Anton Ulrich
Herzog von Braunschweig
Die durchleuchtige Syrerinn Aramena

Der Erste Theil

Vor-Ansprache zum Edlen Leser
Vor-Ansprache zum Edlen Leser.

Wann wahr ist / wie es nicht kan geläugnet werden /daß in dieser sterblichkeit nichtes bässer sei / als die Seele in ihren ursprung senden / GOtt das höchste Gut recht erkennen / und demselben durch Tugend sich gleichförmig machen: so müssen / unter allen Schriftarten / die bästen seyn / die uns zur Gottes erkentnis füren / und zur Tugend anweisen. Beides verrichten / die Historien oder Geschichtschriften: denen wir auch eher und mehr / als den blossen Lehrschriften / gläuben. Dann / da lernen wir den allweißen /gerechten / gütigen / allmächtigen und warhaften GOtt / aus seinen werken / aus der wunderbaren Regirung / aus denen über die Tyrannen und Boshaftigen verhängten Straffen / aus beschirm- und belohnung der Gottliebenden und Tugendhaften / und aus der erfüllung seiner Verheisungen / erkennen. Wir lernen auch daraus / die Tugend lieben und die Laster hassen: weil wir lesen / wie es mit beiden endlich wol und übel abzulaufen pflege. Wir lernen das Ubel dulten: weil wir an den Beispielen sehen / daß viel tausend andere auch eben das erlitten / und das ende davon erlebet. Es sind auch keine bässere Staats-Lehrschriften / als die Geschichtbücher. Die Welt / ist eine Spiel-büne / da immer ein Traur- und Freud-ge mischtes Schauspiel vorgestellet wird: nur daß / von zeit zu zeit / andere Personen auftretten. Was ist /(predigt der allerweiseste Staatsfürst /) das geschehen ist? eben das / so hernach geschehen wird. Geschihet auch etwas / davon man sagen möchte: Sihe das ist neu! dann es ist zuvor auch geschehen / in den zeiten /die vor uns gewesen sind. Es geschihet nichts neues unter der Sonne. Ist dannenhero eine grosse torheit /daß man (wie er fortpredigt /) nicht gedenket / wann man auf diesen Staat-Schauplatz seine person zu spielen auftritt / wie es zuvor einem andern gerahten ist. Mancher würde einen Krieg / eine verfolgung / oder sonst eine Atheistische Statistenhandlung / in der geburt erstecken / wann er die Historien fleissig läse /und daraus lernte / wie an Pharao / Jerobeam / Ahab /Julianus und andere / vor ihme / in eben dergleichen vorhaben / den Kopf zerlaufen.

Die Geschichten in ihrer angebornen ordnung / mit benennung der personen / zeit und orte / beschreiben /ist die gemeinste art der Geschichtschriften / welche man Annales oder Jahrbücher zu nennen pfleget: deren die erste von Mose / dem heerfürsten des volks Gottes / geschrieben worden. Es ward auch diese art Schriften / nämlich das Geschichtschreiben / nach der zeit sehr hochgehalten: also daß hohe Staatshäupter /auch dapfere helden und kriegsfürsten / sich nicht gescheuet / ihre eigene oder auch frömde thaten aufzuzeichnen und in eine Historie zu bringen. Diß thäten die zween stiftere der Römischen Monarchie und erste Käysere / Julius und Augustus: deren jeder seine eigene Kriegszüge / (wovon des ersten sein Buch vom Gallischen Krieg noch vorhanden ist /) in ihrer Muttersprache ja so trefflich beschrieben / als löblich sie dieselben verrichtet haben.

Es sind aber sonsten noch zwo arten der Geschichtschriften / deren eine man ein Geschichtgedicht / die andere eine Gedichtgeschicht nennen möchte. Die Gedichtgeschicht-Schriften / behalten zwar die warhafte Historie mit ihren haupt-umständen / dichten aber mehr neben umstände hinzu / und erzehlen die sachen nicht in der ordnung / wie sie sich zugetragen. Auf diese art wurde bei den Heiden die allererste und ältste Historie / und zwar vom Homerus dem Fürsten der heidnischen kunstdichtere / zu zeiten des Profeten Elias / poetisch und in gebundener rede geschrieben /und in deren beiden theilen / in der Ilias der Trojanische krieg / in der Odyssea aber die grosse weltreise des Griechischen Helden Ulysses / beschrieben. Diß Buch hat der grosse Alexander so wehrt geschätzet /daß er es tag und nacht bei sich gefüret / und als er /im Persischen kriegszug / ein köstliches güldenes mit edelsteinen verseztes schatzkästlein gebeuret / die Homerus-Schriften / als sein liebstes und edelstes kleinod / darein geleger. Diesem hat nachgeamet / der zweite Poetenfürst Virgilius Maro: dessen Eneis / die Begegnise des Trojerfürsten Eneas / in einer unvergleichlichen Gedichtschrift gleichfalls poetisch vorstellig machet: und als er / vom tod übereilet / solche nicht in die verlangte vollkommenheit einrichten können / auch dannenhero das schöne werk / durch lezte willens-verordnung / dem Feuer vermachet / hat Käyser Augustus / durch offentlichen lob-ausspruch (welches herrliche Carmen die gelehrte welt noch mit verwunderung liset /) diesen lezten willen aufgehoben /und diß geistfeuer von der leichfakel errettet. Ist eine unvergleichliche Ehee / von einem höchsten und löblichsten Monarchen der welt / dem kunstfleisse eines Poeten angethan: unserem jetzigem unartigem welt-alter zur beschamung / da mancher Großhans nicht allein die feder in der Poesy zu füren sich schämet /sondern auch diese edle kunst an andern verlachet und verachtet. Der grosse Augustus hat nicht allein / besagter massen / seinen Maro nach dem tode mit versen beehret / sondern auch / neben seinem geheimsten Raht dem Mecänas / ihn so reichlich beschenket / daß er einen Schatz von 225000 Cronen hinterlassen. Wie dann auch dieses Käysers schwester / die Prinzessin Octavia / als sie ihn die 26 verse / die er von ihrem sohne / dem Marcellus / dem sechsten Buch seiner Eneis eingerücket / ablesen hören / vor trauer-freuden in eine onmacht dahin gesunken / und ihme nachmals / für jeden vers / dritthalbhundert Cronen zahlen lassen.

Die Dritte art der Geschichtschriften / die Geschichtgedichte / tragen entweder eine warhaftige Geschicht unter dem fürhang erdichteter Namen verborgen / sind in ihren umständen anderst geordnet / als sie sich begeben / und ihre Historie ist mit andern umständen vermehret / die sich war-scheinlich begeben können: oder es sind ganz-erdichtete Historien / welche der Verfasser erfunden / seinen verstand und sich in der Sprache / darinn er schreibet / zu üben / auch andere / durch lehr-hafte beispiele / von lastern ab-und zur Tugend anzumahnen. Dergleichen Geschicht-mähren / sind zweifelsfrei weit nützlicher / als die warhafte Geschichtschriften: dann sie haben die freiheit / unter der decke die warheit zu reden / und alles mit-einzufüren / was zu des Dichters gutem absehen und zur erbauung dienet; da man hingegen / in warhaften Historien / nicht allein die warheit nit allemal schreiben / noch die handlungen beurteilen darf / sondern auch nit alles darinn findet / womit man gern den verstand üben und zur tugendliebe bereden wolte. Ist derhalben torheit / solche Geschichtgedichte darum verwerfen wollen / weil sie nicht beschreiben / was sich in der that begeben hat. Dann / ob es schon in den Jahrbüchern nicht zu finden ist / daß die beschriebene Geschichten / zu selbiger zeit und an solchen orten mit so-genannten personen / sich zugetragen: so sind es doch begebenheiten / die einmal und irgendwo mögen geschehen seyn / oder noch geschehen möchten. Dergleichen Historien / sind zu allen zeiten geschrieben / auch in H. Schrift die Bücher von Tobia und Judith für solche gehalten worden. Bei den Griechen / sind berümt: des Eustathius / Ismene; des Achilles Tatius / Leucippe; des Sophisten Longus /Dafnis; und unter den Christgläubigen / des Heliodorus Bischofs zu Trica in Thessalien / Charielia. In Latein / haben dem Virgilius / jedoch in ungebundener rede / nachgeamet / Apulejus / mit seiner Psyche; Barclajus / in der trefflichen Argenis; und der verfasser des schönen Ormunds. Zu unsern zeiten / haben die gelehrtste federn sich gleichsam in einen wettstreit eingelassen / welche die andere in dieser art Schriften überkünstlen könte. Hispanien / hat uns die schöne Diana / und Frankreich durch den Herrn von Urfe die Astrea / geboren. Der Englische Ritter Sidney / und der wälsche Ritter Biondi / haben durch die sinnreichste Arcadia und angeneme Eromena / ihre namen unter die gestirne gesetzet. Italien und Frankreich /prangen annoch mit soviel dergleichen Büchern / daß man bei der mänge sich arm sihet / indem die wahl schmerzet / welchem man solle den vorzug geben.

Teutschland hat endlich auch angefangen / mit solchen Schriften seine Sprache auszuzieren: worzu der Freiherr von Kuffstein / der dapfere Kriegsobriste Dietrich von Werder / und unser Teutscher Homerus /indem sie die Spanische Diana / des Tasso Gottfried und die Argenis künstlich geteutschet / das erste Vorspiel gegeben. Aber zu zeigen / daß auch Teutschland grosse geister habe / die etwas aus eigenem gehirn herfür bringen können / haben die zween teure Palmgenossen / der Vielgekörnte (besagter Obrister von Werder /) die Dianea / und der Sinnreiche (Herr von Hohberg /) die Proserpina und den Ottbert / ihre eigene Sinnbruten / so preisbar an das tagliecht gestellet /daß sie nicht allein denen ausländischen die wage halten / sondern auch vielen derselben fürwägen können.

Es sind / dieser art Historien / vor allen anderen Schriften / ein recht-adelicher und darbei hochnützlicher zeitvertreib / sowol für den / der sie schreibet /als für den / der sie liset: wie dann auch die jenigen /so dergleichen geschrieben / meist entweder vorneine Stands- und sonsten adeliche personen / oder doch leute gewesen / die mit solchen personen kundschaft gepflogen haben. Bücher / die vom Schul- Glaubens-und Rechtsgezänke handeln / gehören für die jenigen /welche hiervon beruff machen. So werden auch / ordentliche Zeitgeschichtbücher / zwar mit nutzen / jedoch zuweiln mit eckel gelesen. Aber diese Geschichtgedichte und Gedichtgeschichten (von derer zahl aber / die Amadifische und andere aufschneiderische albere Pedantische fabelbruten und mißgeburten / ausgeschlossen werden /) vermälen den nutzen mit der Belustigung / tragen güldene Aepfel in silbernen Schalen auf / und versüssen die bittere aloe der warheit mit dem honig der angedichteten umstände. Sie sind Gärten / in welchen / auf den Geschichtstämmen / die Früchte der Staats- und Tugendlehren / mitten unter den Blumenbeeten angenemer Gedichte / herfürwachsen und zeitigen. Ja sie sind rechte Hof- und Adels-Schulen / die das Gemüte / den Verstand und die Sitten recht adelich ausformen / und schöne Hofreden in den mund legen. Sie lehren / durch vorstellung des unbestands menschlichen glückwesens / der liebes- und lebensgefärden / der gestrafften tyranney und untugend / der vernichtigten anschläge / und anderer eitelkeiten / wie man das gemüte / von den gemeinen meinungen des adel-pöbels läutern / und hingegen mit Tugend und der wahren Weißheit adeln müsse.

Wann nun / dergleichen Bücher / der Adel mit nutzen liset / warum solte er sie nit auch mit ruhin schreiben können? Und wer soll sie auch bässer für den Adel schreiben / als ein person / die den Adel beides im geblüt und im gemüte träget? Wer / von der weise zu regiren / weißlich schreiben kan: der weiß zweifelsfrei auch wol zu regiren / oder zur löblichen regirung zu helfen. Ja / er lernet solches im lehren / und schreibet ihm selber ins herze / was er auf das papier schreibet. Solte eine Stands- oder Adelsperson / die feder allein auf dem hute füren / und sich schämen /dieselbe auch in die hand zu fassen? Ist dann nicht /der verstand und dessen vielwissenheit / das bäste stuck des Menschen / die feder aber / sowol als der mund / des verstandes dolmetscherm? So muß folgen / daß eine Stands- oder Adelsperson auch in gesellschaft nicht verständig reden müsse / wann sie nicht verständig schreiben darf. Wer verstand hat / soll solchen / der welt zu nutzen und ihm selber zu ruhm /herfür leuchten lassen. Nun sollen die Edlen / als die grösten unter den Menschen / auch die Bästen / und folgbar die Verständigsten seyn; und wann sie es sind / sollen sie sich als solche der Welt zeigen: welches nicht anderst geschehen kan / als durch reden und schreiben.

Daß die zween erste Römische Monarchen und Käysere / Julius und Augustus / (wie beym Suetonius zu lesen /) ingleichen vor- und nach ihren zeiten viel Römische Staatsfürsten und kriegshelden / Bücher geschrieben / ist zuvor berüret / und könte mit vielen beispielen erwiesen werden. Solte nun heut dergleichen Personen eine Schande seyn / was damals / da fast die klügste welt / weil welt ist / gelebet / ein ruhm und ehre gewesen? Solte man nicht / mit dem gelehrten König Alfonso zu Neapels / von einem kunsthässigen Edelgebornen / der also urteilen darf / aufruffen: Diß sei / nicht eines Menschen / sondern eines Ochsens stimme? Und solte man / einen solchen Richter / nicht mit Midas ohren krönen? Wer ein gutes Buch schreibet / der schreibt seinen namen in das Buch der Ewigkeit: da hingegen die namen derer /die sich / zum hochleuchtenden Sternenflug / nicht mit kunstfedern beflügeln mögen / nirgend als in ihrer Genealogie zu finden ist / oder doch ihrer in den Historien nit bässer / als des Midas / erwehnet wird. Soll die adeliche Belustigung allein im Reiten / Fechten / Tanzen / Jagen / Trinken / Spielen / und dergleichen Eitelkeiten / bestehen? Ist nicht das Gemüte und die himmlische Seele edler / als der irdische körper? So muß dann auch die Verstands-belustigung adelicher seyn / als die leibes ergetzung. Man mag zwar um diese sich annemen: aber jene soll man darbei nicht unterlassen.

Wir Teutschen lassen uns / in Italien und Frankreich / zu adelichen Leibs-übungen anweisen: warum lernen wir nit auch / von dem beispiel dieser Nationen / die löbliche kunstliebe und verstands übung? Haben dann / die Päpste unserer zeit Urbanus VIII und Alexander VII, auch sonst viel Cardinäle / Bischofe /Fürsten und Magnaten / sich des Bücherschreibens geschämet? Pranget nicht / Hispanien / mit seinem Savedra? Italien / mit den Schriften des Grafen Pallavicini / des Venedischen Ratsherrn Johann Franz Loredano? Frankreich / mit dem Bischof Bellay / mit den Herren von Bartas / Thou / Balsac / Charron / Pibrac und Scuderi? Engelland / mit besagtem Ritter Sidney und dem Grafen von Verulam? Worzu nutzet unser Reisen in diese Länder / wann wir allein die Eitelkeit / und nicht auch die Kunstliebe / ihnen ablernen wollen? Wollen wir Teutsche zu unserer voreltern Barbarey und wildheit wiederkehren / deren fäuste /wie Hieronymus von ihnen schreibet / am schaft des Spisses erkru et / und zum schreiben untüchtig worden? deren dapferkeit die ganze welt durchsieget /aber mit ihnen gestorben / weil sie allein den degen /und nicht zugleich den Schreibgriffel / ergriffen?

Der allerlöblichste Käyser Maximilian der erste diß namens / welcher / als ein Teutscher Apollo / in einer faust zugleich schwerd und feder gefüret / und die Künstinnen / insonderheit die Fräulinn Historie / in Teutschland einberuffen / hat nach dem fürbild obbelobter seiner beiden ersten Reichsvorfahrere / seine Lebensgeschichten selber in eine Gedichtgeschicht /unter dem namen des Blank-Königs / verfasset: welche / als ein sonderbares kleinod des Erzhauses / annoch vorhanden ist. Gleich huntert jahre nach seinem tod / hat in Teutschland der allerlöblichste Fruchtbringende Palm-Orden zu grünen angefangen: in welchem / nun von 50 jahren her / viele Fürstliche und Gräfliche / auch andere Stands / und adeliche Personen sich befunden / die zu Teutscher Nation und ihrem eigenen unsterblichen ruhme / die Kunstwelt und unsere Sprache mit vielen fürtrefflichen Schriften bereichert. Solche sind / im Fürstenstande / aus den häusern Anhalt / Braunsweig / Hessen und Mekelnburg / der Nehrende / Unveränderliche / Befreiende /Siegprangende / Kitzliche / Wolgenannte / Füttrende und Gefällige; im Grafen- und Herrnstande / der Unglückseelige / Kunstliebende / Kühne / Sinnreiche /Grünende und Vollziehende: im Adelstande / der Vielgekörnte / Feste / Unverdrossene / Friedfärtige /Geheime / Fördrende / Gleichgefärbte / Erwachsende /Gebrauchte / Behütende / Hülfreiche / Entleibende /Vollziehende und Ordentliche: welche alle / als der hohe Raht des Teutschen Parnassus / ihre Verstands-haabe so rümlich bewäret / daß andere / die allein auf Eitelkeit und Staatisterey bedacht sind / und den Kunstfleiß / dessen sie nicht fähig / verachten / sich selbst mit einbildung mehrerer klugheit zu beschmeicheln nicht ursach haben.

Jeztbenannte helden und Edle Geister / haben /nach dem vorsatze allerlöblichst-gedachter Fruchtbringenden Gesellschaft / ihre Schriften in unserer Teutschen Haupt- und Helden-Sprache / verfasset: hierinn dem fürbilde / nicht allein der alten Griechen und Römer / sondern auch der heutigen Italiäner /Franzosen und anderer Nationen nachamend / welche ihren Kunstfleiß zu ausübung und aufname ihrer Muttersprache / und nicht frömder Sprachen / anzuwenden pflegen. Es ist an sich selbst lächerlich / daß wir Teutsche mit grossem unkosten / frömde Sprachen zu erlernen / ausreisen / und unsere eigene edle Sprache zu haus verunachtsamen: da doch die Frömden uns diese Ehre hinwiederum nicht anthun / und wird man nicht allein keinen Wälschen oder Franzosen / an stat seiner Muttersprache / teutsch reden hören / sondern auch ihrer keiner wird mit sich anderst / als in selbiger seiner Sprache / reden lassen / oder eher eine dritte Sprache / wie in Gesandschaften zu geschehen pfleget / hierzu erwehlen. Thun nun diß die Frömden / mit ihren unvollkommenen Stümpel-Sprachen: was hat dann unsere Teutsche Sprache / die doch eine Welthaupt-Sprache ist / und von Babel mit ausgegangen /verschuldet / daß wir sie zum Pöbel verbannen / und lieber den Frömden nachparlen? Und wird dannenhero auch billich dem Irrwahn etlicher Schul-gelehrten in Teutschland widersprochen / die dem Teutschen Sprache fleiß / und auch-gute Teutsche Schrifften / allein darum verachten / weil sie nicht in latein geschrieben sind.

Zu Käysers Augusti und in den nächstfolgenden zeiten / war die Griechische Sprache / wie jezt unter den Teutsch-Römischen Augusten die Latinische / die Schul-Sprache / in deren die Künste geschrieben waren / und erlernet musten werden. Haben aber / um deß willen / die Römer ihre Sprache verunachtsamet und unter die dank geschoben? Haben nicht / Cicero und andere Römische Redner / allein in Latein offentliche Reden gehalten und Sendbriefe geschrieben? Sind nicht die Römische Historien / sind nicht auch ihre Staatssatzungen und Rechtsbedenken / in der Römischen Sprache geschrieben worden? Haben sie nicht alle Kunst- und Lehrschriften / aus andern / in die Lateinische Sprache übergetragen? Würde nicht dazumal für einen Fantasten seyn gescholten worden /wer zum Cicero / Virgilius / Livius / Seneca / Tacitus und anderen treffachen Schriftverfassern / gesaget hätte: Eure Schriften taugen nichts / weil ihr nicht Griechisch / sondern nur Latein / schreibet? Hätten Augustus und seine Reichsnachfolgere ihr Latein nicht erhoben: es würde jezt wol nicht die allgemeine Welt-Sprache seyn. Warum soll es dann unrecht und verächtlich seyn / wann wir Teutsche / nachdem die Römische Käyser würde an unsere Nation gelanget /ebendas mit unserer Sprache thun / was die Römer /unter ihren Augusten / mit ihrer Sprache gethan haben? Das Latein muß freylich bei uns / wie bei den Römern das Griechische / gelernet: aber darbei unser Teutsch so wenig / als von ihnen ihr Latein / verworfen / sondern vielmehr gleich demselben erhoben und zur aufname gefördert werden. Es ist aber insonderheit bei den Geschicht- und Tugendlehrschriften vonnöten / daß dieselben in der Muttersprache geschrieben werden: damit auch das Frauenzimmer / und andere / die nicht in Schulen aufgewachsen / solche zu ihrer erbauung lesen können.

Die edle Poesy und Dichtkunst / mit deren / vor anderen Schriften / die Gedichtgeschichten und Geschichtgedichte pflegen untermängt- und gleich als mit perlenreihen gestickt zu werden / hat heut zu tag mit dem Teutschen Sprachfleiß einerley widrigen Gestirn-einfluß / und muß sich gleichfalls von dünkelwitzigen Zoilen übel ausrichten lassen / welche dieses schöne Fräulin zu dem Gelehrten-pöbel verweisen /und nicht würdig achten / daß sie von hoher und adelicher hand zum Ehrenthron gefüret werde. Es schmerzet diese Dame billig / so eine zeit erlebt zu haben: zumal wann sie sich erinnert / wie sie in den vorzeiten so hoch beehret worden. Alexander der grosse Weltbezwinger hat sich nicht geschämet / die von den abschreibern verfälschte verse des Homerus / mit eben der hand / welche von sovielen überwundenen völkern angebetet worden / zu entfehlern. Von Käyser Augusto ist zuvor erwehnt worden / wie er / und zwar einem Poeten zu ehren / poetisiret: massen auch von ihme bekant ist / daß er ein Traurspiel vom Ajax in gebundene rede zu fassen angefangen / aber solches /weil ihm frömde Gedichte bässer als seine eigene gefielen / wieder aus der Schreibtafel gelöschet / und nachmals hiervon zu scherzen pflegte / sein Ajax habe sich mit einem Schwamm erstochen. Wie seine Reichsnachfolgere diese kunst geliebet und geübet /davon wäre ein grosses Register vor augen zu legen.

Aber wir wollen mit den gedanken weiter zurücke und zwar in die alte Gotteskirche wandern / und daselbst die Dichtkunst / durch die hand der Gottesheiligen / verhimmelt sehen. Mose / der Mann Gottes /auch Fürst und Heerfürer des volks Gottes / ist zugleich der Poeten Fürst und Vorgänger / als der erste Kunstdichter: wie seine zwei schöne Lieder / und der neunzigste von den Psalmen Davids / welcher ihme durch die Uberschrift zugeschrieben wird / bezeugen können. Sein und der Debora beispiel / welche auch dieses volks heerfürstin und zugleich eine Kunstdichterinn gewesen / dienet zum beweiß / daß der Heldenmut und Dichtergeist gern in einem gehirn beisammen wohnen / und dieser jenem wol anstehe. Es ist kein wunder / daß zu unserer zeit der Dichtgeist aus vielen Hochfürstlichen Prinzessinnen und anderen Stands-Frauenpersonen so herrlich herfür flammet: weil selbiger auch bei der Gott-erwählten Hebreischen Nation / nicht allein in dieser Debora / sondern auch in der Miriam des Mose schwester / in der Hanna / in der heldin Judith / ja auch in der vom heiligsten Gottes geisterfüllten Gottes-Mutter / der höchstgewürdigten Maria / gebrennet / wovon ihre himmlische Lob- und Danklieder reden. Was sollen wir lagen von David /dein Mann lieblich mit Psalmen Israel / dem Hebreischen Apollo? Wieviel schöne Lieder hat er / erstlich als Schäfer auf der weide bei Bethlehem / und hernach als König in der hofburg Zion / welcher Berg sein Parnaß gewesen / gedichtet und in seine Harffe gesungen? Ja er hat zu Jerusalem einen Dichter-Orden gestiftet / in welchem Assaph / Korah / Heman / Ethan /Jedithun und andere Poeten / derer 288 gezehlet werden / miteinander in die wette gesungen. Was sein sohn Salomo für ein trefflicher Poet gewesen / weisen die schönsten Eclogen seines hohen Brautliedes. Die Könige Josafat und Hiskia / der fürstliche Profet Esaias / die fromme Männer Syrach / Tobias und Zacharias / und die drey Hof-Fürsten zu Babel / tratten auch in diese Poeten-gesellschaft: und hat in diesen letzeren / das Geistfeuer / mitten in feuerofen gebrennet. Daß man aber im volk Israel / nicht allein Psalmen zur Ehre Gottes / sondern auch andere Lieder poetisiret / ist abzumerken aus dem schönen Klaglied /womit David seinen herzfreund Jonathan und dessen vattern zu grab gesungen / wie auch aus des Profeten Jeremia recht-poetischen Klagliedern: und ist kein zweifel / es werden unter den 1005 Liedern des Königs Salomo / auch viele gewesen seyn / die er seinen weibern zu lieb und lob verfasset.

Ist nun sovielen heiligen leuten / grossen Königen und Fürsten / insonderheit dem Salomo / unter allen Königen dem reichsten / weisesten und geehrtisten /das Poetisiren keine schande gewesen: was torheit ist es dann / wann heut zu tag ein Midaskopf / sich mit seinem urteil übereilend / diese edle und von sovielen hohen händen geadelte Kunst / einer hohen und adelichen hand übel-anständig achtet? Zumal / da auch zu unsern zeiten / oberwehnete Päpste und andere ausländische Stands- und Adelspersonen / insonderheit in unsrem Teutschland soviele Fürstliche und Edle Mitglieder der Fruchtbringenden Gesellschaft / ihre übrige zeitweile mit diesem Kunstfleiß zu adeln sich nicht geschämet? So ein Ubelrichter muß erstlich erweisen /daß er weiser und verständiger als Salomo sei / wann er demselben vorrücken darf / daß er / seinem Königlichen Ehr-ansehen zu nachteil / ein Poet gewesen sei. Daß aber ungesalzene Reimenleimer und abgeschmacke Tropfen / ihre albere und oftmals schändliche mißgeburten mit dem Ehrnamen der Poesy betiteln dörfen / solches kan dieser edelsten Fräulinn so wenig zu schimpf gereichen / als einem Menschen die torheit eines Affen / der seine kleider angezogen. Die Arzneikunst wird darum nicht verachtet / weil es Marktschreyer gibet / die sich deren mit ungrund berümen. Die Käyser-würde wurde zu Rudolphs I zeiten darum nicht geringer / weil der Müller Tile Colup sich für den Käyser ausgegeben.

Was bisher gesaget ist / das ist gegenwärtiger Aramena zu ehren geschrieben: bei deren sich alles das befindet / was den Geschichtschriften und Geschichtgedichten zu Lob geredt worden. Sie hat eine hohe hand zur gebärerinn / und der Edle leser / ihre höchste fürtrefflichkeit erkennend / wird bekennen müssen /daß sie billiger Minerva als Aramena heisen solte: weil es scheinet / sie habe ein Jovis-hirn zum mutterleibe gehabt. Sie ist / nicht im Schulstaub / sondern zu Hof erwachsen. Sie ist auch nicht mit gesellschaft des Pöbels bestäubet: sondern redet höchsthöflich und recht-fürstlich / von Fürstlichen Geschichten. Sie öffnet eine Gedult Schule: mit erzehlung ihrer Verfolgungen und Unglücksfälle. Sie weiset einen Schauplatz / der Tugend und Lastere / und darauf-ergangener Göttlicher belohn- und abstraffungen. Sie stellet auf / einen Hof- und Welt Spiegel / darinn die / so sich selber nicht kennen / ihre Gestalt ersehen können. Sie setzet einen Staats-Lehrstul / und lässt von demselben reden / die beispiele der jenigen / die viel anschläge ersonnen / aber nichts damit gewonnen haben. Sie solte wol die Teutsche Minerva heisen: weil ihr Schmuck nicht / wie anderer solcher Prinzessinnen / von andern Nationen entlehnet und hergeholet / sondern in Teutschland / und zwar zierlicht- teutsch / verfärtigt worden. Sie hat aber Aramena heisen müssen: weil sie eine Syrerinn / auch meist mit Syrern und deren Nachbaren vergesellschaftet ist. Und weil sie zu der zeit gelebet / da der Patriarch Jacob sich in Mesopotamien befunden / auch derselbe ihr verwandt ist: als hat sie / ihn und seine befreundte /mit in ihre gesellschaft genommen. Sie redet auch billig Teutsch: weil sie nicht allein mit Teutschen Fürsten viel umgegangen / sondern auch eine derselben endlich zum Gemal bekommen.

Die Begierde der Verstand- und Sprach-übung /auch das gemüte mit einem edlen und nützlichen zeitvertreib zu belustigen / hat dieses Geschichtgedichte zur welt geboren. Damit aber hierdurch nicht allein der Kunst- und Tugendliebenden ihre erbauliche Ergetzlichkeit / sondern auch Gottes Ehre / gefördert werden möchte: als sind die Morgenlande zum Schauplatz dieser Historie erwehlet / und die Biblische Geschichten selbiger zeit / auch durch deren veranlassung die anweise und bekehrung der Heiden zum wahren Gottesdienst / mit eingerücket worden. Solchergestalt wird / auch diese edle Belustigung / wie wir dann bei allen unsern thun uns Gottes erinnern sollen / zur Göttlichen Ehre verwendet. Die Geschichtbücher der H. Schrift / füren hin und wieder die Heidnische Historien mit ein / und reden von den Egyptischen / Philistischen / Syrischen / Babylonischen / Griechischen und anderen Königen: ist es demnach auch erlaubet / daß man in heidnischen Geschichtschriften / gleichfalls der Historien Heil. Schrift mit erwehne. Zudem / weil Gott und Satan auf Erden zugleich ihr Reich und Kirche haben / so muß folgbar eine Geschichtschrift von beiden Reichen und Kirchen zugleich reden: welches um soviel unsträfflicher geschihet / wann die Erzehlung auf jenes Reichs erbauung und dieses zerstörung / wie dißorts / und also auf Gottes Ehre hinauslaufet: massen auch unsere Durchleuchtigste Syrerinn / vom Heidentum / zur wahren Gottes-erkäntnis bekehret worden.

Und obwol dieses eine erdichtete Historie ist: so ist doch zu allen / und insonderheit bei Jacobs / seiner Eltern und Kinder leb-zeiten / viel dergleichen fürgegangen. Man kriegte / man tyrannisirte / man machte freundschaft / man hassete / betroge und unterdruckte einander. Unter den geliebten Prinzessinnen / werden in dergleichen Schriften zuweiln Königreiche und Länder / welche ihre werber zu haben pflegen / oder sonst Tugenden / Künste / Aemter / Güter und andere sachen / die man verlanget / verstanden: sind es also nicht allemal Liebesgeschichten / dafür man sie ansihet. GOtt selber vergleicht zum öftern / durch den mund seiner Profeten / sein volk einer Braut und Bulschaft / und die beide Königreiche Juda und Israel /zweien weibern / die er geliebet: derer Namen er auch ändert / und die eine Ahala / die andere Ahaliba nennet.

An den hierinn beschriebenen Lastern / hat niemand ursach / sich zu ärgern: weil / wie gesagt / der Satan überall mit regiret / und daher kein ort oder zeit ist / da sich nicht auch bosheiten begeben / die dann in die Historie (massen auch in H. Schrift geschehen /) mit einlaufen. Wer von einem laster liset / findet /in erfolg der Geschichte / auch dessen Straffe: deren er sich ebenfalls zu versehen hat / wann auch er selbigem laster sich ergeben wolte. Man kan / ohne Füllerey / den Wein trinken / und des Eisens / sonder damit zu morden / sich gebrauchen. Auf einer Wiese / wachsen giftige und gesunde Blumen durcheinander. Aramena wünschet Bienen / und keine Spinnen: die da Honig / und nit Gift / bei ihr zu holen kommen. Auf welchen fall sie um soviel mehr eilen wird / dem Edlen Leser ihre noch-hinterstellige Schönheit auch zu zeigen / und / das in diesem Ersten Theil eingewirrete Rätsel ihrer Geschichte / in den folgenden Büchern wieder zu entwickelen.

Das Erste Buch
Geburt der Syrischen Aramenen

Es ist aller welt bekannt / wasmassen das mächtige Königreich Syrien / von dem König Kemuel / in den flor und wolstand gesetzet worden / darinn es unter seiner löblichen regirung geblühet. Er war des berümten Fürstens von Mesopotamien / des Nahors / dritter sohn: ein so tugendhafter dapferer Herr / daß er auf der welt nicht würde seines gleichen gehabt haben /wann ihme nicht der Himmel / in seinem Ehestand /von der Assyrischen Prinzessin Ziparis / einem einigen Sohn hätte lassen gebohren werden: welchem die natur / als [58] ihr volkommestes werk / ganz unvergleichlich hervorgebracht. Dieser fürtreffliche Herr / der sich Aramenes nannte / sezte nach seines H. Vattern tod die Syrische kron auf / nachdem er vorher / bei dessen leben / tausend proben seiner dapferkeit in unterschiedenen kriegen gewiesen / also / daß ihm schild und helm sowol als kron und zepter anständig waren. Er heuratete zu des Königs von Gerar schwester / der Philistina: die ihme / erst nach zehen jahren / als er eben sieghaft aus dem Armenischen kriege wiedergekehret / einen sohn gebohrn. Aber das kind kostete der mutter das leben / massen sie / etliche tage nach der geburt / die welt gesegnete / und dem kleinen Prinzen / die grosse hoffnung des reiches / die erziehung ihres gemahls und ihrer schwester der Prinzessin Andagone / hinterliesse. Diese name denselben / auf bewilligung des Königs / mit sich nach Gerar / alda er erzogen wurde / aber / nach erreichtem zehenden jahr / die grosse hoffnung / so er von sich gemachet / mit dem leben geendet. Wie besagte geburt-leidfreude dem König widerfuhre / kame ich eben an seinen hof. Und weil ich mich rühmen kan / daß ich mit ihme einen großvatter / nämlich den Fürsten Nahor / gehabt / wiewol mein geschlecht nicht von dessen fürnemster frauen / sondern von einer andern entsprossen: als wurde ich von dem König mit sonderbaren gnaden angesehen. Ich bin auch / von der zeit an bis in sein ende / bei ihm verblieben: und mag ich wol sagen /daß ich stäts der nächste üm diesen herrn gewesen /und also die innerste gedanken seines herzens erfahren habe.

Nachdem nun die tugendhafte Königin Philistina von ganz Syrien etliche jahre betrauret worden / ermahneten die Fürsten und Stände des reiches den König einhällig / ihnen wieder eine Königin zu geben / und [59] zwar eine solche / die den getroffenen Armenischen frieden erhalten möchte. Demnach zoge er nach Ninive / alda der weise Arius / des Königs Armatrites von Babel bruder regirte: welcher / mit einer Armenischen Prinzessin / zwo töchter / die Naphtis / und die wunderschöne Philominde / gezeuget hatte: welche jüngere Prinzessin / von vielen ausländischen Fürsten / wegen ihrer unvergleichlichen schönheit bedienet wurde. Weil kein Prinz vorhanden / und dannenhero die ältere Prinzessin des reiches Erbin war / und ihr künftiger gemahl durch sie König zu Ninive werden solte: als schickte der König von Babel seinen jüngsten sohn / den Bel Ochus / üm diese Erbprinzessin zu werben / um also die Ninivitische Cron bei der Babylonischen beständig zuerhalten. Dieser Assyrische Prinz ware / vor unserer ankunft / schon etliche monden daselbst gewesen. An statt aber der Naphtis aufzuwarten / hatte er sich dermassen in die Philominde verliebet / daß er sie fast keinen augenblick verlassen konte. Er muste aber dieses feur heimlich halten /damit der König Arius ihr H. Vatter / und die ihm von seinem H. Vatter zugegebene / solches nicht merken möchten.

Mein König wurde / von den Niniviten / mit aller ehrbezeugung entfangen / und befande bald von der Prinzessin Philominde schönheit sich dermassen gerühret / daß er sie gleich in seinem herzen zur Syrischen Königin erwehlet. Doch wolte er / bevor er bey ihren H. Vatter öffentliche anwerbung thäte / von ihr selbsten erstlich vernehmen / ob sie ihn lieben könte: weil er keine / die ihm aus gehorsam oder Staats-ursachen das jawort gäbe / sondern eine / die eine herzliche liebe zu ihm sezte / zur gemahlin verlangte. Es fiele ihm aber gar nicht schwer / in der Prinzessin herzen ein liebesfeur anzuzünden: [60] dann seine seltne tugend / hoher verstand / und angenehmes wesen so liebwürdig waren / daß er auch ohne Kron ihr hätte gefallen müssen. Der eiversüchtige Bel Ochus / spürete diesen gefärlichen und beliebten mitbuhler am ersten / und wolte schier rasend darüber werden: allermeist / da er sich so gar ohne macht sahe / dessen glück zu hintern. Die Prinzessin wurde / mit gutachten aller stände und freudiger einwilligung ihres H. Vattern / an meinen König versprochen: welcher darüber so seelig / als Bel Ochus unseelig / sich schätzete. Dieser liesse hierauf seine liebe / die er bis daher heimlich gehalten / alle welt spüren / und dorfte / aus angebornem hochmut / die Prinzessin meinem König öffentlich bestreiten / auch in gegenwart ihrer ihme fürsagen: er solte sie / weil er leben würde / nicht ruhig besitzen. Diese freche worte beantwortete Aramenes mit aller höflichkeit / sagende: man müste seiner jugend viel zu gut halten / und würde / wann er die zurück geleget / die wahre vernunft sich hingegen bei ihme einstellen. Hierbei gabe er ihm die lehre /daß er durch ein ungereimtes drauen sich nicht verächtlich machen solte / massen ein pochen ohne macht nur ein gelächter zuwegen brächte.

Dieses hönisch-halten verdrosse den hochmütigen Prinzen erst am allermeisten / und schwure er / an ihnen beiden sich zurächen. Diß ward von der Philominde in scherz also beantwortet: wañ er das thun wollte / so müste er mit ihrer schwester das reich Ninive heuraten; sodann würde es ihm seine rache auszuführen / an macht nicht fehlen. Diese worte machten in seinem herzen den daß vollends wurzeln: welcher hernach ganz unversönlich worden / und so grosses elend in Syrien angerichtet. Von dem tage an /hielte sich der Prinz Bel Ochus zu der Naphtis / verachtete hingegen ihre schwester aufs [61] äuserste / und schritte also von einer übermaß zur anderen. Dann /da er zuvor nicht gewust hatte / wie er die Philominde ganz bedienen solte / sahe er sie jezt kaum über achsel an / und entzog sich nicht / schimpflich von ihr und ihrem Aramenes zu reden: den er aber doch solches nicht hören liesse / in beisorge / von diesem großmütigen Herrn wiederum einen hönischen verweis zu lösen. Nicht lang hernach zoge der König Aramenes / mit seiner geliebten Philominde / von Ninive hinweg: da dann Bel Ochus / wiewol er gegen der Philominde sich einer verachtung angenommen /dannoch beim abschied seine herzens-entfindung nicht bergen kunte / die ihn so verzweifelt machete /daß er fast zu rasen begunte / und deswegen auf ein landgut sich begeben muste / üm sich nicht aller welt den jenigen zuzeigen / der er ware. Nachdem er daselbst allgemach von der raserey sich entwickelt /kehrte er wieder an den Ninivitischen hof: der dann /in abwesenheit der Philominde / ihme die Prinzessin Naphtis nun angenehmer machete / also daß er üm sie bei dem Arius anhielte / und bald darauf das beilager vollzoge. Wir bekamen in Syrien diese zeitungen: worüber unsere Königin sich höchlich erfreuete / in hoffnung / der Prinz würde nun nicht mehr an seine alte einfälle gedenken / sondern die ungereimte liebe /die er zu ihr getragen / wegen ihrer schwester in eine schwägerliche freundschaft verwandlen.

Unlang hernach starbt der König Armatrites zu Babel / und bald darauf der älteste Prinz Xerxes: nicht ohne vermutung / daß sie gift bekommen. Bel Ochus sahe sich nun König von Babel und Erben von Ninive: welches den Ninivitischen Fürsten sehr misfiele / in betrachtung / daß sie also / nach dem tod ihres Königs Arius / unter das Assyrische joch dermaleins gerahten [62] würden. Wie sie dann deswegen den Bel Ochus / vor seiner abreise in sein Königreich /nötigten / sich dahin zu verschreiben / daß das andere kind / so ihme die Naphtis gebähren würde / für den Erben des Ninivitischen reiches erkant werden / und künftig über sie regiren solte. Sobald nun Bel Ochus die Assyrische Kron aufgesetzet / wurde ich von meinem König nach Babel gesendet / ihme zu seiner regirung glück zu wünschen. Man entfinge mich / aber so schlecht und schimpflich / daß ich gnug spüren konte / es wäre dem Bel Ochus noch nicht sein alter groll vergangen / und hörete ich von vielen kriegs-zurüstungen / da doch der König nirgend keinen feind hatte. Ich besorgte nicht vergebens / es dörfte uns gelten: bemühete mich demnach / meine abfärtigung bald zubekommen. Ich wurde aber immer von einer zeit zur anderen aufgehalten / auch so wol verhütet und in acht genommen / daß ich keine post von allem dem /das daselbst vorginge / meinem König zufärtigen kunte.

Endlich / wie es ganz ruchbar in Babel worden /daß der König Syrien bekriegen wolte / und man kein geheimnüs davon mehr machete / liesse Bel Ochus mich ziehen / und waren beim abschied / dieses seine worte: Sage deinem König / daß ich bald bei ihme seyn / und die macht ihme zeigen wil / die man haben muß / wann man rache üben wil. Ich beantwortete dieses / wie mir gebührete / und meines Königes ansehen es erforderte. Als ich mit der zeitung von diesem kriege in Damasco angelanget / befande ich / daß schon alles aus ganz Mesopotamien / Syrien und den ümligenden landschaften dahin geflüchtet war / und ware alles in grösten schrecken: weil man in keiner verfassung stunde / und an nichtes weniger / als an diesen krieg gedacht hatte. Also ware aller muht schon dahin / ehe der feind noch ankame. [63] Und ob wol der dapfere Aramenes / durch sein beispiel / allen Syrischen und Mesopotamischen Fürsten ein herz machete: so waren sie doch so übereilt; daß die nötige zurüstungen zum kriege / weil sie bisher in sicherem frieden gesessen / unmüglich geschehen können. Wie unglücklich nun für uns dieser krieg abgelaufen /achte ich nicht nötig weitläufig zuerzehlen. E. Maj. eigene völker / die damals / wegen der schwägerschaft mit dem Assyrischen hause / dem Bel Ochus waren zuhülfe gekommen / werden wol berichtet haben / wie es in Syrien zugegangen; wie ein ort nach dem anderen sich ergabe; wie unser König nach Gerar / zu seinen schwager den König Abimelech / entflohe; und wie unsere Königin heimlich in des feindes land schutz suchen / und bei ihrer schwester / der Königin Naphtis / die ganze zeit des ersten krieges über / sich aufhalten müssen. Zum unglücke starb auch der Arius / ihr H. Vatter / eben üm selbige zeit: daß also alle unglücks-arten gleichsam zusammen schwuren / diese Königliche personen auf das äuserste zu verfolgen.

Der tugendhafte Abimelech liesse sich unsers Königs elenden zustand sehr zu herzen gehen / und bote ihm alle müglichste hülfe an. Die ansprach beider Könige geschahe zu Ascalon / alda eben üm diese zeit /der mächtige König der Teutschen / der Marsius / mit einigen völkern / aus seinem entfernten Celten-lande angekommen war / sein altes recht wider das Assyrische haus auszuführen. Dann einer seiner vorfahren /der des Königs Ninus bruder gewesen / ware von der berümten Semiramis verjaget worden: welches dieser Marsius zurächen vermeinete. Die ungemeine tugend des Aramenes bewoge diesen ausländischen König so sehr / daß er ihm welche von seinen guten völkeren /unter führung [64] des Fürsten Trebetes / des Herzogens der Golen / zukommen liesse: die neben den Philistern / die der wackere Ahusath / des Königs von Gerar bruder / führete / und den man den Fürsten von Caphtor nennte / gegen Syrien anzogen / und uns /dieses verlorne Reich wieder einzunemen / mit unbeschreiblicher dapferkeit behülflich waren. Die Assyrier / unter dem Prinzen Mamellus / der des Belochus vatters brudersohn ist / zogen uns / unfern vom fluß Amana / mit grosser menge entgegen / und lieferten uns eine schlacht: die wol eine der denkwürdigsten seyn wird / so in Syrien jemals vorgegangen. Ich kan von den unbeschreiblichen thaten des Königs am bästen zeugen / die er an den tag verrichtet / weil ich alles selbst angesehen: und kan wol sagen / daß er damals mehr einem gotte als menschen sich verglichen. Der sieg bliebe unser / nach langem widerstande / und raumeten die Assyrier das feld: worauf wir über den fluß Amana giengen / und die hauptstatt Damasco belägerten.

In wärender dieser belagerung / wurde der gute König mit der gegenwart seiner einzig-geliebten Philominde wieder erfreuet: welche als sie / unsern guten fortgang in Syrien / zu Babel vernommen / durch viele gefärliche anschläge heimlich weggekommen / und /ohne daß der Bel Ochus jemals von ihrer zu- oder abreise etwas inn geworden / glücklich wieder in Syrien angelanget ware. Es würde mir unmüglich fallen / zu beschreiben die vergnügung / die sie beiderseits /nach so vieler gefahr / einander wieder sehend / bei sich entfunden. Ein jeder mag sich das leicht fürbilden / wann ich sage / daß diese beide das verliebteste paar Eheleute gewesen / die jemals gelebet; daß ihrer beider leib ein herz und eine seele beschlossen; und daß eines wollen des andern begehren [65] gehren / und was dem einem zuwider / auch dem andern misfållig gewesen. Der K \nig trachtete um soviel mehr / seine K \nigliche haubtstatt wieder zu erobern / üm seiner Philominde eine ruhigere wonung / als sie im lager hatte / zu verschaffen. Demnach liesse er alsobald einen Sturm vornemen / und ware keiner von hohen oder niedrigen / der nicht mit freudigem muht mit angelauffen: weil es zu vergnügung dieser schönen K \nigin geschahe / die von allen menschen geliebet und gleichsam angebetet wurde. Also brachte ihre liebste gegenwart uns die eroberung dieser mächtigen Statt zuwegen / und setzete dem Aramenes zum andern mal die Syrische Kron auf sein haubt / welche hierdurch ihme wieder zu theil worden.

Der Prinz Mamellus / verstärkete sich inzwischen von neuem mit Assyrischen völkern: und ob er schon mit einer von des K \nigs Aramenes Basen verheuratet ware / so hat er doch / ungeacht dieser verwandschaft / seines Königs angelegenheit fleissig beobachtet. Er lage damals bei Hierapolis / alda er sich von tag zu tag stärkete / und auf Damasco wieder anziehen wolte. Dieses zuverhüten / muste der Fürst von Caphtor mit seinen untergebenen Philistern ihm entgegen gehen. Der Trebetes / mit den dapferen Teutschen / zoge in Mesopotamien / die alda bedrangte Fürsten wieder zubefreyen. Aber der K \nig / neben den Syrern / die täglich aus dem Assyrischen joche zu uns überliefen / bliebe in der haubtstatt des reiches /bis er absehen m \chte / daß seine gegenwart wieder im feld n \tig wäre.

Wir genossen aber dieses sieges nicht lange / und das falsche glůck / welches eine kleine zeit uns seine gůte gewiesen / verwandelte solche so pl \tzlich wieder in ein neues wüten / daß es uns in kurzen den garaus machete. [66] Dann der Fürst von Caphtor / als er sich zu mutig an die Assyrier gewaget / wurde von dem Mamellus gefangen / und gleich nach Babel dem K \nig Bel Ochus zugesendet. Dieser ward höchlich erfreut / seinen feind zu sehen / welcher ihm so grossen abbruch gethan: und von ungemeinem eifer getrieben / erdachte er eine List / die Philister aus Syrien zubringen. E. Mai. werden sich erinnern / daß er dem König der Philister / weil er die innigste brůderliche liebe zwischen ihm und dem edlen Ahusath erfahren /entbotten: wie daß er diesem seinem gefangnen bruder den schmälichsten tod / den man erdenken könte /wolte anthun lassen / wann nicht alsofort er / der Abimelech / sein Volk aus Syrien zuruck beruffen / und dem Aramenes ferneren beistand versagen würde; und solte er ja sich nit lang bedenken / wann er seines bruders leben fristen wolte. Dieses grausame drohen /hatte erwünschte wirkung bei dem K \nig von Gerar: massen derselbe / seinen bruder zuerretten / den guten König von Syrien verliesse / seine völker abforderte /und damit / als er zuvor einen ewigen frieden dem K \nig von Babel geschworen / den Prinzen Ahusath wieder loß bekame. Dieses brachte in Syrien eine unverhoffte änderung / und Bel Ochus / diese gelegenheit in acht zu nehmen / kame selbst mit einem grossen heer angezogen. Inmittels machte Mamellus dem Trebetes so viel zu thun / daß der sich zu schwach befande / alleine was nützliches mehr auszurichten: zumal er auch von dem grossen Marsius keine hülfe mehr zu hoffen hatte / als welcher selber / in den krieg mit dem K \nig von Basan so verwickelt ware / daß er seine macht beisammen behalten muste.

Der unglückselige / wiewol unverzagte K \nig Aramenes / sahe sich nun in äuserster noht: hielte aber für [67] das bäste / keine belagerung zu erwarten / sondern dem König von Assyrien entgegen zugehen / und auf eine schlacht sein letztes heil zu wagen. Demnach brachte er allen Syrischen adel zusammen / die ihr gut und blut bei ihme aufzusetzen entschlossen waren /und zoge damit gegen den Phrat zu / seinen mächtigen feind mit unerschrockenem muht erwartend. Seine liebste Philominde / die grob schwanger war / liesse er zu Reblate / alda sich des Mamellus gemahlin aufhielte: welche heimlich / wider ihres herrn wissen /diese gute Königin aufname / und ihr / die so ein måchtiges reich beherschet / aus erbarmen ein kleines räumlein in ihrem haus verg \nnete. Der abschied /den der K \nig von ihr name / bei welchem ich und die Fůrstin von Naema die Calaride / damals noch ihre jungfrau / zugegen waren / hätte einen felsen zu mitleiden mögen bewegen: und beklagete er / in allen seinen ungemach nichtes mehr / als daß sie / weil sie ihn geliebet / nun so unglückselig werden můssen. Sie hingegen betraurete am meisten / daß sie an dem elend ihres herrn ursach wäre / weil ihrentwegen die verbitterung bei dem König von Assyrien erstlich angegangen. Als sie nun endlich scheiden musten /mochte es der guten K \nigin wol ahnen / daß sie zum letzten mahl mit ihrem gemahl redte: demnach verlore sie alle standhaftigkeit / die sie noch bisher in allem ihren unglůck behalten hatte / und der Calaride in die arme fallend / wurde sie aller sinne beraubet / also daß wir sie in langer zeit nicht wieder aufbringen konten. Endlich / wie ihr geist wiederkommen / wandte sie ihre schöne åuglein auf ihren herrn / sagende: Nemt von mir hiemit an die letzte gute nacht / weil ich wol spůre / wir werden uns nicht wieder sehen; und diese unglückselige frucht / die ich trage / befehle ich hier unsrem Thebah / dieselbe fůr aller [68] feinde gewalt zu schützen / wann mein K \nig und ich nicht mehr seyn werden. Aramenes fiele ihr üm den hals /und er / der sonsten die standhaftigkeit selber war /benetzete ihre wangen so ůberflůssig mit seinen zåhren / daß wir anderen wilde thiere håtten seyn müssen / wann wir nicht zu gleichmäsigem mitleiden wären bewogen worden. Dahero kan ich auch nicht sagen /was weiters bei diesem traurigen abschied fůrgeloffen: dann ich so auser mir selber ware / daß ich nichtes mehr sahe noch hörete.

Wir zogen nun dem K \nig von Assyrien / wie gesagt entgegen / und Trebetes hatte gnug mit dem Mamellus zuschaffen / daß er denselben im gebirg aufhielte / damit er uns nicht konte in den růcken gehen. Darauf wurde die unglückliche schlacht gehalten /darinn Aramenes / der edelste K \nig von der welt /sein leben lassen muste. Dann / nachdem er / mit unbeschreiblicher dapferkeit / bis in den andern tag /dem Bel Ochus den sieg strittig gemachet / und in die gröste gefahren sich gestürzet hatte / wurde er endlich so vielfältig verwundet / daß er / ganz ausgemattet /sich aus dem streit fůhren liesse. Wir brachten ihn in eine schåferhůtte / da er noch zwo stunden gelebet: in welcher zeit sein einziges gespräch von seiner gemahlin war / und muste ich ihme mit einem eide angeloben / daß ich / nach seinem tode / die K \nigin nicht verlassen / und / wann sie mit einer lebendigen frucht niderkommen würde / solche für des Bel Ochus wüten schůtzen / und dermaleins / wann sie erwachsen wåre / ihr zum vätterlichen thron verhelfen wolte. Hiemit /nachdem er einem Diamant-ring abgezogen / und mir zum stäten andenken verehret / sturbe dieser unvergleichliche Herr in meinen armen / feine edle seele von sich gebend / die viel eines bässeren glůckes auf dieser welt wåre [69] wůrdig gewesen / wann das verdienst glückselig machen könte. Durch diesen tod nun /ward Syrien zum andern mal verlohren / und alle Syrische Fůrsten sucheten zuflucht bei des Mamellus gemalin / daß sie / als ihre wase / bei ihrem herrn sich ihrer annehmen solte.

Ich führete meines Königs k \rper mit mir gen Reblate / und kame eben dahin / als die Königin ihres gemals tod erfahren / und eine Prinzessin zur welt geboren hatte. Weil sie nun / gleich nach der genesung /zum sterben sich bereitete / nachdem schrecken / betrůbnůs / und soviel ausgestandenes elend / neben der schweren geburt / sie ganz abgemattet: als liesse sie mich noch für sich kommen / und wolte ihres herrn abschied zuvor aus meinem munde vernemen. Es ware ihr dann sehr tröstlich / als ich sagte / wie sein einiges verlangen nach ihr gewesen wäre. Demnach sprache sie / mit sterbenden munde: Wolan / liebster Aramenes! ich komme zu dir / dein verlangen zuerfůllen. Hiemit losche sie aus / als ein licht / und erwiese solche vergnügung in ihrem tode / daß man ihr diesem sanften wechsel nicht misg \nnen kunte. Des Mamellus gemalin / name nun der kleinen hinterbliebenen Prinzessin / die ihre Fr. Mutter / nach dem K \nig /Aramena genannt hatte / fleissig an / und wuste niemand von ihrer geburt / als sie / Calaride / etliche frauen / und ich: dann es wurde solche gar geheim gehalten / damit der König von Babel es nicht erfahren /und an diesem unschuldigen kinde seine wut üben m \chte. Es kame aber / das geschrei von des Königs und der K \nigin tod / bald ůberall aus der ånge; und wolte man sagen / der Bel Ochus habe üm die K \nigin sich sehr betrübet: wie er dann ihnen nachgehends / zu Damasco / ein treffliches begråbnis und Ehrengedächtnüs / von dem kostbarsten Marmor / aufrichten[70] lassen. Mamellus hatte unterdessen den Trebetes / auf dem Seirischen gefilde / gånzlich in die flucht geschlagen / und damit alles unter Assyrien gebracht /daß also Bel Ochus sich einen herrn dieses reiches sahe. Dieser / zur vergeltung der treuen dienste / die ihme Mamellus erwiesen / machte ihn zum Statthalter in Syrien und Mesopotamien: und behielten alle Syrische Fůrsten zwar ihre güter / wurden aber / von der zeit an / mit grossen schatzungen beleget / also / daß ihnen das Babylonische joch unerträglich fiele.

Wie nun der König Bel Ochus solche grausame that verůbet / und sich wieder nach Babel gewendet /offenbarete die Tharasile ihrem gemahl Mamellus /die geburt der kleinen Aramena: der dann hierůber in nicht geringe sorgen geriete / weil er wol zuvor sahe /was für unruhe / dieses überbliebnen kind von dem K \niglichen Syrischen geblůte / dermaleins dem Bel Ochus erwecken wůrde. Also wuste er nicht / wozu er sich entschliessen solte: weil er / sie töden zu lassen /vom mitleiden behintert wurde; doch auch / sonder gefahr / sie nicht beim leben erhalten kunte. Also geriete er endlich auf die gedanken / sie in dem tempel der Diana nach Ninive zugeben / und damit allem unheil fůrzukommen. Demnach wehlete er mich aus / als der ich / nach meines K \nigs tode / stäts bei ihm geblieben war / und die kleine Prinzessin nicht verlassen wolte / daß ich die Aramena heimlich dahin überbringen solte. Ich wurde ůber diesem fürnemen höchlich bestůrzt und betrübet / durfte aber doch mich dem Statthalter nicht widersetzen. Gleichwol entschlossen / dieses zu verwehren / sagte ich dem Mamellus zu /was ich doch nit zuhalten gedachte / und name mir vor / eher die Prinzessin an einen anderen ort heimlich zu fůhren / als in diesen tempel / da sie [71] nachgehends in ewigkeit nicht wieder ausgelassen / und also des Königs Aramenes begehren nicht würde könen erfůllet werden.

Wie ich nun damit ůmginge / schickete der Himmel ein anderes mittel / daß nämlich Mamellus eilig nach Chaldea in sein vatterland reisen muste / alda er mit seinem ältesten bruder / dem Fürsten Bildat / etwas n \tiges zu thun hatte / und die Tharasile mit sich name / in vermutung / daß sie ůber ein jahr ausbleiben wůrden: in welcher zeit / Calaride und ich / die Aramena nach Ninive bringen solten. Nun hatte Tharasile eine tochter / namens Milcaride / die ein viertel jahr älter war / als die Aramena: dieselbige / entschlossen wir uns / für diese in den tempel zugeben. Demnach gebrauchten wir uns der list / und schaffeten / weil wir im haus allein zubefehlen hatten / der Tharasile bediente nach und nach ab / die bei der kleinen Milcaride waren hinterlassen worden / und namen an ihrer statt andere an / so die beide kinder nicht kenneten und der Aramena / als wåre sie Milcaride gewesen / aufwarten musten. Die Milcaride hingegen nennten wir Aramena / mit deren wir fortreiseten / und sie der Oberpriesterin zu Ninive / der Celie / die des Mamellus schwester ist / von ihres bruders wegen / überantworteten. Wir zogen von dar nach Ur / dem Mamellus von unserer verrichtung bericht zugeben. Dieser Herr wurde hierůber so ruhig / daß er / meinem angewandten fleis nie in vergessen zustellen / mir angelobte. Hierauf reiseten sie gen Babel / dem K \nig aufzuwarten: da dann die Königin Naphtis herzlich froh wurde / von ihrer verstorbenen schwester leuten welche zu sehen. Und weil sie aus dem gerůchte vernommen /daß die Philominde schwanger gewesen / und man ihr gesaget / wie eine kleine Aramena in des Statthalters[72] haus erzogen wurde / mächte sie deswegen grosse verträulichkeit mit der Tharasile / vermeinend / von ihr zu erfahren / ob ihre schwester diese Aramena geboren hätte. Aber diese / als eine der listigsten frauen von der welt / wolte sich gegen die Königin in keinerlei weise heraus lassen / sondern sagete: diese Aramena wåre ihre tochter / und zwar die einige / so sie håtte / weil ihre andere tochter gestorben; und führe sie den namen / von dem K \nig in Syrien / ihrem vettern. Von der K \nigin Philominde aber / thåte sie versicherung / wie daß an ihr / als sie gestorben / kein einiges kennzeichen / als ob sie schwanger wäre / sich ereignet habe. Also brachte sie der Naphtis alles aus dem sinn / und sandte Mamellus / die Calaride und mich / nachdem wir etliche tage mit zu Babel gewesen / nach Damasco fůr-aus: dadurch zuverhůten / daß wir der Königin Naphtis / was wir von der Aramena geburt wusten / nicht offenbaren m \gten; wiewol ich /solches zu thun / nit willens gewesen / weil ich es damals zu meinem vorhaben undienlich erachtet.

Wie endlich Mamellus mit seiner gemalin in Syrien wieder ankame / funden sie ihre vermeinete tochter so artig und schön / daß sie sich h \chlich an ihr ergetzeten: und ward sie von ihnen nicht mehr Milcaride /sondern Aramena genannt / um dadurch zu bestätigen / was sie zu Babel ausgesaget hatten. Dis ware ein gutes vorzeichen des künftigen glückes dieser Prinzessin / daß sie so wunderbarer weise ihren rechten namen behalten muste. Solcher gestalt nun erwuchse Aramena / als des Statthalters von Syrien tochter /sowol mit ůbertrefflichem geist / als mit verwunderbarer sch \nheit dermassen gezieret / daß ganz Syrien von ihr zu sagen wuste: worüber ihre eingebildete Eltern recht stolz wurden. Die Fůrstin Calaride aber /welche den Fürsten Zophar [73] von Naema inmittels geheuratet / ergetzete sich heimlich neben mir / über dieses hinterbliebene kind vom K \niglichen Syrischen Stammen / und preisete den gerechten himmel / der noch diese unschuldige Prinzessin so wunderbarer weise erhalten / und das Aramenische blut nicht gånzlich vergehen lassen.

Als sie das dreyzehende jahr ihres alters erreichet /kame sie / mit ihren vermeinten Eltern und der Calaride / nach Ninive: da dann die Statthalterin sie bei ihres gemals schwester / der Oberpriesterin / auf deren inståndiges begehren / im tempel der Diana bleiben liesse / so lang sie in Ninive sich aufhielten. Die Celia / (also heist die Oberpriesterin /) erfuhre von ihrem bruder / der ihr nichtes verschwiege / daß die andere Aramena die Prinzessin von Syrien wäre /welche er ihr / als ein kind / hingesandt håtte. Diese nun wolte / ihres bruders tochter / auch zu diesem heiligen stand bereden / und brachte es so weit / daß / als Mamellus und Tharasile sie wieder haben wolten /Aramena der Diana sich bereits verlobet hatte / und also / mit gewalt aus dem tempel genommen / mit wiederwillen nach Syrien zurůck reisete. Ich bekůmmerte mich sehr / über dieser der Aramena entschliessung / und bemühete mich / ihr solches vorhaben aus dem sinn zu bringen: sie erwiese aber so eine standhaftigkeit / daß sie nie von keiner heurat hören wolte.

Mein gnådigster Prinz Hemor / wird noch wol wissen / wie måchtig sie / als zu Reblate üm sie bei dem Mamellus ansuchung geschehen / wegen dieses ihres gelübdes sich widersetzet. Ich gestehe / daß ich an meinem orte stark abwehren halfe: weil meinem vornemen damals zuwider schiene / daß ein fr \mder Prinz diese Prinzessin bekommen solte / der schon ein K \nigreich zuhoffen hatte; weil der nicht so eiferig sich bemůhen wůrde / der [74] Prinzessin auf ihren våtterlichen thron zuverhelfen / als einer / der / durch erlangung ihrer person / auch ein so grosses K \nigreich zu beherrschen bekommen könte. Mein wille war / sie einem Syrischen Fürsten zu erwerben: damit die kron bei einem einheimischen verbleiben möchte. Doch funde ich / bei diesen meinem fürsatz grossen widerstand: dañ der ehrneid und die eifersucht unter den Syrischen Fürsten so groß war / daß keiner dem andern wider die Assyrier wůrde beistand geleistet haben; zudem die meisten / mit Assyrischen und Chaldeischen geschlechten verheuratet und befreundet waren. Also geriete ich endlich auf diesen einfall /nachdem ich vernommen / welcher gestalt die sachen hier in Canaan stunden / zu dieser heurat eiferigst zu rahten: wie ichs dann auch so weit brachte / daß die Prinzessin dem Prinzen E. Maj. H. Sohne versprochen worden. Und ob wol Aramena in ihrem vorsatz noch standhaft beharret / ihr der Dianen gethanes gelübde nicht zubrechen: so wirb sie doch selber solches fůr ungültig erkennen / wann sie erfåhret / wer sie ist /auch wie sie / ihrer Durchleuchtigen Elteren leztem willen zugehorchen / und / den thron ihrer våtter zubesteigen / verbunden sey.

Hierzu nun / gnådigster König! k \nnen E. Maj. diesem edlen blut verhelfen / wann sie / nach vollzogener heurat mit dem Prinzen / aller welt ihre geburt offenbaren / und mit macht sie wieder in ihr reich einsetzen. Dieses wird leicht zuthun seyn: massen die Syrische Fürsten nicht sobald ihrer Erbprinzessin namen werden h \ren / so wird ihre begierde aufwachen / das Assyrische joch vom halse zu werfen / und dem Prinzen Hemor / als den Gemal ihrer Erbköniginn / zu ihrem K \nig zuerwehlen. Es wird auch / die vollziehung dieser heurat / allen besorglichen ehr-eifer unter den Syrischen Fürsten [75] aufheben / wann sie nicht eher / als erst nachgehends / hievon etwas erfahren. Weswegen dann Aramena selber / wer sie ist /noch nicht wissen muß / damit sie nicht dieses fůrhaben hintern möge. E. Maj. lasse ich nun h \chstvernůnftig ferner erwägen / ob dieses nicht das mittel sei / dadurch E. Maj. die Fůrstin Ahalibama / der Prinz Hemor die Aramena und mit ihr das reich Syrien / die Seirische Fürsten aber die hoffnung / von ihrem geblůt Cananitische Könige zu sehen / gewiß erlangen können.


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Hiemit schwiege der alte Thebah / und sagte der K \nig: Ihr habet soviel verwunderung als freude / mit diesem eurem bericht / bei mir erwecket / und finde ich euren raht so heilsam / daß ich / deme zu folgen /entschlossen bin / wofern mein Hemor gleiches sinnes mit uns ist. Können wol (antwortete dieser Prinz) E. Maj. daran zweifelen / daß des Thebah fürschlag mir solte angenem seyn / der mir die h \chste glückseligkeit wird zu wege bringen? Ja / gnädigster K \nig! ich verlasse gutwillig alles recht an dieses reich / wann ich Syrien / mit Aramenen besitzung / darfür erwarten darf. Das sey dir / mein sohn / (sagte der K \nig) hiermit verheisen / und ich willige in deine heurat willigst ein / wann ich kan versichert seyn / du werdest ebenfalls meine vermålung mit der Fůrstin von Seir gut befinden. Hemor / aus heftiger liebe zu der Prinzessin Aramena getrieben / kunte bei dieser bewantnůs nicht anders thun / als seiner frau mutter sache verlassen /üm seine eigene zu beförderen; und gabe solches / mit kindlicher ehrerbietung / dem K \nig zuverstehen /dabei bittend / daß er ihme / seinen bisher-erwiesenen eifer in dieser sache / verzeihen mögte. Hiemit ümarmete der K \nig seinem sohn / und wurden an beiden seiten alle misverstände aufgehoben. [76] Nach diesem hielte der König hierüber noch fernere unterredung / worzu er auch den Thahas beruffen lassen: und ward endlich beschlossen / mit dem ersten nach Salem zureisen / und daselbst im geheimen raht hiervon weiter zu ratschlagen / wie man es am fůglichsten könte werkstellig machen: und bis dahin solte der Seirische Abgesandte aufgehalten werden. Thebah / h \chst erfreuet / daß der anfang so glůcklich gewesen / hatte gute hoffnung zum fortgang / und unterliesse nichtes herbei zubringen / was er / diese sache zubef \rderen /fůr nützlich erkennen kunte.

Es schiede hierauf der K \nig / welcher zuvor unwillig / verwirrt und ůbel zu frieden anzusehen gewesen / freudig / ruhig und vergnůgt von dem Prinzen /und kunte kein mensch die ursach dieser pl \tzlichen verånderung ergrůnden. Vatter und Sohn / ob schon ungeliebet / waren so wol zufrieden / daß es jederman verspůrete / auch Aramena und Ahalibama solches erfuhren: die dann / daß dieses ihnen schådlich seyn wurde / leichtlich urtheilen kunten / und daher in neuer angst schwebeten. Ahalibama / die von der Calaride / nicht allein des Seirischen Gesandten ankunft / sondern auch dessen gewerbe / erfahren / vermutete gleich / es wůrde der K \nig etwas beschlossen haben / so ihm in seiner liebe k \nte zum besten kommen. Weil sie wusten / daß Thebah dabei gewesen / vermeinte Calaride von ihm etwas zu erfahren. Aber dieser verbarge vor ihr / was er dem König entdecket: weil sie wegen ihres Ehgemals gar zu gut Assyrisch ware / und diesem grossen anschlag håtte verrahten m \gen. Demnach erdachte er eine list / sie zuverfůhren / und sagte: wie daß der K \nig halb entschlossen sey / die Ahalibama nach Seir zuschicken; m \gte er also wůnschen / daß sie sich mit dem ersten wieder stark machete / üm des [77] K \niges gutes fůrnemen nicht zuhinteren / welches gar leicht wieder rückgängig werden k \nte.

Mit dieser list brachte er zu wege / daß die hoffnungvolle Ahalibama folgenden tags wieder aus dem bette sich machete / und / in allen der Calaride raht folgend / die der listige Thebah dazu angestiftet / liesse sie vom K \nig erlaubnüs begehren / frische luft zu schöpfen / und ein wenig lust wandeln zugehen: welches dann / dem verliebten Beor / eine hocherfreuliche zeitung ware. Die schöne Aramena wolte ihr gesellschaft leisten / als welche fast keinen augenblick mehr von ihr leben kunte. Es wurden ihnen Elon und Japhim / mit allen hofbedienten / sie zu bedienen / zugeordnet / und gienge die spazirfart nach den grossen platz / welcher / einer von den lustigsten üm Thanac /nahe für der statt lage / und das Königsfeld genannt wurde. Das frůlingswetter ware so angenem an selbigem tag / daß alles frauenzimmer aus Thanac auf diesem anger sich einfunde: vornemlich deswegen / daß sie diese schönheiten sehen möchten / welche ihren König und Prinzen gefangen hielten. Diese beide håtten gern ihre Geliebten an diesen ort begleitet / wann es der stand des K \nigs und die gesundheit des Prinzen zugelassen: doch thäten sie solches mit ihren verliebten gedanken / wiewol selbige bei beiden Damen wenig platz funden. Dieselben hatten ihr gespråch von dem Fůrsten Elieser / welchen zusehen / die Ahalibama ein so herzliches verlangen bezeugete / daß die verschmitzte Astale ein Mittel aussonne / bei diesem spazirgang solches erfüllet zu verschaffen. Ihr listiger raht / ware dieser. Sie wuste / an welchem ort das haus war / da der Elieser inn lage / welches ihr als sie aus der statt gegangen / einer von den Sichemiten gezeiget hatte. Demnach unterrichtete sie die Fůrstin /wann sie wieder [78] in die statt käme / solte sie / als wann sie můd wåre / an der ersten hausthür niedersitzen /und das etliche mal also treiben / bis sie vor Eliesers thür kommen wůrden: da sie dann gleich also verfahren / und ihr dann weiters von ihr rahten lassen solte. Ahalibama vergasse nicht / mit Aramenen solches ins werk zu stellen: und sonderte sich / aus ehrerbietung /das mansvolk etwas von ihnen ab / üm in ihrem gespråche sie nicht zu hintern. Wie sie nun solcher gestalt bis an Eliesers haus gelanget / und daselbst sich niderliessen / begabe sich die wacht etwas von der thür hinweg / ihnen platz zu machen. Aber Astale stiesse beherzt die thür auf / den anderen winkend /die ihr dann eiligst folgeten.

