Georg Rollenhagen
Froschmeuseler

Erster Theil

Das erste buch
Das erste teil
Das I. capitel
Das I. capitel.

Kurze summa und inhalt des ganzen buchs.


Das hofhalten, die feind und macht,
Das blutbad und erschrecklich schlacht
Der manhaften frösch und meushelden
Wil ich in disem buch vermelden.
Got verleih dazu rat und gnad,
Das es zur ler und lust gerat.
Ihr freien schulkünst algemein,
So der poeten musae sein,
Tret auch herzu und steht mir bei,
Das ich, was nütz und lieblich sei,
Weislich bedenk, künstlich aufzeich,
Das euch zu eren auch gereich.
Denn weil ihr seid jungfreulein zart,
So bleibt ihr stets frölicher art,
Seht nicht ernstlich saur alle stund,
Sagt oft war mit lachendem mund.
Damit im scherz die gute ler
Bei der jugend schaff desto mer,
Lasset die auch etwas weisheit
[3]
Allhie lesen in frölichkeit,
Und an fröschen und meusen sehen,
Wie es pflegt in der welt zu gehen,
Wie kans besser sein, denn das Musen
Einmal reden von frosch und meusen?
Und ihr junge lustige knaben,
Die lust zu erbar kurzweil haben
Und suchet gern bei allen sachen,
Das ihr in freuden habt zu lachen,
Wollet den reimen on beschweren
Mit gutem nachdenken zuhören,
Sol euch on zweifel mer nutz schaffen
Denn alles narrenspil der affen,
Der(en) man auch zu lachen pflegt,
Obs gleich nicht vil in beutel tregt.
Die alten aber, die ihr ler
Mit ernstem pochen machen schwer
Und keine scherz mer leiden wollen,
Dismal ihr urlaub haben sollen,
Ein wenig treten überseit,
Wollen sie hören ander zeit,
Wenn uns die nasn auch werden blaue
Und har und bart geferbet graue,
Odr noch wol eh, zu guter stund.
Wermut ist nicht immer gesund,
Man trinkt auch wol ein neuen wein
Und leckt ein frischen honigseim,
Damit sich die natur verneue.
Was teglich ist, bringet abscheue,
Wie auch der alten meister trutz.
Der wechsel ist vol lust und nutz
Und macht zur arbeit munter herzen:
Dazu dienet dis unser scherzen,
Das wir in gottes namn anfangen.
Also ist der handel angangen.
[4]
Das II. capitel.

Von Bröseldiebs, des meuseköniges sons, kundschaft mit dem froschkönig.


Da Aschanes mit seinen Sachsen
Aus dem Harzfelsen ist gewachsen,
War mitten in dem grünen wald
Ein springends brünlein süß und kalt,
Das an dem Falkenstein her floß,
Sich in ein großen see ergoß
Und da am warmen sonnenschein
Wessert vil beum und blümelein,
Vil frösch und fisch, vil krebs und schnecken.
Das ror wuchs wie die haselstecken,
Bei narrenkolben, schilf und weiden,
Bei kreutern schwer zu unterscheiden,
Als obs das Schilfmer selber wer,
Dadurch Moyses fürt gottes her,
Das nicht allein die nachtigal
Da sang, das klang in berg und tal,
Sondern rorsperling und grasmusch
Und andere mer im finstern busch
Ihr nest und wonstet so besungen,
Das die stimmen gegn himmel klungen
Und im wasser der widerhal
Sein antwort gab mit freudenschal.
Daselbst von vilen alten jaren
Die frösch der herschaft mechtig waren,
Das Sehebold Bausback wol gedacht
Hof hielt mit königlicher pracht
Und der ganzen frösch nation
Auch untertan war seiner kron.
Wie nun anfieng der grüne mai,
[5]
Wolt der könig von sorgen frei
Mit seines hofes dienern al
Ein freudenspil halten einmal.
Und satzt sich aus dem sonnenschein
Besonders hin von der gemein
Auf ein hügel mit grünem mos,
Ueberwachsen schön weich und los,
Das die bachmünzen und polei
Auch schatten gnug machten dabei,
Und ließ vor ihm seine trabanten
Und die seine herschaft erkanten
Sich da üben im ritterspil,
Da kurzweil auch treiben gar vil
Mit wassertreten, untersinken,
Mit offnem maul doch nicht vertrinken,
Ein mück in einem sprung erwischen,
Künstlich ein rotes würmlein fischen,
Auf gradem fuß aufrichtig stehen
Und also einen kampf angehen,
Einander mit tanzen und springen
Im großen vorteil überwinnen.
Etlich die unterlefs auch hiengen
In see und fiengen an zu singen:
Sol fa, ut ut, sol fa, sol ut,
Concordia ist zu allen dingen gut,
Zu guter stund sing alt und jung,
Concordia klunkerlekunk.
Dazu quakten im nassen gras
Etlich den untersatzten baß,
Fürwar ein tor derselbig war,
Der lieber ausstund al gefar,
Denn das er concordiam bewart,
Veracht Coard, Morx, Marx, Marquard.
Die andern den zuwider taten,
Ans ufer aus dem wasser traten,
[6]
Damit sie zu den andern singen
Die regalstim könten einbringen,
Riefen: das hat getan gar gecksch!
Koachs, Wrecke, Vky, Kekechs,
Ryller, Tryller, Kulo, Tulunk,
Das beklaget sich alt und jung.
Zerten so mit dem wasserklang
Die waldvöglein zum kampfgesang,
Das man durch wassr und wald dis krachen
Ein wunderfreudenschal hört machen,
Wie jung gesellen zu sommerszeit
Am wasser und wiesen suchen freud,
Wie auf den schulen die studenten
Baden und tauchen gleich den enten,
Schwimmen künstlich wie gens und schwanen,
Fischen, faren im schif und kanen,
Fechten, schlagen bal, springens kleid,
Wissen von keiner traurigkeit,
Singn auch ihr vilstimmige reien
In pfeifen, zithern, lauten, geigen
Fein kunstreich nach der Musen art;
Kein frölicher volk funden ward:
Also taten die fröschlein auch,
Hielten on sorg ihr spil und brauch.
Wie selig war die gülden zeit
Da in der ganzen welt die leut
Lebten in fried und frölichkeit
Also ohn alles herzeleid!
Indem aber die wasserkind
Also aufs spil bestürzet sind,
Und die sonne von oben rab
Nimmer den kürzten schatten gab,
Aber die allergröste hitz
Stieß aus des himmels mittelspitz,
Kam aus dem wald ein kleiner man,
[7]
Hat ein schön weißes pelzlein an,
Rote korallen um den hals,
Ein leibgürtel vergüldet als,
Und fürt ein schwenzlein als ein schwert,
Trabet herein er wie ein pferd,
Und gieng den andern allen für,
Denn es folgten noch andre vier,
Mit aschenfarben pelzelein,
Solten seine trabanten sein.
Der eilet durstig zu dem see,
Denn der sonnen hitz tat ihm wehe,
Und sprang zum wasser ab vom land,
Lenet sich auf die linke hand,
Neigt das heupt, das sein kleiner bart
Vol wassers als vol perlen ward,
Weil er ihn gar ins wasser steckt
Und dasselbige so geizig leckt,
Als wens zucker und honig wer.
Das zünglein wand sich in die quer,
Wischet das neslein und den mund,
So weit es den abreichen kunt,
Und schmatzet wie die kleinen kind,
Wenn sie an der mutter brüst sind.
"Wie schmeckt nur das Wasser so süß",
Sprach das menlein, "wie ein milchmus,
Wenn mans mit dem durst würzen mag,
Wie ich getan hab disen tag!
Nun glaub ich, das Darius spricht:
So wol hab ihm geschmecket nicht
Was er sonsten sein lebelang
Zuvor und hernach aß und trank,
Als das trüb wassr, so in der flucht
Sein durst zu leschen ward gesucht."
Das sahe und hört ein frosch von fern,
Fur ab zum könig seinem hern,
Saget, das aus dem wald ins ror
Fünf menlein weren gangen vor,
Als obs der kleinen zwerglein weren,
Ihr vier nanten den fünften herren,
[8]
Der het ein westerhemdlein an,
Zwar klein aber ein schöner man,
Trugen al türkische knebelbert,
Auch oren als ein mutig pferd,
Und hendlein wie der menschen kind:
Wust nicht woher sie kommen sind.
Das Wasser würd ihn sehr wol schmecken,
Soviel als sie desselben lecken.
Der könig schickt Grünrock, zu sehen
Und starker trabanten achtzehen:
Weren sie feind, solt er sie fangen,
Wo er sie anders möcht erlangen;
Weren sie aus der nachbarschaft
Ankommen in lieb und freundschaft,
Solt er sie zum gesprech herbitten,
Weren bei ihm gar wol gelitten.
Sie sprungen ab zum see in eil,
Schossen hinaus gleich wie die pfeil,
Ihrem kindschaffer immer nach,
Zu verrichten befolne sach.
Bald ward Grünrock der fünf gewar,
Sprach: "Dise reis ist on gefar,
Es sind meusmenlein, wie ich sehe,
On das eins weiß ist als der schne,
Das bin ich bei ihn ungewont,
Schaut wol, das ihr derselben schont
Und ihrer keinen tut ein leid,
Ehe denn wir hören gut bescheid.
Laßt mich sie erstlich sprechen an,
Ich wil gar bald prüfen den man."
Dem menlein dis ein wunder war,
Was doch bedeut der frösche schar,
Die so rottenweis herzukemen.
Sein diener wolten die flucht nemen.
Das wolt das herlein nicht gestehen,
Sondern zuvor den ausgang sehen.
[9]
Wie nun die frösch ans ufer kamen,
Aus dem wasser den auftrit namen,
Trat das herlein mutig hinan,
Sprach: "Ho glück zu, mein lieber man!
Ich bin an euren see ankommen,
Hab ein frisches trünklein genommen,
Weil ich dürstig war von der jagd,
Und het doch gern kundschaft gefragt,
Wie es doch nur immerhin kem,
Das ich euer keinen vernem;
Vermeint, ihr het ein traurigkeit,
Klaget beisamen euer leid.
Nun seh ich ja, das ihr dismal
Frisch und frölich ankommet al,
Dessen ich mich samt euch erfreue
Und euer ankunft gar nicht scheue.
Kan ich euch für den wassertrank
Widrum erzeigen einen dank,
So tue ich das on al beschwern
Wil euch zu eren dienen gern.
Dankbarkeit ist eine schöne tugend,
Zieret das alter und die jugend;
Wen man undankbar nennen kan,
Dem henget alle laster an."
Der Grünrock samt seinen geferten
Meuler und augen weit aufsperten,
Verwunderten sich übr die red,
Die das weise pelzmenlein tet,
Und sprach: "Gnad Herr, wir sind ankommen,
Das unser könig gern vernommen
Eur erenfeste gegenwart,
Begert in gnadn, wolt unbeschwert
Euch nennen, und ihr majestet
Besuchen, da sie jetzt zur stet
Am ufer wartet der ansprach,
Es ist ja eine erliche sach.
[10]
Das aber auch unser seetrunk
Wolgeschmakt eurem herzen jung,
Hören wir und gönnens euch gern,
Fordern dafür auch kein verern.
Denn wie die son und lust ist gmein,
Sol auch der trank des wassers sein:
Das unser voreltern für jaren
Mit ihrem großen leid erfaren.
Nur das ihr seid unser freundschaft,
Haltet getreue nachbarschaft."
Das menlein sprach: "Ists, wie ihr sagt,
Das eur könig mein namen fragt
Und mich selber wil reden an,
So wil ich mit euch zu ihm gan.
Fürt mich nur hin zu land mein straß,
Im wasser weiß ich keinen paß.
Denn ich bin des meuskönigs son,
Hab daheim mein scepter und kron.
Das ihr aber so gar freundlich
Jetzt gegen mir erzeiget euch,
Ich gar zu großen dank annem,
Hab dafür jetzt kein gab bequem,
On etliche früereife kirslein,
Die schenk ich euch da in gemein,
Die hab ich auf der jagd erstigen,
Die abgefallen lassen ligen.
Der kern taug an den kirsen nicht,
Die man nicht mit der hand abbricht.
Ich hab auch süß erdber dabei,
Nur ein hendlein vol oder drei."
Damit grif er seinem trabant
In die weite tasch mit der hand
Und bot ihn die vererung dar.
Sobald die frösch wurden gewar
Die schöne rotefarbe bern,
Kont sich das herlein kaum erwern,
Das sie ihm nicht die hand erschnapten,
[11]
So geizig sie alle zutapten,
Und dankten für die mildigkeit,
Erboten ihre dienstbarkeit.
Weil sie also die berlein schlungen,
Hat sich die post zurückgeschwungen
Und dem könig vermeldet schon,
Das ankem des meuskönigs son.
Darum gieng der könig herfür
Bis an desselben ufers tür,
Das er ihn erlich wolt empfangen.
Neben und hernach kam gegangen
Der hofdiener eine große schar,
Des gastes al zu nemen war,
Wie der priester Jaddus verwegen
Dem Alexander gieng entgegen.
Der jung könig, als er gesehen
Den froschkönig zu ihm angehen
In seinem grünen sommerkleid
Mit goldbremlein zu jeder seit,
Und augen wie der morgenstern
Schön herfürgleißen in der fern,
Dazu den buntfleckten haufen
Der frösch, die al kamen gelaufen,
Wie im herbst rottenweis die krahen,
Wenn sie am speten abend sahen
Reinken fuchs zu felde ligen,
Mit eim geschrei herum herfliegen:
Entsetzt er sich erst wol etwas
Das er gemacht keinen verlaß
Mit seinen dienern, die gar bald
Auch kommen würden aus dem wald,
Wo sie ihn doch ansprechen solten,
Wenn ja die frösch untreu sein wolten.
Er gedacht aber: "Es ist uner,
Das ein könig verzagt wer,
Du wilt hintreten one scheue,
Des mans gegenwart schreckt wie ein leue",
[12]
Und braucht damit höfliche geberd,
Wands angesicht züchtig zur erd,
Faß mit der rechten hand die brust
Und neiget sich, wie er wol wust.
Nachmals credenzt er in dem stand
Dieselbe seine rechte hand,
Gab sie dem könig, der zuvor
Sein hand ihm da anbot empor
Und sprach: "Bis wilkom, lieber gast,
Setz dich daher zu mir in rast
Und ruhe wol aus die mattigkeit.
Deine reis ist on zweifel weit,
Denn ich dich zuvor nie erkant."
Damit nam er ihn bei der hand
Und setzt sich neben ihn ins gras,
Da das weiche mospolster was.
Das menlein sich in eren wert,
Setzt sich doch endlich auf die erd.
Die diener warten auf von fern,
Wolten ihr wort anhören gern,
Wie auch die fröschlein allesamen
Mit großem drang heranher kamen,
Das für getümmel an dem ort
Niemand höret sein eigen wort.
Der könig aber gab ein zeichen,
Das sie plötzlich al müsten weichen
Und jederman zur seit abgehen;
Nur vier trabanten blieben stehen.
[13]
[14] [13]Das III. capitel.

Bröseldieb rümet sein geschlecht und weisheit.


Da fieng Bausback zu reden an
Und zu fragen den kleinen man:
[13]
"Mein gast, weil ich durch meine leut
Die kundschaft erfur und bescheid,
Das du in mein reich werst ankommen,
Doch keiner feindschaft angenommen,
Hab ich mit bedacht von der straßen
Dich hie zu mir einladen lassen.
Du wirst aber berichten recht,
Was dein ankunft sei und geschlecht,
Wer dein vater und mutter sei.
Wenn ich die warheit spür dabei,
Das es richtige sachen sind,
Und dich wirdig zum freund befind,
Ich für dich mit mir heim zu haus,
Teil dir vil guter gaben aus,
Wie denn ein solcher wirt tun sol.
Ich bin reich und vermag es wol,
Ich bin könig Sehebold mit namen,
Die frösch in disem land alsamen
Müssen mich als ihren landesheren
Für und für untertenig eren.
Mein vater Dreckpatz hochgeboren
Erkant in lieb die auserkoren
Wasserfürstin frau Moriam,
Von der ich auf die welt erst kam.
Und zwar wenn ich auch recht betracht
Deine gestalt, manheit und macht,
Kans nicht wol feln, du bist ein her,
Dem vil tun königliche er,
Der sein scepter und krone hat,
Im krieg übt ritterliche tat.
Du wirst mir aber selbst erkleren,
Wofür man dein geschlecht sol eren."
Als das menlein von Bausback hort
So vil freundlicher erenwort,
Wuchs ihm das herz im leib so groß,
Das auch der bauch weiter auffloß;
Antwortet mit kurzem bedacht
[14]
Dem könig auch in großer pracht:
"Das euer lieb aus hoher tugend
Sich erkleret gegn meine jugend
Zu großem geschenk, lieb und er,
Wo des mein geschlecht wirdig wer,
Das erkenn ich mit dankbarkeit,
Bins auch zu verdienen bereit.
Ich darf aber auf solche fragen
Kein zweifelhafte antwort sagen,
Denn mein geschlecht ist hochbeschreit
Bei menschen und bei der gotheit.
Die vogel, die am himmel schweben,
Solln davon red und antwort geben.
Her Bröseldieb nent man mich schon,
Bin könig Partekfressers son,
Mein frau mutter Leckmüll auch kam
Von könig Schinkenklaubers stam,
Die mich in unserm schloß gebar,
Welches gar ein heimlich meusloch war,
Und erzog mich mit guter speis,
Feigen und nüslein, bester weis,
Das ich über der meuse her
Nach meinem vater erbe wer;
Wie übr die meus im ganzen land
Jetzt herschet meines vaters hand.
Daran ist auch gar nichts gelogen,
Das ansehn hat euch nicht betrogen,
Das ich von got auch müste haben
Besonder statlich heldengaben.
Denn ich hab ein prophetengeist,
Denselben brauch ich allermeist,
Wenn ein altes haus wil einfallen,
Wander mit meinen freunden allen,
Oder wenn got ein haus strafen wil,
Mach ich mich hinaus in der stil.
Wie Johannes Euangelist
[15]
Auch tat zu derselbigen frist:
Da der ketzer Cherint im bad
Vil lesterlicher speiwort hat
Von der ewigen gotteshand.
Johannes seine freund ermant,
Das sie mit ihm eilend ausgiengen,
Ehe die ketzer ihr straf empfiengen;
Sie waren ihm gehorsam al
Und kamen nerlich für den sal,
Da fiel das haus und bad in grund,
Straft den gotteslesterlichen mund.
Denn wie die leut zu Helice,
Im Griechenland ein stadt am see,
Ihre feind aus Ionierland
Unmenschlich zum opfer verbrant,
Und got dasselb wolt strafen hart,
Gaben wir meus uns auf die fart,
Fünf tag zuvor davon zu laufen
Mit unsern ganzen hellen haufen.
Die bürger lachten diser mer,
Als wenns eitel zauberei wer;
Erdbidden aber folget drauf,
Warf die stadt über einen hauf,
Versenkt alles in grund so tief,
Das drüber get beid mer und schif.
Wenn auch vil krieg sollen angehen
Und denn gewer in kirchen stehen,
Die beiß ich durchs metal entzwei,
Das ich die menschen warn dabei.
Darum bin ich so weis und klug,
Ein löchlein ist mir nicht genug,
Ich muß stets eins in vorrat haben,
Wo ja das ander wird vergraben.
Denn das ist eine arme maus,
Die nurt weiß zu eim loch hinaus."
[16]
Das IV. capitel.

Bröseldieb rümet seine manheit, sterk und ansehen.


"Sonst bin ich zwar klein von person
Und meiner eltern gleicher son,
Aber das herz ist groß und gut,
Dabei ein unverzagter mut,
Wie denn die größ kein hirsch macht stark,
Man findt auch manchen helden zwark,
Das auch oft ein ser kleiner hund
Ein groß wildschwein aufhalten kunt,
Man findt auch manchen wackerlos,
Der auf dem mist ligt groß und foß.
Das größt tier ist der elephant,
Ich kan ihn jagen aus dem land,
Und wenn entstehet kriegsgefar,
Ich bleib und weich nicht um ein har;
Ich darf ganz unerschrocken laufen,
Da man sich schlegt und sticht mit haufen.
Kein man war je so groß und stark,
Vor dem ich mich aus furcht verbarg,
Ich kriech ihm nach ins bet mit fleiß
Gleichwie die künen flö und leus,
Such korn und wenn im bettestro,
Bin mit seiner unlust ser fro;
Ob er gleich ungedultig wird,
Mancherlei seiner klagen fürt,
Hinter sich schlegt, alles umkert,
Auch nach mir sticht mit bloßem schwert,
Vermeint mich damit zu erschrecken
Und zum schlaf friedlich sich zu decken:
So acht ich doch das pochen al
Nicht um einen vergebnen schnal,
Sondern wenn sein augen nicht sehen,
Beiß ich ihm nach den großen zehen
[17]
Und kneip seine waden mit macht,
Das er mit ungedult erwacht
Und doch nicht weiß, das ich ihn beiß.
Der possen ich mancherlei reiß.
Ihr vil halten für weisheit auch
Diesen wunderbarlichen brauch,
Das sie an ihrem bet daneben
Mir eine hand vol weizen geben,
Das ich sie friedlich schlafen ließ;
Aber ich acht nicht des genieß,
Vil lieber war mir der vorteil,
Den ich durch mein jagen ereil
Und mit meiner arbeit erwürb,
Ob gleich mein feind für wachen stürb.
Damit sie aber mich nicht sehen,
Pfleg ich mit ihn so umzugehen,
Wie Ulysses und Diomed
Zu Troja bei der nacht gar spet
Der Pallas sieghaft bild wegnamen,
Als sie heimlich zur kirchn einkamen:
Ich find mich erst bei die lucern,
Die vom feur leuchtet wie ein stern,
Und rück das dacht zur lampen aus
Und schleif es weit hinweg ins haus,
Das sie noch got danken daneben,
Das sich das one brand begeben,
Und halt danach die finster mette,
Trotz einem der mir das nachtete,
Der so dürft scherzen mit dem feur,
Das lachen solt bald werden teur.
Noch neulich begaben sich sachen,
Der ich bei mir muß selber lachen:
Der ochs lag müssig in dem stal,
Die speis zu keuen andermal,
Und als ich daselbst auch hertanz,
Schmeist er nach mir mit seinem schwanz.
Ich sprach: Du großer fauler tropf,
[18]
Hast du bei hörnern ghirn im kopf,
Ein herz im leib und sterk in beinen,
So setz sie künlich an die meinen,
Ich wil mich deiner wol erweren,
Den sieg davon bringen mit eren!
Der ochs sprang auf in großem zorn
Und sprach: Dein leben hast du verlorn,
Ich wil dich mit eim grif umbringen,
Wil die flieg mit dem elphant ringen? –
Ein narr ist, der sein feind veracht!
Sagt ich und nam mein sach in acht,
Wie Davids stein dem Goliath,
So für ich ihm ins stirneblat,
Setzt ihm die zen tief in die haut
Zwischen den hörnern; er rief laut,
Er sprang, er stampt, er stieß die wend,
Poltert herum von ort zu end,
Das ihm der schaum ran aus dem mund
Und er kein atem holen kunt,
Wie der leue, den der Samson fieng,
Als er nach seiner jungfrau gieng.
Endlich fiel er auf sein knie
Und sprach: Solt ich gleich sterben hie,
So kan ich mich dein nicht erweren,
Ich muß aus not dein gnad begeren;
Laß mich los, ich wil dir zusagen,
Das ich bei allen meinen tagen
Keiner maus wil zufügen leid,
Ich wil ihr schonen jederzeit,
Sie hab bei mir ihrn freien gang,
Ner sich von meiner speis und trank. –
Dies zeig ich nur derhalben an,
Das ich fürcht weder viehe noch man,
Und man daraus die rechnung mach,
Wie schlecht ich schetz geringe sach.
Was solt der maulwurf wider mich
Oder eidechs versuchen sich?
[19]
Ich halt eine schlang bei der kel,
Bis ich sie aller todt hinquel,
Ja ein ganzes fenlein heuschrecken
Wolt ich mit einem sprung erschrecken
Und ein halb tausend grillen jagen,
Mit süßen treten und zerschlagen,
Wie ich noch hab bewiesen heut:
Denn wie ich auszoge nach beut
Und einen kirschbaum het erstiegen,
Fieng an die zweigelein zu biegen,
Da flogen rottenweis hinweg
Der heuschrecken ein groß getreck
Und auch der käfer manche art,
Da sie spürten meine gegenwart;
Denen bin ich so nachgeeilt,
Das meine diener mein gefeilt,
Und ich mit den vieren bin kommen,
Allein zu trinken aus dem bronnen.
Dieweil aber der her der welt
Sein regiment also bestelt,
Das kein tier lebet überal,
Es hat seinen feind und unfal,
Ja das verachte greselein
Hat seinen feind am schefelein,
Das schaf den wolf, der wolf den hund,
Der hund des beren klaun und mund,
Der ber den großmutigen leuen,
Und der leu muß das mantier scheuen,
Das mantier eins das ander mordt,
Das man von keinem tier sonst hort,
Denn dies das allerbösest ist,
Beide mit sterke und mit list.
Damit niemand auf dieser erd
Zu ser stolzier und sicher werd,
So hab ich auch samt meinem geschlecht,
Die uns zwingen mit dem faustrecht;
Doch ihr nur drei in der welt sind,
Die ich für alles fürcht geschwind:
[20]
Den falken und die leidig katz,
Tun mir beide großen aufsatz,
Die fal auch mit ihrem notstal
Bringt in unfal mich oft zu fal,
Von welchen wer zu lang zu sagen,
Und die am freudentag zu klagen
Euer lieb halt mir das zu gut,
Was sonst die jugend alle tut,
Braucht unbedacht weitleuftigkeit.
Sonst ist warhaftig der bescheid."
[21]
[22] [21]Das V. capitel.

Bausback lobet, das Bröseldieb sein meusgeschlechte erlich helt, und erzelt, was sich mit des Ulysses Gesellschaft bei der Circe zugetragen habe.


Der könig hat den kleinen man
Verlangest vil gesehen an,
Wundert sich der großmütigkeit,
Der höflichen bescheidenheit
Und sprach: "Ich bins warlich erfreut,
Das wir allhie zu guter zeit
Zum gesprech sind kommen beisamen,
Hör gern dein und deines geschlechts namen,
Und dein ganz unerschrocken herz.
Ich bin dir hold on allen scherz
Und acht dich meiner freundschaft wert,
Mer denn jemand sonst lebt auf erd.
Insonderheit nur wolgefelt,
Das du kein andern stand gewelt,
Sondern deinen achtest den besten,
Ob er gleich auch hat sein gebresten.
Denn dies ist eine seltsam tugend
Und vornemlich bei junger jugend,
[21]
Also das auch die menschenkind
Mit sich selber nicht friedlich sind.
Als ich, da ich noch jünger was,
Ehemals auch in den büchern las,
Wie Ulysses als er für jaren
Widrum von Troja wolt heimfaren,
Die wind aber die schif verschlugen,
Hab er gedacht einmal zu rugen,
Sein diener in ein schloß gesandt,
Das er ligen sahe auf dem land,
Speis zu kaufen und zu erkunden,
Was sie darin für völker funden.
Da sei ihnen entgegen gangen
Und hab sie holdselig empfangen
Ein weis und überaus schön fraue,
So daselbst in der fruchtbaren aue
Ihr schloß, hof und lustgarten hatte
Und mit kreutern vil wunder tate,
Circe genant. Als die ihr wort,
Gruß und werbung nun angehort,
Auch den wilkommen trunk verert,
Dadurch ihr gestalt würd verkert,
Schlug sie mit eim rütlein ihr rücken,
Das sie sich anfiengen zu bücken
Und auf der erden kaum zu gehen,
Konten nicht mehr aufgericht stehen,
Ihr menschliche gestalt vergieng,
Viehes gestalt sie gar umfieng,
Das einer bald vierfüßig ward,
Einer ein vogel seiner art,
Der ander ein wurm und eine schlang,
Verlor die füß und hend im gang,
Die sprach vergieng auch ganz und gar,
Die vernunft blieb unwandelbar,
Wie die Liefländer an der Narwen
Aus menschen machen wolfes larven,
Das Herodot von alters schreibt
[22]
Und noch auf diesen tag so bleibt.
Als das Eurylochus erkant,
Der mitgieng und von ferne stand,
Wie ein vogel flog er und lief
Mit großem schrecken nach dem schif,
Bracht Ulyssen die kundschaft an,
Wie es itzt stünd um seine man.
Der auch nicht seumt, sondern wolt gehen
Und seine diener selber sehen,
Sie von ihrem unfal erretten
Oder Circen mit füßen treten
Und on barmherzigkeit erstechen
Und seine diener an sie rechen.
Das doch Eurylochus nicht wolt,
Das er die gefar wagen solt;
Aber ein geist kam unterwegen
Dem Ulysses zeitig entgegen,
Gab ihm wider des giftes kraft
Ein schwarze wurzel voller saft,
Wie milch so war ihr weiße blum,
Het bei den göttern großen rum,
Als die giftwurz in unserm land,
Spanisch Scorzonera genant,
Die solt er bei sich alzeit tragen
Und das der Circe ernstlich sagen:
Er wolt sie auf stücken zerhauen,
Wo sie ihr gift ihm auch wolt brauen
Und sein diener nicht wider geben,
Ferner zu füren menschenleben.
Das ihm zwar Circe nicht versagt,
Jedoch das er zuvor sie fragt,
Ob sie auch wolten menschen werden,
Nachmals wie vor leben auf erden;
Und gab ihm dazu ihre rut,
Das er damit nach allen mut
Anrüren und ausfragen solt,
Wen er von allen tieren wolt;
Sie würden ihm geben bescheid,
[23]
Ob ihn ihr stand lieb wer oder leid.
Wem es gefiel, dem wolt sie gern
Sein vorig menschengestalt gewern."
[24]
[25] [24]Das VI. capitel.

Ulysses fraget seine verwandelten diener, ob sie wider wollen menschen werden.


"Darauf wird Ulysses gewar,
Das seins geschlechts einer da war,
Der hüpfet ihm auf seine schuh,
Als ob er ihm wolt sprechen zu,
Dabei er merkt, es wer sein knecht,
Wiewol ers nicht kont wissen recht,
Und rürt ihn an mit Circes rut,
Fragt, was ihm deuchte lieb und gut,
Ob er nicht wider mensch wolt sein,
Er wer ja seiner diener ein.
Der antwortet, er wer der held,
Der vor auf kundschaft war bestelt,
Die er kont meisterlich erfaren,
Wie ser sie auch verborgen waren;
Nun wolt er bleiben eine maus
Und wonen in der Circe haus,
Lieber in fried die brocken essen,
Die sie von der speis könt vergessen,
Denn nach so vielen kriegesjaren,
Mit gefar auf dem mer umfaren.
Ulysses sprach: Es ist mir leid
Deine große unsinnigkeit;
Weist du nicht, das der katzen orden
Die meus bei tag und nacht ermorden?
Das man sie mit den fallen fengt,
Erwürgt oder im wassr ertrenkt?
Das auch des giftes ist ser vil,
Damit man sie tödt one zil? –
Es gehet also in der welt,
[24]
Eim jeden seine weis gefelt,
Sprach die maus, bis ers lernet baß.
Bei menschen mich vil übler was,
Ich must bei tag und nacht umkriechen,
Bei allen menschen hören, riechen,
Was sie für rathschleg vorgenommen,
Uns zu schaden, ihnen zu frommen,
Vornemlich bei der feinde schar,
Da ich alzeit hat todsgefar
Von pfeilen, schwertern, spieß und stangen
Und bin kaum lebendig entgangen,
Von leuen, beren, wölfen, hunden,
Deren jeder gern mich het geschunden.
Jetzt fürcht ich nur der katzen zen,
Den ich im loch wol kan entgehen.
Des menschen schif sind überal
Auch geferlicher denn die meusfal:
Da rümt man ihn ein hand vol er,
Ein wenig geld und anders mer,
Damit macht man sie so verwent,
So unsinnig, so gar verblendt,
Das sie auf solch stelhölzlein mausen,
Dawider wind und wasser brausen,
Davon auch keiner kan entlaufen,
Bis sie mit ihrm meister ersaufen.
Es ist auf erden auch kein gift,
Das nicht den menschen mer betrift
Denn eben sonst die andre tier:
Wie denn ist widerfaren mir.
Wenn ich nicht wer ein mensch gewesen,
Ich het für Circe wol genesen;
Darum bleib ich jetzt wer ich bin,
Far du mit guter wolfart hin. –
Ulyssen verdrossen die wort,
Gieng aus dem sal ins haus sofort,
Da begegnet ihm ein schöner han,
Den rürt er auch alsobald an,
Sagt: Du bist ja von mein geferten,
[25]
Wilt du nicht wider ein mensch werden? –
Nein, antwort er, ich bleib ein han,
Denn als ich war dein untertan
Und der wind warten must im schif,
Wenn sonst jederman lag und schlief,
Saß ich da allein tag und nacht,
Wenn der blitz schlug, der donner kracht,
In kelt und hitz, in großen elend,
Auf gefar, ließ ich gehen die hend,
So stürzt ich in die see hinab,
Dafür mir niemand etwas gab;
Must auch oftmals noch hunger leiden
Und schleg mit spieß und schwerterschneiden.
Hie aber hab ich gut gemach,
Sitz bei den hünern unterm tach,
Eß aus der jungfraun schürz und hand,
Und werd noch kluger han genant,
Das ich die wind kan merken eben
Und von der zeit ein zeichen geben. –
Ulysses sprach: Für solche wacht
Wird dir endlich der lon gebracht.
Das man dich in heiß wasser tauft
Und die federn gar kal ausrauft,
Am spieß Judas schweiß schwitzen leßt:
So zierst du denn das bratenfest. –
Der han antwortet wider drauf:
Wie giengs, da unser ein großer hauf
Im kalten wasser war getauft,
Wie noch täglich dein volk ersauft!
Gabst du ihn nicht allen zusag,
Wenn sie endlich am neunten tag
Das mer würd widerum ausspeien
Und du sie köntest zur hand kriegen,
Du woltest sie verbrennen lassen,
Die asch verbrennen gleichermaßen,
Oder ganz befelen der erden,
Da sie von würmern gefressen werden?
[26]
Als du auch Aiax hast getan,
Ob er gleich nicht worden ein han.
Ists besser, bald auf einmal todt
Odr al augenblick schweben in not?
Ists wasser besser im tod odr leben?
Sol mans kalt oder warm eingeben?
Ists besser braten oder brennen?
Ich wolt die beßrung gern erkennen. –
Ulysses gieng auch zornig weg,
Und fand im hof ligen im dreck
Eine große dicke schwarze sau,
Und sprach: Dir ich gar wol getrau,
Das du von herzengrund begerest,
Das du ja liebr ein mensche werest,
Denn das du auf dem mist solt reiten,
Bist du anders von meinen leuten.
Und schlug, das sie antworten solt. –
Die sau gar lang nicht reden wolt,
Murt doch endlich mit ungedult:
Warum schlegst du mich on mein schuld?
Ich war dein koch und bins nicht mer,
Die er ich nicht wider beger,
Bei dir war ich jedermans knecht
Und kont es niemand kochen recht.
Hie Hab ich fried und gute ru,
Man tregt mir trank und speise zu
Und leßt mich schlemmen wie ein schwein:
Im paradies kans nicht besser sein. –
Das sagt er her mit großer pracht.
Ulysses selbst aus unmut lacht
Und sprach: Dafür bist unbekant,
Bleibst one trost im unverstand,
Ligst bis an den oren in dreck
Und bald frißt ein ander dein speck. –
Wer vil verstet, sagt er, und kan,
Der ist ein hochbeschwerter man
Bei seinen freunden, stand und amt,
Die ihn wol plagen allesamt.
[27]
Und wenn ihn gleich andre fried lassen,
Sorget er doch selbst übermaßen,
Was gewesen, was sei, was werde,
Was zu fürchten sei für beschwerde,
Meint, der sei klug, der nicht schlecht sehe,
Was jetzt für seinen füßen stehe,
Sondern auch vernünftig betracht,
Was die lange zeit künftig bracht.
Damit frißt er sein herz im leib,
Weiß nicht, wo er für unfal bleib.
Der unwissend hat gute tag,
Acht nicht, was man tue oder sag,
Was kommen werd oder ausbleiben,
Ob ers lang oder kurz kan treiben,
Ob er werd her odr knecht benant,
Ob er sei nah odr fern bekant,
Braucht sein leben für sich allein,
Leßt andre bleiben was sie sein.
Es ist doch niemand, der gern wolt,
Das dirs besser denn ihm gehen solt,
Wie süß er auch den trost anstelt;
Falschheit regiert die ganze welt,
Und im tod sind wir alle gleich,
Groß, klein, klug, nerrisch, arm und reich.
Es ist auch stank, dreck, übelstand,
Wie es jeder an sich befand:
Einer setzt die katz auf den schoß,
Den andern auch ihr geruch verdroß,
Einer den guten kes anlacht,
Der andr felt dafür in onmacht,
Der bisemgruch auch manchen schreckt,
Den ein seudreck vom tod erweckt,
Nach bier und wein stinkt mancher man
Und stet ihm baß denn balsam an.
[28]
Und was hat ich mer herlichkeit,
Da ich im blut und ingeweid
Der todten tier must schendlich meren
Und mich des rauchs nicht kont erweren,
Da ich mer sof, denn ich kont tragen,
Speigs aus und fül wider den magen,
Lag dazu begabet im bet,
Als wenn ich leim getreten het,
Denn das ich in der külen pfütz
Nach der hitz fein weich niedersitz
Und den geruch gar nicht veracht,
Den manch weib braucht in der onmacht?
Das man auch schweinenspeck verzert,
Ist den todten on al beschwerd,
Ja es ist tröstlicher zu hören,
Denn das euch feur oder wurm verzeren,
Wie die moren ihr todten essen,
Die hund müssen den Perser fressen,
Das sie nicht faulen und die maden
In ihrem fleisch und blute baden.
Ihr habt auch fürm tod jederzeit
So wenig als wir sicherheit,
Ja hundertfeltig mer gefar:
Drum wil ich nicht sein, das ich war. –
Ulysses wolt nicht disputieren,
Sondern gieng aus dem hof spazieren
Nach der Circe schönen lustgarten,
Auf sein ander diener zu warten.
Da flog ihm auf sein rütlein schmal
Ein wolsingende nachtigal,
Wünscht ihm zu seiner reis gelück,
Sie wolt nicht mit wider zurück.
Er fragt: Bist du der diener mein,
Warum wilt du kein mensche sein?
Sie antwortet: Ich bin dein singer
Und schlug die laut mit meinem finger,
[29]
Nun bin ich zwar ein vogel worden,
Aber doch in der singer orden;
Beger dafür kein mensch zu sein,
Denn wenn ihr euch soffet vol wein,
So must ich treten für den tisch,
Die laut schlagen und singen frisch
Vom mittag durch die ganze nacht,
Und ihr gabt auf der kunst kein acht,
Sprachet von eurer sünd und schand,
Garstig, unfletig, unverschamt,
Von hurenhendlen, fressen, saufen,
Von speien, scheißen, schlagen, raufen,
Ließt knabn und jungfrauen zuhören,
Fiengt an zu jauchzen, raren, lören,
Zu rufen wie unsinnig leut,
Und gabt noch wol die beste beut
Ein lesterlichen sackpfeifsnarren,
Der sein lyrumlerum ließ knarren!
Das mich aus herzengrund verdroß,
Das ich seuen perlen für goß.
Der gröst schimpf der kunst widerfert,
Wenn sie dem dient, ders ist unwert;
Und hab verlangst darauf gedacht,
Wie ich mich aus dem lermen macht
Und kommen möcht zu den gelerten,
So die kunst verstunden und erten.
Nun hat mich größer glück betroffen,
Denn ich mein lebelang durft hoffen:
Ich sitz und sing on alle sorgen
Vom abend an bis auf den morgen,
Menschen und vieh hören mir zu
Und lassen mich in guter ru,
Ja alle beume im berg und tal
Danken wir mit dem widerhal,
Die speis fleugt mir auch für den mund,
Und ist mir spinn und mück gesund. –
[30]
Ulysses sagt: Du darfst nicht trauen,
Der raubvogel hat scharfe klauen. –
Die nachtigal gab zur antwort:
Das hab ich auch emals gehort,
Darum sing ich wenn das laub deckt;
Wenns abfelt so bin ich hinweg.
Für euer feust aber und der geste
Hatt ich gar kein sicher feste,
Sondern must oft haben maulschellen:
Got behüt mich für solch gesellen!
Wol dem, der sich mit got und eren
On großer herren dienst kan neren.
Ja selig ist derselbig man,
Der herrengunst entraten kan;
Darf nicht fürchten ihr ungenaden,
Sondern frei lebt und leßt got raten.
Alzeit bei hof und herren leben,
Er, blut und gut in gefar schweben. –
Der kranch kam auch daher gegangen
Und wolt seinen herren empfangen,
Sagt, er wer trummeter gewesen,
Und wer jetzunder erst genesen,
Nun er ein kranch geworden wer,
Dürft nicht mer in der krieger her,
Da man unschuldig blut vergöß,
Das ihn noch jetzunder verdröß,
Da die pfeil wie schne um ihn flogen,
Und andere beut und sold hinzogen,
Ließen ihn sein ein armen knecht
Wie auch das ganz pfeifergeschlecht;
Er dürft auch nicht mer am mastbaum
Oder vorn auf eim engen raum
Gegen den wind und wasser blasen,
Das ihm erfrören feust und nasen,
Und ungefer ins wasser gieng,
Elenden tod zum lon empfieng.
Er blieb, jetzund im grünen gras,
[31]
Und wenn der herbst würd kalt und naß,
Schwüng er sich hoch hin in die luft,
Nem nach dem sommerland zuflucht;
Sein gesellen folgten auch die straßen,
Wenn er aufzug fieng an zu blasen,
Wenn die flugordnung wer gemacht,
Sie bestelten auch die nachtwacht,
Das einer must wachen allein,
Stehend im fuß halten ein stein,
Wenn der entfelt, das man erfar,
Ob der wechter entschlafen war;
Das ander volk legt sich in ru,
Deckt sein haupt mit eim flügel zu,
Und kemen nachmals wider heim.
Er wolt hinfort kein mensch mer sein. –
Darnach gieng Ulysses zum teich,
Dessen wasser war ser fischreich,
Sah am ufer ein schildkröt sitzen,
Die rürt er mit seins steckens spitzen,
Ob sie villeicht wer sein gesel,
Dieweil sie keine flucht anstel.
Sie sprach: Nun ganzer zwanzig jar
Ich dein knecht und schifbauer war,
Kont doch mein eigen haus nicht schauen,
Kont auch kein stetwerend schif bauen,
Es lief an den felsen auf stücken,
Odr ließ sich vom wetter umrücken,
Odr verbrant auch mitten im see,
Zu meinem tod odr großem wehe.
Nun hab ich haus und schif erlangt,
Das mir auf meinem rücken hangt,
Wenn gleich ein rad über mich gieng,
Kein schaden ich davon empfieng,
Ich schwim auch in wasser und wind,
Die mir nicht mer geferlich sind.
Darum dien ich dir nimmermer,
Ich far im schif nicht über die see. –
[32]
Ulysses gieng im grünen gras
Zu den rosengarten fürbaß,
Da kroch eine schlange zu ihm an,
Er gedacht, das ist auch dein man,
Und rürt sie mit der rut und sprach:
Mich jammert dein groß ungemach,
Das du so elend schleifst herein,
Wilt du nicht lieber ein mensch sein? –
Sie antwort: Ich hab kein beschwer,
Ein mensch zu sein ich nicht beger,
Sonst ich dich wider arzen must,
Dazu hab ich jetzund nicht lust. –
Ulysses sprach: Bei al mein tagen
Hört ich kein größer wunder sagen.
Ist das nicht lust, das du studierst,
Bei kreutern und blumen spazierst,
Betrachtest aller ding natur,
Der sternen lauf, licht und figur,
Das man dich ert gleich als ein got,
Dieweil man dein darf in der not,
Das man dir gibt was du begerst,
Alle heimlichkeiten du erferst? –
Die schlang sagt drauf: Wenn ich studier
Und die ganze welt ausspazier,
Wenn ich betracht himmel und erden,
So kan ich so gelert nicht werden,
Das ich rechtschaffen aus dem grund
Die allergringste sach verstund:
Ja wie die verachte hausfliegen,
So uns teglich für augen liegen,
Geboren werdn und on verderben
Im sommer leben, im winter sterben,
Wie ihr halb brust tanzt one bauch,
Wie sie on Haupt umfliegen auch;
Wie leus und flöh wachsen an tieren,
Weder verhungern noch erfrieren;
[33]
Und menschenleben, mut und glück
Felt so urplötzlich hinterrück
Wie eine wasserblas im regen,
Und wie die wetterhan sich drehen.
Noch vil weniger ich verstehe,
Wie nur das immermer zugehe,
Das die hecken fieber und grind,
So ungesunder leber sind
Und hengen es denselben an,
Die auch die beste leber han,
Wenn sie ihr haut odr kleid anrüren
Odr den geruch zum herzen spüren;
Wie eine seuch von sternen felt
Und durchdringet die ganze welt,
Und dennoch nicht bald auf einmal
Die menschen beschedigt al,
Sondern geht von einem zum andern,
Gleichwie die fremden betler wandern.
Was sol ich sagen von andern dingen,
Die noch vil größer zweifel bringen,
Das der altveter best arznei
Den mererteil unkreftig sei,
Das kreuter, samen, blumen, saft
Auch haben so gar wenig kraft,
Das, ob sie wol schaden geschwind,
Ist doch ihr hülf so schwach und lind,
Das niemand dadurch brecht zuwegen,
Wer gleich ein reich daran gelegen,
Das einig har in seinem bart
Davon ausblieb oder neue ward,
Das sie den menschen, vieh und pflanzen
Für den geringsten feind beschanzen.
Wie vil haben die leus besessen,
König gemartert und gefressen!
Welcher arzt war, der seinen hund
Von den flöhen erretten kunt?
[34]
Welcher doctor hat seinen gart
Für der kleinsten emsen bewart?
Was schmiert er für salb an die wand,
Das nicht ein spinn im gewebe stand
Und ihm sein buch und büchs beschiß,
Wenn er sie nicht zu tode schmiß?
Wie wil er denn zum leib und leben
Für die unsichtbar feinde geben,
Für schlag, podagra, wurm und stein,
Für erbseuch, die unzelig sein,
Für milz, leber, Wasser, schwindsucht,
Und was einer dem andern flucht?
Das tut eim erbarn herzen wehe,
Wenns sagen muß, das es verstehe,
Was die krankheit sei, was sei gut,
Und weiß anders in seinem mut.
Wehe tuts, das man eim frommen man
In seiner not nicht helfen kan,
Die natur tue denns beste dabei,
Die vilen hilft on al arznei.
Ja Salomo, der weis genant,
Der allr gewechs natur erkant,
Das nicht war, nicht wird seines gleichen,
Kont selbst nicht sechzig jar erreichen;
Und lebt er gleich zweitausend jar,
Als für ihm nicht erfaren war,
So het er doch kein kunst erfunden,
Das ihm die krefte nicht verschwunden,
Gesicht und gehör nicht schwecher würd,
Das der rück sich nicht krümt und dürt,
Das der tod nicht unversehens kem
Und ihm weisheit und leben nem.
So oft mir dis kam in mein herz,
So oft vergieng al freud und scherz
Und ward zu eitel traurigkeit.
Davon bin ich jetzund befreit,
Jetzund kan ich mich warhaft rümen,
[35]
Das ich spazier auf eitel blumen,
Davon ich leck den honigsaft,
Der mir gibt sterk und lebenskraft,
Auch gift mir zur wer und zur mauren
Der schreckn und tod, die auf mich lauren.
Und komt mich gleich ein schwachheit an,
Weiß ich ein kraut, das helfen kan,
Und lig den winter in der erd,
Bis das ich wider lebend werd;
Gegen den warmen schönen mai
Mich wie der seidenwurm verneu
Und die alte haut gar ausziehe,
Wider jung werd on kunst und mühe,
On einig furcht für sorg und tod.
Des dank ich dem ewigen got,
Das er mir half auf diese weis,
Und wünsch dir glück zu deiner reis. –
Endlich kamen vier hund gegangen
Und hatten zwen hasen gefangen.
Sein jegermeister und drei trabanten,
Die ihren herren bald erkanten,
Dankten ihm, das er sie gesandt
Zur Circe in das wunderland,
Da sie nach ihrs herzen begier
Jagdhund geworden alle vier.
Es wer kein freud on in den wald,
Darin würd man on schwachheit alt,
Wie ehmals in dem paradeis,
Das wer eine himlische weis;
Da schmeckt eim nach ein jegersprung
Das essen und ein frischer trunk,
Insonderheit am besten schmeckt,
Was man selber erjagt und schreckt,
Dabei vergeß man al sein leid
Und schlief gern sanft nach der arbeit.
So wolten sie bleiben auf erden,
In ewigkeit kein menschen werden
[36]
Und in der stadt mit narrensachen
Sich sorg, krankheit und sterben machen."
[37]
Das VII. capitel
[38] [37]Das VII. capitel.

Ulysses lesset seine diener wider zu menschen machen.


"Ulysses sprach aus großem grim:
Es betreugt mich denn al mein sin,
So beraubt euch der Circes kunst
Aller witz und der menschen gunst;
Es ist umsonst, das man euch fragt,
Das sei got im himmel geklagt!
Und gieng damit wider zum schloß.
Bald vom tach zu ihm abher schoß
Ein wunderbare vogelrot:
Ein graue taub, war ehe sein bot,
Ein papagoi, war sein orator,
Ein heger, war sein procurator,
Ein weiße gans, war sein mundschenk,
Ein aff, sein schößer wolgelenk,
Ein hurtig pferd, sein postlakei,
Ein großer ber und starker leu,
Die waren von sein kriegeshelden
Und sich gar ser bekümmert stelten,
Ein bunte katz, zwen kleine hund
Regten den schwanz, leckten den mund
Und legten sich für seine füß,
Belten, schnarchten, winselten süß,
Waren sein edel kammerknaben.
Er wolt abr ihren dienst nicht haben,
Und sprach: Geht hin zu euern orden,
Ihr seid an mir zu schelmen worden,
Ich wil mit euch nicht disputieren,
Der teufel mag euch sämtlich füren!
Und trieb sie mit der ruten abe.
Also ward getroffen ein knabe,
[37]
Der bat: Ach her, hör zuvor recht,
Ehe du verleßt dein arme knecht!
Wider unsern willen ist geschehen,
Das wir also müssen hergehen;
Wenn du wolst bei Circen erhalten,
Das sie uns geb unser gestalten,
Ewig wir dir dankbar sein wolten,
Auch tun und leiden, was wir solten.
Des menschen angsicht, stim und wort
Ist ein teur schatz und edler hort,
Dadurch wird freundschaft erst gemacht,
Dadurch wird frag und klag anbracht,
Dadurch gibt man auch trost und rat,
Davon das herz sein leben hat;
Der mensch lernet von got und er
Und gibt von tugend gute ler,
Dazu man kirch, hof, hausstand hat,
Im frieden wartet gottes gnad,
Bis sich die sel vom leib abscheid
Und leb hernach in ewigkeit.
Von dem allen die tier nichts wissen,
Sind nur auf ihr bauchsorg geflissen,
Darum ist auch ihr angesicht
Alzeit nach der erden gericht,
Ihrer wolfart grund ist die erd,
Den himmel halten sie unwert;
Der mensch erhebt sein haupt zu got,
Got hilft ihn auch aus not und tod. –
Das ist mir eine wunderstim,
Sprach Ulysses, die ich vernim.
Wolan so tret zur rechten hand,
Der mich für sein herren erkant,
Der menschengstalt wider begert,
Mit mir in sein vaterland fert. –
Sie traten zu der rechten al
Mit eim demütigen fußfal,
Das Ulysses für freuden weint
Und sprach: Das het ich nicht gemeint.
[38]
Ihr seid meine treu liebe knecht,
Ich sorg für euch billig und recht,
Ich wil euch menschensprach erst geben,
Die menschengestalt auch daneben
Solt ihr alsamt wider empfangen;
Circe komt auch schon zu uns gangen. –
Damit rürt er sie mit der rut.
Sie dankten ihm mit herz und mut,
Und Circe fragt: Mein lieber gast,
Sag an, wen du gefunden hast,
Der gern mit dir heimreisen wolt,
Den ich zum menschen machen solt. –
Ulysses sprach: In der gemein
Sagt einer ja, der ander nein,
Ich weiß auch nicht, wie ich sie richt,
Ob sie mein leut sein oder nicht;
Darum bit ich für allen dingen,
Wolst du sie al zusammenbringen,
Und ihn ihr gestalt widergeben,
So kan ich sie ausfragen eben. –
Darauf pfif sie in einen ring,
Der an ihrer halsketten hing,
Das es durch haus und wald erschalt
Und die tier herzu kamen bald,
Und sprach: Nun tret auf diesen ort,
Wer vor zum Ulysses gehort,
Das ich ihm ein vererung geb,
Der er gedenk so lang er leb. –
Sie traten zusam auf ein ecken,
Circe ließ sie was süßes lecken
Aus einer großen silbern schal,
Und schenkt neu ein auf jedes mal,
Und schlug sie mit verwendten stecken:
Da fiel auf alles ein großes schrecken,
Das haupt richt sich widerum empor,
Der rück ward gerad wie zuvor,
Zwen füß traten bestendig nider,
Die hend wüschen urplötzlich wider,
[39]
Die har und federn giengen abe,
Der ward ein man und der ein knabe,
Wie sie zuvor gewesen waren,
Sterker, schöner, jünger von jaren;
Und Circe gab jedem ein kleid,
Das war eim lieb, dem andern leid,
Einer lacht, der ander weint,
Einer war freund, der ander feind,
Schemten sich doch zu widersprechen,
Fürchten, Ulysses würd es rechen.
Allein der koch trotziglich pocht,
Das man ihn aus dem dreck gesocht,
Aus einer sau zum menschn gemacht.
Darüber Circe selber lacht
Und sprach: Seht ihr nun, lieben kind,
Woher sich euer elend sind?
Daher, das niemand jeder frist
Mit seinem stand zufrieden ist;
Was got und die natur uns geben,
Das ist uns nimmer gut und eben,
Man muß stets nach eim andern gaffen,
Das macht die ganze welt vol affen.
Der koch abr war Gryller genant
Und bracht das sprichwort erst ins land,
Wenn man sagt, das derselb hab grillen,
Dem es nicht geht nach seinem willen."
[40]
[41] [40]Das VIII. capitel.

Circe begert Ulyssem zum ehegemal, aber vergeblich.


"Das sagt Circe und nicht bedacht,
Das sie es selbst eben so macht;
Denn als sie ihre fremde gest
Nun hat erquickt aufs allerbest,
Das sie al ihrs leides vergaßen
Und wider eilten auf die straßen
[40]
Mit ihren schiffen hin nach haus,
Brach auch der Circe herz heraus.
Den Ulyssen sie bat und fleht,
Das er sein schiffart gar hinlegt
Und blieb bei ihr in ihrem schloß,
Wer ihr man, ehe- und hausgenoß,
Alles was sie het, wer sein eigen,
Sie wolt ihm er und lieb erzeigen;
Beschlossen het sie vor der zeit,
Jungfrau zu sein in ewigkeit,
Derhalben vil freir abgewandt,
Ihr er und nam bewart für schand:
Nun het sein adel, mut und tat,
Sein schön gestalt, weisheit und rat
Im ersten anblick sie erschreckt,
Im herzen ein wild feur erweckt.
Wie ein fieber gift und pest anbrent,
Wie der blitz leucht von ort zu end,
Geist, blut und fleisch entzündt, bewegt,
Mut, kreft, leben zugleich erlegt,
Als wenn mauren, gewölb und tach
Im erdbeben auf stücken brach:
Ein solch wildfeur het sie durchgangen,
Bekriegt, gewonnen und gefangen,
Das ihr kunst und kraut nicht kunt zemen,
Es wolt ihr gar das leben nemen,
Herschet über sel, witz und sin,
Sie wust sonst nirgends damit hin,
On das sie frei heraus bekent,
Ihn ihrn herzallerliebsten nent,
Der ungezweifelten zuversicht,
Er würde sie verlassen nicht,
Sie hinwider lassen genießen,
Das sie ihm er und guts bewiesen
Und noch könt zu eim herren machen,
Sein weinen verkeren in lachen,
[41]
Seinen dienern glegenheit geben,
Zu füren ein gewünschtes leben,
Das sie nicht in wasser und wind,
So ihre feind und mörder sind,
Mit ihm in leibsgefar umfaren,
Allen wolt sie das leben sparen. –
Damit ward sie bald kalt, bald warm,
Und fiel ihm freundlich in die arm,
Herzet und küsset ihn mit trenen,
Mit einbrünstiger seufzer senen
Wie ein mutter ihr verloren kind,
Das sie unversehens wider findt.
Ulysses erschrak von der red,
Wust nicht, wie er den sachen tet,
Was er zur antwort sagen solt,
Weil er mit dank gern scheiden wolt.
Sprach doch zuletzt: Frau hochgeborn,
Das du deins herzen fried verlorn,
Und ich des solte ursach sein,
Wer mir fürwar ein große pein.
Lieb ist ein solch geferlich gift,
Wenn sie recht in das herz trift,
Das sie brennet durch mark und bein
Wie der donner durch stal und stein,
Bis sie erlang, was sie erwelt,
Oder sich selbst zu tode quelt;
Als mir vil lieb herzen geklagt
Und mein eigen erfarung sagt,
Denn mein gemal Penelope
Schreit nun zwanzig jar ach und we,
Das ich nicht wider wil heimkeren,
Ihr ehelich lieb und treue geweren,
Die ich ihr zusagt am altar
Und als ich zuletzt bei ihr war.
Verließ ich nun mein weib und kind,
Mein leut, ob der gleich wenig sind,
Mein allerliebstes vaterland,
Von dem ich mich ungern abwandt,
[42]
So wer ich nicht allein untreue,
Für dem jeder hett ein abscheue,
Sondern der grösten narren ein,
So mit ihrm stand nicht friedlich sein,
Immer trachten nach andern sachen,
Damit ihr elend schwerer machen,
Das du selber an uns gestraft,
Und bin desfals nicht unlerhaft.
Dazu bin ich nun wolbetagt,
Mit krieg und reisen abgeplagt,
Ernst, traurig, mürrisch und verdrossen,
Mein freud und scherzzeit ist verflossen:
Dir ziemt ein frischer junger held,
Von allen fürsten auserwelt,
Vernünftig, sittig, tugendhaft,
Der dir lieb, dienst und freude schaft,
Klagt nicht von seinem weib und kind,
Wo und wenn er die wider sind.
Gleich man, gleich magd, gleicher ehestand,
Die gleichheit ist der liebe band.
Für mich sag ich von herzen dank
Jetzund und al mein lebelang,
Got vergelt dir deine woltat
Und hilf uns heim durch seine gnad,
Helf dir auch dein herz überwinnen.
Got sei bei dir! Ich far von hinnen. –
Dis geschach zu der zeit und stet,
Als niemand on der mensch noch redt
Und nicht alle tier, sagt Bausback,
Und bleibt noch war auf diesen tag:
Der ist ein weisr glücklicher man,
Der sich in seim stand schicken kan;
Wer das nicht kan, der ist elend
Und bleibt ein narr bis an sein end.
Darum dein red mir wolgefelt,
Die alls zu gottes willen stelt."
[43]
Das IX. capitel
Das IX. capitel.

Bröseldieb sagt, wie die stadtmaus zur feldmaus sei zu gast gekommen.


Bröseldieb antwortet mit zucht:
"Die meus haben dis wol versucht,
Denn wie Gutkeschen, die stadtmaus,
Zur lust einmal spazieret aus,
Alhie ans wasser gangen kam,
Das die felomaus Warnfried vernam,
Gieng er mit freuden unterwegen
Zur ererbietung ihm entgegen,
Hieß ihn freundlich wilkommen sein,
Bat, wolt doch zu ihm keren ein
Zum kesenbrot und zu eim trunk;
Er gönnet seinem herzen jung,
Was er allen wilkommen gesten
Zu tun vermöcht in lieb und besten,
Denn an dem see wer ser gefer,
Also sicher spazieren her. –
Gutkeschen die freundschaft annam,
Gieng mit hin zu der eichen stam,
Da Warnfried in der wurzel het
Durch ein löchlein seins lagers stet.
Bald kam Warnfrieden weib gegangen,
Den fremden gast wol zu empfangen,
Und ihre liebe kindelein
Reichten ihm das poßhendelein,
Nötigten ihn zum nidersitzen.
Gutkes fürcht sein pelz zu beschmitzen,
Sahe wol um sich nach reiner stet,
Ob man nicht da stulpolster het,
Wie er in der stadt war gewont.
Das der hausfrauen ser verhont,
Legt hin ein bündlein widertan,
[44]
Das glänzet wie ein roter man,
War aus dem mos rein ausgeklaubt;
Nerlich der Guttes noch vertraut
Und nach vilen besehn zuletzt
Sich darauf zertlich nidersetzt.
Der son aus der mutter geheiß
Lief in die nachbarschaft mit fleiß
Zu seinem schwager Fürchteschnee,
Der seine schwester hat zur ehe,
Zu verkünden den neuen gast,
Er wolt auch kommen mit der hast.
Der seumt sich auch nicht um ein har,
Befal der fraun die sachen gar
Und kam dem gast zu eren an,
Erzeigt sich ein willigen man,
Setzt selber herzu stül und benk,
Riß dabei vil Possen und schwenk,
Den gast damit frölich zu machen,
Etwa zu gewinnen ein lachen.
Warnfried trug für ein tischlein glat,
Gemacht von einem schulterblat
Der todten katzen, weiß poliert,
Mit krausemünz ers rieb und schmiert,
Damit es frisch zuröch dem gast.
Die frau Sparkrümlein eilet fast,
Legt auf ein tischtuch, gar spanneue,
Gewirkt aus mattenflachs im heue.
Die kinder brachtn teller und brot,
Von harten kesen etlich schrot,
Reis, erbsen, bonen, weizenären,
Für dem mund ersparet zun eren.
Sie wuschen die hend, hieltens gebet,
Welchs denn der hauswirt selber tet
Und ließ die kinder sprechen nach;
Jeder setzt sich wider gemach.
Der wirt legt dem gast frölich für,
[45]
Sprach: Ihr wolt frisch zugreifen nur,
Hausmanskost euch lassen wol schmecken,
Wir wollen honig dazu lecken. –
Bot ihm damit eine nußschal,
Darin der Honig überqual;
Der stadtjunker den honig leckt,
Die speis ihm aber gar nicht schmeckt.
Er fragt auch, ob er nicht vom kes
Zur lust ein kleines bißlein eß;
Denn das man kes acht ungesund,
Hett bei gesunden keinen grund,
Weil bei der milch, bei kes und quark
Die hirten bleibn gesund und stark,
Dürften weder philn noch bibenellen,
Die sonst die bratenfresser quelen. –
Der gast antwort: Ich eß ihn wol,
Doch wenn ich wil, nicht wenn ich sol.
Umsonst ich nicht Gutkeschen heiß,
Die besten ich am liebsten beiß. –
Da holt der wirt noch andern mer,
Haber und gerstenkörnlein her,
Linsenschrötlein, frischen hanfsamen,
Des vorrats mancherlei on namen.
Das ganze haus zu schaffen het,
Als hielt die mans ihr kindelbet:
Erst warten auf zwo schön jungfrauen,
Ob etwas mangelt, aufzuschauen,
Giengn zu der küchen aus und ein,
Es wolt sich ihrer setzen kein,
Bis der elter son, Meuselman,
Von seiner jaged wider kam,
Bracht ein secklein vol haselnüß,
Der wusch erstlich sein hend und süß,
Hieß die jungfrauen zum wolstand
Dem gast an seiner linken hand,
Zur mutter an die seiten gehen;
Er blieb zum dienst fürm tische stehen
[46]
Mit seinem bruder Wettelauf,
Der alles half mit tragen auf.
Für allem aber spart sich nicht
Des wirtes freudig angesicht
Und der hausmutter guter wille,
Die alles darreicht mildig stille
Und sprach gar freundlich zu dem gast:
Mein junker, bitt, euch gfallen last
Unsern armut, so gut wirs haben,
Wolt euch mit den hanfkörnlein laben,
Sie reumen gar wol um die brust. –
Der junker hat dazu kein lust.
Der eidam erzeigt sich manhaft,
Bracht ihm ein trunk von birkensaft;
Denn wenn anfieng der grüne mai,
Bissn sie die birkenrind entzwei,
Unten am stam ein tiefe wund,
Daraus der saft entspringen kunt,
Lief ins feßlein von großen nüssen,
Der ward nachmals gesund und süße,
Hielt leber, nieren, blasen rein,
Trieb aus Wasser, gal, sand und stein,
Heilet den faulen mundgrind, wunden,
Beid getrunken und aufgebunden.
Noch trug man her zum dritten mal
Vilerlei nüßlein in der schal,
Von haseln, buchen, eichenbeumen,
Castanien, kernen von pflaumen,
Die schlaubten die kinder schon rein,
Zerlegten sie dem gast fein klein.
Der hat ein ekel für dem allen,
Was ihm geschahe zu wolgefallen;
Wolt auch gar nichts von dem genießen,
Was die kinder hetten gebissen,
Sagt, die nüß weren feister art,
Kein kern davon verdauet ward,
[47]
Blieb so, wie er wer eingenommen,
Wolt nicht jederman wol bekommen;
Nam doch letzlich für phantasei
Von den buchnüßlein einer drei,
Oeffnet dieselb mit sonder zucht,
Bis er den fünften schmack versucht.
Da aß er der noch etlich mer,
Das die eheleut erfreuet ser,
Brachten noch ein stücklein roh speck,
Das sie als ein besonder schleck
Für einen kranken wolten sparen
Und auf die letzte not verwaren;
Wie die provinzrosen sonst stehen,
So leibfarb war es anzusehen:
Das hat ihr gröster son erworben,
Als ein reicher baur war gestorben,
Da er mit auf der gastung war,
Die wacht gehalten bei der bar.
Zuletzt trug man für ein weintraubn,
Davon solt auch der junker klaubn,
Und etliche teige holzbirn,
Die fast wolten den schmack verliern.
Wie nun da stand das gringst und best,
Nichts übrig war im ganzen nest,
Sprach der wirt: Allerbester freund,
Wenn ich etwas vermöcht und künt,
Das besser wer, ich gans euch gern,
Ihr seht, wir sind keine große hern;
Darum wolt ihr nemen verlieb. –
Der wort er ser vil davon trieb.
Der gast antwort endlich gar prechtig:
Unser aller got ist almechtig,
Der alles kan, was er nur wil;
Sonst, halt ich, sein der meus nicht vil,
Die solche pracht und herlichkeit
[48]
Der narung haben dise zeit,
Als ich in meiner residenz,
Genieß aus güldenen credenz.
Und wenn ihr das selbst wolt anschauen
Mit euren kindern und der frauen,
So zieht mit mir die stadt hinein,
Da woln wir erst recht frölich sein,
Essen und trinken herfürlangen,
Das etwas anders sol herprangen
Denn diese arme bettelei.
Und ihr meint, das nichts bessers sei.
Darum komt mit, schaut selber zu,
Und wollet ihr euch schaffen ru,
So zieht mit allem zu mir ein;
Was ich hab, sol auch euer sein,
Weil ihr so freundlich tut mit mir,
Al euren vorrat traget für.
Dessen mich warlich jammert recht,
Das ihr hie leben solt so schlecht
Wie die schwein und die wilde tier;
Das ihr nicht dürft, folget ihr mir.
Hats in der stadt nicht besser gstalt
Bein menschen denn bei tiern im wald?
Ists nicht bequemer, frölich leben,
So lang uns got gesundheit geben,
Denn das man auch die gringe zeit
Verzer in mühe und traurigkeit?
Bedenkt, wie kurz unser leben ist,
Wie bald uns der tod alle frist!
Und wenn ihr gleich der narung pracht
Aus der gewonheit wenig acht,
Weil euch die speis im bauch nicht krimmet,
Sondern wol schmeckt und wol bekümmet,
Solt ihr doch wol haben in acht,
Was ihr zu der bösen zeit macht,
Wenn aus der luft odr aus unfal
Krankheit euch übereilt einmal,
[49]
Wo man für euch und eure kind
Ein wund- und auch leiberzten find,
Und wenn ihr ihn wolt holen lassen,
So fordert er geld übermaßen,
Oder nimt daheim so viel zeit,
Bis das ihr al gestorben seid;
Da wir in der stadt solcher leut
Bei der tür viel habn jederzeit.
Wenn euch weh tet haupt oder zan,
Was wolt ihr immer fangen an?
Wo habt ihr freund, die zu euch sehen,
In leid und freuden bei euch stehen?
Ueber das ist zu aller zeit
Im feld große unsicherheit
Für feur, für dieb, für kriegesknecht,
Für der grimmigen tier geschlecht,
Dawider ein gring anzal man
Sich in der not nicht schützen kan.
Die stadt abr hat viel rat und hend,
Türn und wechter, mauren und wend,
Da schleft man sicher bei dem braten,
Drum zieht mit mir, ist euch zu raten. –
Warnfried antwortet: Wer ein stet,
Die für den tod versichrung het,
Wolten wir daselbst alle wonen,
Aber der tod wil niemand schonen,
Und sonderlich in euer stadt
Man teglich vil zu graben hat,
Wie ich vernem aus dem geleut.
Die erznei gibt al tag ausbeut,
Jeder junger doctor muß haben
Ein neuen kirchhof zum begraben.
Dazu hilft auch euer wolleben,
Jeder wil sich auf faulheit geben.
Unser meßigkeit uns gedeiet,
Arbeit uns von Krankheit erfreiet
Und verdauet al böse sachen,
Die sonst dem leib viel unlust machen.
[50]
Doch bin ich nicht so ungeschlacht,
Das ich nützlich erznei veracht;
Nur such ich sie nicht vor der tür,
Ich hab selbst einen doctor bei mir,
Der ist mein lieber schlafgesell,
Auf den ich, nächst got, alles stell:
Mein liebes weib, die alles kan.
Was man bedarf für kind und man,
Was für diener und vieh gehört.
Ihr großmutter hat sie gelert
Und ihr mutter mit allem fleiß;
Darum sie auch dasselb wol weiß,
Was einem für erznei ist gut,
Dem kopf oder ein zan wehe tut.
Al freundschaft auch weit übertrift
Ein from weib, das nichts böses stift.
Wenn alle freunde von dir gehen,
Wird sie getreulich bei dir stehen,
Alles mit wagen, freud und leid,
Zu deinem dienst alzeit bereit.
Wo ward auch stadt und fest im land
Nicht ehemals bekriegt und verbrant,
Der wirt beraubt, ermordt, gefangen?
Wie ists fürsten und herren gangen,
So hernach viel klagen getrieben,
Das sie nicht frei im feld geblieben?
Was hilft wechter, rat, beistand, macht,
Wenn got nicht selber schützt und wacht,
Der auch sein hand almechtig helt
Ueber die, so wonen im feld!
Derhalb darf ich die stadt nicht suchen
Und mein gering wonung verfluchen,
Die mir großvater und vater ließ
Und mich erblich bewonen hieß,
Sondern bin damit wol begnüget,
Was mir der liebe got zufüget.
Gnüge ist besser denn zu viel,
Wenn mans nur recht bedenken wil.
[51]
Und mein gut ist dahin gericht,
Das mans genieß, verschlemme nicht;
Denn viel vertun und wenig werben,
Ist ein guter weg zum verderben.
Jedoch wenn ich ein beßrung wüst,
So kriegt ich noch zu wandern lust.
Was du jetzt hast, halt stets für gut,
Und streb nach dem, das besser tut.
Das best man billig welen sol,
Das bös komt von ihm selber wol,
Sagten die weisen ingemein.
Ich wil mit dir ziehen hinein,
Die glegenheit selber beschauen,
So weiß ich, wem ich sol vertrauen. –"
[52]
Das X. capitel
[53] [52]Das X. capitel.

