Gelds.

Es ruhete aber die Straffe schon vor der Thür; denn er von einem andern von Adel, der ihn wegen Ehebruchs in Verdacht hatte, unversehen in allen seinen Sünden ermordet worden.

[244]
Das 30. Capitel
[206] Das dreyssigste Capitel.
D. Faustus fraget seinen Geist, ob ihn der Teuffel, wie andere Sichere und Gottlose, vorlängst auch geregiret und gleichsam besessen hätte.

AUf eine Zeit sasse D. Faustus, den Kopff in der Hand haltend, daheim in grossen Unmut, und gedachte seinem künfftigen bösen Zustand nach, wie er sich so leichtfertig dem Teuffel ergeben hätte, der regire und führe ihn nun nach seinem Gefallen: derowegen er seinen Geist ob der Mittag-Mahlzeit, da er niemands um sich gehabt, fragte, ob ihn der Teuffel, wie andere sichere und gottlose Menschen, schon vorlängst auch geregiret, und besessen hätte?

Dem gabe sein Mephostophiles zur Antwort, ja, dein Hertz und vielmehr dein gantzes Leben war von Jugend auf nicht rechtschaffen, noch richtig nach GOttes Wort; daher wir dein Hertz haben bald eingenommen, denn wir sahen deine Gedancken, wormit du umgiengest, und wie du niemands sonsten zu solch deinem Vorhaben möchtest haben und gebrauchen, denn den Teuffel, sihe, so machten wir deine Gedancken wormit du umgiengest noch frecher und kecker, auch so begierlich, daß du Tag und Nacht nicht Ruhe hattest, sondern daß all dein Dichten und Trachten nur dahin stunde, wie du Zauberey zu wegen bringen möchtest; auch da du hernach uns beschwurest, machten wir dich erst so freche und verwegen, daß du dich eher den Teuffel hättest hinführen lassen, ehe du von solchen Zauberwerck wärest abgestanden: hernach verhärteten wir dein Hertz noch mehr, bis wir es so weit gebracht, daß du nunmehr von deinem Vornemen nimmer wür- [207] dest abstehen, allezeit dahin trachtende, wie du einen Geist möchtest zu wegen bringen; bis wir es letzlich dahin gebracht, daß du dich mit Leib und Seel unserm Fürsten Lucifer ergeben, das alles und jedes dir denn mein Herr Fauste, nicht unwissend seyn mag.

Es ist wahr, sagte hierauf D. Faustus, nun kan ich ihm aber nimmer anderst thun; auch habe ich mich selbst gefangen, hätte ich gottseligere Gedancken geführet, und mich mit dem [245] Gebet zu GOtt gehalten, auch den Teuffel nicht so sehr bey mir einwurtzeln lassen, so wäre mir solches alles nicht begegnet. Ey was hab ich gethan? da antwortete der Geist, da sihe du zu.

Also stunde D. Faustus zur Stund vom Tisch auf, und gienge traurig aus dem Haus, hin zu guter Gesellschafft, damit er daselbst seine Schwermut und Melancholey besser vertriebe, und die Zeit anderst zubrächte.

Anmerckung.

I. Hie soll man Erstlich mercken, wie der Teuffel die Gottlosen regire und führe; einmal ists gewiß, daß der Teuffel ihnen ihre Hertzen verhärtet, und alle gute Gedancken daraus hinweg nimt, daß sie nicht anderst wähnen, das jenige das sie vornemen und thun, seye noch darzu wol gethan, fahren also in solcher Sicherheit fort, bis sie darinn umkommen, wie zu sehen ist an Cain, Saul, Juda dem Verräther, und andern, wie auch allhier an D. Fausto, an welchem man klärlich sihet, wie ihn der Teuffel von Jugend auf bis an sein Ende geregiret, verführet, geleitet, und ihme zu leibeigen gemachet hat: daß der Apostel dannenher wol recht gesaget, der Teuffel habe sein Werck (nach allen innerlichen Kräfften und Vermögen) in den Kindern deß Unglaubens, aus der Epistel an die Ephes. im 2. v. 3. Unter welchen, den Kindern deß Unglaubens, insonderheit mit begriffen seynd die Zauberer, Hexen und Unholden, als welche vor andern rechte Kinder deß Unglaubens seynd, dieweil sie wissentlich und vorsätzlich [208] Glauben und Religion, ja GOtt und seinen Sohn JEsum Christum verläugnen, sein Wort, durch welches der Glaub in den Hertzen erwecket wird, lästern und lügen straffen, den Bund, den GOtt in der heiligen Tauff mit ihnen aufgerichtet, ihme aufsagen, und dargegen einen verfluchten Bund mit dem Teuffel machen, und sich ihme mit Leib und Seel ergeben; welcher Teuffelsbund eine solche Verknüpffung und Verbindung mit ihm ist, daß sie nicht ohn ihn, und er wiederum nicht ohne sie ist, und sie ohne ihn und sein Wissen und Willen nichts thun.

Dieses thut aber der leidige Teuffel, theils, daß er allerley böse Gedancken dem Menschen eingibet, welches er nicht allein bey den Bösen und Gottlosen thut, wie allhier bey Fausto, nach deß Geistes eigener Bekändtniß; wie bey dem Verräther Juda, dem er ins Hertz gegeben, daß er Christum verriethe, Johan. 13. v. 2. und bey dem Anania, dem der Satan sein Hertz hat erfüllet, dem Heiligen Geist zu lügen, Actor. 15. v. 2. sondern auch bey den Frommen, wie bey David, welchem er [246] hat eingegeben, daß er Israel hat zählen lassen, aus dem ersten Buch der Chronic. im 22. v. 1.

Theils, daß er allerley liebliche und anmutige Dinge dem Menschen zeiget, und für die Augen bringet, welche hernach einen Lust und stetige Begierde darnach in ihm erwecken, und ihn von einer Sünde in die andere stürtzen. Dem D. Fausto mahlte er für das grosse Ansehen, welches er bey Hohen und Niederen haben würde, item den Reichthum und allerley zeitliche Wollüste, die er die Zeit seines Lebens geniessen solte. Adam und Evæ zeigete er den verbottenen Baum, erweckte in ihnen ein Gelusten, darvon zu essen, und brachte sie dardurch zu Fall, Genes. 3. Dem König David zeigete er die schöne Batsebam, als sie sich im Wasser badete, und erweckte in ihm eine Begierde nach ihr, darauf er auch den Ehebruch mit ihr begienge, wie wir lesen im 2. Buch Samuels im 11. Cap.

Theils auch, daß er die verderbte böse Natur und Affecten deß Menschen neiget; denn wenn er an den äusserlichen Geberden und Zeichen, als ein schlauer Geist, mercket, wohin deß Menschen Natur am meinsten incliniret, und zu welcher Sünde er vor andern geneiget ist, darmit pfleget er ihm auch am meinsten zuzusetzen, und ferner je mehr und mehr darzu zu neigen, bis er ihn endlich gar hinein stürtzet. D. Faustus truge immerdar grosses Belieben an Lesung zauberischer Schrifften [209] und Bücher, und verlangte einen geheimen Geist zu überkommen; hierzu ware denn der Teuffel bereit und willig. Judas ware zum Geitz geneiget, den brachte er dardurch dahin, daß er Christum um dreyssig Silberling verkauffte, nach dem Zeugniß Matth. im 26. v. 16.

Theils, daß er sich der guten Gelegenheit, die ihm an die Hand gegeben wird, gebrauchet, in Wol- und Ubelstand, in Glück und Unglück. Deß glückseligen König Salomonis Zustands gebrauchte er sich also, daß er ihn darbey in Abgötterey stürtzte, wie zu sehen aus dem ersten Buch der Könige im 11. v. 4. Deß Unglücks Hiobs hergegen also, daß er ihn darbey auf mancherley Weise versuchte, auch auf GOttes Zulassung ihn so angriffe, daß er ihn in Ungedult brachte, und er den Tag seiner Geburt darüber verfluchte, seines Buchs im 3. Cap. vers. 1. 2. 3.


II. Darnach und fürs ander entspringet aus obiger Histori die Frag, ob dem Teuffel deß D. Fausti, und folgends aller Gottlosen Gedancken bewust seyen. Worauf denn mit ja zu antworten stehet, denn der Teuffel, seiner geistlichen Geschwindigkeit nach, aus vielen Anzeigungen leichtlich schliessen und erfahren mag, was die jenigen, derer Hertzen nicht mit GOttes Wort verwahret seynd, im Sinne haben, eher solche Gedancken gar ins Werck gebracht werden, massen wir bereits [247] oben auch erwehnet haben. Und der heilige Augustinus saget an einem Ort hiervon also: Novit ipse Malignus naturas hominum, et cui adhibeat cupiditatis calorem, gulæ voracitatem, Luxuriæ fœditatem, invidiæ calamitatem, optimè novit quem mœrore conturbet, quem fallat gaudio, quem metu opprimat, quem admiratione seducat, Cunctorum discutit naturas, ventilare et perscrutari cunctorum affectus in nullo desistit: et ubi cognoverit, quod detectet, ibi suum exercitium ponit.

Ob aber dargegen dem Teuffel der Frommen und Glaubigen Gedancken offenbar und bewust seyen, hierauf ertheilet Herr Lutherus diese Antwort: Der Glaubigen Gottseligen Gedancken weiß er nicht, bis sie darmit heraus fahren, denn Christus ist ihme zu klug: wie er nun nicht hat wissen können, was Christus in seinem Hertzen gedacht hat hier und dar, sonderlich bey seiner Versuchung; also kan er auch nicht wissen der Gottseligen Gedancken, als in welcher Hertzen Christus wohnet.

[210] III. Letzlich sihet man auch hieraus, was das eiferige liebe Gebet vermöge, welches, weil es Faustus unterlassen, der Teuffel Herr und Meister in seinem Hertzen worden.

Denn gleich wie eine Stadt, die nicht mit Mauren umgeben ist, gar leichtlich in der Feinde Gewalt gebracht wird: also kan der leidige Teuffel gar leichtlich eine Seele, die mit dem Gebet nicht verwahret ist, in seine Gewalt bringen.

Dieses muß aber nach deß Apostels Jacobi Raht, Epist. 5. v. 16. ernstlich seyn, nemlich mit einem vesten und glaubigen Vertrauen auf GOtt. Ist dieses nicht bey dem Gebet, so taugt es nicht, denn der Mensch muß beten im Glauben, Jac. 1. v. 6. und heilige Hände aufheben ohne Zweiffel, 1. Timoth. 2. v. 8. weiln ohne den Glauben unmüglich ist GOtt gefallen, zun Hebreern 11. v. 6. Denn der Glaub ist der rechte Schild, mit welchem wir auslöschen können alle feurige Pfeile deß Böswichts, aus der Epistel an die Ephes. im 6. v. 16. und obschon der Satanas herumgehet wie ein brüllender Löw, uns zu verschlingen, so können wir ihm doch widerstehen im Glauben, aus der 1. Petri im 5. v. 8.

Von dem heiligen Evangelisten Johanne lieset man, daß Cynops, ein Ertzzauberer, in die Insul Pathmos drey Teuffel nacheinander habe abgefertiget, ihme den Hals zu brechen; aber sie haben nichts können ausrichten, weiln er fleissig gebetet, auf GOttes Wegen gegangen, und den Schutz der heiligen Engel um sich gehabt hat.

Herr David Meder, Pfarrherr zu Nebra, erzehlet, daß ein ehrlicher Mann, denn er wol gekennet, zu Pferde gereiset, sich verspätet habe, daß er in einem Dorff in einer Scheuren habe bleiben müssen. Um [248] Mitternacht aber seynd etliche Hexen hinein kommen, und als sie seiner oben auf dem Stroh, zugleich auch deß Pferds unten gewar worden, habe eine zu ihrem Teuffel gesagt: Lieber brich ihm den Hals entzwey und verderbe ihm das Pferd. Darauf ihr der Teuffel geantwortet, er köndte es nicht thun, denn da er das Pferd angebunden, habe er drey Namen genennet, die ihme zu starck wären; welches er auch habe gethan, als er sich niedergeleget: Er hatte aber das Pferd angebunden, und sich bald darauf niedergeleget und gesprochen: Das walte GOtt der Vatter, GOtt der Sohn, und GOtt der Heilige Geist, Amen! hat auch sonsten sein Gebet zu GOtt verrichtet, und sonderlich da er das [211] zimlich laute Gespräch der Hexen, und deß Teuffels mit ihnen, gehöret, ernstlich gebetet, und sich GOtt treulich anbefohlen. Es sagt aber obbemelder Pfarrherr, es habe diß teuffelische Wesen in der Scheuren, hierauf nicht lange gewäret, sondern sie seyen miteinander gleich in einem Sturmwind darvon gefahren.

Ich hab von einer glaubwürdigen Person vernommen, schreibt D. Röberus in der Hauptschale deß guldenen Leuchters, p. 870. daß die Zauberer in Dennemarck, vor vielen Jahren, eine schröckliche Hexerey angerichtet, damit zu verhindern, daß selbiges Königs Tochter, die Princessin, dem König in Schotten auf dem Meer nicht zugeführet wurde, welchem sie zur Braut versprochen ware, also daß die Flotta, die sie begleitete, vielmal in Gefahr deß Schiffbruchs gewesen, und von ihrem Strich abgetrieben worden, auch darauf andere Gelegenheit zur Fortschiffung erwarten müssen.

Aber da zu letzt diese Zusammenschwehrung der Zauberer ist offenbar worden, hat man Gerechtigkeit über sie ergehen lassen, unter welcher sie ausgesagt, daß die bösen Geister ihnen selbst bekennet, daß die Gottesfurcht der Princessin, und der andern die sie begleitet, vermittelst Anruffung Göttliches Namens, all ihren Gewalt zu nichte gemachet hätt.

Es ist auch mit Stillschweigen nicht zu übergehen, was der alte Kirchenlehrer Athanasius von etlichen glaubwürdig erzehlet, welche vom bösen Geist besessen gewesen, und wiederum von ihme befreyet worden, daß sie ausgesaget, es stehe in der gantzen heiligen Schrifft, weder im Alten noch Neuen Testament kein schröcklicheres Wort, das der Teuffel mehr fürchte, und der Höllen Gewalt mehr zerstören könne, als der Anfang und Eingang deß acht und sechtzigsten Psalms: Es stehe GOtt auf, daß seine Feinde zerstreuet werden, etc.

In solcher glaubiger Zuversicht nun können fromme Hertzen dem Teuffel Trotz bieten, und sagen: Ist GOtt für uns, wer mag wider uns seyn? Römer. 8. v. 31. Der HErr ist mir zur Rechten, darum werde ich wol bleiben, Psalm 16. v. 8.

[249]
Das 31. Capitel
[212] Das ein-und-dreyssigste Capitel.
Von dreyen jungen Freyherren, welche D. Faustus auf ihr Begehren gen München, das Fürstliche Beylager zu sehen, auf dem Mantel dahin führete.

ES studireten zu der Zeit, als Anno 1525, drey junge Freyherren zu Wittenberg, samt ihrem Hofmeister; diese, als sie erfahren, (massen denn ein solches nicht mochte in Geheim gehalten werden) daß das C. Fürstliche Bayrische Beylager mit nächsten solte zu München vollzogen werden, allermassen denn bereits darzu allerhand erdenckliche kostbarliche Zubereitung mit Pomp und Pracht wären gemachet worden, gienge ihnen dieses alles mächtig zu Hertzen, und waren sehr begierig etwas von solchem zu sehen, weiln allda auf einmal viel zu sehen wäre. Redeten demnach deßwegen miteinander, und wusten doch nicht wie sie die Sache solten angreiffen: der eine wolte, sie solten mit ihm ziehen, in Ansehung weiln Ubermorgen der Hofmeister auf eines seiner Befreundten Hochzeit, wiewol nicht weit von der Stadt, würde verreisen, er wolte schon zu reiten überkommen, bey dem Hofmeister wolten sie sich schon entschuldigen, u.s.f. Der andere war mit diesem wol zu frieden, und verlangte nur die Zeit deß Abreisens, wiewol ihm nur deß Hofmeisters Abwesenheit im Wege stunde: Der dritte aber fienge an und sprach: Ihr meine liebe Herren Vettern, wenn ihr mir folgen woltet, wüste ich wol zu diesem Handel einen guten Raht, da wir weder Sattel noch Pferde darzu bedörffen, köndten nichts destoweniger bald, eher [213] man es auch allhier unter andern warnemete, wiederum in unserm Logement seyn.

Dieses Vorschlages erfreueten sich nun die andern sehr, begehrten inständig, er solte den Raht eröffnen, und dessen, so nicht wol zu glauben wäre, eine Erläuterung thun; worauf er denn geantwortet, und gesagt: Euch ist allensamt wol bewust, wie D. Faustus allhier, als ein sonderer Freund und guter Gönner der Studenten, uns, die wir viel Kurtzweil und Ergötzlichkeit zu unterschiedlichen malen in seiner Behausung genossen haben, affectioniret und gewogen seye, auch was er [250] zu wegen bringen und vermittelst seiner, wiewol in stiller Geheime gehaltener Magia, verrichten möge; dieses nun unser Verlangen, das Fürstliche Beylager zu sehen, wollen wir ihme vortragen, ihn deßwegen beschicken, und freundlich darum ansprechen, mit Versprechung einer stattlichen Verehrung, so er uns in diesem Stücke zu willen seyn würde.

Dieser Raht mißfiele den zweyen andern nicht, beschlossen demnach solchen, und vereinigten sich miteinander, richteten auch eine stattliche Collation zu, und berufften den D. Faustum darzu, worbey sie ihm nach einem kleinen Umtrunck ihr Verlangen, und die Ursach seines Beschickens zuverstehen gaben; darein er denn alsobald consentiret und einwilliget, und ihnen aufs müglichste zu dienen zugesaget, nur daß sie solches in der Stille halten möchten.

Den Abend nun zuvor, als morgenden Tags darauf das Fürstliche Beylager seinen Anfang nemen solte, beruffte D. Faustus diese drey Freyherren in seine Behausung, befahl ihnen sie solten sich aufs [214] schöneste ankleiden, das denn zur Stund geschahe! bedeutete ihnen dieses zugleich, und sprach: Er wolle wol ihres Willens seyn, und sie in gar kurtzer Zeit nach München bringen, aber sie solten ihm treulich verheissen und zusagen, daß keiner unter ihnen Zeit dieser Fahrt einiges Wort reden, auch ob sie schon in den Fürstlichen Pallast kommen, und man mit ihnen reden würde, daß sie ja keine Antwort geben solten: und so sie denn solches thun und leisten würden, so wolle er sie sicher und ohne alle Gefahr dahin führen, und sie von dar wiederum in ihr Logement anhero bringen; wo sie aber deme nicht würden nachkommen, sondern wärender Zeit etwas reden, und sich versehen, so wolte er hiemit aufs Beste protestiret haben, und solle alle Gefahr alsdenn auf ihrem Hals ligen. Darauf sie denn solches ihme zu thun zusagten, und ohne Mangel zu verrichten versprachen.

Vor Tages nun richtete D. Faustus seine Fahrt zu, und legte seinen Nachtmantel auf ein Bett im Garten seines Hauses ausgebreitet, setzte diese drey junge Baronen darauf, sprach noch einmal ihnen tröstlich zu, sie solten unerschrocken seyn, und sich nicht fürchten, sie solten nur ihres Versprechens eingedenck seyn, und nicht reden, sie würden bald an dem [251] verlangten Ort seyn. Und sihe, da erhebete sich bald ein Wind, der schluge den Mantel zu, daß sie gleichsam zusamt dem Fausto darinnen verborgen lagen, hube also der Wind den Mantel empor, und fuhren also miteinander in N. N. Namen, immassen D. Faustus solchen beschworen, fort, erschienen auch nach Verfliessung etlicher Stunden, bey schon hellem Tage, in dem [215] Vorhof deß Fürstlichen Pallasts, daß auch ihrer niemands gewar worden, wie und welcher Gestalt sie dahin gekommen: nachdeme sie sich aber dem Pallast genähert, und der Hof-Marrschall ihrer wahrgenommen, hat er sie höflich empfangen, und sie als Fremde, nach ein und anderer erzeigter Reverenz, auf den obern Saal durch andere, weiln er sehr beschäfftiget war, begleiten lassen. Da denn dieses erstlich dem Hof-Marschall, nachmals dem Hof-Junckern der sie begleitet, wunderseltzam fürgekommen, daß sie so gar auf keine Frage, woher und von wannen sie her wären, von wannen sie kämen, u.s.w. nichts nicht antworteten, sondern gleich ob sie stumm wären, mit tieffester Reverenz ihre gegen-Ehrerbietung zuverstehen gaben; und weiln allda mehr zu thun, und nicht Zeit ware der Sachen etwan ferner nachzudencken, wurden sie, die Freyherren, allda gelassen, bis die Trauung geschehen, und es nun an deme war, daß man bey Herbeynahung deß Abends zur Tafel sitzen wolte.

Nota: Es melden etliche Editiones, sie haben sämtlich solcher Trauung und andern Solennitäten den gantzen Tag über unsichtbar zugesehen: dieses ist aber nicht, denn D. Fausti eigene Hand, als der jederzeit hat seiner Kunst halben wollen sonderlich berühmt gehalten seyn, vermeldet, wie es allhier erzehlet wird.

Nachdeme nun die Fürstlichen Personen haben ihre Stelle an der Tafel genommen, und man auch mit dem Handwasser auf Befehl deß Churfürsten, deme indessen der Hof-Marschall von diesen dreyen [216] stummen Herren einige Meldung gethan, und daß sie sich nicht zu erkennen geben wolten, an diese gelanget und kommen, spricht der eine von diesen Freyherren, vergessend seines Versprechens, er bedancke sich wegen solcher hohen Ehre zum allerhöchsten. Nun ist zu wissen, daß D. Faustus, wie oben gedacht, ihnen expressè befohlen, sie [252] solten nicht ein Wort reden, und wenn er würde zweymal sprechen: wolauf, wolauf, so solten sie alsobald nach seinem Mantel greiffen, alsdenn würden sie so bald wiederum den Weg unsichtbar fahren, wo sie herkommen seynd; und diesem nach haben bald die beede, auf das ergangene Wort Fausti, den Mantel ergriffen, und seynd miteinander unsichtbar dahin gefahren, der dritte aber, der sich wegen der angethanen Ehre, wegen deß gereichten Handwassers, und Beruffung zu der Tafel, bedancket, ist gantz erschrocken dahinden gelassen worden.

Es ist leicht zu ermessen, wie diesem Hinterlassenen müsse zu Mut gewesen seyn, zumaln es ja nicht hat lang verschwiegen bleiben mögen, und je einer dem andern von dem Handel etwas in die Ohren gelispelt, bis es endlich für die Ohren deß Churfürstens selbst gelanget, der denn bald Nachfrage halten lassen, wie es mit solchem allen eigentlich beschaffen wäre.

Was solte aber dieser Halbgefangene auf ein und anders Ausfragen anderst antworten als mit der Verschwiegenheit, weiln er leichtlich erachten kundte, wenn er seine Herren Vettern verrathen, und den gantzen Verlauff entdecken würde, daß dieses gar bald ihren Eltern, und ihnen selbst zu grosser Beschimpffung kundt gethan werden [217] dörffte; getröstete sich darbey, als er gleich auf Befehl deß Churfürstens an ein verwahret Ort, gleich einer Gefangenschafft, geführet wurde, daß seine Vettern ihn nicht lassen würden, sondern den D. Faustum dahin bringen und vermögen, daß er seiner Gefangenschafft wieder befreyet werden möchte: welches denn auch nicht lang hernach beschehen: denn ehe gar der folgende Tag recht angebrochen, machte sich D. Faustus auf, kame an das Ort, wo der junge Freyherr verarrestiret lage, und als er sahe, daß das Gemach mit etlichen von der Leibwacht deß Fürsten verwahret und verwachet ware, bezaubert es sie, gleich als mit einem süssen Schlaff, eröffnete mit seiner Kunst Schloß und Thüre, schluge seinen Mantel um den Freyherrn, der noch gar sanfft schlieffe, und brachte ihn also unvermerckt zu seinen beeden Vettern nacher Wittenberg: dessen sie denn sehr erfreuet worden, haben sich höchlich bedancket und in mit einer ansehnlichen Verehrung beschencket.

[253] Anmerckung.

I. Bey diesen dreyen jungen fürwitzigen Freyherren ist zu behalten, in welcher Seelen-Gefahr zu mancher Zeit die studirende Jugend stecke, wenn sie Belieben träget, entweder auf dem Mantel lernen zu fahren, oder dieses und jenes sonst nicht so gar mügliches zu wegen zubringen, oder welches etwan am gemeinlichsten geschihet, aus lauterm Fürwitz zauberische und schwartzkünstlerische Bücher zu lesen. Worzu denn manchmal die Jugend mehr Lust und Belieben träget, als nach der H. Bibel und andern guten nützlichen Büchern; kommen aber auch bisweilen darüber zu kurtz, lauffen übel an, und gerahten in sehr grosse Gefahr, wie die Exempel und Erfahrung bezeugen.

M. Joh. Rüdinger erzehlet in seiner vierdten Predigt de Magia illicita, daß er selbsten von zweyen vornemen Männern [218] diese warhafftige Geschicht habe hören erzehlen, die sich mit ihnen zugetragen, als sie zu Leipzig studiret: nemlich, es habe einer den andern erinnert der actuum juvenilium, derer Händel, die sich mit ihnen in der Jugend begeben, insonderheit dessen, daß sie nemlich einsmals ihrem Famulo sein Schwartzkünstler-Buch genommen, und haben im Spatziren-gehen darinnen gefunden eine mit Worten, Characteren und sonderbaren Verrichtungen beschriebene Kunst, Wetter und Donner zu machen: sie haben aber zur Zeit auf dem ebenen Felde gesehen, daß kein einiges Wölcklein am Himmel gewesen, nun habe einer unter der Gesellschafft angefangen, ob sie nicht wolten ein Kunststück aus ihres Famuli Buch versuchen? worzu etliche gute, etliche aber gar keine Beliebung getragen; doch haben endlich die meinsten Stimmen golten, und haben diese Kunst zu probiren ein jeder etwas darbey thun müssen, der eine habe müssen den Kreiß machen, der andere ein Grüblein graben, der dritte Wasser darein holen, der vierdte die darinn vermengte Materie umrühren, der fünffte die Characteres mahlen, der letzte aber die im Buch vorgeschriebene Wort im Kreiß verlesen.

Darauf sey es geschehen, daß so hell der Himmel zuvor gewesen, so dunckel sey er worden, und je mehr sie fortgefahren, je schwerer habe sich das Gewitter erzeiget, worüber sie denn auf ihre Knie gefallen, mit aufgehabenen Händen GOtt gebeten, daß er ihnen solches was sie aus Unverstand und Fürwitz gethan, deß Teuffels Macht zu probieren, und hätten ihn darmit versuchet, wolle um Christi willen gnädiglich verzeihen und vergeben, sie wolten sich auch dißmal verpflichten und zusagen, daß sie es die Zeit ihres Lebens nimmermehr zu thun sich wolten unterstehen, sondern von Hertzen-Grund feind seyn [254] und alle darvon abnehmen: darauf seye allgemach das Gewitter wieder vergangen, und seye der Himmel wieder hell und schön worden, haben auch dieses Buch in das nächst fliessende Wasser, der Pleissa, geworffen, solcher Gestalt daß sie es aufgeblättert, einen Stein daran gebunden, daß es desto eher in dem Wasser verderbet würde.

Mancher hat zwar sonsten schöne Gaben von Gott, am Verstand, Kunst und Scharffsinnigkeit, aber er ist darmit nicht zu frieden, er will mehr wissen, und vor andern den Vorzug haben; dichtet und trachtet wie er etwan einen Spiritum familiarem möge überkommen, der ihm denn zu solcher Kunst und [219] Wissenschafft bringet, daß sich andere, welche solche Personen vorher gesehen und gekennet, sich nicht genugsam darüber verwundern können, immassen die Exempel mit Cornel. Agrippa, Apollonio Thyanæo, Johanne Trithemio, und andern mehr bezeugen.

Wie denn deß Menschen Natur immerdar begierig ist was neues zu erforschen und zu sehen, ob es schon böse ist; und hat solcher Fürwitz schon manchen und manche in das Verderben gestürtzet; als man unter andern von einer von Adel lieset, daß, wenn sie zum Hexentantz und Wolleben hat kommen sollen, hab ihr der Teuffel allezeit ein schönes Pferd mit einem aufgelegten Weiber-Sattel gebracht, und sie darauf hin geführet: dieses hätte nun gern die Magd gewust, wo sie doch immer hinritte, und fragte sie deßhalben einsten? darauf die Frau sie hinwie derum gefragt, ob sie mit ihr wolte? so solte sie eine solche Freude sehen, dergleichen sie in dieser Welt nicht gesehen hätte. Worauf alsobald die Magd aus Fürwitz eingewilliget, und etlichemal auf einem Bock der Frauen nachgefahren, hat auch wol gemercket, daß es das Hexenwerck wäre, ist endlich auch dahin beredet worden, daß sie sich darein begeben, worzu sie ihr verdamlicher Fürwitz gebracht, wie sie selbsten nachgehends, als sie ist eingezogen worden, gütlich bekandt hat: hätte sie ihr fürwitziges Fragen unterwegen gelassen, und ihre Frau immer hin lassen reiten, so wäre sie nicht darein gerathen.

Ein Spanier, ein gelehrter Mann argwohnete, daß seiner Nachbarn einer ein Zauberer wäre. Aus grossem Verlangen, die Warheit hiervon recht zuwissen, gesellet er sich zu ihm, und gienge mit ihm also um, daß er zuletzt die Heimlichkeit erfuhre. Der Zauberer hielte von dieser Zeit bey ihm an, sich um die Sache auch anzunemen, welchem der andere aus Fürwitz Gehör gabe, und bestimmeten einen Tag, sich in der Versammlung einzufinden.

Als die Nacht dieses Tages kame, führete der Zauberer seinen Gesellen durch etliche Berge und Thäler, die er gewiß sein Lebtage nie gesehen, und dünckte ihn, daß sie in weniger Zeit einen weiten Weg [255] gereiset wären. Nachmaln, als sie in ein Feld kommen, gantz mit Bergen umgeben, sahe er eine grosse Anzahl Männer und Weiber, die sich da versamleten, und kamen alle zu ihm, waren sehr frölich, und danckten ihm, daß er sich auch zu ihrer Gesellschafft thun wollen, ihm darne[220]ben zuverstehen gebende, daß er der Glückseligste in der Welt seyn, und sich über die Massen wol darbey befinden werde.

Es war aber mitten in dem Feld ein fast hoher und köstlicher Thron, und in der Mitten desselben ein heßlicher und abscheulicher Bock. Dasselbigmal nun stiegen alle die bey der Versamlung zugegen waren, um eine gewisse Stund der Nacht über etliche Staffel hinauf zu dem Thron, und küsseten diesen Bock im Hindern. Als der fürwitzige Spanier diesen so schrecklichen Greuel sahe und hörte, ob er wol von dem Zauberer erinnert war, was er thun solte, kundte er doch länger nicht Gedult haben, sondern fieng an zuschreyen, und mit heller Stimme GOtt um Hülffe anzuruffen. Alsobald erhube sich ein Getümmel und so erschröcklicher Donner, als wenn Himmel und Erden in den Abgrund versincken wolten, also, daß der Fürwitzige gantz verdüstert und gleichsam unempfindlich dabliebe, und so lang er in dem Wesen war, vername er nichts von dem, was vorlieffe.

Da er nun wieder zu sich selbst kommen, ward es Tag, und befande sich in fast rauhen Bergen, so zerschlagen und abgemattet, daß ihm däuchte, er hätte nicht ein Bein an sich, das gesund und gantz wäre. Und da er wissen wolte, an welchem Ort er wäre, gienge er hinab aufs ebene Land, allda er Leute gefunden, so unterschieden von denen in Spanien, daß er ihre Sprache nicht verstunde, und wuste sonst nichts auszurichten, denn ihnen durch Zeichen und Deuten zuverstehen zu geben, daß sie ihme zu Hülffe kämen.

Da er nun gar allein reisete, zog er gegen Niedergang, und schweifete drey Jahr herum, ehe er wiederum in Spanien kommen kundte, mit unzehlicher Mühe und Gefahr.

Nach seiner Anheimkunfft entdeckte er alles das, was sein Fürwitz, ihme zusehen und zu erkennen gegeben; auf welches der Zauberer und andere von der Gesellschafft, von der Obrigkeit deß Orts gerechtfertiget wor den, A. de Torquemad 1. 3, Hexaemer.


II. Darnach und überdas gibt obgedachte Mantelfahrt D. Fausti, samt seinen mitgenommenen dreyen jungen Freyherren Anlaß zufragen, ob diß leiblich seye zugangen, oder, obs zu glauben, daß noch heutiges Tags die Zauberer und Hexen an ferne abgelegene Orte leibhafftig fahren, oder gebracht werden.

[221] Hierinnen seynd nun der Gelehrten Meinung nicht gleich. Etliche wollen, daß der Teuffel den Zauberern nur die Augen verblende [256] und als ein Tausendkünstler ihnen im Schlaff allerley seltzame Sachen einbilde, also daß sie vermeinen, sie seyn anderswo, und lebeten wol, pflegeten und genössen allerley Freude und Wollust, da sie doch sich daheime auf der Banck, in ihrem Zimmer, oder im Bette befinden.

Nun kan mans zwar nicht in Abrede seyn, daß der Teuffel aus GOttes Verhängniß sie durch Verrückung ihrer Sinne in einen tieffen Schlaff könne bringen, und sie also verblenden und bethören, daß sie im Traumen meinen, sie fahren in der Lufft, kommen da und da hin, thun dieses oder jenes, u.s.f. auf welcher Meinung sie auch bleiben, wenn sie wieder erwachen.

Dergleichen auch öffters ist erfahren worden, da manches Hexenweib die Nacht über in der Kammer und Bette dem Mann an der Seiten gelegen, und doch am Morgen wunderbare Dinge von ihrer Reise und Fahrt erzehlet hat. Ja man hat bisweilen, die Sache besser zu erkundigen, die Nacht über fleissige Achtung auf solche schlaffende Weiber gegeben, und gesehen, daß sie sich unter wärendem Schlaff hefftig bemühet, und endlich nicht anderst als wenn sie einen fernen Weg gezogen, matt und müde da gelegen.

D. M. Luther setzet Tom. 1. Jenens. f. 126. aus D. Joh. Geiler Keysersberg, weiland Thumpredigers zu Straßburg, folgendes Exempel; daß nemlich an einem Ort ein Prediger das Hexenwerck öffentlich gestraffet, und angezeiget habe, daß sie nur vom Teuffel verblendet würden, und wenn sie vermeineten, sie führen von einem Ort zum andern, so wären es nur Träume und Gesichte, die ihnen der böse Geist im Schlaff vorbrächte. Darauf eine alte Vettel den Prediger auf dem Abend zu sich beruffen, und gesagt habe: was er nicht glauben wolte, das solte er jetzt sehen und erfahren, denn sie wolte sich salben und hinweg fahren: hat sich darauf in einen Backtrog gesetzet, und mit der Salben zum Besten geschmieret, ist aber alsobald in einen tieffen Schlaff gesuncken, und hat in demselben seltzame Geberden und Bewegungen an sich sehen lassen, bis sie auch endlich mit dem Backtrog von der Banck herab, und ein Loch in den Kopff gefallen hat.

Wie sie nun erwachet, und zu sich selbst kommen, hat sie wunderliche Sachen, die sie mitler Zeit gesehen und gehandelt hätte, angezeiget. Sie ist aber durch die Wunden, die sie aus [222] dem Fall bekommen, überzeuget worden, daß sie nicht ferne, sondern gegenwärtig verblieben seye.

Joh. Baptista Porta schreibet 1. 2. Magiæ Natur. c. 26. daß die Imagination und Einbildung eines Dings bey den Menschen, und sonderlich bey den Weibspersonen, so mit Hexenwerck und Zauberey umgehen, gar viel thue, daß wenn sie sich mit ihren Salben, so sie aus etlichen[257] Stucken zugerichtet haben, geschmieret, und darvon entschlaffen seynd sie nicht anderst vermeinen, als fahren sie stracks dahin zu einer herrlichen Mahlzeit, Saitenspiel, Täntzen und schönen Jungengesellen, da es doch nur eine lautere Imagination ist.

Da ich nun (sagt ermeldter Author) solchen Dingen zum fleissigsten nachforschte, und hin und her gedachte, weiln ich selbst daran zweiffelte, ist mir eine alte Vettel vorkommen, welche mir freywillig versprochen und zugesagt, sie wolte mir in Eil und in kurtzer Zeit hierauf antworten und Bericht thun, hieß also mich und die andern, so als Zeugen bey mir waren, abtretten und herausgehen: nachdeme sie sich nun ausgezogen, und mit einer Salben, wie wir solches durch eine Klumse oder Spalte der Thür gesehen, überal geschmieret, ist sie durch Krafft derselben schlaffmachenden Salben niedergefallen, und in einen harten tieffen Schlaff gesuncken.

Als wir nun zugefahren, und die Thür eröffnet, ihr auch die Haut recht wol gepläuet, hat sie doch so hart und vest geschlaffen, daß sie keine Schläge gefühlet noch empfunden: derowegen seynd wir wieder hinaus gangen, der Sache weiter auszuwarten. Indessen ist die Krafft deß Schmierens zimlicher Massen verloschen, daß also ihre Würckung aufgehöret, und das Weib vom Schlaff erwachet; da hat sie viel Narrenwerck zu erzehlen angefangen, als wie sie über Berg und Thal, und alle Wasser gefahren seye.

Wir sagten beständig nein darzu, und ob wir ihr wol die Schläge an ihrer Haut vorweiseten, die sie von uns in solchem Schlaff bekommen hätte, so bliebe sie doch auf ihrer Meinung, und wolte recht haben, und war all unser Vorwenden umsonst und vergebens.

Ob nun zwar wol dieses bey vielen geschihet, denen der Teuffel die Sinne also verblendet, jedoch so kan daraus nicht geschlossen werden, daß es darum bey allen und jeden geschehe, und gar keine warhafftig und leiblich durch die Lufft fahren

Andere seynd der Meinung, daß der Teuffel der Zauberer [223] und Hexen Seel und Geist allein an den Ort pflege zu führen, da sie zusammen kommen, da unterdessen der Leib zu Haus ohn seine Vernunfft und Bewegung liege, bis die Seele und der Geist wieder heim komme: daß aber bey solchem Fahren die Seele und der Geist aus dem Leib allein wegfahre, und derselbe als tod daheim liegen bleibe, so kan solches unter andern um deßwillen nicht seyn, weil die Seel, so lang der Mensch allhier auf Erden lebet, ihre Substantz nicht ausser sondern in dem Leibe hat, und machen diese beyde, Seel und Leib, miteinander einen Menschen.