Ahalibama / von herzlichem verlangen getrieben /floge mehr / als daß sie gienge / und von der Aramena begleitet / kame sie zu ihrem Elieser in die kammer: der ihm solche besuchung im geringsten nicht vermutet hatte / und daher mit heftiger bestůrzung überfallen wurde. Ach mein Elieser! ach himlische Ahalibama! rieffen sie beide zugleich: indem er sie mit seinen schwachen armen ümfassete / und sie ihm mit gleicher liebkosung begegnete. Indem aber kame Elon / mit Japhin und den anderen / auch hernach: die dann hierůber so erschrocken waren / daß sonderlich anfangs Elon nicht wuste / was er sagen solte. Endlich doch redete er die Fůrstin an / und bate / daß sie sich von dannen begeben m \chte: weil solche freiheit ihr / als seines K \nigs versprochener braut / nicht wol anstünde. Die Fürstin von Seir bliebe ganz beschämet / als sie den Elon dieses vorbringen h \rete / und den Elieser verlassend / sagte sie zu ihm: Wir håtten schier vergessen / daß wir gefangene sind; und můssen wir darüm unseren willen jetzt zwingen lernen / auch mehr im herzen / als in den gebården / unsere gemůts bewegung [79] auslassen. Er / der nicht wuste / ob dieses /so ihm damals wiederfuhre / ein traum oder eine wahre geschichte wäre / weidete einig und allein an seiner Fůrstin seine ermunterte augen: als Elon / dieselbe bei der hand fassend / sie fast befehlsweis bate /ihm zufolgen. Demnach / von dem Prinzen hinweggehend / sagte sie: versichert euch mein Elieser! ich will bis in den tod die eure verbleiben. Gute nacht! nemt eure gesundheit in acht / an der mein leben hanget. Ach liebste Fürstin! (rieffe er ihr nach /) wie seelig bin ich / solchen trost / in meinem jetzigen zustand /aus eurem sch \nsten munde zu vernehmen. Bleibet nur also eurem Elieser beståndig / der seine liebe gegen euch auch im tode sol bewahren. Hiermit sahe er ihr hinten nach / weil Elon also mit ihr eilete / daß sie ihme nichtes ferner antworten kunte. Er verbliebe aber ůber dieser kurzen besuchung so hoch vergnůget / daß er von dem an neue kräfte begunte zu bekommen / und dieses grosse liebeszeichen seiner schönen Ahalibama nicht gnug bewundern kunte.

Diese der Fůrstin unvermutete that hatte den ganzen hof in lårmen gebracht / und ware Elon sehr beångstiget / weil es ihm grosse ungnade beim K \nig erwecken kunte / daß er die Fürstin nicht båsser bewahret: dannenhero er alle hofdiener hoch ersuchete /es ja fůr dem K \nig heimlich zu halten. Es kunte aber dennoch nicht verschwiegen bleiben / weil ihrer zuviel waren die es gesehen / und dem K \nig gleich fürbrachten: welcher dann heftig darüber sich erzürnete. Ahalibama hingegen / als sie nur den Elieser einmal wieder gesehen / ware so vergnügt und wol zufrieden / daß sie Elons bezeugende angst und des Königs vermutlichen zorn nur belachete / und ganz wolgemuht in des statthalters hause wieder ankame.

[80] [82]Aramenen ware zum theil / wiewol sehr unvolkommen / der Ahalibama lebenslauf bekannt worden. Weil sie nun hiervon eigentlichere nachricht wünschete / als erinnerte sie / mit der ihr-gewönlichen holdseligkeit / selbigen nachmittag / die Fůrstin ihres versprechens: welche dann / weil sie nichtes liebers / als von ihrem wehrten Elieser / reden hörete / der Astale anbefohle / alles / was sich mit ihr in Seir und Canaan denkwürdiges begeben / zu erzehlen. Diese / nachdem sie ihre schöne zuh \rerin zum aufmerken ganz bereit sahe / thåte folgende erzehlung von der

Geschichte der Ahalibama
Geschichte der Ahalibama.

Die herkunft meiner Fürstin betreffend / so wissen sie / gnädige Prinzessin / daß sie des regirenden Fürsten von Seir / des Ana / und der Prinzessin von Chaldea Poliphide tochter / diese aber dero H. Vatters schwester ist / und also die ehre hat / nahe an sie verwandt zu seyn. Ihr H. Vatter wurde / auf gut befinden seiner sechs brüder / Regent in Seir / ungeacht er nicht der älteste ist. Nachdem er sich an das Assyrische haus verheuratet / gebahre ihm diese leutselige Prinzessin /meine Fürsten Ahalibama und ihren bruder den Fůrsten Dison zu Dedan: beide wol recht zum spielballen dem unbeständigen glůcke / welches von ihrer zarten jugend an bis jetzo nicht ermüdet / sie zuverfolgen und zubetrüben. Die kindheit verbrachte meine Fůrstin / in gesellschaft ihres bruders und der Fůrstin Timna / ihres vatters schwester / (welche doch an jahren nicht ålter als sie ist /) in unschuldiger ruhe.

Nachdem sie das achtzehende jahr erreichet / fienge das unglůck an / ihr zu weisen / welche grosse verfolgungen sie noch solte ausstehen. Dann / wie zur selbigen zeit [82] ihre Eltern mit ihr nach ihres vatters brudern den Sobal reiseten / fůgte es sich also / daß die Fürsten von Canaan / der Elieser und Ephron / daselbst waren: welche beide wackere herren von jederman /wegen ihrer sonderbaren geschicklichkeit / also geliebet wurden / wie solches ihre seltene verdienste erforderten; und waren sie unlängst aus dem Medischen kriege wieder zu haus gekommen / in welchem sie merkliche proben ihrer dapferkeit sehen lassen. Dem Fůrsten Elieser kame / gleich im ersten anblick / der Fürstin Ahalibama schönheit so volkommen für / daß ihr glanz ihme das innerste seines herzens rührte / uñ ihn ihr aufzuwarten reitzete. Sie / die alle seine höflichkeiten / als ein zeichen seiner geschicklichkeit aufname / war noch viel zu unschuldig / zu unterscheiden / was aus blosser höflichkeit / oder aus anreitzung einer gemütsbewegung / so man Liebe nennt / herrůhre: dannenhero vermerkete sie nicht / daß sie durch ihre unschuldige freiheit / mit der sie ihm begegnete /ihm gelegenheit gabe / den liebesgift einzusaugen /und gute hoffnung ihrer gegenliebe zu fassen. Er erzeugete ihr tausend kleine dienste / und machte sich wegen seines lustigen geistes so beliebt / daß / wie sie wieder abscheiden musten / Ahalibama so betrůbt als er verliebt verbliebe.

Unter anderen gespråchen / die er beim abschied mit ihr hielte / ware auch dieses. Er fragte: ob er auch hoffen dörfe / daß sie sich zu Dedan zu zeiten seiner erinnern werde? Ihre antwort ware: wie daß sie seiner guten gesellschaft nimmermehr vergessen wůrde. Diese worte / (sagte er / ihr zugleich wider ihren willen die hand kůssend /) werden allein in meiner jetzigen traurigkeit mich trösten: und dörfte ich gewiß hoffen / ståts ein råumlein in der schönen Ahalibama herzen zubesitzen / wůrde ich mich den glůckseligsten von der welt achten. [83] Sie kunte ihm hierauf / weil sie ihrer Fr. Mutter nach den wagen folgen muste / nicht antworten. Als er sie dahinein hube / stiesse sie unversehens ihr selber einen seidenen blumenstraus vom haubt ab / welchen er eiligst aufname / und sagete: weil er von ihr käme / båte er ům die verlaubnis / selbigen zu behalten und ihr nicht wieder zugeben. Nachdem sie solchen etliche mal wieder gefordert /und seine hartnäckigkeit sahe / die doch mit solcher artigen h \flichkeit ihr solchen verweigerte / daß sie nicht darüber zůrnen kunte / ůberliesse sie ihm denselben gutwillig / und sagte im scherz: wenn sie ihn einst wieder sehen würde / so wolte sie einen besseren dafür forderen. Welchen er dann zu geben / begierig versprochen.

Als sie zu Dedan wieder angelanget / erzehlte sie der Timna / als ihrer vertrautesten freundin / alle die wortwechselung / so sie mit dem Elieser gehabt. Diese / so zwar nicht ålter als sie / aber auf dergleichen händel viel scharfsinniger war / und alles genäuer betrachtete / verwiese der Fürstin Ahalibama /daß sie sich so frey angestellet: welche dann so besorgt darůber wurde / zumal als jene hiervon anlaß name / ihrer zu spotten / daß sie ihr selber drům feind wurde. Bevor ich aber weiter fortfahre / zu erzehlen /was in dieser angehenden liebe sich zugetragen / muß ich zuvor meldung thun / von dem zustande der Canaanitischen Fürsten und ihrer herkunft: weil sonsten / meine gnädige Prinzessin / das folgende nit wol verstehen würde.

Der König von Kiriath Arba / der Esron / hatte zur gemalin die Prinzessin von Salem / die Axa: die ihm den jetzigen K \nig Ephron / den Fůrsten Beri / und die Prinzessin Jerode geboren. Nach Esrons tode /heuratete sie den Sichem / K \nig von Canaan: aus welcher Ehe der Beor gezeuget worden. Der Fürst Beri / des [84] Eliesers und Ephrons H. Vatter / lebete mit dem K \nig Ephron seinem bruder in grosser strittigkeit / weil derselbe als ein geitziger herr ihme wenig zuwillen ware / und ihm von seinen vätterlichen antheil nicht / so viel er forderte / wolte zukommen lassen: daher dieser Fůrst in grosser dürftigkeit zu Bersaba bei dem Hebreer-Fürsten Isaac gewohnet / und durch heurat mit der Fůrstin von Seir / die des Ana und der Königin von Kiriath-Arba schwester war /endlich ein wenig wieder empor kame / und durch vermittelung der K \nigin einen freyen zutritt bei hof erlangte. Diese vertraulichkeit ward nachgehends durch eine ehr-eifersucht völlig wieder gestöret / als der Fůrst Beri männliche erben bekame / sein bruder aber / der König / eine unfruchtbare Ehe hatte / als welchem die K \nigin nur eine tochter die Prinzessin Coricide geboren: und ob er gleich viele nebenweiber hatte / konte er dennoch mit keiner einen sohn zeugen. Dieses erweckte in seinen neidischen herzen einen grausamen haß gegen seinem bruder / wegen dessen söhne des Eliesers und Ephrons / die einmal seinen thron erben solten: welchen er ihme auf tausenderlei arten zuerkennen gabe.

Ungeachtet aber dieses der vätter misverstandes /entstunde zwischen ihren kindern eine liebe / indem die Prinzessin Coricide und der Fürst Ephron von kindheit auf nicht voneinander seyn kunten: und wuchse dieses liebesfeur also mit den jahren / daß das ganze land solches merken kunte. Der Fůrst Beri / in hoffnung / hierdurch allen haß aus seines bruders herzen zubringen / gabe demselbigen einsmals die liebe seines sohns zu verstehen: erweckete aber damit solche ungnade / daß der K \nig den Elieser und Ephron weder sehen noch h \ren mochte / und muste darum ihr H. Vatter sie auf das [85] gebirge Seir schicken. Er selber aber / entflohe zu seinen stiefbruder / dem König Beor / welcher ihme alle liebkosungen erzeigete / weil er froh war / daß diese beide brůder sich getrennet: dann er lebete / mit dem K \nig von Kiriath Arba / in todfeindschaft / welches dem Beri zum besten kame /und ihme gunst bei dem Beor erweckete. Wiewol nun dieses nur eine schein-gunst ware / massen den guten Fůrsten mit wenigem an die hand gegangen wurde /und er / wann er etwas haben wolte / des K \nigs hofbediente darům feiren muste: so ware ihm doch dieses leichter zu ertragen / als was er von seinen rechten bruder erlitten hatte. Nachdem er lang üm eine beförderung angehalten / brachte der Fürst Elon ihm endlich zu wegen / daß er statthalter zu Thapuah wurde: deme er dafůr zusagen můssen / seiner söhne einen mit des Elons tochter / der Melistea / zu verheuraten. Um des willen / liesse er / von seinen schwager dem Sobal / die Fůrsten seine söhne wieder abfordern.

Der Fürst Elieser / der nun schon in seine Ahalibama sich verschauet / kunte zu seines vatters meinung sich unmöglich entschliessen: demnach name er einen ůmweg nach Dedan / und liese Ephron nach Thapuah voranreisen. Als er aber an unsern hof kame / fassete die Fůrstin Ahalibama den fürsatz / anderst als das erstemal mit ihm ümzugehen: damit er / wann er etwan eine ůbele meinung von ihr gefasset / dieselbige durch ihr jetziges verhalten verlieren m \chte. Demnach stellete sie sich gar erbar geg? ihm an: uñ ob er wol /diese änderung vermerkend / sich sehr um gelegenheit bemühte / mit ihr allein zu reden / name sie sich doch so in acht / daß er etliche tage zu dieser ansprache nicht gelangen kunte. Endlich aber funde sich hierzu eine bequeme zeit / die er / ehe sie dessen sich versehen / in acht name / und eines abends ihrer [86] wartete /als sie aus ihrer fraumutter gemach nach ihrem zimmer eine wendelstiege hinauf gehen wolte: da er ihr die hand bote / sie vollends dahin zu fůhren; welches sie / wolte sie anderst nicht fůr gar zu unh \flich angesehen seyn / geschehen lassen muste.

Nachdem er sie nun in ihr zimmer und an ein fenster gefůhret / beklagte er sich / daß er so unglůcklich wäre / und noch niemaln / seit er da gewesen / die gelegenheit haben können / mit ihr zu reden / und sie seiner gehorsamsten dienste zu versichern; auch daß sie / seit dem er die ehre gehabt / sie bei den Fůrsten Sobal zu sehen / sich sehr veråndert håtte. Meine Fůrstin / als sie ihm seine erste höflichkeit gebürlich beantwortet / fragte kaltsinnig: worinn dann ihre ånderung bestůnde? ob sie häßlicher oder ungeschickter worden wäre? Er antwortete: Es ist keines von diesen / schönste Fůrstin! Ich gläube auch nicht / daß sie dieses anderer ursache wegen / als die warheit von mir zuvernemen / gefraget. Ich befinde sie ja so schön und vollkommen / als das erste mal / da ich mich in ihrem dienste zu sterben gånzlich verlobet. Aber die schönste augen / so auf dem erdboden leuchten / lassen mich nicht anderst schliessen / als daß eine grosse verånderung gegen mich müsse vorgegangen seyn /die mich zu den unglůckseligsten menschen von der welt machen wird. Es wůrde mir leid seyn / (sagte sie hinwiederum) wann ich mich damals anderst als jezt erwiesen: wiewol ich vermeine / meinem vettern der schuldigkeit nach begegnet zuhaben. Ist aber damals meine gebůhr nicht in acht genommen worden / so soll es in künftig ersetzet werden / und bitte ich / alles meinem unverstand zuzuschreiben. Sie sahe zwar wol / daß ihme mit ihrer ernsthaften höflichkeit nicht gedienet war: jedoch name sie ihr gånzlich fůr / ihm gar keine hoffnung zu machen / und [87] erwartete mit grossem verlangen / daß diese unterredung m \gte gest \ret werden. Er aber wolte sich weiter erklåren / und sagte: Ihre ånderung bestünde darinn / daß sie ihre gethane zusage ihm nicht gehalten hätte. Als sie sich aber keiner zusage erinnern kunte / fuhre er fort / und erwehnte / welcher gestalt sie ihme versprochen /ihres treuen dieners nicht zu vergessen: deme zuwider / er verspůren můsse / daß seitdeme sie nimmer an ihn gedacht habe. Sie antwortete: wie daß sie ihm wenig mit ihrem andenken nutzen könte. O nein / sagte er hierwider / die schöne Ahalibama muß nicht nach dem ihrigen von meinem sinn urtheilen. Dann ob ich schon besorgen muß / daß sie an mich zu gedenken wenig achtet: so ist doch hergegen mein gemůt niemals in höherer vergnůgung / als wann es mit den gedanken bei der schönen Ahalibama schwebet. Dieses brachte er mit solcher gemütsbewegung fůr / daß sie nicht wuste / was sie so bald antworten solte. Endlich halfe die Timna ihr aus dieser noht / welche dazu kame / und den inhalt ihres gespråchs verånderte.

Am folgenden morgen / sandte er meiner Fůrstin einen köstlichen Diamanten straus / mit etlichen reimen auf bast geschrieben / welche ich zu gedåchtnis gefasset / und lauteten dieselben also:


Vormals war dieser Straus von weicher zarter seiden:

nun aber ist er stein.

Soll dieß ein zeichen seyn /

daß man muß gleiche hårt von eurem herzen leiden?


Ich weiß nicht / ob meine Fůrstin dieses angenommen håtte / wann es ihr von ihm oder seinem bedienten wäre selber geliefert worden. Es war aber / eine stunde vor ihrem erwachen / mir eingelanget / und hatte es die Timna bei mir ersehen. Diese begunte meine Fůrstin / wegen ihres spåten schlaffes / anzusticheln /und sagte: Sie [88] würde gewis / im ersten theil der nacht / gar zu viel an das gepflogene abendgespråche gedacht haben! Woriñ sie auch wol nicht unwahr redete / ob es gleich Ahalibama nicht gestunde. Sie wolte auch diese gabe lang nicht annemen / wie sehr sie auch Timna darum bate. Endlich aber / auf unser starkes zusprechen / name sie den Straus zwar zu sich /wolte ihn aber nicht anstecken / sondern legte ihn hinweg / und schriebe etliche reimen / die ihr eben einfielen / unter des Eliesers verse / dieses inhalts:


Der / so diese weiche blumen hat in harten stein verkehrt /

wird mein herze auch verhårten / wann er gar zu viel begehrt.


Dieses ist nicht dein ernst! sagte Timna; name damit den griffel / und setzte noch diesen reim hinzu:


Doch / wann seine treu die liebe hårtet / wird er noch erhört.


Du bist sein guter anwalt! sagte meine Fůrstin / als sie diesen reim gelesen: und giengen wir damit in der Prinzessin Poliphide gemach. Als sie daselbst den Elieser fürfunden / dankete sie ihm fůr sein kleinot /und erwehnte darneben / wie daß sie sich wol erinnern k \nte / daß sie einst gesagt / sie wolte einen Straus wieder fordern: weil aber das noch nicht geschehen /håtte sie ihn billig nicht annemen sollen. Er beantwortete dieses gar ernsthaft und etwas betrůbt / sagende: Sie liesse die straffe auf seine vermessenheit gnugsam ergehen / weil sie diesen Straus zutragen nicht einmal würdigte; und sey seine gehabte furcht / die er ihr in seinen reimen angedeutet / nur gar zu wahr / daß nåmlich ihr herz die härte eines steins an sich hätte. Weil sie dieses nicht ernstlich / sondern im scherz / aufnemen wolte / fragte sie: Wie er sich das von ihr einbilden könte / weil ja kein mensch mit einem steinernen herzen zu leben vermöchte? Aber wol mit einem unbarmherzigen! (fiel er ihr in die [89] rede /) das sich nicht an die marter kehret / die man seinetwegen ausstehet. Wann ich sähe / (widerredete sie /) daß einer von meinetwegen einige marter erdulten solte / wolte ich keine můhe sparen / ihme linderung zu schaffen. Warüm darf ich dann (fragte er /) nit auch diese güte hoffen? Weil ich nicht sehe / (gab sie zur antwort /) daß sie euch so gar n \tig ist. Darf ich mich (sagte er hierwider) kůnlich erklären / daß ich dieser güte åuserst benötiget sey?

Indem / als meine Fůrstin dieses solte beantworten / halfe ihre fraumutter ihr davon ab / die zu uns kame / und dieses gespräch verst \rete. Sie zwar / konte dessen inhalt fast errahten: wie dann nichtes eher sich kentlich machet / als die liebe / weil dieselbe ein so helles licht ist / daß man / wie sehr man auch darům beflissen ist / es nicht verbergen kan. Ich weiß nicht /ob es ohne vorgedanken geschehen / oder ob es die Fürstin Timna mit fleis gethan / daß sie nachgehends über der malzeit von dem Straus sprachete / und meine Fürstin eine undankbare und unerkentliche schalte. Einmal / als die Prinzessin ihre fraumutter solches h \rte / fragte sie: worauf dieses geredt wåre? Nachdem sie es erfahren / befahle sie der Ahalibama /ihn bringen zulassen und anzustecken. Der jenige / so ihn aus meiner Fürstin zimmer holen muste / brachte den zettel mit / auf welchen die dreierlei verse geschrieben waren / und zůndete Ahalibama wie ein feuer an / als sie den erblickete. Die Prinzessin aber lase ihn laut ab / und vermehrete damit sowol des Eliesers als ihrer tochter errötung / also / daß es alle anwesende bei der malzeit verspüren konten. Ahalibama sagte / sich in etwas zu entschuldigen: sie håtte den lezten reim nicht geschrieben / sondern das sey von der fůrwitzigen Timna geschehen: welches Elieser mit den [90] augen beantwortete. Die Prinzessin aber wurde hierauf etwas still / und gabe den Straus ihrer tochter / ihn anzustecken. Hierbei sagte Elieser: Er erfreue sich zwar ůber der jetzigen glůckseligkeit seines Strauses / sey aber unglůcklich / daß er solche mehr dem befehl ihrer fraumutter / als ihrer eigenen gütigkeit / zuzuschreiben habe.

Nachdem die alte Prinzessin dieses h \flich beantwortet / und die malzeit bald darnach aufgehoben worden / bliebe Elieser bei ihr allein / und brachte ihr / seine zu ihrer tochter tragende liebe / mit so ehrerbietigsten worten für / daß sie seine freiheit und dieses anbringen nicht übel aufnemen konte: dann sein gutes haus / da er so grosse hoffnung zur Kron im land Canaan hatte / neben seiner annemlichen person und sonderbaren geschicklichkeit / waren gnugsame anreitzungen / solches nicht auszuschlagen. Wie sie ihme demnach zimliche hoffnung gemacht / kame ihr Gemal Ana eben auch vom jagen wieder: welcher hierum begrüsset / mit freuden seinen willen darein gabe / wofern der Fůrst Beri zuvörderst / und dann auch der K \nig von Canaan dessen halbbruder / es zulassen würden. Meine Fürstin ware hierauf leicht zugewinnen: dañ Eliesers wesen ihr sehr wolgefiele /und seine beständige liebe bewegte sie / daß / was ihre Eltern gern sahen / ihm zuversprechen. Hierum nennte er sich den glůckseligsten menschen der welt /und sobald ihme seine heftige liebe / seine Ahalibama zuverlassen / zulassen kunte / reisete er / nach dieser erlangten zusage / als der vergnügteste verliebter /von Dedan hinweg / bei seinem H. Vatter das ůbrige seiner glückseligkeit zu suchen und zuerlangen.

Als er nach Thapuah kommen / funde er die sachen alda so beschaffen / daß er von seiner liebe noch nichtes melden durfte. Dann sein H. Vatter und dessen bruder [91] waren sehr hart an einander geraten / wegen des Elons tochter / die der Beri dem Ephron einnötigen / dieser aber seine liebe zu der Prinzessin Coricide nicht verlassen wolte. Weil demnach der Fůrst Beri von natur etwas furchtsam / eigennůtzig und unbeständig ist / (welche namen er / ungeachtet er des Edlen Eliesers vatter ist / wol verdienet /) als trachtete er nach nichtes mehr in der welt / als wie er möchte bei dem K \nige Beor seinem halbbruder sich fåst setzen: das dann ohne den Fürsten Elon nicht geschehen kunte / weil er so hoch am bret ware. Also wolte er nun sein versprechen auf alle weis halten / und in hoffnung / der Elieser wůrde ihm hierin gehorsamer seyn / mutete er ihm an / die Melistea zu heuraten. Elieser / seines H. Vattern gemüt wol kennend / daß er keinen gånzlichen abschlag vertragen würde / gabe ihm eine zweifelhaftige antwort: welcher aber doch /weil er darinn keine erklårung nach seinem willen fande / hierůber so betrübt und unlustig wurde / daß er schier verzweifeln wolte. Elieser aber offenbarte dem Ephron alles / wie es mit der Ahalibama und ihm stünde: der dann / zwar zu herzlichen mitleiden bewogen wurde / aber keinen raht zu geben fähig war / weil er an gleicher seuche krank lage. Demnach verzehrte dieses anligen Eliesern dermassen / daß er mit einem hitzigen fieber niederkame / und fast alle ärzte an seinem leben verzweifelten.

Die götter aber schicketen ein so unvermutetes mittel in den weg / welches / wie alle hoffnung verloren schiene / ihn an leib und gemůte genesen machete. Dann sein treuer bruder / sich aus einer falschen einbildung beredend / seine håftige liebe zu der Prinzessin von Kiriath Arba werde ihm ůbel belohnet / entschlosse sich / aus grausamer rache wider diese eingebildete untreu / die [92] Melistea zu heuraten: welches den Beri ruhig / den Elieser gesund / und die Melistea /als welche den Ephron innigst liebte / neben ihrem H. Vatter / h \chst vergnügete. Und ob wol Elon lieber den Elieser zum schwiegersohn gehabt / als der ein Königreich zu hoffen hatte: so wolte er dennoch seiner gemalin und tochter nicht widersprechen / als er die dem Ephron geneigt befunde. Der verliebte Elieser name hierbei die gelegenheit in acht / seine liebe auch zu offenbaren: die dann der Fůrst Beri erfreuet anh \rete / und diese reiche braut seinem sohne / um seines eigenen nutzens willen / sehr gern g \nnete. Weil er nun / auf Elons wolneigung bauend / nicht vermutete /daß ihme dieses am Sichemitischen hof wůrde abgeschlagen werden / ordnete er / auf inståndiges anhalten des verliebten Eliesers / einen gesandten nach Dedan ab: der dann meiner Fůrstin treffliche geschenke mitbrachte / und uns allerseits hoch erfreuete / weil wir so lang unwissend gelebet hatten / wie es dem Elieser ergehen m \chte. Also wurde beschlossen / die Hochzeit der Ahalibama zu Thapuah anzustellen /dahin sie alle Seirische Fůrsten begleiten wolten: und wurde eben dieser Ezer / der ein halbbruder des Ana /und jetzt auch hier zu Thanac Gesandter ist / zu dem Beri hinwiederům abgeschicket / mit demselbigen /dieser heurat wegen / alles abzureden.

Der Fürst Beri zoge hierauf / mit seinen beiden s \hnen / nach Sichem: vermeinend / ohne müh / von dem König zu erlangen / was er suchete / weil er den Elon an der hand hatte. Aber er wurde in seiner einbildung sehr betrogen: dann der Beor / aus allerhand herfürgesucheten ursachen / wolte nicht einwilligen /daß sein sohn die Ahalibama freyen solte. Es vermeinte dieser Tyrann zu hinteren / auf was weise er nur könte / daß Elieser und [93] Ephron gar nicht möchten heuraten: damit er / am Königreich Kiriath Arba / der nåchste bleiben m \gte. Wie nun also des Beri bemůhungen bei dem K \nig ůmsonst waren / gienge er zum Elon / und vermeinte / durch ihn bei hof noch etwas zu erhalten. Dieser versprach ihme mehr / als er auszurichten gewillet war. Dann er selber mit daran schuld hatte / daß der K \nig diese heurat Eliesers nicht zugeben wolte: weil sein geitziges gemůt und der grosse eigennutz ihn trieben / solches nicht gern zusehen. Er befahrete / wann Elieser in ein so måchtiges haus heuraten solte / ihme mögten seine anschlåge und grosse einbildungen zu wasser werden / die er hatte in seinen sinn gefasset / dermaleins den Ephron /seinen schwiegersohn / König zu Kiriath Arba zusehen.

Wie nun der Fůrst Beri von einer zeit zur andern zu Sichem vergeblich aufgehalten wurde / und endlich merkete / wo es recht bewandt war / gienge er eines tags zum Elon / erzeigte sich etwas ungedultig / und in meinung / daß er diesen Fůrsten damit desto eher bewegen m \gte / ihm eine gute abfårtigung vom König zu erlangen / wann er die heurat Ephrons mit seiner tochter auch wůrde zweifelhaftig machen /sagte er wider ihn: So ferne der K \nig bedenken trůge / seinen willen darein zu geben / daß sein åltester sohn heuratete / so k \nte er viel weniger die verehlichung Ephrons mit der Melistea geschehen lassen. Der listige Elon antwortete: Er solte nur heimlich /ohne des Königs vorbewust / die hochzeit Ephrons zu Thapuah lassen fůr sich gehen; er wolte es schon bei seinen herrn helfen verantworten. Hierauf fragte Beri: warům er dann nit auch die hochzeit seines åltesten sohns beim K \nig entschuldigen k \nte? es wåre ja einerlei verbrechen / und also auch einerlei vergebung zu hoffen. Hierwider wuste Elon nichts anders [94] einzuwenden / als daß er ihm gånzlich widerriete / sich mit dem Seirischen hause zubefreunden: dann sein König / auf den fall / ihm nimmer wieder hold werden würde. Dieses verdrosse den Beri dermassen / daß er in unmut sagte: Er spůre wol / wie man es mit ihm meine / und wie er bei der nasen ümgeführet wůrde. Demnach wolte er hiemit / die heurat seines sohnes Ephron mit der Melistea / ungültig erkläret haben /wann sein åltester sohn die Ahalibama nicht haben solte. Diese rede name Elon so unwillig auf / daß er ihm drohete / sich an ihm deswegen zu rächen: und schieden sie also todfeinde von einander.

Des Beri beide s \hne / feireten hierauf nicht / ihren H. Vatter in dieser meinung zuerhalten / und immer mehr zuverhetzen / sagende: Er solte nun selber betrachten / ob der König Beor ihn und ihr haus nicht auszurotten gedåchte / weil er diese heurat keiner andern ursach wegen hinterte / als daß er sie erben / und den stam der Hethiter / der auf ihnen bestůnde / untergehen sehen wolte? und ob sie nicht båsser thäten /wann sie in ihr vatterland sich wieder begäben / und den K \nig Ephron seinen rechten bruder anfleheten /daß er sie in schutz nemen mögte / bey dem die alten misverståndnise wol könten abgethan werden? Der Beri name dieses einraten seiner s \hne willig an /massen er auch fůr sich nichtes nutzlichers ersahe. Als er nun von Sichem unverrichter sachen wieder weggezogen / sandte er alsbald von Thapuah nach Hebron zu dem K \nig seinem bruder / schriebe dabei gar beweglich an seine schwester die Prinzessin Jerode /welche des K \nigs herz in ihren händen hatte / und bate / daß der K \nig ihn in dieser noht nicht lassen /sondern den schimpf seines hauses verwehren / und die alten fürgegangene dinge vergessen m \gte. Des[95] Beri gemalin schriebe zugleich an die Königin ihre schwester / und wurde am hof zu Hebron alles dieses gar wol aufgenommen: allermeist darům / daß der K \nig hierdurch sich an dem Beor zurächen suchete. Weil es nun auch die Jerode riehte / der er in allen dingen folgete / als ware die antwort / welche des Beri abgeschickter zu růck brachte / bässer und gewünschter / als sie ihnen jemals einbilden k \nnen: dann der K \nig nicht allein seinen binder freundlich ersuchete /wieder zu ihm zu kommen / sondern auch sich anerbote / die Fürstin Ahalibama vom gebirge Seir / mit dem grösten pracht / der nur wůrde erdenklich seyn /nach Hebron bringen zulassen. Er versprache auch /die Prinzessin Coricide seine tochter an einen seiner söhne zuverheuraten: damit ihr geschlecht / wider das böse fůrnemen der Heviter / unter denen Beor das haubt war / m \chte erhalten werden.

Wer war / nach dieser zeitung / fr \licher als Beri /glückseliger als Elieser / und vergnügter als Ephron? welcher lezte / mit seiner Prinzessin beståndigkeit so unverhofft wieder erquicket / der tochter Elons / die er niemals geliebet / üm so viel eher vergasse. Als nun Ezer / der Seirische abgesandte / den der Beri bisher bei sich behalten / mit guter abfårtigung nach Dedan wieder angekommen war / erzehlte er uns alles dieses / was ich jezt berichtet / nach der långe / und kame gleich darauf ein gesandter vom K \nig zu Hebron /der unsere Fürstin abholen solte. Wie nun alle m \glichste zurůstung zu diesem beilager gemachet war /und fast alle Seirische Fürsten / die Ahalibama ins land Canaan zu begleiten / sich versamlet hatten / reiseten wir mit grossem pracht von Dedan hinweg / und zwar in zweyen heeren / zu bässerer bequemlichkeit /wegen der nachtlagere: da dann in dem v \rdersten haufen der edle Dison / meiner Fůrstin [96] H. bruder sich mit befande. Als wir aber an dem steinigten Arabien daherreiseten / wolte das unglůck / daß ein grosses heer Arabischer rauber auf die v \rdersten stiesse / die unsere reise ausgekundschaftet / und gute beute zu machen verhoffeten. Wiewol nun die unsern / weil der Fůrst Dison dabei ware / sich lang widersetzeten / und sich nicht ergeben wolten: so musten sie doch endlich der månge weichen / und sich gefangen geben; welches wir im andern haufen / weil wir zuspat nachricht davon bekamen / nicht verhintern kunten.

Wie diese zeitung uns alle bestürzt gemacht / ist leichtlich zuermessen: zumal der Ana und Poliphide ihren einigen sohn / Ahalibama ihren so geliebten bruder / und alle Seirische Fůrsten die kron ihres hauses / in schwerer dienstbarkeit unter den wilden raubern wissen musten; und wir dabei noch in sorgen stunden / daß uns allen ein gleichmäsiges unglück begegnen k \nte. Wir sandten folgends etliche der unseren in alle Arabische benachbarte \rter / wegen des Fůrsten Disons sich zu erkundigen / ob derselbige etwan irgendwo verkauft / oder sonst auszufragen seyn m \gte. Wir aber namen einen umschweif / und wandten uns nach dem todten Meer: daher die rauber /so auch auf uns gelauret / unser verfehleten / und wir sicher fůrbei kamen. Gleichwie nun dieser unfall alle unsre freude aufgehoben hatte / also fanden wir die selbige auch zu Hebron verbittert. Dann der Fůrst Elieser / als ihm das geschrei von unserem unglück zu ohren gekommen / und zwar mit dem zusatze / daß seine Fůrstin auch mit gefangen worden / hatte / mehr von verzweiflung als vernůnftigem schluß getrieben /das vornemen gefasset / seine Ahalibama zu erlösen /und nicht abzulassen / er håtte sie dann gefunden. Also ware er / mit seinem bruder und vielen Canaaniten / uns entgegen [97] gezogen: da er dann / weil wir ůmhin gereiset / des wegs verfehlet / und uns auf der reise nicht angetroffen. Der König Ephron aber entfienge uns mit grosser höflichkeit / und die K \nigin ward h \chst erfreuet / ihre vettern die Seirische Fürsten zusehen. Beri ebenfals erkennte die wahl seines sohnes vor billig / die er an der schönen Ahalibama verübet. Die Prinzessin Coricide und meine Fůrstin / machten bald grosse freundschaft zusammen / die dadurch vermehret wurde / weil sie zween brüder liebeten. Mann sandte nun auf alle strassen den Fůrsten Elieser und Ephron leute nach / die unsere ankunft ihnen berichten solten: und war der Fůrstin Ahalibama sorgfalt nicht gering / daß ihme ihrentwegen etwas widriges widerfahren mögte.

Aber / indeme man also in sorg? lebte / verkehrte sich das glückrad zu Hebron dermassen / daß alles das unglůck / so bis jetzo dauret / und ganz endlos scheinet / ausgehecket wurde. Die Prinzessin Jerode /welche eine von den b \sesten und hochmütigsten weibern der welt ist / liebete ihres bruders tochter / die Coricide / mit einer so ungemeinen fürsorge fůr ihr wolergehen / daß sie sich damit dieser schönen und tugendhaften Prinzessin sehr ůberdrůssig machte: und hatte sie ihr damit soviel herzenleid verursachet / daß man einen eigenen tag davon gnug wůrde zuerzehlen haben. Es fienge ihr an zu misfallen / daß eine Fůrstin aus dem geschlecht der K \nigin / welcher sie todfeind war / dermaleinst hoffnung haben solte / K \nigin von Kiriath Arba zu werden: da hingegen ihres bruders tochter nur Fůrstin von Canaan werden wůrde. Demnach lage sie dem K \nig ihrem bruder in den ohren /er solte des Beri åltstem sohn seine tochter / und die Ahalibama dem jüngsten geben. Wofern sie aber beiderseits aus beståndiger liebe dahin nicht m \chten [98] zu bringen seyn / solte der K \nig den Elieser an halten /seine erstgeburt seinem bruder zu ůbergeben: damit Ephron / kůnftig nach des K \nigs tode / als der Coricide gemal / K \nig werden m \gte. Dieses gefiele dem König gar wol: massen er auch nichts mehr wůnschen kunte / als daß sein kind nach ihme seinen K \niglichen thron mitbesitzen solte. Demnach redete er hiervon mit seinem bruder: welcher / weil er sehr eigennützig / alles dieses gut befunde / und es ihme gleich viel seyn liesse / welches von seinen kindern dermaleins die kron aufsetzen wůrde / wann nur er dabei ruhe und gute tage hätte. Coricide erfuhre solches von der Jerode: die dann h \chstbekůmmert nicht unterliesse / meiner Fürstin solches zuklagen. Beide überlegten wol / was hiervon entstehen / und wie die Seirische Fürsten / daß sie Elieser heuratete / nicht zugeben: Hingegen / wann er / seines rechts und anwart zur Hebronischen krone sich nicht begäbe / Jerode nicht ruhen wůrde / bis sie alles ůber einen haufen geworfen.

Zu solchen besorglichem zustande / kame Elieser und Ephron wieder nach Hebron an: da dann die freude unaussprechlich war / als Elieser und meine Fůrstin einander wieder zusehen bekamen. Die herzliche liebe / die sie beiderseits / in gegenwart der ganzen gesellschaft / \ffentlich erwiesen / gabe dem K \nig und der Jerode gnugsam zu erkennen / daß dieselben schwerlich / für die Coricide und den Ephron / einander verlassen wůrden. Demnach gedachten sie das andere mittel zuergreifen / und dem Ephron zur erstgeburt zuverhelfen. Weil nun / Elieser so wol als Ephron / in ihrer liebstinnen augen eine sonderbare traurigkeit verspüreten / verlangten sie gelegenheit / einander allein zusprechen. Als sie nun einsmals der gesellschaft sich entlediget / begabe sich jeder [99] mit seiner Dame auf ein ort / und Elieser begunte seine Fürstin also anzureden: wann ich nicht / schöne Ahalibama /den verlust eures bruders wůste / würde ich mir seltsame gedanken machen můssen / ůber eure jetzige traurigkeit; zumal ich mir die hochmütige einbildung gefasset / daß meine gegenwart euch freude solte erwecket haben. Ach mein Elieser! (antwortete sie /) zweifelt nur im geringsten nicht / daß eure liebe gegenwart mir nicht solte angenem seyn. Meine traurigkeit / die ihr mir angemerkt / rühret zwar mit her / von dem verlust meines bruders. Aber es ist noch was anders / so jezt die meiste betrübnis bei mir verursachet. Als er hierauf sie ganz bestůrzt und begierig ansahe /sagte sie ferner: Ihr werdet mich můssen verlassen /mein Elieser! oder wider euer eigene wolfart handelen. O ihr g \tter! (fiele er ihr in die rede) wie ist dieses zuverstehen? Wollet ihr wol (fragte sie /) eine kron fahren lassen / ům meinet willen? Alle reiche der welt (antwortete er /) schåtze ich gering / wann ich Ahalibama habe. Wollet ihr aber (fuhr sie fort) euer recht zur krone fahren lassen / ům allein mich zu behalten? Kein verlust in der welt / (sagte er hinwiederüm / unwissend / worauf sie zielte /) wird mir zuschwer fallen / meine sch \nste Ahalibama zu gewinnen. Hierauf erzehlte sie ihm alles was ihr Coricide von des K \nigs und seiner schwester anschlåge gesaget: worůber er sehr bestůrzt wurde / weil er wol zuvor sahe / was daraus entstehen wůrde.

Indem kame Ephron mit seiner Prinzessin auch zu ihnen / die dann von gleichen dingen geredet hatten /und sagte Ephron: Schaue doch / mein bruder / wie uns das unglůck verfolget! Man wil mir die Prinzessin Coricide ohne thron nicht geben; den ich aber / ohne leichtsinnigkeit / von dir nicht begehren kan. Und ich[100] (sprache Elieser /) wolte dir mein recht zur kron herzlich gern abtreten / wann ich nur nicht dadurch die hoffnung verlieren muste / meine Ahalibama zu ůberkommen. Ich liebe euch (sagte Coricide zu Ephron) ohne kron / und bin nicht gewillet / durch unrechtmåsige mittel zu dieser würde zu gelangen. Ich liebe euch (redete Ahalibama zum Elieser /) ebenfalls ohne kron / und wil lieber mit euch ins elend ziehen / als dieser wegen euch verlassen. Ach himlische Ahalibama! (sagte der verliebte Elieser /) wie seelig ist mein stand / mitten in diesen verfolgungen meines glůckes! dem ich ja trotz bieten kan / nun ich eurer herzlichen liebe so gewiß versichert bin. Gleichmåsige liebesbezeugung / erwiesen einander Coricide und Ephron: und sind diese reden von meiner Fürstin mir nachmals erzehlet worden.

Nach diesem wurde der Jerode und des Königs unglückseliger anschlag fürgenommen / und allen theilen angebracht: da dann die Fürsten von Seir sich hart entgegen setzeten / und die Ahalibama anderst nicht dem Elieser / als künftigem kron-erben / überlassen wolten. Elieser thate zwar sein möglichstes / bald seinen Vatter / bald den K \nig / bald auch die Seirische Fürsten zubegůten: aber alles war vergebens. Also wurde dieser gute Fürst / der sich fast schon in dem port seiner liebe gesehen / wieder mitten unter die gefärlichste wellen verschlagen: in welchen er wůrde haben untergehen müssen / wann ihn nicht die beståndige liebe seiner Fůrstin erhalten håtte. Jerode war /bei aller dieser unruhe / die vergnůgteste: weil es ihr eine unbeschreibliche freude brachte / daß die Seirische Fürsten also beschimpfet wurden. Weil nun Elieser sein recht zur krone nit abtreten wolte / als brachte sie beim K \nig zu wegen / daß die heurat der Coricide mit dem Ephron ganz růckgångig [101] wurde. Diß verursachte ein solches unwesen in Hebron / daß die eingebildete hochzeitfreude in lauter trauren verkehret wurde. Der Fürst Beri / wie er solchen ausgang ersahe / da ihm die Seirische Fůrsten auf den leib drungen /und sich harter worte vernemen liessen / wolte es gern anderst gesehen haben / und vermeinte / seinem bruder zu bewegen / daß er seine meinung åndern solte: der aber immer hartnäckichter wurde / und ihm so ůbel begegnete / daß er an allem verzweifelte.

In dieser åusersten noht / quälete den Elieser am meisten / daß seiner Ahalibama dieser schimpf in seinem vatterland widerfahren solte / und daß die jenige / die er über alles ehrete / so wenig ehre von den seinigen entfienge. Er besorgete / sie wůrde derentwegen / wie sie billig thun können / auch ihre liebe in eine verachtung verwenden. Aber er fande sie so grosmütig / daß sie nicht die unschuldigen unter die schuldigen vermengte. Ich weiß gar wol / (sagte sie öfters zu ihm /) daß es euch ein unerträgliches leiden ist / üm daß man mir allhier dergestalt begegnet. Ihr erdultet aber hierunter / weil ihr mich liebet / ja so grossen unlust: und můste ich undankbar zu nennen seyn / wann ich über das / was ihr meinetwegen ausstehet / euch noch einige unerkentlichkeit erweisen wolte. Mit diesen und dergleichen worten richtete sie ihn immer wieder auf / wann er wegen seines zustandes verzweiflen wolte. Endlich / als die Fürsten von Seir des K \nigs halsstarrigkeit sahen / entschlossen sie sich /mit der Ahalibama davon zuziehen / und diesen schimpf durch einen krieg zuråchen. Elieser aber gabe der Poliphide so gute worte / daß sie / seinen kläglichen bitten gehör gebend / ihr vorname / mit Ahalibama nach Sichem zureisen: üm durch vermittelung der K \nigin Atis / als ihrer nahen befreundtin / den K \nig Beor zu bereden / [102] daßer dem Elieser etwas einraumen m \chte / damit er Ahalibama heuraten k \nte.

Diese unglůckselige reise wurde / sobald sie beschlossen / ins werk gestellet / und wuste der Beri zwar wol darům / stellete sich aber / als wäre ihm davon nichtes gesagt worden. Mitterweil zoge der Fůrst Ana / neben allen seinen vetteren / unwillig wieder von Hebron hinweg: welches der König / von seiner schwester angereitzet / wenig achtete. Elieser aber schwebte in h \chster furcht und hoffnung / wie unsere reise nach Sichem ablaufen wůrde: und zehlte er zu Bersaba / dahin sich sein H. Vatter begeben hatte /alle stunden und tage / bis er von seinem Waffentråger / den er mit nach Sichem geschicket / post erlangen mochte. Die Königin Atis / entfienge die Prinzessin ihre wase / und die Fůrstin deren tochter / gar höflich: und nachdem sie alles / was die Poliphide suchete / verstanden hatte / erbote sie sich / bei ihrem herrn alles / was ihr m \glich seyn wůrde / auszubringen; wiewol sie wuste / daß der K \nig mit dem Beri übel zufrieden wåre. Als sie nun eine glückliche stunde angetroffen / da der Beor wol zusprechen ware / brachte sie ihr gewerbe an / und führte so viele dem reich und allgemeiner ruhe angelegene ursachen ein / daß sie endlich das jawort erhielte. Hiernächst begunte sie meiner Fůrstin sch \nheit dermassen heraus zu preisen / daß der K \nig / der sie noch nicht gesehen hatte / sie anzusprechen begierig wurde. Die gute Königin brachte des Königs entschliessung / die für den Elieser so gewůnscht ware / der Prinzessin ihrer wasen vor ohren; worůber Ahalibama von pl \tzlicher freude so errötete / daß Atis sie darüm anlachete / und scherzweis zu ihr sagte: Es liesse sich das liebesfeur nicht bergen / solte es auch durch die wangen herfůr flammen. Ahalibama beantwortete [103] dieses mit vermehrung ihrer r \te / und wurde ihnen damit angemeldet /wie daß der K \nig kåme / sie zubesuchen.

Ich ware / neben der Prinzessin und meiner Fürstin anderen bedienten / mit im gemach / als der König hinein kame: kan also wol sagen / daß / als er / nach begrüssung der Poliphide / zu meiner Fůrstin sich kehrete / sie anzusprechen / er ganz bestürzt worden /und mit unverwandten augen sie betrachtet. Ich muß gestehen / (sagte er / nach anderen abgelegten h \flichkeiten / zur Poliphide /) daß mein vetter glůcklich ist /von einer solchen schönheit geliebt zu werden / und verdienet sie warlich einen thron: daher er billig sein recht zu solchem nicht vergeben können / als ohne dessen hoffnung er ihrer nicht wůrdig wäre. E. Maj. urtheil von meiner tochter / (antwortete die Prinzessin /) ist fůr sie gar zu vorteilhaftig / und wird sie neben dem Fürsten Elieser sich ůberseelig schätzen / wann sie E. Maj. in ihren schutz nemen / und durch dero gůte ihre vorhabende Ehe wollen bef \rdern helfen. Ich habe ja (antwortete der König /) durch die Königin /allbereit versprechen lassen / daß ich mit allem friedlich bin / und ernenne ich hiemit den Elieser zum Statthalter von Thanac / welches land ich ihme / dieser sch \nen Fürstin halber / übergiebe / und ihm frei stelle / zu mir zu kommen / wann es ihm belieben wird. Solches sagend / schauete er die Ahalibama unaufhörlich an: die dann / wegen ihres vergnügten gemütes / doppelte sch \nheit herfür glånzen liesse / und sowol mit gebården / als ihre fraumutter mit worten /dem K \nig für diese gnädige anerbietung dankete.

Dem Elieser wurde dieses gleich nach Bersaba berichtet / der sich nicht säumete / bald bei uns zu seyn: wiewol seinen H. Vatter / als einen wunderlichen kopf / es verdrosse / daß sein sohn sein gehabtes amt zu[104] Thanac solte bekommen; dem er auch schuld gabe /daß er seinetwegen solches verlassen / und nach Hebron gezogen wåre / da er nun zu Bersaba in einem schlechten zustande sich wieder befunde. Der Beor entfienge ihn gar freundlich / und ihm zuweisen / wie er sein wort zu haltengesonnen / muste Elon ihm die herrschaft Thanac einraumen / und wurde sein und der Ahalibama beilager ůber ein monat angesetzet / auch selbiges in Sichem mit allem pracht zu halten / die anstalt anbefohlen. Inzwischen befanden beide verliebte sich höchst vergnůgt / und vermeinten nun aller sorgen los zu seyn: unwissend / daß selbige tage die lezten vor ihrer ruhe seyn würden.

Aber der K \nig / der / je \fter er meine Fürstin sahe / je mehr das liebes gift in sich gesogen / ward bei dieser ruhe des Eliesers immer unruhiger. Und weil er von natur sehr leichtfårtig ist / als klagete er sein geiles schåndliches anligen / dem Mizrah / dem priester des gottes Berith: von welchem er zuvor schon vernommen hatte / wie daß in Lybien / von dar derselbe neulich angekommen / der gebrauch wäre /daß der K \nig / alle bräute seiner unterthanen / im tempel / die erste nacht für der hochzeit / beschlaffen dorfte. Diesen gebrauch nun wolte er / meist üm Ahalibama willen / auch in seinem land einfůhren / und mit ihr anfahen: befragte sich derhalben bei dem Mizrah / ob er dessen auch mit einer freien auslåndischen Fůrstin befugt wäre? Dieser / nach art der h \flinge /die in allen ja-knechte seyn wollen / erlaubte solches dem König: und ward abgeredet / damit Ahalibama sich nicht widersetzen m \gte / daß man ihr hiervon nicht den geringsten vorschmack geben / noch jemand hierum wissen lassen solte. Inzwischen zoge die Prinzessin Poliphide von Sichem hinweg / weil sie zeitung [105] vom Ana bekame / wie daß er / der bisher zu Jericho in der nåhe sich aufgehalten / wegen hoherangelegenheit eiligst wieder nach dem gebirge Seir reisen můste / und sie gern mit sich haben wolte. Demnach verliesse sie ihre tochter daselbst / ja so vergnüget /alssehr ihr der verlust ihres sohns noch immer zu herzen gienge.

Der tag kame nun heran / an welchem dem verliebten Elieser seine Ahalibama solte angetrauet werden. Diese unschuldige Fürstin gienge / den abend zuvor /von der Königin / allen Sichemitischen frauen und ihren jungfrauen / begleitet / nach des gottes Berith tempel / als sie zuvor / die gewönliche zeit / sich versperret innen gehalten. Nachdem der Mizrah sie entfangen / und die gebråuchliche, opfer verrichtet /wurde sie neben zweyen dirnen / unter denen ich die eine war / in einer kleinen Capelle / die nacht über daselbst zubleiben / allein gelassen. Sie wolte sich / aus verborgenem antrieb / nicht abkleiden / setzete sich auf das bereitete bettenider / und sprachete mit uns bis üm mitternacht / von ihrer keuschen liebe / die sie zu dem Elieser truge. Endlich gienge unversehens die thür auf / und wurde die erschrockene Ahalibama von dem Mizrah / welcher eine kleine lampe truge / und dem K \nig damit vorleuchtete / also angeredet: Sch \ne Fůrstin! ihr werdet euch nicht widersetzen /den gesetzen des landes gemås / dem König eine gunst zu erweisen / deren er von euch berechtiget ist. Hiemit winkete er mir und meiner gespielin / daß wir uns solten beiseits begeben. Mir aber war unmüglich /solches zu thun: und indem sahe ich / daß Ahalibama mit beiden armen den König von sich stiesse / ihme auf ein fenster gesimse entsprunge / und aus demselbigen sich beherzt hinab auf die gassen warfe. Ich folgete ihr blind nach / und mir meine gespielin: kamen wir also alle dreye [106] [108]ohne schaden auf den boden und liefen / beim schein des mondes / vom tempel hintan /so weit und eilends wir kunten.

Wir traffen zu glůck den Elieser mit seinen bedienten auf der gassen an: welcher / weil ihm das herz etwas widriges mochte gesagt haben / nicht in seinem gemach bleiben k \nnen / und gegen den tempel ausgegangen ware. Er stunde still / und sahe mit verwunderung unserem laufen zu / an welchem er erstlich nit glaubte antheil zu haben. Aber ô ihr götter! wie gros war seine bestürzung / als er seine Fürstin erkennte /die / ihn gleichfalls ersehend / mit diesen worten ihm in die arme fiele: Ach! rettet die ehre eurer Ahalibama! Hiemit / weil sie so heftig gelaufen / auch schrecken und entsetzen dazu kame / bliebe sie ganz onmächtig ligen: und fehlete es nicht viel / daß es dem Elieser / wegen so unvermuteter begegnis / nicht eben so ergangen wåre. Weil ich vor entsetzung eben so wenig sprechen kunte / deutete ich nur / man solte uns in ein haus bringen. Als dieses geschahe / und wir uns alda såmtlich etwas erholet / auch Ahalibama wieder zu ihr selbst gekommen war / erfuhre Elieser / wie es uns im tempel ergangen: das ihn dann in solche bestůrzung brachte / daß er nicht unbillig sein grausames verhängnis anklagete. Er wuste in dieser noht keinen raht zuergreifen / weil er den König viel zu mächtig / tyrannisch und leichtfärtig kennte / als daß er / nach dieser saubern that / sich zu ihm etwas gutes håtte versehen k \nnen. Also hielte er die eiligste flucht für das båste / worzu Ahalibama sich gern verstunde / weil sie doch nun bei dem König für sich und ihren Elieser keine sicherheit mehr sahe. Sie stunden nur noch an / wohin sie sich wenden wolten. Zu Thapuah / waren sie nicht sicher. Bei den Fürsten Beri konten sie / wegen [108] des Königs von Hebron /nicht wol bleiben. Anderswohin / da sie heimlich leben m \gten / sich fůhren zu lassen / wolte meiner Fürstin grosmut nicht zulassen. Endlich nach langem ratschlagen / dazwischen fast der morgen anbrache /ward beschlossen / sie wolten nach dem gebirge Seir reisen: und solte Elieser dem Krieg in Assyrien solang nachziehen / bis der himmel fůr sie eine bässere zeit schicken würde.

Hierauf raffeten wir / in geschwinder eile / alles zusammen / was Elieser an geld und kleinodien bei sich hatte / und begaben uns aus der stadt. Weil wir das schnelle reiten wol gewohnet hatten / sahen wir uns mit abend auser Beors gebiete / und verblieben die nacht in des K \nigs von Salem lande. Der Beor / wie wir nachmals vernommen / nachdem ihme sein böses fůrhaben also ůbel gelungen / hinterbliebe in heftiger entzündung seiner begierde / und besorgend / meine Fůrstin m \gte zu schaden gekommen seyn / sandte er ihr gleich etliche von des Berith Priestern nach: welche aber / zu guten glůck / uns nicht fanden / weil sie uns auf dem Königlichen schloß gesuchet. Am morgen ware in ganz Sichem eine allgemeine bestůrzung /als / an stat des erwarteten hochzeitfestes / braut und bråutigam nirgend zu sehen waren. Niemand kunte die ursach dieser flucht ergründen / und hielte der K \nig es so geheim für seiner gemalin / daß die nichtes weniger argwåhnte / als das / was geschehen war. Nachdem wir zu Thapuah vergebens gesuchet worden / verfolgete man uns nicht weiter / und konten wir also sicher durch das land Canaan kommen.

Elieser beklagete / mit den erbärmlichsten wesen von der welt / seine Ahalibama / daß die seiner liebe wegen in ein solches ungemach gesetzet worden. Sie hingegen [109] versicherte ihn / wie daß sie immer beståndiger in ihrer liebe wůrde / je mehr verfolgungen sie deswegen ausstehen můste. Ich erinnere mich eines Lieds / das sie dazumal / ihm zu trost / erfunden und gesungen / welches meines behalts also lautete:


Ich bin getreu.

Kein elend kan mich scheiden

von dir / mein ander ich.

Liebst du mich / als ich dich:

so sag ich ohne reu /

solt ich drum alles leiden:

Ich bleib getreu.


Ich bin getreu!

wolt auch der himmel brechen /

und manchen sturm und straus

drum auf mich schütten aus;

sag ich doch ohne scheu:

nichts kan mein herze schwächen /

Ich bleib getreu.


Ich bin getreu!

weil ich dein keusches lieben /

acht' höher als die welt /

als ehre / glück und gelt.

Ich sage dieses frei:

nie soll mich was betrüben /

bleibst du getreu.


Diese treue versicherungen ihrer beständigkeit / richteten ihn dermassen auf / daß er sich für den seeligsten menschen von der welt hielte. Sie liesse gegen ihm niemals einige traurigkeit blicken / damit er nicht mögte betrůbt werden: ob sie schon / wann sie bei mir allein war / ihre milde zåhren ůber ihren zustand vergossen / weil sie ihr leicht einbilden kunte / wie unangenem ihr Elieser denen Fůrsten von Seir seyn wůrde / und wie viel ungemach sie noch / dieser liebe wegen / ehe sie zu ihrem ziel gelangen m \gte / wurden erdulten můssen.

[110] Der himmel machte uns die lezte sorge nur all zu bald fůhlen / und waren wir nicht so seelig / daß uns die erste eingetroffen wåre / und wir einiges leiden in Seir ausstehen dörfen. Dann / als wir an die wüsten Paran kamen / überfiele uns unvermutlich ein grosses heer råuber / die viele gefangene frauenpersonen bei sich hatten. Und ob wol Elieser sein leben dapfer wagete / seine Ahalibama zu schützen / so ware es doch vergebens: und muste er sehen / wie sie meine Fürstin bunden / und unter der zahl der anderen frauen /neben uns beiden / forttrieben. Ihn selber aber / und die bei sich habende mannspersonen / schlossen sie in die eisen / üm für slaven sie zu verkaufen. Ich würde mich zulang aufhalten / alles klagen und winselen zu beschreiben / das wir ůber diesen grossen unfall billig ausstiessen: massen ich auch noch so viel zu sagen habe / daß ich / üm meiner durchleuchtigen zuh \rerin nicht verdrůslich zu werden / mich der kůrze muß befleissigen. Weil die räuber die Fůrstin sehr sch \n befanden / als gedachten sie eine grosse beute aus ihr zu machen / und dieselbe / samt dem andern frauenzimmer / die alle aus den benachbarten orten geraubet waren / in Canaan an einen grossen herrn zu verkaufen. Demnach theilten sie ihren raub / und wůrfelten darum / wer von ihnen die Ahalibama haben solte: da dann das glůck auf einen Heviter fiele / der aus Odollam bürtig war / und vormals dem Beor als ein hirte gedienet hatte / aber wegen untreu / des landes verwiesen war / und darum auf das rauben sich begeben hatte. Demnach ward er entschlossen / mit seiner schönen slavin nach Sichem zu gehen / und dieselbe dem König / als ein angenemes geschenke / zu verehren. Nachdem nun Ahalibama mich und meine gespielin ausgebetten / daß wir bei ihr gelassen wurden /muste sie von ihrem Elieser scheiden: [111] der dann / bei diesem abschiede / mehr todt als lebendig war / und seine augen für sich reden liesse / weil diese unmenschen ihme ein mehrers nicht vergonten.

Wir wusten damals noch nicht / wohin wir solten /bis wir Sichem erblickten: das dann / der trostlosen Ahalibama / ihr elend noch grösser machete / allermeist da sie von ihrem rauber erfuhre / daß er sie fůr den K \nig bestimmet håtte. Du Beor ware eben im tempel / als wir ankamen. Unser Heviter / so Aser hiesse / stellte sich für den hof des tempels / uns mit verdecktem angesicht / nach gebrauch des landes /hinter sich fůhrend: da dann eine grosse menge volks sich hierbey samlete / theils die schöne slavin / von deren Aser so viel sagte / zu sehen; theils ůber seine verwegenheit / daß er es wagete / dem König unter augen zu kommen / da ihm doch das land bei lebensstraffe verboten worden / sich zu verwundern. Er wolte aber die Ahalibama niemand zeigen / bis der K \nig sie gesehen hätte. Man kan gedenken / wie wenig meine Fůrstin nach dieser ansprache verlanget: die fast fůr angst onmåchtig wurde / als sie den K \nig ankommen sahe. Aser fiele demselben zu fus / ehe er sich dessen versahe / und bate üm gnade / zugleich sein geschenke ihm darstellend. Beor / der wegen noch frischen verlustes der Ahalibama in seinem gemüt unruhig und übel zu frieden ware / entfienge den Aser mit grausamen angesicht / und hiese ihn gefangen setzen. Und weil die Königin ihm auf dem fus nachfolgete / wolte er die slavinnen nicht sehen / sondern befahle seinem Kämmerer / der über das frauenzimmer bestellet war / daß er uns verwahren solte. Dieser Kämmerer / der die Ahalibama zuvor nie gesehen hatte / kannte sie nicht / als er uns in das haus gebracht / da der König viele schöne jungfrauen aufbewahren liesse: die daselbst / [112] etliche monate lang / auf das köstlichste gesalbet und zubereitet / nachgehends dem K \nig zu seiner lust zugeführet / und folgends /in einem andern haus / den kebsweibern zugesellet wurden. Isbothsar (also hiese dieser Kämmerer /) weil er meine Fůrstin so sch \n fande / liesse sie herrlicher als alle die andere bedienen / und růhmte sie zum öftern gegen den K \nig: Der aber / weil ihme Ahalibama noch stets im sinn schwebete / solches nicht gros beachtete. Gleichwol befahle er dem Isbothsar / ihrer wol zu pflegen: bis ihme / zu seiner zeit / diese ihm gerůhmte slavin zusehen / belieben würde. Also wuste Beor nicht / daß er die / welche er vor alle welt verlangte / in seiner gewalt hatte / belohnete auch dem Aser seinen guten dienst gar ůbel: massen er ihn aufhenken liesse / den er doch / wann er gewust / was er ihme gebracht / grosse verehrung und gnade wůrde erwiesen haben. Dergestalt verliefen nun etliche monate / inner welchen meine Fůrstin diese verdrüsliche bedienung erleiden muste. Weil wir auch im geringsten nichtes von dem Elieser erfuhren / als gienge ihr die ser kummer / neben ihrem gefängnis-elend / dermassen zu herzen / daß sie ganz abname / und fast keinem menschen mehr ånlich sahe. Dieses / so mich betrůbte / ware ihr eine grosse freude: weil sie hoffete / der tod wůrde bald mit ihr ende machen / als der allein aus bevorstehender schande sie reissen kunte. Sie wůrde auch solchen gewiß bef \rdert haben / wann sie nicht /ům Eliesers willen / ihrer selbst geschonet und meiner bitte håtte gehör gegeben. Die hoffnung / daß ihr Elieser sie noch erretten wůrde / und die unwissenheit /darin der K \nig wegen ihrer person schwebete /machten ihr das leben noch ertråglich / und liessen sie nicht gar in ihrem unglůck versinken.

Ich muß nun auch erzehlen / wo unser Elieser geblieben / [113] den wir / als meine Fůrstin von dem Aser weggefůhret wurde / bei den andern raubern in der wůsten Paran verlassen. Er wurde / nach vielem ůmherschleppen / an einem Kaufmann in Kiriath Sepher verkaufet: der mit ihme in Canaan reisend / nach Bersaba kame. Weil er nun daselbst seinem Vatter sich kund gabe / als wurde er von seiner dienstbarkeit befreyet: in welchem fall er glůckseeliger als wir gewesen. So sehr aber in Bersaba alle leute / ůber diese seine unvermutete und seltsame wiederkunft / sich verwunderten / so besorget wurde der Beri / daß der K \nig von Hebron / als welchem nun Elieser ganz verhasst ware / auch ihme deswegen noch aufsetziger werden würde. Demnach wolte er ihn nicht ům sich haben / sondern gabe ihm mit diesen worten den abschied: weil er sein glůck hätte ohn ihn suchen können / als solte er nun auch sehen / wo er mit dem unglůck bleiben mögte. Dieser verschmach / würde zur andern zeit den Elieser sehr geschmerzet haben. Jetzund aber / da ihm nichtes als das andenken seiner Ahalibama bewegen kunte / galte ihm alles gleich: und zoge er also mit seinem getreuen bruder davon /unwissend / wohin er sich wenden solte / daß er etwas von seiner verlornen Ahalibama erfahren m \gte. Als aber Ephron ungefähr / unter anderen gesprächen /ihm erzehlete / wie der alte Aser mit einem schönen frauengeschenke zu Sichem so ůbel bestanden / und zur vergeltung wåre aufgehenket worden: sagte ihm alsobald das herz / dieser Aser würde etwan die Ahalibama nach Sichem verkaufet haben. Demnach beschlossen sie / miteinander nach Sichem zu reisen /und daselbst sich unbekannt aufzuhalten: worzu sie dann leichtlich gelangeten / weil sie viele heimliche freunde in der stadt hatten / deren treue sie versichert waren.

[114] Als sie nun ein zeitlang zu Sichem sich befunden /brachten sie durch listige bemühungen den Isbothsar auf ihre seite / daß er / von etlichen stattlichen ihm-verehrten kleinodien geblendet / ihnen versprache / sie zu des Asers slavin zufůhren / für deren brüder sie sich ausgaben. Es waren beide Fürsten diesem kämmerer unbekannt / weil er erst neulich in dienst gekommen / und aus Sidon bůrtig ware. Dieser nun fůhrte sie / eines morgens in aller frůhe / in den garten / welcher rund umher eine hohe mauer hat / und zu der jungfrauen ergetzlichkeit angeleget ist: dahinein /wie auch in das ganze haus / keine mannsperson /auser die kåmmerlinge / kommen durfte. Nachdem er sie in einer schattichten låube verstecket / weckete er mich / und kündigte mir an / wie daß die brůder der Alceste / (welchen namen Ahalibama an sich genommen hatte /) in den garten von ihm heimlich wåren eingelassen worden / und ihre schwester zu sprechen verlangeten. Ob ich nun wol erstlich auf den Dison wehlte / kame mir doch folgends in den sinn / wiedaß diese / weil ihrer zween wären / die Fürsten von Canaan seyn würden. Demnach liefe ich hocherfreut zu meiner Fürstin: die dann wol niemals fr \her / als dißmal / aus dem bette gekommen. Und zwischen furcht und hoffnung schwebend / ob es Dison ihr bruder /oder Elieser ihr liebster / oder alle beide seyn m \gten / kleidete sie sich eiligst an / und folgte dem Isbothsar: kame also das erste mal in den garten / den sie zuvor / aus unmut / niemals besehen wollen.

Der erfreute Elieser liesse ihr nicht lange zeit / sich nach ihnen ůmzusehen: massen er / so bald er sie in der låube erblicket / und den Isbothsar / (welcher bei der thůr des gartens / damit keine von den andern jungfrauen uns ůberrauschen m \gte / auf der hut zurück geblieben /) etwas [115] von uns entfernet sahe / ihr zu fůssen fiele / und ihre hand zum munde führend /sagte er: Ach himlische Ahalibama! so sehe ich euch nun wieder? Sie / von freuden bestůrzet / küssete / an statt ihn aufzurichten / den Elieser oben auf das haubt; und als sie nachgehends sich was båsser besonnen / und er wieder von der erden aufgestanden war / sagte sie zu ihm: Ist es möglich / Elieser! daß ihr es seit / den ich vor mir sehe? ist es möglich / daß ihr an diesen ort habt kommen k \nnen? Die liebe (antwortete er /) kan das unmöglich-scheinende m \glich machen; und es ist nichtes so schwer in der welt / das einem liebenden nicht leicht ankomme. Hierauf / nachdem sie den Ephron auch entfangen /setzeten sie sich zusammen nieder / und erzehleten einander / alles was ihnen seit ihrer erbärmlichen scheidung begegnet. Darauf redeten sie von ihrer unglückseligen liebe / die ihnen soviel trübsal machete /und durch so grosse Widerwårtigkeiten verfolget wurde. Es kunte aber diese zusammensprache / die von leid und freud gemångt war / zu nichtes gewisses dienen / daß sie håtten einen schluß fassen k \nnen /was sie vornemen solten: sondern / nach geschworner ewiger beständigkeit / schieden sie das mal also wieder von einander / weil der aufsteigende tag ihnen diese freude aufkůndete. Also wurden sie vom Isbothsar / nachdem der ihnen versprochen / sie \fters dergestalt einzulassen / wieder hinaus gefůhret. Meine Fůrstin aber / bliebe ůber dieser unvermuteten ergetzung so wol zu frieden / daß sie anfienge / etwas ruhiger ihr elend zu ertragen / weil der ihr nun trost konte zu bringen / an dem ihr leben hienge.

Als nun die Fůrsten uachgehends öfter / durch diese gelegenheit / zu uns kamen / und mit uns des Beors leichtsinniges gemůt betrachteten / was der bereits der [116] Ahalibama d \rfen zumuten / und wie er jezt dazu so viel mehr befugt und begierig seyn wůrde: da wurde endlich unter ihnen beschlossen / daß Ephron auf das gebirg reisen / und den Seirischen Fürsten der Ahalibama gefärlichen zustand berichten solte / damit dieselbige bey zeit es an den K \nig Beor gelangen lassen / sie wieder abfordern / und von dieser schimpflichen dienstbarkeit mit ihrem ansehen und billigem begehren befreyen m \chten. Sie håtten wol lieber gewolt /daß Isbothsar / wie er leicht thun k \nnen / unsere entfůhrung zugelassen håtte. Sie dorften ihm aber solches nicht zumuten / weil er ni ermehr darein wůrde gewilliget haben / als der dem König die sch \ne slavin selber so gerůhmet / und deswegen schwere rechenschaft von ihrem verlust håtte geben můssen. Wie er dann auch vom Elieser und Ephron starke eidschwůre genommen / daß sie ihm / auser dieser anspracht / weiter nichtes ansinnen solten.

Nachdem nun der Fůrst Ephron / seinen geliebten bruder zu gefallen / die abgeredte reise angetreten /warteten sie mit unaussprechlichem verlangen / von einer zeit zur andern / auf seine wiederkunft. Als sie aber in etlichen monaten keine nachricht von ihme bekommen / fiengen sie an zu sorgen / daß es nit glůcklich um ihm stehen müste. Inzwischen verlieffe die zeit / also daß nur noch drei wochen übrig waren /nach verfliessung derer / meine Fürstin die reihe traffe / zum K \nig geführet zu werden; da sie die gröste schmach von der welt zu erleiden / muste gewertig seyn. Elieser wurde hierůber sehr kleinlaut; und Ahalibama war sehr beångstigt / daß ihr keusches herz /darzu verdammet seyn solte / den lüsten des Beors zum opfer zu dienen. Dieses nun zuverhůten / nachdem sie alle hoffnung einiger menschlichen hülfe verloren / ergriffe sie das grausame mittel / ihr ehre [117] durch selbst-eigene raubung ihres lebens zubewaren. Wie beherzt sie aber hierzu ware / so unmůglich fiele ihr doch / dem Elieser davon etwas zu offenbaren / bis auf den lezten morgen / da sie den abend zum Beor gehen solte / und er zu ihr in den garten kame / etwan einen ewigen abschied von ihr zu nemen.

Dazumal fassete sie heimlich ein messer / und zum tode nun standhaft entschlossen / sagte sie zu ihm: Ihr sehet / mein Elieser! wozu es mit nur gekommen / und daß / meine ehre zu retten / kein mittel als der tod mehr übrig ist. Weil ich dann weiß / daß ihr eines so edlen gemütes seit / mich lieber todt und bei ehren als lebend und entehret zu sehen: als habe ich auch den tod zu meiner einigen ruh erkiesen wollen. Ich weiß /daß ihr zu einer anderen zeit das wort Sterben nicht wůrdet erdulten können / wann mein unglůck nicht so hoch gestiegen wåre / und mein leben euch noch tr \stlich seyn könte. Nunmehr aber / da ich euer nicht lebendig seyn kan / hoffe ich / ihr werdet mir nicht misg \nnen / solche im tode zubleiben / sondern mir erlauben / mein leben und ehre / nach der unschuld und reinigkeit / darin ich euch unverrückt geliebet /euch aufzuopfern. Ihr werdet mir den ruhm gönnnen /daß ich euch meinen leib unverletzt bewaret: ůber den ihr ein herr seyn sollen / wann der hi el nicht unser eheliches fůrnemen gehintert. So nemt dann hin / was euch allein gehöret! die götter lassen euch nach meinem absterben vergnügter seyn / als ihr in meinem leben gewesen. Hiemit fiel sie ihm ům den hals / und wolte ihr zugleich das messer in die brust stossen /um in seinen armen zu sterben. Elieser aber / ungeacht seiner traurigkeit / hatte auf ihr thun genaue achtung gegeben: der begriffe ihr die hand / und verwehrete ihr beginnen. Was / Elieser! (sagte sie hierauf /etwas entrüstet /) [118] ist diß ein zeichen eurer liebe / daß ihr mir diese lezte und einzige ruhe misg \nnt: damit wolte sie sich wieder von ihm reissen / um ihr grausames fůrnemen zu vollziehen. Er aber bate sie so inståndig / seine ursachen erstlich zu vernemen / warům er hieran sie hinterte: daß sie endlich seinen überredungen beyfall gabe / und das messer ihr gutes willens nemen liesse.

Hierauf sagte er zu ihr: Ich erkenne ganz wol / tugendvollkommene Ahalibama! unser unglůck ist also hoch gestiegen / daß fast nichtes als der tod noch ůbrig ist / uns heraus zu reissen. Dennoch aber můssen wir die hoffnung nicht eher verlassen / bis alles / was wir zu erlangung unsers heils thun können / angewendet worden. Verziehet demnach bis zu allerletzt / eure ehre durch ein solches mittel zu retten; und wann ich unterdessen kein anders mittel finde euch zu erl \sen / wil ich in eure grosmůtige entschliessung einwilligen.