Die feldmaus geht in die stadt zu gaste.


"Es war die zeit um mitternacht,
Das keins von den mantieren wacht,
Es schwiegen auch die vögelein,
Die in dem wald und wasser sein,
Und alle tier im ganzen land;
Der volle mon am himmel stand,
Gieng in der still samt seinen sternen,
Das man nichts höret nah noch fernen.
Da wanderten die meuslein beid
An der stadtmauren nach der seit,
Da das tor war beschlossen fest,
Und krochen unten durch zuletzt;
Die wechter ihrer nicht vernamen.
Zum haus sie auch noch zeitig kamen,
Darin Gutkeschen war daheim,
Schleiften albeid zum fenster ein.
[52]
Der hausher aber hat den tag,
Wie er auch sonst gemeinlich pflag,
Mit großen herren banketiert,
Gefressn, gesoffen, jubiliert;
Und war auf dem tisch aufgebreit
Ein roter sammit wolbereit,
Darauf im silber stunden rein
Mancherlei eierküchelein,
Rosinlein, zucker, mandelkern,
Zybeben, hergebracht von fern,
Leckkuchen, epfel, birn und nüß,
Castanien, gebraten süß;
Und dabei waren becherlein
Mit dem allerlieblichsten wein:
Muskatel, bastard, alakanten,
Von würz gemacht vil ungenanten,
Als den gesten war überblieben,
Nachdem sie der trunk hat vertrieben.
Zu dem sprungen sie auf die bank,
Auf gwirkte polster kurz und lang.
Da fand Warnfried on gfer ein stück
Vom küchlein, das hielt ihn zurück.
Gutkeschen aber sprach mit freuden:
Mein gast, du must kein mangel leiden,
Die bröcklein nicht von denken lesen,
Was solt das arme bettelwesen!
Spring zu mir auf den herrentisch,
Da ist alles köstlich und frisch,
Was eim seins herzen lust begert.
Ich schenk dir alles unbeschwert. –
Warnfried hüpft auf die sammitdeck,
Wundert sich der köstlichen schleck,
Nam zuckermandeln und zybeben.
Dies ist, sprach er, ein englisch leben;
Wie lieblich schmeckt der edle wein,
Im himmel kans nicht besser sein. –
Ja freilich, sprach Gutkes mit pracht,
[53]
Darum Hab ich oftmals bedacht:
Ihr baursleut geht in aberwitz,
Das ihr liebet den ackersitz,
Und möchtet in stedten mit eren
In wollust leben wie wir herren.
Denn, wer lobet des kukuks singen
Und der schnecken meisterlich springen,
Der bauren tanz und bettlerzeren,
Von dem sagt man mit allen eren,
Das er die nachtgal nie hört singen,
Sahe auch kein leoparden springen,
Kein welschen tanz und kaufleutessen,
Oder hat aller sin vergessen. –
Indes erwacht der kaufman wider,
Der sich unlengst geleget nider,
Denn derselbig war der hausherr.
Der große trunk war ihm zu schwer,
Das er ihn must her wider geben
Und furcht, da zu lassen sein leben;
Uebr herz und haupt er jammer klagt,
Rief seiner fraun, dem knecht und magd,
Es hört aber da gar niemand.
Ein schreiben war im haus bekant,
Mit dem spielt die frau hochzeitnacht;
Wie oftmals ward dabei gedacht:
Wenn der hausherr wer todt, allein
Der schreiber solt ihr eigen sein;
Weil sie doch keine kinder het,
Leg bei der vollen sau im bet,
Odr müst ihr fasten halten schwer,
Wenn er an fremden orten wer,
Seß bei Marlischen oben an
Und wer nur aller weiber man;
Solt das nicht sein ihrs herzen reue,
Das sie so lange gewesen treue
Und nicht bei solchem großen gut
Ehe gesucht ihren Wolgemut,
Einen so teuren werten held,
Ihm mitgeteilt freundschaft und geld,
[54]
Es würd es doch erben ein man,
Der ihrer keins ein heller gan. –
Endlich der knecht einer erwacht,
Wie der her rief aus ganzer macht,
Leuft zu dem bet hin, gar verzagt,
Zu hören was der herr da klagt.
Der sprach: Wo ist das weib hinkommen?
Hat sie der teufel weggenommen?
Gehe bald ins haus, ruf da und schau,
Wo die magd bleibet mit der frau. –
Der knecht poltert eilend hinaus
Und fragt, ob jemand wacht im haus.
Das nam die magd zum glück in acht,
Die vorn saß und beschlief die wacht,
Sprach: Die frau wer nicht allzuweit,
Zur not hin auf der heimlichkeit. –
Sie solt zum herren kommen bald,
Das er bericht gleicher gestalt. –
Indes gieng auf die tür am haus,
Der schreiber fur heimlich hinaus
Mit seiner rüstung, wie ers fand,
Der paß war ihm beinah verrant.
Die magd darauf noch warten must;
Die frau beklagt die kurze luft,
Lief zu ihrem herren fürs bet,
Viel kleglichr denn er selber tet,
Wie ihr im leib nur wer so weh,
Sie wolt des weins nicht trinken meh,
Der vielleicht wär böslich vermengt. –
Der herr wie krank er immer war,
So jammert ihm seins weibs gefar,
Sagt, das sie ins warm bet sich legt,
Und durch die kelt nicht mer erregt;
Er wer von dem verfluchten trank
Uebraus mat und so herzlich krank,
Das er zweifel an seinem leben,
Wolt darum nicht ein heller geben.
[55]
Da schrie die frau: Ach zetermord,
Knecht, lauf auf die stub an ein ort,
Hol essig und kraftwasser her!
Das würd mir armen frauen schwer,
Das ich die wort solt hören an;
Ach got, hilf meinem armen man!
Lauf, magd, und mach ein deckel warm,
Lauf eilend! Das sich got erbarm! –
Da sie nun dis lermen so machten
Und alle türn im hause krachten,
Al knecht und megd erwachten auch,
Den noch ser irt vom wein der rauch,
Der bot auch in die stuben kam,
Sein essig und kraftwasser nam:
Ja, da riefen beid katz und hund.
Das essen bestarb in dem mund
Unsern meuslein und lieben gesten,
Wurden verstöret in dem besten.
Die stadtmaus sprang zu ihrem loch;
Die feldmaus hin und wider kroch,
Wust nicht, was sie doch nem zur hand,
Sie war ganz und gar unbekant.
Endlich, wie über alles hoffen
Widrum ein stillstand ward getroffen,
Da man überal niemand hort,
Kroch Gutkes herfür aus seim ort,
Rief seinem gast mit leiser stim,
Das er wider ankem zu ihm,
Die angefangn freud zu vollenden.
Warnfried fragt mit zitternden henden,
Ob sichs auch mermal so begeb,
Das diser lermen sich, erheb. –
Gutkes antwort: Das acht ich nicht,
Weil es fast teglich hie geschicht;
Dafür must dir nicht grauen lassen,
Dagegen desto besser prassen,
Hofsuppen sind lieblich zu lecken,
[56]
Werden aber gewürzt mit schrecken. –
Warnfried antwort: Ist teglich so,
So bin ich des prassens nicht fro,
Da ist mer gal denn honig bei;
Dessen bin ich daheime frei.
Got er mir mein arm kesenbrot,
Das bringt mir kein schrecken zum tod,
Lesset mich mit gutem gewissen
Friedlich meiner arbeit genießen:
Gleichwie die ems in ihrem stande
Auf den beumen und auf dem lande
Bei gringen gut im frieden gehet,
Die flieg aber groß gfar ausstehet,
Wenn sie wil sitzn bei großen herren
Und sich in eitel wollust neren.
Wolfart steht nicht auf gering vorteil,
Sondern das man nicht klag groß unheil.
Ein jeder laß sich an dem gnügen,
Was sich zu seim handel wil fügen;
Wird er drüber zu viel begeren,
So muß er groß und kleins entberen.
Ade, mein freund, zu guter nacht,
Ich muß anheim, eh man erwacht! –
Es geht nach dem sprichwort der buben:
Ind scheun ghört heu, in bauren ruben,
Sprach Gutkes in eim zorn und grim;
Bist du so alber und so schlim,
Das du leufst, wenn ein hund nur bilt?
Ich halt dich nicht, wenn du nicht wilt.
Ich wolt dich zu eim herren machen,
So kanst dich nicht schicken in sachen;
Der frosch hüpfet wider in pful,
Seß er gleich auf eim golden stul. –
Also kam Warnfried voller sorgen
Wider zu haus am frühen morgen,
Und weil ich da am wege saß,
Fragt ich, wie er so frühe auf was.
Er sprach: Man sagt, das ein hund bat
[57]
Den andern, das er esse sat
In seines herren gasterei.
Der gast fand sich auch bald herbei,
Gieng in die küch, schmeichelt dem koch,
Der stürzt ihn aus zum fensterloch;
Wie er ihn also mit der hast
Bein hinterbeinen hat gefast,
Das er schrie zetermordio,
Sein nachbar fragt: Wie rufst also?
Wie bist du von dem wirt empfangen? –
Es ist mir, sprach er, so wol gangen,
Das ich für trunkheit nicht vernommen,
Zu welcher tür ich sei auskommen.
So bin ich auch zu gast gewesen,
Dank got, das ich noch bin genesen. –
Damit erzelt er alle sachen,
Das ich der gastung noch muß lachen.
Insonderheit mich wunder tet,
Das der wirt selbst gespien het
Was er von seinem gut einfraß,
Und das die frau so schalkkrank was,
Das Gutkeschen von der magd erfaren
Und Warnfrieden must offenbaren,
Als er zum andern mal ankam,
Gern mit dem baursman verlieb nam.
O wenn wir meus solten nachsagen,
Was seltsam hendel sich zutragen,
Die wir anhören und ansehen,
Es würd seltsam zeitung umgehen.
Jedoch wird nichts so klein gesponnen,
Es kömt noch endlich an die sonnen;
Und wenn die sonn den schnee ableckt,
So blickt herfür, was er bedeckt.
Dis hab ich nur darum erzelt,
Weil euch die weise wolgefelt,
Das jeder blieb in seinem stande,
Er sei in stedtn odr auf dem lande.
[58]
So müssen wir meus es got befelen,
Das der feind list, gift, macht uns quelen."
[59]
Das XI. capitel
[60] [59]Das XI. capitel.

Von der frösch feinden.


Bausback sagt: "Ich hab deine wort
Mit bsondern wollust anghort,
Und sol euch meusen nicht gerauen,
Das ihr wolt still sein und got trauen;
Denn die feind al, da du von sagst,
Ueber falk, katz und den wiesel klagst,
Sein unser feind beid in gemein,
Verschonen unser durchaus kein.
Denn Murners bruder, Heinz der kater,
Reinkfuchs, Reinhards vatr und großvater,
Braunrock der wiesel, falk und mart,
Alles was ist derselben art,
Fressen uns frösch in hungers not,
Haben ihr vil gebissen todt.
Greifzu der weihe holt uns oft
Vom ufer weg gar ungehoft;
Man sagt auch viel von der nachteulen,
Nichts guts bedeut ihr schrecklich heulen,
Das wir im werk erfaren haben,
Viel sind mit dem traurlied begraben;
Sonderlich fürt der groß uhu
Uns heufig seinen kindern zu.
Daneben sind im wasser mer,
Die uns fröschen zusetzen ser:
Schnabber der hecht, Krümling die schlang,
Enten, schwanen, der netzefang.
Unter allen aber geht weit voran
Barthold Leisentrit der tyran,
Den hat uns got gesetzt zur plag,
[59]
Das bringet uns groß leid und klag.
Und zwar wir habens wol verschuldt,
Müssn mit schaden haben geduld;
Dieweil ich aber disen tag
Keine reichssachen hören mag,
Sondern die stunden, so übrig sind,
Ehe des tages licht gar verschwind
Und sich die sonn hinter dem wald
Verkreucht und die nacht herein falt,
Mit freund gespräch, mit fremden dingen
Gern alhie wolt ruhig zubringen,
So gescheh mir ein besonder lust,
Wenn du, wie dir denn wol bewust,
Auch von deinen feinden wolst sagen,
Und wie sich euer krieg zutragen.
Das wil ich dir hinwider tun
Und denn mit dir als meinen son
Heimziehen in mein schloß und fest,
Dir erzeigen das liebst und best,
Auf den abscheid also beschenken,
Dein leblang solt du mein gedenken."
[60]
Das ander teil
Das I. capitel
Das I. capitel.

Bröseldieb klaget über meusfallen.


Darauf antwortet Bröseldieb:
"Was von mir fordert euer lieb,
Tu ich alles one beschwern,
Wil nach der leng erzelen gern
Und dem könig frei offenbaren,
Was ich von den sachen erfaren
Oder von meinen eltern hort,
Und gleub auch billig ihren wort.
Daraus wird euer lieb verstehen,
Wie unser feinde uns nachgehen,
Wie mantier, katzen, wiesel, falk,
Das ihn der teufel walk den balg!
Und wie got so reichlich sein gnad
An uns meusen bewiesen hat,
Das unsr dennoch unzelig leben,
Den preis sol man got billig geben:
Wie auch mer schaf sein denn der wülf,
Würgt man sie gleich teglich on hülf,
Hat gleich das schaf nur eins im jar,
Der wolf auf einmal etlich par,
Und selten ein wolf wird gefangen,
Er muß die scheflein lassen prangen.
[61]
Was got nicht helt, das geht zu grund,
Wenns gleich auf eisern mauren stünd;
Was aber got auch wil erneren,
Das kan je kein unfal verzeren.
Wenn davon mein wort lenger weren,
Dann sichs wol gebüret zun eren,
Euer lieb mirs zu gut halten wolt,
Ich schweig jederzeit, wo ich solt.
Ich muß aber für andern allen
Den anfang machen von den fallen,
Welche teglich auf neue weis
Gemacht werden mit großem fleiß
Von den rachgierigen mantieren,
Die aufs greulichst tyrannisieren;
Denn der fallen sind mancherlei,
Des gifts so vielfaltig dabei,
Das der allerweiseste man
Sich davor nicht wol hüten kan,
Wie euer lieb zuvor gemeldt,
Das Ulysses der maus erzelt.
Da steht ein schönes heuselein,
Mit türn und fenstern gzieret fein,
Als wers des priesters losament,
Der speckbraten am balken hengt;
Sobald man abr hinein wil gehen,
Sich nur ein wenig da besehen,
Schmecken ob dem koch auch der braten
Ganz allerding sei wol geraten,
Das er kein mangel hab am schmalz
Oder etwa zu wenig salz,
Obs aller gar sei oder roh:
Da wird man der kurzweil nicht froh,
Da platzen zu fenster und tür,
Des mantiers kinder springen herfür,
Rufen: Wir habn den feind gefangen!
Wollen wir ihn brennen oder hangen? –
O got, wie sind gefangen arm,
Da ist niemand, der sich erbarm!
[62]
Drum wir weder fenster noch tür
An unsern heusern machen für,
Das aus- und eingang offen stehe
Und uns solch unfal nicht geschehe.
Groß weisheit ist, schaden verwaren,
Das er eim nicht mög widerfaren;
Groß torheit ist, die feust verbrennen
Und das feur nicht meiden, nicht kennen.
So doch der fischr hendschuh antate,
Als ihn der krebs geknippen hatte. –
Desgleichen macht der mensch ein brück
Und hengt jenseits von speis ein stück,
Die man vermeint gar fest zu stehn,
Und wil zur speis hinüber gehn:
So sinkt die brück verreterlich,
Stürzet das meuslein unter sich
Ins wasser oder narrenkasten,
Muß den braten ser teur ausfasten.
Ueber das nimt der mensch ein bret
Oder ein breiten stein zur stet,
Spert den auf mit eim kreuzelein,
Als wers ein schön betkleuselein;
Wenn denn die maus nach dem gebet
Dem gekreuzigten speck zugeht,
Ergreift in andacht den querstecken,
Wil mit eim kuß die wunden lecken,
So schlegt das kreuz und klaus hernider,
Niemand kam von dem gbet herwider. –
Wenn dadurch gewitzigt die maus
Nicht mer nein wil in das mordhaus,
So setzt man ein schön zuckermel,
Das einem schmeckt durch leib und sel,
Oder ein feisten Sachsenspeck
Und was sonst ist der meuse schleck,
Bis mans gewont, so mengt man drein
Ein rötlichs tödtlichs pülverlein,
Als wenns roter streuzucker wer,
Genant arsenic realger,
[63]
Oder venedisch scheibenglas,
Das zuvor klein zerstoßen was.
Es braucht auch dazu mancher schalk
Ungeleschten gemalen kalk,
Odr klein zerschnitten baderschwem,
In speck gebraten, gar bequem
Auf einem tischlein ausgebreit,
Zur herrenmalzeit wol bereit;
Und setzt zu trinken gnug dabei,
Das man desto frölicher sei:
Der teufel dank ihn der woltat,
Die nichts denn gift in töpfen hat;
Denn kalk vom wasser muß anbrennen,
Die schwem aber davon aufschwemmen
Und unser herz im leib ersticken.
Das heist die gest frölich erquicken,
Das auch die ratzen davon sterben,
Der könig und sein volk verderben.
Es pflegt abr sonst also zu gehen,
Das naschmaul muß gefar ausstehen."
[64]
Das II. capitel
[65] [64]Das II. capitel.

Bröseldieb sagt, wer Murner sei.


"Murnern, der katzaner patron,
Lert mich kennen mein mutter fron;
Ich bat, wie ich noch war ein kind,
Wie die kinder, fürwitzig sind,
Sie wolts lassen einmal geschehen,
Mich auch lassen die welt besehen,
Dieweil ein heimgezogen kind
Unverstendig blieb als ein rind,
Wie sie denn oftmals diese wort
Vom herrn vater selbst het gehort.
Sie weret ab mit hand und mund,
Predigt mir viel von katz und hund,
[64]
Wie die uns weren so gefer.
Ich bat und gilfert immermer,
Bis sie zuletzt williget drein,
Das ich ein stund möcht von ihr sein,
Warnet doch mich mit ganzem fleiß
Und saget von des Murners weis,
Das er versteckt im winkel seß
Und die meuslein on brot einfreß,
Das wern sein allerliebste speis,
Den solt ich ja meiden mit fleiß.
Ich schlich unter der wand herfür
Nach unsers schlosses vordertür,
Die in des mantiers haus hingieng,
Davon es werme und rauch empfieng,
Und kuckt heimlich zuerst heraus
Wie ein unbewanderte maus,
Ob auch da wer sicher geleit,
Odr ob der Murner seß zur seit.
So saß im haus im sonnenschein
Ein schönes weißes jungfreulein,
Sein euglein glenzten hell und klar,
Es leckt und schlichtet seine har,
Küsset die hend und wusch sie rein
Ueber die zarten wengelein;
Das herz im leib verlanget mir,
Das ich nur möcht treten herfür,
Dasselb mit adeligen sitten
Um seine lieb und freundschaft bitten,
Küssen ihre schneweiße hend:
So het al meine sorg ein end. –
Es trat aber am platz herum
Im haus die leng und in die krüm
Ein erschreckliches wundertier,
Dafür die haut erschuttert mir,
Vom haupt zu fuß aller gestalt
Wie man ein basilisken malt;
Ich dacht, ob das der Murner wer,
Der uns meusen ist so gefer.
[65]
Vornen am kopf war er geschlacht,
Wie man die bösen geister macht,
Mit einem krummen spitzen schnabel,
Hat füß, geteilt wie ein mistgabel,
Und ein zweispitz geteilten bart
Nach [des] mantiers greulicher art,
Und auf dem haupt ein glühend kron
Mit vil türnen erhoben schon,
Und aus dem leib giengen beisammen
Ein großer hauf gelber feurflammen,
Gekrümt unten und über sich,
Uebraus heßlich und erschrecklich;
Damit pranget er über erd,
Trat herein wie ein reisig pferd,
Und seiner trabanten wol zehen
Giengen alzeit hinter ihm stehen,
Doch nicht so statlich ausgemacht,
Der könig fürt allein den pracht.
Wie ich nun blieb im löchlein stecken,
Dem abenteur zusehe mit schrecken,
Fengt er an dem boden zu schnablen,
Scharret mit den zween mistgabeln
Und ruft: Guck, guck, curit, merkauf!
Da erhob sich ein groß zulauf,
Die trabanten waren gar schnell,
Zu hören des königs befel,
Reckten auch die köpf zu der stet,
Zu sehn was er geschrieben het;
Bis der könig mit großem prassen
Sprang auf die haustür nach der gassen
Und schlug die arm auf beide seit,
Sperret den rachen auf gar weit
Und rief, man hets ein meil gehort,
Diese drei erschreckliche wort:
Rück, rück ihn heraußer beim kragn!
Als het mich der donner geschlagn,
So stürzt ich zu dem loch hinein,
[66]
Lief zu meinem frau mütterlein.
Die erschrak und fragt, was mir wer,
Das ich fast het kein atem mer
Und also ser fieng an zu beben;
Wolt mir erzenei fürs schrecken geben.
Ich sprach: O mutter, der Murner
Hat mich erschrecket also ser,
Das ich schier nimmer atem hol;
Wie habt ihr mich gewarnt so wol! –
Was tat er denn? die mutter sprach. –
Ich sagt: Im haus ich sitzen sach
Ein zartes schönes jungfreulein,
Im weißen pelzlein artig fein,
Das schmückt sich mit geleckter hand;
Ich het mich gern zu ihm gewandt
Und um ein kuß freundlich gebeten,
So kömt der Murner hergetreten
Mit gabelfüßen, mit der kron,
Mit brennenden schwanz angeton,
Das mich daucht ser erschrecklich stehen.
Der schelm het mich im loch gesehen,
Springet auf die tür und rufet laut,
Wenn ichs gedenk, graust mir die haut:
Rück, rück ihn heraußer beim kragn!
Damit wolt er sein dienern sagn,
Das sie mich solten nemen an;
Und sie hettens warlich getan,
Wenn ich nicht bald entlaufen wer;
Davon bin ich erschreckt so ser. –
Da sagt die mutter: Liebes kind,
Die so schrecklich anzusehen sind,
Die tun uns meusen nichts zu leid;
Die aber dichten freundlichkeit,
So leis und lieblich einher schleichen,
Die hendlein küssen, wilkom reichen,
Die sind giftige creatur,
Teufl unter englischer figur,
[67]
Die sind geferliche katzen,
Die vorn lecken, hinten kratzen.
Judaskuß ist geworden neue,
Fürt gute wort, helt falsche treue;
Der dich anlacht, der reist dich hin:
Das ist dieser welt weis und sin.
Das jungfreulein, das so schön war,
Bringt uns meuschen die gröst gefar,
Futtert sein pelz mit unserm blut,
Got sei dank, das er dich behüt!"
[68]
Das III. capitel
[69] [68]Das III. capitel.

Wie der Murner aus einer schönen jungfrauen zur katz worden.


"Denn wie ich hört hab von den alten,
In meiner jugend noch behalten
Und in den poeten gelesen,
Ist Murner vor ein mensch gewesen,
Ein schön jungfrau, zierlicher sitten,
Nach der viel junkern habn gestritten.
Sie stand auch immer an der tür,
Wartet, ob jemands gieng dafür,
Dem gab sie viel der süßen wort,
Verhieß ihm auch ihr freundschaft fort;
Wenn er aber nun war enzundt,
Alles ihr zutrug, was er kunt,
Hoffend, das er der liebste wer,
Keiner würd vorgezogen mer,
So übergab sie ihn untreulich
Und redet von ihm gar abscheulich
Mit unverschemten lesterworten
Bei andern an vertrauten orten,
Sagt, das sie ihn hielt für ein gauch.
So tat sie mit den andern auch,
Denen sie doch oft schwur ein eid,
[68]
Wünscht ihr selbst alles herzeleid,
Wo sie die nicht hielt lieb und wert,
Wolt auch tun, was ihr herz begert;
Gedacht doch: ja wol, hinter sich!
Dein geld und gut das meinet ich!
Lacht ins feustlein derselben gecken,
Die sich die wort so ließen schmecken,
Alles glaubten, was man nur sagt,
Das mancher narr mit schaden klagt.
Wie die schlang, Empusa genant,
Wont in der Afrikaner land,
Unten ein wurm, oben ein weib,
Mit schönem angsicht, brust und leib,
Mit züchtigem zarten geberd,
Als wer sie eines engels wert:
Die sich in dem gebüsch versteckt,
Bis an den halben leib bedeckt,
Und lest sich nicht ferner anschauen
On so weit sie gleicht einer frauen;
Geht einer von jungen gesellen
Nach hasenküren, vogelstellen
Oder ledig im wald spazieren,
Lesset ihm die vogel hofieren
Und trift ongefer ihren stand,
Schaut sie ihn an, halb abgewandt,
Mit liebeseuglein seuberlich,
Als ob sie wolt und wegert sich,
Wird bleich und rot, ob sie sich schem
Und gern was für die augen nem,
Wenn sie nicht wer on hend und kleid,
Bewegt ihn zur barmherzigkeit,
Das er zutrit, nimt sie in arm,
Küsset ihr rotes mündlein warm,
Fasset ihr brüst klein mit den henden,
Wil sich mit ihr zum lager wenden;
[69]
Bald schleust um ihre brust ein schal,
Begreift ihm die arm überal,
Das er muß ihr gefangner sein;
Der böse wurm beist zu ihm ein
Mit seinem drachenkopf und rachen,
So unten aus dem schwanz herbrachen,
Reist ihm erst ab sein tasch, wer, kleid,
Darnach die haut, fleisch, eingeweid,
Endlich das herz, gehirn, mark, beine,
Das har bleibet über ganz alleine;
Weil aber der gsel in solcher not
Sein hende los bittet durch got,
Bekomt das weib hundesgestalt,
Das sie nur zankt, murt, beist und balt. –
Wie vor zeiten im Südersee
Auch taten viehe und menschen wehe
Die Sirenen, waren merfrauen,
Ser fein und freundlich anzuschauen,
Sangen holdselig liebliche reien
In bosaunen, pfeifen und geigen,
Das zu ihn fur, wer es nur hort,
Wer aber kam, der ward ermordt;
Wie feur das stro küst und anlacht,
Bis das es alls zu aschen macht. –
Ja wie der wolf, hyena gnant,
Zu tun pflegt in der Moren land,
Der lernt die hund rufen bei namen
Und locket sie freundlich zusamen,
Frißt sie darnach, wien fuchs die raben. –
So tat die jungfrau auch den knaben.
Dis trieb sie nun so lang und fest,
Bis ein schöner jüngling zu lest,
Edel und reich, sie dazu bracht,
Das sie ihn zu nemen gedacht.
Die hochzeit ward auch angefangen
Und kamen zu der kirch gegangen,
Doch ließ sie ihre tücke nicht,
Es brant ihr herz und angesicht
[70]
Nach den gesellen, die da waren,
Wer gern zu dem haufen gefaren
Und ihrer noch etlich gefangen,
Sie in unkost bracht und verlangen;
Sie winkt ihn zwar mit augn und henden,
Must sich doch nach der kirch hinwenden,
Abr da sie noch saß fürn altar,
Dies gar allein ihr andacht war:
Sie wolt und kunt an einem man
Durchaus allein kein gnügen han.
Und als der pfarrer las die ler:
Der man sol hinfort sein dein herr!
Sprach sie bei sich: mir gescheh kein er,
Wo ich nicht auch sein meister wer.
Da verdroß got das untreu herz
Und straft sie mit eim bösen scherz:
Ein meuslein kroch aus dem altar,
War anzusehen ganz und gar,
Wie sie daucht, an geberd und fell
Als ein übraus schöner gesell;
Für dem kunt mein jungfrau nicht bleiben,
Das herz wolt ihr zum mund austreiben,
Und fur unsinnig zu dem knaben,
Wolt ihn geherzt, geküsset haben;
Da war des gesellen gestalt aus
Und ward und war ein ware maus,
Und mein Ketherlein ward ein katz,
Das sie kein gesellen mer fatz.
Dieser geschicht sie noch gedenkt:
Wenn sie irgend ein meuslein fengt
Beschaut sie das mit allem fleiß,
Spielt damit wunderlicher weis,
Obs nicht sei der schöne gesell
Und sich da in die maus verstell;
Wenn sie denn spürt alles verlorn,
Frisset sie ihn mit großem zorn.
Wie auch Salomons katz nicht wolt
[71]
Das licht mer halten, wie sie solt,
Sondern der maus nachsprang zuletzt,
Die Markolf aus dem ermel setzt.
Desgleichen, wenn sie hochzeit machen
Und verrichten ihre brautsachen,
So scheuen al katzen das licht;
Der freudenspiel treiben sie nicht,
Sondern weinen wie kleine kind,
Die von der mutter verstoßen sind,
Das man dafür erschrecken möcht
Und noch vielmer dabei gedecht,
Das sie ein todte leich beweinten,
Denn das sie eine hochzeit meinten.
So jammert ihnen ihr elend,
Das ihr gestalt so ist geschendt
Und sie für schöne jungfreulein
Vierfüßig tier geworden sein.
Ja sie wollen bei weibern sein,
An ihrem kleid sich schmücken fein,
In ihren menteln rugen, schlafen,
Wo sie es nur je können schaffen,
Als ob sie ihres gleichen weren
Und mitgenossen ihrer eren.
Fürwitz und untreu strafet got
Hie im leben und nach im tod.
Drum ich in großen trauren stehe,
Wenn ich noch solche jungfraun sehe,
Fürcht, das ihr mer zu katzen werden,
Beweisen uns mer trotz auf erden. –
Das ist der Murner, lieber son,
Und nicht der könig mit der kron."
[72]
Das IV. capitel
Das IV. capitel.

Beschreibung des hauspropheten.


"Der könig mit der purpurkron
Und roten bart, mein lieber son,
Ist unsers wirtes hausprophet,
Der anzeigt, wie das wetter steht,
Und wie die nachtwach sei getan,
Wie am zeiger die stunden gan,
Und ist gewiß der redlichkeit,
Das er kein meuslein tut ein leid,
Uebervorteilt niemand mit list,
Handelt aufrichtig jeder frist,
Das er lieber den teufel sehe,
Denn das jemand mit ihm umgehe,
Der anders red mit seinem mund
Denn er meinet ins herzen grund;
Wil aber eins seiner har han,
Mutet sein weibern unzucht an,
So setzt er sich manlich zur wer,
Erhelt mit seinem blut sein er.
Darum du seine wort nicht al
Gar recht verstehest auf dismal;
Er hat damit dis wollen sagen:
Die glock hat abermals geschlagen.
Die aber um und bei ihm sein,
Sind alle sein hausmütterlein,
Deren er soviel nimt zun eren,
Als er sich getraut zu erneren,
Wie bein menschen der Salomon
Ehmals im ehstand auch geton:
Die lert er from und heuslich wesen,
Die körnlein von der erden lesen,
Und ins nest legen weiße eier,
Davon man kuchlein beckt wie schleier.
[73]
Zu denen magst du wol hingehen
Und nach deiner notdurft zusehen,
Sie gönnen dir gern deinen teil,
Ihr wolfart ist auch unser heil.
Murner ist aber beiden feind,
Mit keinem teil ers treulich meint,
Hat oft auch ihr kinder genommen,
Wo er sie vermocht zu bekommen,
Ja er ist so vol böser list,
Das er die eltern selber frist;
Das auch der jetzig hausprophet,
Der noch im hof spazieren geht,
Riechwetter, der mutige han,
Von dem schelm ward geklaget an,
Das er den tod verschuldet het,
Weil er also die hüner tret,
Mer weiber het, denn sichs gebürt,
Darum er ihn erwürgen würd. –
Der prophet die schrift allegiert,
Sprach: Meinem stand also gebürt,
Wie die patriarchen zu leben,
Weil ich zur tauf mich nie begeben
Oder zu eim gesetz verbunden,
Welchs dem mantier zum recht erfunden,
Bin auch davon in allem recht
Befreiet mit meinem geschlecht,
Des namen von dem alten got
Nicht gedacht ward im eheverhot;
Darum der pfarr und al gelerten
Mir dies zu keiner sünde kerten,
Sondern straften mich noch vielmer,
Wenn ich hierin nachlessig wer,
Wie sie derhalben meinen bruder,
Weil er viel müssig lag im luder,
Auf dem söller beim weizenhaufen,
Seine weiber ließ manlos laufen,
Getödtet haben und gebraten,
[74]
Die keuschheit wolt ihm nicht geraten.
Wenn ich aber mein ehe nicht hielt
Und wer nach fremden weibern wild,
Die meinen tret aus haß und neid
Und nicht aus lieb und freundlichkeit,
Dazu sie mir als ihrem herrn
Unterworfen sind willig gern,
Thun gern was ich von ihn beger,
Wenns gleich mit etwas eifer wer.
Den sommer schendt kein donnerwetter,
Liebschleg fallen wie rosenbletter.
So hettestu wol etwas klag,
Aber der hausherr die rechtsfrag,
Der unser beider richter ist
Und wil nicht, das du hüner frist,
Ihm vorgreifest im hausgericht
Wie ein reuber und bösewicht.
Der hat kein erlichen tropfen blut,
Der dem unschuldigen schaden tut,
Wie du getan meinem großvater.
Der teufel wird noch sein dein bader;
Wenn du mirs aber wolst vertragen,
Wolt ich dir ein fein gleichnus sagen."
[75]
Das V. capitel
[76] [75]Das V. capitel.

Riechwetter sagt dem Murner eine historia von einem official und pfarrer.


"Es ist geschehn für alten jaren,
Da die frösch noch im irtum waren
Und ihr Beißkopf im ganzen land
Verbot den priestern den ehestand,
Das er selbst nicht verachtet würd,
Wenn er unehlich leben fürt
Und viel zeuget der hurenkind,
[75]
Die man in allen landen findt:
Da bescheidet für sich einmal
Ein pfesslein der official,
Hielt ihm für, das er wüst bescheid,
Wie er von hoher obrigkeit
Statlich were verordnet worden,
Zu sehn auf den geistlichen orden,
Damit sie lebten keusch und rein,
Hetten mit weibern nichts gemein,
Wie er auch selbst also müst leben,
Sich des ehestandes gar begeben;
Nun wer ihm schmerzlich zu erfaren,
Das dis pfefflein für zween jaren
Ein bauersmegdlein zu sich genommen,
Von derselben ein kind bekommen;
Und wolten etlich noch bekennen,
Das ers solt einen ehestand nennen,
Weil ers nicht gespielt in der still,
Sondern mits megdleins eltern wil
Und in beisein erbarer leut
Ein ehestiftung gemacht die zeit,
Da er die in sein haus aufnam,
Nichts mangelt denn kirchgang daran,
Welchen zu derselbigen zeit
Verboten het ihr obrigkeit.
Solt dem so sein in der warheit,
Das ihm doch wer gar herzlich leid,
So het er seine pfarr verloren,
Sobald ein ander würd erkoren. –
Das pfesslein antwort zu der sach,
Das er hierin kein neues mach,
Weil im geistlichen recht beschrieben:
Ein concubin möcht einer lieben,
Und wer das tet und blieb dabei,
Zu recht eins keuschen lebens sei,
Nur das er kein Weib zur ehe nem;
Derselben halt er sich bequem,
[76]
Hab kein eheweib, sondern ein magd,
Hoff, das dieselb übr ihn nicht klagt,
Bet dienstlich den official,
Wolt diese sach so überal
Decken helfen, zu allem glimpf
Das ihm nicht widerfur ein schimpf
Und er seiner pfarr würd entsetzt
Und alsdenn betteln müst zuletzt. –
Der official ernst het gebert,
Sagt, dis wer keins bedenkens wert,
Als ein öffentlich ergerniß,
Er müst schampen, das wer gewiß;
Jedoch wenn er die sünd wolt büßen,
Drei messen haltn auf bloßen füßen,
Funfzig gülden geben die zeit
Und jerlich drei: auf dem bescheid,
Wolt er die sachen wol ausfüren,
Der jugndhalb solt man dispensieren. –
Das pfefflein fast wider ein mut,
Beklagt sich doch seiner armut,
Weil er wenig het einzukommen
Und sein junker das best genommen,
Zwackt auch noch teglich wo er könt,
Er müst nemen was man ihm gönt,
Und bat, jerlich für den consens
Noch zu geben drei feiste gens;
Dismal aber wer da kein geld,
Solt er gleich verschwören die welt. –
Der official sagt nicht nein,
Doch das er jetzt geb zwanzig gulden,
Wolt er bleiben in seinen hulden. –
Das pfefflein nam wenig bedenken,
Wolt als nach seim vermögen schenken
Und dazu holen was not wer,
Dem official bringen her. –
Der official sagt: Bringt her,
[77]
Was auch ist unser beider er. –
Das pfefflein gieng, sagt in andacht:
Schaut, was der ledig geiz doch macht,
Wie macht er die leut so gar blind,
Das sie vergessen wer sie sind!
Er helt selber wol vier schlafmegd,
On was sich noch heimlich zutregt,
Wenn er visitiert auf dem land;
O wie helt er den jungfraustand,
Eben wie des babstes cardinel:
Das ich ja nicht wer seine sel!
Noch sol ich für mein ehlich leben
Ihm jerlich zins und abtrag geben;
Das steht eim richter übel an,
Das er straft an eim andern man,
Dessen er sich auch schuldig weiß,
Tut selbst was er verbeut mit fleiß.
Abr es geht in der welt so zu:
Ein anders ist des schulzen ku;
Niemand gedenket hinterrück
An seinen sack vol böser tück;
Was andre tun, muß er beklagen,
Ein unbarmherzig urteil sagen.
Ich wil ihm geben, das er sehe,
Das ich mich auf ein schalk verstehe! –
Wie er nun war zu markt gewesen,
Bringt er getragn zween neue besen,
Geht damit dem official zu.
Der sprach: Ja mein, bringest du
Das schuldig concubinengeld,
Wie zuvor ist worden gemeldt? –
Ich gedacht, sprach er, an euer ler
Und wolt bedenken beider er,
Bitt, wollet von mir armen man
Den einen besen nemen an,
Das ich den andern mir behalt:
So wirds beiderseits recht bestalt. –
Was sol mir das sein für ein er?
[78]
Ich verstehe gar nicht diese ler.
Wilst du also das urteil fellen,
Das man uns sol am pranger stellen
Und denn mit ruten streichen ab?
So far zum teufel mit der gab!
Sprach zornig der official. –
Der pfaff antwort zum letzten mal:
Her, meine meinung also war:
Kert für euer tür rein und klar,
Wie ich für meiner zu tun bereit,
So wirds rein und fein beiderseit.
Für seiner tür ker jeder fein,
So wirds in der ganzen stadt rein.
Wer selbst seiner sünd neme war,
Verschwieg eins andern mangel gar. –
Der han sagt weiter: Horch, Murner,
Was sich wol gebüret zur er,
Wie wenn ich auch von solchen besen
Wolt ein heimlich register lesen:
Man würd dich mer in fremden betten
Denn mich bei der nachtwach betreten.
Spots wert ist, der spot jederman
Und schaut nicht vor sich selber an. –
Murner entbrant sein neidisch herz,
Hub hoch empor sein langen sterz,
Antwortet kurz: Ich hab gehort,
Du kanst ser vil der weisen wort,
Und hast noch vil recht überlei,
Aber zu fressen nichts dabei,
On deinen feisten vollen kropf;
Ließ ich den weg, ich wer ein tropf.
Darum, es sei recht oder krum,
Ich wil dich fressen: das ist kurzum;
Grif ihn damit beim rechten arm,
Das blut herausspritzt frisch und warm,
Und wo Bellart aus ungeschicht
[79]
Riechwettrn in eil erlöset nicht
Und die hausfrau zu hülf gerufen,
Er wer mit ihm davon gelaufen;
Aber er ward so abgebleuet,
Das ihn noch heut der tat gereuet. –
Dis war meiner mutter bericht,
Erzelt auch folgende geschicht:"
[80]
Das VI. capitel
[81] [80]Das VI. capitel.

Murner wird Reineken gevatter und offenbaret ihm seine einige notkunst.


"Murner ist so bös und tücksch
Als Reinken sön, die jungen füchs;
Ja Reinken selbst darf er vexieren
Und mit seiner schalkheit umfüren,
Wie ich des ein exempel weiß,
Das solt du auch merken mit fleiß.
Als Reinikfuchs in jungen jaren
Murners kundschaft auch wolt erfaren,
Sucht er dazu gelegenheit,
Als sein weib früer sommerzeit
Eine junge tochter gebar
Und der sön noch dazu ein par,
Bat Murnern, das er zur kundschaft
Auf sich nem die gevatterschaft.
Das wuste sich Murner zun eren
Auf keinerlei weis zu erweren;
Wiewol er liebr daheime blieb,
Denn das er in dem wald umtrieb.
Begab sich also auf die fart
Nach Reinken festung Malepart,
Da er neben Grimbart den dachs
Und andern gestu des freudengelags
[80]
Sich vom abend bis mitternacht
Beim guten schlaftrunk frölich macht.
Am morgen, wie es anfieng zu tagen,
Wolt Reinik hinausziehen jagen,
Damit er speiset seine gest,
Ihn erzeigt das liebst und best;
Und sprach damit den Murner an,
Ob er mit wolt zur gselschaft gan
Und auch versuchen jegerglück,
Er solt zum braten haben ein stück.
Dazu der Murner willig war,
Vermeint, es wer on al gefar.
Wie sie nun also gehen fort,
Sucht Reinik vil gesellenwort,
Fragt, weil Murner so in der stadt
Bis anher sich so verhalten hatt,
Was sein leben wer und sein wandel,
Was er braucht für gewerb und handel:
Würd on zweifel von den mantieren,
Die mancherlei sachen hantieren
Und brauchen vil behendigkeit,
Gelernt haben geschwindigkeit,
Heimlicher kunst auch vil erfaren;
Davon wolt er ihm offenbaren,
Was er meint, was sich leiden wolt;
Von ihm er wider fragen solt,
Was er nur im herzen begert,
Er wolts berichten unbeschwert. –
Murner antwort: Ich hab mein leben
Nicht auf vil große sorg begeben,
Sondern halt mich gern stil daheim,
On wenn mein verwandten gemein
Zu nacht sich an eim ort versamlen,
Daselbst zu tanzen und zu ramlen,
Da kom ich auch zu zeiten hin,
Sonst ich lieber im hause bin;
Je lengr je liebr bin ich allein,
Denn treu und glaub ist worden klein.
[81]
Des auch mein eigen rotgesell,
Bellart, mir oft gerückt das fell,
Und manchs mantier mich nit wil riechen;
So muß ich mich elend verkriechen.
Das ich aber nicht müßig seß
Und mein brot nicht mit sünden eß,
Sondern den mantiern, meinen herrn,
Zur not dienet und auch zun ern,
Hab ich mit Bellart die hausmacht
Auf gleichen teil zu halten acht,
Das er die menschen, wölf und leuen
Sol anmeldn und helfen abscheuen,
Die giftigen heimlichen tier
Hab ich al vorbehalten mir:
Schlangen, eidechsen und die maus,
Ich weiß sie wol zu spüren aus,
Ja die wiesel, maulwürf und ratzen
Schrecken für meine zen und tatzen;
Wenn auch das kanin oder hase
Diebisch meines herren kraut ablase,
In keinem wege ich das zugabe,
Sondern biß ihn die gurgel abe:
Darum helt mich der hauswirt wert,
Lesset mich bleiben ungefert.
Das ist mein kunst und anders nicht,
Da habt ihr ganz allen bericht.
Wenn ich dabei mein weib und kind,
Die mir von got bescheret sind,
Kan behalten in sicherheit,
Das ist mein allergröste freud.
Kinder sein lieb, kommen vom herzen,
Gehn wider zu herzen mit schmerzen,
Das ich sie oft übr wand und tach
Im mund umtrag mit ungemach.
Dem vatr und mutter gebürt kein er,
Der seim kind gönt wedr lieb noch ler.
Sonst halt ich mich nach dem sprichwort,
Das ich von meinem vater hort:
[82]
Halte dich rein und acht dich klein,
Sei gern mit got und dir allein,
Und mach dich nicht gar zu gemein.
So from macht sich das jungfreulein. –
Reinik fragt: Was braucht ihr für kunst,
Wenn euch entsteht der freunde gunst
Und ihr nichts mer seht denn den tod?
Wie entgeht ihr derselben not?
Habt ihr dawider nichts im faß? –
Er sagt: Ich muß bekennen, das
Der war klug, der laufen erdacht,
Der hat mich oft aus not gebracht.
Die kunst brauch ich für all gefar,
Hab sie probiert und funden war;
Denn ich halts für ein große tugend,
Die wol ansteht alter und jugend,
Das man nicht leicht feindschaft aufnem,
Sondern sei friedlich und bequem.
Der, wer alles vermeint zu rechen,
Was ihm die leut böses nachsprechen,
Der lebt immer in haß und neid
Und ist nimmer on zank und streit.
Wer als wil fechten und gar nichts leidn,
Hat sein schwert nimmer in der scheidn;
Und wird selbst müd, der andre jegt,
Schadet ihm selbst, der andre schlegt.
Helt aber unser feind nicht still
Und unser har ja haben wil,
Das man nicht allein manlich ringe,
Sondern vorsichtig davon springe
Und sich nicht begeb in gefar,
Ehe denn es nutz und nötig war,
Wie ich von den weisen vernommen:
Wer gfar liebt, wird darin umkommen!
Drum wenn ich spür, das meine feind
Mir etwas überlegen seind,
So kriech ich durch ein loch hinaus,
Versteck mich wie ein fremde maus
[83]
Odr spring hinan die beum und mauren;
Kan ich daselbst denn auch nicht dauren,
Alsdenn bitt ich erstlich um gnad;
Wil die auch gar nicht finden stat,
So wer ich mich on al scheue,
Beiß und reiß wie ein brüllend leue,
Das, wo ich mich nicht solt erweren,
Doch sterben mag fürm feind mit eren."
[84]
Das VII. capitel
[85] [84]Das VII. capitel.

Reinik verspricht Murners einige kunst und rumet seinen sack voll.


"Reinik sein augen abwerts kart
Und sprach aus spöttischer hoffart:
Warlich, gvatter, mich jammert euer,
Das ihr den mantiern ungeheuer
Untrworfen seid mit dienstbarkeit,
Habt verloren alle freiheit
Und lasset euch dazu noch plagen
Von ihnen und von hunden jagen,
Wisset dawider nichts zu machen,
Kein kunst zu brauchen in den sachen,
On das ihr alls auf die flucht setzt,
Den feinden entspringet zuletzt;
Habt dies villeicht gelernt von meusen,
Von heillosen flöhen und leusen.
Das het ich nimmermer getraut,
Der gvatterschaft mich schier geraut,
Dazu ich euch darum erkoren,
Das ich urteilt bei euern oren
Und bei den leuenangesicht,
Ihr würdet sein on weisheit nicht.
Wie betreugt eim oft die person,
Ist nicht alls gold, was gleißet schon!
Abr ihr seid ein recht alber götz,
Wie ich aus eurem bericht schetz.
[84]
Bleibt derwegen billig zu haus,
Sonst würd gfar euch kommen draus;
Denn wer jetzt wanket in der welt
Und weit ziehen muß über felt,
Und weiß sich nicht mit mancher list
Zu schicken wie die glegenheit ist,
Der komt in beschwerliche not,
Wird beraubt odr geschlagen todt.
Wie bin ich nur, die warheit zu sprechen,
Vil klüger gegen euch zu rechen.
Ich acht mich vil edler zun eren,
Das ich mich untergeb eim herren
Odr in der stadt und bürgerheuser
Schmarotzen gieng wie ein tockmeuser;
Doch mag ich nicht so gar allein
Einsiedel oder kleusner sein,
Sondern in großer versamlung,
Da sich finden beid alt und jung,
Die großen und die kleinen herrn,
Bin ich am allerliebsten gern.
Klein wasser machen niemand reich,
Best fischen ist im großen teich;
Und mache mein rechnung gewiß,
Das haupt sei edler denn die füß,
Besser sei, sich halten zun herrn,
Das man genieß ihrs guts und ern,
Denn das man sich mit bauren hudel
Und an ihren mistwagen sudel.
Wer sich stets menget unter die kleien
Wird auch gefressen von den seuen.
So fürcht ich nicht des mondes schein,
Wenn mir die sonn wil gnedig sein;
Wer aber je on sonn muß sein,
Der nem für gut des mondes schein. –
Doch halt ich hierin diese maß,
Das ich mich nicht zu weit einlaß
Und bleiben mög ein freier man,
Sofern ichs je vermag und kan.
[85]
Gedenk, man sagt: Graurock reiß nicht,
Herrengnad und huld erbet nicht,
Dien lang und foder dafür nicht,
So verleurst deins herren gunst nicht.
Jedoch reiß ich mich nicht gar abe,
Das ich ein freien zutrit habe.
Wer von dem feur bleibt gar zu weit,
Erfreurt gewiß zu winters zeit,
Wer gar zu nahe trit, wird verbrant,
Im mittel ist der beste stand.
Bei den, so die vornemsten sein,
Kan ich mich listig flicken ein,
Als wenn ich ihnen dienstlich wer,
Ser befordert ihr gut und er,
Wolt getreulich in ihren sachen
Alles wol helfen, tun und machen,
Was sonst sich niemand unterfieng,
Schickt so meisterlich alle ding,
Das sie mir traun ihr heimlichkeit;
Da spür ich bald, wie nah, wie weit,
Und kom endlich so hoch hinan,
Das der könig nichts schaffen kan,
Er hab denn Reinken vor gehort,
Der muß geben dazu volwort.
Hört er mich nicht, so mach ich doch
Durch ander in dem rat ein loch,
Dessen sich niemand het versehen,
Meinen, es sei on mich geschehen. –
Und das ich dis dest besser kan,
Bin ich friedlich gegn jederman,
Tadel gar nichts, lob all ihr sagen,
Denn warheit kann man nicht vertragen;
Sie stinken wie ein schwefellicht,
Und kan ihr doch entraten nicht.
Und wenn mich gleich verdreust im herzen
Und auch gar übel kan verschmerzen,
Das sie bisweilen sind so grob,
[86]
Wollen doch habn der weisheit lob.
Der esel wil die lauten schlagen,
Weiß doch nicht zu fassen den kragen.
Rümen von vilen großen sachen
Und lügen, das die balken krachen.
Wie großsprecher und dunkelgut
Zu hof alzeit das beste tut,
Verbeiß ichs doch und laß passieren:
Wer vogel stelt, muß ihn hofieren."
[87]
Das VIII. capitel
[88] [87]Das VIII. capitel.

Reinik betreugt Hippocras den raben um den kes.


"Wie ich neulich den Hippocras,
Welcher der raben doctor was,
Meisterlich antrieb mit den renken,
Kan sein on lachen nicht gedenken.
Am grünen donnerstag, im mai,
Kocht eine beurin ihren brei
Von neunerlei kolkreuterlein,
Solt wider alle krankheit sein,
Und nam dazu aus unverstand
Was sie schön grün im garten fand,
Dieweil sie in dem glauben stund,
Des tags wer kein kraut ungesund,
Insonderheit die blau münchskappen,
Des hornemons eschfarbe lappen,
Schirling, wolfsmilch und coriandern,
Gichtrüb, nachtschad, braunkraut zun andern,
Salbei mit krötengift befleckt,
Welchs kreutlein ihr so lieblich schmeckt,
Das sie für tod ernider lag,
Wust nicht zu leben einen tag.
[87]
Dem pfarrer ward dis bald vermeldt,
Der sich gar ser mitleidig stelt,
Tröstet noch etwas wol zur sachen,
Er wolt einen purgiertrank machen,
Den er für den allergewisten
Gelernt von einem alchymisten,
Denn wo man findt vil blinder geste,
Da ist der eineugig der beste;
Und nam dazu gelb bilsensamen,
Welcher het einen ebreischen namen,
Als wenn man sagt: das baal semen,
Das mans könt für ein balsam nemen;
Setzt dazu noch sonders etwas
Von künstlich gebrantem spießglas,
Von quecksilber praecipitat,
Das zum tod vil virtutes hat,
Zuletzt ein halbe coloquint,
Die alles austreibt was sie findt,
Mer denn sonst all trenk der doctoren,
Die unser pfarrer nant stocktoren.
Dies alles ließ er in eim wein
Zu einem müßlein sieden ein
Und so die patienten essen,
Solt davon all ihrs leids vergessen;
Sagt, ist die natur nicht zu mat,
Das sie genug der krefte hat,
Die erznei wol zu digerieren,
So wird es reichlich operieren;
Damit laß man mich nur bezemen,
Ich muß sie doch für todt annemen.
Noch weiter kocht er weizenklei
Und macht daraus ein großen brei,
Wickelt darein das weib mit fleiß,
Das gift auszulocken im schweiß.
Wie dis also verordnet was,
Kömt auch mein doctor Hippocras,
Reucht das tödtliche gift am weibe,
Ruft was er mag aus ganzem leibe:
[88]
Mors cras! – meinet den tod disfals.
Jeder sprach: Schrei übr deinen hals!
Aber der kol und erzenei
Erfüllten diese prophezei.
Nun wolt aber vom haus der rabe
Nicht unbelonet faren abe,
Und sahe auf der hort müssig liegen
Ein feisten kes (war von der ziegen),
Für vier tagen schön frisch gemacht;
Der alten, harten er nicht acht,
Weil sie zu der blas aus der nieren
Den lendenstein pflegen zu füren;
Den nam er auf rechnung hinweg,
Setzt sich auf einen dürren zweck
Und kluchzt frölich mit vollem mund,
Sagt: Frische kes sein wol gesund,
Sie machen weder sand noch stein,
Den wil ich gern verzeren allein. –
Da ich gleich war am selben ort,
Gedacht ich, war ist das sprichwort:
Wenn der rab schweigend essen könt,
So wer niemand, ders ihm vergönt;
Solt er die malzeit friedlich halten,
Das müst mein tausendkünstlein walten!
Und trat zum baum, sahe hoch empor,
Hub auch mein rechte hand hervor,
Fieng an zu reden und zu segnen,
Als sehe ich gebraten hüner regnen.
Hilf got, sprach ich, sol ich noch sehen
Für meinem end in der welt stehen
So ein überaus edlen herren,
Das geschicht mir zu großen eren;
Wie schöner sammet ist sein kleid,
Gleißet als wers mit gold bereit
Durch einen schwarzblauen saphir,
Sein stiefeln haben kein geschmier,
Sein recht natürlich corduan,
[89]
Wie wol steht ihm der schnabel an,
Wie leuchten die augen so fein,
Als werens zwei carfunkelstein,
Ser musterlich starret der schwanz:
In sum, er hat all schönheit ganz.
On zweifel hat got auch daneben
So schönem leib schön weisheit geben,
Ein prechtig stim und zierlich red;
Wenn nur got die genad noch tet,
Das ich dieselb anhören möcht,
Bald einer mich auf die meinung brecht,
Das ich jederman künlich sagt,
Der mich um neue zeitung fragt:
Dis wer die edelst creatur,
Die jemals auf den winden fur! –
Den raben, wie den narren pflegt,
Alles geblüt sich wandt und regt,
Für hoffart wuchs sein herz im leib,
Gedacht: damit die meinung bleib,
Muß es hie an der stim nicht feilen;
Ließ den kes fallen in dem eilen,
Wie er ihn so im schnabel het,
Unvorsichtig das maul auftet
Und rief mit aller macht: cras, cras!
Ich sprach: O Deo gratias,
Die stim ist gut, der kopf ein narr,
Darauf nein ich der kes ein par!
Nam den kes, ließ den narren stehen,
Mit hungrigen bauch schel nachsehen
Und mir vil böses prophezeien;
Es kont mir nicht übel gedeihen,
Weil es nur milch und butter war,
Wüst ich mer, ich wagt die gefar.
So pfleg ich mein er anzuwenden,
Mit lobsprechen die leut zu schenden."
[90]
Das IX. capitel
Das IX. capitel.

Reinik erwürget des hauspropheten großvater.


"Also tat ich mit dem haushanen,
Herren Kuckelrücken mit namen:
Derselb einmal zu mitternacht
Die stunden ausrief, das es kracht,
Auf seiner stangen da er was,
Bei seinen liebsten weibern saß.
Das hort ich an und sprach zur stund
Aus meinem wolberedten mund:
Was ist das für ein engelstim,
Die ich an diesen ort vernim?
Bin ich so selig nicht auf erden,
Das ich doch möcht berichtet werden,
Wer damit sei so hoch begabt?
Für allen stimmen sie hertrabt! –
Der gute han im finstern stal
Nicht recht kont sehen überal,
Meint, es wer sonst ein geistlich man,
Ders aus getreuen herzen getan,
Antwort: Ich bin der hausprophet,
Der wind und wetter wol versteht
Und kan die nachtwach treffen eben,
Dazu ist mir die stim gegeben,
Denn zu mitternacht und mittag,
Drei stunden zuvor und hernach
Eh die son auf- odr untergehet,
Der himmel noch rotgelblich stehet,
Wenns drei, sechs, neun und zwölf wil schlagen,
Kan ich die stund gewiß ansagen,
Danach das hausgesind aufstehet,
Der kriegsman auf die wacht angehet,
Derhalben auch mich die heerwagen
Zum krieg für knecht und reuter tragen.
Wenn ich aber die stund nicht halt,
Verendert sich das wetter bald,
[91]
Regen folgt auf den sonnenschein,
Nach der son wird trüb wetter sein,
Ja wann meine weiber laut schwatzen,
Als die regenwetter herplatzen,
Oder müßig die federn pflücken,
So wil ein wetter herzu rücken.
Ist der mensch klug, er tue mirs nach,
Oder sag meiner kunst ursach,
Die noch kein gelerter erraten,
Aß er gleich mein kinder gebraten.
Darum muß ich für allen tieren
Mein angeborn erenkron füren
Und meinen zweispitzigen bart
Nach aller hauspropheten art. –
Ach, sagt ich bald, verleihe mir got
Aus barmherzigkeit die genad,
Das ich in diesem mist alhie
Nur seß auf meine bloße knie
Und mit meinem sündlichen mund,
Der nichts denn übels reden kunt,
Unwürdiglich an deiner stirn
Küsset das heilige gehirn,
Darin der prophetische geist
Seine wonung helt allermeist;
Das wolt ich bei all meinen tagen
Got danken und mein kindern sagen! –
Der haushan nam in guter acht
Meine so heilige andacht,
Sprach: Ich sol meinem nechsten man
Mit allem dienen, wo ich kan,
Ja auch mit meinem leib und leben,
Darum wil ich dir den wunsch geben,
Wenn dir damit gedienet ist.
Sprang zu mir hinab auf den mist
Und reicht sein haupt treuherzig dar,
Wust nicht, das ich ein mörder war
Ich biß ihm bald den kopf entzwei,
Das er kracht wie ein frisches ei,
Und spottet seiner noch dazu:
[92]
Wenn ein prophet werest du,
Hettest du den kopf nicht hergereckt.
Da ligt der prophet tot im dreck!
Damit nam ich ihn bei der brust,
Trug ihn hin da ich gselschaft wust,
Die sich der arbeit nicht beschwerten
Und den propheten gar verzerten."
[93]
Das X. capitel
[94] [93]Das X. capitel.

Reinik bringet Petz den beren mit den mantieren zu kampf.


"Das ich aber vom raben sag,
Und wie ich die hüner hintrag,
Ist durchaus darauf nicht gemeint,
Das ich verzag am grösten feind,
Sondern der leue, wolf und der
Dürfen mich nicht ansehen überquer,
Oder ich reiß ihn wider possen,
Das sie merken, mich habs verdrossen.
Also ich, wie gestern gedacht,
Den Braun auf den honigmark bracht
Und seinen bruder Petz in not,
Weil er mir oft gedraut den tod,
Drum das ich seiner het gelacht,
Wenn er sein anschleg nerrisch macht,
Wie denn weisheit und guter rat
Im feisten wanst wenig raum hat.
Denn als ich die nacht hatt gejagt
Und gegn morgen, ehe denn es tagt,
Wider heim eilt zu meinem schloß,
Widerfur mir ein loser poß,
Das mir ungefer unterwegen
Der hungrig Petz stutzet entgegen
Auf einen engen schmalen steg,
Zu jeder seit war sumpf und dreck.
[93]
Ich dacht: nimst du zurück die flucht,
So findt er was er hat gesucht
Und ergreift dich; bleibst du hie stehen,
So wirds dir auch ans leben gehen.
Zu glück war da eine hole weid,
Darin kroch ich über die seit,
Fieng an zu kotzen und zu schneuzen,
Kleglich zu stönen und zu seufzen,
Und sprach: Ach das ich wünschen kunt,
Das ich leg in der erden grund;
Das ich niemand in schaden setzt,
Nicht ander tier tötlich verletzt! –
Petz hieng den kopf und sahe mich an
Und sprach: Reinik, mein lieber man,
Was ist dein klag, was ist dein not? –
Ich antwortet: Itzt bin ich tot.
Das mantier hat mir gift gegeben,
Darum kan ich nicht lenger leben;
Und wer mein as reucht oder ist,
Selber den tod ins herze frist.
Ich aß mit gift gefüllte feigen,
Darum kan ich nimmer gedeien. –
Petz ward zornig und sagt zu mir:
Lieber, was ist das für ein tier?
Für mich, da ich dasselbig sind,
Ich zerreiß es auf stück geschwind
Und bezal ihm damit sein gift,
Ehe denn es dir das herze trift. –
Ich sprach: Ach mein Petz, edler herr,
Ich bedank mich der großen er,
Das ihr aus lieb zur grechtigkeit
Mir tröstlich seid in meinem leid
Und seid über das noch bedacht,
Mit unüberwindlicher macht
Wider das bös mantier zu kempfen
Meinenthalb ganz und gar zu dempfen.
Ich bin ser mat und mag nicht leben,
Wil mich doch auf die reise geben
[94]
So weit mit kriechen, hinken, gehen,
Bis das ihr seht das mantier stehen.
Es ist ja rach süßer denn leben,
Was solt man um sein feind nicht geben!
Geht ihr nur vor, dahin ich sag,
Das euch nicht irr meins atems plag. –
So kamen wir vom engen steg
An des waldes eingang beim weg
Und traten in ein dick gesteud,
Zu schauen auf die wandersleut.
Bald hinkt heran ein Lappenheuser,
Hieng das haupt wie ein alt Carteuser,
Wolt hin aufs dorf zur bettelei.
Petz fragt: ob er das mantier sei.
O nein, sagt ich. er ists gewesen,
Das spürt man bei der blauen nesen.
Drauf folget ein knab im bloßen kopf,
Trug in der einen hand ein topf,
In der andern sein morgenbrot
Und sang mit furcht: Aus tiefer not!
Wolt aber suchen walderdber.
Petz fragt aber, obs dieser wer.
Er wirds noch werden, sprach ich wieder,
Jetzund ist er gar from und bieder.
Endlich der jeger einher trat,
Armbrust, spieß, schwert und hunde hat,
Einer hieß Greif, der ander Halt,
Waren ser wol bekant im wald,
Hatten manch schwein und hirsch gefangen,
Es war ihnen kein wolf entgangen.
Da sagt ich: Da kömt das mantier,
Ich muß sehn, wo ich mich verlier,
Es ist mir zu stark und behend. –
Petz sprach: Frisch auf, mein liebe hend,
Und rücket dem mantier die kap,
Das es den letzten odem schnap! –
Damit sprang er ihm fort entgegen.
Die hund furn auf den Petz verwegen,
[95]
Griffen ihm tapfer nach der kelen;
Er gdacht: Du must wider nicht felen.
Und wie Hippolten, Martis kind,
Als sie ihm kampf bot so geschwind
Der Hercules nam in die arm,
Das ihr ausfur beid sel und darm:
So druckt Petz den Halt an die brust,
Das ihm entfiel wasser und wust
Und der rückgrat mitten zubrach.
Dem Greifen er also zusprach,
Das ihm die derm fürn füßen hiengen,
Da hört man ein erbermlich singen.
Indes ward der jeger gefast,
Schoß etlich pfeil in großer hast
Ihm in den pelz, arm, bein und lenden.
Petz zog sie aus mit seinen henden
Und gieng zum jeger aufgericht,
Das er sein gschoß kont brauchen nicht,
Sondern dem Petz entgegen schmiß,
Nam zu beiden henden den spieß,
Setzt ihm den manlich an die brust,
Das war zu sehen schöne lust,
Und ich het drauf verwett ein land,
Er het ihn durch und durch gerant.
Abr Petz fasset den streich gewiß
Und schlug den schaft hinweg vom spieß,
Das der jeger zu boden gieng
Und ich zu verzagen anfieng.
Dieweil abr Petz das eisen zog,
Das ihm vom pfeil ins auge flog,
Die zung auch weit zum hals ausreckt
Und aus zorn seine finger leckt,
Sprang der jeger wider auf gering,
Ruckt aus seines schwerts scharfe kling
Und strich und stach zu Petzen ein
Ueber den kopf, hend, arm und bein,
Das er vom blut ward rot und naß
Und das link or hinfiel ins gras. –
[96]
Zu seim glück kam ein weib herknarren,
Ihr mel zu holn auf ein schaubkarren
Aus der mül, so da lag am wasser.
Als Petz vernam das groß geprassel
Und sah das rad zu ihm angehen,
Kont er für schrecken nicht bestehen,
Sondern lief unsinnig holzein.
Der jeger kert auch wider heim,
Sich um leut und hund zu bewerben.
Der Petz sol von sein henden sterben."
[97]
Das XI. capitel
[98] [97]Das XI. capitel.