Wenn nun der Teuffel, dieser Meinung nach, die Seel aus dem [258] Leibe wegnimmet, so muß der Leib entweder lebendig oder tod seyn. Lebendig kan er nicht seyn, weil die Seele nicht darinnen ist, welche dem Leib das Leben mittheilet, und ohne welche der Leib nicht lebet; tod kan er aber unterdessen auch nicht seyn, denn sonst würde folgen, daß die todten Leiber durch deß Teuffels Gewalt, und wenn er die Seel wiederbringet, köndten von den Todten auferwecket, und wieder lebendig gemachet werden; welches doch GOtt einig und allein thun kan, es ist sein Werck, die Todten lebendig machen und auferwecken, welches dem Teuffel unmüglich ist: darum kan diese Meinung auch nicht stehen.

Daß aber viel warhafftig mit den Leibern durch die Lufft hindurch fahren, und solche Fahrt mit ihnen anzustellen dem bösen Geist nicht unmüglich seye, das wird bewiesen aus den Exempeln der heiligen Engel, von denen man weiß, daß sie fromme und gottselige Leute von einem Ort zu dem andern durch die Lufft leibhafftig geführet haben, als den Propheten Eliam, wie zu sehen im andern Buch der Könige im 2. v. 11. Den Habacuc hat der Engel oben bey dem Schopff gefasset, und wie ein starcker Wind über zweyhundert Meil Weges zum Propheten Daniel geführet, daß er ihm Speisse zugetragen, die er doch für seine Schnitter bereitet hatte; und ihn auch wiederum von dannen an seinen Ort zu Hause gebracht, wie in den Stücken Danielis unter dem Titul vom Drachen zu Babel v. 32. et seq. zu lesen ist.

Philippum, nachdem er den Kämmerer getaufft hatte, hat der Geist deß Herrn, oder der Engel deß HErrn, hinweg gerücket, daß ihn der Kämerer nicht mehr gesehen, und ist hernach zu Asdod gefunden worden, wie die Geschichte der Apostel bezeugen, im achten Capitel v. 39.

[224] Was nun in solchem Fall (sagt Herr M. Waldschmid. und Freudius) einem guten Engel zu thun müglich ist, das ist dem bösen Geist nicht unmüglich: was jener kan auf GOttes Befel, das kan dieser auf GOttes Erlaubniß; denn sie haben beederseits einerley natürliche Stärcke, deren die Teuffel durch ihren Fall nicht seynd beraubet worden: dannenher sagt an einem Ort der H. Augustinus: Angelicæ naturæ et Spiritibus non esse contrarium, ut corpora quo DEUS permittit, deferant, das ist: Es ist der Engel Natur und den Geistern nicht zu wider und unmüglich, daß sie die Leiber dahin tragen können, wohin GOtt zulässet.

Und daß es der böse Geist auch offt, sehr offt gethan, und solcherley Verruckung und Abführung an abgelegene Orte in der Warheit ergehen und geschehen können, gibt uns zu glauben das Exempel Christi, der von dem Teuffel leibhafftig (nicht einbilderischer und spiegelfech terischer Weise, wie Oecolampadius, Bucerus und andere vorgeben) auf [259] die Zinnen deß Tempels, und auf den hohen Berg geführet worden, Matth. 4. vers. 5. 8.

Was nun aber der böse Geist aus GOttes Zulassung, und deß HErrn Christi gedultiger Leidung, mit seinem deß HErrn Christi Leib hat thun können, wie solte es ihm an andern Menschen, sonderlich an deß Teuffels Bundgenossen nicht müglich und practicirlich seyn, wo es ihme GOtt verhänget?

In den weltlichen Historien lieset man, daß der Teuffel Johannem Teutonicum, der ein Priester zu Halberstadt, aber doch darneben ein grosser Zauberer gewesen, im Jahr Christi 1271. also habe geführet, daß er zu Mitternacht hat können in den dreyen Städten, zu Halberstadt, Mayntz und Cölln, die Christmesse halten. Nun seynd diese drey Städte zimlich weit voneinander gelegen.

Den Zauberer Apollonium Thyanæum, der vor dem Käiser Severo der Zauberey überzeuget worden, deßwegen er auch in das Gefängniß solte geworffen werden, hat der Teuffel in Gegenwart deß Käisers und anderer, aus Rom gen Puteolis geführet, und ist er desselbigen Tages, nemlich seiner geschehenen Hinfahrt, allda gesehen worden.

P. Grillandus qu. 7 de Sortileg. erzehlet von einem Weibe aus S. Sabinen Pfarr, nahe bey Rom, die war nun eine Meisterin in der Teuffelskunst, und kame deßwegen bey ihrem Mann in Verdacht, der sie auch zu Rede setzte, kondte aber doch [225] nichts erfahren. Gleichwol dachte er die Sach noch endlich mit List zu erforschen, und sahe einsmals sein Weib sich Nachts mit einer Salb schmieren, mehr geschwinder als ein Vogel entweichen, und aus der obern Kammer in das untere Haus fahren. Er gienge ihr nach, fand sie aber nicht, sahe nach der Hausthür, die war wol verschlossen, darüber er sich höchlich verwunderte. Den folgenden Tag fraget er sie abermal mit Ernst, jedoch gantz vergeblich: darum hielte er ihr vor alles was er die vorige Nacht von ihr gesehen; er ergreifft einen Stab, und prügelte sie wol, drohete ihr auch noch ein Ärgers: doch solte es ihr geschencket seyn, da sie die Warheit würde gestehen.

Weil sie nun sahe, daß alles Laugnen umsonst und vergebens, erzehlet sie alles, und bat ihn um Verzeihung: dazu der Mann sich dergestalt verstunde, wenn sie ihn zur Versamlung wolte mitnemen; welches sie gerne zusagte, und vom Teuffel erlangt. Wie er nun an den Ort hinkame, sahe er das Spiel, den Tantz, und alles übrige: man setzte ihn auch an die Tafel, und weil er die Speisen sehr ungeschmack sahe, begehret er ein wenig Saltz, konte aber sobald keines haben, bis nach vielen und offtmaligen Fordern man eines brachte, da sagte er: Hor laudato sia Dio, pour venne questo Sale, nun GOtt sey gelobet, [260] das Saltz kommt. Auf welches Wort die Teuffel alle verschwunden, samt allen den Gästen, also daß er bey ausgelöschten Liechtern nackend und blos allein da bliebe, bis er Morgens Frühe etliche Hirten ersehen, die ihn berichteten, das Land gehöre nach Benevent, im Königreich Neapolis, hundert welsche Meilen von seiner Heimat: darum er auch, wie reich er sonsten war, sich nacher Haus durchbetteln müssen, und so bald er heimkommen, hat er sein Weib als eine Zauberin bey der Obrigkeit angeklagt, und alles erzehlet; darauf ist sie gerichtet und verbrandt worden.

Ebenmässig berichtet Simon Majolus in Dieb. Canicul. f. 630 von einer Wittib, daß deren Knecht habe gesehen, wie die Frau im Stall, wenn andere Leute geschlaffen, mit ausgestreckten Händen habe das Heu angegriffen, und darmit viel Phantasey getrieben, auch darauf weg gekommen. Er, aus Fürwitz und Vermessenheit, salbet sich auch also, kommet also fort in einen weit abgelegenen Ort, bey einem Flecken Weych genannt, da eine grosse Menge Hexen in grossen Freuden versamlet waren. Das Weib verwundert sich zum höchsten, wo [226] der Knecht hergekommen? und fraget ihn deßwegen, darauf er den Handel erzehlet.

Die Frau wird sehr zornig und berathschlagen sämtlich, was man mit ihm machen solle? da wird pro und contrà disputiret, endlich dahin geschlossen, daß man ihn tödten wolle. Weiln aber der Satan zur Zeit die Macht nicht hatte, so erbeut sich die alte Vettel, den Knecht auf dem Rucken nach Hause zu führen; aber da sie auf einen grossen Morast kommt, wirfft sie ihn darein, in Hoffnung, er solle darinn umkommen: allein aus Beschützung GOttes, und sein vielfältiges lautes Schreyen, wird er durch einen damals unweit vorüber fahrenden Edelmann, Johann Culenburg genannt, nach Utrecht zu Hause gebracht, und wird die Hexe würcklich bestraffet.

Ich selbst, schreibet Augustinus Lercheimer, habs von einem Zauberer gehöret, daß er samt andern von N. aus Sachsen gen Paris in Franckreich, mehr als hundert Meilen zur Hochzeit ungeladen gefahren seye auf dem Mantel: haben sich aber bald wieder darvon gemachet, da sie gemercket, daß man im Saal mummelte, was diese für Gäste wäre, wo sie herkämen, u.s.w. und sie vielleicht mit Knütteln und Pistolen beneventiren und willkommen heissen wollen. Es hatte auch derselbige Zauberer rote Augen, die er vielleicht von solchem Nachtfahren über kommen: im Bedencken von Zauberey c. 13.

[261]
Das 32. Capitel
Das zweyunddreissigste Capitel.
Wie D. Faustus Geld von einem Juden entlehnet, und ihme seinen Fuß zum Unterpfand eingesetzet.

WAhr ist es, daß der Geist Mephostophiles eben genug zu thun hatte, Geld und Mittel zu verschaffen, daß sein wollüstiger und verschwenderischer Herr, der D. Faustus, genug zu panquetiren und zu verschlemmen hatte, wolte demnach dieses so sehr nicht mehr thun, sondern warffe ihm einsten mit allem Ernst für, er wäre nun schon eine lange Zeit her mit aller Kunst und Geschicklichkeit versehen und begabet worden, daß er sich deren wol [227] gebrauchen, und sich wol selbsten ernähren köndte, ohne daß er hinfüro etwas mehr darbey thäte, und was dergleichen der Geist mehr ihme vorgehalten; darwider denn D. Faustus sich nicht wol setzen durffte, weil er bey sich bedachte, und sagte: es ist gleichwol nicht ohne, was soll mir nutzen meine Kunst und Geschicklichkeit, wenn ich deren nicht gebrauchen solle? wie will denn mein Nam ausgebreitet werden? Liesse es demnach also darbey beruhen.

Damit er nun bey Zeiten Geld überkommen möchte, auch Geld mit guten Gesellen zu verspielen hätte, wolte er ein Stücklein seiner Kunst seinen guten Freunden sehen lassen, und verfügte sich mit solchen zu einem fast reichen Juden, allda Geld aufzubringen oder zu entlehnen, da er doch nicht im Sinn hatte, solches wieder zugeben: begehret deßwegen von dem Juden sechtzig Thaler auf ein Monat lang, die wolle er ihm alsdenn mit Danck wiederum bezahlen, oder er solte ihm ein Bein an Statt deß Unterpfands abnemen (welches er aber nur Schertzweise geredet, der Jud aber für Ernst aufgenommen hat) und leihet ihm der Jud, nach dem er die andern Anwesenden zu Zeugen hierzu angeruffen, das Geld.

Als aber die Zeit bereits verloffen, und der Jud, den nichts Gutes geahnet, sich in D. Fausti Behausung verfüget, allda sein Geld nebens dem Interesse zu holen, empfinge D. Faustus den Juden aufs freundlichste, und sprach zu ihm: lieber Jud, [262] ich weiß mich gar wol zu entsinnen, daß ich dir nach Verfliessung dieser Zeit dein Geld nebens dem Interesse wieder zu geben versprochen, allein wer kan ihm thun, daß ich anjetzo nicht bey Geld bin? Wilst [228] du nicht länger borgen, magst du hinlauffen; ich wolte dir nicht eher eine Bratwurst wünschen.

Leicht ist zu erachten, daß dieses dem Juden müsse mächtig in die Nasen geschnupffet haben, und weiln er nebens noch zweyen andern Juden mit erschienen, als hat er, gantz entrüstet, sich dieser Drohwort gegen D. Fausto gebrauchet: er soll einmal für allemal anderes Sinnes werden, oder er wolte sich mit Gewalt an sein versprochenes Unterpfand halten, welches da seye einer von seinen Füssen.

D. Faustus stellte sich als wüste er nichts hiervon, und begehrte von ihm ein solches aus seiner Obligation zu lesen, weil ers nicht glauben köndte; welches als ers gelesen sagte er: mein Mosche, es ist wahr, ich hab verlohren, weiß dich auch so bald nicht zu bezahlen, derowegen magst du dich an dein Unterpfand halten, und hiermit hast du deinen Bescheid.

Der Jud gantz rasend, gedachte, ich habe wol ein mehrers als sechtzig Thaler auf einmal verloren, und wolte sich auch kurtzum an sein Unterpfand halten, und den Fuß haben, welches er vielleicht derentwegen gethan, dem D. Fausto einen nicht geringen Schrecken einzujagen.

Aber was geschihet? D. Faustus stellet sich als seye ihm bey der Sach nicht wol, nimt eine Seegen, legt sich auf das Faulbette, gab solche dem Juden und sprach, er solte nun in aller Hencker Namen sein Unterpfand hinnemen, jedoch mit dieser ausdrücklicher Bedingung, daß ihme der Fuß innerhalb solcher Zeit und so bald er die gantze Summa würde entrichten wollen, wiederum alsobald zuhanden möchte gestellet werden: welches nicht allein [229] der Jud dem D. Fausto zu sagte, sondern stracks darauf, als ein rechter Christenfeind, über den Schenckel herwischte, den Fuß darvon unverzüglich ablösete, das Blut mit einer aufgelegten Salben stopffte, den guten Faustum aber halb tod, seiner Meinung nach, hinter sich verliesse.

Der Jud zoge nebens seinen Mitgesellen mit dem Fuß [263] fort, dachte doch unter wegens, und sagte zu den andern, was ihm anjetzo dieser frommen oder nutzen möchte, er dörffte ihm etwan noch theuer genug ankommen, so D. Faustus deßwegen sterben solte: warffe demnach solchen, weil die andern gleiches sagten, als er über eine Brucken anheim nach Hause gieng, in ein fliessendes Wasser, und gienge seinen Weg, nicht anderst denckend, daß er nunmehr bezahlet wäre.

Allein mitler Zeit, da es den D. Faustum Zeit seyn bedauchte, sein Unterpfand zu lösen, citiret er obgedachten seinen Creditorem den Juden durch etliche Studenten, seine gute vertraute Freunde, wie auch zween Gerichts-Bediente in seine Behausung auf einen bestimten Tag, auf welchen Tag er nemlich nebenst Darlegung von dem Juden und Wiedereinantwortung seines Unterpfands, seine Schuld-Summa abstatten wolte. Wer erschracke aber mehr und höher, als der Jud diese unverhoffte Post überkame, als eben er? und noch viel mehr, da er gleichsam mit Gewalt mit zu gehen gezwungen ward?

Immassen denn D. Faustus auf deß Juden Ankunfft sich sehr schmertzhafft und darbey recht ungedultig erwiesen, daß der Jud mit dem Fuß so lange ausgeblieben wäre, da er doch schon vor [230] etlichen Tagen das Geld beysammen gehabt, und nun nichts anders zu haben verlangete, als seyn Unterpfand. Welches, weiln es der Jud nimmer bey handen hatte, auch nicht gewähren kundte (das nun dem D. Fausto nicht unwissend war) stunde er nicht in geringen Sorgen, und erbote sich, er wolte die bey sich habende Obligation und Schuld-Verschreibung wieder einhändigen, und hinfüro von einiger Schuld-Anforderung nichts mehr gedencken, welche er auch also und dergestalt unterschreiben wolte; allein solten sie ihn wegen deß verlornen Unterpfands quittiren, und deßhalben schadlos halten: welches denn dem D. Fausto eine angeneme Zeitung zu hören gewesen; der Jud aber hat sich hierauf bald zur Thüre gemacht, und froh gewesen, daß er also gütlich noch darvon kommen: da indessen D. Faustus vom Bett aufgestanden, mit den Studenten, seiner Weise nach, sich mit deß Juden Geld recht lustig erzeiget, alle deß Bossens, den D. Faustus dem Juden bewiesen, genug gelachet haben.

[264]
Anmerckung.

I. Dieser Jud nun, der wegen etwan zweyer Monat lang, von D. Fausto, wie eine andere Edition hat, über acht Gulden Zins oder Interesse wegen der sechtzig Thaler angefordert hat, gibt allhier gute Anlaß zu fragen, ob man die Juden, weiln sie ja ebenmässig noch heutiges Tages so gesinnet seynd, und man doch nie nichts Gutes sich zu ihnen zu versehen hat, sie stellen sich gleich so gut an als sie immer wollen, dulten und aufnemen solle, oder nicht.

Für das Ja streiten folgende Ursachen: weil sie GOttes Volck, das auch die heilige Schrifft bis auf unsere Zeit verwahret, die sich bekehren können, und wie Paulus zum Römern im 11, v. 25. schreibt, bekehret werden, nachdeme die Fülle [231] der Heiden wieder eingegangen seyn. Stossen wir sie nun von uns, so haben sie keine Gelegenheit das Evangelium anzuhören.

Hierwider wird eingewendet, daß sie ein faules, unsauberes, betrügliches und schändliches Volck, das Christo und allen Christen feina, wider sie täglich bete, von der Armen Schweiß und Blut lebe, sich mit Wucher nähre und nicht arbeite, den Diebstal fordere und alle Nahrung der Christen hindere und hemme.

Etliche gehen nun hierinnen den Mittelweg und sagen, daß man die aufgenommenen Juden ohne erhebliche Ursachen nicht könne aus der Stadt schaffen: wenn aber die Frage, ob man solche Gesellen soll aufnemen, da antwortet man mit nein; weil allezeit in einer Stadt besser ist eine, als zwo widerige Religionen haben.

Im Jahr 1642, den 12. Augusti, hat man in Wien drey der vornemsten Juden, wegen verübten Diebstals in Verhafft genommen: unter diesen war einer ein Rabbi gewesen, hat sich aber in Polen tauffen, und Ferdinand Frantz Engelberger nennen lassen, auch die Zeit seines währenden falschen Christenthums, wider die Juden geschrieben, und etliche Bücher, darinnen er die Juden verdammet, in offentlichen Druck gegeben.

Dieser nun hat den andern zweyen Gelegenheit gemachet, daß sie in ihre Hochfürstliche Durchleuchtigkeit Ertzhertzogen zu Österreich Schatzkammer, dahin er einen Zutritt, vermittelst gebrauchter Diebsschlüssel gebrochen, und viel tausend Thaler daraus entwendet, deßwegen sie alle drey zum Strang verurtheilet worden.

Weiln aber GOtt der Allmächtige nicht zulassen und verhängen wollen, daß ein solcher Ertzböswicht unter dem Namen eines Christen sein Leben enden solte, hat sich zugetragen, daß indem diese drey für [265] das Hals-Gericht gestellet worden, er sich sehr andächtig gestellet und geberdet, verhoffende, weil er ein Christ, sein Leben zu retten; als er aber aus abgelesenem Urtheil verstanden, daß er gleich den andern solte gehencket werden, hat er das Crucifix, welches er in den Händen tragen sollen, auf die Erden geworffen, dasselbe ausgespeyet, mit Füssen getretten, und darauf gesprungen; mit vielen Lästerungen wider die Christen sich erkläret, als ein Jud zu sterben, und solte er gleich in den Abgrund der Höllen fahren, wie Chore, Datan und Abiran, etc.

[232] Als man ihm nun zugesprochen, er solte sich besinnen was er thäte, und daß er das heilige Abendmahl den Tag zuvor empfangen, hat er darauf trotziglich geantwortet, daß er solches nicht genossen, sondern in einem Fatzolet, mit Ehren zu melden, in das heimliche Gemach geworffen, wie es denn auch darinnen besagter Massen in dem Amthaus, da er gefangen gesessen, gefunden worden.

Hier aber hat einer von den H. Jesuiten aus Eifer gesaget, daß es kein Wunder, wenn man alle die Juden zu Boden schlüge und mit Füssen trette, wie dieser das Bildniß unsers Erlösers. Worüber sich denn ein Tumult erhoben, daß etliche Juden erschlagen, und ihre Häuser geplündert worden.

Als nun solches für Käiserliche Majestät gebracht worden, haben sie sich darüber sehr entsetzet, und allergnädigst befohlen, man soll die zween Juden hencken, diesen dritten aber, als den Samaritischen Rabbi, wiederum in Verhafft führen, welches auch, wiewol wegen deß ergrimmten Volcks nach herbey gekommenen Abend geschehen.

Folgenden Tags als der Jud wieder fürgeführet und befragt wurde, warum er gestern so lästerlich mit dem Crucifix verfahren und so viel gottsvergessene Reden ausgestossen, hat er geantwortet, daß er solches den Juden zu Ehren, und den Christen zur Schande gethan, und was er zuvor als ein Christ gethan, sey ihm niemal vom Hertzen gangen, er hätte das Abendmahl nie genossen, sondern allezeit aus dem Mund genommen, und an unsaubere Ort geworffen: ja einen mehrern Abscheu darvor gehabt, als für Schweinen-Fleisch. Kurtz zu sagen, er hat solche Gotteslästerungen hören lassen; daß viel gefürchtet, die Erd thue sich auf, und verschlinge ihn.

Deßwegen wurde diesem Juden eben an dem Sabbat, zu der Zeit, da die andern ihre Abgötterey verrichteten, ein anders Urtheil vorgelesen, welches auch alsobald an ihm vollzogen worden.

Erstlich ist er auf die vier Hauptplätze der Stadt, auf einem hohen Wagen geführet worden, mit einer glüenden Zangen hat man ihm die rechte Brust gezwicket, ferners hat man einen Riemen vom Hals an über den Rücken, aus dem Leibe geschnitten und gerissen, auf der [266] lincken Brust wiederum gezwicket und denn wie zuvor, aus ihm geschnitten.

Bey diesem ist es nicht verblieben, sondern man hat ihn von dem Wagen genommen, auf eine Schleiffe gebunden, da er [233] grausamlich geschryen und geruffen, GOtt, der niemals geboren worden, solte sich seiner erbarmen, u.s.w. An der Richtstatt wurde ihm die Zung heraus geschnitten, die rechte Hand, als einem Bundbrüchigen in der heiligen Tauffe, abgehauen, hernach sein halb todter Leichnam bey den Füssen mit einer Ketten aufgehenckt, und also lebendig gebraten, und samt dem Galgen verbrennet: daß er also wider alle Vermahnung verstockt bis an das Ende verblieben.

Dergleichen erzehlet auch der Trauergeschicht-Schreiber von S. Lazaro, daß zu Bayana Catharina Fernandes, eine Portugesin, die H. Hostien aus dem Munde genommen, und in ihrem Fatzolet verborgen. Ob sie sich nun wol entschuldiget, daß sie gehustet, und die Hostien wieder nemen wollen, hat man ihr doch zu andrer Zeit, als einer Jüdin, keinen Glauben wollen zustellen, sondern es ist solche in dem Sacramenthäuslein mit grosser Ehrerbietung wieder verwahret worden.

Weil aber ein falsches Geschrey auskommen, daß die Ober-Richter deß Orts sich von den andern Juden bestechen lassen, hat der gemeine Pöfel die Jüdin aus der Gefängniß mit Macht genommen, in ein Faß gestecket und lebendig verbrennet; ja ihr nicht die Zeit gelassen, daß sie ihre kostbare Ringe von den Fingern gezogen, welche hernacher unter der Aschen verschmoltzen gefunden worden.

Hierüber haben alle eingeflohene Juden, so aus Hispanien vertrieben worden, inner vier und zwantzig Stunden weichen und die Stadt raumen müssen. Herr Harsdörffer in Schauplatz Jämmerlicher Mordgeschicht, Hist. 135.


II. Anlangend fürs andere die Verblendung D. Fausti, durch welche der Jud allhier vermeinet, er habe Fausti natürlichen Fuß mitgenommen u.s.f. So meldet Augustinus 1. 4. c. de Trinit. daß solches den bösen Geistern leicht seye, den Menschen Gespenst und Geplerr für die Augen zu machen, darüber sich die Leute zu verwundern haben: denn so diese irdische Leiber auf den Schaubünen und Schauspielen mit etlichen Ubungen und Künsten solche Wunder für den Leuten thun, daß die, welche es nicht gesehen haben, kaum glauben, wenn man es ihnen saget und erzehlet: wie groß und wie müglich denn ist es dem Teuffel und seinen Engeln, aus den leiblichen Elementen allerley Gestalten vorstellig zu machen, darüber sich fleischliche Menschen billich verwundern? Oder auch, daß er mit heimlichen Eingeben die äusserlichen Sinne ver[234]blendet, und mahlet ihnen etliche Bilder [267] für in dem Dunckel und Wahn ihres Gemüts, damit er sie wachend und schlaffend betriege, oder machet sie wol gar tobend oder unrichtig.

Aus welchen Worten Augustini wir lernen, daß der Teuffel die Sinne der Menschen könne betriegen, daß sie offt einen Eyd darüber schwüren, sie hätten dieses oder jenes vollbracht, da es doch nicht ist; wie allhie der Jud, der nicht anderst gemeinet, er habe dem Fausto seinen natürlichen Fuß abgeschnitten, item er trage den Fus mit sich, da es doch nicht war.

Glaubwürdig ist von etlichen berichtet worden, wie daß vor etlicher Zeit in dem Würtenberger Land ein grosser Mörder umgegangen sey, der darbey ein überaus grosser Schwartzkünstler gewesen, und kundte sich unsichtbar machen, wenn er wolte, mit Namen Nusch, für welchem sich jederman entsetzte, wenn man nur seinen Namen nennen hörte. Dieser zauberte sich auf eine Zeit bey Schorndorff zu einem alten verdürten abgehauenen Stock oder Trumm von einem Baum; als nun eine gute arme Frau hinaus in den Wald, Holtz aufzulesen gangen war, fande sie ungefehr diesen Block am Wege liegen, dachte bald ich will ihn nemen, und zu Hause schon zerhauen, name ihn auch, lude ihn auf und truge ihn mit sich: als sie aber nahe an das Thor kam, finge der Nusch an zu reden, und sprach, alte Hur stehe still, laß mich gehen, du hast mich lang genug getragen. Die arme Frau erschrack hefftig, und liesse den Stock, unangesehen daß sie so hart und schwer getragen hatte, daß ihr der Schweiß darob ausgegangen, fallen, lieffe darvon; Nusch aber verschwand.

Also kan der Teuffel die Sinne der Menschen sonderlich deren Hertzen nicht mit GOttes Wort verwahret seynd, in mancherley Wahn einführen, wie an den Hexen und blutarmen Unholden zu sehen, daß was sie vornemen und begehen, sie nicht anderst meinen, es geschehe alles natürlich, da es doch nur ein Geplerr und Phantasey ist, und gehet ihnen wie den jenigen, so den Schwindel deß Haupts haben, die vermeinen, es gehe alles um und um, da doch nichts dergleichen geschihet.

Alle der Zauberer Kunst und Macht, sagt Lactantius, 1. 2. c. 15. bestehet in dem Eingeben deß Teuffels, welcher, so er deßwegen angeruffen wird, den Leuten das Gesicht betrieget mit Verblendungen, daß sie nicht sehen was da und zugegen ist, und meinen sie sehen, was doch nicht ist.

[268]
Das 33. Capitel
[235] Das dreyunddreyssigste Capitel.
Wie D. Faustus einen Roßtäuscher betrieget.

Gleicher Weise thäte er auch einem Roßtäuscher bald hernach auf einem Jahrmarckt, der zu Pfeiffering gehalten wurde. Denn D. Faustus richtete ihm durch seine Kunst ein schönes liechtbraunes Pferd zu, mit welchem er auf den Marckt geritten kame, eben zu der Zeit da er am meinsten Kauffer zu haben verhoffte, wie denn auch geschahe; denn er bekame ihrer viel, die das Pferd feyl machten, und weiln es von schöner Höhe, darzu hüpsch proportioniret aussahe, trieben die Käuffer einander, bis letzlich D. Faustus mit einem übereinkame, der ihm viertzig Gulden paar bezahlete, darzu sich nicht anderst einbildete, er hätte einen sehr guten Kauff gethan. Ehe nun D. Faustus das Geld zu sich zoge, bittet er den Roßtäuscher, er solte das Pferd unter zweyen Tagen nicht in die Schwemme reiten, welches ihm der Roßtäuscher versprache, und eben so gros nicht darauf achtete. Ritte also darvon, und war voller Hoffnung, ein Ansehnliches darbey zu gewinnen.

Dem Roßtäuscher fället unterwegens, da er an ein fliessendes Wasser kommen, ein, was doch sein Verkauffer mit diesem möchte gemeinet haben, daß er nemlich das Pferd unter zweyen Tagen nicht solle in die Schwemme reiten, wolte es demnach versuchen, und also den nächsten Weg durchs Wasser fortreiten; als er nun fast in die Mitte deß Wassers kame, sihe, da verschwand das Pferd, der Roßtäuscher aber saß auf einem Büschel-Stroh, und hätte leicht geschehen können, er wäre in Gefahr gerahten.

[236] Der Roßtäuscher, der für Erstaunen und Schrecken nicht gewust was er thäte, nachdeme er aus dem Wasser gewadelt, laufft sporenstreichs zu ruck in den Flecken, da der Marckt gewesen, gleich dem Wirtshaus zu, da vorhero D. Faustus, als sein Verkauffer, innen gewesen, zur Zeit aber eben auf der Banck lage, und thäte als ob er fast schlieffe. Der Roßtäuscher fast rasend und ergrimmet auf ihn, da er Faustum also ligen und schlaffen gesehen, erwischet ihn beym [269] Fuß, und wolte ihn von der Banck herab ziehen, damit er ihm sein Geld wieder gebe; aber da gieng ihm der Schenckel gar aus und fiele der Roßtäuscher mit dem Schenckel rücklings in die Stuben, darauf denn D. Faustus zetter Mordio zu schreyen anhube, daß die Leute zulieffen; welches den Roßtäuscher verursachte, daß er über Hals und über Kopff davon zu lauffen begunte und den Reißaus spielte, nicht anderst meinende, er hätte dem Fausto allerdings den Fuß ausgerissen.

Anmerckung.

I. Von einem gleichen Fall, wie es allhie mit D. Fausti Roßtäuscher hergangen, meldet Herr Horndorff, Pfarrherr zu Droissig, daß zu Naumburg ein Schwartzkünstler gefänglich eingezogen worden sey, der habe bekandt, wie er zuvor her zu zweyen unterschiedlichen malen wäre gehenckt worden, wäre aber jederzeit davon kommen, indeme man an seiner Stadt jedesmal einen Strohwisch an den Galgen gehencket, der auch daran hangen geblieben. Unter andern mehr bekandte er zugleich, daß er einsten hätte einen schönen Hengst sehr theuer verkaufft, dem Kauffer aber eingebunden und verboten, daß man ihn ja nicht bald in die Träncke solle reiten, es habe aber der Kauffer gern die Ursach dessen erfahren wollen, und das Pferd bald hierauf in das Wasser geritten, zur Stund seye das Pferd zu einem Strohwisch worden; derentwegen er gantz zornig und ergrimmet wiederum zur Herberge geeilet, da er innen gewesen.

[237] Als er nun seinen Roßtäuscher oder Kauffer von fernen ersehen und ihme leicht einbilden können, was die Ursach wäre, legte er sich bald auf die Banck nieder, thäte als schlieffe er gar sehr; der Roßtäuscher, als er ihn ersehen, ergreifft ihn beym Fuß, ziehet ihn hart, in Meinung ihn desto eher aufzuwecken: allein der Fuß bleibet dem guten Roßtäuscher in Händen, erschrickt höchlich darüber, läst den Fuß fallen, und laufft aus allen Kräfften zum Thor hinaus, und dachte nicht anderst, man würde ihm deßwegen bald nacheilen, und zum Verhafft bringen.

Fast dergleichen soll auch Zyto, König Wenceslai Künstler, zu Prag gethan haben. Denn da man ihme vorhielte, er wäre arm und hätte kein Geld, ja nichts als nur seine Verblendung, gab er zur Antwort, an gutem groben Geld mangele ihm nichts: bande derowegen dreyssig Büschelein Hen zusammen, machet fette Mastschweine daraus, liesse sie neben eines reichen Beckers, genannt Michael, Behausung feil treiben, und gabe sie ihm um einen billichen Preiß; erinnerte nur dieses, [270] er solte gemach thun, und die Säu so bald nicht ins Wasser zur Schwemme treiben, dessen der ander aber entweder gar nicht geachtet, oder etwan vergessen; allein er muste sehen, daß seine Säu im Wasser ersoffen, und daß an deren Statt eitel Strohwische herum schwummen.

Der gute Mann suchet seinen Verkauffer, den Säuhändler in der gantzen Stadt, fande ihn auch endlich in einem Weinhaus den langen Weg auf einer Banck gestreckt ligen; diesen ergreifft er alsobald im Zorn beym Fuß, Willens ihn aufzuwecken, ziehet ihm aber den Schenkel aus dem Leib, gleich als eine Hand voll Stroh aus der Garbe. Zyto fängt an zu schreyen und zu klagen, läst den Becker halten, will ihn mit Gewalt zu den Richter führen lassen: und was solte der bestürtzte Becker thun? Das Beste ware, daß er dem Buben das Geld vor die Säu liesse, und noch darzu die Zech bezahlte.

Als Christoff Wagner, der gewesene Famulus D. Fausti, einsten nach Florenz kommen, und gern zween Maulesel ohne Geld gekauffet hätte, fähet ers auf diese Weise an; er gehet hin zum Mann, und fraget, ob er seine Esel verkauffen wolte? der Mann sagt ja, da sprach der Wagner, wie theuer? er bote sie ihm für funffzig Cronen. Wagner lachet, und sprach, er wolte ihm für einen fünff Cronen geben. Der Mann antwortet, und sprach, er wolte lieber daß sie der Hencker hätte, ehe er sie [238] wolte um solches Geld geben. Wagner hält immer an, und wolte nicht nachlassen, sondern gieng wieder zu ihm, und bietet ihm für einen nur vier Cronen, da er zuvor fünff geboten. Der Verkauffer wird sehr zornig, und verstehet, daß er seiner spottet, nimt einen Fuß, stösset ihn von sich, und trifft damit Wagnern an das Schienbein, welches denn also entzwey gieng. Wagner fällt darnieder und schreyet hefftig. Die Leute lauffen zu, sehen Wagnern ligen und sehr weheklagen: der Verkauffer wird gefangen, und für Obrigkeit gebracht, allda er zwar bekennet und gesagt, daß er ihn gestossen, aber nicht sehr, und schwur hoch dazu. Da liesse die Obrigkeit den Patienten besehen; es fand sich aber also, daß der Beinbruch gantz frisch war, und ward dem Thäter auferlegt, daß er sich mit dem Beschädigten solte vergleichen: da wurde es dahin gehandelt, daß er ihm die zween Maulesel gab, denn der arme Mann sonst kein Geld hatte.

Als nun Wagner die Maulesel bekommen, gab er einen dem Wundartzt, der ihn heilete, welche Cur doch nicht länger denn etwa drey Tage gewäret; den andern verwandelte er in ein schönes Pferd, bote es feil, und ließ es dem Hertzog also antragen. Als der Hertzog dieses gesehen, ließ er es ihm sonderlich wol wegen der Proportion, Farb und schönen Gang, gefallen, bezahlete ihm darfür dreyhundert Cronen: und als der Wagner das Geld weg hatte, auf den andern Tag ward [271] es wieder zum Maulesel, als er zuvor gewesen. Solcher Gestalt bekam Wagner wieder Geld, machte sich mit aus dem Staub und kundte desto besser schlemmen.

Wierus 1. 2. de præstig. Dæmon. c. 7. erzehlet von einem Gauckler und Schwartzkünstler, der als er zu Mag deburg von seinem Gauckeln nicht genug Geld gelöset, seye er unwillig worden, und habe gesaget, er wolte nicht länger auf Erden bey den undanckbaren Leuten bleiben, sondern gen Himmel fahren, und hab darauf den Zügel seines Pferdes in die Höhe geworffen, daran sey das Pferd hinauf gefahren, er aber hab sich an dessen Schwantz oder Schweiff gehalten, das Weib an seinen Mantel, die Magd an deß Weibs Rock, und seyn also gleich an einer Koppel hinauf in die Lufft gefahren.

Als nun jederman nachgesehen, und ein grosses Geschrey gemachet, seye eben ein frommer Burger darzu kommen, der hab gefraget, was das sey, was das Geschrey bedeute? und da man ihm gesagt, der Gauckler wäre mit Roß, Weib und Magd gen [239] Himmel gefahren, habe er darauf geantwortet, er hätte ihn dorten in der Gassen gesehen, da wäre er ihm begegnet, und ins Wirtshaus gegangen.

Dieser Burger sahe ihn nicht in die Lufft fahren, sondern er sahe ihn, wie es die Warheit auch war, auf der Erden gehen. Daraus man denn abnemen und verstehen mag, daß der Satan nicht einem jeglichen das Gesichte in diesem bethören und betriegen kan, daß ihnen ein Ding anderst scheine, denn es ist: denn wie einer gegen diese Dinge gesinnet ist, und Anmutung darzu hat, also geschihet ihm.

D. Salmuth gedencket, daß einsmals ein Gauckler und Schwartzkünstler zu Erffurt gewesen, welcher, damit er desto mehr Zuseher bekommen möchte, habe er einem Haushaanen einen Strohhalmen an seine Schwantz-Federn gebunden, und ihn durch alle Gassen herum geführet, und habe das Volck also verblendet und bezaubert, daß jederman gemeinet, es wäre ein grosser starcker Baum. Da nun das Geläuff sehr groß worden, und eine Magd mit einer Bürde Gras vom Felde darzu kommen, habe sie sich verwundert, was doch die Leute an dem Strohhalm sehen? und als sie deßwegen verlachet worden, hat sie es doch betheuret, es seye nichts anders als ein Strohhalm; Massen es auch in Warheit also gewesen. Durch welche Rede, dieses Zauberers und Schwartzkünstlers Verblendung und Betrug offenbar, und sein gantzer Marckt zu Boden geleget worden.

Apuleius erwehnet auch, er habe zu Athen einen Gauckler gesehen, welcher nicht allein eine Spathe oder Grabscheid, daran ein grosses spitziges Eisen gewesen, sondern auch einen Jägerspieß um ein geringes Geld habe pflegen zu verschlingen.

[272] Dannenher sagt Bodinus von solchen Gesellen insgesamt gar recht 1. 3 Dæmonom. Teutsch, p. 169: Und was haben sie (solche Gauckler und Schwartzkünstler) mehr, wenn sie schon die Leute zum Lachen bewegen, wiewol sie es auch nicht bey allen vermögen, und daß sie die Zuseher also zur Verwunderung bringen, daß sie die Mäuler darob vergessen? wie auf eine Zeit der offtbemelde und wolbekandte Zauberer Trois Eschelles, that, da er in Beyseyn einer gantzen Kirchen-Gemeinde von selbigem Pfarrherrn offentlich sagte: seht mir da den Gleißner, der sich stellet, als trüge er ein Betbuch bey sich, und trägt doch nur ein Kartenspiel. Der Pfarrherr solche Beschuldigung [240] abzuweisen oder abzulehnen, indem er will das Betbuch zeigen, sihet er daß es ein Kartenspiel ist, immassen es ihn und alle so damals gegenwärtig waren, bedauchte; wirfft derohalhen solches gantz erstaunet und zugleich beschamet zu Boden, und gehet nach Haus.