Hierauf erzehlte er ihr / daß er in diesen dreien wochen / da sie an ihrem heil angefangen zuverzagen /sich mit seinen freunden heimlich beredet: welche sich mit ihme verschworen / nachdem er ihnen der Fürstin gefärlichen zustand entdecket / des Beors leichtfårtigkeit zu hintertreiben / zu errettung der ehre einer so unschuldigen Fürstin / ihr leben zu wagen /und diesen abend das haus / darin sie aufgehalten wůrde / zustürmen. Wůrde ihr vornemen / wie sie doch nicht hoffeten / mislingen / und sie zum König kommen / stůnde ihr ja noch allemal frey / ihre ehre durch den tod zuretten: da er ihr dann gewiß in die andere welt folgen wolte. Ich bewillige alles / was ihr begehret / (versetzte ihm meine Fürstin) ohne allein euren tod nicht. Lasset mich / liebster Elieser / in euch noch ein zeitlang auf der welt bleiben; weil ich kein sch \nere gedåchtnůs / als euch / zu rücke lassen kan. So lang ihr [119] lebet / werde ich nicht vergessen seyn; dann / wer euch sehen wird / wird gleich sagen: Dieser ist es / üm welches willen Ahalibama ihr leben aufgeopfert / damit sie ihrer ehre und seiner liebe getreu verbliebe. O unbarmherzige freundin! (rieffe Elieser) welche grausamkeit ist dieser gleich / die ihr an mir verůben wollet? Worinn mein leben bestehet /das soll dem tode übergeben werden / und der schatten des lebens sol auf der welt bleiben: dieß ist wider die natur. Ach nein! ich wil mit euch sterben / liebste Fürstin! ob mir schon der himmel verwehret / mit euch zuleben. Darum / sch \nste Ahalibama! forderet nichtes von meiner liebe / als was sie thun kan. Kan ich euch nicht retten / und můsset ihr beim tode eure einige zuflucht suchen / so erlaubet mir dergleichen: oder ich muß am ende meines lebens euch ungehorsam werden / da sonst euer wollen in meinem leben mein einiger leitstern allemal gewesen ist. Mit diesen und dergleichen reden bewegte er sie / daß sie auch in seinen tod willigte. Ihrer keines wolte den anfang ma chen / abschied zu nemen: bis endlich Isbothsar mir rieffe / und / das sie m \gten von einander gehen / anmahnete. Ich wůrde mich vergeblich bemühen / diesen kläglichen abschied zubeschreiben: weil der mich selbsten also bewegte / daß ich fůr threnen und wehemut nichtes sahe noch h \rete. Das lezte ware / daß er sie ermahnete ihr keinen gewalt anzuthun / bis alle menschliche hůlfe aus seyn wůrde: und sie hingegen begehrete von ihm / er solte sein leben so lang erhalten / bis er ihren gewissen tod erfahren håtte. Und hiemit schieden sie / mehr todt als lebendig / von einander.

Der verzweifelte Fůrst / sein gefårliches fůrnemen werkstellig zu machen / berieffe seine verschworne: die dann alle in einem \den gebäu eines verfallenen tempels [120] sich versammelten / und alda alles bereit hielten / was sie zu ihren anschlag dienlich erachteten. Das grausame verhångnis wolte aber dieses des getreuen Eliesers fürnemen nicht beseeligen / und schickete eine unvermutete hinternis in den weg / die alles růckgängig machete. Es hatte der K \nig dieses gemåuer dem Oberpriester dem Mizrah geschenket: welcher die steine zu dem tempel des Berith / selbigen an einem orte / allwo er verfallen / auszubessern / gebrauchen wolte. Dieser kame eben dahin mit etlichen bauleuten / als Elieser mit den anderen daselbst ware /und von ihren anschlag sich beredeten. Ihre åmsigkeit machte / daß sie den Mizrah nicht sahen: welcher / als ein schlauer gast / bald mutmassete / diese leute würden nicht umsonst dahin gekommen seyn; zumal die waffen / gewehr und werfleitern / die sie bei sich hatten / ihn zweifeln machte / ob sie nicht etwan eine verräterei vorhaben m \gten. Demnach gienge er zum König / ihme anzumelden / was er gesehen. Beor sandte alsobald seine wacht dahin / diese leute aufzuheben: die dann / weil sie viel stårker waren / den guten Fůrsten mit allen den seinigen gefangen namen / und sie fůr den König brachten. Dieser erkannte alsbald den Elieser / und ward höchstbegierig / aus seinem munde etwas von der Ahalibama zuerfahren: dannenhero er ihn gar eiferig befragte. Er kunte aber nichtes anders aus ihme bringen / als daß er / ům desto eher den tod zufinden / ihm bekante / wie er hätte den Beor und das ganze K \nigliche haus umbringen wollen / um deß willen / was der K \nig vor der zeit an seiner versprochenen braut / der Fůrstin von Seir / in des Berith tempel wider alle billigkeit verůben d \rfen. Von der Ahalibama aber verschwiege Elieser alles / um seinem mitbuler nicht selbst die fr \liche post von ihrem da-seyn zubringen.

[121] Wie dieses den K \nig ergrimmt gemacht / ist leichtlich zuermessen: dann er zugleich eine so gefärliche verbündnüs wider sein leben vername / seinen mitbuler so unvermutet zu sehen bekame / und nun leiden muste / daß der ganze hof erfuhre / was er mit der Ahalibama in des Berith tempel begehen wollen /und seither so heimlich gehalten hatte. Er geriete hierob so gar aus sich selber / daß er auf der stelle wolte den Elieser niedersåbelen lassen. Als er aber sich bedachte / daß er von ihme / wohin die Ahalibama sich verloren / noch würde erfahren können / auch seine råhte ihm zusprachen / diesen handel mehrers zu überlegen: liesse er den Elieser in ein hartes gefängnüs bringen / und seine mitgefangene alle absonderlich verwahren. Es erscholle bald durch die ganze stadt / wie daß der statthalter von Thapuah gefangen wåre: da es dann auch fůr unsern kåmmerer den Isbothsar kame. Dieser wolte schier verzweiflen / daß wir ihn also betrogen hatten: weil er in sorgen stunde / er m \gte / wann man alles erfůhrr / beim Beor in ungnade kommen. Er ginge zu meiner Fürstin / die eben mit mir allein war / und rückete ihr mit den ungedultigsten worten von der welt für / daß sie den Elieser fůr ihren bruder ausgeben d \rfen / der doch nun fůr den Statthalter von Thapuah erkant / und / wegen einiger verråterei wider den König / wäre in haft genommen worden. Die schon mehr als halbtodte Fůrstin / wurde über dieser zeitung vollends ganz verzweifelt / und sahe mich / sonder dem Isbothsar zu antworten / mit solchen augen an / die von ihrem tode zeugeten. Wie wir wieder alleine waren / wolte sie ihr fůrnemen / sich zu entleiben / werkstellig machen /weil ja nun alle rettung aus wäre. Ich aber verwehrete ihr solches / und riehte / sie solte lieber ihre grausamkeit an den K \nig / als an ihr [122] selbst / verůben / und diesen tyrannen das leben nemend / ihren Elieser vom tod erretten.

Wie sie sich nun dazu bereden lassen / und die gew \nliche stunde angekommen war / darin die jungfrauen dem K \nig zugefůhret wurden / holete sie der Isbothsar ab: deme sie mit solcher standhaftigkeit folgete / daß ich mich noch darůber verwundere / wann ich daran gedenke. Die angst hatte ihren wangen eine angeneme r \te eingejaget / und ihre augen vom billigen eifer angezündet / feuerten dermassen wider den Beor / daß sie nie sch \ner noch majestetischer ausgesehen. Sie truge auch das messer verborgen mit sich /welches zu einer so grossen that gewidmet war. Wie sie in die K \nigliche schlaffkammer kame / funde sie den Beor auf einem teppig sitzen. Weil ihr das gesicht verdecket ware / fragte der König den Isbothsar: ob diese die schöne slavin wåre / die er ihm so lang gerühmet? Nachdem nun der kämmerer solches bejahet /liesse er sie beisammen / und ginge hinaus. Der K \nig hube meiner Fůrstin den flor vom gesicht / um ihre sch \nheit zu sehen. Als er nun sie gleich erkennte / rieffe er / so bestürzet als erfreuet: Sehe ich nicht die schöne Ahalibama? Ja / Beor / (antwortete sie) die sihest du / und eben mit der entschliessung / wie das erste mal / deinem unkeuschen zumuten sich zu wider setzen. Er / voller liebe / achtete diese worte wenig /und seine viehische begierde zu erfůllen / wolte er sie zu bette n \tigen. Sie aber fiele ihn damit wie eine Lewin an / und gabe ihm mit dem messer eine wunde: doch nicht mit solcher kraft / daß sie t \dlich håtte werden können. Beor hube sobald an zu schreien /daß man ihm solte zu hůlfe kommen. Also kamen die kämmerlinge gelaufen: die dann ihren verwundeten König also blutig funden. Weil nun Ahalibama sahe /daß sie den [123] Beor nicht t \dten k \nnen / stiesse sie ihr das messer selbst in die brust: doch wurde sie begriffen / daß es nicht ganz hinein gienge / und brachte man sie in ein zimmer; Worauf gleich die ärzte geholet wurden / nach ihr und des K \niges wunden zu sehen. Das geschrei hievon liefe alsobald durch alle gassen / und erfuhre es die K \nigin Atis nicht zum lezten: welche / ungeachtet seines leichtfårtigen lebens / ihren Gemal liebete / und deswegen eiligst zugelaufen kame / zu dessen wunden zu sehen. Alles geriete hierůber in unordnung und bestůrzung / und die gute K \nigin merkete allzuwol / was fürgegangen: Da auch Beor nicht mehr bergen kunte / wie sehr er die Fürstin von Seir liebete. Dieses verursachte in ihrem herzen eine bittere traurigkeit. Sie stellete sich anfånglich / als ob sie um nichtes wůste: um desto mehr von allem zu gründen. Ich wurde / von meiner Fůrstin / zu ihrer bedienung erbeten / und also von dem Isbothsar ihr zugebracht: da ich sie dann / was ihre wunden betraffe / in erträglichem zustand gefunden.

Man hätte sollen vermeinen / der K \nig w \rde /nach dieser gewalttåtigkeit der Ahalibama / alle liebe gegen ihr in einen haß verwandelet haben. Aber / zum widerspiel / er wurde immer verliebter / so gar / daß er auch keine heimlichkeit davon mehr machete / sondern es so klärlich an den tag gabe / daß jedermann bei hof davon sprachete. Als nun des K \nigs wunden ihn etliche tage der kammer hüten gemacht hatten /war sein erster ausgang zu der Ahalibama / die er /nach h \flicher begrüssung / also anredte: Ich komme nicht / schöne F \rstin von Seir! mich ůber euch zubeschweren / wegen der lezten begebenheit; dann die wunden / die damals ich von euch entfangen / sind nicht zuvergleichen mit denen / die ihr mir fürlängst in mein herz geschlagen. Ich bin [124] vielmehr darum hier / euch um vergebung zu bitten / daß ich nicht / eurem stand und verdienst gemås / euch schicklicher bedienet / und daß ich euch nicht auf bessere art / meine willfärigkeit euer diener zu seyn / zuverstehen gegeben. Versichert euch aber / daß / nun ich euch so grosmütig befunden / ich auch gleichergestalt hinwiederum mit euch verfahren wil. Und ich bitte euch /stellet nur eur gemůte zu frieden: euch sol bei mir nichtes widerfahren / das euch zu einiger gewalttåtigkeit treibe. Meine Fürstin wandte / zeit wåhrender seiner Rede / ihre augen nicht von der wand ab / und wůrdigte den K \nig nicht eins / ihn anzusehen. Er aber liesse nicht nach / ihr zu liebkosen / und ihr ihre traurigkeit abzufragen / bis sie endlich sagte: Ich weiß nicht / warum ich um das gefragt werde / was man doch so wol weiß / als ich selber. Ich bin hier zu Sichem in schutz genommen worden / aber meine beschützere / seind meine verfolgere: und ich solte mich nicht beklagen? Man hat mir / als einer Fůrstin / erschreckliche dinge angemutet: und ich soll mich nicht beschweren? Man hat mir den Fürsten Elieser geben wollen / den ich nun in schweren banden weiß: und ich soll mich nicht bekümmern? Hiermit brachen ihr die zähren heraus / daß sie nichtes mehr reden kunte. Der König antwortete: Es solte ihr der einmal-versprochene schutz gehalten werden / sie solte nur an das fůrgegangene nicht mehr gedenken. Was den Elieser anlange / so brächten den seine unthaten in das gefängnus: dann er ja selbst bekennet / was für eine verräterei er wider sein leben fůrgehabt.

Ich weiß / (sagte hierauf meine Fůrstin) daß der Fůrst Elieser so unschuldig hieran ist / als schuldig er / bloß aus treuer liebe gegen mir / sich gemachet hat. Man lasse nur die mitgefangene befragen: sie werden alle gestehen / [125] daß Elieser keinen andern anschlag /als auf mich / gehabt / und das seine tugend ihn gereitzet / mich aus einem so schåndlichen ort zubringen / da ich wider meinen stand / und wider meinen sinn /aufbehalten wurde. Ich begehre auch nicht zu leben /wo dem Elieser solte das geringste widerfahren. Der unwürdige Elieser / (antwortete der verliebte Beor) hat eine solche liebe nicht verdienet; und er muß sterben / weil er den tod mehr als zu wol verschuldet. So sterbe ich mit ihm! (sagte sie das band von ihren wunden abreissend) und wil ich dannoch die seine bis in tod verbleiben / wann auch alles uns wolte entgegen leben. Der König / hierob sehr bestürzt / wandte grossen fleis an / sie zu trösten / und befahle im hinweggehen dem wundarzt / sie wieder zu verbinden. Sie aber litte es nicht / und wehrete sich mit aller macht /beståndig dabei verharrend / wann Elieser ihrentwegen solte sterben / nach ihm keine stunde zu leben. Dieser handel verursachte sehr unruhige gedanken bei dem Beor / und ward er bald an-bald abgetrieben /dem Elieser das leben zu schenken.

Bald hernach kame auch die K \nigin / meine Fůrstin zubesuchen: bey deren erhielte sie soviel / daß sie um Eliesers erlösung beim K \nig anhielte / und durch vermittelung der rähte es so weit brachte / daß die jenigen / welche bei dem Elieser gewesen / abgehöret wurden. Weil nun diese den anschlag / den der Fůrst auf uns gehabt / entdeckten / und damit seine schuld geringer macheten: als erklårte sich der K \nig / um der Ahalibama zuwilfahren / den Elieser los zu lassen; worůber / zwischen ihme und der K \nigin /der erste streit entstanden. Dañ / weil diese sich noch nichtes wolte merken lassen / haß sie um des K \nigs liebe wisse / als dankete sie ihm / in gegenwart aller fürnemsten K \niglichen bedienten / fůr des [126] Eliesers befreyung / mit solchen worten: Sie wäre erfreuet /daß der König ihr zu lieb den Fürsten wieder los geben / und die heurat zwischen ihme und ihrer wasen bef \rderen wolte. Auf diese lezte worte / errötete der K \nig / und gabe ungestůmlich zur antwort: was er thåte / das geschähe der Ahalibama wegen / welche viel zu edel wåre / daß Elieser sie zu heuraten ihme ferner einigen gedanken machen dörfte. Hiemit gabe ein wort das andere / und war das ende derselben /daß die gute Atis mit thrånen von ihm hinweg gienge. Sie gienge aber von dar gleich nach unserer Fürstin /und brachte ihr die zeitung / von des Eliesers freiheit; sagte aber dabei / wessen der König sich gegen ihr heraus gelassen: mit den anhang / sie wolle nicht hoffen / daß ihr gemüte durch dieses beginnen des Königs / würde zur wankelmütigkeit können gebracht werden.

Als Ahalibama sie dessen genug versichert / und um ferneren beistand angeflehet / kame der König auch hinein / und sehr ůbel zufrieden sich anstellend /sagte er zu der Fůrstin: Ihr werdet / sch \ne Ahalibama / ja nun zu frieden seyn? Elieser ist bereits seiner haft erlassen. Ich wolte (antwortete sie) wenn es jezt in meinen verm \gen stünde / daß ich dafür E. Maj. auf den kniehen danken kunte. Doch ich thue solches in meinem herzen / und versichere E. Maj. daß der Fůrst Elieser und ich nimmermehr in vergeß werden stellen / was grosse gnade wir von E. Maj. entpfangen. Ich begehre von ihm keinen dank / (sagte der König) weil ich hierin einig und allein auf euch sehe: und werde ich erfreuet seyn / wann ihr aus dieser that k \nnet erkennen / wie hoch ich euch liebe / daß ich auch etwas wider mich selber thue / indem ich einen so verdrůslichen feind aus meinen handen lasse. Meine Fürstin bedachte sich etwas / was sie auf diese [127] gefårliche reden antworten solte: die sie gleichwol nicht so hart widerreden mochte / um ihrem Elieser nicht damit zuschaden. Aber die K \nigin bename ihr diese můhe /und sagte zum K \nig: Diese liebe / deren E. Maj. meine base versichern / ist ihr so unangenem / als bewust ihr ist / daß sie einig und allein mir zugeh \ret. E. Maj. erinnern sich / mit was bedinge die Assyrier mich E. Maj. gegeben: nämlich / daß ich Königin in Canaan allein bleiben solle. Diese edele Fůrstin als ein Kebsweib zuhalten / ist ihrem stande und tugend so ungemåß / daß E. Maj. an so was ungereimtes nicht gedenken / sondern vielmehr / der billigkeit nach / dem Fůrsten Elieser seine versprochene braut wiedergeben / und damit ihr Königliches wort und zusage / mir so wol als ihnen / halten werden. Dieses freie reden setzte den K \nig gänzlich aus aller gedult /daß er höchst-ergrimmet zu ihr sagte: wann sie keine K \nigs-tochter wåre / wolte er ihr zeigen / wie ihr ihre freiheit bekommen solte. Damit hiese er sie in ihr gemach gehen: welches die K \nigin zwar thun muste / aber / weil sie einmal in den harnisch geraten / etliche harte drauworte auszuschůtten nicht unterlassen kunte / und damit noch alles årger machete.

Dieses nun setzte den ganzen hof in einen grossen lerm / und muste der Fürst Elieser ohne saumnüs das reich raumen / und / des Beors gebiete nicht wieder zuberühren / sich verpflichten. Seiner Ahalibama /kunte er / wie sehr er sich auch darum bemühete /nichtes zu-entbieten lassen: weil sie dermassen bewahret wurde / daß ein solches unmůglich fiele. Also muste er / seine Fürstin in solchen raub-klauen hinterlassend / von uns scheiden. Er wuste keine bessere reise zu thun / als nach dem gebirge Seir: um alda von seinem verlornen bruder etwas zu erfahren / und dem Ana von seiner tochter zustand eiligst [128] zuberichten. Es begegneten ihm aber ganz unvermutlich / aus dieser reise / des Ana gesandten / und sein bruder Ephron: worüber grosse freude bei ihnen allerseits entstunde. Ephron erzehlte seinem bruder viele widerwärtigkeiten / die ihm begegnet / seither sie voneinander gewesen. Elieser ward hierauf entschlossen / unbekant nach Sichem mit zu reisen / und / als ein diener der Seirischen gesandten / die gelegenheit abzusehen /wie er seine Fürstin sprechen m \gte. Ephron beschlosse ingleichen / seinem bruder in slaven-gestalt gesellschaft zu leisten. Diese tracht verånderte sie dermassen / daß sie fast einander selber nicht kanten.

Die ankunft dieser abgesandten in Sichem / setzete den K \nig in neue unruh: dann er wol gedachte / sie würden die Fůrstin wieder begehren. Nun konte er damals so wenig / sie ziehen zu lassen / als sie zur K \nigin zu machen / sich entschliessen / weil die wahre vernunft noch bei ihm herschete / und ihn zurück zoge. Aber denen abgesandten zu zeigen / wie angenem sie ihm wåren / entpfienge er sie nicht allein selber auf das prächtigste / sondern auch / als sie meine Fůrstin besuchen wolten / begleitete er sie selber zu ihr: da er dann / bis zu ihrem abtritt im gemach bliebe / damit Ahalibama nichtes heimliches reden k \nte. Wie sie nun mit aller macht darauf drungen /daß die Fůrstin ihnen m \gte wieder gegeben werden /triebe endlich die unmåsige liebe den K \nig dahin /daß er sich entschlosse / die Ahalibama zu ehlichen und zur Königin zu machen. Dieses gabe er denen abgesandten zuverstehen / und hielte damit ihre abreise auf / bis er gesandten nach Seir abgeordnet und öffentlich um die Ahalibama werben lassen. Hierdurch wurde meiner Fůrstin zustand ganz verånderet / indem die / auf welche sie ihre hoffnung gesetzet / sie wůrden zu [129] ihrer erlösung behülflich seyn / nunmehr sie zu dieser heurat zu ůberreden begunten. Sie muste auch befahren / daß die Seirische Fůrsten dieses auch zugeben / und die zusage / die sie zuvor dem Elieser gethan / nicht ansehen würden.

Dieser entschluß nun ward bald überall ruchbar /und widersprache es die Königin Atis \ffentlich: als welcher / wie vor-erwehnet / der K \nig du zusage gethan hatte / neben ihr oder in ihrem leben keine rechte gemahlin anzunemen. Der verliebte König aber achtete ihr drauen nicht gros / weil ihme wissend war / daß der König Bel Ochus von Babel / ihr herr bruder / in den krieg mit dem König von Bactra und Ophir sich so weit eingelassen / daß er ihme ihrentwegen keinen krieg anmuten wůrde. Demnach fuhre er fort / alle zurůstungen zu dieser ungereimten heurat zu machen. Inzwischen kame auch der Prinz Hemor / der in Chaldea erzogen worden / wieder zu hause: welcher dieser heurat / wegen seiner fraumutter / sich \ffentlich widersetzete / und unwillig zum König von Assyrien zoge / dieses unrecht dem K \nig zu klagen / welches man dessen schwester / als seiner Fr. Mutter zufůgete. Es half aber dieses eben so wenig / und ward meine Fůrstin bereits als K \nigin gehalten / und von den mächtigsten des reiches besuchet / die um ihre gnade sich bewurben / und alle die seite der guten K \nigin Atis verliessen: das dann der Ahalibama ja so unertråglich ware / als die schwach / in der sie vorher leben müssen. Der verliebte Beor / ware fast täglich bei ihr: deme sie zwar wenig liebe erwiese / und allemal die Atis und den Elieser vorschůtzte / welche ihr verwehreten / des Königs liebe anzunemen. Aber dieses kunte des Königs liebes-feur nicht ausleschen: massen er immer verliebter wurde / und / mit der h \chsten ungedult [130] von der welt / seiner abgesandten wiederkunft vom gebirge Seir erwartete.

Der Fůrst Elieser / lebete unterdessen in dem betrůbtesten zustand / als einer seyn mochte. Dann /weil bei einer heftigen liebe in gemein eine kleine eiversucht sich findet / als quålete ihn dieselbige auch nicht wenig / da er von des Beors heurat reden hörete. Er besorgete / der hohe stand m \gte seine Fůrstin endlich blenden / und sie unbeståndig machen: allermeist da ein falsches geschrei ausbrache / wie daß bis alles mit der Ahalibama h \chster zufriedenheit geschåhe. Er wolte auch ganz verzweiflen / als er keine gelegenheit / mich zu sprechen / ergreifen kunte: weil wir allzufleissig von den Königlichen bedienten bewachet wurden. Endlich aber gabe ihm Ephron den raht / daß er an einem morgen in der frůhe / da der hof noch nicht voller leute / fůr der Fürstin gemach gehen / und / als wann er von den Seirischen gesandten etwas anzubringen håtte / sich bei der Ahalibama anmelden lassen solte. Dieses wagte er / und die Königliche bedienten / die kein bedenken trugen / diesen slaven einzulassen / führeten ihn zu mir: da ich ihn dann ganz nicht erkennet. Dann die verstellung seiner kleider / die verschneidung seines haares / und die wenige vermutung ihn so nahe zu wissen / ihn so gar verbargen / daß ich / ob er schon lang mit mir geredet / dennoch nichtes gemerket. Weil er nun zu meiner Fůrstin wolte / als brachte ich ihn zu ihr hinein: die dann / als begierig / einen von den Seirischen leuten zu sprechen / ihme willig geh \r gabe. Sie dachte aber ja so wenig / daß unter diesen slaven-kleide ihr Elieser verborgen ware / als eifersüchtig derselbige wurde / seine Fürstin so freyen gemütes zu sehen. Er ůberreichte ihr aber / ohne ein wort zu sprechen / einen brief / den sie alsbald eröffnete / und [131] höchst erfreuet wurde / als sie darinn Eliesers hand gefunden. Es waren aber etliche verse / welche / weil sie mir meine Fürstin nachmals zu lesen gegeben / mir noch im gedächtnüs haften / und also lauten:


So hat doch / Kron und Thron / die Treu noch endlich ůberwunden /

und stolzer pracht die macht der wahren liebe abgelegt.

So hat nun ganz der glanz die schönen augen zu gebunden /

daß sie daher nicht mehr belieben / was sie vor gehågt.

So lohnt und hält die welt. Das Elend mus man billig fliehen /

und suchen freud fůr leid / die ruhe fůr das ungemach.

Wañ rosen weit und breit in ihren scharfen dörnern blühen /

bricht man sie ganz zum kranz: so folgt der pracht dem leiden nach.

Doch fürcht' ich / wie die Ros' uns ohne dornen bald vergehet:

also die stolze ruh auch ohne tugend nicht bestehet.


Nach überlesung dieser zeilen / merkte sie wol /worauf er zielete. Weil sie aber diesen verdacht nicht verdiente / als konte es ihr auch nicht solcher gestalt das herze růhren / wie ihme Elieser wol eingebildet. Sie fragte den slaven / wer ihme diese schrift gegeben? Dieser / (gab er zur antwort / mit verånderter stimme /) der diese reimen gemachet. Wie? ist er dann hier? fragte sie / ganz erfreuet. Ja / (antwortete er /) und vieleicht nåher / als man wol vermeinet. Hierauf sahe sie ihn recht an / und erkante ihres Eliesers betrübte augen / die er unverwandt zu ihr kehrete / und den eingebildeten wankelmut ihr absehen wolte. Sie kame hierüber dermassen aus sich selber / das sie ihn in ihre armen einzuschliessen nicht unterlassen konte; und bitterlich weinend ihn ihrentwegen in solcher unziemlichen kleidung zu sehen / gabe sie ihm damit gnug zu erkennen / daß er von ihr eine falsche einbildung gefasset / und sie noch die beståndige Ahalibama [132] wäre. Darf ich wol / (fragte er h \chst vergnůget /zu unterschiedenen malen /) meine Ahalibama noch beständig wissen? Wie k \nnet ihr / (fragte sie hingegen) daran zweifelen / und mit was hab ich solche gedanken bei euch verursachet? Mit der m \glichkeit! (antwortete er /) dann eine K \nigin werden / und zu so hoher Wůrde gelangen können / seind solche dinge / die des elenden Eliesers wol m \gen vergessen machen. Kein glůck / so hoch es auch immer seyn mag /(gab sie zur antwort /) noch einiges unglück / wie erschrecklich es auch aussehen kan / sol mich von der treue / die ich euch geschworen / abbringen. Und wåre jezt die zeit gelegen / und unser zustand litte es / euch euren übelgegründeten argwahn zuverweisen: ich wolte euch gnugsam sehen lassen / wie sehr ihr mich hiermit beleidiget. Aber unser grausames elend quälet uns beiderseits so ůberflůssig / daß wir unser leiden mit diesem Unlust nicht noch weiter vermehren d \rfen. Nachdem er nun ihr seinen argwahn abgebeten /und sie einander ewige treue nochmals geschworen /dorfte Elieser / um verdacht zuverhůten / nicht långer bei uns bleiben. Die Fůrstin befande sich / nach dieser unvermuteten besuchung / zwar etwas ruhig: aber es mehrete auch ihre sorgen / was daraus entstehen k \nte / wann Elieser verrahten wůrde. Dannenhero sie mit grosser furcht ihme sein daseyn vergönnete: und wolte sie / so lieb sie ihn auch hatte / dennoch sich nicht dazu verstehen / daß er sie von dannen entfůhren mögte / bis sie ihrer eltern meinung und willen vernommen håtte.

In solchem kamen auch die Abgesandten von Seir wieder: welche aber / fůr den K \nig / keine gewůnschete antwort zurück brachten / weil die Fürsten von Seir in gesamt des Beors begehren abgeschlagen / und ihnen den K \nig von Assyrien nicht zuwider machen[133] wolten. Wer war hierüber ungedultiger / als der König? der aber / um zu weisen / wie wenig er diesen abschlag achtete / das beilager ansetzete / und / wider aller seiner leute einrahten / damit nicht länger verziehen wolte. Die gesandten von Seir / die er so lang aufgehalten hatte / musten eiligst wieder abreisen / damit sie seinem vorhaben keine hinternůs machen k \nten. Der Ahalibama weinen / dråuen / und bitten / halfe auch lauter nichtes hierwider / und sahe sie kein anders mittel / ihrem Elieser getreu zubleiben / als die flucht. Demnach erlaubte sie ihm / alles zuthun / was er k \nte / damit sie durch ihn davon und nach Dedan kommen m \gte. Es war nur noch acht tage dahin / da das beilager solte fortgehen: als den König unversehens eine hitzige krankheit befiele / die so heftig in geschwinder eile zuname / daß es all gefårlich mit ihm stunde.

Weil dieses zimliche unordnung auf dem schlosse verursachete / als gabe man so genau nicht acht auf unser thun und lassen: daß also / in dieser bequemen zeit / unsere flucht vorgenommen wurde; worzu dann die Königin Atis auch mit behůlflich ware / und selbst heimlich nach Babel davon wolte. Wie sie uns demnach viele kleinodien und geld zur reise geschenket /sind wir mit ihr bei nacht / als alles vorher dazu bereitet worden / durch den garten glücklich entkommen. Weil die K \nigin nach Debes in ihres sohnes land /das den Prinzen von seinem H. Vatter gegeben war /die folgende nacht kame / namen wir alda abschied von ihr / da sie dann sich sehr weichherzig erwiese /und die augen mit thränen füllend / sagte sie zu meiner Fürstin: Ich bin wol unglůcklich / daß ich / nach so lang ruhig-genossener Ehe / nun fast beim ende so viele bitterkeit erleben muß; daß ich gezwungen werde / dieses K \nigreich zu verlassen / [134] und in Assyrien schutz zu suchen. Und dieses schmerzet mich am meisten / daß die ursache meinem gemal allein zuzuschreiben ist. Euch aber / vollkommene Fürstin! gebe der himmel gutes nach eurem verdienst / und belohne das mitleiden / so ihr meinetwegen bezeuget / mit tausendfältiger glůckseligkeit. Hiemit / als ihr Ahalibama nochmals teur versichert / das sie niemals ihre stelle betreten / sondern ihrem Elieser treu verbleiben wolte / schieden sie von einander / und gabe die K \nigin meiner Fůrstin etliche weiber mit auf den weg /damit sie mögte um so viel bequemer bedienet seyn /weil sie nur mich und noch eine jungfrau bei sich hatte.

Die reise ginge bis nach Jericho eiligst fort / weil wir des Beors nachsetzen musten befaren. Wie wir aber über den Jordan gekommen / reiseten wir etwas gemacher. Es war auch / wegen des spaten herbstwetters / von dem vielen regen das gewåsser aller orten so angelaufen / daß wir weite umwege suchen musten. Wir gingen nach Rabbat in der Moabiter land / um den sichersten weg zu nemen: damit wir nicht wieder /wie ehmals / in der Araber hände geraten m \gten. Wir traffen alda ganz unverhoffet an / die Prinzessin Poliphide meiner Fürstin fraumutter / die dahin / nebenst anderen Seirischen Fürstinnen und benachbartem frauenzimmer / auf das grosse fest des gottes Chamos gekommen war / und eben wieder nach dem gebirge reisen wolte. Diese zusammenkunft ware so angenem / als unvermutet / und entfinge die gute Prinzessin ihre tochter mit solchen freuden / daß alle anschauende sich derselben musten teilhaftig machen. Wir erfuhren alda alles / was sich mit dem wiedergefundenen Fůrsten Dison und ihr / gnådigste Prinzessin / zu Dedan begeben / und wie nachgehends dieser Fůrst bei entfůrung [135] der K \nigin von Saba / zu Rabbat wieder verloren worden. Als hierauf meine Fůrstin ihrer fraumutter alles erzehlet / wie es ihr ergangen / und was ihr wille wåre / nämlich nach Dedan mit ihr zureisen: wolte solches die Poliphide nicht für rahtsam erkennen / sondern meinte / der Fürst Elieser solte an seinem Herr Vatter nach Bersaba schreiben / und den ersuchen / ob er nicht mit der Ahalibama zu ihme kommen / und alda sie heuraten dörfte? Elieser wolte hier ungern an / weil ihme sein herz zusagete / was hieraus entstehen wůrde. Wie aber die Prinzessin darauf beharrete / und / daß er unmůglich mit ihrer tochter in Seir reisen k \nte / sonder die ursach zu sagen /ihn versicherte: als musten sie es ihnen auch gefallen lassen. Elieser name die reise auf sich / als sie fast den ganzen winter zu Rabbat blieben waren: mittlerweile Ephron bei ihnen verharret / und die Prinzessin mit ihrer tochter zu Rabbat seiner wiederkunft erwartete.

Nachdem nun Elieser nach Bersaba gekommen /funde er seinen Herr Vatter nicht daselbst / welcher zu Hebron beim K \nig war; seine fraumutter aber entfinge ihn mit herzlichen freuden. Er erfuhre / was in Sichem nach ihrer flucht sich begeben. Man hatte dem K \nig dieselbige viele tage / wegen der noch anhaltenden unpåßlichkeit / verhelet. Endlich aber / wie er gar zu oft nach seiner Fůrstin gefraget / ware ihre und der Königin flucht ausgebrochen: das ihn dann so hart angefochten / daß er noch der zeit nicht wieder vom lager aufgestanden. Es wurden / auf seinen befehl /weit und breit welche ausgeschicket / seine verlorne braut zu suchen: und hat er deme / der sie wiederbringen wůrde / ein Fůrstentum zu schenken versprochen. Den Fürsten Elieser berichtete seine fraumutter auch ferner / wie zu Hebron [136] sich alles veråndert: wie die Königin ihre schwester gestorben / die Prinzessin Jerode sich an den Fürsten Suevus / den statthalter der Amoriter / verheuratet / und der K \nig / seit seiner boshaftigen schwester abschied / viel erträglicher mit ihnen verfahret. Elieser h \rete dieses für seine person sehr gerne / und fassete den schluß / weil sein Herr Vatter wiederzukommen verzoge / selbst nach Hebron zureisen / und alda seine sache zu treiben.

Seine unvermutete dahinkunft / machte alle leute aufmerkend. Und weil er das lezte mal / vom K \nig so wol / als von seinem Herr Vatter / mit unfried geschieden / wurde er von beiden nicht zum freundlichsten angesehen. Dannoch aber wuste er / durch seine klugheit / es also zu schlichten / daß er v \llige vergebung vom K \nig erlangete / und derselbige / dem Beor zu trotze / als mit welchem er nun wieder /wegen eines grånzstrittes / in neuen zweispalt geraten / zuliesse / daß die Ahalibama nach Hebron kåme. Diese gute zeitung / brachte der hocherfreute Elieser uns nach Rabbat zurůcke. Weil aber / unter der zeit /die Prinzessin Poliphide schwerlich erkranket / wolte meine Fůrstin ihre fraumutter nicht eher verlassen /bis es mit ihr wieder båsser geworden: das sich dann bis in den herbst hinein verzoge. Endlich reiseten wir zum andern mal gen Hebron / verhoffende / ein bässeres glůck / als das erste mal / alda zu erleben. Es hatte sich aber / wie wir hinkamen / mit der beeden brüder freundschaft schon wieder geändert: massen Beri nicht mehr da war / sondern es mit dem K \nig verscherzet hatte. Sie waren in eine harte wort wechselung geraten / wegen der nachfolge des reiches: da Beri / etwas zu unbesonnen / sich der regirungshändel anmassen wollen / und auch dem K \nig hatte ins gesicht [137] gesaget: Er håtte ja keine Erben / darum müste er billig auf des landes bestes mit zu sehen. Diß hatte den König so sehr verdrossen / daß es nicht allein sie als unfreunde voneinander scheiden machete / sondern auch die entschliessung bei ihm erwecket / wieder zuheuraten / um dem Elieser und Ephron die hoffnung zur kron zubenemen.

Man kan nun leicht erachten / wie wilkommen wir waren: allermeist Elieser und sein bruder / da der lezte / wegen der liebe zu des K \nigs tochter / auch nicht wol angesehen war. Weil demnach meiner Fůrstin es nicht rahtsam schiene / långer alda zubleiben / alwo sie ihres gleichen nicht hatte / zumal die Prinzessin Corieide mit der Jerode hinweg gezogen; weil sie auch sahe / daß der K \nig anfinge / mehr mit ihr umzugehen / als ihr lieb war: als reiseten sie nach Bersaba / funden es aber daselbst nicht båsser / als sie es zu Hebron gelassen. Meine Fůrstin ward von dem Beri sehr kaltsinnig entfangen / und gabe er mit allem thun an tag / daß er sie lieber weit von sich gesehen håtte. Die tugendhafte fraumutter des Eliesers / ersezte allein diese des Beri grosse unbesonenheit mit ihrer leutseligkeit. Elieser aber wolte schier verzweiflen /als er an allen orten so viele hindernüsen seiner liebe /allermeist in seines vatters haus / funde: und wuste er nicht / wie er gegen seiner geliebte Ahalibama dieses solte entschuldigen / welche seinethalben so grosses ungemach erleiden muste.

Weil aber alles unglück auf einmal auf dieses geliebte paar zustůrmen wolte / als muste der K \nig Ephron sich auch / gleich seinem stiefbruder / in die Ahalibama verlieben: und / so wol wegen ihrer schönheit / als dem Beor / dem Beri / und den Elieser einen verdruß zumachen / entschlosse er sich sie zu heuraten. Deswegen sandte er den Fürsten Mamre / seinen Vetter / nach [138] Bersaba / und liesse dem Beri befehlen /diese Fůrstin nach Hebron zubringen / weil er sie ihm zur braut ausersehen hätte. Wie dieses uns allerseits eine fr \mde bestůrzung gebracht / ist leichtlich zu denken / und wůrde ich etwas vergeblichs beginnen /wann ich das weheklagen fůrstellen wolte / so dieses unglückselige paar hierůber gefůhret. Beri / sich stellend / als wolte er seinen bruder in allem gehorsamen / liesse dem K \nig wieder sagen / er wolte / neben der Fürstin / mit dem ersten bei ihme seyn: mir welchem bescheid der Mamre wieder abgezogen. Beri aber /von rache und geitz getrieben / liesse / sobald es nacht geworden / alles sein gut / was er in der eile fortbringen kunte / auf die camele und wägen laden / und liesse / durch seine gemalin / meiner Fürstin ansagen /sie mögte sich zum reisen färtig halten. Also zogen wir die nacht / unwissend wohin / von Bersaba hinweg / den Elieser und Ephron zurůck lassend / die der Beri nicht mit haben wolte. Wir vermuteten anfangs nichts anders / als daß es nach Hebron gålte: merketen aber / bei anbrechendem tag / daß wir nach Sichem gingen; massen wir uns in des Beors gebiete sahen / auch den abend spat die statt erreicheten.

Diese unerhörte leicht sinnigkeit des Beri / der seines eigenen sohnes braut / um eitelen gewinnes willen / verkaufete / stiege meiner Fürstin also zu sinne / daß sie aller ehrerbietung vergasse / die sie ihm noch bisher als vattern geleistet / und ihn ungescheut einen verräter und betrieger nennte. Beri håtte dadurch billig zum zorn sollen gereitzet werden: aber er achtete es alles nicht / sondern hielte sie nur hönisch. Als er nun dem K \nig anmelden lassen / wiedaß er die Ahalibama brächte / wurde eine so allgemeine freude am hofe / das auch der K \nig / noch den spaten abend /sie sehen wolte. Er entfinge sie im [139] hofe des schlosses / dahin er zeit wärender ihrer abwesenheit nie gekommen war / und vergabe dem Beri nicht allein alles /was zwischen ihnen widerliches fůrgegangen / sondern er schenkete ihm auch das fůrstentum Thapuah /da ehmals er / und nachgehends Elieser / waren Stathaltere gewesen. Dergestalt sahe sich nun meine gute Fürstin in ihrer alten noht: und ob sie wol sich so widerspenstig / als ihr m \glich war / gegen den K \nig bezeugete / auch nichts als klagen und weinen triebe /so bliebe der K \nig dennoch verliebet / und wurde die Thoris / des Fürsten Elons gemalin / ihr als der künftigen K \nigin aufzuwarten / zu gegeben / die auch solches amt diesen winter hindurch verwaltet hat. Der Beor zoge fůr etliche wochen nach Salem zu / den K \nig Melchisedech des vorhabens / alda die heurat mit meiner Fürstin zu vollziehen: weil er sich / in seinem eigenen lande / dessen nicht unterfangen wolte /wegen befahrenden aufstandes / indem alles volk der K \nigin Atis / seiner gemalin / sich noch sehr zugethan befindet. Also haben sie / gnådigste Prinzessin / vernommen / was sie zu wissen begehret. Sie sehen annoch meine Fůrstin in dieser qual / und haben selbst diese tage ůber erlebet / welcher gestalt der getreue Fůrst Elieser und dessen bruder in des K \nigs haft geraten. Sie wissen / was meiner Fůrstin / als auch sie auf der reise nach Salem begriffen gewesen /unterwegs begegnet. Der gütige himmel verleihe einmal gewünschte änderung / daß endlich das unglůck m \ge ermüden / ein so keusches paar / das in so rechtmäsiger liebe lebet / so grausamlich zu verfolgen.


[140] Hiemit hörte die getreue Astale auf zu reden / und liesse die schöne Aramena ganz verwunderend / die dann zu der Fůrstin von Seir sagte: wann ich alles /was dir / liebste schwester / (dann also hatten sie einander zunennen sich verglichen) von deiner jugend auf wiederfahren / recht erwåge / kan ich fast nicht finden / wie es müglich ist / daß ein weibsbild / denen man sonst weniger starkmütigkeit als den mannspersonen zuschreibet / ohne verlierung ihres lebens / oder ihrer gesundheit und natůrlicher sch \ne / so viel unglück auszustehen f \hig seyn kan. Ich meines theils /wie mich bedunket / wůrde unter solchem last erligen / und nicht so standhaft verbleiben können. Ich muß zwar bekennen / daß mir die g \tter mein theil auch zugemessen / und daß ich in meiner noch wenigen lebenszeit viele trůbsal ausgestanden: von solchen leiden aber / als dich betroffen / weiß ich nichtes / glaube auch nicht / daß ich so viel ertragen könte. Ach Aramena! (antwortete Ahalibama seufzend /) ich hätte auch wol ehe dessen in Seir nicht vermeinet / wann jemand mir zuvor im geist geweissaget / was ich leiden sollen / daß es mir müglich gewesen wäre / solches auszustehen. Allein die erfahrung hat es nachgehends an mir gewiesen / daß wir schwache Creaturen auch stark werden müssen / um unser unglůck wol zu tragen. Wie oft habe ich den tod gesuchet / da der vor mir geflohen! und wie manchesmal habe ich gewůnschet / das wenige meiner sch \nheit zuverlieren / um in des Beors augen abscheulich zu werden! das mir doch kein gram noch schrecken k \nnen zuwege bringen. Beor ist so wenig wehrt / (gabe Aramena zur antwort) deine sch \nheit zubesitzen / als wenig du seinetwegen dich derselbigen berauben / und damit den Elieser betrůben sollest. Ich aber / als die ich von keiner liebe weiß / m \chte gern / [141] in den augen des Hemors und aller welt / für die hässlichste person gehalten werden / um ungehintert / meinem gelübde nach /der Dianen zu dienen. Da sey der himmel für / (sagte Ahalibama) daß dein wunderschein solte der welt entzogen werden / und wůrde der natur selber damit unrecht geschehen / daß ihr meisterstuck nicht båsser in acht genommen worden. Ach du sp \tterin (antwortete Aramena) warum fůhrest du solche reden gegen mich / von denen du ja weist / daß sie mir so wenig behagen. Ich sehe an dir so viel schönes / daß um mich die natur sich nicht grämen dörfte / wann ich schon nicht mehr auf der welt wåre. Wann dir (gabe Ahalibama zur antwort) deine wundersch \ne zu so vielen leiden solte dienen / als viel mir das wenige feine / so man an mir befunden / geschadet hat / müste ich deiner meinung beifallen. Nun aber kenne ich den himmel viel zu gerecht an / als daß er solches zulassen solte.

Mit dergleichen reden / brachten diese beide Prinzessinnen den abend hin: da inmittels der K \nig übel zufrieden war / daß sein mitbuler die ehre erlanget /von der Ahalibama besuchet zu werden; welches er ihme zu so grossem schimpf zoge / weil ganz Thanac hiedurch ihre zu ihm tragende verachtung erkennet /daß er die ganze nacht dafür nicht schlaffen kunte. Endlich ersonne er ein grausames mittel / des Eliesers los zu werden. Dann / da er etliche tage vorher den ärzten befohlen / für des Eliesers leben ihme rechenschaft zu geben / bliese ihm nun die eifersucht ein /durch eben die ärzte seinen tod zubef \rdern. Demnach liesse er in aller frůhe den arzt zu sich fordern / der von neuem auf den Elieser war bestellet worden / und gebote ihm / ein langsames gift unvermerkt dem fůrsten beizubringen / daran er sterben můste / ohne daß man merken m \gte / daß solches durch ein gewaltsames [142] mittel geschehen / gelobete ihm auch dafůr eine trefliche ja k \nigliche vergeltung. Der arzt name nicht lange bedenkzeit / sondern versprache gleich /des K \nigs begehren zuerfüllen / und sezte damit dieses grausame gemüte in ruhe: dann er nachgehends mindere widerwertigkeit befahrete / wann zu erst die gr \ste hinterung / den zweck seiner liebe zuerreichen /hinweg geschafft worden wåre. Inzwischen entschuldigte Elon sein versehen / mit so grossen leidwesen /daß der K \nig äuserlich es ihm vergabe. Elieser aber ward von dem an so stark bewachet / daß er das geringste nicht mehr erfahren kunte / was in Thanac fůrginge.

Es fiele aber / eben um diese zeit / ein grosses fest ein / welches die einwohner von Thanac järlich / zu anfang des frülings / der Sonne zu ehren feiren. Der König wolte vor seiner abreise / auf inständiges anhalten des statthalters Japhim / selbiges auch mithalten / und nachgehends nach Salem mit der Ahalibama reisen / um alda dem Seirischen gesandten / der abrede gemås / die er mit dem alten Thebah genommen /seine abfårtigung zugeben / weil die gesundheit der Fůrstin es zuliesse / diese reise zu übernemen. Der Prinz Hemor ware auch so weit wieder genesen / daß er eine sånfte zubrauchen ihme getrauete / und mit dem Seirischen gesandten dieser fürnemen Handelung / daran ihme so viel gelegen / mit beiwohnen wolte.

Als demnach der tag dieses grossen festes erschiene / da vom ganzen lande des Thanakischen gebietes die fůrnemsten sich in die stadt versamlet hatten / und alle gassen auf das herrlichste mit tapeten und blumgehången ausgezieret waren: begabe sich der König mit der gesamten hofstat / auch dem Seirischen gesandten / in zierlicher ordnung / nach den tempel. Die Ahalibama [143] und Aramena / von allem fürnemen Frauenzimmer begleitet / wurden auch dahin gebracht: die dann mit ihrer sch \nheit aller menschen augen dermassen an sich zogen / daß schier das volk von seiner andacht gezogen wurde / und diesen irdischen g \ttinnen ihre geheime andacht opferten. Der Beor grüssete sie mit einer majeståtischen freundlichkeit / als sie vor ihm fůrbei giengen. Ahalibama wolte im tempel nicht die oberstelle über die Aramena nemen / weil die eine Chaldeische Prinzessin ware. Der Elon aber gienge zu ihr / auf befehl des Königs /und beredte sie hierzu aus diesem grunde / wie daß sie / nicht als eine Fůrstin von Seir / sondern als eine bestimte Königin von Canaan zugegen wåre. Die kaltsinnigkeit / mit welcher die Fůrstin dieses angehöret /machte dem K \nig spůren / wie sehr ihr solches zuwider wåre. Doch thäte sie des K \nigs willen / gabe aber dem Seirischen gesandten durch ihr anschauen zu erkennen / wie gern sie widersprechen m \chte.

Wie nun alle opfer abgeschlachtet / und die ůblichen gebråuche verrichtet waren / n \tigten die åltesten der statt den König zum gastmal / welches in schönen hierzu aufgerüsteten lauberhütten / nicht weir von dem tempel auf einen weiten platze mitten in der stadt / auf das pråchtigste angerichtet war: dahin dann die ganze gesellschaft sich begeben / auser dem gesandten von Seir / der / aus gewissem bedenken / dieser freude nicht beiwonen wolte. Es beliebte dem K \nig /daß Ahalibama die stelle oben am tisch nemen muste / und begabe er sich ihr zur seiten / zu Aramena sagend: Ihr werdet mir / schöne Prinzessin / erlauben /daß ich dergestalt mit der Fürstin von Seir handele /als welche ich zur K \nigin von Canaan erwehlet; und kan ich euch nicht anderst / wegen der liebe meines sohnes / als eine tochter halten / [144] unter welchem namen ihr mir auch herzlich lieb seyn sollet. Hiermit / ihre antwort nicht erwartend / zoge er die Prinzessin bei sich: die dann ganz traurig wurde / den K \nig also reden zu h \ren / weil solches wider seine erste zusage liefe / und wuste sie nicht / daß sie diese ånderung dem alten Thebah zudanken håtte. Es sahen aber / in wärender dieser malzeit / beide Prinzessinnen zum öftern einander betrůbt an / und wären gern dieser ehre ůberhoben gewesen: Da hingegen der Beor so wol zufrieden war / daß er fast keinen augenblick versaumete / mit Ahalibama von seiner liebe zu reden. Er liesse sich gegen ihr nichtes merken / daß er ihre ansprache bei Eliesern erfahren håtte: um ihre widrige reden /die darauf erfolgen mügen / zu vermeiden.

Weil das volk haufenweis um die tafel herum stunde / ihren K \nig zu sehen / sagte einer zu dem andern: Diese sch \ne Fůrstin von Seir ist es / welche unsere Königin wird werden. Solches h \rte sowol der K \nig / als Ahalibama; und weil sie deswegen die farbe veränderte / lächelte er / ihr also zusprechend: Diese leute erkennen und loben meine wahl / sch \ne Ahalibama / und tragen begierde / die kron auf eurem haubte zu sehen. So muß dann (antwortete Ahalibama) ihr verlangen gr \sser darnach seyn / als das meinige. Sprechet nicht so / liebste Fürstin / (wiederredte Beor) und folget vielmehr der vernünftigen billigkeit. Hiermit sahe er sie so verliebt als ernstlich an: Dannenhero sie / ohne zu antworten / nur seufzete / und die augen für sich nieder schluge. Beor aber geriete hierůber in tiefe gedanken / und bekame den Elieser wieder in den sinn / dem er seine todtenmalzeit / unter dieser gasterei / zubereiten lassen. Dann der arzt hatte inzwischen das gift dem Fürsten beigebracht / und liesse / nach verrichtung solcher that / unter [145] den andern Königlichen bedienten / bei der aufwartung sich sehen. Wie ihn dann der Beor bald erblickte / auch /seine begierden nicht zwingend / an die tafel riefe /und sich heimlich dessen / was er verrichtet / erkundigte. Sein hierauf erscheinendes fr \liches aussehen /gabe aller welt zu erkennen / daß man ihm eine gute post müsse gebracht haben. Der Ahalibama aber fienge das herz an zu schlagen / daß sie nicht wuste / wie ihr geschahe / und muste sie / wider ihren willen / ohn unterlaß den K \nig anschauen: den dann sein b \ses gewissen etliche mal die farbe änderen machte / und war er zwar fr \lich / aber mit vermischter Unruhe. Als endlich die tafel aufgehoben worden / begaben sie sich auf einen platz / da die junge mannschaft von Thanac allerhand spiele und kurzweile von wettlaufen / ringen / springen und dergleichen angestellet / denen sie dann zu sahen. Der König hatte über seine gewonheit getrunken / also daß der Wein / ihm zu kopf steigend / ihn sonders lustig machete: daher er einen tanz mit Ahalibama anfienge / der in unterschiedlichen reihen bestunde; und muste diese gute Fürstin / so schwer ihr auch das herz war / ihr dannoch alles gefallen lassen.

Wie nun dieses bis gegen nacht gewäret / und es an dem war / daß die gesellschaft von einander wolte: da liesse sich von weiten eine musik von allerhand trompeten-arten hören. Der K \nig vermeinte / es wůrde diese unvermutete lust der Statthalter von Thanac haben angestellet / die immer näher kame / und jedermann zum aufmerken triebe. Nach dem man ihnen platz gemachet / erschienen zuerst dreissig vermummete personen / die auf Cymbeln / pauken und kleinen trompeten spieleten / in weis und grün gekleidet. Diesem folgeten fůnfzig kleine knaben / mit blumen bekrånzet: welche statliches [146] [148]zuckerwerk in silbernen k \rben trugen. Nachgehends kamen vier und zwanzig Ritter / auf das herrlichste nach art der Egyptier gekleidet; und zulezt wieder eine musik von fl \ten und harfen / die diesen aufzug schlossen. Die viele fakeln /welche neben her getragen wurden / weil es schon nacht war / erleuchteten den ganzen platz / als wäre es Sonnenschein gewesen. Nachdem die knaben sich an beiden seiten gestellet / fiengen die 24 Ritter nach Assyrischer art einen tanz an: da sie nach dem tact / mit ihren in hånden tragenden pfeilen / einer auf des andern schild schlugen / welches dann einen gar angenemen wol einstimmigen laut verursachete.

Nachdem der tanz zum ende war / trugen die Rittere die becken mit den zuckerwerk / welche sie den knaben abnamen / vor den K \nig und das frauenzimmer. Indem sie nun solche håufig austeileten / bůckete derselbige / der zu Aramenen kame / sich etwas nåher / und sagte heimlich zu ihr: Schöne Prinzessin! wollet ihr dem Tharsis folgen? es ist alles bereit / und ihr könnet befreiet werden. Kaum hatte Aramena dieses /so erfreuet als bestůrzt / angeh \rt / da sahe sie / die Ahalibama einem Ritter auf die arme springen / und zugleich im augenblick alle schwerder der Rittere bloß werden. Demnach bedachte sie sich auch nicht långer / und liesse sich eben also durch den Tharsis hinweg zucken. Astale und der Aramena vertrauteste jungfrau / folgeten ihnen zu fus nach / weil sie bei ihren Prinzessinnen bleiben wolten. Diese unvermutete begebnis sezte alles in verwirrung und unbeschreiblichen schrecken / also daß diese verkleidete zeit genug hatten / mit ihrer sch \nen beute durch das volk zukommen. Ob wol der K \nig rieffe / man solte die Ahalibama retten / so waren doch alle seine bediente so beschäftigt / seine eigene person wider diese vermummete [148] zu beschützen / und das andere hin und wieder laufende und schreyende frauenzimmer in sicherheit zubringen / daß in solcher unordnung nicht geschahe / was der König wolte. Also muste ganz Thanac ansehen / wie man mitten unter ihnen diesen raub begienge. Und weil man / bei solcher nachtfinstere / freund und feind nit voreinander erkennen kunte / als wůrgeten sie sich einander selber / worzu der häufige eingesoffene wein bef \rderlich war: hatten also die anderen raum und zeit gnug / mit ihrer beute hinweg zu kommen.

Sie såumeten sich nicht / nach den ort / wo der Fürst Elieser bewachet wurde / sich zu begeben: den sie bald / ohne harten widerstand / neben andern ihren hin und wieder vertheilten gefangenen mitgesellen /befreyeten. Weil sie ihn sehr schwach fand? / brachten sie ihn auf der Ahalibama und Aramena wagen / und eileten damit zum thor hinaus / welches einige von ihnen hatten offen gehalten. Es ware aber Ephron /der die Ahalibama / gleich wie Tharsis die Aramena /entführet. Beide erfreute Prinzessinnen befanden sich so verstůrzt ůber ihr unverhofftes glück / daß sie es fast nicht für wahr halten kunten: wurden aber doch /durch die gegenwart des Eliesers / Ephrons und Tharsis / dessen versichert. Elieser / so schwach er war /achtete sich doch vergnůgt / daß er in den armen seiner Ahalibama ruhen kunte / und dieselbige aus des Beors gewalt erlediget sahe. Es fragte aber keines das andere / wie dieses zugegangen: weil das n \tige eilen ihre gedanken nur auf die flucht gewendet. Der mond hube an gar helle zu scheinen: dannenhero kamen sie geschwind fort / also daß sie des andern tags sich bei Bethera nicht weit vom Jordan sahen / wohin sie auch ehmals die Ahalibama zu bringen beschlossen hatten. Wegen müdigkeit / verzogen sie etwas [149] daselbst / und ratschlagten / was ferner zu thun wäre. Weil aber Elieser sehr unpåßlich sich befunde / als wurde er gleich zu bette gebracht / und stellete sich der getreue arzt / der vormals mit dem Ephron aus Thanac geflohen ware / bei ihm wieder ein / h \chst erfreut / seinen herrn befreit zu sehen / und mittelte ihm alsbald etliche herzstårkungen: die dann die mattigkeit ihm in etwas benamen / und die angst vertrieben.

Ahalibama bliebe keinen augenblick von Eliesern: welches ihme dann zu grossem trost gereichete. Als nun Aramena neben dem Tharsis und Ephron sich auch um sein bette befunden / sahe der so erfreuet- als kranker Fůrst diese gesellschaft nacheinander an / und brache endlich in diese worte heraus: Ist es můglich /daß ich jezt kan krank seyn / da ich so viele ursachen habe / mich zuerfreuen? Ist mein vergnügter geist nicht stark genug / dem schwachen leib aufzuhelfen? Ich bin so unglückselig / daß ich meines glůckes nicht geniessen kan. Ich bin frei worden / und bleibe doch der gefangene meiner schmerzen. Ich bin krånker / als ich seit dieser meiner verwundung jemals gewesen. Ach was ist anders hiervon zu schliessen / als daß der himmel unser feind verbleibet / und daß das unglück nur die verfolgungen abwechselt / damit es uns belegen wil. Diese seine worte wurden von der betrůbten Ahalibama mit thränen begleitet. Der arzt aber ob ihn wol kein gutes bei dem handel dunkete / liesse dennoch sich nichtes merken / sondern sagte: Es sey nicht zubewundern / das sich der Fürst Elieser jezt ůbeler als fůrhin auf befůnde / weil die so schleunige änderung seines zustandes / und das eilige nacht-reisen /leichtlich solche zufålle mitfůhren und erwecken könte; Er hoffe / wann etliche stunden fürbei / und man den arzeneyen zu wirken zeit lasse / es werde sich [150] bald anderst äuseren. Mit diesen reden / machte er die Fůrstin von Seir wiederum einigen trost schöpfen.

Die schöne Aramena bezeugete hierauf ihr verlangen / grůndlich zu wissen / welcher gestalt der Tharsis und Ephron ihre befreiung gewirket. Demnach / sie zu vergnügen / finge der Fürst von Sepharvaim an / die geschichte folgender gestalt zu erzehlen. Ich habe billig ursach / sch \ne Prinzessin! (sagte er / sich gegen die Aramena wendend /) um vergebung zu bitten / daß ich den befehl / welchen ich zu Canon vor etlichen wochen entfinge / nicht so glůcklich als eiferig fortgesetzet / und euch nicht eher aus des Prinzen von Sichem handen befreiet. Allein weil mein unglück erstmals an deme schuldig war / was jezt mein erlangtes glück ersetzet / als wird dieses lezte das erste entschuldigen können. Ich hatte keinen fleis gesparet /sobald ich von Canon hinweg zoge / aus der landschaft Jarmut fůnfzig mann Amoriter zu dingen / die mir zu meinem anschlag / euch zu befreien / solten dienlich seyn. Mit diesen und noch zwanzig Syrern /meinen unterthanen aus dem lande Sepharvaim / eilete ich nach dem gebirge Gilboa um dem Prinzen von Sichem aufzupassen. Ich wurde ihn neben euch unfehlbar / wie der Fürst Ephron mich nach dem berichtet /angetroffen haben / wann nicht einer meiner ausgesandten knechte mich von den rechten weg abgefůhret / und nach einem dorf / Engamim genant / über das gebirg hinůber gebracht håtte: alda ich / euch /sch \nste Prinzessin / zu finden / den ganzen tag vergeblich geharret. Gegen nacht wurde mir angesaget /wie daß man im walde frauenzimmer fahren gesehen. Ich gedachte alsobald / es würde meine Prinzessin seyn: setzte also / unangesehen es ganz finster war /mit den meinigen in den wald hinein. Ich ertappete auch einen wagen [151] mit frauenzimmer: die aber bald meinen begangenen irrtum mich erkennen machten /indem ich so wol aus ihrem geschrei vername / daß unter ihnen Aramena sich nicht fünde / als auch aus der abwesenheit Hemors endlich schliessen konte /wie daß ich des wegs verfehlet. Weil nun dieser angriff nicht weit von einer schäferhütten geschehen /und in dem getümmel etliche bediente dieser fr \mden / sich zur gegenwehr stellend / von den meinigen verwundet worden: liesse ich diese erschrockene Damen in die hütte bringen / welche dann / wegen der verwundung eines alten mannes / der bei ihnen war / sich sehr klåglichen gebårdeten / und mich zu mitleiden bewegeten. Ich entschuldigte / daß ich / gegen meinen fůrsatz / ihnen dieses ungemach zugezogen / indem ich eine andere Dame gesuchet. Ich bote ihnen auch meine dienste an / und bate / sie solten nur er \ffnen /worinn ich ihnen dienen k \nte. Dieses stellte sie ein wenig wieder zu ruhe: allermeist / als sie auch den alten nicht tödlich verwundet zu seyn befunden. Sie baten mich folgends / ich m \chte sie hieher nach Bethera begleiten lassen: worin ich ihnen alsobald wilfahret / und ihnen so viele meiner leute / als ich entraten kunte / mit auf den weg gegeben.

Ich sahe mich nun in meinem anschlag v \llig betrogen; und mein unglůck tausendmal verfluchend / das mich euren ersten und so angenemen befehl / sch \ne Aramena / nicht vollziehen lassen / name ich mir für /mich nach Debes zu wenden / alda ich euch mit dem Prinzen Hemor angekommen zu seyn vermutete. Wie ich aber nicht weit von Thanac ware / erfuhre ich /daß ihr daselbst neben den verwundeten Prinzen und gegenwärtiger Fürstin / euch befůndet. Man erzehlte mir / wiewol sehr undeutlich / was die Fůrsten Elieser und Ephron [152] ausgerichtet. Demnach / alles eigentlicher zu erfahren / begabe ich mich heimlich in die stadt /und kehrete daselbst bei einem reichen kaufmann ein /dem ich unbekant ware. Es fiele mir unmüglich / euch etwas sagen zulassen / weil ihr niemals alleine gelassen wurdet. Endlich gewanne ich / einen diener von meiner wasen der Calaride / auf meine seiten: bei dem ich / eine andere ursache / warum ich unbekant in Thanac seyn wolte / fůrwendend / soviel erhielte / daß er mir alles / was in eurem haus geschahe / erzehlete. In einer nacht / brachte er den Fůrsten Ephron und gegenwårtigen wundarzt in mein haus / sie daselbst für dem nachsuchen des Königs zu verbergen: dann er ware dem arzt etwas befreundet. Also bekame ich gelegenheit / mit diesem edlen Fůrsten kundschaft zu machen / und redte mit ihm ab / wie wir beiderseits Prinzessinnen samt dem Fůrsten Elieser erl \sen wolten. Zu dem ende reisete Ephron in das fůrstentum Thapua / um von seinen alten treuen bekanten heimlich eine gute anzahl aufzubringen; und ich brachte auch unvermerkt noch etliche meiner leute in die stadt.

Hierauf verglichen wir uns dieses anschlags: welchen glücklich zu vollziehen / uns das gestrige fest anlaß gabe / von welchem wir wusten / daß es der König mit euch allen besuchen wurde. Wir ůberredten unsers wirtes sohne / der mehr geld als verstand hatte / daß er diese mummerei / dem K \nig zu ehren / anstellen solte. Dieser ehrsůchtige geck liesse ihm dieses nicht zweimal sagen / sondern wendete alles daran / was er vermochte. Er halfe auch dieß unser vorhaben heimlich halten / damit es nachgehends desto herrlicher herfůr brechen m \chte. Weil er uns / als seine ratgebere / alles ordnen liesse / als namen wir unsere leute dazu an / und schaffete er die fünfzig knaben. Wir machten ihn auch zum fürnemsten [153] unter den vier und zwanzig Rittern: da wir dann mit grosser můhe und gedult ihm beibringen musten / wie er tanzen solte. Alle die andere aber / neben denen von der musik und den fakelträgern / waren auf unserer seite /und wusten / was wir fůrhatten: die es auch so glůcklich ins werk gestellet / wie es am tag ist. An der belohnung aber / welche unsers wirtes sohn von dem König für seine erfindung bekommen wird / begehre ich keinen antheil zu haben.

Es solte mir doch leid seyn / (sagte Aramena) wann er dieser wegen zu unglůcke kåme / und ihm seine freigebigkeit so übel gelingen solte. Hierauf dankete sie den Tharsis nochmals sehr hoch / fůr den dienst /den er ihr erwiesen. Ahalibama sagte gleichfalls zu Ephron: Er habe hierinn abermals die probe einer ungemeinen brůderlichen liebe blicken lassen / und damit ewigen ruhm zum dank verdienet. Weil sie unter wårenden diesen gespråchen merketen / daß Elieser einschlummerte / liessen sie ihn allein / und begaben sich in ihre gemåcher: willens / auch selber diesen nachmittag nachzuholen / was sie die vorige nacht versaumet hatten.

Indem aber Aramena sich auf ein ruhbette lagern wolte / sahe sie zwei frömde Damen in ihr gemach eintreten: die ihr gleich erstes anblicks nit unbekant fůrkamen. Bald erkennte sie die eine / fůr Ardelise /des K \nigs von Hemath tochter. Weil sie nun dieselbe für gewiß todt zu seyn vermeinet / als ůberfiele sie / bei dieser unvermuteten ansichtigung / mehr schrecken als freude: dannenhero sie etwas zurůck tratte /und mit ihren gebärden / wie bestürzt sie wäre / genugsam erwiese. Ardelise hingegen trate fort / bis sie dieser ihrer freundin so nahe kame / daß sie dieselbe umarmen kunte / zu deren sie zugleich sagte: Wie nun / Aramena! kennest du deine [154] Ardelise nicht mehr? Ach Ardelise! (antwortete die erfreute Aramena) ist es müglich / das du lebest? Ja / liebste freundin / (wiederholte die andere) du sihest mich noch unter den lebenden / und zwar neben dieser Prinzessin mit der hoffnung / deines schutzes zugeniessen. Aramena fragte hierauf nach dem namen ihrer gespielin / und erfuhre / daß es Amorite / des Teutschen Fürsten Suevus tochter und die vermeinte Königin von Hemath wåre. Nachdem sie hierauf auch diese Prinzessin gegrůsset / wandte sie sich wieder zu Ardelise / und konte ihre verwunderung noch nicht gar bezwingen /sie lebendig zuwissen. Ardelise versprache / ihr bei gelegener zeit alles zu erzehlen / und bate sie daneben / daß sie ja keinem menschen ihren und der Amorite stand offenbaren wolte / weil daran ihr leben hinge. Doch berichtete sie vor dißmal / wie daß der Fůrst von Sepharvaim sie bei Engamin ůberfallen / und nachgehends / als er seinen irrtum erkant / daß er an ihrer person gefehlet / sie beide mit ihren leuten hieher nach Bethera führen lassen. Sie wolten ihren weg nach Mesopotamien långst fortgesetzet haben / wann sie nicht auf die genesung ihres fůhrers / der bei des Tharsis einfall verwundet worden / hätten warten můssen. So mangelte es ihnen auch an reise-mitteln /also daß sie nicht wüsten fortzukommen / wann das glück ihnen nicht håtte die Aramena zugeschicket /welche sie hierinnen nicht lassen würde.

Alle meine haabe (antwortete die grosmůtige Aramena) ist zu euren diensten / und hoffe ich euch auch eine gefårtin abzugeben: dann ich den edlen Tharsis zu bereden vermeine / daß er mich vollends gar nach Ninive in der Diana tempel geleite / damit ich einmal den zweck erreiche / von welchem bisher mich so viele widerwärtigkeiten zurůcke gezogen. Wann du aber nur / (sagte [155] Ardelise) den rechten fůhrer bekommen hast. Wie so? (fragte Aramena) solte ich dem Tharsis nicht trauen d \rfen? Merkest du dann nicht /(erwiederte die Prinzessin von Hemath) daß Tharsis dich liebet? Woher komt dir dieser wahn / (fragte Aramena hinwiederum) da ich hiervon das geringste nie gespůret? Und wie solte er auch hierzu kommen /da er ja gesehen / wie ich den Prinzen von Sichem so veråchtlich gehalten: der doch vor ihme / wann ich einen menschen lieben könte / billig zu wehlen wåre. Es ist gleichwol nicht anderst / wiederholete Ardelise) und hat es mir sein waffentråger der Hadat gesaget /der uns hieher bringen můssen / mit dem ich ongefår ůber nennung deines namens in kundschaft geraten. Du hast dich demnach wol fůrzusehen: massen ich ihn beschreiben h \ren / daß er sehr frech und übermütig /ja ůbermåsig kühn seyn soll. Du machest mir angst mit diesen reden / Ardelise! (sagte hierauf Aramena) doch wil ich hoffen / es sei nur Hadats einbildung gewesen; und es werden ja die g \tter mich so hoch nit straffen / daß ich mit dieser neuen marter solte beleget werden.

Unter solchen gespråchen / trate Tharsis zu ihnen in das zimmer / und diese beide Damen fůr diejenigen / welche er für etlichen wochen an stat Aramenen angetroffen / erkennend / grüssete er sie gar freundlich. Aramena / seinem frage-fůrwitz vorzukommen / sagte ihm: Wie daß sie so glůckhaft wåre geworden / zwo von ihren alten bekantinnen anzutreffen. Der Fůrst aber fragte gar nicht / wer die beide wåren oder wie sie hiesen: weil er um nichtes anders / als um Aramena / sich anname / deren sch \nheit ihn je mehr und mehr meisterte. Er meldete der Prinzessin fůr dißmal an / wie daß das abendessen bereitet wåre / und fragte / ob ihr gefiele zu [156] befehlen / daß man es herein brächte? Sie / nachdem sie dem Fůrsten fůr diese můhewaltung h \flich gedanket / sagte wider ihm: Er lasse ihre person ihme gar zu angelegen seyn; Sie wůrde ihm aber ewig verbunden bleiben / wann er zu allen den guten diensten / ihr noch diesen erwiese / und nåchsten tags nach Ninive sie begleiten liesse. Ich bin (sagte sie) eine geheiligte jungfrau in der Diana tempel daselbst / und muß auser demselben viel zu grosse angst erdulten / weil ich des Hemors so wol als meiner Eltern verfolgung aller orten zu fürchten habe /und also nicht eher sicher seyn kan / bis ich in dem schutz der g \ttin mich wissen werde. Tharsis wurde /indem sie also redete / bald roht / bald bleich / und antwortete so unordentlich / daß sie ihn nicht verstehen kunte: woraus sie dann erkennte / das Ardelise wahr geredet. Demnach wolte sie ihrem begehren nicht weiter nachsetzen / damit sie nicht eine antwort von ihm h \ren müste / die ihr seine ihr-unangeneme meinung deutlicher erklären m \chte. Ihre unruh aber zu verbergen / sagte sie: Sie m \chte gern mit der Fůrstin von Seir und diesen ihren zwo bekantinnen alleine speisen / weil sie noch sehr müd wäre. Der verliebte Tharsis gienge hierauf wieder von ihr / und liesse durch etliche slaven das abendessen hinein bringen / welches auf das statlichste zubereitet war. Inzwischen kame Ahalibama auch hinein / deren dann Aramena ihre beide gäste fůrstellete / und derselben stand und namen ihr heimlich offenbarete / weil Ardelise und Amorite dessen zufrieden waren. Diese beide Prinzessinnen / beschaueten die sch \ne Fůrstin von Seir / als von deren sie so viel gutes geh \ret / mit grosser begierde / wurden auch von ihr hinwiederum mit bezeugung grosser leutseligkeit entfangen. Weil aber Aramena / wegen der erkanten liebe des Fürsten von Sepharvaim / in [157] neue unruhe gesetzet war; Ahalibama / indem ihr Elieser so heftig erkrankte / über ihrer freiheit auch nicht volkommen fr \lich seyn kunte; Ardelise und Amorite aber / wegen ihres unvergnůgten zustandes / traurig waren: als wurde die malzeit in aller stille verrichtet.