Reinik bringet Petzen zum honigbaum, das er dabei erschlagen wird.


"Unterdes schaut ich zu von fern,
Ob die wunden auch tötlich wern,
Und fragt endlich, wie es wer gangen,
Wie er das mantier het empfangen.
Ich, sprach er, mag mit warheit sagen,
Das ich bei allen meinen tagen
Kein wunderlicher tier anblickt,
Das sich zum kampf so seltsam schickt.
Erst hetzt es an mich seine hund,
Die griffen mir nach kel und mund;
Und weil ich mit denselben facht,
Ein halb spinrad es herfürbracht,
Unten ein wenig darein biß,
So schnellten die spindeln gewiß
Mir in die haut und angesicht,
Der kont ich mich erweren nicht,
Sondern sie flogen um mich her,
Als wenns der fledermeuse wer.
Da ich aber auch zu ihm lief
Und mit ernst nach dem spinrad grif,
[97]
Warf es mir das ins angesicht.
Dabei must es auch bleiben nicht,
Zog aus der erden alsobald
Ein dürren baum, gar bunt gestalt,
Daran hieng eine blanke wurz,
Damit traf es auch mich im sturz
Und satzt ihn mir stark an die brust,
Drang auf mich zu so wild und wüst,
Wo es nicht het troffen ein knochen,
Es het mirs herz im leib erstochen.
Als ich den baum nun auch zubrach,
Das es fiel, hoft ich gwonnen sach;
Abr es sprang widr auf wie ein fisch
Und zog aus seiner seiten risch
Ein lange, blanke, scharfe ribben,
Und wer ich da so lang geblieben
Und nicht zuvor davon geflogen,
Ehe denn es all het ausgezogen,
Ich wer zerhackt elendiglich,
Mit dem or geblieben im stich.
Dazu kam noch ein wundertier,
Wie ein gespenst in weiß manier,
Das bracht mit eim groß geknetter,
Als ob es wer ein donnerwetter,
Ein ganz spinrad bis zu dem man
Und der spindeln ein ganzen kram;
Da war es zeit, das ich entgieng,
Ehe ich den tod zu lon empfieng.
Nun ich aber dies hab gewagt,
Weil du übr das mantier geklagt,
So beweis mir auch dankbarkeit
Oder vielmer barmherzigkeit,
Zeug das eisen aus meinen wunden,
Hilf, das sie recht werden verbunden
Und ich labsal hab vor onmacht:
Das bluten hat mich schier umbracht. –
Ich gedacht: Nein, das sind sie nicht,
[98]
Mein vater gab mir den bericht:
Es gescheh dir gleich lieb oder leid,
Deim feind trau nicht in ewigkeit!
Und antwortet: Mein edler held,
Gebt ihr mir gleich die ganze welt,
Wolt ich doch mein giftigen mund
Nicht hinbringen zu eure wund,
Euch für schuldige dankbarkeit
Noch machen größer herzeleid;
Was ich aber weiß von guten rat,
Beweis ich billig in der tat,
Und rat, das ihr wolt honig lecken,
Das ist bewert für zorn und schrecken,
Leßt im leib kein gelebert blut,
Zu den beulen ists auch ser gut,
So von stößen kamen und schlegen,
Auf die wunden kan mans auch legen.
Honig ist ein himlische erzenei,
Das macht euch aller schwachheit frei.
Petz sprach: Des bin ich mit dir eins,
Der rum ist zwar des honig seims.
Wo nemen wir ihn aber her?
Ich antwortet: Das ist nicht schwer,
Ich weiß einen baum, ist fein vol,
Wenn nur einer wer, der ihn hol,
Ich kan aber kein baum ansteigen,
Kan für schwachheit den rück nicht beugen,
Sonst ich des honigs so viel holt,
Als einer immer essen wolt. –
Ich verstund mich auf steigen baß,
Sagt Petz, da ich noch jünger was,
Nun bin ich zu schwer und zu schwach,
Dennoch die not zur tugend mach,
Wenn ich damit das leben rette.
Ich wil mit dir hin zu der stette;
Hette ich Tilen, meinen kleinen vettern,
Der solt im sprung den baum anklettern,
Doch möcht er meiner not vergessen,
[99]
Den honig gar alleine fressen,
Denn damit helt er keinen stich,
Ich muß selber versuchen mich. –
So bracht ich ihn zu einer foren,
Welch die mantier hatten erkoren,
Darin ein bienensitz gemacht,
Der ihnen die honig einbracht.
Die stieg er an mit großer mü
Und kroch immer den honig zu;
Als er aber die beut aufbrach,
Hieng eine keul für dem gemach,
Die all vol nagelspitzen steckt,
Wenn er die mit der faust abstreckt,
So prallt sie also fort herwider
Und fiel ihm auf den kopf hernider,
Das seinem nacken und dem or
Zum großen unglück widerfur.
Die bienen brauchten auch der wer,
Fürten auf ihn ihr ganzes her,
Stachen ihm maul und nas vol beulen,
Achten nicht sein brummen und heulen
Und das er ihrer viel erdrückt,
Wenn er das haupt durch die arm rückt.
Sondern wenn sie dazu noch rochen,
Das ihrer so viel warn zubrochen,
Von zorn sie tol und rasend worden,
Wolten den beren gar ermorden,
Für ihren honig, schloß und stadt,
Samtlich blieben auf der walstat. –
Indes kam Immenhans geschlichen
Zu dem brummen und honigriechen;
Ergrif dem dieb die hand im sack
Und nam sein holzart von dem nack,
Schlug an ein hole eich einmal
Und rief sein mordgeschrei mit schal,
Das Petzen vergieng hören und sehen,
Das er ließ hend und füße gehen,
Stürzt unbesonnen in ein pfal,
[100]
Der oben spitz war, lang und schmal,
Mit fleiß unter dem baum eingraben,
Das honigleckn gefar solt haben,
Der kegel gieng ihm ein zur seit,
Zur achsel aus, vom haupt nicht weit.
Da sprang hinzu der alte tropf,
Schlug ihm die holzaxt in den kopf,
Das er zu beiden seiten hieng
Und das gehirn zur erden gieng,
Die sel fur mit angst und trübsal
In einem grim ins finster tal;
Und sprach: Wilkom, herr honigdieb,
Nim mit dem wirt also fürlieb;
Dir ist nicht viel zu gut geschehen,
Zur andern zeit sols besser gehen.
Du meinst, es won hier Rustefeil,
Der nicht zu brauchen weiß die beil,
Hat Braunen nur die kappen gezogen,
Die kundschaft hat dich ser betrogen. –
Indes kam auch der jeger wider,
Spürt nach dem blut den wald hernider;
Ich wolt aber sein nicht erwarten.
So verstackt ich dem Petz die karten,
Das er mich ungefressen leßt.
Aufsehen ist im spiel das best.
Bessr ist furchtsam vorsichtigkeit
Denn tumküne vermessenheit."
[101]
Das XII. capitel
[102] [101]Das XII. capitel.

Reinik dienet auf seinem nutz und ander leut schaden.


"Ich biet mich auch bei jederman
Zum rat und beistand wo ich kan,
Nicht das sie mich für ihren knecht
[101]
Oder spotvogel halten schlecht,
O nein, dazu laß ichs nicht kommen,
Alls ist gericht zu meinem frommen.
Sie müssen mir sein untertan,
Ich bins, der sie regieren kan
Und werklich bei der nas umfüren,
Ja in der haut dazu vexieren;
Denn ihr herz steht in dieser hand
Fester denn in eim eisenband,
Und wer die herzen weiß zu wenden,
Der hat das spil gar in sein henden
Und gibt die karten wie er wil,
Davon sag ich andern nicht viel. –
Mitlerweil abr hab ich in acht,
Das meins beutels auch werd gedacht
Und ich groß gut möge erlangen,
Darauf ist alles angefangen.
Darauf muß der könig selbst denken,
Um wolverdienst gnadengeld schenken,
Die jungherrn müssn vererung geben,
Wollen sie für mich sicher leben,
Alle untertanen zugleich
Müssen Reinken fuchs machen reich,
Oder ihr sachen bleiben liegen,
Das sie kein guten abscheid kriegen.
Insonderheit lausch ich heimlich,
Wo ein reicher versündigt sich,
Das er gar hoch wird angegeben,
Als solts ihm kosten leib und leben,
Wo er mein nicht zun sachen braucht;
Die straf kan ich ausbitten auch,
Wo ich die sach auch kan verdecken;
Das er in not und tod bleib stecken,
Versuch ich alle meine list,
Die ser groß und erschrecklich ist.
Was der fuchsschwanz nicht wil erreichen,
Das muß die leuenhaut vergleichen,
[102]
Was ich durch lügen nicht erhalt,
Das reiß ich zu mir mit gewalt.
Denn weil es in der welt so gehet,
Das glück wie ein heuschober stehet,
Wer davon rupft, derselbig hat,
Wer sich verseumt, bleibt im tardat:
So ist billig, das faule hend
Got selbst mit armut schend und blend,
Die sich nicht wollen lassen raten,
Sitzn am tisch, verschlafen den braten.
Es sagt zwar der juris perit:
Male quaesit, male perdit,
Uebl gewonnen, übl zerronnen,
Mit fromsein kan ich nichts bekommen.
Man sagt zwar: das ist ein from man,
Und leßt ihn dennoch betteln gahn,
Es wird seiner gar schlecht vergessen;
Niemand kan von frömmigkeit essen.
Aber meine festung Malepart
Mit unrechtem gut gebauet ward,
Sie steht noch da und pranget daher,
Als wenns eins königs wonung wer;
Viel ackers und holz liegt dabei,
Das besitz ich ledig und frei,
Ob ich gleich nicht viel darum gabe,
Das meist zwackt ich meim nachbarn abe,
Insonderheit klosterpersonen,
Verachten münchn und albern nonnen,
Auch witwen, unmündigen waisen,
Und den so warn auf weiten reisen,
Versatzt alte malstein und pfel,
Macht wie ich wolt graben und wel
Und sagt, es wer von anfang mein.
Wolten sies nicht lassen gut sein,
Etwa zu hof anhengig machen,
So unterbaut ich alle sachen,
Kanzler und reten bracht ich gaben,
Das ich des königs gnad möcht haben.
[103]
Denn geld, gewalt und herrengunst
Zubricht er, recht und alle kunst.
Wenns aber ja noch hinken wolt
Und nicht hinaus gehn wie es solt,
So berief ich mich auf ein recht,
Das ward nie erfunden so schlecht,
Ich macht dawider solch artikel,
Das ich behielt ein groß partikel
Und mein widrsacher got noch dankt,
Das ichs halb nam on weiter zank,
Meint, ehe er macht mer parlamanz,
Sei ihm das halb mer denn das ganz.
Wers frischhin wagt, selten verleurt,
Wers feur nicht schlagen darf, der freurt,
Wer nach eim gülden wagen ringet,
Zu wenigsten ein lüns davon bringet."
[104]
Das XIII. capitel
[105] [104]Das XIII. capitel.

Reinike berichtet, was seines vater sele mache.


"So ists mein vater auch gelungen,
Dessen genießen noch wir jungen,
Ob er gleich jetzt nichts davon hat
Vielleicht aus gottes ungenad.
Wer reich wil sein für andern allen,
Kan sich alzeit nicht mit got stallen,
Kan nicht gewarten, was die sel
Ihm fürplaudert von tod und hell.
Denn wie der dachs zog über land,
Von meiner mutter ausgesandt,
Durch diesen wald sein reise nam,
Mein vater ihm entgegen kam,
Sprach: Glück zu, Dachs, wo denkst du hin?
Dem dachs entfiel beid mut und sin,
Weil mein vater verlangst gestorben
Und, wie er meint, gots reich erworben,
[104]
Sagt doch endlich: Heb dich, Satan!
Mein jungher ist ein todter man
Und seine sel in gottes hand.
Mein vater sich nahe zu ihm fand,
Verhieß ihm schutz und sicherheit,
Das er ihm folgt ein kleine zeit,
Bis er ihm zeigt, was er gern wolt
Und er sein kindern sagen solt;
Tet ers nicht, so müst er verderben
Oder von seinen henden sterben.
Nam ihn damit bei seinen haren,
Er must mit ihm von bannen faren
Und in ein holen berg absteigen.
Doch wolt er ihm das auch anzeigen:
Was man ihm geben würd und fragen,
Solt er nicht angreifen, nichts sagen! –
Als er nun in den berg ankam,
Fand er viel bekanten beisam,
Die giengen ihm höflich entgegen,
Mit handbieten, wilkomen segen,
Sagten, sie weren hoch erfreuet,
Das er ihr gselschaft nicht gescheuet,
Und satzten ihn erlich zu tisch,
Legten ihm für brot, fleisch und fisch,
Trunken ihm zu aus gülden schalen,
Wie es zugeht in fürstenmalen,
On das nach dem schnit, biß und trunk
Des feuers flam daraus entsprung.
Darnach hielten sie tenz und reien
Bei pauken, bosaunen und geigen,
Das feur auf einen jeden trit
Schoß da auch aus dem pflaster mit.
Mein vater aber fürt ihn abe,
Sprach: Schau, was ich für wollust habe!
Da sahe er in eim weiten feld
Mancherlei schrecklich feur bestelt,
Viel tausend selen darin braten,
Darren, schwitzen, kochen und baden.
[105]
Insonderheit die alte natter,
Unser schlangen mutter und vatter,
Für einem heißen rauchloch hiengen,
Viel stich und feurtropfen empfiengen
Von einem erschrecklichen geist,
Der die selen plagt allermeist,
Weil sie menschen und tier vergift;
Untreu sein eigen herren trift. –
Eisengrims vater, Dürsteblut,
Hieng auch dein oren in der glut
Und rief mit hochbetrübter stim:
Du dieb, hie ein exempel nim,
Süß ist erstlich das gestolen brot,
Aber zuletzt der bitter tod!
Viel hund hiengen verknüpft am schwanz,
Das sie gebult beim abendtanz,
Schwefel und pech begoß die beuch,
Und büsten so die hurenseuch. –
Viel großer rosten auch da stunden,
Drauf waren die großen fisch gebunden,
Die sonst die kleinen immer fraßen,
Und musten sich da braten lassen,
Als walfisch, merschlang, hecht und foren,
Ihr pracht und trotz war gar verloren.
Daneben waren viel eisenstül,
Glüende kolen ihre pfül,
Solten warten auf große herrn,
Auf leuen und grimmige bern,
Und dergleichen mancherlei sachen,
Die zu lang sind zu unserm sprachen.
Wer im leben kein richter hat,
Dem zalt der tod sein missetat.
Allerding sein die flö auch dort
Versamlet am besondern ort,
Das sie bei einer glüendn pfützen
Heufig am ufer umher sitzen,
Springen nach einer frauen bein,
Das über der pfütz schwebt allein,
[106]
Felen doch stets, fallen ins feur,
Da wird ihnen das lachen teur,
Bis sie wider zum ufer dringen
Und immer von neuen einspringen
Und das so treiben ewiglich:
So geraten die leckerstich. –
Die leus aber werden gekocht
In einer walkmülen gepocht,
Im rauch elendig ausgedart
Und in dem auskerich verschart,
Werden doch bald von neuen leben,
In die kessel zur beuch gegeben,
Wider durch vorig straf gezogen,
Das sie unschuldig blut gesogen.
Es geht ihn wie Salomon spricht:
Der narr lest von der torheit nicht,
Wenn man sie gleich abwaschen ließ
Und seinen kopf im mörser stieß. –
Mücken, raupen, die alls beschmissen,
Werdn auch daselbst widerum beschissen
Ins dreckentals brennenden mist,
Da der teufel cloaken ist.
Letztlich fürt er ihn zu eim strauch,
Der schrecklich war von feur und rauch,
Darin saß der elende pater,
Der alt Argelist, mein großvater.
Mein vater litt dieselbe pein,
On das er jetzt nicht war darein;
Sein zen von blauen schwefel branten,
Nadel spitz die zung durchranten,
Viel feurig gens ihn hinten zwackten,
Viel hüner vorn seine augen hackten,
Viel hasen ihn von oben bissen,
Und inwendig sein bös gewissen;
So manch tier als er jemals fraß,
So manch gespenst sein peiniger was,
Dessen kunt er sich keins erweren,
Es must ihn ewiglich beschweren. –
[107]
Darnach folgt, am besondern stell,
Auch der verfluchten menschen hell,
Deren geschrei er hört von fern,
Als wenns viel tausend katzen wern,
Viel hundert tausend kleine schwein,
So unterm tor beklemmet sein,
Und soviel er vernam und hort,
War ihr rat, warnung und wort:
Verachtet got nicht, lieben leut,
Und strebet nach gerechtigkeit!
Hetten wir das ehemals getan,
So würd es uns viel besser gahn,
Dürsten nicht klagen ewig leid,
Ewig, ewig ist lange zeit!
Wer ein sandberg uns vorgestelt
Viel größer denn die ganze welt,
Und ein vogel all tausend jar kem,
Auf einmal nur ein körnlein nem,
Und got uns denn erlösen wolt,
Wenn er das letzte körnlein holt:
So wer hofnung, das unsr elende
Zwar langsam, abr doch het ein ende;
Nun bleiben wir in gottes zorn
On al hofnung ewig verlorn,
Müssen mit dem leib und der selen
Für kurze freud ewiglich quelen! –
Als dies gesicht die nacht gewert,
Fürt er ihn heraus unversert
Und sprach: Das du weist meine hitz,
So reich mir deines messers spitz!
Die rürt er mit eim finger an,
Das eisen wie wasser zerrann.
Sag meinen kindern: woln sie brennen,
Sollen sie got nicht lernen kennen
Und ihres vaters bosheit uben,
Es ist ihn wol geheizt die stuben. –
Als nun der dachs widrum heim kam,
Und zuvor war ein schwarzer man,
[108]
Hat er verloren all gestalt,
War plötzlich worden grau und alt,
Sahe traurig und bestürzet aus,
Fürcht sich zu treten für das haus,
Als noch jetzt an ihm ist zu sehen
Und wird ihm vielleicht nicht vergehen. –
Wenn ich dies alles wolt bedenken
Und mit solchen sorgen krenken,
Würd ich bald seines gleichen werden,
Für der zeit kriechen in die erden:
Wie ich derselben viel gesehen,
Die immer mit sorgen umgehen
Und damit nichts anders erwerben
On daß sie für traurigkeit sterben,
Ja sein all todt, weil sie noch leben,
Das sie kein freud dem herzen geben.
Wenn man ein later oben deckt,
Die luft zur seiten auch abschreckt,
Das die flam kein atem kan finden,
So muß das licht endlich verschwinden:
So gehts wenn man aufs gwissen dringt,
Mit sorg das herz zusammen zwingt,
Das traurigkeit das herz erstickt,
Da freud leib und leben erquickt.
Darum schlag ich dies aus dem sin,
Und wenn gleich ander sind so schlim
Und mich damit wollen irr machen,
Das sie sagen von solchen sachen:
Dein vater wird wol warm sitzen,
Für dein reichtum Judas schweiß schwitzen,
Antwort ich: Das stell ich dahin
Und danke billig got und ihm.
Wer was haben wil, muß es wagen
Und nicht achten der leute sagen.
Und tue mich nicht desto minder um,
Wo ich noch mer dazu bekum,
Mich und die meinen herlich ner,
Es sei mit odr on got und er,
[109]
Und nach der erbeit feiertag halt,
Wenn ich zugleich bin reich und alt;
Und wenn ich das nicht brecht davon,
Das ich könt sein ein freier man,
Im alter mein warten und laben,
Ließ ich das wesn ein guts jar haben. –
Wie ichs aber in allen sachen,
Im fried und krieg pflege zu machen,
Wie ich freund und feinde betrüg,
Sie überwin und oben lieg,
Wie ich die falstrick riech und spür
Und aus denselben brech herfür,
Wie ich den jeger und den hund
Mit meinem schwanz verleiten kunt:
Were weitleuftiger zu sagen,
Denn sich wol schickt zu unserm jagen.
Summa, mit behenden anschlegen
Ist mir kein tier noch überlegen;
Ich bin ein man von tausend künsten,
Eur allerbestn acht in die mindsten,
Ich hab davon mein sack gar vol,
Das man in der tat spüren sol,
Ein solche kunstgelerte hand
Passieret frei durch alle land.
Meint nicht anders, denn euer art
Wer auch von natur so gelart;
So findt sichs leider in der tat,
Das viel ein andern zustand hat,
Das ihr wert mit der alberkeit
In kurz kommen in großes leid."
[110]
Das XIV. capitel
[111] [110]Das XIV. capitel.

Wie Reinik von den bergemsen betrogen wird.


"Murner sagt: Lieber, sagt mir das,
Ob in der welt kein tierlein was,
Das euch ehemals auch hat belogen
[110]
Und zu eurem schaden betrogen. –
Ja, sprach Reinik, das hat wol fug;
Wer war zu allen stunden klug?
Es versichts der scharfsichtig luchs,
Man fengt auch ein gescheidten fuchs.
Es ist auch keiner so geschwind,
Der nicht einmal sein meister find.
Mich hat allein der geiz gefellt,
Der sonst verfürt die ganze welt. –
Denn als ich las, es wer ein land,
Für alters India genant,
Darin ser große emsen weren,
Die sich mit eitel gold beschweren
Und das aus holen bergen tragen,
Fieng ich an jederman zu fragen,
Wo die löcher zum goldberg giengen
Und womit sie das gold auffiengen,
Und ward zuletzt in Sachsenland
Mit solchen emsen wol bekant,
Die aus India kommen waren,
In teutschen bergen zu erfaren,
Ob darin auch wer gold zu finden,
Das sie ernert mit ihren kinden. –
Sie fürten mich in ihre genge,
In die tief, in die quer und lenge,
Durch die stollen zu dem anbruch,
Das ich zuriß hosen und schuch
Und den kopf voller beulen stieß,
Auch oftmals einen faren ließ.
Noch kont ich da kein gold ersehen,
Da sie wiesen, das es solt stehen;
Es war ein lauter felsicht stein,
Dennoch must ich betrogen sein.
Sie zeigten mir einen bunten kies,
Das wer rotgülden erz gewiß,
Sie brachten gülden, taler, kuchen,
Fragten, ob ich den auch wolt fluchen,
[111]
Ob das nicht weren gottesgaben?
Ich solt mein anteil daran haben,
Wenn ich etlich kuchs lösen wolt
Und zubuß geben wie ich solt. –
Und das ichs nicht acht für ein bettel,
Zeigten sie mir der gwerken zettel,
Darin waren fürstlich personen,
Herzogen, grafen und baronen,
Canzler, doctores, ret und kramer,
Kürschner, schneidr, schuster, schmid und hamer.
Viel tausend gülden standen daneben,
Die sie hatten zur ausbeut geben
Und arm gesellen reich gemacht,
Die zuvor wenig dran gedacht,
Viel herrnheuser gebaut in stedten,
So noch das gröst ansehen hetten.
Der schreiber auch zu mir einlief
Mit eim gedruckten brief und rief:
So bekemen fremde leut
Auf einen kuchs quartalausbeut
Von jener zech, von dieser gruben,
Das weren warlich keine ruben!
Und da ich stutzt und nichts drauf sagt,
Zweifelt, ob ichs ließ oder wagt,
Schankten sie mir selbst gar umsonst
Zum anfang drithalb kuchs aus gunst
Und schwuren bei S. Georgens pferd,
Sie weren hundert taler wert. –
So fiengen sie mich armen toren,
Ich spert gar weit auf beide oren
Und freut mich der großen zusagen,
Gedacht: wolan, du wilt es wagen,
Es ist wol ehe ein schanz verlorn,
Ein blind hun findt auch wol ein korn!
Und kauft damit ein ganze zech,
[112]
Gab zubuß und vererung frech;
Die ausbeut aber wolt nicht kommen:
Wie auch mein weib, wenn sie vernommen,
Das ein kuchskrenzler sich einstelten,
Sie für landreuber pflag zu schelten,
Die zusagen, ausbeut zu bringen,
Und nur ausbeuteln bedingen,
Das man nach ausbeut auf vorrat
Alles ausbeutelt, was man hat.
Ich fragt auch selbst: Wie stehn die sachen?
Wolt ihr nicht gold und silber machen?
Sie sprachen: Herr, ihr solt wol hoffen.
Wir habn ein harten fels antroffen,
Den können wir nicht bald gewinnen,
Des wassers ist auch ser viel drinnen,
Das müssen wir zum stollen füren,
Sonst wir gediegen erz drein spüren,
Der art und des halts durchaus eben,
Als sonst die fundgrub tregt daneben,
So auf ein kuchs zehen taler gibt;
Der hats werter, dem das geliebt.
Das war die red zu aller zeit,
Abr: Gib zubuß, war der abscheid.
Die zechbrüder sahen alle scheel,
Die schicht gab nicht, die teil warn fel.
Sie brauchten aber diesen possen,
Wenn sie merkten, ich ward verdrossen
Und wolt hend und füß lassen gehen,
Mit meiner gewerkschaft abstehen,
Das sie machten ein groß geschrei,
Der gülden anbruch kem herbei,
Und gaben ein gering ausbeut,
Und das nur auf ein kleine zeit;
Oder sprengten gold in den sand
Und brachten den mit voller hand,
Ließen ihn al wardin probieren,
[113]
Das man daran nichts könt verlieren.
Darnach holten sies vielfacht ein,
Es kam wider der harte stein,
Es scheit sich ab der gülden sand,
Man müst tiefer graben ins land.
Das ich nach solchen bubenstücken
Drei tausend gülden must verkucken
Und die greifen wegfüren lassen,
So wonen an der emsen straßen
Und oft nemen haus, acker, pferd,
Der herr entleuft on tasch und schwert,
Ehe denn ich sie im grund erkant,
Auf öffentlich lügen befand,
Das sie mein geld immer hinnamen
Und nimmermer zur arbeit kamen,
Oder brauchten finanz daneben.
Für hofnung wil ich nichts mer geben. –
Wie auch für all schmelzhütten sachen,
Der ich mit schaden pflag zu lachen,
Und sie hüt dich hendel zu nennen,
Ein ander lern sie auch erkennen!
Denn als ich in die hüt oft kam,
Zuletzt ihr latein recht vernam,
Sagen al pochwerk: baustu hie kuchs,
So geht dein geld induchs, induchs!
Die belg riefen auf für den ofen:
Hie gilts, hraußer aus haus und hofen!
Es mag wol sein, das es war sei,
Das ehemals vorteil war dabei,
Wenn man kuchs baut, hütten verlegt,
Sich der zubuß und sorg erwegt.
Ehemals, sag ich, vor alten jaren,
Als der berg reich, die leut from waren,
Die meister, knappen, steiger, treiber,
Die vielnemer, wenigeinschreiber,
[114]
Odr die auch itzund sein also,
Das der ihrer treu noch wird fro,
Der sie notdürftig kan erneren
On seine hauptnarung beschweren,
Selber zuschauet wie alles gehet
Und nicht auf fremden füßen stehet.
Abr da die vogel sein geflogen,
Die arbeitr gar ausgesogen,
Und dennoch jedes amt im spiel
Sein nutz und aufnam haben wil,
Ja da glaub und treue ist gestorben
Und eigennutz sich eingeworben,
Liegen schelmen unter begraben,
Die nichts denn btrug gelernet haben,
Die allen den unglück aufbauen,
So ihnen am besten vertrauen. –
Das es ihm geht wie der hund sagt,
Da ihm einer begegnet und fragt,
Wie er den braten haben kunt,
Den er hertrug in seinem mund;
Er müst mit dem koch ser wol stehen.
Ja, sprach der hund, das ist zu sehen
Auf meinem rücken bei dem schwanz,
Den ich nicht kont wegbringen ganz,
Weil mir der koch gerissen possen,
Mit heißen wasser mich begossen
Und so elendiglich verbrent,
So hat dies ein beschissen end.
So gehts partiten und kaufmanssachen,
Die haben alle gar gut machen,
So lang die reichen reuter schweigen,
Die ihnen geld oder waren leihen;
So bald abr einer sich bedacht,
Das erschrecklich geschrei ausbracht,
Er wolt nicht lenger hinfurt borgen,
Wird alle freud zu leid und sorgen.
Da wachet auf die ganze welt,
Jederman ruft: Kaufman gib geld!
Da bringet der teufel aus der hell
[115]
Ein schutzbrief mit der quinquernel,
Da wird der fleischman stal und eisen,
Da wil man ihn die güter weisen,
Darin doch gar nichts ist zu finden,
Ob man gleich viel wil lassen schwinden,
Bis alle mit zu grunde giengen,
Die ihm ihr geld und gut aufhiengen. –
So schimpflich purzeln all neun jar
Der statlichn kaufhern etlich par,
Sonderlich die vom dienerorden
Zu gar schleunig gnad jungher worden
Und nicht von eltern, gut und erbe
Lernten und warten ihr gewerbe,
Fürsichtig kaufen, richtig bezalten,
Das glaub und abscheid nicht erkalten,
Billig verkauften und mit fug
Zwar zum gewin, doch on betrug,
Niemand borgten on wolbekanten,
Schuld zeitig und instendig manten,
Selber brauchten augen, mund, feder,
Dieweil es galt ihr eigen leder,
Sparten zusam, doch nicht zun eren,
Ließn ihrn nachbar auch sich neren;
Sondern hatten on gut den mut,
Taten auch wie noch mancher tut,
Meinten, geborget wer alles eigen,
Wolten mit fremden füßen steigen,
Mit fremden augen alles sehen,
Für sich teglich zur weinzech gehen,
Die sorg vertrinkn, im spiel gewinnen
Biß faß, boden und kasten rinnen
Und wird aussetzig alles bar,
Was zuvor fein bestendig war,
Insonderheit der vorig glaub
Verschwindt oder wird stum und taub,
Das er höret und gibt niemand,
Jeder schleust auch für ihm die hand. –
[116]
Wenn solcher kaufman schlafen gehet
Oder am morgen frühe aufstehet,
So bitt er, got wolt ihm nichts geben
On niemand das bei seim leben,
Sonst müst er zeitig neue schuhe kaufen,
Mit weib und kind zum land auslaufen;
Wenn er todt sei, so mag es gehen,
Die frau wird wol zum kasten sehen,
Vertreten ihr gerechtigkeit,
Das die kinder auch sind erfreut;
Denn obgleich müssen hendel sein,
Die fleißig zuser neren fein,
So ist es doch nicht gottes wil,
Das man es treib zu hoch und viel
Mit armer leut trenen, schweiß und blut,
Unter sich kratz alls geld und gut,
Uebermeßig zer, bau und prang.
Was gar zu hoch ist, steht nicht lang:
Der das erst sagt, hats gut gemeint,
Das fremd geld sei biedermans feind,
Und wer eilet zu seim verderb,
Der borge geld und kauf ein erb.
Das hab ich in mein jungen jaren
Auch mit schaden müssen erfaren."
[117]
Das XV. capitel
[118] [117]Das XV. capitel.

Wie ein alchymistischer goldkefer sich bei Reiniken einwirbt und der philosophen stein machen leret.


"Ich war vom berg kaum abgestanden,
So komt gar fern aus fremden landen
Unversehens in der luft geflogen
Und zu mir in mein schloß gezogen
Der goldkefer herr Güldenwort
Und berichtet mich also fort,
Wie er vor etlich dreißig jar
Zu Venedig ein goldschmid war,
[117]
Hernach aber ein münch geworden,
Getreten in den bettelorden
Und daselbst von eim alten frater,
Der ehemals gewesen ein Tater,
So viel gelernet und erfaren
Neben andern particularen
Und der natur wundersecreten,
Darum ihn die erzt oftmals beten,
Das er nun aus den münzen allen
Und aus allerlei art metallen
Mit seinen künsten machen wolt
Warhaftig und bestendig gold.
Und als ich ihm zur prob anbot
Des reinen quecksilbers vier lot,
Zog er ein gleslein aus der mauen
Und sprach: Ihr solt selber zuschauen;
Seht, das ist ein braun pülverlein,
Genant der philosophen stein
Und bei den Moren elixir.
(War ein rot glas, da hielt ichs für.)
Dessen tue ich ein wenig dran,
Als auf einr messrspitz liegen kan,
Und setz es in eim test zum feur.
Ich bin mit meiner kunst nicht teur. –
Das weret so ein kleine weil,
Das quecksilber verschwand in eil,
Ein lauter gold goß er daher,
Als wenns ein portaglöser wer,
Und sprach: Dies hat seinen bescheid,
Nemet ein hammer, schlagets breit,
Bringts mit spießglas, weinstein zu feur,
Probierets auf mein abenteur!
Ich wils für ungrisch gold geweren,
Das kein feur ewig sol verzeren,
Denn dies pulver ist nicht gemein,
[118]
Es ist der philosophen stein,
Die oberst seel aller metallen,
Die alles, was ist abgefallen
Von goldesart in unrein wesen,
Ausfeget als ein englisch besen,
Das auch kein unreinigkeit bleibe
Oder krankheit in unserm leibe.
Nein man des pulvers nur ein gran,
So werd gesund der kranke man,
Als Theophrast mit seim azot
Die leut curieret wie ein got.
Aurum potabile weiß rat,
Wenn alle welt verzaget hat,
Ja eim alten verlebten man,
Der hundert jar berechnen kan,
Machts wider jung, gesund und stark,
Verneuret herz, gehirn und mark,
Insonderheit die spiritus,
Darein unser seel wonen muß,
Als wenn er wer von zwanzig jaren
Allererst wolt zum ehestand faren:
Wie Aeson und ein bock jung ward,
Als Medea ihr kunst nicht spart.
Und das noch ist wunderseltsam:
Man setzt damit ein reis in stam
Mitt im winter, so wird man sehen
Blumen und obst daran aufgehen.
Und ander größer höher sachen,
Die sonst kein creatur könt machen,
Die kan der philosophen stein:
Des sol dies gold ein proba sein. –
Ich nam das gold, ließ es probieren,
Kein mangel kont man daran spüren,
Ob man gleich al goldschleger fragt,
Es war und blieb gold, wie er sagt.
Darnach bericht er, das er kommen,
Weil er vom alten münch vernommen,
Mein vater wust dieselbig ler,
[119]
Aber dabei der vorteil mer,
Das er das braun pulver bereit
Mit wenigr unkosten und zeit;
Seins aber gieng langsam daher,
Macht kosten und aufwarten schwer
Und wird oft geringlich versehen,
Das nach dem wunsch nicht wolt ausgehen.
Wenn ers nun von ihm lernen könt,
Herzlich gern er ihm wider gönt,
Was er verborgne sachen fand,
Wenn er reiset durch fremde land,
Von aquaviten, mithridaten,
Die sonst kein doctor könt erraten,
Von panace und siegelerd,
Die allem gift kreftiglich wert,
Vom balsam, der in einer stund
Alle gebrechen heilen kunt,
Von bisem, der ser kostbar war,
Wenn man schweinsblut, zibet, rehar
Im seumagen zusammen dart,
Bis er widernatürlich ward,
Von handgriffn in scheiden und proben:
Das werk würd seinen meister loben. –
Ich sagt ihm, das bei meinen eren
Mir das bömische dörfer weren,
Der ich mein tag keines erkant,
Solch kunst wer nicht in meiner hand;
Ich het auch niemals können wissen,
Das mein vater sich des geflissen,
Der vorlengst ruhet in der erd.
Jedoch wer es verwunderns wert,
Das gold so leichtlich würd gemacht,
Und wer dennoch so hoch geacht,
Ja das sich der so wenig fünden,
Die also bald gold machen künten.
Ich meint, wie gottes son allein
Das wasser könt machen zu wein,
Und der schöpfer aller creatur
[120]
Schaft und wandelt in der natur,
Also wer es gottes almacht,
Das die erde gold odr silber bracht,
Und were engeln und menschenkindn
Die kunst unmöglich zu erfinden,
Es geschehe denn durch falsche farben,
Das mans korn verstackt in strogarben,
Odr ein geist die zubuß brachte,
Der sein ergebne leut reich machte. –
Wie der crocodil trenen weint,
Wenn er einen zu fressen meint,
So fieng er auch an elend zu klagen
Und von großem unglück zu sagen,
Das er die reis getan umsunst
Und fünd weder vater noch kunst;
Bat mich, ich wolt die kunst nicht schweigen,
Ich solt sie wol belonet kreigen,
Er wolt mir wider offenbaren
Alles was er sonst mer erfaren;
Denn gold were zwar leicht gemacht,
Vorteil müst aber sein bedacht,
Den fünden wenig in der welt,
Ob ihm gleich ser würd nachgestelt,
Darum der alchymisten rot
Oftmals nicht het das eitel brot,
Weil sie aufwendet alles gar
Was man ihr geb odr sonst ihr war,
Hoffet immer aufs wolgeraten
Und arbeitet auf eitel schaden.
Denn wie sich fand die kunst einmal,
Das man glas fest macht als metal,
Riß kaiser Tiberius weg,
Zerbrach und warf alles in dreck,
Darin und mit solches zugieng,
Das man das gold nicht acht zu gring.
Also nam Diocletian
Sich eben solcher hendel an
[121]
Und verbrant in Egyptenland
Alle kunstbücher, die er fand,
Das die Egypter nicht gold machten,
Krieg wider die Römer aufbrachten.
Folgend kaiser und bebst zugleich
Die kunst auch verboten im reich
Und hielten die meister gefangen.
So ist kunst und vorteil entgangen,
On was dein vater davon wust,
Das het ich noch zu lernen lust. –
Ich schwur ihm noch ein teuren eid,
Ich wust davon keinen bescheid;
Gönt er mir aber seine kunst,
Ich wolt sie nicht lernen umsunst,
Sondern ihn für ein vater eren,
Bei mir behalten, schützen, neren,
Al mein hab und gut mit ihm teilen,
Es solt an Dankbarkeit nicht feilen. –
Er antwortet: Das ich gold kan machen
Sein nur heimlich verborgne sachen,
Und neme nicht die ganze welt,
Das eim fürsten würd angemeldt,
Die mich bald würden gar vermauren,
Das ich ihnen mit großen trauren
Und mit wenigem herzeleid
Solt warten auf die goldarbeit.
Drum Daniel Beuthe sich selbst umbracht,
Das er dies nicht zu thun gedacht,
Wie er in derselben gefar
Bei Churfürstn Augusto war
Und turnheuser lieber wolt reißen,
Denn sein erst meisterstück beweisen.
Wer sein herr selbst kan bleiben allein,
Der sol keins andern diener sein,
Drum hats damit seine gestalt,
Das ich meine kunst heimlich halt;
Hette auch meine prob wollen sparen,
[122]
Wenn ich eurs vaters tod erfaren. –
So weigert er sich treflich ser;
Ich bat immer je lengr je mer
Und wolt ihn des erlassen nicht,
Bis er mich von der sach bericht
Und sprach: Das ihr mein willen spürt,
Red ich wie einem freund gebürt.
Sonst könt ich von planeten sagen,
Wie braut und breutgam sich vertragen,
Wie die nacht kömt, die raben fliegen,
Der tau felt wenn sie schlafen liegen,
Wenn der volmond scheint über nacht,
Die morgenröt die sonn anbracht,
Wie Mercurius ist so wild,
Wie man passion mit ihm spilt,
Wie man im pferdmist basilischen
Machen muß, speisen und ausfischen
Und gar verbrennen, das der stein
Davon überbleibet allein,
Wie die schlang ihren schwanz einfraß,
Wie schnel sich versteckt hirsch und has,
Vom roten man und grünen leuen,
Vom narrentanz und luftgebeuen,
Von dem kunstweisen himmelspiegel,
Wie man die sternen reimt zum diegel,
Das sie aus dem Mercur entspringen
Nach dem mond, sonnenschein anbringen,
Wie alles aus dem cirkel gehet,
Wie die dreifaltigkeit bestehet,
Wie alle kunst der alchimei
Im ei fein abgebildet sei,
Und Jupiter des adlers ei
Aus seiner schoß wirfet entzwei,
Als er den roßmist hinausschnelt,
Damit der keser dem ei stelt,
Wie man das ei machet zum kalk,
Aus dem weißen ein wasser walk,
[123]
Aus dem dotter ein öl gewinne,
Damit gold schaf nach seinem sinne,
Wie man die form und farb vom golde
Fein meisterlich abscheiden solte,
Das ein schneeweißes silber bleibe,
Als die seel abscheidet vom leibe,
Und wenn man denn des goldes seel
Einem andern metal besel,
Das aus demselben werden solt
Auch alsobald pur lauter gold,
Kem aber zum metal der leib,
Das es silber werd und auch bleib.
Wie Pythagoras ehemals lert:
Wenn ein seel beim esel einkert,
So bekem er menschenverstand,
Als man an pferd und hunden fand;
Wenn aber auch des esels art
Am menschenleib geschmieret ward,
So bekem er eselsgestalt,
Ob er gleich seine seel behalt:
Als Lucio ist widerfaren
Und Lucianus schreibt für jaren.
Von diesem allen sag ich nicht,
Es sind poetische gedicht,
Damit die alten diese kunst
Verdunkelt haben aus abgunst. –
Wisset, das wenn etwas sol aufgehen,
So muß man seinen samen seen,
Ihm speise schaffn und warme zeit
Bis zu seiner volkommenheit;
Im gmein abr im wasser und erden
Aller ding samen funden werden;
Durch wirkung der luft, werm und sternen,
Die alles erregen von fernen,
Das die kreuter, tier und metallen
Daraus wachsen und herausfallen,
Ehe denn sie einign samen gaben:
Das wil der schöpfer also haben.
Jedoch ist auch weisheit und kunst
Dabei nicht todt und gar umsunst;
Sie lert, wie man den samen findet
[124]
Und ihn seiner mutter verbindet,
Wie man ihm speis und werme gibt,
Bis das er tregt was uns geliebt;
Sie nimt asch, salz, sand, hünermist,
Lessets aufgeren als ein mist
Und schmelzt daraus ein schönes glas,
Dem kein edelgestein gleich was;
Aus einem kies sie lasur erwarbe,
Aus schwarzm blei weiß, gelb und rot farbe,
Aus felsen erz, bild und gebeu,
Zur bürger trost, zur feind abscheu;
Aus metal, kreutern, stein und bein,
Auch salz und öl, wasser und wein
Sie nimt ein kleinen kern zum samen,
Macht draus ein großen birnbaumstamen,
Und wil der winter nicht gestehen,
Das man die zweig sol blühen sehen,
So setzt sie die ins warm daheim
Und lesset sie ausblühen sein;
Also, wenn kein gluckhenn da ist,
Legt sie die eier in warmen mist
Und heckt die küchlein dennoch aus
Wie im egyptischen backhaus.
Wenn man nun gold wil wachsen lassen,
Braucht man hie der kunst gleichermaßen
Und leßt des goldes samen fallen
In allerlei erz und metallen,
Hilft das mit feur bald zurecht,
Was sonst die natur langsam brecht.
Wie man aber den samen finde,
Ist zu erforschen ser geschwinde;
Denn wie der kern ist in der schalen,
Das mel wird aus der klei gemalen,
Das ei aus dem vogel entspringt,
Also gokd goldes samen bringt.
Doch mus die schal gebrochen sein,
Wil man den samen haben rein.
[125]
Das sich ein andr gestalt anfang,
Ist not der ersten untergang.
Nur das die erste materia bleibe.
Daraus erwachsen neue leibe,
Als holz, stein, blei gab glas, erzfarbe,
Wenn sein erstes wesen verdarbe,
Das gschicht hie auf mancherlei weis:
Man reinigt quecksilber mit fleiß
Und wiegt sein zehn mal so viel dar,
Als sonst des feinsten goldes war,
Und tuts zusam im steinern magen,
Der die feuerflammen kan vertragen;
Darin kochts langsam, nicht geschwind,
Bis das sich kein quecksilber findt
Und das gold am vierzigsten tage
Da wie ein kolschwarz pulver lage;
Das pulver wird nun distilliert
Mit großm feur, wie sichs gebürt,
Das man ein feuchtigkeit gewint,
Die wider zu dem pulver rint
Oder, wenn sie ist abgeflossen,
Siebenmal wider wird aufgossen:
So wirds schön silberweiß gemacht
Nach hundert acht und achzig nacht;
Von daran wird es gelb und rot,
Wie sich die morgenröt erbot,
Das Salomon selbst hiezu lacht
Und diesen schönen spruch drauf macht:
Wer ist die, saget mir bericht,
So wie die morgenröt anbricht,
Die schon herfürleucht wie der mon
Und auserwelet wie die son,
Erschrecklich wie die heresspitzen?
Dennoch lesset mans besser schwitzen,
Bis das es sein carbunkelfarbe
Am zwei und vierzigstn tag erwarbe
Und ward des philosophen stein,
Der zu dem werk wird besser sein,
[126]
Wenn man das geschirr zubrechen mag,
Nach zweihundrt zwei und siebenzig tag,
Nach welcher zal und zeit auf erden
Die menschenkindr geboren werden,
Und zehenmal so viel gold da zelt,
Als der stein für sich einmal helt,
Lest ihn damit drei tag stark brennen,
So wird man sein farben nicht kennen,
Wie das kind anders wird gefunden,
Wenns in sein windlein ist gewunden;
Und wenn denn auch davon zuletzt
Nur ein lot wird ins feur gesetzt
Mit drithalb hundert lot metal,
So wirds lauter gold alzumal.
Ja wenns möglich wer, das das mer
Eitel geschmolzen metal wer,
Man könt dasselb mit diesen sachen
Zu eitl arabischen gold machen,
Wie victril, wenn er mit grünspan
In schustertinten wird getan,
Ein glüend stal zu kupfer macht,
Wie kupfer wird zum feur gebracht
Und mit galmei also versetzt,
Das daraus gut messing wird zuletzt,
Geferbet wie ein gülden ring,
Wenn er trinkt goslarischen zink.
So doch messing solcher figur
Auch in Cypern wechst von natur,
Wie ich den messing, wenn ich wolt,
Auch machen wolt zu lauter gold;
Denn weil al ding zu seiner zeit
Strebt nach seiner volkommenheit,
So wol auch al metal gold sein,
Kan sich aber nicht machen rein,
Weil ihm kraft und hitz daran feilt,
Die ihm also wird zugeteilt. –
So berichtet der Güldenwort
Und fur in der red weiter fort:"
[127]
Das XVI. capitel
Das XVI. capitel.

Von mancherlei alchymistischen goldmachen, und wer sich dessen gebraucht habe.


"Dies ist die hauptkunst gar allein;
Daneben noch viel ander sein,
So auch silber und gold erreichen,
Aber dieser nichts zu vergleichen,
Als das man künstlich finden kan,
Was die erz, silber und gold han,
Und den gewinnen oder scheiden.
Oder zugab tun allen beiden;
Denn als in Sicilia war
Archimedes, sein jetzt viel jar,
Fragt sein könig von ihm bericht,
Ob lauter gold wer oder nicht
Die kron, so erst gemacht neu,
Oder wie viel silber dabei.
Da gedacht der sinreiche man,
Wie er die sach wolt greifen an,
Und wust auf keinen ort zu setzen,
Wenn er die kron nicht solt verletzen.
Als er aber zum bad daher
In sorgen ankam ungefer,
Nackend in die wannen sich legt,
Zusahe, wie das wasser sich regt
Und so viel immer höher gieng,
Als er sich zu senken anfieng,
Bis es zuletzt auch übergoß
Und aus der wan aufs pflaster floß:
Da fiel ihm ein der fragen grif,
Das er für freud zum bad auslief
Wie er aus mutterleib gewunden,
Rief überlaut: Gefundn, gefunden!
Und tracht hernach mit allem fleiß
Den sachen nach auf solche weis,
[128]
Nam silber, gold, gleich viel zumal,
Und macht aus eim jeden ein bal,
Das er sehe, wie in gleicher schwer
Das gold kleiner denn silber wer.
Darnach bracht er zween becher dar,
Einer gleich wie der andre war,
Ließ jeden in einer schüssel stan,
Goß wasser drein bis oben an
Und senkt hernach die kugeln ein
In jeden becher sittig fein,
Wug das wasser, so heraus floß,
Und rechnet denn den überschoß,
Wie viel das silber mer ausprest,
Denn sonst das goldwasser gewest,
Und schloß zuletzt: so viel da würd
Die kron ausdringen mit ihrer bürd
Mer wassers, denn ihr goldgwicht solt,
So viel silber wer bei dem gold.
Das, silber ward auch so probiert
Und, ob es gold het, ausgespürt,
Wenn mans in freier luft erst wug,
Darnach die wag ins wasser schlug
Und versuchts, wie es da zugieng,
Ob auch der balk gleichrechtig hieng;
Denn so viel die zung gieng die quer,
So viel das silber schwerer wer
Im wasser denn vor auf dem land,
So viel man darein goldes fand.
Das ist des Archimedes kunst,
Die kein mensch kont ausdenken sunst.
Ist nun silber und gold daran,
Ein wasser beides scheiden kan,
Das es das silber heraus zwingt
Oder beides auf stücken dringt
Und das gold wie asch liegt am grund,
Das silber klar als wasser stund;
Das feur nimt auch das silber hin
Und lesset das gold zum gewin.
[129]
Sind sie aber heimlich verstackt
Im festen erz zusammengepackt,
So lest man das erz schmelzen frei
Und wirft dazu ein schwarzes blei,
Das hat silber und gold so lieb,
Das es das stielt gleich wie ein dieb;
Und wenn denn beides worden ein,
Erz und blei so hart als ein stein,
So legt man auf die koln ein stück;
Sobald als dem erhitzt der rück,
So fleust das blei heraußer bar,
Bringt gold und silber mit sich dar
Und lest das erz da stehn verwüst
Als werk, darin kein honig ist.
Hinwider muß das blei hinfliegen,
Kan bei silber und gold nicht liegen.
Wenn man ihn heiß klar feur zublest,
Silber und gold rein brennen lest.
Es leret auch der alte Luller,
Ein wunderheimlicher kunstbuler:
Das man in salz, geleutert fein,
Und klein gerieben ziegelstein
Schichtweis rein goldblechlein begrabe
Und in ein krug verschmieret habe,
Als die gleser ihr wappen pflegen,
Die sie mit schwarz und gelb anlegen,
Das es im kolfeuer glüend stehe,
Vier und zwanzig stund rot aussehe;
Alsdenn hat es des feures sat
Und ist kommen zum rechten grad.
Man muß abr auch silber darstellen,
Recht fein gebrant auf der capellen,
Und jedes lot in zen blech schlichten
Und in voriges salz verschichten,
Auch in dergleichen test vermauren,
Fünf stunden lassen glüend dauren,
Denn kalt ausnemen, waschen, reiben,
[130]
So lang es grau oder schwarz wil bleiben,
Nachmals fünf stundn wider einsetzen,
Von neuen brennen, waschen, wetzen,
Und das so oft bis das es schein
So weiß als schne und lilgen fein;
Denn hat es sein recht ausgestanden,
Bleibt erlöset von seinen banden.
Alsdenn wiegt man die blechlein abe,
Das man gleich gold und silber habe,
Wirft ein silberblech zu dem gold,
Deckt beides zu mit schwarzen schmolt,
Setzt das gold also in die glut,
Das es werd und bleib eine flut,
In eim geschirr mit einem deck,
Da man ein leimen pflock einsteckt
Und nachmals denn auf jeder frist,
Wenn tag und nacht vergangen ist,
Ein neue silbern blech werf darein,
Das wird des goldes speise sein
Und sich in gold verwandeln gar,
Wenn nur das gold bleibt flüssig klar,
Bis das die blech all sein verzert,
Das gold fast helt zweifachen wert.
Sonst man auch andren proceß übt,
Dem gold für silber kupfer gibt.
Jedoch solt man zu allen sachen
Den herd gleich wie ein schüssel machen,
Das er das gold gewiß auffieng
Wenn der schmelztopf auf stücken gieng.
Solche kunst und dergleichen sachen
So viel alchymisten arm machen,
Die sprechn, der kunst sei niemand wert,
Er hab denn haus und hof verzert;
Goldsucher in mindern und meren
Der metal wesen nicht verkeren,
Wil mühe und kosten nicht belonen,
Ich acht ihrer nicht um ein bonen. –
Ich weiß die rechte grif und weis,
[131]
Mein gold machen behelt den preis.
Mein kunst beschreibt Ovidius,
Wenn die sonne, genant Phoebus,
Ihr pfeil scheust in Python den drachen,
Gesundheit, fried und freud zu machen,
Das Baptist Mantuan erklert
Und durch ein nebel kennen lert.
Wenn Jason mit feurochsen pflügt,
Bricht den acker, bis er sich fügt
Und in sich nimt die Drachenzen,
Daraus neu kriegshelden entstehn,
Die ser wild und erschrecklich sein,
Bis er unter sie wirft den stein;
Denn schlagen sie einander todt,
Und Jason komt aus aller not,
Füret davon das gülden vleuß,
Medea lert ihm diese weis.
Wie Hercules die epfel holt,
So auch waren pur lauter gold,
Aus der Hesperiden lustgarten,
Schlug den drachen, so ihr solt warten.
Wenn auch Aeneas bricht im wald
Eichenmistel, wie gold gestalt,
Fert damit in die hell hinab,
Bringt ihn der Proserpin zur gab,
So wird Pluto, das ist reichtum,
Sein gnedigr herr, gibt er und rum.
Als die Sibylla ihm bewert
Und der Virgilius uns lert.
Ja das restl: wo blumen aufgehen,
Daran der könig namen stehen,
Ist nichts denn mein himlischer stein,
Der macht silber und gold gemein;
Das wenig gelerten verstehen,
Beim hellen licht im finstern gehen.
Der war der wunderbare ring,
Den Giges vom todten empfieng
Im nidrgesunken finstern schacht:
[132]
Wenn er den für den bauren bracht
Und etwa den stein nach der hand
Ueber die finger einwerts wand,
So ward er von niemand gesehen;
Ließ er den aber auswerts stehen,
So sahe und kant ihn iederman,
Bis er ein königreich bekam.
Der hat gunst, der sein gut ausspendet,
Der haß, der niemand was zuwendet.
Welchs alles deutet Arabs, Geber,
Gilgilid, Morienus, Heber,
Auch Lullus, Nullus, Theophrast
In der gernklugen himmel rast;
Denn wer kein rechtr philosophus ist,
Von got, natur und kunst gerüst
Und durch erfarung wolgelert,
Nimmer den rechten grund erfert,
Weiß nicht, was gringste wort bedeut,
Betreugt sich selbst und ander leut. –
Darum schreibt der philosophus
Und poet Palingenius:
Got wol die kunst nur offenbaren
Denen, so philosophen waren.
Die kunst braucht Noah in der archen
Und die nachfolgend patriarchen,
Der Moyses und der Salomon,
Insonderheit Tyrus Sidon,
Die silber wie sand samlen lassen
Und das gold wie kot auf der gassen.
Dadurch ward auch reich und bekant
In deutschem und in andre land
Markgraf Hans, das sein Barbaram
Nicht allein der in Pommern nam,
Sondern die andre, Elisabeth,
Ein herzogn von Mantua het,
Die drit, in Denemark verreiset,
[133]
War eine königin gepreiset,
Ob er gleich die kur nicht erwarbe,
Weil er für seinem vater starbe,
Den kaiser Siegmund hielt so wert,
Das er ihm Brandenburg verert.
Die stadt Venedig wird dergleich
Von solchen künsten treflich reich.
Da auch der münch die kunst gestolen,
Das sie halten heimlich verholen,
Und wüsten sies, das wirs auch könten,
Ein tonne golds sie dem gern gönten,
Der ihn bericht die fröliche wort,
Das er uns mit der faust ermordt. –
Wenn nun dein vater selbst da wer,
So würds nicht halb so lang und schwer,
Vielleicht könt man aus gringen sachen
Diesen edlen elixir machen,
Das man nicht mer kosten durft dulden
Denn etwa auf ein rheinschen gulden,
Wie ich wol ehemals habe sagen
Und über mein kunst hören klagen.
Wie der Mor auch ein andern braucht,
Der grün ist und gelblich verraucht
Oder hat ein wasser gestalt,
Macht fein gold und bleibt dennoch kalt;
Denn die natur ist wunderlich,
Jeder hat sein kunst sonderlich,
Nachdem sie got ihm offenbart.
On got kein kunst erfunden ward. –"
[134]
Das XVII. capitel
[135] [134]Das XVII. capitel.

Wie Reiniken das goldmachen geraten ist.


"Als ich, sprach Reink, die kunst und wort
Selber mit anschauet und hort,
Ward mir das herz so groß im leib,
Als wenn ich wer ein schwanger weib.
[134]
Nur königreich und fürstentum
Warn mein gedanken und mein rum.
Die warn zum kauf odr krieg nicht schwer,
Ich wolt keim herren dienen mer;
Mein freund auch wolt ich al ergetzen,
Solten auf mich ihr hofnung setzen,
Sich nicht lassen der weil verdrießen,
Würden meiner reichlich genießen:
Das ich in frölichen gelagen
Ihn allen pflag tröstlich zu sagen,
Weil ich nun selber geld und gold
So viel machen könt als ich wolt. –
Darum nam ich von weib und kind
Und allen, die mir verwandt sind,
Was ich von reinem gold bekam,
Bei vier tausend gülden zusam,
Und macht mein rechnung, das damit
Erjagt wurden auf einem rit
Sechzig mal hundert tausend ander,
Als ehemals der große Alexander
Auf seines freunds begrebnus wandt,
Als Caesar zu Rom barschaft fand,
Als David ließ dem Salomon,
Damit man kauft eins königs kron.
Ich baut auch für mein schloß heraus
Ein musterlich distillirhaus
Und schaft darein allen vorrat,
Den man zu solchen sachen hat.
Der münch sich auch großmütig stelt,
Verschmiert im krug etwas vom geld,
Ließ mich und mein weib mit zuschauen,
Und das wir nicht solten mißtrauen,
Musten wir beid der büchsen mund
Wol versiegeln viereckt und rund,
Damit mans nicht von ander setzt,
Die siegel würden denn verletzt.
Also bracht er das gold zum feur.
[135]
Uns aber war kein schleck zu teur,
Kein wildbret, wein, wurz und confect,
Das er gern aß, gern trank und leckt,
Wir kauftens und gabens ihm frei,
Das er kein fleiß sparet dabei.
Wir musten auch noch leiden das,
Wenn er bei unser tochter saß
Und sonst verborgen hendel fürt,
Die zu sagen sich nicht gebürt.
Was auch mein Weib ihm hat getan,
Da schreibet Lucas nicht viel von.
Bis das der zehend monat kam
Und er die büchs zum feur ausnam,
Zeigt uns al unser siegel ganz,
Des goldes rubinfarben glanz
Und sprach: Nun mangeln nur drei tag,
Das man: gewonnen! rufen mag.
Der rubin wog beinah vier pfund,
Dreitausend gülden war der grund,
Damit er drei tag schmelzen solt,
Bis das er sich verlör im gold.
Ich rief dazu das fromme lam,
Unsern pfarrer Bellin Herman,
Das er nun selbst anschauen solt,
Was er zuvor nicht glauben wolt,
Wenn er mir meinen alchymisten
Immer schalt für ein bösen christen,
Dem ich nicht solt zu viel vertrauen,
Oder es würd mich endlich rauen.
Er must sprechen segn und gebet,
Ob ers gleich darübr ungern tet.
Der meister fiel selber auf die knie,
Sagt: sein kunst het gefelet nie,
Got wolt ihn diesmal auch nicht lassen!
Daraus must ich ein herze fassen,
Satzt mich bei meinem weib zum feur,
Sahe mit an die groß abenteur,
[136]
Das der krug, auf stücken zusprang.
Mein weib bestürzt zur erden sank,
Ich schrak, als ob einfiel das haus,
Der pfarrer lief zur tür hinaus
Und unser schätz fiel in den grund.
O wehe, rief der münch, dieser stund!
Was mögen für sternen regieren,
Das wir ein königreich verlieren?
Was solt ich tun, was solt ich machen?
Ich must aus zorn der torheit lachen,
Das ich zuvor Salomon war
Und jetzt ein betler und ein narr. –
Als aber das schrecken und zorn
Sich widrum ein wenig verlorn,
Fragt ich den münch: Was woln wir nun
Zu den verlornen sachen tun? –
Er sprach: Seid ihr nur unerschrocken;
Ich wil widr aufklauben die brocken
Und das werk von neuen anfangen,
Es ist mir nie so übel gangen.
Ich bin, got lob, derselbe man,
Der tausendfalt einbringen kan. –
Er schwur auch manchen schweren eid:
Es solt ihm werden ewig leid,
Er wolt gots angesicht nicht schauen,
Wenn ich ihm nicht dürft künlich trauen!
So must ich noch zehen mond zusehen,
Abr es gieng wie zuvor geschehen. –
Drauf er sich beklaget ser,
Es wer auch in der alten ler;
Das man es nach den sternen macht,
Das het er zuvor nicht bedacht.
Denn wie die leib weren one leben,
Wenn ihn die felen nicht macht geben,
So weren kraftlos alle ding,
Wenns himmels licht und lauf vergieng.
Niemand müst auch kommen dabei,
[137]
Der mit unzucht umgangen sei.
Die schmelztöpf müsten auch so halten,
Das sie die hitz nicht könt zerspalten.
Und wenn das feur nicht jederzeit
Beim topfen leg gleich stark und weit,
Weren die koln nicht einer art,
Nichts guts denn aus der erbeit ward. –
Was solt ich tun, ich armer man?
Ich hat das spiel gefangen an
Und den münch auf den hals geladen
Und bekommen den schimpf zum schaden!
Es wolt doch nicht helfen viel fluchen,
Ich must daran das letzt versuchen,
Wie der spieler nicht ehe abließ,
Bis ihms der ledig beutel hieß.
Der hund muß nach dem schatten gaffen,
Bis ihm das fleisch seit aus der laffen
Und sinkt im tiefen see zu grunde,
Lest ihn nachsehen mit ledigm munde.
Und schickt damit hin in Welschland
Zu eim Guido Bonat genant;
Der schrieb mir tag, stunden, minut,
Wenn es wer anzufangen gut:
Als zu mittag und bald hernach,
Wenn ins widders oder leun gemach
Im merzn odr ernt die helle son
Glücklich anblickt den halben mon
Odr aus eim zweileibigen zeichen,
Das kein bös aspect sie erreichen,
Wenn Jupter, Venus, Mars daneben
Ihn beispringen, gut zeugniß geben.
Ich ließ auch niemand dazu gehen
Oder auch nicht von ferne zusehen
On den münch allein und den knaben;
Ich kam selbst nicht, wolt ers gleich haben,
Und kauft ein büchs von festem eisen,
Darin solt er die kunst beweisen.
Ich ließ auch ziegel und eisenstein
[138]
Und viel hammerschlag reiben klein
Und mit eierweiß wol durchkneten,
Damit die büchs fest zu verlöten.
Ich wandt an koln auch allen fleiß,
Ließ ihm mit dein feur seine weis.
Als aber dies war alls geschehen,
Und wir mit verlangen zusehen
Da kam uns an ein großer graus,
Die büchs fur hoch zum schornstein aus
Und verfiel in dem tiefen see.
Ich sprach: Der Teufel wag es mehe!
Es ist geld und arbeit verlorn!
Und gieng davon im großen zorn.
Indes nam der münch seinen raub
Und macht sich damit aus dem staub,
Als het ihn ein bös geist gefürt,
Ich hab ihn auch nirgend gespürt.
Sein knaben aber ließ ich fangen;
Der berichtet, wie es wer gangen,
Und was er für handgrif gewüst,
Got geb, das ers am galgen büst!
Wie er des leims braucht zweierlei:
Den ersten brech er leichtlich entzwei,
Den andern schmiert er letzlich an,
Wenn das geschir solt ledig stan;
Wie er mit festem kit die siegel
All abgedruckt het von dem diegel
Und das gold heimlich ausgefürt,
Auripigment darein verschmiert,
Das sich oben an topfen hengt
Und die rubingestalt empfengt,
Zuletzt quecksilber und anders viel
Das die büchsen zersprengt on zil;
Wie er ein pfriem het, der wer hol
Zur seit mit wachs verschmieret wol,
Daraus zur kleinen prob und rest
Ein goldpulver ablief ins test;
[139]
Wie er gold im schwefel verbackt,
Wie ers im quecksilber verstackt,
Das aus seim ermel gold drin lage
Wenn man sichs am wengsten versahe;
Odr macht aus gold schwarz hammerschlag,
Sagt, es wer orientisch lack;
Odr auch ein hol kolen herbracht,
Ins feur setzt, sagt, er hets macht;
Wie er die gülden fürt ins bad,
Ließ sie ausschwitzen etlich grad
Und gab in quecksilber gewicht,
Das man den betrug merket nicht;
Von diesen und dergleichen sachen
Wolt er quecksilberwasser machen,
Das alle metallen purgiert
Und gold odr silber daraus würd;
Ja wie er geld aufnem von fremden
Als woll ers auf sein schmelzwerk wenden,
Verschwendts, vergebs mit solchen worten:
Solchs drecks fünd man an allen orten;
Wer seine weisheit het und kunst,
Acht weder geld noch herrengunst!
Das solt ihm ein ansehen machen
Und vertrauen auf seine sachen
Und der schelmstücken mancherlei,
Gericht auf eitl betriegerei,
Das ihm ein groschen trag der scherf,
Die bratwurst ein speckseit abwerf.
Er hat auch, wenn sein knab ihn fragt,
Warum er meineid schwur, gesagt:
Kinder sol man mit zucker stellen,
Die alten mit eidschweren fellen.
Also het er ser viel belogen,
Verfürt, bestolen und betrogen,
So ihre köpf elendig hiengen,
Für großer armut betteln giengen;
Blieben sie aber etwas bieder,
[140]
Erzt weren oder seifensieder,
Odr sich derselben kunst beflissen
Und ander leut widrum beschissen.
Ihr wenig apotheker worden,
Erwelten ihren rechten orden,
Denn dazu solt man alchymisten,
Wie sie denn on das ser wol wüsten,
Das bei der apothekerei
Die kunst ser hoch zu loben sei. –
So macht ich gold, got seis geklagt,
Und werd von meim weib wol geplagt,
Wenn sie mir sagt von gülden worten,
Dadurch ihr gülden aschen worden,
Von meinem Salomonis schif,
Darin mein gold nach India lief,
Das lapis philosophicus
Endlich spittaloficus.
Got geb dem, der rauch bringt zu kauf,
Das er im schwefelrauch ersauf!
Als kaiser Alexander flucht
Und an seinem diener versucht."
[141]
Das XVIII. capitel
[142] [141]Das XVIII. capitel.

Der meraff wil Reiniken weibe schätze graben.