Bald darauf kommen andere hinzu, welche das Bet buch aufheben, das doch in ihren Augen nimmermehr weder Form oder Gestalt einer Karten hatte.

[273]
Das 34. Capitel
Das vier-und-dreyssigste Capitel.
D. Faustus verkaufft fünff fette Schweine, eine um sechs Gulden.

DAs Geld vom Roßtäuscher wärete nicht lang, muste demnach D. Faustus auf ein neues zu überkommen bedacht seyn, wie er auch thäte. Denn er ward einsten ein Säutreiber, rüstete ihm fünff starcke gemeste Schweine zu, die triebe er auf einen Marckt, in einem nahgelegenen Städtlein:

Nota: D. Fausti Famulus, Christoff Wagner, meldet in seinem Schreiben an einen seiner guten Freunde, wie er der Säutreiber gewesen, sein Herr aber sey hernacher kommen, und der Kauffman oder Verkauffer gewesen.

Es stunde nicht lang an, da erschienen zween Müller und ein Wirth, diese handelten nun um die Schweine, und wurden endlich miteinander eins, daß sie die Schweine kauffen und unter sich theilen wolten, weiln dergleichen sonst nicht auf dem Marckt gewesen; wurden also mit D. Fausto, dem Verkauffer eins, die fünff Schweine für dreyssig Gulden zu bezahlen. Faustus, der wol wuste, was es für Schweine wären, bate die Käuffer, sie solten [241] die Säu nur auf dem Land hintreiben und nicht sobald in die Schwemme führen.

Da begabe sichs aber, daß sich die Säu unterwegens in dem Koth wältzeten und besudelten, daß der Treiber gezwungen wurde, sie in die Schwemme zu treiben: aber alsobald verschwanden sie darinnen, und schwummen in dem Wasser fünff Strohwisch empor, welches denn sobald den Kauffern ward angesaget, die nun nicht wusten wie sie ihrem Leide thun solten, zumaln sie nicht ersinnen kundten, wie solches zugegangen wäre, noch auch rathen, wie sie sich ihres Schadens an dem Verkauffer erholen solten, denn sie wusten nicht wo dieser anzutreffen wäre.

Anmerckung.

I. Diß ist die dritte Verwandlung, oder vielmehr Verblendung, zu welcher der Teuffel dem D. Fausto willfährig gewesen. Nun ist [274] hierbey die Frag, ob noch heutiges Tages durch deß Teuffels Hülffe die Zauberer, Hexen und Unholden, nicht allein sich selbst, sondern auch andere Menschen, können nach ihrem Gefallen in einem Augenblick in Katzen, Hunde, Wölffe, und andere unvernünfftige Thiere verwandeln.

In den mitternächtigen Ländern, schreibt Olaus M. daß sich die Leute in der Christnacht in Wölffe verwandeln, und grossen Schaden thun, andere anfallen, zerreissen, und so gar der jungen Kinder nicht verschonen. In Teutschland hat man auch unterschiedliche Exempel, daß Hexen und Zauberer sich in Wölffe verwandelt haben, und wenn sie verwundet, oder daß ihnen eine Patten ab gehauen worden, hat sich befunden daß es Menschen Hände oder Füsse gewesen.

Also haben sich auch zwo Hexen, welche gesehen, daß ein armer Weinführer sein Geld in seinen Schubkarren verkeulet, sich in Schweine verstellet, ihme nächst der Stadt Würtzburg fürgewartet, verjagt und mit ihren Waffen den Schubkarren zerbrechen wollen: ungefehr aber hat sie ein Wildschütz begegnet, und die eine darvon geschossen; welche alsobald wieder zu [242] ihrer ersten Gestalt kommen, und erwiesen, daß sie ein altes Weib gewesen.

Hiervon fragt sich nun, ob solches mit natürlichen Ursachen geschehen könne, wie etliche wollen, oder ob solches eine Verblendung?

Denn daß solche Verwandlung warhafftig und dem Wesen nach geschehen soll, davon finden wir nicht allein in heiliger Schrifft nichts, und kan auch mit dem Exempel Nebucadnezars nicht bewiesen werden.

Denn wenn wir die Geschicht von ihm, Danielis im vierdten, recht betrachten, so findet sichs, daß seine Verwandelung nicht geschehen sey seinem Leibe nach, und warhafftig und wesentlich, sondern allein nach seiner Vernunfft, da er gleich worden ist den Thieren auf dem Feld, die unvernünfftig auf demselben herum lauffen: denn wir lesen allda nichts, daß er zu einem Ochsen oder anderm Thier sey worden, sondern daß er von den Menschen seye abgesondert worden, und daß er wie die Ochsen das Gras geessen. Von den Menschen aber ist er abgesondert worden um seiner Unsinnigkeit und Wütens willen: daher er selbsten hernach gesagt: Nach dieser Zeit hub ich Nebucadnezar meine Augen auf gen Himmel, und mein Verstand ward mir wieder gegeben. Darvon Hieronymus also sagt: quando dicit, sensum sibi redditum, ostendit non formam se amisisse, sed mentem, das ist, indem er sagt, daß er seinen Verstand habe wieder bekommen, zeiget er an, daß er sein Wesen nicht hab verloren, sondern nur seine Vernunfft.

Sondern es ist auch diese wesentliche Verwandlung wider die heilige Schrifft, als welche solche wesentliche Verwandlung der Creaturen [275] nicht dem Teuffel, deme sie unmüglich ist, sondern GOtt zuschreibet.

Daß deß Loths Weib um ihres Unglaubens und Ungehorsams willen in eine Saltzseule verwandelt worden, das hat GOtt gethan, wie zu lesen im ersten Buch Mosis im 19, v. 26. (D. Walther in seiner Propheten Postill, p. 892. sagt hiervon also: durch solche Verwandlung ist sie augenblicklich gestorben, lebendig und tod gewesen: und solches ist geschehen aus Göttlicher Allmacht, zur Straff der unglaubigen Seelen, Sap. 10. 7. und nicht vom Teuffel.)

Daß Aarons Stab in Egypten in eine Schlang, und das Wasser in Blut ist verwandelt worden, das hat der Finger [243] GOttes gethan, aus dem andern Buch Mosis im 10. vers. 20.

Daß das Wasser zu Cana in Galilæa in guten Wein verwandelt worden, das hat der ewige Sohn GOttes, der HERR Christus gethan, beym Evangelisten Johanne im andern, v. 9.

Derowegen so ist solche Verwandlung der Menschen in Wölffe, Katzen, Hunde, u.s.f. keine warhafftige und wesentliche Verwandlung, sondern eine Verblendung deß Teuffels, der seiner Werckzeuge, der Zauberer und Hexen Sinn und Vernunfft also verwirret, daß sie meinen, sie seyn Wölffe, Katzen, und dergleichen, auch also von andern darfür angesehen werden.

Augustinus gibt hierauf einen feinen Bericht, wenn er unter andern also spricht 1. 18. de C. D. c. 18. Hæc aut falsò narrantur, aut ludificationibus Diaboli fiunt; solche Dinge seynd entweder erdichtet und falsch, oder es ist deß Teuffels Gespenst und Betrug gewesen.

Wenn man aber gleichwol einwendet, es seyn nicht alles Poetische Fabeln und Gedichte, dass bisweilen die Menschen in Wölffe und andere Thiere verwandelt worden, wie von der Medea, von der Circe bekandt ist, sondern etliche der Dinge verhalten sich in der wahrheit auch also. Denn man habe es aus der Erfahrung, dass Menschen zu Wölffen, und zu andern dergleichen unvernünfftigen Thieren seynd worden: darauf ist mit oberwehntem Kirchenlehrer zu antworten, daß solche Dinge im Grund nichts anders seyn, denn nur allein ludificationes Dæmonum, deß Teuffels Gespenst und Betrug, und seine Blendung, darmit er die Menschen bethöret, daß sie das für gewiß und wahr halten, was an ihm selbst und im Grund nichts ist.

Und dieses ist dem Satan leichtlich zu thun; denn er kan aus GOttes Verhängniß die Menschen bezaubern und bethören, daß sie etwan ein Gespenst in dieses oder jenes Thiers Gestalt für ein warhafftiges Thier ansehen, und meinen es sey ein Thier, da es doch keines ist: ja sich selbst wol für ein solch Thier ansehen, und ihnen dergleichen [276] einbilden.

Also schreibet abermals Augustinus unter andern, daß zu seiner Zeit in Italia Weiber gewesen, welche den vorüber Reisenden einen beschwornen oder bezauberten Käs dargegeben, von welchem, wo sie geessen und seiner zur Speise genossen, [244] seyn sie von Stund an in Pferde und andere grosse Lastthiere verwandelt worden, die etwas auf sich nemen und tragen müssen, bis daß sie solches verrichtet; alsdenn haben sie ihren Verstand und Gestalt wiederum bekommen.

Ingleichen lieset man von einem paar Ehevolck, die hatten eine schöne Tochter, welche dergestalt bezaubert wurde, daß sie gäntzlich meineten, ihre Tochter wäre zu einer Kuh worden, denn sie kondten keine andere, als eine natürliche Kühe-Gestalt an ihr sehen, und nichts anders fühlen, denn natürliche Hörner, Hals, Beine und Haut einer Kuh, führeten sie derohalben zu einem heiligen Mann selbiger Zeit, Namens Macarius, der ein Einsiedler war, und klagten ihme mit Thränen, daß ihre einige Tochter, die sie mitführeten, wäre zur Kuh worden, und baten ihn, er wolte doch für sie zu GOtt bitten, daß sie wiederum ihre vorige menschliche Gestalt bekommen möchte. Da nun der gute Altvatter sie also reden höret, sprach er, ihr möget gleich sagen was ihr wollet, ich sehe eine Jungfrau und keine Kuh: also bate er GOtt, daß er den Eltern ihre Augen wieder eröffnen wolte.

Hierüber sagt D. Luther in seiner Postilla: ist das nicht ein grosser Gewalt deß Teuffels, der die Leute also bezaubern kan, daß sie nicht anderst sehen und greiffen können denn eine Kuh, und ist doch nicht eine Kuh, sondern ihre Tochter?

Eine Histori von einem vermeinten Beerwolff oder Weerwolff erzehlet Georgius Sabinus: Man hält es, spricht er, allhier in Preussen darfür, daß etliche Menschen zu Wölffen sollen werden, und ist nicht gar lang ein solcher allhie gefangen worden, und zu dem Hertzogen in Preussen von den Bauren gebracht, die darüber geklagt, daß er ihrem Vieh grossen Schaden mit Würgen und Reissen gethan; und beschreibet denselben Sabinus folgend, erzehlet auch wie es mit ihme hergangen. Es war, spricht er, ein heßlicher greulicher Mensch, wie ein wild ungeheuer Thier, und hatte viel heßliche Wunden und Narben unter dem Angesicht, und sagt man, daß ihn die Hunde also zugerichtet und gebissen hätten, wenn er zu einem Wolff worden wäre.

Da er nun von etlichen aus Befehl deß Hertzogen gefragt worden, was und wie es eine Gelegenheit oder Beschaffenheit mit ihm hätte? darauf er geantwortet, daß er deß Jahrs zweymal zu einem Wolff würde; einmal um Weihnachten, das anderemal um Johannis, nach Pfingsten: um dieselbige Zeit [245] aber würde er gar verwandelt, und [277] müsse alsdenn als ein anderer Wolff in der Wildniß und Gehöltz, unter und mit andern Wölffen lauffen, reissen, wüten und toben. Ehe ihm aber die Wolff-Haare wüchsen, und er rauh und gar verwandelt würde, so komme ihn vorher ein grosses Schrecken und Traurigkeit an, die er am gantzen Leib fühlete.

Dieses hat man dazumal, allermassen es von ihm erzehlet, dafür gehalten, daß deme auch also seye; man hat aber der Sachen gewissen Grund wollen erfahren, ob nicht etwan ein Betrug möchte darunter seyn. Hierauf hat man ihn eine gute Zeit gefangen gehalten, und den Hütern oder denen so ihn im Gefängniß bewacheten und bewahreten, ernstlich auferleget, daß sie ja eben und fleissige Achtung auf ihn geben und halten solten, ob er seinem Berichten nach auf ernannte Zeit zu einem Wolff würde. Aber da ward kein Wolff aus ihm, sondern ist und bleibet eben der heßliche und ungeheure Bauer, wie er in das Loch gestecket worden.

Und schliesset Sabinus darauf und spricht: daraus ist nun kundt und offenbar, daß es ein lauter gedichtet Ding und Phantasey seye, was man von den Bär- oder Wärwölffen vorgiebet und sagt; und daß es deß Teuffels Gespenst sey, dadurch sie bethöret und betrogen, also dencken und meinen, daß sie zu Wölffen werden, da es doch eitel Betrug und Teuffelsgespenst ist, die Leute also zu äffen und umzuführen.

Ist also die Verblendung nicht eines wesentlichen Wolffs, sondern eines falschen Scheinbild, und weiß man wol, daß sonsten melancholische Leute ihnen dergleichen abentheurliche Sachen einbilden, sich in Wäldern und Einöden aufhalten, zu Nachts aber wie die Wölffe hervor lauffen und den Menschen und Viehe schaden wollen, ob sie gleich keine Wolffs-Gestalt an sich haben.

Daher auch dieses entstehen mag, wenn einen ein rasender oder wütender Wolff gebissen hat, daß solcher Biß ihn der Wolffs-Art theilhafftig machet; wenn er ihm nemlich solches hart und vest einbildet. Also hat ihr eine Dirne zu Preßlau in Schlesien eingebildet, sie sey eine Katz worden, weil sie von einem Katzenhirn geessen. Ein anderer so viel Geißmilch getruncken, hat ihm eingebildet, er müsse Gras und Kraut essen, wie eine Geisse.

Dass aber solche Verwandlung wesentlich beschehe, sagt Herr Harsdörffer im Schauplatz Jämmerlicher Mordgeschicht [246] Hist. 126. ist der Göttlichen Ordnung unter den Geschöpffen zu entgegen, und kan der böse Geist nicht eines in das andere verkehren; welche Kranckheit sonsten Lycanthropia oder Lupina Insania genennet wird, darvon aber bey den Medicis.

Diesem nach seynd solche Wolff-Menschen krancke und melancholische [278] Leute, welche ihnen einbilden, daß sie solche Thiere seyn und alles zerreissen und auffressen müssen: Massen zu Würtzburg ein solcher in das Gefängniß kommen, der ausgesaget, es sey kein besseres Fleisch als Menschen-Fleisch, und wer solches einmal gekostet, nicht mehr darvon ablassen könne.

A. Lercheimer im Bedencken von Zaub. c. 12. schreibt, er sey einsmals nebenst einem guten Freund in eines Landvogts Haus kommen, der einen Bärwolff (wie man solche Leut auf teutsch pflegt zu nennen) gefangen hielte. Den habe er nun lassen für sich kommen, daß sie Gespräche mit ihm hielten und sich erkundigten, was es doch für ein Handel mit solchen Leuten wäre.

Der Mensch geberdete sich wie ein Unsinniger, lachete, hupffete, als wenn er nicht aus dem Thurn, sondern von einem Wolleben herkäme; bekandte nebens vielen andern teuffelischen Betrug und Gespenst, daß er am Ostertag Nachts daheim bey seinem Gesinde wäre gewesen in Wolffs-Gestalt, welches Ort mehr denn zwantzig Meilen von dannen war, und ein Fluß dazwischen zweymal so breit als der Rhein bey Cölln. Sie fragten, wie kamest du aber übers Wasser? er antwortet: ich floge darüber. Wie kamest du aus dem Gefängniß? ich zog die Füsse aus dem Stock, und flohe zum Fenster hinaus. Was thätest du bey den Deinen? ich gieng umher, besahe wie sie lagen und schlieffen. Warum kehrest du denn wieder ins Gefängniß? ich muste wol, mein Meister wolte es so haben. Rühmete seinen Meister sehr. Da sie ihm sagten, das wäre ein böser Meister, sprach er: könnet ihr mir einen bessern geben, den will ich annemen. Er wuste von GOtt so viel als ein Wolff. Es war ein erbärmliches Ding den Menschen anzusehen und zu hören.

Eben dieser Author schreibet am gedachten Ort: kurtz zuvor war es geschehen selbiges Orts, daß ein Bauer in deß Vogts Haus kam, und asse da zu Nacht. Nachdem er wol geessen und getruncken, fällt er plötzlich von der Banck hinter sich, als wenn ihn der Tropff schlüge. Der Vogt der das Ding, [247] wie er meinet, verstund, ließ ihn also liegen unangerühret, hiesse das Gesind schlaffen gehen. Deß Morgens fand man vor der Stadt, auf der Weyde, ein tod Pferd, war mit einer Sensen mitten von einander gehauen, und die Sense lag dabey.

Der Vogt liesse den Baurn, seinen Gast, einziehen; der bekennet, er habs gethan, es sey eine Hexe da umher geflogen, wie eine Liechtflamme, welchen die Wärwölffe feind seyn, und müssen sie verfolgen, nach dieser hab er gehauen mit der Sense: da sie sich aber unters Pferd verborgen, das eben da gegangen und gegraset, seye der Hieb durchs Pferd gangen. Also hat der Mensch bekandt, das er nicht gethan, [279] sondern das ihm getraumet hatte, wie auch der vorige. Jener lag mit Leib und Seel eingeschlossen im Thurn, darum kundte er nicht über zwantzig Meilen daheim seyn; dieser lag mit Leib und Seel die gantze Nacht über in der Stuben, darum kundt er nicht draussen auf dem Feld seyn, daß er die That begienge. Der Teuffel hats gethan, und es ihm im tieffen Schlaff und Traum so starck eingebildet, daß er gemeinet und bekandt, es sey sein Werck. Ist doch drauf verbrennet worden.

Weßwegen der vorneme Theologus. D. Danhauer, im Evangelischen Denkmal p. 599. hiervon nachdencklich schreibet: ob nun dergleichen Metamorphoses und Verwandlungen der Menschen in Wölffe durch die Natur müglich, das übergeben wir den Philosophis auszufechten: gleichwol hat die Experienz dergleichen Exempla für die Augen gebracht, sonderlich an Hexen und Unholden, die sich in allerhand zahme und wilde Thier und nament lich auch in Wölffe metamorphosiret und verkehret, Viehe angefallen, und grossen Schaden gethan. Das mag aber durch die Schwartzekunst und Zauberey, und Verblendung also geschehen seyn.

Peter Burgott und Michel Verdung gestunden vor Gericht, sie hätten GOtt verlaugnet, und sich dem Teuffel ergeben: sie wären miteinander in den Flecken Charlon gangen, hätten mit Liechtern aus grünem Wax, von dunckler Flamm und blaulecht, getantzt, und dem Teuffel geopffert, sich darauf gesalbet, und wären also zu Wölffen worden, über alle massen schnell gelauffen; bald wieder Menschen und wieder Wölffe geworden, auch dergestalt mit den Wölffinnen zu thun gehabt, und solche Lust empfunden, als wie von Weibern Burgott bekandte auch, er hätte einen Knaben von sieben Jahren mit [248] seinen Wolffszähnen und Klauen umgebracht, wolte ihn auch gefressen haben, wenn ihn die Bauren nicht verjaget hätten. Verdung bekandt, er hätte ein Mägdlein, das im Garten Erbsenschotten gebrochen, erwürgt, davon ihn der Herr von Cuvee abgetrieben: sie beyde hätten sonsten vier Mägdlein gefressen, und sonderlich darbey deß Orts, der Zeit, und deß Alters der Kinder gedacht. Bodinus in Dæmonom. Teutsch. p. 120.

Zu Lüttich seynd Anno 1610. zween Zauberer gerichtet worden, die sich zu Bärwölffen machten, und sonderlich viel Kinder tödeten, hatten einen Knaben bey sich von 12. Jahren, welchen der Satan zum Raben machte, wenn sie den Raub zerrissen und gefressen.

D. Schultheiß erzehlet in seiner Instruction, f. 86. daß zu Gesicke ein solcher Wärwolff mit seiner Frauen ausgegangen, Holtz zu suchen; da habe der Mann sich absentiret, und hab darauf in Gestalt eines [280] Wärwolffs seine Frau selbst angefallen, welcher er zwar nichts thun können, sondern nur blos ihren roten Rock zerrissen, und darnach sich bald in menschlicher Gestalt wieder sehen lassen, und habe der Mann die Fäslein ihres roten Rocks noch in seinem Bart befunden, sey endlich justificirt und alles in Warheit befunden worden.

Daß aber die Verwundung sich an deß Zauberers oder der Hexen Gestalt befindet, beschiehet würcklich auch durch den bösen Feind an deß Zauberers Leibe, sagt oben gedachter Herr Harsdörffer. d. l.

Philipp ein Schuhflicker zu Ferrar, betheuerte mit einem Eid vor Gericht, es hätte ihn eine Unholdin vor etlichen Monaten also betrogen, daß sie ihm befohlen, er solte die Katz nicht beschädigen, noch ihr wehren, die etwan liebkosend und spielend zu dem krancken Knaben, dem sie helffen wolte, und den sie auch vielleicht zuvor verhext, würde kommen. Da sie nun ihres Weges gangen, sahe er und sein Weib eine grosse Katz, die sie zuvor nie gesehen, zu dem Knaben eilen: und weil sie sich fürchteten, trieben sie diesselbe zum öfftern ab, wurden doch letzlich ungehalten, daß sie so offt wieder kommen. Drum schloß der Mann die Thür zu, triebe die Katz mit einem Knebelspieß von einem Ort zum andern, und gab ihr gute Stöß, bis er sie durch das Fenster hinaus sprengt, daß sie auf den Boden fiele und für tod da lage. Es befand sich aber, daß dieselbige alte Vettel kranck, zerschlagen, und am gantzen Leib zerpleuet zu Bette lag.

[249] Im Berner Gebiet war ein vornemer Schwartzkünstler, Schaf genannt, der sich offentlich rühmete, wie er nach Belieben seinen Feinden unter den Händen entgieng, und sich in eine Maus verstellte: man sagt auch, er wäre seinen Todfeinden mehr denn einmal also entwi schet.

Da aber die Gerechtigkeit GOttes an seiner Bosheit ein Ende machen wolte, wird er endlich von seinen Feinden in einer Stuben bey dem Fenster, als er sich nichts Böses traumen ließ, mit Spies und Degen erstochen, und starb elendiglich wegen seiner Unthaten.

Nicol. Remigius Garzonus, und andere schreiben von dem Großhertzogen in Reussen, daß er einen solchen Bärwolff gefangen, und von ihm begehret habe, er soll sich seinem Gebrauch nach in ein solch Thier verwandeln. Es geschihet: da er nur eine kleine Zeit in einem andern Gemach allein ist, und seine Kunst probiret, stehet er da in Gestalt eines grossen Wolffs, mit feurigen Augen und bleckenden Zähnen, mit Aufsperrung deß Rachens und Schlundes, daß der Großhertzog samt allen den Seinigen ihn mit Verwunderung angesehen: aber ermeldter Großhertzog lässet zwey starcke und grosse Docken oder Hunde herkommen, die zerreissen ihn, ehe er die Macht hat sich wieder in einen Menschen zu verändern, in etliche hundert Stücke.

[281] Da ich in meiner Jugend, Anno 1547, zu Franckfurt an der Oder studirte, schreibet vorgedachter Lercheimer, c. 12. f. 27. truge sichs zu im August-Monat, daß im Lande zu Meckelburg, bey den Edlen von Moltzanen, aus ihrer Nachbarschafft von ihren Unterthanen ein grosser Rüde mit einem weissen Halsband in ihren Hof kam gelauffen: den fallen nun bald die Jaghunde an, und beissen auf ihn zu. Da sie ihm aber nichts abgewinnen kundten, kommen die Stallbuben auch mit Gabeln und Spiesen gelauffen, schlagen und stechen auf ihn zu. Da wird er alsobald ein Mensch, ein alt Weib, die bittet um Gnade, man wolle ihrer verschonen, ward darauf angegriffen, und gefäng lich eingezogen.

Diß war eine Verblendung der Augen, welche in dieser Geschicht nicht allein den Menschen, sondern auch den Hunden wiederfuhre: und hat der Teuffel zu diesem Hunds-Gespenst dem Weib gerahten und geholffen, bis sie dardurch ins Gefängniß kommen; da hat ers weit genug mit ihr gebracht, und sie verlassen.

[250] So zeigen nun diese Exempel klärlich an, wenn der Zauberer und Hexen Leib eine andere denn Menschliche Gestalt haben, daß es denn ein Gespenst seye: und wo solch gespenstig Thier an einem Fuß oder an einem Glied verletzet wird, so werde der menschliche Leib verletzet.

Dessen zu mehrerer Bestättigung, schreibt Bodinus abermal Dæmonom. Teutsch. p. 121. die Unholden zu Vernon pflegten offt in Gestalt der Katzen in einem gar alten Schloß ihre Kurtzweil zu treiben: und als ein Mann oder fünffe sich unterfiengen daselbst über Nacht zu bleiben, musten sie einen scharffen Katzen-Krieg ausstehen, darüber ihrer einer Tod geblieben, die andere alle viel Wunden empfangen: aber sie verwundeten auch viel Katzen, und befand sich, daß viel Weiber verwundet wären.

In dem Maleficarum wird gelesen, daß nicht weit von Straßburg in einem Städtlein, einer habe Holtz auf der Gassen gehauen oder gespaltet; auf diesen seynd drey Katzen feindlich zugesprungen, er aber habe sich gewehret, und alle drey verletzet und verwundet, und seyn dieselbe Stund drey vorneme Weiber daselbst in ihren Häusern verwundet worden. Als er nun der That halben angeklagt worden, hab er sich entschuldiget, er sey in ihre Häuser gar nicht kommen, und zur selben Stund nicht Menschen, sondern Katzen auf der Gassen verletzet.

Darvon urtheilet nun der Author desselben Buchs nicht unrecht, daß der Teuffel selbst in Gestalt deß Holtzhauers diese Weiber verwundet habe: die drey Katzen aber, die sich an ihn gemacht, seyn [282] deß Teuffels Verblendung gewesen.

In Flandern ward ein solcher Wolff mit einem Pfeil in die Hüffte geschossen; und fand sich ein Bauer mit dem Pfeil noch in der Hüffte kranck zu Bette liegen: auch erkandte der Schütz den Pfeil, daß er ihn nach dem Wolff geschossen.

Job. Fincelius l. 11. de Mirabil. schreibet, man habe zu Padua einen solchen Bärwolff gefangen, und als man ihm Händ und Füsse abgehauen, wäre er zu einem Mann ohne Händ und Füsse worden.

[283]
Das 35. Capitel
[251] Das fünff-und-dreyssigste Capitel.
Wie D. Faustus zu Leipzig mit gar leichter Mühe ein grosses Faß mit Wein aus den Keller brachte und solches durch eine Wettung gewane.

ES studirten damals zu Wittenberg etliche vorneme Polnische von Adel, welche mit D. Fausto viel umgiengen, und seiner gute Kundtschafft hatten; Nun war eben zu der Zeit die Leipziger Messe, verlangten demnach sehr, theils dieselbe einmal zu besuchen, von welcher sie oft viel gehöret, zum Theil, weilen etliche gedachten allda von ihren Landsleuten Geld zu erheben, oder doch eine Weile aufzunemen, dorthin zu kommen: Gelangten derohalben bittlich an D. Faustum, er wolte doch, wie sie wol wüsten daß ers köndte, mit seiner Kunst so viel zu wegen bringen, und verschaffen, daß sie dahin kommen und gelangen möchten.

D. Faustus wolte sie keine Fehlbitte thun lassen, und verwilligte solches, verschaffte durch seine Kunst, daß deß andern Tags vor der Stadt heraus ein mit vier Pferden bespannter Land-Wagen stunde, auf welchen sie getrost aufsassen, und in schnellem Lauff fortfuhren: Kaum aber waren sie etwan bey einer Viertelstund fortgerucket, da sahen sie sämtlich über zwerch Feldes einen Hasen lauffen, welcher denn gleich Anlaß gabe hieraus furchtsame Gedancken zu schöpffen, und daß dieses ein böses Zeichen bey ihrer Reise seyn würde, wie sie denn mit diesen [252] und andern Discursen etliche Stunde zu brachten, daß sie also noch vor Abends mit ihrer grossen Verwunderung in Leipzig ankamen.

Folgendes Tages besahen sie die Stadt, verwunderten sich über die Kostbarkeiten der Kauffmannschafft, verrichteten theils ihre Geschäffte, und als sie nahe zu ihrem Wirtshaus wieder kamen, namen sie war, daß gegen über in einem Weinkeller die so genannten Wein- oder Bier-Schröter allda ein Faß Wein, sieben in acht Aimer haltend, aus dem Keller schroten oder bringen wolten, vermochten aber doch solches nicht, wie sehr sie sich auch deßwegen bemüheten, bis etwan ihrer noch mehr darzu kämen.

[284] D. Faustus und seine Gesellen stunden da still und sahen zu; da sprach D. Faustus (der auch dieses Orts wolte seiner Kunst wegen bekandt seyn) fast hönisch zu den Schrötern: wie stellet ihr euch doch so läppisch darzu, seynd euer so viel, und könnet ein solches Faß nicht zwingen? solte es doch einer wol allein verrichten können, wenn er sich recht darzu schicken wolte!

Die Schröter (wie es denn ein unnützes Gesindlein um sie ist) waren über solcher Rede Fausti recht un willig, wurffen, dieweil sie ihn nicht kandten, mit herben Worten um sich, unter andern: wenn er es denn besser, weder sie, wüste solch Faß zu heben, und aus dem Keller zu bringen, so solte ers in aller Teuffel Namen thun, was er sie viel zu vexiren hätte? unter wärendem diesen Handel kommt der Herr deß Weinkellers darzu, und vernimt bald die Ursach, und sonderlich daß der eine (Faustus) gesaget, es köndte das Faß einer wol [253] allein aus dem Keller bringen, spricht derohalben halb zornig zu ihm, wolan, weil ihr denn so starcke Riesen seyd, welcher unter euch das Faß alleine wird herauf und aus dem Keller bringen, dessen soll es seyn.

D. Faustus war nicht faul, und weiln eben etliche Studenten darzu gekommen, ruffet er diese an zu Zeugen dessen das vom Weinherrn ist versprochen worden, gienge also hinab in den Keller, und satzte sich recht auf das Faß, gleich als auf einen Bock, und ritte, so zu reden, das Faß nicht ohne männigliches Verwundern herauf: darüber denn der Weinherr sehr erschrocken; und ob er wol fürgewendet, daß dieses nicht natürlich zu gienge, muste er doch sein Wort und Versprechen halten, wolte er anderst nicht den Schimpff zusamt dem Schaden haben. Liesse also das Faß mit Wein dem D. Fausto folgen, der es denn seinen Gesellen, zugleich auch denen Zeugen, den Studenten zum Besten gegeben, welche bald Anstalt ge macht, daß das Faß in das Wirtshaus geliefert worden, wohin sie noch mehr andere gute Freunde erbetten, und sich etliche Tage davon lustig gemachet, so lang ein Tropffen Weins im Faß gewesen.

Anmerckung.

[285] I. Diese abermalige Verblendung, die der Teuffel dem D. Fausto zugefallen gethan, bedarff allhier nicht ferners Erinnerns, zumaln bereits an andern Orten darvon ist Meldung gethan worden: gleichwol wollen wir auch aus dieser Histori besehen, was darvon zu halten, daß der Gesellschafft bey ihrer Abreise ein Has über den Weg gelauffen, und sie derwegen dieses für kein gutes Omen oder Zeichen bey ihrer vorhabenden Reise gehalten.

Mit einem Wort zu sagen, wenn etwan einem Früh Morgens zum ersten Schritt und Tritt aus dem Haus, [254] ein alt Weib begegnet, oder bey einer Reise einem ein Has, oder Wolff, über den Weg laufft, und man will dieses für ein böses Omen oder Zeichen halten, so ist das eine zauberische Phantasey, welche von GOtt mit Ernst verboten, und in GOttes Wort unter die Zauberey mitgesetzet wird.

Denn so spricht der HErr im dritten Buch Mosi im 19. v. 31. Ihr solt euch nicht wenden zu den Warsagern, und forschet nicht von den Zeichendeutern. Wenn ein Mann oder Weib ein Zeichendeuter seyn wird, die sollen deß Todes sterben, man soll sie steinigen, ihr Blut sey auf ihnen, Cap. 20. v. 27. und im fünfften Buch Mosi im 18, v. 10. 11. 12. stehet: es soll unter dir (Israel) nicht gefunden werden ein Zeichendeuter, denn wer solches thut, der ist dem HErrn ein Greuel.

Und das auch um deß Aberglaubens willen, der sich darbey befindet; welcher Aberglaub eine gar nahe Verwandschafft hat mit der Zauberey. Darum wenn du einen aberglaubischen Menschen sihest, der so leichtsinnig ist, daß er bald diesem bald jenem Narrenwerck Glauben zustellet, so gedencke, daß es bald um ihn geschehen sey, daß er könne ein Zauberer und Schwartzkünstler werden, sagt der geistreiche Herr Arnd, de Superstit. c. 1.

Und warum solte eben allein deß Hasen, Wolffs, Begegnen etwas Böses bedeuten, und andere Thiere oder Menschen nicht, da sie doch eben vielleicht auf diese Weise begegnen wie diese? Zudem, ists eine grosse Sünde, aus dem Begegnen eines alten Weibs, oder sonst eines Menschen der gebrechlich, einäugig, oder gar blind und lahm ist, etwas Böses bedeuten; weil es ja Christen seynd, und eben sowol nach GOttes Ebenbild erschaffen, und in desselben Namen getaufft. Solte man nun aus deren Begegnen etwas Böses ohne Ursach deuten, würde man sich nicht solcher Gestalt an GOtt dem HErrn, als ihrem Schöpffer, und an Christo, dessen Glieder und Gliedmassen sie seynd, vergreiffen?

Der Mensch, u.s.f. der dir begegnet, machet dir keinen bösen Tag, sondern wenn du in Sünden lebest. Darum wenn du ausgehest, so hab da allein Acht auf, daß dir keine Sünde begegne, denn die ists [286] allein, die dich untertritt; ohne die kan uns der Teuffel selber kein Leid thun, spricht Chrysostomus: zu dessen Zeiten der Teuffel die Menschen auch schon mit diesen aberglaubischen Wahn bethöret hat, Homil. 21. ad Popul. Antioch. T. 5.

[255] Darum lasse man solche teuffelische Deutungen fahren, und traue GOtt dem HErrn und seinem wahren Wort mehr, als dem Teuffel. Der HErr hat seinen Engeln befohlen über uns, daß sie uns behüten sollen auf allen unsern Wegen, daß sie uns auf den Händen tragen, und wir unsern Fuß nicht an einen Stein stossen. Psalm 91. v. 11.

Wenn wir uns darauf verlassen, so dürffen wir uns für keinem Unglück fürchten, sondern können getrost seyn, und diese sichere Deutung machen: Es soll mir ohne GOttes Willen kein Haar von meinem Haupt fallen, Matth. 10. v. 30. darum kan mir auch ohne seinen Willen kein Unglück begegnen. Es begegne mir wer da will, so kan er mir ohne GOttes Willen kein Unglück zufügen. Der Teuffel mag mit seinen aberglaubigen Zeichen und Deutungen schrecken wen er will, mich soll er damit nicht betrüben; denn GOtt der HERR ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht, denn GOTT der HERR ist meine Stärcke, und mein Psalm, und ist mein Heil, Esaiæ am zwölfften, vers 2.

Hieher und unter diese Frag gehören auch noch andere aberglaubische Zeichen, auf welche ihrer viel Acht haben, und daraus Böses oder Gutes weissagen wollen, das ihnen begegnen werde: als wenn etwan das Saltzfaß auf dem Tisch umfällt, und das Saltz, oder auch sonsten der Wein verschüttet wird, bedeute es dem Verschütter ein Unglück, oder einen Zanck und Streit. Wenn manchem ein Bissen aus dem Mund fällt, sagen sie, dies ist mir entweder nicht gesund, oder nicht gegönnet. Also wenn einer nüchtern und Frühe Morgens, indem er zum Haus ausgehet, nieset, soll es etwas sonderliches bedeuten: item wenn einer sitzet, und ein Bein über das ander schlägt: wenn einer bey seinem ersten Austritt anstösset: wenn Käiser Augustus die Schuhe verwechselte, besorge te er sich eines Unglücks: wenn die Hunde heulen: wenn einem der Ring entfallt, den er der Braut an den Finger stecken wollen; und was deß Dinges mehr seyn mag, daraus manche aberglaubische Leute ihnen nichts Gutes weissagen und propheceyen wollen, u.s.f.

Und gemeiniglich, wie Bodinus sagt, widerfähret aus gerechter Straff GOttes einem das Unglück, welches er ängstiglich sorgend glaubet, der es aber nicht achtet, was nicht zu achten ist, nimmermehr.

[256] Daher lieset man von Julio Cæsare, daß er solcher Zeichendeuterey nie nichts geachtet, ihme auch derentwegen, wie doch seine [287] Deuter vorsageten, nie nichts Ubels begegnet. Denn da er bey seiner ersten Anlendung in Africam, als er aus dem Schiff ans Land springen wollen, aufs Maul gefallen, und dieses von etlichen Warsagern für ein böses Omen gehalten wurde, hat ers ihme zu einer tröstlichen Bedeutung gezogen, denn er in das Gras gebissen und gesagt: En teneo te Africa, nun Africa, habe ich dich, halte ich dich mit meinen Zähnen: seinem Kriegsvolck anzudeuten, daß er das Land ohnzweiffentlich gewinnen wolle, in welches er so leichtlich auf die Nase gefallen wäre; immassen auch erfolget.


II. Zum andern, daß D. Faustus auf dem Weinfaß also herauf gefahren, gleich als sässe er auf einem Bock, (wie eine uralte Edition berichtet) gibt Gelegenheit der Wort Änlichkeit nach, etwas von dem Bock-holen zu gedencken.

Solches Bock-holen nun betreffend, ist es unglaubar, daß der Teuffel auch darmit sein Spiel unter den Kindern deß Unglaubens zu haben pflege; und das geschihet vornemlich in Bulschafften, wenn sich ihrer zwey miteinan der verkoppelt, oder in eine Eheversprechung eingelassen, die Galanen aber hernach davon gezogen, oder ihre Damen gäntzlich verlassen wollen, so lassen alsdenn die erbarn Jungfrauen sie auf dem Bock wieder holen: Immassen dergleichen eine ihren Freyer oder Bulen an einem Ort auf dem Bock hat holen lassen, und als er mit ihm ankommen, hat er mit ihm auf dem Knopff deß Kirchenthurms geruhet, und gefraget: wo er ihn solte hinbringen? Als der Vogel geantwortet, wo seine Liebste wäre, und sie eben im Keller gewesen, und Wein holen wollen, hat er ihn zum Keller-Loch hinein gezwenget und geführet, daß Haut und Haar zum Theil abgangen, und hangen geblieben.