Nachdem die aufgehoben worden / und die Prinzessinnen von der slaven aufwartungen sich befreiet sahen / entdeckete Aramena ihre neue sorge der Fürstin von Seir / und bezeugete ihre beängstigung / um daß sie nirgend aus wuste / weil sie des Tharsis hůlfe / in den tempel der Diana zu gelangen / sich nicht gebrauchen k \nte. Ahalibama als sie sich auf ein anderes besonnen / bote ihr des Fůrsten Ephrons dienste an: den sie auch alsobald in ihr zimmer holen liesse /und mit ihme hierüber / auch wegen ihrer eigenen reise nach Seir / sich beredete. Ephron fande auf Aramenen seite grosse beschwerlichkeit / woferne sie ihr nicht gefallen liesse / mit nach Seir zu gehen: dahin sie morgendes tages / ungeachtet des Eliesers schwerer unpåßlichkeit / weil ein längerer verzug in Bethera fůr sie zu gefärlich / miteinander fortzureisen entschlossen wären. Wofern aber die Prinzessin von Chaldea diesen schluß mit fassen würde / wåren sie måchtig genug / dem Tharsis sich zu widersetzen /wann der ihre reise hintern wolte. Diese antwort Ephrons brachte Ahalibama der Aramenen gleich zurücke: die dann lange nicht hierzu sich wolte bereden lassen / weil sie sich fůr der Ahalibama fraumutter fůrchtete / als die niemals ihre entschliessung / in der Diana tempel zu gehen / ihres bruders wegen / billigen wollen. Doch muste sie endlich denen von Ahalibama eingefůhreten wichtigen ursachen weichen / und zu dieser reise sich bequemen.

Der verliebte Tharsis / so von dieser entschliessung [158] nichts wuste / quälte sich die ganze nacht hindurch /wie er es in seiner liebe anschlagen solte: bei deren er so viele hinternůsen nicht vermutet hatte / weil ihme vorher unbewust gewesen / daß Aramena sich der Dianen verlobet. Weil er aber mit länge der zeit hoffen kunte / daß diese Prinzessin von ihrer abg \ttin ab-und ihr der reine gottesdienst / den seine K \nigin / die Delbois von Ninive / fast mit ihrem ganzen hofe /wiewol heimlich / angenommen hatte / beizubringen seyn m \chte: als fiele ihm endlich dieser entschluß bei / weil er ihr von seiner liebe noch nichtes gesaget /dieselbige gegen ihr zuverbergen / und sie allein zu bereden / daß er sie nach seiner K \nigin / die jezt auf der reise nach Damasco begriffen war / bringen d \rfte; da er dann nach und nach ein mehrers von ihr zu erlangen verhoffete. Wie nun der tag angebrochen /liesse er sich bei Aramena anmelden: die gleich im werk war / von Ardelise und Amorite / als welche ihren weg nach Mesopotamien nun fortsetzen wolten /abschied zu nemen / gleichwol ihm diese besuchung nicht abschlagen konte. Sie sagte ihm sobald sie ihn ansichtig worden: Sie håtte ihre meinung geåndert /sie wolte ihm die mühe nicht machen / mit ihr nach Ninive zuziehen / sondern die Fůrstin von Seir begleiten. Hierauf dankete sie ihm nochmals / fůr alle die grosse bemůhungen / die er ihrentwegen ůbernommen. Tharsis kunte sich so wol nicht verstellen / daß seine gemüts-bestůrzung über diesem unvermuteten anbringen nicht wåre hervorgetretten. Doch erholete er sich bald wieder / und finge an / alles herfür zu suchen / was ihn kräftig důnkete / sie zubereden / nach seiner K \nigin zu kommen. Die gefårliche reise nach Seir / die ferne von Dedan bis Ninive / und tausend andere einwůrfe / brachte er ihr fůr / daß sie sich fast bereden lassen: wann nicht Damasco [159] vor sie / wegen ihrer eltern / gar zu gefårlich wäre erachtet worden.

Sie stunde noch an / was sie thun wolte / als Ephron mit der Ahalibama ganz erschrocken zu ihr kamen / und diese unverhoffte zeitung brachten: der Fůrst von Thapua / der Beri / wäre in die stadt gekommen. Dieserwegen nun hielten sie vor h \chst n \tig / hinweg zu eilen / bevor der Beri ihr daseyn erfuhre: massen sie aus seinen vorigen thaten wol kunten schliessen /was sie sich würden zu ihm zu versehen haben. Demnach machten sie / zu ihren aufbruch / alles fårtig. Als sie aber den Elieser eben auf den wagen heben wolten / Tharsis unschlůssig war / wie der Aramena reise zu verhindern wåre / und diese Prinzessin eiligst etliche kleinodien der Ardelise zuwurfe / deren sich auf der reise zubedienen: da wurde unvermutlich ihr haus von den bůrgern der stadt berennet / und sahen sie sich allenhalben gefangen / daß sie unmůglich davon kommen kunten. Der erhizte Tharsis entschlosse also fort /mit gewalt durchzubrechen: rieffe demnach den seinigen zu / welche drausen mit auf der gassen hielten /sie solten zur wehr greifen. Als er nun sich / neben der Aramena / auf einen wagen gesetzet / liesse er das thor \ffnen / und rannte also mit ihr durch das volk: da er dann alles / was sich ihm entgegen stellete / niedergesäbelt. Ephron wolte zwar / mit der Ahalibama /dergleichen thun: aber sie vermochte nicht ihren Elieser zuverlassen.

Indem sie nun so unschlüssig als beångstigt hierüber verweilten / sahen sie die Beri / von vielen soldaten begleitet / in ihr zimmer / darin sie noch beisammen waren / ankommen. Ahalibama ginge ihm unerschrocken entgegen / und sagte: welcher gestalt sol ich den fůrsten Beri entfangen? als einen Vatter meines Eliesers / oder [160] als dessen verfolgern? Als meinen freund und beschützer / oder als meinen årgsten feind / der mir das erst-abgeworfene joch der dienstbarkeit wieder anwerfen wil? Die Fürstin Ahalibama (antwortete Beri) wird mich vor ihren und meines K \nigs gehorsamen diener erkennen / der nichtes als seines bruders und herrn båstes suchet / dessen gnade er aller anderer freundschaft / sie habe namen wie sie wolle / vorziehet; der zu dem ende hieher kommet /des Eliesers und Ephrons bubenstücke abzustraffen /und seinem K \nig seine entführte braut wieder zuzuführen. Ach Beri / (sagte Ahalibama / mit augen voller thränen) ist es m \glich / daß ein vatter so reden kan / und das so wenig grosmut in euch wohnet? Sehet doch an / ich bitte euch darum / den armen Elieser / und habet doch mit diesem eurem sohn ein mitleiden. Er ist / (antwortete Beri / die augen von ihm wendend) so unwůrdig meiner erbarmung / daß ich ihn auch nicht einmal fůr meinen sohn mehr halten kan. Er ist so unglücklich / (gabe sie entrůstet zur antwort) euer sohn zu seyn / als ihr unwürdig seit / sein vatter zu heisen: und darf man sich gar nicht darüber verwundern / was ihr jezt beginnet / weil der geitz euch schon einmal dazu getrieben / eures sohnes verlobte braut einem unzůchtigen K \nig zuverkaufen. Diese worte (antwortete Beri /) sollen dem teuer werden / der sie verursachet. Damit befahle er / daß man den Elieser und Ephron in ein gefångnůs werfen / und sie als die gr \ste verråtere des reichs / wie solche buben / die den tod verschuldet / halten solte. Dieses bewegte die sonst-grosmůtige Ahalibama / mit einen fusfall den unbarmherzigen Beri um gütigern entschluß zu bitten: der aber von nichtes h \ren wolte. Also triebe sie die heftige liebe / daß sie zu Eliesern nochmals liefe / und ihn so vest in ihre arme einschlosse / [161] daß man sie lange nicht von ihm bringen kunte. Endlich geschahe solches mit gewalt / und schieden sie beide onmåchtig von einander: er aus grosser mattigkeit / und sie wegen innerster bekůmmernůs.

Indem kame die Prinzessin Aramena auch wieder zu ihnen / welche durch die bůrger von Bethera dem Tharsis ware abgenommen worden: der aber fůr seine person sich durch geschlagen / und mit seinen bei sich habenden davon gekommen ware. Der Beri erfreuete sich über ihre wiederkunft zum h \chsten / weil er zu Thapua des Prinzen Hemors liebe gegen ihr erfahren /und durch dieses glůck sich bei vatter und sohn kunte beliebet machen. Demnach grůssete er sie gar h \flich: die aber ganz aus sich selber ware / und bate / daß man sie bei der Ahalibama allein lassen m \chte. Solches ward ihr vergönnet. Aber mit der trostlosen Fůrstin von Seir hatte man genug zuthun / sie wieder aufzubringen: das doch zu nichtes halfe / als ihre qual ihr um so viel empfindlicher zu machen. Der Beri kunte dem himmel nicht genug für sein erlangtes glück danken / das ihme der Landpfleger von Bethera zuwege gebracht. Dann dieser hatte / die ankunft der beiden s \hne des Beri mit der Ahalibama / erfahren /und solches gleich dem Beri nach Thapua zu wissen gemacht: der alsofort den schluß gefasset / sie anzuhalten / und ihre weitere flucht zuhintern. Weil ihme demnach alles also nach wunsch gelungen / schickte er unverlångt einen ab / an den König seinen bruder: diese erfreuliche zeitung ihme anzukünden / und seinen befehl einzuholen / wohin er die Prinzessinnen solte bringen lassen. Der bote kame am dritten tag wieder; und zwar von Salem / allwo er den K \nig und Prinzen angetroffen / die dahin von Thanac gekommen waren. Sie kunten die freude des Sichemitischen[162] hofes nicht gnugsam beschreiben / die sie ob dieser wieder erlangung der Prinzessinnen gesch \pfet: da sie zuvor / dieses verlustes wegen / schier von sinnen kommen wollen. Der K \nig liesse den Beri bitten /unsäumig zu ihme nach Salem zu kommen / und den dank / den er ihme fůr diesen guten dienst schuldig /selbsten abzuholen. Also musten die Prinzessinnen /zu dieser betrübten reise / sich gefast halten. Weil Salem nicht weit vom Jordan lage / alda bei Ennon eine sichere überfart ware / als wolten Ardelise und Amorite mit dahin reisen.

Kaum ware die sonne wieder herfür gebrochen / da verursachete das gerassel der wägen / und das toben der pferde / daß sie alle an ihre unglückselige abreise gedenken musten. Also sahe Ahalibama kein mittel mehr / des Beors erzürntes angesicht zuentfliehen; noch Aramena die gelegenheit / des verliebten Hemors anwerbungen zuentkommen / und die tausend vorwůrfe der Calaride und des alten Thebah zu vermeiden. Demnach ergaben sie sich gedultig darein /was ihr unglůcksstern ihnen nun wieder bestimmet hatte / und gingen beide an das fenster / um alles /was auf der gassen fůrginge / anzusehen. Dazumal kame eben der unglůcklichen Ahalibama ihr Elieser in die augen / den sie neben seinem bruder auf einem wagen mit angeschlossenen hånden und fůssen / und mit so erblasseten angesicht / daß er mehr einem todten als lebendigen änlich ware / sitzen sahe. O ihr g \tter! (rieffe sie /) k \nnet ihr dieses unrecht zulassen / und diese tyrannei erdulten? Damit wendete sie das angesicht hinweg / um ihren Fürsten in so schimpflicher gestalt nicht långer zusehen: ward aber bald wieder anders sinnes / und sahe sich um nach ihme /funde ihn doch nicht mehr / weil er schon fortgeführet worden. Deswegen nun liesse sie ihren thrånen den[163] lauf / die von so vielen angstklagen begleitet / ihr die wangen herabschossen / daß es erbårmlich zusehen war. Beri funde sie in solchem zustande: gegen deme sie dann ganz keine ehrerbietung mehr zeigete / sondern ihme die årgsten worte gabe / so ihre grosse ungedult nur aussinnen mochte. Also ward sie zu wagen gebracht / da Aramena / Ardelise und Amorite sich bei ihr setzeten / die anderen aber ihnen nachfolgeten. Sie wurden von einer starken wacht des Beri und des Landpflegers von Bethera begleitet / damit nicht wieder ein anschlag auf sie gemachet werden kunte. Der Beri bliebe selbst nahe vor dem wagen / um seine edele beute nicht zuverlieren / die ihme am Sichemitischen hofe glůckselig machen solte: und schätzete er solches h \her / als das wolergehen seiner eigenen kinder / welches er hintan setzete / und unterdruckte / um das seine empor zu heben.

[164]
Das Zweyte Buch
Geschichte des Apries und der Amorite
Geschichte des Apries und der Amorite.

Als die streitbare v \lker / die Celten und Teutschen /[169] unter dem tapfern K \nig Marsius / in Canaan kamen /und mit unbeschreiblichem glůcke / die K \nigreiche Basan / Moab / und des landes der Amoriter / sich bemåchtiget: wurde ihm der König Jobat von Hemath /mein herr vatter / auch dienstbar / also daß er von dem König in Syrien / unter dessen schutz er vor diesem gesessen / sich unter den Marsius begabe. Zu beståtigung des bundes / vermålte er sich an eine teutsche Fürstin / die Sonna / die dem K \nig Marsius nahe befreundet / und des berümten Fürstin Suevus schwester war: von der seind meinem herr vatter /zwei s \hne und ich / gebohren worden. Der jůngste von diesen ware Apries / und der ältere heiset Bileam: zu welchem ich / wegen seines unartigen gemůtes / ja so grossen widerwillen trage / als herzlich ich den andern liebete. Dieser truge auch / von kindheit auf / ein gleichmåsiges herze gegen mich: also daß wir wol eine seele in beiden leibern gehabt / und nie von einander seyn k \nnen / so oft wir gelegenheit gehabt /einander zu sehen.

Wie nun Jobat nach nichtes mehr trachtete / als diese beide s \hne von jugend auf wol zu erziehen: als wurde Bileam nach den K \nig Melchisedech geschicket / alda in der hohen schul zu Kiriat Sepher erzogen zu werden. Apries kame / auf inståndiges begehren unserer fraumutter bruder / an den K \niglichen hof nach Basan / und hatte die gelegenheit / neben dem jungen Prinzen Marsius / und dem Daces des K \nigs vettern / alles zu lernen / was einen Fürsten zu wissen wol anstehet. Dieser hof / war dazumal einer von den berümtesten / und die Prinzessin Mirina des K \nigstochter / neben gegenwårtiger Amorite / des Fůrsten Suevus tochter / die er mit Ogire der lezten Amoritischen Prinzessin gezeuget / waren daselbst die zwei gepriesene [170] sch \nheiten / welche ganz Basan anbetete. Der Amorite herr vatter / so zu Hesbon und Hazezon Thamar statthalter war / muste immer bei dem K \nig Marsius zu Basan seyn: welcher ihn so wehrt hielte /daß er auch im willen hatte / den Prinzen seinen sohn dermaleins an die Amorite zu verheuraten. Dieser gunst genosse auch Apries / dem der K \nig um des Suevus willen alle gnade erwiese. Weil nun dem fürbilde des K \nigs der ganze hof folgete / als sahe sich mein bruder / nicht allein beim K \nig und der Königin / beim K \niglichen Prinzen und der Prinzessin /in gnaden / sondern auch von allen anderen geliebet.

Er mochte damals / wie er nach hof kame / etwan fůnfzehn jahre haben / und ware für ein mannsbild ůbersch \n von der natur geschaffen. Das aber an ihm merkwürdig / so gleichete er so sehr der Amorite /daß man sie beide eher für geschwistern halten können / als ihn und mich / die wir einander nichts änlich sahen. Dieses / neben anderen verborgenen anreitzungen / verursachete / daß Apries sich immer zur Amorite hielte / alles mit derselben in raht stellete / bei allen begebenheiten ihr aufwartete / und eine so fåste freundschaft mit ihr machete / daß die nachgehends nichts / als die daraus entstandene liebe / verändern kunte. Amorite / ob sie wol mit ihm gleiches alters /ware doch viel ståmmiger / und wuste / als von kindheit auf an einem so grossen hof erzogen / meinem bruder viele lehren und unterricht zu geben. Dieses räumte ihr fast eine mütterliche macht ůber ihn ein: daher sie gewohnte / mehr eine treue sorgsalt für ihn /als einige hochachtung seiner person / zu hegen; und gedachte sie damals an nichtes weniger / als an die liebe / mit der sie nachgehends an ihn verknüpfet worden.

[171] Ihr muste / wie gesagt / der K \nigliche Prinz Marsius, auf befehl des K \nigs seines herrn vattern / aufwarten: das dann vor sie eine vorteilhafte sache ware /weil dieser junge Herr / neben seinen hohen stand / an geschicklichkeit und tugend wenig seines gleichen hatte; daher er auch / bei der Amorite / nicht unbillig in betrachtung gekommen. Weil er aber bei lebzeiten seines herr vattern nicht heuraten wolte / zudeme auch eines viel zu kriegerischen gemůtes war / als daß er /bevor er sich in kriegen versuchet / an das heuraten hätte denken sollen: als war diese liebe nicht von den håftigsten / auch nicht so fåst gestellet / daß man darum die Amorite / als kůnstige K \nigin von Basan /solte angesehen haben; sondern es beruhete alles noch auf dem erfolg der zeit / und bestunde in grosser ungewißheit.

Nachdem nun mein bruder eine gute zeit sich zu Basan befunden / wurde einsmals von dem Prinzen Marsius / auf seines herr vattern geburtstag / ein grosses Fest angestellet: zu welchem uns der Kqnig auch einladen liesse / und kamen wir hin gen Basan / diesen freuden beizuwohnen. Die vergnůgung / die ich und Apries einander wieder sehend entfunden / ist leicht zuermessen / wann man sich fůrbildet / daß niemaln geschwistere / wie wir / einander geliebet. Ich hatte dazumal am ersten das glück / die Amorite zu sehen: welche dann sich gleich auch gegen mir so gůtig erwiese / daß ich sie lieben muste / allermeist wie ich die grosse vertråuligkeit warname / mit der sie meinen bruder begegnete. Ich muß aber ein wenig beschreiben / welcher gestalt des K \nigs geburtstag gefeiret worden: weil etwas darbei fůrgegangen / das zu meiner erzehlung gehöret.

Es ware auf dem lustigen berg Hermon / ein ebenes weites wiesenfeld zubereitet / welches rund umher mit [172] Cypressen bewachsen / tausend schritte in die långe /und eben so viel in die breite hatte. An dem einen ende / nahe vor einen dicken wald / ward ein gerůste für die K \nigliche personen und das frauenzimmer aufgerichtet. An diesem ort begaben wir uns / nach verrichtetem Gottesdienst / welchen wir / in dem darbei gelegenen walde / nach sitte der Teutschen begangen hatten: da die Druyden / als unsere priester / fůr das leben ihres K \nigs viele opfer geschlachtet. Nachdem der K \nig Marsius / mein herr vatter / und der König von Ammon / welcher neben seiner hofstatt auch zu dieser lust geladen worden / auf die eine seite des gerůstes sich begeben / und die drei Königinnen die andere hälfte der bůhne eingenommen hatten: setzete sich / unter ihnen eine staffel niedriger / die junge Prinzessin Mirina zwischen die Amorite und mich ein / da mir zur andern hand die Prinzessin von Ammon kame / und darauf alles das andere frauenzimmer folgete. Die beide seiten dieser weiten Aue wurden von vielen tausend personen / die da zusehen wolten / bekleidet.

Nachdem wir nun alle dergestalt uns gelagert / erschalleten von weiten die trommeten: welche endlich nåher kamen / und den aufzug des Prinzen Daces auffůhreten. Dieser ware gekleidet nach art seiner landsleute / wie sie in ihrem lande sich tragen: welches dann mehr wild als zierlich aussahe / diesen herrn aber dennoch nicht verunzierte / als deme alles wol anstunde. Er lenkete seinen wagen / auf dem er sasse /mit so guter art / daß jedermann ihn priese; und folgeten ihm / auch auf wägen / zw \lfe von den edelen aus Basan / die gleich ihme gekleidet / und ihrem fůhrer an guten wesen nichtes nachgaben. Wie nun diese etliche mal im kreis umher gefahren / und sich endlich an die eine seiten gestellet / kam der andere haufe: welchen der Prinz von Ammon fürete / [173] und mit seinen bei sich habenden Ammoniten in Egyptischer kleidung erschiene. Hierauf fürete den dritten haufen mein bruder / der dann / wegen seiner sch \nheit / aller augen an sich lockete. Er war wie eine Gorgonierin gekleidet / welche kriegerische weiber seyn sollen: man hätte ihn aber eher fůr eine Venus angelehnt /solche holdseligkeit liesse er blicken. Zwölfe von den jůngsten und schönsten edelen aus Basan / begleiteten ihn in ebenmåsiger tracht. Als er fůr uns fürbei fuhre /grůssete er das frauenzimmer mit so guter art / daß er viele zuruffungen / um gutes glůck zu haben / von uns allen entfinge. Als nun dieser auch platz gemachet /kame der lezte aufzug des Prinzen Marsius: der wegen der vielen diamanten und anderer edelsteine / mit welchen er bezieret / solchen glanz von sich gabe / daß er die augen blendete. Aber sein majestätisches wesen schiene unter diesem pracht so herrlich herfür / daß man ihn auch / ohne diesen grossen schmuck / håtte bewundern müssen. Er erschiene mit den seinigen /als Assyrier: als wolte er damit seinem herrn vatter vorbedeuten / wie ihn verlange / die Assyrische kron einmal aufzusetzen.

Nach diesen ginge der luststreit an / da zween und zween gegen einander rennten / und mit wurfpfeilen einer auf des anderen schild traffe: da dann der gewanne / welcher von seinen pfeilen die meisten anzubringen vermochte. Die schilde waren also zugerichtet / daß die pfeile gar leicht konten darin stecken bleiben. Es ist aber solches nicht so leicht zu vollbringen / als zu erzehlen: massen die hurtigste geschwindigkeit dazu erfordert wird / und müssen sie den zügel /mit dem sie die pferde regiren / in eben der hand führen / auf welchen ihnen die schilde ligen / da sie dann leichtlich durch einen unfůrsichtigen ruck alles versehen und verderben k \nnen. Prinz Marsius [174] und mein bruder / waren die ersten / die auf einander rennten: denen aber das glůck gar unterschiedlich fugete. Dann der Prinz von Basan brachte zu dreyen malen / da sie gegen einander fuhren / einen pfeil in des Apries schild: Dieser aber fehlete / weil der Prinz / ob er schon nach dessen schild sehr wol zielete / in diesem ritterspiel so wol unterrichtet war / daß er sich meisterlich wenden / und des Apries wurfe ausweichen kunte. Hierauf rennte einer von des Marsius leuten mit meinen bruder / und eine Gorgonierin mit dem Prinzen: worauf die übrige alle ihren rand auch verrichtet. Prinz Marsius bracht alle seine pfeile wol an /und behielte hingegen seinen schild ganz frei: da alle die andern / zeichen ihres verlustes auf den ihrigen fůhreten / und fůrnemlich mein unglůckseliger bruder seinen schild mit den meisten pfeilen bestecket zeigete.

Die junge Prinzessin Mirina / welche sehr kriegerischer natur / sagte zu der Amorite / als sie des Apries unglůck sahe: Ich sehe / daß Apries der weiber ehre ůbel verfechtet / ich håtte es bässer wollen machen /als er. Amorite antwortete ihr: Apries wåre noch ein junger herr / und noch nicht so geübt / wie die anderen; habe sonsten ja so fein und zierlich das seinige gethan. Diese schutzworte bewegten mich / der gutherzigen Amorite zu danken, daß sie meines armen bruders sich so wol angenommen. Mirina kunte gleichwol / ihn zu verachten / nicht ermüden / unangesehen ich als seine schwester dabei ware: dañ ihre jugend und freies gemůt ihr allen zwang bename. Sie machte es aber soviel / das sie und Amorite deswegen ein starkes wortwechseln begunten. Der Prinz Daces /und Baalis des K \nigs von Ammon sohn / singen damit ihr rennen auch an: und wil ich mich bei denen nicht lang aufhalten / dann keiner vom [175] andern einigen vorteil gewonnen. Kurz! allein der Prinz Marsius brachte seinen schild unverlezt davon: daher er auch den preis erhielte / welchen die K \nigin seine stieffraumutter aufgesetzet hatte / das dann ein ůbersch \nes kostbares kleinod ware.

Mitlerweile nun / als nach endigung dieses luststreites / der K \nig dem Prinzen ansagen liesse / an die bühne zu kommen / und den preis von der Königin zu entfangen / besahen die Damen / so zu nåchst um die Königin sassen / das kleinod / und solches hochpreisend / sprache eine zur andern / daß selbiges der Prinzessin Amorite gewiß wůrde zu teil werden: welches sie dann auch selber ihr einbildete / weil bei dergleichen Ritterfesten gebråuchlich / den gewinst einer Dame zu geben. Der Prinz aber / nachdem er das kleinod von der K \nigin Hand entfangen / welches mit verwandelung und unruhe seines gesichtes geschahe / dessen ursach doch niemand ergrůnden kunte / ginge er uns sämtlich geschwind fůrbei / und begabe sich nach den andern Rittern / ohne an die Amorite zu gedenken. Sie err \tete hierüber / und ich kunte nicht lassen / sie anzusehen: Jederman wurde still / und niemand wuste / was er hiervon solte urteilen.

Die anderen Prinzen und Ritter kamen indem zu uns / und wie der Apries sich zur Amorite gesellet / ja so beschåmet ůber seinem unglück / als sie war über der erwiesenen kaltsinnigkeit des Prinzen / sagte er zu ihr: wie ungleich gehet es doch in der welt daher! Mir hat das gluck nichtes gegeben / da ich es doch båsser wolte anwenden / als der Prinz Marsius. Als hierauf Amorite fragte / wie er das meinete? sagte er ferner: daß sie es haben sollen / wann er gewonnen håtte. Mirina solches h \rend / sagte: Der himmel hätte ihn fůr dieser freigebigkeit bewaret / massen der gewinn noch gar weit von [176] ihme gewesen. Diese worte verh \neten den Apries dermassen / daß er ganz betrůbt wurde. Amorite aber / die sich seiner wolte annemen / sagte zu der Mirina: hat der Prinz von Hemath heute nicht so viel glůck gehabt / wie der Prinz von Basan / so erweiset er dennoch wol so viel höflichkeit. Die Prinzessin seine schwester wurde hierdurch erzürnet / rieffe dem Daces / und befahle ihm / daß er ihren bruder seiner gebůr solte erinnern: der solches eiligst ins werk stellete / den Prinzen lang suchete / und endlich im holz von allen abgesondert fande / da er sich mit einen anderen schluge: welcher mit unter seinem aufzug gewesen. Dieses antreffen machte ihn so bestůrzt / als den Prinzen ungedultig / weil er dadurch sich gehintert sahe / wider seinen gegenpart ferner seine sache auszufůhren. Er hielte aber ein / und sagte zu diesem / mit dem er sich geschlagen: Sie wolten ihren streit bis zu einer bequemern zeit versparen / inmittels gåbe er ihm sein Fůrstliches wort / ihn nicht zu melden / und solte er alle sicherheit an seines herrn vattern hofe haben.

Hierauf wandte er sich zum Daces / und h \rete an /was der ihme / seiner erwiesenen unhöflichkeit halber / zu sagen hatte. Wie er nun seinen fehler erkant / bereuete er solchen heftig / und eilete geschwind zurůcke: nachdem er den Daces beschworen / niemanden das zu sagen / was er im wald gesehen. Sobald er angekommen / überreichte er der Amorite das kleinod mit den h \flichsten worten von der welt. Sie / ob ihr zwar die vorige kaltsinnigkeit sehr verschmachete /also daß sie es anfangs gar nicht annemen wolte /muste es doch endlich thun / weil alle K \nigliche personen zugegen waren / und sonderlich ihre Fraumutter ihr winkete / den Prinzen nicht zubeschimpfen. Apries inmittels erblassete ganz hierüber / welches aus eiversucht geschehen / die ihme selber dazumal [177] noch unbekant ware. Weil auch Mirina nicht aufh \ren kunte /von seiner ungeschicklichkeit zu reden / und den Daces antriebe / ihn damit zuverhonen; wurde er aus ungedult bewogen / dem Daces zu antworten: Er hoffete in einem ernstlichen gefechte sich glůcklicher und geschickter zu zeigen / als er in diesem lustkampfe sich erwiesen. Hierauf fielen von beiden seiten so viel stichelworte / daß sie heimlich sich beredeten / bei erster gelegenheit einander / ohne einiges menschen wissen / mit dem degen ein genügen zu thun.

Wie wir nun wieder in Basan eingelanget / und dieses freudenfest mit einem herrlichen gastmal sich geendet / welches der K \nig Marsius etliche tage wären liesse / stelleten der junge Marsius und sein widerpart / wie auch der Daces und Apries / ins werk / wessen sie sich zusa en verglichen; und wuste unser keines davon / was diese hitzige junge leute mit einander für hatten. Wiewol sie nun einen verborgenen ort im walde darzu erwehlet / so schickte es doch der himmel / daß / in wårendem ihrem gefechte / von des K \nigs hofleuten etliche darzu kamen: die diese junge herren gleich von einander brachten / und den handel in ganz Basan ruchtbar macheten. Wir waren eben ingesamt bei dem K \nig / als einer diese zeitung brachte: und kan man gedenken / weil man noch nicht wuste / ob sie wieder voneinander wåren / wie der Marsius sich entsetzete / seinen einigen sohn / den er so herzlich liebete / in dieser gefahr zu wissen; und wie zornig er worden über den andern / der diese kůnheit begehen d \rfen / wider den K \niglichen Kronprinzen sich also einzulassen. Mein herr vatter / liesse mehr zorn und ungnade / als sorgfalt / fůr den Apries spůren. Der Fürst Trebetes / des Daces herr vatter / wolte stracks sich aufmachen / seinen sohn um diese verwegenheit abzustraffen. [178] Amorite erwiese grosse angst / die man billig fůr den Prinz Marsius ausdeuten muste: wiewol Apries auch sein anteil mit dabei hatte. Wie mir zu mut gewesen / kan ich nicht beschreiben / weil ich selbst nicht wuste / was ich thåte.

Mirina allein ware die kaltsinnigste: ob wol es sich hernach auswiese / daß sie am meisten hierunter begriffen war. Dann / mit wenigem dieses hiebei in meine erzehlung zu růcken / so ware der Prinz Ingerman / des Königs Marsius bruders sohn / der jenige /mit welchem der Prinz Marsius sich geschlagen. Dieser junge herr ware / für etlicher zeit / aus den Teutschen Landen angekommen / unbekant des Marsius hof zubesuchen: dann er daselbst / wegen der todfeindschaft / die zwischen dem Bojus seinem herr vatter / und dessen brudern dem Marsius ware / sich nicht kundt geben d \rfen. Also wuste niemand / wer er wäre / auser Mirina / die ihn sowol / als er sie / liebete. Sie waren aber in ihrem thun so heimlich / das niemand etwas davon innen worden / als der Prinz Marsius. Dieser / von grosmut getrieben / wolte nicht leiden / daß seine schwester mit deme in verträulichkeit leben solte / dessen vatter der Bojus ihrem hause so viel zu wider gethan / und den K \nig Marsius aus seinem vatterlande verjagt hatte. Demnach so wolte er dieses verwehren / und den Ingerman dahin bringen /ihren hof zuverlassen. Als aber der sich dessen weigerte / der Prinz Marsius hätte sich dann zuvor mit ihme geschlagen / und ihm also ein genügen gethan fůr den schimpf / den er von ihme / durch den verweis / wegen der liebe zu seiner schwester / entfangen: als verwilligte ihm solches der edele Prinz / und kame eben den tag / als das lustrennen gehalten wurde / mit dem Ingerman zusammen; der den gewinst davon zubringen ihm eingebildet / [179] und mit dieser erlangten ehre nachgehends Basan zu verlassen / entschlossen ware. Wie ihme aber dieses gefehlet / wurde er so unwillig und hitzig / daß er gleich an den Prinzen das begehrete / was er unlångst bei ihm gesuchet: das dann dieser tapfere herr ihm auch nicht länger versagen wolte. Weil aber Daces dazumal solches gestöret / als waren sie besagter massen wieder zusammen kommen / und hatten beiderseits / ungeachtet ihrer jugend / da jeder von ihnen kaum das zwanzigste jahr erreichet / so tapfer gefochten / daß sie / wann man nicht wäre darzu gekommen / einander würden aufgerieben haben. Es hatte auch mein bruder / der neben ihnen mit dem Daces ihm zuschaffen gemacht / weil er zum meisten beleidiget war / sich so wol gehalten /daß Daces selber nachmals / als sie wieder vertragen waren / ihn darum preisen muste.

Wie sie aber nun / auf befehl des K \nigs / von einander gebracht worden / da Trebetes / wie gesagt /selbst zu ihnen hinaus geeilet: musten sie alle viere vor den K \nig kommen. Es wurde ihnen von allen seiten ein verweis gegeben / und wolte Marsius mit gewalt wissen / wer der unbekante wåre: weil er aus diesem kampf wol vermutete / daß er was fůrnemeres seyn müste / als er fürstellete. Prinz Marsius wolte /aus angeborner grosmut / ihn nicht verraten. Er selber aber / von einer ungedultigen wut getrieben / bekante dem K \nig freywillig / wie daß er seines bruders und todfeindes sohn wäre: womit er eine solche bestůrzung bei allen erwecket / daß die umstehende nicht wusten / was sie sagen solten; worbey Mirina ohn unterlaß die farbe geåndert. Der König Marsius liesse seinen sohn / neben dem Suevus und Trebetes / in sein geheimes zimmer kommen: mit denen er ůberlegte / wie er sich hierin zu verhalten håtte. Weil [180] der Prinz Marsius / des Ingermans liebe zu der Mirina verschweigend und eine andere ursach ihres streites vorwendend / den K \nig heftig bate / desselben zuverschonen / und ihn seinem herr vatter dem K \nig Bojus wieder zuzuschicken: als fielen Suevus und Trebetes dieser bitte bei / und muste Ingerman darauf vor den K \nig kommen.

Nachdem die Prinzen in seiner gegenwart sich vertragen / befahle der K \nig / man solte den Ingerman bis an die gränzen seines reiches begleiten / und liesse durch ihn seinem bruder sagen: Er m \chte mit den seinigen auch so h \flich verfahren / wann dermaleins das glůck ihm einige derselben in seine hånde liefern wůrde. Mirina hatte keine gelegenheit / ihn fůr seiner abreise zusehen / dorfte auch nicht ihren bruder darum befragen / weil der alle gelegenheit meidete / mit ihr hievon zureden. Apries und Daces waren durch ihre eltern nun auch wieder verglichen / und verwiese man es dem Daces gar hoch / als man die ursach ihres streites innen wurde / daß er des K \nigs von Hemath sohne also begegnen d \rfen: Da hingegen mein bruder ein allgemeines lob erwarbe / wegen seines wolverhaltens / also daß ihme dieses zu mehrer ehre gereichete / als wann er den sieg in dem luststreit davon gebracht håtte.

Amorite und ich waren mit den Apries allein dieserwegen nicht zufrieden / daß er sein leben / daran mir so viel gelegen / und über welches ich / wie ůber alles sein thun / herrschen wolte / also in die schanze geschlagen. Dessen ungeachtet / bezeugete er uns /wie daß er mit deme / was vorgegangen / noch nicht zufrieden sey / und nicht eher in seinem gemůte zur ruhe kommen wůrde / bis er sich bei einem anderen lust streite geschickter erwiesen hätte: damit die Prinzessin Mirina nicht mehr ursach [181] haben m \gte / seiner zu spotten. Ich scherzete hierüber mit ihme / wie daß er der Mirina reden nur darum so entfindlich můsse aufgenommen haben / weil er sie liebete. Amorite aber thåte das wort für ihn: Mirina sey nicht für ihn /und sie m \chte auch ihn mit einem so wilden gemůte nicht beschlagen wissen. Er selbst / ob er schon / mit den höchsten ehrerbietungen von der welt / der Mirina gedachte / erwehnte jedoch / wie daß er sich ganz frei wisse von dieser gemůtsregung / die man liebe neñet.

Amorite liesse ihr solches wol gefallen / und vermanete ihn / ståts bei solcher meinung zu verharren /und nimmermehr sich einem solchen joche zu unterwerfen / das nur unruhe mit sich fůhrete. Die Prinzessin Amorite (sagte hierauf mein bruder / die farbe etwas ånderend /) wird diese unruhe / aus der erfahrung / noch båsser beschreiben lernen / weil der Prinz Marsius zweifelsfrei ursach dazu gibet. Der Prinz (antwortete sie /) erweiset in seiner liebe / die er mir erzeiget / so wenig unruhe / daß ich meyne / ich habe ebenfalls nicht n \tig / von derselbigen geplagt zu werden. Ursach dessen ist beiderseits / (wandte er wieder ein /) daß der Prinz raht weiß zu seinem anligen / und die sch \ne Amorite versichert ist / daß keine würdiger / als sie / eines so grossen Prinzen herze besitzet: dannenhero sie beide ohne sorgen lieben. Ich weiß nicht / was ich wert bin / (antwortete sie) kan auch nicht sagen / ob es der himmel also versehen / daß ich dermaleins dem Prinz Marsius zu teil werde. Dieses aber finde ich wol in mir / daß ich mit ja so freiem gemüte abstehen wolte / des Prinzen liebe anzunemen / wann meine eltern es mir anbefählen /als ich jezt solches aus ihrem geheis verrichte.

Diese und dergleichen kleine wortwechselung fůhre ich allhier zu dem ende ein / weil ich dieselbige damals [182] wol in acht name / und daraus abmerkete eine sonderbare verborgene zuneigung / die Amorite und Apries gegen einander trugen: welches sie zwar selbst noch nicht wusten / allermeist die Amorite / die an nichtes weniger gedachte / als dergestalt meinen bruder zu lieben. Apries hingegen liebete sie zwar herzlich: dennoch hatte selbiger zeit die vernunft bei ihme noch die oberhand / also daß er die unmůglichkeit und ihr bästes mehr betrachtete. Dann er wuste wol / wie daß er / als der jüngste Prinz in Reiche Hemath /keine hoffnung haben kunte / eine so grosse Prinzessin zu überkommen / (massen der Suevus so måchtig als der Amoriter K \nig war /) und diese Prinzessin /in vermålung mit dem Prinz Marsius / der mächtigsten K \niginnen der welt eine werden wůrde: welches er ihr / aus heftiger zuneigung / willigst g \nnete /zumal er auch / wegen noch-grůner jugend / an seine selbst eigene verheuratung noch nicht gedachte. Dannenhero unterliesse er niemaln / alles das beizubringen und zu thun / was er zu erhaltung und nehrung des Prinzen liebe dienlich erachtete. Wann Prinz Marsius zu ihr kame / entwiche mein bruder alsobald / um ihme nicht hinterlich zu seyn. Ware sie ausgespaziret / meldete er es dem Prinzen an / und zeigete ihm den weg / der ihn zu ihr fůhrete. H \rete er bei hof widerlich von dieser liebe und wahl des Prinzen reden / als wol zuweilen von etlichen geschahe / die der Amorite dieses glůck nicht g \nnten / widerredte er solches /und erwiese das gegenspiel. Wie gesagt / er stellete sich in allen also an / daß man ihn eher fůr des Prinzen Marsius vertrautesten in seiner liebe / als fůr seinen mitbuler / ansehen k \nnen. Dieser Prinz begunte auch meinen bruder immer wehrter zu halten / also daß nåchst dem Daces / er keinen so sehr als ihn liebete.

[183] Wie wir nun Basan wieder verlassen / und der K \nig mein herr vatter / auf des Suevus begehren /dem Apries noch ein zeitlang an des Marsius Hof zubleiben erlaubet hatte / kamen wir nach Hemath /eben um die zeit / wie dein herr vetter / liebste Aramena / mit dir uns besuchete: da deine geliebte gegenwart mir den kummer stillete / den ich / meinen bruder / und die Amorite nicht bei mir sehend / geschöpfet hatte; welchen ich sonsten damit tr \stete / wann ich von Basan alle wochen zeitung bekame / wie es ihnen daselbst erginge. Und ob wol um diese zeit Bileam / mein ältester bruder / bei uns ware / kunte dennoch der des geliebten Apries abwesenheit mich nicht vergessen machen.

Apries behielte inzwischen noch immer die begierde / sich in einem lust-streit fårtiger als das erstemal zu erweisen / dannenhero er sich auch tåglich darinn geůbet. Endlich stellete er ganz heimlich / daß niemand als Amorite wissenschaft davon hatte / auf der Mirina geburtstag / ein dergleichen rennspiel an: welches dem hofe um so viel angenemer und ansehnlicher fůrkame / weil man zuvor nichtes davon geh \ret hatte. Aber Daces beeiverte des Apries beginnen / weil er /wiewol ganz heimlich / die Mirina liebete / und also ohne eiversucht nicht sehen kunte / daß jemand anders / als er / dieser Prinzessin solche ehre erzeigete. Der junge Marsius war einer von den zuseheren: Aber Daces führte die andern rittere / so wider den Apries und dessen bei sich habende rennen solten. Cimber ein vetter des K \nigs / neben dem Tubal / (welcher der Amorite auch aufwartete / und sie so heftig als heimlich liebete /) waren die fürere vor dem dritten und vierten haufen.

Wie sie gekleidet / und was alles darbei vorgegangen / achte ich unnötig zu beschreiben. Genug wird es [184] seyn / wann ich dieses berichte / daß mein bruder den volkommenen sieg davon gebracht / und den preis /welchen er selber aufgesetzet / wieder gewinnend /solchen der Prinzessin Mirina ůberliefert. Es war aber selbiges ein k \stlicher wagen mit vier schönen Egyptischen pferden bespannet / und behånget mit einer statlichen Sidonischen decke / die mit perlen durchwirket. Jedermann bewunderte diese freigebigkeit /und Mirina erkennte sich dafür ihme hoch verbunden. Amorite sagte zu ihr: Der Prinz von Hemath dörfte nun nicht mehr gewårtig seyn / ihre verlachung zu erdulten. Dieses verh \nte sie zwar etwas; doch liesse sie sich das nit hintern / dem Apries nach als vor /wegen der ihr-erwiesenen ehre / hoch zu danken. Niemand achtete sich nun in seinem sinne glůcklicher /als Apries / das er sich auf so gute weise an der Mirina gerochen; und lobete der K \nig neben dem ganzen hof ihn dermassen / daß seine ehrsucht sich völlig konte vergnůget sehen. Weil es damals eben in der schönsten jares zeit ware / als hatte er noch ůberdas in lauberhůtten / dem frauenzimmer und ritteren / eine herrliche abendmalzeit zu richten lassen: deren der ganze hof / auser den K \nig und der Königin / beiwohnete. Nach geendeter malzeit / welches alles von des Apries freigebigkeit allein gezeuget worden / fingen sie auf der wiesen allerhand lustspiele an.

Unter anderen kame der mutigen Mirina in den sinn / ihren wagen / den ihr der Apries geschenket / zu versuchen: und wolte sie selber die pferde regiren / unangesehen dieselbigen sehr wild waren. Amorite muste /neben noch etlichen Damen / soviele nämlich der wagen auf einmal tragen kunte / sich darauf begeben. Anfangs / liesse sich dieses führen gar wol an. Als sie aber / denen ohne das-mutigen pferden / immer mehr zusprache / [185] huben selbige an zu laufen / also daß ihre schwache arme die zůgel nicht mehr halten kunten. Also ward endlich der wagen umgeworfen / mit nicht geringer gefahr der Prinzessinnen. Alle anwesende liefen eiligst hinzu / denen Damen in dieser noht bei zuspringen. Weil Amorite recht auf das gesicht gestůrzet war / und daher ganz sinnlos lage / gedachte mein bruder weder an die Mirina / dieselbe zu retten /noch an den Prinz Marsius / ihme die sorgfalt für seine Prinzessin zu ůberlassen / sondern eilete nur /der Amorite beizuspringen / und erwiese über ihren unglück eine solche traurigkeit / daß schwerlich ein verliebter sich håtte anderst anstellen k \nnen. Daces hingegen war beschåftig / die Mirina unter den wilden pferden wegzubringen: die aber ganz munter war /und über diesen handel lachete.

Weil nun Amorite allein hůlfe von n \ten hatte / als hatten sie sich alle um dieselbe versamlet. Der junge Marsius sahe das kleinod / welches er ehmals der Amorite gegeben / auf der erde ligen / so ihr ware abgefallen. Indem er aber solches aufheben wolte / kame ihm Cimber zuvor / der aus ehrerbietung solches verrichtete. Dieser / als er sich darnach gebůcket / wurde gewar / daß das kleinod zerbrochen / und ein bildnis heraus gefallen war / welches in dem kleinod verborgen gelegen. Kaum hatte er solches ersehen / da erkennte er solches / und wurde darob so bestůrzt als erfreuet. Er brachte dem Prinzen das kleinod / das bildnis aber behielte er in der hand / und wolte es nicht von sich geben. Weil aber der junge Marsius solches merkete / wurde er begierig / dieses bild zu sehen /zumal ihme Cimbers gebården etwas verändert fůrka men / und forderte es von demselben. Cimber aber weigerte sich / solches zu weisen / und sagte heimlich zu den Prinzen: wann sie beide allein seyn wůrden /solte er [186] schon erfahren / wie es mit diesem bildnis beschaffen wåre. Der junge Marsius aber wolte damit nicht friedlich seyn / sondern forderte es mit mehrerer heftigkeit: also daß Cimber / aus gehorsam / solches herfür geben muste.

Der junge Marsius erstutzete / das Bildnis einer Dame / so sch \n / als ihm die tage des lebens kein weibsbild vor augen gekommen / und um das gemälde / mit Assyrischen buchstaben / diese worte ersehend /die er laut herlase: Delbois Erbprinzessin von Ninive / Tochter des Königs BelOchus von Assyrien. Diese erkentnis seiner heftigsten feindin / machte ihn ihr sch \nes bild nicht hassen / sondern es erzeugte vielmehr ihr wunderschein in seinem gemůte eine hochhaltung / die mehr als gemein ware. Er fůhlete einen verborgenen streit in ihme / was er mit diesem bilde beginnen solte. Er sahe / daß Cimber sich auf alle weise vermerken liese / wie hoch ihme daran gelegen wåre / dasselbe zu haben. So wuste er auch /daß es der Amorite eigentlich zustůnde / deren er es /wiewol unwissend / geschenkt hatte. Gleichwol kunte er es beiden nicht wiedergeben / weil es ihm selber so überaus wol gefiele. In wårendem diesem selbstreit /ermunterte sich Amorite wieder. Weil sie aber / von der ausgestandenen onmacht / noch sehr schwach war / als wurde sie gleich nach Basan geführet / und dieser wegen die lust aufgehebet: wiewol man vor dem K \nig und Fůrsten Suevus heimlich hielte / was beiden Prinzessinnen begegnet.

Am folgenden tag nach dieser begebenheit / besuchete der junge Marsius die Amorite / und brachte ihr das kleinod wieder. Weil aber vorher mein bruder ihr alles erzehlet / was sich damit zugetragen / als forderte sie auch das bildnis / so darinn gewesen / dasselbe zu beschauen. [187] Der Prinz err \tete hierüber / und den Cimber ansehend / der mit ihm war hinein gekommen / sagte er: Mein vatter hatte vordessen dieses bildnis durch eine sonderbare begebenheit verloren / das ihme zugeh \ret; habe ich es also dem rechten herrn wieder gegeben / zumal nicht schicklich erachtend / daß eine sch \nheit der anderen bildnis tragen solte. So werde ich dann euch / mein vetter / (sagte Amorite zu den Cimber /) darum begrüssen müssen / daß ihr mir erlaubet / diese sch \nheit zu sehen / die ich so lang unwissend besessen. Hiermit name Cimber das gemålde herfůr / und solches der Amorite zeigend / berichtete er nach der länge / welcher gestalt er am Ninivitischen hofe / in einem ritterspiel / dieses bildnis / so zum preis aufgesetzet gewesen / gewonnen / nachgehends aber durch räubere wieder verloren håtte: Da aber /durch wunderliche schickung / dieses kleinod hernach an einen Arabischen kaufmann müste geraten seyn /der es der K \nigin Salamis verkaufet. Amorite beschauete diese schönheit mit ja so grosser verwunderung / als mit sonderbarer aufmerkung solches Prinz Marsius thäte: den man / von dem tage an / immer trauriger und in gedanken gehen / und seine angeborne munterheit in eine so fr \mde tiefsinnigkeit verkehrt sahe / daß der ganze hof solche änderung vermerkete.

Weil die liebe des K \nigs gegen diesen einigen sohn übergros war / und ihme also dessen treuerwesen nit lang konte verborgen bleiben / als merkete er solche veränderung nicht unter den lezten / und bemühete sich sehr / die ursach zu ergründen. Er wuste / daß keiner bei ihm sich mehr vermochte / als der Daces /und dessen vatter Trebetes / der seiner mutter bruder war / und deme er sein ganzes herz pflegte zu offenbaren. Diese nun musten des Prinzen gemüt ergründen / was ihme eigentlich [188] anligen möchte. Sie hatten aber nicht gleiches glůck: dann der sohn hierinnen viel mehr ausrichtete / als der vatter / und dieses von dem Prinzen brachte / wie daß er aus der Prinzessin von Assyrien ersehenem bilde diese unruhe gesch \pfet. Doch befahle er ihm / dem König allein dieses beizubringen / wiedaß seine můssige tage ihn jezt so traurig macheten / und m \chte solches sich bald verlieren / wann ihme / seiner belustigung nach / seine zeit in kriegesverrichtungen hinzubringen / erlaubet wůrde. Mein bruder / welcher nun ganz der Amorite ergeben war / erfuhre dieses zeitlich durch fleissiges nachforschen / und berichtete dessen diese Prinzessin: welche dann / von der zeit an / mit den jungen Marsius kaltsinniger umzugehen begunte / und aus angeborner grosmut kein solches herze zu besitzen begehrete / welches sich einer anderen schönheit lieber aufopfern wolte.

Nun hatte inzwischen der krieg / zwischen dem K \nig BelOchus von Assyrien / und dem K \nig Marsius von Basan / sich aufs neue wieder angesponnen: Da dieser lezte / sein altes recht an die Assyrische kron suchend / ein grosses heer auf die beine brachte /und dasselbige unter seinen schwager dem Fůrsten Trebetes nach Assyrien fortsandte. Das anhalten des Prinzen Marsius war bei seinem herrn vatter so inståndig / daß er endlich mitzuziehen erlaubnüs bekame; da ihn dann der König dem Trebetes auf sein leib und leben anbefahle. Die einwilligung ward um soviel leichter erhalten / weil er sich bereden lassen zu glauben / die verspůrte traurigkeit des Prinzen seines sohns rühre daher / daß es bisher ihme an kriegsůbungen ermangelt. Die angeborne tapferkeit des Apries munterte selbigen auch auf / diesen krieg mit zu besuchen. Als er aber bei meinem herr vattern darum anhielte / wolte der ganz nicht einwilligen / aus [189] ursachen / weil er fůr dem Assyrischen König sich fürchtete / als von dem er allbereit einmal / bei der lezten veränderung des Syrischen reiches / abgewichen war /und sich besorgete / es d \rfte / imfall die Babylonier obsiegeten / eines mit dem andern an ihm gerochen werden. Mein bruder / deme die jugend und der muht diese betrachtung nicht gabe / bliebe mit h \chsten schmerzen zurůcke / und sahe / nicht ohne edlen neid / die gesamte junge ritterschaft von Basan hinweg ziehen / da er allein zurůck bleiben muste. Er hatte oft in willen / heimlich mit fort zu gehen / wann nicht der Suevus und die Amorite ihn davon håtten abgehalten. Des Prinzen Marsius abschied / den er von der Amorite name / ware an seiner und ihrer seite gleich kaltsinnig. Hingegen wolte der Daces schier fůr unmut sterben / als er die Mirina verlassen / und seinen vermeinten mitbuler den Apries bei ihr hinterlassen muste. Der Fůrst Tubal / liesse dißmal zu erst seine liebe gegen Amorite blicken / die er beim abschied ihr ziemlich deutlich zuvernemen gabe: Die aber / ob solcher entdeckung / ihren unwillen ihme nicht kunte verspüren lassen / weil sie gleich hinweg zogen.

Es eråugete sich aber nicht lang hernach eine gute gelegenheit / dabei der Apries auch seinen heldenmut erweisen kunte. Dann die Amoriter in Hazezon Thamar / begunten wider den König aufrürisch zu werden: welcher den Suevus ihren statthalter mit einem kriegesheer hinsendete / diese meineidige abzustraffen. Mein bruder / der den Suevus nie verliesse / war mit unter diesen v \lkern / und sahe ihn Amorite so vergnügt als betrůbt hinweg ziehen: weil sie / ob seiner zufriedenheit und aus diesem zug entstehenden ehre froh ware / anderwärts aber seine abwesenheit und die gefahr / darin [190] er schweben wůrde / nicht ohne bewegung des gemütes ertragen kunte. Mein herr vatter / der hierein seinen willen gegeben / machte uns ståts wissend / wie es ihm erginge / und kan man erachten / mit was unbeschreiblichen freuden ich sein wolverhalten / und welcher gestalt er etliche mal dem Suevus sein leben errettet / auch sonst viel dapfere thaten in diesem feldzug verübet / allemal vernommen habe. Der krieg wårete ungefähr ein halbes jahr / und liefe so glůcklich auf des Suevus seiten ab / daß er sieghaft nach Basan wiederkehrte.

Der Amorite freude / ihren herrn vatter wieder zusehen / und daß sie dessen leben dem Apries zu danken håtte / ware übermåsig / und finge sie von dem tage an / den Apries h \her zu achten / also daß /neben der wolneigung / auch eine verehrung seiner person und geschicklichkeiten bei ihr entstunde: um die er seinerseits mit einer so ehrerbietigen liebe geworben / daß sie solche nicht anderst als wol aufnemen kunte. Doch liebeten sie einander / ohne eins dem andern etwas hiervon zu sagen / indem sie alles /was von der liebe herrůrete / den wirkungen der freundschaft zugemessen.

Der Krieg wider die Babylonier / ginge immittels auch glůcklich fort: bis endlich die traurige post kame / wie daß der Prinz Marsius in einer schlacht / neben dem Daces / Cimber / Tubal und andern edelsten rittern / geblieben wåre. Diese zeitung stůrzte den alten K \nig Marsius in so unbeschreibliche kümmernůs /daß er von dem tage an bettlågerig wurde / und auch von selbigen lager nicht wieder aufstunde. Amorite beklagete diesen edlen prinzen ebenfalls von herzen. Und Apries / der neben deme / was die welt an diesem tugendliebenden herren verloren / auch das anteil seiner Amorite hierbei erwågete / liesse sich gegen ihr vernemen: Der himmel håtte [191] den Marsius darum von der welt genommen / weil er nicht gnugsam seine liebe / wie er billig gesolt / der Prinzessin Amorite erwiesen. Er betaurete hierbei zum h \chsten / daß dieser tod die Amorite nicht zu der Würde gelangen lassen / deren sie so fůrwürdig gewesen. Hiergegen bezeugete ihm Amorite / wie daß sie dieserwegen sich gar nicht betrübe / massen ihr gemüt so kronensüchtig nicht wåre. Der edle Marsius hätte nur leben mögen: sie wolte nicht darum gezürnet haben / wann er schon einer andern vor ihr dermaleinst die Kron von Basan aufgeseht håtte. So künte man dann wol / (sagte Apries / sie ganz verliebt anschauend) die hoffnung haben / ohne besitzung einer Krone die Amorite begehren zu d \rfen? Wann man (antwortete sie / etwas errötet) allein die K \nige lieben k \nte / so würde es elend um die anderen stehen / denen oftmals mehr das glůck /als die würdigkeit / die Kronen versaget. Hiemit sahen sie einander an / und ohne sich ferner hierůber zu erklären / bezeugeten sie gnugsam ihre zusammen tragende neigung. Apries finge von der Zeit an / ihr mit mehrerer åmsigkeit aufzuwarten / und entfunde in seinem herzen / bei der allgemeinen traurigkeit des hofes / eine innerliche vergnůgung: wiewol er / in herzlicher beklagung des todes des Prinzen Marsius /den andern gesellschaft leistete.

Es wurde aber das allgemeine leidwesen des hofes verdoppelt / durch den tod des K \nigs Marsius: welcher den schmerzlichen verlust seines so tugendhaften sohnes nicht ertragen kunte / und daher / seinem trauren den freien lauf lassend / endlich von demselbigen unterdrucket wurde. Er ernennete aber / vor einem ende / den Suevus zum statthalter seiner lande / und zum vormund seiner tochter / der Prinzessin Mirina: welche man nicht [192] eher zur K \nigin krönen solte / bis sie sich an einen Teutschen Fürsten würde verheuratet haben / damit diese ererbete Königreiche nicht in fr \mde hånde wieder geraten m \chten. Um deß willen hatte er auch in allen verordnungen / was die regirungs-sachen betroffen / die K \nigin seine gemalin vorbei gegangen: als welche er / wegen ihrer ankunft /indem sie eine Erbprinzessin aus Basan / und allen anderen unter das teutsche joch gebrachten K \nigen befreundet war / für verdåchtig hielte.

Der Amorite herr vatter / der kluge Suevus / kame dem lezten willen des grossen Marsius in allem nach /und regirte sich und das land so weißlich / daß niemand anders / als die K \nigin Salamis / seinen stand beunruhigen k \nnen. Diese verdrosse es / daß Suevus / als ein Teutscher / nach ihres herrn tod die oberste gewalt in Basan haben solte. Demnach machte sie heimlich einen bund mit dem K \nig der Philister /dem K \nig von Ammon / auch mit den grossen herren in Moab und auf der Amoriter gebirge: welche sämtlich sich fůr die Salamis erklärten / und nicht allein dieselbe in der stadt Edrei / dahin sie gewichen war /zur regentin erwehlten / sondern auch / alle Teutschen auszurotten / sich zusammen verschwuren. Der Fürst Trebetes / welcher / nachdem er seines Königs tod erfahren / auch weil er so eine unruh besorgete / den von den Assyrern (die mit den Buctrianern hatten krieg bekommen) ihme angetragenen frieden oder vielmehr waffen-stillstand / auf etliche jahre gemachet hatte / funde bei seiner růkkunft alles veråndert: so gar / daß sie ihn nicht wolten in das reich lassen /sondern ihm aller orten den paß verlegten. Weil er nun / als statthalter in Moab / dahin seinen weg name / um sich bei seiner hoheit zu erhalten: sahe der Suevus sich ganz allein / und muste / wegen der grossen macht seiner [193] feinde / sich befahren / daß es fůr ihn und seine landsleute endlich einen schlechten ausgang nemen wůrde.

Dieses besorgte unglůck / wurde noch durch ein grosses hausleiden vermehret / indem ihm seine gemalin die Prinzessin Ogire / der Amorite frau mutter /durch den tod genommen wurde. Dieser schmerzliche verlust ginge so sehr dem Suevus / als der hinterlassenen tochter / zu herzen. Er befande endlich für gut /daß Amorite in wårender dieser innerlichen unruhe /zu uns nach Hemath sich verwandelte: weil er sie an einem orte / da alle umstände einen langwůrigen Krieg droheten / nicht länger lassen wolte. Apries håtte keinen liebern ort als diesen / zu der Amorite aufenthaltung / erwůnschen k \nnen. Doch verwehrte ihm die ehre / sie zu uns zu begleiten: weil er / in dieser gefärlichen zeit / den Suevus nicht verlassen wolte / sondern ihme bis in den tod getreue dienste zu leisten entschlůssig ware.

Mit was freuden ich die Amorite entfangen / ist leichtlich zuvermuten: massen ihre erste kentnis zu Basan mich ihr so ergeben gelassen / daß ich von der zeit an sie innigst geliebet / und dannenhero mit der h \chsten vergnügung ihre gesellschaft wieder anname. Sie ersetzete alles das bei mir / was sonst meines liebsten brudern abwesenheit verursachen m \gen: von deme wir dan öfters zeitung bekamen / wie es ihme in Basan erginge. Wir erfuhren endlich mit nicht geringer bekůmmernis / daß der Suevus sich nach Hazezon Thamar begeben müssen / und das ganze Basan bereits der Salamis gehorchete. Mein herr vatter / der von grossem nachdenken und sehr furchtsam war /wolte meinen bruder nicht länger bei dem unglůckhaften Suevus wissen / weil er den schutz von der K \nigin Salamis suchete. Der Suevus kunte ihn auch nicht aufhalten / zumal er / bei so [194] gestalten sachen / meines herrn vattern begehren für billig erkante. Also kame Apries wieder zu uns / so vergnügt / seiner Amorite gegenwart wieder zugeniessen / als traurig er war /wegen des unglůcklichen zustandes ihres vatterlandes. Sie fingen daselbst wieder an / auf die weise / wie sie fůr diesem gewohnet / miteinander umzugehen. Ich /weil ich meines bruders vergnügung so hoch als mein Leben schåtzete / bef \rderte / so viel mir můglich /die liebe / die Amorite ihm erwiese / und ware zu beiden teilen unterhändlerin: wie sie dann beiderseits mir mehr / als einander selber / von ihren gemůtsregungen vertraueten.

Nachdem wir dergestalt eine gute zeit unser leben ruhig zugebracht / und eines tags Amorite und ich zusammen im garten waren / kame Apries zu uns / so verwirret und aus sich selber / daß wir beide es ihm leichtlich anmerken kunten. Ich bringe (hube er an zu reden) der Prinzessin Amorite gute zeitung: der Prinz Marsius / den man bisher fůr todt gehalten / ist wieder lebendig worden. Hierauf sahe er mit unverwandten augen seine Prinzessin an / um aus ihrem gesicht abzunemen / wie sie diesen bericht aufnemen würde. Sie zeigte sich voller freuden / und dankete dem himmel für die erhaltung dieses so edlen lebens. Er hat / mit unbeschreiblicher dapferkeit / (fuhre Apries fort zu erzehlen) sein land wieder einzunemen / bereits den anfang gemacher / und ist die K \nigin Salamis neben der Mirina schon in der flucht begriffen. Wie man sagen wil / so gehet sie nach Ophir zu ihrem schwager: ihrem stiefsohn sein reich / das sie wider ihn nicht behaupten kan / gutwillig ůberlassend. Sie thut wol / (antwortete Amorite) daß sie ihr ungegründetes recht abstehet / ehe des Marsius gerechte waffen sie dazu zwingen. Ich zweifele nun ganz nicht / (sagte[195] Apries weiter /) der himmel habe alles dieses so geschicket / damit die Prinzessin Amorite / ihrer würde nach / K \nigin von Basan werde. Diese worte machten sie ein wenig bestürzet / also daß sie nicht gleich dieselbigen beantwortete. Und indem kame der K \nig dazu / welcher dann unsere fernere unterredung gest \ret.

Wie unruhig hierüber der eifersůchtige Apries wurde / kan ich nicht beschreiben. Er bildete ihm gänzlich ein / der junge K \nig Marsius werde für ihm leichtlich den fůrzug bekommen. Weil er nun alles /was ihme auf dem herzen lage / mir zu klagen pflegte / als erfuhre ich diese seine einbildung gar bald: welche ich der Amorite entdeckte / und bei derselben hierüber auch mehr unruhe spürete / als ich vermutet håtte. Dann / ob sie wol meinen Bruder herzlich liebete / so sahen wir doch allerseits wenig gelegenheit dazu / daß der Suevus ihr herr vatter diese heurat zugeben wůrde / weil er anderweit hoffen kunte / den mächtigsten K \nig in Asien / der zudem auch sein landsman war / zum schwiegersohn zu bekommen. Sie gestunde mir frei / daß / wann der K \nig Marsius sie zur ehe begehren wůrde / k \nte sie unmüglich das ausschlagen / wann sie nicht von der ganzen erbaren welt wolte für t \richt und sinnlos gehalten werden. Hiebei aber versicherte sie mich / wie daß sie nicht glåubete / daß Marsius ihrer begehren wůrde / da er für diesem schon mehr andacht von einem gemahlten Bild / als von ihr gemachet; und sie wolte / auf den fall / keinen in der welt dem Apries fürziehen. Ich fande diese ihre erklärung so billig / daß ich solche nicht im geringsten widersprechen kunte. Doch sagte ich dieses nicht alles dergestalt meinem bruder wieder / um seine traurigkeit nicht zu mehren / sondern tr \stete ihn vielmehr / daß er sich nichtes zubefahren hätte.

[196] Es verliefe solcher gestalt noch einige zeit / bis endlich der Suevus zu uns sandte / um seine tochter wieder bei sich zu haben. Ich war neben dem Apries eben bei ihr / als der Sesostris / welcher ein alter kämmerer bei der Ogire gewesen war / und jezt mit uns auf der reise ist / angemeldet wurde: da ich dann Amorite ganz erblasset sahe. Der betrübte Apries leistete ihr / in verånderung der farbe / treulich gesellschaft / und wurde voll neuer unruhe / als Sesostris das gewerb anbrachte / daß man nämlich ihm seine Amorite nemen wolte. Die unmüglichkeit / sie da zu behalten / machte seine pein um so viel grösser; und wåre er gar vergangen unter dieser liebesqual / wann ich nicht das bäste gethan und ihme trost eingesprochen hätte. Meine frau mutter wolte ihrem bruder die Amorite selbst wiederbringen / und weil ich durch diese gelegenheit auch mit kame / versprache ich dem Apries / wie ich seiner allemal im båsten gedenken wolte. Den abschied / den sie von einander namen /vermag ich nicht zu beschreiben / weil ich ohne das noch viel zu sagen habe. Man kan sich den leichtlich einbilden / wann man dabei die umstände betrachtet.

Wir zogen nun von Hemath ja so betrůbt hinweg /als ångstig wir den Apries hinterliessen: der dann /nach unserm abreisen / mit der gesellschaft seines ältesten bruders sich behelfen muste / der aus dem Königreich Ammon um diese zeit wieder zu hause war gekommen. Es ware aber Amorite / die ganze reise ůber / gar schwermütig: das mir dann alles lieb ware /weil ich solches zu meines brudern vorteil ausdeutete. Der junge K \nig Marsius entfienge uns zu Basan mit der h \chsten höflichkeit von der welt / wie ingleichen der Daces / der gleich als sein vetter wieder lebendig worden war. Dieser / weil er des K \nigs vertrautester war / als regirte er und [197] dessen herr vatter fast den ganzen hof: daher des Suevus macht nicht mehr so gros war / als sie bei des alten Marsius zeiten gewesen; doch ware er noch in gutem ansehen / und wurde von jederman geehret. Es ware aber der Marsius / seit daß er von Basan ab gewesen / soviel ansehnlicher von person und männlicher geworden / daß wir ihn fast nicht mehr kanten. Es hatte auch die Amorite an schönheit mehr zu- als abgenommen / also daß der ganze hof und sonderlich des Marsius leute sie hoch preiseten. Es thåte auch der K \nig so schön zu ihr /daß mir rechtschaffen bange fůr meinen armen bruder wurde.

Eines tages / als ich hiervon mit der Amorite unterredung hielte / und den gewissen verlust meines bruders betrachtend / wenn er sie verlieren würde / die thrånen nicht halten kunte: meldete man unversehens der Amorite an / der K \nig kåme / sie zu besuchen. Ich wolte mich vor dem König nicht sehen lassen /weil ich geweinet: verbarge mich also hinter ein zeltbette / alda mich niemand sehen / ich aber alles warnemen kunte / was fůrliefe. Wie der K \nig hinein getretten / und sie begrůsset / hube er an von allerhand vorgegangenen sachen mit ihr zu reden: bis er endlich auf das gespräche ůber dem bildnis der sch \nen Delbois von Assyrien kame / so der Cimber gewonnen /und das so unvermutlich gefunden worden. Hierauf erzehlte er / wie er nachgehends diese Prinzessin gesehen / und sie noch ungleich sch \ner als die abbildung gefunden. Weil er unter diesen reden oft seufzete / und die farbe ånderte / als fragte Amorite ganz freimütig / und dabei lächlend: ob sie nicht wůrde wahr reden / wann sie sagte / daß diese Assyrische Prinzessin den König von Basan håtte verliebt gemacht? Er beantwortete dieses mit einem seufzer / und sahe darbei die Amorite [198] gar sehnlich an / gleich als wann er von ihr erlaubnis begehren wollen / daß er die Assyrische Prinzessin lieben dörfte. Sie / so gutenteils solches merkete / wolte hierin / so viel můglich / dem König ihr freies gemüt weisen / und sagte: Der K \nig håtte nicht ursach / eine so edele liebe ihr zu verschweigen; massen sie dieselbige so rechtmäsig befünde / daß sie bei allem / was ihr zum heiligsten wäre / beteure / wie daß sie von grund des herzens diese sch \ne Delbois zur Königin von Basan m \gte kr \nen sehen.

Marsius wurde durch diese antwort ganz aus sich selber gebracht / fiele auf ein knie nieder / der Amorite hand fassend / welche er zum mund fůhrete / ehe sie solches wehren konte / und sie also anredete: Grosmůtige Prinzessin! der himmel sei mein zeuge / mit was unruhe des herzens ich euch gestehen muß / was ihr jezt erraten habt. Ich liebe die Delbois / unangesehen meiner pflicht / die mich euch zu lieben verbindet. Ja ich liebe diese schöne feindin meines landes /und muß euch selber meine undankbarkeit und untreu bekennen. Ja / Amorite! ich weiß / was ihr würdig seit; ich weiß / was ich dem befehl meines herr vattern schuldig bin. Allein erkennet / was die unbändige liebe vermag / und verzeihet mir mein verbrechen. Ich bin euer nicht wehrt / edele Prinzessin! und der himmel hat den Daces ausersehen / ihn euer teilhaftig zu machen. Liebet diesen Fürsten / den ich liebe als mich selber / und seit versichert / daß ihme nichtes als die Krone mangelt / euch zubesitzen: ich wil aber / weil ein leben in mir ist / ihme solches mit anderen gůtern ůberflůssig ergånzen.

Wie erfreut und betrübt ich zugleich ůber dieser des K \nigs rede worden / kan ich nicht beschreiben. Ich horchete aber mit höchstem verlangen nach der Amorite antwort / welche / als sie den König zu unterschiedenen [199] malen gebeten aufzustehen / und solches endlich erhalten / also sagte: E. Maj. wahl ist so rechtmåssig / und ihr wille so gar an nichtes gebunden / daß sie / ohne diese überflůssige worte einiger entschuldigung / mir diese liebe wol entdecken dörfen. E. Maj. seind mir nichtes schuldig / als dieses / daß ich ja so frei in meinem lieben kůnftig möge gelassen werden / als ich E. Maj. von allem / was sie / die sch \ne Delbois zulieben / hinterlich dünken m \chte /frei erkenne. Und so willig ich in diese billige verwechselung der Amorite mit der sch \nen Delbois /mich finden kan / so wenig trage ich hingegen verlangen / den K \nig Marsius mit dem Daces zuverwechseln. Diese reden / so den K \nig ganz vergnügt solten machen / mehreten nur seine unruhe / indem er ob der Amorite edlem gemůte so verwundert / als ihr verbunden bliebe; und wie ich ihn von gebården sahe /wurde mir nicht wenig bange / er m \chte von neuem anheben / die Amorite zulieben. Er nennte sie tausendmal die jenige / so ihm allein sein leben erhielte /und welche er / wo nicht so hoch / als die Delbois /dennoch höher als die welt lieben můste. Wann er zwei gemalinnen haben d \rfen / welches wider der Teutschen weise ist / håtte ich sorgen müssen / es würde Amorite dem Apries damals seyn genommen worden. Nach diesem bate der König sie gar hoch /daß sie die liebe / die er ihr vertrauet / keinem menschen offenbaren wolte: welches sie ihme auch zuschwure. Weil ich aber / sonder dieses mit zu verschw \ren / zuh \rete / darf ich / ohne verletzung des gewissens / solches hier wol offenbaren. Des Daces wurde nicht mehr erwehnet / weil Amorite davon nicht h \ren wollen.

Als endlich Marsius sie verlassen / kame ich aus meinem verborgenen winkel wieder herfür / und sie herzlich umfassend / bate ich sie mit den beweglichsten worten / [200] die meine freundschaft mit dem Apries aussinnen kunte / daß sie deme nun beståndig verbleiben wolte: welches sie mir mit aller freudigkeit angelobete / und konte ich gar nicht spůren / daß ihr des Marsius verlust schmerzlich gefallen wäre. Ich thåte es / mit bewilligung der Amorite / meinem bruder gleich zuwissen: deme es dann die erfreulichste zeitung von der welt war. Meine fraumutter / die bisher bei den Suevus ihrem herrn bruder sich aufgehalten /wolte nun wieder mit mir nach Hemath reisen: befiele aber unvermutlich mit einen schlagfluß / das sie nach zwölf stunden todt war. Dieses / setzete den ganzen hof in ein neues leidwesen. Ich aber / weil ich einen so grossen verlust erlitten / wolte die Amorite nun ferner nicht verlassen / zumal es zu Hemath nun nicht mehr fůr mich seyn mochte. Ich erlangte von meinem herr vatter / was ich gesuchet: und vermochte also /allein der lieben Amorite gegenwart / meine schmerzen zu lindern. Wir waren von der zeit an stäts beieinander / und gabe der Apries / wiewol abwesend /immer den dritten mann in unserer gesellschaft: deme ich auch bei der Amorite / zu bef \rderung seiner liebe / so gut dienete / als wann er selber wåre zur stelle gewesen.