"Spots haus abr auch redlich anbrant;
Denn als ich reiset über land,
Komt zu meim weib ein fremd meraff,
Angetan wie ein reisend pfaff,
Mit beutel, mantl und breitem hut,
Vertröst sie auch auf großes gut,
Das in mein keller wer vergraben,
Wer ihr beschert, sie solt es haben.
Und zeigt ihr damit ein krystal,
Daraus man dies erkennet all,
Wenn man sie legt auf ein gemeld,
[141]
War in eim cirkelrund gestelt
Mit ischros, hothios, hagion,
Hieß die nachtlampen Salomon,
Und las daneben im latein:
Gold, silber und al schetz sind mein,
Aller völker hofnung wird kommen;
Alsdenn würd der schatz ausgenommen.
Das er alles gelernet hatte
Von Grauröcklin auf dem glückrade;
Denn als ihr zwölf im dorf umtraten,
Am christabend ein zerung baten
Und auf drei tag zu gring empfiengen,
Darum betrübt zum dorf ausgiengen;
Wer fürn wald zu ihn geschlichen an
Im graurock ein klein alter man,
Gesagt: wenn sie ihm folgen wolten,
Al heimlich schetz sie finden solten;
Nur das sie in der mitternacht,
Von eilf bis der morgen erwacht,
Mit ihm auf dem glückrad umfüren;
Der zwölft aber würd sich verlieren,
Die andern on al gefar
Im reichtum leben al ihr jar.
Er hieß Grauröcklein, wüst die kunst,
Wolt ihn die mittheilen aus gunst. –
Nach mancherlei fragen und sagen
Wer geschlossen, sie woltens wagen;
Ihr einer wolt viel lieber sterben,
Denn das sie all sollen verderben,
Elend verachte betler sein,
Wie bei kriegsleuten wer gemein.
Die könten nicht alle gleich werben,
Einr muß bleibn, der ander sterben.
Darauf sie Grauröcklein zuletzt
Auf ein ser weit groß rad gesetzt,
[142]
Das oben in den lüften schwebt,
Nach der breit wie ein wolken webt,
Und oben feur, unten ein flut,
Als sehe man in die hellenglut
Auf mancherlei grausam gesicht,
Sie zu erschrecken angericht.
Er het auch mit der linken hand
Das rad links umtrieben am rand.
Dennoch dürft keiner ein wort sprechen,
Oder er wolt ihm den hals brechen.
Endlich hat er einen genommen,
Ihr eilf wern mit der kunst heimkommen,
Wider gesetzt an ihrem ort.
Davon log er viel wunderwort. –
So man doch sonst kein glückrad weiß
On der zwölf tier und heuser kreis,
Ueber erd, mer und tier gebogen
Und alzeit links herumgezogen:
Ein haus den tod und hell bedeut,
Die andern gut odr mittel leut;
Wie die sonn ihren lauf drein helt,
Das jar glück und unglück bestelt
Neben den sternen und planeten,
So ihr vorgehn oder nachtreten,
Wie das got, nicht der teufel treibt,
Sofern man bei got helt und bleibt.
Wer das weiß, heimlich schetz verstehet,
Mit heimlichen sachen umgehet,
Als die sternseher sonst sagen
Und ander für merlein umtragen. –
Darnach gieng er mit ihr da sitzen,
Da der keller den schatz solt schwitzen,
Las aus dem evangelio
Johannis in principio.
Als er eingeweihet den raum
Mit cirkeln, kreutern, heiligtum,
Sie must ihn auch an allen ecken
Mit einem altartuch bedecken,
[143]
Auf jeder spitz ein geweit licht brennen,
Nichts sagn on was der pfaff würd nennen;
Denn wenn der schatz itzt herfür brech
Und man ein wörtlein dabei sprech,
So gieng er bald wider zu grund,
Odr würden kolen aus dem fund.
Das nun der feind ein wort erzwingt,
Man seltsam gesichter vorbringt:
Wie er in der christnacht erfaren,
Da drei kaninchen bei ihm waren,
Und auf eim hügel saß der has,
Etlich psalm und gebetlein las
In eim dazu gemachten ring,
Darin kein gespenst zu ihm gieng;
Dafür er sich auch drückt ins gras,
Meint, niemand sehe das er da was.
Denn als nach seinem spruch und schwur
Der schatz so hoch zu tage fur,
Das ihn die kaninchen ausgruben,
Mit einer eck den kasten huben,
Auch eins mit füßen darauf sprang,
Das der has hört der gülden klang,
Bracht ein leu ein gabel getragen,
Als wolt er den hasen erschlagen,
Warf sie doch nider auf die erd,
Satzt sich, das gsicht zum hasen kert.
Bald ein ber noch ein gabel bracht,
Warf sie zu boden, das es kracht,
Setzt sich dem hasn zur andern hand.
Ein wolf zuletzt sich auch herfand,
Trat dem hasen vorn ins angesicht,
Ein dicke stang gar hoch aufricht.
Darnach der leu sein gabel satzt
Bei dem hasn ins land, das es platzt,
Das sand und rasen umher gossen
Als het er ins wasser gestoßen.
Desgleichen tat ihm nach der ber.
Der wolf legt sein stang in die quer
Uebr beide gabeln solcher art,
Das ein galg aus drei stücken ward.
Endlich zog der leue nach der lenge
[144]
Aus seiner tasch viel strick und strenge,
Sprach: Was bedenket ihr euch lang?
Das best ists, das der has erst hang!
Der has hat all segen gebet,
Die er sein tag gelernet hett,
Und war nun für schrecken halb todt,
Wust kein rat noch hülf in der not
On das er eilend sprang davon,
Rief laut mit erbermlichem ton:
O du lieber himlischer vater
Bewar mich für die drei lolkater!
Darauf wer ihr schatz bald verschwunden
Und hernach nie wider gefunden.
Darum müß der, wer schetz wolt kreigen
Nur heimlich beten und sonst still schweigen. –
Darnach, weil gold gold an sich zog,
Ein silber das ander bewog
Ein edelgstein zum andern fellet,
Denn gleich zu gleich sich gern gesellet,
Müst gold, silber, edelgestein
Für allen dingen dabei sein,
Insonderheit das patengeld,
Das den kindern wer zugestellt,
Ein westerhemd sich auch geziemt
Darin man die taufkinder nimt.
Mein weib alles getreulich holt
Was er dazu nur haben wolt.
Da legt er sein alraun und kraut,
Sie legt die kleinod in die raut,
Bedeckt sie mit dem westerhemd.
Nun sprach er: Kein schimpf dafür nemt,
Und betet mit mir in andacht,
Der schatz wird ankommen mit macht!
Mein weib von ganzen herzen bat,
Got wolt ihr nur geld geben satt,
[145]
Er solt ihr das gewiß vertrauen,
Sie wolt ein jungfraunkloster bauen.
Er aber volfürt seinen spruch
Und sprach mit aufweisen aufs tuch:
Elli, kelli, kuhkelbrio,
Ix, six, lur lix, guck geldrio.
Der wort macht er gar mancherlei
Und schreib der kreuz ser viel dabei. –
Als das gebet auch war volbracht,
Zog er das altartuch mit macht,
Als zog er an eim schweren wagen,
Doch nur zum possn, wie ich wil sagen,
Ob es nicht willig folgen wolt,
Und sprach: Es fordert noch mer gold,
Es ist noch etwas in dem haus,
Das muß man auch bringen heraus!
Die frau schleunig wider hingieng
Und las zusammen etlich ring,
Die ihr vertraute freunde gaben,
Ihr gedechtniß dabei zu haben,
Die must sie auch selber verstecken
Unter des altartuchs vier ecken,
Und nun beten zum andern mal,
So würd sich der schatz finden all.
Das tuch wolt aber noch nicht weichen,
Man must der kleinod mer darreichen.
Da sprach mein weib: Es ist alls dar
Was in meiner verwarung war,
On was die kinder tragn am hals.
Er sprach: Geht hin und bringet alls,
Es wird bezalet tausendfacht,
Ihr kriegt mehr geld, denn ihr gedacht.
Das bracht sie auch, legts oben auf,
Damit erfüllet ward der hauf,
Und betet noch zum dritten mal;
Aber das tuch klebt noch am sal. –
Da sprach er: Der schatz hengt dran,
Es helt ihn aber ein teufelsman.
[146]
Den muß ich mit einr würzl abtreiben.
Ihr wolt alhie ein wenig bleiben,
Ich laß bei euch mantel und hut,
Hol die wurzel, sie ist ser gut,
Treibt das gespenst von allen dingen,
All schloß müssen dafür aufspringen.
Sie steht unter der nechsten eich,
In einem sprung ich die erreich,
Im augenblick ich widerkom.
Damit sprang der meraff davon. –
Mein weib ward bei dem beten bang,
Dieweil der pfaff ausblieb so lang,
Legt auf das westerhemd die hand,
Ob sie ihr kleinod auch da fand.
Abr da fand sie nichts on die post,
Die sie zuletzt auflegen must,
Und mancherlei wunderlich kraut.
Es war dem hund die wurst vertraut.
Der aff hat alles eingesackt
Und sich damit davon gepackt,
Das pfaffenkleid zu pfand gelassen:
Schaut, so kam mein weib auch zumaßen. –
So würden wir dabei gebracht,
Das nun einer des andern lacht,
Das wir nach dem schatten geschnapt
Und einander das fleisch ertapt.
Was sol ich klagen! hin ist hin,
Sonst wer ich reicher denn ich bin.
Mit schaden must ich werden klug:
So giengs als mich der geiz betrug."
[147]
Das XIX. capitel
[148] [147]Das XIX. capitel.

Eins bauren und haselwurms uneinigkeit, von der welt höchsten dank.


"Und diesen raub der bergemsen,
Des goldkefer und andrer bremsen
[147]
Die aller erschrecklichste war
Meins leibes und lebens gefar,
Dazu mich die hünersucht bracht,
Und das undank mich klüger macht.
Denn als ich auf einen mittag
Sicher im külen schatten lag,
Hört zu, wie die waldvogel sungen
Und ihre stimmen zusammenklungen,
Trat zu mir an ein alter baur,
Und der listige giftige laur,
Der haselwurm, und schlich daher,
Als wenns ein großer meraal wer,
Mit einem harten spitzen schnabel,
Mit hechtszeen und giftzungen gabel,
Oben falschwarz, unten gelbleich,
Sahe dem leibhaften teufel gleich;
Baten, ich wolt mich nicht beschweren,
Hören wie sie ihre sach erkleren,
Und denn ihre unrichtigkeit
Scheiden nach recht und billigkeit. –
Und als ich dis so ließ geschehen,
Blieben sie beide gegen mir stehen,
Und der baur sprach: Mein widerpart,
Die schlang, lag vor gefangen hart
Im holen fels, darein sie kroch,
Und deckt ein großer stein das loch,
Den ein bot hat gewalzet für,
Als sie vor ihm kroch in die tür.
Da sie nun drei tage da gerast,
Getraurt, gedürstet und gefast,
Da sie die zung kaum regen kunt,
So heiß und dürr war ihr der mund,
Und ich die straß fürübergieng,
Herzlich zu klagen sie anfieng
Von ihrem durst und todesnot:
[148]
Ich wolt mich erbarmen durch got
Und erretten ihr armes leben,
Den höchsten lon wolt sie mir geben,
So die ganze welt jeder frist
Dem geb, dem sie dank schuldig ist.
Und schwur ein teuren eid dabei,
Das ihr wort nicht erlogen sei.
Ich armer man wolt dank erjagen,
Walzt den stein ab on weiter fragen
Und fordert den verdienten sold,
Den sie mir also geben wolt,
Das sie mich tödt und auf mir seß,
Mein herz für leckerbißlein eß. –
Als ich das nicht kont recht erkennen
Und solt ein andern richter nennen,
Kamen wir zu eim magern hund,
Der für alter kaum kriechen kunt,
Saß voller flö und voller fliegen,
Den funden wir am wege liegen.
Als er anhört unser zweispalt,
Sprach: Mit der schlangen ich es halt,
Denn dafür das ich mutig war,
Für meine herrn wagt all gefar,
War ihr beistand in allen sachen,
Half ihnen streiten, jagen, wachen,
Werd ich im alter gar verlassen,
Muß hunger sterben auf der straßen. –
Den bericht schalt ich für unwar,
Weil sein herr nicht zugegen war.
Der scherfst essig vom besten wein,
Der gröst freund soll der gröst feind sein,
Wenn sie verderbt und böse werden:
So gehts auch mit der hund beschwerden;
Das alte hund oft selbst verschulden,
Das man sie nicht lenger muß dulden,
Wenn sie wüten und um sich beißen,
Mit ihrem gift ander beschmeißen,
Das auch der, den sie gar nicht wunden,
[149]
Mit einer klau die haut nur schrunden,
Als het ihn ein dornheck gefetzt,
Ein schram ins angesicht gesetzt,
Sonst sich gesund und witzig spürt,
Nach vierzig tag erst rasend wird,
Die andern aber in neun tagen,
Das sie nur bellen und nichts sagen,
Beißen um sich, meinen dabei,
Das alle welt voll wasser sei,
Darin sie straks werden versaufen;
Im harn auch hündlein von ihm laufen.
Das meins wissens an keinem ort
Ein giftiger tier ist gehort. –
Das hab ich an mir selbst vor jaren
Und an meinem bruder erfaren.
Er war nur an eim bein gebissen,
Gedruckt, beseifrt, nicht durchgerissen;
Darum ward die gefar veracht,
Bis das erstlich nach vierzig nacht
Er anfieng, ins dunkel zu gehen,
Was naß war, wolt er nicht ansehen,
Schrie gar heischer: Der böse geist
Sitzt drein, der hund mich aber beist!
War rasend, fiel oft in onmacht,
Schlief nicht, sondern schwermt tag und nacht,
Bellt wie ein hund, wolt alle beißen,
Schlagen, zukratzen und zerreißen,
Bis er verdurst, verschmacht, verdarrt
Und, als rürt ihn der schlag, erstarrt.
Mich aber hat der hund verwundt,
Darum riet und hilf wer da kunt:
Dem schmied must ich die wunde weisen,
Der brant sie mit eim glüenden eisen,
Verband sie wider mit schifpech;
Der müllr stürzt mich ins wasser frech,
Ließ über mich zum dritten mal
Seiner ark vorrat fließen all;
[150]
Des junghern fraue das meist aufwandt,
Krebs im kupfern kessel verbrant,
Stieß und siebet die aschen rein,
Pulvert auch enzian gar klein
Und schütt des nur halb so schwer dar
Als sonst der asch von krebsen war,
Davon must ich mit warmen wein
Al tag ein leffl voll trinken ein,
Bis vierzig tag waren vorbei:
So blieb ich, got lob, endlich frei,
Wie denn ander gleicher gestalt,
So das krebspulver trunken bald.
Mein bruder must für allzumalen
Leider elendiglich bezalen.
Dem viehe gaben sie silbr und rinden,
Die sich an den waldwurzeln finden;
Der wilden riechenden dornrosen,
Solt sie von der gefar erlösen;
Auch die nieswurz oder knoblauch,
Den sie mit essig rieben auch,
Mit honig mengte legten und schmierten,
Da es des hundes zen berürten;
Es must auch, wenns neuemontags war,
Durchs wasser gehn das ganze jar.
Man sagt: weil ihr noch gar seid jung,
Sitzt euch ein wurm unter der zung,
Den solt man euch zeitig ausschneiden,
So dürft ihr das wüten nicht leiden,
Oder die höchst senader ganz
Oben ausziehen aus dem schwanz;
Vielmer solt man euch gar erschlagen,
Denn warten bis ihr uns wolt plagen. –
Darnach funden wir ein alt pferd,
Das der hunger so hat verzert,
Das man alle knochen kont zelen,
Das solt für uns ein urteil fellen.
Das antwort auch: Die schlang hat recht,
Das bezeuget mein ganz geschlecht,
[151]
Insonderheit ich armer held.
Ich ward für alle pferd erwelt
Und dem marstaller untergeben,
Der solt mich unterrichten eben,
Das ich lernt traben, wenden, stutzen,
Springen, laufen, die feinde trutzen,
Ja über schlagbeum, graben, mauren
Satzt ich hinüber ohne trauren,
Ueberlief auch all meine gesellen,
Kont im stechen roß und man fellen,
Ich war im krieg auch unverzagt,
Ob man gleich flog oder nachjagt,
Mein jungherrn wolt ich nicht verlassen,
Fürt ihn on schaden alle straßen
Wie Bucephal den Alexander,
Und mir nachgetan hat kein ander,
Der hofnung, wenn ich meine jugend
Anwendet auf erbeit und tugend,
Ich würd im alter er erjagen
Und mich neren mit guten tagen,
Mein jungherr würd des dienstes gedenken,
Zur dankbarkeit das futter schenken
Und sagn: es ist des futters wert,
Graurt war auch ehemals ein gut pferd.
Was soll man sagn, was soll man klagen?
Dankbarkeit ist lang totgeschlagen,
Niemand will von wolverdienst wissen,
Jedern muß ein klein fel verdrießen,
Ein laster wird so hoch gescholten,
Das keine tugend wird vergolten,
Weil bei dem selbst, der andre schilt,
Weder recht, er, noch tugend gilt.
Denn als die kugeln niderflossen,
Die mir in brust und hals geschossen,
Und die senen fiengen zu drücken,
Das ich mit einem fuß gieng rücken
Und zum rennen undienstlich ward,
Must ich nach der baurmeren art
[152]
Mich schleppen mit pflug, eg und wagen,
Ward wenig gespeist, viel geschlagen,
Bis das der schirmeister auch klagt,
Ich wer ganz und gar abgejagt,
Dienet zu der erbeit nicht mer.
Da hoft ich noch mein lon und er;
Es ward mir aber so bezalt,
Das ich an dem markt feil gestallt
Und gekauft ward von einem Franken,
Der sol mir vor mein verdienst danken.
Der dankt mir auch, das got erbarm!
Es war winter, sommer, kalt, warm,
Regen, schne, hagel, tag oder nacht,
Das nam der Frank wenig in acht,
Er trieb mich in seim karren um
Uebr berg und tal, die quer und krum,
Und flucht nicht allein übraus greulich,
Sondern gotslesterlich abscheulich
Von seelen, teufeln, elementen,
Von leiden, wunden, sacramenten,
Sondern zerschlug mein schwaches heupt,
Das ich dutzig ward und beteubt,
Darzu an beiden augen blind,
All sterk und kraft zugleich verschwindt.
So ward ich rechtschaffen gelert,
Das wer sich mit huren ernert
Und mit karren im land umfert,
Dem sei mühe und unglück beschert.
Bis ich mit dem karren einmal
Uebr und über abstürzt ins tal,
Da er mein denn hat ganz vergessen
Und lest die wilden tier mich fressen,
Wo ich nicht noch vor hunger sterb.
Das ist nun alhie mein gewerb,
Und ist niemand, der nach mir fragt
Oder mitleiden mit mir trag,
On das Reinik den fliegen wert,
Das ich doch nicht von ihm begert,
[153]
Weil immer neue hungerige kamen,
Die ihr meuler noch voller namen.
Der höchst lon ist undankbarkeit,
Das erfar ich mit herzeleid. –
Das urteil must ich billig schelten
Und kunt in meiner sach nicht gelten,
Weil das Pferd so greiflich und grob
Nur erzelte sein eigen lob
Von seiner tugend und woltat
Und verschwieg alle missetat.
Da man doch spricht: Es darf kein raunen,
Je edler pferd, je arger launen.
Wie oft hat es den zaum zerrissen,
Sein herrn getretn, geschlagn, gebissen,
Wie oft wol ist es worden stendig,
Odr ist gelaufen gar unbendig
Als ob es were rasend toll,
Dafür man ihm noch danken soll!
O nein, gesell, lern auch das recht:
Untreu sein eigen herren schlegt.
Ihr reithengst meint auch jederzeit,
Die baurmern haben wenigr leid,
Und wünscht, das ihrs möchtet versuchen,
Drum darfst du dein stand nicht verfluchen.
Weit anders aber ist mein sach:
Ich tat der schlang kein ungemach,
Sondern erlöset sie aus der not,
Ja von gegenwertigen tod;
Dafür wil sie mich nicht verlassen,
Sondern morden auf freier straßen,
Widr den eid, das sie geben wolt
Mir der welt allerhöchsten sold.
Da sie weiß, das in Griechenland
Ein knabe war, Thoas genant,
Der einen drachen aus fürwitz
Erzog in seiner eltern sitz,
Bis er ward so stark und so groß,
Das allen nachbaren verdroß,
[154]
Die ihn ließen ferne wegfüren
In die wüsten zun wilden tieren.
Als aber nach etlichen jaren
Der mensch wolt durch die gegend faren
Und ein reubrrot ihn anlief,
Das er für angst ser schrie und rief,
Da kant der drach seins nerers stim,
Lief eilend hinzu in eim grim,
Riß ihr etlich auf kleine stück,
Trieb die andern mit macht zurück,
Errettet so denselben man,
Der ihm ehmals hat guts getan. –
Sie weiß auch, was der wilde leue
Hat bewiesen für dank und treue
Dem herzogn, von Braunschweig genant,
Als er mit seinem schwert und hand
Ihm den lindwurm half überwinnen.
Darauf solt sie itzt sich besinnen
Und mir auch dankbarkeit beweisen,
Die könt man ihr zun eren preisen. –
Ihr richter abr seid nicht erenwert,
Schlagt euch mit eurem eigen schwert:
Ists recht, dank mit undank vergelten,
So müst ihr eur herren nicht schelten;
Ist euch abr unrecht übergangen,
Wie lobt ihr den undank der schlangen?
Darum herr Reinik, weiser herr,
Nemet von uns das amt und er,
Seid richter in unser zweispalt,
Schützet mein unschuld für gewalt.
Will sie nichts gebn, das sie nicht schade,
Das wird got vergelten mit gnade.
Wir haben uns also vertragen,
Wir wollen tun was ihr werdt sagen."
[155]
Das XX. capitel
Das XX. capitel.

Reinik hört des haselwurmes antwort auf des bauren bericht.


"Ich sahe einen und andern an
Und antwortet zuletzt dem man:
Ungern ich mich des unterfieng,
Was mich und mein stand nicht angieng;
Weil aber groß gefar darauf stehet,
Beiderseits leib, er, gut angehet,
So muß ich hören beide part,
Darnach bleibt das recht ungespart.
Denn wenn ehemals einer den andern
Verklagt beim großen Alexandern,
So hielt er das eine or zu,
Und wenn man fragt, warum ers tu,
So antwort er: damit das or
Auch des beklagten antwort hor.
So bewar ichs ihm unbetört,
Jedes part wird billig gehört.
Darum sol die schlang zuvor sagen,
Ob sie nichts hab wider dein klagen;
Darnach ichs recht und urteil find,
Entscheid die parteien geschwind.
Der haselwurm mich scharf ansahe
Und sprach: Ich sag auf diese klage,
Das ich dem kleger, diesem man,
Hab einen teuren eid getan,
Wenn er mir würd retten mein leben,
Den höchsten lon wolt ich ihm geben,
Damit die welt alle woltat
Ihren freunden bezalet hat.
Das aber klegern nicht gefelt,
Das undank sei der lon der welt,
Und wenns gleich wer, so seis unrecht,
Das man so lon eim frommen knecht,
Das laß ich ihm gar nicht gut sein
[156]
Und bleib bei dieser red allein,
Es sei gleich krum, schlecht oder recht,
Die welt lon also ihrem knecht.
Darum ich denn sein mörder bin.
Und hab zwei urteil wider ihn,
Das drit wil ich damit erhalten,
Das heut am loch saßen zween alten,
Wolten hin zur baurhochzeit hinken,
Daselbst betteln, essen und trinken. –
Der eine klagt, wie er viel jar
Seines junkern reuterknecht war,
Ihn beleitet, bewacht, bewart,
Sein treu, fleiß und mühe nie gespart,
Ja die besoldung, raub und gut,
So er warb mit seim schweiß und blut,
Behielt der junkher für das sein,
Er dürft nicht sagen: das ist mein.
Dafür tat er mir diese er,
Sprach er, das ich sein pförtner wer.
Wie aber kam ein starker man,
Der erbeit kont mit greifen an,
Da must der alte reuter wandern,
Sein psörtenamt lassen dem andern,
Gaben ihm hinfort nicht ein bon,
Sagten: nimmer dienst, nimmer lon.
Es bleibt auch dis zu hof ein recht,
Das nun erfar ich armer knecht:
Wer ind stub scheist, und wers auskert,
Sein beid eins lons und eren wert. –
Der ander klagt, zu seiner zeit
Hett keiner gwust besser bescheid,
Ein festung und schloß aufzubauen,
Künstlich werkstück und bild zu hauen;
Kein stein wer an des fürsten sal,
Er het sie bereit alzumal,
Darum man auch sein bild könt sehen
Unten am schönsten erker stehen.
[157]
Dafür wer ihm endlich vergönt,
Das er am schloßtor betteln könt
Und da andern bettlern erzel:
Für dank sei undank sein gesell.
Es wer zwar oft schriftlich geklagt,
Man hett ihm auch gnad zugesagt,
Wenn er abr bei alten hofleuten,
Die sein verdienst wüsten vor zeiten,
Anhielt, sie wolten sein gedenken,
Der fürst auch lonen oder schenken,
Das ihn der hunger nicht ermord,
Bekam er alzeit zur antwort:
Er hett einen gnedigen herren,
Solt nur erwarten seiner eren,
Die gnad zu hof wer krank und lam,
Darum werts lang, ehe sie ankam.
Die ungnad wer gesund, stark, frisch,
Darum lief sie und sprünge risch,
Das wenig ihr mochten entlaufen.
Abr da könt er kein brot für kaufen. –
Zu diesem noch der dritte kam,
Den nanten sie herr Abraham,
Der tröst sich und die andern beid,
Die welt geb solche dankbarkeit,
Wie alle wolverdiente heiden,
Auch die heilign hetten bescheiden.
Denn nicht allein der Socrates,
Aristides, Alcibiades,
Fabricius und Scipio,
Kaiser Julius und Cicero,
Sondern auch die heiligen propheten,
Die got und engel bei sich hetten,
Die welt das best taten und lerten,
Auch vom teufel zu got bekerten,
Kriegn nichts zu lon, denn hon und spot,
Gefengniß und schmelichen tod.
Drum, wer nicht undank leiden kan,
Sei der welt ein unnützer man,
[158]
Dienet zu keinem amt und eren,
Darin man raten sol und leren,
Darin man erbeit, gut und leben
Für ander leut wolfart sol geben.
Er selbst wer gewesen ein pfarr
Nun über seine fünfzig jar,
Hett fast getauft all, die noch leben,
Ihn sacrament und weiber geben,
Sie geleret, getröst, vermant,
Allen getreuen fleiß angewandt,
Das sie einig und christlich lebten
Und alzeit nach dem himmel strebten;
Ja in sterbensnöten und pesten
Und viel abscheulichen gebresten,
Wenn die eltern ihr kinder ließen,
Die menner ihr weiber verstießen,
War ich, sagt er, getreu allein,
Tag und nacht must ich bei ihn sein,
Sie erzten, trösten und beklagen,
Oft selbst zu grab singen und tragen,
Auch weib und kind dabei zu setzen.
Nun muß ich mich so mit ihn letzen,
Das ein junger verwegner gast
An meiner stat sitzet in rast,
Ich muß für kirch, haus, brot und lon
Fürüber gehn mit spot und hon,
Darum, das meine hende beben
Und ich den kelch nimmer kan geben.
Wer dient, bis das er wird unwert,
Dem ist undank zum lon beschert;
Abr got ist seiner diener lon,
Der bezal uns im himmelstron.
Dies dritt urteil stöst auf einmal
Des mans einred um alzumal. –
Das viert ich an mir selbst erfar,
Denn weil ich so leutselig war,
Dem wandersman kroch aus dem weg,
[159]
Das er sicher gieng seine steg
Und von mir nicht würde verletzt,
So ward ich in dem loch versetzt.
Hett ich ihn aber tot gebissen,
So würd ich sein friedlich genießen.
Darum hof ich, euer weisheit,
Die gerümet wird weit und breit,
Wird nun das urteil also fellen,
Das ich töten mag den gesellen.
Denn das er sagt von alten sachen,
Von den wilden leuen und drachen,
Stell ich alles an seinen ort,
Man leugt oft um das ander wort.
Denn eine schwalb macht keinen sommer,
Ein betler im land keinen kommer.
Ich beruf mich aufs gmeine recht,
Das in der welt trift herrn und knecht,
Das werdet ihr auch selbst nicht brechen
Und darnach euer urteil sprechen.
So hab ich desfalls all gewalt
Auch zu euren machtspruch gestallt."
[160]
Das XXI. capitel
[161] [160]Das XXI. capitel.

Reinik findet das urteil zwischen dem bauren und dem haselwurm.


"Als diese red auch war geschehen,
Wolt ich weislich der sach nachgehen,
Sprach Reinik, und sagt zu der schlangen:
Ich muß die sach also anfangen,
Das ich jedern insonderheit
Gründlich abfrag der sach bescheid.
Darum, man, tritt ein wenig abe!
Schlang, horch, viel hilft ein kleine gabe;
Hast du kein geld, das du kanst geben,
So laß doch nur den schelmen leben.
[160]
Laß gehn wie es dem kranich gieng,
Der vom wolf groß zusag empfieng,
Was er ihm nur wolt geben alls,
Wenn er auszög aus seinem hals
Den knochen, der von seinem essen
Ihm geferlich den schlung besessen;
Denn als der kranich das bein gewonnen
Und fragt, ob ihm der wolf wolt lonen,
Biß der wolf seine zen zusam
Und fieng giftig zu lachen an,
Sprach: Meinst du, es sei nicht lons gnug,
Das du dein heupt mit gutem fug
Und one schaden wolgesund
Dem wolf widerbracht aus dem mund?
So tue ihm auch gedenk dabei,
Das deine sach noch streitig sei;
Rechten macht sorg und kosten lang,
Hat doch ungewissen ausgang.
Die schlang antwort: Hie ist kein geben
On gift, das ihm abstrick sein leben;
Das recht hab ich in meinem mund
Und bedarf nicht ein viertelstund,
Das gab mein bruder dem bauersman,
Der sich seiner herzlich annam,
Als er gar steif gefroren war,
Kont sich nicht regen um ein har.
Denn als er ihn im busen trug,
Bis das die kelte gar ausschlug
Und er warm und lebendig ward,
Stach er dem baursman durch die schwart,
Das er starb und zu bodem stürzt:
So ward der rechtshandel gekürzt. –
Wolan, ich muß zum man hingehen,
Sprach ich, sein meinung recht verstehen.
Mein man, es sind ser böse sachen;
Wie sol ich dich vom tod losmachen,
[161]
Das ich nicht selbst an deiner stat
Endlich muß austragen das bad?
Hast du auch hüner auferzogen? –
Nur fünfzehn, sagt er, ungelogen. –
Nun, sprach ich, wilt du mir die geben,
So wil ich erretten dein leben. –
Von herzen gern, sprach er, mein herr,
Und wenn ihrer auch fünfzig wer,
Erlöset mich nur von der schlangen. –
Ich sagt: Laß dich nur nicht verlangen,
Bring ich die schlang ins loch hinein,
So leg bald wider für den stein.
Denn solt du bald das urteil hören,
Der tropf sol noch den schelmen rören.
Ich sprach zur schlang: Zu loch hin schleich,
Eur bricht ist ganz und gar ungleich,
Drum kan ich das urteil nicht sprechen,
Ich sähe denn den ort der gebrechen;
Die umstend verandern das recht,
Wenn ich die sihe, wird alles schlecht;
Nach der umstend gelegenheit
Geb ich einen richtigen bescheid. –
So kamen wir zum holen stein.
Die schlang kroch von ihr selbst hinein,
Sprach: So lag ich hinter der tür,
Der baur walzet den stein bald für.
Ich aber fragt: Liegt auch der stein
Eben also wie er sol sein?
Ja, sprach die schlang, also ists gangen,
So erbermlich lag ich gefangen.
Darauf schloß ich nun also fort:
Dieweil ich hie sehe tat und ort,
Sprech ich darauf das recht zuletzt.
Nun ihr in vorign stand gesetzt,
So der man wil, laß er dich los,
So du kanst, ihm das herz abstoß. –
[162]
Der baur für freuden hoch aufsprang.
Dem urteil ich von herzen dank,
Sagt er. Die schlang flucht aber ser,
Das wider dazu kommen wer,
Das ihr mit dem tod wurd belont,
Das sie des menschen hat verschont;
Drum hett sies urteil recht gefellt,
Das undank wer der lon der welt.
Ich tröst sie mit lachendem mund:
Mein recht sie ja nicht schelten kunt;
Nicht unbillig man selber leide
Das man andern vor recht bescheide."
[163]
Das XXII. capitel
[164] [163]Das XXII. capitel.

Reinik vertrauet des bauren zusag und bekömt darüber der welt höchsten lon.


"Als wir nun abgiengen ins feld,
Das ich empfieng mein urteilgeld,
Sagt ich dem bauren: In der stat
Ein baurknecht euch geborget hat,
So doch sein hofmeier gewolt,
Das ers bar überzalen solt
Mit dem geld, das er hett empfangen
Von ihm, als er zur stat war gangen.
Als nun der kaufman diesen knecht
Für dem richter bestallt zu recht,
Vertröst den knecht sein advocat:
Er macht ihn los durch seinen rat,
Wenn er seim weib ein pelz verer
Und ihm die helft vom geld gewer.
Der knecht verhiesch on alls bedenken,
Das geld und pelz willig zu schenken,
Wenn nur dem rat folget die tat.
Darauf riet ihm der advocat:
Wenn er würd für den richter kommen,
[163]
Solt er sich stellen für ein stummen,
Und was auch je der richter sagt,
Ja wenn er ihn selbst ernstlich fragt,
Solt er nicht antworten denn: bleh;
Das recht ihm denn gewiß beisteh. –
Darum, als der kaufman geklagt
Von den sachen, wie vor gesagt,
Der richter auch den knecht anredt,
Das er darauf sein antwort tet,
Antwort er: bleh, und gar nichts mer.
Indeß trat der procrator her,
Bat, das er günstig würd gehört,
Er wolt reden des knechtes wort.
Weil ihm sein meir zuvor bericht,
Das er stum wer und redet nicht.
Drum solt der kleger seine klag
Beweisen nach seiner aussag,
Oder der richter diesen knecht
Unschuldig erkennen mit recht.
Der kaufman sagt: Wir waren allein,
Wer soll denn unser zeuge sein?
Der knecht sagt selbst, obs anders sei.
Der knecht sagt: bleh, und blieb dabei.
Dem richter daurt des bauren not,
Gan dem wucherer gern den spot,
Und nach vielen reden erkant:
Der knecht würd wider recht gemant.
Derhalben sprach der advocat:
Deine recht sach ihr endschaft hat.
Schaff nun, das auch werd zugestellt
Meim weib der pelz und mir das geld!
Was sagst du dazu? Er sagt: bleh.
Hei, das tut mir im herzen weh,
Sprach sein meister, bist du so dumm
Und meinst, du solt gar bleiben stumm?
Red frei heraus, wir sind allein!
Er antwort weder ja noch nein,
Sondern sagt: bleh, das der procrater
[164]
Endlich sah wie ein wilder kater
Und stieß den knecht hin für das haus.
So blieb beid, pelz und gülden aus. –
Wenn du mit mir wolst auch so tun,
Sagest mir viel von han und hun,
Nachmals wurd nichts daraus denn bleh,
Wie ich mich fürcht, das es gescheh,
Oder übrgebest mich den hunden,
Die mir die haut rissen vol wunden
Oder wol gar brechten ums leben,
So hett ich bösen rat gegeben.
Mein herz ist schwer und one freud,
Künftig unglück ahnt eim alzeit.
Wenn du mir wolst ein schelm vereren,
So wolt ich lieber widr umkeren.
Er antwortet: Mein lieber herr,
Ich beweis euch treu, lieb und er
Und geb euch meine hüner all,
Ich hab auch einen festen stall,
Darin solt ihr euch heimlich setzen,
So kan euch mein hund nicht verletzen;
Da will ich euch die hüner reichen,
So könt ihr bleiben oder weichen. –
Ich satzt mich auch hin auf den stall,
Der war dicht wie ein meusefall.
Er macht die tür auch fleißig zu,
Das mir niemand zufügt unru.
Ich gedacht auch selbst: hie ist kein not,
Weder zum gefengnuß noch zum tod;
Wird er mir die hüner nicht bringen,
So wil ich über die tür wegspringen. –
Es war aber am nachmittag,
Das man den hünern zstreuen pflag,
Das der man sein weib also fand,
Wie sie unter den hünern stand,
Schnitt ihnen brot und was sie hett,
Das sie damit flögen zu bett.
[165]
Sie sprach aber: Nun sei wilkommen
In aller hunderttausend namen!
Bist du lang satt spazieren gangen?
Ich mein, der junker hat verlangen,
Wolt dich gern schicken überfeld.
Bedarfst du hinfort nimmer geld?
Er antwortet: O liebe Greth,
Zu gutem glück ist nichts zu spet.
Dank got, das du mich wider hast
Und ich entkommen aus der last
Der erschrecklichen todsgefar,
Denn mein leben hieng an eim har!
Damit erzelt er alles her,
Wie es mit ihm gegangen wer,
Und schloß: Aus solcher großen not,
Aus dem gegenwertigen tod
Hat mich der fuchs weislich errett,
Dafür ich ihm die zusag tet,
Das ich ihm für mein leib und leben
Wolt unser funfzehen hüner geben.
Der zusag will ich ihm geweren,
Er hats verdient in allen eren;
Darum zeug tür und fenster an,
Das uns der keins entfliegen kan. –
Das weib antwort: Ehe ich das tet,
Wolt ich, das dich der teufel hett.
Vergib das dein und nicht das mein,
Die hüner all mein eigen sein.
Die eir hab ich zusamgespart,
Das sie all warn von guter art,
Hab sie probiert, im wassr gewogn,
Die gluck gesatzt, die küchl erzogen
Und entboren aus meinem mund,
Das ich ihn essen geben kunt,
Bisweilen ein hun odr ei verlosen
Und dafür teufen schue und hosen
[166]
Und was man bedarf aus der stat,
Der pfenning hundert wege hat.
Des haushanen insonderheit,
Der aller stunden anfang kreit,
Das auch des pfarrers han nicht tut,
Und bei den hünern ist so gut,
Ich durchaus nicht entraten mag,
Weil uns mangelt der glockenschlag.
Wo ist der, fuchs, das ich ihn frag,
Ob auch richtig sei deine sach;
Vielleicht wenn er ein hun empfieng,
Mit allem wiln er davon gieng.
Er antwortet: Er sitzt im stall
Und wartet meiner hüner all,
Die geb ich ihm und halt mein wort,
Bessr ist, mein han denn ich ermordt. –
Das weib bald ein waschbleuel nam
Und biß ihre zene zusam,
Lief und schlug zu mir giftig ein.
Ich fasset sie auch bei eim bein
Und wolt das fleisch nicht lassen gehen,
Solang ich kont den bleuel sehen.
Sie schlug aber je lenger je mer
Und in mein linker aug so ser,
Das mir vergieng all mein gesicht
Und ich die tür kunt finden nicht,
Ja das ich onmechtig verschwand,
Verlor mein leben und verstand,
Das ich nichts weiß, wies ferner gangen
Und was ich mer zu lon empfangen,
On das ich hernach rechnung macht,
Das sie mich gar ums leben bracht
Und für ein aas geworfen hin,
Da ich die nacht gelegen bin. –
Bis ein hund kam und zwackt mich hart,
Dadurch ich wider lebend ward,
Griff nach dem hund in blinder weis,
[167]
Das er aus furcht verließ die speis.
Und ich lag im mist wie im brei,
Merkt am himmel und hanengschrei,
Das es schon war nach mitternacht,
Darum ich mich nicht lang bedacht,
Sondern als mein sinn sich erholten
Und meine füß mich tragen wolten,
Die doch ser kalt waren und bebten
Und gar langsam widrum auflebten,
Dankt ich got, das der teufelin
Für zorn nicht war kommen in sinn,
Das vielleicht mein pelz gölt mer dreier
Denn sonst ihr hun und mandel eier,
Kroch wider heim, so gut ich kunt.
Mein weib wermt das aug mit dem mund,
Druckt es widerum an seine stat,
Das mir aus der maßen wehe tat;
Das gsicht dran aber wil vergehen,
Doch muß ich mit dem einen sehen
Noch mer, denn ich wol kan erlangen.
So bin ich zum hünermarkt gangen
Und hab leider nichts mer davon
Denn undank, der welt höchsten lon. –
Sonst bin ich weis und gar geschwind,
Meines gleichen man nirgend findt;
Und ehe ich wolt so alber sein
Wie die gens, hüner und die schwein,
Oder wie ihr seid gleichermaßen,
Ich wolt mich ehe aufhenken lassen."
[168]
Das XXIII. capitel
[169] [168]Das XXIII. capitel.

Murners eine kunst ist besser denn Reinken sack vol.


"Murnern das herz im leibe kracht,
Das er so schimpflich ward veracht,
Und gieng den ganzen weg und murrt
[168]
Wie ein kordubans koller kurrt,
Wolt auch darauf sein antwort tun,
So find Reinik ein weißes hun
Dort weiden an dem meierhof,
Sagt: Nun, gevattr, duckt euren kopf,
Schleifet den schwanz hernach zur erden,
Die jagd will noch am besten werden.
Dort am zaun steht ein hünerbraten,
Ich hoff, der griff sol mir geraten;
Wenns aber felt, so komt zu hülf,
Beist ihm den kopf, das es nicht gilf!
So schlichen sie gar leis hinan,
Reinik zum erstn am nechsten kam,
Wagt nach dem weißen hünlein jung
Einen ser weiten jegersprung,
Das Murner sehe ein meisterstuck;
Er wolts holen im freien ruck,
Ergriff doch nichts, denn nur den schwanz,
Den ließ das hun den zenen ganz,
Riß sich los, hielt ein groß geschrei,
Das Stallwechter sich macht herbei
Mit einem seiner bursgesellen,
Kenten die jeger an den fellen
Und stutzten tapfer zu ihn fort.
Die jeger suchten sicher ort
Und liefen schnell hinan den wald,
Aber die hund folgten zu bald,
Umringten sie bei einem baum.
Murnern gedaucht zu eng der raum,
Die hund auch viel zu frech angehen,
Denn das sie solten den kampf bestehen,
Und fur in eil den baum hinan;
Das war die kunst, die er nur kan. –
Reinik blieb da allein im platz,
Verflucht die ungetreue katz,
Das sie ihn verließ in der not,
[169]
Da nichts wer denn der bitter tod,
Wert sich doch so best als er kunt,
Ergriff den einen bei dem mund,
Den andern er mit seich und schwanz
Fast die augen verblendet ganz;
Abr wie Hercules selbst nicht wolt,
Das er mit ihr zween fechten solt,
So warn ihm auch ihr zween zu viel,
Griffen zu mutig in das spiel.
Wie auf den hasen fellt der geier,
Wie zween fallen beizen ein reiger,
Da einer stost von oben nider,
Der ander fast ihn unten wider
Und reißt den feind eins überquer,
Das die federn stieben umher;
Der reiger feilt ihrer auch nicht,
Scheust ihnen sein mist ins gesicht:
So spielten die hund mit dem jeger,
Es war im lauf oder im leger.
Da war kein fried, da war kein ru,
Sie rissen, stießen, bissen zu,
Einer zwackt hie, der ander dort.
Murner gedacht voriger wort
Und rief vom baum zu ihm herunter:
Gevatter, ist das nicht groß wunder,
Das ihr vergesset euren sack,
Keine kunst nemet aus dem pack?
Braucht doch nur eine von den tausend
Wider der hund mördliches zausent!
Es fleugt eur har überal,
Sie werden euch rupfen gar kal! –
Reiniken ward die nas abgebissen
Und der knebelbart weggerissen,
Das man seine schneweiße zen,
Als ob er lacht, alle kunt sehn,
Hub doch nach Murner auf den mund,
Ob er gleich gar nicht reden kunt,
[170]
Das er sich des erbarmen solt,
Das er seiner noch spotten wolt!
Er seufzet auch von herzengrund
Und mummelt das mit halben mund:
O treuer freund, ein seltsam gast,
Wer dich findet, halte dich fast!
Ich meint, du werst ein eichenast,
So bist du kaum ein lindenbast.
Murner sprach: Gevatter, der sachen
Müget ihr weinen oder lachen,
Es wird euch warlich hernach schmerzen,
Es ist ein ser unfreundlich scherzen.
Indes lief der ein hund hinweg,
Das er von augen wusch den dreck
Und seine wunden ließ verbinden.
Der ander wolt Reinken gar schinden
Und fast ihn hinten an den hals,
Drückt ihn hart an boden nachmals,
Das ihm der atem gar entgieng
Und er zu seelzogen anfieng,
Sein augen auch heßlich verwandt,
Damit er doch kein licht mer kant,
Sondern die sonn also ansahe,
Als würd sie eitel schwarz und graue. –
Das jammert Murnern gar zu ser,
Kunt dem spiel nicht zusehen mer,
Sprang wie ein luchs im augenblick
Dem Stallwechter auf seinen rück,
Hieng sich an mit den hinterklauen,
Fieng mit den vordern an zu hauen,
In die oren grimmig zu beißen,
Die augen zu kratzen und zu reißen,
Das er schrak von den negeln scharf
Und wie ein aff sich überwarf,
Rief Kain an mit aller macht
Und lief halb blind so aus der schlacht."
[171]
Das XXIV. capitel
Das XXIV. capitel.

Murner ist Reiniken arzt.


"Da nun Murner wider ankam,
War Reinik gar ein kranker man,
Lag und blutet gleich wie ein schwein,
Kunt gar treten auf keinem bein,
Fiel noch dazu oft in onmacht.
Murner auf rat und hülf gedacht,
Wie er ihn brecht auf seine bein,
Das er nurt wider hinket heim,
Und hielt für die onmacht gesund
Ihm ein wilden kürbs an den mund;
Das blut aber, so die hund ließen
Alda aus ihren wunden fließen,
Vermengt er mit wildem knoblauch
Und gabs Reiniken zu lecken auch;
Das bluten aber aus der nasen
Fieng er auf einen frischen rasen,
Der mit der erd war ausgegraben.
Reinik must auch in henden haben
Radenwurzel und teschelkraut;
In die wunden aber er straut
Schwarzpulver von dürren pompfeis,
Verband sie auch mit allem fleiß
Mit betonick, attich, schafgarben,
Erenpreis must er dazu scharben,
Darunter mengen spinneweben,
Mit tannenharz alls wol verkleben
Und mit ein raupennest verdecken,
So hangen an der kieferhecken. –
Ein kleins krautlein wie hünerderm
Blüet schön rötlich in der werm,
Hat an viereckten gelben stiel
[172]
Als buchsbaum glenzend bletter viel,
Jedoch nicht so gedrungen dick,
Auch nicht so schwarzgrün am geschick,
Sondern gliedweis, grüngelblich, schmal,
Wird sonst genant rot anagal,
Das sucht Murner mit ganzem fleiß,
Weil er aus der erfarung weiß,
Wenn Reinik teglich trunk den saft
Und das kraut in die wunden schaft,
So würd er wunderlich gesund,
Wer gleich der biß vom tollen hund.
Er konts aber im holz nicht finden,
Darum must er ihn so verbinden,
Das ander befeln seinem weib,
Die bestellt war auf seinen leib. –
Er schickt ihm auch hernachmals bald
Bitterwurzeln, weißlich gestalt,
Denen der kern war ausgezogen,
Darum warn sie hol und gebogen,
Von hindleuften odr wegeweiß,
Die er aufgrub mit allen fleiß
Morgens ehe man die sonne sahe
An seines vettern Heinzen tage,
Der vor S. Margreten hergehet,
Wenn die sonn erst im leuen stehet.
Derselben solt er alle morgen
Drei nüchtern essen und nicht sorgen,
Die wunden heilten aus dem grund,
Obgleich kein pflaster darauf stund
Und nur ein tüchlein sie bedeckt
Damit sie das wetter nicht schreckt;
Denn die wurz geb der lebern kraft
Und macht gblüt heilsamen saft,
Das manch megdlein auch hett erfaren,
Wenn sterk und farb verloren waren.
Dies waren auch besonder tauben,
[173]
Gehörten zu dem katzenglauben.
Aber damals kroch Reinik fort,
Tötlich verwundt, an seinen ort. –
Murner abr sprach: Lieber gevatter,
Gedenkt an eur verwegn geschnatter,
Da ihr mich armen man veracht
Und euch selbst zu eim wunder macht;
Hetts mein eine kunst nicht getan,
Ihr hettet must das leben lan.
Darum, wie ich dies hab gesehen,
Es ist euch zur warnung geschehen,
Davon hab ich in jungen tagen
Die schön historia hören sagen:
Die meuslein liefen in die wette
Da ein leue hielt seine rustette,
Und als er eins im zorn ergriff,
Das unversehens auf ihn lief,
Bat es, er wolt ihms leben schenken,
Dankbarlich wolt es das gedenken,
Widrum herzlich um ihn verschulden.
Der leue lacht und sprach: Ich muß gdulden,
Weil du wilt mein wolteter sein,
Wenn du groß wirst, nun bist zu klein.
Hernach hört es den leuen brüllen,
Gedacht, es gieng nicht zu mit willen,
Sucht, und findt ihn an beumen hangen,
Mit henden, füßn und hals gefangen
Im netz, gemacht von starken stricken,
Daraus er sich nicht kont entrücken,
Wie ser er sich auch wandt, rang, drang,
Biß, riß, stieß, zog, reckt, streckt und sprang,
Die strick dadurch sich mer verworren;
All kunst und sterk ihr kraft verloren,
Das ihm der rück anfieng zu kalten,
Kont weder vorn noch hinten halten,
Must sein hofnung und leibesleben
Aus zweifel in die schanze geben.
[174]
Da sprach das meuslein: Edler leue,
Nun spürt eurs kleinsten freundes treue,
Der kan euch retten aus den nöten!
Darauf zerbiß es den heuptknoten,
Damit die schleuf gefasset war,
Der leue entgieng aus der gefar.
So ward der geringest der beste,
Die leimern wand ein steinern feste.
Laßt unverachtet jederman,
Ihr wist nicht was ein ander kan.
Es scheint der man oft ser gering,
Durch den got doch schaft große ding. –
Ihr seid auch auf morden und nemen
So verstürzt, das ihr euch mügt schemen;
Hett wandern sollen euer straßen
Und dem dauern sein hüner lassen!
Wer gern beschedigt ander leute,
Bekomt zuletzt auch gleiche beute.
So ward Murner Reinken zu klug,
Spottet seiner mit gutem fug
Und gieng also wider zu haus,
Kam auch zu gast nicht mer hinaus."
[175]
Das XXV. capitel
[176] [175]Das XXV. capitel.

Murner betreugt die meuse mit seinem todfliegen.


"Doch eins muß ich noch tun bericht,
Sprach mein mutter, von dem böswicht.
Es gschah an einem pfingsttage
Das unser wonung öde lage
Und kein mantier mer war daheim,
Hielten am tanzplatz ihr gemein;
Da wolten auch wir meuslein al
Kirchweih halten im jar einmal,
Nach dem betrübniß frölich sein,
Singen, springen und tanzen fein.
[175]
Was immr erbeitet, nimmer feirt,
Sein kraft und wolfart bald verleurt.
Wir schauten aber zu mit scheue,
Obs auch wer gut glauben und treue,
Ob Murner wie Bellart der hund
Bei herrn und fraun am tanzplatz stund;
Denn wenn die katz nicht ist zu haus,
So hat frei umlaufen die maus. –
Da sahen wir ein wunderding:
Murner dort an ein haken hieng
Bei den füßen an hoher wand,
Spert auf das maul, rüret kein hand.
Wir warfen mit steinlein hinan,
Ob er sich des wolt nemen an;
Aber da war nichts denn der tod,
On das die zung noch schien gar rot.
Drum kamen wir mit großem haufen
Zu der freud in eim eil gelaufen,
Unsers feindes tod anzuschauen;
Und damit man dest mer könt trauen,
Stiegen ihr sechs zum haken krum,
Besahn den Murner um und um,
Das nicht ein schalkheit dabei wer,
Die uns etwa möcht sein gefer.
Endlich wie sie kein leben spürten,
Wie hart sie auch die füß anrürten,
Riefen sie uns: Weicht ab, weicht abe,
Wir woln den schelm werfen hinabe.
Da liefen wir weg algemein,
Er fiel herunter auf die stein.
Wie sie ihm die klauen abzogen,
Die er in das holz eingebogen,
Das wir meinten, der lose tropf
Hett zerfaln das ghirn im kopf,
Soviel kont die bosheit erleiden,
Damit sie möcht ihrn willen treiben. –
Wir wolten all zuspringen bald,
Der Traunichtviel schrie: Halt ein, halt!
[176]
Man sol nicht singen: Got gedankt!
Man hab zuvor den sieg erlangt.
Seht, das nicht sei ein bubenstück,
Ihr wisset nicht des Murners tück;
Er sitzet oft zu mitternacht,
Ob er fest schlief, da er doch wacht;
Er hascht all meuslein, die sich rüren.
Vielleicht will er uns auch verfüren;
Denn das er hieng so ungebunden,
Unverwunden und ungeschunden,
Ist bedenklich, sag ich fürwar;
Mir stehn zu berg all meine har.
Seim feind soll man nimmermer trauen,
Es wolt eim denn hernach gerauen;
Denn art lesset von der art nicht,
Der speck will von der schwarten nicht.
Die katze lesset ihr mausen nicht,
Haben mich mein eltern bericht;
Und wie in uns nach monesschein
Die lebern groß sein oder klein,
So sein des Murners augen auch,
Damit er uns sucht seinem bauch.
Last uns nemen ein langen strick,
Ihm schleufen an die kel und gnick,
An den enden von ferne weit
Auf gleichen teil stehen beiseit
Und zurücken mit ganzer gwalt;
An pfelen werd der strick geschnalt,
So kan er mer entlaufen nicht,
So haben wir den bösewicht. –
Das lachten wir gar hönisch aus;
Und trat herzu der Seidenpaus,
Erfaren in der erzenei,
Fült, ob ihm wer das gnick entzwei,
Ob der puls auch sich noch bewegt,
Sprach: Ho, da ist nichts das sich regt!
Traunichtvielen verdroß der spott,
[177]
Sprach: Wie ists ein ding, lieber got,
Das sich narren nicht raten lassen!
Und nam damit zu loch sein straßen,
Sein kinder alle, klein und groß,
Musten mit, ob sies gleich verdroß. –
Wir aber giengen all herum
Um Murnern die quer und krum,
Der gestrackt auf dem rücken lage,
Als wer er todt, dem spiel zusahe;
Und wie uns vergangen das grauen,
Konten wir nicht gnugsam anschauen
Sein hend und füße mit luchsklauen,
Sein maul, damit er pflag zu mauen,
Und seine teufelische zeen,
Wie scharf fischgreten anzusehn.
Es starret ihm der knebelbart
Nach der grimmigen leuen art,
Und an der erd lage der schwanz
Als eine schlang gestrecket ganz:
Wie solch tier Hercules bezwang,
Vorn leu, mitten geis, hinden schlang,
Das die alten chimaeram hießen.
Anders kont man daraus nichts schließen.
Darum giengen wir umher prangen
In der procession und sangen
Gloria und hallelujah,
Das unser feind tot lag alda.
Die junggesellen sprüngen auch
Dem gstrackten tier über den bauch,
Die jungfrauen sungen den kranz
Und hielten einen ringeltanz,
Wie beim trojanischen pferd geschach,
Das inwendig vol feinde lag.
Ueber alles fürten wir her
Der kinder zur frölichen mer,
Ließen sie mit lust all besehen
Des Murners erschreckliche zeen.
Dein herr vater, das got erbarm,
[178]
Hub deinen bruder auf den arm;
Ach, leider war es kurze freud!
Dein schöner bruder Seumezeit
Der wolt der katze die zung ausreißen
Und mit seinen zenen zerbeißen:
Das war ein stücklein seiner tugend,
Ach, wie tumkün ist doch die jugend!
Aber was geschach schrecklich ding?
Der Murner fur auf so gering,
Als wenn er wer ein pantertier,
Faßt ihn ins maul und andere vier,
Biß so grausamlich alls hernider,
Das ihr funfzig nicht kamen wider
Und mer denn hundert waren wund.
Wenn ich gedenk der bösen stund,
So will mein herz im leib zerbrechen,
Das ich mich nicht an ihm mag rechen.
Der allerliebste bruder dein
Und auch vier deiner schwesterlein
Blieben da auf der walstat liegen:
So kan ein sicherheit betrügen!
So bekam uns der pfingsttanz,
Keine freud ist auf erden ganz,
Die freud wird versalzen mit leid,
Honig wird mit gallen bereit,
Und ist kein ding sicher zu trauen,
Für tote leich muß uns auch grauen,
Das sie nicht wider lebend werden
Und uns zusetzen mit beschwerden. –
Und dies war unter andern mer
Meiner lieben frauen mutter ler."
[179]
Das XXVI. capitel
Das XXVI. capitel.

Bröseldieb klagt über den wiesel und falken und rümet seine geduld.


"Es hat zwar bei der alten zeit
Des fallen flug groß glück bedeut,
Und wer einen wiesel erblickt,
Prophezeit daraus ein unglück;
Mich aber bringen sie in not,
Deuten mir beid gefar und tod.
Der wiesel ist so gar gescheit,
Das er auch verendert sein kleid,
Damit man sich nicht scheuen soll
Und ihm durchaus vertrauen wol;
In der jugend tregt er schön braun
Nach seiner wunderlichen laun,
Darnach vermengt ers gar mit fleiß,
Aufs alter wird er gar gelbweiß,
Das auch das hermelein, sein vetter,
Nicht geputzt ist schöner und gletter.
Kröch der schalk in ein zobels balg,
So bleibt er doch darin ein schalk;
Der wolf verendert nur die har,
Der untreu sinn bleibt immerdar.
Er steckt so voller böser list,
Wenn ich mein, das er nirgend ist,
So lauschet er heimlich an eim ort,
Wartet da auf sein raub und mord,
Und wo er sonst niemand erreicht,
Ins loch er uns schelmisch nachschleicht,
Fürt den wirt und wirtin gefangen,
Kann er sie mit dem maul erlangen.
Darum der baursman seiner schont,
Dem er doch auch mit undank lont,
Wenn er der ku das euter beist;
Der baur den possn ihm wider reist
[180]
Und zeugt ihm aus das bunte kleid,
Bindets auf die verwundte seit,
Wie man scorpionöl aufbindt,
Da ein der scorpion verwundt,
Und des hunds har legt auf den riß,
Den er aus zorn eim andern biß,
Davon der schaden wider heilt:
So wird der ablaß recht geteilt,
So schadet meist der böse rat
Demselben, der ihn geben hat;
Denn wer eim andern fallstrick legt,
Sich selbst darin zu fangen pflegt. –
Kneiper der falk ist ser geschwind;
Wenn wir am allersichrsten sind,
Halten unsere tenz am fest,
Aus der luft er sich niderlest,
Wie der bös geist so greift er an,
Fürt hinweg was er fassen kann.
Diesen verfluchten bösen brauch
Folgen sein om und schweger auch,
Habicht, sperber, eulen und weien
Fressen van meusen wen sie kreigen.
Allein der adler uns nicht tut,
Hat dazu viel zu großen mut.
Solche feind, elend und beschwerden
Haben wir meus auf dieser erden,
Leider so groß und so geschwind,
Das man schwerlich ein tierlein findt,
Dem beides die luft und die erd
So viel schedlicher feind ernert.
Aber wir können nichts dagegen,
Sein uns mit manheit überlegen. –
Wir hielten zwar oftmals reichstag
Und bedachten manchen ratschlag,
Bis das ratsam ward angesehen:
Weil ihm niemand mag widerstehen,
Solt jeder sich fleißig bewaren,
Auf dem notfal die flucht nicht sparen.
[181]
Das wir auch wol nemen in acht,
Ein gut man hat laufen erdacht.
Das aber fortgieng desto baß,
Murner uns nicht verlegt den paß,
Solt man der katz und ihrn gesellen
Ein halsband anlegen voll schellen,
Das wir sie hören einher treten,
Wie der Jüden hohpriester teten,
Und uns denn hüten bester weis.
Der ratschlag der behielt den preis,
Den lobten die jungen und alten,
Nach den solt sich ein jeder halten.
Aber wie es zum treffen gieng,
Vom rat zur tat endlich anfieng,
Da wolt es niemand ins werk stellen,
Der katzen anhengen die schellen;
Ein jeder schonet seiner haut,
Fürm tod ein jeden billig graut.
So bleibts noch im vorigen stand,
Bis uns errett die gotteshand,
Schickt uns wider die katz ein man,
Der ihr die schelln anhengen kan;
Den müssen wir mit geduld erwarten,
Das spiel, so gut wirs haben, karten
Und von unerheblichen dingen
Uns nicht mit sorg ums leben bringen. –
Davon hab ich ehemals gelesen,
Es sei ein frommer vater gewesen,
Der um seinen verstorbenen son
Nicht mer anschauen wolt die sonn,
Sondern kroch in ein finster eck,
Satzt sich nider in staub und dreck,
Als wenn er gar verzweifeln wolt.
Dem war ein hochgelarter hold
Und tröst ihn, das er sich nicht quele,
Er könt ihm seines sones seele
Durch seine kunst herwider bringen
Mit gar schlechten geringen dingen,
[182]
Wenn er ihm nur drei namen sagt
Der leut, so nie weren geplagt,
So nie unglück und leid erfaren,
Sonder alzeit in freuden waren.
Der vater gedacht hin und her
Und sprach: Das wolt mir sein zu schwer;
Wo findt man einen in der welt,
Dem nichts widerwertigs zufellt?
Da sprach zu ihm der hochgelart:
Wie seid ihr denn so gar verkart,
Das ihr etwas bessers begert,
Denn sonst die ganze welt erfert?
Ihr müst selber auch endlich sterben
Und mit uns allesamt verderben,
Es sei euch gleich lieb oder leid,
Es geb freud oder traurigkeit.
Darum last ab von solchen sachen,
Die kein weisheit kann anders machen,
Last ruhen die zu bett sein gangen,
Bis die ordnung an euch wird langen.
Wolt ihr euch aber hochbewerben,
So lebt so, das ihr wol mügt sterben! –
Diesen rat halt ich erenwert,
Leid guts und bös wies got beschert;
Es helts doch got so ingemein,
Das bei eim glück zwei unglück sein,
Bei einem nutz zweierlei schad,
Geduppelt straf auf enzel gnad,
Von wegen unser großen sünd,
Die mer denn tausendfaltig sind.
Darzu weiß der narr kein geschick,
Tobt wie ein rasend hund am strick,
Trauret und klaget nacht und tag
Um das, was er nicht endern mag,
Und macht sein kreuz noch eins so schwer,
Denns sonst wol an ihm selber wer.
Aber der weise sich nicht sperrt,
[183]
Sein eigne wund nicht weiter zerrt,
Wendet das best herfür am kleid,
Verhelet wie er kan sein leid,
Deckt zu was er nicht heilen kan;
Das hab ich bisher auch getan.
Wer im unfall faßt ein gut herz,
Empfindt nicht halb seins leidens schmerz.
Das herz abr ist das allerbest,
Das sich alzeit auf got verleßt,
Auf got hoffen nimmer gerauet,
Wer got vertraut, hat wol gebauet,
Wer auf got hoffet hie auf erden,
Wird nimmermer zu schanden werden."
Also beschloß herr Bröseldieb
Und sprach: "Das ists, das euer lieb
Wissen wolten von unsern sachen;
Kürzer hab ichs nicht können machen,
Und hoff, es sei mir on gefer,
Eur lieb sei mein gnediger herr."
[184]
Das ander buch
Inhalt des andern buchs
Inhalt des andern buchs.
Folgendes kurzweilig gedicht
Ist bedechtig so zugericht,
Das man sehe, was menschenkinder
Beratschlagen mancherlei wunder,
Wie sie gern nach ihrm kopf wolten
Das die regiment bestallt sein solten,
Wie sie die obrigkeit versprechen,
Der bösen untugend herrechnen,
Der frommen tugend gar vergessen,
Den nutz mit eitel schaden messen;
Und geht doch nicht nach ihrem rat,
Sondern wies got geschaffen hat.
Und wenns gleich got auch leßt geschehen
Und gar nach ihrem willen gehen,
So gret es doch nicht solcher art
Wie es zuvor gemeinet ward.
Got und weisheit machts gar allein,
Das regiment bestendig sein. –
Es pflegt aber also zu gehen,
Das große verendrung geschehen,
Wenn kirchen ler verendert wird,
Ob sichs gleich wol odr nicht gebürt;
Wie man sonst spricht, in gottes nam
Fange sich alles böses an. –
Dieweil man aber herrenkinder
Nicht soll erziehen wie die rinder,
[187]
Sondern noch jung dazu gewennen,
Das sie die regiment erkennen,
Lernen, wie der leut urteil gehen,
So alles auswendig ansehen,
Nicht bedenken der sachen grund,
Was davon sagt der weisen mund,
Und wollen doch nichts ernstlichs lesen,
Es deucht sie ein langweilig wesen;
So ist an den kindischen tand
So viel mühe und arbeit gewandt,
Das man daraus spielweis solt sehen,
Wie der welt reich und ratschleg gehen,
Und wie sie auch billig gehn solten,
Obs junge herren lesen wolten
Und etwas nützlichs daraus fassen,
Tugend lieben, untugend hassen. –
Denn dies ist des reimdichters ziel,
Das er zwar fabeln schreiben will
Und damit eine kurzweil machen,
Der man in freuden hab zu lachen;
Abr dennoch leren was lieb und wert
Und gut ist zum leben auf erd.
Got geb hiezu auch seine gnade,
Das wolgemeinet wolgerate!
[188]
Das erste teil
Das I. capitel
Das I. capitel.

Von verenderung des regiments bei den fröschen.


Sehbold Bausback fieng darnach an
Zu berichten den kleinen man,
Des mechtigen meuskönigs son,
Was die ganze fröschnation
Zuvor gehabt für polizei,
Da sie noch lebten herrenfrei,
Und wie nachmals die wilden kind
Und das verkert pfaffengesind
Ihnen so viel der neuerung machten,
Das sie nach einem könig trachten,
Der allen fröschen solt gebieten;
Und wie ihre könig gerieten:
Davon wollen wir nachmals schreiben.
Ihr Musen wollet bei mir bleiben
Und ferner ausfüren die sach! –
König Bausback bedechtig sprach:
"Dieweil du mir von deinem stand
Alles so rund und recht bekant,
Will ich dir auch von meinem reich
Etwas besonders trauen gleich,
Das du mit dir magst heimen tragen
Und nach vielen jaren nachsagen,
[189]
Auch selbst bedenken in deim reich,
Wenn dir widerferet vergleich.
Denn ob schon neu wird die person,
Ist doch nichts neus unter der son,
Das zuvor auch nicht wer geschehen;
Die hendel bleibn, die leut vergehen. –
Wir frösch für etlich tausend jaren
Keim könig unterworfen waren
Lebten gar frei nach unserm willen.
War aber ein hader zu stillen,
So schlugen sich die veter drein,
Handelten zum frieden in gemein;
Die jungen auch den eltesten herrn
Gehorsam warn willig und gern.
Alsamt aber hielten wir wert
Und erten on alle beschwerd
Unsern priester und landpropheten,
Der uns leret, wie man solt beten,
Got heilig eren, redlich werben,
Erbarlich leben, selig sterben;
Wie ehemals Melchisedech tat
Zu Salem in seiner erbstadt,
Den auch die großen patriarchen
Eren als einen weltmonarchen. –
Nichts bleibt bestendig in der welt:
Was man vor bauet, jetzt zerfellt,
Was gut war, tut den grösten schaden,
Da vor land war, muß man itzt waden,
In sum, es will alles bergunter,
Das wer es siehet, dem nimts groß wunder.
Die tugend hat auch kein bestand,
Endert sich wie man wendt ein hand.
So giengs auch unserm regiment,
Es lief endlich zum bösen end.
Es kamen nach lenge der zeit
Gotlose mutwillige leut,
Die eltern und priester verachten,
Alles nach ihrem willen machten,
[190]
Ermordten jedern mit gewalt,
Der ihn nicht wolt gehorchen bald.
Es kamen auch hernach gegangen,
Denen zur straf, die wasserschlangen
Mit großem haufen in den teich,
Die sie und uns fraßen zugleich.
So kamen wir all in gefar,
Und ward an uns der reimen war:
Um eines bösen buben schand
Wird oft gestraft ein ganzes land."
[191]
Das II. capitel
[192] [191]Das II. capitel.

Von betrug der priester bei den fröschen.