An einem andern Ort ists warhafftig geschehen, daß einer eine Jungfrau mit Versprechung der Ehe, geschwängert, und davon gezogen, den sie hernach, wie sie darnider kommen sollen, auch also gebannet und wieder eingeholet.

Ein Saltzknecht in Pommern hatte eine Zauberin zur Ehe, darum wolte er die verlassen, und sich wieder in Hessen, in sein Vatterland, begeben. Als er nun etliche Tage weg gewesen, kommt auf dem Wege von hinten zu ein Schwartzer Bock, schlupffet ihm zwischen die Beine, und führet ihn durchs Feld und Wald, Morast und Wasser in wenig Stunden an [257] seinen Ort, und setzet in vor dem Thor nieder in grosser Angst, Zittern, Zagen, Schweiß und Ohnmacht. Das Weib hieß ihn mit hönischen Worten willkommen, und saget, bist du wieder da? so muß man dich lernen zu Hause bleiben.

D. Mengering. in informat. Consc. p. 292 gedencket einer Histori, so ihme zu Bitterfeld ist erzehlet worden, daß auf eines E. Raths daselbst [288] Vorberge auf den nahge legenen Dorff ein Schiermeister und Encke zusammen gedienet, und weil sich der Encke fast alle Nacht aus dem Bette verloren, setzet ihn der Schiermeister zu rede, der spricht aber, er sey an einem guten Ort, was es ihn angehe, er finde sich ja zu rechter Zeit wieder ein, und thue das Seine.

Den Schiermeister sticht der Fürwitz, und begehret, er soll ihn doch einmal mitnemen. Ja, spricht der ander, und darauf præsentiren sich folgende Nacht zween Böcke, auf den einen setzet sich der Encke, auf den andern der Schiermeister, doch verwarnet jener diesen, er soll unterwegens kein Wort reden.

Sie kommen mit einander an die See bey Seeburg in der Gravschafft Mannsfeld, und da springt der erste Bock und Vorreuter mit dem Encken in einem Huy über die See, der Schiermeister denckt was will das werden? sein Bock der etwas kleiner als jener gewesen, stellet sich, als ob er sich nicht getrauete hinüber zukommen, mercket und gehet zurücke; endlich holet er aus, und setzet in einem Sprung auch hinüber. Da hebt der Schiermeister an und spricht: je nun war das nicht ein Sprung? Angesichts und alsobald wirfft ihn der Bock in eine Hecke, darinn er sich zimlich zersticht, und mit Mühe und Arbeit sich los wircket, und deß Tags erwartet: da raffet er sich auf, und wandert drauf wieder gen Bitterfeld, berichtet und zeigets an, wie es ihme ergangen, der Encke aber saget sich aus.

Also gedencket Herr Scherertz 1. de Spectr. c. 4. einer Histori, daß ein Handwercksgesell sich mit einem alten Weibe heimlich verlobet, hernach aber anderswo eine Jungfrau gefreyet. Den ersten Hochzeittag Abends spricht er etliche eingeladene Gäste um GOttes Barmhert zigkeit willen an, sie wolten ihm doch die Nacht über Beystand leisten, er befahrete sich einer Angst und Gefahr von dem Teuffel, denn er ward eingedenck seines dem alten Weib gethanen Versprechens. Was geschihet? um Mitternacht kommt ein solcher Bock auf [258] den Bräutigam zugelauffen, und will, er soll aufsitzen, ist aber durch starckes Gebet der Anwesenden dazumal erhalten worden. Die ander Nacht verlieret sich der Bräutigam aus dem Bette, und wird deß Morgens Früh auf dem Dache bey dem Schornstein gefunden, und musten ihn die Seinigen mit Leitern und Ausschlagen der Schindeln vom Dache halb tod herunter nemen, der lieget etliche Monat tödlich kranck, und lebete mit seiner Hausfrauen, nachdem er wieder gesund, in stetem Zanck und Zwietracht, bis er endlich gar von ihr in den Krieg gezogen, und in Ungern blieben.

Dieß alles nun bringet die Leichtfertigkeit und das schändliche Vermessen der unbesonnenen jungen Leute bey Teuffelholen zu wegen, [289] sie vermessen sich nemlich gegen die Mägdigen und Bräute, dieser und der soll sie holen, wenn sie eine andere nemen, u.s.f. Darnach kommt denn Juncker Beltze-Bock, und holet sie, wie sie es gelobet, jedoch vielleicht nicht so gemeinet haben; da ist denn solch Bock-holen nichts anders als ein gerechtes Verhängniß und Gericht GOttes.

[290]
Das 36. Capitel
Das sechs-und-dreyssigste Capitel.
Wie D. Faustus zu Erffurt den Studenten etliche Griechische Helden und einen ungeheuren Riesen vorgestellet hat.

ES hatte zur Zeit D. Faustus mit M. C. Moir ein sonderliche Verträulichkeit; und als dieser anheim nach Erffurt beruffen wurde, begleitete ihn D. Faustus, bliebe auch eine Zeitlang daselbst, allwo er denn bald in neue Kundschafft geriethe mit den Studenten: diese nemlich waren in Erfahrung kommen, daß D. Faustus in der Magia (die selbiger Zeit gros geachtet wurde) trefflich erfahren wäre, auch was er verlangte, vermittels solcher, erlangen könte.

Nun wurde einsten von einem unter den Studenten, bey einer angenemen Versamlung, deß vor[259]trefflichen Poeten Homeri Meldung gethan, der eben selbiger Zeit gelesen und profitiret wurde, (eine andere Edition will, es habe solchen D. Faustus selbst gelesen, ist aber nicht) welcher nemlich von vielen berühmten Griechischen Helden handelt, und deren rühmliche Thaten erzehlet, namentlich von dem Menelao, Achille, Hectore, Priamo, Alexandro, Ulysse, Agamemnone, Ajace; und lobete einer deß Poeten zierliche Redens-Art, der ander, daß er darinn solche Personen so schön vorgemahlet, als wenn sie zugegen wären, u.s.w.

Alsbald erbote sich D. Faustus obbesagte Helden morgendes Tags in ihrem Lectorio in eigener Person vorstellig zu machen: welches denn mit höchster Dancksagung von ihnen allen ist angenommen worden. Und da sie deßwegen D. Faustum deß andern Tags mit sich in das Lectorium führten, fieng dieser sie also an zu reden: Ihr lieben Herren, und gute Freunde, weiln ihr begierlich seyd und ein grosses Verlangen traget, die Trojanischen Kriegshelden, und etwan noch andere, deren der Poet Homerus sonderlich gedencket, in der Person, wie sie damals gelebet, und herein gegangen seynd, anzuschauen, so soll euch solches anjetzo gewähret werden; nur daß keiner ein Wort rede, oder jemand zu fragen begehre; welches sie ihme zusagten.

[291] Nach vollendeter solcher Rede klopffte D. Faustus mit dem Finger an die Wand, bald seynd obbemeldte Griechische Helden in ihrer damals üblichgewesener Rüstung, einer nach dem andern in das Lectorium hinein getretten, sich zur Rechten und Lincken mit halbzornigen und strahlenden Augen [260] umgesehen, die Köpffe geschüttelt, und wiederum wie zuvor nach einander zur Thür hinaus gegangen.

D. Faustus wolte es darbey nicht bewenden lassen, sondern noch einen kleinen Schrecken verursachen, klopffte derhalben noch einmal; bald thate sich die Thür auf, zu welcher halbgebucket der ungeheure greuliche Rieß Polyphemus eintratte, der an der Stirne am Kopff nur ein Aug hatte, benebens einen langen zottichten feuerrothen Bart, hatte ein klein Kind das er gefressen, noch mit dem Schenckel am Maul hangen, welchen er noch nicht gar verzehret, und war so grausam und schrecklich anzusehen, daß ihnen allen miteinander die Haare gen Berge gestanden: dessen denn D. Faustus genug zu lachen hatte, darum er denn seine Zuschauer noch mehr ängstigen wolte, und verschaffte, daß als der Polyphemus wiederum wolte zur Thür hinaus gehen, er sich zuvor noch einmal umgesehen mit seinem erschrecklichen Gesichte, und thate nicht anderst, als wolte er nach etlichen greiffen; stiesse zugleich mit seinem grossen ungeheuern Spieß wider den Erdboden, daß sich daß gantze Gemach bewegte und erschütterte.

D. Faustus aber wincket ihm mit dem Finger, da tratte er aus, und erfüllete hiermit D. Faustus seine Zusagung: dessen denn die Studenten alle wol zu frieden gewesen, hattens aber genug und begehrten hinfüro keine solche Vorstellung mehr von ihm.

Anmerckung.

I. Von Erweckung und Vorstellung dieser tapffern Griechischen Helden wäre allhier Gelegenheit etwas zu gedencken, ob diese warhafftig beschehen mögen, und müglich gewesen? Weiln aber besser unten im andern Theil eine gleich[261]mässige Histori erzehlet wird, allwo dem Käiser Maximiliano I D. Faustus den Weltbezwinger Alexandrum Magnum vorstellig gemacht hat; als wollen wir solches bis dahin versparet [292] haben: indessen und zwar nach Anleitung obiger Helden Tapferkeit, Stärck und Grosmütigkeit, weiln auch noch heutiges Tags die jenige für tapffer, grosmütig und unerschrocken wollen gehalten seyn, welche, damit sie desto tollkühner an ihren Feinden angehen mögen, Mittel und Wege durch Eingeben deß Satans ausgesonnen, sich schußfrey oder, wie man zu reden pfleget, veste zu machen, und also ihren Leib von allerhand Verwundungen zu befreyen, soll diese Frag erörtert, und gleichsam aus unserm vernünfftigen Wunden-Urtheil l. 1. c. 9. widerholet werden: Ob ein Christ mit gutem Gewissen sich möge schußfrey oder vest machen.

Wiewoln nun allhier nicht gefraget wird, ob solches könne geschehen; sintemal die Erfahrung mehr als zuviel bezeuget, daß nicht allein die Menschen, sondern auch Pferde, Hunde, u.s.f. denen dergleichen Kunst (wenn anderst solches eine Kunst zu nennen) beygebracht und angehängt worden, nicht können verletzet oder verwundet werden; wie solches unter andern Herr D. Mengering bezeuget, wenn er in seinem Scrut. Consc. c. 9. schreibet, daß diese gottlosen Leute auch pflegen einen Hering so vest zu machen, daß man denselbigen weder schneiden oder geniessen könne, immassen er selber zu Jena ein dergleichen Exempel gesehen und mit Erstaunen wargenommen: sondern obs recht, und einem Christen nicht vorwerfflich seye, besagter Kunst sich zu bedienen? welchem aber mit Recht widersprochen wird.

Denn diß ist gewiß, daß weder in Metallen, noch im Papier, an und für sich selbst, einige dergleichen Krafft anzutreffen, sondern solches allein denen Characteren und Figuren zu zuschreiben seyn müsse, welche in solchen Sigillen und Zauberzettuln eingegraben und geschrieben worden: weßwegen dieses alles von einer höhern Macht und Krafft muß hergenommen werden.

Und obwoln etliche, unten welchen Cornel. Agrippa l. 1. de Occult. Philos. c. 33. nicht der geringste, den Sternen und sonderlichem Einfluß derselben, grossen Gewalt und Macht über unsere Leiber zugeschrieben; hat doch solches viel eine andere Meinung, und kan auf solche vestmachende Kunst nicht gezogen werden.

Vielmehr aber ist solche einer übernatürlichen Macht zu zuschreiben, welche vom Satan einig und allein, weiln GOtt [262] ohne Wunderwercke den Lauff der Natur nicht ändert, herrühret, der die Menschen durch kräfftige Irrthume zu verführen weiß, daß sie ihr Vertrauen von GOtt ab, und auf eine solche Kunst und Zauberzettul setzen, da es doch heisset: du solt keine andere Götter neben mir haben; wie aus nachfolgendem erhellen mag.

Zu Venedig war in dem Wirtshaus ein Italiäner, welcher sich vernemen [293] liesse, er möchte gerne einen Spiritum familiarem haben. Ein Marckschreyer oder Zahnbrecher sitzet mit zu Tische, gehet nach der Mahlzeit auf den Heuboden, und fängt eine grosse Spinne in ein Gläslein, verkaufft solche dem Italiäner für ein grosses Geld. Was geschihet? der böse Feind kommet in die Spinne, und thut diesem gottsvergessenem Menschen seinen Willen. Also gehet es auch mit dem vest-machen. Solche Künstler seynd in deß Satans Händen, und kan er die Kugel, als ein Fürst der Lufft, wol auffangen, die Stiche verhindern; wie etwan jenem General, nach Lercheimeri Anzeigung, der, als er aus der Schlacht in die Stadt B. geflohen kame, die Büchsen-Kugeln häuffig aus den Ermeln schüttete, wie die Erbsen, und hatte ihn keine können verwunden: aber doch die Augen, den Mund, und etliche Glieder, nicht versichern, wie auch wegen der grossen Stücke keine Gewärschafft leisten; daraus denn der Betrug leichtlich abzunemen

Herr Lutherus erzehlet folgendes in seinem 8. Jenischen Theil, p. 121 als auf eine Zeit ein Jud kame zu Hertzog Albrecht zu Sachsen, und ihm einen Knopff gabe, mit seltzamen Characteren und Zeichen, der solte nun dienlich seyn für kalt Eisen, Stechen und Schiessen; da sagte der löbliche Hertzog: so will ichs mit dir Juden am ersten probiren; führte hierauf den Juden vor das Thor ins Feld hinaus, hienge ihm den Knopff an den Hals, zoge sein Schwerd aus, und durchstache ihn. Da hat ihn nichts geholffen sein Schemhamphoras, Tetragrammaton, und andere Gauckeley. Und ob sie wol einwenden und sagen, daß keine Beschwörung oder Bündniß mit dem Satan vorlauffe, ja daß natürliche, den meinsten aber verborgene Ursachen seyen, durch welcher Wissenschafft und Erkäntniß man schußfrey möge werden: als wenn von dem Gemsen-Kraut gesaget wird, daß solches die Thiere, von welchen es den Namen, so erharte, daß ihnen der Jäger nicht beykommen möge.

Ob deme also, stehet zu beweisen. Wäre es aber, so kan gleich sowol deß Teuffels Verblendung mit unterlauffen, durch [263] welche er seine Künstler in Verderben, sich aber in Vertrauen zu setzen pfleget, und mit einer Warheit zehen Lügen verkaufft. Man sehe aber ihr Ende an, man wird gewißlich hundert für einmal erfahren haben, daß sie mit Schrecken hinunter gefahren, und elendes Todes sterben müssen.

Der tapffere Hertzog Bernhard zu Sachsen Weinmar, hatte einen Stallmeister, der zwar seine Reitkunst meisterlich verstanden, sonst aber in allen Sünden, Schanden und Lastern ersoffen, und unter andern auch vest an seinem Leibe war, daß er nichts weniger als den Tod gefürchtet.

Nachdem aber besagter Stallmeister von den Croaten gefangen worden, und weder mit Säbeln, noch mit Schiessen, nieder gemachet [294] werden können, haben sie ihn bis an den Hals eingegraben, und mit Kugeln von grossen Stücken so lang nach seinem Haupt geworffen, bis er endlich elendiglich seinen Geist aufgegeben, und gestorben, wie er gelebet. Dn. Harsdörffer, im Schaupl. Jämmerl. Mordgesch. Part. 3. p. 116.

Ein Corporal zu Fellenstein ist von dem Feind gefangen, und mit Äxten und Rädern zu tod gemartert worden. Nach seinem Tod ist er lange Zeit als ein abscheuliches Gespenst gesehen worden. Id. ibid.

Ein anderer hat mit seiner Hand über hundert Soldaten von seinem Feind niedergeschossen und gestochen, allezeit aber unverletzt darvon kommen. Als ihn aber einsten jemand beredet, er solte doch diese teuffelische Kunst von sich legen, ist er in der nächst begebenen Gefahr jämmerlich umkommen, und hat sich darbey getrö stet, als er sterben wollen, daß man ihn gleichwol mit der Haut begrabe, welches keinem Esel widerfahre.

Zu geschweigen, daß man mit gleichmässigen leichten Künsten solche vestmachende Kunst leicht aufthun möge, wie bekandt; worvon aber unnötig ist etwas mehrers zu gedencken, u.s.w.

Denn man hatte aus der Erfahrung, schreibt M. Eckhardus, citante Dn. Freudio, daß dergleichen Eisenbeiser durch geringe und liederliche Mittel, (denn es ist vielleicht ein Teuffel, der zugefröret und wieder aufgefröret) geschwächet und aufgethan worden, daß die Waffen und Kugeln durch ihre Haut und Fleisch nicht anderst, als durch ein Papier, durchgedrungen. Und wenn sie schon eine lange [264] Zeit dieses Handwerck getrieben, so weiß man doch, daß es ihnen endlich, da sie am allersichersten, und an GOtt nicht gedacht, sehr grob gefehlet, und sie vom bösen Geist im Stich gelassen worden.


II. Dieweil aber auch in dieser Histori eines ungeheuren Riesen, deß Polyphemi gedacht wird, so meldten zwar davon Homerus, Ovidius und Virgilius, in ihren Gedichten; daß diese Cyclopes, grosse Riesen und Menschenfresser gewesen seyn, haben nur ein Aug, so groß als wol ein Schild, an der Stirn gehabt, und wie Strabo und Plinius anzeigen, sollen sie gewohnet haben in Sicilien, in den grossen Hölen und Speluncken der Berge: sie gebraucheten sich keines Gerichts und Rechts, was einem jeden gefiele, das war ihm recht; die Weiber entlehneten sie einer von dem andern, und die Kinder so sie zeugeten, nährten sie insgemein; ihre Insul darinnen sie wohneten, war so fruchtbar und fett, daß sie ohn alles Tüngen, ohn alle Mühe, Kosten und Arbeit, die Fülle hat ten; ihren Weinwachs hatten sie Sommer und Winter, ihre Insul war auch voller Geissen und Gemsen.

Insonderheit beschreibet Ovidius obgedachten ungeheuern Polyphemum [295] also, daß er war an der Grösse und Länge wie ein hoher Fels oder Berg; wenn er in das Gehöltz gienge und Holtz heim trug, lude er so schwer auf, daß, wenn er es von sich warff, es in seiner Hölen einen solchen grossen Laut gabe, daß der gantze Berg darvon erschütterte. Zu Nachts, wenn er wolte schlaffen gehen, so brachte er zur Stätte einen übergrossen Stein gleich einem Felsen, den 80. Rosse nicht vermochten wegzuführen, denselben lehnet er an das Thor an Statt eines Riegels.

Als auch der streitbare Ulysses mit seinen Schiffen an diese Insul anfuhre, und die Wohnung deß Polyphemi sehen wolte, ergriffe Polyphemus deß Ulyssis Gefehrten zween, einen jeden bey einem Fuß, und zerschmettert sie an dem Felsen, wie zwey junge Böcklein, darnach brach er ihnen ein Glied nach dem andern ab, bereitete es ihm zu, so gut ers kunte, und fraß sie zuletzt als ein hungeriger Löw, mit Haut und Haar, daß weder Eingeweide noch Beine überblieben, und also machte er es auch den folgenden Tag mit ihrer einem, der sich etwas in der Insul verweilet hatte. Als aber, solches mit List zu rächen, Ulysses ihn mit Darsetzung eines starcken Maronischen Weins, der in Thracia wuchse, truncken gemachet, daß er [265] darob entschlaffen und ausgestreckt auf dem Boden lage, da stiesse Ulysses ihm sein einzelicht Aug aus, daß er nichts mehr sehen kunte; darüber er sobald erwachet und thate einen solchen schröcklichen Schrey, daß er in der gantzen Insul erschallte, und die einwohnenden Cyclopen von allen Orten zulieffen, daß Ulysses und seine Gefehrten genötiget wurden, sich zu verbergen, und flohen zu ihren Schiffen: Als nun Ulysses gedachte, er wäre bereits dem Unglück entgangen, und wäre in Sicherheit auf seinem Schiff, schrye er von dar dem Polyphemo fast spöttlich zu; darüber ergrimmte der Ries daß er gantz ungestümmiglich mit beeden Händen einen ungeheuren Felsen-Stein ergriffe, und warffe den so nahe in das Meer an das Schiff Ulyssis, daß er bey nahe das Schiff getroffen hätte.

Sonsten nennet der Mann GOttes Moyses, Genes. 6. die Riesen Tyrannen, da der vierdte Versicul spricht: es waren zu den Zeiten Tyrannen auf Erden; welches die lateinischen Ausleger Gigantes gegeben, vielleicht darum daß sie so groß gewesen, daß die andern gegen ihnen zu rechnen kleine Knaben geschienen, oder aber, daß sie die Leute überfallen und gezwungen haben. Solche Riesen waren gar mächtig vor der Sündflut, und tyrannisirten fast über die gantze Welt, denn sie verliessen sich auf ihre grosse Stärcke; massen auch Ovidius zeuget, wie die Riesen oder Tyrannen sich auf ihre grosse Stärcke und Gewalt verlassen haben, und sich gegen andern Menschen erzeiget wie ein Löw gegen einem Hündlein, mit Rauben und Morden, mit Treibung Schand [296] und Laster.

Berosus ein alter heidnischer Geschichtschreiber meldet hievon also: sie erfunden neue Waffen, unterdrucketen jederman, frassen die Leute, verderbten die empfangenen Kinder, trieben Unzucht mit ihren eigenen Müttern, Töchtern, Schwestern, Knaben und Thieren, und in Summa, es war kein Laster das sie nicht begiengen; derowegen GOtt höchlich über sie erzürnet ward, daß er auch das gantze Erdreich durch die Sündflut vertilget.

Wo aber solche Riesen ihre Wohnung, Ort und Stette gehabt haben, wird ebenmässig von Beroso angezeiget, daß sie nemlich um den Berg Libanum gewohnet haben, in welches Gegend grosse Wälder seynd gestanden, da man das köstliche Cedernholtz gehauen.

In dem ersten Buch Mosis im 14. Cap. lieset man, daß die Riesen zu Astaroth, Karnaim, Susim und Hamim ge[266]wohnet haben: im vierdten Buch Moysis aber stehet, sie wohneten gegen Mittag zu Hebron; und, wie es daselbsten noch ferner lautet, wohneten sie in einem solchen guten Lande, darinnen gleichsam Milch und Hönig innen flosse: und als Moyses die Kundtschaffter, so das Land solten ausspähen, ausgeschicket, und sie wieder kamen, zeigten sie dem Volck an, wie sie haben eine gewaltige Landschafft gefunden, darinn gebauet wären grosse und veste Städte, und sie sahen auch Enacks-Kinder, das waren die Riesen.

Also waren auch Riesen zu Debir, Anab, und von allem Gebirge Juda, item zu Gasa, Asdod, Josuae im 11. v. 21. und im folgenden 12. Capitel stehet: Sie herrschten über den Berg Hermon, über Salcha, und über gantz Basan, bis an die Gräntze Gesuri urd Maachati. Und im 1. Buch Samuelis im 17. heisset es: Goliath und sein Geschlecht wohnet zu Gath. In Summa sie hatten die schönsten Wohnungen und beste fruchtbarste Länder innen.

Ferner und überdas zeiget die heilige Schrifft etliche Geschlechte und Nachkommen der Riesen an, als das erste und älteste Geschlecht die Enackims, derer die Schrifft fast oft gedencket: Sie wohneten gegen Mittag zu Hebron, Numer. 13. Devteron. 1. Josu. 11. und zu Josuae Zeiten wohneten die Kinder Enacks, als Ahima, Sesai und Thalamai, annoch zu Kiriatharba, das ist Hebron, welche Caleb vertriebe. Dieses Riesen-Geschlechte kam von Cain her, der bauete eine Stadt, die nennet er Enos, welche war eine Raubstadt; und von dieser Stadt Enos entsprungen ihre Namen.

Noch war ein Geschlecht der Riesen, welche die Moabiter nennten Emim, Genes. 14. Devter. 2. die hatten ihre Wohnung zu Ar, und Moysis Zeugniß nach, war es ein grosses und starckes Volck, wie die Enakim: von dem Geschlechte Esau her.

[297] Item das Geschlecht Sammesusnim, welche auch die Moabiter also nenneten: diese kamen gleiches Falls von den Nachkommen Esau her, Devteron. 2.

Ingleichen Rapha, 2. Samuel. 21. Dieses Geschlecht hatte ihren Sitz zu Gath; da war ein starcker Ries, mit Namen Saph, der war in dem Philister Krieg zu Nob, von dem Sibechai dem Husathiter erschlagen, geboren von Rapha.

Noch einer von Rapha, Jesbi zu Nob, den hat Abisai, der Sohn Zeruia, tod geschlagen. Item Orgim; dieser Ries ward zu Gob vom Elhana erschlagen.

[267] Ebenmässig war von Rapha das Geschlecht und Herkommen deß Riesen Goliath: Goliath hatte auch einen Bruder Lahemi, den erschluge Elhanan, 1. Chron. 21.

Die alte Frantzösische Chronica berichtet, daß zu den Zeiten Caroli deß Ersten dieses Namens, Königs in Franckreich, ein Ries von jetzterwehntem Geschlechte Goliath ankommen seye, mit Namen Ferragut, aus der Stadt Nadres, in den Syrischen Gräntzen herrschende: item Sibai, eben dieses Riesen Geschlechts. Und soviel saget auch die H. Schrifft von den Riesen, eosque vere fuisse praeter Sacrae Scripturae testimonia testatur D. Au gustinus, l. 15. de C. D. c. 9. et post alios vetustiores, Pererius in Genes. l. 8. c. 6.

Zu den Zeiten Käiser Heinrichs deß Dritten, ward zu Rom eines Riesen Cörper gefunden, länger denn eines kleinen Thurns hoch, sein Angesicht war fünffthalb Schuh breit; hatte eine Wunden über seiner Brust, grösser, daß man sagen darff, ein brennend Liecht stund zu dessen Haupt, auf seinem Grab aber stunde geschrieben:


Filius Evandri Pallas, quem lancea Turni

Militis occidit, Mole suâ jacet hîc.


Sonsten schreibt man von dem Hildebrandt, von dem starcken Dieterich von Bern, vom starcken Eck, dem Hürnen Seyfried, (welches Rüstung man zu Worms in dem Thum zeiget) und andern grossen ungeheuren Riesen mehr, viel Wunder-Dings; welches alles aber mag in seinem Wehrt beruhen.

Anno 1585. den 24. August, am Tag S. Bartholomaei, ist in einem Flecken, Hartmansweiller genannt, bey Winnetten in dem Würtenberger Land gelegen, eine grosse Gruben, wegen vermutlich vieles und grosses Regenwetters, eingefallen oder gesuncken, zwar ausserhalb deß Fleckens, in welcher einer, der sichs am wenigsten versehen hätte, erstlich gefunden hat einen Knochen oder Bein, vier Spannen lang: als man aber weiter nachgegraben, da hat man ferner gefunden etwas grössere Beine, bey fünff Spannen lang, und einer Spannen dick; der Cörper aber war [298] in der Breite wol sechs Schuh, der Kinnback hielte 16. Pfund weniger einen Vierding 1; der Kopff war so groß als ein Simmer-Mas, und ein Zahn hielte etwan 12 oder 13 Loth schwehr. Man hätte gern dengan tzen Cörper zusammen gebracht, aber es ist viel darvon von denen von Adel, die deß Wunders halben dahin gekommen, genommen und weggeführet worden.

[268] Natalis Comes, ein Ausleger der poetischen Gedichte, schreibet, daß in Thessalia gefunden, und aus der Erden ausgegraben worden, ein Knoche von eines Menschen Schenckel, so groß und schwehr, daß wie man ihn hat wegführen wollen, solchen kaum dreyssig paar starcker Ochsen wegbringen können.

Ein anderer gelehrter Mann, Baptista Pius, welcher über den Lucretium geschrieben, bezeuget, daß er mit seinen Augen habe liegen sehen am Gestade deß Meeres zu Utica, einen Menschen-Zahn, so groß, daß ihm unserer gemeinen Zähne hundert kaum gleich.

Heut zu Tage ist ein grosses Land, auf etliche hundert Meilen sich erstreckend, in der neuen Welt, genannt Chili und Chica, dessen Einwohner alle schröckliche Riesen seynd, gegen welche die Holländer, so dahin gekommen, als Krähen oder kleine Hündlein geschienen. Diese, auf daß sie ihre Mannheit und Stärcke den Holländern erzeigeten, haben ihre lange Spiese, mit eisernen scharffen spitzigen Widerhacken oben versehen, und beschlagen, durch den Mund und den Hals, bis unten auf den Grund des Magens hinab gestossen, und bald hernach wieder ohne Schaden heraus gezogen. Da denn zu verwundern, daß die scharffe eiserne Spitzen nicht seyn im Halse stecken blieben.

Wiewol im End ein und andere fast zweiffeln wollen, ob dergleichen Riesen sich jemaln gefunden haben? das Gegentheil aber behaupten unter andern Del-Rio, in Senec. Troad. Comm. part. 2. num. 91. Majolus, Dier. Canicul. Coll. 2. part. 1. Kormann. de mirac. vivor. Bau hinus, lib. 1. de Hermaphrod. c. 8.

Fußnoten

1 Eine andere ausgabe, deren titelblatt in dem mir vorliegenden exemplar der Straßburger universität-und landesbibliothek fehlt, liest Vierring. Die ausgabe von 1695 hat Vierding.

Das 37. Capitel
[300] Das sieben-und-dreyssigste Capitel.
Wie D. Faustus, als man seiner bey einer Gasterey verlanget, er aber von dar weit entfernet gewesen, unversehens sich bey den Gästen eingefunden.

IN der Schlosser-Gassen zu Erffurt stunde ein Haus, zum Encker genannt, darinnen hat damals ein Stadtjuncker gewohnet, bey welchem, als einem Liebhaber der Magiae, sich D. Faustus oft[269]mals aufgehalten, welchen auch dieser Juncker in grossen Wehrt gehalten.

Es begab sich aber auf einen Tag, daß D. Faustus einem andern zu gefallen war nacher Prag verreiset, dieser Juncker aber begieng seinen Namens-Tag, worzu er denn etliche gute Freunde, allesamt gute Gönner deß D. Fausti, beruffen; diese nun waren bis in die späte Nacht recht lustig und frölich, und wünscheten sämtlich nicht mehr, als daß nur ihr guter Freund Faustus darbey und gegenwärtig wäre, sie wolten noch frölicher seyn, u.s.w.

Einer aber unter ihnen, so bereits einen guten Rausch hatte, nam ein Glas mit Wein, streckte das mit der Hand in die Höhe, und sprach: O guter Gesell Fauste, wo steckest du jetzund, daß wir deiner also müssen entberen, wärest du allhier, wir wolten ohne Zweiffel etwas von dir sehen, das unsere Frölichkeit vermehren würde; weiln es aber für diesesmal nicht anderst seyn kan, so will ich dir dieses in Gesundheit der Compagnie gebracht haben: kan es aber seyn, so komme zu uns, und saume dich nicht: darauf er einen Jauchzer gethan, und das Glas ausgetruncken.

Nach etwan einer Viertelstund pochet jemand an die Hausthür gar starck: ein Diener laufft an das Fenster zu schauen wer da wäre, da stiege eben D. Faustus von seinem Pferd ab, führte solches bey dem Zügel, und gabe sich dem Diener, der die Thür eröffnen wolte, zu erkennen, mit Bitte, dem Junckern und gesamten Gästen zu sagen, wie nun dieser zur Stelle und gegenwärtig wäre, den sie allesamt so sehr verlanget hätten.

Der Diener voll Erstaunen laufft eilends, und [270] zeiget [300] solches dem Junckern und gesamter Compagnie an, diese lachen und sagen ob er thöricht oder voll Weins wäre? er sehe vielleicht durch die Brillen, und habe das Plerr? D. Faustus seye ja verreiset, und könne nicht über die Mauren herfliegen, er werde es nicht, sondern ein anderer seyn.

Indessen klopffet Faustus noch einmal starck an, daß also der Juncker genöthiget ward von der Tafel aufzustehen; er sahe aber kaum recht zum Fenster hinaus, da name er deß D. Fausti bey dem Mondenschein gewar, und gabe also deß Dieners Anbringen Glauben: alsbald war die Thür eröffnet, D. Faustus aber von allen freundlich empfangen; dessen Pferd durch den Knecht in den Stall geführet und gefüttert wurde.

Die erste Frag war, daß die gesamten Gäste zu wissen verlangten, wie er doch so bald, und eher sie sich dessen versehen hätten, von Prag wieder käme? er antwortet kurtz hierauf, da ist mein Pferd gut darzu. Weilen mich die sämtlichen Herren so sehr da zu seyn gewünschet, mir auch zum öfftern mit Namen geruffen, hab ich ihnen willfahren, und bey ihnen allhier erscheinen wollen, wiewol ich nicht lang zu verbleiben habe, sondern bey anbrechendem Tag, der angefangenen Geschäffte wegen, wiederum zu Prag seyn muß; worüber sie sich denn insgesamt nicht genug verwundern kunten: fingen in zwischen das Spiel wieder an, wo sie es gelassen, waren frölich, gutes Mutes, darbey nun auch D. Faustus das Seinige thun wolte, spricht derowegen zu den Gästen: ob sie nicht auch einmal von fremden und ausländischen Weinen einen Trunck versuchen möchten, es wäre gleich ein Reinfall, Malvasier, Spanisch- [271] oder Frantzen-Wein? worauf sie bald mit lachendem Munde sprachen: Ja ja, sie seynd alle gut.

Zur Stund heischet oder fordert D. Faustus von dem Diener einen Borer, fähet an auf die Seiten der Tafel oder Tischblats vier Löcher nach einander zu boren, verstopfft solche mit vier Zäpfflein, und heist ihm alsdenn ein paar schöner Gläser schwäncken und herbringen, da diese zugegen, ziehet er ein Zäpfflein nach dem andern aus; da sprangen obbemeldte Weine heraus in die Gläser, dessen sich die Gäste höchlich verwunderten, lachten und waren recht guter Dinge, versuchten auch die Weine, und genossen derer auf Zusprechen und Versichern [301] Fausti, daß es natürliche Weine wären, mit grosser Begierde.

In währender solcher Kurtzweil, nach Verfliessung dreyer Stunden, kommt deß Junckern Sohn, der spricht zum D. Fausto: Herr Doctor, wie muß man das verstehen, euer Pferd frist so unersättlich, daß der Stallknecht betheuret, er wolte wol zwantzig Pferd mit dem, das es bereits gefressen hat, füttern, noch gleichwol will dieses alles nicht glecken, oder helffen; ich glaube der Teuffel fresse aus ihm, es stehet noch immer und sihet sich um, wo mehr sey.

Dieser recht ernstlichen Wort, wie sie der Mensch vorbrachte, lachten sie alle, aber Faustus noch mehr, der darauf antwortete, und sprach zu ihm, er solte es nun dabey verbleiben lassen, das Pferd hätte diese Art, hätte vor dieses mal genug gefressen; denn sonsten würde er wol allen Habern auf dem Boden hinweg fressen, wenn man seinen unersättlichen Magen füllen wolte. Es war aber [272] dieses unersättliche Pferd sein Geist Mephostophiles.

Mit solchen und dergleichen andern Kurtzweilen brachten sie gar die Nacht hin, daß der frühe Morgen bald begunte anzubrechen, da thäte D. Fausti Pferd einen hellen lauten Schrey, daß man es in dem gantzen Haus hören mochte. Nun, sagt alsbald D. Faustus, bin ich citiret, ich muß fort, und wolte also Abschied nemen, aber die Gäste hielten ihn auf, da machte er an seinen Gürtel einen Knoten, zu einem Andencken, und sagte ihnen noch ein Stündlein zu, nach verflossenem diesen aber, fieng das Pferd abermal an zu wiehern, da wolte er kurtzum fort, liesse sich doch erbitten, weiln er von einigem magischen Stuck zu erzehlen angefangen, noch ein halbes Stündlein zu verbleiben; nach dieses Verstreichung, thäte das Pferd den dritten Schrey, da wolte sich Faustus nicht länger aufhalten lassen, name seinen Abschied von ihnen allen, die sich denn gegen ihm, deß so unverhofften Zusprechens wegen, bedanckten, und ihm das Geleite bis zur Hausthüre gaben, da er denn auf sein Pferd saß, und immer die Schlossergassen hinauf ritte, bis zum Stadtthor, das noch nicht geöffnet ware, dessen aber ungeachtet, schwang sich sein Pferd mit ihm übersich in die Lufft, daß, die ihm nachsahen, ihn [302] bald aus dem Gesicht verloren. D. Faustus aber kam noch bey frühem Tage in sein voriges Logement, in der Stadt Prag.

Anmerckung.

I. In dieser angezeigten Histori fällt erstlich zu bedencken, daß man deß D. Fausti bey der Gasterey gedacht hat, und ihn gegenwärtig zu seyn gewünschet, unangesehen daß er zu Prag, [273] und also einen fernen Weg von ihnen gewesen, auch nicht müglich, daß er allda in so kurtzer Zeit hätte zugegen seyn mögen; gleichwol kommet er aus Geschwindigkeit seines Geistes dahin: aus welchem denn zu schliessen, daß weiln der Teuffel alles leichtfertige Geschwätz, Begehren und Wünschen der Compagnie gesehen und gehöret, er solches ihr Begehren seinem Bundsgenossen, dem D. Fausto, leichtlich und sobald werde hinterbracht haben: wie man ebenmässiges von Simone Mago schreibet, daß wenn der Käiser Nero gern hätte wissen wollen, was seine Hauptleute von ihm sagten, habe er solches von dem Zauberer Simone zu wissen begehret, welches er auch dem Käiser alsobald angezeiget. Dannenher nicht unbillich jemand fragen solte, ob denn der Teuffel alles wisse.

Ob nun wol deme also ist, daß der Teuffel bisweilen weiß, was zukünfftig ist, auch solches entweder selbsten, oder auch durch seine Werckzeuge, die Zauberer, wissen lässet; jedoch aber so weiß er nicht alles, und was er weiß, das darff er nicht sagen, wenns GOtt nicht haben will.

Der Teuffel und seine Werckzeuge, die Zauberer, wusten Pharaonis Traum nicht, wie zu sehen im 1. Buch Mosis im 41. v. 8. auch deß Königs Nebucadnezar nicht, Daniel. 2. v. 4. Bey der Verfolgung deß abtrünnigen zauberischen Käisers Juliani, haben sich die Christen in die Wälder verkrochen, welchen Ort der Käiser gern gewust hätte, sie alle zu fahen und umzubringen, hat auch zu dem Ende einen Geist ausgesendet. Als nun derselbe zu einem grossen Wald kommen, kehret er wieder um, und sagt daheim keine Antwort. Der Käiser aber will wissen wo die Christen wären? Der Geist spricht: ich hab nicht können fortkommen; denn die Leute thun so ein starckes Gebet, das hat mich verhindert, daß ich nicht hab weiter kommen können, Euseb. l. 5. de praepar.