Nun von dem tage an / da der K \nig so offenherzig / seine liebe zu der Assyrischen Prinzessin / der Amorite entdecket / ginge er viel freier mit ihr um als zuvor / und machte daher jedermann von ihme glauben / als ob er sie liebete. Daces / welcher der Mirina anfinge zu vergessen / wartete der Amorite fleissig auf: sie aber erwiese ihm so wenig gefålligkeit / daß ich darum nichtes fůr meinen bruder fůrchten dorfte.

Einsmals / wie ich neben der Amorite im schloßgarten abends spaziren ginge / funden wir bei einem brunnen / [201] der rund umher mit dicken schattichten båumen besetzet ware / den K \nig ganz allein sitzen. Er schlieffe / als wir warnamen / und hatte der sch \nen Prinzessin Delbois bildnüs für sich auf des brunnen rande ligen. Amorite / vom fůrwitz getrieben / schliche hinzu / und name unvermerkt dasselbige hinweg: um nachgehends ihre lust damit zu haben / und es nicht eher dem Marsius wieder zu geben / bis er sich wol darum geångstiget hätte. Wir waren kaum hinweg / da erwachete der verliebte K \nig / und seinen verlust also fort spůrend / suchete er seine Delbois mit den schmerzlichsten gebården von der welt / und erwiese solche ungedult / daß wir / die wir uns hinter die båume verborgen / daraus seine heftige liebe gnugsam abnemen kunten. Daces kame zu dieser unruhe des K \nigs: dem er dann gleich sein leiden klagete.

Nachdem er viele verzweifelte worte gegen den himmel ausgeschůttet / wolte Amorite ihn nicht långer in dieser qual lassen / sondern liesse sich sehen / das bildnis der Prinzessin vor die brust angeheft tragende. Marsius ganz verst \ret / wolte anfangs sein anligen uns verheelen. Daces aber / als freier von sinnen /sprache uns gleich darum zu / ob wir nicht einer Prinzessin bildnis / so und so gefasset / gefunden håtten. Indem Amorite nein sagte / erblickte es der K \nig /und daher so erfreut als etwas beschämt / sagte er låchlend zu der Amorite: Schöne Prinzessin! Es ziemet sich nicht / daß zwo sonnen beisammen diesen hof erleuchten; es mögte ihr schein zu sehr brennen und blenden. Darum wird mir bässer anstehen / diese sch \nheit bei mir zu tragen als euch / du ihr keiner mehreren zierde bedürfet. E. Maj. sorgen gewiß /(antwortete sie / ihme zugleich das bild überreichend /) daß ich / wie der mond / wann der der [202] [204]sonne zu nahe kommet / m \chte den schein dieser sch \nsten verdunkelen. Es ist billig / das ich dieses edele licht seinem rechten besitzer wieder zustelle / der allein unter allen sterblichen würdig ist / diesen wunderschein zubesitzen. Ach Amorite! (sagte der König /und hube an zu seufzen /) weder ich noch einiger sterblicher ist würdig / dieses zu hoffen; und was ich davon darf erwarten / bestehet allein in besitzung dieser bildnis / und ist aller lohn meiner liebe / die todte anschaung ihrer unvergleichlichen sch \nheit.

Als nun Amorite dieses damit beantwortet / daß die zeit alles båssern k \nte; fragte sie ihn / um den Cimber / dem erstlich dieses bild zugeh \ret / und welcher gestalt der K \nig solches von ihme bekommen? Der edele Cimber / (gabe Marsius zur antwort /) hat an seinem ende mich zum erben dieses teuren schatzes gemacht / und die / welche er mir in seinem leben nicht abtreten wollen / überliesse er mir im tode: wiewol das recht / so er an ihr gehabt / hierin bestanden /daß er diese wundersch \ne ohne ihr wissen geliebet /darin ich ihn auch bis in den tod wol nachfolgen werde. Jezt erinnere ich mich (sagte Daces /) des unglückseligen Tubals / dem ein gleichmåsiges verhängnüs / wie dem Cimber / das leben kürzete / und der mir gleicher weise der schönen Amorite bildnüs ůberlassen / das er von seiner brust abname / und mir / als seinen wertesten schatz / anvertraute. Hiemit name Daces der Amorite bildnis herfur / und zeigete ihr dasselbe: wolte es ihr aber / auf ihr begehren /nicht wieder geben / wiewol sie sich gar unwillig darüber bezeugete. Endlich / als sie seine hartnäckigkeit sahe / sagte sie zu ihm: Sie könte ihm zwar nicht wehren / ihr bildnüs zu tragen; aber das wolte sie wol verhintern / daß er solche gunst von ihrem freien willen nimmermehr [204] erlangen solte. Dergestalt fårtigte sie ihm ab: der nichts destoweniger fortfuhre / ihr aufzuwarten.

In der zeit / da wir also zu Basan lebeten / kame der Prinz Baalis von Ammon dahin / welcher sich in des Königs schutz begabe: weil er in dem lezten krieg / als Marsius / in wiedereroberung seines landes / den König von Ammon ůberzoge / des K \nigs von Basan seite gehalten / und daher von seinem herr vatter /neben seiner schwester der Ammonide / die dann auch von Rabbat gewichen / und nach Tirus zu ihrer mutter bruder sich begeben wolte / verfolget wurde. Dieser Prinz / der mich ehedessen zu Basan gesehen / hatte etwas an mir gefunden / so ihm gefiele: dannenhero er mir aufzuwarten begunte / und diese angehende liebe nicht so heimlich halten kunte / daß es nicht bald der ganze hof gemerket. Dieses erscholle auch bald nach Hemath / und der K \nig mein herr vatter wurde dessen verståndigt: der dann hiervon gelegenheit name /mich von seinem schwager dem Fůrsten Suevus wieder abzufordern / weil er einen solchen Fůrsten nicht wolte zum tochtermann haben / der nicht wol mit seinem vatter stunde. Er wandte aber eine andere ursach ein / warum er mich wieder wolte bei sich haben /nåmlich die einsamkeit nach feiner gemalin tod / die ihm unerträglich würde / und seine bekůmmernis mehrete: und hierinn / hoffe er / durch meine gegenwart linderung zu erlangen.

Wie schmerzlich es mich ankame / von der Amorite zu scheiden / kan ich nicht beschreiben. Es muste uns wol recht beiderseits ahnen / wie unglůcklich wir einander wieder würden zu sehen bekommen: dann wir bei diesem abscheide betrübter waren / als wir jemaln gewesen / wann wir von einander gemust. Der Prinz Baalis funde auch sein teil in unserm leiden / der mich sehr [205] ungern von Basan hinweg reisen sahe. Wie ich nach Hemath gekommen / funde ich den König sehr veråndert: dann ihm der tod meiner fraumutter so zu herzen gegangen / daß er nach der zeit fast immer bettlågerig gewesen. Apries / ob er mich wol herzlich gern wieder sahe / håtte doch lieber gewolt / daß ich bei seiner Amorite geblieben wäre / als bei welcher er mich seiner liebe sehr nůtzlich erkennet. Ich hatte aber der Amorite bildnůs / in lebens länge auf ein tuch gemahlt / mit gebracht / welches ich an ihrer stat ståts fůr augen hatte / und meinem armen bruder damit nicht wenig vergnügung machten: wie er dann /in ansichtigung dieses bildes / etliche stunden hinbringen / und ganz auser sich selber kommen kunte. Es bestunde hierin seine und meine einige vergnügung / und handelten unsere gespråche allezeit von ihr: da wir wechselsweis einander alles dessen erinnerten / was uns jemals bei und mit dieser schönen Prinzessin begegnet war.

Wir reiseten / nicht lang hiernach / in Syrien / mit unsers H. Vattern schwester / der K \nigin der Bactrianer / welche / ihn zubesuchen / nachdem der waffen stillstand zwischen den Assyrern und ihnen auf etliche zeit getroffen worden / den weiten weg heraus gekommen war: da wir / liebste Aramena! zu Damascus / dem Prinzen Mamellus deinem herrn vatter zusprachen / und da du zur gnüge sehen kuntest / wie Apries und ich einander liebeten. Weil wir aber daselbst etliche monat verblieben / und von dar ferner nach Sidon zogen / die K \nigin Naema unsere andere base zubesuchen: als muß ich inmittels nach Basan wieder kehren / und erzehlen / was daselbst fůrgegangen / und wie das grausame verhängnis den anfang unseres hernach ausgestandenen elends gemacht.

[206] Der Amorite herr vatter / welcher allmålig mit der zeit den verlust seiner gemalin verschmerzet hatte /bekame nun wieder freiers-gedanken / und warfe mit bewilligung des K \nigs Marsius / und auf gut befinden seiner rähte / sein absehen auf eine Prinzessin vom hause Sichem: damit / durch diese heurat / die Teutschen mit Canaan den bund erneurten / den sie fůr långst bei des alten Marsius zeiten gemachet / und der durch vielerlei ursachen sehr wankend geworden war. Dieses ins werk zu setzen / hielten sie fůr die bäste person / die Prinzessin Jerode / welche der beiden mächtigsten K \nige in Canaan schwester / und wegen ihres hohen verstandes zu Basan in solchen ruff war / daß der Suevus es mit ihr wol zu treffen vermeinte. Demnach begabe er sich selber nach Kiriath Arba / zu dem K \nig Ephron / und wie er die Jerode / die ungefär sechs und funzig jahre mochte alt seyn / also / wie sie ihm beschrieben worden / gefunden / und die versicherung ihrer gunst von ihr erhalten / wurde sie / auf sein ansuchen / ihme von dem König ihrem herrn bruder zugesaget / und darauf gleich das beilager vollzogen.

Die Prinzessin Corycide / des Königs von Hebron tochter / welche von der Jerode erzogen worden / wiewol die schülerin / die meisterin / was die wahre tugend belanget / weit ůberstiegen / begabe sich mit ihrer wasen ins land Basan: weil zu Kiriath Arba /nach der Jerode abzug / kein frauenzimmer mehr war /auch diese spitzsündige Fůrstin ihre nifte aus sonderlichen ursachen mit sich haben wolte. Der König und der gesamte hof von Basan / entfingen des Suevus gemalin / und die sch \ne Prinzessin von Canaan / aufs höflichste. Amorite erwiese gleichfalls ihrer neuen fraumutter alle ehrerbietung / und entfunde gleich in ihrem herzen eine zuneigung [207] zur Corycide: die nachgehends in eine verbůndliche freundschaft sich verkehret / und ja so gros war / als die furcht für der Jerode / von der ihr / nicht ohne ursach / viel böses ahnete.

Diese Fürstin / deren boshaftiges gemůte der schönen Ahalibama gnug bekant ist / wie ich dann weiß /daß sie warhafte proben davon entfunden / name gleich durch ihre meistergriffe das edele gemüt des Suevus also ein / daß er nichtes thäte / als was sie wolte. Aus liebe und hochachtung / folgete er ihr in allen dingen: wurde also der / welcher bisher / wegen seines verstandes / ganz Basan und die angränzende K \nigreiche regiret / jetzund von einem boshaftigen weib regiret. Ihre natur liesse sich / wie sie geartet /zum ersten aus / über die tugendhafte Amorite: welcher sch \nheit / weil sie vermutete / ihre niste Corycide / die sie sehr liebete / werde von derselben ůbertroffen / sie mit solchem hass anfienge zu beneiden /daß sie solches kaum bergen kunte. Es verdrosse sie auch / wann ihr gemal mit seiner tochter redete: hube also an / mit vatter und kind zu eiferen / und entfunde es desto unertråglicher / je weniger sie sich dessen dorfte merken lassen. Sie ware wol so listig / daß sie die beisorge fassete / ihre macht wůrde sehr bei dem Suevus fallen / wann er spůrete / wie feind sie seiner tochter wåre.

Sie ginge aber damit um / die Corycide an den Marsius zu verheuraten: damit sie ihr geblüt / und ihres bruders tochter / den sie damals hoch geliebet /m \gte auf einen der måchtigsten throne verhelfen. Sie bekame auch daher neue ursach / die Amorite zu hassen: weil sie spürete / daß der K \nig gar vertraulich mit ihr umginge / und der allgemeinen sage von der liebe des K \nigs zu dieser Prinzessin glaubete; welches sie dann eiferigst zu verhintern strebete. Daces gabe ihr zu diesem ihrem [208] anschlag gute bef \rderung /indem seine aufwartung bei der Amorite nicht so heimlich war / daß ihre listige aufmerkung solche nicht håtte spůren sollen. Demnach suchete sie gelegenheit / ihn durch verheisung ihrer guten beförderung aufzumuntern / daß er bei dem Suevus um die Prinzessin anhalten solte: welches er aber ohne deren selbst eigene bewilligung nicht thun wolte / weil er viel zu grosmůtig war / die Amorite aus zwang ihrer eltern zubesitzen / wann er die nicht aus ihrem eigenen freien willen könte bekommen. Jerode aber achtete hierinnen wenig / was ihrer stieftochter lieb oder leid seyn wůrde / sondern brachte mit so guter art ihrem herren an / wie nützlich ihnen ins gesamt seyn wůrde / wann nicht allein der Daces die Amorite /sondern auch Marsius die Corycide heuraten wůrde /daß er sich alles sehr wol gefallen liesse. Diesem nun nachzukommen / befahle Suevus seiner tochter / des Daces liebesbezeigungen anzunemen / unterliesse auch nicht / im geheimen raht / die heurat mit der Corycide / dem K \nig fürzuschlagen.

Die arme Amorite / welche / als eine gehorsame tochter / dem Suevus nicht widersprechen / dabei aber / als eine beståndige liebhaberin des Apries / denselbigen unmůglich verlassen kunte / befunde sich in der gr \sten angst / darinn sie ihr lebtag geschwebet: allermeist weil sie mich / als eine abnemerin ihres leides /nicht bei sich hatte / und kein mittel sahe / zugleich den Suevus und meinen bruder zuvergnůgen. Also verbrachte sie etliche tage / in diesem schweren anligen / mit grosser kůmmernis: inner welchen der Daces sie weniger besuchete / als er sonst gewohnet war /auch viel unruhiger und ja so traurig als sie aussahe /daß sie merklich solches spüren kunte.

[209] Wie sie demnach eines tags in den königlichen garten / von ihren bedienten abgesondert / ihr elend zu beweinen / sich ganz allein begabe: h \rte sie / nahe bei ihr hinter der hecken / zweene mit einander reden /und ersahe / sich dahin kehrend / weil wegen des angehenden frůlings das buschwerk noch nicht gar dick war / den Prinzen Daces und seinen waffenträger. Weil sie nun des Prinzen traurigkeit vorher wargenommen / als gabe sie acht auf seine worte / ob sie etwan daraus deren ursach erfahren könte / und hörete den Daces also von ihr reden: Wie er nåmlich / auf des K \nigs Marsius befehl / ihr bisher aufwarten můssen; welches er auch willig gethan / sowol weil er die Prinzessin Mirina für todt gehalten / als weil er vermeinet / die Amorite würde seine liebe gütig aufgenommen haben. Nun er aber verstanden / daß Mirina in teutschland bei dem K \nig Bojus noch lebe /wüste er nicht / wie er den befehl des Trebetes seines herrn vattern ablehnen solte / der ihn bei dem Suevus um die Amorite anhalten heise.

Diese reden des Daces / waren der Amorite so angenem zu h \ren / daß sie sich nicht enthalten kunte /sich von ihme sehen zu lassen; und ihm freudiger und freundlicher / als jemaln / begegnende / liesse sie ihm nicht zeit / sie anzureden / sondern sagte zu ihm: Ich verneme / Prinz Daces / daß uns ein gleichmäsiges verhängnüs / dem befehl unserer eltern nicht zu gehorsamen / antreibet: indem euch das andenken der Prinzessin Mirina zu rücke hält / mich aber eine andere verborgene ursach hintert / dem Trebetes und Suevus zu gehorchen. Wollet ihr nun eure und meine ruhe bef \rdern / so machet es offenbar / daß ihr mich nicht liebet: damit werdet ihr viel eher meine freundschaft erlangen / als durch ferneren zwang / der so wol mein als euer tod seyn würde. Diese [210] worte sezten den Daces in ungemeine verwirrung und beschämung /daß er nicht wuste / was er antworten solte.

Indem er aber in solcher höchsten unruh schwebete / kame der Suevus ihr herr vatter dazu; der dann / den Daces bei seiner tochter antreffend / und dabei dessen bestůrzung warnemend / mit låchlen zu ihm sagte: Daces d \rfe nicht über seine zukunft sich entsetzen /er wäre nicht gewillt / sein begehren zu verhintern /sondern vielmehr dasselbige zubef \rdern. Hatten nun zuvor der Amorite reden den Daces stumm gemachet /so vermehrte / dieses gespräch des Suevus / noch vielmehr seine erstaunung / also / daß er / ohne zu antworten / die Amorite ansahe; welche dann hierinnen die beherzteste war / und ihren herr vatter also anredete: Ich habe bisher / weil ich des Prinzen Daces willen nicht gewust / verhelen müssen / daß unsere vertråulichkeit / die wir bisher mit einander gepflogen / nicht die liebe zum zweck gehabt / als wol die meisten sich eingebildet; sondern nur aus der ursache geschehen ist / damit der König Marsius mögte in dem guten wahn erhalten werden / welchen er von unserer verehligung geheget. Nun aber unsere eltern diese unsere gestellte liebe gemerket / und eine ernstliche daraus machen wollen: kan ich nicht länger dazu schweigen / sondern muß bekennen / daß Daces nicht der Amorite ehegemal werden kan / weil er fůrlängst an einen anderen ort sich verbündlich gemachet / das ihn an mich zu gedenken hintert. Und wann etwan mein herr vatter diesen meinen worten nicht wolte glauben zumessen /so wird der Prinz Daces es selber alhier gestehen k \nnen.

Hiemit / als sie den Suevus und Daces gegrůsset /begabe sie sich von ihnen nach der Prinzessin Corycide / welche sie sahe in einem andern gange auf sie zu kommen / [211] und liesse diese beide so bestůrzt / daß Daces so wenig wuste / wie er sich hievon solte auswickeln / als schmerzlich es den Suevus fiele / ein solches zu vernemen. Wie ihre unterredung abgelaufen / erwiese sich gnugsam daraus / daß / von dem tag an / der Suevus und Trebetes unfreunde wurden. Dann dieser fiele seinem sohn bei / als er von ihm erfahren /wie seine sachen mit der Amorite stunden. Jener aber zoge es ihm zum grossen schimpf an / daß man mit seiner tochter so gescherzet: und hierzu ward er von der Jerode aufgemuntert / die es schmerzlich verdrosse / daß der K \nig die Corycide nicht vermålen wolte. Demnach / auf ihren antrieb / begehrte der Suevus seine erlassung von hof: zumal auch ihre ehr-eifersucht nicht leiden kunte / daß ihr herr nicht so viel zu Basan / als der Trebetes / regirte. Und ob wol der K \nig den Suevus ungern ziehen liesse / kunte er es ihm doch nicht verwehren. Jedermann gabe der Jerode die schuld / welche bei allen so grossen haß auf sich hatte geladen / als sehr der gute Suevus sie liebete. Amorite / ob sie wol hierdurch um so viel weiter von uns kame / weil ihr herr vatter nach Hesbon in der Amoriter land sich wolte begeben so war sie doch fr \lich / wann sie an die ursach gedachte / die sie von Basan triebe; und meinte sie allen verfolgungen in ihrer liebe entgangen zu seyn / nun der himmel so wunderbarer weise sie von dem Daces errettet hatte. Dieser Prinz / name von ihr den verbündlichsten abschied: wiewol die scham ihn nie verliesse / wann er an seine freie erklärung gedachte / die sie angeh \ret. Sie brachte von Basan das lob mit hinweg / als die großmütigste tugendhafteste Prinzessin / so jemals die welt gesehen.

Wir erfuhren zu Damascus ihre abreise / und mein bruder wurde nicht wenig erfreuet / als er seine Prinzessin [212] von dem Marsius und Daces geschieden wuste. Dann ob ihme schon bekant war / wie es mit ihrem gemůte beschaffen: so hatte er doch in ståter furcht gelebet / der Amorite sch \nheit würde ihme diesen gefårlichen mitbuler machen. Wir kamen aber / nicht lang nach diesem erlangten bericht / wieder nach haus zu unserm herrn vatter. Weil derselbige eben auf der jagt war / also daß wir ihn den tag nicht zu sehen bekamen: als bliebe mein bruder / sobald wir von der Königin der Bactrianer kunten abko en / bei mir in meinem zimmer. Wir vermisseten daselbst / mit höchster bestůrzung / der Amorite bildnůs. Auf beschehene nachfrage / erfuhren wir von einem diener / wie daß der K \nig unlångst in mein gemach gekommen /und der Amorite bildnůs ansichtig worden: welches er über eine stunde lang immer angeschauet / nach etlichen tagen in sein gemach holen / und daselbst bei seinem bette aufstellen lassen. Wir wurden über diesem bericht hoch erfreuet: weil wir hoffeten / der K \nig wůrde desto eher des Apries liebe gegen diese Prinzessin gut heisen / je mehr zuneigung er zu ihr erwiese.

Wie wir folgenden tag zum K \nig gekommen /fragte er mich: ob ich auch erfahren hätte / daß er mein zimmer beraubet? Damit name er mich bei der hand / und fürete mich fůr das bild / ferner fragend: Ob es auch der Amorite ånlich? ob sie so schön sey /als sie gemalet? und ob ich wol sagen könte / daß sie seiner verstorbenen gemalin gleiche? Ich striche hierauf unschuldiger weise ihr lob dermassen heraus / daß der K \nig grosses vergnügen darob bezeugete. Ich muste / von dem tag an / allezeit von der Amorite reden / und meinem herr vatter mit ihren geschichten die zeit kůrzen. Apries / als ein verliebter / begunte endlich dieses genauer / als ich / zu betrachten / [213] und geriete in die furcht / er håtte einen mitbuller an seinem vatter bekommen. Anfangs wolte ich ihm zwar diese einbildung benemen: wie ich aber / von dem an / des K \nigs wesen etwas mehr beobachtete und bedachte / funde ich / daß Apries wahr geurteilet. Allgemach aber liesse sich des K \nigs liebe so deutlich blicken / daß es nicht allein mein bruder und ich /sondern auch der ganze hof / vermerkete. Dieses brachte uns nun neue sorgen / und bename dem verliebten Apries alle hoffnung / seine liebe entdecken zu dörfen / deren gewůnschte endschaft er bei dieser neuen hinternüs nicht absehen kunte.

Mitlerweile wir nun also lebeten / ergienge es der guten Amorite zu Hesbon nicht ruhiger: die so viel verfolgungen von der Jerode muste ausstehen / daß /wann ich die alle solte erzehlen / ich einen eigenen tag dazu haben müste. Die tugendhafte Corycide war ihre einige ergetzlichkeit / welche nichtes von ihrer mumen bosheit an sich hatte. Der Suevus sahe / mit sonderer vergnügung an / die liebe / so zwischen diesen beiden Prinzessinnen entstanden: gleichwie ihm hingegen schmerzlich misfiele / daß seine gemalin gegen seiner tochter so übel gesinnet ware. Er hatte es schon lassen zu weit kommen / also daß er ihr nun nichtes mehr einreden dorfte: muste also die gedult das båste thun / welche ihn viel ůbersehen machte. Wie aber sie dabei die st \lzeste frau war / so leben mochte / und voll gefårlicher anschläge: also lage sie ihrem herrn tåglich in den ohren / er solte sich zum König ůber Hesbon und ůber das Amoriter gebirge machen / indem ihme die gelegenheit hierzu sich selber zeigete / weil er sowol bei den Amoriteren beliebt / als måchtig gnug wåre / dem Marsius sich zu widersetzen. Wie ihme aber dieses ein greul war / also widersprache er [214] es ihr jedesmal / und sagte einsten /mehr um ihrer los zu werden / als aus fůrsatz / wie sie ihn gar hiemit quålete: worzu dann ihme nützen würde / den namen eines K \nigs anzunemen? Da er ja keine kinder hätte / als die Amorite / welche sich nach seinem tode bei der K \niglichen hoheit nit würde erhalten können?

Diese worte stiegen ihr sehr zu kopf / weil sie die ausdeutete / als zielte er hiemit auf ihr alter. Sie begunte auch / von der zeit an / auf ihn eiversüchtig zu werden / und mit ihres eigenen bruders tochter / der Corycide / ihn zu verargwåhnen. Solches verursachte in ihrer boshaftigen seele die tolle einbildung / als würde sie endlich der Suevus verstossen / und die Corycide heuraten: weil er / als ein Teutscher / sie nicht beide kunte zur ehe haben. Diese gedanken schmiedeten lauter rache und boshaftige wut in ihrem herzen /welche auch bald an tag kame / wie ich gleich erzehlen wil.

Es ginge aber bald hernach etwas fůr / so die Jerode in ihrer einbildung vollkommen stärkete. Dann wie sie der Corycide einsmals im garten / da sie selbige bei der Amorite gefunden / hart verwiese / daß sie mit dieser so vertråulich lebete / und hierbey so unartige worte gefůhret / das Corycide zum weinen bewogen wurde: kame unversehens der Suevus dazu / sprache sie zu frieden / weil er die ursach ihres zorns nicht wuste / und name die Corycide bei der hand / sie freundlich anlachend. Jerode aus eiversucht getrieben / kunte diese ihres herrn liebkosungen nicht mit ansehen / sondern ginge von ihnen. Als ihr Corycide aus ehrerbietung folgen wolte / hielte sie der Suevus auf /und redete über eine stunde mit ihr von allerhand dingen / die ihr zu Kiriath Arba ehmaln begegnet; Letzlich befohle er ihr seine tochter an / mit bitte / die allemal bei seiner gemalin in gnaden erhalten zu [215] helfen. Als hierüber ihme so wol als ihr die threnen in die augen stiegen / sagte er ferner zu ihr: Sie hätte / wie er spůrete / gar ein mitleidiges gemüte / die g \tter müsten es ihr lassen wolergehen. Hiermit kůssete er die Corycide auf die stirne / und kame indem Amorite dazu: welche er mit der andern hand fassete / und sie vermahnete / Corycide als ihre schwester zu lieben; die ihme dann solches willig versprochen.

Jerode sahe dieses alles in einem verborgenen gange mit an / welches ihr dann schier das herz abstiesse. Sie bildete ihr nun nur gar zu gewiß ein / daß ihr herr die Corycide liebe / und daß dessen tochter auch wissenschaft darum habe. Dem hieraus besorglichen unheil nun fůrzukommen / war ihre entschliessung / daß Amorite und Corycide durch gift solten aus dem weg geraumt werden. Sie liesse / zu dem ende /zwei tage hernach / einen verschmizten knaben / dessen treue sie versichert zu seyn vermeinte / in ihr zimmer kommen / stellte ihm den gift zu / und befahle ihm / wie er sich damit verhalten solte. Es schickete es aber der himmel also / daß / indem der knab noch hierüber zu werk war / der Suevus zu ihr in das gemach trate. Ihrer beider entfärben machte ihn etwas b \ses mutmassen: doch liesse er sich dessen nicht merken. Als er aber wieder in seinem gemach war /muste also fort der knab zu ihm kommen / den er ernstlich befragte: was von ihm seine gemalin gewolt håtte? Nach langem ausreden / und auf hartes bedrohen des Fůrsten / kame dieses erschreckliche mordstůck heraus: das dann den tugendhaften Suevus so sehr an das herz stiesse / daß er aller seiner standhaftigkeit von n \ten hatte / unter diesem unglück nicht zu erligen. Der knab wurde gleich hinweg geschaft / daß nachmals niemand erfahren / wo er geblieben; und muste Sesostris zum [216] Suevus kommen: mit dem er sich beredete / wessen er in diesem gefårlichen handel sich entschliessen solte.

Amorite und Corycide / an nichtes weniger / als an das unglück / so ihnen vorstünde / gedenkend / gingen selbigen abend / neben dem Suevus und der Jerode /zur malzeit. Jerode zeigete sich ja so vergnügt / als ihr herr unruhig / und erwiese sich / gegen ihre vermeinte mitbulerin und stieftochter / leutseliger / als sie jemals zu Hesbon gethan hatte: weil sie ohnzweifel hoffete /es würde der lezte abend seyn / da sie diese beiden sehen würde / indem sie das gift / in den trinkbecher der beiden Prinzessinnen / von dem knabtn / der den mundschenken pflage aufzuwarten / zubereitet achtete. Der gute Suevus verwandte von der Amorite / die ganze malzeit ůber / kein auge: welches sie / ohne an dessen ursache zu denken / wol in acht name / und es blos seiner våtterlichen liebe zuschriebe / indem sie wol wuste / daß er das harte verfahren der Jerode gegen ihr gemerket / ob er wol niemaln sich dieserwegen gegen ihr heraus gelassen / sondern allezeit fůr den leuten sich angestellet / als wann er alles thun seiner gemalin h \chst billigte / und mit allen ihren verfahren wol zu frieden wåre.

Der Fürst Suevus wolte seine gemalin / wegen dieser erschrecklichen that / nicht \ffentlich zu schanden machen / sondern stellete es also an / daß die beide Prinzessinnen / ohne verletzung der Jerode guten namens / errettet wurden. Nachdem die malzeit geendet war / liesse er die Corycide und Amorite heimlich / da es bereits finster / in sein gemach kommen: da sie bei ihme den Sesostris gefunden / der die thür versperren muste / daß niemand zu ihnen kommen mochte. Hierauf sagte er zur Amorite: wie daß ihn eine verborgene ursach / die sie nie zu wissen begehren solten / veranlasset / sie beide hinweg [217] zu senden: und håtte er den hof des K \nigs von Hemath darzu ausersehen / dessen tochter ihr so gute gesellschaft leisten wůrde / daß sie Hesbon leichtlich vergessen k \nte. Corycide stellte er zu belieben / entweder seine tochter dahin zu begleiten / oder nach Kiriath Arba zu ihrem herrn vatter wieder zu kehren: wie er dann zu beiden teilen anstalt gemacht hatte. Amorite finge hierauf an / heftig zu weinen / wiewol ihr nichtes lieber ware / als zu uns zu kommen: dann es ihr gar schmerzlich fiele / einer stiefmutter wegen / (welche / und keine andere / ursach dieser ihres herrn vattern entschliessung sie ersinnen konte /) ihr våtterliches haus zu raumen. Suevus aber versicherte sie mit einen eidschwur / als er diese ihre einbildung merkete / daß seine gemalin nichtes darum wuste / und wolte er auch nicht / daß sie es erfahren solte. Er vermahnte sie auch / sich eiligst auf den weg zu machen / wie dann schon alles zu ihrer abreise bestellt wåre: mit der versicherung / daß ihr verweilen ihnen unsäglich schaden würde.

Corycide begunte hierauf zu fragen / warum sie von ihrer mumen so pl \tzlich solte geschieden werden? Suevus wolte ihr nichts anders sagen / als daß die erhaltung ihres lebens darauf stünde / Hesbon zuverlassen. Also muste sie endlich diesem Prinzen / den sie als einen vatter geliebet / gehorchen. Sie erwehlte aber / mit nach Hemath zu reisen: teils weil sie die Amorite nicht verlassen / teils weil sie keine beliebung truge / in Canaan wiederzukehren. So unvermutlich aber der Amorite dieses abreisen fůrkame / und so bestürzt sie billig hierüber worden / so erfreut begunte sie hierbei sich des Apries zu erinnern. Und als sie ihren herrn vatter / wegen ihres abscheidens / wehmůtig sahe / wolte sie / so verwirret sie war / diese gelegenheit nicht versäumen / des Apries liebe [218] dem Suevus zuvor zuentdecken: der dann dieselbige nach ihren wunsch aufname / und seinen willen darein gabe / wofern der K \nig mein herr vatter einwilligen wolte. Dieses milderte die bestůrzung der Amorite mit nicht geringer vergnůgung: also daß man sagen kunte / sie sey ja so unruhig als ruhig von Hesbon hinweg gezogen. Sie folgete nun dem Sesostris / ihrem fürer / ohne ferner sich zu bekůmmeren / warum sie ihr vatterland verliessen: welches ihr auch gar leicht fůrkame / weil Corycide sie begleitete / und weil die reise nach uns zu ginge. Etliche der beiden Prinzessinnen getreusten Dirnen / waren ihre reisgefärten / und zogen sie noch vor tags von Hesbon hinweg: als zuvor der edle Suevus seine tochter zu tausentmalen abgesegnet hatte.

Die angeneme Ardelise war nun im werk begriffen /ihre erzehlung zuvollfůhren: als sie in ein dorf kamen / Bethaula genannt / alda sie zu mittag ablegen solten. Also musten diese gute Prinzessinnen von dem Beri sich bedienen lassen: der doch / weil er wuste / wie verhasset er der Ahalibama wäre / sie beisammen allein / und mit k \stlicher bewirtung bedienen liesse: dessen aber die Prinzessinnen wenig geachtet / und sich mehr mit betrachtung ihres elends gespeiset. Wie sie nun so eilig abgesessen / als ihre begierde / die erzehlung der Amorite lebensgeschichte enden zu h \ren / erforderte / sezten sie sich in einem garten / der hinter dem hause war / zusammen: alda Ardelise folgen den inhalts zu reden fortfuhre.

Ich weis nicht / ob ich standhaft genug seyn werde /das ůbrige von meines armen bruders begegnisen fůrzubringen: das so erbårmlich ist / daß die erinnerung dessen mein herz in tausend threnen schwimmen machet. Man wird demnach mir verzeihen / wann der schmerze mir solte hinterlich seyn / alles / was ich noch zusagen [219] habe / nach würde vorzubringen. Die unglůckselige reise der Amorite und Corycide hatte nun ihren fortgang erreichet / und truge sie der weg durch Basan: alda sie den K \nig Marsius verreiset zuseyn erfuhren / und folgends ůber Hypon / eine stadt /meinem herrn vatter zugeh \rig / die reise fortsetzeten. Ehe sie aber von dar fortrucketen / schickete Sesostris jemanden nach Hemath voraus / und thåte mit einem schreiben dem K \nig ihre ankunft zu wissen. Weil mein bruder und ich hievon nichtes innen worden / als kunten wir uns beiderseits nicht gnugsam über die grosse zurůstungen verwundern / die auf dem schlosse gemacht wurden: und erschiene des K \nigs vergnügung und freude in allem seinem wesen so deutlich /daß wir so klar dieselbige erkennen / als wenig die ursache ergrůnden k \nten. Die gemåcher / darinn meine fraumutter bei ihren lebzeiten gewohnet / wurden mit den herrlichsten Sidonischen decken bekleidet / und alle grosse des reichs aufgebotten / in Hemath zu erscheinen.

Mit diesen / wie auch mit meinem bruder und mir /zoge er an dem tag / als Amorite ankommen solte / ihr entgegen: und meine freude gr \sser zu machen / weil er wuste / wie sehr ich die Amorite liebete / wolte er mir nicht sagen / wem wir entfangen solten. Aber O Himmel! wie zugleich bestůrzt und erfreut wurde Apries und ich / als wir die Amorite erblicketen: die der K \nig / wiewol Corycide oben an ginge / zu erst entfinge / und eben wie er mit mir umzugehen pflegte /aufs freundlichste umarmete. Hierauf wurde mir erlaubet / diese Prinzessin zuentfangen: das dann von mir /ohne ein wort zu sagen / geschahe. Auch Apries / bei so unvermuteten ansichtigung seiner Amorite an nichts als an die darob entfindende vergnügung gedenkend / fiele ihr zu füssen / [220] und vermochte / ausser nennung ihres namens / nichtes fürzubringen. Amorite aber / als die zu dieser entfahung sich bässer vorbereitet hatte / hube ihn mit fr \lichen gebärden auf / und gabe / so wol mir als ihme / mit den verbindlichsten worten zu verstehen / daß sie noch die ehmalige Amorite wäre.

Der K \nig / nachdem er auch der Corycide alle höflichkeit erwiesen / setzete sich neben uns vieren in einen wagen / und versicherte die beide ankommende Prinzessinnen gar hoch / wie angenem ihm ihre ankunft wäre: das dann dem armen Apries gnug zu erkennen gabe / wie sein vatter sein mitbuler worden wäre. Amorite / die hievon nichtes wuste / zeigte in allem ihre vergnügung / uns zu sehen. Weil sie aber /an dem Apries so wol als an mir / eine unruhe verspürete / verlangete sie sehr / uns allein zu sprechen: welche begierde dann bei uns auch nicht geringer war /allermeist weil wir uns über ihre so unvermutete ankunft nicht gnug verwundern kunten. Es hatte aber der Suevus an meinen herrn vatter geschrieben / wie daß er ihme / als seinem schwager / seine einige tochter hiemit anvertraue / mit bitte / derselben zu verg \nnen / daß sie bei seiner tochter verharren d \rfte: weil eine gewisse und hochdringende ursach ihm verwehrete /sie länger bei sich zu behalten. Der K \nig fragte weiter nicht nach den ursachen / und war so vergnügt ůber dieser Prinzessin anwesenheit / daß ihme alle dieselben gleichviel galten.

Sobald nun Amorite und Corycide von dem König selber in die vor sie zubereitete gemåcher meiner fraumutter / selbige zu bewohnen / eingeleitet worden /und er sie verlassen hatte: fingen wir beiderseits an /einander zu fragen / was uns also zusammen geführt. Ich mutmassete aus der Amorite bericht / den sie mir von ihrer [221] schleunigen abreise von Hesbon thåte / daß ohnzweifel der K \nig mein herr vatter bei den Suevus um sie habe werbung thun lassen: welches sie dann /als ich ihr / wie es mir mit ihrer bildnůs ergangen / erzehlet / selbst zu glauben anfinge / und daher in nicht geringe unruhe und angst gesetzet wurde. Apries / so bald er vom K \nig abkommen kunte / verfůgete sich auch zu uns / und wie er aus unseren worten und gebården urtheilete / wovon wir spracheten / name er ebenfalls eine betrübte stellung an sich / und seine Amorite ganz verliebt anschauend / sagte er zu ihr: Ach liebste Prinzessin! wie grausam ist mein verhångnis / das mir verbeut / mich über die gegenwart meiner Amorite zuerfreuen! Und wie unglůckselig ist mein zustand / (wandte sie hingegen ein /) daß ich /durch so unvermutete zeitung / der ruhe beraubet werde / die ich mir zu Hemath nie eingebildet. Sie unterhielten einander lange zeit mit dem gespråche von diesem gefårlichen handel: da Amorite / ihres herrn vattern lezte worte / wiedaß nåmlich ihm des Apries liebe nicht zuwider wåre / betrachtend / noch einen muht fassete. Auch ich unterliesse nicht / ihnen beiderseits mehr hoffnung zu machen / als ich selber hatte: massen mein herze mir wol zusagete / des Königs liebe wůrde durch der Amorite gegenwart eher gef \rdert als gemindet worden.

Die folgende tage nach ihrer ankunft / besuchete sie der K \nig täglich / und wuchse von ihrer anschauung sein liebesfeur je mehr und mehr / also daß man an gewißheit desselbigen gar nicht zweifeln dorfte. Weil er mehrernteils den Apries oder mich bei ihr funde /als kunte er lang nicht gelegenheit haben / ihr seine liebe allein fůrzutragen / zumal sie auch solches zu vermeiden sich beflisse. Endlich eines tages / als ich bei der Prinzessin Corycide / und Apries in des K \nigs geschäften begriffen [222] war / name er die zeit in acht / die Amorite allein anzutreffen. Das gespräche /so er mit ihr gefüret / weitläufig zu erzehlen / achte ich nicht fůr n \tig: massen die Fürstin von Seir ihr leicht einbilden kan / was Jobat werde geredet haben /wann sie des Beors liebes-ansprache sich erinnert. Das ende desselben ware / daß er ihren schluß erwartete / ob er um sie bei dem Suevus ihrem herr vatter und bei dem K \nig Marsius d \rfte werben lassen? Wie ich hierauf zu ihr kame / fande ich sie so betrübt / daß ich gleich ihr anligen erriete. Apries funde uns in dieser bestürzung / welcher zwar die versicherung hatte / daß er von der Amorite geliebet würde; doch sagte sie ihm dabei: Sie wůrde den Suevus gehorchen und den König heuraten müssen / wann der es ihr geb \te.

Weil demnach meines armen bruders übrige hoffnung einig und allein auf dessen entschliessung bestunde / als name Amorite ihr für / aufs beweglichste an ihren herrn vatter zuschreiben / und deme die geschicklichkeiten meines bruders / ihre wechsel liebe /und die treue dienste / die er stäts ihrem haus erwiesen / also fůrzulegen / daß er m \gte bewogen werden /sie wieder von uns abzufordern / und in des Königs begehren nicht einzuwilligen. Nadop / einer von der Prinzessin Corycide treusten slaven / wurde nach Hesbon zu reisen ausersehen: welchen diese Prinzessin /weil sie die Amorite heftig liebete / uns gern hierzu erlaubete; wie sie dann allezeit mit in unserm raht war / ob sie wol in dieser beschwerlichen sache mehr wůnschen als hůlfe beibringen kunte.

Sobald aber dieser abgeschickte hinweg war / drunge mein herr vatter auf antwort bei der Amorite. Und weil er wuste / wie vertraute freundinnen wir waren /gebrauchte [223] er mich dazu / die Amorite zu seiner liebe zubereden: das dann so untreulich von mir verrichtet wurde / daß er keine schlimmere hierzu auswehlen können. Ich sagte ihm endlich: Ich verspürete wol so viel / daß Amorite schon müste anderswo verlobet seyn. Hiermit merkte ich eine so heftige eiversucht in des K \nigs gemüt / daß er in allem der Amorite thun und lassen genauer beobachtete / und endlich merkete / wie daß Apries und sie gar wol zusammen stůnden. Aus diesen zweifel nun zu kommen / so ordnete er /die entschliessung der Amorite nicht erwartend / seinen gesandten nach Hesbon und Basan ab / die um sie bei dem Suevus und Marsius werben solten. Den Apries aber von ihr zuentfernen / hiese er ihn nach Salem reisen / und den Bileam alda suchen: ob wol jederman wuste / daß der in Bactra den Krieg verfolgete / dahin er mit unserer mume / der K \nigin-selbiges landes /gezogen war. Wie sehr dieses scheiden den Apries geschmerzet / kan man gedenken. Amorite kunte sich auch nicht also zwingen / daß man ihr den gram nicht hatte angemerket; und waren Corycide und ich ihr einiger trost / mit denen sie allein ihr leiden ůberleget.

Sie ginge aber doch anbei mit dem K \nig so bescheiden um / daß er nicht fůglich sich über sie beklagen kunte. Dann ob er wol keine anzeig einiger gegenliebe von ihr entfinge / so h \rete sie dennoch so gedultig seine liebkosungen an / daß er ihre weise mehr für ein zeichen ihrer bl \digkeit / als einiger anderen liebesneigung / hielte. Dannoch argwänte er endlich / daß Apries ihr můste beliebter seyn / als er: massen Amorite oftmals in anh \rung seines namens err \tete / und von dem Apries nie reden kunte / daß sie nicht eine scheinbarliche veränderung håtte blicken lassen. Deswegen / um sich båsser [224] seiner vermutung zu vergewissern / kame er eines tags zu der Amorite / und sich betrůbt anstellend / brachte er ihr die zeitung / sein sohn Apries wåre auf der reise nach Salem gestorben. Dieser unversehene bericht / setzte Amorite in solchen schrecken und verwirrung / daß sie unmüglich solche verbergen kunte / sondern mit etlichen klagworten völlig herfůr brache: wornach ihr alle kräfte entsunken / und sie in die arme einer ihrer dirnen onmåchtig niederfiele / auch durch ihrer bedienten handreichung gleich zu bette gebracht wurde.

Als man sie endlich / in gegenwart des Königs /wieder zu ihr selber gebracht / und er / nunmehr ihre liebe zu seinen sohn gnug erkennend / sie fragte: warum ihr dieser todesfall so sehr zu herzen ginge? und sie dem todten Apries nicht mehr damit zu schaden vermeinte / offenbarte sie ihm ihre liebe. Eben damals kame ich zu ihr ins gemach / und erschracke häftig / sie also im bette zu finden. Als sie aber mir mit kläglicher stimme zurieffe / mein bruder wåre todt: geriete ich in eben den stand / darein diese zeitung zuvor sie gesetzet hatte. Ich wurde halb todt in mein zimmer getragen: alda ich / durch hůlfe der arzte /mich letzlich wieder erholete. Der K \nig besuchete mich alsobald / und brachte eben das aus mir / was ihm Amorite bekennet: das ihn dann in solchen zorn wider den armen Apries setzete / daß er von dem an beschlosse / ihn aus seinen reiche zu bannen. Ich erfuhre / wie der K \nig hinweg ware / von seinen leuten / daß mein bruder nicht todt wäre; welches ich dann /h \chst erfreuet / der Amorite sagen liesse: die aber dadurch / so wol als ich / aus den schmerzen in neue furcht gesetzet wurde / und allzuspat mit mir bereuete / daß wir uns so weit gegen den K \nig heraus gelassen hatten.

Etliche wenig tage nach dieser begebenheit / kame[225] Apries wieder zu haus / unwissend / was fürgegangen. Der K \nig liesse ihn stracks in sein gemach kommen / da er / mit unfreundlichem angesichte / ihm also zuredete: Hast du auch dich untersiehen d \rfen / Amorite zu lieben / nachdem dir wissend ware / was ich zu ihr fůr gedanken trage? Diese unvermutete frage /sezte meinen bruder in die h \chste bestürzung / und wuste er nicht / was er dem König antworten solte. Selbiger sahe ihn nun nicht mehr / als ein vatter / sondern als sein mitbuler an / und gebote ihm / (nachdem er von ihm verstanden / daß sein ältester sohn Bileam nicht mehr zu Salem / sondern in dem Bactrianischen krieg wåre / dahin er die Prinzessin von Salem entführet /) daß er gleich sich färtig machen solte / diesen krieg auch zu besuchen. Es wurde ihm kaum erlaubet / etliche tage zu Hemath zu bleiben / daß er sich zu dieser weiten reise rüsten m \chte. Er fande gelegenheit / mit mir zu reden: da ich dann / so erfreut über seiner lebenden wiederkunft / als betrübt über seinen zustand / ihm alles erzehlte / wie der K \nig seine liebe erfahren hätte.

Mein herr vatter ginge unterdessen zu der Amorite /die er / nach entdeckung ihrer liebe / etliche tage unbesucht gelassen / und nicht wissend / daß sie des Apries leben erfahren / sagte er zu ihr: Der gluckseelige Apries / den eure sch \ne augen beweinet / ist wieder lebendig worden. Wofern ihr aber seinen tod nicht bald warhaftig beweinen wollet / so můsset ihr weniger gunst dem sohne / und mehr gewogenheit dem vatter erzeigen. Amorite / die den betrug des K \nigs so hoch entfunden / daß sie ihn nicht mehr so ehrerbietig / als für hin / anschauen kunte / und diese worte auch mit höchstem verdrus anh \rete / gabe ihm grosmůtig zur antwort: Ich habe billig des Apries tod beweinet / weil ich ihn liebe. Diese gunst [226] werde ich auch nimmermehr von ihm wenden / er mag lebendig oder todt seyn. Wollen E. Maj. mehr gewogenheit von mir fordern / so müssen sie dieselbige nicht / durch ablegung ihrer natürlichen liebe / zu erlangen suchen: dann ich schwerlich einen sohnsm \rder ohne haß wurde anschauen können. Ich bin nicht allein sein vatter / (antwortete der Jobat) sondern auch sein K \nig: und solte er in seiner unrechtmåsigen liebe fortfahren / so wurde ich ihn / nicht als einen sohn zu lieben / sondern als einen ungehorsamen unterthanen abzustraffen / befuget seyn. Sind dann E. Maj. sein K \nig / (gabe sie zur antwort) so sind sie dennoch nicht der meinige / und werde ich mich vielmehr nach des K \nigs von Basan und meines herr vattern willen richten: von denen ich nicht hoffe / daß sie mir wehren solten / in meiner rechtmåsigen zuneigung zu verharren. Hiermit liesse sie den K \nig stehen / und begabe sich in der Corycide gemach: die sie in gesellschaft des Nadop antraffe / welcher eben von Hesbon wieder gekommen war. Sie verbarge ihre entrüstung /und zeigte allein ein verlangen / von Hesbon etwas neues zu vernemen. Dieser erzehlte ihr ausfürlich /wie er zu Hesbon den Suevus und die Jerode in gutem zustand gefunden / und wie erfreut der Suevus worden wåre / als er zeitung von seiner tochter bekommen. Er håtte ihren brief heimlich / und zwar nicht ohne bewegung gelesen. Weil er aber etliche tage hingehen lassen / ohne sich zu entschliessen / als wären inzwischen des K \nigs von Hemath gesandten angekommen: nach deren anbringen / er sich entschlossen / selber nach Hemath zu reisen; wie er dann mit dem ehsten angelangen wůrde / mitlerweile Jerode eine reise ins land Canaan zu ihren bruder zu thun beschlossen hätte. Hierauf vertraute er / den beiden Prinzessinnen / der Jerode [227] gehabten b \sen fůrsatz: welches die ursach wäre / daß sie nach Hemath gekommen. Er machte damit die Amorite und Corycide so bestůrzt /daß sie sich ůber so unerh \rte bosheit nicht gnug verwundern kunten: dann ihnen der Sesostris bisher davon noch nichtes entdecket / und hatte es der Nadop von des Suevus vertrautestem Kåmmerling heimlich erfahren.

Sie vernamen hierauf ferner von ihme / wie die Jerode geargwönet / als Amorite und Corycide den folgenden tag allenthalben gemisset worden / der Suevus unterhielte dir Corycide heimlich / neben der Amorite / auf seiner schl \sser einem / um ihrer unziemlich zu geniessen: welchen wahn sie ihme dann gnug zuerkennen gegeben / weil sie nie erfahren k \nnen / wohin die Prinzessinnen gekommen; bis sie es / durch der abgesandten von Hemath ankunft / gewar worden. Den darüber gesch \pften unwillen / håtte Suevus mit seiner gewönlichen sanftmut ihr wieder benommen /und vorgewendet / wie daß ihme selbst die ursach verborgen wåre / die sie von Hesbon hinweg getrieben. Dann er liesse sich nie merken / daß er von ihrer bosheit etwas wisse: weil er / als ein friedliebender herr /sein eigen haus / und die in seinen armen schlieffe /nicht beschimpfen wolte / sondern hoffete / Jerode würde sich noch åndern / wenn sie die ursach ihres hasses nicht mehr fůr augen håtte. Jerode hingegen hätte sich angestellet / als wann sie mit allem friedlich wäre: gleichwol aber / von dem tag an / alsobald ihre reise nach Hebron beschlossen; ungeacht es / wegen der winterszeit / beschwerlich zu reisen ware. Hieraus nun vermutete man / sie habe gemerket / daß ihr herr um ihre b \se that wůste; und sie wolle bei ihrem bruder sich rahts oder schutzes erholen.

Als Nadop solcher gestalt seine erzehlung vollendet / [228] bliebe Amorite zwischen furcht und hoffnung /was sie zu ihres herr vattern ankunft sich zu versehen hätte. Ich kame indem zu ihr / voller thrånen / weil ich meinen armen bruder / der / wie gesagt / bei mir gewesen / auf befehl des K \nigs verlassen / und ihn in sein gemach / das ihme zur gefångnis dienen solte /hinfůhren sehen muste. Amorite wiese sich in diesem wesen die standhafteste / mich versicherend / daß sie dem Apries wolte beståndig bleiben / wann ihr herr vatter / als sie hoffete / ihre rechtmäsige zuneigung billigen würde: wie sie dann ihr die gewisse einbildung machete / daß die ankunft ihres herrn vattern gut für dem Apries seyn wůrde. Der Jobat aber ware voller zorn über meinen armen bruder / und stunde lang bei sich selber an / wie er sich an ihm und Amorite råchen solte. Endlich bliebe es bei dem schluß / daß er das reich raumen / und seinem bruder in den Bactrianischen krieg folgen solte: da er doch sonsten / sich für der Assyrischen macht fürchtend / nicht gern gesehen / daß sich Bileam in diesen krieg wider den K \nig von Babel begeben. Nun aber machte ihn die liebe ganz blind / daß er nichts / als diese / zu befördern trachtete. Mein bruder durfte / vor seinen abzug /weder mich / noch viel weniger die Amorite / sprechen: und wurden wir so genau in acht genommen /daß wir ihm auch nichtes zuentbieten konten.

Wenige zeit hierauf / kame der Fürst Suevus mit unseren gesandten zugleich an / und liesse mein herr vatter nichtes ermangeln / ihn aufs herzlichste zu entfangen. Amorite erfreuete sich ebenfalls gar sehr /ihren herr vatter zu sehen: der dann seine herzliche liebe gegen ihr in allem gnugsam spůren liesse. Wiewol er nun mit ihr und dem Apries es gern hätte anderst sehen m \gen: so erwoge er jedoch / als ein verståndiger herr / daß niemals mit des Königs willen diese verheuratung wůrde fortgehen [229] k \nnen; und befande er ratsamer / daß er seine einige tochter dahin bereden solte / K \nigin von Hemath zu werden / als den Apries zu ehlichen. Dieses war die eigentliche ursach seiner dahinkunft: deswegen er auch keine antwort von sich geben wollen / bis er die Amorite selber gesprochen hätte. Die abgeschickten nach Basan brachten von dem Trebetes / welcher in abwesenheit des K \nigs Marsius regirte / die antwort zurůcke: wie daß die Teutschen gar gern / eine ihrer Prinzessinnen /auf den thron von Hemath sehen würden. Mein herr vatter / mit dieser erklärung wol zu frieden / lage nun auch dem Suevus an / in diese heurat einzuwilligen: welcher seiner tochter sagen liesse / wie daß er sie allein sprechen wolte.

Sie befunde sich eben damals / als ihr dieses angemeldet wurde / in gesellschaft des Apries: welcher heimlich / mit des K \nigs seines herr vattern gesandten / nach Hemath zu růcke gekommen war / und durch meine vermittelung seine Amorite hatte zu sehen bekommen. Sie gabe ihm / in meiner gegenwart / die versicherung / wie daß sie ihr můglichstes thun wolte / den Suevus ihren herr vatter dahin zu bereden / daß sie ihn allein lieben / und keinen andern wehlen d \rfte. Ich begabe mich mit dem Apries / als der Prinz Suevus zu der Amorite kame / in ein neben zimmer; da wir alle worte / so sie mit einander wechselten /anhören kunten: und ware dem armen Apries nicht anderst zu mute / als hätte er damals / von seinem leben oder tode / das lezte endurteil anh \ren sollen.

Amorite! (finge Suevus an zu reden) darf ich von deiner tugend / die sich allemal spůren lassen / wol die hoffnung sch \pfen / daß du jetzund solche erweisen / und dein båstes und meine ruhe zubef \rdern /dein vergnůgen [230] hintansetzen werdest? Der himmel weiß / wie herzlich ich dich liebe / und wie schmerzlich es mir fället / dir deine bitte nicht zu gewären / da du meine erlaubnůs hast begehret / den edelen Apries zu lieben. Ich erkenne ja so wol / als du / dieses herrn seltene tugend / und habe noch nicht vergessen / was er mir ehmals fůr wolthaten erwiesen / und wie ich ihme alles schuldig bin. Allein / das verhängnüs ist eurer liebe zu wieder! Der K \nig Jobat / sein herr vatter / wird nimmermehr zulassen / daß Apries dich besitze. Ohne dieses Königs willen / darf Apries an dich nicht gedenken; und ist sein vermögen schlecht / dich deinem stande gemäs zu erhalten. Erh \re deswegen meine bitte / weil ich dir die deinige wider meinen willen abschlagen muß. Nim den thron an / den dir der himmel zeiget; und g \nne deinem vatter diese freude / sein einziges kind K \nigin von Hemath zu sehen. Verst \rest du damit deine vergnügung / so bauest du doch dardurch meine ruhe: und Apries ist viel zu tugendhaft / daß er nicht lieber dich seinem vatter g \nnen / als dich elend machen solte.

Mitlerweil der Suevus also redete / sahe ich meinen armen bruder an / der unbeweglich bliebe / und ganz erblasset auf seiner Amorite erklårung wartete / die ihrem herr vatter also antwortete: Ich bin ja schuldig /meines herr vattern befehl und willen mich in allem zu unterwerfen. Wann ich aber von der vätterlichen liebe diese wůrkung hoffen darf / daß sie eine tochter vergnůgt wünschen werde: so unterstehe ich mich nochmals / demůtigst zu bitten / daß ich mein herz dem Prinzen Apries lassen dörfe. Das elend / welches ich wegen seiner armut mit ihme ausstehen werde /wird mir lieber und angenemer seyn / als die K \nigliche Wůrde. Ein zufriedenes gemüt / achtet nicht den åuserlichen schein des glůckes. Ich [231] wil bei dem Apries mich niemals über meinen zustand beklagen: aber bei dem K \nig / wurde ich nie gnug mein elend beweinen.

Hierauf wandten sie zu beiden teilen viele ursachen ein / dadurch jedes seinen willen zu erlangen vermeinte. Doch endlich muste Amorite sich ergeben / weil ihrem herr vatter die gedult anhube zu vergehen / und er sich vernemen liesse: Er wůrde sie nicht mehr fůr sein kind halten k \nnen / wann sie sich weigerte / den König zu ehlichen. Wolan dann! (sagte sie hierauf /) weil ich nicht / ohne verletzung der tugend / den namen einer tochter verlieren kan / so wil ich den namen einer beståndigen liebhaberin verlassen / zugleich aber auch aller zufriedenheit und vergnügung absagen / die ich auf der welt erwarten k \nnen. Hiemit ergosse sich über ihre wangen ein heisser thränen bach; da dann Suevus / welchen ebenfalls schmerzete / seine tochter so betrübt zu sehen / sie umarmete /und sagte: Der himmel wůrde es ihr lassen wol ergehen / fůr diesen gehorsam / den sie ihm erwiese. Also verliesse er sie / dem verliebten König seine antwort und das jawort zu bringen. Sie bate ihn aber beim abschied / er wolte doch verwehren / daß der König noch etliche tage sie zu sehen verschieben m \chte: weil ihr unmůglich fiele / in so geschwinder eile ihre sinne zusammen zubringen / und in diese entschliessung sich gebůrlich einzurichten.

Mein armer bruder / mehr todt als lebendig / wuste nicht / nach angehörtem diesen schlusse / wo er ware /und folgete mir aus dem zimmer auf dem fuß nach /als ich / die Amorite nun allein wissend / wieder zu ihr ginge. Keines von uns dreien / vermochte anfangs den mund aufzuthun. Weil Amorite wol vermutete /wir würden alles mit angehört haben / wie sie dann solches aus unseren [232] gesichte leichtlich abname / als ware auch sie erbl \det zu reden. Ich muste endlich die erste seyn / so sprechend wurde: da dann meine worte auf eine klage hinaus liefen. Ich kunte nicht umhin /ihr fůrzurucken / daß sie also meinen liebsten bruder verlassen. Sie beantwortete dieses erstlich mit ihren thrånen; endlich aber ůberwande sie den schmerzen /und sagte zu mir: Ich lasse dich selbst urteilen / liebste Ardelise! ob du / wann du wärest in meiner stelle gewesen / håttest anderst verfahren k \nnen. Mehre derhalben mein leiden nicht / mit deinem bezeugenden unwillen: sondern hilf mir vielmehr den Prinzen Apries ůberreden / diese schickung unseres verhängnisses gedultig zu ertragen. Ach Amorite! (finge hierauf der halbtodte Apries an zu reden /) so wollet ihr mich verlassen? Hiemit fiele er ihr zu fuß / und umfassete ihre kniehe. Sie aber risse sich von ihm los / und als sie /so viel můglich / die thrånen verschlucket / sagte sie: Ich verlasse euch nicht / Prinz von Hemath / sondern mein glůck verlåsset mich. Und weil ich wol befahre /ihr werdet der Amorite nicht so bald / wie ihr müsset /vergessen können: so beschw \re ich euch bei dem himmel! begebet euch mit ehstem von hinnen / und beunruhiget / mit eurer mir gar zu lieben gegenwart /nicht ferner mein gemůte / da ich euch nicht mehr sehen darf. Gehabt euch wol / mein Prinz! und beklaget mehr / in diesem zustande / die unglůckselige Amorite / als daß ihr sie dieserwegen anklagen woltet.

In erwehnung dieser lezten worte / umarmete sie meinen bruder / der onmåchtig bei mir niedersunke. Sie aber wandte sich zu mir im hinaus gehen / sagende: Habe acht / Ardelise / auf deinen bruder / und verschaffe / zu sein- und meiner ruhe / daß er mit dem ersten hinweg komme. Ich konte dieses / für schmerzen und wehmut / [233] nicht beantworten. Wie nun Amorite hinweg ware / bemůhete ich mich / mit hůlfe einer meiner getreuen dirnen / den Apries zu recht zu bringen: der endlich / nach vielen angewandten mitteln /die augen wieder empor schluge. Nachdem er seine Amorite allenthalben vergebens gesuchet / růckete er mir / nachdem er sich båsser besonnen / gar schmerzlich fůr / warum ich ihn nicht hätte sterben lassen? Weil ich ihme nun eine kammer eingeraumet / da er mit seinem Waffenträger sich verborgen aufhielte /daß kein mensch / als Amorite / Corycide / ich und eine von meinen dirnen / wissenschaft davon hatten: als hielte er sich nach diesem immer heimlich daselbst auf. Und wiewol ich für ihn nützlicher erkante / wann er Hemath und folgends seine Amorite verliesse: so dorfte ich dennoch nie etwas solches zu ihm sagen /weil er ohnedas mich immer bate / ihn sterben zu lassen / das er dann gewiß hoffete. Er bekame auch ein hitziges fieber / das von tag zu tag zuname: und wolte er keine arzneien darwider brauchen / deren ich zwar auch wenig / ihme zu reichen / in meinem verm \gen hatte.

Amorite bereitete sich nun / den K \nig / wo nicht zu lieben / dennoch zu heuraten / und stellete sich also gegen ihm an / daß Jobat sich überseelig und vergnůgt schätzete. Und ob wol Amorite den innerlichen gram nicht so sehr bergen kunte / daß man den nicht an ihr gespůret hätte: so hoffete doch der K \nig / es würde / nach dem beilager / sich solches alles åndern und enden. Selbiges wolte er auf das pråchtigste gehalten haben / und wurden überaus grosse zurůstungen gemachet: wie dann der Fürst Suevus / ihr herr vatter / auch darbei seyn wolte. Wiewol ich auch oftermalen die Amorite bate / den armen Apries zu besuchen / so kunte ich doch solches nie nicht erlangen. Daher endlich die gråmnis / meinen [234] liebsten bruder also elend zu sehen / auch bei mir so sehr ůberhand name / daß ich gleichfalls bettlågerig wurde / und dem schmerzen / der bisher allein mein gemůt eingenommen / auch meinen leib unterwerfen muste. Amorite besuchete mich fleissig / in dieser meiner krankheit /und war fast keinen augenblick von mir. Weil aber meine schwachheit immer gr \sser wurde / deren ursach Amorite wol erkennte: als zoge sie ihr solches dermassen zu herzen / daß sie endlich / auf mein inständiges flehen und bitten / den Apries zu sehen versprache; welches ich ihme gleich / durch meine dirne /zu wissen thåte.

Wie nun alles dazu abgeredet war / kame er / so krank er ware / zu mir in die kammer / alda er seine Amorite für fůnde: die ihme anfangs verwiese / daß er so wenig grosmut in diesem unglück blicken liesse; folgends aber ihme / nicht allein befohle zu leben /sondern auch zuliesse / auf mein åuserstes bitten / daß er sie ferners lieben m \chte. Dergestalt besucheten sie einander in meiner kammer zum \ftern / und brachte meines bruders vergnügung mir meine verlorne gesundheit auch allgemach wieder. Weil ich nun den Apries ůber alles in der welt liebete / als liesse ich nicht nach / bis ich die Amorite dahin beredet / daß sie ihre erste dem Apries versprochene treue zu halten gelobte / und ihm freistellete / sie von dannen zu entfůhren. Ich bekenne / es war viel / das sich diese Prinzessin hierzu erklåret. Aber mein stätiges anflehen /und die unendliche liebe zu meinen bruder / machete sie solchen schluß fassen. Weil ich mich von ihrem glück und unglůck nicht scheiden wolte / als ward ich entschlossen / Hemath mit ihnen zuverlassen. Wir erwehlten / nach langem überlegen / das land Mesopotamien zu unserem aufenthalt: da wir unsern stand unter die alda wonende schäfere verbergen / und in vergnůgter ruhe unser [235] leben hinbringen wolten / bis der himmel uns dermaleins gůnstiger anblicken würde. Dieser entschluß ware wol gut / aber übel zu vollziehen: weil der winter vorhanden / und in Mesopotamien man wegen ergiessung der wassere nit so wol und geschwind reisen konte / als uns vonn \ten wäre / wir auch nur noch sechs wochen bis zum angestellten beilager vor uns hatten.

Ich benennete endlich ein mittel / das mir wol unser unglůck in den sinn gabe / ob ich es wol damals vor eine beförderung unserer ruhe hielte. Es hatte mein herr vatter / bei lebzeiten meiner fraumutter / eine beischlåferin gehabt / Laodice genannt: welche beim K \nig in ungnade geraten / doch bei hof und unter andern seinen kebsweibern noch gedultet wurde. Sie war sehr verschlagen / und darbei mir wol gewogen /wegen vieler wolneigung / die ich ihr ehmals bei meiner fraumutter erwiesen. Diese liesse sich dazu ůberreden / daß sie / nach des K \nigs trauung mit der Amorite / an ihrer stat des nachts beim K \nig zu bette gehen wolte. Wir wusten / daß der K \nig vor tags wieder aufzustehen pflegte / und hoffeten also / daß er diesen betrug so bald nicht würde gewar werden: mitlerweile wir uns zu unserer flucht růsten konten. Wir beschlossen darneben / daß Apries / weil er nun ganz wieder gesund / solte anstalt machen / wie er uns mit dem ersten füglich fortbringen m \chte. Wiewol nun Amorite diesen anschlag fůr so gefårlich / als unbillig / hielte / liesse sie ihr doch gefallen / was mein bruder und ich hierinn vor gut achteten / und sagte: Sie hätte einmal ihr leben und sich selbsten uns ůbergeben /darum stünde es bei uns / mit ihr vorzunemen / was uns gefiele. Ich muß aber bekennen / daß meines bruders und meine vergnůgung bei ihr eine traurigkeit erweckete; und fühlete sie eine unruhe in ihrem gewissen / [236] die ihr fast unertråglicher wurde / als alles ihr voriges leiden. Es verhångte aber der himmel / daß ich / von liebe gegen den Apries geblendet / die Amorite durch unsere freundschaft dahin verleitete / daß sie / der liebe folgend / neben uns alles hintan setzete / was wir billiger hätten beobachten sollen.

Der nunmehr so vergnůgte als verliebte Apries /wolte / nach diesen entschluß / nicht länger in Hemath verbleiben / sondern / alles zu unserer reise nach Mesopotamien fårtig zu verschaffen / sich aufmachen. Also name er abschied von seiner Amorite / und vermanete sie bittlich / ihm ja beständig zuverbleiben /und nicht ihr herz / gleich wie die hand / dem König antrauen zu lassen. Traget dessen (antwortete sie seufzend) keine sorge / und seit versichert / daß ich euch werde treu verbleiben. Aber verzeihet mir / wann ich euch diese versicherung / ohne mich dafůr zu entsetzen / nicht geben kan: dann ich sorge / wir laden hiermit des himmels zorn auf uns / indem wir unsere eltern also betriegen. Wie / Amorite! (fiele ich ihr allhier in die rede /) achtest du dann fůr eine sünde /deme beständig zu verbleiben / dem du dein herz fůrlängst gegeben? Womit betriegen wir unsere eltern? was wir dem K \nig rauben / das hat dem Apries eher zugeh \ret / als dem Jobat. Hat dann der König die macht / dich aus seines sohns herzen zureissen? Und ist auch Suevus befugt / dich dem zu nemen /dem er vorher dich zu geben bewilliget. Deine grůnde (erwiderte Amorite låchlend) sind nicht so stark / als meine eigene liebe: ohne welche ich jene schwerlich annemen würde. Nun aber versichere ich euch / liebster Prinz! (sagte sie ferner / sich zu meinem bruder kehrend /) daß ich euch alle macht überlasse / mit meinem leben zu schalten / wie es euch gefållet. Hiermit umarmete sie ihn / und er schiede [237] von ihr / sich vor den glůckseligsten der welt achtend / dankete mir wol tausentmal / daß ich ihme zu dieser glůckseligkeit verholfen / und entfahle mir ferner seine angelegenheiten.

Nach seinem abzug / růsteten wir uns zum beilager. Je näher aber die zeit heran kame / je gr \sser wurde der Amorite unruhe / und machte sie mir oft mit ihren zweifelhaften reden gar bange: indem sie diese falsche trauung nicht über sich nemen / sondern vorher sich entführen lassen wolte. Also hatte ich aller beredsamkeit vonn \ten / sie beståndig zu erhalten. Weil die zeit / hinweg zu fliehen / noch nicht angekommen ware / inzwischen die neue verheuratete bei uns anfangs wenig gesehen / auch gar eingezogen gehalten /und selten von ihren månneren besucht werden: als kunte kein bequemers mittel / den K \nig zu betriegen und ihn sicher zu machen / als eben dieses / erdacht werden. Ich bekame endlich auch die Prinzessin Corycide auf meine seite / die mir die Amorite ůberreden halfe / daß sie bei diesem schluß verbliebe.

Wie nun der tag des beilagers angekommen /schmücketen wir die Amorite mit dem K \niglichen schmuck aufs herrlichste heraus. Sie aber / ob sie gleich wuste / daß sie des Königs gemalin nicht werden solte / ginge dennoch mit furcht und zittern in den tempel / des gottes Wothan / den die Teutschen (wiewol in ihrem land ohne tempel /) anbeten / und deme meine verstorbene fraumutter in unserem lande diesen dienst und altar gestiftet hatte. Als nun der Druyde sie fragte / ob sie den K \nig zum gemal haben wolte? erblassete sie / und wolte nichts darauf sagen. Solches aber wurde nicht beachtet / sondern ihre trauung mit dem K \nig fortgesetzet. So bald sie folgends zu mir allein kommen kunte / klagete sie mir ihre unruhe /die sie ůber diese betriegliche [238] trauung in ihrem herzen fůhlete. Ich aber / sie zu beruhigen / bedienete mich dessen / daß sie stillgeschwiegen / und des K \nigs gemalin zu werden nicht ja gesagt hätte.

Auf den abend solte nun / nach gewonheit des landes / die Amorite von dem Suevus zu bette gebracht werden. Dieser gienge / bevor sie umgekleidet wurde /zu ihr in ihr zimmer / umarmte sie herzlich / und bezeugete ihr / wie gern er wünschen m \gte / daß dem himmel gefallen håtte / sie / an stat dem K \nig / dem Prinzen Apries zu bette zubringen: dann er wol spůrete / wie sehr ihr diese heurat zuwider war. Sie aber beantwortete dieses nur mit seufzen / und durfte ihrem herr vatter nicht er \ffnen / wie sie / seinem wunsche nach / dem Prinzen Apries auch eigen verbliebe. Wie er sie nun wieder verlassen / kleideten wir in eile die Laodice in ihre kleider / und verhůlleten sie / wie gebråuchlich / mit einen schleier: Die denn der Suevus /in meinung / es wåre seine tochter / dem K \nig zu bette brachte. Amorite aber ånderte ihre gew \nliche schlafståtte / und bliebe / von der zeit an / des nachts bei mir: damit niemand von unseren leuten den betrug merken möchte. Es ginge alles glůcklich und wol von statten / also daß der K \nig / der Suevus / und der ganze hof / nicht anders vermeinten / als daß Amorite mit dem König verheuratet wåre: wie sie dann auch jedermann als die K \nigin ehrete. Nach endung der angestellten ritterspiele / zoge der Suevus wieder nach haus / der hoffnung lebend / es würde doch die zeit endlich seiner tochter herz mehr zu dem König neigen / und nach und nach die liebe zu dem Apries ausleschen. Mein herr vatter hielte sich nun fůr den glückseligsten der welt / in der eingebildeten besitzung seiner Amorite / und die weise des landes in acht nemend / besuchete er sie [239] nicht viel bei tag: daß also Amorite wenig beschwerung von ihm hatte / weil Laodice ihre stelle bei nacht verwaltete.

