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(Ew.)Euer Excellenz

dürften aus den ergangenen Ankündigungen und den darauf erfolgten wirklichen Anfängen der neuen Literaturzeitung, zu deren Herausgabe hier ein Gelehrtenverein unter dem Namen der "Sozietät für wissenschaftliche Kritik" zusammengetreten ist, von dem Zweck und der Richtung dieses Instituts bereits genügende Kunde genommen haben, um uns der näheren Erörterung und besonderen Rechtfertigung des Gegenstandes selbst leicht zu überheben, um uns der näheren Erörterung und besonderen Rechtfertigung des Gegenstandes selbst leicht zu überheben. Gleich bei Gründung dieses wissenschaftlichen Vereins mußten die Stifter und ersten Teilnehmer, ihrer würdigen Absicht und bedeutenden Aufgabe bewußt, indem sie die wünschenswertesten Förderer und Genossen in auswählendem Ueberblick zu erfassen strebten, vor allem des Namens eingedenk sein, der als die erste und schönste Zierde unserer Literatur den weiten Kreis derselben mit unvergänglichem Glanz durchleuchtet. Wie lebhaft und eifrig indes das Verlangen sein mochte, dem neuen Unternehmen die Gunst und den Anteil (Ew.)Euer Excellenz zu gewinnen, so schien es gleichwohl den Verhältnissen angemessen und war in unsrem Gefühl tief begründet, mit unsrer Eröffnung dieserhalb noch zu zögern und (Ew.)Euer Excellenz Mitwirkung und Beitritt nicht für ein bloß im Vorhaben schwebendes, noch erst zu erwartendes Werk in Anspruch zu nehmen. Jetzt aber, nachdem das Unternehmen, wenn auch noch jung und unvollkommen, doch kräftig und fest in zuverlässigem Fortschritt durch die Tat vor Augen gestellt und in einer Reihe von gelieferten Arbeiten der Sinn und Geist desselben bestimmter ausgesprochen ist, jetzt darf unsre Gesellschaft nicht länger anstehn, ihren frühsten Wunsch, ihr eifrigstes Begehren, zu günstiger Erfüllung ehrerbietigst darzulegen! Die freudigste Einstimmigkeit hat diesmal alle sonst notwendig erachteten Formen der Erwägung und Entscheidung völlig beiseite gesetzt und gleicherweise eine ungewöhnliche Form der zu machenden Eröffnung verfügt. Den Unterzeichneten ist der ehrenvolle Auftrag erteilt worden, (Ew.)Euer Excellenz im Namen der Gesellschaft zur Teilnahme an derselben ergebenst[155]einzuladen. Wir kennen die Rücksichten, welche uns gebieten, jeden unmittelbaren Anspruch auf bestimmte Tätigkeit von dieser Einladung fern zu halten, wir ordnen im Voraus unsre eifrigsten Wünsche hierin jeder anderen Beziehung willig unter; aber wir würden es uns zur hohen Ehre rechnen, wenn (Ew.)Euer Excellenz unsrem Unternehmen eine beifällige Zustimmung gönnen, unsren Blättern die Hoffnung, nach Gelegenheit und Umständen von Ihrer Hand bereichert zu werden, nicht verschließen und uns demnach gestatten wollten, in dem Verzeichnis unsrer Mitglieder Ihren höchstverehrten Namen aufzuführen, um unsrerseits vor der Nation nicht in dem Vorwurfe zu stehn, die in solcher Hinsicht anerkanntest darzubringende Gebühr der Verehrung verabsäumt zu haben.

Indem wir Unterzeichnete uns des empfangenen Auftrags hiedurch ehrerbietig entledigen, können wir nicht unterlassen, uns des ausgezeichneten Vorzugs lebhaft zu erfreuen, der uns gewährt, mit dem Ausdrucke des gemeinsamen, abseiten unsrer Sozietät (Ew.)Euer Excellenz gewidmeten Huldigung zugleich den unsrer persönlichen ehrfurchtsvollsten und anhänglichsten Gesinnungen zu vereinigen, in welchen wir die Ehre haben zu verharren

(Ew.)Euer Excellenz gehorsamst-ergebenste
Hegel
K. A. Varnhagen von Ense.

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TextGrid Repository (2022). Goethes Farbenlehre in Berlin. Repositorium. 6. März 1827. Hegel und Varnhagen von Ense an Goethe (Auszug). Z_1827-03-06_k.xml. Wirkungsgeschichte von Goethes Werk „Zur Farbenlehre“ in Berlin 1810-1832. Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek. https://hdl.handle.net/21.11113/0000-000F-45A8-6