Als Herr D. Luther im Jahr Christi 1521. von dem Reichstag von Worms kam, und in dem Heimziehen in dem Wald bey Eysenach aufgefangen, und auf das Schloß Wartburg auf Befehl Hertzog Friederichs von Sachsen geführet ward, daß er vor deß Käisers Acht und Verfolgung [303] sicher wäre, hat kein Warsager in Teutsch-oder Welschland, ob gleich viel darum ersuchet worden, durch seine Teuffels-Kunst wissen oder anmelden können, an welchem Ort Lutherus stecken möchte oder verborgen läge, bis Lutherus zu seiner Zeit selbst wieder hervor kommen. Diß machet, der Teuffel hat es nicht [274] gekonnt, und GOtt hat es nicht gewolt. Luth. Tisch-Reden, c. 9. f. 84.

In Westphalen war ein feiner ehrlicher Bauersmann mit seinem Weibe seßhafft, und lebte im friedlichen Ehstand. Dieser hatte auf eine Zeit sein Geldlein an kleiner Müntze in einer Schweinsblasen auf der Banck liegen, und war niemand in der Stuben als sein Weib, das Geld aber kommt hinweg; er fragt und suchet es, kan aber nicht wissen, wo es hingekommen. Daß ihm sein Weib solches nicht entwendet, war er versichert, daß es aber verschwunden, konnte er ihme nicht einbilden. In dieser Bestürtzung verlanget ihn zu wissen, wie es zugegangen, und wo das Geld hingekommen?

Solches zu erkundigen fragt er eine Zauberin, welche in dem nächsten Dorff mit ihrem Lügen-Kram viel Geldes verdiente. Diese sagt, daß er verziehen solte, sie wolte solches von ihrem Geist erkundigen: gehet darauf in den nächsten Stadel, und befragt sich mit dem Satan, der ihr antwortet: sie solte sagen, sein Weib hätte das Geld entwendet, und verzehre es mit ihrem Anhang, dem Pfaffen in dem Dorff; es wäre aber nicht also, sondern das Schwein hätte es samt der Schweinsblasen gefressen. (Daß dieses leichtlich seyn können, wird der glauben, welcher in Westphalen gewesen, und gesehen, daß Stuben und Stall der Orten nicht sonders unterschieden seynd.)

Dieses verhielte die Vettel dem Bauersmann, und sagte ihm, wie seine Ehebrecherin auch eine Diebin wäre, u.s.w. Es hatte sich aber (sonder Zweiffel aus GOttes Schickung) zu-getragen, daß ein armer Taglöhner in besagtem Stadel geschlaffen, und als die Hexe mit ihrem Poltergeist geredet, erwacht, und den Betrug verstanden. Dieser kame zu den betrübten und auf Rache bedachten Bauren, und erzehlte ihm, was er ungefehr vernommen; mit Beyrathen, der Bauer solte das Schwein schlachten, weil es vielleicht sonsten sterben würde, und dadurch erfahren, ob die Zauberin oder er die Warheit sagte.

Der Bauersmann erfreuet sich über solcher Zeitung, weil er sein Weib lieb, und nit Ursach hatte, sie in so bösen Verdacht zu halten: schlachtet alsobald das Schwein, und findet sein Geld in der Schweinsblasen, wie er solches verloren. Hierauf ergrimmet er über die alte Hexe, welche ihn leichtlich einen Todschlag hätte sollen begehen machen, und meldet der Obrigkeit dieser Zauberin trügliches Gewerb an, welche sie in Verhafft nemen, und nach Beglaubung der Anklage, lebendig [304] verbrennen lassen.

[275] Daß nun dieser Lügengeist nicht gewust, daß der Taglöhner in dem Stadel geschlaffen, welches er doch wissen können, ist gar vermutlich; denn er sonsten wol gedencken sollen, wie dieser seine Unglücks-Stifftung, indem er das ehrliche Weib und den Geistlichen im Dorff, um Ehr, Leib und Leben, ja den Mann in deß Henckers Hände bringen wollen, u.s.f. würde ruckgängig machen. Dn. Harsdörf. part. 6. Theatr. Tragic. Hist. 46.


II. Darnach und überdas wird auch in der Histori deß D. Fausti unersattlichen Pferdes gedacht, welches ebenmässig von andern Schwartzkünstlern erzehlet wird.

Von dem Thumpfaffen Antonio Moro schreibet man, daß als ein vornemer Abt nacher Halberstadt kommen, und in dem Closter seine Einkehr genommen, habe deß Abts Hofmeister im Stall ein schönes Neapolitanisches Pferd ersehen, welches er bey sich mehr als für 100. Cronen geaestimiret. Nach diesem nun, als solches der Hofmeister dem Abt hinterbracht, hatte er ein sonderliches Verlangen, welchem es auch Morus bey der Abreise verehret, der es denn mit grossen Freuden angenommen: aber es fraß sowol unterweges, als daheim und zu Hause, soviel, daß es nicht zu glauben war; wie denn deßwegen dem Moro dieses durch Schreiben zu erkennen gegeben, und hierauf seine Antwort und guten Raht zu wissen verlanget; deme aber der Schwartzkünstler Morus wieder zugeschrieben: es wäre gar kein Wunder, daß das Pferd viel frässe, weiln es ohne Zweiffel wisse, daß es einen reichen Herrn habe; so er aber je vermeinte, es frässe ihm zu viel Habern, so solte ers auf die Weyde schlagen.

Da nun dieses auch geschahe, hatte das Pferd inner wenigen Stunden bey die zwey Tagwerck Wiesen abgefressen, darob denn der Abt noch hefftiger erschrocken, und vermeinet, wenn er ein solch Pferd nur ein Jahr lang solte haben, es zehrete das gantze Clostereinkommen auf; schickte es derhalben dem Moro wiederum zu. Da aber dieser, deme es ist anbefohlen worden, auf das Pferd gesessen, und etwan auf den halben Weg kommen, ist das Pferd unter ihm verschwunden, und in die Lufft gefahren, mit höchstem Erstaunen dessen der es geritten. Und bey seiner Heimkunfft fande man alles, so man die gantze Zeit über an dem Pferd verfüttert, wiederum da und zugegen. Aus welchem denn der Abt leichtllich schiessen und ermessen kundte, was für eine Schalckheit ihme Morus mit dem Pferd bewiesen hätte.

[305]
Das 38. Capitel
[276] Das acht-und-dreissigste Capitel.
D. Faustus verschafft durch seine Kunst, daß die blöckenden Kühe stille werden und verstummen.

ES kame auf eine Zeit D. Faustus auch in die Stadt Hailbrunn, allwo er etliche Wochen lang gedachte zu verbleiben, und hatte seine Wohnung bey einem Burger, der Breunle genannt, der denn die kurtzweilige Possen und Abentheuer D. Fausti wol leiden mochte: zu diesem kamen auch andere gute Freunde und Bekandten, welche fast täglich mit einander zecheten und spieleten.

Auf einen Tag aber, nachdem D. Faustus einen guten Rausch getruncken hatte, und die gute Gesellschafft noch beyeinander war, triebe um die Abends-Zeit der Hirt die Kühe eben bey D. Fausti Wohnung vorbey, die hatten nun ihrer Gewohnheit nach ein grosses Geplerr und Blöcken, welches ihnen allen, sonderlich dem D. Fausto verdrießlich zu hören gewesen, der denn, als er zum Fenster hinaus gesehen, und wargenommen, daß deß Blöckens noch lang kein Aufhören seyn würde, zu der Compagnie gesagt, ich kan und mag diesem Blöcken der Kühe nicht länger zu-hören, sie machen mich vorhin ungedultig, was gilts, ich will ihnen solches vertreiben, daß ihr alle mit ein ander daran zu lachen haben werdet.

Alsobald verschaffet er durch Sprechung etlicher Worte, daß die blöckenden Kühe mit einander verstumten und stille wurden, ja allesamt die Mäuler aufgesperret hatten, und also nach ihren Ställen zu giengen; dessen denn die Compagnie sehr lachen [277] muste, die Viehmägde aber erschracken sehr darüber, und sprache je eine zur andern: Elß, Annel, hat deine Kuh auch ein aufgespertes Maul? auweh, was ist ihnen geschehen?

Anmerckung.

I. Zu wünschen wäre es freylich, daß er nur allein diese Kunst [306] gekönnt hätte und mit ihme also gestorben wäre; allein es bezeuget die Erfahrung, daß noch heutiges Tages solche böse Leute sonderbare Wörter und Segen erdacht, dardurch den Hunden, wie auch andern Thieren, die Mäuler zu stopffen, daß sie weder Bellen noch Beissen können, damit sie also ungehindert ihre Diebstücke ins Werck setzen mögen, welche Kunst den Räubern und Dieben sonderlich bekandt ist.

Jener vorneme Mann hatte einen Hund, welchen er darum, daß er bös, und mit Bellen und Anfallen der Leute gar ungestümm war, an die Ketten legen lassen. Zu diesem kommt ein bekandter, und der Zauberey halber sehr verdächtiger Mann, rühmet sich, der Hund könne ihn weder anbellen noch beissen, wenn er ihm gleich die Hände in den Rachen stosse, und spricht darauf einen fast lächerlichen Spruch, den der Herr leicht hören und verstehen können, mit halbleisen Worten murmelend, und hält drüber die Hand dem Hund hin in seinen Schlund, ist aber von demselben weder angebollen noch verletzet worden.

Als der Herr das gehört und gesehen, ist er drüber ergrimmet, und hat im Zorn zum Hund gesprochen: Hund, verrichte dein Amt Welches der Hund auch gethan, und diesen Hexenmeister also gebissen, daß er lange Zeit am Schaden zu artzneyen gehabt. Gvverb. vom Leut und Vieh besegnen p. 90.

Denn wenn man solch Gesind ängstiget, thun sie die Kunst wieder auf, und daran hat der Teuffel seine Kurtzweil.

Also kame auf eine Zeit eine Schäfer in eines Edelmanns Haus, einige Botschafft von seinem Junckern auszurichten. Es mag aber wol seyn daß der Schäfer Ursache zu Unwillen bekommen, jedoch aber sich dessen nicht dörffen mercken lassen, sondern saß in der Kuchen und frühstückte, seinen Weg wieder nach Hause zu nehmen; warffe indessen den Jagdhunden, so [278] eben dazumal in der Kuchen umlieffen, etliche Bissen Brod dar, und sprach darzu: nun fangt mir Hasen.

Der Edelmann ritte aus auf das Jagen, wie es denn seine fast tägliche Gewonheit war; aber er muste sehen, daß das Windspiel die Hasen mit dem Maul überwarffe, jedoch keinen fassen kundte. Er klagt solches zu Hause, da erinnerte sich die Köchin der Wort deß Schäfers. Der Edelmann reitet ihm zugefallen, findet ihn auf dem Feld, zucket sein Pistol, der Diener ingleichen, der Schäfer solte sterben: da thäte er die Kunst auf; und hätte der Edelmann nicht alsobald auf demselbigen Feld einen Hasen gefangen, solte der Diener, der annoch bey dem Schäfer hielte, ihm den Buckel lausen so lang, bis dem Windspiel geholffen würde.

Ich weiß mich zu erinnern, schreibt erstgedachter Gvverb, daß Anno 1619 ein reicher und geachteter Mann, in Beyseyn vieler ehrlicher [307] Leute sich nicht gescheuet zu rühmen, er wolle einem Ochsen nur ein oder zwey Wort in ein Ohr sagen, so müsse er von dannen in eine nächst dabey gelegene Stadt (war ungefehr fünff Stund Weges) oder an das Ort wohin man wolle, ohne einigen Treiber, seine Straß für sich gehen, für das Haus das man ihm nennen oder bestimmen werde, und sagte darbey, man solte dem Ochsen ein Kind zugeben, das den Weg nicht wüste, und auch nie gegangen seye, so werde dasselbig Kind mit dem Ochsen dahin kommen und denn der Sach Zeugniß geben können, daß es also ergangen sey.

Daß aber solches gebürlich und natürlich zugehe, wird niemand mich bereden können, aber wol, daß eines wie das ander, durch Hülff und Mitwürckung des Teuffels verhandelt werde, u.s.w.

Grillandus meldtet qu. de Sortileg. n. 3. daß zu Papst Hadriani deß Sechsten Zeiten ein Beschwörer, so ein Griech, zu Rom einen wilden Ochsen beschworen, daß er sich an einen kleinen gedreheten Faden gedultig führen lassen, in die vier oder fünff Meil wegs.

Silius Italicus schreibet von einem solchen Beschwörer, Namens Harcalo, welcher die grimmigen Löwen beschwören können, daß sie nicht schaden, sondern er sie unverletzt angreiffen mögen.


II. Darnach und fürs andere, gehöret hieher auch das Schlangenbeschwören und bannen, daß sie ihren Gift und Wut fahren lassen, von einem Ort zum andern weichen, oder zusammen kommen müssen Dieses Beschwören aber ist ein recht [279] Hexen-, Zauber- und Teuffelswerck, es geschehe gleich welcher Gestalt es wolle. Massen denn unter die neun unterschiedene Species und Arten der Zauberey, von Gott dem HErrn die Beschwörer mit Namen gesetzet worden, wie zu sehen im 5. B. M. 18. v. 10. 11. Ingleichen da der König und Prophet David im 58. Ps. v. 6. der Schlangenbeschwörer gedencket, da nennet er sie Zauberer. Uber welche Wort deß Psalms also Herr Joh. Henr. Ursinus glossiret: die alte Zauberer, spricht er, haben ihre Segen gehabt, damit sie den Schlangen das Maul gehemmet, oder gar zerreissen können, daß sie nicht haben stehen mögen.

In ihrem Hebammen-Buch erzehlet die Fr. Louyse Bourgeois, p. 179. eine denckwürdige Geschicht, die sie von einem glaubwürdigen Mann gehöret, welcher betheuret, daß solches die Warheit, und ers mit seinen Augen gesehen hätte, nemlich, als er zu Straßburg gewesen, wäre er verständigt worden, wie zwey Meil weges von dannen auf einem Dorff ein Weib wäre, deren Mann als er im Weingarten gehackt, hätte sie das Gras oder Unkraut vor ihm heraus rauffen müssen. Damit sie nun dieser Arbeit desto besser abwarten möchte, hat sie ihr Kind mit ihr hinaus genommen, und als sie dieses gesäuget, hätte sie [308] solches auf ein Küssen geleget, und schlaffen lassen, sie aber wäre indessen mit ihrer Arbeit fortgefahren.

Eines Tags begab sichs, daß ihr Kind aus dem Schlaff erwachte; damit sie nun solches stillen und wieder einschläffen möchte, gabe sie ihm zu trincken, und in dem Säugen entschlieff sie zugleich. Und als in dem Schlaff die Brustwartzen dem Kind aus dem Mund kam, und ihr solcher Gestalt der Busen eröffnet und die Brüste entblösset blieben, ist ihr dieses nicht geringe Unheil begegnet: denn eine Schlang schliche sittiglich herbey, ergriffe solche Brustwartzen der Frauen, und fieng an zu saugen, und weiln sie vielleicht niemaln so lieblich Ding geschmecket hatte, name sie ihr vor, solche nicht sobald zu verlassen.

Als aber das arme Weib erwachte, und diese Bestien an der Brust hangen sahe, ist sie dermassen erstaunet, daß sie für Schrecken möchte gestorben seyn. Sie schrye zwar ihrem Mann zu, aber als der herbey kame, und diß Spectacul ersahe, ist er darüber nicht weniger erschrocken als das Weib. Doch name er das Kind, und führte die arme erschrockene Frau mit sich heim nach Haus, und dorffte ihrer keines das lose Thier anrühren.

Er ließ einen Medicum holen, einen feinen gelehrten Mann, der wandte allen müglichen Fleiß an, und gebraucht [280] viel Mittel, diesen ungebettenen Gast abzutreiben; letzlich auch, da er sahe, daß die äusserliche Mittel nichts verfangen wolten, ist er zu Raht worden, dem Weib solche Sachen einzugeben, die die Milch ändern, und den süssen Geschmack in bitter verwandeln solten: allein man thate was man wolte, ists doch unmüglich gewesen, dieses böse Thier dahin zu bringen, daß es die Wartzen fahren liesse.

Man hatte sich zu befahren, solte man solchem etwas Leides thun, daß es die Frau beissen, und das Gifft ihr in die Brust schiessen möchte, zu ihrem ungezweiffelten Verderben. Also hat diß arme Weib diese Bestien, gleichsam angehefftet, wol in die zehen Monat herum tragen müssen; welche Zeit über die Schlang so lang und dick worden, und dermassen zugenommen, daß sie solche in einer Handzwehlen am Hals tragen müssen. Die Milch, welche sonsten den beyden Brüsten zugelauffen, hat sich allein zu dieser gewandt, daran die Schlang erstmals zu saugen angefangen.

Wie nun gantz und gar das arme Weib der Schlangen nicht los kommen können, ist sie endlich beredet worden, zu einem Schlangen-Beschwörer zu gehen, mit Namen Barillet, welcher ihr verheissen, er wolte ihr dieses unangenemen Gastes eher denn inner einer Viertelstund abhelffen, ohne einigen ihren Widerwillen und Schaden: hierauf hieß er sie einen Trunck Wein thun, und ein wenig ruhen. Unterdessen [309] macht er einen Creiß, fieng darnach an etliche gewisse Wort zu sprechen; alsobald kamen drey oder vier andere Schlangen, welche er unter seinem Tisch zu ernähren pflegte, hervor, und giengen in den Creiß: der Beschwörer fuhr fort, und sagte wiederum etwas, darauf die, so der Frauen so lang an der Brust gehangen, dieselbe verlassen, und mit den andern zugleich herum gesprungen.

Der Mann so sie beschworen, ergriffe sie, steckte ihr ein Stücklein Scharlach in den Rachen, brache ihr darnach die Zähne aus: die gute Frau, nachdem sie sich dieses schnöden Gasts entlediget befunde, und dieses alles sahe, machet eilends ihren Busen zu, und wolte darvon lauffen. Aber der Beschwörer hielte sie auf, und versicherte sie, daß die Schlang ihrer nicht mehr begehren würde, sondern sie müsse sich mit den andern an ihren geweisten Ort hin begeben.

Gleichwol ist auch dieses darbey zu mercken, daß solche Schlangen-Beschwörer und Zauberer zu weilen durch eben [281] die gebannten Schlangen und Nattern, Schaden nemen oder wol gar umgebracht werden, wie unter andern Bodinus, Daemonom. Teutsch, p. 87. eines solchen gedencket, der sich zu Saltzburg aufgehalten, und sich offtmals erboten hat, er könte und wolte alle Schlangen in der Nähe auf eine Meilweges in eine Gruben zusammen bringen, und tödten.

Wie er sich nun solches eines Tags unterstehet und eine unzählige Menge der Schlangen zusammen kommen waren, da findet sich zu letzt eine alte und grosse Schlange: wie er diese nun auch in die Grube zaubern will, widersetzet sie sich, fähret auf, umringet und umfängt den Beschwörer, wie ein Gürtel, ziehet und schleppet ihn mit in die Grube, und tödtete ihn.

Aus welchem erscheinet, spricht ermeldter Bodinus, daß diß nicht durch Krafft der Wort, immassen von dem Wort Hypokindox Theophrastus Paracelsus ungescheuet geschrieben; noch auch der Wort aus dem ein-und-neuntzigsten Psalm, und anderer gebrauchter Characteren, verrichtet worden. Denn wie hätten die Schlangen eines Menschen Stimm auf eine Meile herum hören können? sonderlich weil sie tieff in der Erden versteckt liegen? derowegen so ist es nur deß Teuffels Werck, und die Schlange der Teuffel selbst gewesen, der auf solche Weise seinen Dienern pflegt zu lohnen.

Besser ist es mit seinem Beschwören ergangen jenem Legaten von Cypern, dessen Plinius gedencket, so Exagon geheissen. Dieser hat dem Raht zu Rom zu gefallen sich nackend ausgezogen, und in ein Faß lebendiger Schlangen werffen lassen, welche er alsobald beschworen hatte, daß sie ihn nicht können beschädigen, sondern haben ihn mit ihren Zungen gelecket, und also geschmeichelt.

[310]
Das 39. Capitel
Das neun-und-dreyssigste Capitel.
D. Faustus ergreifft einen Regenbogen mit der Hand.

ES verreisten etliche Kauffleute mit D. Fausto hinab gen Franckfurt auf die Messe, und kamen bey dem Ottenwald Abends in ein Städtlein, Boxberg, an; nun lage auf einen Berg daselbst ein Schloß, auf welchem ein Vogt war, der ein Ver[282]wandter eines Kauffmanns mit unter der Compagnie war, dieser als er gerne seinem Vettern eine Ehre erweisen wolte, beruffte er die gantze Gesellschafft folgenden Tags zu sich auf das Schloß, so zimlich hoch lage, und tractirte sie nach bestem Vermögen.

Da sie nun einander mit dem Trunck zimlich zugesetzet hatten, und allbereit Abschied nemen wolten, weiln es aussahe, als ob auf den Regen ein ander Wetter kommen wolte, spricht einer unter der Gesellschafft, der indessen zum Fenster hinaus gesehen: nein nein, es hat kein Noth deß Regenwetters halber, es stehet ein schöner Regenbogen am Himmel.

Da D. Faustus das vername, stund er vom Tisch auf, gieng zum Fenster, sahe hinaus, und sagte: was soll es gelten, ich will mit meiner Hand diesen Regenbogen ergreiffen? die andern, denen die Kunst D. Fausti nicht so gar bekandt war, da sie solches hörten, lieffen sämtlich vom Tisch, diesem unmüglichen Ding zuzusehen: denn der Regenbogen stunde noch weit von dar, um die Gegend Boxberg herum. Bald aber strecket D. Faustus seine Hand aus, und sihe, da gienge der Regenboge über dem Städtlein her, gegen dem Schloß zu, bis an das Fenster; daß also D. Faustus den Regenbogen mit der Hand augenscheinlich fassete und gleichsam hielte. Sagte auch darauf, so die Herren wolten zusehen, so wolte er auf diesen Regenbogen sitzen, und darvon fahren: aber sie wolten nicht, und baten darfür. Zur Stund zog Faustus die Hand ab, da schnellte der Regenbogen hinweg, und stunde wiederum wie zuvor, an seinem Ort.

[283] Anmerckung.

[311] I. Nachdem Zoroastres, der erste Schwartzkünstler nach vieler Gelehrten Meinung, einen Bund mit dem Teuffel aufgerichtet hatte, verhiesse ihm der Teuffel unmügliche Dinge zu verbringen, die er ausrichten werde, unter welchen auch dieses mit ware, daß er sagte, wenn er ihm würde folgen, so wolle er ihn die Kunst lehren, daß die Creaturen ihm gehorsamen und ausrichten solten, was er ihnen nur würde gebieten und befehlen, ob schon solches in ihrer natürlichen Krafft nicht seye: wie der Mond solte verfinstert, die fliessende Wasser stehend werden, er solte die Sternen und anders mehr zu sich ziehen können, u.s.f.

So nun dieses dem Zoroastri durch die Hülff deß Teuf fels müglich gewesen, wie er denn dieses und anders vollbracht hat; warum solte denn ein solches dem D. Fausto unmüglich gewesen seyn? Allein daß solches natürlicher Weise nicht zugangen seye, kan ein jeder Verständiger selbst ermessen.

Denn den Regenbogen ergreiffen, deß Himmels Lauff aufhalten, oder wie der Jesuit Serarius an einem Ort geschrieben: der Teuffel kan durch natürliche Ursachen machen, daß der Himmel und die Sternen still stehen, dieses alles seynd Göttliche Wunderwercke, welche der Teuffel und seine Werckzeuge, die Zauberer, nicht thun und zu Werck richten können, ob sie sichs schon rühmen.

Wiewoln gleichfalls nicht zu verneinen ist, daß der Satan gleichwol durch Gottes Verhängniß und Zulassung viel wunderliches und seltzames verbringen und practiciren mag, dessen Ursach, Art und Weise auch die scharffsinnigsten Menschen nicht ergründen und aussinnen mögen; entweder daß er durch Behendigkeit etwas darstellet, daß es das Ansehen hat, als wenn ers selbsten gemacht und erschaffen hätte, wie er durch die Zauberer in Egypten gethan, da deren Stäbe zu Schlangen worden, da sie Frösche gemacht, wie Moyses, Exodi 7. v. 12.

Oder aber es seynd nur Verblendungen gewesen, daß der Teuffel frommer und böser Leute Gesicht verblendet, daß sie meinen, sie sehen diß und das, und ist doch nichts daran: seynd derowegen deß Teuffels und der Zauberer Wunder meinstentheils lauter Gauckelpossen und Verblendungen.


II. Den Regenbogen betreffend, haben die heidnische Philosophi kaum aussinnen können, was der sey, und wie es zugehe, daß er allemal gegen der Sonnen, und gemeiniglich gegen dem [284] Morgen, wenn die Sonn gegen dem Abend ist, stehe; item, daß er nur halb rund seye? etliche nun haben gesaget, es komme darvon, daß die holen Wolcken den Strahl von der Sonnen zuruck stossen gegen die Sonne, so breche sich alsdenn derselbe, und mache einen solchen Bogen von mancherley [312] Farben. Andere geben vor, so der Hitzthau vor der Sonnen gehet, und sich in den Lüfften weilet, bis er zu einem Gewülck wird, so geschihets, daß die Sonn zwerchs scheinet, als verwandelt sich das Gewülck nach den vier Elementen. Die Grüne hat er von dem Wasser, das Blau nach der Lufft, die Röthe nach dem Feuer, die Braun nach der Erden.

Etliche sagen, der Regenbogen habe sechserley Farben, als die grüne, rothe, blaue, leibfarb, geel und braun. Johannes der Theologus in seiner Offenbarung im vierdten Capitel spricht: wenn der Regenbogen am Himmel stehet, und regnet drauf, so seye es herum feurig.

Andere sagen, und zwar etwas besser, wenn die Sonn ihre Radios, ihre Strahlen, Schein und Glantz herab lässet, und sich setzet gegen den wässerichten Wolcken, so entspringe ein Regenbogen mit seinen unterschiedenen Farben.

Es sey aber mit ihm wie es wolle, so bezeuget doch die heilige Schrifft, daß er sey ein Bund-Zeichen, welches GOtt in die Wolcken gesetzt, zum Zeugniß, daß hinfüro nicht mehr eine solche Sündfluth kommen solle, wie zu Nohae Zeiten geschehen ist, die alles Fleisch verderbete: und zeiget dennoch bey diesem Bund-Zeichen an, daß endlich die Welt in der letzten Straff durch das Feuer soll verbrennen und zerschmeltzen, wie hievon S. Petrus spricht in der andern Epistel am dritten Capitel: die Himmel aber, die jetzt seynd, und die Erd, seynd durch sein Wort erhalten, daß sie zum Feuer behalten werden am Tage deß Gerichts und Verdamniß der gottlosen Menschen, und Er wolle alsdenn Himmel und Erden wiederum verneuen und herrlicher machen.

Was denn belanget die Farben deß Regenbogen, davon spricht Sirach, im drey-und-viertzigsten Capitel, v. 50. also: Sihe den Regenbogen an, und lobe den, der ihn gemacht hat, denn er hat sehr schöne Farben. Diese Farben aber deuten etliche also aus: die blaue Farb, als die Lufft, zeiget die Zierde deß Himmels an, wie herrlich GOTT seinen Stul gesetzet und gezieret hat, gleich als mit einem schönen blauen Umhang; und so offt wir das Blau am Regenbogen sehen, sollen [285] wir uns deß Ewigen erinnern. Die rothe Farb bedeutet den Zorn GOttes, den er vor der Sündflut, auch zu Sodoma und Gomorra, über die Halsstarrige und Unbusfertige hat er-gehen lassen, und mit einem Feuerregen solche Gegend gar ausgetilget; diese Farb wird sich auch am Jüngsten Tag äussern, wenn der HERR kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten. Die grüne Farb bedeutet den Untergang der andern Welt mit der Sündflut: denn wie mans sihet, so ist das gantze Meer grünlicht anzuschauen. Die braune Farb bedeutet [313] das Erdreich, oder den Menschen, der aus der Erden erschaffen ist.

Letzlich ist auch dieses nicht in Vergessenheit zu stellen, daß hierüber etliche unter den Gelehrten nicht einig seynd, sondern behaupten wollen, der Regenbogen seye vor der Sündflut schon gewesen: denn habe GOTT Sonn, Mond und die Sternen erschaffen, so seye ohne Zweiffel der Regenbogen auch darunter gewesen: zu welchem Ende sie die Gloß im Propheten Joel am andern und Matthaei am vier-und-zwantzigsten anziehen, daß alle Elementen deß Himmels vergehen werden, so GOTT geschaffen habe, worunter denn auch der Regenbogen seye. Andere nicht minder Gelehrte sagen hergegen nein darzu, und bleiben schnurstracks bey dem klaren Text Genes. 9. daß GOTT der HERR damals allererst nach der Sündflut den Regenbogen an dem Himmel zu einen Bund und Gnaden-Zeichen gestellet habe.

[314]
Das 40. Capitel
Das viertzigste Capitel.
D. Faustus verzaubert einem groben Bauern, der in die Stadt gefahren, und Faustum nicht auf den ledigen Wagen sitzen lassen wollen, die Räder von dem Wagen in die Lufft.

IN der Stadt Braunschweig wohnete ein vornemer von Adel, der an der Schwindsucht kranck lange Zeit darnider gelegen, und ob er wol alle in und ausser der Stadt befindliche Ärtzte zu sich erfordert, wolte doch nichts nicht, [286] wie zwar insgemein zu geschehen pflegt, verhelffen; weiln denn alle natürliche Mittel vergebens und umsonst, wolte er sich endlich auch der Magischen Cur deß damals in der Nähe auf einem Schloß sich aufhaltenden D. Fausti, auf Beyrathen eines guten Freundes, untergeben: beruffte ihn demnach schrifftlich, und mit Versprechung einer reichlichen Belohnung, wo er ihm helffen werde, zu sich.

D. Faustus sande den Boten gleich wiederum zuruck, und versichert diesen Beamten, daß er bald kommen, und sich nicht säumen wolte: und ob er wol gute Gelegenheit von dem Herrn deß Schlosses so zu reiten als zu fahren hatte, wolte er doch lieber, massen auch sonsten seine Gewohnheit war, zu Fuß gehen. Als er nun von ferne der Stadt ansichtig ward, ward er gleich hinter ihm nahe eines Bauren gewar, der einen leeren Wagen, mit vier Rossen bespannet, hatte, und ebenermassen der Stadt zufahren wolte, diesen Bauren nun sprache D. Faustus mit guten Worten an, er solt ihn auf den leren Wagen sitzen lassen, und ihn, weil er fast müde wäre, führen bis an das Stadtthor; welches ihm aber der Bauer abschluge, sagend, er würde ohne das genug aus der Stadt zu führen haben, wolte nicht erst sich mit ihm verweilen, und ihn aufsetzen: wiewol es dem D. Fausto nicht Ernst ware, sondern thäte nur einen Versuch, ob der Bauer so diensthafft seyn würde. Dem D. Faustus aber thäte diese grobe Weise, und unbillige Antwort deß Bauren sehr wehe, gedachte bey sich selbst: harr du grober Esel, du must mir herhalten, ich will [315] dich mit gleicher Müntz bezahlen, thust du solches einem Fremden, was wirst du sonsten thun? alsobald spricht er etliche Wort, da springen die vier Räder zugleich vom Wagen, und fuhren zusehend in die Lufft hin[287]weg, gleichermassen fielen auch die Pferde nieder, als wären sie vom Hagel getroffen worden, und regten sich nicht mehr. Dieses nun der Bauer sehende, erschrack er, wie leicht zu glauben, von Hertzen, weinete, und bate mit aufgehabenen Händen den D. Faustum, er solte ihm Gnade erweisen, er wüste wol, daß er sich grob an ihm, als einem Fremden, erzeiget hätte, allein er wolte es nicht mehr thun, u.s.w.

Was solte nun D. Faustus thun? Er sagte, ja du grober Gesell, thue es hinfüro keinem mehr, was du mir gethan hast, ich will dißmal deiner verschonen: damit du aber nicht gar leer ausgehest, und zugleich ein Andencken haben mögest, andere Fremde nicht solcher Gestalt zu tractiren, so nimm das Erdreich unter deinen Rossen, werffe es alsobald auf sie; der Bauer gehorchet dem Fausto, und wirfft die Erden auf sie, alsobald richteten sie sich wieder auf: aber, also fuhr D. Faustus fort, deine Räder wiederum zu überkommen, so gehe gleich der Stadt zu, und bey den vier Thoren wirst du ein jegliches Rad finden und antreffen. Brachte also der Bauer den halben Tag zu bis er seine Räder bekam.

Anmerckung.

I. Es fraget sich aber allhier gleich Anfangs, ob dieser schwindsüchtige Edelman recht gethan habe, daß er sich, da keine natürliche Cur verfangen wollen, der ohne Zweiffel beschreyeten zauberischen, oder wie mans sonst lieber aussprechen will, der Magischen Cur D. Fausti untergeben? oder, ob noch heutiges Tags ein rechtschaffener Christ mit gutem Gewissen, der Zauberer und Hexen zauberische und aberglaubige Mittel, auf den Nothfall könne gebrauchen.

Bodin. Daemon. Teutsch, p. 157. M. B. Waldschmid. Pyth. End. p. 315. und sonderlich M. Freudius im Gewiss. Fr. von Zaub. p. 427. beantworten solche Frage mit nein. Denn daß kein rechtschaffener Christ mit gutem Gewissen solche zauberische aberglaubische Artzneyen und Mittel gebrauchen könne und solle, ist daher offenbar, weiln 1. dieses wider Gottes ausdrücklichen [288] Befehl ist: denn wie GOtt alle Weissager, [316] Zeichendeuter, Zauberer, Beschwörer, als einen Greuel für Ihm, verbotten, also hat Er auch dieselbige um Raht zu fragen, und deren Mittel zu gebrauchen, ebenmässig ausdrücklich verbotten im dritten Buch Mos. im 19. v. 31. hat ingleichen die jenigen, so solche Zauberrähte und Mittel gebrauchen, aus seinem Volck auszurotten gedrohet, im zwantzigsten Capitel gedachtes Orts, vers. 6. Eben dieses bestättiget auch der Apostel Paulus, da er in der Epistel an die Römer im ersten Cap. v. 32 insgemein sagt, daß nicht allein deß Todes würdig seyn die, so schändliche Sünden-Greuel thun, sondern auch die, so Gefallen haben an denen, die es thun. Nun aber ist Zauberey ein Werck deß Todes je würdig und schuldig; die denn darein verwilligen oder Gefallen daran haben, und dadurch sich wollen geholffen haben, müssen ja nach den klaren Worten deß Apostels auch deß Todes würdig seyn. Denn wie kan einer bey seiner oder der seinigen Kranckheit und Leibs-Gebrechen, die Hexen und Zauberer consuliren und Rahtfragen, ohne ihre Einwilligung?

Zum andern, so versündigen sich alle die, so zu den Zauberern und Hexen lauffen, am allerschändlichsten 1. an GOtt und seinem Wort insgemein: denn sie lieben, fürchten und ehren GOtt und sein Wort nicht, weil sie seine Gebot nicht halten, Johan. 14. v. 21 in der Noth Ihn nicht anruffen, Psalm 50. v. 15. Sie versündigen sich insonderheit 2. an GOTT dem Vatter: denn sie erkennen, ehren und halten Ihn nicht für ihren Vatter. Wer aus GOtt geboren ist, der thut nicht Sünde. Daran wirds offenbar, welche die Kinder GOttes, und Kinder deß Teuffels seynd, 1. Johan. 3. v. 9. 10. Wenn du Zaubermittel brauchest, so thust du Sünde, thust unrecht; darum so bist du nicht GOttes Kind. Bist du nicht GOttes Kind, so bist du gewiß deß Teuffels Kind. Sie versündigen sich 3. an ihrem Erlöser JEsu Christo: denn dieser ist kommen, daß er die Werck deß Teuffels zerstöre, 1. Joh. 3. v. 8. durch die Zaubermittel aber wird deß Teuffels Reich aufgerichtet, geheget und gepflantzet. Sie versündigen sich 4. an dem Heiligen Geist; denn sie weichen von ihm zum bösen Geist, indem sie den Zauberern nachhuren, Levit. 20. v. 6. Sie versündigen sich 5. an den heiligen Sacramenten, sonderlich der heiligen Tauff, darinn sie GOtt mit Leib und Seel sich ergeben, und einen Bund deß guten Gewissens mit GOtt [289] aufgerichtet, dargegen dem Teuffel, und allen seinen Wercken und Wesen abgesagt. Solchen Bund brechen sie, wenn sie die Zauberer und Warsager rahtfragen, sich zum Teuffel wenden, seiner Wercke und Wesens gebrauchen. Sie sündigen auch 6. wider ihren Christlichen Glauben. Denn der wahre Christliche Glaube ist eine hertzliche Zuversicht an den einigen wesentlichen GOtt, Vatter Sohn und H. Geist, sich [317] auf denselbigen verlassend, daß er allein in allen Nöthen helffen könne, weil er allein allweiß, allein allwissend, allein allmächtig. Wo solche Zuversicht ist, da ist ein rechter Glaub, wo solche nicht ist, da ist kein rechter Glaub nicht. Solche Zuversicht haben sie nicht, wenn sie dem Teuffel und seinen Werckzeugen nachlauffen. Denn wenn sie recht glaubeten, daß ein GOtt in der Christenheit wäre, was dörffen sie zu denen lauffen, die all ihr Kunst und Hülff vom Teuffel haben? Sie sündigen 7. wider die göttliche Mittel, so GOtt verordnet. GOtt der HErr hat uns diese Ordnung in seinem Wort vorgeschrieben, daß, wenn wir in Nöthen Leibes und der Seelen gerathen, wir erstlich erkennen sollen, woher solche Noth komme? nemlich von wegen der Sünde: darnach wahre Reu und Leid über unsere Sünden haben, GOtt um Vergebung derselben anruffen. Denn auch ordentliche Artzney-Mittel gebrauchen, nach der Anweisung Syrachs im 38. Capitel letzlich Gedult tragen, wenn rechtmässige Artzney nicht will helffen, und gedencken, es sey eine vätterliche Züchtigung GOttes, mit welcher Er uns am Leib straffe, auf daß der Seelen wol seye. Diese Ordnung aber kehret dieser stracks um, welcher deß Teuffels und der Zauberer Raht begehret.