Mein verliebter bruder seumte inzwischen nicht /zu enfůhrung seiner Amorite anstalt zu machen. Und wie er endlich alles zu unserer reise färtig hatte / kame er heimlich wieder zu uns / etwan zehen tage nach dem hochzeitfest: da wir ihn / sobald die nacht angetreten / durch den garten einliessen. Also kame er mit seiner geliebten Amorite / nach allem vergnůgen / in einem gemache zu sprechen / und erzehlte den anschlag / wie er uns wolte hinweg bringen. Mitlerweile wir aber also / in h \chster stille und zufriedenheit /bei einander waren / und Laodice / ihrer gewonheit nach / beim K \nig sich befunde / zündete sich ungefähr vor des K \nig kammer ein feuer an / so gleich um sich frasse / und in der kammer alles in flammen brachte. Der K \nig / von dem dampf erwachend /sprang alsobald aus dem bette / wie auch die Laodice: welche / in dieser angst / ihr gesicht zu verbergen vegasse. Weil sie fůr rauch und dampf nirgend auskonten / als rieffen sie um hůlfe: da dann die k \nigliche wacht zugelaufen kame / und zum K \nig in die kammer drunge. Mein herr vatter sorgte nur vor seine Amorite / befahle deswegen / man solte die Königin erstlich retten. Wie aber die wacht nach ihr sich umsahe / und dannenhero um die beångstigte Laodice sich nicht annemen wolten rieffe ihnen der K \nig zu /wiedaß diese seine gemalin wåre. Wie er aber nåher hinzu trate / und den augenschein anderst fande / erschracke er sehr / und fragte sie / wie sie in seine kammer gekommen wåre? Laodice / vom schrecken ganz betäubet / konte sich in der eile auf keine ausrede besinnen: fiele allein zu des Königs füssen / und bat um gnade. Der K \nig wuste sich anfangs [240] hieraus gar nicht zu finden: und weil zumal das um sich fressende feuer kein langes gespråch zuliesse / begabe er sich von dannen in ein anderes gemach / alda er die Laodice fůr sich kommen liesse. Auf sein scharfes befragen / bekannte sie ihm den ganzen handel dieses betrugs: darbei vermeldend / daß ich und mein bruder die Amorite hierzu beredt hätten; und wäre Apries iezt eben im werk begriffen / die Amorite hinweg zu führen.

Alles was zorn / verachtung / entsetzen / eiversucht / und entdeckter betrug in einem gemüt kan zu wege bringen / das zůndete sich zugleich in dem K \nig an /daß er schier wäre unsinnig worden. Er wuste lang nicht / was er thäte oder thun solte. Endlich erwischete er die arme Laodice bei den haren / ůbergabe sie der wacht / und befahle / daß sie die wol bewahren /auch uns alsobald gefånglich annemen solten. Dieser befehl ward ohn verzug zu werk gerichtet / und befahreten wir nichtes weniger / als diß unser bevorstehendes unglück: als wir ein starkes gepolter für unserer thür höreten / dieselbe / weil sie verschlossen / bald aufgerannt und die wacht hinein brechen sahen. Wir errieten gleich / daß wir verraten wären. Amorite / die in dieser todesangst nur für den Apries sorgete / fiele ihm halb todt um den hals / und sagte zu ihm: Ach mein Prinz! nun sehet ihr die früchte unsers anschlages. Die onmacht liesse sie ein mehrers nicht reden /und wurde er damit aus ihren armen gerissen / auch wir alle / mehr todt als lebendig / voneinander getrennet / und in besondere kammern bis an den morgen verschlossen; Apries aber / auf befehl seines ergrimmten mitbulers / in einen tiefen kerker geworfen.

Wie wir das übrige der nacht hinbrachten / ist leichtlich zu ermessen. Es kame der morgen so bald nicht herfür / da muste ich vor den K \nig kommen. Wie ich nun [241] mit zittern und ängsten in das gemach getretten / und des K \nigs grimmiges angesicht erblickend / schier onmächtig nieder gesunken war: da begunte mein herr vatter / nachdem er mich eine weile angesehen / in erschrecklichen worten allen seinen grimm über mich auszugiessen. Ich thåte ihm einen demůtigen fusfall / und bate mit threnen / sich zu erinnern / daß ich vormals sein liebes kind gewesen / und mir um deß willen die gnad zu erweisen / und mein vorbringen in gedult anzuh \ren. Er aber / der mich darum nicht holen lassen / stiesse mich von sich / und zeigete mir die Laodice: welche mich in seiner gegenwart ůberzeugete / daß ich alles dieses betrugs eine anfångerin gewesen wåre. Wie ich nun alles dieses mit stillschweigen gestunde / verfluchte mich der K \nig dermassen / daß ich anhube / mir selber feind zu werden / und mit ångstigen worten zu sterben wünschete. Da solst du verråterin zeitig zu gelangen! sagte der K \nig / und befahle damit / mich wieder wegzuführen. Und ob ich wol fur meinen armen bruder bate / mit bekantnis / daß ich allein an allem diesem schuldig wäre: so kunte ich doch nichtes ausrichten. Der K \nig liesse gleich den grossen raht neben den Druyden des Wothans versammlen / daß sie hierůber sprechen solten: die dann uns einhälliglich zum tode verdammeten / daß nåmlich Laodice alsobald im gefängnůs / Apries und Amorite in dem vorhofe des tempels enthaubtet / ich aber / als die ich (da die liebe die andern noch teils entschuldigte /) die meiste straffe verdienet håtte / solte / zur versůhnung des hierdurch beleidigten gottes Wothan / ihme zum brandopfer geschlachtet werden. Nach eröffnung dieses urteiles / beliebte dem K \nig / solches zu milderen: indem er die Amorite / ob sie ihn gleich so verächtlich betrogen / nicht kunte t \den lassen; sondern / [242] sich vergnügend / daß er ihr ihr liebstes durch den tod nemen würde / wolte er sie / nach unserer hinrichtung / ihrem herr vatter mit der Corycide wieder zuschicken. Aber an den Apries und mir / truge er kein bedenken / alles vollziehen zu lassen / was der raht und die Druyden geurteilt hatten. Und alles dieses / was ůber uns beschlossen war / wurde uns in die gefångnis zeitlich berichtet.

Als nun der schreckliche tag angekommen / da wurde / in gegenwart vieler tausend menschen / die von allen benachbarten orten / auch aus der ferne /diese hinrichtung anzuschauen / nach Hemath sich versammlet hatten / erstlich Amorite / in begleitung der Corycide / welche sie nicht verlassen wolte / vor des Wothans tempel geführet. Sie sahe / im hinfüren /niemand an / weil sie sich selbst für strafbar hielte /sondern lehnete sich auf die Corycide / deren wangen und brust mit ihren heissen zähren befeuchtende. Nachdem nun alda der Fůrst Jona das von Hemath /der von wegen des Königs alda zu gericht saffe / ihr die Kron und den K \niglichen mantel / den sie bisher betrůglich getragen / abnemen lassen: erschiene der arme Apries mit gebundenen hånden auf der andern seite des tempels. Dieser / weil er vernommen / daß seine Amorite nicht sterben solte / gebärdete sich gar freudig; und weil er mit ihr reden dorfte / sagte er zu ihr: Gute nacht / liebste Prinzessin! ich bin nicht wert gewesen der liebe und beståndigkeit / die ihr mir erwiesen / darum schicket mir der himmel dergestalt mein ende. Doch sterbe ich vergnůgt / weil ich / um meiner Amorite willen / darf mein blut vergiessen. Hiermit wandte er sich zum volk / und bate um vergebung / daß er sie also betrogen / indem er darzu geholfen / daß sie eine so unvergleichliche K \nigin / als die Prinzessin [243] Amorite wåre / nicht bekommen hätten. Und als er indeme mich durch die Druyden nach dem tempel fůhren sahe / fassete er die augen voll wasser /und sagte gar erbårmlich: Ach liebste schwester! meinetwegen erleidet ihr diese schmach. Vergebet mir /daß ich euch so tief in mein elend mit verwickelt / und nemet hiermit von mir die lezte gute nacht. Hierauf wandte er sich nochmals gegen seine Prinzessin / die er onmåchtig sahe in der Corycide armen ligen; schluge deswegen die augen gen himmel / und wolte noch etwas sagen. Er wurde aber von den henkersbuben sortgefüret / die sein edeles haubt ihm abschlugen /und dasselbige / wie der grausame K \nig befohlen hatte / der armen Amorite fůr die fůsse warfen.

Vergönnet mir / werte zuhörerinnen! daß ich allhier in etwas meine erzelung abbreche. Hiermit verstummete Ardelise / und kunte sich der vielfältigen thränen nicht erwehren / die auch die Aramena und Ahalibama wehmůtig machten. Amorite aber / welche sich auf der Ardelise schulter gelänet / vergosse nicht einen einzigen zåhren / sondern ganz erblasset / sagte sie / wiewol mit halb zerbrochenen worten: Also starb dieser edele Prinz! Und ich / da ich zuvor onmåchtig gewesen / ermunterte mich wieder / als der unglückselige hieb geschahe; und dieses liebe haubt fůr meinen fůssen ligen sehend / fiele ich auf dasselbige / und /gleich als hätte ich seinen ausfahrenden geist wollen in mich ziehen / ware ich lang nicht von seinem munde zu bringen / bis man diese lezte grausamkeit noch erwiese / und mir mit gewalt dieses ůbrige von meinem Apries hinweg raubete / das sie neben dem leib auf einen altar verbrannten. Wie gern wåre ich darauf auch zur schlachtbank gegangen / wann es mir so gut hätte werden m \gen. Allein / der [244] [246]himmel liesse mich leben / um meine qual desto mehr mich fühlen zu machen. Weil bei den opfern / die dem Wothan geschehen / niemand als die priester gegenwårtig seyn d \rfen / als fürete man mich nach deme vom tempel wieder hinweg / und ware meine Ardelise schon in denselbigen hinein gebracht / daß ich ihr also nicht einmal gute nacht sagen kunte. Welcher gestalt ich auf den wagen gesetzet worden / der mich / neben der Corycide und etlichen meinen bedienten / in begleitung des guten alten Sesostris / wieder solte nach der Amoriter gebirge füren / kan ich wol nicht sagen: dann ich fůr wehmut und entsetzen fast schon todt war / und erhielte man mich allein mit kräftigen wassern / daß ich nicht unterwegs in der meinigen armen verschiede. Welcher gestalt aber Ardelise dem tod entgangen / und wie ich durch ihre wiedererlangung merklich getr \stet worden / wird sie selber am bästen erzehlen k \nnen.

Mich hatte nun (fienge hierauf Ardelise wieder an /als sie ihre zåhren abgetrocknet /) die traurigkeit und wehmut so aus mich selber gebracht / daß ich fast nichtes mehr entfunden / und liesse ich mich in den tempel hinein schleppen / alda ich solte geschlachtet werden / welchen die priester gleich hinter mir zusperreten. Ich ware nit lang darinnen / da h \rte man ein gepolter für der pforte / und wurde endlich die thůr aufgebrochen: da der Prinz Baalis von Ammon /mit vielen gewaffneten / hinein drange / und mich erretten wolte. Die priester / so wol als das volk verwehreten dieses sein fůrnemen / und nachdem er für mein leben und befreiung eiferigst gefochten / wurde er doch ůbermänget / also daß er sich muste lassen gefangen nemen. Ich entfunde nun bei allen anderen schmerzen / auch dieses guten Prinzen unglůck / das er meinetwegen hatte auf sich geladen.

[246] Wie nun diese unruhe wieder gestillet war / brachten mich die Druyden in ein gew \lbe / da ich mit vielen wassern und salben bestrichen / und nachmals den ganzen tag allein gelassen worden. Wie mir in solcher einsamkeit zu mut gewesen / kan man leichtlich erachten. Gegen die nacht aber / kamen zu mir zwei Druyden / neben dem treuen waffenträger meines armen bruders / die mir / da ich den tod erwartet /meine befreiung ankůndigten / und hastig mit mir forteileten. Ich wurde / ohne daß ich wuste / wie mir geschahe / auf einen wagen gebracht / da meiner eine von meinen dirnen wartete: mit welcher ich / neben dem waffentråger / die ganze nacht fuhre / und den folgenden abends zu Camon die Amorite fürfunde. Unser bewilkommen / bestunde in vergiessung tausend thrånen; und erfuhre ich alda von meines bruders waffentråger / wie daß er durch geld die zwei Druyden auf seine seite gebracht / welche sich / mich vom tode zuerretten / gewinnen lassen. Dieses hatte er auf befehl seines herrn gethan / der ihn / den morgen fůr seiner hinrichtung / ernstlich zugeredet / sein můglichstes anzuwenden / daß ich m \chte erl \set / und zu seiner Amorite heimlich gebracht werden. Diese treue sorgfalt meines lieben bruders / machte meine wunde noch grösser / und stiesse mir derentwegen ein hitziges fieber zu / daß wir zu Camon bleiben musten: alwo dann niemand / auser Amorite / Corycide und etliche wenige / mein daseyn wusten.

Mitlerweile ich also krank darnieder lage / beschlosse Amorite / wann ich wieder wůrde genesen seyn / mit mir nach Mesopotamien zu gehen / und alda die ůbrige zeit ihres lebens des Apries tod zu beweinen: dann sie sich nicht allein scheuete / ihrem herr vatter unter augen zukommen / sondern auch /nach diesem erlebten unglůcke / [247] nichts als die einsamkeit suchete. Sesostris und meines bruders waffentråger / neben zweien dirnen / solten uns auf dieser reise begleiten. Corycide aber / die da zeitung erlangete /wie daß ihr herr vatter zu Hebron schwerlich krank läge / kunte ihr eigenes båstes nicht verabsäumen /wie ungern sie auch uns verliesse / und muste sich in Canaan wieder begeben: welcher wegen sie dann von uns abschied name / ja so betrůbt ůber unsern zustand / als unwillig / daß sie uns verlassen muste. Die bedienten der Amorite namen also ihren weg alleine nach der Amoriter gebirge / unwissend / was ihre Prinzessin zu thun gewillet war / als welche ihre fůrhabende reise gar heimlich hielte / damit sie nicht an derselben von ihren herr vatter verhintert würde.

In wårender dieser zeit / kamest du / liebste Aramena! mit dem Prinzen von Sichem / nach Camon: und weil wir uns so heimlich hielten / kunte ich dich nicht sprechen / wie sehr ich es auch wünschete / sondern muste dich lassen wieder hinweg ziehen / ohne meinen zustand dir zu eröffnen / da ich wuste / wie du mich als todt beweinen würdest. Etliche wenig tage nach deinem wegreisen / als ich so weit wieder genesen war / daß ich mich durfte auf den weg begeben /reiseten wir auch von Camon ab. Weil wir aber / um nicht verkundschaftet zu werden / den richtigen weg nach Haran nicht nemen dorften sondern weit umziehen musten / als kamen wir auf Engamin zu: da der Tharsis von Sepharvaim uns unversehens ůberfiele /vermeinend / daß wir die Aramena bei uns håtten /und unser Sesostris / als er sich wehren wolte /schwerlich verwundet wurde / den wir nachgehends zu Bethera heilen lassen. Nun gehen wir in eurem geleite nach Ennon: da wir ůber den Jordan fahren / und dann ferners unsere reise fortsetzen [248] werden. Diß ist es nun / was ihr habt zu wissen verlanget. Ich weiß /man wird müssen gestehen / daß der Amorite und mein unglück das gröste ist / so jemals ein mensch entfunden: dann wir beide das liebste / so wir auf der welt gehabt / neben unserer ehre / wůrde / und allem menschlichen schutz / so erbärmlich verloren haben.


* * *


Mich betrübet von herzen / (sagte hierauf Aramena) euer beider zustand / daß ihr so einen unwiederbringlichen verlust erlitten / und anjezt / als verlassene Wåisen / das elend in der welt bauen můsset. Was die Prinzessin Amorite betrifft / (ersetzte Ahalibama /) so kan ich deren elend nicht gnug betrachten /oder nach der gr \sse beschreiben. Ardelise aber / ob sie wol auch viel an dem Apries verloren / weiß dannoch den Prinzen Baalis von Ammon im leben / und tritt anjezo in Mesopotamien einen solchen vergnügten lebensstand an / der aller königlichen wůrde fürgehet. Wolten die götter / daß es mir so gut werden könte / neben meinen Elieser mein leben in diesen schäferstande zuzubringen! wie gutwillig wolte ich doch / dem Beor / sein Canaan und allen Königlichen pracht ůberlassen. Ardelise seufzete hierüber / weil sie der Ahalibama nicht widersprechen wolte. Aramena aber sagte: Ich war lang in diesem Mesopotamien / das so zwei liebe Prinzessinnen bald bewirten soll. Und weil ich mit meinen beiden basen / des Fürsten Labans t \chtern / viel umgegangen / als kan ich sie versichern / daß sie an deren gesellschaft gute vergnůgung entfinden wurde. Selbige beide Fůrstinnen leben / gleich anderen hirtinnen / bei den heerden /und erhalten damit die weise / so unser grosvatter /der Fůrst Bethuel / eingefůrt: welcher der erste gewesen / so ihm die feldlust [249] also zu nutz gemachet / daß er das landleben dem pracht in den schl \ssern und städten fůrgezogen. Man hat uns gar viel gutes (antwortete Amorite) von diesen sch \nen Fůrstlichen Schåferinnen fürgesetzet: deren gesellschaft uns um so viel lieber seyn soll / weil sie die ehre haben / der sch \nen Prinzessin von Chaldea nahe wasen zuseyn.

Nachdem Aramena dieses höflich beantwortet / erinnerte sich Ahalibama der Corycide: fragte demnach / wie lang es wäre / daß sie von Camon hinweg gezogen? Als sie nun erfahren / daß es ongefår ein monat seyn m \gte / wünschete sie sehr / dieses dem Ephron wissend zu machen. Als sie aber ihre Astale deswegen wolte abfärtigen / erfuhre sie / daß Elieser und Ephron bereits von Bethaula wieder hinweg und füraus nach Salem gefůhrt worden wåren. Da werden sie (sagte die betrübte Fürstin von Seir) des tyrannischen Beri triumf vorankündigen sollen! Darauf fragte sie gar sorgfältig nach ihres Eliesers zustand: bekame aber die gew \nliche antwort / daß er sich noch sehr schwach befände.

Indem wurde den Prinzessinnen / von des Fürsten Beri wegen / angedeutet / wie daß es zeit wåre / fort zureisen. Diese worte waren ihnen allerseits wie ein donnerschlag: weil darbei Aramena und Ahalibama sich von neuem erinnerten / wohin sie gefůret wurden; Amorite und Ardelise aber / daß sie von jenen beiden ihren abschied nemen musten / weil sie nicht mit nach Salem reisen / sondern zu Ennon verbleiben wolten /um alda ůber den Jordan zu gehen. Demnach sagten Aramena und Ardelise einander tausend gute nacht; doch mehr im herzen / als mit dem munde. Diese lezte dankete auch nochmals der sch \nen Aramena / fůr die reichen kleinodien / womit sie / zu fortsetzung ihrer weiten [250] reise nach Mesopotamien / ihnen ausgeholfen hatte. Ahalibama und Amorite namen auch den treuherzigsten abscheid voneinander / weil sie sich in ihrem leidwesen so gleich befunden. Der bekümmerten Fůrstin von Seir wurde das herz dermassen schwer / daß sie schon ihren Elieser / wie Amorite ihren Apries / todt beweinete.

Als nun Ahalibama und Aramena / mit der Astale und Tirza / zu wagen gesessen / fuhren sie nach Ennon zu / und folgeten ihnen Ardelise und Amorite mit ihren leuten allmälig nach: die dann von niemand / wer sie wären / befraget wurden / weil Aramena solche vor ihre alte bekantinnen / aus Syrien / ausgegeben. Wiewol auch der Fůrst Beri / wegen der Ahalibama / seinen kopf so voll sůsser gedanken hatte / daß er sonst um nichtes daneben sich bekümmern kunte. Wie sie Ennon sich genåhert / grůsseten diese vier Prinzessinnen einander nochmals mit den augen / und wünscheten Aramena und Ahalibama sich wol tausentmal mit auf die fåhre / als sie / von einem Hůgel herab / die Amorite und Ardelise sahen über den Jordan fahren. Sobald diese ihnen aus den augen gekommen / da erblicketen sie Salem / welches im thal für ihnen lage / und gleich darauf h \rten sie von denen /die um den wagen ritten / daß die K \nige von Canaan und Salem ihnen entgegen kåmen.

Der verliebte Beor / ware mit dem tugendliebenden Melchisedech auf einen wagen gesessen / welchen der ganze hof von Sichem und Salem umringete: die dann / den Fůrsten Beri ersehend / ihn alle in ihren herzen verachteten / daß er solche leichtsinnigkeit an seinen eigenen kindern / um gewinns willen / erwiese. Beor aber hatte andere gedanken für seinen bruder / welchen er mit [251] beiden armen umfinge / und ihn lang an die brust druckend / sagte er zu ihm: Du gibest mir mein leben von neuem wieder; was soll ich dir / mein bruder / hingegen erweisen? Beri / der noch niemals solche liebkosungen von dem K \nig entfangen /wurde hierůber ganz freudig und hochmůtig in seinen gedanken / und antwortete: E. Maj. haben so viel gelegenheit / ihrem knecht gutes zu erweisen / daß ich keine besondere gnade auswehlen wil / mich allein überseelig schätzend / daß ich meines Königs aufrůrer zu gebůrlicher straffe lieferen / auch die Königin und Prinzessin von Canaan E. Maj. hiemit wieder zufüren kan.

Hierauf entfinge der Beor seine Ahalibama / mit bezeugung innigster freude und liebe. Wiewol ein kleiner unwille sich zugleich bei ihm spüren liesse /und ihn zu ihr sagen machte: Ob ich zwar nicht hoffen wil / daß die Fürstin von Seir mit schuldig sei gewesen an den frevel / den man in meiner gegenwart an ihrer entfürung zu Thanac begangen / so erweisen doch eure gebärden / daß diese wiederkunft euch betrübe. Versichert euch aber / sch \nste Ahalibama! daß ihr an kein ort der welt könnet hinkommen / da euch mehr ehre und gutes wiederfahren soll / als bei mir / der ich euch / neben meinem herzen / fürlängst mein Kron und Zepter zu eigen habe bestimmet. Ahalibama schluge zu diesen reden ihre betrübte augen nieder / und ward folgends / neben Aramenen / vom K \nig Melchisedech gar freundlich entfangen: welcher durch gebärden gnugsam an den tag gabe / daß diese Prinzessinnen also gegen ihren willen gewalt leiden musten. Folgends umringten den wagen / der beiden Fürstinnen hinterlassene bediente: grosse freude zeigend / daß sie ihr herrschaft wieder bekommen.

Wie sie nun in des Melchisedech schloß angelanget / [252] kamen ihnen die beide sch \ne Prinzessinnen von Gerar / des Melchisedechs schwester t \chter / mit der Fürstin Calaride und der Thoris / entgegen / welche die Ahalibama und Aramena in ihre gemåcher / die gar königlich ausgezieret waren / begleiteten. Die wunderschöne Coelidiane / und die angeneme Jaelinde / gewonnen alsobald dieser beyden ankommenden Fůrstinnen ihre herzen / mit ihrer gew \nlichen leutseligkeit: wie dann selbiger zwo schwestern gegenwart dieser ihr leiden um ein gutes linderte. Aramena und Coelidiane betrachteten einander / zwar ohne eiversucht / mit unendlicher verwunderung. Ob wol Ahalibama auch trefflich schön war / so hatte doch nicht allein der gram und die traurigkeit sie etwas verändert /sondern es war auch Aramena eines viel durchdringendern glanzes / und konte mit ihrer holdseeligen majestet viel eher / als Ahalibama / eine liebe und ehrerbietung erwecken: dann diese war eines sanfmütigern und etwas traurigen wesens / doch konte sie mit ihren scheine die leute mächtig gewinnen und an sich ziehen. Calaride / die bisher ihre Aramena fůr schöner als die Coelidiane gehalten / wuste jezt nicht zu entscheiden / da sie ihr beide zugleich vor augen waren /welcher der preis gebůrete: wie dann alle / so um sie waren / bald der einen / bald der andern den vorzug in ihrem herzen gaben. Man betrachtete aber darneben auch die liebreiche Ahalibama / welche jederman / als kůnftige K \nigin von Canaan / ansahe / und dafůr erkennen muste. Weil es aber allbereit spater abend war / als ward / von beiden niften des K \nigs zu Salem /bald wieder abtritt genommen.

Als nun Aramena bei der Calaride und dem Thebah sich allein sahe / fingen diese an / sich höchlich ůber sie zu beschweren / daß sie sich also von dem Ephron gutwillig [253] entfüren lassen: denn sie wusten nichts von dem Fůrsten von Sepharvaim / daß der dabei gewesen wåre. Sie gaben ihr zu verstehen / wie sie hierdurch sich in so übele nachrede gesetzet; und m \gte sie nur bedenken / wie ihr herr vatter und frau mutter sich betrůben würden / wann sie dieses erfahren solten. Aramena hörete alle diese fürrückungen gedultig an / und sagte / zu ihrer entschuldigung: Die welt m \chte von ihrem thun ein urteil fällen / als sie wolte / so wůsten doch die götter ihr gemüt / und daß alles / was unrecht scheine / dem himmel zu ehren geschehe; der auch / unter so vielen und harten versuchungen / ihren eiver ihme würde wol gefallen lassen.

Indem wurde der Prinz Hemor angemeldet / welcher ihr aufwarten wolte / und sich darneben entschuldigen liesse / daß er / auf verbot der årzte / sie nicht im felde entfangen d \rfen. Diese besuchung ware ihr zwar äusserst zuwider: sie konte ihm aber solche nicht verweigern. Und ob sie gleich mit der spaten abendzeit sich wolte entschuldigen lassen / so widersprache doch solches der alte Thebah / und muste sie dessen raht und willen folgen / und dem Prinzen zu kommen erlauben. Dieser verliebte herr / der erst von seinen wunden aufgestanden / hatte sich auf das herrlichste geschmůcket / um in seiner Prinzessin augen angenem zu erscheinen / und war so erfreut / sie wieder in seiner gewalt zu wissen / daß er seine vergnůgung vielfåltig spůren liesse.

Sch \nste Prinzessin! (redte er sie an) ihr werdet mir verg \nnen / den göttern für eure wiederkunft zu danken: weil euch nicht unbekant / wie viel mir an derselbigen gelegen ist. Ich achte auch unn \tig / euch zu bezeugen / wie eure entfürung mich geschmerzet: dann ihr allbereit wol wisset / wie inbrünstig ich euch liebe. Der [254] himmel hat aber selber erwiesen / daß ihm diese eure entweichung zuwider sey: darum fůrete er euch wieder an den ort / da ihr nach euren wůrden angebetet / und in eurer schöne bewunderet werdet. Erkennet demnach die himmelische schickung / und widersetzet euch nicht mehr derselben. Nemet an meine treue liebe / die der himmel billiget / und bestätiget mir die glückseligkeit / die eure eltern mir bestimmet. Prinz von Sichem! (sagt sie hierauf) ihr wisset selber /wie ich euch dieses kan beantworten. Mehr als tausentmal habet ihr von mir gehöret / daß ich dem himmel verlobet bin. Mehr als tausentmal habe ich euch zugeschworen / daß ich keinem mann kan zuteil werden / weil ich der Diana gehöre. Und wo ihr nicht euch dem himmel zuwider machen wollet / so höret einmal auf / mich zu verfolgen. Ich versichere euch nochmals / Prinz Hemor! nimmermehr werde ich euretwegen mein gelůbde brechen. Und solte mich auch die ganze welt verlassen / so habe ich doch bei mir selber so viel macht / die eurem unbilligen begehren sich wird widersetzen k \nnen.

Ach liebste Prinzessin! (sagte er hierwider / sie ganz verliebt anschauend /) ist dann diese grausamkeit bei euch unendlich? und wollet ihr nimmermehr der billigkeit geh \r geben? Meine entschliessung ist so billig / (gabe sie zur antwort) daß ich die nicht eher åndern wil / bis daß ich aufh \ren werde / g \tter zu glauben. Und dieselben ruffe ich zu meinem beistand an / daß sie mich einmal aus euren unbilligen banden befreien wollen. Dieses sagend / finge sie an milde thrånen zu vergiessen: worüber Hemor ganz verzweifelt wurde / weil er wuste / daß er solche verursachete / und gleichwol / wegen seiner heftigen liebe / nicht anderst verfahren konte. Deswegen brache er dieses gespräche schleunig ab / und [255] verfůgte sich wiederum nach seinem gemach: alda er / die ganze nacht hindurch / mit betrachtung seines zustandes sich gequälet. Doch machete er ihm selbst gute hoffnung / daß die Prinzessin sinn åndern möchte / wann sie durch das band der ehe an ihn verknüpfet seyn wůrde; zu welchem er / wegen der von ihren vermeinten eltern erlangten einwilligung / kůnlich schreiten d \rfte.

Am folgenden morgen erfuhre die Fürstin von Seir / welche wegen der sorge für ihren Elieser kein auge die ganze nacht geschlossen / wiedaß dieser ihr geliebter Prinz in grosser schwachheit und todesgefahr schwebete / und neben seinem bruder in ein b \ses gefängnis wåre geworfen worden. Demnach ergabe sie sich ganz dem schmerzlichen weheklagen / und ware noch in dieser traurigen ůbung begriffen / als die Prinzessin Coelidiane zu ihr hinein kame: mitlerweile Jaelinde / ihre schwester / der Aramenen gleiche aufwartung erwiese. Coelidiane vermutete / als ob der Ahalibama leiden / durch den unlust / so sie zu dem Beor trüge / davon dem hofe zu Salem das gerůchte schon långst die ganze geschicht geoffenbaret / verursachet wůrde: bemühete sich deswegen / sie zufrieden zusprechen. Ahalibama hörete den angenemen trost dieser Prinzessin gar willig an / klagete ihr ferner alles ihr leiden / das sie wegen Eliesers unpåßlichkeit ausstunde / und bate sie um ihren guten beistand.

Coelidiane versprache ihr / mit gutwilligem herzen / neben dem König Melchisedech ihrem Vettern es dahin zu vermittelen / daß er des Fürsten Beri s \hne auf das schloß legen liesse: und wolte sie alsdann schon verordnung thun / daß Elieser wol solte gepflegt und in acht genommen werden. Der Ahalibama waren diese worte so tr \stlich / daß sie der Coelidiane zu tausendmal dankete. Diese / ihr versprechen ins werk zu richten / [256] ginge gleich nach dem König von Salem / (bei dem sie / weil er sie wegen ihrer tugend ůberaus liebete / freien zutritt hatte /) und berichtete ihm den ůblen und unbilligen zustand der Prinzen von Canaan. Melchisedech / der solches gar nicht billigen konte / liesse gleich dem K \nig Beor entbieten: wiedaß er nicht könte gedulten / daß zween Prinzen / die ihme von můtterlicher seite so nahe verwandt / so übel bei ihm gehalten würden; möchte ihn demnach der Beor nicht verdenken / wann er sie in seinem schlosse båsser wůrde bewirten lassen / ihn gleichwol versicherend / daß sie seine gefangene verbleiben solten.

Der Beor war eben bei seinem sohn und dem Fůrsten Beri / als ihme des K \nigs von Salem begehren angebracht ward: welches er nicht abschlagen wolte / sondern gleich bewilligte. Dann er wuste / daß der Melchisedech in seinem lande / ungeacht er ihm järliche schatzung geben muste / und sein lehenman war / zu gebieten hatte / was ihm gefiele. So wuste er sich auch versichert / daß sein mitbuler es nicht lang mehr machen würde: auf welchen fall er des Ephrons beginnen nach Eliesers tode nicht so hoch betrachtete / daß er / ihn abzustraffen / begehren solte. Auch seinem bruder dem Beri zu erweisen / wie erkentlich er gegen ihm wäre / gabe er ihm den Ephron wieder /und erliesse demselben alles sein verbrechen. Beri /aus sonderbarer grosmut / wolte solches lang nicht annemen: Hemor aber / der sich an dieser grausamkeit billig ärgerte / sprache ihm so lange zu / daß er endlich zu deme sich bereden liesse / was ihme von selbsten / der natur nach / nicht unangenem seyn sollen. Also wurde befohlen / die Fůrsten auf das schloß zu bringen / und den Ephron auf freien fus zu stellen. Bey vollziehung dessen / konte Ephron seinen schwachen bruder [257] kaum so lang verlassen / bis er seinem herrn vattern / und fürnemlich dem König / für seine freiheit gedanket: und gleich hierauf / begabe er sich wieder zum Elieser; bei dem er lieber gefangen / als ohne ihn frei seyn wolte.

Mit demselben hube es nun an / sich zum ende zu nåhern / und gaben des Melchisedechs årzte / die ihn hierauf besucheten / ganz keine hoffnung / daß er könte davon kommen. Wie nun der eiversüchtige König ůber dieser zeitung nicht wenig ruhe entfunde /also verůbete er anderwerts die grausamkeit / daß der armen Ahalibama gånzlich versaget wurde / ihren Elieser zubesuchen: dann er befahrete / sie m \gte etwas merken von dem beigebrachten gift / und also ihren haß gegen ihm verdoppelen. Zwar verhålete man ihr auch / so viel müglich / daß es so gar schlecht mit ihm stůnde: aber ihr herz war der verräter / welches ihr sagete / wie es dem Elieser erginge. Der eigennützige Beri wolte kaum einmal in diesem elenden zustande seinen sohn besuchen / sondern sagte öffentlich: Der gerechte himmel straffe des Eliesers verbrechen / da des K \nigs gůtigkeit ihm ůbersehen wollen. Er richtete aber mit dieser angenommenen hårtigkeit nichtes anders aus / als daß er sich bei jedermann in verachtung sezte: wiewol der König sein bruder es gnådig aufname / und ihm versicherung thåte / daß er alles / was er nur begehren wůrde / von ihm erlangen solte.

Aber die Gottfůrchtende Coelidiane / als sie den tugendhaften Elieser / von deme sie so viel gutes ihr lebtage geh \ret / in so betrůbtem zustand wuste /finge sie an / mehr für seiner seele als des leibes gesundheit zu sorgen. Sie name ihr aus gutem antriebe fůr / ihn heimlich zu besuchen / und sich zu bemůhen / ob sie ihn / von den heidentum ab / auf den rechten glauben und zur seeligen erkäntnis [258] des wahren Gottes bringen möchte: Damit / wann er ja zeitlich sterben můste / er dennoch nicht ewig stůrbe. Dieses ihr fürhaben offenbarte sie niemanden / als den Melchisedech: der dann solchen ihren guten eiver h \chlich růmete / aber für gut befunde / daß es heimlich geschähe; weil er dem Beor verspreechen müssen / den Elieser also bewachen zu lassen / daß niemand unangemeldet ihn besuchen m \chte. Deswegen gabe er ihr den haubtschlůssel / daß sie bei abend / durch einen heimlichen gang / ohne von der wacht gesehen zu werden / zu ihm kommen konte.

Ephron / der allein bei seinem bruder war / erschracke anfangs sehr / als er diese thůr aufgehen sahe. Nachgehends / als er die schönheit / die zu ihm hinein trate / ersehen / ward er h \chst bestůrzet / und hielte sie anfangs vor die Prinzessin Aramena. Coelidiane aber bename ihm gar bald diese meinung / als sie sich ihm zu erkennen gab / daß sie eine nifte des K \nigs von Salem / und deswegen zu ihm gekommen wäre / des Prinzen Eliesers zustand recht zu erfahren /der weit schlimmer wäre / als sie und ihr herr vetter es wůnschen m \chten. Der kranke Elieser hörete diese worte auf seinen bette / und weil er diese unvermutete gůtigkeit der Prinzessin von Gerar hoch bewunderte /als antwortete er ihr selber / wiewol mit schwacher stimme: Wie daß ihn dieses glück viel zu unwůrdig fůnde / und er gar nicht verdiene / einer so hohen Prinzessin vorsorge zu geniessen. Der Prinz von Canaan (sagte Coelidiane / nachdem sie sich bei sein bette niedergesetzet /) ist eines viel mehrern wůrdig /und wünsche ich ihn also zufrieden / wie es ihm ewig ersprieslich seyn wird. Mein zustand ist so elend /(sagte Elieser) daß ich nicht vermute / dem Beor lang mehr im wege zu gehen.

[259] Ich beklage von herzen (antwortete die Prinzessin /) daß eine so treffliche jugend sobald von der welt scheiden sol. Ich weis aber nicht / ob dieses allein /mein Prinz! euren zustand erbärmlich machet. Vielleicht ist der / wegen anderer umstände / noch elender / als ihr selbst vermeinet: und wäre höchst zu beklagen / auch ewig schade / wann eine so edle Seele nicht / mit der rechten klarheit erleuchtet / abscheiden solte. Elieser / der diese worte nicht verstunde / antwortete: wie daß ihme unwissend / was vor ein liecht seiner seele verborgen sey / und ersuche er sie / ihme ein solches båsser zu erklåren. Weil nun Coelidiane / ihren zweck / bei seinen so schwachen zustande / durch viel umschweife zu suchen / für gefärlich hielte / als růckte sie etwas nåher zum bette / und finge also an mit ihm zu reden. Die eigentliche ursach / darum ich euch / Prinz Elieser! zubesuchen erkůnet / ist diese /weil ich / da man mir eure todschwachheit und lebensgefahr berichtet / nicht unterlassen können / eurer seele diesen schuldigen dienst zu thun / und euch zu erklåren / welcher gestalt ihr den Gott / der euch erschaffen / erkennen / und ihme die seele / so er euch gegeben / wieder überreichen můsset.

Als sie nun merkete / daß er ihr fleissig zuh \rete /fuhre sie also fort zu reden: Ihr Cananiter stecket in einem tieffen irrtum / daß ihr euch so viele götter einbildet / und auch das onmächtige holz / stein und kalk anbetet; Hingegen den lebendigen Gott verlasset / der allein geehret seyn wil. Es lehret euch ja die Natur /daß alles / was in der welt ist / nicht von sich selbst entstanden / sondern von etwas seinen anfang haben můsse. Dieses nun / von deme alles seinen anfang hat / muß ja ein so mächtiges wesen seyn / das aus sich selbst bestehet / und von keinem anfang weis: und dasselbe muß allein angebetet werden. Dieses wesen und den einigen Gott / ruffet [260] mit mir an / daß er euch erleuchten wolle: damit ihr ihn erkennet / und euch von den geschöpfen zu den sch \pfer wendet / der eure seele euch gegeben / und nach eurem tode dieselbige wieder zu sich abfordern wird. Dieser Gott hat / im anfang der zeit / etliche seiner erschaffenen geister /wegen ihrer hoffart / von seinen angesicht verstossen: welche hernach die menschen von der erkentnis ihres schöpfers abgefůret / sich folgends selbst für g \tter ausgegeben / und die blinde menschen dahin verleitet / auch ihre eigene verstorbene freunde als g \tter zu ehren. Diese finsternis ward ůber sie verhänget / weil sie von dem wahren lichte waren abgewichen. In diesen irrtum stecken nun die meiste menschen / und sind derer gar wenig mehr / die noch von dem rechten Gott eine reine erkentnis haben. Doch hat seine grosse güte noch allemal etliche glåubige ůbrig behalten / die seines namens gedåchtnis auf dem erdboden erhalten. Durch Hebers nachko en aus Chaldea / ist dieser rechte glaube in unser land fortgepflanzet worden: und kommen die K \nige zu Salem von den Sem her /der des reinen wahren Gottesdienstes gepflogen. Wir haben den berümten Fůrsten von Heber / dem Abraham / viel zu danken / daß wir noch vor euch Canaanitern in diesem lichte leben / und daß fast das ganze Philister land auch diesen wahren Gott erkennet. Dieser ist es / der eure seele zu sich in das paradeis der heiligen füren wird / wann ihr ihn erkennet / und ihn /wie er es dann ist / für euren schöpfer achtet und anbetet.

Indem Coelidiane also redete / ward des Eliesers herz dermassen gerüret / daß er einen freuden-eiver in sich fühlete / diesen wahren Gott recht zu erkennen. Wie er nun alles wol betrachtet / schrye er laut auf /bei dieser seiner schwachheit: O Gott der Prinzessin von Gerar! [261] laß dich auch von mir erkennen. O du einiger Gott! leite / füre und růre mein herz / daß ich dich finden möge. Diese worte erfreueten die Coelidiane dermassen / daß ihr die thränen über die wangen herab schossen. Sie fuhre aber fort / ihme alles weiter zuerklåren / und ihn vornemlich auf den trost von dem verheisenen weibessamen zu füren: daß nämlich ihme / durch dessen kůnftigen verdient / jetzo im glauben alle seine schulden und mångel / deren kein mensch vor Gott ermangle / verziehen wåren. Sie brachte ihn endlich so weit / daß er gänzlich zu dem waren licht gelangete / und durch diese erleuchtung eine unbeschreibliche freudigkeit in seinem herzen entfunde. Nun werde ich ruhig sterben / (sagte er hierauf) weil meine seele eine so gute herberge zu erwarten hat: und wann mein tod nicht eine person betrübete / die ich jederzeit innigst geliebet / und die mich vor herzenleid nicht wird ůberleben können / so wolte ich jezt ůber den verzug des todes klagen. Ich weiß /(antwortete Coelidiane /) wie ihr mit der Fürstin von Seir stehet. Ich kan euch aber versichern / daß / wann sie den Gott / den ihr nunmehr angenommen / auch wird erkennen / so kan euer tod / ob sie denselben erleben müste / sie zwar betrůbt / aber nicht verzagt machen: dann wir / in allen trůbsalen / innerlich also getr \stet werden / daß uns alles mit unserem Gott leicht ankommet; von welcher ruhe / die G \tzendienere nichtes wissen.

Nachdem sie diß gespräche noch etwas erlängert /und die nacht schon zimlich weit eingebrochen war /verliesse sie ihn / als sie ihm versprochen / den folgenden abend wieder zu kommen / bei den Ephron /(dessen herz nicht weniger / als des Eliesers / gerüret worden /) und begabe sich wieder nach ihrem gemach. Daselbst dankete sie Gott auf den kniehen / für die gute verrichtung / und [262] legte sich darauf bei ihrer schwester / die bereits schlieffe / zu bette. Es hatte aber / eben wie sie einschlaffen wolte / die Jaelinde einen schweren traum: von dem sie erwachete / und in den armen ihrer schwester hůlfe suchete. Coelidiane fragte sie / was ihr anligen wåre? und bekame von der erschrockenen Prinzessin zur antwort: Es habe ihr getråumet / wie der Prinz Cimber eine ihr-erkentliche sehr sch \ne weibsperson gefůret; und wie sie darnach gesehen / hätte sie ein unbekanter mensch um den leib gefasset / und wåre mit ihr davon geflohen / darüber sie in schrecken erwachet / und also aufgefahren. Coelidiane sagte ihr hierauf: es kämen ihr gewiß solche tråume daher in den sinn / weil sie ståts an den teutschen Fürsten gedåchte. Es wåre ihr aber zu rahten /daß sie doch ihre begierden bässer zwingen lerne /und ihren unzeitigen gedanken nit also raum gebe. Ach Coelidiane! (sprache hierauf Jaelinde /) ihr spůret an euch selber / wie schwer es fället / an das / so man liebet / nicht zu gedenken / und bin ich versichert /daß euch der Prinz Abimelech nicht weniger / als mir der Cimber / in den gedanken schwebe. Wann ich schon zuweilen (antwortete Coelidiane) des Prinzen der Philister mich erinnere / so geschicht solches mit bässeren fug / als euer andenken an den Cimber. Abimelech hat mir nicht allein seine liebe erwiesen / sondern es ist auch des K \nigs wille / daß wir uns ehlichen sollen. Dieses aber k \nnet ihr von den Cimber nicht sagen: der euch / daß er euch liebe / niemals bezeuget; mit dem ihr auch niemals im gespråche gewesen / als was ihr euch selber verfůget. So hånget dann dieser törichten krankheit nicht ferner nach / sondern lasset euch vielmehr die wahre vernunft auf einen båssern weg leiten. Hiemit schlieffe Coelidiane zu: Jaelinde aber liesse ihren gedanken den freien lauf /[263] und stellete sich ihren Cimber für / wie sie ihn ehmals zu Jebus gesehen; daher sie / bis gegen den morgen /schlaflos verbliebe.

Hatte aber diese gute Prinzessin dieserwegen eine unruhige nacht / so ware des Königes Beor / des Prinzen Hemor / der Ahalibama und Aramena schlaffenszeit nicht viel ruhiger. Dann der König verlangte mit schmerzen seines mitbulers tod zu vernemen. Der verliebte Hemor wolte / durch die heurat / seiner Aramena gelübde ungůltig machen. Ahalibama beweinete ihren Elieser / und Aramena ihre verlorne freiheit.

Als aber der tag wieder herfůr gebrochen / wurde beiden Königen zugleich angemeldet / wiedaß gesandten an sie angekommen wåren: nämlich der Fürst Sobal von Seir in person / an den Beor / und der Fůrst Arsas von Cale / der K \nigin von Ninive Oberkåmmerer / an den Melchisedech abgeordnet. Beor bestürzete nicht wenig über dieser zeitung / weil er nicht er raten kunte / was des Sobals ankunft bedeuten m \chte: der des Eliesers mutterbruder / und nächst dem Ana der måchtigste Fůrst auf dem gebirge Seir war. Melchisedech thåte die verordnung / daß der Fůrst von Seir / so wol als der von Ninive / in pråchtige lusthäuser / die nahe um das schloß waren / eingeleget wurden. Auf begehren des Beors und Hemors /wurde niemand / als das frauenzimmer / zu ihren Prinzessinnen eingelassen: dann ihre sorge viel zugroß war / nochmals ihre liebsten zu verlieren. Es kame auch der Sobal dem Beor verdåchtig für / und Hemor befahrete sich / die K \nigin Delbois von Ninive würde etwan seiner Aramenen wollen behůlflich seyn / ihr in der Diana tempel zuverhelfen: deswegen thät er fůrsorge / daß keiner von den Niniviten sie sehen noch sprechen solte. Der Fürst Beri wurde dem Sobal entgegen [264] gesandt / ihn zu entfangen; und des K \nigs Melchisedech Oberkåmmerer der Jarah / verrichtete dieses bei dem Arsas. Thahas aber und Thebah vergassen nicht / den K \nig zu erinneren / daß er in des Sobals gegenwart richtig machen solte / was sie wegen Aramenen / die wiedereroberung des K \nigreichs Syrien betreffend / zu Thanac beschlossen hatten: das dann dem Ezer / als vorigen Seirischen gesandten / noch nicht war entdecket worden / weil man darüber / wie dieses schwere wesen einzurichten /noch nicht geheimen raht gehalten hatte.

Es fůgete sich aber alles selbsten / nach ihrem wunsch und verlangen. Der Fürst Sobal / wie er selbigen nachmittag bei dem König von Sichem gehör erlanget / brachte demselbigen fůr / was massen die Fürsten von Seir / seine brüder / in einen schweren streit mit Esau dem Fůrsten von Edom gerahten wären: der / wie es schiene / auch die Assyrische macht auf seine seite ziehen d \rfte. Sie hätten deswegen eiligen beistand und schutz von dem K \nig in Canaan / als ihrem alten bundsverwandten / begehren wollen: nicht zweifelend / S. Maj. wůrde ihnen gern beistehen. Diß vertrauen sch \pften sie um so viel mehr / weil der König Beor ohne das / in der liebe zur Ahalibama / erwiese / daß er dem hause Seir gewogen wåre: welche heurat sie hiemit bewilligten / wofern der König sie mit volk und geld zu diesem krieg versehen wolte. Die freude des K \niges von Canaan /über diesem anbringen / ware so übermåsig groß /daß er gleich / und sonder mit seinen råhten sich deswegen zu unterreden / alle seine macht ihnen anbote. Und ob wol nachgehends / im geheimen raht / diese sache sowol / als des Hemors fürhaben auf Syrien /reifer überleget wurde / auch der Elon und Beri / die beide [265] des Esau Fůrstens von Edom schwiegervätter waren / dem K \nig abrieten / seine macht nicht aus dem lande zu geben / da sie ihm selber nützen k \nten / wann er den krieg in Syrien fůr seines sohnes braut anheben wolte: so vermochte doch soches widerreden nichtes / und ward beschlossen / die sache auf diesem wege / den das glůck selber wiese / anzugreifen.

Der Schluß ware / die Fürsten von Seir solten mit einem ansehnlichen stucke gelds und sechzig tausend mann zu fus / auch zwanzig tausend streitwägen / versehen / darbei noch ein grosses kriegsheer geworben /und mit demselben der Prinz Hemor in Syrien gesendet werden. Es wurden auch Elon und Aner / welcher letzere des Prinzen Hemors statthalter über seine ämter war / ernennet / in geheim nach Hierapolis zu reisen / und den Syrischen Fürsten / die alda ihre versamlungen hielten / ihrer Erbprinzessin wiederfindung anzukündigen / und daneben / wegen ihrer verheuratung mit dem Hemor / ihme diesen Prinzen zum K \nig fůrzuschlagen. Thebah / der mit im geheimen raht gesessen / versprache / nach vollzogener heurat des Prinzens mit Aramena / auch an seinem orte nicht zu feiren / sondern dahin sich zu bemůhen / wie er die Syrer von dem Babylonischen joch abwendig machen m \ge.

Also wurde folgenden tags dem fürsten Sobal die gewůrige antwort beståtiget / daß man nåmlich den Fürsten von Seir beispringen wolte. Es ward hierbei auch das beilager des K \nigs mit der Ahalibama / und des Hemors mit der Aramena / ůber vierzehn tage angesetzet: inzwischen sie sich / nach gebrauch der Cananiter / innenhalten / und mit balsamiren / auch anderem gew \nlichen ausschmůcken / diese zeit zubringen musten. Ware nun der K \nig hierůber vergnůgt /so ware der [266] Fůrst Sobal nicht weniger zufrieden / als er die dem hause Seir so vorteilige fůrschlåge vername / daß nämlich der Ahalibama kinder dermaleins die anwart zur Canaanitischen Krone haben solten /wiewol man ihm die ursach nicht gesagt / warum Hemor sich seines rechtes an Canaan begeben wolte: weil Aramenen geburt nicht eher solte offenbar werden / bis man in Syrien mit den Fürsten eins worden /und der krieg angegangen wäre. Weil Sobal sich entschlosse / mitlerweile zu Salem zu verbleiben / und dem hochzeitfest beizuwohnen: als sandte er den Ezer eiligst wieder nach Seir / dem Ana und den anderen Fürsten die entschliessung des Beors anzukündigen. Im ůbrigen triebe er gar eifrig an / daß eiligst in Canaan die werbungen angestellet würden / weil / wie er sagte / beim verzug gefahr wäre.

Der abgesandte von der K \nigin zu Ninive / truge nun auch / am andern morgen nach seiner ankunft /dem Melchisedech sein anbringen fůr: welches nicht /wie das vorige / von kriegerischen dingen handelte /sondern einen gottseeligen und geistlichen zweck hatte. Dann diese gottliebende K \nigin thåte / durch den Arsas / dem König von Salem heimlich zuwissen / daß sie noch beständig in ihrem angenommenen glauben verharre: wiewol sie noch nicht fůr den leuten sich kunt geben d \rfte. Hiernächst bate dieser Ninivite / im namen seiner Königin / um ein buch / Jezirah genannt / so der Fůrst Abraham geschrieben / und dem vorigen K \nig Melchisedech gegeben hatte /welches von vielen hohen und geheimen dingen handelte: von demselben håtte seine K \nigin gehöret /und wåre verlangig / inzwischen sie sich zu Damasco aufhalten wůrde / selbiges zu durchlesen.

Melchisedech vername dieses anbringen mit grosser vergnügung / weil er die Königin in seinem herzen gar [267] hoch verehrete / und bote dem Arsas alles an /was in seinem verm \gen seyn wůrde / diese unvergleichliche K \nigin damit zu vergnügen. Er sagte ihm darbei / wiedaß des Abrahams schrift wol wůrdig wäre / fůr so hohe erleuchtete augen zukommen; und wůrde die K \nigin noch viele klarheit aus demselben sch \pfen k \nnen. Nåchst dem fragte er ihn / um der K \nigin zustand / und um ihre regirung: mit bezeugung / wie er von herzen wünsche / dieselbe einmal in person zu kennen / von der ihme das gerůchte so viele wunderdinge gemeldet. Meine Königin (antwortete der Fürst Arsas) tråget ebenfals eine sonderbare begierde / den K \nig von Salem / und den Fůrsten von Heber den Isaac / zu sehen. Sie hat zwar / hierzu zu gelangen / jetzund etwas hoffnung / da sie in der nähe zu Damasco / dahin ihr herr vatter der K \nig von Assyrien sie beschieden / etwas verharren wird / und dörfte sie noch wol diesen sommer das land Canaan besuchen. Gott lasse mich (sagte der K \nig) diese glůckseligkeit erleben / über welche ich keine in der welt zu begehren wüste. Ihre regirung belangend / (ersetzte der Arsas) so schåtzen wir Niniviter uns überseelig / von einer solchen K \nigin beherrschet zu werden: massen gerechtigkeit und güte alle ihre verrichtungen begleiten / und ihre zarte jugend leuchtet von so unvergleichlichem verstand / daß keine ihres geschlechtes mit ihr zu vergleichen stehet. Gott hat euer land sonderlich lieb / (sagte der K \nig von Salem) daß er euch einen solchen schatz gegeben. Es wird aber der K \nigin Delbois nötig seyn / diesen ihren erleuchteten verstand wol zu gebrauchen in der sache /da ihr / durch die angemutete heurat mit ihrem bruder / jezt beschwerlichkeit verursachet wird. Wie dann /wol zu keinem andern ende / der K \nig ihr herr vatter sie nach Damasco kommen [268] lassen / als diese unbillige heurat zu vollziehen. Eben diese sorge hat sie auch: (antwortete der Fůrst Arsas /) doch tr \stet sie sich ihres bruders standhaftigkeit / als deme selber / wegen des rechten glaubens / den er auch heimlich angenommen / diese heurat zuwider ist. So sind auch die Ninivitische stände sehr dagegen / die ihr åuserstes werden anwenden / solches zu verhintern. Mich nimt wunder / (sagte Melchisedech /) daß die K \nigin sich dazu entschlossen / ihr reich zu verlassen: da sie in Ninive mehr håtte zu sagen gehabt / als in Damasco /und in ihrem eigenen reiche mächtiger wůrde gewesen seyn / dem Bel Ochus sich zu widersetzen / als in Syrien / da ich nicht absehen kan / wie sie es wird anschlagen k \nnen. Es seind unterschiedene dringende ursachen gewesen / (gabe Arsas zur antwort /) die die K \nigin aus ihren reiche getrieben: unter denen diese nicht die geringste ist / daß sie den Ninivitischen Fürsten damit ihr ehrsüchtiges beginnen abschneiden wollen / welche / durch erlangung ihrer person / zu ihrer Krone zu gelangen / in die wette sterben.

Nachdem der K \nig von Salem noch ein und anders mit ihme von dieser unvergleichlichen K \nigin geredet / brachte der Fůrst Arsas folgends sein eigenes gewerbe an / wie nämlich feine gemalin eine erbschaft zu Kiriath Sepher zu forderen håtte / dazu er den König um hülflichen beistand ersuchete: welches er ihm ganz willig verhiesse. Endlich bate Arsas auch noch um dieses / daß er dörfte überhoben bleiben /den K \nig von Canaan anzusprechen: weil der seiner K \nigin vatters schwester so unbillig beschimpfet. Melchisedech versprache / auch dieses vor ihn zu vermitteln; und bezeugete daneben sein misfallen über dieses K \nigs unrechtmäsiger liebe zu der Ahalibama. Er beklagte / daß [269] sein haus zu vollziehung dieser heurat dienen můste / und fürte zugleich an die ursach / warum der Beor Salem hierzu erwehlet: welche war /daß er der Canaaniter aufstand befahrete / die der K \nigin Atis noch sehr gewogen waren; und weil er zu deme erfahren / daß sein bruder der König von Kiriath Arba einen anschlag auf die Ahalibama gehabt /sie zu entfüren. Diese sorgen und gefahr ihme zu benemen / håtte er dieses sein schloß / das zwar ohnedas unter sein des Beors gebiete geh \ret / zu solchem beilager erwehlet.

Als hierauf der Fürst Arsas seinen abtritt wieder vom König nemen wolte / mit vermelden / wiedaß er den beiden Prinzessinnen von Gerar einen grus anzubringen hätte / wolte der K \nig ihn selber nach der Coelidiane zimmer begleiten: die / neben ihrer schwester / den Fůrsten von Cale auf das höflichste entfinge / und muste er in seinem herzen gestehen / daß er /nächst seiner K \nigin / nie was schöners als Coelidiane gesehen. Melchisedech / der wol merkete / daß Arsas seine nifte mit verwunderung ansahe / fragte ihn / ob er nicht eine gleichheit / zwischen seiner Königin und der Coelidiane / finden k \nte? Worauf Arsas den K \nig versicherte / daß er nie gr \ssere gleichheit gefunden. Aber Coelidiane bestritte solches gar h \flich / sagende: Er wůrde der sch \nen Königin Delbois das h \chste unrecht anthun / wann er sie mit ihr vergleichen wolte; sie begehre auch hierinn den vorzug der K \nigin von Ninive nicht zu bestreiten /und wůnsche allein / in ihrer unvergleichlichen tugend und liebe zu Gott / ihr ånlich zu werden. Arsas beantwortete dieses / wie es sich gebürte / und schiede so vergnůgt für dißmal von ihnen / als zufrieden er den K \nig und die Prinzessinnen / wegen seiner guten geschicklichkeiten / hinterliesse. Sie bezeugten aber ihr verlangen / [270] seine gemalin zu kennen: von welcher er versprache / daß sie folgenden tags kommen solte /ihnen aufzuwarten.

Sobald Coelidiane und Jaelinde wieder allein waren / begaben sie sich nach ihren wehrten gåsten /von denen sie kaum einen augenblick mehr seyn kunten. Und weil Coelidiane den vorigen abend / da sie nochmals beim Elieser heimlich gewesen / wol gespüret hatte / wiedaß er es nicht lang mehr treiben wůrde: als wolte sie allgemach / der Ahalibama / die todesgefahr ihres geliebten Fůrsten anbringen. Weil sie nun dieselbige ganz allein mit der Aramena funde / als hube sie an von der flüchtigkeit des menschlichen lebens zu reden: darbei einfůrend / wie ein wunderlich ding es wåre / daß / ungeachtet das sterben so gemein / dennoch du tod eines freundes einem jeden so unvermutlich vorkäme / als wäre es etwas sonderliches /das sich nicht tåglich begåbe. Ahalibama erriete bald aus diesen reden / es werde damit auf ihren Elieser gezielet: hube derhalben pl \tzlich an / ihn als todt zu beklagen und zu beweinen. Coelidiane aber versicherte sie mit vielen beteurungen / daß er nicht todt wåre: doch wolte sie ihr dabei nicht verheelen / wiedaß er in einem schlechten zustand sich befinde / und / wo Gott nicht sonderlich hülfe / schwerlich davon kommen wůrde. Dieser bericht růrte der Ahalibama das herz nicht weniger / als håtte sie bereits seinen tod erfahren. Sie wünschete in dieser noht mehrers nicht / als daß sie ihn nur noch einmal sehen dörfte. Der schmerz name ihr gemůte dermassen ein / daß sie in Aramenen armen niedersunke: die der Astale gleich rieffe / und mit deren hůlfe sie auf ihr bette brachte. Nachdem sie alda wieder zu sich selber gekommen /winselte sie ohne unterlaß über den Elieser / und verlangte allein / ihm noch die lezte gute nacht zu [271] sagen. Coelidiane wurde hierdurch so weichmütig / daß sie ihr versprache / sie den abend zu ihm zu bringen. Nachdem sie hierauf / um sie ein wenig ruhen zu lassen / von ihr in der Aramena gemach gegangen /wolte sie / um dieser Prinzessin die zeit zu vertreiben / sie in den schloßgarten fůhren. Weil aber vor ihren gemächern die wacht sich befunde / die zwar zu ihrer bedienung dazuseyn fůrgabe / in der that aber / fleissige acht auf sie zuhalten / dahin gesetzet war: als mochte Aramena hierum / bei dem Hemor / auch kein erlaubnis bitten lassen / zumaln sie ohnedas sich so wol auf nicht befande / der gartenluft geniessen zu d \rfen.

Wie sie demnach die zeit mit allerhand gespräch kůrzeten / kamen sie unter andern auf den Ophirischen und Bactrianischen krieg; da Coelidiane fragte: Ob man in Syrien nichtes gewust von dem frieden /den der K \nig von Assyrien mit den Bactrianern machen wolte? Bey dieser frage errötete sie / daß Aramena solches warname / und daher scherzweis sagte: Es müste / die sch \ne Prinzessin von Gerar / gewiß ihr anteil mit in diesem krieg haben. Jaelinde bekråftigte solches mit ihrem lachen / und mit dieser antwort: Coelidiane håtte freilich jemand in diesem kriege / der ihr also die r \te abjagete. Diese sch \ne Prinzessin wandte dargegen ein: wiedaß sie / roht zu werden / eben keine ursach wůste / weil sonsten die r \te von einer sache / die man wolte geheim halten / herrüre. Nun wåre aber ja das gespråche von ihr und dem Prinzen der Philister fast weltgemein / also daß sie sich dafůr nicht mehr entfårben dörfte. Doch gestůnde sie / wiedaß / indem sie nach diesem kriege / darinn ihr auser diesen Prinzen niemand / dem sie gewogen /bekant wåre / gefraget / weiß nicht warum / ihr diese r \te ausgetreten wåre. Ich habe in Syrien nicht anderst geh \ret / (sagte [272] Aramena) als daß der friede schon geschlossen sey: und hat / dieser weltberümte Prinz der Philister / seinen tapfern namen in diesem kriege so bekant gemacht / daß der König von Assyrien ihme allein das ganze land der Bactrianer zu danken hat.

Ich bin ihme (antwortete Coelidiane) nicht weniger danksagung schuldig / daß er mir meine jetzige freiheit wieder gegeben hat. Ich h \rete gestern (thäte Aramena hinzu) von hiesigen leuten sagen / daß meine Prinzessin erst vor wenig zeit hier wieder angekommen / und bisher in Bactra gewesen wäre. Weil mir aber die umstånde nicht wissend / möchte ich die wol von der schönen Coelidiane selber erzehlen h \ren. Es ist deme also / (antwortete Coelidiane) und bin ich erst vor einem monat mit grosser gefahr wieder angekommen. Wann meiner Prinzessin hiervon die umstände zu wissen beliebet / wil ich gerne hieriñ gehorsamen / und solche erzehlen. Wann ich meiner Prinzessin (sagte Aramena hingegen) diese bemühung machen darf / so möchte ich wol auch so glücklich seyn /ihren ganzen lebenslauf zu wissen: weil ich versichert bin / daß wir unsere zeit nicht båsser anwenden k \nnen. Ich bin in allem schuldig / (sagte Coelidiane) meiner Prinzessin gefållig zu leben. Hierauf bedachte sie sich ein wenig / und finge endlich an / die Aramena mit dieser erzehlung zu vergnůgen.

Die geschicht der Coelidiane
Die geschicht der Coelidiane.

Damit ich alles / was ich zu berichten habe / deutlich m \ge fürbringen / muß ich erstlich sagen / was sich vor unserer zeit begeben / und aus was ursachen meine schwester und ich alhier sind erzogen worden. Unser herr vatter der Fürst Ahusath von Caphtor / des K \nigs der Philister herrbruder / verheuratete sich mit der Saradine / [273] des K \nigs von Salem schwester / und zwar eben um die zeit / als die fr \mden völker / die Teutschen / unter dem K \nig Marsius / gleich einer Wasserflut / in Asien kamen: da / wie aller welt bekant / die Philister mit ihnen in einen bund traten /und / durch meinen herr vatter / dem K \nig von Babel ganz Syrien abnamen / und seinem rechten herrn /dem unvergleichlichen Aramenes / wieder zustelleten. Meine fraumutter hielte sich / in wärendem diesem krieg / zu Byblis in Syrien auf: alda sie bei einem wegen der sternkunst berümten Chaldeer / der sich daselbst niedergelassen / wohnete / und nach etlicher zeit die unglůckliche post bekame / wiedaß ihr gemal von den Assyriern gefangen worden. Hierüber geriete sie / als billig / in grosse traurigkeit: allermeist / wie ihr das gerüchte offenbarete / wiedaß der Ahusath auf keine andere weise seine freiheit wieder solte erlangen / als wann der K \nig sein bruder Syrien verlassen wůrde.

Besagter Chaldeer aber tr \stete sie zum båsten /und sagte ihr alles zuvor / wie es ergehen: daß nåmlich der Ahusath wieder los kommen / Syrien aber dadurch verloren gehen wůrde. Er sezte ferner hinzu /wiedaß Saradine zwei t \chter wůrde gebåren / deren unglůcklicher lebenslauf ersetzen solte / was Ahusath jezt Syrien für schaden zufůgete. Doch / wo ihn seine wissenschaft nicht betriege / so k \nte es nicht anderst seyn / als daß eine seiner t \chter endlich Syrische K \nigin werden würde. Diese profezeiung beachtete meine fraumutter desto mehr / weil sonst alles eintraffe / was dieser Chaldeer bis zu unser beider geburt geweissaget. Dann / ihr gemal kame wieder los / Syrien ginge darůber verloren; und wie sie nachdem in der Philister land wieder angekommen / wurde sie zweimal schwanger / und gebare erstlich mich / und ein jahr hernach die Jaelinde. Also wurde [274] bei ihr die furcht sehr groß / diese zwei t \chtere wůrden / des Chaldeers aussage nach / viel unglůcks in der welt erleben můssen. Deswegen / als sie sterben wolte / bate sie ihren gemal / uns beide / nach ihren tod / zu ihrem bruder dem König Melchisedech zu senden / daß wir bei deme m \chten erzogen werden: weil sie verhoffte /seine Gottesfurcht / und gute weise / kinder zu erziehen / würde uns in unserem angedrohetem unglůcke zum bästen ko en.

Dieses ihr begehren erfüllte nachmals unser herr vatter / und kamen wir also hieher ins Königreich Salem / wie ich das fünfte / und Jaelinde kaum das vierte jahr erreichet hatte. Der König liebte uns / als seine eigene kinder / und liesse nichts an guter zucht ermangelen. Es ware auch zur selbigen zeit / wie jetzo zu Kiriath Sepher / eine hohe schule zu Salem / (welche die haubtstadt des reiches ist / vier und zwånzig meilen von hier gelegen / und ist dieses schloß nach jener stadt genennet /) alda / fast von allen orten her /die vorneme herren ihre kinder auferziehen liessen. Unter diesen waren / Hiarbas der Prinz aus Egypten /Bileam der Prinz von Hemath / Aran ein Fůrst von Seir: und diese waren die ersten / so auch zum längsten in Salem sich aufhielten. Hiarbas ware / wegen seiner sonderbaren geschicklichkeit und grossen tugend / bei jederman sehr beliebet: hingegen die beide andere / wegen ihres lasterhaften gemütes / sehr verhasset. Woraus dann abzunemen / daß nicht allemal die gute zucht glücklich wirke / wann ihr die natur nicht zu hülf kommet.

Es fügte sich aber / zu meinem unglůck / daß der Prinz von Hemath bald anfangs eine zuneigung gegen mir gefasset / gleich wie ich hingegen einen sonderbaren haß wider ihn bei mir entfunde: und name dieses an beiden teilen also zu / daß jederman leichtlich vermerkete / wie [275] wir gegeneinander gesinnt wåren. Der K \nig selber merkte solches / der diesem Prinzen /wegen seiner üblen natur / gleichfals nicht hold ware: daß also / in dieser liebe / vor ihn wenig hoffnung erschiene / indem ich / sowol als alle die meinigen /ihme nie kein gutes auge verliehen. Er liesse sich aber solches nicht abschrecken: wie er dann / in allem seinem thun / unerträglich kühn ware.

Inzwischen kame der Prinz Abimelech an unsern hof / den sein herr vatter von Babel wieder abfordern lassen: alda er von jugend auf erzogen worden / und zu geisel gedienet hatte / daß der Philister K \nig sich nicht wieder in einen krieg wider den Bel Ochus einmischen solte. Er muste / auf befehl seines herr vattern / eine weile bei uns verbleiben / um den rechten Gottesdienst wieder volk \mlich zu erlernen / dessen ihn die Babylonische gebråuche etwas vergessen gemacht. Dieser nun / machte sich / durch seinen hohen verstand / gute geschicklichkeit und edles gemůte / alsobald beliebt / und waren wir allerseits fro / einen so wackern vettern bei uns zu haben. In allen ritterspielen und männlichen übungen / erwiese er sich also /daß er seines gleichen bei uns nicht funde: wiewol der Prinz Hiarbas / in etlichen dingen ihm nicht ungleich ware. Er war daneben eines so reifen urteiles / daß ihn der K \nig / wie er recht sein gemüt erforschet / in den wichtigsten händeln mit zu raht zoge / und bei erkennung seiner so vollkommenen natur ihn dermassen liebgewann / daß er in allen briefen / die er mit dem K \nig der Philister wechselte / diesen seinen sohn nicht gnug erheben und preisen konte.

Dem K \nig Abimelech gefiele dieses lob des Prinzen sehr wol / und schriebe er an den Melchisedech hinwieder / daß er nichtes h \herwünsche / als seinen sohn künftig mit einer von seinen des Melchisedech basen verheuratet [276] zu sehen. Weil mein herr vatter solches auch sehr verlangete / als liesse er mit freuden zu / daß wir viel miteinander umgingen / und gabe ihm selbst alle gelegenheit an die hand / meine gegenwart zu haben: insonderheit / da er merkete / daß er mehr bei mir / als bei meiner schwester / kundschaft suchete. Seine angeborne ehrerbietung gegen das frauenzimmer / machte ihn anfangs ganz stumm / daß er mir seine liebe nicht entdecken dorfte: von der er doch /wie mein herr vatter genug mutmassen konte / an den K \nig seinen herr vatter bald muste geschrieben haben / weil derselbe in allen briefen davon gedachte /und nun auch absonderlich auf mich wehlete / daß er mich gern einmal zu einer schwiegertochter haben wolte / weil ihme mein gemůt wäre gerümet worden; welches rümen wir von niemand anders / als von dem Prinzen Abimelech / geschehen zu seyn / schliessen kunten.

Auf solche weise lebten wir ein zeitlang / da uns die gesellschaft des Prinzen der Philister die angenemste von der welt war. Er hatte seiner liebe sich noch gar nichtes merken lassen: als ich ihn eines tags im garten gar tiefsinnig allein sitzen fande. Er hatte einen zedel fůr sich ligen / auf welchen er mit dem griffel etwas schriebe. Weil ich nun gewohnt war /frei mit ihm umzugehen / als beschliche ich ihn / und kam von hinten hinzu / ihm den zedel aus der hand nemend. Er erschrack ůber alle massen / ward auch ganz err \tet / wie er seine arbeit in meinen händen sahe / und entschuldigte sich / daß diese zeilen viel zu unwůrdig wåren / vor meine augen zu kommen: mich sehr bittend / sie ihme ungelesen wieder zu geben. Ich aber / dadurch noch begieriger gemacht / lase / und fande diese worte:


[277]

O himlisch bild / du zierde dieser erden!

jezt da ich dich nicht seh / kan es mir leichter werden /

ohn deinen hellen glanz / dich bässer zu betrachten.

Er hat bei dir geblendet mein gesicht /

daß ich / dich sehend / sahe nicht /

wie hoch du bist zu achten.


Die himmelsschön / die alle länder ehren;

der schwarzen augen licht / die lieb und furcht gehären;

der stirne schnee-gewolb; die rosen helle wangen;

des munds rubin; die k \nigliche brust;

das silber-haar / der winde lust /

an dir ich sehe prangen.


Der hohe geist / der diesen bau regiret /

ist von der weißheit selbst und tugend ausgezieret:

daß auch der klügste muß vor ihm verehrend schweigen.

Ich sehe schon / wie du dich machst bekant /

wie seelig sich schäzt dieses land /

das soll dein Zepter beugen.


Ich weiß / es wird die welt mit mir gestehen /

wann sie / was ich von dir jezt schreibe / solte sehen /

daß wir – – –


Hier hatte er wollen fortschreiben / wann er von mir nicht wåre verstöret worden. Wie ich nun hieraus / wegen der schwarzen augen und des weissen haares / ersehen / daß er mich gemeinet / ob er wol sonst allzuviel zu meinem vorteil geredet hatte / bliebe ich etwas beschämt / und sagte: Ich müste gestehen / daß er die person sehr erhoben / von der ihme diese reimen zu machen beliebet. Nicht so hoch / (antwortete er mir /) mag diese himlische person von einen sterblichen erhaben werden / daß es nicht noch viel zu wenig wäre: dann ihre würde erstrecket sich so gar über alle beredsamkeit / daß sie keine zunge oder feder gnug aussprechen kan. Mein vetter ist gar zu gut auf der seite / die er anzunemen erwehlet [278] hat / (gab ich zur antwort) und m \chte vieleicht nicht alle welt ein so vorteilhaftes urteil / als er / davon fållen.

Als er mir hierauf antworten wolte / kam der K \nig darzu / und fragte / was wir miteinander spracheten? Ich zeigete ihm gleich Abimelechs reimen. Er / als er sie gelesen / lachete / und sagte: Abimelech müste seine arbeit zum ende machen. Wie nun der Prinz solches noch etwas in bedenken zoge / weil er vieleicht mich mit seiner gar zu öffentlichen bekentnůs zubeleidigen fůrchtete / name Melchisedech ihme den griffel aus der hand / und setzete selbst diesen vers hinzu:


Daß wir / mit diesem lob / Coelidiane meinen.