"Wie ich nun hab zuvor gesagt
Ueber unsern priester geklagt,
So gieng es teglich in der tat;
Dawider war kein hülf noch rat.
Denn was wir vor der feinde hand
An geld und gütern auf dem land
Mit not verteidigt hatten all,
Das nam er zu sich auf den fall,
Damit zu raten in den sachen,
Ein frieden überall zu machen,
Wider den feind und alle not
Uns vertreten, die seel bei got.
Und war doch mer denn halb erlogen;
Wer leichtlich glaubt, wird leicht betrogen.
Das wenn der feind uns hett bezwungen
Und all beschwerung aufgedrungen,
Könt er uns übler nicht berauben,
Als der pfaff tat durch aberglauben;
Wie der wolf die gens beten lert
Und sie hernach selber verzert,
So wolt der uns selber berauben,
Der uns schützen solt bei dem glauben.
[191]
Und das er dies vermöcht dest ehr,
Nam er zu sich des beistands mer.
Es war ein sommer heiß und trucken,
Da man wenig gebraucht der brucken,
Sondern stracks satzt durch teich und pfützen,
So ließ das wasser sich wegnützen;
Im acker floh der staub und sand,
Das einer kaum den andern kant.
Da fluchtn wir, das nicht regnen wolt,
Der südwind weht mer denn er solt,
Bracht auch mit sich ein großen goß,
Das jeder grund mit wasser floß.
Wir hüpften frölich auf das land,
Zu spazieren im feuchten sand,
So werden wir alda gewar
Eine überaus große schar
Der schwarzen krötlein hin und wider,
Als weren sie geregnet nider,
Als wenn sie neu geboren wern
Von den kindbettrin zu Salern.
Die wolten unser brüder sein.
Dazu sprachen wir lauter nein,
Weil sie trugen schwarzgraue kappen
Und für der brust befleckte lappen,
Nicht hüpften, sondern langsam giengen,
Die nasen nach der erden hiengen,
Odr höcker machten auf dem rücken
Mit ihrem wunderlichen bücken,
Welches bedeutet heuchelei
Und ein vergiftes herz dabei.
Aber unser Beißkopf fieng an:
Das sind alsamt heilige man,
Von got vom himmel abgeschickt –
Wol mir, das ich sie anblickt! –
Sie sollen der kirchen vorstehen,
Mit auf meins gottes scheflein sehen,
Sollen mit mir lesen und beten,
[192]
In ein geistlichen orden treten.
So ward ein neu kriegsvolk aufbracht,
Das uns plündert bei tag und nacht;
Die großen kröten, die grob quarken,
Wurden cardinel, patriarchen,
Denen man ehe das leben nam
Denn was ihr ein ins maul bekam,
Die mittel lautschreier carteuser,
Grau barfußmünch die klein drecksheuser,
Denen zu eim abzeichen war
An füßn und beinen rauche har;
Und der stende noch mer denn hundert,
Das sich die ganze welt verwundert. –
Noch braucht er ser listige renk,
Der ich mein leben lang gedenk,
Auf kundschaft durch das ganze reich;
Kein könig that je dessen gleich.
Was nur einer auf seinem bett
Seim weib ins or vertrauet hett,
Kont er erfaren alles gar,
Weil die beicht so verordnet war,
Das jeder nach seinem befel
Bei eußerstem verlust der seel
Viermal must erzelen im jar
Sein wort, werk und gedanken bar.
Fiel denn nur für ein wörtelein,
Das seim tun wolt zuwider sein,
So folgt der bann, war da kein geld;
So ist bezwungn die ganze welt. –
Der bann aber war ein gebot,
Das der verbant nicht kein zu got,
Des teufels wer sein leib und seel;
Drum solt man auf der münch befel
Seine gesellschaft ewig meiden,
Oder ein gleich verdamniß leiden;
Aller er solt man ihn entsetzen,
Für einen ketzr und schelmen schetzen,
[193]
Im tod begraben als ein hund.
Solch urteil sprach des Beißkopfs mund
Und schonet weder groß noch klein,
Jeder must des gewertig sein.
Ja auch der mechtigst edelman,
Dem sich jeder macht untertan,
Must für der kirchtür sich ausstrecken,
In den staub sein angsicht hinstecken,
Den Beißkopf demütig anbeten
Und sich lassen mit füßen treten.
Wie der Beißkopf ihm da zuletzt
Den fuß trotzig in nacken setzt,
Sprach er: An nattrn und basilischen
Wirst du deine fußsolen wischen,
Du wirst zertreten one scheuen
Die drachen und die junge leuen!
So war Beißkopf gotfürchtig, gütig,
Und ward gotlos und übermütig."
[194]
Das III. capitel
[195] [194]Das III. capitel.

Aufruhr der frösch wider ihren priester.


"Bis Elbmarxn, eim mechtigen frosch,
Der frevel gar zu ser verdroß,
Das man ihm absagt ewigs leben,
Wo er nicht geld könt darum geben;
Geb er aber nur wenig geld,
So wer das urteil schon gefellt:
Das nicht allein er on beschweren,
Sondern die in der hellen weren
Aus seiner freundschaft, allesamt
Zu des fegfeurs flammen verdamt,
Solten ehe denn ein aug aufblickt
Gegn himmel werden aufgerückt;
[194]
Wie der Beißkopf an gottes stat
Den engeln gab dazu mandat.
Das kont der Marx gar nicht vertragen,
Er solt und must die warheit sagen,
Und sucht herfür aus Habakuchs
(So heist der nam eins alten buchs):
Der grecht wird seines glaubens leben,
Man dürfe got kein geld darum geben. –
Der Beißkopf von zorn rief gar ser:
Das buch wer alt und gült nicht mer;
Wolt den armen frosch haben tot.
Der Elbmarx klaget seine not
Allen, die waren in dem land;
Da erhub sich aufrur zuhand.
Man sagt Beißkopf, er hett gesehen,
Wie der esel wer blieben stehen,
Da man dem bild vererung tate,
Das er im sattel stehen hatte;
Vermeint, er wer derselbig man,
Den anbeten must jederman.
Aber der treiber wolt ihn leren,
Es gescheh nicht ihm, sondern got zu eren,
Schlug drauf und sagt: Horch, mein gesel,
Du bist nicht got, sondern esel!
Nun wolt er wegen der religion
Nicht allein brauchen schwert und kron
Und sich als got lassen anbeten,
Sondern uns gar mit füßen treten,
Da er doch war ein wassertier,
Irdisch, sterblich, eben wie wir.
Und da er gar nicht leiden wolt,
Das man ihm davon sagen solt,
Er wolt bannen und das schwert zücken:
Da wolt sich niemand lassen drücken,
Niemand wolt dem pfaffen das schwert
Zum königreich lassen auf erd;
[195]
Er solt mit heiligr zung regieren,
Mit gottes wort sein amt ausfüren;
Was were wider gottes wort,
Was zum priesteramt nicht gehort,
Das solt er lassen stehn und liegen,
Niemand mit falscher ler betriegen.
Ihren weltlichen oberherren
Wolten sie aber samtlich eren,
Wie sichs gebüret aller maßen,
Ihr gut, leib und blut bei ihm lassen."
[196]
Das IV. capitel
[197] [196]Das IV. capitel.

Beschreibung des froschpriesters.


"Damit du aber merkest recht
Unsers Beißkopfs wundergeschlecht,
So wiß, das er von unser art
Nicht wie ein frosch geboren ward.
Sein vater ist der heilige Geiz,
Sein mutter die alte Supersteiz;
Sind gespenst in dem welschen mer,
Von dem ist er entsprungen her;
Ein wunderschrecklich abenteur,
Eine merschildkröt ungeheur;
Ward in den wassern, weldern, bergen
Von poltergeistern und den zwergen
Heimlich mit mantiers blut und schweiß
Gespeiset tyrannischer weis,
Darum er denn ist rot gestalt,
Wie man den babst zu Rom abmalt,
On das der hals wird etwas grau
Und die nas ist ganz dunkelblau.
Gleich wie der strauß eisen zerbeist,
So frist er alles was da gleist:
Die schneck mit ihrem heuselein,
Die perl mit ihrem kleuselein,
[196]
Die fisch und fröschlein algemein,
Verdauet beide holz und stein,
Rürt doch nur die ober kinback,
Dadurch geht alls wie in ein sack,
Den man nimmer vermag zu füllen,
Geb man gleich das mel mit der müllen.
Darum er oft in unserm land
Beißkopf und Papper wird genant,
Und sein fleisch ist so süß und wert,
Wers einmal schmeckt, sein mer begert;
Hilft manchem verhungerten herrn,
Den sonst die schwindsucht wolt verzern;
Wechst aber wider on verzicht,
Ein kleines wündlein irrt ihn nicht. –
Für der brust hat er ein altar,
Wie Aaronis brustlatz war;
Aber verhartet wie ein stein –
Das herz wird vielleicht auch so sein.
Sein mantel ist ein hörnin nap,
Seins ordens sonderliche kap,
Um und um geziert mit schilden,
Wie man die wappen pflegt zu bilden,
Sind von der großen fürsten pracht
Wunderbarlich zusam gemacht.
Darunter liegt er ganz verborgen,
Verachtet all gefar on sorgen;
Und ob er gleich ungewiß stehet,
Zu beiden seiten lumpen gehet,
So streckt er sich doch aus ser weit,
Wenn er spüret sein sicherheit,
Reißt und beißet alles hernider,
Was er nur acht ihm sein zuwider.
Wo aber kömt ein widerstand,
Kreucht er unter die schild zu hand
Und lest nur weidlich auf sich springen,
Weils ihm keinen schaden mag bringen.
[197]
Es ist auch kein so starker man,
Kein mantier, das ihn heben kan;
Doch ist ein list, die ihn noch krenkt
Und seine große sterke fengt:
Wenn er sicher schleft in der sonn,
Das sein feuchter schild dürt davon,
So leßt sich der nicht tauchen nider
Und in das mer verstecken wider,
Darum scheuet er sonn und licht,
Leßt sich daran betreten nicht.
Wenn man ihn auch an rücken streckt,
Das ihn kein schildlein mer bedeckt,
Sondern da schutzlos zappeln leßt:
So ist gewonnen seine fest,
Er ist geschlagen und gefangen,
Man mag ihn braten oder hangen.
Sonst ist er mutig und verwegen,
Von ser scharfsinnigen anschlegen,
Hat lang studieret auf hohen schulen,
Helt kein ehestand, hat heimlich bulen,
Legt sein eier in fremde nest,
Des kukuks weis ist ihm die best.
Sein kunst lert er auch die schildpadden,
So im gebruch und teichen waden,
Kleiner sein und schlechter gestalt,
Nicht haben so viel sterk und gewalt,
Aber einerlei glaub und leben.
Den hat er fürstentum gegeben,
Das sie bei ihm mechtig umtreten,
Felschlich für ihren got anbeten,
Für aller stend vater erkanten,
Den allerheiligsten Baba nanten.
Dafür gan er ihn seinen namen
Und hieß sie Beißköpf allesamen.
[198]
So kam alles wasser und land
Unter des geizigen Beißkopfs hand.
Das man aber one verdrieß
Alles was er wolt nemen ließ
Und so mildiglich spickt den braten,
Ist wol gemeint, übel geraten.
Wir wolten gottes lob vermeren,
Fiengen den teufel an zu eren;
Wir wolten reich und selig werden,
Verloren gut und seel auf erden;
Wolten freie leut bleiben schlecht,
Wurden unwissend eigne knecht:
Wie denn oftmals der beste rat
Den allerschlimsten ausgang hat,
Das man mit schaden klüger wird.
Das war der Unfal, der uns irrt."
[199]
Das V. capitel
[200] [199]Das V. capitel.

Krumrückers rat, das man keinen stolzen, verzagten oder auch zu starken und mutigen könig weislich erwele.


"Als nun dies lermen und auflaufen
Gestillet war im großen haufen,
Hielten rat die vornemsten herren
Auf der ganzen gemein begeren,
Wie man das regiment bestellt,
Das fromme leut in dieser welt
In fried und erbarkeit sich nerten
Und ihrer feinde sich erwerten.
Da kam herfür mancher anschlag,
Des ich nicht all gedenken mag,
Will nur sagen von dreien alten,
Deren rat ist wol zu behalten.
Der erst, Krumrücker, ein freiherr
Von hundert seinen anen her,
[199]
Fieng an sein haupt empor zu lenken,
Sagt dies für sein ratsam bedenken. –
Gut wer es, meine lieben herren,
Das wir on einiges beschweren
Friedlich in eintracht leben möchten,
Nicht schedliche verandrung söchten.
Das auch vielleicht were geschehen,
Wenns solt nach unserm willen gehen,
Und nicht einander on vermuten
Uns unterworfen seiner ruten
Und ganz zu leibeigen gemacht,
Der uns dazu noch spot und lacht,
Als sei uns mer denn recht geschehen;
Das müssen wir ihm nicht gestehen,
Wolzeitig raten zu den sachen,
Nicht lassen übel erger machen.
Dazu ist mein meinung und rat:
Obgleich der Beißkopf kein recht hat
Und auch nicht haben soll, am reich
Zu regieren eim könig gleich,
So acht ichs doch nicht gut zu sein
Für uns und unser land gemein,
Das wir ein könig wolten welen,
Ihm alles regiment befelen,
Das er übr uns und untertan
Alle gewalt und macht solt han,
Seines gefallens tun und lassen,
Wie der Beißkopf getan dermaßen;
Weil es gar leichtlich kan geschehen,
Das wir uns in der wal versehen,
Ein narren für ein weisen nemen,
Ein Wütrich für Friedrich bekemen. –
Die vogel wolten gleichesfals
Ein könig haben auch ehemals,
Da gab sich an Hoffart, der pfau,
Prangt herein wie ein hochzeitfrau,
[200]
Ließ als ein rad stehen den schwanz,
Beschauen seiner spiegel glanz,
Erschrecklich rauschen seine federn
Wie das wasser in den wildbedern,
Strecket sein haupt großmütig dar,
Welchs algereit gekrönet war.
Die vogel mit zittern zusahen,
Wusten darwider nichts zu sagen;
Denn solche wunderbar schönheit
Ward gesehen an keinem kleid.
Weil ihn nun got selbst hett gekrönt,
Billig man ihm das reich auch gönt.
Billig eret den jederman,
Dem got erliche gaben gan;
Dem got gab tugend, kunst, ansehen,
Bei dem solt jeder gehn und stehen,
Seinen mangl und schwachheit erkennen
Und, der herr ist, ein herren nennen. –
Bis endlich ein spöttischer man,
Markolf, der heger, dazu kam,
Besahe an pfauen schnabl und füß,
Ob er auch beißen kunt die nüß,
Was er redet, wie er geberd,
Ob er auch wer der eren wert.
Sprach: Auserwelter schöner pfaue,
Wenn ihr sein solt eins königs fraue,
Wüst ich kein schöner zu welen,
Der man solchen stand möcht befelen;
Aber zum könig und zum herren,
Unsers reichs allerhöchsten eren,
Weiß ich nicht, ob ihr dienen werdt,
Wie ser ihr auch die federn spert.
Denn wenn ihr nur wolt gehen prangen
Und alles auf das ansehen hangen,
So werden sich fuchsschwenzer finden,
Mit list euch all eur gut abschinden,
[201]
Als wenns billig vererung weren,
Darein ihr euch nicht solt beschweren.
Und wenn euch die so kal geplückt,
Das ihr kein feder habt am rück,
So wolt ihr denn die untertanen
Um steur und eren notdurft manen,
Mit meiner odr eins andern feder
Widrum bespicken euer leder,
Euch behengen mit edelgestein,
Demant, rubin, carfunkelein.
Die sind ser edel, schön und klar,
Aus India bezalet bar;
Es sind seufzer, blutstropfen, trenen,
Die arme leut von herzen senen,
Den man das brot zum mund auszwingt,
Mit schatzen, pfenden, kerker dringt,
Damit der hoffart und fürwitz
Nur wie ein pfau bespiegelt sitz.
Das der sich aufbleh und ausbreit
In perlen und im purpurkleid,
Müssen viel hundert tausend schnecken
Ihr haus, blut und leben da strecken,
Ob sie gleich gar unschuldig sein –
Des werlosen gut ist gemein –
Ja er zeugt den sterbkittel abe
Dem todten seidenwurm im grabe,
Welchen er selber hat gemacht,
Und braucht ihn zu nerrischer pracht;
Da es doch ist ein alt gesetz,
Das man die todten nicht verletz.
Das alber schaf muß auch har lassen
Und one woll gehn auf der straßen;
Die woll es auch seim herren gönt,
Wenns nur die haut behalten könt. –
Den vögeln bald dieselbe wal
Auf diese red gereuet all,
Das sie den adeler erwelten,
[202]
Alles in seine gewalt stellten.
Derselbig fürt zwar keine pracht,
Blieb bei der gewönlichen tracht,
Spart auch zusam viel geld und gut,
Widrstand dem feind mit hohem mut;
Aber sein untertane leut
Waren seiner wenig erfreut,
Er hört nicht ihr not und klagen,
Wartet sein weidewerk und jagen,
Fieng kaninchen, hasn und rehe
Und sonst viel ander wildpret mehe,
Als wer er um ein großes geld
Für ein jegermeister bestellt
Oder mit Nebucadnezar
Verdamt zu der bestien schar,
Und nicht gesetzt zum landesherren,
Sein leut zu regieren mit eren,
Zu befordern gericht und recht
Zu schützen den herren und knecht.
Wenn auch jemands um gar gering
Ihm zu viel für den augen gieng,
Oder heimlich angeben ward
Als gfiel ihm nicht des königs art:
So nam er ihm dazu kein zeit,
Das er fordert der sach bescheid,
Sondern fur auf in großem zorn,
Als hett er sinn und witz verlorn
Oder wer bei der finster nacht
In trunkner weis ongfer erwacht,
Und riß und biß alles auf stücken,
Das für ihm niemands dürft aufdücken.
Er ließ auch gar kein vorbitt gelten,
Wie herzlich sie die auch anstelten. –
Denn wie die nachtigal ihn fand,
Das er bei ihrem nestlein stand,
Bat sie, er wolte doch aus gnaden
Ihrn unschüldign kindern nicht schaden,
[203]
Oder got würde richter sein.
Er sprach: Was sol mein lon denn sein,
Wenn ich ihnen mein gnad zusag? –
Ach, sprach sie, alls was ich vermag. –
So fahe, sagt er, ein liedlein an,
Dessen ich mich erfreuen kan!
Die mutter sang mit bittern schmerzen,
Aber künstlich von ganzen herzen:
Das ich nur muß elende sein,
Für freud leiden traurige pein,
Klag ich dir, got, in meiner not,
Behüt mein kinder für den tod!
Mein herzer vater Pandion
War ein könig und königsson,
Im Griechenland herlich bekant,
Seine stadt war Athen genant.
Meine schwester, Progne mit namen,
Hat ein könig von Martis samen,
Der Tereus hieß, war mein verdrieß.
Ach das mein vater mich verließ!
Der Tereus solt für allen dingen
Mich zu meiner schwester hinbringen,
Als sie begert, und er ihr schwert,
Und ich herzlich wolt sein gewert;
Er sagt ihr aber, das im mer
Ich gstorben und verdorben wer,
Das er nicht meint, doch böslich greint.
Mein schwester unaussprechlich weint.
Als aber ihn der teufel blendt,
Das er mich schelmisch zwang und schendt,
Und ich al tag für jammer klag,
Draut auch ernstlich mit der nachsag,
War das zuletzt die morgengabe,
Das er mir schnitt die zungen abe,
[204]
Dazu ich ward gefangen hart
Und acht jar im waldschloß verwart.
Wol sagt man recht, das not bricht eisen!
Mein elend kont mich unterweisen,
Das ich die sach im Schleier mach,
Bitt mein schwester um rat und rach.
Die kam zu mir, wies fast nacht war,
Fürt mich wie sie vermummet gar,
Ihren son schlacht, zur speise macht
Und dem könig zu essen bracht.
Der könig fragt: Wo bleibt mein son?
Sie sprach: Er ist der schwester lon;
Du, ervergessen, hast ihn gfressen,
Schau, der kopf hat auf ihm gesessen!
Der könig sie und mich ansahe,
Zuckt das schwert, das er uns erschlage;
Eilet geschwind; wir abr im wind
Ihm allebeid entflogen sind;
Mein schwester ein hausschwalbe wird,
Von ihrem son den blutfleck fürt,
Ich, Philomel, ein nachtigal,
Klag meine not bergen und tal.
Tereus ward mit dem gkrönten kopf
Und krummen schwert ein wiedehopf;
Sein art nicht lest, tut in sein nest,
Fragt: Wo, wo ist mein son gewest?
So muß ich bauen mein elend,
Bis das es got mit gnaden wend.
Der könig allein mein kinderlein
Und mich verschon mit schwerer pein!
Ich wil zu got tun mein gebet
Für eur königlich majestet,
Das er der geb, das sie lang leb
Und in wolfart und freuden schweb. –
So war der nachtigaln gesang,
Das lieblich, abr erbermlich klang.
Da sprach der adler also fort:
Am gsang taug weder weis noch wort,
[205]
Es füllt die oren, nicht den magen,
Dem muß ich sein speis nicht versagen.
Kanst du beten, so bitt für dich,
Darfst dich nicht bekümmern um mich!
Und fraß die kinder one dauren,
Ließ die elende mutter trauren.
Für der grausamen tyrannei
Ist nunmer auch kein vöglein frei,
Das sie noch bis auf diesen tag
Ueber ihre wal halten klag,
Das sie auf diese torheit kamen,
Einen tyrannen zum könig namen.
Das, fürcht ich, könt im gleichen fall
Uns auch so gehn mit dieser wal."
[206]
Das VI. capitel
[207] [206]Das VI. capitel.

Das auch fromme monarchen verfüret werden.


"Und wenns gleich auch zu wünschen wer,
Das doch geschehn wird nimmermehr,
Das wir den allerfrömsten herrn
Erweleten und erten gern,
So bleibt dabei doch die gefar,
Das sich der auch verandert gar,
Das auf der höchsten erenspitz
Der schwindl ihn fürt in aberwitz,
Und aus dem allerbesten wein
Der scherfste essig würde sein.
Denn wo will man den finden wol,
Der sich gar nicht verwandeln soll,
Wenn er tun kan alls was er will,
Wenn des ernbietens ist so viel,
Das jederman ihn gleich anbet,
Der fuchsschwenzr ihn alles beredt,
Der lesterer jeden verklagt,
Das bösest von dem frömsten sagt?
[206]
Wie denn solchs ist ein bsonder fluch:
Wie mans mit herren auch versuch,
Sie wollen für ein weisen man
Affen und narren bei sich han,
Sie lieben Reiniken fuchs geschlecht;
Nattern und schlangen sein ihr knecht;
Dabei vergessens guter art
Und lernen törichte hoffart,
Fassen ein wüsten wilden mut,
Halten niemand ein wort zugut.
Rümet man sie sittig in eren,
Sie hörens mit großem beschweren,
Das man den rum nicht höher treibt,
Sondern also im mittel bleibt.
Treibt man des rümens aber mer,
So verdreußt sie es noch so ser,
Als ob man ihn fuchsschwenzen wolt;
Allerseits ist undank der sold.
Wenn sie also gewonet sind,
Schenden sie unser weib und kind,
Reißen an sich unser armut,
Hoch zu setzen ihr geld und gut,
Als wenns des landes schatz solt sein.
Darnach ziehens die erben heim,
Lassen uns den ledigen sack,
Da man alzeit von neu einpack,
Was man kriegen mag und erkratzen,
Dem hungrigen vom maul abschatzen;
Da man vom schaf die woll solt schern,
Nicht haut und fleisch zugleich abzern.
Und tun dies auch die herren nicht,
Ihr rat und schreibr es wol verricht,
Dem man verhör, abscheid, befel
Mit dienst, gaben und corruptel,
Ueber gesatztem lon und steur,
Uebrviel aufwarten, viel zu teur
[207]
Abkaufen muß und hoch vergelten,
On geld wird eim geholfen selten;
Bis das arm wird der untertan
Und der hofdienr ein reicher man,
Und den also sein gast anspricht:
Er sol schlemmen, und trauren nicht,
Die zalung wol er bei den finden,
So ihre schuch mit baste binden. –
Und dies wer noch zu achten schlecht,
Wenn sie nicht on verhör und recht
Ihres gefallens morden ließen,
Oder ins gefengniß verstießen,
Oder verjagten aus dem land,
Die man für got unschuldig fand.
Und hilft dawider gar kein klagen,
Ihr antwort ist, das sie drauf sagen:
Laß die raben rufen ihr krassen,
Und die frösch koachsen im nassen,
Laß lose buben spötter sein,
Laß ihn das ihr, wart du das dein!
Laß sie nur klagen was sie wollen,
Müssen doch leiden was sie sollen,
Wie die hirten die scheflein schlachten
Und ihres blekens wenig achten!
Drum steht in ihres siegels schild
Also der gerechtigkeit bild,
Wie man das blinde glück abmalt
Und der törichten lieb gestalt,
Mit verbunden augen und oren,
Das sie nicht sehen sol noch horen,
Ob die wag recht gebrauchet werd,
Ob den schuldigen treff das schwert,
Sondern sol frech in haufen schlagen,
Die untertan müssens wol tragen.
Und obs gleich soviel solt bedeuten,
Das der richter zu allen seiten
Gericht und recht sol lassen gehen,
Gab, gunst und person nicht ansehen,
[208]
So brauchen sies doch überquer,
Ihr mutwil ist ihr rat und ler. –
Wie auch vor zeiten ist geschehen,
Ein exempel, wol zu besehen:
Denn als die tier, so auf dem feld
Im trucken leben, in der welt
Zu ihrem könig wol erkoren
Nobel den leuen, hochgeboren,
Den man für allen andern tieren
Billig muß lassen das lob füren,
Das er demut freundlich verschont,
Dem trotz mit allem ernste lont.
Und wie großen zorn er auch hat,
So greift er bald wider zu gnad.
Denn, wie man sagt, je edler art,
Je leichter zorn gefunden ward;
Je größer und erbarer mut,
Je wenigr schad sein zorne tut.
Dennoch ließ er sich mit seim geizen
Durch Reinik fuchs so weit anreizen,
Das er seine ret und baronen
Mit ungnad nicht wolte verschonen,
Ob sie gleich gar unschuldig weren;
Nam gefangen den wolf und beren,
Ließ dem beren abziehn ein lasch,
Dem fuchs zu einer pilgramstasch,
Und dem wolf und seiner hausfrauen
Jedern ein paar schu mit den klauen,
Die Reinik anzog auf der reis,
Wenn er nach Rom gieng wallenweis,
Nur darum, das hoffet der leue,
Das Reinik würd mit großer treue
Ihm anzeigen ein reichen schatz
Unter eim berg am grünen platz.
Darin er doch ser ward betrogen,
Reinikens wort waren erlogen
[209]
Und hernach in ser kurzer zeit
Ganz falsch befunden in warheit.
Das half abr weder wolf noch beren,
Sie musten ihrer haut entberen
Und wie übel geschendte knaben
Noch hon und spot zum schaden haben. –
Dies alles übertrift noch weit
Der könige unsinnigkeit,
Wenn sie ihre nachbar verachten,
Bei tag und nacht nur darauf trachten,
Wie sie ein krieg mögen anspinnen,
Ander überziehn und gewinnen,
Fahen damit ein lermen an,
Den kein mensch wider stillen kan.
Wie sich leicht findt ein schlimmer geck,
Der ein auflauf im land erweck,
Aber den fried kan niemands machen,
Es rat denn got selber zun sachen.
Und was krieg für jammer einfürt,
Kein creatur aussprechen wird!
Da gehts, wie man zu sagen pflegt,
Das sichs gemeinlich so zutregt:
Wenn herren sich raufen und trecken,
Müssen die bauren ihr har darstrecken;
Es muß des herrn hitzigen mut
Külen seiner armen leut blut;
Es muß bezalen kindeskind,
Die nach viel hundert jaren sind,
Was auf solche hendel gegangen,
Die könig nerrisch angefangen. –
Wie noch die Moren schwarz aussehen,
Das sie viel hitz musten ausstehen,
Als Phaethon der sonnen wagen
Am himmel füren wolt zun tagen
Und ließ außn weg laufen die pferd,
Das sich das unterst oben kert,
[210]
Das die sonn hinab fiel aufs land,
Das erdbodem und wasser brant
Und ihn selbst der donner erschlug,
Das er fur so gar ungefug;
Wolt nach der welt regiment streben
Und wust ihm kein geschick zu geben. –
Dies alles bringet mich so weit,
Das ich nicht rat zu dieser zeit,
Das wir uns setzen einen herren
Uns und den unsern zum beschweren.
Soviel ich aber weiß und kan,
Sehe ich viel mer für ratsam an,
Das wir widrum nemen zur hand
Unser freiheit uralten stand,
Darein unser lieben vorfaren
Geboren und erzogen waren,
Also das ein jedes geschlecht
Behalt und hab sein eigen recht,
Ein jeder stand, dorf, fleck und stat
Sein erwelten richter und rat,
Der nach gerechtigkeit regier,
Alls tue und laß wie sichs gebür
Und seine leut ziehe mit zu rat,
On ihr volwort nicht greif zur tat. –
Denn ich laß aus alten geschichten
Von mantiern mich das auch berichten,
Das nicht allein wild leut im feld
Nimmer einen könig gewelt,
Sondern das solches auch nicht teten
Die bürger in volkreichen steten;
Denn obgleich ihr meister und rat,
So die gemein gekoren hat,
Vorneme herrn und alle man
Versamlen mögen auf einen plan
Und denn ihnen stückweis erkleren,
Was für sachen vorhanden weren,
Davon man zeitig solt ratschlagen,
Jeder sein frei bedenken sagen:
[211]
Müssen sie doch darauf nicht schließen,
Die glock ihres gefallens gießen,
Es wolt denn die ganze gemein
Mit ihrer meinung einig sein,
Und nicht unbillig, wenn sie all
Das glück trifft oder der unfal,
Nachdem sies treffen oder nicht.
So ists recht, das man sie bericht,
Worauf ihre notsachen stehen,
Das sie wol ratn, sich wol fürsehen.
Denn wen solt man billiger fragen,
Wies die stadt und dorf soll anschlagen,
On den der haus und hof drein hat,
Weiß was sein gwinn sei oder schad?
Wer wolt dem leib besser vorstehen,
Seinen weg bessr sehen und gehen,
On sein augen und seine füß,
Die mit ausbaden saur und süß?
Sonderlich, weil zum regiment
Nötig sein viel hülfliche hend,
Viel unkosten, geld und gefar,
Aus vieln beuteln gut zeren war.
Wer wolt sein geld und gut hingeben,
Wer wolt wagen sein kind und leben,
Wenn er nicht wüst, worum, wozu
Er das oder ein anders tu,
Obs sein sei oders gmeine best,
Odr ob er fremde tauben mest?
Was ret abr, was hilft solcher man,
Der verleurt weder hun noch han,
Wenn gleich alles stünd in der glut?
Doch ist ratschlagen not und gut. –
Wo kein rat ist und kein aufsehen,
Da muß das volk zu boden gehen;
Wo aber viel ratgeber sind,
Da geht es wol zu und geschwind;
[212]
Viel augn sehn mer denn eins allein;
Was einr nicht wüst, weiß die gemein,
Auch der einfeltig alber man,
Der weder schreibn noch lesen kan.
Oft gab ein gertner schlechten rat,
Der ser nütz war, viel gutes tat;
Viel mer tuns kauf- und handwerksleut,
So in der jugend wandern weit,
In fremden landen hörn und sehn
Was wolt, solt, und was nur kan gehn;
Viel mer tuns müller, brauer, becker,
Fleischer, weinschenken und weinhecker,
So wissen was die stat bedarf,
Wer wol fert oder gar umwarf,
Wie alls gilt, wies zu gelten pflag,
Wo man nemen odr geben mag.
Sie sind die leut, so all ernern,
Man kan ihrer gar nicht entbern,
Sind sie gleich nicht mechtig und reich
Und den edlen geschlechten gleich,
Auch noch dazu jünger von jaren,
Denn sonst die alten herren waren.
Ein arm kind und ein junger man,
Der weis ist und wol raten kan,
Zu jeder zeit viel besser war
Denn ein reicher und alter narr,
Denn ein könig, der nichts verstand,
Nicht weiß wies steht um seine land;
Es were denn kein erbar jugend,
Es ert denn keinen seine tugend,
Es wer denn, das einen man schend,
Das er sein zeit auf erbeit wend,
Mit seinem fleiß dient der gemein,
Nicht will ein unnütz bürger sein,
Will essn sein wolgeworben brot,
Half ihm gleich weder glück noch tod;
Und der allein sei eren wert,
[213]
Der alt ist, der fremd gut verzert
Und sonst nicht mer zu rümen hat
Denn seiner vorfarn edle tat.
Wie der maulesl treib viel palaren,
Das sein großeltern pferde waren;
Und die hefen machen groß geschrei,
Was köstlich wein drauf gewesen sei:
Als gebürt dem ledigen beutel er,
Das er geld hatt, aber itzt nicht mer. –
Und treffens auch gleich gemeine leut
Nicht gar weislich zu aller zeit,
Das sichs bisweilen leßt ansehen,
Das wassr wöll über die körbe gehen:
So wirds doch noch endlich gemacht
Bessr, denn jemand zuvor gedacht.
Denn got die regiment erhelt,
Dem vermessenheit nicht gefellt,
Der hasset all spitzige fünd,
Ist oftmals der toren vormund,
Das, was nerrisch war angefangen,
Oft zum besten ist hinaus gangen.
Wie Athen, die berümte stat,
Alzeit zunam durch nerschen rat.
Was abr soll eitel weisheit sein,
Was einer sich rümet allein:
Er wüsts, er wolts tapfer ausfüren,
Man solt an der sach nichts verlieren,
Sondern noch preis und er einlegen
Und einsamlen glück, wolfart, segen;
Das wolt nirgend fort und blieb stecken,
Das einer dafür must erschrecken.
Damit got allein hab die er,
Sich der sach keiner rüme mer.
Darum muß auch der gemeine man
In solchem rat sein stimme han. –
Das wolten wir in unsern sachen
[214]
Auch also raten, schließen, machen,
Das wir on könig und on herren
Unser selbst alzeit mechtig weren,
Das hoher und niedriger stand
Zugleich mit anschlagen die hand,
Zugleich mit raten und mit geben,
Zugleich mit sterben oder leben,
Und denn also im ganzen reich
Ein bruder sei dem andern gleich,
Genieß der herzlieben freiheit,
Seiner erbeit auch werd erfreut,
Sein kindlein ziehe in guter ler
Mit aller zucht zu gottes er,
Und sich nicht fürcht, das man on recht
Ihn plagt wie ein leibeigen knecht,
Abtrotzt sein weib, kind, gut und geld.
Der teufel bracht solchs in die welt;
Aber von got ist freiheitsrecht
So gar vergont unserm geschlecht,
Das er auch seinen eigen mannen,
Da sie wider aus Egypten kamen
Und alle völker solten schlagen
Oder aus Canaan verjagen,
Infonderheit verboten hat,
Solten uns nicht zufügen schad,
Und wenn sie die fisch essen gleich
Aus dem Jordan, see oder teich,
Solten sie doch uns frösch nicht schmecken,
Odr er wolt sie mit strafen schrecken. –
Verflucht sei nun die dienstbarkeit,
Hochgelobt die edle freiheit!
Die ist um kein geld zu verkaufen!
Nach der solt man zur welt auslaufen!
Drum der stieglitz dem knaben sagt,
Der ihn mit vielen seufzen fragt,
Warum er sich von ihm gewandt,
So er doch aß aus seiner hand
[215]
Und ihm nie widerfur ein leid:
Es ist nichts besser denn freiheit! –
Der wolf rümt auch des hundes glück,
Seinen feisten und glatten rück,
Da er sich kaum erneren künt,
Sein rückgrat wie ein kerbholz stünd.
Als aber ihm der hund vorschlug,
Er könt seins glücks brauchen mit fug,
Wenn er mit ihm gieng in die stat,
Und er darin gewilligt hat,
Auch itzt mit ihm zur stat hingieng,
Den hund er zu fragen anfieng:
Wie er so kal wer um den kragen,
Ob er daheim das joch müst tragen? –
Nein, sprach der hund, das ich die nacht
Desto fleißiger halt die wacht,
Werd ich des tages ins halsband
An ein eisenketten gespant. –
Ade, sagt der wolf, lieber om,
Zu dir ich nicht zu gaste kom;
Liebr wil ich arm sein und mein man,
Denn reich an deiner ketten stan. –
Nechst got, nechst einem guten mut
Ist mein freiheit mein höchstes gut!
Das ist auch mein vorschlag und rat:
Freiheit ists best nechst gottes gnad.
Die zu schützn, solten alle stend,
Wie die möchten werden genent,
Sich zusamn verbinden mit eid,
Das sie getreulich jeder zeit
Auch wolten mit gesamter hand
Den feinden tun ein widerstand.
Als die frösch in der Hanse steten
Ehemals im Sachsenlande teten,
Als noch itzt tun die Schweizermeus,
So am berg haben ihr geheus,
[216]
Gut und blut bei einander setzen:
So würd sich niemand an uns wetzen,
Der nicht auch merklich schaden nem
Und hernach ungern wider kem,
Und wir blieben bei der freiheit
Ruhig in guter sicherheit. –
Wie noch im wald zu unsern zeiten
Bei den kleinen schwarzen kaufleuten
Des emsengeschlechts ist zu sehen,
Welcher reich friedlich bleibt bestehen.
Ja bei dem feldzug der heuschrecken,
Die ein ganz land pflegn zu bedecken,
Alles verwüsten und abfretzen;
Niemand kan sich dawider setzen.
Ob sie gleich keinen könig hatten,
Weil sie einander nichts leids taten,
Sondern alle mit gleichem fleiß
Ihr stat bauten auf beste weis,
Odr krieg fürten mit gleichem mut
Wider den, der ihn schaden tut.
So macht die liebe einigkeit
Ihnen freiheit und sicherheit.
Wie Salomon, der fürst der weisen,
Ihren fleiß sonderlich wil preisen. –
Dies, rat ich, sei das allerbest,
Das wir hierüber halten fest.
Wenn dies denn alles ist vertragen,
Wollen wir von dem Beißkopf sagen
Mit bedenken und rat der alten,
Wes sich derselbig soll verhalten."
[217]
Das ander teil
Das I. capitel
Das I. capitel.

Das bei königen große gefar sei.


"Darauf sagt Graukopf: Ich halts auch,
Es sei ein geferlicher brauch,
Einem allein das regiment
Zu übergeben in die hend,
All unser wolfart, gut und blut
Setzen auf eines übermut,
Das eines narren fauler wind
Uns all tod blas mit weib und kind,
Sobald ihn reizt der tolle sinn,
Das er uns opfern will dahin,
Und wir das also leiden söllen
Als unvernünftig wasserwellen,
Als ein dürres blat in dem wald,
Das im wetter vom baum hinfalt.
Nein zwar, das laß man nicht einfüren
Bei lebendigen klugen tieren! –
Denn wie gütig der leu auch ist,
So braucht er sein morden und list;
Und kans niemand so gar recht machen,
Er find ein unrecht in der sachen;
[218]
Er saget zwar den tieren zu,
Solten bleiben in guter ru,
Er wolt keinem an seinem leben
Einerlei schaden lassen geben.
Das er auch tat ein raume zeit,
Bis ihm vertraueten die leut,
Meinten, es durfte niemand trauren,
Ihr könig hielt fest wie ein mauren.
Aber er hielt was ihm gefiel,
Schoß endlich weit über das ziel,
Beide mit gewalt und mit list,
Wie denn zu hof gebreuchlich ist.
Er fordert etlich in geheim
Besonders zu seim gmach hinein,
Als wolt er ihnen etwas klagen,
Von hoch vertrauten sachen fragen,
Und fieng denn nach vielen umstenden
Sich auf diesen vorschlag zu wenden:
Das er begert waren bericht,
Ob ihm der atem stünke nicht;
Denn wenn er etwa zu eim tier
Seinen mund neher reckt herfür,
So erschreckt sich dasselbe ser,
Wolt sein atem nicht riechen mer.
Welche nun einfeltig und schlecht
Sagten, er stünk, das were recht,
Die schalt er als lose meutmacher,
Seine neider und widersacher;
Welche das widerspiel denn hielten,
Und aus furcht das placebo spielten,
Sagten: er röch gar wol und fein,
Musten lügner und spötter sein.
Die andern, die nur schwiegen still,
Sprachen weder wenig noch viel,
Nant er hoffertige verechter
Und fraß sie all mit eim gelechter. –
[219]
Darum, als Reinik fuchs ankam,
Allerseits große gfar vernam,
Gab er nach seiner listigkeit
Dem könige solchen bescheid:
Er sprach: Allergnedigster herr,
Wenn ich gleich zuriech noch so ser,
Schmeck ich doch weder mund noch suppen,
Weil ich itzunder hab den schnupfen.
Das eur majstet kein wunder nem,
Denn das ich zeitiger ankem,
Gieng ich heut frühe barfuß im nebel,
Der mich anstank gleich als ein schwefel,
Und hab dessen so viel genommen,
Das ich den schnupf zu dank bekommen. –
Was sagt dazu mein Martinsman?
So sprach der leu den affen an;
Hat er denn auch den schnupfen kriegen
Und will Reiniken helfen lügen? –
Nein, sprach der aff, gnedigster herr,
Am schnupfen hab ich kein beschwer.
Ich hette vorlengest gern gesprochen,
Wie euer majestet gerochen
So lieblich, so herlich und wol,
Das mans nicht besser finden soll
Aus Indien und Morenland,
So weit sonn und mon ist bekant,
Am balsam, den man so hört rümen,
An weirauch, mairan, spickerblumen,
Der bisem holt auch nichts dagegen,
Alln ist eur edl mund überlegen.
Billig alle tier, die man findt,
Dafür aufrücken ihren wind,
Eur majestet keinen unlust
Etwa machen mit ihrem wust.
Wie man on das den herren nasen
In keinem weg sol widerblasen. –
[220]
Und der wort macht der aff so viel
Und trieb so meisterlich das spiel,
Das sich der könig selbst must schemen,
Das leben ihm alsbald zu nemen;
Dennoch schloß er im herzen auch
Nach seinem tyrannischen brauch,
Er wolt ihm des lobes gedenken,
Den tod zum Deo gratias schenken. –
Macht sich derhalben schwach und krank
Das er den tag wedr aß noch trank;
Die erzt, die da gefordert waren,
Wolten kein fleiß noch unkost sparen,
Griffen den puls, sahen den harn,
Fragten nach dem schlaf und maßtdarm,
Ob er viel hitz het oder kelt.
Wie das nun alles war gemeldt
Und sie daraus kein gefar spüren,
Wollen sie wedr erzten noch schmieren,
Sagen: Der könig sol wol trauen,
Sich gar nirgend für lassen grauen;
Es sei nichts denn ein mattigkeit,
Die sich verlier in kurzer zeit,
Wenn man sein wol mit essen wart
Und für den appetit nichts spart,
Nur daß auch selbst ihr majestet
Bedecht, wo sie ein lust zu het. –
Ja, sagt der könig, es möcht sein,
Der affentit macht mir die pein,
Affenfleisch hab ich nie gekost,
Darum hett ich dazu wol lust,
Darnach wessert mir fast der mund,
Wenn es mir nur were gesund. –
Ja, sprachen die erzt, es hat viel kraft. –
Der arm Martin ward hergebracht
Und jemmerlich auf stück zerrissen,
Ganz gefressen für leckerbissen."
[221]
Das II. capitel
Das II. capitel.

Wie die hasen der leuen unglückliche lermeister werden.


"Also giengs auch dem gelerten hasen,
Wie wir beim Aristotel lasen.
Denn als derselb in seinem land
Erstlich lernet der schrift verstand,
Das er lateinisch, griechisch las
Und beider sprachen kundig was,
Wust auch, wie man solt disputieren
Und von sachen ziemlich parlieren,
Zog er auf hohe schulen auch,
Zu hören der gelerten brauch,
Was sie berichten ihre jugend,
Von gut, von recht, von er und tugend,
Von der natur, himmel und erd
Und aller creaturen wert,
Warum alls stehe, warum alls fall,
Und solcher ding ursachen all.
Er las auch viel alter geschicht,
Der poeten künstlich gedicht,
Und merkt daraus je lengr je mer
Gleichniß, exempel, sprüch und ler,
Das er all sachn besser verstund
Und davon zierlich reden kunt. –
Endlich reiset er durch viel land,
Macht sich den gelerten bekant,
Forschet der völker recht und weis,
Besahe auch die festung mit fleiß,
Fragt: was ihr macht und narung wer?
Woher ihr fried kem und beschwer?
Wie man in not und kriegen tete,
Das man speis, geld und beistand hete?
Er übt auch selbst sein eigen leib,
Das er nicht zart und müßig bleib,
Sondern mangl und wetter kont tragen
Und sich mit seinen feinden schlagen.
[222]
Darum reiset er tag und nacht
Und weder lenz noch winter acht,
Durch blitz und donner, schne und regen,
Lag im feld und wald unterwegen,
Entlief den hunden mit gefar,
Ließ ihn bisweiln im maul sein har,
Litt hungr und durst, trank wassr, aß brot
Und verzaget in keiner not.
Er focht, er sprang, er fur, er ritt,
Er zog auch in dem lermen mit
Und hielt sich als ein tapfer held,
Da die kanin lagen zu feld,
Eine erschreckliche schlacht erregten,
Die wiesel und maulworf erlegten,
Verdient alda ein gute steur,
Versucht allerlei abenteur. –
Bis endlich sein vater beklagt,
Er wer nun alt und wolbetagt;
Der son solt kommen wider heim,
Der eltern trost und pfleger sein.
Darauf must er sich wider stellen
Seinen eltern und spielgesellen.
Die namen ihn mit freuden an,
Er war alln ein wilkomner man. –
Als aber auch der vater wolt,
Das er sein freude spüren solt,
Und anricht das wilkommen mal,
Dazu die hasen kamen al,
Die sein verwandte nachbar waren,
Odr die sein ankunft sonst erfaren,
Fiengen seine freund an zu fragen:
Was er ihn denn wolt neues sagen
Von seiner reis und seiner lar?
Er wer ausgewesen viel jar
Und het viel unkosten erregt,
On zweifel wers wol angelegt? –
Er lacht sie an und sprach mit sitten:
Meine freund nichts unziemlichs bitten;
[223]
Schand ist, das einer lang ausfert
Und seiner eltern gut verzert
Und nicht was nützlichs bringe heim,
Des sein eltern erfreuet sein;
Wie oft fürwitz und lange weil
Ihr viel on nutz treibt manche meil.
Ich hab gelernt in fremdem land,
Wie man got und sein willen kant,
Wie man genieße seiner gnad,
Was gut und bös für ausgang hat.
Darnach lernt ich viel fremde sprachen,
Die man bedarf zu allen sachen,
Hebreisch, griechisch und latein,
Deutsch, sclavonisch und all, die sein
Von diesen hauptsprachen entsprossen
Und in der wurz zusammenstoßen.
Zudem lernt ich tugend und recht,
Wie man das in der welt aufbrecht,
Welche völker darüber hielten,
Und welch ihren mutwillen spielten.
Endlich lernt ich die natur kennen,
All sternen, beum, kreutr und tier nennen,
Alles ausrechnen, messen, gießen,
Singen, springen, fechten und schießen
Und was ein gut gsell wissen soll,
Das hab ich glernt und kan es wol. –
Ein vetter sagt: Das ist groß wunder,
Deinsgleichen findt man nicht itzunder,
Du hast deim kopf ser we getan,
Was ist aber der nutz davon?
Wozu dienets? sag mir das nur,
Geb auch der baur ein wurst dafür? –
Der student antwortet dazu:
Geb man viel geld des nachbars ku,
Ein scheffel perln und edlgestein
Und setzt die schönste jungfrau drein,
Ein hand vol gras ihr baß behagt
[224]
Und ihre stinkende kümagd.
Wie man auch sonst gibt zu erraten:
Wozu sollen der ku muscaten?
Was sol dem hanen der demant,
Den er ungefer liegen fand,
Als er den mist umsucht und scharrt?
Ein weizenkorn ihm nützer ward.
So ists zum bauren nicht gestellt,
Wie ihm der glerten kunst gefellt;
Wie auch die sonn darnach nicht fragt,
Was von ihrm schein der blinde sagt,
Den sehendn ist damit gedient.
Kunst bei vernunft ihr gunst gewint. –
Der vetter aber weiter wessert
Und sprach: Was seid ihrs denn gebessert?
Und wozu dient kost und erbeit,
Die ihr aufwandt die lange zeit? –
Des wolt ich nun ferner berichten,
Sagt er, und euren zweifel schlichten,
Und das es nicht sei zu subtil
Und der wort werden gar zu viel,
Versteht ihr all, das jeder hat
Sein seel, sein leib und sein vorrat.
Die drei wolt ein jeder mit fleiß
Versorgen gern auf beste weis;
Nun kan dies jeder nicht volbringen:
Der ein versteht nichts von den dingen;
Der ander fengt an umzufragen,
Hört zu, was andre davon sagen;
Der dritt von fern etwas vernimt,
Als wenn ein schiff von weiten kümt;
Der viert meint, er versteh gar viel,
Und kuckt doch durch ein falschen brill,
Als wenn man schaut zum finstern kram,
Weiß doch nicht, was guts ist daran.
Der aber ist der beste man,
Der selbst alles beschauen kan,
[225]
Am hellen tag mit guten augen,
Darf keinem fremden zeugniß trauen.
Wer das sol tun und recht ausfüren,
Der muß davon die schrift studieren;
Denn wie die sonn hilft dem gesicht,
So ist die kunst der seelen licht.
Drum war alzeit mein nutz und lust,
Das ich nun alles selber wust,
Was mir zu leib und seel ist not,
Wie ich erwerb und schütz mein brot,
Das ich das recht will selbst volbringen,
Dazu man sonst die leut muß zwingen;
Das meines standes mich nicht dauret;
Das mein herz für kein unglück trauret,
Sondern bleibt unerschrocken still,
Wenn gleich himmel und erd einfiel.
Darnach kan ich mein eltern leren
Erzten, trösten, zu got bekeren,
In aller not bei ihn umtreten,
Ihr gut und blut und er erretten,
Auch meinen verwandten beistehen,
Wenn ihnen solt ein not angehen;
Ja dem könig und ganzen land
Kan ich dienen mit meiner hand,
Mit meiner red, mit meinem rat,
Sofern got dazu gibt sein gnad. –
Drauf sagt der vettr: Versteh ichs recht,
Ihr seid nichts als ander leut knecht,
Wißt zu dienen, wie sichs gebürt;
Die einig kunst habt ihr studiert.
So ist eur er, mühe und erbeit,
Euer lon nichts denn undankbarkeit,
Bei eurs gleichen abgunst und neid,
Bei hohem stand gefar und streit,
Beim könig gefengniß und tod:
So tröst eur kunst der liebe got!
[226]
Darum dürft der wild eber schwören:
Ehe denn er diente einem herren,
Wolt er ein schelm und böswicht sein;
Wer sein könt sein, der diente keim.
Der zaunkönig ist klein und schlecht,
Noch bleibt er herr, wird niemands knecht,
Und wenn ihn gleich die mantier fangen
Mit schleufen, kasten und leimstangen,
Setzen ihn los in ihr gemach,
Das er umflieg, hab gute sach,
Kreucht er doch in ein heimlich loch,
Oder setzt sich blos auf ein bloch,
Hengt sein flügel, spert auf den mund,
Felt um, stirbt in der viertelstund,
Will lieber verlieren sein leben,
Denn sich in dienstbarkeit begeben.
Der kleinst vogel, das gröste schwein
Will lieber sein denn eins andern sein:
Solt denn übr sich der mittelstand
Andern lassen die oberhand!
Wer das nicht ein viel besser ler,
Wie ihr würdt und bliebet ein herr,
Lebt one sorg in fried und freud,
Und das euch dienten ander leut?
Und wenn ihr gleich kein herr wolt sein,
Wers nicht besser, ihr seßt allein
Wie ein blöd unbekanter has
Im finstern busch beim grünen gras,
One gefar leibs und der seelen,
Schaut zu wie ander leut sich quelen?
Mir hat alzeit der spruch gefallen:
Jeder für sich, got für uns allen. –
Dem studenten die grobe possen
Seines vettern heimlich verdrossen,
Die laus lief ihm über die leber,
Das er ihm fragt wie einen weber;
Wolt doch seinen freunden andeuten,
Er wer nicht ungestüm dein leuten,
[227]
Könt verhorchen, andern nachgeben,
Ob sies gleich nicht getroffen eben,
Weil er ehmals vor allen dingen
Auch gelernt, seinen unmut zwingen,
(Der ist ein großmütiger man,
Der seinen mut selbst brechen kan;
Der man ein größer werk ausricht
Denn der, so tor und mauren bricht.
Die manheit kan nicht höher kommen,
On das sie selbst sich überwonnen.)
Und sprach: Mein vettr, bedenke, das
Im himml und erdn kein dinglein, was
So gut ist und bleibt guter art,
Das nicht eins andern diener ward.
Denn das ist je des guten weis,
Es sucht einn, dem es guts beweis;
Wie das bös sucht, dems schaden mag,
Mit dem es streit on alln vertrag.
Darum got selbst, das höchste gut,
Die welt gut schuf und ihr guts tut,
Die creatur auch, so gut bleiben,
Das als ihr befolen amt treiben,
Das sie got dienen, seinen willen
Alzeit gehorsamlich erfüllen
Und unter sich einander lieben,
In woltat und widerdienst üben;
Die engel müssen für ihm stehen,
Auf ihn und auf die seinen sehen.
Der himmel, sonn, mon, alle sternen
Bieten der welt ihrn dienst von fernen,
Die wolken geben tau und regen,
Luft und wind uns und alls bewegen,
Die wassr neren vogel und fisch,
Die erd tregt alle sommer frisch
Und lesset sich gern dazu zwingen
Mit pflügen, mist und andern dingen,
[228]
Die gute beum gute frucht geben,
Gut kreutr erhalten unser leben. –
Fragt ihr nun, wer denn sei ein herr
Und wem gebür die gröste er,
So darfs keiner ander antwort,
On die ihr itzund habt gehört.
Der ist der obrst und allerbest,
Der seine gut gebrauchen leßt
Bei und über die andern all,
Des woltaten sind ohne zal;
Der nechst abr desselben legat,
Dadurch der oberst uns gut tat;
Und denn jeder im selben grad
Als er viel odr wenig guts tat.
Wie auch die fels in wirden sein,
So erz tragen und edelgestein.
Es geht in der welt nimmer recht,
Es sei denn einr des andern knecht,
Und der gröst knecht der gröste herr,
Der gringst auch hab die gringste er.
Wie ihr denn leichtlich könt verstehen,
Wolt ihr eur haushaltung ansehen.
Das haus hat augn, dens darf vertraun,
So lang herr und frau selber zuschaun;
Der herr muß selber sein der knecht,
Will ers im hause schaffen recht;
Die frau muß selber sein die magd,
Will sie im hause schaffen rat.
Gesinde nimmermehr betracht,
Was nutz odr schad im hause bracht;
Es ist ihn nichts gelegen dran,
Dieweil sies nicht für eigen han. –
Wer aber müßig liegt im nest,
Niemand dient, sich nur dienen leßt,
Als ein unfruchtbar sand und stein,
Dem wedr regen hilft noch sonnenschein,
[229]
Als wasser mit gift zugericht,
Als distln und dorn, so jeden sticht,
Als die maden im holz und erd:
Ist durchaus keiner eren wert;
Viel wenigr der, so schaden lert
Und was gut ist böslich verkert. –
Darum die mantier in der welt,
So man allein vernünftig helt,
Viel anschleg und statuten machten,
Das sie müßige leut wegbrachten.
Also war in Egyptenland
Ein könig, Amasis genant,
Der all kinder, so nichts vorhatten,
Nichts lernten und durchaus nichts taten,
On das sie ihrer eltern erbe
Müßig verzerten on gewerbe,
Ermorden ließ on alle gnaden,
Das sie nicht wern ihrs erbguts schaden.
Dem gmeinen best liegt viel daran,
Das erb und gut bleibe beisam
Und nicht jeder narr und weinschlauch
Sein eigentum schendlich misbrauch.
Eben die egyptische art
An den bienen gefunden ward:
Die namen den, so nicht erbeiten,
Ander auf müssiggang verleiten,
Den honig hinweg für dem mund,
Bis sich ihr kein erweren kunt,
Mustn sich zum schloß austragen lassen,
Tot im dreck liegen auf der straßen,
Ob sie gleich vor waren in eren
Und sich hielten für große herren.
Solon, den die Athener preisen
Für einen von den sieben weisen,
Nam den müßign ihr gut und stand,
Trieb sie arm aus der stat aufs land.
Bei den Römern ein ordnung war,
Das sie alzeit im fünften jar
[230]
All ihre untertan verhörten,
Wo sie wonten, wes sie sich nerten;
Straften die am gut oder leben,
So nicht guten bescheid gegeben.
Die alten Sachsen diese sachen
Noch ser viel erschrecklicher machen;
Denn wo sie irgend einen finden,
Der sich keins diensts wil unterwinden,
Eins andern gut müßig einfressen,
Auf der reckbank sie ihn erst messen,
Das sie erfarn für seinem tod,
Wer mit ihm sucht das fremde brot,
Und mit dem spielen gleiches spiel,
Er nam gleich wenig oder viel,
Ein schaf, schwein, ochsen oder pferd
Odr nur etwas fünf schilling wert.
Darnach dieweil er keine hand
Zur erbeit, sondern diebstal wandt,
Binden sie ihn mit einem strick
Die hend zusammen hinterrück;
Zu dem, weil auch die füß nicht wolten
Ind schul und kirch gehn, wenn sie solten,
Sondern dahin stiegen und krochen,
Da sie fremd gut wolten auspochen,
Müssen sie die nicht brauchen weiter
On rücklings auf der galgenleiter,
Wie sie der henker leret setzen,
Nicht mer an dem erdboden wetzen,
Und füren dabei diese klag:
Billig sie die erd nimmer trag,
Der sie ein unnütz last gewesen,
Veracht ihrs vatern ler und besen!
Endlich, weil sie bis in den tod
Nur fressen wollen fremdes brot,
Wird ihn verknüpft ihr schlung und hals;
Die raben fressen sie nachmals
[231]
On all begrebniß und vergessen.
Hett ein mutter ihr kind gefressen,
Sie würd so grausam nicht gehalten;
So verhaßt war ein dieb den alten.
Darum lernt billig jederman,
Das er was gutes schaffen kan,
Seinen nechsten hülflich erscheinen,
Wie ich denn auch tun kan den meinen. –
Das aber auch getreuer dienst
Undank erlanget für gewinst,
Leßt sich gute natur nicht irren,
Will darum ihr art nicht verlieren.
Wie got der welt beweiset gnad,
Die so viel gotteslestrer hat;
Wie die sonn scheint übr bös und gut,
Ob man gleich all schand für ihr tut;
Wie die wolken die erd erquicken,
Pflegt sie gleich stank zu lon zu schicken;
Wie die wiesen tragn nützlich gras,
Bescheißt sie gleich ders teglich fraß:
Wie die mutter alls dem kind anhengt,
Ob sie gleich dreck zu lon empfengt.
Das auch darüber viel verderben,
Ihrer etlich im gfengniß sterben,
Soll ein erlich gemüt nicht erschrecken,
Das sichs wie ein kind wolt verstecken,
Sich verkriechn wie ein regenwurm,
Wie kleine vogl im donnersturm;
Denn jeder nutz und löbliche tat
Viel sorg und gefar bei sich hat:
Der beste steiger fellt sich tot,
Der best schwimmer leidt wassersnot,
Der beste fechter wird geschmissen,
Die klügste füchs sich fangen ließen.
Soll man darum die künste schenden,
Keinen fleiß und mühe darauf wenden?
Soll man darum zu schiff nicht faren,
[232]
Das der etlich versunken waren?
Soll man dem feind nicht wern, nicht jagen,
Das er viel helden hat erschlagen?
Soll man kein braut zum ehestand werben,
Das ihr viel in der geburt sterben?
Nein warlich, das wer böser rat,
Find bei got und tugend kein stat.
Darum, hat gleich das schwein kein herren,
Den zaunkönig will niemand eren,
Solt er auch fressn das bettelbrot,
Erwelt für dienstbarkeit den tod:
So hab ich doch mich des beflissen,
Das ich mit got und gutem gwissen
Zun eren dienen kan und will,
Es trag mir wenig oder viel,
Es bring gefar oder sicherheit,
Es grat zur freud odr traurigkeit,
Ich werd für ichts oder nichts gehalten.
Wer fromm ist, tue recht, laß got walten!
Zu got hab ich die zuversicht,
Folgt der könig meinem bericht,
Ich sei denn gleich knecht oder herr,
Es bringt uns allen fried und er.
Ich kan ihm sagn den rechten grund,
Darauf die gerechtigkeit stund,
Wie man löblich regier in eren
On seiner untertan beschweren,
Was zum fried und zum krieg gehört.
Davon sind unnötig viel wort,
Und eigen lob stinkt doch gar bald.
Ich bin noch jung; werd ich nun alt,
Gibt mir got gsundheit durch sein gnad,
Ihr könts erfaren in der tat. –
Der vater mit eim seufzer sprach:
Mein son, das ist ein große sach,
Es ward auf erden nie so schlecht,
Gewalt gieng jederzeit vor recht.
[233]
Wolt got, du köntest schaffen rat
Und bessern solche übeltat!
Wolt got, du köntest Joseph sein,
Dem löwen könig reden ein,
Das er, niemand zu lieb odr leid,
Regieret nach gerechtigkeit;
So teten uns die hund kein schad,
Und blieben vor seiner ungnad,
Lebten alhie im paradeis!
O lieber son, da spar kein fleiß,
Versuch dein kunst, du lieber son,
Ich bger von dir kein andern lon. –
Der son antwortet: Lieber vater,
Ich bin ein unbekanter Tater,
Muß beim könig und seinen knaben
Zuvor ein rümlich kundschaft haben
Und denn einen beruf und ort,
Darin man annimt meine wort.
Es ist auch not gelegenheit,
Das man antreff die rechte zeit
Und nicht fall mit der tür ins haus,
Fange viel an, richt wenig aus.
Wenn ich nun dieselbig erlang,
So hat mein kunst ihren anfang.
Gibt denn sein segen got der herr
Und der könig folgt meiner ler,
So dien ich vater und vaterland;
Sonst steht es nicht in meiner hand."
[234]
Das III. capitel
[235] [234]Das III. capitel.

Was der hase dem könig für rat gibt, und wie es geret.


"Die hasen wurden alle fro,
Das sich ihr freund erklert also,
Und zeigten den hofreten an,
Was ihr vetter wer für ein man.
[234]
Wenn der könig ihn hören wolt,
Untertenig er sich stelln solt.
Der vater war auch bald bereit
Und verert ihm ein erenkleid,
Das er in seiner spanschen kap
Nicht herzög als ein ander lap.
Denn wie das kleid, so ist der man:
Leicht kumpen leichte lumpen han.
Mit fremden mustern und gewande
Gehts alles hin im fremden lande;
Daheim aber ein jeder stat
Ihr gewonheit in eren hat,
Der sich erbare leut befleißen
Und was lendlich ist, sittlich heißen.
Darum folgt das kleid seinem lande,
Ein erlich mensch seim erenstande.
Damit gieng er zu hof hinan,
Als der tag und die stunde kam,
So der könig hat ausbenant,
Das er ihm solt werden bekant.
Sein vater, vettr und andre mer
Geleitn ihn mit besonder er
Und machen sich ein großen mut,
All sachen solten werden gut.
Da sie nun kamen in den sal,
Hieß sie der könig sitzen all
Neben seinen junkern und reten;
Das sie mit ererbietung teten
Und zerrten all die oren breit,
Reckten sie hoch empor und weit,
Schurzten die schwenz, stutzten die füß –
Der eingang war fein honigsüß.
Dem wandersman aber zuletzt
Er einen stuhl neben sich setzt
Und sprach: Wir haben gern vernommen,
Das du gesund anheim bist kommen;
[235]
Wir werden aber auch bericht,
Hoffn, es trieg uns die kundschaft nicht,
Das du von hochgelerten leuten
Hast vernünftig hören bedeuten,
Wie man weislich regieren soll.
Nun haben wir zwar regieret wol
Mit unsern vorfaren viel jar;
Was aber dennoch besser war,
Das hörten wir jederzeit gern.
Demnach ist dies unser begern,
Das du uns davon dein sentenz
Gründlich erklerest on fuchsschwenz.
Das wolln wir in gnadn erkennen
Und, wenn du es trifst, unsern rat nennen. –
Der student hat sich erst entsetzt,
Erholt sich doch wider zuletzt
Auf des königs gnedige red,
Stand sittig auf von seiner stet,
Bot dem könig gebürlich er
Und sprach: Allergnedigster herr,
Das eur majestet mich fordern ließen,
Gnedigst meine heimkunft begrüßen
Und ferner gönnen gnad und er,
Wo ich derselben füglich wer,
Untertenigst ich das annem,
Mich ein schuldign diener bekenn.
Und ist nicht on, es wird gelert,
Das euer majestet begert,
Wie man wol und löblich regier,
Es ist die kunst, so ich studier.
Dieweil aber das regiment
Dem könig selbst leuft in die hend
Und aus erfarung ist bekant,
Wie rat und tat wird angewandt,
Wer zu lang, das ich, wie man solt,
Alle umstend erzelen wolt.
Das muß ich allein davon sagen,
Das alle hochgelerte klagen,
[236]
Es sei tyrannisch und nicht gut,
Wo der könig sein willen tut;
Hinwider sei billig und recht,
Das er sei der gerechtigkeit knecht,
Das er sowol als seine man
Dem gsetz und recht sei untertan.
Das algemein gsetz aber ist,
Das man halten soll jeder frist,
In diesem schlechten kurzen reim
Begriffen einfeltig und fein:
Was du von andern ungern hast,
Damit tu niemand überlast.
Wenn nun jeder helt selber rat,
Was sein herz gern odr ungern hat,
Gewiß unser gedanken sind,
Das man nicht fare zu geschwind,
Sondern unser schwachheit verschon
Und die tugend mit dank belon,
Die laster straf mit grechtigkeit,
Nicht mit gewalt, aus zorn und neid;
Derhalben solt die obrigkeit
Vornemlich brauchn gelindigkeit
Gegn arm und reich, gegn alle man,
So ihrer macht sind untertan.
Als mein meister, der erenwert,
Den großen Alexander lert,
Das er teglich mit sich bedecht,
Got geb ihm nicht solch macht und recht,
Das er seinen mutwillen büst
Und alles tet, was ihm gelüst,
Sondern das er solt jederman
Guts tun und getreulich vorstan,
König und vatr het kein unterscheid,
Wenn sie from blieben alle beid. –
Das soltn bedenken alle herren,
Ihr gütigkeit on trotz erkleren,
Und wenn gleich einer tet ein sünd,
Der man gar nicht verschonen künt,
[237]
Nicht strafen aus rachgierigkeit,
Sondrn aus lieb der gerechtigkeit,
Aus lieb gegn seine untertan,
Damit sie fried und wolfart han.
Wie man abschneidt ein faule hand,
Darin das wilde feur anbrant,
Ehe sie den ganzen leib anzündt,
Das man nicht wider löschen künt.
Sonst ists ein mord und tyrannei
Gleichwie ein straßenreuberei;
Wie denn jedem sein gwissen lert,
Das seinen eigen man verzert,
Wenn er unrecht gehandelt hat.
Got selbst versagt alle gnad
Denen, so unrecht urteil fellen,
Straft sie auf erdn und in der hellen,
Nimt ihn ihr sterk, gut, herlichkeit,
Teilet die aus unter ander leut.
Das Esopus, wie einer fragt,
Was got im himmel macht, gesagt:
Er bricht die alten töpf entzwei,
Macht aus den scherben andre neu. –
Drum war kein reich noch macht auf erden,
Es wird auch kein gefunden werden,
Da nicht ein sterker über wer;
Sein oberman hat jeder herr,
Der ihm drauet dieselbe rut,
Da er dem andern leid mit tut.
Wie man erfert, das der walfisch
Niemals so groß war, stark und risch,
Der elefant war nie so greulich,
Der drach auch nie so gar abscheulich,
Das tiegertier auch nie so schnell,
Der luchs sahe nie so weit und hell,
Die schlang hat nie so tötlich gift,
Der igel nie so scharfe stift,
Der eber nie so feste hauer
Und der ber nie so scharfe krauer,
[238]
Kein wolf könt so spüren und jagen,
Kein fuchs war so klug und verschlagen,
Kein vogel flog so hoch und weit
Für alters und zu unser zeit,
In summa, kein tier ist bekant,
Das nicht kam in der menschen hand
Und endlich in not und verderben,
Must im elend jemmerlich sterben,
Wenn got sein tun zuwider war
Und bewart es nicht für gefar.
Ja die menschenkönig mit wunder
Von ihrem tron purzeln herunter,
Wie hohe beum und turne fallen,
Wie sie blitz und donner anschnallen,
Kommen fremden herrn in henden,
Die sie fangen, blenden und schenden
Und ihr geschlecht ausrotten gar,
Das überbleibt wedr haut noch har.
Denn wo man keine gottesfurcht,
Keinen glauben, kein scham und zucht,
Kein recht und gerechtigkeit fand,
Da hat kein reich, kein macht bestand.
Dagegen die gerechtigkeit
Macht einem reich bestendigkeit,
Das es kein unfal stürzen kan.
Woltat gewint auch jederman,
Das man dem könig nicht nachstellt,
Sondern für seinen vater helt. –
Fürcht nun der könig niemand mer
Und hat allein all macht und er,
Wird er doch, wie er angefangen
Und itzt mit mir selber umgangen,
Nicht mit zorn, sondern gnad regieren,
Mit gleich um recht die straf ausfüren,
Den frommen recht und frieden schaffen,
Nach billigkeit die bösen strafen,
[239]
Keim untertan gewalt zufügen,
Sich und sein herrn lassen begnügen
An dem, was got verordnet hat,
An früchten, samen und salat
Und was wir den feinden abjagn;
So hat kein untertan zu klagn.
Sonst könnens die herzen nicht lassen,
Den sie fürchten, müssen sie hassen,
Und got wird zalen mit ernstem mut
Auch das unschuldig hasenblut. –
Der student wolt noch reden fort;
Der leu fiel ihm aus zorn ins wort
Und sprach: Du wilt uns machn ein grauen
Und mangelt dir an zeen und klauen;
Die solt du itzt an uns erfaren
Und hinfort deine weisheit sparen.
Wir sind drum da, das wir allein
Raten, gebieten in gemein,
Das uns hör und folg jederman,
Der nicht will alles unglück han.
Was seid ihr hasn und eur geschlecht
On arme leut und unser knecht!
War dein vater nicht postlakei,
Und dein mutter ein dorfmadei?
Was hast du bracht on dreschen und waschen?
Viel bücher und ein ledig taschen
Und den nerrischen stolzen mut,
Das du allein seist klug und gut?
Dir soll in der welt jederman,
Der könig selbst, sein untertan.
Wie Diogenes, als man fragt,
Was er für ein knecht wer, gesagt:
Er wer ein knecht, der wissen wolt,
Wie man sein herrn regieren solt.
Weißest du nicht, das jeder seel
Tun sol der obrigkeit befel?
Soln wir das unterst oben keren,
Den diener setzen auf den herren?
[240]
Soll uns ein schreiber nun regieren,
Seins willens bei der nas umfüren,
Erst leren bei den benken gehen,
Hören, sehen und recht aufstehen,
Als weren wir sonst blind und lam
Oder ander leut untertan?
Dazu der edl ber, wolf und schwein
Viel zu erbar und furchtsam sein.
Das wer uns in dem ganzen land
Bei allen herrn ewige schand!
Das muß man nicht lassen geschehen,
Sonst wird das reich zu bodem gehen
Und der has sein der beste man.
Nein, lieber gsell, es geht nicht an! –
Damit nam er den armen tropf
Gar grimmiglich bei seinem kopf,
Schmiß ihn unbarmherzig zu bodem,
Die seel entfur ihm mit dem odem.
Die ander tatn einen fußfall,
Aber er zutrat, zuriß sie all,
Das keiner von ihn wider kam.
Das war das end, so dies spiel nam. –
Und komt daher der alte haß,
Das noch kein has hat freien paß
Für den leuen und edlen knaben:
Sie müssen alzeit unrecht haben,
Sich fangen lassen, streifen, braten
Und tun doch keinem tierlein schaden.
Darum sie gar verzaget worden,
Getreten in der stummen orden
Und hinfort nimmermer studieren,
Weil sie nur fleiß und geld verlieren.
So setzen die könig den schacht!
Das wird alhie billig bedacht."
[241]
Das IV. capitel
Das IV. capitel.