Zum Dritten begehen sie mit ihren Zauber-Räthen und Hülffmitteln schröckliche Abgötterey, greuliche Thorheit, grausame Vermessenheit, und aberglaubige Blindheit. Abgötterey in dem, daß sie sich von GOtt zum Teuffel wenden, machen aus dem, der ein Beelzebub oder Fliegen-König, einen Menschen-GOtt: aus dem der ein Lügner von Anfang ist, einen Warsager: aus dem der ein Mörder ist, einen Lebendigmacher: aus dem der ein abgesagter Menschenfeind ist, einen Freund, Helffer und Erretter der Menschen. Diß ist ja eine schwere Sünde, wenn ein Mensch andere Götter neben GOtt haben will, oder GOtt gar fahren lassen, und Hülffe mit Saul bey den Zauberer und Warsagern suchen will, da es doch heisset: [290] Ich bin der Herr dein GOtt, du solt keine andere Götter neben mir haben.

Thorheit in dem, daß solche Leute fliehen von GOtt zum Teuffel, von der Wahrheit zu der Lügen; von dem der der gute Vatter ist über alles das Vatter heist im Himmel und auf Erden, zu dem Ertzfeind und Bösewicht, wie ihn Paulus nennet, Ephes. 6. v. 16. von dem getreuen guten Hirten, zu dem brüllenden Löwen, Petri Aussage nach, seiner ersten Epistel im 5. v. 8. welcher sich etwan freundlich stellet und erzeiget, daß er seine Feindschafft desto besser an dir vollbringe, von diesem wilt du, daß dir geholffen werde. Welcher etwa den Leib heilet, daß er entweder denselbigen mehr und gefährlicher verwunde, oder je zum wenigsten die Seel verletze, von diesem wilt du gesund werden. Welcher ein Lügner ist, und etwa einmal zwey wahr gesaget, [318] damit er dich desto mehr betrüge, von diesem wilt du die Warheit erforschen. Ist das nicht greuliche Thorheit?

Grausame Vermessenheit aber, indeme der Zauberer mehrmal solche Mittel zu gebrauchen befiehlet, die keiner nicht ohne grosse Sünde gebrauchen kan; ja wie die Erfahrung lehret, da unter dem Schein der Cur, mancher Zauberer seinen geilen unkeuschen Willen zu verüben gesuchet hat.

Aberglaubige Blindheit ist es auch: denn gemeiniglich diese Mittel nichtig, zum theil lächerlich und aberglaubig seynd.

Endlich ist dieses hochschädlich. Denn GOtt der HErr drohet im dritten Buch Moysis im 20. v. 6. Er wolle sein Antlitz wider sie setzen, und sie aus ihrem Volck rotten. Wenn sich aber der HErr wider einen setzet, wehe einem solchen! was will da für Glück und Segen seyn? und was GOTT dißfalls gedrohet, das hat Er mit denckwürdigen Exempeln bewähret.

Die Cananiter hat Er um solcher Greuel willen vertrieben, und sie aus dem Land vertilget, wie zu sehen im fünfften Buch Moysis im 18. v. 12. 14. Saul, der König in Israel, hat um dessentwillen müssen umkommen, und zum Teuffel fahren, 1. Samuel. 28. Ahasia ingleichen, der König in Israel, im andern Buch der Könige im 1. v. 16.

Dergleichen Exempel noch heutiges Tags viel gefunden werden da ihrer viel, wenn sie schon lang dem Baalsebub, dem Teuffel zu Eckron, den Zauberern, Hexen, Warsagern, Segensprechern, nachgelauffen, alles was sie haben, an sie [291] gewendet, dennoch nicht genesen, sondern endlich der Kranckheit eingehen und sterben müssen.

Wie nun ein Christ der Hexen und Zauberer zauberische aberglaubige Mittel zu Vertreibung ein und anderer Kranckheit, mit gutem Gewissen nicht gebrauchen kan, also soll viel weniger Zauberey mit Gegenzauberey oder Hexerey-Mittel geheilet und vertrieben werden; denn das hiesse, einen Teuffel mit dem andern vertreiben. Und ist hierbey die Regul S. Pauli wol in Acht zu nemen, Römer. 3. v. 8. Man soll nichts Ubels thun, daß Gutes daraus komme.

Sprengerus in seinem Malleo Maleficarum gedencket eines Exempels, daß ein Bischoff in Teutschland gewesen, welcher in eine beschwerliche Leibesschwachheit gefallen war. Als er nun von einer alten Vettel berichtet worden, seine Kranckheit sey ihm durch Zauberey beygebracht, könte ihm auch auf keine andere Weise benommen werden, als wenn solche angezauberte Kranckheit wiederum auf die Zauberin selbst geza ubert würde; ist ihm dem Bischoff solcher Handel gantz wunderlich vorkommen, daß er sich auch darüber hefftig entsetzet hat. Er wird aber Rahts, und schicket eine eigene Post nach Rom zu dem damaligen [319] Papst Nicolao V, bittet um Dispensation hierinn, solche Mittel vor die Hand zu nemen, und zu gebrauchen: welches denn der Papst, der den Bischoff sehr liebete, gerne geschehen liesse und erlaubete. Doch stunde in dieser Dispensation ausdrücklich: ut ex duobus malis fugiatur majus, damit aus zweyen Ubeln das Böste verhütet werde.

Da nun das verlangte Erlauben des Papsts ankommen, und der Zauberin vorgelesen worden, hat die Zauberin, so sich dazu erbotten, darauf gesagt: dieweil es dem H. Vatter, dem Papst, sowol auch dem Ehrwürdigen Bischoff also gefällig, so wolle sie die Sache angreiffen, und das Ihrige darbey thun. Was sie nun gemacht habe, ist niemand wissend, aber daß sie Zauberey gebraucht, daran ist kein Zweiffel. Denn der Bischoff ist alsbald damals in der Mitternacht restituiret worden, und zu seiner Gesundheit kommen; die Hexe aber ist eben um dieselbige Stunde in eine hefftige Kranckheit gefallen, daran sie auch endlich gestorben.

Ein Christliches Hertz hergegen wird gewißlich lieber wollen sieben Jahr lang mit dem gedultigen Hiob aushalten: oder achtzehen Jahr mit dem verlahmten Weiblein: ja 38 Jahr mit jenem Krancken bey dem Teich Bethesda; als auf solche Art und Weise sich von der Kranckheit befreyen wollen.

[292] Es möchte aber jemand einwenden und sagen: ja lieber GOtt, wer hangt der verlangt, einer der von bösen Leuten an seiner Gesundheit gefähret und beschädiget worden, der hätte ja freylich solche gerne wieder: wenn nun aber kein Medicus und Artzt helffen kan, so kans ja so unrecht nicht seyn, wenn man ihm durch Zauberer und Hexen wieder helffen lässet, die zur Zeit helffen können.

Darauf ist zu wissen, daß solche Leute, die dieses sagen oder dencken, gleichen Sinn haben mit dem Theophrasto Paracelso, l. de Morb. Caduc. der einsten ungescheuet gesagt: es sey nichts daran gelegen, ob GOtt oder der Teuffel, Engel oder böse Geister, dem Krancken helffen, wenn nur der Kranckheit abgeholffen werde. Welchen lästerlichen Worten aber entgegen zu setzen seynd die Wort Chrysostomi, Homil. 8. in Epist. ad Coloss. Es ist besser, sagt er, tausendmal sterben, denn sich einer verfluchten zauberischen Artzney gebrauchen, die den Leib zwar erhält, die Seele aber tödtet.

Dieses hat in Acht genommen König Philippus in Franckreich: denn als ihme in seiner Kranckheit gerahten wurde, er solte Magische Hülffe gebrauchen, weiln die natürlichen Mittel nicht helffen wolten, da wolte er nicht, sondern sagte: er wolte lieber gedultig sterben, denn unrechtmässige und unchristliche Mittel brauchen, er müsse doch einmal sterben.

[320] Darum soll ein jeder lieber in GOttes Namen kranck seyn, denn ins Teuffels Namen begehren gesund zu werden; lieber mit GOtt nach seinem Willen sterben, denn sich einer verfluchten zauberischen Artzney bedienen und also mit dem Teuffel leben wollen; lieber mit GOtt ein kranckes Vieh, als mit dem Teuffel ein gesundes und starckes haben.

Zu dem, wenn Zauberer und Hexen bey ihrer Hülffe, wie sie vorgeben, natürliche Mittel gebrauchen, so können ja erfahrne und gelehrte Medici dieselbe auch brauchen; und ist daher nicht Noth, daß man sie fahren lasse, und sich zu diesem Zaubergesinde wende. Denn obwol der Teuffel eine weit längere Erfahrung hat in der Natur, als der Mensch, und mit der Heilung geschwinder fertig wird, als sonst ein Medicus: jedoch weil der Teuffel mit seinem Heilen die Menschen nur zu sich locket, und was er an einem Ort gut machet, das verderbet er dargegen an zweyen, nutzet er dem Leib, so schadet er der Seelen und dem Gewissen, welches durch den Gebrauch seiner Mittel gefährlich verwundet wird, und wie [293] sonsten auch all sein Thun auf Betrug gerichtet ist: also soll sich billich ein jeder für ihm und seinen Werckzeugen hüten.


II. Zumaln und fürs ander, wenn man bedencket und zu reifferer Erwegung ziehet das jenige, daß die Erfahrung von dergleichen Personen vielfältig bestättiget hat, nemlich, daß jeder Zauberer, der Kranckheiten und das Bezauberte zu curiren sich ausgibt, nichts anders sonderlich von ihm begehret, nur daß der Krancke festiglich glaube, und ihm gäntzlich vertraue, er werde ihm gewißlich helffen.

Was ist aber dieses anders, denn eine schändliche begehrte Abgötterey? sintemal ja hiemit das Vertrauen, welches allein auf den Schöpffer zu setzen, dem Geschöpff zugeeignet wird: auch wendet der Satan alsdenn alle seine Kunst und Macht dahin an, damit er nur diese, die auf ihn, oder die Creaturen trauen, heile und helffe.

Herr G. P. Harsdörffer im siebenden Theil deß grossen Schauplatz Jämmerlicher Mordgeschicht, Hist. 169. erzehlet folgende Geschicht:

Zu Brüg in Flandern hielte sich eine alte, und dem Ansehen nach erbare Matron auf, sie heilete viel unheilsame Kranckheiten, richtete die Krummrückige gerad, und hatte niemand über ihren Wandel zu klagen; ja das gemeine Volck hielte sie fast für eine Heilige, bey welcher man in allen Fällen sich Rahts erholte. Gegen solcher Heilung legte sie Wallfarten an die umliegenden Örter auf, und befahle man solte so und so viel Messen lesen lassen, Allmoß geben, und was dergleichen gute Werck mehr waren.

Die Obrigkeit hatte hierinnen ein wachendes Aug, und fragte diese, [321] aus was Macht sie solches thäte? Sie antwortet, daß solches alles zu gutem End, und mit guten Ursachen beschehen: die Mittel wären auch heilig und unsträfflich, daß man nicht Ursach sie zu schelten, viel weniger in einer so schmählichen Gefängniß (wie geschehen war) länger anzuhalten. Weil man aber diese für keine Heilige ansahe, wie sie wolte gehalten seyn, wurde von dem Raht zu Brüg geschlossen, man solte sie auf der Marterbanck ferners fragen. Welches auch geschehen.

Bey angestellter Frage war der Burgermeister deß Orts, welcher mit dem Zipperlein schmertzlichst geplaget war; diesem versprach sie, daß sie ihn alsobald heilen, und seiner Plage erledigen wolle. Der Burgermeister hörte solche fröliche Post, [294] und versprache ihr, wenn sie ihn der Schmertzen beständig erledigen würde, zwey hundert Cronen zu geben. Die andern Schöpffen aber liessen sie abtretten, und führten dem Herrn Burgermeister zu Gemüte, daß solche Heilung mit teufflischen Mitteln, nicht zu wünschen, als durch welche der Leib geheilet, sein Gewissen aber und Seele vielmehr verletzet würde.

Solches nun zu beglauben, liessen sie die Hexe wieder aufführen, und fragten: was sie für Artzneyen zu dem Zipperlein gebrauchen wolte? Sie antwortet, keine andere, als daß der Herr Burgermeister glaube, ich könne und werde ihm helffen. Hierdurch wurde sie noch mehr verdächtiger, der Burgermeister aber wendig gemachet, und sie an die Folter geworffen; weil die Apostel und heiligen Männer GOttes in dem Namen Christi, und nicht solcher Gestalt Wunder gethan, und niemals begehret, daß man auf ihre Person einig Vertrauen setzen solte.

An der Folter bekennet sie etliche schlechte und unsträffliche Sachen, für die Zauberey aber laugnet sie beständig. Nach etlichen Tagen wird sie wiederum angespannet, da sie angefangen zu schreyen, man solte sie von dannen lassen, oder man würde ein übles Rauchwerck von ihr pressen. Man liesse sie nach ihrer Nothdurfft gehen, und nachdem sie eine halbe Stund verzogen, ist sie härter als zuvor angestrenget worden: da sie denn angefangen zu lachen, mit den Händen zu klopffen, und zu sagen, daß noch die Schöpffen, noch der Hencker wider sie nichts werden ausrichten, fienge auch endlich an zu schlaffen.

Nach etlichen Tagen ist sie zum dritten mal angezogen und peinlich verhöret worden: bevor aber hat man ihr die Haar von dem Haupt abgeschoren, da sie denn wie zuvor nichts bekennen wollen: deßwegen deß Henckers und Henckersknechten Weibern Befehl ertheilet worden, ihr alle Haar am gantzen Leib abzuschneiden, in denen sie viel Brieflein, mit deß Teuffels Namen, gefunden, und ihr weggenommen.

So bald dieses geschehen, hat sie alle ihre Missethaten bekennet, [322] und gesagt, daß man ihr gewiß nicht würde haben beykommen mögen, wenn man ihr nur die Zettelein gelassen hätte; nun aber müste sie gestehen, daß sie mit dem bösen Geist sich verbunden, und bisher alles durch ihn gewürcket, u.s.w. Deßwegen wurde sie deß Lands verwiesen, bey Straffe deß Feuers, wenn sie würde wiederkommen.

Also wanderte sie aus Flandern in Seeland nach Mittelburg, da sie anfienge das alte Handwerck zu treiben. Flo rent [295] Dam, Bannrichter deß Orts, hatte vernommen. was mit dieser Hexen zu Brüg vorgelauffen, und als er wahre Kundtschafft eingezogen, daß sie ihre Hexerey und Teuffelskunst fortsetzte, auch ihre Aussage so sie in der Gefängniß zu Brüg gethan, schrifftlich erlanget, hat er sie lebendig verbrennen lassen.

Es hat auf eine Zeit eine Adeliche Person, einer auch Edlen Tochter das Zahnweh durch einen zauberischen Segen gestillet. Als sie aber folgends von wegen deß abgöttischen Mittels, so sie gebraucht, gescholten ward, hat es sie von Hertzen übel gereuet: darauf denn der vorige Schmertz wieder angangen, hat aber nachgehender Tagen selbst nachgelassen.

Es schreibet Rudolph Gvverb, p. 174. ein gut arm Gesell kam zu mir, klagt mit weinenden Augen den überaus grossen Schmertzen, den er auf der einen Seiten deß Haupts schon eine geraume Zeit erlitten hatte. Und weil es ihm auf dem Wasser zu Nachts widerfahren, haben es die Leute einen Nachtschaden genennet, und ihn deßwegen zu einen Segensprecher gewiesen, sich von ihm segnen zu lassen. Er habe gefolget, demselben Segner einen Batzen gebracht und gebetten, daß er ihn versegnen wolle, welches er gethan habe: weil er aber ihm hin und zuruck gehen gezweiffelt, ob es auch müglich sey, daß ein solcher Segen ihm so einen unerträglichen Schmertzen benemen könne, sey ihm nicht allein nicht geholffen, sondern der Schmertz um ein Gutes vermehret worden.


III. Uber das und zum Dritten, erscheinet auch hieraus der Betrug deß leidigen Satans, und seine Begierde Schaden zu thun, in dem, daß er gemeiniglich die Zauberer und Hexen dahin anhält, daß, wie sie freywillig bekannt haben, wenn sie durch ihre Zauberey jemand wollen gesund machen, sie dieselbige Kranckheit, die einem abgenommen wird, sobald einem andern müssen anzaubern; oder wo sie solches nicht vermögen, sobald selbst darüber umkommen. Denn der Teuffel will Unglück haben, solte es gleich seine eigene Diener treffen, wie Bodinus redet, und es mit Exempeln bestättiget, Dæmonom. Teutsch, p. 159.

Hulin Petit, ein Holtzhändler zu Orleans, war von bösen Leuten verzaubert, daß er fast tödliche Schmerzen empfande: dieser beschickte [323] einen alten Schwartzkünstler und begehrete seiner Hülffe. Der Zauberer sagte, daß er nicht beym Leben könne erhalten werden, wenn er nicht geschehen lasse, daß seinem Söhnlein, welches noch an der Mutter Brüsten lag, solche Kranckheit [296] angethan würde. Der verfluchte Vatter verwilligte in seines unschuldigen Kindes Tod.

Die Kindsmagd, welche dieses unvermerckt anhörte, träget das Kindlein, welches sie sehr liebte, sobald hinweg, daß es dieser treffliche Artzt nicht beobachtet. Als nun dieser Zauberer den Vatter angerühret, wurde er augenblicklich gesund, und als er das Kind nicht mehr sahe, selbiges auch anzurühren, hat er angefangen zu schreyen: Ach! ich bin deß Todes! wo ist das Kind? wo ist das Kind? Er hatte auch den Fuß nicht für die Thürschwelle gesetzet, da ist er starr tod zur Erden gefallen, und gantz erschwartzet, wie ein Mohr, daß er sehr abscheulich ausgesehen, und ohne Zweiffel von dem höllischen Mohren also zugerichtet worden.

Von einem Edelmann zu Paris schreibt gemeldter Bodinus, l. c. als ihm eines seiner Pferde kranck worden, hab er einen Zauberer aus dem Land Auvergne, um Hülff und Raht ersuchet; derselbige hab zwar dem Pferd geholffen, doch also, daß er den Schaden oder die Kranckheit dem Diener deß Edelmanns aufgelegt: und da man bey ihm angehalten, er möchte nun auch dem Diener helffen, hat er den Edelmann fragen lassen, ob er lieber das Pferd oder den Diener verlieren wolte? ehe aber die Antwort kommen, sey der Diener tod gewesen; darüber dieser Beschwörer gefänglich eingezogen und hingerichtet worden, Anno 1579.

Zu Thoulouse hatte ein Student das viertägige Fieber, das wolte ihm ein Zauberer abhelffen, und sagte er solte diese Kranckheit seinem Feinde schencken. Der Student sagte, daß er keinen Feind hätte: wol sagte der ander, so schencket es dem Diener: das wolte er auch nicht thun, weil er ihm treulich gedienet. So schenckt mir das Fieber, sagte der Zauberer. Darein willigte der Student, das Fieber verliesse den Studenten, und der Zauberer bekam es alsobald, ist auch daran gestorben.

Zu Nantes hatte eine Hexe ihre Nachbarin bezaubert; als sie nun von der Obrigkeit, wegen starcken Verdachts, gezwungen worden, daß sie die Krancke anrühren müssen, ist sie alsobald genesen: die Zauberin aber tod darnieder gefallen.

Hie fragt sichs aber, ob ein Richter einen Zauberer nöthen soll, daß er den Bezauberten anrühre? Herr Harsdörffer part. 2. deß Schaupl. J. M. Hist. 174 ertheilet diese Antwort: für das Ja-Wort, spricht er, streitet erstlich, daß der [297] Richter schuldig ist dem Ubel zu steuren, und den unrechter Weise Geplagten zu helffen. Zum andern, daß solche [324] angezauberte Kranckheiten durch natürliche Mittel nicht mögen geheilet werden. Drittens, daß der Zauberer dardurch geoffenbaret, und sich selbsten straffet, wie aus vorhergehendem zu ersehen.

Die Ursachen aber für das Nein-Wort scheinen viel stärcker: Erstlich, kommet von GOtt Kranckheit und Gesundheit, und nicht von dem Satan und seinen Werckzeugen: Zum Andern, soll man nicht Böses thun, daß Gutes daraus erfolge: Drittens, raumet man den bösen Leuten zu viel ein, indem man ihnen Glauben zustellet; und ist besser in dergleichen Zustand ein brünstiges und allgemeines Gebet, durch welches man Gott in die Ruthe fället, und dieser seiner Nachrichter Schwerd gleichsam zuruck halten kan.


IV. Letzlich gehöret auch hieher, was von dem Büssen oder Segensprechen über die Kranckheiten zu halten seye.

Oberwehnter Herr Freudius, wie ebenmässig M. B. Waldschmid, loc. cit. p. 645. saget unter andern hiervon also: von den jüdischen Cabalisten ist solcher Greuel geheget; im Papstthum ist er beliebet und so zu reden flück worden, in die Kirche GOttes aufgeflogen, und leider auch unter uns, als ein schnöder Sauerteig, der längst mit aller Macht hätte sollen ausgefeget worden seyn, verblieben.

Solch Segensprechen aber der alten Weiber, und heimlichen Zauberer ist anders nichts, als ein unchristlicher Mißbrauch deß Worts GOttes, deß Namens der heiligen Dreyfaltigkeit, u.s.f. Darauf GOttes ernstliche und unausbleibliche Straff folget, als welcher den nicht will ungestraffet lassen, der seinen Namen mißbraucht. Daß es über das ein grosser Aberglaub sey, wenn man den Worten solche Krafft und Würckung zuschreibet, die sie doch selbsten an sich und in ihrer Natur nicht haben, und um deß willen auch das Vertrauen setzet auf etwas, das doch nichts ist: ja daß es im Ende eine Gemeinschafft sey, die man hierinnen mit den Zauberern, Hexen, Segensprechern, Beschwörern hat. Und können daher solche Leute die es thun, hieraus erkennen, wie schwerlich sie sich damit versündigen, und sich deß Zorns und der gerechten Straffen GOttes theilhafftig machen: denn sie setzen ihr Vertrauen nicht auf GOTT und seine Hülffe, sondern auf die [298] gesprochene oder geschriebene Wort, welche, ob sie wol gut seynd, werden sie doch nicht in ihrem rechten Gebrauch gelassen, darzu sie GOtt gegeben hat.

Wenn nun aber solche Leute die es thun, daran gleichwol nicht unrecht wollen gethan haben, sondern Erstlich einwenden und sagen, es seyn gleichwol gute Kräuter und Mittel, die der Meister oder das Weib brauchet, item, es seynd lauter gute Wort, die man darzu brauchet, was solte es unrecht seyn, daß man dieses oder jenes thut und braucht, [325] im Namen GOttes deß Vatters, deß Sohns, und deß H. Geistes? daß man Vatter unser, Glauben, Ave Maria, das Wort Adonai, den Namen Jehovah, die Namen etlicher Engel, den Namen JEsus, Maria, der Apostel, der vier Evangelisten, der fünff Wunden Christi, die sieben Wort am Creutz, die Wort JESUS Nazarenus Rex Judæorum, S. Johannis Evangelium, Agnus DEI, etc. darzu spricht: daß man selbige zum dritten, siebenden und neundten mal, mehr oder weniger spricht? das seynd ja gute heilige Wort? Wisse aber, daß die Wort zwar gut seyn, allein der Mißbrauch und die Entheiligung derselben sey gar zu bös, oder wie Herr Lutherus redet an einem Ort: sie seynd nicht darzu verordnet, daß du ihrer mißbrauchen solt, sondern daß du daran glaubest, und in und durch den Glauben erlangest, was du wilt und begeh rest. Daß du aber deß Glaubens nicht achtest, und treibest Zauberei, und dein Affenspiel darmit, das heist schändlich der Wort mißbrauchet, und darmit gezaubert. Und ist gewißlich der Teuffel so grob und plump nicht, er weiß seinem Betrug einen Schein zu geben: er wills GOtt nach thun, und ist auch hierinnen GOttes Aff. Wie GOtt sein Reich und alles mit seinem ewigen Wort erhält, also will der Teuffel auch mit seinem Wort sein Reich erhalten, und demselbigen mit dem Mißbrauch deß Worts GOttes ein herrlich Ansehen machen. Es heisset aber: die Gottlosigkeit je mehr sie mit feinerm Schein der Gottesfurcht und Religion bemäntelt und bedecket wird, je grösser ist sie.

Zum Andern wenden sie ein, S. Paulus befehle ja 1. Corinth. 10. v. 31. Coloss. 3. v. 17. man soll alles thun, was wir thun, in dem Namen deß HErrn JEsu; darum so könne es nicht unrecht seyn, dergleichen auch thun, eben so wenig könne es auch unrecht seyn, daß man einen Segen über Kräuter oder andere Mittel spreche, weil wir ja auch das Brod und Essen über Tisch mit unserm Gebet segnen?

[299] Hierauf ist die Antwort, daß wir im Namen JEsu alles thun sollen, ist recht; daß wir aber den Namen JEsu zu Segen brauchen, durch denselben besondere Krafft den Kräutern, Steinen, Wurtzeln, Salben, Creutzen, Ceremonien, zu wegen bringen, das ist uns nirgend befohlen. Der Nam JEsu hat seine besondere Krafft, wenn er im Glauben gesprochen und gebrauchet wird, nach GOttes Wort. Der blosse ausgesprochene und zu solchem Abentheuer mißbrauchte Nam JESU thut nichts. JEsum kenne ich wol, wer seyd aber ihr? sagte dorten der Teuffel zu den Jüdischen Beschwörern, wie zu lesen in der Apostel Geschicht im 19. v. 15. Was die Einrede anlanget, was im Namen GOttes geschihet, das ist nicht unrecht: muß man mercken, daß es nicht durchaus gelte und wahr seye; denn nichts in GOttes Namen [326] geschehen kan, denn was GOTT wolgefällig ist. Derowegen ist es nicht genug, sprechen, daß man im Namen GOttes etwas thue, sondern man muß besehen und fleissige Achtung geben, ob es auch im Namen GOttes, als GOtt wolgefällig verrichtet werde. Denn der Teuffel, der da ist ein Engel der Finsterniß, pflegt sich also in einen Engel deß Liechts zu verstellen.

Zum Dritten kommen sie aufgezogen mit dem Exempel Christi und seiner Apostel, die mit Worten Kranckheiten geheilet; als Paulus den Lahmen vor dem Tempel, aus der Apostel Geschicht 3. v. 6. deßgleichen Æneam den Gichtbrüchtigen, Actor. 9. v. 34. wie nicht weniger die Söhne deß Hohenpriesters Scevæ Actor. 19. v. 13, ja Christus selbst habe mit dem Wort Hephata den Tauben und Stummen hörend und redend, deßgleichen jenen Blindgebornen mit Koth sehend gemacht, u.s.w.

Allein wisse, daß gar ein grosser Unterscheid zwischen dem Exempel Christi und seiner Apostel, und dem Exempel solcher Segensprecher seye. Denn die Krafft deß Namen JEsus, dardurch die Teuffel ausgetrieben, und die Krancken geheilet worden, bestehet nicht auf den blossen Syllaben und Buchstaben, die gelesen, gesprochen, oder gehöret werden, sondern auf der Macht JEsu Christi, der in die Welt kommen ist, daß Er deß Teuffels Werck zerstöre, 1. Joh. 3. 8. Darnach kan zwar GOtt durch sein Wort alles thun, denn so Er spricht, so geschichts, so Er gebeut, stehets da, spricht David im 33. Psalm, v. 9. Aber der Mensch kan mit Worten, wenn es auch gleich GOttes Wort seynd, nicht das geringste Ding hervor bringen.

[300] Vierdtens, sagen sie, gleichwol so helffen solche Leute, da sonst kein Artzt oder Mensch helffen kan, sonderlich wenns Nachtschäden seynd wie mans nennet, so von Zauberey herkommen, und anderswo durch nichts, als durch dergleichen Zauberey, Segensprechen, vertrieben werden können.

Es mag zwar wol zu einem und andern mal seyn, daß sie helffen können, allein es folget darum nicht, daß es recht sey. Der Teuffel hat durch der Heiden Götzen Oracula viel Ding, so wahr gewesen verkündet: solts darum recht seyn? Der Warsagerin zu Endor Geist sagte dem Saul, was ihm begegnen würde: solts darum recht seyn? der Teuffel hilfft durch Zauberey der Zauberey: solts darum recht seyn? Ein Teuffel vertreibt den andern, solts darum recht seyn?

Endlich seynd ihrer viel die gedencken: helffe was helffen mag, sie wollen diß und jenes brauchen, helffe es, so wollen sie GOtt dancken, und darnach wenn sie gesund, GOtt durch Bekehrung und Allmosen solche Sünde wieder abbitten.

[327] Dieses ist aber erstlich ein thörichtes Vorhaben: denn sie wollen dem Leibe helffen durch Segensprechen und Zauberey und verletzen dardurch ihre Seel und Gewissen. Darnach so setzen sie für gewiß, und ihre Hand und Willen hinein, das doch zumal ungewiß ist: denn wer weiß, ob sie so lang leben, und die Gnade erlangen, daß sie sich zu dem HErrn bekehren können? Zum andern ists ein gottloses Vorhaben. Sie versuchen GOtt, eben als wenn Er sie so lang in ihren Sünden müste dulten. Er wolle oder wolle nicht, und wieder zu Gnaden annemen müste, wenn sie nicht mehr sündigen wollen.

In Summa es ist alles, was von den aberglaubischen Segnern eingewendet wird, lauter Lappenwerck, nicht wehrt, daß rechtschaffene Christen sich darmit schleppen, und so fern bethören lassen, daß sie dem heidnischen, zauberischen Unwesen Beyfall geben, und dardurch verständigen Christen ihr Christenthum zu Spott und Schanden machen, sagt gar nachdencklich D. D. Dieterich. T. 2. Conc. super Sap. p. 376.

[328]
Das 41. Capitel
[301] Das ein-und-viertzigste Capitel.
Von einer seltzamen Begebenheit vier verwägener Zauberer, wie sie einander die Köpffe abhieben, und wieder aufsatzten; deren einem aber D. Faustus übel gelohnet.

D. Faustus, als er mit obgedachten Kauffleuten gen Franckfurt kommen und, wie bey solcher Meßzeit allerhand Gauckler und Abentheurer gemeiniglich erscheinen und zusammen kommen, von seinem Geist Mephostophile berichtet worden, wie in einem Wirtshaus bey der Judengassen vier verwägene Gauckler und Schwartzkünstler wären, darunter der eine der Meister, die andere seine Knechte waren. Diese hieben einander die Köpffe ab, liessen den abgeschlagenen Kopff durch einen darzu bestellten Barbierer waschen und säubern, und satzten den dem Leibe wieder auf, mit männigliches Verwundern; welches denn auch diesen Schwartzkünstlern ein grosses Geld verdienen machte, weiln viel Herren und reiche Kauffleute der Stadt sich dahin verfügten, und zuschaueten.

Solches nun verdrosse den D. Faustum nicht wenig, vermeinende, er wäre allein deß Teuffels Hahn im Korb, name desswegen ihm gleich für, seine Kunst auch allda sehen zu lassen, und gieng dahin, nebens andern dem Handel zuzuschauen. Er sahe aber daselbst bald eine rote Decke auf der Erden ausgebreitet liegen, auf der Seiten des Zimmers stunde auch ein Tisch, und auf dem Tisch stund ein verglaster Hafen, darinnen, wie sie vorgaben, ein distillirtes Wasser ware, in welchem Wasser vier [302] grüne Lilien-Stengel stunden, die sie nenneten die Wurtzeln des Lebens.

Nur war es mit dem Handel also beschaffen, dass wenn einer von diesen Gaucklern niederkniete auf die rothe Decke, gienge bald der ander herbey und hube mit einem breiten Schwerd diesem den Kopff ab, und gabe ihn dem Barbierer, der ihn zwagen und so gar barbieren muste, wenn dieses auch verrichtet, gab alsdenn der Barbirer dem Meister den Kopff, der solchen den Anwesenden zu beschauen darreichte; inzwischen setzte man den Cörper auf einen Stul, und wenn es Zeit [329] ware, so satzte ie einer nach dem andern den Kopff, mit vielen seltzamen Worten und Ceremonien, wieder auf: sobald aber dieses geschehen, sprang eine Lilie, aus den vieren in dem Hafen auf dem Tisch, in die Höhe, und wurde sobald auch der Leib wiederum gantz; und dieses trieben sie immer so fort, bis es auch an den Meister kam.

Diesem nun, ob ihn schon vorhero D. Faustus sein Leben lang nicht gesehen hatte, wolte er eines versetzen, und solchem Gauckelwerk ein Ende machen; name demnach war, als sie zum andern mal das Kopff-abhauen anhebeten, und der Reyen nun an dem Meister ware, welcher Lilien-Stengel in dem Hafen dem Meister zugehörte; und dieser eben niederknien wolte, gehet D. Faustus unsichtbar hin zu dem Tisch, auf welchem der Hafen mit den Lilien-Stengel stunde, und schlitzet mit einem Messer deß Meisters Lilien-Stengel von einander, machte sich hierauf wiederum unsichtbar von dannen, ja gar zur Thür hinaus, welches auch die Anwesenden nicht gewar wurden. Der Knecht schlägt indessen dem [303] Meister, wie vorhin mehr geschehen, das Haupt ab, läst es waschen und barbieren, und will es nun wieder auf den Cörper setzen; aber sihe da fiel es wieder herab: leicht ist zu glauben, daß dieses nicht allein alle Anwesende, vielmehr aber die Knechte und Schwartzkünstler befremdet habe, worüber sie denn noch mehr erschrocken seynd, als sie gesehen, daß deß Meisters Lilie oder Wurtzel deß Lebens, in dem Hafen von einander geschlitzet war, und der Meister tod auf der Erden lage.

Anmerckung.

I. D. Faustus als er an den Ort hingekommen, wo solches Kopffabhauen vorgegangen, hat bald gesehen, daß diese Gauckler nicht seynd solche Leute gewesen, die die Zuschauer mit ihrer Geschwindigkeit allein geäffet, als wie man etwan einem ein Schloß unversehens an das Maul leget, oder allerley anders durch Geschwindigkeit in den Mund bringet, u.s.f. sondern sie waren Fausti rechte Mitbrüder und Schwartzkünstler, denen er aber, als ein von Natur mißgünstiger Mensch, ihre Kunst nicht gönnete. Weiln er denn zugleich gesehen, daß sie sehr vermessen waren, oder vielmehr, daß sie ihre Sache nicht recht in Acht namen, thate er, was sein Geist Mephostophiles, gerne sahe und [330] haben wolte. Ihnen geschahe auch recht, weil sie nicht sorgfältiger waren, wie sie doch solten gewust haben, daß ihr Meister der Teuffel ernstliche Disciplin zu halten pflege: wenn ein Schwartzkünstler den Teuffel im Circkel beschwöret, muß er zu-sehen, daß er nicht einen Fehltritt aus dem Circkel thue, sonst ist er seines Lebens nicht sicher.

Diß alles aber, was von dem Kopff-Abhauen der Schwartzkünstler kan und mag gedacht werden, ist mehrentheils betrügliche Blendung der Augen, wie aus folgendem zu ersehen.

Anno 876. hatte Käiser Ludovicus einen Artzt bey Hofe, der hieß Sedechias, war ein Jud und grosser Schwartzkünstler, der öffentlich vor Fürsten und Herren seine Kunst triebe. Unter andern fraß er einen geharnischten Mann mit Pferd und Waffen: er hieb den Leuten die Köpff, Hände und Füsse ab, und legte sie also blutig in ein Becken, und machte sie denn wieder gantz zusammen.

[304] Anno 1271. war zu Halberstadt ein Thumpfaff gewesen, ein Ausbund aller Schwartzkünstler, Johannes Teutonicus genannt; mit diesem hatten auf eine Zeit etliche gute Zechbrüder, Ordensleute, gezechet, darunter einer so truncken worden, daß man ihn zu Bette führen müssen: als sich nun die Zeit ein wenig verzoge, sagte Teutonicus zu den Gästen, ich muß hinauf und sehen, was unser Campan im Bette macht, erwischet ein breites Beil, und name von der Gesellschafft zween zu sich, die ihm leuchteten.

Als nun Teutonicus den vollen Bruder rüttelte und schüttelte, da wolt er kein Anzeichen geben, noch aufwachen, darauf sagte der Schwartzkünstler, halt! ich will dir den ewigen Schlaff geben, zog den Bruder bey dem Arm heraus über die Bettstelle, daß ihm der Kopff herab hieng, zoge bald das Beil herfür, und hiebe ihm mit einem starcken Streich den Kopff ab, name den Kopff, legte den in eine Schüssel, truge solchen den andern Gästen auf, und sagte: ihr Herren, hie versuchet diesen Kalbskopff. Die Pfaffen sahen bald, wessen der Kopff war, erschracken hefftig darob, giengen sämtlich hinauf den Mord zu sehen, und funden auch also, dass dem Bruder der Kopff recht abgehauen war, und stunde die Kammer voll vom abgeflossenen Blut. Teutonicus schrye von unten auf ihnen zu, sie solten herabgehen, und den Todten liegen lassen, er werde vielleicht dennoch mehr Wein austrincken als sie: sie thäten das und kamen herab, da sass der Pfaff und Teutonicus am Tisch, und brachten einander eines zu; darob sich denn die andern zum höchsten verwunderten, aufs neue wiederum zusammen sas sen, und die gantze Nacht durch bis an den Morgen zecheten.

Anno 1272. ist auch ein Schwartzkünstler und wunderbarlicher Gauckler aus dem Niederland gen Creutzenach kommen, welcher in gedachter [331] Stadt öffentlich vor allen Volck auf dem Markt seinem Knecht den Kopff abgeschlagen und über eine halbe Stund dem auf der Erden liegenden Leibe wiederum aufgesetzet: und was dieser mehr getrieben, nemlich in den Lüfften gejaget, ja gantze Fuder Heu und Holtzwägen gefressen, hievon mag man besehen die Chronic. Doct. Hedion. part. 2.

Eine schröckliche Geschicht erzehlet A. Lerchheimer, im Bedencken von Zaub. f. 14. von einem Edelmann in Hessen, A. V. D. der auch Köpff abhauen und wieder aufsetzen können; der hatte ihm gäntzlich vorgenommen, hinfüro deß teufflischen [305] Dings müssig zu gehen, ehe er dardurch in Unglück käme. Einsmals aber ließ er sich bey einer Gasterey von guten Gesellen überreden, daß er seine Kunst noch ein mal sehen ließ: als aber niemand seinen Kopff gern darzu herleihen wolte, ließ sich der Hauskneckt darzu gebrauchen, mit Bit und Beding, er wolte seinen Kopff wieder aufsetzen: hierauf hiebe er ihm solchen ab, aber er konte ihm nicht wieder aufsetzen.