Er machte den Prinzen / als er ihm den reim gezeiget /ganz err \tet / also daß er fast keine gebärde zu fassen wuste. Diß gefiele dem K \nig nicht ůbel / und sagte er zu ihm: Ihr dürfet / mein sohn! eure gedanken so gar nicht verhelen / weil wir solche gut heissen; und ist mir von herzen lieb / daß ich euren und eures herr vatters sinn dem meinigen so änlich finde. Und ihr /liebste tochter! (sagte er ferner / sich zu mir wendend /) werdet diesem Prinzen also begegnen / wie seine verdienste und euer glück es begehren.

Ich ward über diesen worten ja so beschåmet / als Abimelech. Weil sich aber der K \nig sonderlich mit uns erlustigen wolte / hiesse er ihn vollends diesen satz ausdichten / das er dann also verrichtete:


Dann sie ist ja der höchsten schönheit preis:

die wahre tugend gleicher weis

aus ihr wir sehen scheinen.


Nach verfärtigung dieser reimen stellte er das gedichte dem König wieder zu: der es mir gabe / und zugleich befahle / mit einem par zeilen darauf zu antworten. Ich / [279] die ich seinem befehl jederzeit gehorsamet / verrichtete solches in folgendem satze:


Ob sonst / dein scharfer sinn / kan alles völlig kennen:

so schleust du doch von mir / viel anderst / als es ist.

Wie komt das? soll man dich drum unverständig nennen?

O nein! die ursach war / daß du so höflich bist.


Diese kurze antwort gefiele dem König sehr wol / und Abimelech růmete sie über die massen: wiewol er nicht gestehen wolte / daß er in seinen versen was unrechtes geurteilet. Melchisedech begehrte hierauf / wir solten uns stäts also zusammen üben / und ihme alsdann die erfundene gedichte sehen lassen: welches wir nach der zeit fleissig in acht namen. Unsere freundschaft wuchse also von tag zu tag / also daß wir so verträulich / als schwester und brüder leben mögen /miteinander umgingen. Meiner schwester erzeigte er auch grosse freundschaft: dennoch konte ich / vor ihr /in allen dingen bei ihm einen vorzug spůren. Wir gewoneten also beisammen zuseyn / daß fast nie eines ohne das andere gefunden wurde.

Weil nun diese unsere keusche liebe nicht mehr heimlich war / sondern hof-kündig wurde / als war der Prinz von Hemath / der eine weile von uns gewesen /und bei seinem herr vatter sich aufgehalten hatte /auch nicht der lezte von denen / die es erfuhren / und geriete deshalben in eine grosse eiversucht gegen den Abimelech. Weil bei ihme der hochmut so heftig als die liebe war / gedachte er keines wegs dem Prinzen der Philister zu weichen. Es konte ihm auch der Zutritt bei hof nicht verwehret werden / weil er von einem vornemen haus war. Also hatte er freiheit genug / vielfältig um mich zu seyn / und mich mit seiner verdieslichen liebe zu plagen: die mir nun noch viel widriger wurde / als ich den unterscheid [280] zwischen beiden Prinzen sahe / und wie so gar ungleich sie mit mir lebeten. Dann Abimelech / dessen liebe von mir und ganz Salem gebilliget wurde / ging so ehrerbietig mit mir um / daß ich fast nie das wort Liebe aus seinen mund h \rete: da er mich doch sonst mit den angenemsten gespråchen unterhielte / und in allen seinen handlungen seine liebe sehen lies.

Es rürete zwar dieses / daß er in seinen reden so behutsam war / grossen teils daher / weil ich mich oft gegen ihm über die unbescheidenheit Bileams beklagte: das er dann so wol zu ohren fassete / daß er sich tåglich bässer in acht name / mich nicht auf solche weise zu beleidigen. Mir gefiele auch seine verhältnis / daß er mich also fůrchtete / so überwol / daß ich ihm hierdurch immer gewogener wurde: dann ich dorfte frei mit ihm umgehen / und wuste alle seine gedanken / ob sie mir gleich sein mund so deutlich nicht sagete. Ich dorfte also nicht h \ren / was mir der wolstand zu dulten nicht erlaubete: wiewol es auch mit uns nicht viel zu bedeuten gehabt / indem es unsere eltern und verwandten gut hiessen. Bileam hingegen war so frech / mir ohne unterlas mit seinem leiden ein leiden zu machen / daß ich ihm oft sehr unhöflich begegnete: in der hoffnung / er würde desto eher von mir ablassen. Es ware aber hiemit nichtes geschaffet: er blieb bei seiner weise / sich und mich zu quälen. Und hierzu suchete er noch mehr gelegenheit / als er meiner gunst gegen den Abimelech inne worden: dem er auf allerhand weise hinterlich war / alleine bei mir zu seyn / also daß sie deswegen oft an einander geraten wären / wann ich es nicht immer verhůtet hätte.

Sonderlich wåre es einsmals bald übel ausgeschlagen / als der Prinz der Philister im schloßgarten sich bei mir befunde. Als wir einer nachtigall mit sonderbarer [281] vernůgung zuhöreten / kame Bileam dazu / und wolte dem Abimelech / wie er ihn so stille bei mir sitzen sahe / einen h \nischen stich geben / ihn schimpflich fragend: Ob man die gute geschicklichkeit eines jungen ritters daran erkennen k \nte / wann man dem frauenzimmer mit seinen stummen gedanken die zeit vertriebe? Es wäre wol mancher mehr damit gedienet /(antwortete Abimelech /) wann der jenige / so sie mit ungeschickten gesprächen unterhalten wolte / still schwiege / als daß er mit unnůtzen geplär ihre zarte ohren beunruhigte. Wie mich dann bedůnkt / die Prinzessin Coelidiane wäre auch wol zu frieden / wann wir beide schwiegen / um ihr die vergnůgung nicht zunemen / der nachtigall gesängen zuzuh \ren. Eines so liederlichen vogels stimme / (sagte Bileam hingegen /) wird mich niemals einige gelegenheit versäumen machen / meine Prinzessin mit gesprächen zu unterhalten. Lasset mich deswegen eure stelle vertretten / und h \ret ihr anderswo ungehintert eurer nachtigalle zu / so lang ihr wollet. Wann ich nicht (antwortete Abimelech / den diese reden beleidiget hatten /) der Prinzessin Coelidiane aus gebürender ehrerbietung schonete / so wolte ich weisen / wie man so höfliche reden beantworten müsse. Wann ihr aber ein so erfahrner hofmann seit / so sparet solche worte / bis wir allein sind / so sollen sie nach gebür beantwortet werden. Im ůbrigen seit versichert / daß ich meinen platz keinem in der welt / am wenigsten aber dem Bileam von Hemath / ůberlassen werde.

Ich sahe wol / das dieses gespräch in die länge kein gut thun wůrde / trate deswegen dazwischen / und beschwerete mich hoch / das der Bileam meiner gegenwart so wenig geschonet / und name den Abimelech bei der hand / sagende: Lasst uns von diesem ungestůmen hinweg [282] gehen / und einen anderen ort suchen /da wir der nachtigall gesang ungehintert zuh \ren m \gen! Diese worte verdrossen ihn heftig: wir aber liessen ihn stehen. Doch befahrete ich mich / sie m \chten hierůber nachgehends an einander kommen /sagte es demnach gleich dem König: der dann alsofort nach ihnen sandte / um ihrer personen versichert zu seyn. Wir erfuhren aber / daß sie schon aneinander gewesen / und der Bileam etliche wunden entfangen hatte. Melchisedech verwiese ihnen beiderseits diesen handel gar hoch / insonderheit dem Bileam / als er Abimelechs entschuldigung vernommen. Ihn besucheten nachgehends / weder der König / noch wir andere / als er etliche tage der kammer hüten muste: um ihme zuzeigen / wie wir uns beleidigt / befånden. Dieses verdrosse den hoffårtigen Prinzen dermassen / daß er /in den Assyrischen krieg / den damals die Könige BelOchus und Marsius mit einander füreten / hinweg zuziehen / ihm vorname: wiewol sich solches von einem monat zum andern verschobe. Abimelech håtte diesem krieg auch gern beigewonet / zwar aus anderem antrieb: wann er von seinem herrn vatter håtte erlaubnůs bekommen k \nnen.

Nach diesem begabe es sich / daß Abimelech mit dem Ahusath / der mit ihme von jugend auf erzogen /und der nach meinem herr vattern genennet worden /auf den berg Morija / alda die opfere zu geschehen pflagen / spaziren ginge / (wie er oft zu thun gewonet war /) zweifelsohn / sich mit ihme von unserer liebe zubesprechen. Sie waren kaum in das dicke gebüsche / das diesen berg umgiebet / gekommen / da traffen sie etliche personen an / die sich wider eine grosse anzal rauber wehreten / und so dapfer fochten / daß Abimelech straks eine zuneigung zu diesem unbekanten frömden in ihm entfunde / und nebst [283] dem Ahusath sich grosmůtig entschlosse / demselben beizuspringen. Selbige waren solcher hůlfe eben zum höchsten benötiget / weil der lange streit wider so ungleiche menge sie so abgemattet / daß sie nicht mehr / ohne Abimelechs hůlfe / hätten bestehen k \nnen. Also wurden durch diese dapfere Prinzen / die rauber teils erlegee / teils verjaget / und dadurch die frömden errettet: welche sie sehr verwundet mit sich nach Salem namen.

Selbige wurden von den K \nig / weil sie hohe personen waren / sehr wol entfangen: dann es waren darunter zween teutsche Fůrsten / deren der fürnemste sich Cimber / der andere Tubal nennte / beide dem K \nig von Basan nahe verwandt; und der dritte ware der Fürst Eliphas von Theman / der in seiner kindheit mit dem Abimelech zu Ur erzogen worden / und also die alte kundschaft hier wieder erneurete. Aller dreier ihre geschicklichkeit / machte ihnen den ganzen hof zu freunde: und weil sie sehr verwundet / musten sie eine gute zeit zu ihrer wiedergenesung hinbringen. Abimelech und Cimber machten eine verträuliche freundschaft mit einander: weil der letzere dem ersten / wegen seines lebens rettung / so hoch verbunden /jener aber diesen ihm von sinne ganz änlich befande: daher sie fast nie voneinander bleiben kunten. Als sie nun an ihren wunden wieder geheilet waren / hielte sie der K \nig noch ein zeitlang auf / der den Cimber ebenfalls hoch zu lieben anfinge / und sich belustigte /von ihm die Teutsche sprache in etwas zu erlernen / in deren übung er eine sonderbare vergnügung funde. Weil nun Cimber sich entschlosse / noch etwas bei uns zuverbleiben / schickete er den Tubal hinweg in seinen geschäften.

Unser hof ware nun / durch die gegenwart dieser Fürsten / sehr erfr \licht: indem sie fast tåglich etwas neues [284] anstelleten / dem K \nig die zeit zu vertreiben /und dem frauenzimmer sich gefällig zu machen. Unter andern fingen sie ein lustiges wagen-rennspiel an: da ich / auf befehl des Königs / den preis muste aufsetzen. Abimelech und Cimber / als sie gegen einander rennten / wolten aus h \flichkeit keiner gegen dem andern einen vorteil haben / bl \sseten / liessen also mit fleis einander ihre schilde. Als aber Cimber merkete /daß Abimelech sowol als er keinen ernst gebrauchte /bemůhete er sich beim dritten rennen / einen vorteil über seinen freund im verlieren zu erlangen: machte also / durch seine geschicklichkeit / daß / wie Abimelech seine pfeile auf des Cimbers schild nicht anzubringen sich hütete / er dennoch etliche pfeile auf seinen schild auffinge / und also den sieg dem Abimelech zuweg brachte. Der junge Prinz Hiarbas aus Egypten / rannte hierauf mit dem Eliphas / und Bileam mit den Aran: da sie alle es sehr wol macheten / wie auch die edelleute / so nach ihnen rannten. Bileam allein / legte grossen schimpf ein: Dann / weil er in seinen ersten rennen mit dem Hiarbas ware gleich worden / muste er mit diesem Prinzen noch einmal lassen laufen: da er es dann versahe / und im werfen nicht allein den schild verlore / sondern auch gar aus den wagen fiele. Niemand in der ganzen gesellschaft enthielte sich hierüber des lachens / weil jederman ihme dieses unglück g \nnete. Er muste überdas mit neid ansehen / wie ich seinem mitbuler den preis gabe: der ihn zwar lang nicht wolte annemen / mit fürwand / der Cimber hätte solchen gewonnen / indem er mit so grosser kunst verloren. Meine schwester /legte diesen streit bei / indem sie dem Cimber den zierdank zu erkante.

Ich håtte aber bald vergessen / die ursach dieses luststreites anzufůren. Der Prinz von Egypten hielte sein [285] abzugs-fest / welchen der K \nig von Ophir / dessen schwestersohn er war abfordern lassen / um ihn bei seiner regirung / weil er keinen sohn hatte / zu gebrauchen: deme zu ehren Abimelech dieses renn-spiel angestellet. Selbiger Prinz machte / wegen seiner annemlichkeit / den K \nig und uns alle klagen / daß wir seine gesellschaft missen solten; und hinterliesse er eine so gute nachrede / daß noch diesen tag / von dem Hiarbas in Salem viel geredet wird. Weil aber Bileam so unglůcklich gewesen / als machete der scherzhafte Abimelech hierüber diese reimen:


Den eine Nachtigall nicht bringen kunt zum schweigen /

weil bei der schönsten er sein wort viel edler hielt:

hat fug / daß er nit recht im rennen hat gezielt /

weil er so höflich ist / vor ihr sich tief zu neigen.


Diese reimen gefielen der ganzen gesellschaft / die bei mir im gemach war. Cimber vermehrte unsre hierůber / habende kurzweil / indem er meiner schwester / zur danksagung wegen zu-erkennung des zierdankes /diese reimen ersonne und übergabe:


Wie komt ihr doch hierzu / den zierdank mir zu geben?

da ich / nicht lust noch zier in dieses spiel gebracht.

Der / der so zierlich fiel / hat wol mit recht gedacht /

er d \rfte nur allein nach dieser Ehre streben.


Diese reimen kamen gleich überall hin / und als Bileam erfuhre / daß wir also über ihn unsere possen gehabt / verdrosse es ihm so sehr / daß er / sich an dem Abimelech und Cimber meuchelmörderischer weise zu råchen / ihme aus erbosetem gemůte fürname. Unter anderen seinen helfern / gebrauchete er sich vornemlich des Arans / der stäts sein guter freund gewesen. Mit diesem und der übrigen rotte stellete er es an / daß sie einsmals den Abimelech / Cimber und Eliphas / die sich [286] nichts böses versahen / und im feld allein spazirten / feindlich überfielen / und / wäre es ohne derselbigen unbeschreibliche Dapferkeit gewesen / sie gewiß erleget hätten. Sie beschützeten aber ihr leben dermassen / daß viele des Bileams leute auf dem platz blieben: bis ihnen aus der stadt / darinn es rüchtig worden / vom König hülfe zukame. Diese funden den Abimelech auf der erden ligen / und den dapfern Cimber ůber ihm stehen / der da verwehrete / daß die feinde dieses vorteils sich bedienend ihn nicht todt machen kunten. Wie sie nun endlich des Bileams haufen verjaget / wurden diese Helden / alle drei sehr verwundt / in Salem gebracht. Bileam aber und Aran machten sich davon: weil sie / nach dieser verübten unthat / die ihnen so übel geraten / nicht länger daselbst bleiben dorften.

Unser kummer / den wir hierüber erlitten / ist nicht zu beschreiben: welcher auch nicht eher gelindert worden / biß wir eigentlich wusten / daß sie auser lebensgefahr wåren. Sie hůteten etliche wochen des bettes: in welcher zeit meine schwester und ich sie fleissig besucheten. Ich wieche fast niemals von Abimelech / ihm alle handreichung erstattende: der sich dann immer entfärbete / so oft ich hinein kame / und mir fůr die gnade / (wie er es nennte /) so ich ihme mit meiner besuchung anthåte / mit den zierlichsten worten dankete. Sie wurden von allen / die von diesem ungleichen streit geh \ret / sehr gerůmet / wie es ihre hohe tugenden verdieneten. Abimelechs und Cimbers freundschaft ward hierzwischen immer gr \sser / also daß fast keiner ohn den andern seyn kunte.

Nicht lang hernach / als sie kaum wieder gesund worden / forderte der König der Philister seinen sohn wieder ab: da dann der ganze hof um seinen abschied trauerte / [287] und konte der K \nig den jenigen ohne betrübnůs nicht hinweg ziehen sehen / den er also hoch liebete. Cimber und Eliphas namen / nicht gar lang hernach / auch ihren abschied / und ward also unser hof ganz leer / daß wir von keiner lust mehr wusten /die uns bisher ihre gegenwart verursachet. Weil Abimelech von seinem thun mir fleissige nachricht gabe /als erfuhre ich / wiedaß er dem krieg unter dem Fůrsten von Edom nachz \ge / der wider den statthalter in Basan die v \lker des K \nigs der Philister fůrete: dann die witwe des Marsius / die K \nigin Salamis / bekriegte den Suevus / und wolte / als eine geborne Prinzessin aus Basan / die regirung haben. Ob nun zwar dieser kriegszug wider seines freundes des Cimbers landsleute ergienge / so fochte er dennoch dapfer und redlich / und hielte sich so wol / daß sein gerůch te weit und breit erschallete: das dann meinem herr vatter und mir auch nicht unannemlich zu hören ware.

Lange zeit hernach kame er wieder zu uns / als er vom K \nig in Assyrien / auf sein inständiges anhalten / verheisung erlanget hatte / daß er ihn ferner in kriegesdiensten gebrauchen wolte. Wir funden / bei dieser anderen zusammenkunft / beiderseits einander noch unveråndert wieder / und sch \pften eines vom andern grosse bergnügung. Er hielte sich aber diesesmal nicht lang bei uns auf / und konte ihn der K \nig kaum zu etlichen wochen bereden: die er dann / wie er mir sagte / blos meine gegenwart zu geniessen / bei uns zubrachte. Ich fande ihn einsmals auf dem berg Sion /der mit in der stadt Salem begrieffen ist / unter einem schattichten baum schlaffen / und nicht weit von ihm eine schrift ligen / die ich dieses innhalts ablase:


[288]

Zu vieles glück / ist unbequem zu tragen.

Ich fühle wol / wie ihre huld mich drückt:

ich bin mit der / als einem netz / bestrickt.

Ich darf mir selbst nicht / was mich quålet / klagen.

Wol dem / der sich weiß frei von solchen plagen!

Wann sonst ein leid hat unser herz berückt /

so wird die angst zum himmel hingeschickt:

nun aber muß in mir mich alles nagen.

Worüber kan ich billig mich beschweren?

Daß man mich liebt? Wie? Wil ich dann den haß?

Nein! ihre gunst / doch nicht in ůbermaß:

Zu viele lieb / möcht meine treu verzehren.

Mein herz ist hin: drum hab ich nichtes mehr /

als daß die lieb mit freundschaft ich verehr.


Diese reimen machten mir anfangs allerhand frömde gedanken: da ich vermutete / mein Abimelech hatte sie auf sich und eine Dame gemachet / die ihm ihre gunst erzeiget / deren er / um meinetwillen / mit gleicher gegengunst nicht wilfahren können. Wie ich ihn aber / als er erwacht / hierüber zur rede gestellet / erklårte er sich dergestalt: wie daß er dieses gedicht nicht selber gemachet / sondern nur am Babylonischen hofe abgeschrieben hatte / da es einer seiner guten freunde verfårtiget. Er muste es mir ůberlassen: da ich es nachgehends auswendig gelernet. Weil aber nun / wie gesagt / der Prinz Abimelech nach Babel eilete / als musten wir von einander scheiden: da ich ihm versprache / wie daß ich / mit meinen seufzern zu Gott fůr sein wolergehen / ståts bei ihm seyn wolte.

Kurz darnach / wie er hinweg war / kamen abgesandten von Hemath an / die um mich / von des K \nigs Jobat wegen / fůr den Prinzen Bileam die werbung ablegten. Wir erfuhren von ihnen / daß dieser Prinz / wie er unsern hof verlassen / nach dem K \nigreich Ammon gezogen wåre: alda er dem König Hanon wider die [289] Teutschen / und lezlich wider den jungen K \nig Marsius / zu kriege gedienet hatte /nunmehr aber sich wieder zu Hemath besünde. Der König Melchisedech aber / liesse ihnen zur antwort wissen: wie daß ich bereits an den Prinzen der Philister verlobt wåre / und also des Jobats sohne nicht zu theil werden könte; der zudeme sich nicht also bei uns verhalten håtte / daß wir beliebung tragen k \nten /seine befreundung zu wünschen. Mit dieser abschlägigen antwort / reiseten sie wieder nach Hemath ab: und lebete ich nach deme in zimlicher ruhe und zufriedenheit / an nichts weniger / als an das / so mir vorstunde / gedenkende.

Im vergangnen jahr / begabe ich mich neben meiner schwester hieher / wie wir alle sommer zuthun pflegten / weil dieses schloß / wegen der nåhe des Jordans /gar annemlich und lustreich ist: Der König aber bliebe dißmal zu Jebus / weil er viele geschäfte hatte / die ihm nicht zuliessen / hieher zu kommen. Wir waren aber kaum etliche tage hier gewesen / da begabe es sich an einem abend / daß wir / als wir nahe hierbei in einem lustigen thal spaziren gingen / einen wagen mit vielen reisenden ersahen / der nicht weit von uns seinen weg fůrbei name. Dieser als er gerad gegen uns ůber gekommen / brache entzwei / und machte also das aufhabende frauenzimmer heraus steigen: da dann eine unter ihnen / welcher alle die anderen grosse ehre erwiesen / im fallen des wagens ein bein gebrochen /worůber die anderen sich über die massen beängstigt und betrübt anstelleten. Ich / aus mitleiden bewogen /ginge neben meiner schwester und meinen leuten zu diesen fr \mden / beklagte ihren unfall / und bote ihnen das schloß an / daselbst einzukehren und nach ihrem entfangenen schaden sehen zu lassen. Die alte Dame / welche dieses unglück erlitten / kunte [290] mir für schmerzen nicht viel antworten: von ihren leuten aber / wurde mein anbot willigst angenommen. Ich erfuhre von ihnen / daß es die K \nigin der Bactrianer wåre /welche / wieder von Hemath kommend / in ihr land reisen wolte. Diese kåntnis von der mumen des Bileams / machte meine fürsorge für sie nicht verringern: weil ich damals noch nicht wuste / wie lieb ihr dieser vetter ware. Als sie auf das schloß gekommen / und nach ihrem schaden gesehen wurde / befunden die wundärzte den also / daß ein monat verliefe / ehe sie ihre reise fortsetzen kunte. In dieser zeit machete sie /wie ich nachgehends gewar wurde / einen anschlag mit dem Bileam: der heimlich in verstellter kleidung /weil er / da seine gesandten eine solche abschlägige antwort bekommen / sich von mir nicht wolte sehen lassen / in ihr hieher kame / mich in Bactra zu entfüren. Weil mir dieses unglück bestimmet war / als muste sich alles darzu schicken. Als die K \nigin Clotis fortreisen wolte / und ich ihr bis auf eine kleine Insel / die im Jordan liget / das geleit gabe: liesse ich mich durch ihr vielfåltiges bitten ůberreden / mit nach Pniel zugehen / und hinterliesse ich alle meine leute auf der Insel / als gesonnen / in zweien tagen wieder bei ihnen zu seyn.

Als wir nach Pniel gekommen / gabe sich Bileam mir zu erkennen / mich so sehr mit seiner gegenwart /als durch sein unvermutetes anbringen / erschreckend. Es fehlte nicht viel / ich wäre gar vor schrecken gestorben. Wiewol ich mich widersetzen wolte / so muste ich dennoch mit fortreisen: und halfen mir meine thrånen nirgend zu / als bei diesem böswicht freude zu erwecken / daß er mich also in seine gewalt gebracht hatte. Die K \nigin wolte zwar / auf dieser verdruß-reise / mich zu frieden sprechen: Ich aber war so ungedultig ůber diesem betrug / [291] daß weder sie noch Bileam ein einiges gutes wort von mir erlangeten. Nach zweien monaten kamen wir in die haubtstatt Bactra / da Oxyartes der König mich herrlich entfinge. Dieser wolte / neben den andern / mich zwingen /den Bileam zu heuraten. Mir ward fůrgeschwatzet /wiedaß er / nach seinem tode / den Bileam zum erben hinterlassen wolte / weil er keine kinder hatte. Dann Merotas / der sohn von seiner einzigen tochter / die den König von Tyrus gehabt / ware zu Hebron umgekommen. Und weil der K \nig von Tyrus / nachdem des Oxyartes tochter gestorben / sich mit der K \niglichen wittib von Elam / die des BelOchus schwester war / wieder vermälet: als ware dieser K \nig seinem schwiegersohn deswegen so gehässig / daß er von den beiden Prinzessinnen / die seiner tochter kinder und des Merotas schwestern waren / keine zur erbin machen wolte. Alle diese betrachtungen nun / die mir die K \nigin oftmals zu gemůte füren wolte / konten mich nicht bewegen / den lasterhaften Bileam zu lieben /und des tugendvolkommenen Abimelechs zuvergessen: sondern ich widersetzte mich immerfort / daß sie wol sahen / es wůrde viel zeit darzu gehören / eh ich mich gewinnen liesse.

Es kame aber bald darauf / von dem ståts-anhaltenden krieg mit den Assyriern / die zeitung nach hof /daß sie über den fluß Sarangis gegangen / und ein fästes schloß eingenommen hätten. Bileam ward vom K \nig mit frischen v \lkern gleich abgefärtiget / und war meine freude unaussprechlich / als ich erfure /daß mein Prinz die Assyrischen v \lker fůrete. Ich pochete \ffentlich auf denselbigen / und hoffete gänzlich / durch ihn wieder erledigt zu werden. Täglich hörete ich von dieses Prinzen unvergleichlichen thaten / und war ich die einige / die sich darob freuete / da sonst sein name allen Bactrianern [292] furcht einjagete. Abimelech siegete mit so geschwindem fortgang / daß er endlich den Oxyartes in seiner eigenen haubtstatt belagerte. Bileam befande sich dazumal / von einen teil der Assyrischen v \lker / die der junge Ahasath fürete /so umschlossen / daß er dem K \nig keine hülfe senden kunte. Der Prinz ångstigte die stadt dermassen /daß sie sich endlich ergeben und den Abimelech sieghaft einlassen muste.

Ich stunde an einem fenster / als dieser vortreffliche held seinen einzug hielte. Er kennete mich gleich /und zwar um soviel leichter / weil er bereits vorher meine gewaltsame entfůrung vernommen. Wie er mich demnach auf das höflichste gegrüsset / kame er /sobald er nur konte / zu mir in das zimmer. Unser beiderseits freude ist nicht zu beschreiben: daß nåmlich ich wieder frei war / und er mich erlöset hatte. Er beklagte so wol mein ausgestandenes ungemach / als er sich nun hingegen mit mir über meiner freiheit ergetzete: seine h \chste vergnůgung darneben bezeugend /daß er mir diesen dienst thun k \nnen / deren ewig-verbundenen diener sich nennte. Weil aber sein damaliges amt ihm nicht die zeit verg \nnte / ein mehrers mit mir zu reden / als brache er bald ab: damit er /nach dieser grossen eroberung / alle nötige anstalt machen möchte. Oxyartes ward zwar gefangen genommen / dennoch königlich gehalten: weil Abimelech eines viel zu edlen gemůtes war / als daß er diesem K \nig sein unglůck solte vermehret haben. Derselbe aber konte diß ünglůck so übel vertragen / daß er / am vierten tag nach eroberung der stadt / den geist aufgabe. Der Prinz tr \stete hierauf die alte K \nigin /so gut es sich wolte thun lassen / und raumete ihr ein schloß ein / da sie ruhig leben / und vom krieg keine beschwerung fůrchten dorfte. Nun war er ferner auf nichtes mehr [293] bedacht / als wie er mich in sicherheit brächte. Und ob er wol nichtes höher wůnschete / als mich meinem betrübten vetter / dem K \nig Melchisedech / selbst zu ůberbringen: so ware doch solches der zeit unmůglich / weil er den krieg weiter verfolgen muste.

Gleichwol begleitete er mich mit allem seinem volke bis an den fluß Moscus / der schon ins Königreich Elam gehöret: alda er einen ganz treuherzigen abschied von mir name. Als ich ihm nochmals höchlich fůr meine erl \sung dankete / und ihm darneben bezeugete / daß sie mir von keinem menschen in der welt angenemer / als von ihm / wiederfahren können: versicherte er mich / daß ihme dieses glück noch viel angenemer begegnet / und wünschete mir darneben tausend gutes / mich versicherend / daß ich in allen begebenheiten von ihm verspůren solte / wie bereitwillig er wäre / auch sein leben fůr mich in die schanze zu schlagen. Damit name er meine hand / die er ganz inbrünstig küssete: welches ich dann beim abschied / und weil ich ihm so hoch verbunden / geschehen liesse; wiewol er sich sonst dergleichen freiheit nicht anmassete. Er seufzete gar sehr / als er mich sahe auf den wagen steigen / und hinweg fahren. Weil ich schon in freundes land war / auch von des reichsstatthalters in Elam kammerherren begleitet wurde; und weil der König Melchisedech mir / von des Königs von Canaan v \lkern / leute entgegen gesendet: als thåte ich diese weite reise bis ins land Canaan ganz sicher / da ich von nichtes beschwerde entfande /als von dem b \sen wetter / weil es noch winter ware. Man kan leichtlich sich einbilden / wie ich den König mit meiner wiederkunft erfreuet / den ich hier zu Salem wieder angetroffen: da nun das glück / mit ankunft und kentnüs der sch \nen Aramena / mir die freude verzweifachet.


[294] * * *


Also endete die schöne C \lidiane ihre rede / und Aramena sagte hierauf: Gewißlich / wehrte Prinzessin! ich muß bekennen daß unter allen liebesgeschichten / die mir bis heute zu ohren gekommen / mir noch keine bässer gefallen / noch meinem sinne / dafern ich zum lieben erkoren / gleichförmiger wäre / als die liebe des Prinzen der Philister. Ich habe gar keine torheiten darinn vernommen / die sonst den verliebten anhangen; und gläube / dieses můsse die bäste und stårkeste liebe seyn / die von unruhe / ůbergrossem verlangen / sorge und gråmen unbegleitet ist. Dann wie kan das heisen / einem andern gutes g \nnen /wann man soviel beschwerlichkeit von ihm fordert /oder selber entfinden muß: welche qual man dann /aus liebe zu der geliebten person / sich noch eins so groß fürmalet / damit dieselbe solcher auch mit teilhaftig werde. Ich kan nicht wissen / (antwortete C \lidiane låchlend /) ob der Prinz Abimelech dieser unruhe und qual / die die verliebten sonst bei sich entfinden / so gar befreiet sei gewesen. Ich weiß auch nicht / ob ich es solte wünschen: weil mir / durch dergleichen merkzeichen / seine liebe desto gewisser seyn kan. Doch muß ich versichern / daß er sich åuserst bemůhet / mir dergleichen nicht sehen zu lassen: weil er / wie ich schliessen kan / befůrchtet / daß ich es nicht wol vertragen m \chte. Wie es mir aus der erzehlung vorgekommen / (wandte Aramena hingegen ein /) so bedünket mich / er sei solcher torheit befreiet gewesen. Hätte er aber / der sch \nen C \lidiane zu gefallen / dieselbe verhelet: ist er deswegen doch zu rümen /weil er sie nicht mit dergleichen verdrieslichkeit beschweren wollen.

Ich kan nicht sagen / wie es komt / daß ich ein so gutes herz zu diesem Prinzen habe / da ich ihn doch nicht gesehen. [295] Was würde meine schöne Prinzessin alsdann erst thun / (sagte C \lidiane /) wann sie ihn persönlich sehen solte: mir dörfte schier angst werden / ich bekåme eine gefärliche mitbulerin. Das hat keine gefahr / (antwortete Aramena /) wir können ihm beide ohne eiversucht gut seyn: die Prinzessin von Caphtor / als seine verlobte; und ich / als ihre freundin. Aber weil ich nun seines gemütes so gute wissenschaft habe / wolte ich auch gern die beschreibung der person anh \ren: weil ich nicht besorgen darf / der C \lidiane damit beschwerlich zuseyn. Seine gestalt und person betreffend / (sagte Cölidiane) ist mir noch keine wackerer als die seinige vorgekommen: wann nicht der Teutsche Cimber ihm etlicher massen die wage hält. Doch sind sie beide ungleicher schönheit /wann man anderst einen mann sch \n nennen darf. Der Abimelech ist bräunlich; hat lange braune haare / die ihm in grossen wolken über die schultern fallen; grosse schwarze augen / mit denen er sehr liebreich aussihet; eine etwas erhobene nase / und einen gar schönen mund. Sein ganzes wesen / ist so majestetisch /als gütig. Er ist mittelmäsiger länge / und so wackerer gebården / daß alles ihm ůberaus wol anstehet. Wůrde ich der Prinzessin Aramena fürtrefflicher schönheit keine verkleinerung anthun / d \rfte ich schier sagen /ich fände eine gleichheit in ihrem und dieses Prinzens angesichte.

Den Cimber betreffend / so ist derselbe sehr lang von person. Sein haar / ist licht von farbe; und seine ganze gestalt ist gar angenem. Seine grosse offenbare augen / fůren die helleste farbe des himmels / und schiessen ein solches feuer von sich / daß man den hohen scharfsinnigen geist sattsam daraus kan erkennen. Er ist von wesen sehr liebreich und freundlich: dabei aber erwecket er in [296] denen / die ihn sehen / soviel furcht als liebe / und kan man aus seinem gesichte und allen gebärden eine hohe geburt urteilen.

Warlich / meine Prinzessin! (sagte Aramena hierauf / låchlend) ich spüre sattsam / das sie eine eiversucht auf mich geworfen: weil sie mir / nicht allein den Prinzen der Philister / sondern auch den Prinzen aus Teutschland beschreibet. Nimmermehr wäre Cimber von Abimelechs verlobtin so wacker abgebildet worden / wann sie nicht begehrete / jemand in ihn verliebt zu machen. Weil ich aber des Cimbers wandel noch nicht also kenne / und / wie ich vernommen /denselbigen allbereit todt achten muß: als wehle ich doch auf den Abimelech / zumal mir derselbige sol änlich sehen. Hiervor bin ich der sch \nen Aramenen h \chlich verbunden / (antwortete C \lidiane /) und deute es billig auf ihre h \flichkeit / daß sie / was ich liebe / rümen wil; wiewol sie sonst / wann sie den edlen Cimber sehen solte / deme / was ich von ihm gesagt / beifall geben würde. Aber wie bekümmert bin ich über der leidigen zeitung / daß er todt seyn solle. Ach! solte das gewiß seyn? (hube hierauf Jaelinde / ganz erblasset / an zu reden /) das der Prinz Cimber gestorben? Ich weiß nit anderst / (sagte Aramena /) als daß er / in dem lezten kriege zwischen den K \nigen von Assyrien und Basan / in der schlacht geblieben. O nein! (antwortete Jaelinde / und name hierauf wieder ein freudigeres wesen an) so ist er Gott lob noch im leben: dann er / nachdem dieser krieg schon lang geendet war / bei uns zu Salem gewesen ist / und habe ich neulich noch jemand gesprochen / der ihn gesehen. Es ist mir so viel lieber / (sagte Aramena) weil ich sehe / wie beliebt allhier dieser Prinz ist: und kan es leichtlich seyn / daß ihn ein gleichmåsiges glůck beim leben erhalten / wie den jungen König [297] Marsius /welchen man in selbiger schlacht auch fälschlich todt gesaget.

Als sie noch in diesem gespräche begriffen waren /kame unversehens der König Beor zu ihnen / deme sein sohn / von etlichen wenigen bedienten begleitet /nachfolgete. Dieser K \nig suchete in der Aramena zimmer seine Ahalibama: wie er aber / nach abgelegten höflichkeiten / um sie fragete / und von der Thoris / die eben von ihr gekommen war / verstanden / daß sie wachete / liesse er den Hemor bei den dreien Prinzessinnen / und ginge nach der Ahalibama kammer. Er fande sie so blass und betrübt / daß er zu ihr sagte: Ist es wol müglich / liebste Ahalibama / daß ihr / um mir mein glück / so ich jezt euch wieder sehend geniesse / zu misg \nnen / eure wangen mit so bleicher farbe bekleiden / und den glanz eurer funklenden augen / dem die sonne weichen muß / dem erdboden entziehen wollet? Es wäre kein wunder / (antwortete Ahalibama /) wann E. Maj. meinen innerlichen schmerzen durch die åuserliche anzeigungen erkenneten / dann mein herz billige ursach hat / mit solcher angst umschlossen zu seyn / daß es auch kein wunder wåre / wann ich noch ůbler aussähe / ja gar fůr elend stürbe. Aber sagt mir / (fragte der Beor /) was leides widerfäret euch / meine sch \ne Ahalibama! um also sehr zu trauren? Das wissen E. Maj. båsser / (antwortete sie /) als ich es sagen kan.

Ich kan mir nimmermehr einbilden / (wiederholete der K \nig /) daß eine so grosse ungleichheit unserer gemůter seyn solte / daß ihr gegen mir in so grossen haß / als in grosse liebe ich gegen euch / geraten wåret. Ich finde ja nicht / was euer leid anders verursachen solte / als meine liebe: die ja aber eure ehre /und nicht euer verderben suchet. Ich bin wol zubeklagen / daß ich euch [298] dadurch so oft in zweifelhaftige gedanken gesetzet: so gar / daß ihr / nur um mich nicht zu vergnůgen / keine ungelegenheit noch gefahr gescheuet / euch lieber in dieselbige / als in meine arme / zu begeben. Bedenket doch / Fůrstin von Seir! wie saur ihr mir und euch das leben nun etliche jahre gemachet / blos um eures Eliesers willen / und denselben nicht zuverlassen. E. Maj. (brache sie mit ungedult heraus /) machen / mit ihrer halsstarrigkeit / mich am allerunglückseligsten. Dann ich eher den tod / als mich zu åndern / erwehlen werde. Ich weiß ja nicht /wie es kommet / daß ich keine ungnade erlangen kan /da ich es doch E. Maj. so grob gemachet / in dem ich / alles andern zugeschweigen / in dieser lezten flucht genug erwiesen / daß ich keine Kron achte / und mit dem Elieser lieber betteln / als mit dem Beor regiren /lieber mit jenem sterben / als mit diesem leben wolle.

Diese worte gingen dem Beor an das herz: jedoch /weil er den jenigen / der sie verursachete / in todeszügen wuste / als kunten sie ihn nicht zu sehr erzürnen. Weil er nun hierzu still schwiege / als fuhre Ahalibama also fort / zu reden: E. Maj. bedenken nun / wie vergeblich sie sich bei mir bemühen: die ich mir in der warheit eher die ärgste marter / als k \niglichen schmuck / werde anlegen lassen. Man mag mich bewahren / wie man will: so soll dannoch mein geist /sich frei zu machen / wol einen ausgang finden / den ihr niemand verwehren soll / sobald sie ihren Elieser nicht mehr auf der welt haben wird / den sie / E. Maj. grausamkeit halber / verlieren muß. Diese worte / jagten dem König beides eine schamröte ab / weil er sich an des Eliesers tode schuldig wuste; und zugleich eine furcht / wegen der Ahalibama lebens. Demnach wolte er sie nicht weiter ärgern / ihr anzukündigen / wie er entschlossen sei / sie in vierzehn tagen [299] zu heuraten /und daß die Fůrsten von Seir damit einig wären. Er entschlosse hergegen / solches zu versparen / bis sie ihres Eliesers tod beweinet hätte / und sagte ihr demnach ferner nur dieses: Bedenket doch / Ahalibama! was ihr sprechet? Hiemit / weil sie fůr weinen nichtes mehr antworten kunte / begabe sich Beor von ihr: ja so übel zufrieden / als betrübet er sie verliesse.

Weil inzwischen der abend herzu nahete / da Ahalibama / durch der C \lidiane verhelfung / ihren wehrten Elieser zu sehen verhoffete: als wurde ihr verlangen nach ihme immer grösser / je nåher es auf die zeit kame. Und ob sie wol zuweilen bei ihr selber anstunde / ob es nicht würde bässer seyn / für sein und ihre ruhe / daß sie einander nicht schaueten: so stiesse doch ihre liebe solchen einwurf bald wieder um / und geriete sie auf den schluß / daß ihr unm \glich wäre /diese besuchung / wie schmerzlich sie auch seyn würde / zu unterlassen. C \lidiane anderes teils erinnerte sich ebenmåsiig ihres versprechens / wolte aber zuvor den Elieser allein sprechen: um zu vernemen /wie es mit ihm stünde. Sie traffe ihn aber in gar schlechtem zustande an: dann er allbereit mit dem tod range / und seinem bekümmerten bruder in den armen lage. Als er sie aber ersehen / liesse er gleich den Ephron fahren / und sagte / als sie dem bette genähert / mit matter stimme: Wehrte Prinzessin! ich sterbe /und mit dem trost / daß euer Gott mir wird gnådig seyn. Dieser Gott / (antwortete sie) wird auch euren gläubigen geist ohne trost nicht lassen: und bin ich versichert / daß ihr / bei aller eurer angst / grosse ruhe in eurem herzen empfindet. Meine ruhe wåre vollkommen / (gabe er zur wiederantwort /) wann ich die / so ich allein geliebet / noch einmal sehen / und also zu gleich ihr und allen weltlichen dingen gute nacht geben möchte. Dann Ahalibama – – – – [300] Hier verstummete er vor mattigkeit. C \lidiane aber sagte ihm: Wann er es begehrte / solte seine Ahalibama zu ihm kommen. Hierauf winkete er ihr mit dem haubt / und sahe mit seinen sterbenden augen so munter aus / daß C \lidiane nicht länger såumen wolte / die Fůrstin von Seir zu diesem betrůbten abschiede zu holen.

Diese beångstigte liebhaberin / hörete nicht so bald ihre kammerthůr öffnen / da fing ihr das herz an zu schlagen / und sagte ihr zu / wie es mit dem Elieser beschaffen seyn würde. Sie erhube sich deswegen eiligst von ihrem ruhbettlein / auf welches sie sich angekleidet geworfen hatte / und liefe der C \lidiane entgegen: die dann / sie anschauend / die thränen nicht halten kunte. Um des willen Ahalibama gleich zu schreien begunte: O wehe! mein Elieser ist gewiß todt! Coelidiane aber ermanete sie / nicht so laut zu seyn / und ihr zu folgen. Wie sie nun / fast mehr todt als lebendig / fůr des Eliesers bette gekommen / erweckte sie mit ihrer gegenware in ihm eine neue kraft / also daß er seine indem-brechende augen zu ihr kehrete / und beide arme nach ihr ausstreckete / sie zu umfangen. Ahalibama liesse sich ganz kraftlos auf sein angesichte nieder / und benetzete es mit ihren thrånen. Elieser aber / wie er durch diese süsse begrůssung vermerkete / daß sein herz solche freude nicht mehr ertragen kůnte / und daß es bald mit ihme ausseyn wůrde / hube sie mit seinen fast erstorbenen armen wieder auf / da Coelidiane und Astale sie völlig wieder in die höhe brachten.

Als sie sich folgends auf sein bette gesetzet / sagte er zu ihr: Liebste Ahalibama! der himmel vergelte euch die treue / die ihr mir bis jezt erzeiget. Unwürdig bin ich zwar eurer liebe gewesen / aber nicht unerkentlich. Und [301] weil ich sterben muß / so wird der wahre Gott euch zeitlich und ewig vergelten / was ihr mir gutes erwiesen. Ach mein Elieser! (rieffe sie hierauf /) wollet ihr mich dann in diesem meinem elende verlassen? Wåre es Gottes wille / (sagte er hingegen) wolte ich gern bei euch geblieben seyn. Ich wil dannoch (wiederholete sie) euch nicht lassen / sondern euch auch im tode folgen. Wil der gram mich so bald nicht t \den / so soll ein geschwinderes mittel unsere seelen wieder zusammen bringen. Als sie hierauf erbärmlich wehklagete / bedachte er sich eine weile /und begunte hierauf sie wieder also anzureden: Liebstes herz! ihr werdet mir / vor meinem sterben / zwei dinge versprechen / und zuschw \ren / daß ihr es halten wollet. Wie sie dieses sein begehrn erfüllet / sagte er ferner: Das erste / so ich an euch begehre / ist dieses / daß ihr durch kein gewalttåtiges mittel jemals mir folgen wollet; das andere / daß ihr den wahren Gott der C \lidiane anbeten und verehren wollet.

Hiemit ůberfiele ihn eine so plötzliche onmacht /daß er nichtes mehr vorbringen kunte. Als sie ihn nun vor todt hielten / brachte C \lidiane und Astale die Ahalibama von ihm hinweg: welche dann nicht als mit gewalt von ihm sich abreissen liesse / und so erbärmlich schrye / daß auch davon der sterbende Elieser noch einmal die augen wieder aufschluge / und die C \lidiane ansahe / welche bei ihm stunde / und betete. Euch befehle ich (sagte er zu ihr / mit sterbender stimme /) meine Ahalibama / meine Seele aber eurem Gotte. Hiemit endete sich sein leben / und losche er aus / wie ein licht: da dann von stund an der gift ausbrache / und er zu schwellen anfinge. Einer von des Melchisedechs årzten / der diese nacht bei ihm gewachet / und nachmals / als die Prinzessinnen hinweg waren / ihn besehen / sagte öffentlich [302] [304]aus: Es wiese sich nun / daß er håtte gift bekommen. C \lidiane /dem lezten befehl des Eliesers nachzuleben / sahe sich gleich um nach der Ahalibama / die in der Astale armen onmåchtig lage / und schier kein lebenszeichen mehr von sich gabe. Ephron / wie bekůmmert er auch ware ůber dem tod seines bruders / unterliesse doch nicht / der Ahalibama eiligst beizuspringen / und wendeten sie allen můglichen fleiß an / sie wieder aufzubringen: wie sie dann endlich wieder zu sich selber kame / und mit gewalt aus der kammer nach ihren gemach gefüret wurde / da C \lidiane die übrige zeit der nacht bei ihr bliebe / und nun nach nichtes mehr trachtete / als des Eliesers bitte an der Ahalibama zuvollziehen. Sie befande aber noch nicht zeit zu seyn /ihr von diesem hohen werke fürzutragen / weil sie nicht in solchem zustand ware / hievor etwas einzunemen oder zu verstehen.

Am folgenden morgen / kame das gerüchte von diesem todesfall gleich ůberall aus / und Beri / als er es h \rete / kunte seine natur nicht so gar zwingen / daß nicht seine bekůmmernüs sich håtte spüren lassen. Der K \nig Beor / in seinem gemůte hierüber hoch erfreuet / stellete sich doch an / als wann er den Elieser betraurete / und kame selber zu dem Fürsten von Thapua / auch folgends zu den Fürsten Sobal / ihnen das leid zu klagen. Hemor betrübte sich herzlich ůber dieses edlen Prinzen tod / den auch der ganze hof beklagete; allermeist aber Ephron / welcher seines entseelten bruders leiche nicht verlassen håtte / wann nicht der K \nig Beor den Melchisedech bitten lassen / die verordnung zu thun / daß niemand mehr zu der leiche mögte gelassen werden: dann er besorgete / man wůrde den gift an dem k \rper vermercken.

Aramena hatte nicht so bald diesen todesfall vernommen / [304] da eilete sie gleich zu der Ahalibama. Diese / so noch bisher kein wort gesprochen / als sie diese ihre freundin ersehen / schluge die hände ineinander / und sagte zu ihr: Wundert dich nicht / Aramena / daß ich noch lebe? Nein / gar nicht / liebste Schwester! (antwortete diese /) weil ich deiner grosmut wol versichert bin. Ach! die erhålt mich nicht bei leben / (sagte Ahalibama hinwieder /) sondern mein gelůbde / mein all zu unbedachtsamer schwur / da ich dem Elieser versprochen / durch kein gewalttåtiges mittel ihme zu folgen / und der Coelidiane Gott anzubeten. Das erste (antwortete Aramena hinwieder /) ist billig / daß du ihm das haltest. Das andere aber /nåmlich die Götter zu verleugnen / und einen irrigen Wahn anzunemen / wird dir nie in den sinn kommen /ob du es gleich gelobet hast. Ach Elieser! liebster Elieser! (schrye hierauf Ahalibama /) was bewog dich immermehr hierzu / mir diese freude nicht zu g \nnen /dich in deinem tode zu begleiten? hast du nicht ehmals selber in deinem leben mich dazu vermanet? wie bist du nun / mein elend auf die h \chste stuffe zu setzen / in deinem tode so verändert worden? O ihr götter! warum gab eure grausamkeit ihme dieses in den sinn? vieleicht deswegen / damit ihr mich desto mehr und härter quålen m \chtet? Ihr habet gewonnen / unbarmherzige g \tter! dann ärger hättet ihr mich nicht straffen k \nnen.

Hiemit ůberfiele sie wieder eine onmacht / daß Aramena um hůlfe ruffen muste. Weil die Thoris alles / wie es ihr erginge / dem K \nig sagen liesse / als ware der nicht wenig um sie besorget. Doch wolte er sie nicht besuchen / bis die wunde etwas geschlossen seyn m \chte; und harrete er also etliche tage / ehe er zu ihr kame. Elon aber / welchen sehr schmerzete /daß der Fürst Beri / sein [305] abgesagter feind / und dessen sohn der Ephron / wieder in des K \nigs gnade waren /wolte zum wenigsten den Ephron bei dem Beor wieder schwarz machen. Demnach offenbarte er ihm / wie daß Ahalibama bei dem sterbenden Elieser gewesen wåre: worzu ihr die Prinzessin von Gerar verholfen /und Ephron auch mit darum gewust håtte. Der argwånische K \nig erschracke sehr / daß zu Salem so heimliche winkel wåren / da die Prinzessinnen vor seiner wacht also verborgen fürbei kommen k \nten. Demnach befahle er nochmals ernstlich / daß die beide Prinzessinnen mögten wol in acht genommen werden. Damit auch dem Ephron alle gelegenheit / der Ahalibama zu dienen / benommen seyn m \chte / verordnete er / daß selbiger / unter dem feldhaubtmann dem Fůrsten Akan von Bethel / die v \lker nach Seir fůren / die er wider den Esau Fůrsten von Edom schicken wolte: welches dann Ephron nicht abschlagen durfte / unangesehen Esau sein schwager war. Ihm ward auch anbefolen / daß er / sobald die leichbegängnůs seines bruders vorbei seyn wůrde / bei musterung der v \lker sich alda zu befinden / nach Sichem abreisen solte.

Der verliebte Hemor / der nie einige gelegenheit versaumte / seine Prinzessin zu sehen / verfügte sich an einen morgen / in ihr zimmer. Sie ware eben von der Fůrstin von Seir gekommen / deren betrübten zustand sie also mit beweinet hatte / daß man es ihr gnugsam an ihren zarten augen ansehen kunte. Demnach sagte er zu ihr / unter anderen gespråchen: Mich nimt wunder / sch \ne Aramena! daß ihr so mitleidig eine verliebte beklagen k \nnet / da ihr doch so wenig die liebe erkennet. Eurem urteil nach solte ich meynen / daß Ahalibama nichtes habe verloren: und dannoch wird ihr leiden von euren [306] schönen augen beweinet. Ob ich schon nicht begehre / (antwortete sie) die liebe zu erkennen: so kan ich doch wol einer freundin verlornen liebhaber aus mitleiden beweinen. Auser dem versichere ich euch / Prinz Hemor! daß mir meine lebtage keiner solcher gestalt absterben wird / den ich beweinen solte. Ich gläube solches wol / (wandte Hemor dargegen ein /) daß die grausame Aramena über meinen tod sich eher erfreuen / als betrüben wůrde. Prinz von Sichem! (gabe sie zur antwort) ich will nicht / daß ihr mich fůr die jenige ansehet / die euren tod wünschen oder begehren solte. Ihr seit der welt noch viel nůtze / wann ihr nur selber eure zeit wol anlegen wollet / und dieselbige nicht so vergeblich bei mir verderbet.

Als er dieses wieder beantworten / und sie ferner mit seiner liebe plagen wolte / kame Jaelinde dazu /und sagte: Ob der Prinzessin Aramena nun gefiele / in den schloßgarten zu gehen / die K \nige hätten es bewilliget. Hemor / der wol sahe / wie der Aramena misfiele / daß er dieses geh \ret / wolte die h \flichkeit gebrauchen / ihr an dieser vorgenommenen lust nicht hinterlich zu seyn: name also seinen abtritt / ob er wol gern sie in den garten begleitet hätte. Er thåte damit der Aramena einen so angenemen gefallen / daß solches an ihrem gesichte gnugsam zu spůren ware. Sobald er hinweg ware / name sie freudig die Jaelinde bei der hand / die ihr dahin wolte gesellschaft leisten: mitlerweile Coelidiane bei der Casbiane / des Fürsten Arsas von Ninive gemalin / sich befande / welche /wegen einer zugestossenen unpäßlichkeit / nicht gen hof kommen k \nnen. Calaride als ihre nahe verwandtin / leistete ihr auch gesellschaft: daß also Aramena und Jaelinde niemand / als etliche jungfrauen und die K \nigliche wacht bei sich hatten; die [307] aber / aus ehrerbietung / den Prinzessinnen von weiten folgeten / und ihnen alle freiheit liessen.

Aramena ergetzete sich nicht wenig in diesem garten / der sehr prächtig und annemlich angebauet ware. Es ware früling / da die sch \ne baum-blüte / und die mancherlei fårbige blumen / den augen alle ergetzlichkeit gaben. Es entfinge sie zuvörderst ein sanfter wind / der ihnen den sůssen odem der Citronenblüte entgegen fürete / und sie auf das lieblichste damit anhauchete. Sie gingen erstlich durch die blumen beete / die mit vielerlei blumen-arten in die wette prangeten. In mitte dieses blumfeldes ware ein grosser runder teich /da das wasser mehr als arms-dick / aus einem wallfischkopf / etliche ellen hoch in die luft getrieben wurde / und mit einem starken und lautplatschrenden regen hinwieder in den teich herunter fiele: worbei / in diesem hellen krystall / die fische in grosser menge lustig spieleten. Nach diesem \ffneten sich ihnen die spazir-gånge: die / ungeachtet der grossen breite /dennoch an beiden seiten / die båum-gipfel so hoch in die luft schicketen / daß kein schein der sonne den boden jemals erreichete. Die stämme der båume waren so schlank und gerad aufgewachsen / daß man unten allenthalben durch- und in die neben gänge schauen kunte: welches dann den augen die angenemste entfernungen vorstellete. An jedem ende eines spazirganges / stunde ein springbrunn / der mit seinem gesausel die spaireznde ergetzte / und die luft erfrischete.

In diesen gängen / verbrachten die beide Prinzessinnen eine gute zeitweile / und kamen indeß wieder auf den Cimber zu reden: von deme Jaelinde so beweglich sprachete / daß Aramena leichtlich ihre liebe zu demselben erkennen kunte. Demnach begunte sie dieser guten Prinzessin zu jammern / weil sie aus der Amorite geschichte [308] sich noch wol erinnerte / wie daß Cimber in die Königin von Ninive gebrannt wäre. Sie wolte gleichwol einen versuch thun / ob sie damit zu anderen gedanken m \chte gebracht werden / und sagte zu ihr: Ich bedenke jetzund / wehrte Prinzessin! was der weise Chaldeer ehmals zu Biblis von glücke geweissaget / und vermute / die profezeiung von der Königin in Syrien werde die angeneme Jaelinde treffen. Der himmel k \nte es schicken / daß der verloren-vermeinte Prinz Aramenes / des lezten Königs von Syrien sohn / wieder vor den tag käme: massen das geschrei / als solte er noch verhanden seyn / anjezt in Syrien sehr groß ist / und k \nte der / durch die heurat mit meiner Prinzessin / diese worte wahr machen. Ach nein / schönste Prinzessin! (antwortete Jaelinde seufzend) kein wiedergefundener Prinz aus Syrien ist fůr mich bestimmet / und glåube ich sicherer / daß mich treffen wird / was dieser Chaldeer von der kinder Ahusaths unglücklichem leben geprofezeiet hat / massen ich schon viele plagen bei mir entfinde.

Diese plagen (wandte Aramena ein) werden meines vermutens von den jenigen seyn / deren wir uns selber entheben können / wann wir uns nur ein wenig wollen gewalt anthun. Ach nein / Prinzessin! (sagte Jaelinde) das jenige / so ich entfinde / kan ich aus eigener macht nicht von mir treiben / wie gern ich auch wolte; und die bande die mich fåsseln / sind viel zu stark /als daß ich sie solte aufl \sen können. Hat dann etwan (fragte Aramena / und finge damit an zu lachen) der sch \ne Cimber schuld daran / daß meine Prinzessin solche unruhe in sich entfindet? Diese frage machte Jaelinde ganz err \ten / doch antwortete sie: Ach liebste Prinzessin! es ist mehr als zu gut errahten / und ich fühle wol in mir / daß ich an den Cimber nicht so unentfindlich / als an andere personen / [309] gedenken kan. Hat aber dieser Prinz / (fuhre Aramena fort zu fragen) anzeigungen einiger liebe meiner Prinzessin gegeben? Nicht so viel / (antwortete Jaelinde) als ich wol gewünschet: doch ware er mir sehr gewogen. Mich tr \stet zuweilen des Chaldeers aussage / die einer von uns beiden schwestern die Syrische Kron versprochen hat: welche Cimber / als ein herr von glůck und grossem mute / eher zu erlangen hoffen kan / als Abimelech / der ohne des dereinst sein våtterliches reich zuerwarten hat.

Aramena / die / als unerfahren in der liebe / nicht wuste / wie grosse schmerzen man den verliebten damit anthut / wann man ihnen alle hoffnung in ihrer liebe benimmet / wolte aus guter meinung sie warnen / und sagte: Ich weiß gewiß / daß dieser teutsche held bereits an einen hohen orte liebet / und zwar die sch \nste person / so jezt mag in der welt seyn. So müste er / (antwortete Jaelinde ganz bestürzet /) die sch \ne Aramena lieben. Meine Prinzessin vergebe mir / (antwortete Aramena) dieses lob komt mir nicht zu / und wo C \lidiane und Jaelinde bekant sind / wird man Aramenen nicht den preis der sch \nheit geben. Liebet er etwan (fragte sie ferner ganz unruhig) meine schwester? Nein! (antwortete Aramena) er liebet die Delbois / die sch \ne Königin von Ninive. Hiemit wurde der Jaelinde nicht anderst zu mut / als wäre ihr das herz heraus gerissen worden / und kunte sie kein wort antworten. Aramena aber fuhre fort / sich zubemůhen / ihr diese vergebliche liebe aus dem sinn zubringen.

Indem sie aber mit ihr redete / name sie in acht /daß etliche person in den nebengängen spazirten /welche öfters ihnen begegneten / und die Aramena genau ansahen. Es bedunkete sie / als solte sie dieselben kennen: [310] und als sie / im fůrbei-gehen / sich nach ihnen umsahe / funde sie dieselben auch also thun. Weil jene aus Aramenen gesichte abnamen / sie můsse etwas an ihnen merken / winkete ihr einer mit dem haubt / wurfe einen stab in den gang / darinn die Prinzessinnen gingen / und zeigete mit den gebärden an / daß Aramena selbigen aufnemen solte. Sie unterliesse nicht / als sie daselbst wieder fürbei kamen /solches zu thun / und hube den stab auf / als håtte sie es ungefär gethan. Indem sie aber mittlerweile nach diesen frömden umschauete / ward sie gewar / daß sie gar erfreut sich erwiesen / und in die hånde klopfeten.

Das verlangen / dieses rätsel aufzul \sen / triebe sie desto eher wieder aus dem garten: worzu auch die betrübte Jaelinde gar willig sich finden liesse / um diesem gespråch ein ende zu machen; dann sie ihren kummer / ob der neu-erfarnen zeitung / fast nicht mehr verdrucken kunte. Nachdem sie die Aramena in ihr zimmer begleitet / verliesse sie dieselbe / und gienge / ihren traurigen gedanken nachzuhängen: die in kurzen sie also ausmårgelten / daß ihre sch \ne nicht wenig schaden darůber erlitte. Aramena aber sahe sich nicht sobald allein / da name sie ihren stab herfůr: welchen sie aller orten besichtigte / und endlich befunde / daß er sich aufschrauben liesse. Wie sie ihn nun er \ffnet / zoge sie einen aufgerolleten zedel herfůr; den sie begierig entwickelte / und folgende worte darinnen funde.

Briane und Zimene / deine alte schwestern / sind von der Ehrwürdigen Celie aus dem Tempel an dich abgefärtiget / deiner befreiung halber sich mit dir zu unterreden. Diese nacht werden sie / in eben der kleidung / darin du sie heut im garten gesehen vor der Fürstin von Seir fenster / [311] welches auf den garten hinaus gehet / aufwarten / und durch wurfleitern versuchen / näher zu dir zu kommen. Zu dem ende haben sie alles schon bei sich bereitet / und sind ferner der grossen Diana hülfe / zu fortsetzung ihres anschlags /erwärtig.

O gerechte g \ttin! (sagte hierauf die erfreute Aramena) wie unverhofft schickest du mir deine hülfe zu! und wie augenscheinlich sehe ich nun / daß ich nicht von dir verlassen bin! Hierauf ginge sie nach der Fůrstin von Seir gemach / selbige ihrer freude mit-teilhaft zu machen. Vor demselben fande sie die Astale stehen / bei der sie anfragte / was ihre Fürstin machete? Ich habe zwar befehl / (antwortete Astale) alle andere ankommende mit dem schlaff meiner Fürstin abzuweisen. Die Prinzessin von Chaldea aber ist hierunter nicht begriffen / und werden sie meine Fůrstin in einer gesellschaft antreffen / die vieleicht für ihrer beider freiheit sorget.

Hiemit ward Aramena eingelassen: welche den Fürsten Ephron / neben noch einem andern / den sie nicht kante / fůr der Ahalibama bette stehen funde. Diese zween bestůrzeten anfangs / jemand in der kammer zu sehen / da der Astale so hart befohlen worden /niemand einzulassen. Wie aber Ahalibama sahe / daß es ihre Aramena war / sagte sie zu den anderen / sie dörften sich für derselben nicht scheuen; und bate damit die Prinzessin / sich auf ihr bette nieder zusetzen. Nachdem solches beschehen / sagte Ahalibama ferner zu ihr: Du findest mich hier / liebste schwester! in gesellschaft zweier personen / die fůr meine freiheit sorgen. Mein bruder Ephron ist dir bereits bekant. Dieser aber / ist der haubtmann Demas / der uns bewachet: der vom gebirge Seir bürtig / und vor diesem meinem herr vattern zu Dedan gedienet [312] hat. Ich bin von jederman verlassen: nur allein diese beide jammert mein zustand. Der ehrliche Demas hat bei dem Fůrsten von Ninive / der sich jezt hier aufhält / zu wege gebracht / daß er hülfe mit anlegen wil / mich heimlich von hier und zu seiner Königin nach Damascus zu bringen. Von derselben werde ich versichert /daß sie mich gern in ihren schutz nemen wird: sowol wegen ihrer berümten gůtigkeit / als auch wegen des anteils / so sie dabei hat / da sie den schimpf / so der K \nigin Atis / ihres vettern schwester / erwiesen worden / nicht bässer rächen kan / als wann sie mich wider den Beor beschützet. Ohne diese hülfe / wäre ich verloren gewesen: nun aber hoffe ich dem Tyrannen zu entgehen / und bei der Königin von Ninive meinen Elieser ruhiger zu beweinen.

Durch diese zeitung / ward Aramena innigst erfreuet. Sie wolte aber die ihr im garten zugestossene begebenheit für den andern nicht erzehlen / sondern hielte damit ein / biß sie bei der Ahalibama allein seyn wůrde. Selbige unterredete sich noch eine weile mit dem Ephron und Demas / von den mitteln / aus dieser gefängnis los zu kommen. Endlich an der Aramena angelegenheit gedenkend / fragte sie den Demas: Ob dann diese gute Prinzessin nicht auch /wie sie / durch ihre hülfe davon kommen künte? Durch unsere hülfe wol / (antwortete Demas) aber nicht durch des Arsas beistand: dann derselbige die heurat dieser Prinzessin mit den Prinzen von Canaan gar sehr billiget / auch seine gemalin Casbiane stark darüber eifert / daß sich meine gnådige Prinzessin so sehr dem willen ihrer eltern und anverwandten widersetzet. Wann mir der mirleidige Demas wil beistehen / (antwortete Aramena /) so wird der himmel mir schon ein mittel zuweisen / zu entkommen / wann schon alle meine [313] anverwandten mir entgegen wären. Demas erbote sich hierauf / ihr nach m \glichkeit zu dienen. Ephron name damit abschied von der Ahalibama / die ihme mit heissen zåhren gute nacht gabe /weil sie ihn / wegen seiner schleunigen abreise nach Sichem / nicht wieder zu sehen vermutete. Demas fürete diesen Prinzen heimlich durch den verborgenen gang / durch welchen sie hinein gekommen waren /wieder hinaus / daß niemand von der wacht vor dem zimmer das geringste davon gewar wurde.

Die beide Prinzessinnen / blieben also allein beieinander. Aramena vermeldete der Ahalibama / was ihr im garten begegnet: und funde dieselbe ganz willig / die beide jungfrauen der Diana / durch ihr vorgeschlagenes mittel in ihre kammer einzulassen. Wie Aramena demnach / mit unbeschreiblichen verlangen /der nacht erwartet / auch der Fürstin Calaride und ihren andern leuten angedeutet hatte / wiedaß sie wolte bei der fürstin von Seir schlaffen: gabe sie acht am fenster / das nach den garten hinaus ginge / und kunte sich nicht ein zweiglein vom wind bewegen /daß sie nicht meinete / es kämen die / auf welche sie wartete. Nach einer guten weile / als der mond ein wenig aufgegangen war / erblickete sie dieselben /und hustete / um von ihme gehöret zu werden. Sie /der Aramena ebenfalls warnemend / kamen nåher unter das fenster / und wurfen eine strickleiter an dasselbe hinauf: welche Aramena bei dem einen haken auffinge / und an das fenster fest machete.

Sie kamen also beide glücklich hinauf / und erkennete Aramena alsobald / bei der klarheit des lichtes /die Briane und Zimene / fiele ihnen hoch erfreuet um den hals / und fůrete sie für der Ahalibama bette. Sihe / liebste schwester! (sagte sie zu derselbigen /) zwo von [314] meinen båsten freundinnen / die ich in Ninive gehabt / und die der himmel zu meiner hůlfe herschicket. Briane und Zimene grüsseten die Fůrstin von Seir aufs h \flichste / und als sie sich / auf bitte der Aramena / gesetzet / sahe diese Prinzessin sie sehr verwundert an / und brache endlich in diese worte herans. Wie Briane! wie Zimene! seind das eurem orden geziemende kleidungen / darinn ihr allhier erscheinet? und ist es müglich / daß ihr die jenigen seit / vor die ich euch erkenne? Ja / liebste schwester! (antwortete Briane /) deinetwegen sihest du uns in dieser frömden gestalt; und gebůret uns nicht / diese mannliche kleidung zu tragen / so solst du bedencken / daß wir dich auch in einen weltlichen schmuck finden / der sich für eine geheiligte jungfrau der Diana übel schicket. Ach Briane! (antwortete Aramena seufzend /) unsere grosse G \ttin sey mein zeuge / wie schmerzlich es mir fället / in solcher gestalt vor dir zu erscheinen. Wann du aber mittel weist / mich zu erretten / so halte mich nicht länger auf / mir solche zu entdecken. Meine base / die Fůrstin von Seir / darf dir nicht verdåchtig seyn: dann ich sie fůr meine herzensfreundin achte; zudem /daß unser beider glück und unglůck uns ganz gleich machet.

Ich wil (sagte Briane) die ursache / warum wir hier sind / mit kurzem berichten. Als unsere Oberpriesterin / die hochwůrdige Celia / zu ende dieses winters /von dem Prinzen Mamellus deinem herrvattern erfuhre / daß er dich an den Hemor von Canaan verlobet / und daß er dich / mit anfang des frülings / in das K \nigreich Sichem / deine hochzeit zu vollziehen /schicken wůrde: ginge es ihr sehr zu herzen / daß ihr bruder so hartnåckig den tempel entehrete / und deinem so heiligem beginnen sich also widersetzen durfte. Demnach ward sie rätig / den [315] ausspruch unserer Diana deinetwegen einzuholen / ob du nämlich / deinem gelübde gemås / zu uns in den tempel wieder kommen / und dem heurat-zwange entgehen würdest? Der ausspruch / den sie bekame / ware dieses innhalts:


Aramena wird entgehen Hemors seiner liebesmacht:

Wann sie / einem ritter gleich / sich aus Canaan erhebet.

Sende zwo also verkleidt dorthin / wo sie jezund lebet.

Doch daß sie beständig bleibe / muß man fleissig haben acht.


Diesen lezten vers sagte die vermeinte g \ttin mit solchem ungestům / daß ihr bild davon zitterte / und der ganze tempel erbebete. Die Celia wurde gleich darauf schlůssig / die Zimene und mich abzusenden: mit dem befehl / dich zu erst in Syrien / nachgehends in Canaan zu suchen / deinen zustand zu erforschen / und můglichst dich mit nach Ninive zurůck zu bringen. Weil eben damals die K \nigin von Ninive / nach Syrien ihre reise anstellete: als gaben wir uns fůr edelleute / unter ihren bedienten / mit auf den weg / und seind dergestalt unvermerkt hieher gekommen.

Niemand kante uns von allen unseren reisgefärten /als Zimenen bruder / der des Fürsten Arsas hofmeister ist. Weil nun dieser der K \nigin abgesandter / von Choce / welches auf der Amoriter gebirge liget / zu dem K \nig von Salem reisete / und wir daselbst erfuhren / daß du allbereit aus Syrien hinweg wårest: folgeten wir dem Arsas hieher / und erfuhren bei unserer ankunft alsobald / wie es dir erginge / und wie růmlich du dich dem Hemor widersetzet. Wir bedienten uns besagten hofmeisters des Fürsten Arsas / welcher uns im garten die gelegenheit wiese / in dieses fenster zu kommen. Nachdem wir uns erkundiget /daß in diesem gemach die Fürstin von Seir deine nahe verwandtin wonete / bekamen [316] wir hoffnung / dich allhier sprechen zu k \nnen / und machten dir solches durch den stock zu wissen. Heute liessen wir uns im garten verschliessen / um diese nacht dich zu sehen. Weil nun der Zimene bruder uns allen beistand verspricht / so hoffen wir / in verstellter kleidung dich mit hinweg zu bringen / und zwar solcher gestalt. Wir haben erfahren / daß der K \nig von Canaan und der Prinz Hemor in zehen tagen ihre hochzeiten mit euch anstellen wollen: da die Bråute / wie wir vernemen /nach landsgebrauch drei tage vorher von niemanden besuchet werden / sondern sich ganz eingezogen und verborgen halten můssen. Zu selbiger zeit / können wir mit dir durch dieses fenster unvermerkt entkommen / und etliche tagreisen von Salem hinweg seyn /ehe daß es jemand innen werde. Zimenen bruder wil uns begleiten: und wann nur dein entschluß mit unserem fürhaben einstimmet / hoffe ich gewiß / daß unser anschlag uns nicht fehlen solle.

Ich bin zu allem willig und bereit: (antwortete Aramena /) zumal ihr / auf befehl meiner Oberpriesterin /dieses alles fůrgenommen. Es hat euch wol der himmel zu rechter zeit hergefůret / da ich nun fast alle hoffnung verloren hatte / meine gelübde anderst / als durch den tod / zu erhalten. Hierauf / nachdem sie die Aramena von allem / wie es ihren anderen ordensschwestern erginge / berichtet hatten / begaben sie sich wieder durch das fenster hinunter in den garten: alda sie sich verstecketen / bis am morgen der garten wiederge \ffnet wurde / da sie unvermerkt hinaus kommen kunten.

Sobald es tag worden / liesse der König Beor den geheimen raht wieder versamlen: da dann beschlossen wurde / des Fůrsten Eliesers begråbnis anzustellen /und beiden Prinzessinnen anzukůndigen / daß sie zu ihrem [317] hochzeitfest sich bereit machen solten. Das b \se gewissen liesse dem Beor nicht zu / seine Fürstin / vor dieser ankůndigung / zu besuchen: dann er fürchtete / sie m \chte ihm abmerken / daß er an des Eliesers tode schuldig war. Hemor ingleichem / der sich leichtlich konte einbilden / wie schmerzlich Aramena diese gewaltthåtigkeit entfinden würde / wolte sie nicht wieder sehen / bis auf den gewůnschten tag /da er rechtmäsig ihrer sch \nheit zu geniessen / und die früchte seiner liebe einzusamlen / verhoffete.