Das des gemeinen pöbels regiment gutem rat nicht folge.


"Das aber weiter ist gemeldt
Und das urteil also gefellt,
Als solt sein reich am besten sein,
Wenn mitregiert die ganz gemein
Und jederman nach seim gefallen
Zu tun und lassen hat in allen,
Zum richter, wen er will, erwelt,
Widr absetzt, wer ihm nicht gefellt,
Und leßt ihm gar nicht untersagen,
Will nach keim oberherren fragen:
Das ist meins bedenkens noch nicht
Vom besten reich der best bericht,
Sondern warhafte dienstbarkeit
Anstat der vermeinten freiheit.
Denn obwol an der alten welt
Uns die freiheit ser wol gefellt,
Da die leut fromm und witzig waren,
Wusten mit vernunft wol zu faren,
So hats doch itzt zu unser zeit
Gar viel ein ander glegenheit,
Da die bosheit nimt überhand,
Der mutwill zwinget alle land
Und nunmer ist dazu gekommen,
Das aufrur auch ist vorgenommen,
Seins gefallens neurung zu machen.
Kein freiheit dient zu solchen sachen,
Kein rat ists, das gemeine leut
One furcht hoher obrigkeit
Schlecht nach ihrem gutdünken leben,
Selbst das recht wie sie wollen geben. –
Denn obs gleich das ansehen hat,
Sie würden welen ihren rat,
[242]
Der mit weisheit und recht regiert,
Dem sie gehorchen wies gebürt,
So bezeuget doch oft und viel
Die erfarung das widerspiel;
Denn ob sie gleich oftmals gern wolten
Vorsteher welen, wie sie solten,
So können sie doch überall
Nicht freiwillig schreiten zur wal,
Weil sie unbedachte hoffart
Mit groben stolz so wol verwart,
Das jederman in der gemein
Vermeint, er solt ihr könig sein.
Drum will niemand sein selbst vergessen,
Oder andern den hon zumessen
Als ob er wer ihr widerpart,
Das sein nicht übel werd gewart. –
Darnach so ist in solchem haufen,
Da Heinz und Kunz zusamen laufen,
Selten so viel witz und verstand,
Das man klugen für narren kant,
Und das nicht allerlei sciumpen
Zu sich erwelen ihre kumpen,
Und oft die besten bleiben sitzen;
Die schlimsten stellt man an die spitzen,
Oder vermengts, das man nicht weiß
Welcher koch oder kelner heiß,
Und da jedem sein weis gefellt,
Got geb wie es der ander anstellt.
Da maln zween harte mülenstein
Selten ihr korn wol klein und rein;
Selten der wagen auch fortkam,
Da einer vorn spant, der hinten an. –
Wies selbst gieng den klugen mantiern,
Da sie wolten regiment füren,
Darin ganz frei allerlei knaben
Solten zu tun und raten haben.
[243]
Da nun der erste ratschlag war,
Wie man ihr stat bemauret gar
Und was man dazu brauch für ding,
Damit der bau endlich fortgieng,
Riet der maurer zu kalk und stein;
Der leimtreter zu ton und leim;
Der zimmerman zu bretern und stecken;
Der schustr wolt sein leder hinrecken;
Die lein- und wolnweber ihr gewand,
Wie man gezelt braucht auf dem land;
Der schneider ließ dies auch geschehen,
Er wolt die gezelt künstlich nehen;
Die becken meintn, es wer nicht recht,
Wo man nicht einen wall aufbrecht,
Das die windmülen stünden oben,
Unten ihr schweinstell und backofen;
Die fleischer fragtn mit ungestüm:
Wenn ihr freipletz wolt graben um,
Wo sollen unser ochsen weiden?
Das können wir und wollens nicht leiden.
Wolt ihr die ochsen helfen fressen,
Solt ihr der weid auch nicht vergessen!
Die bierbrauer die riefen all,
Man schütt ein koln- und trebernwall,
Wo lassen wir sonst grand und asch,
Weil sie nicht dient zur seif und wasch?
Wozu sein trebr und hefen nütz,
Wenn sie werden zur sauren grütz? –
Die weinhecker schrien: Die fest
Wird von weintrestrn aufs allerbest,
Die kan der wind so nicht verwehen;
Solchr wall bleibt ewiglich bestehen. –
Der glaser sprach: O nein, o nein,
Ich kan damit nicht einig sein;
Denn wo die schwein den wall auffressen,
So wird meiner kunst gar vergessen.
[244]
Man sol die festung also bauen,
Das man dadurch die feind kan schauen,
Dazu wil ich die fenster machen.
Da fiengen sie all an zu lachen.
Der schmid sagt: Sollen fenster drein,
Eisengitter viel besser sein,
Die wil ich schmieden fein und fest,
Sonst uns kein dieb mit frieden leßt.
Die handelsleut ließens gut sein,
On das man speis, holz, eisen, stein
Und was zu dem ganzen bau kem
Von ihnen, nicht von fremden nem,
Die bauherrn nach dem loos erwelt.
So weren all ding recht bestellt. –
Die alten gaben zum bericht:
Wenn der von kunst das urteil spricht,
Der sie kan und bewiesen hat,
So geht es wol zu in der stat.
Der maurer sol die festung machen,
Das ander dient zu andern sachen.
Der bauherr muß auch sein geschwind,
Nicht wie man blind zugreift und findt;
Der wiß wie man bau fest und wol,
Wo man nemen und geben soll,
Was nötig ist zu allen sachen,
Und was man kan mit vorteil machen,
Der vorteil sei an fremder war
Oder bei seim nechsten nachbar.
Es gilt hie nicht, was mein, was dein,
Sondern was nutz ist der ganzn gemein.
All glieder müssen dem leib geben,
Soll er gesund bleiben und leben,
Wie ihm dienen all element,
Sonst würd mangeln kleid, speis und rent. –
Das half nichts, jeder zanket ser
Für seines handels nutz und er,
Weil er seinr geselschaft geschworen,
Wie er zu dem ratschlag erkoren,
In allen ihr bestes zu wissen;
Darauf er denn wolt sein geflissen,
[245]
Den vorzug sonst keinem gestehen,
Es möcht denn wol odr übel gehen.
Die andern kein heller geben wolten,
Wenn sie nicht mit regieren solten.
So blieb one mauren die stat
Bei dem eigennützigen rat,
Der selbst nicht verstand was er riet,
Wolt doch haben ein frei gebiet.
Als bei den Tartaren geschehen
Und auf den dörfern ist zu sehen,
Insonderheit bein schwarzen bauren
An der herzischen Franken mauren.
Eignnutz verdirbet alle rechte,
Alln rat, geselschaft und geschlechte,
Eignnutz kirch-, stat- und hausregiment
Daheim verwirrt, bei fremden schendt.
Wie die merkatz, wenn sie fleisch schmeckt,
Ihren schwanz so lang beist und leckt,
Bis sie den und sich selbst verzert.
Schlegt denn eigennutz sein eigen schwert. –
Und wenn gleich einer drunter ist,
Der, was zu tun wer, sehr wol wüst,
Sparet für sich auch keinen fleiß,
Sondern ret das best, das er weiß,
Ja der sichs blutsaur werden leßt,
Das er fordert das gmeine best.
Als Krumrücker gesaget hat:
Bisweiln find Kolgart auch Wolrat.
Es wer auch gar ein wunderding,
Das, wie man sagt, nicht recht zugieng,
Wenn das ganze schützengelag
Fürsichtig schöß den ganzen tag
Und dennoch keiner tröf das blat.
So findt auch mancher guten rat,
Er findt aber niemand, der ihn hort,
Verdient nichts denn undankbar wort.
[246]
Der gröste hauf, der nichts verstand,
Regierts und machts nach seiner hand,
Und solt gleich drum dieselbe stund
Die stat und land gehen zu grund,
Sprechen: Wir wollens haben schlecht,
Es sei denn gleich krumm oder recht.
Warum aber wissen sie nicht,
Sie wollens han, so wird bericht.
Darnach, wenn der schad ist geschehen,
So fahen sie an saur zu sehen,
Wollen den brunn füllen geschwind,
Wenn langst ersoffen ist das kind.
Wenn der wolf die schaf todt gebissen,
Wollen sie erst den stall verschließen.
Wie denn narren nie worden klug,
Ehe denn der schad hernacher schlug."
[247]
Das V. capitel
[248] [247]Das V. capitel.

Der schlangen böse regiment.


"Als sich ehemals für alten tagen
Auch mit der schlang hat zugetragen.
Die wonet in eim holen stein
Gar sicher an eim grünen hain
Und wandert aus und ein viel jar,
Weil sie still und vorsichtig war.
Ja alle tier fürchten sie hoch,
Ließen ihr fried in ihrem loch,
Bis endlich sich der schwanz beschwert,
Er würd an seinem recht gefert,
Das wolt er nicht lenger nachgeben,
Dabei aufsetzen leib und leben.
Denn er wer des heupts gleicher man,
Het einrlei fleisch und leder an;
Ja das heupt könt nicht sicher bleiben,
Jederman würd sich an ihm reiben,
[247]
Wenn nicht des schwanzes gift da wer
Und setzet sich zur gegenwer.
Dennoch würd all sein recht und macht
Vom heupt so gar schimpflich veracht,
Das der schwanz in des hauses ecken
Blieb in eim finstern winkel stecken,
Das heupt seß vornen an der tür,
Schauet alles was gieng dafür.
Wenn sie auch beid wolten spazieren,
Sehe man das heupt vornan stolzieren,
Der schwanz must in dem staub nachtrecken,
Als wenn es wer ein hirtenstecken.
Ja wenn ein not vorhanden war,
Macht sich das heupt aus der gefar,
Das es zuerst zum loch einkem
Und der schwanz dann die schleg annem.
Das wolt er hinfort nicht gestehn,
Er wolt auch selber vornan gehn,
Und das huept soll ihm schleifen nach.
Das wer für got ein billig sach. –
Das heupt widerriet die unweis,
Soviel es kont, mit allem fleiß,
Weil es viel gefar auf sich hette,
Wider got und natur auch tete.
Denn es wer zwar kein besonder man
On das ihm got die ere gan,
Augen und oren dazu gab,
Das er verwaret den vortrab,
Wie an allen tieren zu sehen;
Sonst ließ es die sach wol geschehen,
Ließ einen andern hinfort wachen,
Sich viel sorg, mühe und erbeit machen,
Wie der ganz leib blieb unbeschwert,
Würde beschützt, gefürt, ernert.
Nun folgs hierin got und natur,
Dem billig folg all creatur. –
Der schwanz antwort: Hast nie gesehen
Den krebsschwanz hinterrücklich gehen,
[248]
Und das der kopf ihm folgen muß,
Ob er gleich hat zehn ander fuß?
Wie des regenwurms und raupen sterz
Wenns ihm gefellt geht hinterwerts;
Dazu kan der maulworf nicht sehen,
Die bien und flieg hört niemand gehen,
Dennoch haben sie nicht gefragt,
Wer ihn die straß und wege sagt.
Nun bin ich sterkr, lenger, geschwinder,
Denn diese sein und all ihr kinder;
Darum solt du auch folgen mir,
Wie ich zuvor gefolget dir!
Das sagt er und wolt nirgend fort.
Es gieng denn auch nach seinem wort,
Und schlang sich um die beum und stein,
Das heupt kunt sein nicht mechtig sein,
Das endlich auch aus ungeduld
Das heupt sprach: Nun, es sei dein schuld,
Wenn du aus unvorsichtigkeit
Uns beiden wirst bringen in leid.
Gehe immer hin, das es got walt,
Da wir zu essen finden bald! –
Damit lief der schwanz in ein trab
Den steinern hohen berg hinab,
Das er bald in das eichholz kem
Und seiner speise da warnem;
Dieweil er aber war stockblind,
Wie blindschleichen und spulwurm sind,
Und darum nach gedünken gieng,
Gar manchen stoß er selbst empfieng,
Schleift auch unbarmherzig herein
Das heupt durch dorn und scharfe stein,
Das ihm zu schwindeln ser anfieng,
Hören und sehn zugleich vergieng,
Und obs gleich rief: Halt ein, halt ein,
Odr meins lebens wird nimmer sein!
So kert sich doch der schwanz nicht dran,
Gedacht, ich geh itzt vornen an,
[249]
Du must nun auch zu lon empfangen,
Wie du mit mir vor bist umgangen!
Und lief wie die rasenden pferd,
Denen wedr zaum noch peitschen wert.
Damit stürzten sie ab ins tal,
Dadurch gieng ein farweg, sehr schmal,
Mit tiefgesenkten wagenleisen,
Da wolt der schwanz sein kunst beweisen
Und auch eilend darüber streichen,
Ehe denn ihn das rad kont erreichen.
Es wolt aber nicht folgen der trab
Also berg auf wie vor bergab,
Sondrn wenn er sich aus einer hub,
So stürzt er in die ander grub,
Bis das wagenrad in die quer
Ueber die schlang gieng mitten her
Und der leib kriegt ein riß ser groß.
Sein eingweid auch kleglich vergoß.
Der schwanz sich aber hin und her
Rang und wand in die leng und quer,
Sprang fertig auf und legt sich wider,
Cirkelt und streckt sich hoch und nider,
Wie die alfisch im gras und sand,
Wenn man sie fengt und geust aufs land,
Kont sich aber nicht machen los;
Der schad war zu schmerzlich und groß,
Und sprach: Ach mein herzliebes heupt,
Dir sei dein recht wider erleubt.
Für uns zu unserm loch aus not,
Oder wir bleiben beide tot. –
Das heupt war zornig und erschrocken,
Zittert wie für dem wind der rocken,
Biß seine zeen, blies auf die lung,
Fasset das gift auf seine zung,
Als wenn es wolt sein zorn beweisen,
An dem verlaufnen rad ausbeißen,
Und antwortet: Mein lieber schwanz,
Was hilft uns dein kleglicher tanz?
[250]
Was nützts, das ich mein fleiß anwend,
Nun ich geschendt bin und geblendt?
Den karrn bringt man so schlecht nicht weg
Aus der pfützen und tiefen dreck,
Als man ihn leicht füret hinein;
Du weißt, die schuld ist dein allein.
Hilf uns nun auch wider heraus
Und für uns gesund heim zu haus,
Als ich viel tausend mal getan,
Fieng die sach nicht so nerrisch an. –
Der schwanz wolt haben gar kein schuld
Und rief noch laut aus ungeduld:
Bist du so nasweis und so klug,
Warum schlugst dus nicht ab mit fug?
Du hast uns selbst hiezu gebracht,
Das du mir gabest so viel macht.
Mit willen nicht, sprach das heupt wider,
Bis das ein mantier kam ernider
Und hieb sie vollend gar auf stücken.
So pflegt die tumkünheit zu glücken,
Die gutem rat nicht folgen will
Und helt alzeit das widerspiel."
[251]
Das VI. capitel
[252] [251]Das VI. capitel.

Der vogel, insonderheit der nachtigal, lerch, storchs und spechts rat.


"Als auch den vogeln ist geschehen
Und noch heut im werk zu besehen.
Denn als die noch wolten frei leben,
Sich keinem könig untergeben,
Hielten sie rat in der gemein:
Was wol solte das beste sein,
Was ihnen solt am meisten nützen,
Wider die mantier sich zu schützen,
Die ihnen viel der unruhe machten,
Immer nach ihrem leben trachten,
[251]
Warfen mit knütteln und mit steinen,
Mit erdschollen und harten leimen,
Machten auch viel schleuflein und garn
Von lindenbast und pferdeharn,
Darin sie oft würden gefangen,
Bein helsen und füßen gehangen
Und gar wenig mer sicher weren,
Das allen geriet zu beschweren.
Da ward mancher anschlag gehort,
Beide nerrisch und weise wort,
Würd viel zu lang hie zu erzelen,
Von jedem ein urteil zu fellen.
Das muß ich nur sagen diesmal,
Das also sprach die nachtigal:
Ich brauch nicht mer denn diese kunst
Wider aller creaturn abgunst,
Das ich got stets für augen halt,
Für ihm sing tag und nacht im wald,
Für ein ganz unschuldiges leben,
Wart meins berufs fleißig daneben,
Das ich mit giftign würmlein streit,
Und sonst niemand zufüg ein leid.
Dabei ich gottes wunderwerk
Oftmals sichtiglich spür und merk,
Das wer got zum freund hat auf erden,
Dem muß sein feind zum freunde werden.
Denn wenn gleich kömt ein lediggenger,
Will auch werden ein vogelfenger
Und mir so viel und lang nachschleicht,
Bis das er meinen stand erreicht,
Und jetzt gleich auf mich werfen will,
So bleibt er doch da stehn gar still,
Murret mit beschlossenem mund:
Hei, wer es doch ein schand und sünd,
Das einer wolt ein mörder sein
An solchem unschüldigen vögelein!
Laß sein stimlein nur immer klingen,
Got zu eren, uns zur lust singen!
[252]
Daher wir das vertrauen haben,
Wenn wir das mantier sehen graben,
Das wir hinfliehen, sehen mit zu,
Ob sich ein würmlein herfürtu,
Etwa dienstlich zu unser speis.
Wenn das mantier merkt solche weis,
Mit madn es bald ein grub aufstellt,
Die wie ein meiskestlein zufellt;
Und wenn denn gleich von meiner art
Einer darein gefangen ward,
So wolt ihn doch niemand ermorden,
Sondern hielt ihn mit guten worten,
Das er daheim auch singen solt,
Dafür er sein wol warten wolt.
Wenn ihr mir nun auch das nachtet,
Gewiß wenig zu fürchten hett. –
Die lerch stimmet mit überein,
Sprach: Warlich, das solt billig sein,
Got ist der herr, wir seine knecht,
Wer ihm gehorcht, der dienet recht,
Den wil ich preisen in meim leben,
Jederman gut exempel geben,
Und niemands zufügen ein leid,
Hoff zu bleiben in fried und freud,
Wie ich denn got lob auch erfar.
Ein jeder baur mir günstig war,
Damm das ich bleib sein gesell,
Mein gsang zu got und ihm anstell.
Bald, wenn anfengt der harte mon
Und frölich scheint die liebe sonn,
Sing ich: Nun seid mit mir erfreut,
Es nahet sich die samenzeit!
Wer den feldbau verseumet hat,
Geb ihm mist aus seim dorf und stat,
Dieweil der frost noch übertreget,
Ehe der wind die schwalben herwehet.
[253]
Darnach wenn die pflug kirkar gieng,
Ich das nachzusingen anfieng.
Insonderheit wenn nun die sat
Zu gring, zu zeitig odr zu spat
Herfürbrach und sichs ließ ansehen,
Es würd auf ein teurung ausgehen,
Flog ich singend zum himmel an,
Vermant, man solt got raten lan,
Der als der getreue alte hauswirt
Wol veterlich aushelfen würd.
Und als der pfarrer kam mit gehen,
Fand die ackerleut traurig stehen,
Sprach er: Habt ihr niemals gehort
Des herrn Christi tröstlich wort?
Erstlich nach dem reich gottes tracht,
Was euch gerecht und selig macht,
So wird got zuwerfen daneben
Was ihr bedürft zu diesem leben.
Seht, wie frölich die vogel sein,
So nichts seen, nichts samlen ein,
Eur vater, der im himmel wont,
Der sein geschöpf liebt und verschont,
Dennoch sie all reichlich ernert,
Jedem sein eigen speis beschert,
Solt er das euch nicht tun viel mer?
Wer ist, der nicht weit besser wer,
Denn viel der schönsten vogel sein?
Wie ist eur glaub so schwach und klein!
Der herr Christus herzlich gern wolt,
Das ihr die wort bedenken solt
Und euch des trösten algemein,
Darum singt euch die lerch so fein! –
Darum wir lerchen die bauren leren
Und singen got zu lob und eren.
Zudem wir uns in tugenden üben,
Wie uns selbst unsern nechsten lieben,
Das, obgleich jedr sein grenz im feld
Mit ernst verteidigt und behelt,
[254]
Damit niemand zu seinem singen
Mög ungereimt stimwerk einbringen,
Dennoch wenn er ein lerchenkind
Von den eltern verlaufen findt,
Gibt er dem holdselige wort,
Speists und fürts an sicher ort,
Lert beten, got loben mit singen.
Also wir unser geschlecht fortbringen. –
Und ob ich gleich lieb all baursleut,
So brauch ich doch vorsichtigkeit.
Denn als die nechst ernt wolt angehen,
Sagt ich, die kindr solten zusehen
Und zuhören mit allem fleiß,
Wenn ich auszog und holt ihn speis,
Was der ackerman sagt und tet,
Das wir zeitlich reumten die stet.
Bald sich das ganze nest erregt,
Sagt, der baur hets so überlegt:
Der son ihm freundn sagen solt,
Das er morgen einernten wolt,
Sobald sie ihm zu hülf ankemen;
Darum musten sie die flucht nemen.
Ich sprach: Sitzt unerschrocken still,
Bis der freund kömt, so helfen will!
Des andern tags wolt es verdrießen
Den baurn, das ihn sein freund verließen,
Befal, das der son das noch tet,
Das er die nachbarn dazu bet.
Da wurden mein kinder verzagt.
Ich sprach: Wartet bis morgen tagt,
So werdet ihr groß wunder sehen,
Wie langsam die nachbarn angehen.
Zum dritten fragten sie bericht,
Ob sie noch solten wandern nicht,
Weil der baur gsagt aus großem zorn,
Er wer mit fremder hülf verlorn,
[255]
Er müst selber greifen zun sachen,
Mit seinem son sich daran machen;
Das solt morgen des tags geschehen.
Ich sprach: Ja nun ists zeit zu gehen!
Freund und nachbarn kein ernst drauf wenden;
Wer selbst angreift, der hats in henden!
So pfleg ich meine kinder zu neren,
Zu warnen, beschützen und leren.
Wenn ander teten auch dergleichen,
Es solt zum fried und freud gereichen. –
Der storch, der noch zur selben zeit
Mit schlangen füret seinen streit
Und keinem frosch felschlich nachschlich,
Ließ die sach wolgefallen sich,
Sprach: Ich kan von singen nicht sagen,
Muß über meinen schnabel klagen;
Der vogel singt zu aller frist
Wie ihm der schnabel gewachsen ist.
Aber meinem got dien ich gern,
Leist ihm gehorsam on beschwern.
Wir störch haben noch diesen brauch
In unserm gsetz beschrieben auch,
Das die jungen störch ihre alten
In allen eren und würden halten
Und, wenn sie nicht mer können fliegen,
Für schwachheit im nest bleiben liegen,
Ihnen ihr dankbarkeit beweisen,
Für ihre woltat wider speisen.
Wir eren auch als unser veter
Alle hauswirt, unser wolteter,
Nicht allein das wir sie bewaren,
Das giftig würm sie nicht anfaren,
Sondern ihn jerlich ein kind gaben,
Dieweil wir sonst nichts liebers haben.
Wer uns nun darüber gefert,
Den achten wir nicht der ern wert,
[256]
Das wir zu ihm wolten einkern
Und seinen feinden helfen wern,
Wie wir denn in England nicht kommen,
Weil sie uns die kinder genommen.
Ueber das halt ich den ehestand,
Ich sei daheim odr übr land.
Wie denn auch die waldvögelein
Alle rein, keusch und erlich sein,
Ja bein löwn, tigrtieren und beren
Ist der ehestand in großen eren;
Der schand wolf, hund, fuchs, katz und schwein
Woln hurer und ehebrecher sein.
Sobald ich kom gezogen her
Ueber berg und tal, land und mer,
Reum ich aus meinem nest und haus
Was unsauber ist fleißig aus,
Ersetz und stopfs mit frischem mos,
Das es neu werd, warm, weich und los,
Das wenn ankömt mein ehegemal,
Sies haus geputzt find überall.
Denn wie die Israeliten taten,
Wenn sie nach ihrem tempel traten,
Das sie nicht reiseten beisamen,
Erst menner, darnach weiber kamen,
So kömt allererst am neunten tage
Mein ehegemal zu meim gelage.
Wenn ich die erblick unterwegen,
Ziehe ich ihr mit freuden entgegen,
Heiß sie wilkom, für sie zu haus,
Laß sie sitzen und ruhen aus,
Und trag ihr zu mit allem fleiß
Was sie bedarf und mag für speis,
Bis das sie selbst zeucht mit zu feld,
Sich wie ein hausmutter einstellt.
Wenn aber auch von andern tieren
Sich ein weib leßt auf ehebruch füren,
Wird sie erst aus dem haus verjagt,
Darnach für der gemein beklagt,
[257]
Die sie zuvor zerreist auf stücken,
Ehe wir der weizenernte entrücken.
Denn wenn wir vier mond hie gewesen,
Müssen wir den weg zurücke lesen,
Und wie der widdr uns anbringt,
Also der leu uns hinweg dringt.
Sanct Gertraud heißet uns wilkom,
Mit Sanct Jacob ziehn wir davon.
Dieweil wir aber im finstern wandern,
Samlet sich bei tag ein hauf zum andern,
Und jeder klagt, was für ein schand
Begangen ist in seinem land,
Damit wir nicht einen mitnemen,
Der das ganze heer möcht beschemen.
So bald das ghört und gericht ward,
Sind wir frölich zur hinnefart;
Wer aber bleibt, der wird zerrissen,
Der arn frißt ihn für leckerbissen.
Das der mensch gdenk, sein reis sei schwer,
Bei got, nicht beim teufel einker,
Wie denn Moses auch davon singt,
Der vogel aufzug mit einbringt.
Unser sünd machts her und dein grim,
Das wir schnel farn, als flögn wir hin.
Billig solt von uns diese tugend
Lernen und brauchen alle jugend,
So würd uns got mer segen geben.
Den hat got lieb im tod und leben,
Wer dankbar ist, sein keuschheit helt,
Beid got und menschen wolgefellt. –
Es sprach dazu der bunte specht:
Mich deucht, es sei auch gut und recht,
Das man jedem das seine laß,
Sich keines fremden guts anmaß.
Denn weil die raupen, würm und maden,
Für gest ankommen ungeladen,
[258]
Unersettlich und vermessen,
Obs, blumen, bletter und holz fressen,
Hat got mich dawider erwelt
Und zu ihrem richter bestellt,
Das ich sie fieng und freß dermaßen,
Als sie zuvor die andern aßen.
Darum ist mein farb schwarz und weiß,
Das ich mich der warheit befleiß,
Die lügen meid und heuchelei,
Es ist dabei doch kein gedei.
Beim schwanz und nacken bin ich rot:
Das gewalt endlich gibt den tod.
Dennoch verfürt mich der vorwitz,
Das ich mit meines schnabels spitz
Ein keskorb brach, darin mich wand,
Aß kes und maden wie ichs fand.
Der baur abr war mir zu geschwind,
Sich heimlich zu dem korbe findt
Und stoßt seinen hut für das loch,
Dadurch ich vor zun kesen kroch,
Erhascht mich on barmherzigkeit,
Des schnabels spitz auch gar abschneidt,
Zog alle federn aus dem flügel,
Band mich den kindern an ein zügel.
O wehe des vogels herzeleid,
So in der kinder hend gedeit!
Dazu rückt er mir alzeit für:
Nun mach am korb ein aftertür,
Nun friß mer kes, du bunter specht,
Sei darfür meiner kinder knecht!
Ich hat vor oftmals hören sagen:
Kes essen wer nicht wol zu tragen,
Er macht dem stein und lenden schmerzen;
Ich mein, er vertrieb mir das scherzen!
Was solt ich tun, ich armer man?
Wie ich endlich des stricks abkam,
Sucht ich würmlein und allerlei,
Das ich nur wer des todes frei,
[259]
Bis sie mir ließen meinen gang.
Die federn wurden wider lang,
Das ich davon flog in den wald;
Kom ihm nicht wider dergestalt!
Darum acht ich, es sei das best,
Das man jedem das seine leßt,
Nimt verlieb wie uns got ernert,
Ob er viel oder wenig beschert;
Er hat jedem noch so viel geben,
Das wir alle bis daher leben,
Ja kein rab ist hunger gestorben,
Obgleich sein gsang nicht viel erworben.
Wolt ihr folgen, ich gans euch gern,
Sonst setzt ihr euch selbst in beschwern.
Ein reiner mund und reine hand
Passieret frei durch alle land."
[260]
Das VII. capitel
[261] [260]Das VII. capitel.

Doctor Sperlings rat.


"Fleißig betracht auch diese ding
In seinem rat Doctor Sperling,
Sprach: Mein mutter hat ihre nest
Zubereitet weich, warm und fest
An eim kirchfenster in der stat,
Da ein schwalb gebauet hat
Und ehemals davon war gestorben,
Vielleicht in dem wasser verdorben,
Wenn sie den winter für tot lag
Bis auf des frülings warme tag.
Darin hat sie fünf kinder leben,
Must einen fürs mietlon hingeben,
Das unser überblieben vier,
Und drei wollen ausfliegen schier,
[260]
On das unser eltern erbarmt,
Das mich niemand ernert, erwarmt,
Wenn sie ihnen allein nachhiengen,
Von mir als dem jüngsten abgiengen.
Weil meine flügel noch kurz waren,
Nicht konten auf den winden faren.
Als aber beid vater und mutter
Abwesend suchten unser futter,
Rauschet daher plötzlich und laut
Eine erschrecklich starke windbraut,
Als wenn viel wagn und pferde liefen
Und die menschen und hunde riefen,
Das die glocken in türmen klüngen
Und die ziegel von techern sprüngen,
Und das fenster, da unser nest
An vermauret aufs allerbest.
Mit glas und blei, eisen und stein
Abriß und sturz zur kirchen ein,
Und wir im fall und windetoben
Erschrockn verflogen und verstoben,
Das keiner den andern vernam,
Auch zu seinen eltern nicht kam. –
Bis endlich auf ein warmen tag.
Als der gersten im schwade lag,
Uns got bracht alle vier zusamen,
Da unser eltern zu uns kamen,
Uns mit schrecken erkanten, grüßten,
Für freuden weintn, uns herzten und küsten.
Der vater sprach insonderheit:
Vergessen ist nun all mein leid,
Nun ich meine liebe kinder sind,
Nun wir gesund beisamen sind,
Das ich euch gtreulich warn und ler,
Womit ander euch sein gefer,
Womit man euerm leben stellt,
Ehe denn ihr reiset in die welt.
[261]
So klein und zart kein vöglein war,
Es must auswarten groß gefar.
Got habe dank, verleih ferner gnade.
Das uns darauf zukom kein schade! –
Mein eltster son, wie ist dirs gangen,
Das du nicht irgends bist gefangen? –
Mein vatr, als unser nest zubrach,
Fürt mich der wind weit übers tach
Hin in das wilde wüste feld.
Da saß ich als ein armer held
Beim farweg auf einer dornhecken,
Darin ich mich pflag zu verstecken,
Rief: hilf, got hilf! Da war niemand,
Wedr lerch noch stelz, die mich erkant,
Das ich in der kindheit verdorben
Und vielleicht wer hunger gestorben,
Wenns nicht got hett also geschickt,
Das ein baur seinen sack geflickt
Und etlich korn daraus verzettelt,
Das ich am weg zusamen bettelt,
Und dabei erst lernte verstehen:
Wo viel leut auf- und niedergehen,
Sich ein ander auch wol ernert,
Der arbeitet und sparsam zert. –
Der vater sprach: Du sagest recht,
Erbeit und sparn macht reiche knecht;
Der aber müssig geht am wege,
Bedenkt auch mancherlei anschlege.
Darum, sihestu ein jung mantier
Etwa die hand strecken herfür,
Die erd greisen, die zene beißen,
So fleug, es pflegt grimmig zu schmeißen.
Desgleichen solt du haben acht
Wo es im feld ein heuslein macht,
Gras und stoppeln dabei abkratz,
Aufs neu beseet den bloßen platz,
So trau ihm nicht, sein schleuf es setzt,
Gibt dir für brot den tod zuletzt. –
[262]
Der son antwort: Wie ists gewandt,
Wenn es den stein hat in der hand
Oder zeucht ihn aus seiner tasch?
Da muß man fliegen frisch und rasch,
Als ich teglich mit leibsgefar
Bei der bergburs und hirten erfar.
Odr wenn sichs hinter den busch legt
Und mit den schleufn seins stellwerks pflegt?
Ich hab auf solch verreterwerk
Verlangst mein sonderlich gemerk;
Spür ich an einem dicken strauch,
Das sich herauswindet der rauch,
Als wenn ein feur darunter wer,
So trau ich dem geleit nicht mer,
Es liegt ein hund drunter begraben.
Solchn dunst pflegt das mantier zu haben,
Wenn es nur seinen mund auftut,
Damits uns frißt, wirds ihm so gut. –
Der vater sagt: Du listigr laur,
Weist das, so ist dirs worden saur.
Got lob, das du fürsichtig bist:
Die welt ist gar voll böser list. –
Darnach sprach er den andern an:
Was sagstu denn, mein lieber man,
Wie bist du für dem wind genesen?
Wo bist du bis daher gewesen? –
Er antwortet: Ich fiel ins haus,
Da fremde gest ziehen ein und aus,
Herrn und frauen, jungherrn und reuter,
Furleut, kerner, landsknecht, freibeuter,
Sahe zu, wie sie den habern schwungen,
Was die gluck aß mit ihren jungen,
Und fand daselbst auch meine speis;
Gedaucht mich eine gute weis. –
Der vater sprach: Die speis ist frei,
Aber viel große gfar dabei.
[263]
Denn großen herrn und schönen frauen
Soll man gern dienen, wenig trauen,
Viel weniger ihrem gesind,
Was reuterburs und furleut sind.
Die furleut wolln die peitschen schwingen.
Die reuter mit dem reuting klingen,
Die jungen die strogabeln schmeißen,
Sperber und blaufuß vogel beißen.
Siehe dich wol für, mein lieber son,
Das nicht der eins dir übel lon! –
Der son antwort: Es ist also,
Für gfar bin ich wedr sichr noch fro;
Doch tun mir die gar wenig schaden,
Darauf der vater hat geraten.
Die burs aber macht haberzapfen,
Das sie den, der drauf sitzt, erschnappen,
Wie mir ein goldammer geklagt,
Das man sein gschlecht im schne so plagt.
Dazu haben sie ein stück holz,
Darauf liegt ein hol eisen bolz;
Wann sie das setzen an den mund,
Ehe denn man sich umsehen kunt,
So blitzt es mit eim donnerschlag,
Und wer getroffen ward, der lag.
Die aber verwundt davon flogen,
Aus der wund klein bleikörnlein zogen:
Darum ich mich auf die flucht schick,
Sobald ich das blank holz erblick. –
Der vater sagt: O lieber son,
Du bist großer gefar gewon.
Für ungnad großer herrn und frauen,
Für der hofjunkern trotz und drauen,
Für stallbuben und reutersknaben,
Die raub und mord gewonet haben,
Kann niemand gnugsam hüten sich;
Sihe für dich, treu ist ser mißlich! –
[264]
Zum dritten sagt er: Liebes kind,
Wo bliebst du denn in dem sturmwind? –
Er antwortet: Hin auf die pfarr
Ich ungefer geworfen war,
In desselben schönen lustgarten;
Da wolt ich meines heils erwarten
Und lernt zuerst den pfarrer kennen,
Hört ihn herr Cyriacas nennen,
Gedacht, er wer ein gottesman,
Würde sich meiner auch nemen an;
Aber ob er gleich in garten kam,
Meiner er sich doch nichts annam,
Sondern schlich in gedanken schwer
Einen steig hin, den andern her.
Denn wer eim andern geben soll,
Wird traurig und hört nicht wol;
Umsonst ich Cyriacs, Cyriacs! rief,
Bis eine raup zu mir anlief,
Die aß ich in der hungersnot,
Und weil ich davon nicht blieb tot,
Wie ich mich denn erstlich besorgt,
Weil ihr har im hals brant und würgt,
Sucht ich derselben mer zusamen,
Grün, rot, fal, bunt, wie sie ankamen,
Bis das die erbsen auch reif würden,
Da nam ich den schoten ihr bürden,
Aß maulbern und rot kirslein zu,
So nert ich mich in guter ru. –
Der vater sprach: Mein liebes kind,
Dich hat ser wol gefüret der wind,
Du bist großer gefar entgangen,
Hüt dich nur für die grünen stangen,
So oben ein schwarz löchlein haben,
Damit sich tragen junge knaben,
Für die meiskasten und pechruten,
Wer den zu teil wird, der muß bluten! –
Der son antwort: Wie were das,
[265]
Wenn die stang auch geschmerzt was
Und aufs loch angeklebt ein blat?
Fürs kestlein man dratgitter hat,
Das pech man an die zweiglein schmiert,
Wer sich nicht fürsihet, wird verfürt. –
Der vater sagt: Du bist geschwind,
Des pfarrers sön vorwitzig sind,
Habn nicht gleich gute lust zur ler,
Bein büchern sitzen wird ihn schwer,
Gehn lieber vogelstellen und fischen.
Sihe zu, daß sie dich nicht erwischen!
Die wölf pflegn auch die hund zu fressen,
Die sich großer klugheit vermessen;
Der listigen füchs belg auch kamen
Noch zuletzt in der beiß zusamen. –
Endlich mein vater mich ansahe,
Wie ich der muttr in armen lage,
Wie sie mich in den federn mauset,
Aus mutterlicher lieb mich lauset.
Wo findt man kinder, die verstehen,
Wie sie der mutter zu herzen gehen!
Und sprach: Was sagt mein jüngster schatz,
Wo helt er seine weid und hatz?
Du warst der schwechest alle zeit,
Kamst weg in der blöden kindheit,
Magst wol bei deiner mutter bleiben,
Ihre große fürsorg vertreiben. –
Ich sprach: Ihr wißt, das in dem wind
Ich war das allerkleinste kind,
Darum kont ich mich nicht erheben
Und in die lust aufs fliegen geben,
Stürzt also in die kirch hinunter
(Das ich nicht tot fiel, hat mich wunder)
Und blieb besitzen in dem schrecken
Unversehens auf der kanzeldecken.
Am morgen als der tag herkam,
Der pfarrer sein sermon vornam,
[266]
Dafür ich so heftig erschrak,
Das ich bestürzt für tot da lag,
Bis das ich von dem pfarrer hort
Diese schöne tröstliche wort,
Das Jesus Christus, gottes son,
Wer kommen aus des himmels tron
Und hett seinen jüngern gesagt,
Als sie gewesen gar verzagt,
Solten nicht so kleingleubig sein,
Ihr sorg got befelen allein,
Der alle creatur erhielt,
Viel mer den menschen, sein ebenbild.
Denn ob man gleich acht ser gering
Auf den haustechern die sperling,
Solt ihr doch keiner herab fallen,
Es wer denn gottes wolgefallen.
Ja den raben müst got auch geben
Davon sie erhielten ihr leben.
Er speist aus seiner milden hand
Was lebt in der luft, wasser und land.
Die wort mich wider zurechtbrachten
Und von neuen lebendig machten;
Gedacht: was hast du nun für not?
Wenn dich schützt der almechtig got,
Solt du zu seinen eren leben,
Er wird dir speis und herberg geben;
Sagt er aber: du gfellst mir nicht,
So macht er seins gefallens schicht.
Was got macht, das war alles gut,
Got seim geschepf nicht böses tut.
Gots gnedign willn will ich mich geben,
Für dem himmel und erden beben.
Die wort hat ich kaum ausgesprochen,
So kömt ein große spinn gekrochen,
Die aß ich und sucht ihrer mer,
Damit die kirch on kanker wer.
Kein flieg must auch ihr gschmeiß ankleben,
Der unfletr ließ ich keinen leben.
[267]
Das gift macht mir auch sonst kein leid,
On etlich federn weiß als kreid;
Dabei mich denn die kinder kennen,
Ihren bunten kirchsperling nennen. –
Der vater sprach: Du lieber son,
Dein beruf, erbeit und dein lon
Ist für allen andern das best.
Got die seinen nimmer verleßt,
Hat dich aus deinen brüdern erwelt,
Für ein kirchendiener bestellt,
Dir ler und brot dabei gegeben,
Das du fürst ein geruigs leben.
Im gotteshaus zu aller frist
Ein stund bessr denn sonst tausend ist.
Ich wolt da lieber pförtner sein.
Denn fürst bei gotloser gemein.
Wills gleich nicht gehn zu aller zeit
Wie du wilt nach deiner torheit,
Und ist nicht alles eitel prassen,
Must dich am gringen gnügen lassen.
Dringt auch das groß eulengeschlecht
Sich in die kirch widr er und recht,
Der uhu oder sein gesandten
Alte diener helt für bachanten,
Dich hasset, verfolget, ermordt,
So halt dich fest an gottes wort,
Gedenk, du dienst dem grösten herrn,
Der endlich lont mit gut und ern,
Bei dem endlich den himmel erben
Die in seim dienst bleiben und sterben.
Derselb mit gnaden bei euch stehe,
Das ihr lang lebt, das euchs wolgehe! –
Dies waren meines vatern red,
Die er zu seinen kindern tet.
Wenn ich nun auch hie raten wolt,
Das jeder got vertrauen solt,
Seins berufs wartn, nemen in acht
Womit das mantier ihm nachtracht,
[268]
Sich nicht on not und offenbar
Unvorsichtig stürzn in gefar
Und folgen wollet meinem rat,
Es solt mer frommen tun denn schad.
Mir hat es gut und er gebracht
Und endlich zum doctor gemacht. –"
[269]
Das VIII. capitel
[270] [269]Das VIII. capitel.

Der schwalben und eulen rat.


"Dies rümt das schwelblein Gabelschwanz,
Sagt: Das gefellt mir gar und ganz,
Rechst got ist die beste klugheit
Wolbedachte vorsichtigkeit.
Und wenn wir der gebrauchen wollen,
Die pferdhar nicht viel schaden sollen!
Aber zu besorgen ists, das
Der mensch dabei nicht bleiben laß,
Sondern mer list und renk erdenk,
Damit er uns in tod versenk.
Wie ich denn neulich an eim ort
Von einer alten vetteln hort,
Das sie den ratschlag het bedacht:
Wenn aus dem lein würd flachs gemacht,
Und denn aus dem flachs garn und faden,
Aus faden stricklein, netz und waden,
Könten sie uns vogel mit den fischen
Semtlich in einem ruck erwischen.
Seht, was erdenkt ein altes weib,
Das ja der reim warhaftig bleib:
Was der teufel nicht mag ertichten,
Das muß ein altes weib verrichten.
Es ist auch ihr wille geschehen,
Der lein geseet, ich habs gesehen,
Habs auch treuherzig angezeit;
Aber man spottet mein die zeit.
[269]
Der sperling und ich gruben weg,
So viel wir konten, aus dem dreck,
Aber eins enzeln mannes hand
Ist gar zu schwacher widerstand.
Nun ist er zertlich aufgegangen,
Hat allererst zwei blat empfangen;
Lasset euch warnen, tut zur sach,
Rottet ihn aus weil er ist schwach,
Ehe denn er wechst und sam bekümt,
Ehe denn er alle welt einnimt.
Wenn das fünklein erst herfür blickt,
Ein finger es gar leicht erstickt;
Wenns aber die flammen erhebt,
Unverhindert herumher schwebt,
So leßt es sich nicht treiben ein,
Flöß gleich herdurch beid Elb und Rhein.
Lasset kein flachs und garn draus werden,
Odr eur wolfart ist aus auf erden!
Werd ihr verachten gute ler,
So wird euch Reuel beißen ser.
Dergleichen rat der kauz auch gabe,
Der sich vom uhu sondert abe,
Zu klugen vogeln sich gesellt,
Steht bei der Minerva gemelt,
Die nach der alten Griechen lar
Eine göttin der weisheit war.
Darum er hieß die vogel eul,
Sprach: Es ist nun eine gute weil,
Da ich aus eim prophetengeist
Euch am eichbaum den mistel weist,
Wie er von krammetvogel kem,
Wenn ihr geschmeiß die rind einnem,
Bat, das sie auf die erd solchs ließen
Und nicht die edlen beum beschmissen,
Odr sie würden ihre torheit
Noch beklagen in großem leid.
[270]
Ich bat auch, das wir dazu teten,
Die jungen sprößlein herab treten,
Damit sie nicht mit ihrer bürden
Zu unserm schaden größer würden.
Es galt nichts. Nun wechst er daher
Und sitzt ganz vol schneweißer ber,
Aus welcher dicken, zehen schleim
Die vogler werden machen leim,
Uns damit allesamt zu fangen,
Wenn wir darin klebend behangen
Und viel gewisser müssen bleiben,
Denn wenn sie rutn mit pech bekleiben.
Last uns noch vorkommen den sachen,
Uns alle semtlich daran machen,
Die berlein samt den zweign abfretzen,
So kan uns der keines verletzen.
Was woln wir sein so roh und wild,
Das bei uns kein rat hilft noch gilt?
Den halt ich für ein weisen man,
Der ihm selber wol raten kan;
Der ist auch seines lobes wert,
Der gutem rat folgt unbeschwert.
Wer aber selber wüst kein rat,
Auch nach der weisen ler nicht tat,
Der war und blieb ein toller narr,
Bracht sich und ander in gefar. –"
[271]
Das IX. capitel
[272] [271]Das IX. capitel.

Der frommen und klugen vogel rat wird verworfen.


"Die eul wolt noch mer davon sagen,
So hebt sich ein murren und klagen
Und endlich ein mördlich geschrei:
Schlag den schelmen die hels entzwei,
[271]
Die uns wollen die freiheit nemen,
Mit erbeit nach ihrm willen zemen!
Wir sind frei und sind niemands knecht,
Das ist unser altveter recht,
Und die lauren wolten uns zwingen,
Ihr gefallens zur erbeit dringen,
Sollen graben und beum abbrechen.
Wollens an ihrm fleisch und blut rechen! –
Damit stürzten sie zu ihn nein,
Warfen den sand, staub, dreck und stein,
Stießen mit schnebeln, brust und klauen,
Schlugen mit flügeln man und frauen,
Das keiner bleiben kont am platz
Für ihrem mutwilligen tratz.
Die nachtigal und lerch allein,
Welche singen lieblich und fein,
Wurden von sangvogeln erbeten,
Weil sie sonst keine meister hetten. –
Der storch aber, sperling und schwalb,
Dieweil sie auf der vogel halb
Spürten, das niemand mer wolt horen,
Aller guter rat war verloren,
Die wolmeinenden würden geschendt
Nur schelm und bösewicht genent,
Ja von den ihren mer gefert,
Denn sie ihr todfeind selbst beschwert,
Die schwuren, sag ich, companei,
Das einer bei dem andern sei,
Namen zuflucht zun menschenkinden,
Hoffend, mer redlichkeit zu finden,
On zu Theb in Böotia
Und Bizien in Thracia
Die schwalb ihr nestlein nimmer bauet,
Für den örten ihr immer grauet.
Theba hat krieg on unterlaß,
Zu Biz Tereus sein son auffraß.
Wie der storch meidet Engelland,
Fürcht der kaufleut diebische hand.
[272]
Desgleichen auch die eule tet,
Welt auf der kirchen ihre stet.
Das sie da mit herzlichem dauren
Der vogel torheit möcht betrauren,
Ihre horas im finstern lesen,
Wolt bein vogeln am licht nicht wesen.
So helt sies noch in aller welt,
On das ihr Candia nicht gefellt,
Das ihr volk die warheit veracht
Und alle fabeln hat erdacht.
Aber es gieng so wie gesagt:
Was vor belacht, ward nach beklagt,
Das netz und leim wurden gemacht,
Viel tausend vögelein umbracht,
Wie noch teglich itzund geschicht.
Das klagen hilft den toten nicht! –
Drum wenn die vogel ungefer
Die eul noch sehen kommen her,
So fliegen sie mit haufen zu
Und machen ihr gar viel unru,
Als hett sie den menschen geklagt,
Wie sie von vogeln wer verjagt,
Und darum die kunst offenbart,
Dadurch der leim erfunden ward.
Aber die eul kert sich nichts dran,
Sondern greift und beißt wen sie kan.
Und geht also fast unserm kauz,
Nach der histori gleiches lauts,
Die sich bei unser veter leben
Mit der taub und affen begeben."
[273]
Das X. capitel
Das X. capitel.

Die turteltaub wird von den affen wegen ihres guten rats zerrissen.


"Es geschah im herbst, da von nord
Der wind kül über die stoppeln stost,
Und nach der warmen ernt gar bald
Sein vortrab schickt der winter kalt
Mit regen, schlossen, hageln, krachen,
Und die beum mit geschrei zubrachen,
Das bei der nacht im finstern tal
Die affen suchten überall,
Wo sie ein sicher stetlein fünden,
Daran sie sich verbergen künten;
Krochen endlich all zu einem raum
Unter ein holen eichenbaum,
Daselbst bis auf den tag zu lauschen,
Ließen den wind fürüber rauschen.
Als aber einer von dem haufen
Ein wenig weich mos wolt ausraufen,
Darauf zu ruhen warm und lind,
Ungefer ein kleines würmlein findt,
Das im finstern bei der nachtzeit
Wie ein fünklein schien in der heid;
Und ruft, er hab ein feur vernommen.
Die affen all gesprungen kommen,
Blasen alle mit vollem mund,
So viel ein jeder blasen kunt;
Etliche lasen auch dürre bletter,
Damit feur zu machen im wetter. –
Ein turteltaub saß an dem stam,
Wie die nun dies wesen vernam,
Flog sie auch zu den affen hin,
Rief in den wind mit lauter stim,
Das sie all mit einander irrten,
Sich in vergebne erbeit fürten;
[274]
Es wer ein wurm und gar kein feur,
Das blasen kem niemand zur steur.
Aber da war keiner, der hort
Der turteltauben ratsame wort.
Sie waren kalt und suchten werm,
Das war die summ im ganzen lerm,
Das keiner sich abdringen ließ,
Einer den andern trat und stieß,
Das sie auch noch zusammensatzten,
Feindlich sich bissen und zukratzten.
Des wundert sich die taub gar ser
Und rief ihnen noch zu viel mer,
Und obgleich einer von den alten
Ihr riet, sie solt nur stille halten,
Das affenvolk hört keinen rat,
Ehe denn es kommen wer zu schad,
Wolt doch der turteltauben treue
Die warheit reden one scheue,
Und schrie und rief, bis einer kam,
Der sie aus zorn beim kragen nam,
Zu ihrem großen ungelück,
Und zerriß sie auf kleine stück. –
Hieran jeder zu lernen hat,
Das guter rat findt selten stat,
Den gleich die alrweisesten geben,
Es stehe drauf gut, er und leben,
Wo herr Omnis mit seinen leuten
Alles mag seins gefallens deuten
Und niemand fürchtet überall
Wie es gerat in solchem fall."
[275]
Das XI. capitel
Das XI. capitel.

Das bei dem gemeinen manne vergeblich gute ordnung gemacht wird, wo man nicht nachdrückt mit der straf.


"Graukopf sagt weiter von der gmein,
Das ihr regment unnütz wolt sein.
Nicht allein darum das sie all
Kein rat verstünden im notfall,
Viel wenigr folgten weisen leuten,
Die wol rieten zu allen seiten,
Als an den vogeln wol zu sehen
Und bei den affen ist geschehen,
Sondern das sie auch kein statut
Oder gesetz achten so gut,
Darnach sie alle leben wolten,
Wie sie mit fleiß billig tun solten.
Denn on gesetz ist die gemein
Wie ein leib on senen und bein.
Sie meinen, weil beid arm und reich
Der natur nach sind gar gleich,
All zugleich von des leimen art,
Davon der erst geschaffen ward,
Und niemand in der freiheit stand
Den andern für ein herren kant,
Auch keiner dem gebieten kan,
Der durchaus ist sein gleicher man;
Es wolt denn auch ein esel sagen,
Wie der ander den sack solt tragen:
So stehts in ihrem wolgefallen,
Das sie in den geboten allen
Halten was ihnen wolgelieb,
Sie sein derhalbn wedr schelm noch dieb.
Und wenn gleich dies etlichen leuten
Nicht gefellt, die es übel deuten
Und etwa amts wegen drum sprechen,
Sie wollens eifern, wollens rechen,
[276]
So keret der trotzige man
Sich doch ganz und gar nicht daran,
Weil der nachdruck dem richter feilt
Und die straf nicht hernacher eilt. –
Und geht ihn, wies den schafen gieng,
Da ihr gemein ein glock aufhieng
An einen hohen weidenbaum
Für einem wald, am schönen raum,
Damit, wenn zuliefen die wülf,
Sie bedürften der hunde hülf,
Die hund das leuten all vernemen,
Ihnen semtlich zum beistand kemen,
Wie bein bauren zu geschehen pflegt,
Wenn sich ein mörderrot erregt.
Es war keiner so schlimmer hund,
Er angelobt mit hand und mund,
Dieser schafordnung steif und fest
Nachzuleben aufs allerbest,
Weil besser wer, das sie im haus
Unterm tach des wolfs warten aus
Und im notfall mit hellem haufen
Ihnen zum schutz kemen gelaufen,
Denn das ihrer zween oder drei
Im frost und regn blieben dabei,
Die dem wolf doch weren zu schwach:
So ward vertragen alle sach. –
Wie nun die hund waren dahin,
Sich hören ließ der wölfe stim,
Damit sie ihr gesellen riefen
Und dann zu den schafen einliefen,
Sprungen die schaf hin zu der glock,
Insonderheit der groß rambock,
Und zogen was sie immer mochten,
Weil die wölf die lemmer aussochten
Und sie davon trugen ins holz,
Mordten auch manchen Herman stolz
Oder fürten ihn weg gefangen.
[277]
Am morgen kamen die bund gegangen,
Zu schauen was die scheflein machten,
Das sie des leutens nicht gedachten
Und so sicher sie ließen schlafen,
Bedeut ein wunderfried den schafen. –
Aber die schaf waren voll zorn,
Das sie ihre kinder verlorn,
Sprachen mit eiferigem zanken,
Der teufl solt der nichthaltung danken,
Das sie gut ordnung hülfen machen
Und selbst nicht nachsetzen den sachen;
Sie hettn geleut die ganze nacht,
Aber ausblieben wer die wacht,
Sie und ihre kinder geschendt:
Von hunden kem all ihr elend.
Die hund sagten, sie wolten schweren
Bei ihren allerhöchsten eren,
Das sie davon gewust kein wort,
Auch keinerlei leuten gehort.
Die schaf gar ungedüldig sprachen:
Hört ihr denn nicht die weide krachen
Und das uns auch der strick zerriß,
Da uns der wolf so grimmig biß?
Die hund antworten: Der bescheid
War nur von dem glockengeleut,
Und nicht vom strick und weidenkrachen;
Was dienet das zu unsern sachen?
Der zank weret ein gute weil,
Das recht haben wolt beide teil. –
Endlich lief hin der küsterhund,
Sperrt sein augen auf und den mund,
Sahe die glock von unten an
Und sprach: Das solt mich wunder han,
Das ich das geleut hett verschlafen,
Die wölf lassen wachen bein schafen;
Aber mich dünkt die glock nicht recht,
Ist auch ein kneppel, der sie schlegt? –
[278]
Was ist der kneppel für ein tier?
Sprach der rambock, das sage mir.
Ist es der kobold oder mar?
Du sichst die glock ja offenbar! –
Indes wolten die hunde all
Auch versuchen der glocken schall
Und funden, das sie ledig hieng
Und one kneppel stille gieng.
Wol, sprach küsters hund, sagt der aff,
Wien ein alber tier ists um ein schaf!
Wolt ihr uns hunden ordnung deuten
Und regieren mit glocken leuten,
Und wist nicht was zur glock gehort,
Das sie on kneppel spricht kein wort?
Das sie weder klappet noch klinget,
Der schall auch nicht zun oren dringet,
Viel wenigr folg bei uns erlangt,
Wenn sie ledig on kneppel hangt? –
Es geht euch, wies aff Martins vater,
Herr Fürwitzen, dem guten pater,
Auf seinem weidewerk auch gieng,
Da er mit dem bogen anfieng
Zu schießen und zu fantasieren,
Wie er gesehn bei den mantieren.
Die schildkrae hat ihr spotgeklapf,
Schrie ihn an: Schau, Fürwitz kalaff!
Von einem rauchen hagedorn.
Das tat dem affen Fürwitz zorn,
Und bracht ein altes bogenholz,
Satzt auch darauf zierlich den bolz,
Zielt von der nas zur krae hinan,
Vermeint, der bolzen würd abgan,
Die krae in einem hui erschießen,
Das die andern ihr spotten ließen.
Hatte die krae vor nicht gelacht,
So lacht sie itzund, das es kracht,
[279]
Weil sie am bogen bald erblickt,
Das er mit keiner senn verstrickt,
Und sprach: Nun spott des großen gecken,
Der mich mit schießen will erschrecken
Und drauet mit eim solchen bogen,
Der mit keiner senn ist bezogen!
O lieber, lern von einer kraen
Die ler, die ich dir itzt wil sagen:
Kein bolzen fleugt vom bogen recht,
Wo nicht die senn hernacher schlegt!
Da brach Martin aus ungeduld
Den bogen auf stückn on sein schuld. –
So gehts euch albern schafen auch,
On kneppel hat die glock kein brauch.
Was sotten die schaf aber machen?
Sie musten abstehn von den sachen,
Ihr gute ordnung lassen fallen,
Weil keins war unter ihnen allen,
Das ein kneppel wuste zu finden
Odr in die glocken anzubinden.
Also, sprach Graukopf, ists ein ding,
Alle gesetz acht man gering,
Wo nicht der knüttel war beim hund,
Der ihn zu folge bringen kunt,
Wo nicht die faust hernacher dringt
Und die leut zum gehorsam zwingt,
Wo nicht auf leutselige wort
Die ernste straf erfolget fort."
[280]
Das XII. capitel
[281] [280]Das XII. capitel.

Freie leut strafen ist geferlich.


"Man findet zwar auch manchen man,
Der mutwilln nicht ansehen kan
Und nimt sich für mit ernsten mut,
Er wols nicht lassen gehen für gut,
[280]
Das ein jeder loser gesell
Verachte seines amts befel;
Wolle dermals einen so zeichen,
Es sol andrn zum abscheu gereichen.
Aber sobald ers setzt ins werk
Und will versuchen seine sterk,
So braucht der schalk auch seine tück,
Damit er aus der straf entrück,
Und klagt bei seinen rotgesellen,
Wie die regenten ihm nachstellen,
Ihn an seim leben, gut und eren
Unbilliger weis zu beschweren.
Sein rechte sach müsse nicht gelten,
Es helf weder beten noch schelten.
Wolten getreulich bei ihm stehen.
Sonst würd es ihnen auch so gehen.
Da lauft man denn mit haufen zu,
Will, das der regent niemands tu,
Es sei denn ihn so auch gefallen:
Solch recht gebüre ihnen allen.
Weicht er dem rasenden gesind,
Will nicht blasen wider den wind,
So spott der schalk sein in der haut,
Spricht: Wie ist der herr so kleinlaut!
Will er aber mit recht ausfüren,
Das sich die straf so wolt gebüren,
So wird ihm sein abscheid gegeben,
Odr kömt noch wol gar um sein leben. –
Wie es denn gieng Seuwart dem hund,
Der sich hierin nicht schicken kunt.
Es waren in der eckermast
Der seu in die zweihundert fast,
Welche Grützwürster der seuhirt
Morgens aus- und abends einfürt,
Das er sie für den wolf mit hörten
Die nacht besatzt an bsondern örten.
[281]
Grützwürster aber hielt die weis
Und verhütet mit allem fleiß,
Das die seu nicht vonander trieben,
Sondern all fein beisamen blieben,
Und wo eins irgend abwerts gieng,
Gab er ihm mit der peitsch ein schmink
Oder warf mit knütteln und steinen,
Das sie hinkten an füßen und beinen. –
Die tyrannei tet allen wehe,
Sagten zu, sie wollen nicht mehe
Von ihrem algemeinen haufen
Ein fußtritt in den wald entlaufen,
Wenn er ihnen nur on verdrieß
Ihr eigen weis und willen ließ,
Der sie mit gutem recht und eren
Von jugend auf gewonet weren;
Wenn nur Seuwart bei ihnen blieb,
Der sie ein- und wieder austrieb,
Dem wolten sie von herzen gern
Gehorsam leisten on beschwern,
Lieber seim bellen folgen mit freuden,
Denn peitschschlagen und werfen leiden;
Sie weren nicht knechtischer art,
Die on schlege nicht erbar ward,
Wie die esel und müllerknecht
On schlege sonst nichts machen recht;
Sondern so gar edel geboren,
Das aller zwang bei ihn verloren,
Wo sie nicht selbst für sich auch wolten
Freiwillig tun alls was sie sollen.
Indem sie denn den alten seuen,
Ihrn vorfaren, folgten mit treuen,
Das er daraus solt billig spüren,
Das sie so freches leben füren
Von den toten mantieren essen,
Ihr eigne kinder selber fressen,
Und, kleidt man sie mit gülden stücken,
Sie legtn sich im kot auf den rücken.
[282]
So wenig achten sie der er,
Welchs ihr adliche tugend wer,
Behielten doch ihr ernst geberd,
Kein erenstand würd ihn gewert,
Kein mantier wer so voller trutz,
Das sie ihm nicht böten ein stutz;
Und was der wort waren noch mer
Die sie zu ihm grunzten daher. –
Ob Grützwürster gleich murrt und flucht,
Was taug denn ein ding unversucht?
Gedacht er dennoch auch daneben,
Du wilt ihrem bitten stat geben,
Bald sehn in eim oder zween tagen
Wie sie des Seuwarts recht vertragen.
Befal damit dem Seuwart sein
Das regiment über die schwein.
Seuwart ser treu und fleißig war,
Für sorgen grauet ihm sein har,
Gedacht, weil Grützwürster sein herr
Ihm gönnet so viel macht und er,
Und ihn die seu würdig erkanten,
Das sie ihn den aufseher nanten,
So wolt er weislich darauf sinnen,
Wie er möcht ihr herzen gewinnen,
Das sie das recht mit willen teten
Und nicht über die weid austreten.
Wenn er sie ausfürt in die weid,
So sprang er für ihn her in freud
Und macht mit dem bellen ein schall,
Das in dem wald herwider hall,
Und gieng darnach bei ihn spazieren;
Wolt aber eins sich wo verlieren
Und etwas weit neben austreten
Oder sich irgendwo verspeten,
So fand er sich zu ihm mit bitt:
Es wolt sich ja verseumen nit;
Oder sprang auf, drauet dem hafen,
Wie er gewonet bei den schafen.
[283]
Es hatten auch erstlich die seue
Für seim bellen besonder scheue,
Bis das sie das wurden gewon,
Da achten sies nicht um ein bon,
Taten alls, was ihn wolgefiel,
Und schritten weit über das ziel.
Sagt denn der hund etwas dawider,
So legten sie sich gar danider
Bis an die oren in den dreck,
Sagten: Er kom, ist er so keck
Er ist ein verzagter böswicht,
Er bellet wol, abr beißet nicht. –
Dem hund tat der trotz heftig wehe,
Sagt: Wenn ich dem spiel mer zusehe
Und nicht ein ernst brauch in den sachen,
So werden sies noch erger machen.
Denn wir sein alle so gesint:
Je frömmer vater, je erger kind,
Je weicher arzt, je feuler wund,
Je schlechter jegr, je schlechter hund.
Wenn ich nun eins der großen beiß,
Fürcht ich, das mirs den bauch aufreiß
Odr mit der zene krummen schroten
Die strümpf herabziehe bis zum, knoten.
Ich muß mit eim kleinen versuchen,
Erst mit vermanen, denn mich fluchen.
Wills denn nicht, so ist alles schlecht,
Ich wills strafen nach gstrengem recht.
Alsbald sahe er ein ferklein stehen
Und weit hinter den andern gehen,
Er lief und sprach: Horch, mein gesell,
Ich werde dir rücken ein fell,
Wo du mir bist ungehorsam
Und wanderst nicht mit vornen an! –
Das ferklein murrt und blieb stracks stehen,
Wolt sich nach ihm nicht ummesehen,
[284]
Sondern da nach seinem vorhaben
Zuvor ein erdapfel ausgraben.
Dem hund verdroß die sicherheit,
Flucht ihm viel schand und herzeleid,
Das auch das ferklein aus unmut
Antwort: Schau, was der teufel tut!
Wilt du dein zorn an mir auswetzen
Und mir allein die buß aufsetzen,
Und siehst, das alle große seue
Was sie wollen tun one scheue?
Du tust gleich wie der habicht pflegt,
Der adler, rabn und weihe vertregt,
Dieweil sie ihm zu hoch gesessen,
Will die unschüldig tauben fressen.
Das solt wol sein, wie man sonst sagt,
Ueber ungleiches urteil klagt:
Die kleinen dieb, die müssen hangen,
Die großn mit gülden ketten prangen;
Wo der zaun am niedrigsten ist,
Steigt man über zu aller frist. –
Der Seuwart kont das nicht verschmerzen,
Es war ein stich in seinem herzen,
Das ihm das allerkleinste schwein
Hersagen durft ein solchen reim,
Und faßt es zornig bei dem rücken.
Für dem mutwilln etwas zu drücken.
Das ferklein aber rief: Currit!
Macht mich von diesem mörder quit! –
Da ward ein rauschen wie ein wind,
Da donnerwetter unter sind;
Da kamen über einen haufen
Die seu mit großem zorn gelaufen',
Fragten, was sein solt die gewalt.
Er kont nicht antworten so bald,
Als sie ihn anfiengen zu rücken
Und zerrissen auf kleinen stücken.
[285]
So nam des Seuwarts regiment
In kurzer zeit ein schrecklich end.
Da aber Grützwürster ankam
Und diese aufrur da vernam,
Das sie den aufseher ermordt,
Sein leib noch fraßen an dem ort,
Sprach er im zorn mit großen klagen,
Ich hab oftmals das hören sagen:
Kein besser recht könt man bescheiden,
On das der schalk selber müst leiden
Was er eim andern hab geton,
Das gleich erbeit hab gleichen lon.
Ihr habt eurn aufseher geschendt,
Getöt, gefressen gar verwendt;
Es soll nimmer werden vergessen,
Man soll euch töten und wider fressen!
Trieb sie damit am markt zu kauf;
Bald ward ein aufsehn und zulauf,
Jeder kauft und stach seine seue,
Belonet ihnen die untreue;
Und werden noch die seu geschlacht.
Das hat mutwill zu wegen bracht."
[286]

Zweiter Theil

Das ander buch
Das ander teil
Das XIII. capitel
Das XIII. capitel.