Er redete den Gästen zu, daß so einer unter ihnen wäre, der ihn etwan daran hindern wolte, den bäte er, er wolte es nicht thun; versuchte es darauf abermal, aber es wolte mit dem Kopffaufsetzen nicht fort. Darauf bate, und drohete er zugleich zum andern mal, man solte ihn nicht ferner hindern. Als es aber nichts halff, und er mit dem Kopffaufsetzen nicht fortkommen kunte, ließ er auf dem Tisch eine Lilie wachsen, daran hieb er das Haupt oder die Blume oben ab. Alsbald fiele einer von den Gä sten hinter sich von der Banck, dem war der Kopff rein ab: dieser war aber der Zauberer, der jenen verhindert hatte. Hierauf setzte er dem Knecht den Kopff wieder auf. Und das war es eben, daß der mörderische Geist mit im Spiel suchte. Und ist hie zu sehen, wie die Teuffel untereinander schertzen, den Menschen zu schaden. Der eine Zauberer, der den geringern Geist hatte, muste dem grössern und stärckern weichen; oder hat es wol gerne gethan, damit ein Mensch umkäme. Der Künstler oder vielmehr Todschläger aber flohe, und machte sich eine Weile aus dem Land, damit man ihm nicht etwan auch nach dem Hals grasen möchte, bis die Sach vertragen ward, und er Verzeihung erlangte.

Eine fast gleichmässige Geschicht wird von dem Christoff Wagner, deß D. Fausti Famulo, gelesen. Dieser kam einsten mit seinem Gesellen, Johanne de Luna, nach Toleto in Hispanien in ein Wirtshaus, da etliche Schwartzkünstler innen waren, und vermeineten, es könte keiner in der Welt die Kunst besser als sie; und da der Vornehmste unter ihnen gesehen, daß Wagner seiner Kunst und Gauckelpossen spottete, gedachte er sich an dem Wagner zu rächen, und ihm eines zu versetzen: nimt demnach ein wächsernes Männlein, welches er im Vorrath bey [332] sich hatte, und sticht es mit einer Nadel in ein Aug, daß es alle so bey Tische sassen, sahen; sobald verdirbt dem Wagner ein Aug im Kopff, daß das Wasser daraus auf dem Tisch tropffet. Darüber denn Wagner sehr ergrimmet, und läst ihm ein starckes Messer langen, mit diesem macht er in den [306] Tisch ein Loch, und fraget darauf den Schwartzkünstler, ob er ihm wolte sein Aug wieder geben. Derselbe sprach nein, er könte es nicht thun, wenn er schon gerne wolte, es war gar heraus: da ließ Wagner ein Höltzlein bringen, und steckt es in den Tisch, da wuchs eine schöne Rose darauf, die war gantz blutrot.

Da fragte Wagner noch einmal, ob er denn auch wolte sein Aug wieder gut machen, wenn er könte? der Schwartzkünstler sagt nein. Hierauf zuckt Wagner das Messer, und hieb die Rose vom Stengel: bald fiele demselben Künstler der Kopff auf den Tisch, und sprützte das Blut bis auf die Decke. Die so darbey sassen, meineten erstlich es wäre nur Schimpff, und baten den Wagner, er wolle ihm den Kopff wieder aufsetzen, ehe er erkalte und verblute; aber Wagner sagte: Es ist geschehen, um mein Aug und um seinen Kopff.

Also muste dieser Schwartzkünstler in seinen greulichen Sünden sterben und zum Teuffel fahren, Wagner aber zog aus der Herberg, und ließ den Kerl liegen. Seine Gesellen und Mitkünstler bemüheten sich zwar, ob sie ihn könten wieder lebendig machen, aber es war umsonst und vergebens.


II. Darnach und zum Andern, mag man bey dem Unsichtbar-machen D. Fausti dieses behalten, daß sich manche gottlose Unmenschen von dem Teuffel also bethören und bereden lassen, daß sie meinen sie können sich unsichtbar machen, und die sichtbare Gegenwart ihrer Gestalt verbergen, und darauf dieses oder jenes thun, was ihnen ihr eigener Mutwill eingibt, und suchen also unter solchem vermeinten Unsichtbar-machen, einen blinden Deckel, unter welchem sie ihre Sünde, Diebs- und Bubenstücke verbergen, und für der Straff sicher bleiben und derselben entgehen mögen, ohnerachtet sie für GOttes Augen nicht unsichtbar seynd, als die alles sehen, und schauen auch in das Heimliche und verborgene Winckel, nach dem Zeugniß Syrach, im 23. v. 28.

Und ist solch Unsichtbar-machen eine eingebildete Kunst und purlauteres Affenspiel deß leidigen Teuffels, der auf viel und mancherley Weise andern Leuten ein Geplerr und blauen Dunst für die Augen machen kan, daß sie den und den entweder gar nicht sehen, oder aber ihn in einer andern und fremden Gestalt sehen: und ist derentwegen solches alles deß Teuffels Verblendung zuzuschreiben; denn der Teuffel kan den Menschen, oder den Leib der da unsichtbar ist, wider seine natürliche Eigenschaft nicht ändern, aber das kan er thun, dass er anderer[333] Leute [307] Augen durch sein äusserlich Spiegelfechten, als durch Trübmachung der Lufft oder Vorstellung anderer Gestalt und dergleichen, kan hindern, daß sie einen andern nicht sehen können. Wie denn Gyges, der Lydier König, einen solchen Geist in einem Finger-Ring getragen, der ihn zur Verrichtung solcher Thaten unsichtbar gemacht. Wier. de Præstig. Dæmon. l. 2. c. 4.

Zu Magdala in Thüringen hat ein Burger hausgehalten, Namens Hanns Michael, ein Zauberer, und wieder die Wolgebornen Graven zu Gleichen und Blanckenheim sich erhoben, und ihre Unterthanen, wie ein Landsfeind, beschädiget. Man hat auf diesen Abentheurer gehalten, und ihn auffahen wollen, aber er ward im Dornbusch zum Hasen, und konte sich, worein er wolte verändern.

Einstmals begab es sich, daß er in ein Bräuhaus gejagt, und also den Häschern nicht mehr entrinnen konte; da fuhr er in die Feuerglut, und kam darvon. Wie aber sein Spiel aus, und auf das letzte Blat gekartet, ward er betretten, eingefangen, und zu Weymar gerechtfertiget. Nach seinem Tod hat in etlichen Jahren nacheinander kein Scharfrichter auf demselbigen Platz einen armen Sünder recht richten, noch ihm mit dem Schwerd den Kopff abhauen können, also daß mancher Hencker darüber gesteiniget und beschädiget worden. Darum muste dieser Gerichtsplatz abgethan, und an einen andern Ort verleget werden.

[334]
Das 42. Capitel
Das zwey-und-viertzigste Capitel.
D. Faustus frisst einem Bauren sein Fuder Heu samt dem Wagen und Pferden.

D. Faustus kam auf eine Zeit etlicher Geschäffte wegen, die er wegen anderer allda zu verrichten hatte, in ein Städtlein Gotha, etwan um die Zeit deß Brachmonats, da man zur Zeit allenthalben mit dem Heumachen und Einführen beschäfftiget war. Eines Tags nun war D. Faustus, seiner Gewohnheit nach, zimlich bezecht, gienge Abends mit etlichen seiner Zechgesellen spatzieren vor das Thor hinaus, indem begegnet ihm ein Wagen wol beladen mit Heu; D. Faustus aber gieng mitten im Fuhrwege, daß ihn also der Bauer, der das Heu einführte, [308] Noth halben ansprechen muste, er solte ihm aus dem Weg weichen, und seinen Weg neben hin nemen. Bald war D. Faustus da und antwortet ihm: Nun will ich sehen, ob ich dir oder du mir weichen müssest; höre Bruder, hast du niemal gehört, daß einem vollen Mann ein geladener Wagen ausweichen solle? der Bauer war über die Verzögerung recht unwillig, gab dem Fausto viel unnützer Wort, und wenn er nicht gehen wolle, wolle er ihm den Weg weisen: deme aber D. Faustus bald wieder antwortete, wie Bauer, woltest du mich erst darzu pochen, und viel schnarchen, mache mir nicht viel Umstände, oder ich fresse dir bey dem Element deinen Wagen zusamt dem Heu und den Pferden. Der Bauer sagt darauf: ey so friß meinen Dreck auch darzu.

D. Faustus nicht unbehende, wischt mit seiner Kunst herfür, verblendet den Bauren dergestalt, daß er nicht anderst meinte, er habe ein Maul wie ein grosser Zuber, und daß er bereits seine Pferd, zusamt dem Wagen und Heu verschlungen und gefressen hätte. Der Bauer erschracke hefftig hierüber, entlieffe eilends, vermeinende, wenn er lang allda verharren würde, dörffte es letzlich auch an ihn kommen; eilet derowegen der Stadt und dem Burgermeister zu, klagt ihm seine Noth, wie ihm ein ungeheurer und doch dem Ansehen nach nicht grosser Mann, begegnet seye, der hab ihm nicht aus dem Fuhrwege wollen weichen, da er ihn doch darum gütlich [335] angesprochen; item er habe ihm bald gedrohet, er wolle ihm den Wagen mit samt den Pferden fressen, wenn er ihm als einem Trunckenen, nicht ausweichen wolte, wie denn auch [309] geschehen, er bitte um Rath und um Hülffe.

Der Burgermeister, als er das vernam, lachet und spottet noch deß Bauern darzu, sagende, es wäre ja nicht müglich, was er gleichwol wahr zu seyn gesaget hätte? er seye etwan selbst truncken, oder sey nicht bey sich selbst? der Bauer betheuret es hoch, daß deme also seye, wie er erzehlet, beruffte sich auch auf seine Nachbarn, und andere, die hinter ihm hergefahren hätten.

Wolte anderst der Burgermeister Ruhe haben, muste er sich mit dem Bauren dahin verfügen, und dieses Wunder anschauen: als sie beede aber etwan einen Bogenschuß fern von dar ankommen, sihe da stunden wie zuvor, Rosse, Heu und Wagen, unverletzt und unverruckt allda; D. Faustus aber hatte in-dessen einen andern Weg genommen.

Anmerckung.

I. Alldieweil diese Geschicht D. Fausti mit folgender gar sehr überein kommet, als soll die erste Anmerckung bey dieser dorthin verschoben seyn; die ander aber allhier deß fast täglich besoffenen Fausti wegen angeführet werden, was nemlich aus der täglichen Füllerey und Trunckenheit zu mancher Zeit für Unglück und Hertzeleid entstehen könne.

Herr Harsdörffer im achten Theil deß grossen Schaupl. Jämmerl. Mordgesch. Hist. 195. ertheilet deßwegen diese Lehr-Gedicht. Er drohete einer seinem Freunde, der dem Trunck sehr liebte, er wolle ihn machen von Sinnen kommen: darüber lachte der andere und sagte, daß er den Verstand von GOtt und von keinem Menschen empfangen, stünde also nicht in seinen Mächten: zu dem wolte er sich solches zu ihm als seinem Freunde nicht versehen, Massen ihme sein ärgster Feind nichts Bösers thun könte, weil der Verstand allein die Menschen von dem Viehe unterscheiden machte. Wol versetzte der erste, thu ich es nicht, so wird es doch einer thun, den du sehr liebest.

[310] Dieses wolte der Weinschlauch nicht glauben, bis er sich bezechet, und sich als ein unsinniger Mensch gestellet; da ihm denn sein Freund die Räthsel aufgelöset, daß es nemlich der Wein wäre, den er sehr liebet, welcher ihn seines Verstands beraubete, dessen er [336] doch, als eines Erbfeindes der Tugend, müssig gehen solte. Er aber antwortete, daß man auch die Feinde lieben solte, und hat solche Thorheit erst in seinem krancken Alter erkannt, als er das Sprichwort im Werck erfahren: Ein wollüstige Jugend bringt ein unlüstiges Alter. Viel mehr ersauffen in dem Weinfaß, als in dem Meer: viel mehr erleget Bacchus, als Mars: viel mehr tödten sich selbsten, als von ihren Feinden getödtet werden; und scheinet das Laster der Trunckenheit nicht so abscheulich und nachtheilig, als es ist.

Der Wein, sagt Syrach, gläntzet schön in dem Glas, er vergifftet dich aber wie eine Schlange, wenn man nemlich nach dem Becher der Frölichkeit den Trunck der Unsinnigkeit auszechet, daß der Wein ein, die Vernunfft ausgehet, und dardurch sich und andere in Leibs und der Seelen Gefahr setzet; wie hiervon etliche Erzehlungen zeigen werden.

Im Jahr Christi 1517 an einem Sonnabend, hat sich ein Knecht zu Großglogau in Schlesien vollgetruncken, und aus Unachtsamkeit das Haus, darinnen er gewesen, angezündet, welches alsobald durch den Wind die schönsten Häuser in Brandt gebracht, und bey achtzig Personen verbrennet und mit Rauch erstecket. In der ganzen Stadt bliebe nichts stehen, als die Hauptkirchen, das Jacobiner-Closter, das Collegium, und etliche wenig Häuser, wel che nächst denselben gebauet waren. Dieses geschahe die Nacht vor dem Fest deß H. Stanislai, welcher deß Königreichs Polen, und sonderlich der Stadt Glogau Schutzher seyn soll. Joach. Curæus in Annalibus. Ganz Liffland ist wegen der Trunckenheit und Füllerey dem Moscowiter unterthänig worden, welche Anfangs darinnen sehr tyrannisiret. Die Ritter von dem Teutschen Orden, so seinen Anfang mit den Rittern von Malta genommen, solten dieses Land vertheidigen: sie aber waren allen Lastern, und sonderlich dem Fressen und Sauffen ergeben, daß sie auch die Dolchen neben die grossen Gläser auf den Tisch gestossen, und wol den, der nicht Bescheid thun wollen, darmit nieder gemachet. Als nun der Feind, die Moscowiter im Anzug gewesen und bis an Riga gestreifft, haben diese reine Lust [311] zu Fechten gehabt, und gezittert wie das Laub an den Bäumen, bevor sie deß Feindes ansichtig worden. Bald hernach seynd sie niedergehauet worden, und jämmerlich um deß Landes Herrschafft, und auch um das Leben kommen.

Ein Niederländer zu Arnheim hat sich täglich bezechet, und Zanck gesuchet. Dieser war auf eine Zeit so voll als ein Ey, und fienge mit seiner Weinbrüder einem unnöthige Händel an. Von den Worten kame es zu dem Schlägen, darüber wird er mit einem Messer in das Aug gestossen, daß viel Blut daraus ran. Ob man nun vermeinte der Stoß wäre nicht gefährlich, hat er doch bald die Rede verloren, und ist die [337] drey-und-zwantzigste Stunde darnach verschieden. Unter den Wundärtzten war ein Streit, ob er von der Verwundung, oder von einem andern Zufall gestorben; die Obrigkeit aber hat den Thäter enthaupten lassen. B. Ronssæus in Epist. 12. Med.

Zu Lyon war einer Namens N. Chanourrus, ein grosser Trunckenbold, welchem der Tag zu kurtz war sich mit Wein anzufüllen, und die Nacht nicht lang genug, wieder aus-zunüchtern. Wenn er nun gantz bezecht nach Hause kame, zanckte und haderte er mit seinem Weibe, legte ihr auch, wenn sie das Meisterlied singen wolte, die Faust auf die Wangen; deßwegen sie sich zu rächen entschlossen, und als er auf eine Zeit im Trunck entschlaffen, hat sie ihren Mann die Gurgel abgeschnitten, ein Becken genommen, und das Blut darein gesamlet, ihn auch, solchen Mord zu bergen, in Stücke zerhauen, und in das Wasser geworffen, welches sie alles so klüglich zu Wercke gerichtet, daß man auch nicht einen Tropffen Blut in dem gantzen Hause sehen können. In die unterschiedene Säcke, welche sie darzu machen und pichen lassen, hat sie benebens dem Leichnam auch Steine hinein gethan, damit sie bald zu Grund sincketen: doch hat sie diese That nicht bergen können, sondern ist allezeit erschrocken, wenn jemand nach ihrem Mann gefragt hat. Darüber ist sie in Verhafft kommen, und als eine Mörderin abgestrafft worden.

Ein Edelmann bey Brisach angesessen hatte mehr Wein zu sich genommen, als er tragen kunte, und wolte sein Pferd herum tummeln; wird aber von demselben abgeworffen, geschleifft, mit Füssen getretten, und so jämmerlich zugerichtet, daß er sein Leben selbige Stund elendiglich aufgeben müssen. J. Gast in seinen Tischgesprächen.

[312] Im Jahr 1551. lagen vier hundert Gülchische Reuter zu Reutlingen, darunter zween mit einander um zehen Gulden eine Wette getruncken: da der eine sieben und zwantzig, der andere drey und zwantzig Mase gesoffen, haben aber beede ein elendes Ende genommen.

Zu Utrecht in Niederland hat sich einer also betruncken, daß er in seiner Kammer neben dem Camin, das er mit Feuer angeschüret, entschlaffen, und in die Flamme gefallen: weil er nun nicht so viel Stärcke gehabt, daß er sich heraus wältzen, oder aufstehen können, hat er sich erbärmlich verbrennet, und weil die Kammer versperret, keine Hülffe und Rettung haben können, bis man den andern Tag diesen Halbgebratenen rüllen und brüllen hören, wie einen Ochsen, deßwegen die Kammer aufbrechen müssen: da man diesen elenden Menschen gefunden. Ob man nun allerhand Brandlöschungen gebrauchet, hat ihme doch nicht mögen geholffen werden: sondern er ist mit grossen Schmertzen, ohn allen Verstand, den dritten Tag verschieden.

[338] Die Soldaten verübten in einem Dörfflein in Schwaben grossen Ubermut, und hielten die Bauren sehr übel; nachdeme sie sich aber bezecht und als die Toden geschlaffen, haben sich die Bauren erkühnet und sie in dem Wirtshaus tod geschlagen: solches hat ein Soldaten-Weib den andern Fahnen verkundtschafft, die Morgens mit hellem Hauffen gegen das Dorff angezogen, selbiges geplündert, und in Brand gestecket.

Zu Wien haben vor etlichen Jahren vier Musicanten zwey und vierzig Mas Wein auf einen Abend ausgetruncken, und seynd folgendes Tags alle eines schmertzlichen Todes gestorben.

Derohalben warnet die heilige Schrifft allenthalben mit solchem Eifer und Sorgfalt vor der Trunckenheit, und verbietet dieselbe allen und jeden, als woraus nichts anders denn ein unordentliches wüstes Leben erfolgen möge.

[339]
Das 43. Capitel
[313] Das drey-und-viertzigste Capitel.
D. Faustus frisst einem Bauren ein halbes Fuder Heu auf.

KUrtz hernach kam auch D. Faustus in die Stadt Zwickau, in welcher Stadt er zween seiner guten Freunde und Bekandten, mit denen er vor drey oder vier Jahren in Wittenberg gute Kundschafft gepflogen, antraffe, die ihm bald gute Gesellschafft leisteten. Auf einen Abend nach dem Nachtessen, in den langen Sommertagen, giengen diese drey mit einander ausser dem Stadtthor spatzieren, bald begegnet ihnen ein Bauer, der ein grosses Fuder Heu führete, diesen sprach D. Faustus gütlich an: höre mein Freund, was wilst du nemen, und mich genug Heu für einen Salat essen lassen, denn mich gelustet darnach? der Bauer hielte es, wie billich, für ein Gespötte, zumaln da er sahe, daß jener bezecht war, und antwortet ihm: Herr wenns euch ein Ernst ist, so wollen wir uns bald mit einander vereinigen, was ich nemen wolte. Faustus versetzet alsobald, wie viel? der Bauer sagt, ich neme einen Löwenpfennig, und lasse euch essen, so viel ihr immer wollet. Wolan spricht D. Faustus, es sey also, und gab ihm den Löwenpfennig.

Da hub D. Faustus an so geitzig zu essen, daß die andern seiner lachen musten, verblendet also den Bauren, daß ihm daher das Gespötte allgemach wolte vergehen, und ihm recht angst und bang wurde, denn er sahe daß allbereit das halbe Fuder aufgefressen ware. Wolte der Bauer das Ubrige noch erhalten, muste er den Faustum bitten, daß er doch aufhören, und ihm das Ubrige lassen wolte, er [314] komme vorhin in grossen Schaden; dieser Bitte wurde er auch gewehret.

Als nun der Bauer in die Stadt fuhre, und zu deß Burgers Haus kam, welchem er das Heu um die Belohnung einführen solte, und er allweil in Sorgen stunde, er müste den Schaden gut machen, und wie es darmit hergangen, erzehlen, sihe, da hatte er sein gantzes und völliges Fuder Heu, wie zuvor, [340] für voll: dessen denn der Bauer von Hertzen froh ward, und nicht ersinnen kunte, wie dieses müste zugangen seyn.

Anmerckung.

I. Zu Northausen ist einer gewesen mit dem Zunamen Wildfeuer; der fraß einen Bauren mit Roß und Wagen, welcher Bauer nach etlichen Stunden über etliche Feldwege mit Pferden und Wagen in einer Pfützen lag.

So meldet man auch von einem Münch (ex Colloq. D. M. Lutheri) der machte ein Bedinge mit einem Bauren, was er nemen, ihm Heu genug zu fressen geben wolte, als viel er möchte? der Bauer sagt, für einen Creutzer. Der Münch aber fraß ihm das Fuder Heu fast über die Helffte auf, und ward vom Bauren mit Gewalt darvon abgehalten.

In einem Büchlein, so ein Beichtvatter und Münch nach dem Tod deß Abts von Fulda Erlolffi, gefunden, wird unter andern auch dieses gemeldet, daß, als dieser Schwartzkünstler Erlolffus auf eine Zeit in ein Wirtshaus zu Rastat kommen, auch bereits der Wirt eine stattliche Mahlzeit zugerichtet, habe der Abt von Fulda sich alleine zu Tisch gesetzet, und den Edelleuten so bey ihm waren, wie auch den Dienern befohlen, daß keiner zu ihm an die Tafel solte sitzen, er wolle dem Wirt ein Abentheuer zurichten. Die Diener aber und andere wusten wol, was er mit seiner Kunst zu wegen bringen konte und vermochte, unter welchen einer, deß Abts nächster Verwandter, von ihm abgerichtet worden, was er indessen ausrichten solte.

Die Zeit deß Essens kommt indessen herbey, und trug der Wirt die Speisen auf, der bate die Edelleute, sie sollten dem [315] Herrn Abt aufwarten, und ihme Gesellschafft leisten an der Tafel: es verantwortete sich aber ein jeder aufs Beste, wie sie nur den Herrn Abt begleiteten, und ein jeder auf seinen Kosten reisete, darzu wüsten sie wol, daß der Herr Abt gern allein speisete: er der Wirt solte sich dahin setzen, sie wolten noch zeitlich genug dahin kommen, wenn sie vorher das Ihrige versehen haben würden, er solte sichs nicht hindern lassen, und getrost hin sitzen, es müsse doch alles bezahlet werden; welches denn dem Wirt fast annemlich zu hören gewesen, liesse sich desto eher überreden, und satzte sich hin an die Tafel.

Der Abt fragte ihn bald, ob er sonst keine andere Stuben hätte als diese? Er antwortet, ja Gnädiger Herr, drey für eine. Der Abt sprache zu ihm, so gehet alsobald hin, und bereitet mir daselbst einen Tisch, und wenn ihr den gedecket, so gebt hernach meinem Diener, hier zugegen, den Schlüssel zu der Stuben; welches alles denn auf das Fleissigste [341] und Geschwindeste von dem Wirt ausgerichtet worden. Nach solchem fängt der Wirt an und sagte, Gnädiger Herr, ich bitte Euer Gnaden, sie wollen doch anheben zu essen, denn die Speisen werden sonst kalt werden. Der Abt spricht, seynd das die Gerichten alle, ich werde mich mit solchen nicht können begnügen; der Wirt antwortet, Gnädiger Herr, ich verhoffe Euer Gnaden werden genug daran haben, zumalen sie alleine speissen wollen, es wäre noch wol ein Mehrers vorhanden, wenn mehrere Personen speiseten. Ey, sagt der Abt hierauf, last euch das nicht irren, daß meine Leute itzt nicht speisen, traget ihr nur immer auf, und bleibet bey mir sitzen, und leistet mir Gesellschafft.

Aber was geschihet? der Abt liesse sich die Speisen nach einander wol schmecken, und dem Ansehen nach vermeinte der Wirt nicht anderst, als hätte der Abt die Gerichten zusamt den Schüsseln verschlucket und gefressen, allein er schwiege und sagte nichts darzu, und da er sahe daß immer ein Gerichte Essen nach dem andern hingienge, und er doch nichts zu essen bekame, wolte der Wirt anders Sinnes werden, und sahe sauer darein; der Abt kunte sich kaum deß Lachens enthalten, und fragte abermal den Wirt, ob nichts ferner da wäre aufzutragen? der Wirt wolte aus der Haut fahren, muste doch schweigen, und antwortete, er wolle hingehen und besehen, was noch in der [316] Kuchen vorhanden, gieng auch alsobald dahin, klaget solches, was er bisher von dem Abt gesehen, seiner Frauen, zu dem, sagt er weiter, hab ich von dem allen keinen Bissen bekommen. Das Weib sprach, du Narr, sey damit zu frieden, der Abt muß es schon theuer genug bezahlen; und als der Wirt wiederum in die Stuben gehen wolte, wird er gewar, daß bereits der Abt von der Tafel aufgestanden, und mit den Edelleuten Sprach hielte; er erschracke aber noch mehr, da er den leeren und ledigen Tisch sahe, darvon die Kannen, Becher, Gläser, Brod, ja alles Zugehörige weg ware, und ja nicht ersinnen kunte, wo sie hingekommen wären.

Der Abt, der der Schalckheit selber lachen muste, in dem er sahe, wie der Wirt voller Unmuts hin und her in der Stuben sich nach dem Verlornen umgesehen, ergreifft er ihn bey der Hand, sprach ihm zu, er solte nur gutes Muts seyn, und mit ihm in die obere Stuben gehen, er wolte den Tisch aufs neue decken lassen, welches auch die Edelleute und Diener thaten. Als nun der Abt samt dem Wirt, und andern die hernach folgeten, in die Stuben eintraten, sihe, da ward allda der vorige Tisch gedecket zu sehen, auf welchem alle vorige Gerichten und Speisen, welche der Wirt in der untern Stuben dem Abt aufgetragen, und auch nicht anderst vermeinet, daß sie der Abt alle [342] verzehret hätte, stunden, auch noch waren; sassen demnach zusammen, und waren recht frölich: und als sie den Wein in den Kopff bekommen, wolte und befahl der Abt, der Wirt solte ihm seine Hausfrau sehen lassen; der Wirt laufft eilends, und brachte sie in die Stuben.

Da sie nun vor dem Abt stunde, und er ihr gantz freundlich die die Hand bote, vermeinte der Wirt abermal nicht anderst, als frässe der Abt sein Weib, hub an und schwure bey Box Sack vellend, ich glaube, Herr Abt, ihr habt einen Wolfsmagen. Es ist nicht allein genug, daß ihr mir vorher alles verzehret habt; fresset aniezo mein Weib auch. Ich glaube, der Teuffel stecke in euch. Und da er sahe, daß er nun gantz und gar das Weib gefressen hatte, laufft der Wirt eilends zur Stuben hinaus, will Lermen machen, und Mordio schreyen. Da er aber bey der Kuchen vorbey lieffe, stunde sein Weib da, und steckte eben Hüner an den Spieß, die sie abbraten wolte. Wer war nun froher als der Wirt, der alsobald hinauf lieffe, und solches mit Freuden ansagte; dessen denn die gantze Gesellschafft genug lachen muste.

[343]
Das 44. Capitel
[317] Das vier-und-viertzigste Capitel.
D. Faustus frisst einsten einen Wirtsjungen, der ihm allewegen zu voll einschenckte.

ALs D. Faustus einsten wiederum auf Wittenberg zu reiste, kame er auf dem Abend unterweges in ein Wirtshaus, darinnen traffe er Kauffleute und andere Reisende an, da sie nun zu Nacht mit einander gespeiset hatten, und mit dem Trunck einer dem andern zimlich zugesprochen, da stunde der Wirtsjung jederzeit hinter D. Fausto, und weil er ihn für einen Abentheurer (als er auch ware) ansahe, schenckte der Jung ihm allemal das Glas gantz voll ein, dessen denn D. Faustus nicht zu frieden war, drohete ihm deßwegen, wenn ers noch einmal thun würde, so wolte er ihn mit Haut und Haar fressen.

Da nun der Jung seiner spottete, und sagte: ja wol fressen! und ihme darauf abermal zu voll einschenckte, sperrte D. Faustus sein Maul auf, und fraß ihn, mit Erstaunen aller die an dem Tisch waren, erwischte darauf den Schwanckkessel mit dem Kühlwasser, und sagte: auf einen guten Bissen gehöret ein guter Trunck, und soff den rein aus.

Da aber der Wirt, der in-dessen abwesend gewesen, und nicht von allem was geschehen war, wuste, aber mit Schrecken solches vername, deßwegen D. Faustus ernstlich zu-redete, er solte ihm seinen Jungen wieder schaffen, oder er wolte anders mit ihm anfangen, u.s.w. da sagte Faustus: Herr Wirt, gebt euch zu frieden, und sehet hinter dem Ofen! da fande er daselbst den Jungen tropffnaß, voller Schrecken und Zittern, dessen denn die gantze Gesellschafft recht lachen muste.

[318] Anmerckung.

I. Nicht zu zweiffeln ist, daß daselbst hin den Jungen, auf GOttes Zulassung, der Teuffel gestossen, das Wasser auf ihn gestürtzet, den Zusehern die Augen bezaubert, daß sie gemeinet, er wäre gefressen worden, und Faustus habe das Wasser aus dem Schwanckkessel gesoffen.

Manlius meldtet, daß zu Wien in Österreich einsten zween Schwartzkünstler in einem Wirtshaus gelegen, deren einer dem andern, (immassen die Zuseher gäntzlich glaubten) gefressen hat. Denn der Teuffel [344] hat denselben gefressenen in eine Höle oder Loch geführet, der allererst nach dreyen Tagen wieder hervor gekommen.

Als König Wenceslaus sich zu Prag, in seinem Königreich Böheim aufhielte, solte er sich mit Fräulein Sophia aus Bayern vermählen, und Beylager halten. Weil nun Hertzog Hanns, der Braut Vatter, wol wuste, daß sein künfftiger Aydam und Tochtermann mit lustigen Aufzügen, und künstlicher Gauckeley gerne umgienge, brachte er einen gantzen Hauffen solches Gesindleins zu wegen. Als nun der Meister solcher Künstler und Gauckler ein sten seinen Kram auslegte, und den zuschauenden Herren und Frauenspersonen grosse Kurtzweil machte, liesse sich auch Zyto, Königs Wenceslai Künstler, unter dem Hauffen ungefehr sehen, der sperrte sein Maul auf bis an die Ohren, wischt über den Bayrischen Künstler her, fraß ihn und all seinen Werckzeug, bis auf die Schuhe, die er ausspeyete, wie eine Sau die Nußschalen, weil dieselben etwas grob, mit eisern Nägeln beschlagen, und darzu noch kothigt waren.

Hierauf fügt er sich in ein anders Gemach, ließ ihm einen Kessel mit Wasser untersetzen, zog die Hosen ab, und entledigte seinen Bauch von so grober unverdäulicher Speis: brachte die Purgation (den nassen Bayern) hinein in den Saal, und lies jedermann genug darüber lachen; also daß weder selbiger Bayer und Schwartzkünstler, noch andere sein Gesellen ihre Kunst, weil sie damit zu Spott und Schanden gemacht, mehr probieren wollen. Augustinus gedencket zweyer heidnischen Nonnen, deren die eine Namens Claudia, ein Schiff, so weder Menschen noch Thiere fortbringen können, einig und allein mit ihrem Gürtel fortgegezogen. Die andere, Tucia, habe zu Bezeugung ihrer Keuschheit, ein Sieb voll Wasser aus der Tyber bis für das Capitolium getragen, welches nicht durchgeflossen.

[319] Ist aber auch lauter Blendwerck gewesen; denn der Teuffel das Schiff fortgezogen, und das Sieb unten zugehalten, daß das Wasser nicht herauslauffen können.

[345]
Das 45. Capitel
Das funff-und-viertzigste Capitel.
Von einem Hader etlicher trunckener Studenten, den D. Faustus durch Verblendung gestillet.

ZU Wittenberg erhube sich auf einen Abend, vor der Behausung D. Fausti ein Hader fünff Studenten gegen andere drey; dieses dauchte nun D. Fausto eine ungleiche Parthey zu seyn, verblendete derowegen zur Stund sie alle mit einander, daß ihrer keiner den andern sehen kunte: schlugen also im Zorn einer dem andern nach dem Kopff, etliche lieffen an die Häuser, mit Fluchen und Drohen, hieben in die Steine, daß ihnen die Degen entfielen, und sie solche nicht mehr finden kunten; etliche stolperten und fielen über die Steine, daß männiglich so zu sahe, ihrer lachen muste; ja sie kunten nicht von dannen kommen, sondern man muste sie anheim in ihre Wohnungen führen. Als sie dahin gelanget, wurden sie sämtlich wieder sehend.

Anmerckung.

I. Ob man wol nicht soll Böses thun, damit etwas Gutes daraus erfolgen möge, so ist dennoch dieses allhier an dem D. Fausto nicht zu tadeln, daß er diesen Hader durch seine Verblendung also hat stillen wollen, welcher, wie Christoff Wagner, sein damaliger Famulus, anzeiget, aus einem blossen Eifer war entsprungen, und zweyer Jungfern, oder vielmehr Huren halben, angangen, in dem die drey Studenten bey solchen, weil sie ohne Zweiffel, mehr bezahlet, mehr gegolten als die andere; da sie denn auf dem Heimwege den gefasten Grollen ausstissen.

[320] Aus welchem kürtzlich erhellen mag, in was Gefahr, Schaden und Unglück zu mancher Zeit die tolle unverständige Jugend gerathe, wenn sie sich zu den Huren S. V. hält; die doch nicht die Person, sondern fast jederzeit nur das Geld in Acht nemen: wie denn das Wort Hur von dem Heuren oder Hüren will hergenommen werden, weil die Huren lose Vetteln für Geld geheuret und gedinget werden.

Wenn aber schon Hurerey und Unzucht in GOttes Wort nicht verboten wäre, und uns die Erbarkeit solche zu vermeiden Ursach gebe, so solte doch ein jeglicher, der sein eigenes Fleisch, welches niemand hasset, und sein Leib und Leben liebet, solch viehisches Beginnen unterlassen; [346] als dieweil die Kräfften dardurch geschwächet, die natürliche Wärme ausgeleschet, der Lebens-Safft vertrucknet, der Verstand gemindert, ja alle zeitliche Wolfart dardurch vernachtheiliget wird.

Es ist unlaugbar, daß Gelegenheit Diebe mache, und die ohne das heutiges Tags wollüstige Jugend sich leicht verführen und verleiten lasse, absonderlich an solchen Orten, da man dergleichen Laster ungestrafft hingehen lässet, oder auch wol die Huren dultet und leidet: und seynd es im Ende solche Sachen, deßwegen GOtt der HErr gantze Länder und Städte verderbet und verzehret: und die sich solcher Leichtfertigkeit ergeben, wie nicht weniger die, so ihrem Verbrechen wissentlich zusehen, und ihrer, wegen schändlichen Gewinns, schonen, seynd beyde in Banden deß Teuffels, so lang sie sich nicht bekehren; sowol auch die Kupler und Huren-Wirt, so die arme unschuldige Jugend offtermals zu solchen unverantwortlichen leichtfertigen Dingen, etwas damit zu verdienen, anführen. Denn über dieses, daß sie in weltlichen Rechten unehrlich gehalten, so werden sie auch, so lang sie in dieser Gottlosigkeit verharren, von der Gemeinschafft der Kinder GOttes ausgeschlossen.

Schamrot solten uns dessentwegen machen die vernünfftigen Heiden, die an ein solch dergleichen unzüchtiges Beginnen zu gedencken ihnen ein Bedencken gemacht; da wir hergegen aus GOttes heiligen Wort und Willen unterwiesen seynd, und klärlich wissen mögen, daß kein Hurer oder unreiner das Reich GOttes ererben werde.

Alexander der Grosse war in seiner Jugend so keusch und züchtig, daß ers ihm auch für eine Schande hielte wenn er eine schöne Jungfrau ansehen solte. Denn da er deß Königs Darii [321] Gemahl und Töchter bey sich zwar hatte, von denen man ihm viel vorsagte, wie schön dieselben wären, hat er sie doch nicht wollen für sich kommen lassen, sondern an den Parmenionem geschrieben: ich leide nicht, daß man deß Darii Gemahlin vor mich bringe, damit mich ihre Schönheit nicht betrüge, und verführe. Denn so ich dieselbe einmal liesse vor mich bringen, und in ihre Schönheit mich verliebte, würde ich nicht allein anjetzo mich ihrer Liebe ergeben, sondern auch auf eine andere Zeit, und hierdurch andere wichtigere Regiments-Händel verabsäumen.

So lieset man auch gleicher Keuschheit und Erbarkeit Exempel an Cyro, dem Persischen Monarchen; an dem edlen Römer Scipione; und vielen andern mehr. Der Engelländische Poet Owenus hat feine Mittel vorgeschrieben, die Keuschheit zu erhalten, die zu Teutsch also lauten:


Dem Feuer gib nicht Holtz, kasteye deinen Leib,

als wie man fleucht die Glut, so fleuch du auch das Weib:

Wo keines nicht hiervon dir stillet deine Pein,

so fange Heurat an, die wird das Wasser seyn.


[347] Wie aber die Keuschheit eine herrliche Tugend, also ist hingegen die Unkeuschheit, immassen oben gedacht, ein heßliches Laster, welches zum äussersten Verderben stürtzet, und zwar ein solches, welches, im Fall es einen Menschen erst einmal eingenommen, gleich einem Unkraut sich nicht bald wiederum ausreuten lässet, wie davon leider die Exempel der verbulten Welt genugsame Zeugniß geben mögen.

[348]
Das 46. Capitel
Das sechs-und-viertzigste Capitel.
Wie D. Faustus bey einem Gelache in einem Wirtshaus die vollen schreyenden Bauren still machte, daß keiner kein Wort mehr reden kunte, so lang er in der Stuben war.

D. Faustus zechte einsten auf einer Kirchweih in einem Dorff, nahe der Stadt Wittenberg [322] gelegen, in einem Wirtshaus mit etlichen Studenten, seinen Gefehrten, und Zechbrüdern: in der Stuben aber waren noch drey Tisch, alle mit Bauren besetzet, die sich bey ihrer Kirchweih. nach Gewohnheit lustig erzeigten. Es hatten aber diese Bauren, nachdeme sie waidlich herum gezechet, ein solches Schreyen, Jauchtzen und Singen, daß D. Faustus und seine Gesellen ein recht Mißfallen darüber hatten, und es doch nicht ändern kunten, weiln die Bauren immer ihrer Weise nachlebeten: weßwegen D. Faustus den Wirt fragte, ob er nicht noch eine Stuben hätte, sie wolten sich dorthin verfügen, sie könten diesem Geschrey der vollen Bauren nicht länger zu-hören: als nun der Wirt mit nein antwortete, versprache er ihnen zu verschaffen, daß die Bauren mit dem Geschrey nachlassen möchten, welches er auch gethan.

Kaum aber war eine Viertelstund vorbey gewichen, da vergassen die Bauren der Erinnerung deß Wirts, so, daß, da sie vorher starck geschryen und gesungen, sie solches anjetzo noch stärcker getrieben, daß daher D. Faustus und die Gesellschafft recht zu Unwillen gebracht wurde; derohalben er aufstunde, und sagte, ihr Herren, seyd frölich und guter Dinge, sehet zu, ich will diesen Bauren ein Silentium und Stillschweigen auflegen, daß ihr alle darüber werdet lachen müssen, last nur mich machen, und gieng darmit zur Stuben hinaus.

So bald nun D. Faustus wieder in die Stuben eingetretten, und zu Tische gesessen, wurden die Bauren allesamt mäusstill, und hatten zum Theil die Mäuler aufgesperrt, als wolten sie Schreyen und Jauchtzen, ja, so gar wer unter ihnen die Hand aus[323]gerecket, und darmit die Kanne ergriffen, oder ein ander [349] etwan das Glas in Händen hatte, musten in solcher Postur bleiben, daß sich billich jederman, auch sie die Bauren selbst, über solche jählinge und geschwinde Verkehrung verwundern musten, und nicht ersinnen kunten, wie das möchte zugangen seyn. Wischten dahero vom Tisch auf, und lieff einer nach dem andern zur Stuben hinaus; da kam ihnen ihre Sprache wieder.

Sie erzürneten sich aber hierüber, und möchten gern wissen, wer doch der Schelm seyn müsse, der ihnen diesen Possen zugerichtet hätte; nnd weiln sie vermeinten, der Wirt müste ohne Zweiffel etwas dar von Wissenschafft haben, weil er ihnen vorher wegen deß lauten Schreyens zugeredet hätte, als wurden sie auf ihn unwillig, und sagten unter einander: Last uns davon gehen, andere sagten: Last uns vorher bezahlen: Alsbald sie aber in die Stuben kamen, konten sie nicht ein Wort reden, viel weniger den Wirt die Zech machen lassen; da sie aber wieder zur Thür hinaus kommen, kunten sie auch reden.

Anmerckung.

I. Bey dieser Abentheuer und Possen D. Fausti ist unnöthig weitläufftigere Erinnerung zu thun. Denn was von solchem Gauckelwerk und Augen-Verblendungen kan und mag gesaget werden, solches ist zum Theil vorhin vermeldet und angezeiget, soll auch zum Theil ins Künfftige gesagt werden, als daß der höllische Geist nicht allein bös, und dem Menschen sonderlich Schaden zu thun bereit und willfährig ist, sondern auch dasselbe zu verrichten, behend und geschwinde, da es nemlich GOtt verhängt und zulässet; wie denn GOtt dem Teuffel und seinen Werckzeugen manchmal etwas über die Menschen, wegen ihrer Sünde, verhängt und zulässet.

[324] Denn obwol nicht ohne ist, daß es etliche allerdings verneinen, daß die Zauberer und Hexen einigen Menschen mit ihrer Zauberey solten beschädigen können; so bezeuget jedoch das Wort GOttes, und die leidige Erfahrung ein anders.

GOttes Wort weiset uns sonderlich das Exempel Hiobs, dem der Teuffel an seinem Leib und an seinem Viehe hat Schaden gethan. Was nun aber der Teuffel selbsten durch GOttes Zulassung hat thun können, warum solte er es nicht auch durch seine Werckzeuge thun können? Wir finden zwar davon in heiliger Schrifft kein Exempel, daß es die Zauberer gethan hätten. Es mag auch wol seyn, daß die ersten Zauberer [350] damit nicht seyn umgangen, Menschen und Viehe zu beschädigen, sondern sich nur deß Warsagens und Zeichendeutens beflissen; aber doch ist aus dem Exempel, daß sich mit dem Bileam, der ein Zauberer gewesen, begeben hat, zu schliessen, daß sich die Beschwörer haben unterstanden, Unglück und Schaden über die Menschen zu bringen, und ihr Glück und Wolfahrt zu hindern: denn zu dem Ende ward Bileam von dem König Balack gedinget, daß er ihm das Israelitische Volck verfluchen solte, wie zu lesen im 4. Buch Mosis im 22. v. 6.

Was die Erfahrung anlanget, so bezeugets dieselbe leider mehr als zu viel, daß sie die Menschen beschädigen können, Theils, daß sie gemacht, daß manche Menschen vom Teuffel besessen worden, den sie in sie gebannet haben.

Massen Bodinus erzehlet, daß Anno 1554. zu Rom zwey und achtzig besessene Weibspersonen gewesen, eitel getauffte Judinnen, in welche der böse Geist gebannet worden.

Im Closter Kendorff seynd alle geistliche Personen auf eine Zeit besessen gewesen, welches die Köchin deß Klosters zu wegen gebracht, die hernach ihrer Zauberey halben ist verbrennet worden.

Was eine Hexe Namens Maria Sprawelin, für einen erbärmlichen Jammer mit einem adelichen Jungfräulein Anno 1650. den 11. Septemb. im Dorff Plobsheim, nahe bey Straßburg, angerichtet, ist aus einem sonderbaren Tractat, den Herr D. Dannhauer davon geschrieben, und in Truck ausgehen lassen, zu vernemen; da denn diese Hexe dem Jungfräulein eine von ihrem verfluchten Bulen vergifftete Nuß beygebracht, und da sie über der blauen und grünen scheußlichen Gestalt deß Kerns erschrocken, hat sie ihr zugesprochen, sie solte sich nicht entsetzen, die Nuß seye besser als andere gemeine Nüsse: worauf sie den [325] halben Kern geessen, und weil ihr alsbald davon wehe worden, hat sie den andern halben Theil weggeworffen, und ist ihr der Schmertz zum Hertzen in die lincke Seiten, und in den Kopff gelauffen. Endlich ist sie in grosse Traurigkeit gerathen, und in welchen Winckel sie gesehen, hab sie gemeinet, es seyen Teuffel daselbst, auch die Menschen für Teuffel angesehen, hat auch offtmals, wenn sie der Paroxysmus ankommen, in der Stuben herum getantzet, auf die Bäncke, Tresuren und Bettladen gestiegen, alles was sie erwischet, zerrissen, alles auf den Boden geschmissen, die Fenster eingeschlagen, wen sie in der Stuben angetroffen, starck geschlagen, in Meinung als schlüge sie den Satan; auf den Ofen gestiegen, oben darauf gelegen, hernach wieder in der Stuben herum gelauffen, bis sie sich wieder auf das Bett begeben, da sie entweder zu ihrem Verstand kommen, oder alles dieses wieder zu verüben auf die vorige Weise angefangen.

[351] Die Bettlade darinnen sie gelegen, hat etliche mal anfangen zu krachen, oben auf der Bettlade hat es geraspelt, daß es auch die jenige Personen, so zu Nacht bey ihr gewesen, gehöret; etliche mal hat sie gesagt, sie sehe den Teuffel bey ihr stehen in Gestalt eines Hunds, Bocks, bald in Gestalt eines schwartzen Manns, auch eines weis sen, von welchem sie, ihrer Aussage nach, einen Schlag ins Angesicht bekommen.

Hernach ist sie auf die Füsse gestanden, etliche mal in die Höhe gesprungen und wiederum einsmals niedergefallen, sich um den Bettstollen herum gewendet, und mit dem Küssen, nach ihrer Einbildung, den Satan zu werffen sich unterstanden, u.s.w.

Nach ausgestandenem Paroxysmo hat sie müssen auf die Arme genommen werden, da man sie mit Händen und Füssen verzappeln lassen, und hernach wieder aufs Bett legen müssen, wo sie denn strack als ein Scheit Holtz, ja als ein toder Mensch eine Weil gelegen.

Nicht zu über-gehen ist auch dieses, als sie einmal in ihrem Paroxysmo gelegen, und die adeliche Betrübniß-volle Mutter in diese Wort heraus gebrochen: Du Teuffel, was plagest du das liebe Kind also? Es ist ja ein frommes Kind, mit CHristi JESU theurem Blut erkaufft? da ist diese Stimm und Antwort gehöret worden aus deß Kindes [326] Mund, welcher als ein Saurüssel angespannet gewesen: ich weiß wol daß es ein frommes Kind ist, ich weiß auch wol daß es fromme Eltern hat, ich wolt es aber wol mehr plagen, wenn das nicht wäre, und man nicht betete, etc. Es ist aber die Hexe, welche dieses, daß sie es gethan, beständig bis ins Feuer bekennet, verbrennet, doch endlich dieses Jungfräulein durch Anhaltung mit dem andächtigen Gebet in den Kirchen und daheim, vermittelst Göttlicher Gnad, von ihrer Plag wieder erlöset worden.

Was der Teuffel für grossen Jammer im Stifft Paderborn vor weniger Zeit angerichtet, da die, so etwas auf dem Weg und den Gassen gefunden und aufgehohen, alsobald mit dem bösen Geist besessen worden, das ist be kandt, und seynd zu Paderborn bey 50. Menschen vom Teuffel leibhafftig besessen, und ist deren Anzahl fast täglich grösser worden. Unter andern hat sichs begeben, daß im Paderbornischen ein Handwercksmann, so unter andern zu der Zeit ergriffen und verbrannt worden, bekannt, daß er auf einer Hochzeit 18. Menschen in einer Morgensuppen den bösen Geist beygebracht, welches auch sich also befunden, indem sie noch alle besessen gewesen, davon aber etliche nach dieses Manns Tod vom bösen Geist wieder verlassen worden.

Ja Theils, daß sie den Menschen gar zu tödten trachten; worzu sie denn ihre Mittel haben, als Salben, Gifft, Pulver, u. d. g. die ihnen der Teuffel gibet, oder zeiget, lehret und weiset, darmit sie die Leiber [352] bestreichen, oder sie auf den Weg streuen, oder unter eine Thürschwelle graben, u.s.f. dardurch denn bey den Menschen allerley gefährliche Kranckheiten verursacht werden, daß sie nach und nach abnemen, und endlich gar dahin sterben. Das Exempel jenes Todengräbers, immassen der Teutsche Florus berichtet, p. 88. ist bekannt; der vor etlicher Zeit in Nieder-Schlesien viel hundert Menschen ums Leben gebracht, indem er nicht allein die Brunnen vergifftet, sondern auch die meinste und vornemste Gassen der Stadt Gurau mit einem vergiffteten Pulver bestreuet, daß wer deß Wassers getruncken, oder zum Kochen gebrauchet, den Tod davon eingenommen, und wer über die Gassen gangen, sonderlich das Weibesvolck, so mit ihren langen Kleidern den ausgestreueten Gifft-Staub am meinsten aufgefangen, der hat wie das unvernünfftige Viehe, unwissend woher und warum, gleichsam verrecken müssen. Und hat dieser Mörder bekennet, daß ihm der Teuffel solches eingegeben, wie er das Pulver ma chen und streuen solte.

Sonderlich aber, daß sie sonsten den Leibern man[327]cherley Schaden zu fügen, indem sie bald dieses bald jenes Glied verlähmen, um die Augen und das Gesichte bringen, oder wol Nadeln, Haar, Bürsten, Nägel, Lumpen und dergleichen, einzaubern, wie man Exempel darvon erfahren.

In der Gravschafft Hohenlohe hat sichs begeben, daß ein Kind in der Wiegen gelegen und geschlaffen, da hat man unversehens bey der Wiegen einen großen Knall gehöret, als ob man eine Schlüsselbüchs abschösse, darauf das Kind alsobald erwacht, und zu weinen angefangen, und ist ihm Anfangs Blut aus den Augen geflossen, darnach seynd allerley Fäden und leinene Lümplein heraus gangen, deren ein gantzes Schächtelein voll aufgehoben worden.

Im Land zu Braunschweig liegt ein Dorff, heist Löverstett; in demselben wohnt ein Bauer, genannt Henning Achel, der hatte eine Tochter von 20 Jahren, Margareth. Als diese einsmals An. 1562. den 2. Julii, die Schuhe wollen säubern, setzte sie sich nieder und legte das Messer in den Schoß. Inzwischen tritt wider ihr Vermuten ein alt Weib zu ihr ein, und fraget sie, ob sie das Fieber noch hätte, und wie es sonsten um sie stünde? darauf sie ihr bescheidentlich geantwortet, und gieng die Alte ohn ferneres Sprechen zur Thür hinaus.

Die Tochter will mit dem Schuhsäubern fortfahren, und zu dem Ende das Messer wieder nemen, aber das Messer kunte sie nicht wieder finden, wie fleissig sie es auch suchte; erblickt aber unter dem Suchen einen schröcklichen schwartzen Hund unter dem Tisch auf dem Bauch liegen, der die Zähne scheußlich bleckte, und auch hinaus gieng. Da fühlte die Tochter, als fliesse ihr etwas Kaltes den gantzen Rücken [353] hinunter, vom Haupt an; fiel darauf in Ohnmacht, blieb also bis in den dritten Tag darinnen liegen, als wäre sie tod, und ohne Empfindlichkeit, bis sie wieder anfieng ein wenig zu athemen, und sprach, sie wüste nur allzugewiß, daß ihrer Schwester Messer, so sie derselben aus der Scheide gezogen, ihr auf der lincken Seiten im Leib steckte, weil sie an demselben Ort unerträgliche Schmertzen empfande, daß sie auch gebuckt an einen Stecken müssen gehen.

Nach dreyen Monaten erzeigte sich an der lincken Seiten über dem Miltz, innerhalb der untersten beyden Rippen ein Beule, schier in der Grösse eines Hüner-Eys, gebogen wie der Mond, name auch zu und ab, nach desselben Lauff. Den 30 Junii brach aus gedachtem Geschwär ein so grosse Menge Eyter, daß die Geschwulst um etwas nachliesse, und sich eine Spitz, wie eines [328] Messers, sehen ließ. Hertzog Heinrichs von Wolffenbüttel Wundartzt ward hierzu erfordert, der zog mit seinen Instrumenten das Messer mit der Spitz durch die Rippen heraus, und heilete den Schaden zu. Wierus l. 4. de præstig. Dæmon. c. 13.

Eine Jungfrau von 16 Jahren fuhr gehlingen auf, gab ein jämmerlich Geschrey, und war ihr Leib anzusehen, als wäre sie schon bey die 8. Monat schwanger; vom Krampff so zusammen gezogen, daß die Füsse hinter sich ruckwarts gebogen waren: endlich hat sie sich erbrochen, und krumme Nägel, Holtz, Nadeln, und viel zusamm gewickelte, und mit Wachs vermischte Haare von sich gegeben. Zuletzt ist auch so ein grosses Stück Fleisch hervor kommen, als kaum eines Riesen Schlund hätte hinab bringen können. Benivenius l. de abd. Morb. caus. c. 8.

Jul. Cæs. Baricellus erzehlet in seinem Hortulo Geniali, ingleichen Joh. Langius l. 1 Epist. Medic. 28. von einem Bauern, Ulrich Neusisser, im Dorff Fugenstall, in dem Eychstätter Bistum, daß er Anno 1539. grosse Bauchschmertzen hab gelitten, und zwar allerley Artzneyen gebraucht, sie zu vertreiben, aber sie haben ihn nichts geholffen, die Schmertzen seyn täglich wieder kommen, darüber hab er ihm endlich aus Ungedult mit einem Messer die Gurgel abgeschnitten; als er nun am dritten Tag hinaus zum Grab solte getragen werden, haben ihm Eucharius Rosenbader von Weisenburg, und der Bader Johann von Ettenstett, in Beyseyn einer grossen Menge Volcks, seinen Bauch aufgeschnitten, in welchem ein länglicht rundes Holtz, vier Messer von Stahl, theils scharff und spitzig, theils mit Zähnen wie eine Sege, auch zwey rauhe eiserne Feilen, gefunden worden, wie auch ein runder Büschel Haar.

Eine vorneme Matron aus Riga in Liffland hat erzehlt, daß ihrer Verwandten eine solche Schmertzen in dem Magen befunden, daß sie auch endlich das Leben drüber einbüssen, und ihren Geist aufgeben [354] müssen: da man denn nach ihrem Tod einen grünen Zweig von einem Tannenbaum, bey der Eröffnung darinn gefunden, welcher ein warhafftiges Ding gewesen und in den Leib gezaubert worden.

Wer wolte aber wol sagen oder gedencken, daß diß alles aus natürlichen Ursachen herrühre? daher vermeinen etliche, es sey nur ein blauer Dunst und Spiegelfechten deß höllischen Tausendkünstlers, der es also machen kan, als wenn sie aus dem Leib heraus kämen, oder als wenn es recht natürliche Sachen wären, da es doch nur so scheinet zu seyn; oder auch mit ge[329]schwinder Kunst hervor gebracht werden mögen: denn, sagen sie, es ist kein Ort, dardurch solche Sachen können in den Leib gebracht werden; darzu seynd die Sachen, so durchs Erbrechen heraus kommen, grösser als der Schlund selbsten an seiner Weite: ja es würde auch der Magen-Schlund dadurch verletzet werden; endlich fühlet man auch nicht, da man den Magen drucket, daß solche Sachen solten darinnen seyn.

Etliche aber sagen, daß diese Ding vom Teuffel selbsten hinein gethan werden mit grosser Geschwindigkeit, wenn der Schad, der durch Anrührung oder Vergifftung der Hexen verursachet wird, schwäret und aufbricht.

Andere vermeinen, der böse Feind öffne den Leib bey Nachtzeiten, bringe hinein was er wolle, und heile die Wunden alsobald wieder zu. Oder aber, er bringe alles durch weit geöffnete Schweißlöcher hinein.

Es seynd auch, die da meinen, es könne der Tausendkünstler alle Sachen, auch zu Pulver machen, und es dem Menschen also beybringen, in dem Leib aber wiederum zusammen fügen.

Etliche aber sagen, daß es der Teuffel nicht Noth habe, daß ihm die Haut müsse offen seyn, wenn er diese Ding in den Leib bringen wolle; denn er als ein Geist, könne alle Leiber penetriren, und ohne Öffnung durchkommen. Es gehe aber damit also zu, daß der Leib deß Menschen sich gegen ihm verhalte und beschaffen sey, wie das Wasser; wenn jemand einen Stein in seine Hand nimt, greifft darmit ins Wasser, läst den Stein darinnen, und thut die Hand wieder heraus, so gehet das Wasser wieder zusammen, und wird kein Loch daran gespüret, wodurch der Stein hinein kommen: also mache es der Teuffel auch, wenn es ihm GOtt verhängt, daß er dem Menschen in seinen Leib, wie in ein Wasser greifft, und solche Materien und Dinge hinein stecket, daß mans nicht sihet, wo sie hinein gekommen; die hernach natürlicher Weise wieder mit Schmertzen heraus schwären müssen.

Dem sey nun wie ihm wolle, die Kunst und List deß Satans bleibt uns wol verborgen, und kan er viel Sachen, nach GOttes Verhängniß, [355] verrichten und zu wegen bringen, die keine menschliche Vernunfft begreifft, schreibt M. B. Waldschmid, Python. End. p. 250.


Ende deß Ersten Theils.

[356]

Anderer Theil

Das 1. Capitel
Erstes Capitel.
D. Faustus will sich bekehren, wird aber von dem Geist abwendig gemacht, und dahin gebracht, daß er sich ihme aufs neue verschrieben.

DOct. Faustus war nicht allein in der Stadt Wittenberg, sondern auch auf dem Land, wegen der schwartzen Kunst und Zauberey beschreyt, weßwegen auch etliche gottsfürchtige und gelehrte Leute durch andere, ihn zu unterschiedenen malen haben erinnern und ermanen lassen, von solchem teufflischen Leben und Wandel abzustehen: unter andern hat eines Tags einer D. Fausti Nachbarn, ein frommer, alter und gottsfürchtiger Mann, sich die Mühe nicht dauren lassen, sein Heil zu versuchen, ob er diesen elenden Menschen bekehren möchte, zumaln er fast täglich sehen und warnemen müssen, wie die junge Bursch und fürwitzige Studenten in seiner Behausung aus und ein giengen, da sie ja ausser allem Zweiffel nichts Gutes sehen und lernen [331] würden; fügte sich derowegen an einem Nachmittag zu D. Fausto, und als er ihme mit freundlichen Worten die Ursach seines Einkehrens zu vernemen gegeben, wurde er auch von Fausto freundlich empfangen.

Leicht ist zu glauben, daß jener diesem allerhand Lehre und Vermahnungen aus GOttes Wort werde haben vorgebracht, und recht unter die Augen gestellet, welche zur Abmahnung deß bisher ärgerlich geführten Lebens, und denn zur Bekehrung [357] und Anweisung eines bessern Wandels, wurden gerichtet gewesen seyn; wie denn dieser fromme Alte, dem Ansehen nach, bey ihm ausgerichtet und zu wege gebracht, daß ihme bey seinem Abschied D. Faustus gelobet und zugesaget, er wolle seiner heilsamen Lehre und Ermahnung nachkommen. Massen es ihm denn, da er jetzund alleine war, solcher Gestalt zu Hertzen gangen, daß, indem er bey sich selbst erwogen, was er sich doch geziehen, daß er also freventlich seines Leibs und der Seelen Wolstand in die Schantz geschlagen, und sich um nichtiger Wollust willen dem leidigen Teuffel ergeben habe, er sich geresolviret, Busse zu thun weiln noch Zeit vorhanden, und wolle allerdings sein Versprechen dem Teuffel wieder aufsagen.

In solchem Vorhaben erscheinet ihm der Teuffel, tappet nach ihm, stellet sich nicht anderst, als ob er ihm den Kopff herum drehen wolte, warff ihm bald für, was ihn erstlich dazu beweget hätte, daß er sich dem Teuffel ergeben, nemlich sein frecher, stoltzer und sicherer Mutwill; er seye ihm nachgegangen, und er ihm nicht; er habe ihn zu vielen und unterschiedlichen malen mit Characte[332]ren, Beschwörungen und andern Sachen angeschrien, seiner eifrigst begehrt. Zudem so hab er ja ungezwungen und freywillig die fünff Articul angenommen, sich auch hernach mit seinem eigenen Blut verschrieben und verobligiret, daß er Gott und Menschen feind seyn wolte, u.s.w. Diesem Versprechen nun komme er nicht nach, wolle dem alten Lauern folgen, da es doch schon allzuspat, und er nunmehr deß Teuffels eigen sey, der ihn zu holen und anzugreiffen gute Macht habe; darum er denn anjetzo die Hand an ihn anlegen wolle, oder aber er soll sich wiederum von neuem verschreiben, und solches mit seinem Blut bekräfftigen, daß er sich hinfüro von keinem Menschen mehr wolle abmanen und verführen lassen: und dessen solle er sich bald erklären, ob er nemlich solches thun wolle oder nicht, wo nicht, so wolle er ihn zu Stücken zerreissen.

D. Faustus gantz voller Erstaunens ob Anhörung dieser schröcklichen Drohworte, bewilligte dieses alles mit zitterendem Munde von neuem, setzet sich nieder, und schreibet mit seinem Blut die andere teufflische Verschreibung, welche ebenermassen [358] nach seinem Tod in seiner Behausung ist gefunden, jedoch aus beweglichen Ursachen hieher nicht gesetzt worden.

Anmerckung.

I. Allhier sihet man klärlich an D. Fausto, wie schwer es hergehe, daß ein Zauberer, Hexe und Unhold, so sich dem Teuffel einmal ergeben und in deß Teuffels Bund getretten, denselben auch mit seinem eigenen Blut, dafür doch der HERR CHristus sein eigenes Blut vergossen, und es theuer erworben, unterzeichnet, und sich ihm zu dienen verbunden, wieder solte frey und los, und also bekehret, werden können: dannenher auch dieses, wie M. B. Waldschmid anzeiget, Pyth. Endor. p. 360. etlichen nicht Ungelehrten fast für gantz unmüglich vorkommen wollen, und dessen sehr wichtige [333] Ursachen beybringen, die sich finden Erstlich auf Seiten deß Menschen, und deß schweren Lasters der verdamlichen Zauberey. Denn einmal ists gewis, daß der Mensch, er sey gleich Mann oder Weib, der der Zauberey und Hexerey ergeben ist, in einer schröcklichen greulichen und abscheulichen Sünde steckt, nicht allein was den teufflischen Bund anlanget, da er seinem Gott absagt, die heilige Tauff und den wahren Glauben verlaugnet, und dargegen dem Teuffel mit Leib und Seel sich zu eigen ergibt, und ihm zu dienen angelobt, sondern auch, was das teufflische Werck selbst betrifft; welches denn da hinaus gehet, zu thun was Gott und den Menschen zuwider ist.

Woraus nicht unfüglich also kan geschlossen werden: wer GOtt absagt, die heilige Tauff und den wahren Glauben verlaugnet, und sich dargegen dem leidigen Teuffel mit Leib und Seel zu eigen ergibt, und also hiemit nichts anders thut, als daß er mutwillig keinen Antheil an dem Reich GOttes und der Seligkeit haben will, der kan nicht selig werden. Es thuns aber die Zauberer, Hexen und Unholden, massen erst gedacht worden; darum können sie nicht selig werden. Denn weil sie einmal den Sohn GOttes mit Füssen getretten und das Blut Christi unrein geachtet, durch welches sie geheiliget sind, und den Geist der Gnaden geschmähet haben, haben sie fürter kein Opffer mehr für die Sünde, sondern ein schröcklich Warten deß Gerichts, und deß Feuers-Eifers, der die Wiederwärtigen verzehren wird, wie in der Epistel an die Hebreer im 10. v. 27. 29 stehet. Und weil sie seynd voll bitterer Gall, verknüpfft mit Ungerechtigkeit, wie S. Petrus vom Zauberer Simon sagt, Actor. 8. v. 23. darneben mit deß Teuffels Stricken gefangen geführet werden zu seinem Willen, 2. Tim. 2. v. 25. so scheinets fast unmüglich zu seyn, daß sie solten wieder erneuret werden [359] zur Buß, und sich warhafftig zu GOtt bekehren, und selig werden, Hebr. 6. v. 6.

Weiter, wer sich dem Teuffel ergibt und ihm zu dienen angelobet, auch nichts anders suchet zu thun, als was GOtt und dem Menschen zu wider ist, und hier mit wider die Liebe GOttes und deß Nächsten handelt, als dem man nach Leib und Leben, Gut und Blut, stehet, ihm daran Schaden zu thun, der kan nicht selig werden. Es thuns aber die Zauberer, Hexen und Unholden; darum können sie nicht selig werden. Dieses bekennet auch Cyprianus, welcher ein frommer Bischoff zu Carthago gewesen, und hernach ein Märtyrer worden, von welchem [334] Na zianzenus schreibet, daß er Anfangs ein Teuffelsknecht und Diener gewesen, der sich in seiner Jugend zur Zauberey habe begeben, wenn er von sich gesagt: ich habe es für überaus schwer und hart gehalten, daß ein Mensch gleichsam zum andern mal solte neugeboren werden; und sagt ferner: es ist eine solche Veränderung und Bekehrung unmüglich, daß einem plötzlich und schnell das jenige, so in ihm wegen der natürlichen Materien gleichsam verhärtet, oder von langwirigem Gebrauch an ihm veraltet, solte können benommen, und also aus einem Kind deß Teuffels ein Kind GOttes werden.

Zum Andern finden sich auch Ursachen ihrer fast unmüglichen Bekehrung und Seligkeit, auf Seiten deß Teuffels. Denn der hat sie so starck und vest mit seinen Stricken und Banden angefässelt, daß er sie nicht leichtlich daraus los lässet; er knüpffet ihnen auch immer einen starcken Knoden nach dem andern, daß, wenn sie sich gleich selbsten gern wollen ledig machen, können sie doch nicht; wollen sie sichs unterstehen, so lässet er ihnen nimmer keine Ruhe, peiniget und martert, ja drohet ihnen den Hals um zu drehen, und das Leben zu nemen, wenn sie es thun würden, oder die Mittel ergreiffen, sich von ihm los zu machen, wie er allhier dem D. Fausto gethan.

Daher sie aus Furcht und Angst, darein er sie bringet, nicht thun können was sie gern wollen; und so lang es keine Gefahr der zeitlichen Straff halben mit ihnen hat, so lang gehen sie auch sicher dahin: hören sie etwan in der Kirchen, wie schröcklich dieses Laster der Zauberey seye, und daß die ewige Straffen im höllischen Feuer darauf folgen werden, so hilfft es doch nichts, denn der Teuffel beredet sie, es sey alles erlogen, was die Pfaffen von der Hölle sagen: es sey auch nach diesem Leben kein anderes zu gewarten, darum sollen sie hier in diesem Leben thun, was ihnen wolgefalle. Und gesetzet, wenn schon ein ander Leben nach diesem wäre, so solten sie es doch bey ihm weit besser haben, denn hier.

Kommen sie denn in die Gefahr der zeitlichen Straff, und gerathen [360] der weltlichen Obrigkeit in die Hand, werden gefänglich eingezogen, und sehen auch endlich den Scheiterhaufen und das Feuer vor sich, so sitzet ihnen doch der Teuffel immer in den Ohren, und verspricht ihnen, er wolle sie nicht verlassen. Kan er sie aus der gefänglichen Hafft, und der Obrigkeit Hand und Gewalt nicht los machen, so weichet er doch nicht [335] von ihnen, sitzet ihnen in der Tortur und Marter entweder in den Haaren, oder in den Ohren, wie ein Floh, oder ist auf eine andere Weise bey ihnen, ihnen Beystand zu leisten, und verspricht ihnen sie zu erhalten, wenn sie gleich ins Feuer müsten, und dasselbe entweder zu löschen, oder zu kühlen, oder sie daraus gar weg zu führen, oder ihnen sonsten bald darvon zu helffen.

Und solch Bereden deß Teuffels macht, daß auch manche, wie es die Erfahrung hat gewiesen, sich vernemen haben lassen, wenn sie es nicht könten, so wolten sie es noch lernen. Ja wenn es müglich wäre, daß sie gleich nach erlittener Straff, und Verlust ihres Lebens, wieder solten lebendig werden, so wolten sie es wieder auf ein Neues treiben. Und wenn sich auch manche bey dem Hinführen, etwan in Geberden und Worten so stellet, daß man meinet, sie thue wahre Bus, sie bete hertzlich, und sterbe selig dahin, so gehets doch schwerlich von Hertzen. Was der Prediger aus GOttes Wort sagt, das hören sie zwar äusserlich an, aber der Teuffel widerspricht ihnen im Hertzen, und kan derowegen von ihrer Busse wol heissen, wie Augustinus sagt: Pœnitentia sera raro est vera, späte Busse ist selten ware Busse.

Als vor diesem der Herr Grav von Witgenstein ließ etliche Hexen einziehen, darunter funff zehen unerzogene Kinder waren von sechs, sieben, acht, neun, zehen Jahren so hat der Herr Grav fast nicht gewust, wie ers doch mit dem kleinen Hauffen machen solte. Unterdessen ist ein frommer alter Pfarrherr da, der bittet, ihre Hochgrävliche Gnaden wollen ihm und seiner Frauen von den Mägdlein eines schencken, er wolte es also auferziehen und zur Gottesfurcht halten, daß er verhoffte, Satanas solte mit Schimpff abziehen. Der Herr Grav willfähret dem Pastorn; der Pfarrherr erziehet auch das Mägdlein in aller Gottesfurcht, sobald es erwachsen, steuret er es aus an einen ehrlichen frommen Mann, mit dem lebet sie etliche Jahr friedsam.

Wie sie zum dritten mal von ihm schwanger, und einsten ein Feldweges weit über Feld, ihrer Geschäffte halber verreiset, erscheint ihr der Satan in einem kleinen Busch Holtzes, redet sie an, sie wisse sich zu entsinnen, was sie ihm dem Satan, im fünfften Jahr ihres Alters hätte zugesaget, dass sie nemlich wolte sein eigen seyn und bleiben; nun solte sie sich gütlich erklären, ob sie das wolte halten, so wolte er ihr alle Freundschafft [336] beweisen und in solcher Gestalt allezeit [361] bey ihr verbleiben. Sie aber wegert sich dessen.

Darauf verwandelt sich der Satan in einem Augenblick in einen grausamen Drachen und saget, wo sie nicht wolte darein consentiren und die alte Zusage halten, so wolte er sie in hundert tausend Stücke zerreissen. Das Weib erschrickt über die Massen, weiß für Angst nirgend hin, läst sich überreden, und ergibt sich also dem Satan. Nach solchem renovirtem Pacto, muß sie ihm steiff und vest verheissen, erstlich daß sie das Kind, das sie unter ihrem Hertzen trage, wolte ihm, dem Satan, aufopffern, und in deß Teuffels Namen tauffen. Zum andern daß sie wolte den andern Tag ihrem frommen Mann mit Gifft vergeben. Drittens, daß sie wolte ihren beyden Kindern das Hexen lehren. Diß hat sie nun alles verrichten müssen, und ist ihr Mann stündlich kranck worden; aber endlich ist diß böse Werck an den Tag kommen.

So bald sie für die Obrigkeit geführet wird, bekennet sie alles freywillig, sagt, sie begehre nicht länger zu leben, nun sie so bey ihrem frommen Ehemann und unmündigen Kindern gehandelt: und gibt zugleich dem frommen alten in GOTT ruhenden Pfarrherr ein schlechtes Trinckgeld, sagende: verflucht sey der Pfaff mit seinem Weibe, der mich damals hat los gebeten: wäre mir damals mein Recht gethan worden, hätte ich nimmermehr solche grosse und abscheuliche Sünde begangen.

Zum Dritten finden sich auch Ursachen ihrer fast unmüglichen Bekehrung, auf Seiten GOttes selbsten, da also geschlossen wird: welchen GOtt in seinem heiligen Wort die Seligkeit abspricht, die können nicht selig werden. GOtt spricht aber in seinem heiligen Wort den Zauberern, Hexen und Unholden, die mit der Zauberey umgehen, die Seligkeit ab; darum so können sie nicht selig werden. Daher setzet S. Paulus die Zauberey klärlich unter die Wercke deß Fleisches, und sagt, daß die so solches thun, sollen das Reich GOttes nicht ererben, Galat. 5. v. 20. Gleicher massen sagt die himmlische Stimm in der hohen Offenbarung im 21. v. 8. Der Zauberer Theil werde seyn in dem Pful, der mit Feuer und Schwefel brennet, welches sey der andere Tod. Also, dass, wenn sie gleich dem Leib nach ein mal gestorben, und den ersten Tod erlitten, nichts desto weniger auch der Seelen Tod, welches ist der [337] andere und ewige Tod, in dem höllischen Feuer darauf folgen soll.

Um dieser Ursachen willen halten nun, wie gesagt, etliche die Bekehrung und Seligkeit der Zauberer und Hexen fast für unmüglich. Aber es sey ferne, daß wir ihre Bekehrung und Seligkeit allerdings für unmüglich halten, und ihnen alle Hoffnung darzu abschneiden [362] solten! denn ob sie wol sehr schwer ist, so ist sie jedoch nicht blos dahin unmüglich, und dieses daher:

Erstlich auf Seiten GOttes. Denn daß auf seiner Seiten solche Bekehrung und Seligkeit der Zauberer und Hexen nicht unmüglich sey, bezeuget erstlich die allgemeine Gnad und der allgemeine Will GOttes, der sich über alle Menschen und Sünder (Zauberer und Hexen) erstrecket, davon er selbsten sagt bey dem Propheten, Ezech. im 33, v. 11. So wahr als Ich lebe, Ich hab kein Gefallen am Tod deß Gottlosen, sondern daß sich der Gottlose bekehre von seinem Wesen und lebe. Und Petrus sagt in seiner andern Epistel im 3. v. 9. Der HErr will nicht daß jemand verloren werde, sondern daß sich jederman zur Buß bekehre; davon gewißlich Zauberer, Hexen und Unholden nicht ausgeschlossen seynd, wenn gleich ihre Sünde noch so gros ist, denn GOtt erkläret sich auch dahin, daß wenn die Sünde gleich blutrot ist, soll sie doch (auf wahre Bus) schneeweis werden, und wenn sie gleich ist wie rosinfarb, soll sie doch wie Wolle werden, Esai. 1. v. 18. Und wo die Sünde mächtig worden ist, da ist doch GOttes Gnad noch viel mächtiger, zun Römern im 5. v. 21. Denn seine Barmhertzigkeit erstrecket sich über die gant ze Welt, (und also auch über die Hexen und Zauberer) Syrach. 17. v. 28. Zum andern bezeugets das kostbare Verdienst deß HErrn Christi, welches genug ist für der gantzen Welt Sünde, Joh. 1. v. 29. 1. Joh. 2. v. 2. Er ist für alle gestorben, 2. Corinth. 5. v. 15. (und derwegen auch für die Zauberer und Hexen) denn das ist je gewißlich war, und ein theuer wehrtes Wort, daß Christus JEsus kommen ist in die Welt, auch die grösten Sünder selig zu machen 1. Timoth 1. v. 15. Ja wie Petrus redet 2. Petr. 2. v. 1. Er hat auch die erkaufft, die den HErrn verlägnet. (welches sonderlich die Zauberer, Hexen und Unholden thun). Zum dritten bezeugets die allgemeine Beruffung aller Menschen, wie GOtt sagt bey dem Propheten Esaia im 45. v. 22. Wendet euch zu mir, so werdet ihr selig werden aller Welt Ende, [338] und Matth. 11. v. 28. sagt der HErr Christus: Kommt her zu mir alle die ihr mühselig und beladen seyd, Ich will euch erquicken; dieses gehet nun auch die Zauberer an: denn, wie Theodoretus saget, wo alle beruffen werden, da wird niemand ausgeschlossen. Uberdas so seynd auch die Heiligen Sacramenta so kräfftig, daß der Bund der heiligen Tauff vest bleibet; denn der Menschen Unglaub hebt GOttes Glauben nicht auf, stehet in der Epistel an die Römer im 3. v. 3. und wenn der Sünder Buß thut, und durch dieselbe seinen Zuruckgang wieder zu diesen Bund nimmet, wird er auch stets mit ihm wieder erneuret, als der Bund eines guten Gewissens mit GOtt, 1. Petri 3. v. 21.

[363] Darnach und fürs ander, finden sich Ursachen ihrer Bekehrung wegen, auf Seiten deß Menschen und der Zauberey-Sünde selbsten. Gewiß ist es, so lang der Mensch noch in dieser Gnaden-Zeit lebet, da die Gnaden-Thür GOttes auch den grössesten Sündern noch allezeit offen stehet, so lang kan er noch bekehret und selig werden, wie hiervon gar tröstlich Cyprianus Serm. de Cœn. Domini spricht: Nicht die Grösse der Sünden, nicht die Kürtze der übrigen Zeit, noch die letzte Stunde, noch die greuliche Bosheit deß Lebens, schleust von der Gnade GOttes aus, wenn deine Buß nur rechtschaffen ist, und eine reine Änderung der Wollüsten und Sünden erfolget.