Freie leute geben ungern zum regiment, darum kans keinen bestand haben.


"Wens nun also geht wie gesagt,
Findt man selten einen, ders wagt
Und die übertreter will strafen,
Man leßt die gerechtigkeit schlafen,
Das schwert und ruten liegen still,
Jederman tut was er nur will,
Niemand tracht zum gemeinen besten,
Ein jeder schaut zu seinem nesten,
Niemand will geben schoß und rent
Zu erhaltung der regiment,
Bis das es gar zu drümmern geht,
Ein elend verwüstung entsteht.
Kein reich auf erden hat bestand,
Es werde wie es wöll genant,
Da erbar scham und grechtigkeit
Nicht platz behalten alle zeit;
[3]
Da einem boshaftigen man
Die ernste straf nicht zwingen kan,
Da jeder nur für sich will leben,
Nichts zum gemeinen nutz hingeben:
Da geht zu grund all polizei
Und kan und mag nicht bleiben frei. –
Als dem leib ehemals ist gegangen,
Da sein aufrur ward angefangen
Von andern gliedern in gemein
Wider den magen gar allein.
Denn das heupt kam auf den gedank,
Das es für sorg würd grau und krank,
Die augen sich gar ser verwachten,
Die hend und füß viel erbeit machten
Nur darum, das sie ihrem magen
Seinen sack füllten bis zum kragen,
Welcher doch wie ein fauler wicht
Gar müssig leg und hülf ihn nicht,
Wie ein alte brack hinterm ofen,
Ja wie ein mastschwein auf dem kofen;
Dankt ihn nicht eins für die unru,
Das sie ihm alles trugen zu,
Das sie ihn hielten wie ein herren
Mit tragen, kleiden und erneren;
Er sei noch so grob undankbar,
Das er oft ausspei alles gar,
Was sie ihm aus freundschaft gegeben,
Als wol er sie bringen ums leben.
Darum wolten sie schließen, das
Dem faulen schelmen zu eim haß,
Wie man sagt auf dergleichen fall,
Jeder für sich, got für uns all,
Ein jedes glied solt fein selbst pflegen,
Den magen lassen hülflos legen,
[4]
Damit er in dem werk befünd,
Das sein wolfart bei andern stünd
Und er on ihnen müst verderben,
Schendlich in armut hungers sterben.
Dies must das maul mündlich antragen,
Mit großem ernst dem magen sagen,
Die füß stampften, die hende drauten,
Die augen trotziglich ausschauten,
Der kopf winkte, die oren sausten,
Die naslöcher schnaubten und brausten.
Der gute mag hatte kein oren,
Darum wolt er davon nichts horen;
Sondern da er verdaut sein last,
Ein ganzen tag dazu gefast,
Das er doch war gar ungewont,
Wundert er sich, das man nicht lont
Für seine küchenmeisterkunst,
Welcher er lang gewart umsonst,
Und fieng darauf ser an zu murren,
Durch den ledigen bauch zu knurren.
Und als er damit nichts erzwang,
Macht er dem herzgrüblein ser bang,
Kroch zusamen, hub seinen grund
Mit schleim und gall zum magenmund,
Das aus dem maul angstwasser rann
Und dem heupt der schwindel ankam.
Er flucht auch grob mit manchem rülz,
Das sie wurden so karge filz,
Ihrem bruder nichts wolten geben,
Der ihnen doch erhielt das leben.
Aber sie spotten sein dazu,
Sprachen: Ja lieber, murrest du
Und blökst auch wie ein ochs und rind,
Wilt uns schrecken mit faulem wind?
O nein, der zorn ist eitel tand,
Welcher nicht mechtig ist der hand.
Nere dich selbst du fauler wanst;
[5]
Laß sehn, was du erwerben kanst!
Wir wollen dir nicht mer so geben,
Das du fürest ein müßig leben;
Es heißt, wer nicht erbeiten will,
Der laß das brot auch liegen still. –
Was solt machen der taube mag?
Er wartet bis den andern tag,
Und da kein speis erfolgen wolt,
Wie hart er auch fordert den sold,
So krümmet er sich wie ein igel,
Kroch in einander wie ein schniegel,
Lecket den speichel aus dem mund,
So lang er den noch haben kunt.
Wie aber der auch war verzert
Und nichts im rest, das in ernert,
Da ward der schlung gar heiß und hart,
Genet und schuckt nach raben art.
Der mund kunt die zung nicht bewegen,
Von dürre wolt die sprach sich legen,
Die nas ward spitz, die augen tief,
Ihn daucht, das der boden umlief.
Das heupt war voller bitterkeit,
Kont zum schlaf nicht treffen die zeit,
Die oren klungen als ein schell,
Vernamen alles viel zu schnell,
Die schien ward scharf, die knorren groß,
Rucken, rieben als werens bloß,
Der bauch gar klein und eingebogen,
Die backen an die zeen gezogen,
Die hende matt, die füße lam;
Ein jedes ward im selber gram,
Das es sich fand so schwach und schwer,
Als wenns mit blei umgossen wer;
In summ, der leib war so gestalt,
Wie man den tod abscheulich malt,
War auch viel mer denn halber tot,
Hatt nie erfaren solche not.
[6]
Bis die vernunft im heupt bedacht,
Was man aus diesen sachen macht,
Ehe denn der leib und alle glieder
Ganz und gar fielen tot danider;
Und fragt den geist im heupt, wies kem,
Das er an kraft so gar abnem?
On schwindel sein heupt nicht wolt halten,
Und ließ alle glieder erkalten?
Der geist antwortet: Wie kömt das,
Wenns dacht vom öl nimmer wird naß,
Das der lampen flam dunkel steht
Und endlich ganz und gar ausgeht?
Das herz gibt mir wedr macht noch saft,
Also verlier ich meine kraft.
Das herz aber sein ursach sagt:
Es würd gar unbillig verklagt,
Die andern teten nimmer gut,
Fürten zum licht kein öl noch blut,
Das es nunmer schier war verdort,
Kont für schwachheit machen kein wort.
Die adern wolten auch nicht dulden,
Das man sie darum solt beschulden,
Klagten über kargheit der leber,
Die ein filz worden aus eim geber,
Ihnen kein tröpflein bluts mer gönt;
Wer ihr mit gewalt was nemen könt?
Ja wol, sagt die leber, ists war,
Vom kalen kopf reuft man kein har.
Wo nem ichs, das ir mir abpocht,
Wenn der magen uns nichts fürkocht?
Wol kochen! antwortet der magen,
Will man doch nichts zur küchen tragen.
Der mund verleßt mich ganz und gar,
Vergönt mir auch das wasser klar,
Das mag er mir auch nicht eingießen,
Davon doch alle brunne fließen.
Der mund zuletzt mit ungeduld
Sprach, es wer nicht allein sein schuld,
[7]
Sondern die glieder hetten all
Dies also geschlossen einmal,
Sie wolten dem magen nichts geben,
So lang er so wolt müßig leben. –
Da recht, sprach die vernunft, da recht!
So soll den herrn trotzen der knecht.
Der magen ists, der all ernert;
Wenn er euch denn zum dienst beschwert,
So leidet dafür euer straf,
Sterbet wie die törichte schaf! –
Sie waren auch des zanks nicht fro,
Der leib ward schwach und starb also.
Denn da sie gleich alls wolten geben,
Kont ers nicht nemn, kont nicht mer leben.
Speis und erznei hat ihre zeit,
Wer die verseumt, selten gedeit. –
Seht, sprach Graukopf, mein lieben heren,
So gehts, wenn die leut sich beschweren,
Der obrigkeit zum regiment
Zu reichen ihre hülfliche hend,
Wie denn in dem gemeinen haufen
Freier leut oft pflegt vorzulaufen."
[8]
Das XIV. capitel
[9] [8]Das XIV. capitel.

Gemeiner pöbel macht oft einen auflauf on ursach.


"Solch unglück ist im freien land
Alzeit zu fürchten beim friedenstand,
Sprach Graukopf; aber zu der zeit
Wenn die sachen laufen zum streit
Und man ein krieg auch sol vornemen,
So gehts erst das man sich mag schemen.
Denn wenn unerfarne leut
In frieden sitzn ein raume zeit,
[8]
So tun sie wie der esel tat,
Da er zu viel des futters hatt
Und wolte tanzen auf dem eis
Und brach ein bein mit der unweis.
Und wie die lieben kinderlein
Das feur halten lieblich und sein,
Lassen sich auch davon nicht trennen,
Bis sie die hend daran verbrennen:
So reucht dem unerfarnen man
Der krieg so süß als honig an.
Er meinet, krieg sei eine sach,
Die alle knecht zu herren mach,
Darin man krieg was man begert,
Bis er das widerspiel erfert.
Und kömt ein anfenger daher,
Sie folgen ihm on al beschwer
Und machen ein so groß lerman,
Als wolt die ganze welt vergan;
Wissen doch selbst noch kein bericht,
Obs der mühe bedarf oder nicht,
Ob auch geferlich sein die sachen,
Ob mans on krieg könt richtig machen?
Wie denn gebürt eim weisen man,
Das er versuch alls was er kann,
Ehe denn er mit der faust drein schlage
Und all gefar aufs eußerst wage. –
Unter den mantieren sind lauren,
Die sich auch nennen grobe bauren,
Wollen alzeit in freiheit leben,
Keiner herschaft ihr ere geben,
Auch nicht wandern vom dorf und stat,
Da sie die mutter geboren hat.
Wie dieselben wolten ausgehen
Und die gelegenheit besehen,
Waser gestalt des himmels rand
Sich im kreis nider ließ aufs land
[9]
Und sie allenthalben umschlöß,
Mit wind, tau und regen begöß;
Wie die sonn an dem einen ort
Früh morgens gieng heraus und fort,
Am abend fiel wider herunter,
Das ihn billig gedaucht ein wunder.
Meinten auch, recht nach ihrer weis,
Es gölt nichts denn ein tagereis,
Bis das sie kemen an das end,
Da sich himmel und erden wend,
Dieweil abends hinter dem wald
Die sonn sich verlöre so bald
Nach ihrer einen tagereis;
Sie woltens versuchen mit fleiß. –
Wie sie aber ser früh ausgiengen,
Noch für sonnenaufgang anfiengen
Und in dem wald am abend spet
Kamen zu einer raumen stet,
Wurden sie gewar in dem feld,
Das sich der erdbodem verstellt
Und einen großen bauch erhoben,
Viel höher denn tausend backofen;
Das auch die sonn an einer eck
Sich verkroch als hinter der deck,
Desgleichen sie vor nie gesehen.
Sie blieben aus schrecken bestehen,
Und liefen zuletzt hin zu haus,
Machten ein landgeschrei daraus,
Das der erdboden schwanger wer.
Da griff die ganz gemein zur wer,
Und wer ein mistgabel kont tragen
Oder mit einem flegel schlagen,
Der kam mit einem feldgeschrei
Durch den wald gezogen herbei. –
Die weiber aber und die kind
Und ander werlos hausgesind
Hielten daheim gebet und klagen,
[10]
Als wolten sie für leid verzagen.
Denn solt man der erden nicht weren,
Und sie on hinderniß geberen,
Wie denn geschehn für alten jaren,
Als sie ehemals berichtet waren:
Würd on zweifel kommen ins land
Ein unüberwindlich gigant,
Der mit dem kopf die wolken reicht,
Der keiner macht aus furcht entweicht,
Der alles vieh und menschen freß
Und ihr land gar allein beseß;
Wie die hünen, die großen leut,
Getan hetten für dieser zeit,
Welcher tochter baur, pferd und wagen
Hett im schurztuch mit heim getragen,
Ihrer mutter für würm gezeigt,
Damit sie spielen wolt zur freud.
Dem müst man bei der zeit vorkommen,
Ehe denn es überhand genommen,
Und das kind totschlagen noch jung,
Sobald es aus dem berg entsprung. –
Also belagrten sie den berg
Und warten auf das wunderwerk.
Es ward aber der klügste narr
On gefer sonderlich gewar,
Das der berg hat ein rißlein schmal,
An einem ort unten im tal
Von regenwasser ausgeflößt,
Wenn das von oben abwerts stößt.
Da, meinten sie, würde geschwind
Heraus brechen das riesenkind
Und seiner brüder etlich mer,
Umsonst der berg so dick nicht wer.
Dafür wurden die besten held
In guter ordenung bestellt,
Und hielten in der langen gassen,
[11]
Die kinder tapfer anzufassen
Mit mistgabeln, bratspießen, flegeln,
Zaunstecken, axten und holzschlegeln.
Die andern sollen halten wacht,
Das sichs nicht anders wo raus macht.
Und wenns denn kem mit einem lauf,
Solten sie tapfer dreschen drauf,
So könt man das mit salz einmachen,
Gegen dem feuer dürren und bachen
Und in den kirchturn dies mirakel
Setzen zu eim wunderspectakel,
Die namen verzeichnen daneben,
Welch ihm hetten gute gegeben.
Ein jeder wolt da tun das best,
Biß die zeen, faßt sein gewer fest,
Spieg in die faust und strich den bart,
Ruspert, rulzt, brumt nach berenart,
Stampft mit den füßen als ein pferd;
Der handel war der mühe wol wert.
Etlichen entfiel auch der mut,
Meinten, die flucht wer wol so gut;
Behieltn darum ein fuß dahinden;
Wo sich die gfar ja würde finden,
Wolten sie eilend davonspringen
Und die erste zeitung heimbringen. –
Wie sie nun alle stille stunden
Und etwas rauscht in berges schrunden,
Als wenn ein eidechs sich bewegt,
Im kraut dürre baumbletter regt,
Oder von einer alten wand
Bei der nacht sonst reiset der sand
Und argwonige leut erschreckt,
Als ob ein gspenst dahinten steckt,
Entfiel ihn bald der große mut,
Die har kribbelten unterm hut,
Die kelt über den leib aufrückt,
Das sich die zung am gaumen drückt,
[12]
Die hosen anfiengen zu stinken,
Die bein zu zittern und zu hinken,
Als hetten sie den kalten seich,
Das sie sahen erschrecklich bleich
Und allen ein grauen ankam;
Einer sahe den andern an,
Ob er wolt laufen oder stehen,
Es würd nun an ein treffen gehen,
Es würd das wunderspiel sich machen,
Jeder solt acht haben der sachen,
Itz drüng der groß gigant heraus –
Da lief herfür ein kleine mans!
Der sie all anfiengen zu lachen,
Und wüsten darvon nichts zu machen,
On das sie wider zu haus kerten
Und die geschicht ihr kinder lerten;
Sprachen: Der berg wolt riesen hecken
Und bracht ein meuslein für die gecken. –
Solcher krieg werden viel gefürt,
Wo der gemein pöbel regiert
Und nicht zuvor die sach betracht,
Ehe denn er blinden lermen macht.
Was man denn so nerrisch anfangt,
Billig ein nerrisch end erlangt."
[13]
Das XV. capitel
[14] [13]Das XV. capitel.

Krieg one rat bringet großen schaden.


"Billig man abr got danken sol,
Wenn der handel geret so wol,
Das man seiner noch lachen kan
Und darf zum spot kein schaden han.
[13]
Wenn aber beide land und leut
Mit solchem unbedachten streit
In jammer und not wird gesetzt,
So wird das lachen teur zuletzt.
Als mit schaden für alten jaren
Die Pygmeuser auch wol erfaren.
Es sein aber Pygmeuserlein
Mantiers art, kleine leutelein,
Da keins größer und lenger wird,
Denn das kapskraut sein heupt auffürt.
Wie dieselben auf ihrer jagd
Mit vielen umstenden erfragt,
Das Hercules, der sieghaft held,
Genant heiland der ganzen welt,
In ihre land auch wer ankommen,
Und das er kein gefar vernommen,
Sich unterm baum gelegt in ruhe
Und schlief nach viel gehabter mühe,
Bedachten sie, weil dieser man
Allein den rum und er wolt han,
Das er all wundertier wolt dempfen,
Die wider alle menschen kempfen,
Die sonst niemand konte vertreiben:
So würd er sie nicht lassen bleiben.
Und kamen damit hergezogen
Mit ihren spießen und mit bogen
Etlich tausend der kleinen man,
Wie Heuschrecken gewonheit han,
Hercles zu töten mit listigkeit.
Weil er da schlief in sicherheit,
In jeder ermel ziehen recht
Sechs fenlein auserwelter knecht,
Zweimal so viel in busen farn,
In strümpfen bei die tausend warn,
Die andern krochen in das har,
Besatzten in so ganz und gar.
Noch kamen ihr gelaufen mer
Der zwerglein, ein ganzes heer,
[14]
Die machten sich an seine keul,
Die weg zu walzen in der eil,
Damit Hercles die nicht ergriff
Und den erschlüg, wer nicht entlief. –
Als nun ihr oberster heuptman
Mit einem pfeifen zeiget an,
Das man itzt solt den angriff tun,
Den großen riesen töten nun,
Sie auch den kampf mutig angiengen,
Zu stechen und schlagen anfiengen
Mit eim wundergeschrei und kecken,
Erwacht Hercules mit eim schrecken,
Wust aus den flöhen nichts zu machen,
Die zugleich auch riefen und stachen;
Wie er sich aber recht besann
Und die kleine menlein vernam,
Die von der keul mit großem haufen
Für schrecken anfiengen zu laufen,
Macht er den gesten kurze freud,
Strich nur mit der hand übers kleid
Und schüttet sie tot aus den mauen:
Welchs erbarmlich war anzuschauen,
Das sie wie blutdürstige mücken
Sich ließen so elend erdrücken.
Hercules auch lachende sprach:
Ist das nicht eine wundersach,
Das ihr werlose zwergelein
Nicht kont in ruhe und frieden sein,
Fürt euch selbst in elende not,
Erwelet fürs leben den tod,
Meint, das der adler mücken feht
Und Hercules sich mit euch schlegt?
Nimmermer er dasselbe tut,
Es ist im viel zu groß der mut.
Wenn ihr aber euern mutwillen
Und fürwitz an mir wolt erfüllen,
So nemet dies hin zur ausbeut
Und seid klüger zu ander zeit! –
[15]
Ich sehe, ihr habt ehemals gehort,
Wie man im krieg die leut ermord,
Wißt ihm aber kein gestalt zu geben;
So muß also euch gehen eben,
Wie es der merkatzen auch gieng,
Da sie das zimmerwerk anfieng,
Zog aus dem gespalten holz ein keil,
Wider einzuschlagen mit dem beil,
Wie denn zuvor der zimmerman
In ihrem beisein hat getan,
Und blieb in der kluft so behangen,
Ward unversehens am schwanz gefangen. –
So kamen der kleinen Pygmeuser
Ser wenig widr in ihre heuser,
Und lert sie erschrecklicher schad,
Das man kein krieg anfah on rat,
Wie der gemeine pöbel pflegt,
Der viel lermen on not erregt
Und den anfang nimmer betracht
Odr gnug zuvor sich gerüst macht,
Sondern wie das affenvolk tat,
Von einem statbau schloß ein rat
Und hat doch weder axt noch sege,
Damit sie das brechten zu wege.
So machen sies mit ihren kriegen,
Fahens bald an, lassens bald liegen,
Und wenn gleich auch die not herdringt,
Jederman zur gegenwer zwingt,
So folgen sie doch keinem rat;
Niemand auch das ansehen hat,
Das sie ihm wolten zu gefallen
Gute ordnung halten in allem,
Widr den feind bedechtig anziehen
Odr im notfal fürsichtig fliehen.
Es poltert alles über eim haufen
Wie sich die baurn in zechen raufen. –
[16]
Und geht, als wenn die Elb und Rhein
Mit den brücken nicht friedlich sein,
Das sie man und viehe überließen
One waten, schwimmen und fließen,
Dadurch ihr ansehen ward veracht,
Ein weg, als wers auf erdn gemacht;
Und riefen alle ackerpfützen
Zu hülf, ihre feinde zu trutzen.
Ziehn auch, wie geharnischte man,
Von eis ein ganzen kürisch an,
Stürmen damit trotzig die brücken
Und reißen ihren damm auf stücken,
Das sich der strom zu seit auslendet
Und von der rechten straß abwendet;
Auch viel davon im acker bleibt,
Da man stinkende seu hintreibt;
Da mancher fisch in trauren steht,
Bis ihm wasser und weid vergeht,
An der sonnenhitz wird vergessen,
Endlich auch von kraen gefressen.
Das heißt unordentlich krieg füren,
Sein vaterland und leut verlieren.
Wie jener baur sein haus anbrant,
Da er den fliegen die stet vergant
Und wolt sie mit stroflammen jagen;
Ward mit seim eigen schwert geschlagen.
Ein macht on rat fellt in der hast,
Zudrückt sich selbst mit ihrer last."
[17]
Das XVI. capitel
[18] [17]Das XVI. capitel.

Graukopf lobet ein regiment, darin ihr wenig der allerbesten die oberhand haben.


"Darum, sprach Graukopf, rat ich nicht,
Wie denn nach der leng ist bericht,
[17]
Das wir also den könig meiden
Und keinen oberherren leiden;
Das überall der gmeine man
Solt sein frei tun und lassen han,
Oder es wird uns auch geschehen
Wie es den fischen pflegt zu gehen,
Die sich aus der pfan wollen schwingen
Und damit in das feur abspringen;
Wie jener wolt der trüpf entgehen
Und kam in platzregen zu stehen.
Viel nützer ist die mittelstraß,
Das man kein tyrannen zulaß,
Die übermeßige freiheit
Auch nicht verfür gemeine leut.
Weil die tyrannen zu weit gehen,
Und gemeine leut nichts verstehen,
Nur mit der tür fallen ins haus,
Welchs beides übel geht hinaus;
Sondern das man den mittelstand
Mit fleiß ersuch im ganzen land,
Daraus die allrbesten erwel,
Ihnen das regiment befel,
So viel man dazu tüchtig acht,
Und geb ihnen ein gleiche macht,
Das einer on des andern rat
Und volwort nicht zu gebieten hat,
Und alles, was man schließ im reich,
In aller nam gescheh zugleich.
Das ist mein rat auf diesen fall,
Hoff, ihr solt mir beifallen all. –
Denn das ist je gewißlich war,
Die ursach ist on all gefar,
Das ja die allerbesten leut
Das best raten zu aller zeit,
Das fromme erbare regenten
Der bösheit steurn an allen enden,
Das gerechtigkeit den platz behalt,
Da die gerechten han gewalt.
[18]
Denn wie jeder geartet ist,
So ret und tut er jeder frist,
Und wies die herren stellen an,
So folgen auch die untertan;
Die reuter folgn ihrs obersten sitten,
Gleichwie sie nach der trummet ritten.
Dieweil aber kein weiser war,
Der es könt treffen immerdar
Und nicht einmal etwas anfieng,
Damit er ein torheit begieng,
Das ihm etwa mangelt bericht;
Oder kan den ausgang treffen nicht,
Darauf er sein rechnung gemacht,
Das übl geret, was wol bedacht;
Oder das ihn sein herz verfürt,
Wenn der affect die witz regiert,
Und nachmals sag, wenns ihm geraut:
Das hett ich warlich nicht getraut!
Wie denn kein weiser kopf gewesen,
Den nicht der narr hett überlesen.
So dient dazu auch dieser rat,
Der solch mittel dawider hat,
Das man einem das regiment
Nicht allein stellet in die hend,
Sondern von auserlesen mannen
Setzet eine anzal beisammen,
Das ander stets zuwider stehen
Denen, die zu weit wollen gehen,
Sie in guter ordnung behalten,
Lassen sich nicht vonander spalten;
Oder der gröste hauf denn schleust,
Obs gleich ihr wenigen verdreust.
Denn vormutlich ist dies das best,
Was ihm die meng gefallen leßt
[19]
Unter den allerbesten leuten;
Obgleich wenig feilen zu zeiten.
Weil zwei augen mer sehn denn eins,
Das sich im fried trenne ihr keins
Und auch in widerwertigkeit
Wider den feind teilen den streit,
Das einer hie, der ander dort
Schaden vorhüt an allem ort,
Ander daheim im regiment
Ihm auch reichen hülfliche hend,
Und also auch in diesen sachen
Viel hend ein leichte erbeit machen,
Die einr allein nicht mag erheben.
Kein bessern rat weiß ich zu geben. –
Und das ein solche policei
Für andern all die beste sei
Und über alle hoch zu preisen,
Darf man nicht weitleuftig beweisen,
Dieweil got selbst in dieser welt
Dies für die beste ordnung helt.
Denn als got von den elementen
Auch wolt eins setzen zum regenten
Unter den untersten naturen,
Vorzustehen uns creaturen,
Bedacht er zu derselben zeit
In seiner höhesten weisheit,
Es wer nicht gut, das eins allein
Mer denn ander solt mechtig sein.
Denn das feur würd alles verbrennen,
Das wasser alles überrennen,
Die erd alles ganz unterdrücken,
Der wind alles reißen auf stücken;
Darum solten sie in dem reich
Einer dem andern sein geleich,
Das die erd kont den winden weren,
Das wasser des feurs flam verzeren,
[20]
Dennoch die luft mit ihrem odem
Das wasser trüg samt dem erdbodem,
Und die drei wind und narung geben,
Das feur alles wermte zum leben;
Also getreu brüderschaft spielten,
Aller dinge wesen erhielten.
Wie die erfarung geben hat,
Das dies noch bleibet gottes rat
Und muß bleiben bis auf die stund,
Bis himmel und erd gehn zu grund. –
Wenn wir nun, als wir billig sollen,
Diesem exempel folgen wollen,
So welen wir, anstat der erd,
Welcher ernst man helt erenwert,
Die so fest auf die tugend halten
Und was gerümet ward bei den alten,
Das man die sonn ehe zurück brecht
Denn das man sie bereden möcht;
Für das wasser freundliche leut,
Die man erzürnt zu keiner Zeit,
Von welchen die kunst wird geert,
Die alle ding zum besten kert;
Anstatt des feurs manhafte held,
Denen kein mutwill wolgefellt,
Die nachdrücken mit ernsten strafen,
Wenn sonst kein mittel will rat schaffen;
Für luft aber und külen wind
Die wolberedte menner sind,
Die nicht allein den rat erquicken,
Alle sachen zur eintracht schicken,
Als wenn die sommerwindlein wehen,
Lieblich kelt in der hitz erregen,
Sondern können die ganz gemein
Auch bereden freundlich und fein,
Das sie gutwillig on beschwern
Ihren regenten folgen gern,
Oder den krieg mit macht anlaufen.
Der redener regiert den haufen. –
[21]
Wie dies alles solcher gestalt
In allen tiern wird vorgemalt;
Das heupt ist auf tugend beflissen
Und drauet mit bösem gewissen,
Das herz ist barmherzig und mild,
Der gall und leber hitz ser wild,
Die lung und zunge wol beredt:
Also ir regiment besteht.
Darum rat ich, man folge nur
Got und dem gesetz der natur,
Erwele weise fromme leut,
Die wol regiern und lange zeit."
[22]
Das dritte teil
Das I. capitel
Das I. capitel.

Das man in allen sachen auf den rechten brauch und nicht auf den misbrauch sehen solle.


"Der dritte frosch, fürst Wolgemut,
Hielt der bedenken keins für gut,
Riet ganz und gar das widerspiel,
Schoß auch nicht ser weit übers ziel;
Es hört ihn auch gern jederman,
Denn sein tun stund im tapfer an;
Ob gleich die andern zween von jaren
Noch wol ein gut teil elter waren;
Und fieng an zu reden mit fleiß
Von der sachen folgende weis:
Lieben herrn, ihr habt erfaren
Mancherlei ding vor alten jaren,
Drum hab ich von unsern ratschlagen
Euch vielerlei red hören sagen,
Die mir alsemtlich wolgefallen,
Und will nur kurz von denen allen
Mein einfeltig meinung erkleren,
Dieweil solchs die herren begeren,
[23]
Der ungezweifelten zuversicht,
Es werd die herrn beschweren nicht.
Denn so manch kopf, so mancher sinn,
So mancher mund, so manche stim.
Allein vernünftige weisheit
Bedenkt in alln den unterscheid.
Dahin ich denn mein red auch setz,
Das jeder sie, wie er will, schetz,
Daraus das nützlichste erwel,
Das regiment aufs best bestell. –
Ich les in den alten geschichten,
Darnach neu leut sich billig richten:
Als Prometheus, des Japhets son,
Das feur herab bracht von der sonn
Mit großer mühe und viel gefar
Und ließ es herfürleuchten klar,
Wolt zufallen ein wilder man
Und die schöne leuchtende flam
Aufs allerholdseligste grüßen,
Aus lieb und freud herzen und küssen.
Aber Prometheus ihn wegtriebe
Und riet, das er zurücke bliebe,
Odr es zündet an har und bart
Und blies ihm auf am kinn die schwart;
Wie auch der wilde man befand,
Das ihm maul und nasen verbrant,
Und flucht darum dem Prometheus
Allerlei unglück, plag und beuß,
Das er die böse list erdacht,
Solchs schön übel dem menschen bracht.
Aber Prometheus leret sein,
Das im feur kein übel kont sein.
Wenn man desselben, wie man solt,
Mit vernunft wol gebrauchen wolt,
Sondern unzelig nutzbarkeit
Beide zur notdurft und zur freud,
Wenn man mit seines lichtes schein
Durch alles finster sehe hinein;
[24]
Die hitz auch werm, und speis bereit,
Fordert alle kunst und erbeit.
Mir kamen gleich im sinn die wort,
Da ich euer reden anhort,
Von übelstand der policei,
Bei welcher stets zu fürchten sei
So viel unglück, so wenig frommen,
Wenn ein misbrauch dazu solt kommen.
Denn ob man wol in allen sachen
Alzeit soll ein vergleichung machen,
Was guts und bös wer zu bedenken,
Wenn sichs zur link odr recht solt lenken,
Das man dest ehe das best könt sehen,
Wenn gut und bös beinander stehen;
Was du tun wilt, tue mit bedacht,
Und den ausgang zuvor betracht.
Dennoch sol man auch den misbrauch
Nicht aufmutzen so wild und rauch,
Das man des rechten gbrauchs vergeß,
Odr ihm gar zu wenig zumeß.
Denn es bleibt jeder ordnung schlecht,
Man tu ihr auch ihr eigen recht,
Wie sie gemeint ward von den allen,
Die sie ihnen lassen gefallen.
So sind sie alle nütz und gut;
Wer sie schendet, ser übel tut.
Wenn jeder lebet in freiheit,
Und die ganze gemein alzeit
Mit gemeinem rat alles macht,
Es ist ser gut und wolbedacht.
Viel land und stet dasselbe taten,
Und ist ihnen ser wol geraten,
Das bei ihnen tugend und ler
Fast allein fand ihrn schutz und er.
Wenn auch wenig der besten man
Des regiments sich nemen an
Und alles mit vernunft regieren,
Es muß jeder den vorteil spüren.
[25]
So lang Rom, die berümte stat,
Auf diese weis auch riet und tat,
Warn tun und lassen wol bestellt,
Sie ward mechtig der ganzen welt.
Also auch wenn ein könig wer
Ueber ander allein ein herr
Und sie regieret recht und wol,
Billig das jeder rümen sol;
Aber wenn diese all sein gut
Und keines von ihn übel tut,
So laß ich mir unter den allen
Das königreich besser gefallen,
Und hoff euch allen zu beweisen,
Das man dies für andern sol preisen."
[26]
Das II. capitel
[27] [26]Das II. capitel.

Das der welt himmelisch regiment ein königreich sei.


"Denn das Graukopf hat angezogen
Von elementen, ist nicht erlogen:
Es will got nicht, das eins regier,
Sondern geselligen stand für.
Das er aber die elementen
Uns allen setzet zu regenten,
Will sie für weltherren ansehen,
Kan ich aus die weis nicht verstehen,
Weil ichs von sterneweisen leuten
Gar viel anders hab hören deuten.
Ich halt sie mer für untersassen,
Die ander sich regieren lassen
Und darum ihre sondre gaben
Also fein unterschieden haben,
Das eins dem andern dienen kan,
Mit geselliger hülf beistan.
Denn got in dieser großen welt
[26]
Die gewonheit sonderlich helt,
Das, was dem einen teil gebrist,
Gar reichlich an dem andern ist,
Damit eins dürf des andern hand,
Der ander auch gern leist beistand;
Wie der blinde den lamen trug,
Sich beid also nerten mit fug
Und so fein an einander blieben,
Selber sich nicht jagten und trieben.
Wie an elementen zu sehen,
Die darum eintrechtig bestehen
Und sich nach gottes gewalt richten,
Sein untertan des himmelslichten. –
Wie man spüren kan sonderlich,
Das der wandelbar mond wunderlich
Ueber die element regiert,
Die er dem mond billig gebürt.
Wenn er zunimt, so wechsets all,
Wenn er abnimt, wirds dürr und schmal;
Wenn er von dem umkreis der erd
Sich wendet nach dem mittag wert,
So steigt gegn west das wasser wider,
Wenn er abgeht, so schwindets nider;
Er macht blitz, donner, regen, wind,
Wie ein hausmutter im gesind.
Jedoch kann er in diesen allen
Nichts machen nach seinem gefallen,
Sondern muß noch seine mitherren,
Die sechs planeten, dienstlich eren.
Insonderheit die schöne sonn,
Der sie alle sind untertan,
Weil sie mit ihres lichtes glanz
Allein den himmel füllet ganz;
Nach der richten sie ihren gang
Für sich, zurück, kurz oder lang.
Der morgenstern und der Mercur
[27]
Gehen der sonnen nach und für
In ihrem zirkel, der nicht weicht,
Sondern nahe um die sonn herstreicht,
Als die geheime kammerret,
So bei dem könig halten stet.
Der kalt Saturn und Jupiter,
Der feurig Mars mit seim gewer,
So auch in ihres zirkels mitt
Die sonn haben in dem vorritt,
Wenn sie in ihrem lauf vernommen,
Das die sonn zu ihn wil ankommen,
Treten sie gar weit aus dem weg
Und reumen ihr all weg und steg,
Folgen hernach mit zum geleit,
Nemen mit stilstand den abscheid
Und gehn zurück in ihren tron,
Bis gegenüber steht die sonn,
Der sie widrum ihr er erzeigen,
Sich untertenig für sie neigen
Und zum tiefsten sich niderlassen;
Machen sich denn auf die heerstraßen,
Da ihn die sonn entgegen kem
Und von ihnen das gleit annem,
Sich durch ihr gebiet ließ hinfüren.
Sie wollen öfnen tor und türen,
Bis sie widrum traben vornan,
Füren ihren könig hinan
In ihres gebiets losament:
Das ist ihr ewigs regiment,
Soweit das unser augen sehen.
Viel mer ist, das wir nicht verstehen.
Daneben sind die andern stern
Als bauren, bürger und jungherrn,
Als verachte oder geerte,
Als unwissend oder gelerte,
Wie denn fünfzehn sind schön und groß,
Beinah an der planeten moß,
[28]
Fünf und vierzig der nechsten art,
Da immer einer kleiner ward,
Denn sonst andre sind zu besehen,
Bis sie dem gesicht gar entgehen.
Jedoch hat dies sternregiment
Damit nicht sein volkommen end,
Sondern es ist über die stern
Ein regent gsetzt hoch und fern,
Der sie und die planeten all
Herum füret zu einem mal,
Vom morgen an bis hin zum abend,
Ungeachtet ihr wider trabend,
Damit in vier und zwanzig stunden
Nicht allein das oberst kem unten,
Sondern die ganz kugel sich wend
Und bei dem anfang nem ihr end,
Und das on alle ru und stand,
Wie solchs geordnet gottes hand.
Denn got ist überall ein herr,
Got allein gebüret die er,
Das er regiere gar allein,
Ihm muß alles gehorsam sein,
Seinen ganz almechtigen willen
Müssen all creatur erfüllen.
Wie der kirchner sein uhr anstellt,
So regiert er die ganze welt:
Der himmel geht wie ers will han,
Sein wirkung ist ihm untertan,
Er tut freiwillig was er will
Und greift, so oft er will, ins spiel.
Was er erhelt, das bleibt bestehen,
Was er nicht helt, das muß vergehen."
[29]
Das III. capitel
Das III. capitel.

Das auch im lebendigen leibe ein könig regiere.


"Was wollen abr wir wasserleut
Forschen des himmels heimlichkeit?
In uns selbst muß alles so gehen
Wie wir an eim königreich sehen.
Denn in der kindheit hab ich kant
Ein kleins mantier, Philips Melanth,
Das pflag sein schüler auszufüren,
Alhie an unserm see spazieren,
Nach der kreuter namen zu fragen
Und den von weisheit viel zu sagen.
Und wir saßen in unser ru
Und hörten stilschweigend mit zu,
Damit nicht, die um ihn hergiengen,
Uns mit eim spitzen tolch empfiengen.
Das sprach: Unser leib ist geleich
Eim wolbestallten königreich:
Im heupt der könig selbst hof helt,
Das regiment weislich bestellt;
Im herzen wonet sein gemal,
Hat die haushaltung überall,
Jedoch dem könig, ihrem herrn,
Muß sie gehorchn, ihn lieben, eren;
Im bauch küchen und keller sein,
So den leib neren oder halten rein;
Und muß alles ördentlich gehen,
Wie wir in regimenten sehen.
Erstlich hat got verordnet fein,
Das fünf hurtige diener sein,
So zu hof einbringen bericht
Was sonst auch außerhalb geschicht.
Deren jeder hat seine man,
Die ihm all sachen zeigen an.
[30]
Der erst hofdiener ists gesicht,
Nimt von den augen alln bericht;
Der ander aber das gehör,
Bestellt auf jeder seit ein or;
Der dritt das riechen in der nas;
Der viert der gschmack der zungen was;
Der fünft seinem fülen vertraut
Und wonet in der ganzen haut.
Dies fünf schicken ihr postbrief aus
Hinter der stirn ins königs haus.
Daselbst der algemein verstand
Die brief besonders nimt zur hand,
Als des königreichs großcanzler,
Und lesset gehn was nicht ist schwer;
Ist aber an der sach gelegen,
Das man sie ferner sol bewegen,
So warten auf zween edle knaben,
So kammerschreiber emter haben;
Die Gedanken, so ist ihr nam,
Einer heißt Witz, der ander Wan.
Witz merkt mit fleiß was da geschicht
Und was ihm der canzler bericht;
Lieset den brief und denkt ihm nach,
Ob gut sei oder bös die sach,
Ob sie den sinnen sei bequem
Oder etwa unangenem,
Und helt durchaus nichts für warheit,
Es zeugs denn die erfarenheit.
Der Wan aber will klüger sein,
Fantasiert künstlich und fein,
Was ferner daraus zu verstehen,
Das der Witz zuvor hat gesehen,
Was man in unbekanten sachen
Billig solt für nachdenken machen.
Wenn im keller kömt das gesicht
Und kan im finstern sehen nicht,
Und der canzler dasselbig sagt,
So glaubts Witz und nicht weiter fragt.
[31]
Wan aber lests dabei nicht bleiben,
Sondern muß auch malen und schreiben,
Was für gespenst im keller sein,
Wie man stürzt in die grub hinein.
Ja wie die hell also gestalt,
Wie greulich man die teufel malt;
Wie man im schlaf mancherlei sehe,
Das wir tun oder uns geschehe,
Das der Witz oft nicht wissen kan,
Ob etwas warheit sei daran,
Odr sei schlecht ein lauter gedicht,
Davon sonst kein sinn gab bericht.
Wenn auch das heupt schwachheit bekümt,
So das der Witz sein abscheid nimt,
Der Wan allein regiert die sachen,
So muß man seiner torheit lachen. –
Also sind sie wol unterscheiden,
Aber doch einig in den beiden,
Das sie dem herzen offenbaren
Was sie erdacht oder erfaren,
Sagn auch ihr gutdünken dabei,
Ob es nütz oder schedlich sei.
Darauf das herz sich bald erregt,
Alls blut und luft im leib bewegt,
Und wenn ihm was guts widerferet,
Gegenwertig odr künftig erkleret,
So tut sichs auf wie eine ros,
Da morgentau mit werm einfloß,
Will, was da ist, in freud empfangen,
Das künftig mit hofnung erlangen.
Als der magnet nach eisen kreucht
Und seine spitz nach mittag reicht.
Ists bös, so schleust sichs und will weichen,
Furchtsam aller gefar entschleichen.
Als die bienen, wenn man sie zwingt,
Mit bitterm rauch vom honig dringt.
[32]
Dem herzen folgt auch jedes glied,
Ist frölich oder traurig mit. –
Darnach halten die schreiber auch
Ihres königreichs alten brauch,
Verzeichnen diese sachen all
In des königs memorial
Mit bilden und nicht mit buchstaben;
Und was sie schlecht entworfen haben,
Nicht fleißig und scharf ingrossieret
Und nach der leng illuminieret,
Verleschet daraus mit der zeit,
Das ander bleibt in ewigkeit. –
Wenn nun dies alles ist geschehen,
Muß die vernunft ferner zusehen,
Als des königs vertrauter rat,
Was die schrift für bedeutung hat,
Ob sie nur red von ler und kunst
Odr von rat, tat, feindschaft und gunst.
Damit aber sie auch nicht fel,
Das ungewiß für das gewiß erwel,
Hat ihr der könig ein maß geben,
Die bilder zu visieren eben,
Einen triangel recht dreieckt,
Vom besten gold künstlich gezweckt.
Wie die werkleut mit winkeleisen
Ihr arbeiter sonst unterweisen,
So reformiert sie die gedanken,
Das sie nicht mer unrichtig wanken:
Betrifts kunst, wissenschaft, weisheit,
Sucht sie die prob bei der warheit;
Betrifts aber rat, tun und lassen,
So sucht sie gleichfals aller maßen,
Obs auch erfordert not und er,
Obs möglich und auch nützlich wer,
[33]
Sagt den gedanken ihr urteil;
Die schreibens auch mit allem heil
In vorgenants memorial,
Verkündigens dem herzen all. –
Denn schleußt der hofmeister, der wille,
Ob er fort wöll odr halten stille,
Der vernunft folgn oder dem herzen,
Einen ernst brauchen oder scherzen.
Bis das zuletzt der könig kümt
Und sich des regiments annimt,
Das gemüt odr mens, wie ers nant
Und für des menschen seel erkant.
Denn wie die sonn erleucht die sternen,
Wie got die seel anblickt von fernen,
So setzt Mens der vernunft sein licht,
Darnach sie die abmessung richt,
Leret, was got und tugend sei,
Und was für belonung dabei;
Wie auch untugend tausendfacht
Gestrafet werd durch gottes macht;
Ret, das der will das gute faß
Und, was nicht gut ist, bleiben laß.
Folgt vernunft gdanken, will und herz
Und ander glieder unterwerts,
So macht sie die voll trost und freud,
Voll guter hofnung allezeit,
Das sie in lieb und freundschaft leben,
In eitel freud und wollust schweben
Und fürchten weder feind noch not,
Behalten trost mitten im tod. –
Das war die red, so der Melanth
Sein schüler leret am weißen sand.
Also regiert die seel den leib
Und macht, das er bei leben bleib. –
So ist auf erden und bei sternen,
Bei den nechsten und bei den fernen,
Von der welt anfang bis zum end
Durchaus kein ander regiment,
[34]
Denn das ein könig alle sachen
Mag durchaus seines gefallens machen,
Got in gemein, darnach die stern,
Welche der sonn gehorchen gern.
Wie die elmenten dem mon,
Muß die seel dem leibe fürston
Und alles mit vernunft regiern
Beide bei menschen und bei tiern,
Obgleich sonst bleibt zu aller zeit
Zwischen jedem sein unterscheid."
[35]
Das IV. capitel
[36] [35]Das IV. capitel.

Das der elementen und der glieder regiment im leibe one könig unbestendig sei.


"Wenn aber nur die elementen
Bleiben solten der welt regenten,
On furcht einiges oberherren,
So würd ihr friede nicht lange weren,
Eins würde das ander verjagen.
Wie ich denn oftmals hören sagen.
Das ehemals das wassr alle land
Mit einer sintflut überrant,
Alles ertrenket one gnad,
Was sein odem im trucken hat;
Das feur hat auch zu jeder zeit
Mit brand gemacht viel arme leut;
Der wind erseuft viel schiff und gut,
On was vergifte lust noch tut;
Der erdbodem zittert und bebt,
Frißt und erstickt alles was lebt.
Daher die reim ihn Cerber nennen,
Für ein höllischen hund erkennen,
Der mit drein meulern alles verzer,
Was in der welt drein landen wer,
[35]
Europ, Afrika, Asia,
Vom mer bis hinter India. –
Wie denn dergleichen auch geschicht,
Wo der will der seeln folget nicht,
Zeucht sich von got zur erd herab,
Vom licht zur finsterniß ins grab.
Als wenn der mon so niedrig stehet,
Das ihm der sonnen licht entgehet,
Will seins gefallens für sich leben,
Auf des gemüts warnung nichts geben,
Sondern bleiben sein eigen man,
Gehorcht allein dem falschen Wan
Und reizt das herz, das auch mit wagt,
Nach seel und gemüt gar nichts fragt,
Sondrn folgt der sinn lust und begier
Gleich als ein unvernünftig tier,
Lesset sich die augen verfüren
Auf geld, auf hoffart, wollust, huren,
Vergisset aller gütigkeit,
Brumt von zorn und rachgierigkeit,
Treibt die zung, zu lestern und schenden,
Mordet freventlich mit den henden,
Wütet wie ein rasender hund:
So wird das gewissen verwundt. –
Vernunft und will merkt sein unrecht,
Weil sie das gmüt veracht so schlecht;
Das gmüt versagt ihn trost und licht,
Wie dem mon in finsterniß geschicht.
Und wie got selbst, der auf sie scheint,
Des ungerechten verderb meint:
Also das gmüt ernstlich verdamt
Vernunft, gedankn, will, herz alsamt,
Die sich darauf nagen und plagen,
An got und creatur verzagen,
Bis endlich leib und lebn verschmacht,
Das heißt, das königreich veracht. –
Und dies pflegt der ausgang zu sein,
Wenn ihr wenig aus der gemein
Allein haben das regiment,
Wenn es steht in der weisen hend;
Denn weil jeder unter ihn allen
[36]
Der ganzen gemein will gefallen
Und derhalben kein fleiß noch gab
Dran spart, das er den vorzug hab,
So entsteht bald heimlicher neid,
Der die herzen vonander schneidt
Und den andern nichts gut leßt sein,
Es nütz oder schade der gemein;
Endlich öffentliche feindschaft.
Das giebt denn allen sachen kraft,
Lert, das man sich muß wol vorsehen
Für den, so nechst bei uns gehen,
Das sie uns nicht die fers abtreten;
Die abwesnden es nimmer teten. –
Der ernste man will ganz nicht weichen
Und sich mit ihr keinem vergleichen;
Weil er recht habe und es gut mein,
Soll auch sein rat der beste sein,
Meint, wenn die ufer, berg und land,
So bei der see liegen am rand,
Dem wind und wasser wolten weichen,
Würd das salzwasser gar einschleichen,
Wider ein neue sintflut werden,
Kein baum, kraut, tier bleiben auf erden.
Es muß auch sein bestendigkeit,
Sonst folgt eitel unrichtigkeit.
Ja, er wolt, das, die für ihm waren,
Nichts gewußt hetten, nichts erfaren,
Was guts geraten nimmermer,
Das er allein het rum und er:
Er wer klug, getreu und gerecht,
Sein rat allein all wolfart brecht. –
Der gelinde leßt alles gehen,
Wil still sein und dem spiel zusehen,
Die glimpf fein suchen mit nachgeben,
Liegen lassen was er nicht kan heben;
Gedenkt, das sei der beste rat,
[37]
Der bei sein bürgern findet stat:
Was sie nicht wolln, das geb er zu,
Seim vaterland zu lieb und ru.
Denn wie er sein vater nicht schlag,
Wenn der nach gutem rat nicht frag,
Wöll er auch wegen rechter sachen
Seim vaterland kein unruhe machen.
Gedenkt, es sei ihm auch zu raten
Was zwo kluge ziegengeis taten:
Denn wie eine sahe die ander stehen,
Wolt zu ihr übers wassr gehen
Auf einem langen schmalen steg,
Die andr begegnt auf halben weg,
Das sie im mittel mit den füßen,
Mit stirn und horn zusammenstießen
Und gar nicht konten ferner kommen,
Hettn gern ihrn gang zurückgenommen,
Sich auf der hinterfüße stand
Wie ein cirkel rund umgewandt,
Wenn nicht das wassr, so in der tief
Mit erschrecklichem brausen lief,
Und der schmale steg sie erschreckt,
Zittrn und schwindel bei ihn erweckt,
Das sie fürchten, sie würden fallen,
An den felsen auf stücken prallen
Oder im tiefen grund ersaufen,
Tot mit dem strom bergunter laufen;
Darum legt ein sich auf den steg,
Das die ander stieg überweg,
Ein jede also der gfar entschlich,
Dieweil eine der andern wich.
Das ror bleibt mit seinem nachgeben,
Der baum stürzt mit seim widerstreben:
Also tut auch der glinde man,
Wenn guter rat nicht gelten kan,
Meint, der ist weis und wolgelert,
Der alle ding zum besten kert.
[38]
Sei nicht zu klug und nicht zu grecht,
Spricht Salomon, so tust du recht. –
Der zornige will alles wagen
Und mit der faust in haufen schlagen
Und, was er recht zu sein erkent,
Fortsetzen und bringen zum end,
Solts gleich allen menschen verdrießen
Und das kind mit dem bad ausgießen.
Das eisen würd nimmer gefüg,
Wenn nicht ein eisen das ander schlüg;
Kein feur würd auch auf erden sein,
Schlüg nicht der stal den kieselstein.
Der muß fest stehn und muß es wagen,
Der endlich will den sieg wegtragen. –
Der redner will alle regieren
Und mit seim mund die herzen füren;
Und wie die wind stürmen ein schiff,
Bis sies umstürzen in die tief,
So reißt und wirft er alles nider,
Was er meint, das sei ihm zuwider,
Und sucht mit dienst, mit list und kunst
Des algemeinen völklins gunst;
Will mit der meng seinen feind schrecken,
Seins gefallens in den sack stecken,
Bis das man aufbringet die leut
Zu öffentlichem krieg und streit
Und einer die andern verdrückt,
Zu sich allein die herschaft rückt
Und denn anricht ein königreich;
Sonst ist kein rat, der sie vergleich. –
Und wenn gleich auch durch gottes gnad
Fest bleibt der weisen reich und rat,
Muß doch einer sein unter allen,
Dem die andern tun zu gefallen,
Was sein bedenken ist und will,
Für dem jederman schweiget still,
[39]
Dem jeder folgt in kriegesnot,
Es gelt zum leben oder tod,
Es sei fürst, adel, bürger, rat,
Odr ein ander ders ansehn hat;
Als ehe gieng zu Athen und Rom,
Sonst ist er umsonst weis und from.
Ansehn aber ist gottes gabe:
Wer das nicht hat, der zeugt schal abe
Und muß sein ordnung und gebot
Bleiben lassen der andern spot,
Werens gleich solche billige sachen,
Die kein engel könt besser machen. –
Eben also pflegts auch zu gan,
Wo mit regieret Alleman
Und gleich viel gilt eins jeden rat.
Im reich, das ser viel fürsten hat,
Da kochen viel köch selten gut,
Die bösheit fasset großen mut,
Vermeint, frei hindurch zu kommen
Mit allem, das sie vorgenommen;
Nicht mit neid und dem lestermund,
Sondern mit freundschaft und mit bund,
Den sie mit ihren rotgesellen
Andern zum schaden fein anstellen,
Und tun alles was ihn gelüst,
Reumen weg das ihn wider ist.
Da ist zuletzt kein mittel drein,
Sol das regiment sicher sein
Und nicht zur mördergruben werden
Oder sonst kommen in beschwerden,
Denn das kom ein Nimrodisch man,
Der die aufrürer zwingen kan,
Den die gemein willig will eren,
Ihm folgen als ihrem schutzherren.
Wies den meusen gieng solcher gstalt
In Thüringen, Harz und Schwarzwald,
[40]
Als sie die jungherrn wolten schlagen,
Alle fürsten zum land ausjagen,
Den fröschen in Ditmarser land,
Als zwiespalt sie verblendt und trant.
So nimt denn auch solch regiment
Mit einem königreich sein end."
[41]
Das V. capitel
[42] [41]Das V. capitel.

Das eines königes regiment das allerbeste sei.


"Darum sag ich ganz wol bedacht,
Wann mans aufs allerbeste macht,
Es ist nicht gut, das viel regieren,
Die kron soll einer allein füren,
Dem got selber und weise leut
Gönnen die hohe obrigkeit,
Der immer bleib, deß regiment
Nicht nem mit jedem jar sein end,
Das er wider muß treten abe,
Ehe denn er recht gelernet habe,
Wie er soll vorstehen den sachen
Und denn die folgenden anders machen,
Was er zuvor wol angefangen
Oder lassens schimpflich hinhangen;
Der nicht auf viehe, ecker und handel
Richte sein vornem, tun und wandel,
Beim regiment unfleißig wach
Als eine fremde nebensach,
Der nicht sehe auf sein mitgesellen,
Das sie alles on ihn bestellen.
Wollen sies abr nicht machen recht,
Sei er auch niemands notknecht;
Sondern ders selbst nem in die hand,
Tracht tag und nacht, bis er rat fand,
Dieweil des reichs schaden und frommen
Ihm vornemlich auch würde heimkommen;
[41]
Der nicht einer eins andern er,
Weil er doch bleibt der oberst herr,
Sondern vielmer mit fleiß betracht,
Das er die er und edel macht,
So mit tugend, manheit, rat, leren
Ihm und dem land dienen zun eren.
Deß sich denn freuet jederman,
Versucht, was er vermag und kan,
Damit er auch etwas anfang,
Dadurch erforderung erlang,
Geeret werd nach stand und gaben,
Nicht bleib im misthaufen begraben,
Oder von andern werd veracht,
Das manchen fleißigen faul macht.
Fromm sein und kunstreich one dank,
Macht verdrossen, zornig und krank.
Und wenn das gleich alles nicht wer,
Ist doch sonst bequemer ein herr.
Viel besser ists, eines allein
Denn vieler herren diener sein:
Einem kan man leichter gefallen
Denn im haufen sonst ihnen allen;
Einen kan man ehe machen reich
Denn sonst viel regenten zugleich;
Einer kan leichter finden rat;
Es geht auch viel besser von stat,
Wenn man eim feind sol widerstehen,
Denn wenn man soll auf andre sehen,
Die noch gar weit sein abgesessen,
Die sachen nach der leng abmessen,
Da einer hie, der andre dort
Hinaus will, und kömt keiner fort,
Bis der vorteil all wird verloren
Und man ihn sucht hinter den oren;
Der feind aber sein bestes tut
[42]
Und bringet uns um leib und gut. –
Solcher herr soll dem Beißkopf sagen,
Das er keins königs kron soll tragen,
Sondern seiner ler wol abwarten,
Wie gebürt geistlichen gelarten;
Er sol bestelln im land und stat
Heupt und amtleut, richter und rat
Und strafen, die ihr amt verwalten
Nicht wie sichs gebürt, getreulich halten;
Und versehe er denn gleich ein ding,
Das nicht alles, wie es solt, gieng,
So muß man auch haben geduld,
Weil keiner lebet one schuld,
Weil niemand je so gar recht tut,
Das jederman hielt wert und gut.
Allgnug ists, wenn man das mag spüren,
Das er alzeit will recht regieren
Und auch gemeinlich also tut,
Ob er gleich nicht macht alles gut
Und wies dem klügling will gefallen,
Der selbst der schlimst ist unter allen.
Denn mancher schauet das spiel mit an
Und verlachet nur jederman,
Das sie so wenig kegel schießen;
Wenn sie ihm einen wurf zuließen,
All neun wolt er auf einmal fellen.
Soll ers aber selbst ins werk stellen,
So wirft er fern vom ganzen platz
Und macht keinen neuen aufsatz.
Man gedenk, got hab auch sein ursach,
Warum er nicht bald enderung mach,
Ost raum laß der herren mutwillen,
Bis er will stürzen oder stillen;
Denn got setzt könig ein und abe,
Es ist gottes straf oder gabe. –
Jedoch tet man nicht unbedacht,
[43]
Wenn man ein solche ordnung macht,
Das der könig auf seinem eid,
Wenn er annem die obrigkeit,
Zusagen müst, das ganze reich,
Hohen und nidrigen stand zugleich,
Frei zu lassen und zu beschützen
Wider aller parteien trützen
Bei der heiligen religion,
Bei recht und gerechtigkeit fron,
Und das er selber auch gedecht,
Zu leben nach beschrieben recht
Und keinen heuptkrieg anzufangen,
Nach keiner neurung zu verlangen
On vorwissen und mit belieben
Der vornemsten reichsfürsten sieben,
Die ihm macht einzureden hetten,
Auf den notfal bei ihm zu treten,
Wider die tyrannen zu befelen,
Sie zu entsetzn, andre zu welen. –
So würden wir nach allen willen
Unsr dreifacht bedenken erfüllen.
Denn erstlich blieb zu jeder zeit
Unser allerliebste freiheit,
Die durchaus kein ordnung annem,
On die vom ganzen reich herkem.
Es würde auch das regiment
Gestellt in wenig fürsten hend,
Die on zweifel für ihre land
Das best rieten, das ihn bekant.
Letzlich regieret auf einmal
Der könig allein überall,
Das, wann grafen, fürsten und herrn
Den untertan widerlich wern,
Der könig sie scheidet mit recht,
Schützet den herren und den knecht.
Wenn der könig auch tyrannei
Ueben wolt seins gefallens frei,
[44]
Das die fürsten denn auf ihn dringen,
Mit seinem eid zum rechten zwingen.
Und wie sonst an der festen ketten
Die ring fein in einander treten,
Das einr den andern zeucht und helt
Und keiner vom andern entfellt,
So ist ein stand des andern schutz
Und bleibt allen feinden zu trutz."
[45]
Das VI. capitel
[46] [45]Das VI. capitel.

Das man einem könige billig tribut gibt.


"Ist denn also ein tapfer held
Zu einem könig wol erwelt,
Der nun beide mit rat und tat
Regieren soll übr land und stat
Und one furcht und unverzagt
Recht helfen soll allem der klagt,
Was des unschuldign widerstand
Auch darüber nem für die hand,
Das sein spruch unverendert bleib,
Das er den schalk zum ghorsam treib:
So bedarf er auch sicherheit,
Damit ihm niemand tue ein leid,
Bedarf viel rat, schreiber, amtleut,
Ja hülf und beistand jeder zeit
Zum trost der freund, zum trotz der feind,
Zur endschaft des, was er gemeint.
Denen sol jederman auch geben,
Davon sie und die ihren leben
Und mit willen, on billigs klagen
Ihrs amts gefar und erbeit tragen,
Dazu kein löffel waschen könt,
Der ihnen er und sold vergönt.
Wie der, den man nicht brauchen kan,
Gemeinlich schendt ein nützen man.
[45]
Als die raup alls beschmeißt odr frißt
Und selbst nirgend zu dienstlich ist. –
Er muß auch haben sein ansehen,
Nicht wie ein Lappenheuser gehen,
Sondern zu unser aller er
In allem haben etwas mer
In seines standes herlichkeit,
Beide an wonung und am kleid,
Denn sonst ein geringe person,
Die ihm billig ist unterton.
Wie es denn selbst die tier so gmacht,
Das der regent füret sein pracht,
Das die menlein pfau und haushan
Von gold und farben zierlich gan,
Mer denn die weiblein und gesind,
Das sich im unterstande findt.
Und wer helt sein heupt nicht viel bieder
Denn seine füß und andre glieder? –
Er muß auch bei der sorgen last
Haben sein kurzweil, ru und rast
Mit federspiel, hetzen und jagen,
Die nicht allein der küch zutragen,
Die straßn von wolfen, bern und leuen,
Von reubern und mördern befreien,
Dem hofgesind die faulheit weren
Und krieges erbeit dulden leren;
Sondern frommen dem ganzen leib,
Das er frölich sein erbeit treib,
Lange stark bleib und wolgestalt
Und werde one krankheit alt.
Sie vertreibt auch manchen unmut,
Der sonst die sach nicht machet gut.
Darum jagen, das sein maß helt,
Gerümet ward von aller welt. –
[46]
Desgleichen will der könig auch
Haben sein königlichen brauch,
Wann er nichts sparen kan zun eren
In geselschaft bei andern herren
Mit gschenk und gebürlicher pracht,
Dadurch oft freundschaft wird gemacht,
Widrwill versönet, fried erhalten,
Als Salomon tat bei den alten.
Da sonst der herren krieg und acht
Mer auffreß hunderttausendfacht,
Und der untertan gut und blut
Verraten würd, das weher tut.
Der pfennig ist wol ausgegeben,
Dafür erkauft ward fried und leben. –
Zu den: allen muß nicht allein
Ein statliche besoldung sein,
Sondern besonder übermaß,
Darauf man sich zur not verlaß
Und da man auch zugreifen kan,
Wenn man ein krieg muß fangen an.
Es muß da sein, es gelt auch gleich,
Es geb dazu arm oder reich.
Man weiß doch wol, das arme leut
Das wenigst geben jeder zeit,
Nichts werben, nichts auf vorrat wenden,
Was sie haben, on nutz verschwenden,
Und dennoch immer rufen, schreien,
Die schatzung freß all ihr gedeien.
Der reiche muß das bad austragen
Und dazu leib und leben wagen,
Sonderlich der im mittelstand;
Dessen geneust das ganze land.
Wie man sonst aus dem bretspiel spricht:
Daus, eß hat nicht; seß, cink gibt nicht;
Die mitteln beid, quatuor, drei,
Müssen das beste tun dabei.
[47]
Bringt er denn gleich davon sein leben,
Darf nicht mer denn sein geld hingeben,
Bis der krieg ist durchaus vertragen,
So hat er doch allein zu klagen,
Das sein hab und gut ist hinweg.
Er sitzet da veracht im dreck;
Dem armen man ist nichts verdorben,
Hat noch wol besoldung erworben
Und braucht nun sein handwerk und handel,
Damit hat er wechsel und wandel,
Sein tun zu steigern wie er will,
Und acht der teuren zeit nicht viel.
Da sonst dem reichen were ein schand.
Das er verließe seinen stand,
Mit ander leut handel umgieng,
Ihnen das brot fürm maul auffieng.
Das muß man warlich auch betrachten,
Wolhabende nicht so verachten
Und gemeine leut so beklagen,
Das der arm man kein last solt tragen.
Der fuß muß treten dreck und stein,
Die hende arbeiten gar allein.
Augen und oren sitzen still,
Wenn der leib sein recht haben will."
[48]
Das VII. capitel
[49] [48]Das VII. capitel.

Das auch die bienen und ander tier ihren könig haben.


"Darum hab ich oftmals bedacht,
Wie got alles weislich gemacht,
Wie er uns hab ein ler gegeben,
Zu füren ein ordentlich leben,
Im wunderbaren volk der bienen,
Die uns mit honigmachen dienen.
Sie wollen nicht on herren leben,
Wie fliegen und mücken umschweben,
[48]
Sondern halten alle zugleich
Ein wolgeordnet königreich:
Ihr könig aber ist ein held,
Von der ganzen gemein bestellt;
Herlicher an leib und gestalt
Denn sonst des volks gemeiner halt,
Mit einem schön braunfarben kleid
Von sammit und von gold bereit,
Der mit seinem angel nicht sticht,
Der auch der erbeit wartet nicht,
Sondern mit ernst und großem fleiß
Schafft, das jeder tue sein geheiß
Und daselbst bau die wechsin wand,
Da er mit seinen füßen stand.
Er zeigt ihn auch bei seinem sitz
Weiße medlein, ser klein und spitz,
Das sie die teilen in ihr nest,
Erquicken und speisen aufs best,
Daraus erziehn mer junge bienen,
So zur erbeit und kriege dienen.
Und wo es einer nicht recht macht,
Seins königs ansehen veracht,
Findet sich die guardi bald,
Die auf des königs leib bestallt,
Und strafet mit ernst den mutwillen,
Das andre erbeiten im stillen.
Dafür geben die bienlein ihm
Den besten honig zum gewin.
Das er mit ruhe das reich besitz
In seines schlosses hohen spitz,
Und nicht dürf außer dem gezelt
Sein speis suchen im weiten feld;
Mit solchem willen und erbieten:
Wenn sie den höchsten hunger litten,
Blieben sie all beim könig tot,
Das er behielt das letzte brot. –
[49]
Wenn auch der könig zeucht zu feld
Und seinen feinden ins land fellt,
Den hornüssen, wespen, erdbienen,
So im wald sein und ihm nicht dienen,
Sondern vielmer den honig rauben,
Aepfel, birn, pflaum und kirschen klauben,
Ja auch sein leut, so honig tragen,
Wie der habicht die hüner, jagen,
Fangen, heimfuren und zerbeißen,
Den honig aus ihrn leibe reißen.
Wenn er derselben stet belegt,
Sein gzelt für ihr festung aufschlegt,
So gibt er zwar rat und besel,
Wie man beid streit und sturm anstell,
Rückt auch persönlich an den stand,
Da er den feind zum nechsten fand;
Das aber will sein volk nicht wagen,
Das er ihn mit der faust wolt schlagen,
Sondern er muß neben dem streit
Still halten ein wenig zur seit
Und seine guardi bei sich haben,
Die allerbesten rittr und knaben,
Bis sein heer alle feind erlegt,
Die toten zur festung austregt
Und algemach rein auspoliert,
Nichts unsaubers gespüret wird.
Darnach zeucht er mit triumph ein,
Bewont die festung für die sein,
Wie David mit den steten tate,
So Joab vor gewonnen hatte.
Solchn auszug nimt der könig für,
Wenn die holderblüt kreucht herfür
Und im dorf ruft der wiedewol:
›Pfingsten ist da, baur, dein bier hol!‹
Wenn feld und wald voll blumen stehen,
Die kriegsleut ihr proviant sehen,
[50]
Und muß on das jedes bienlein
Vor auf acht tag bespeiset sein;
Denn kriegn bei frost und hungersnot
Ist torheit und gewisser tod. –
Wie abr der Perser ordnung helt,
Das kein könig auszeucht zu feld
In fremde land, ehe denn er hat
Einen gesetzt an seine stat:
Also der könig seine fest
Im aufzug nicht on heupt verlest,
Sondern erwelt den jüngsten son,
Das er bewar scepter und kron,
Die andern abr mit ihren leuten
Ihm nachfolgen zu ihren zeiten,
Ihr eigen haus und narung werben
Und nicht beim haufen hungers sterben.
Hungr ist, über alle ander not,
Der schwerst und erbermlichste tod.
Wenn denn die kundschafter ankommen,
Die alls in augenschein genommen,
Das wetter, straß, nachtlager, feind
Und wo sie zu wonen gemeint,
Von allen bringen gute mer,
Selbst für den könig ziehen her,
So bricht er endlich gegn mittage,
Wenn ihn die sonn freundlich ansahe,
Mit einem feldgeschrei und brummen,
Mit tromten, bosaunen, hertrummen
Aus seiner festung tor und haus
In solcher eil plötzlich heraus,
Wie ehe die griechschen helden wert
Aus dem hülzen trojanschen pferd,
Das in dem zulauf und gedreng
Manchem das tor war viel zu eng;
Der zur pfort und fenster ausstieß,
[51]
Das er sein könig nicht verließ.
Der könig abr in der luft helt,
Mit fleiß die zugordnung bestellt
Und folgt endlich seinem vortrabe,
Ders erst lager gemessen abe.
Der vortrab zeucht auch auf und an,
Bis der könig selber ankam,
Blieb den mittag oder die nacht
Und denn sich an die feinde macht.
Hatten die verlassen ihr fest,
Nückt der könig ins ledig nest;
Satzten sie aber sich zur wer,
So gewan die sein mechtig her. –
Folget darauf der eltest son
Nachs vatern disposition,
Desgleichen der ander und dritt,
Und nimt jeder sein kriegsvolk mit,
Das er zuvor drei tag und nacht
Mit lermenblasen aufgebracht.
Es ist ihr und ihrer leut best,
Jedes volk baut sein eigen nest,
Und der jüngst regieret allein
Die untertan, so übrig sein,
In dem schloß, das sein erblich war
Und sein vater besaß ein jar.
Wollen sie aber gar nicht weichen
Und dem erbkönig sich vergleichen,
Oder allein das regiment
Nur haben unter ihre hend,
So klagts der erbkönig den stenden,
Bitt, das sie rat, mut, faust dran wenden,
Und leßt damit aufblasen lermen.
Sie sind bereit, brummen und schwermen,
Vertedign ihrn herren und haus,
Treiben die anfrürer hinaus
Oder morden sie mit gewalt,
[52]
Das ein könig das reich behalt. –
Wer aber auch der alte herr
Untüchtig zur reis und zur wer,
Das im krieg ein flügl oder hand
Verloren wer oder verlamt,
So ziehn die stend kein junge herrn,
Erhalten den alten bei ern.
Und wenn das junge volk sich brüst,
Hat zu aufrur und kriege lust,
Treiben sie die all aus dem land
Odr schlagn sie mit gewerter hand,
Damit ihr reich im frieden schweb,
Bei eim könig eintrechtig leb. –
Aller fried, rat und regiment,
All witz und wolfart hat ein end,
Wenn sie keinen könig mer haben,
Machen wedr wachs noch honigwaben,
Ziehen kein kind, halten kein wacht,
Sind unter ihrer feinde macht,
Bis sie all werden ausgezert,
Sterben von hunger, pest und schwert.
Wie den leib das gewürm auffrißt,
Wenn seel odr heupt entworden ist.
Als die Hünen Deutschland verzerten,
Da weder heupt noch haut sich werten. –
So lang sie abr ihrn könig haben,
Sein sie mutig werhafte knaben,
Das, wenn ankömt der feinde haufen,
Will ihren sitz mit sturm anlaufen,
Odr die mantier und wilde beren
Ihren honig wollen verzeren,
Sie nicht erschrecken für den man,
Sondern setzen mutig hinan
Mit ihrem ganzen hellen haufen,
Das der feind schendlich muß entlaufen;
Es wer denn, daß er feur einschöß.
[53]
Bittern rauch in ihr augen göß,
Das sie den feind nicht könten sehen,
Odr ließ sie im wasser vergehen
Wie Pharao im roten mer,
So wer verlorn die gegenwer. –
Sonst haben sie so großen mut,
Achten ihre freiheit so gut,
Das sie zu got alsamt hintraten
Und ihn ganz untertenig baten,
Weil sie niemand teten ein leid
Und dennoch ihre saur erbeit
Ihnen so böslich würd genommen,
Er wolt ihnen zum beistand kommen,
Einen scorpionstachel geben,
Das, wen sie stechn, nicht bliebe leben.
Aber got, dem rachgierigkeit
Ser misgefellt zu aller zeit,
Flucht ihnen, das sie sterben solten,
So bald sie ein erstechen wolten,
Selbst stachel und leben verlieren
Durch ihre rachgieriges tieren;
Welchs auch nach für und für geschicht,
Welche bien sticht, die bleibet nicht. –
Sie ziehen auch noch andre mer
Zu besonder geistlicher er,
Zum herren- und prelatenstand,
Wie die engel tronen genant,
Das sie nicht sollen blumen brechen,
Keinen krieg füren, niemand stechen,
Darum sie auch kein stachel haben
Und sind durchaus werlose knaben,
Sondern, wenn andre ziehn zu feld
Und ledig lassen die gezelt
In der honigernt, oder schwermen,
Sollen sie die wonung erwermen
Und die junge bienlein aufbringen,
[54]
Ihnen vorbeten und vorsingen,
Und im aufzug das volk ermanen,
Damit es mutig flieg von dannen.
Diese haben ein groß ansehen,
Das sie neben dem könig gehen,
Und oft den könig unterdrücken,
Mit haufen in sein wonung rücken,
Wo ihre rotte wird zu groß;
Und denn wird das reich königlos,
Das sie ihres singens vergessen,
Im müßiggang den honig fressen,
Sich mit der ander erbeit neren
Und das gemeine gut verzeren.
Wie bein Persen die weisen Magen,
Dies an Cambysen durften wagen.
Wie der Beißkopf auch bei uns tat,
Darüber wir jetzt halten rat.
Damit nun die geferlichkeit
Ihrem könig nicht bring ein leid,
So haben sie auch diese weis,
Das, wenn nach der junkern abreis
Die geistlichen sich unterfangen
Ueber den könig her zu prangen
Und ihm trachten nach der kronen,
Bei müßiggang laster gewonen,
Gotlos und schendlich halten haus,
Sie die widrum treiben hinaus.
Also beschützen sie ihr reich
Den klugen mantieren geleich. –
Wie auch die kornfressigen ratzen,
Wie ser auch toben alle katzen,
Ihren könig und herren haben,
Dem sie schatzung und ere gaben,
Darum das sein geruch und wort
Sie beisam hielt am gewissen ort. –
Dieser ursachen halben all
Schließ ich nochmals in diesem fall,
[55]
Das uns das allerbeste sei,
Wir seßen nicht so vogelfrei,
Ließen auch nicht wenig regieren,
Eine uneinig herschaft füren,
Sondern alles also bestellten,
Das wir ein frommen könig welten,
Das, wie got im himmel allein
Ueber alles ein herr muß sein,
Und wie der neunte himmelskreiß
Die sternen fürt nach gotts geheiß,
Wie die sonne zwingt die planeten,
Das sie ihr zum dienst einhertreten,
Wie der mond die vier element
Allein bewegt als ein regent,
Wie im heupt unser weise seel
All glieder fürt in ihrm besel,
Wie all witzige creatur
Einem könig gehorchet nur,
Wie unter allen policeien
Königreich am besten gedeihen,
Ein könig uns und unser leut
Regier in fried und einigkeit.
Das ist mein rat, ihr erenvesten,
Got geb, das wir folgen dem besten. –
Als dieser rat auch nach der leng
Erzelet war mit eim gepreng,
Fieng an die ganze fröschgemein
Zu rufen: Ja wol, das soll sein,
Wir wollen einen könig welen
Und ihm das regiment befelen,
Das alrbest ist ein königreich,
Ihm ist kein policei geleich,
Das wollen wir haben und halten!
So riefen die jungen und alten;
Das war im rat der endabscheid.
Jeder fur heim mit großer freud."
[56]
Das vierte teil
Das I. capitel
Das I. capitel.

Die sieben fürsten können der wal nicht einig werden.


Herr Bröseldieb bestürzet saß
Und sein maul weit offen vergaß
Uebr alle diese wunderred,
Die könig Bausback also tet,
Wust nicht, was er doch sagen solt
Oder weiter nachfragen wolt.
So mancherlei wolt er behalten
Und heim nachsagen seinen alten.
Sprach doch zuletzt als in eim wunder:
"Wol mag ich nachsagen itzunder,
Das euer lieb mit großem rat
Scepter und kron erworben hat,
Und hett es glaubet nimmermer,
Das soviel zu bedenken wer
In bestallung der regiment,
Als ich gehört von ort zu end.
Das werd ich gedenken mein tag,
Das wird immer sein meine sag,
[57]
Und weiß eur lieb viel er und dank!
Es ist on zweifel etwas lang,
Das sich die hendel so verlaufen
Mit euerm aufrürischen haufen,
Und also vertragen zuletzt,
Das ihr zum könig seid gesetzt?" –
König Bausback gab alsofort
Dem Bröseldieb diese antwort
Und sprach: "Davon will ich nun sagen,
Wie diese sachen sind vertragen.
Denn dies hat sich alles begeben
Bei meines herrn großvatern leben,
Dem ich erst folg ins dritte glied
Und hab also ein erbgebiet,
Wie ich von meinen eltern hort,
Auch beschrieben sind alle wort.
Als nun die morgenröt aufgieng
Und es früe zu tagen anfieng,
Samlet sich die ganze gemein,
Wolt und kont nicht zufrieden sein,
Ehe das regiment würd bestellt
Und ein könig übr all erwelt.
Und befalen den fürsten sieben,
Das sie alle beisamen blieben,
Bis sie ein solchen held erfünden,
Dem sie das reich vertrauen künten;
In allermaß der Wolgemut
Gemeint, das es wer recht und gut. –
Darauf denn auch die fürsten kamen
Und setzten sich in rat beisamen.
Und wie der wei zu sommerszeit
Herumschwebet, bald nahe, bald weit,
Im cirkel, in die quer und leng,
Beschauet alle weg und geng,
Ob er was fünd nach seim beger,
Das für sein kinder dienstlich wer:
So ward auch allerlei bedacht,
[58]
Manch spitzfündiger ratschlag bracht
Und eins hie und ein anders dort
Herfür gebracht aus manchem ort.
Aber wie es Markolfen gieng,
Der kein baum fand, dran er gern hieng:
So war kein frosch so klug und from,
Dem sie wolten trauen die kron
Und über sich zum herren machen;
Der freiheit lieb verdarb die sachen.
Die freiheit war all ihre sag,
Freiheitverlust war schwere klag;
Jedoch unwandelbar bestund
In aller der ratgeber mund,
Das man ein könig haben wolt.
Wer nur verstund, wer es sein solt!
Der erst fürst wolt denselben haben,
Der mit weisheit hett schöne gaben,
Das on weisheit kein reich bestand,
Weisheit macht ein glückliche hand.
Der ander ließ ihm baß gefallen
Den volkreichesten unter allen,
Der in der not rüstig und bald
Dem feind widerstünd mit gewalt.
Der dritte den geringsten wolt,
Das er der glindeste sein solt.
Wie die Moren weiber erkieren,
Das sie nicht tyrannisch regieren.
Der vierte meint, die ganze gemein
Solt sagen, wer könig solt sein;
Der fünft, es solt das los ergehen,
Zwischen den sieben fürsten stehen,
So hett sich keiner zu beklagen,
Ließ die kron gern ein andern tragen.
Der sechste hielt auf das warsagen:
[59]
Man solt die geister darum fragen.
Der siebente den kampf ausbot:
Wer leben blieb, den welet got.
Also wankt alles hin und her
Wie ein schiflein im weiten mer,
Das ledig on ein herren schwimt,
Das wassr und wind zum spiel aufnimt. –
Endlich ward nach vielem gezenk,
Das sich zog in die quer und leng,
Die glock von allen so gegossen
Und mit gemeinem rat beschlossen:
Man solt sich nicht mer damit quelen,
Sondern got schlecht die wal befelen,
Das er schick in den see hinein
Wen er wolt, der solt könig sein;
Und darum solt man bitten auch
Nach der weisen mantiere brauch,
Die nichts in allen sachen teten,
Sie fiengen denn vor an zu beten;
Darum ihr reich in dieser welt
Zum allerbesten wer bestellt.
Denn wie got selbst zu aller zeit
Seim gschöpf barmherzigkeit erzeigt,
So wiß er allein was ist gut;
Bei allem er das beste tut. –
Das ward also in der gemein
Abgerufen für groß und klein:
Das jeder solt fasten und beten,
Drei ganzer tag für got hintreten
Und tag und nacht ihn rufen an,
Er wolt ihn setzen einen man,
Der ihn ein nützer könig wer.
Got solt allein haben die er,
Und wo sie den verachten würden,
Den sie von got erwelet spürten,
Wolten sie hiemit sich erwegen
Des zorns mit blitzn und donnerschlegen
[60]
Und was got je für straf erkent
Dem, der sich vom könig abwend.
Jedoch solt der könig für allen
Ihnen von herzen wolgefallen,
Der sie bei ihrer freiheit ließ
Und ihnen nichts tet zum verdrieß,
Die schlangen aber gar vertrieb,
Das der keine im wasser blieb.
Es ward auch noch weiter gemeldt:
Der solt sein als von got erwelt,
Der stracks vom himmel brecht ein fall,
Mitten im see sich setzt mit schall. –
Hiemit machten die fürsten sieben,
Das sie jeder must billig lieben,
Als die nicht suchten ihre er,
Sondern gottes willen vielmer
Und des gemeinen bestes nutz
Und ihrer lieben freiheit schutz."
[61]
Das II. capitel
[62] [61]Das II. capitel.

Die frösche bitten got um einen könig.


"Also ward bestellet aufs best
Zum gebet das dreitegig fest;
Die fürsten, grasen und freiherren
Und die von edlem stamme weren
Beschlossen in dem see ein ring,
Damit sonst keiner hinein gieng.
Darnach hielt der gemeine hauf
Hinter ihnen an dem umlauf,
Gleichwie im feld zur kriegeszeit
Zusam in kreis treten die leut,
Bis ihr herzog reit in die mitt
Und, was sie tun sollen, gebiet. –
[61]
Da hett man gehört ein gebet,
Das die ganze gemeine tet,
Das erfüllet wasser und wald
Und bis an den himmel erschallt;
Als wenn im herbst die hagelstein
Aus den wolken fallen herein
Und auf die schindeltecher klecken,
So ward da ein krachen und gecken.
Sie baten um einen frommen rex
Nicht mit einerlei stimm und lex,
Ob die meinung gleich einig war.
Die glerten riefen hell und klar:
Jehu, lonu, ten, eth, maeleck,
Gibbor, schaddick, vezad, deckdeck!
Gib ein könig unserm geschlecht,
Der stark sei, glückhaft und gerecht!
Die andern brachten mit darein
Ebreisch, griechisch und latein
Und nanten vielfaltig die man,
Deren sie wolten einen han:
Kachs, Koachs, Wreck, Uky, Kekechs,
Kökere, Kekechs, Kerachs, Kerechs,
Kacke, Kicke, Kackokera,
Mortz, Marquard, Marx, Morquetera,
Qwoard, Morard, Quadroquor, Amor.
Ihr viel riefen auch laut empor:
Telle, Relel, Trillil, Relil,
Utu, Culotu, Loculil,
Utrunk, Corunk, Klunkerlekunk,
Das der könig kem stark und jung! –
Dies hört mit an frau nachtigal,
Und ob sie gleich die namen all
Nicht kont vernemen offenbar,
Verstand sie doch die meinung klar,
[62]
Das sie um einen könig baten,
Das sie ihn gern het widerraten.
Dieweil aber damals ihr wort
Ganz und gar nicht ward angehort,
Rief sie doch was sie rufen kunt
Zu nacht und an der morgenstund:
Kybbutz, David, David, Vedod,
Kitzeach, Urih, Zir, Merickod!
Fromm was David, ihr lieben leut;
Er töt Urias, macht wenig freud.
Gefar bei der verendrung steht:
Seht, das euch nicht dergleichen geht! –
Der kuckuck bracht auch sein kuckhu
Und lacht ihr im finstern dazu:
Ist euch zu wol in euerm dreck,
Ihr nerrischen Geckre, Kekeck? –
Drauf schloß die wachtel ernstiglich:
Ich warn, hüte dich, hüte dich!
Sieh für dich, treue ist ser mislich,
Das Reuel nicht auch beiße dich! –
Wie dies gebet die dritte nacht
Nun erlanget mit ihrer wacht
Und sie von dem geschrei und fasten
Wolten weder ruhen noch rasten,
Sahen sie spet das abenteur:
Die sonn gieng unter wie ein feur
Und warf die stralen immerfort
Wie spieß und ruten hin nach nord,
Als strich durch ein nebel ihr glanz,
Oder macht ein cometenschwanz,
Wie man am himmel findet stehen,
Wenn zank und krieg sollen ergehen,
Verendern regiment und recht,
Weil man gottes zorn achtet schlecht.
Sie wurden auch am himmel klar
Zu nacht dies wunderzeichen gewar:
[63]
Das jeder stern viel größer schien
Und funkelt wie ein flam am kien,
Der eselstern nach mitternacht
Blieb allein mit dunkeln vermacht;
Nicht weit davon der schöne mon
Rötlich stand wie ein gülden kron,
Und ob er gleich nur halb voll war,
So schloß ihn doch der cirkel gar,
Und er gieng fort mit einem zittern,
Gleichwie die espenbletter flittern,
Insonderheit ihn weit umfieng
Ein großer weißrötlicher ring,
Als wer von mel ein regenbogen
Ganz rund durch rotfarben gezogen,
Der doch endlich an seinem rand
Sich hin nach westnorden zertrant,
Mit mon und sternen sich verlor,
Weil finster wolken traten vor. –
Dies gesicht zu derselben zeit
Also erklerten weise leut,
Das in ihrem beschlossen kreis
Der könig kem mit er und preis.
Darum rief jetzt wer rufen kunt:
Kom, könig, kom zu guter stund,
Kacks, Koachs, Wreck, Uky, Kekechs,
Nun laß dich schauen, frommer rex!
Darauf erfolgt das hanenkreien
Und der enten platzen und schreien,
Das alles in der finstern nacht
Gar wunderlich zusamen kracht. –
Bis endlich auch durch berg und tal
Sich erhub ein rauschen mit schall
Und von blettern und espenwoll
Der see schwamm allenthalben voll,
Denn es stund mehlig auf ein wind
Und kam hernach an so geschwind,
[64]
Das die beum brachen im sausen
Und die wasser sprungen mit brausen,
Als wenn ein schrecklich donnerwetter
Alles zerschlüg mit eim geknetter,
Und sichs nicht anders ließ ansehen,
Als wolt himmel und erd vergehen,
Das auch kein frosch behielt sein stand,
Sondern ward geworfen ans land. –
Da fiel etwas ser lang und groß
Mit einem wunderbaren stoß
Aus der lust, wie sie alle sahen,
Als sie zitternd am ufer lagen,
Mitten im see, das sich die wellen
Anfiengen über sich zu schnellen
Und aus schrecken so hoch aufstießen
Als wolten sie gen himmel gießen,
Als wenn ein großer elephant
Ins wasser absprüng von dem land
Und das wasser für hoch zurück,
So weit ihm brecht der fall ein druck.
Und damit ward auch alzuhand
Im wind und wetter stillestand
Und folget darauf ein regengoß,
Das berg und tal vol wasser floß,
Das warhaftig die ganze gemein
Nun merkt, es müst der könig sein,
Der mit so viel wunder und pracht
Von got in sein reich wer gebracht."
[65]
Das III. capitel
[66] [65]Das III. capitel.

Die frösch verachten den könig.


"Wie nun dies erschrecken und sorgen
Also weret bis auf den morgen,
Das wind und wasser stille ward,
Die vöglein sangen mancher art,
[65]
Die morgenröt auch brach herfür
Und öfnet der sonnen die tür.
Da sie heraus fürt ihren wagen,
Sobald es nur anfieng zu tagen,
Da floß etwas da als ein bloch,
Hat in eim jeden arm ein loch,
Und an dem hals ein großen mund,
War an dem leib dick, grau und rund,
Als wenn es wer ein weinfaß groß,
On alle kleider, nackend, blos,
On kron, on scepter und on zier
Wie ein unbekant wundertier.
Und durft niemand treten hinan,
Den neuen könig sprechen an,
Schauten das wunder nur von fern,
Ob sie gleich auch hinfüren gern.
Etlich zogen ein wenig fort,
Kerten doch bald widr an ihm ort,
Andre unterm wasser hinschlichen
Und bald widr zurück abwichen,
Als wenn ein kind versucht das licht
Und darf das feur doch greifen nicht.
Furcht dreuet alzeit mer gefar,
Denn sonst am handel selber war. –
Bis endlich ein ser junger degen
So mutig ward und so verwegen,
Das er sein leben wolt dran wagen,
Für andern die er davon tragen,
Schoß vom ufer gleichwie ein pfeil
Und satzt hinan in großer eil.
Und wie er itzund hinzu kam,
Sein hütlein er züchtig abnam,
Zum dritten mal sittig sich neigt,
Sein hendlein aus dem wasser beugt
Und mit eim kuß dem könig bot,
Zu verdienen das botenbrot,
[66]
Das er allein zuerst wer kommen
Und den könig het angenommen.
Aber da war nichts, das sich reget,
Oder ein ederlein beweget,
Das darauf sagt bös oder gut.
Das macht dem fröschlein einen mut,
Das es mit seinen henden auch
Den könig griff an seinen bauch
Und endlich gar saß oben auf
Und rief: Jeder sicher anlauf!
Ihr dürft euch nicht fürchten so ser,
Es ist ein bloch und gar nichts mer! –
Da zog hinan die ganze schar,
Gleich wie sie da versamlet war,
Und hüpften auf dem bloch herum
In die quer, leng und in die krum,
Und spotteten des armen gecken,
Der auch nicht kont ein frosch erschrecken
Und solte große feind bestreiten.
Jeder wolt auf den könig reiten;
Quad, quad, sprachen sie, quad, quad, quad,
Bei solchem könig ist kein rat! –
Das war der dank, den got bekam,
Als der bloch die herschaft annam."
[67]
Das IV. capitel
[68] [67]Das IV. capitel.

Der bloch wird bei den fröschen verbeten.


"Es waren aber etlich alten,
So viel historien behalten,
Das es nicht wol geraten war,
Wenn man gots gab verachtet gar;
Die besahen fleißig den bloch,
Was sein holz war, wie raum das loch,
Funden, es war ein eschenholz,
Darum sie auch der jugend stolz
[67]
Wolten mit guten worten brechen,
Sie, wo müglich, zufrieden sprechen.
Zu der behuf ward Marx, dem alten,
Auch befolen das wort zu halten;
Denn dieser war in seiner jugend
Ein priester, erwürdig von tugend,
Dem Elbmarxen gar nahe verwandt,
Und schrieb viel brief in fremde land,
Braucht aber im alter der erzenei,
Die er auch het gelernt dabei.
Der sprach: Ihr lieben jungen held,
Ehemals noch in der alten welt
In meiner jugend war mein wort
Bein altvetern ser wol gehort.
So hört nun auch etwas bescheid,
Nun ich alt bin und ihr jung seid.
Denn wenn die alten hunde bellen
Billig die jungn aufmerken söllen.
Von got soll man nicht bitten eben,
Das er uns wolt dasselbig geben,
Was wir bedacht in unserm mut,
Sondern was uns nütz ist und gut.
Denn got weiß; auch nur gar allein,
Was uns werde zum besten sein.
Dieweil wir denn auf diese weis
Auch gebeten mit allem fleiß,
Got wolt uns einen könig geben,
Darunter wir im frieden leben,
Und er aus seiner rechten hand
Uns den bloch zum könig gesandt,
So wollen wir ihn nicht verachten,
Sondern den nutz zuvor betrachten. –
Ich bin von den alten gelart,
Der eschenbaum hab diese art,
[68]
Das keine schlang unter ihm bleib,
Der schatten sie auch hinweg treib,
Ja die schlang ehe ins feur hinleuft,
Ehe denn sie durch seinen schatten schleuft.
Ihr wisset auch, das wir im kalten
Von dein leben wenig behalten,
Müssen mit verschlossenem mund
Den winter tot liegen im grund,
Und wenn aldann der mantier fleiß
Mit netzen fischet unterm eis
Und uns halb tot mit zeucht herfür,
Wie uns das lachen wird so teur,
Insonderheit wo knaben fischen
Und unser eim beim bein erwischen,
Werfen ihn widers eis mit macht,
Das eim das herz im leibe kracht.
Wenn der könig, unsr widerpart,
So uns plaget so lang und hart,
So uns bringet in not und tod,
Die beißig giftig schlangenrott
On unsern beistand und gefar
Aus dem see kan vertreiben gar,
Ja wenn wir in seim holen bauch
Den sommer können schlafen auch,
Des winters sicher warten ab
Als in eim marmelsteinen grab:
Warum wollen wir ihn verkieren,
Mit undank gottes gunst verlieren?
Was mangels finden wir daran
On das er uns nicht schaden kan?
Frommen kan er uns mannigfalt,
Es sei beim feind, sei warm odr kalt;
Werden wir got und ihn nicht eren,
Uns über den könig beschweren,
So wird die straf erfolgen bald!
Undanks wolfart ward selten alt. –
[69]
Der esl klagt auch got früe und spet,
Das er kein eigen herren hett;
Und da ihn got zum ersten mal
Einr alten gertnerin befal,
Gieng er teglich mit ihr in garten,
Weidet, dieweil er muß aufwarten,
Bis sie ihr blumen, wurzeln, kraut
Gesamlet und ihm aufgebaut;
Darnach trug ers am markt zu kauf.
Denn ward von kindern ein zulauf,
Die mit dem esel wolten schwatzen,
Ihn füren, reiten, striegeln, fatzen,
Und brachten ihm habern und pammel,
Das er sich mestet wie ein hammel,
Die kinder abwarf mit unfug,
In einem sprung umlief und schlug
Und rart denn sein hika mit macht,
Das sein der ganze markt wol lacht.
Und wenn er kam vom markt her wider,
Legt er sich sanft in die streu nider,
Da gab ihm das weib bsonder futter,
Ja auch geröstet brot mit butter,
Trug ihm für einen frischen brunn
Und nant ihn ihren lieben sun.
Es geschach aber nach etlichen tagen,
Das der esl widr anfieng zu klagen,
Wie er so ein losen herrn hette,
Dem sonst kein tier die ere tete,
Ein altes heßlichs scheuslichs weib,
Die nichts schöns hett am ganzen leib:
Wie kuschwenz so hiengen die har,
Die augen weren gar unklar,
Die oren hörten auch nicht eben,
Der kopf hört nimmer auf mit beben,
Die rotzig aug und nasen rinten,
Die zeen kein rindlein beißen künten
[70]
Und röchen von zimmet so süß
Als des mistbauren faule füß.
Sie wer auch bleich, gelb, reuchrig, rustig,
Schwarz, grau, fal, blau und gar unlustig,
Gerunzelt, verschrumpelt und verdart,
Den rücken krum, die hand verhart,
Die zitzen lumpten wie die fleck,
Die achsen stünken wie ein dreck,
Der bauch voll falten und eingelunken,
Sein untertan wer gar versunken,
Die bein von knie bis auf die sol
Gleich rund und dick wie ein brückpfal,
Wackelnd, hinkend, als ob sie tanz
Oder fechten wolt um einen kranz,
Dazu bekleckt und so verschissen,
Leinsamen könt darauf ersprießen;
In summ, sie wer so ungestalt
Wie man den Krodenteufel malt,
Trug auch garstig kleider und kragen,
Kont nichts denn farzen, husten, klagen
Ueber die junge böse welt,
Das sie einlöset wenig geld,
Wenig schlief, das die flö sie quelten,
Sie seicht und schiß in töpf und gelten,
Daraus sie nachmals söff und kocht.
Das wer, die ihn regiert und pocht,
Die ihm auflegt was sie nur wolt,
Das er ihr denn heimtragen solt,
Und must auch leiden, das der sand,
Der sich oftmals an rüben fand,
Ihm blieb an seinem har bekleben,
Odr das die mücken um ihn schweben
Und füren ihm an seinen mund,
Wenn er müßig im garten stund.
[71]
Das weib geb ihm nichts für den spot,
Denn kol, habern, gersten und brot,
Frisch roggenstro und teglich heu,
Das wer sein speis, lager und streu.
Das kont er hinfort nimmer leiden,
Got wolt ihn von dem weib abscheiden,
Einen man zum herren bescheren,
Der würdig wer des diensts und eren. –
Darauf kam aus gottes anregen
Ein ziegelstreicher unterwegen.
Den sahe der esel frölich an,
Gedacht: das ist ein tapfer man,
Wenn er dein herr und treiber wer,
So kemst du erst zu glück und er!
Bald fragt er das weib, ob sie wolt,
Das er den esel haben solt,
Er wolt ihn bar bezalen gern,
Sein tochter dient ihr on beschwern
Mit graben, wieten, kreuter tragen,
Solt alles tun, was sie würd sagen.
Das weib sprach: Ich laß wol geschehen,
Er wil nach meiner hand nicht gehen,
Er wird zu mutwillig und wild,
Er muß ein haben, der ihn stillt.
Der ziegler antwort: Als ich sag,
Er hat bei euch zu saule tag,
Der kan ich ihm bei mir nicht pflegen,
Der fürwitz sol sich gar bald legen.
Der esel hört das on verdrieß,
Was man gern ißt, das schmecket süß.
Und kriegt also einen Herman,
Der hieng ihm zween seitkörbe an,
Ließ ihn tragen leim, stein und sand,
Ziegel, kalk, kolen, asch und brand.
Die riebn und branten ihm sein haut,
Davon er sich dann scheurt und kraut,
[72]
Das man sein jammer daran sahe,
Wie das gederm im leibe lage.
Er aß auch diestl und stro allein,
Schlief selten und auf kalk und stein,
Trank aus einer stinkenden pfütz,
Die war so weiß vom kalk als grütz;
Dazu er nichts denn fluchen hort:
Du fauler schelm, wilst du nicht fort,
Das dich die hund und raben fressen!
Soll ich dich mit eim knüttel messen?
Darauf ward er übel geschlagen.
Da fieng er an noch mer zu klagen
Und got zu bitten um verzeien,
Um einen andern herrn zu schreien.
Got ließ dies auch also geschehen
Und, wie er gebeten, ergehen,
Der ziegelstreicher bot ihn feil,
Das er eim gerber ward zu teil,
Liederlich um den halben wert
Wie ein alt abgetrieben pferd.
Als er nun ward ein gerbrgesell,
Und hin zum wasser trug die fell,
Und denn zum gerbhaus in den kalk,
In die beißlaug und in die walk,
Und sahe mit zu, wie man ihm tate,
Wie man sie schabet, pocht und trate.
Das heißt, sprach er, sein witz verlieren,
Ein herren hassn, den andern kieren,
Das heist verbessern seinen stand,
Das glück versuchen über land!
Wenn dem esel das futter sticht,
Tanzt er aufm eis, ein bein zerbricht.
O hett ich meine alte behalten,
Oder den ziegler lassen walten!
Nun wird mir hie also gelont,
Das man der haut auch nicht verschont,
Sondern plagt die auch nach dem tod
Mit schlegen. Des erbarm sich got! –
[73]
Seht nun wol zu, sprach Marx, der alt,
Das uns auch nicht [geh] dergestalt,
Das wir den könig loben müssen,
Wenn uns der ander tritt mit füßen,
Oder der dritt uns gar auffrißt;
Der wechsel ser geferlich ist.
Als der alt Marx dieß hat gesagt,
Waren ihr mer, auch wol betagt,
Als Coard, Morz und herr Marquard,
Amor, Quadroquor und Mohrard,
Die sprachen: Was Marx hat vermant,
Ist unser meinung insgesamt."
[74]
Das V. capitel
[75] [74]Das V. capitel.

Der alten rat wird verlacht und der könig verstoßen.


"Die frösch verwunderten sich ser,
Warum der alten rat dieß wer,
Und wolt der gröste hauf fast schließen,
Solt es gleich etlichen verdrießen,
Man solt dem bloch nicht so verfluchen,
Sondern ein zeit lang ihn versuchen;
Wolt sein regiment denn nicht bestehen,
So wer nicht viel daran versehen,
Zur bessrung wer noch alzeit rat,
Sofern man blieb in gottes gnad.
Gots gnad solt man zu keiner zeit
Verschlagen mit undankbarkeit. –
Wie dieß einer dem andern sagt
Und um sein stimm und meinung fragt,
Springt auf den bloch der mutig man
Koax und fehet zu reden an:
Lieben veter, lieb alte herren,
Das glaub ich wol bei meinen eren,
Das die alten gern angehort
Ehemals des jungen Marxen wort,
[74]
Da ihm das herz im leib noch lebt
Und all sein mut nach eren strebt;
Nun er abr schwach ist und verzagt,
Das ein rauschend bletlein ihn jagt,
Lieber müssig sitzt an der tür,
Denn das er spieß und harnisch für,
Lieber mit seiner alten koset,
Denn das er sich zu wandern hoset:
Nun sollen all wir jungen man
Sein furcht und schwachheit nemen an,
Wie alber esel bleiben heim,
Für al neurung erschrocken sein
Mit kriechen in ein holen bloch;
Lieber bedenkt es besser doch!
Der man geb rat, der jung erbeit,
Der alt wend aufs gebet sein zeit!
Wir müssen einen könig haben,
Der anfür unser junge knaben,
Bei dem wir man in eren sein,
Der ins feld bring die ganze gemein
Und ritterlich den feind bestehe,
Auch selbst vorn an der spitzen gehe,
Der zu strafen nicht ist zu faul,
Sondern der auch zeen hab im maul
Und greif den weidlich auf die hauben,
Die er und recht setzen auf schrauben.
Denn wo kein straf ist, ist kein er,
Und wo kein er ist, ist kein ler,
Und wo kein ler, da ist kein recht,
Der herr gilt wenigr als der knecht,
Bis das alles get durch ein haufen,
Gleichwie die seu zum tor einlaufen.
Darum sag ich: der ist ein narr,
Der einem bloch untertan war.
Und wenngleich got sein vater wer,
So beweis ich ihm doch kein er,
[75]
Sondern wenn ihr mit helfen wolt,
Gar bald ihr wunder sehen solt,
Wie ich ihn will mit dieser hand
Hinflößen zum ufer ans land,
Bis ihn ein baur in ofen steckt:
Da wer er sich, ist er so keck!
Denn das man braucht witz und weisheit,
Ist für got kein undankbarkeit;
Vielleicht will er uns so probieren,
Ob wir eim klotz wollen hofieren.
So nerrisch, hoff ich, ist niemand.
Wers mit mir helt, schlag in die hand!
Damit er nach dem bloch sich wend
Und streckt daran sein beide hend.
Der ganze hauf dergleichen tat,
Jeder rief: Das ist guter rat,
Laß Koax reden, der meints gut;
Der Marx hat weder witz noch mut!
Damit fur der bloch hin zu land,
Da ihn ein armer bauersman fand,
Der legt ihn auf sein schlitten fein
Und schleppet ihn gemachsam heim;
Wie er ihn aber bei sein haus
Gesetzt und rein geputzet aus,
Das er trocken wurd an der sonn
Und nachmals gebraucht für ein tonn,
Oder multer daraus zu machen
Und was man sonst bedarf zun sachen;
Da kamen zween könig und herren
Aus Immenland dem bloch zu eren
Mit etlichen viel tausend knaben,
Die sie mit sich gefüret haben,
Sprachen ihn um bestallung an,
Sie wollen sein getreue man,
Gut, blut und leben bei ihm lassen,
Wo jemand ferner solcher maßen
Ihn würd schimpflich lassen antasten,
Wie vor getan die jung phantasten.
[76]
Darzu er mer denn willig war.
Sie brachten wachs und honig dar
Und was mer dienet zu den sachen,
Bauen in unterscheiden gemachen
Also ihrn sitz und losament,
Das der baur aufhub seine hend
Und schwur zu got einen hohen eid:
Es solt ihm ewig werden leid,
Wo er den baum nicht hielt in eren,
Er spürt, got wolt ihn so erneren.
Wie denn geschahe. Die bienmenlein
Fürten so viel des honigs ein
Und merten sich von tag zu tag,
Das der hof all voll bienen lag
Und der man daraus löset geld,
Sein haushalten gar wol bestellt.
Wer gottes gab helt lieb und wert,
Dem ist segen und gnad beschert;
Wer aber gottes gnad veracht,
Der hat sich selbst zum fluch gemacht."
[77]
Das fünfte teil
Das I. capitel
Das I. capitel.

Wie der storch der frösche könig ward.


"Als nun die frösche angesehen,
Was ihrem könig war geschehen,
Das ihn der baur hat weg gebracht:
Da ward erst der Marx hoch veracht
Mit dem beistand der alten herren,
Keiner wolt ihr mer einen eren.
Koax der war der beste man,
Dem hieng nimmer ein jeder an.
Der hieß die gemein ziehen ins haus
Und einmal wieder schlafen aus;
Sobald die morgenröt anbrech,
Wolten sie halten neu gesprech,
Versuchen, was für rat gefelt,
Wie das königreich werd bestellt. –
Got aber hat an diesem allen
Ganz und gar durchaus kein gefallen
Und schloß, er wolt ihn einen stellen,
Würden sie die wal auf ihn fellen,
[78]
Er solt ihn die hauben so rücken,
Das sie sich müsten für ihm bücken.
Der narr kem doch sonst nicht zur witz,
Ehe denn er sich am schaden schmitz.
Drum als vergieng die finster nacht,
Die morgenröt den tag anbracht,
Die frösch auch all beisamen waren,
Des Koaxen rat zu erfaren,
Sahen sie einen stolzen man
An dem ufer spazieren gan
Und eine schlang gering bezwingen,
Im angriff tödten und verschlingen;
War als ein halb kamel gestalt,
Etwas kleiner, schön ausgemalt,
Sein angesicht schön weiß und rein,
Sein augen wie karbunkelstein,
Sein mund schön rot wie die kornrosen,
Rote stiefeln trug er für hosen,
Sein schneweiß kleid war schwarz gezieret,
Sein pantufl horn, glanz auspolieret
Und gehertet mit schlangenblut,
Als Signoten harnisch und hut,
Anschaulich, prechtig und großmütig,
Aber dabei leutselig gütig
Anzusehn der ganzen gemein.
Jeder rief: Der sol könig sein,
Wenn der das reich wil nemen an,
So haben wir den rechten man!
So murt und quackt beid groß und klein,
Obgleich die alten sprachen: Nein! –
Der Koax sich selber entsetzt,
Wolt doch nicht gern bleiben der letzt,
Sondern zog mit hin zu dem man,
Sprach ihn ihr aller wegen an:
[79]
Gnad, herr, das ganze fröschgeschlecht
Vermeint, es hab geschlossen recht,
Das ihr warheit fordert mit fleiß,
Weil euer kleid ist schwarz und weiß,
Das ihr liebet gerechtigkeit,
Weil ihr schön rot daneben seid,
Dazu auch sanftmütig und lind,
Weil ihr im tritt nicht eilt geschwind,
Sondern gemachsam einhergehet,
Wie einem weisen wol anstehet,
Eur heupt ist auch kein wetterhan,
Sondern bleibt unbeweglich stan,
Oder wendet sich mit bedacht,
Welchs denn sein bestendigkeit macht.
Insonderheit gefellt ihn wol,
Das ich billig auch rümen soll,
Das ihr für keiner schlang erschreckt,
Wie weit sie auch die zung ausstreckt
Und ihre giftige zene drauet,
Dafür uns fröschen heftig grauet.
Mit einem griff ist sie geschlagen
Und muß hinab durch euern kragen
Und all ihr tyrannei bezalen,
Die sie uns beweist oftermalen.
Darum als wir die heldentat
Semtlich sahen in unserm rat,
Rief alsobald die ganz gemein:
Der held soll unser könig sein!
Das on zweifel got hat vorsehen,
Denn on got kan doch nichts geschehen.
Derhalb ist hie das ganze reich
Und bittet euch mit mir zugleich,
Ihr wollet annemen die er
Und sein der frösch könig und herr,
Sie für der schlangen macht erhalten,
Frieden und recht bei ihn verwalten.
Nichts soll an uns werden gespürt
On was eim untertan gebürt.
[80]
Wir woln euch sein getreu und hold,
Alles tun, was ihr haben wolt;
Und würd der feind sich was anmaßen,
Woln wir gut und blut bei euch lassen.
Ihr frösch, sagt ihr alle ja darzu,
Das ich dies nach eurm willen tu?
Sie antworten: Ja, ju, ja, jo,
Wir habens befolen also.
Vivat rex, vivat, vat, rex, rex,
Er sol sein unser rex und lex!
So rief der ganze hauf mit schall,
Das es gab einen widerhall,
Als wenn in schmelzhütten die hemmer
Ein puffen machen und gedemmer,
Das einem orn und hirn beteubt;
Sie riefen mer denn jemand gleubt.
Die alten aber saßen fern
Und sahen dies spiel gar ungern,
Sprachen nur: Ach und wehe uns armen!
Got woll sich der torheit erbarmen!"
[81]
Das II. capitel
[82] [81]Das II. capitel.

Wie der storch das froschkönigreich annimmt und ansehet.


"Der neu könig selber erschrak,
Gedacht: was ist dies für ein tag,
Das dir solch wunder widerfert?
Die sach ist wol bedenkens wert!
Wie sie aber all worden still,
Anhören wolten was er will,
Spricht er: Ihr herrn, ihr lieben leut,
Nemet euch zum bedenken zeit;
Denn vorgetan und nachbedacht
Hat manchen in groß leid gebracht!
Die warheit und gerechtigkeit.
Auch sanftmut und bestendigkeit
[81]
Hab ich zwar allzeit hochgehalten,
Ich laß die schlangen auch nicht walten,
Sondern erwürg sie one gnad,
Wie mir denn got befolen hat,
Das ich mit ihnen streiten soll;
Zum könig abr dien ich nicht wol,
Weil ich allein nach recht regier,
Ein ernst, gestreng regiment für.
Nicht wol, regiert derselbig man.
Der nicht übrsehn, nachgeben kan.
Gar zu scharf gar bald scharten bracht;
Hart schneuzen blutig nasen macht.
Und ihr, wie ich mich dünken laß,
Seid erwachsen zum freien paß
Und tut gern was euch wolgefellt,
Es sei im wasser oder feld.
Darum bleibt frei, wie ihr jetzt seid,
Oder schwert mir zuvor ein eid,
Das ihr, was ich gebieten werd,
Alles wolt halten unbeschwert;
Wer es nicht helt, der soll ausstehen
Was er an der schlangen gesehen.
Wolt ihr euch bdenken, so zieht hin;
Bleibt ihr abr fest auf euren sinn,
Das ich euer könig sein soll,
So versteht ihr die meinung wol. –
Ein jeder bleib auf seinem stand
Und heb empor die rechte hand
Und schwer also: Got, hör es an:
Ich wel zum könig diesen man,
Das ich ihm, nechst got, er und recht,
Wie gebürt eim getreuen knecht,
Untrtenigst will gehorsam sein
Oder erwarten todespein. –
Bald schwur den eid die ganz gemein,
Herren und knecht, beid groß und klein:
[82]
Der man sei unser rex und lex,
Vivat rex, vivat, vat, rex, rex!
Als wenn die entn bei haufen baden,
Mit ihrm gequetsch den regen laden."
[83]
Das III. capitel
[84] [83]Das III. capitel.

Des storchs landrecht und execution.


"Als das geschrei auch war gestillt
Und jedes herz in freuden spielt,
Das sie so schönen könig hatten.
Auch immer neher zu ihm traten
Aus dem wasser hin auf das gras.
Und einer auf dem andern saß,
Wie die emsen zusammenlaufen
Und sich dringen in einen haufen –
Sprach der könig: In gottes namen
Fahe ich an zu regieren. Amen.
Höret zu all in großer still
Was ich nun euch gebieten will.
Erst fürchtet got von herzengrund
Und preiset ihn mit eurem mund,
Insonderheit rufet ihn an,
Wenn ein groß wetter will aufstan.
Zum andern tut den könig er,
Denn er ist nunmer euer herr,
Weichet ihm alzeit von der straß,
Ein jeder auch sein reden laß.
Zum dritten will ich das euch leren,
Das ihr solt vatr und mutter eren
Und sie im alter nicht verlassen;
Kein junger soll den alten hassen,
Sondern die alten erlich halten:
So wird er auch in eren alten.
[83]
Zum vierten soll ihr erlich leben,
Euch nicht auf schand und laster geben,
Nein jungfrauschaft und ehestand lieben
Und euch in guten sitten üben.
Zum fünften ist auch recht und fein,
Das man eim jeden laß das sein,
Nicht schad eins andern leib und gute
Aus geiz odr zornigem mute.
Niemand soll fremd gebiet und recht
Wider recht ziehn auf sein geschlecht,
Darum weil got verordnet wol,
Das ich den menschen dienen soll,
Bezalen wie ein dankbar gast,
Das ich bei ihm hab schutz und rast,
Wie sie mich denn in freundschaft kennen,
Ihrn storch, heilbot und alvater nennen.
So gebiet ich, das euer kein
Dem menschen sol verdrießlich sein,
Seine garten und wiesen betreten
Insonderheit bei dorf und steten.
Im see halt jeder seinen stand
Und wander nicht mer auf dem land.
Ans ufer mag er wol austreten,
Daselbst sitzen, singen und beten,
Jedoch weichen zus königs er
Und wo der mensch spazieret her.
Wenn ihr dies haltet algemein,
Will ich euer trost und schutzherr sein,
Gar fleißig auf euch achtung geben,
Sobald ihr anfanget zu leben,
Und für die schlangen wol verwaren.
Wer sich aber anders wird gebaren,
Den wil ich strafn an leib und gut;
Darum seht zu, das ihr recht tut.
Wo man nicht findet der straf exempel,
Da wird veracht rathaus und tempel. –
[84]
Als der könig die red getan,
Hub sich ein wunderlermen an;
Für andern aber drang herbei
Koax und macht ein groß geschrei,
Das er und seine rottgesellen
Die alten schelm nicht eren wöllen.
Sie können sich auch nicht verzeihen,
Das sie im gras nicht hielten reihen –
Und was der sachen war noch mer.
Darum erzürnt der könig ser.
Und als sie zu ihm drungen ein
Und greifen ihm an seine bein
Mit bitt, er wöll sein ordnung brechen
Und die alten nur gar erstechen,
Trat der könig zurück hinab
Und sprach im zorn: Ich werd knip, knap,
Wo man mein ordnung helt für spot!
Damit knip er den Koax tot,
Dazu noch über funfzehn ander,
Verschlang sie alle nach einander.
Solch lon bekam, der got veracht
Und auch der alten rat verlacht. –
Er zog auch eilend aus der seit
Zween starke flügel, lang und breit,
Und fur damit über den see.
Die frösch riefen: O wehe uns, wehe,
Nun müssen wir alsamt vergehen!
Wer kan und mag uns nun beistehen?
Der könig ist vom teufl besessen,
Er wird uns all schlagen und fressen.
O hetten wir noch unsern bloch!
Damit kroch ein jeder zu loch,
Und durft keiner in dreien tagen
Etwas reden oder was fragen,
[85]
Und wenn gleich einer kuckt herfür,
Müst er doch wagen abenteur,
Das der könig am ufer gieng
Und ihn mit dem schnabel empfieng.
Die schlangen furchten auch den tod,
Krochen zu uns in ihrer not
Und fraßen den wirt und die seinen.
So wurden zweifacht unser peinen:
Denn wer könig bloch nicht will leiden,
Dem ist der storch zur straf bescheiden."
[86]
Das IV. capitel
[87] [86]Das IV. capitel.

Die frösch suchen bei den alten rat und welen einen neuen könig.


"Einstmals, als es ser finster war
Und man besorget kein gefar,
Saß der laubfrosch Wrex auf ein blatt
An einem ror, war hoch und glatt;
Rief laut, das am see weit erschallt.
Die frösch krochen herfür gar bald,
Meinten, es würd nun sicher sein,
Weil der laubfrosch quetschet so fein.
Und als sie all zusamen kamen
Und ihren könig nicht vernamen,
Fiengen sie an ihr leid zu klagen
Und um ein guten rat zu fragen,
Wie mans doch immer machen solt
Mit ihrem könig herr Barthold
Leisetritt, den großen tyrannen,
Der Koax fraß samt seinen mannen.
O kluger Marx, o Morz, Coard,
Quadroquor, Amor, Marquard, Morard,
Was gabt ihr uns einen guten rat;
Koax uns gar betrogen hat!
[86]
O komt durch got und rat mit ein,
Was in der not das best wil sein! –
Die alten hieltn an ihrem ort
Und hörten die betrübte wort;
Und ob sie gleich sich vorgenommen,
Zun jungen nimmermer zu kommen,
Die ihr zuvor gespottet hatten,
Das königreich nerrisch verraten:
Dennoch, weil es warn ihre leut,
Kinder und kindskinder die zeit,
Vetter, oheim, schweger, paten,
Die ihnen auch viel freundschaft taten,
Meinten sie doch in solcher not,
Da es ihn allen gölt den tod,
Man solt das gemein best bedenken
Und seinen zorn demselben schenken.
Es blieb doch bei dem alten reim:
Bei weisheit muß ein torheit sein;
Denn ein um die ander regiert,
Das hett man hiebei auch gespürt.
Zogen derwegen allesamt
Traurig hin zu der andern stand. –
Jeder ihn aus dem wege gieng,
Bis sie beschlossen einen ring,
Allerseits die alten umgaben.
Rülinger sprach: Ihr solt dank haben,
Ihr edle, alte, weise herren,
Die wir billig für veter eren,
Das ihr uns habt ser wol geraten;
Das wir aber darnach nicht taten,
Das macht ein junger stolzer man,
Und das wir alle torheit han.
Kein weiser man ward je genant.
Bei dem man nicht ein torheit fand.
Wir bitten got und euer er,
Ihr wolt mit uns nicht zürnen mer,
[87]
Sondern uns veterlich vorschreiben,
Was wir machen und wo wir bleiben
Für des tyrannen große macht,
Die uns in not und tod gebracht.
Wir wollen folgen euerm rat,
Odr got erzeig uns keine gnad!
Wir wollen auch zu aller zeit
Eurn namen preisen weit und breit,
Koax abr und Kekechs verfluchen
Mit allen, die eigen nutz suchen,
Das alle nachkommen behalten:
Der beste rat sei bei den alten!
Als er dies sagt, ward ein geschnatter:
Marx, Marx ist unser lieber vatter!
Wie die frösch noch allzeit sagen,
Wenn sie einander um rat fragen."
[88]
Das V. capitel
[89] [88]Das V. capitel.

Des alten Marxen rat, wie man daheim das regiment bestellen soll.


"Lieben herren und lieben kinder,
Sprach der alte Marx, ihr seid nicht rinder,
Sondern von der propheten art,
Den heimlichkeit ward offenbart
Vom sommer, sonnenschein und regen
Und wie sich die winde bewegen.
Was soll aber der weise man,
Der ihm selber nicht raten kan
Und, wenn er gleich hört guten rat,
Dennoch nicht folget mit der tat?
Was sol man raten oder taten,
Da alle sachen sein verraten?
Es ist nun eur wille geschehen
Und damit leider viel versehen,
[88]
Denn das jemandes zwingen wolt
Euren neuen könig Barthold,
Ist alles von vergeblichen dingen,
Dieweil kein schlang ihn mag bezwingen,
Er nimt und fürt sie alle daher,
Als wenns der teufel selber wer.
Er stehet auch nicht ab von dem amt,
Weil ihr ihm geschworen allesamt,
Und ist kein zweifl, got hat gewolt,
Das er eur torheit strafen solt. –
Es ist dennoch nicht alls verloren,
Wenn ihr nur guten rat wolt hören.
Ich hab eurn könig angesehen:
Er kan wol an dem ufer gehen
Und etwas in dem wasser waten
So weit die stiefeln sein geraten,
Nicht schwimmen und tauchen geschwind,
Weil seine füß on ruder sind.
Darum regieret er im land
Und auswendig die see am rand;
Die tief aber bleibt uns allein,
Darein können wir sicher sein,
Auch wol im ror, für seinem schlagen,
Das wasser kan ihn gar nicht tragen.
Es bleibt uns auch die nacht allein,
Er schleft und mag nicht bei uns sein. –
Ist derhalben mein rat und ler:
Wer gnarret hat, der narr nicht mer,
Erzürn got nicht, folg gutem rat,
So komt er nicht in größer schad!
Darnach, weil ihr den storch erkoren
Und ihm ein hohen eid geschwaren,
So halt den eid und sein gebot;
Wer den eid bricht, der lestert got,
Und got straft es an kindes kind:
Das sich in der erfarung findt.
Insonderheit weil sein gebot
Nicht ist wider natur und got;
[89]
Denn ob es wol ser geht zu herzen,
Wenn man sein freiheit soll verschmerzen,
Nicht tun als man zuvor gewont,
Mit leibesstraf nicht sein verschont,
So soll man doch nicht widerstreben.
Wenn man die freiheit hat vergeben.
Wenn man einmal geschworen hat,
Zu halten des königs mandat,
Sein recht hat man vergeben schlecht,
Wie man spricht: Wilkür bricht landrecht. –
Unterdeß, weil der storch gestatt,
Das ihr euch selbst regiert mit rat,
Das wir fortan in unserm see
Unordentlich nicht leben mehe
Und darüber von jar zu jar
Immer kommen in mehr gefar,
So erwele man weise leut,
Die anfahen morgen und heut
Aufzuschreiben gesetz und recht,
Darnach sich richt unser geschlecht,
Die erbarlich und billig sein,
Laster nicht lassen reißen ein,
Niemand mit ungerechtigkeit
Zufügen ein beschwerlichkeit,
Die loben muß, wer nur ist bieder,
Die dem könig nicht sind zuwider.
Die gesetz sollen sein unser herr,
Soln uns richten, sonst keiner mer.
Des gesetzes diener wollen wir sein,
Damit wir bleiben frei und rein;
Niemand soll tun was ihm gefellt,
Sondern was ihms gesetz vorstellt;
Wer dawider will tun und leben,
Der sol gut oder leben geben,
Oder wir woln ihn aufs land jagen,
Daselbst mag er dem könig klagen,
Was er für böse tat begangen,
Und sein verdiente straf empfangen.
[90]
Wer aber lestert wider got,
Es sei im ernst oder im spott,
Dem schneid man ab die zung sobald,
Das er ewig stilschweigen halt
Und sein leben zubringen muß
Fern in der insel Seriphus. –
Damit aber jeder erfar,
Was im gsetz recht odr unrecht war,
Soll man ordnen zwelf weise herrn,
So unserm ganzen reich zu eren
Das recht lernen und jedem sprechen,
Wie man straf, die sich dran verbrechen.
Und das man ere, was diese sagen,
Und straf, die nach dem recht nicht fragen,
Muß auch ein könig sein bestallt,
Der über ihrem rechtspruch halt,
Der so mechtig sei und bewert,
Das sich keiner wider ihn sperrt;
Denn gebieten on straf und macht
Macht herren und gebot veracht. –
Das auch der könig nimmer frei
Gebraucht seines willens tyrannei,
Die rechtsprechen und ihr geschlecht
Veracht, unterdrückt wider recht:
So bleibt die alte ordnung gleich,
Das sieben fürsten sein im reich,
Die neben andern haben macht,
Den könig zu tun in die acht
Und einen andern zu erwelen,
Der tue was ihm die recht befelen. –
Der könig und die sieben herren
Werden zu des ganzen reichs eren
Wol befördern zu aller frist
Was jederman zutreglich ist,
Das adel, bürger, baur und knecht
Ein jeder bleib bei seinem recht.
[91]
Denn wo kein stand behelt sein er,
Bleibt in dem reich kein freiheit mer.
Wies denn bei tyrannen zugehet,
Freiheit bei ihnen geferlich stehet,
Alzeit neidet der tyran
Ein freie stadt und freien man. –
Vornemlich aber muß man haben
Viel schulen vor die junge knaben,
So unsr religion und recht
Lernen und leren im geschlecht,
Rechtsprechen, oder falscher ler
Warheit setzen zur gegenwer,
Und sein gleich bei ihn wenigr gaben,
Denn man zu der schulkunst muß haben,
Ists doch gnug, das sie den anfang
Oft behalten ihr lebelang
Mit beten, latein, guten sitten,
Das sie ihr recht und straf erlitten,
Dabei gewont je lenger je mer,
Das man obrigkeit billig er. –
Darnach muß man auch wechter setzen
Wider all die, so uns verletzen,
Die uns warnen für allen schaden
Und nicht verreter heimlich laden,
Das ihr, wenn der könig komt her,
Euch machet von dem land ins mer. –
Endlich, weil es unmüglich ist,
Das man fried hab zu aller frist,
Weil unter uns auch selbst viel leben,
Die nach unruhe und hader streben,
So muß man kriegesordnnng machen,
Richtig bestelln nach allen sachen,
Nach emtern befel, man und pferd,
Was jedem für besoldung werd,
Wer zuerst und zuletzt auf sei,
Wie man dem feind auch komme bei,
[92]
Wie man dem storch selbst weren solt,
Wenn er wider recht handeln wolt,
Und was anders oder dem gleich
Nötig würd mer erkant im reich.
Das regiment war wol gemacht,
Das beim frieden den krieg bedacht. –
Wenn denn jeder sein amt verwalt:
Der könig schutz, das recht der alt,
Der gemeine man erbeit und neren
Und wir alsamt gotfürchtig weren,
Würd got mit uns zufrieden sein,
Wolfart geben der ganzn gemein,
Jeder im fried und freuden leben,
Got wol rat und tat dazu geben. –
Das ist mein bedenken und rat.
Den Rülinger gefordert hat.
Wolt ihr folgen, es steht euch frei;
Wolt ihr nicht, so ists nicht neu,
Das ihr verachtet guten rat
Und trauret nach nerrischer tat.
Quad, quad, sprecht ihr, wenn ihr was habt;
Wenns weg ist, so wars hochbegabt;
Wenn der besem gar ist verkert,
So rümt ihr ihn erst erenwert;
Was euch got gab, ist nie bedacht,
Was er euch nam, ward hoch geacht. –
Die alten stimten überein:
Dies sol auch unser meinung sein!
Die frösch riefen auch überlaut:
O wer Marx hett zuvor getraut!
Marx, Marx, Marx ist der rechte man,
Wir nemen Marxn zum könig an,
Der weiß das recht, der weiß gelimpf,
Mit got und recht ists ihm kein schimpf.
[93]
Marx wollen wir gehorsam schweren
Und ihn für unsern könig eren!"
[94]
Das VI. capitel
[95] [94]Das VI. capitel.

Rederlaomar, des Marxen son, wird zum könig erwelet.


"Marx erschrak für seiner froschleut
Wunderantwort, wal und bescheid
Und sprach: Ich nem die wal nit an
Und will gar nicht das ansehn han,
Als wenn ich reit zu meinen eren,
Will auch mein alter nicht beschweren.
Welet zum reich ein jungen man,
..................................................
Gern will ich mit raten in sachen,
Mit erbeit weiß ich nichts zu machen;
Hab ich etwas geraten recht,
Schont zu dank mich und mein geschlecht. –
Dies ward weitleuftig disputiert
Und wunderlich herumgefürt,
Wie der wind eine feder helt,
Da man nicht weiß, wo sie hinfellt.
Endlich ward Rülinger befolen,
Er solt aussprechen unverholen
Was in dem rat beschlossen wer.
Der sprach auch: Herr Marx, alter herr,
Es bekennet das ganze reich,
Das unter uns euch niemand gleich
Mit weisheit und getreuem herzen;
Damm hören sie an mit schmerzen,
Das ihr könig ihr nicht sein wolt,
Das ihr billig annemen solt.
Dieweil sie aber hoch geschworen,
Zu tun und nicht allein zu hören
Was euer rat begeren würd,
Nichts anders sich demnach gebürt,
[94]
Denn das sie das getreulich halten,
Verschonen ihren lieben alten. –
Aber also und dergestalt,
Das denn got der herr selber walt,
Das ihr, herr Marx, neben den alten,
Die es alzeit mit euch gehalten,
Als Koard, Morz und herr Marquard,
Amor, Quadroquor und Morard,
Kökre, Quare, Kakokera,
Kunkerlekunk, Morquetera,
Unsers reichs ordnung und recht beschreiben
Und desselben rechtslerer bleiben.
Euer son aber, der bei euch helt,
Der großmütig tapfer held,
Wolgnant Marx Kederlaomar,
Nach dem, der Elams könig war,
Wird angemeldt euch algemein,
Das er soll unser könig sein,
Schützen recht und gerechtigkeit,
Nicht nach zorn, sondern billigkeit.
Wir sind hiermit sein untertan,
Wollen tun als getreue man.
Es wollen auch die fürsten sieben
Ihn als ihres reichs könig lieben
Und neben ihm gotsfurcht und er
Und was not ist befördern mer.
Wie sie mir denn haben befolen,
Das ichs also vermelden sollen.
Wer wider diesen abscheid tut,
Dem soll es kosten gut und blut,
Er soll am land im elend leben,
Der storch soll ihm die blonung geben!
Seid ihr der meinung, sprecht alsamen
Mit ausgestreckter hand: Ja, amen!
Der hauf der rief: Jo, jo, amen,
Wir sagen ja in gottes namen."
[95]
Das VII. capitel
Das VII. capitel.

Ursprung des königlichen stammes bis auf könig Bausbacken.


"Der könig Kederlaomar
Für viel jaren mein anherr war,
Da ich bin seins sons kindes kind;
Sonst aber man in bücher findt,
Wie ich selber auch hab gelesen,
Der Marx sei vor ein mensch gewesen,
Geboren in großem geschlecht,
So man die Quader nennet recht:
Denn wie Latona bat ein trunk
Für sich und für ihr kindlein jung,
Rürten sie allen dreck empor,
Das wasser sein klarheit verlor,
Welchs die Latona so verdroß,
Das sie den fluch über sie goß,
Sie soltn ewig im wasser bleiben,
Darein ihren mutwillen treiben.
So wurden sie zu frösch gemacht,
Wie in der schrift sonst wird gedacht.
Darum ist des Marxen geschlecht
Verstendig auf weisheit und recht
Und zu dem königreich erwelt,
Wiewols keiner erblich behelt,
Sondern das die fürsten all sieben
Welchen sie des geschlechts belieben
Ihres gefallens frei erwelen
Und ihm das königreich befelen. –
Es ist auch vielfeltig bedacht,
Weil man weder durch list noch macht
[96]
Sich des storchen macht kont entnemen,
Ihm auch weder entgehn noch zemen,
Das man seinen tod bitten solt,
Ob der son besser werden wolt.
Welcher nicht kont blutgierig sein,
Weil er hett schwarzen mund und bein,
Weil er nur kleine würmlein schluckt
Und der frösch keinen unterdruckt.
Got hört es auch; der alte starb,
Der junge storch seine stet erwarb,
Der könig auch selbst zu ihm trat
Und um gnedig regierung bat,
Das er zusagt, wenn man nur tet
Was sein vater geboten het.
Ach wie oft wird hofnung betrogen,
Wie oft hat Werweiß gar gelogen!
Schnabel und bein wurden bald rot,
Er biß mer als sein vater tot,
Er bracht auch alle brüder mit
Und leret sie denselben schnit,
Die erzogen all so viel kind,
Das wir am land nicht sicher sind,
Das auch nach unser veter ler
Kein roter frosch on groß beschwer
Im austmonat das maul auftut,
Es sei am land odr in der flut,
Bis das die störch all sind verflogen
Und in ein ander land gezogen.
Sonst ist im see noch fried und freud:
Got bhüt ferner vor allem leid! –
Es komt aber daher unser klag,
Die wir füren zu nacht und tag,
Das Koax und der Kechs Barthold,
Den storch, zum könig haben wolt;
[97]
Und wie geckisch wir taten dran,
Das wir Marxen und seine man,
So uns recht und gericht beschrieben,
Nicht wolten als die veter lieben.
Denn wenn man schuldig straf muß tragen,
So pflegt man sein torheit zu klagen."
[98]
Das sechste teil
Das I. capitel
Das I. capitel.

Was von dem Beißkopf beratschlaget worden.


"Als nun des königreiches grund
Geleget war, so gut man kunt,
Ward ferner manchfeltig bedacht,
Was man von unserm Beißkopf macht.
Etlich wolten, er solte genesen
Und bleiben wie er vor gewesen;
Die andern wolten seine land
All geben in der fürsten hand,
Von denen er alles genommen,
Durch lügen er und gut bekommen,
Weil das kein praescription hat,
Das man erwarb durch falschen rat;
Der drit hauf aber haben wolt,
Das man misbrauch abschaffen solt,
Gut ordnung aber nicht zerrütten,
Das kind nicht mit dem bad ausschütten.
Doch kont man nichts gewiß draus machen,
Weil mit einfieln so viel ursachen. –
[99]
Die erst ursach war aberglaub,
Der ihrer viel macht blind und taub,
Meinten, Beißkopf wer gottesman,
Niemand sol sich vergreifen dran,
Und wenn er gleich ein irrtum hette,
Wer nicht rat, das man ihm einredte;
Ein alte gewonheit und recht
Solt man nicht abschaffen so schlecht,
Ob sie gleich nicht wer wie sie solt
Und man sie gern verbessern wolt.
Darum auch sagt ein heiliger man,
So groß sünde wer nicht daran,
Das man den götzen opfer bracht,
Als wenn man uneinigkeit macht;
Endrung brecht alzeit mer gefar
Denn sonst in der gewonheit war,
Endrung macht uneinigkeit und streit
Und greift gemeinlich gar zu weit.
Des Beißkopfs ler wer von viel jaren;
Die alten auch nicht narren waren;
Der alte glaub wer je der best,
Den solt man alzeit halten fest.
Und was wolt das geben für lermen,
Wenn jeder wolt was eigens schwermen
Und geistlich sein on alle orden,
Die aus der not gestiftet worden,
Damit man kont den falschen leren
Jederzeit fein ordentlich weren.
Dazu man auch must güter haben,
Die fromme leut got willig gaben;
Wer sie ihm nem, dem würd es gehen,
Wie man am adler hett gesehen,
Da er vom altar nam das best
Und fürts sein jungen in sein nest,
[100]
Wust nicht, das ein kol daran hieng,
Davon gar bald das nest angieng,
Und nert die flammen von den winden,
Verbrant den vater mit den kinden.
Der geistlich güter macht gemein,
Wird, ehe er meint, ein betler sein. –
Die ander ursach war herkommen
Von dem ernst und eifer der frommen,
Die sich hielten von sünden rein,
Schlossen aus des himmels gemein
Alle, so unter Beißkopf lebten,
Bei irrenden schafen umschwebten.
Man solt sie alle verdamt nennen,
Wie auch Beißkopf alls wolt verbrennen,
Als Elias ehemals auch meint,
Got würd nicht finden seinen freund
Im land da man kelber anbet,
Dem Baal götlich er antet;
Da sonst andre gaben bericht,
Es wer gottes geheim gericht,
Ob nicht sein geist ein herz anrürt,
Da teglich würd sein wort gefürt,
Wenn gleich der rechte verstand noch schlief,
Doch kein mutwill mit unterlief.
Wie ehemals unter Phariseern,
Esseern und auch Saduceern,
Unter eim haufen böser leut
Etlich durch Christum sind erfreut.
Des worts schülr müst man unterscheiden
Von allen unberichten heiden
Und nicht so geschwind urteil sprechen,
Den bogen im spannen zubrechen. –
Die drit ursach war eigennutz:
Einer hoft von dem Beißkopf schutz,
Wolt seiner gnad und woltat leben,
Hoft, er würd ihm was großes geben;
[101]
Der ander wolt es alsobald
Zu sich auch reißen mit gewalt,
Zur kirchen nutz gar nichts gestehen,
Solt auch die ler zu bodem gehen,
Odr wolt den nußkern selber essen,
Den glerten die schlauben zumessen.
Insonderheit dasselbig teten
Die fürsten, so die schwindsucht hetten
Aus unmeßigem zer erlangt,
Die ihren kindern noch anhangt. –
Daraus entstand mit großem streit
Die viert ursach: uneinigkeit,