Der Fůrst Sobal von Seir aber / ginge zu Ahalibama: die ihn / als ihren und ihres verstorbenen Eliesers nahen vettern / sehr gern bei sich sahe. Sie hörete aber von ihme / zu vergr \sserung ihres leidens / wiedaß ihr herr vetter und die såmtliche Fürsten von Seir anders sinnes worden / und nun so sehr ihre heurat mit dem Beor billigten / als sie fůrhin derselben widersprochen. Die hoffnung aber ihrer erlösung verursachete /daß sie nicht viel dagegen redete. Mit gleich-grosser gedult h \rte sie nachgehends an das anbringen der königlichen rähte / von dem schluß wegen ihres beilagers. Der Beor wurde / mit dem bericht von dieser ihrer bässern zufriedenheit / hoch erfreuet. Er hielte solches vor eine wůrkung des todes von Eliesern / und lobte sich nun selber um diese mordthat: nicht zweiflend / Ahalibama wůrde forthin immer auf bässere gedanken kommen. Aramena machte ebenfalls nicht viel wunders mit den råhten / und liesse sie also dem Hemor eine getråumte vergnůgung zurůcke bringen. Nåchst diesen verliebten / ware niemand fr \her / als der alte Thebah und die Calaride: weil sie hierdurch ihr anvertrautes pfand båst versorget achteten.

C \lidiane und Jaelinde kamen folgends / auf befehl [318] des K \nigs Melchisedech / auch zu ihnen / sie in das verordnete zimmer einzubegleiten / da sie bis an den tag ihrer hochzeit verborgen bleiben solten. Weil der gebrauch in Canaan so fest und unverrůckt gehalten wurde / daß / auser ihren wenigen bedienten / die sie selber auszuwehlen pflegten / kein mensche zu den Bräuten kommen durfte: als betrübte sich C \lidiane nicht wenig / daß ihr also die gelegenheit entzogen wurde / die Ahalibama / wie sie dem Elieser versprochen / im rechten Gottesdienst zu unterrichten. Doch hoffete sie / solches nachgehends / wann Ahalibama K \nigin von Canaan seyn wůrde / ins werk zu setzen. Diese verånderung der gemåcher aber / kame der Aramena sehr ungelegen: weil ihr dadurch von neuem alle hoffnung entzogen wurde / durch den garten zu entkommen. Das zimmer / da sie bleiben solten / sahe zwar auch in den garten: war aber mit starken eisernen gittern für den fenstern verwahret / daß ihr recht angst wurde / und aller muht entfiele. Tirza und Astale / neben noch zweien jungfrauen / liessen sich mit ihnen versperren. Der König ordnete eine starke wacht / unter aufsicht des haubtmanns Demas / für das zimmer: damit er seiner sch \nen beute versichert seyn / und ihm seine Ahalibama nicht wieder entgehen m \chte.

Der getreue Fůrst Ephron aber / säumete inzwischen nicht / sowol den Fůrsten Arsas zu erinnern /daß er zu der Ahalibama flucht beförderlich seyn wolte / als auch den Demas zu ermahnen / daß er an seinem fleiß nichtes solte erwinden lassen. Dieser treuer landsman der Fůrstin von Seir / gabe den raht /man solte sie mit dem ehisten bei nacht heraus bringen / und in des Arsas behausung bei seiner gemalin verborgen halten / bis derselbe nach Damascus wieder abreisen würde: der dann seine reise etwas eher und vor dem angestellten hochzeitfest [319] fortzusetzen gewillet war / damit sie allbereit weit hinweg wåren / wann man sie zu Salem missen würde.

Dieses gefiele ihnen allen wol / und suchete Demas hierauf gelegenheit / solches der Fürstin von Seir kund zu machen. Wie nun folgenden tags / des Prinzen Eliesers leichbegångnüs gehalten wurde / deren die K \nige und der ganze Hof beigewonet / verfůgte sich Demas in den garten / der Ahalibama die botschaft zuzubringen. Als er aber nach ihrem fenster eilete / funde er daselbst zween jünglinge / welche nach eben demselbigen fenster hinauf schaueten / und mit steinen hinan wurfen / um sich kund zu geben. Indem er hierüber bestůrzet stunde / ward er von ihnen ersehen: die dann von dannen eileten / und sich plötzlich aus seinem gesichte verloren. Als er nun sich wieder allein sahe / näherte er sich dem fenster / und gabe unterschiedenen laut von sich / in hoffnung / gehöret zu werden. Er bemühete sich aber vergeblich / muste also endlich ablassen / und sich entschliessen / selbige nacht mit einer wurfleiter wieder zu kommen.

Die trostlose Ahalibama befande sich unterdessen /wegen der leichbegångnüs des Eliesers / in betrůbtem zustand: und hatte Aramena neben den vier jungfrauen mit ihr soviel zu thun / daß sie nicht beobachten kunten / was inzwischen im garten fürginge. Sie verharreten also in stätigem wehklagen / bis die nacht einfiele. Aramena wolte nun eben sich zu ruhe begeben / als sie am fenster klopfen hörete. Sie vermutete /es wůrden ihre mitschwestern seyn / liefe darum eiligst nach dem fenster: befande aber / in er \ffnung desselben / daß es der Demas wåre. Ahalibama / so matt sie ware / liesse sich / so bald sie hiervon verno en / aus dem bette schleppen / um von ihrer erlösung etwas zu vernemen.

[320] Indem nun der getreue Damas ihr den ganzen anschlag umständlich berichtete / merkte sie / daß Aramena in tiefen gedanken stunde. Auf ihre anfrage / um die ursach dessen / sagte Aramena: wann nicht Casbiane mit dir nach Damascus reisete / wolte ich es wagen / dich dahin in verstellten kleidern zu begleiten; dann ich nicht absehe / wie Briane und Zimene mit mir allein wollen fortkommen. Zudeme erinnere ich mich / daß Zimenen bruder bei dem Fůrsten Tharsis von Sepharvaim zu Camon gewesen / und wol von demselben / mich ihme zu liefern / bestellet seyn m \chte. Ahalibama bedachte sich hierauf eine weile /und sagte endlich zu dem Demas: woltet ihr wol /mein freund / dieser guten Prinzessin auch so wol /wie mir / dienen? Als Damas sie dessen versichert /sagte sie ferner: Die Prinzessin Aramena darf sich nicht frei von der Casbiane noch von jemand anderem sehen lassen / damit sie nicht ihren eltern verraten werde. Demnach wil sie in mannskleidern sich mit mir davon machen / und trauet eurer verschwiegenheit / daß ihr sie nicht entdecken werdet.

Indem hörte Demas jemand im garten reden / und sagte: O weh! ich sorge / wir sind verraten. Damit stiege er eiligst die wurfleiter hinunter / und zoge von leder / entschlossen / eher sein leben als seine freiheit zu verlieren. Er fande die zween jünglinge / die ihme den mittag zuvor begegnet waren: die aber / ihn mit blossem gewehr ersehend / davon flohen. Weil Aramena beim mondschein solches von oben mit warname / als vermutete sie / daß es ihre beide bekantinnen seyn wůrden. Demnach rieffe sie / sowol den Demas /als den andern beiden / mit namen: da dann diese still stunden / und dem Demas sich so weit zuerkennen gaben / wie daß sie wegen der Prinzessin da wåren. Weil nun ein vorhaben [321] sie zusammen dahin gebracht /und Aramena nochmals der Briane rieffe / zu ihr heran zu steigen: als kame dieselbe / auf der Prinzessin begehren. Diese bename ihr alle furcht wegen des Demas / und sagte ihr von ihrem vorhaben / mit nach Damascus zugehen: welches Briane sehr gut befunde.

Indem sie nun ferner hiervon sich unterredeten /und Demas unterrichtet worden / wer die zwo andere personen wåren: machte er sich ans fenster / um zu versuchen / ob sich die gitter ausheben liessen. Nachdem er befunden / daß ein solches wol geschehen kunte / schiede er wieder hinweg / mit dem vorsatze /sobald můglich wieder zu kommen / und etliche treue diener mit zubringen / die ihme handreichung thun möchten. Er versprache auch nochmals der Aramena mit einem eide / daß er niemanden ihre flucht offenbaren wolte: auch Zimenen bruder selbst solte betrogen werden / und nicht anderst wissen / als daß ihre befreiung mislungen wåre; vor deme sie in mannskleidern sich wol kunte sehen lassen / weil er sie von gesicht nicht sonderlich kante. Wie nun Briane und ihre gespielin mit dem Demas also bekant worden / fragte er sie / wo sie aus dem garten kämen? Als er erfuhre /wie daß sie die nacht darinn verblieben / name er sie mit an den ihme-bewusten ort: da er sich mit ihnen /an seiner wurfleiter / ůber die mauer hinab liesse; durch welches mittel sie / in des Fürsten von Ninive wohnung / unvermerkt wiederkehrten.

Am folgenden tag muste Ephron nach Sichem abreisen / wie gern er auch vorher / das ende dieses anschlags von der Ahalibama befreiung / mit abgesehen hätte: und schiede er ganz betrůbt von Salem / allwo er einen so edlen und lieben bruder verloren / und dessen einige geliebte so unruhig hinterlassen muste. Auch die verwirrungen [322] seiner eigenen sachen / neben dem andenken an seine Corycide / liesse ihm hierneben keine ruhe / und hatte er wenig hoffnung / sich jemals vergnügt zu sehen. Hingegen befande sein vatter / der Fürst von Thapua / sich desto vergnügter in seinem gemüte / da er sich bei dem K \nig so wol gelitten sahe: von dem er / zur vergeltung / die stadt Lachis bekommen hatte / welche ihme soviel / als das fürstentum Thapua / einbrachte. Man redete nun zu Salem von nichtes / als lauter freudenfesten. Es wurden keine kosten gesparet / diese zwei K \nigliche beilager auf das ansehnlichste zu haltẽ: und solte alle lust / so nur zu erdenken ware / hervor gesuchet werden / um die widerspänstige bråute womit zu ergetzen.

Diese \ffentliche zurüstungen aber / hinterten nicht die heimlichen / sondern beförderten vielmehr dieselbigen: weil man durch jene erinnert wurde / in diesen nit saumselig zu seyn. Wie nun alles bereitet / was Demas zu seinem vorhaben dienlich befunde / und die nacht so finster war / als er sie wůnschen m \gen: ginge er / als er seinem unterhaubtmann die wacht vor der Prinzessinnen gemach anbefohlen / mit etlichen getreuen dienern des Fůrsten von Ninive / unter denen sich dann auch Briane und Zimene mit befunden /nach dem schloßgarten. Nachdem er / durch die mitgebrachte werkzeuge / die ihme gar wol dieneten / die gitter los gemachet / kame er durch das fenster hinein zu den Prinzessinnen / in begleitung der Briane und Zimene / die die kleider fůr die Aramena trugen. Nunmehr (sagte er zu ihnen) hoffe ich zu erlangen / was ich / aus eiver ihnen zu dienen / mir vorgenommen: und müssen wir jezt keine zeit versäumen / uns alsobald von hinnen und daselbst hin zu begeben / wo der Fürst Arsas der Fürstin von Seir bereits erwartet.

[323] Aramena begabe sich hierauf eiligst in ein neben zimmer / mit der Briane / Zimene und Tirza / und verkleidete sich alda in einen Assyrischen langen rock /den sie mit einer gewirkten binde aufgůrtete. Ihr braunes haar / weil es von natur in locken fiele / lösete sie allein herunter; und den schmuck mit dem sie ihr haubt bedecket hatte / schenkete sie den Demas /einen Babylonischen bund dafür aufsetzend. Sie gůrtete auch ein schwert an die seite / womit sie sich so geschicklich wuste anzustellen / als wenn sie lang einen ritter abgegeben hätte. Wie sie nun damit fårtig war / kame sie zu der Ahalibama wieder hinein / welche sie fast selber anfånglich nicht mehr kante: so gar hatte sie diese kleidung verwandelt. Hierauf verzogen sie nicht långer / aus dem fenster zu steigen: nachdem sie zuvor die zwo jungfrauen / welche sie hinterlassen musten / wol unterrichtet / wie sie sich nach ihrem wegseyn verhalten / und täglich die speisen von der wacht annemen solten / als wann sie noch zur stelle wåren. Sie liessen auch zwei schreiben / eines an den K \nig Beor / das andere an den Prinzen Hemor / auf dem tische ligen / deren innhalt also lautete:

Schreiben der Ahalibama an den König Beor.

Demnach mir die götter / das einige so ich geliebet /durch den tod genommen / scheinet es / als wolten sie aufhören / mich ferner zu verfolgen: indem ihre unvermutete hülfe mir meine erlösung so erwünscht verfüget / da ich fast alle hoffnung verloren hatte / E. Maj. gewaltthätigkeit [324] [326]zu entgehen. Ich sage E. Maj. dieses jezt nicht zum ersten mal / daß ich die ehre / so sie mir anthun wolten / für eine last / und ihre liebe für eine qual achte und ansehe. Man wird demnach /wegen meiner flucht / mich nicht verdenken: von deren ich wünsche / daß sie E. Maj. gemüte heilen /und bei dero wirken möge / eine rechtmäsige liebe gegen die Königin Atis / und eine billige verachtung gegen die unglückselige

Ahalibama.

Schreiben der Aramena an den Prinzen Hemor.

Eure gewaltthätigkeit zwinget mich / Salem zu verlassen: daselbst ihr mich bisher / gegen alle billigkeit /wie euere gefangenin gehalten. Ich habe dieses mittel ergriffen / um mein gelübde nicht zu brechen / das ich / ehe ihr mich gesehen / zu meiner göttin abgeleget. Ihr werdet leichtlich meiner vergessen können / wann ihr euch täglich fürstellet / daß ich euch nie geliebet; daß ich an euch die liebe gehasset; und daß / auser dem namen einer freundin / nichtes übrig habe /womit sie euch vergnügen könte / die von eurem zwang erlösete

Aramena.


Nachdem die Prinzessinnen mit den ihrigen hinunter gestiegen / musten sie solang in einer läube verziehen / bis [326] Demas mit seinen gehülfen die gitter wieder vor die fenster einhängete. Weil dieses sich eine zimliche weile verzog / als ware inmittels der Prinzessinnen angst unendlich: indem sie mit dicker finsternis sich umgeben befanden / und verraten zu werden sich besorgeten. Zu vermehrung ihrer furcht / trate endlich auch der mond herfür / und fienge an gar hell zu scheinen. Bei diesem liecht sahe Astale von weiten sich jemand bewegen / darüber sie sehr erschracke /und es den Prinzessinnen anzeigete: die dann / mit ihr / etliche schatten gehen sahen. Ahalibama / die ståts an ihren Elieser gedachte / vermeinte / es wäre sein geist / der sie suchete. Aramena aber / konte nichtes daraus machen. Als sie solches dem Demas gezeiget /der eben zu ihnen kame / und mit seinen gittern färtig war: hielte der vor das båste / daß sie so lang in der sommerläube verborgen blieben / bis sie innen wůrden / ob iemand im garten wåre. Die schatten kamen ihnen nun immer nåher / und wiese es sich endlich aus / daß es eine frauenperson neben einem priester ware /denen etliche dirnen folgeten / die fůr der hütte nahe fůrbei gingen. Weil ihr der mond gerad in das gesicht schiene / als kunten sie dieser fr \mdin vortrefliche sch \nheit erkennen / die gar keine gemeine person fůrstellete. Wie es ihnen fůrkame / so schiene ihr haar schwarz / die augen blau zu seyn. Ihre kleidung aber ware ganz frömd und ihnen unbekant; gleichwol ihre gestalt so schön und die gebärden so majestetisch /daß Aramena wol håtte wissen mögen / wer sie wäre. Sie gingen aber immer fort / und verloren sich letzlich ihnen aus dem gesichte.

Demas kunte sich hierbei nicht gnug verwundern /wie dieses zuginge / da der garten ja verschlossen war / daß niemand durch das thor kommen mochte. Er[327] kunte auch / ob er schon viel jahre in Canaan aller orten bekant worden / sich nicht besinnen / solche person jemals gesehen zu haben. Als sie nun ohne gefahr herfůrtreten und sich fort machen kunten / stiegen sie glücklich über die garten maur hinaus / von dar sie / ůber eine wiese / nach dem hause des Fürsten von Ninive zugingen. Ahalibama und Aramena spracheten unterwegs / wie diese letzere sich nennen solte: die dann endlich des Fürstens von Seir des Disons /namen anname / und beschlosse / sich für der Ahalibama ritter auszugeben / der ihr von jugend auf gedienet håtte. Es ware ihr dieses gar leicht zuthun / weil Arsas und Casbiane / ob schon diese ihr verwandt war / sie niemals in Syrien gesehen hatten.

Dieser Fürst und seine gemalin / entfienge die Fůrstin von Seir heimlich in hinterhofe: weil er solches vor seinen bedienten / aus furcht / daß es auskommen m \chte / nit wagen wolte. Nachdem er sie in ein zimmer gefůret / da sie bis zur abreise verborgen bleiben kunte / versicherte er sie nochmals / wiedaß er ihr nach aller m \glichkeit dienen wolte: wofür sie ihnen beiden zu tausendmalen dankete / und sich glůckselig nennte / daß sie in einer so berůmten K \nigin schutz gelangen solte / von deren vollkommenheiten ihr das gerůchte so viel annemliches berichtet hätte. Ihr ritter Dison / bliebe auch verborgen bei ihr in einem neben zimmer: und weil Briane und Zimene mit ihm eines geschlechtes waren / als leisteten sie ihme gesellschaft / und danketen der grossen Diana /daß der anfang zu Aramenen befreiung also glůcklich ware gemacht worden.

[328]
Das Dritte Buch
Geschichte der Aramena - und beschreibung des Dianen-Tempels zu Ninive
Geschichte der Aramena / und beschreibung des Dianen-Tempels zu Ninive

Ob ich wol jezt nicht anderst als Dison reden solte /so muß ich dennoch / um mich verståndlich zu machen / die abgelegte Aramena wieder fürstellen. Zwar darf ich meinen zuhörern / wegen meiner geburt / keinen unterricht geben: weil solche ihnen bereits bekant ist. Meine kindheit habe ich / ohne denkwůrdige sachen und ruhig / in Syrien zugebracht: da mein unglück wolte / daß jederman mehr an mir sahe / als ich in der that besitze / und als mir an meinen fürhaben genutzet. Wie ich ungefär das dreizehende jahr erreichet / fůgete es der himmel also / daß der statthalter von Syrien mein herr vatter / neben der fraumutter und mir / nach Ninive reisen muste / dahin ihn der König Bel Ochus von Assyrien [334] beschieden hatte. Weil die Oberpriesterin daselbst / die Celia / meines herr vattern schwester ist / als besuchete meine fraumutter dieselbe im tempel / und name mich mit dahin: da ich dann der Oberpriesterin so wol anstunde / daß sie meine fraumutter bate / ihr die vergnügung zu gönnen / daß sie mich / inzwischen wir zu Ninive bleiben wůrden / in ihrem tempel bei sich behalten möchte. Meine fraumutter verwilligte ihr solches gar gerne: nicht befahrende / daß sie mich nachgehends so schwerlich wieder heraus bekommen wůrde. Dergestalt kame ich nun in diesen tempel: den ich zuvor vollkomlich beschreiben will / ehe ich von meinen begebenheiten etwas mehrers erzehle.

Es hat diesen prächtigen tempel die Assyrische K \nigin Semiramis erbauet zu ehren der schwester ihres gemals des K \nigs Ninus / der unvergleichlichen Dianen. Diese ist die ålteste tochter des Jupiter Belus gewesen / eine so keusche Prinzessin / und so sonderbar mit tugenden bezieret / daß die g \tter sie unter ihre zahl und zur unsterblichkeit haben aufgenommen. Die herrlichkeit dieses gebäudes ist so groß / daß wol nirgend seines gleichen zu finden seyn wird. Dann ob wol die Semiramis mehr kostbare gebåude aufgefüret / als den tempel zu Hierapolis in Syrien /und die pråchtige mauren zu Babel: so kommen doch dieselben diesem nicht bei / und wer diesen bau gesehen / wird můssen gestehen / daß ihme nichts in der welt k \nne verglichen werden.

Der rechte Tempel / darinn die göttin wohnet / ist von weissem hellpolirten marmor in die runde aufgefüret: dannenhero / wann die sonne ihre stralen darauf wirfet / niemand ihn für klarheit anschauen kan. Inwendig stehet das bildnus der g \ttin von golde / in lebensgrösse und in der eigentlichen gestalt / wie sie sich [335] in Assyrien sehen lassen. Auf dem haupt hat sie einen unerschåtzbaren Diamant / der wie ein halber mond geschnitten ist. Der fus / darauf das bild stehet /ist von einem herrlichen Topas / dessengleichen an gr \sse wol niemals einer aus Ophir gekommen. Der Altar ist mit golde dick überzogen / und ůberall mit edelsteinen besetzet. Die innere wände dieses tempels / sind von krystallscheiben sehr künstlich in einander gefůget; und in den grösten feldern derselbigen / sihet man die gesetzte der Göttin in Assyrischer sprache eingeschnitten. Von oben fället der tag durch ein rundes fenster hinein; und ist der boden mit blauem marmor beleget / so helle / daß man alles / gleich wie in einem spiegelglase / darinn sehen kan.

Diesen tempel umgibet ein viereckichtes gebåude /jedoch auf allen seiten sehr weit davon abgelegen: wie es dann auch von schwarzem marmor aufgefüret ist /um desto mehr / auch an der farbe / von den innern tempel unterschieden zu seyn. In dem ersten teile gegen morgen / wonet die heilige Oberpriesterin / und ist die Dafne die erste gewesen. Diese hatte bei der g \ttin Diana gedienet / und also sie / nach deren tode / von dem K \nig Osiris aus Egypten / der sonst Apollo geheissen / der auch der Diana bruder war / geliebet worden / hat sie / dieser liebe zu entgehen / sich in diesen tempel begeben: da die göttin / nach ihren tode / sie auch unsterblich gemachet. Die jetzige Oberpriesterin / deiner fraumutter und meines herr vattern schwester / wird höher als eine Königin geehret: und warten ihr zw \lf jungfrauen auf / die nåchst ihr die fůrnemsten sind / und bei ihr ihre wonung haben. In dem gebåude gegen mittag / werden aufbehalten die opfere von silber / gold und edelgesteinen / die von allen potentaten in der welt dahin geschenket werden: und ist dieses ein so kostbarer schatz / [336] daß er für unerschåtzlich gehalten wird. Das dritte gebåude gegen abend / ist das heilige Bad / darinn aus kostbaren brunnen die wasser zusammen geleitet werden: und muß insonderheit die Oberpriesterin / wann sie in den innern tempel gehen wil / darinnen baden. Der vierte ort gegen mitternacht / ist auch ein Tempel / inwendig von herrlichen marmor aufgefůret: darinn stehen zwölf altare / da der göttin alle monden auf einen derselben geopfert wird. Es sind hierbei auch die opferkammern / da die thiere geschlachtet werden. Zw \lf jungfrauen / die sie die Opfer Nymfen nennen / wonen daselbst / und sind an wůrde die dritten nach der heiligen Oberpriesterinn.

Diese vier Königliche gebåude umgibet der heilige Wald / darinn von allerhand wild die månge herum gehet / welches alles der G \ttin gewidmet ist. Dieser hayn hat in umkreis vier meilen / und ist auf der einen seite ein hoher berg / der den wald halb umfånget. Auf der andern seite stadt-warts / umfliesset ihn der schiffreiche fluß Hidekel: von dessen strom / etliche arme mitten durch den wald geleitet sind / daß es also ihnen nirgend an wasser manglet. Um diesen wald stehen zwei huntert gebåude fůr die jungfrauen / die ihr gelůbde der g \ttin Diana gethan: und wonen allemal zwo beisammen / die ihre eigene lustgårten hinter den håusern haben. Der berg / ist oben mit einer hohen mauer umgeben. Gegen der stadt / da der fluß fůrbeilaufet / stehet auch eine mauer / und gehet eine grosse steineren brücke ůber den strom / die an beiden enden auch ein kostbares gebåude hat. In dem einen /das nach dem walde sich strecket / wonen die weiber /die den heiligen jungfrauen handreichung thun. In dem andern aber / das nach der stadt siehet / sind die wächter des tempels / welche jedermänniglich [337] den zugang verwehren müssen / damit kein mannsbild hinein komme.

Die Oberpriesterin / tråget sich weiß / mit fliegenden haaren und einem Lorbeerkranz auf dem haubte: des festtages aber / gehet sie in purpur / welches mit perlen gesticket ist. Die zw \lf jungfrauen / die nach ihr die nächsten / sind in himmelblau gekleidet. Die andern zw \lfe / die bei den opfern aufwarten / tragen rohte kleidungen. Die übrigen / deren bei meiner zeit zweihuntert waren / gehen alle weiß in fliegenden haaren / mit bogen und köchern versehen. Tåglich gehen sie einmal in den Opfertempel / der gegen mitternacht liget. In den heiligen tempel / kommet nur die Oberpriesterin / mit ihren zwölf jungfrauen / alle neumonden; die andern alle aber / jårlich nur einmal: und wird der g \ttin / in diesem tempel / kein anderes opfer / als kostbares rauchwerk / gebracht. Ihr stand bringet mit / daß sie der Diana die ewige keuschheit geloben /nichtes essen / als was ihre hand selber fänget / einmal des tags im åusern tempel erscheinen / alda ihr gebet zu verrichten / und oben auf dem berg / in den nåchten wann der mond nicht scheinet / ein brennendes feuer erhalten. Die Niniviten verschaffen ihnen wildbret die månge / also daß niemals ein mangel daran zu spüren ist. Sie werden auch sonst mit brod und getrånke aus der stadt versehen / und haben darneben trefliche fischereien / die ihnen so wol zur lust /als zur narung / dienen k \nnen.

Was sonderbare vergnügung ich in diesem tempel entfunden / kan ich nicht gnugsam beschreiben. Ich gewonete auch in dem jahr / da ich der Celia aufgewartet / dieses schönen lebens so sehr / daß ich / so wol aus eigener neigung / als aus beredung einer jungfrauen / die sich auch Aramena nennet / und von der die Oberpriesterin [338] sehr viel hålt / mir fürname /mein leben bei ihnen zuzubringen. Aramena / welche wuste / wie sehr diese meine entschliessung der Celie gefallen wůrde / liesse mir in geheim ein weisses kleid machen: und wie sie mich damit / als eine heilige jungfrau / angekleidet / muste ich mich also der Celia sehen lassen. Sie hatte ja grosse freude / mich also zu sehen: noch mehr aber ward sie erfreuet / als meine namentrågerin ihr mein fůrnemen entdeckete. Sie bliebe hierüber anfangs bestürzet / und sahe mich genau an; endlich schluge sie die augen gen himmel / und sagte: O gerechter himmel / wie wunderbar bist du doch in allen deinen schickungen? Hiermit name sie mich bei der hand / und weil dieses im wald fürginge / setzete sie sich an einen baum / und fragte mich: ob ich diesen schluß von mir selbsten aus eigener bewegung gefasset / oder ob ich hierzu wåre beredet worden / und ob es ihr bruder oder meine fraumutter mit wüsten? Wie ich nun nein gesaget / und sie teuer versichert / daß niemand als mein freier wille mich hierzu antriebe / sagte sie: meine entschliessung wåre so l \blich / daß sie hoffen wolte / meine eltern würden es gern zulassen. Weil ich aber noch jung wäre / und in die länge mehr verdruß als ergetzlichkeit in dieser lebensart finden möchte / so solte ich es noch eine weile mit ansehen: den nachgehends / auf einmal-gethanes gelůbde / keine wiederkehr seyn könte.

In dem sie also redete / kame ein starker hirsch /den etliche jungfrauen lang verfolget hatten / auf uns zu gerannt; und weil er erboset war / legete er sein geh \rne ein / um uns zu spiessen. Ich stellete mich gleich mit meinem bogen und pfeil für die Celia / und schosse diesen hirsch so glücklich durch die brust /daß er straks niederfiele / und seine kůnheit mit dem leben verlore. Diese that [339] name Celia also auf / als wåre sie noch so groß gewesen / nennte mich ihre lebens beschůtzerinn / gewanne / von dem tage an /mich noch lieber als zuvor / und unterrichtete mich fleissig in allem / was den heiligen orden betreffen mag. Als nun meine eltern ihre sachen in Ninive verrichtet / und wieder nach Syrien abreisen wolten /weigerte ich mich mit ihnen zu reisen / und lage der Oberpriesterin sehr an / daß sie mich wolte bei ihr behalten. Sie hörte dieses mein begehren gar gewürig an / und als meine fraumutter zu ihr kame / (dannn meinen herr vatter durfte sie nicht sprechen / als in gesellschaft des Königs / welcher / wie alle gekr \nte häubter / die freiheit hat / in den tempel mit seinen leuten zu kommen /) liesse sie mich in meiner heiligen tracht ihr vor augen fůren.

Anfangs name dieselbe dieses gar wol auf / weil sie ihr einbildete / ich hätte nur zur ergetzlichkeit mich also umgekleidet. Nachgehends aber / wie die Celia sie allein an ein fenster zoge / und ihr meine entschliessung offenbarete / erschracke sie nicht anderst /als håtte sie das gr \ste unglůck von der welt erfahren /und wolte ganz nicht hierzu einwilligen. Alles mein bitten und flehen / kunte sie nicht erweichen: und wandte sie fůr / daß ich ihre einzige freude wäre / die sie håtte / und würde sie mich ja so gern todt als in diesem tempel wissen / weil einer so wol als der andere mich ihr auf ewig raubete. Meine thrånen sprachen hierauf für mich / und funde ich mein fürnemen so rechtmäsig / daß ich fůrchtete / der g \tter zorn auf mich zu laden / wann ich meinen schluß änderte. Celia ebenfalls wolte mich keineswegs erlassen / und sagte: es laufe wider ihre pflicht / der g \ttin eine jungfrau zu nemen. Weil die ehrerbietung / so man den Oderpriesterinnen erweiset / sehr groß ist / als durfte meine fraumutter wider mich keinen gewalt gebrauchen: [340] [342]daher sie / für ungedult / ihre thränen nicht halten kunte. Indem kame Aramena zu uns hinein / um der Oberpriesterin etwas anzubringen / da dann meine fraumutter diese worte heraus stiesse: Ach! um dieser Prinzessin willen / muß ich jezt solches unglůck / zur billigen straffe / erfahren. Weder Aramena noch ich /kunten diese worte verstehen: und bei ihr / die nie gewust / wes standes sie gewesen / und also unvermutlich erfuhre / daß sie eine Prinzessin wäre / ward dadurch ein tiefes nachdenken erwecket.

Meine fraumutter begriffe sich aber gleich wieder /nachdem sie dieses gesprochen; und weil sie alda nichtes ausrichten kunte / als schobe sie es auf meinen herrn vatter / und name also einen unlustigen abschied. Ich vermutete nun wol / mein herr vatter wůrde sich hierbei gleich-ungedultig anstellen. Wie wir dann / als die Celia sich bei hof hierum erkundiget / erfuhren / daß er hierůber sehr ůbel zusprechen gewesen / und dem König Bel Ochus angelegen / ihm seine tochter wieder zu verschaffen. Weil nun der König ihn sehr liebet / als hatte er sich erboten / selber in den tempel zu kommen und mich wieder los zu machen. Ich gabe es / nach diesem erlangten bericht /auf das bitten / und fiele der Celia zu füssen / sie anflehend / mich ja nicht fahren zu lassen. Sie / die solches auch nicht im willen hatte / stunde hierauf etwas in gedanken / und sagte endlich: Ihr wåre ein mittel eingefallen / mich behalten zu können; nämlich /wann ich mein gelůbde ablegen wolte / alsdann würde niemand mehr einige gerechte ansprache zu meiner person haben. Wer ware erfreuter / als ich / als ich dieses vernommen? Und dankete ich wol tausendmal der g \ttin / daß sie mich wůrdigte / in ihren dienst aufgenommen zu werden.

[342] Demnach / keine zeit zu versåumen / wurde ich gleich folgenden tags in die heilige bäder gefůret. Nachgehends begleiteten sie mich / mit grossem pracht / nach dem innern heiligen tempel der g \ttin /den ich vorhin noch nie gesehen hatte: daselbst muste ich mein gelübde verrichten / und ewige keuschheit der Oberpriesterin angeloben. Darauf wurde ich von ihren zw \lf jungfrauen umgekleidet: dann sie hatten mich in weltlicher kleidung / die ich zu dem ende angezogen / dahin gefůret; und verbranten sie selbige /zum zeichen / daß ich hinf \ro die nicht mehr gebrauchen solte. Wie nun alles verrichtet war / muste ich die nacht im tempel verbleiben / und mein erstes opfer verrichten / welches im båsten weirauch bestunde. Folgenden morgens holete mich die Oberpriesterin wieder heraus / und wiese mir meine wonung an / die ich bei gegenwårtiger Briane bekame / von welcher Celia sonderlich viel hålt: und muste sie mich ferner /in allen geheimnisen unsers glaubens und ordens /fleissig unterrichten. In wärender zeit aber / daß sie solches mit mir also verrichteten / hatte Celia der wacht vor dem: tempel gebieten lassen / ihr nichtes in dreien tagen anzumelden / wann es auch selbst vom König wäre: damit wir nit mochten behintert werden.

Wie aber nun alles verrichtet war / da erfuhren wir / wiedaß der K \nig von Assyrien / neben der Königin und dem ganzen hof / kommen wolte / die Celia zu besuchen. Sie / als sie dem König wieder sagen lassen / er solte wilkommen seyn / liesse uns alle versammlen fůr den vorhof ihres palastes: Aramena aber muste sich hinter die lezten verbergen. Wie nun Bel Ochus neben dem ganzen hof ankame / ersahe ich gleich meinen herr vatter: der aber mich / unter so vielen ůbereingekleideten jungfrauen / nicht finden noch warnemen kunte. Wie [343] nun die Celia den König / die Königin / die unvergleichliche Prinzessin Delbois ihre tochter / die jetziger zeit in Ninive regiret / und ihren bruder / entfangen hatte / fůrete sie die Königliche personen in einen saal: inmittels die junge Prinzessin bei uns verbliebe / und mit unseren jungfrauen schwåtzete. Bel Ochus brachte sein gewerde der Celia gleich an / und rieffe den Mamellus dazu / sagende: Thut nun / mein vetter / selbst das eurige bei eurer schwester! ich habe bereits den anfang gemacht. Wie nun mein herr vatter / ihme mich wieder einzuhändigen / die Celia inståndig gebeten / bekame er zur antwort: Es sei schon zu spat / ich hätte schon mein gelůbde abgeleget. Hierauf begehrte er mich zu sprechen: welches Celia zuliesse / und wurde ich demnach in den saal zu kommen beruffen.

Als ich nun / mit furcht und zittern / für meinen herr vatter kame / sahe er mich mit zornigen gebärden an / dorfte aber seinen unwillen an dem orte wider mich nicht ausschůtten / sondern ůberwand sich / und mich bei der hand fassend / zoge er mich an eine seite / und sagte zu mir: Wie habe ich das um dich verschuldet / Aramena / daß du also mich verlassen wollen? Gedenke nur nicht / das dein gelůbde gůltig sei: und so lang mir die augen offen stehen / werde ich nicht dulten / daß du hier verbleibest. Bedenke dich noch / ob du mit mir wilst von hinnen scheiden / und erwåge wol / daß ich dein vatter bin / der dir dieses gebietet. Hiemit schwiege er still / um zu h \ren / was ich hierauf sagen würde. Ich aber / als in meinem herzen gewiß versichert / daß ich recht gethan håtte /gabe ihm zur antwort: Wiedaß ich mich sehr betrůbte / so unschuldiger weise meinen herr vatter zubeleidigen; und m \chte er wol versichert seyn / daß / wann es nicht die grosse Diana anginge / die ich dadurch[344] hoch erzürnen würde / ich alle eignen vergnügung /um mich ein gehorsames kind zu erweisen / hintan setzen wolle. Nun müste ich aber den g \ttern mehr gehorchen / als den menschen: weswegen ich ihn demütig båte / daß er doch nicht der g \tter zorn auf sich laden wolte / in verweigerung eines dinges / das so l \blich und den g \ttern wolgefällig wäre. Diese antwort hörete er nicht einmal gar zum ende / sondern liesse mich stehen / ginge / ehe man es warname / aus dem saal hinaus / und verlore sich aus der ganzen gesellschaft.

Die K \nigin Naphtis bemůhete sich hierauf auch sehr / mich los zu machen / und mich genau betrachtend / sagte sie zu der Perseis ihrer kammerjungfrauen / daß es niemand h \rete: Ach wie gleich sihet dieses kind / meinem guten schwager / dem unglückseeligen König von Syrien! Hiermit kůssete sie mich / die augen voll thrånen habende / und fragte mich ganz beweglich: Ob ich dann meiner fraumutter / die meinetwegen krank worden / keine hoffnung ůbrig lassen wolte / mich wieder zu bekommen? Celia / die indem zu uns kame / ůberhobe mich der mühe / dieses zu beantworten / sagende: Man m \chte mich doch nicht långer so vergeblich plagen! dann wann ich gleich selber meinen sinn åndern wolte / wůrde sie es doch nimmer zugeben können / daß ich mein gelůbde bråche. Hierauf liesse die K \nigin ab / mir hierum zuzureden / weil sie so grosse standhaftigkeit an mir befunden. Der König / als er sein gebet im vorhof des tempels verrichtet / begabe sich wieder von dannen. Die K \nigin aber verzoge noch etwas / und ergetzete sich die Prinzessin Delbois immittels mit uns andern im jagen / da sie ihre geschicklichkeit trefflich spůren liesse. Sie verblieben bei uns / bis auf den abend / da sie dem K \nig nach der stadt folgeten: worauf wir uns sämtlich nach unseren [345] wonungen begaben / und legte ich mich gleich neben der Briane zur ruhe / weil wir vom jagen sehr ermüdet waren.

Ich war aber noch im ersten schlaf / als mich Briane weckete / und aufmerken hiesse / was sich vor unserer kammer vernemen liesse. Mir finge hierüber das herz gleich an zu klopfen / und sagte mir zuvor / wie es mir ergehen wůrde. Indem gienge unsere kammertür auf / und ich erkante bei der klarheit etlicher ihrer fakeln / meinen vatter und dessen leute. Ich konte /vor schrecken / nicht ruffen: indem er zweien weibern / die er mitgebracht / befahle / mich in die bei sich habende r \cke anzukleiden. Wie dieses hastig verrichtet war / namen mich ihrer zween auf die arme / und eileten mit mir davon: die Briane an das bette angebunden hinterlassend / damit sie hierbei keinen auflauf machen m \chte. Als meine entfůrere mit mir einen guten sprung bis an den strom gelanget / wartete daselbst auf uns ein schiff: auf welches wir uns setzeten / und damit den strom hinab fuhren / daß es niemand von der wacht gewar wurde. Ich wolte zwar ruffen: aber meines herrn vattern bedrohen verwehrte mir solches. Wie wir nun weit genug ůber die brůcke hinaus waren / stiessen wir zu lande: da ein wagen / der hierzu bestellt ware / uns nach dem k \niglichen palast fůrete. Der K \nig / so hierum wissenschaft hatte / erfreuete sich sehr über meines herr vattern vergnůgung / daß dessen anschlag seinen fortgang erreichet: welcher / als er aus der Celia saal von uns gegangen /sich eigentlich meiner wonung erkündiget hatte / und die nacht heimlich da geblieben war / um aus zu grosser liebe diesen frevel an mir zu verüben. Sein und meiner fraumutter zůrnen und schelten kunte mich nun nicht so sehr betrüben / als daß ich mich aus dem orte meiner [346] ruhe entfüret sahe / und meine heilige kleidung wieder ablegen můssen. Ich thäte auch nichtes / als weinen / und die g \ttin um hülfe anflehen: die doch damals noch nicht zeit zu seyn befunde / daß ich solte befreiet werden / und zweifelsohne meine beståndigkeit průfen wollen.

Am folgenden morgen / zoge Mamellus mit mir und allen den unsrigen von Ninive hinweg: ein bewegliches schreiben an seine schwester die Celia hinterlassend / darinn er sie um vergebung bate / daß seine vätterliche liebe ihm diesen raub håtte begehen machen. Er schenkete auch ein grosses stuck goldes /zur auss \nung / in den tempel. Aber Celia / hierüber h \chst unwillig / wolte das geschenke nicht annemen /sondern beschwerte sich sehr hierüber bei den Ninivitischen stånden und der regirung: die zwar / ihr vergnůgung zu schaffen / an den Mamellus schreiben liessen / aber doch die sache nicht zu eiferig trieben /weil jederman ihme / als einem vatter / recht gabe /daß er diese gewalt ůber sein kind gebrauchet.

Also kame ich nun in Syrien wieder an / ganz übel zufrieden / und betrübet / daß ich keine gelegenheit absehen kunte / mich von der fleissigen aufsicht der meinigen zu entziehen / und mich heimlich davon zu machen: zumal weil sie / um mein (ihrer meinung nach) ungültiges gelůbde zu vernichten / mich mit gewalt verheuraten wolten. Zu dem ende zogen sie mit mir nach dem K \nig von Hemath: da der Prinz Bileam / des Königs åltster sohn / eben von Salem /da er erzogen worden / zu haus gekommen war. Wann nun gleich dieser herr der geschickteste Fürst von der welt wäre gewesen / so würde ich dennoch seinetwegen mein gelůbde nicht gebrochen haben. Nun aber befunde sich in allem / bei ihme / das widerspiel / zu meinem grossen glůcke. Wie dann solches [347] meinen herr vatter bewegete / daß er bedenken truge / mich also in eine verdrůsliche ehe zu verkaufen; so ware auch der alte Thebah / der mich von jugend auf mit erzogen / dieser heurat mit dem Bileam sehr zuwider: daß ich also dieser ersten verfolgung abkame und los wurde.

Nach langer zeit / die ich zu Damascus betrůbt zugebracht / erhobe sich der Krieg zwischen den Assyriern und dem König von Basan. Weil mein herr vatter / mit einer grossen heersmacht der Syrer und Mesopotamier / dem K \nig zu hůlfkame / als zogen wir mit ihme bis nach Haran in Mesopotamien: alda meine fraumutter / ihrem herrn desto nåher zu seyn / weil das feldlager der Assyrier am Phrat bei Acraba stunde / bei ihrem bruder dem alten Fürsten Laban / verbliebe; dessen beliebtes schåferleben / so er von seinen herr vatter geerbet / von ihme und seinen kindern getrieben wurde. Die verständige Lea und schöne Rahel / seine t \chter / vertrieben mir alda die zeit mit sonderbarer vergnügung. Sein jůngster sohn Bethuel /ware bei dem vatter: der ålteste aber / der Nahor /welcher ihm lang vorhero geboren worden / und wol der anderen vatter håtte seyn können / befande sich mit sonderbarem ruhm in diesem Assyrischen kriege. Weil wir in der angenemsten zeit des jahrs hinkamen /muß ich gestehen / daß ich mich sehr in dieses feldleben verliebet: zumal ich es einiger massen ånlich befunde der weise / deren ich im tempel zu Ninive gewonet ware. Ich kleidete mich / der Lea und Rahel zu gefallen / in ihre schäfertracht / und ware tåglich bei ihren ergetzlichkeiten: also / daß ich meine betrübnůs teils verlore / und ein ruhigeres wesen anname. Dieses an mir zu merken / ware meiner fraumutter die h \chste freude: wiewol sie in dem fall gar einen falschen wahn von mir [348] hegete / indem sie vermeinte / ich hätte mich ganz meines gethanen gelůbdes begeben. Mein vetter / der edele Jacob Fůrst von Heber / zierete mit seiner gegenwart das Mesopotamische gefilde /und wartete seiner wasen der Rabel auf / welche zu heuraten / er aus Canaan dahin gereiset. Ob er wol fůr uns allen sehr alt war / wie dann bei dem geschlechte der Hebreer gew \nlich ist: so sahe man doch nicht allein ihme solches nicht an / sondern er war auch so annemlich / und mit ihme so wol umzugehen / daß ich unmüglich in so angenemer gesellschaft unvergnůgt seyn kunte.

Der junge Bethuel / hatte eine zuneigung zu mir bekommen: wiewol er sein leiden bergen muste / und auf keinerlei weise mich zu erlangen hoffen kunte /weil es nicht wahr-scheinbar ware / daß meine Elteren mich des Fůrsten Labans sohne / und zwar den jůngsten / der wie ein schåfer lebete / und den nichtes als seine tugend und gute person konte beliebt machen / ůberlassen würden. Er suchete aber / meine gunst zu erlangen / nennte sich meinen schåfer / und erwiese mir tausend kleine dienste: die ich von ihme /als von meinem vettern / wol aufname / niemals aber daran gedachte / daß die törichte liebe darunter verborgen wåre. Sein guter verstand / måchte mich seine gesellschaft ståts begehren / und wuchse meine freundschaft zu ihme / und seine liebe zu mir / von tag zu tag: also daß ich / nåchst seinen schwestern / niemand hatte / mit dem ich vertråulicher umginge. Ich war in mir selbst fr \lich / daß ich einen so guten freund bekommen / dessen dienste ich einmal nützlich gebrauchen k \nte. Der alte Thebah merkete zeitlich /daß mich der Bethuel liebete / wurde auch / weiß nicht aus was ursache / froh darůber / und suchete dessen liebe zu bef \rdern: da er doch / meines bedůnkens / vielmehr derselbigen [349] håtte steuren sollen / als aus welcher mir kein glückentstehen kunte / das ich sonst / seiner einbildung nach / durch heuraten erlangen sollen. Er lobete mir jederzeit den Bethuel ůber die massen; das ich dann gern h \rete / weil ich ihm selber sehr gewogen ware: womit ich ihm aber die hoffnung machete / daß meine zuneigung aus einer liebe entstůnde.

Name aber er solches so fr \lich auf / so verspůrete hingegen meine fraumutter mit grossem unlust / daß Bethuel mich bedienete / und so gütig von mir aufgenommen wurde. Ihre ehrsucht / die nur K \nige zu ihrer tochter auswårtern haben wolte / kunte diesen armen Fůrsten nicht unter solcher zahl wissen. Und ob er gleich ihres bruders sohn ware / so g \nnte sie ihm doch nicht ihre einzige tochter. Nachdem sie nun ein zeitlang unserem leben zugesehen / liesse sie mich eines tags allein zu sich kommen / und fragte mich: wie es um den Bethuel und mich stünde? Ich / die ich ihre einbildung nicht warname / antwortete unschuldiger weise: wiedaß er mir gar lieb wäre / und ich seine gesellschaft sehr angenem fånde. Dieses stårkete sie noch mehr in ihrem wahn / also daß sie / von ungedult err \tet / zu mir sagte: Ich solte von nun an seine gesellschaft meiden / oder ihr zorn wider mich wůrde auf das h \chste steigen. Dieser unvermutete befehl machte mich ganz bestůrzet: weil ich nicht absehen kunte / was es ihr oder mir fůr nachteil bringen k \nte / wann Bethuel mein freund wäre.

Nachdem ich sie verlassen / kame Lea zu mir: und weil ich gegen ihr nichtes in meinem herzen verborgen hielte / als klagete ich ihr den herben befehl / den ich diese stunde entfangen hatte. Ich brachte es ihr unschuldiger weise dergestalt fůr / daß sie nicht anderst schliessen konte / als liebte ich ihren bruder. Weil nun derselbige sein leiden [350] ihr fürlångst entdecket / da sie ihme doch immer wegen der unmüglichkeit davon abgeraten / als wurde sie sehr fr \lich / mich dieses befehls halber so betrůbt zu sehen / und brache heraus in diese worte: Ist es müglich / liebste Prinzessin! daß mein unwůrdiger bruder so viel gnade hoffen / und dieses hohe glůck vermuten darf / seine künheit werde so gar gůtig aufgenommen? Welche kůnheit begehet er dann? (fragte ich hinwiederum /) oder worinn erweise ich mich gegen ihme anderst / als er würdig ist? Hålt dann das (sagte Lea ferner) die Pinzessin von Chaldea fůr zugelassen / daß ein armer Fůrst von Haran seine gedanken so weit ůber sich erheben dörfen? Und ist es nicht zu bewundern / daß der glůckseelige Bethuel seine küne liebe nicht soll haben vergeblich angewendet?

Hiemit erkante ich / in was fůr einem wahn die Lea schwebete. Ich wurde sehr unruhig / dieses zuvernemen / das ich so gar nicht vermutet hatte. Mir kame damit auf einmal alles in den sinn / was zwischen dem Bethuel und mir fůrgegangen: da ich dann meiner unschuld selber feind wurde / durch deren verleitung ich ihme zu dieser einbildung anlaß gegeben. Wie ich nun lang stillgeschwiegen / und damit der Lea nicht wenig unruhe erwecket / sagte ich ihr endlich: Ich wolle nimmermehr hoffen / daß Bethuel andere gedanken zu mir / als zu seinen schwestern / zu haben ihm erlaubet. Dann wann das seyn solte / můste ich mich unglůckhaft schåtzen / daß ich meine wahl so ůbel angewendet / da ich gewiß gemeinet / an ihm einen wahren freund zu haben. Wie unvermutet dieses der Lea ware / von mir zu h \ren / da sie sich viel ein anders eingebildet hatte / kan man leichtlich ermessen. Es ware ihr herzlich leid / daß sie so unbedachtsam ihren bruder verraten hatte. Sie versicherte mich / als [351] wir hierauf uns gegen einander hierůber deutlicher heraus gelassen / daß ihr bruder niemanden als ihr jemals seine liebe entdecket / und dieselbe ohne hoffnung geheget. Sie selber wolte nie mit einigem wort dessen gegen mir gedacht haben / wann sie nicht / aus blinder liebe zu ihrem bruder / meine worte also gedeutet håtte. Ich bate sie folgends / ihn hiervon abzubringen / und muste sie mir zuschwören / ihrem bruder nichtes von unserem gespråcht zu sagen: gleichwie auch ich / daß ich hiervon wůste / mich niemals wůrde merken lassen.

Indem kame Bethuel selber darzu: das mir dann eine r \te abjagete / die einigen widerwillen mit sich fůrete / wiewol ich solchen / so viel mir můglich / verbarge. Weil er vertråulich mit mir umzugehen gewonet war / als name er nicht in acht / daß ich die farbe verändert / sondern bate mich / ob ich mit meiner gegenwart ihre schäfergesellschaft beehren wolte? Dann die Rahel hatte eine spazirlust angestellet / nach dem dorfe Ballatha / da der weg / immer am wasser / in lustigen wiesen hinginge: wie wir dann daselbst uns vielmal ergetzet hatten. Ich entschuldigte mich gegen dem Bethuel / daß ich dißmal mich nicht wol auf be fůnde / und demnach allein in meinem zimmer zu bleiben verlangete. Ich bate ihn zugleich / daß er die gesellschaft meinetwegen nicht verlassen wolte. Ich sprache auch der Lea zu / und machete / daß sie mit den anderen hinginge.

Wie ich nun mich allein sahe / stellete ich mir diese abenteur recht für augen / und kunte nun finden /warum meine fraumutter an mich einen solchen befehl gethan: dessen sie / wann sie mein herz recht gekant /nicht würde haben nötig gehabt. Ich wuste nun nicht /wie ich mich hiebei solte recht anstellen / daß meine fraumutter ihre einbildung verlieren / und der Bethuel nicht merken [352] m \chte / daß jemand von seiner liebe wisse. Dann auf solchen fall / wäre ich gezwungen gewesen / ihme meine freundschaft zu entziehen: die ich ihm aber gern lassen wolte / weil ich seine tugend hoch schåtzete / und einmal ihn fůr meinen freund erwehlet hatte. Mit diesen unschlůssigen gedanken verliefen etliche tage / in denen ich / soviel müglich / des Bethuels gesellschaft flohe: doch dergestalt / daß er daraus nichtes wiederliches urteilen kunte.

Es begabe sich wenig zeit hernach / daß der Laban / als er seine schafe scheren lassen / allen seinen hirten ein grosses gastmal machete: da dann auch wir alle erscheinen und mit fr \lich seyn musten. Nach dem essen stelleten die schåfere einen tanz an / auf einem lustigen anger / der rund umher mit båumen bewachsen war / und befunde sich alda gar eine grosse gesellschaft: da wir / den ganzen abend / mit allerhand ergetzlichkeit zubrachten. Weil wir öfters unsere plåtze und stellen verånderten / als kame ich einsmals an einen baum zu sitzen zwischen zwei schåferinnen /die mir teils nicht sonderlich bekant / teils auch von so schlechtem gespräche waren / daß ich in solchen keine vergnůgung finden kunte: dannenhero ware meine ergetzung das stillschweigen. Wie ich nun also sasse / dem tanze zu sehend / h \rete ich den Thebah hinter mir reden; und als ich nach ihme mich umgesehen / erblickte ich ihn und den Bethuel / den ich schon lang aus der gesellschaft gemisset hatte. Ich sahe /daß sie / die rücken zu mir kehrend / an meinem baum sassen / und eiferig mit einander spracheten.

Ihr můsset / mein Fürst! (hörete ich den Thebah sagen) nicht solche einbildung haben: dann ich wil euch versichern / daß Aramena entweder eure liebe nicht weiß / oder derselbigen nicht entgegen ist. Ach wehrter Thebah! [353] (antwortete Bethuel und seufzete) ich muß vermuten / wiedaß diese Prinzessin meine liebe merket: und solte dem also seyn / wäre ich der unseligste mensch von der welt. Als der Thebah ihn fragte / warum er sich deswegen für einen solchen achte? sagte er ferner: Wie? solte diese grosse Prinzessin /die mich mit ihrer unschuldigen freundschaft so hoch ehret / meinen frevel wissen / daß ich sie lieben darf /und nit darob zürnen? Sie / die nur für K \nige bestimmet ist / solte sie meinen betrüg mir jemals vergeben k \nnen? Nein / Thebah! wann ich meiner vermutung recht innen werde / so bin ich des todes / und tausendfåltig strafbar / daß ich diese liebe nicht heimlicher gehalten / die mit meinem willen ihr niemals håtte sollen kund werden. Ich habe schon gnug damit begangen / daß ich solches feuer meinem eigenen herzen zu wissen gemacht. Und håttet ihr es nicht von der Lea erfahren / deren ich allein mein herz geoffenbaret / wůrdet ihr nie den Bethuel so frevelhaft erkant haben. Hoffet / mein Fůrst! (gabe Thebah zur antwort) und seit versichert / ich wil euch dienen. Habt ihr keine kron: Aramena kan euch eine erlangen. Ich wil mich jezt nicht weiter erklåren / massen es noch nicht zeit ist / davon zu reden. Beharret ihr in eurer liebe / und lasset nur mich machen. Hiermit kamen andere darzu / daß sie dieses gespräche einstellen musten; und forderte mich indem auch einer zum tanze /daß ich also von dieser stelle kame.

Weil ich nun also vernommen / wie die Lea dem Thebah diese liebe ihres bruders entdecket / da ich sie doch so sehr gebeten / es geheim zu halten; kunte ich nicht unterlassen / im fürbeigehen ihr zuzuruffen: Sie wåre treflich geheim gewesen! Dieses brachte ich mit so einer gebårde fůr / daß mein unwille genug daraus zu spüren ware. Weil sie mich nun sehr liebete / als machte ihr dieses [354] nicht wenig unruhe: und suchete sie den ganzen abend gelegenheit / mit mir zu reden /wiewol vergeblich / weil ich stäts nahe bei ihrer fraumutter bliebe / und die ganze zeit ůber meinen platz alda behielte.

Ich name mir aber ein sonderbares mittel fůr / den Bethuel von seiner liebe abzubringen / und doch seine freundin zu verbleiben. Wie ich demnach / des folgenden tags / gelegenheit ůberkommen / heimlich ihn zu sprechen / daß es meine fraumutter nicht gewar wurde / fragte ich unter anderen gesprächen: Ob er auch wol wüste / was die gesetze einer wahren freundschaft mit sich fůreten? Wie er nun geantwortet. Ja / er vermeine / daß ihm solches nicht unbekant sey; sagte ich ferner: So wäre er desto strafbarer / das er wissentlich sündigte. Er fragte mich / gar bestůrzt: wie ich das verstůnde? Worauf ich mich also erklärte: Ihr wisset etwas von mir / Bethuel / das ihr / unserer freundschaft gemäs / mir nicht håttet verschweigen sollen; allermeist / da es zu meinen grossen nutzen dienet /daß ich davon kentnis habe. Wie nun Bethuel / ohne antworten / mir verwundert zuh \rete / fuhre ich zu reden also fort: Ihr zeiget euch bestůrzet / mein vetter! daß ich euer geheimnis weis / davon ihr gestern abends beim tanz mit dem Thebah gesprochen. Ihr hättet mich billig warnen sollen / daß ich mich fůr den Thebah möchte fůrsehen / der solche dinge / die mir nit wol anstehen / sich unterfånget mit mir fürzunemen. Daß ihr mich liebet / Bethuel / anderst als ihr sollet / das ist euer unglůck / darin ihr mehr zu beklagen als zu bestraffen seit. Daß aber andere mit hierum wissen sollen / und zwar solcher gestalt / daß sie eure dinge bef \rdern wollen: solches schmerzet mich sehr /und hätte ich mich zu eurer freundschaft viel eines andern versehen.

[355] Hiemit schwiege ich still / und Bethuel erblassete dermassen / daß ich muste besorgen / er würde bei mir niedersinken. Wie wir nun eine gute weile einander angesehen / brache er endlich in diese worte heraus: Wie bin ich doch so unglückselig / daß dieses /was mit meinem willen niemals ein mensch erfahren sollen / die jenige hat můssen inne werden / die ich zum h \chsten damit beleidige. Ich neme / O grosse Prinzessin! himmel und erde zu zeugen / daß mein liebe kein anders ziel / als den tod / und keinen andern zweck gehabt / als stets sonder hoffnung zu brennen. Hat Thebah mich eines andern wollen ůberreden / so habe ich mir doch darum nie einige einbildung gemachet. Da nun meiner Prinzessin / wider meinen vorsatz / meine schulde bekant worden: sehe ich mich nun in den unseligsten stand gesetzet / darin ein mensch leben mag. Nein / mein vetter! (sagte ich hierauf) dieses sol die freundschaft bei mir nicht aufheben / wofern ihr nicht selber euch deren woller verlustig machen. Ich weiß auch ein mittel / dadurch ich fůr diese beleidigung kan völlig ausges \net werden. Als er hierauf mich eiferigst bate / ihme dieses mittel kund zu machen / und dabei angelobete / in allem mir seinen gehorsam zu erweisen; fragte ich ihn etliche male: ob ich mich dessen zu ihm unfehlbar zu versehen håtte? Er versicherte mich mit vielen eidschwůren /daß ich ihme nichtes so schweres von der welt auflegen könte / das er mir zu liebe nicht verrichten wolte /wann er nur dadurch bei mir in die vorige gunst wieder gelangen möchte.

Ihr müsset (sagte ich hierauf /) mich heimlich von hinnen entfůren! Dieses unvermutete ansinnen / machte ihn ganz sprachlos: und merkete ich wol / daß seine t \richte liebe ihn anfangs glauben machete / als ob dieses mein begehren derselben zu statten kåme. Wie er [356] aber folgends ihme mein gemůt fůrbildete / kunte er dessen sich nicht bereden. Inzwischen sahe er mich begierig an / aus der folge meiner rede ein mehrers zu schliessen. Ihr schweiget still / mein vetter! (fuhre ich fort /) und bereuet schon / daß ihr mir mehr versprochen / als ihr halten k \nnet. Wenn mein stillschweigen / (fiele er mir ins wort /) diese ausdeutung solte bekommen / wůrde mir zu nahe geschehen. Ich bin bereit / ohne einige betrachtung / meiner Prinzessin befehl auszurichten. Man nenne mir nur den ort /dahin sie begehren: mein fleiß / sol meinen gehorsam zeigen. Der ort / da ich zu seyn verlange / (gabe ich zur antwort /) ist der Dianen tempel zu Ninive: aus deme mich meine eltern / wider g \tt- und menschliche rechte / mit gewalt entfüret haben. Alles vorige entsetzen ware fůr nichtes zu rechnen / gegen der bestürzung / die hierauf den Bethuel überfallen.

Er hatte sich noch nicht wieder erholet / als Lea zu uns kame: die an uns beiden wol warname / daß etwas sonderliches zwischen uns můste fůrgegangen seyn. Sie hatte mich / seit des vorigen abends / da ich ihr den verweis gegeben / nicht wieder gesprochen: kame also deswegen / sich bei mir zu erkundigen / wie ich es gemeinet håtte? Weil ich die sache nun zum ende treiben wolte / sagte ich zu ihr: dein bruder und ich haben ursach / uns über dich zu beschweren / daß du seine schwachheit dem Thebah geoffenbaret. Doch wenn wir künftig mehrere verschwiegenheit von dir hoffen d \rfen / so sol des vorigen nicht mehr gedacht werden. Wir nemen dich / mit diesem bedinge / in unserm raht. Man kan gedenken / wie dieses die Lea in verwunderung brachte / da sie auf einmal so viel erfure. Sie hatte / aus liebe zu ihren bruder / wider sein wissen / mit dem Thebah hiervon geredet / und kunte nicht ergrůnden / woher ich das erfahren [357] hätte. Noch vielweniger kunte sie sich darein finden / daß ich / in ihres bruders gegenwart / von dessen liebe so frei redete / und sie zur verschwiegenheit anmanete. Also kame sie auf eben die gedanken / die etwan zuvor ihr bruder gehabt / als ich ihme meine entfůrung angebracht / daß wir nåmlich unserer liebe halber einig seyn wůrden. Demnach antwortete sie gar freudig: Sie hoffe / diß / was sie dem Thebah geoffenbaret / werde eher bef \rderlich seyn / daß wir sie in unseren raht mit einnemen / als daß wir sie heraus stossen.

Dein bruder (sagte ich hierauf) hat mir die zusage gethan / mich in der Diana tempel nach Ninive zu fůren: und traue ich deiner freundschaft zu / du werdest deine hůlfe hierbei mit anwenden. Lea / ohne zu antworten / sahe ihren bruder an / und dieser sie hinwiederum / beide voll h \chster bestůrzung. Ich aber drunge darauf / daß ich sein gegebenes wort wolte erfůllet wissen: welches er mir dann endlich versprochen. Dieses geschahe aber mit solcher betrübnůs /daß er / um nicht mehr schwachheit mich sehen zu lassen / von mir ginge. Lea bliebe zwar bei mir / aber aus ihr selber: also daß ich in langer weile von ihr kein wort bringen kunte. Endlich aber / als sie sich wieder erholet / finge sie an / alle ersinnliche grůnde mir beizubringen / um mich auf andere meinung zu lenken. Sie dorfte gar sagen / wie daß der dienst von Dianen ein vergebliches werk wåre: welches ich ihr aus freundschaft zu gut hielte / aber mit solchem ernst ihr das gegenteil behaubtete / daß sie wol sahe / ich wůrde auf keinerlei weise davon zu bringen seyn.

Ich verlangte nun sehr / den Bethuel wieder zu sprechen und seine zusage erfüllet zu sehen: kunte aber in etlichen tagen nicht dazu gelangen. Als ich nun schon an seiner hülfe verzaget / liesse er eines abends gar spate / [358] durch meine jungfrau die Tirza /sich bei mir anmelden. Als ich ihn kommen lassen /funde ich ihn so verfallen im gesicht / und so vergrämet / daß er ihm fast selber nicht mehr ånlich sahe. Prinzessin! (sagte er zu mir) es ist alles zu der reise bestellet. Ich hab kaufleute hier in Haran angetroffen /die nach Ninive wollen / und ihre frauen mit sich nemen: unter denselben ist eine meine gar gute freundin / die alles heimlich zu halten / und gute bequemlichkeit zu verschaffen / versprochen hat. Ich dankete ihm / ganz erfreut / fůr diese gute vorsorge: und redeten wir ferner mit einander ab / daß seine beide schwestern erlaubnůs bitten solten / mit mir nach Dabusa zu reisen / da ein markt gehalten wurde; von dar ich dann unvermerkter / als von Haran / hinweg kommen kunte. Diß alles ginge glücklich von statten / und macheten wir uns auf den weg: da niemand / als Lea /Bethu el und Tirza / mein vornemen wusten. Er sonderte sich unterwegs allmal von der gesellschaft ab /und vermiede alle gelegenheit / mit mir zu reden /damit ich sein klagen nicht vernemen d \rfte / machete doch unterdessen alles zu meinen fůrhaben färtig: wodurch ich / ihme noch geneigter zu werden / bewogen wurde / weil ich sahe / wie er / wider sich selber / mir so treulich dienete.

In Dabusa fiele es mir nun nicht schwer / hinweg zu kommen / weil ich keinen aufseher hatte. Lea verliesse mich zwar mit der höchsten betrübnüs: sie ware aber doch so gefållig / daß sie sich meinem festen fůrnemen nicht mehr widersetzete / sondern dasselbe åmsig bef \rdern halfe. Wie nun alle bereitschaft gemacht ware / kame mit frůhem morgen der bestellte wagen: da des Bethuels bekantin / eine kramerin aus Haran / mich abholete / als noch niemand im ganzen hause / auser mir / der Lea und Tirza / wach ware. Bethuel liesse sich nirgend [359] sehen. Als ich von der Lea einen beweglichen abschied genommen / welcher ihrerseits mit vielen thränen befeuchtet worden / reisete ich fort mit der Tirza / in begleitung aller der anderen kaufleute / und kame / nach sechs tagreisen / glücklich nach Ninive: da / auf mein begehren / die kramerin mich zum statthalter des reichs / dem Fürsten Peldas von Sepharvaim / bringen muste. Ehe sie aber von mir ihren abschied name / gabe sie mir ein schreiben vom Bethuel: welches er ihr / mit dem defehl /mir es nicht eher zuzustellen / bis ich würde in Ninive angekommen seyn / eingehändigt hatte. Im selbigen /name er von wir den allerbetrůbtesten abschied / und hatte solchen / weil er ein guter dichter war / in diese reimen verfasset / die ich / aus mitleiden / in mein gedächtnis geschrieben / also:


Aramena! gute nacht! dieses selber dir zu sagen /

wůrd von neuem dich erzůrnen: drum so ni es schriftlich an;

weil ich doch / fůr liebesschmerzẽ / nun nicht ferner schweigẽ kan.

Hat mein lieben dich betrübt: wollest jetzund mich beklagen /

daß ich / ohne trost und ruh / ewig muß mein leiden tragen.

Gönne / bis ans end der erden / ja bis an der sternen bahn

diese worte auszubreiten: daß es ganz um mich gethan.

Aramena ist dahin / sie hat sich der welt entschlagen:

weil ja niemand wůrdig war / ihre schone anzubeten.

Traurt / ihr felder / wålder / auen / die ihr ihren glanz gesehn.

Ach! es ist um eure zierde / und um meine ruh / geschehn.

Nichtes bleibt nur übrig mehr / als ins todtental zu treten:

da allein wird sich verlieren meines schweren leidens macht.

Gute nacht / du lust und freude! Aramena! gute nacht!


Ich solte mich wol entsehen / diese reimen fürzubringen / die für meinen orden eines so widrigen inhalts seind. Aber weil es die lezte der liebeserfolgungen / die ich von dem Bethuel ausgestanden / habe ichs hierbei nicht unerwehnt lassen wollen: zumal dieser Fürst / der mich so bescheidenlich geliebet / und in seinem lezten dienste / [360] den er mir geleistet / wider sich selbst gehandelt / wol verdienet / daß ich mich seiner klagen erinnere / und einiges mitleiden darůber bezeuge.

Als ich nun zu dem Fůrsten von Sepharvaim gekommen / welcher statthalter in Ninive war / und von wegen der K \nigin Naphtis die regirung fürete / bewunderte der meine unvermutete ankunft gar sehr; allermeist wie er vername / was mich dahin getrieben. Hemire seine gemalin / die meiner fraumutter nahe befreundet / sahe nicht gern / daß wider ihren willen ich in den tempel wolte. Nachdem es aber / (weil ich /als der ganze regirungsraht beisammen war / mich hierum anmelden lassen /) gleich ůberall in Ninive erschollen / wiedaß ich wiedergekommen wäre / in der Diana tempel zu gehen: als dorfte sie sich \ffentlich meinem fůrsatze nicht widersetzen; zumal ihr gemal /als die h \chste obrigkeit / recht verschaffen / und die heilige gesetze nicht schwächen musse. Sie unterliesse aber nicht / heimlich sich zu bemůhen / wie sie mich wieder in meines herrn vatters hånde bringen möchte: welcher / zu meinem unglück / eben zu Ur der haubtstadt in Chaldea / bei seinem ältesten bruder den Prinzen Bildat / sich befande. Demnach schriebe sie ihm eiligst / weil Ur nur zehen meilen von Ninive liget / welches vorhabens ich zu Ninive angelanget wäre. Er seumte sich nicht / mit dem Bildat heimlich nach Ninive zu kommen: da er mit der Hemire abrede name / wie er ohne emp \rung des volkes meiner habhaft wolte werden.

Die Celia wartete nun meiner mit ja so grossem verlangen / als viel begierde ich hatte und erwiese /bei ihr zu seyn. Nachdem der Fůrst von Sepharvaim mich etliche tage aufgehalten / mit ståtiger vertr \stung / wiedaß er mich ehist mit grossem pracht selber in den tempel [361] begleiten wolte: wandte er endlich eine eilige reise nach Babel für / daselbsthin / nach getroffenen frieden mit den Teutschen / der Bel Ochus zurück gekommen war; hatte also / zumal der krieg mit dem Könige der Bactrianeren angehen solte /diese reise einen schein der notwendigkeit. Die Hemire name er mit sich / um allen verdacht zu vermeiden /daß sie um das / was mir begegnen solte / wissenschaft trůgen. Der unterstatthalter / der Fürst von Cale / des hiesigen Arsas herr vatter / wurde zwar von ihm befehligt / mich folgenden tags nach dem tempel zu begleiten. Aber mein herr vatter und dessen bruder /kamen in aller frühe vor tags in das haus / darinn ich war / namen mich mit gewalt heraus / und brachten mich aus Ninive / daß niemand von dem volk es innen wurde.

Diese abermalige hinterung meines gerechten fürnemens / ginge mir also zu herzen / daß ich nicht zu trösten war / und fast der ehrerbietung vergasse / die ich meinem herr vatter schuldig bin. Auch hielte mich derselbe nach diesem so hart / daß ich / gleich der årgsten ůbeltäterin / bewachet wurde. Er liesse seinen bruder zu Ur / und brachte mich nach Haran zurůcke: da sie alle / wegen meiner flucht / in grosse bekümmernůs geraten waren / und sich um soviel mehr erfreueten / als sie mich wieder sahen. Von der Lea erfuhre ich / wiedaß niemand sie in verdacht hielte / daß sie meiner flucht mitwisserin gewesen. Doch klagte sie mir darneben / was massen ihr armer bruder heimlich hinweg gezogen: wohin / das wäre niemanden bewust; auser daß sie besorge / seine verzweifelung würde ihn den tod suchen machen.

Lang nach dieser zeit / zoge meine fraumutter mit mir auf das gebirge Seir nach Dedan zu deinem herrn vatter / liebste Ahalibama! da ich ein wahres bildnüs der [362] ehrwürdigen Celia an deiner fraumutter fürfunde /also daß ich ganz vergnügt darüber wurde. Diese Prinzessin hube auch an / mich also zu lieben / daß sie mir \fters bekante: sie halte mich ihren kindern gleich / und solte ich die stelle ihres verlornen sohns des Disons vertreten. Weil sie auch nun sehr andåchtig / als kunte ich frei ihr meinen zustand klagen / daß ich also unbilliger weise von der Dianen dienst abgehalten werde. Ich merkete wol an ihr / daß sie solches nicht billigte: wiewol sie doch allemal meiner eltern meinung dabei hielte / und alles ihr beginnen mit ihrer zu mir tragenden liebe entschuldigte. Wir blieben eine geraume zeit auf dem gebirge / weil mein herr vatter auch hernach kame / und von wegen des Königs von Assyrien mit den Seirischen Fürsten etwas wichtiges zu handeln hatte. Ich hörete daselbst von allen deinen verfolgungen / die du wegen deiner liebe hie im lande Canaan anstehen mustest. Die gesamten Fürsten deine verwandten / wie auch mein herr vatter / håtten gern gesehen / daß du / liebste schwester! den König Beor geehlichet hättest: ob sie wol / aus furcht fůr dem König von Assyrien / ihren willen \ffentlich nicht wolten darein geben. Ich vermute auch wol / eben dieses sey die ursach gewesen / warum deine fraumutter /wie du bei ihr zu Rabbath gewesen / dich nicht mit nach Dedan zurück fůren wollen.

Es hielten sich aber damals auch zu Dedan auf /des Sobals kinder / als der junge Ebal / und die angeneme Mehetabeel; mit welchen beiden es mir fast eben so erginge / als in Mesopotamien mit der Lea und dem Bethuel: dann ich wurde mit der schwester freundschaft beseeliger / und mit des brudern liebe gequålet. Dieser Ebal / war der artigste mensch von gemůte / als einer seyn mochte. Er war auch so grosmutig / daß man ihn [363] fast hoffärtig schelten können /wann er nicht sonsten mit so vielen tugenden / die dieses laster unterdruckten / wäre begabet gewesen. Weil er keine hoffnung in seiner liebe sahe / hůtete er sich auf das allermüglichste / daß kein mensch sein anligen erfůre: damit ihme solches nicht zum schimpf gereichen m \chte / daß er nach etwas vergebliches gestrebet. Demnach offenbarete sein mund niemanden /was er innerlich fůhlete. Seine seufzer aber und seine augen / thåten mir nur allzuviel kund / was ich nicht zu wissen begehrete: dann Bethuel hatte mich so klug gemachet / daß ich nun wol urteilen konte / was aus freundschaft oder liebe herrürete.

Der alte Thebah / war gleich hierbei mit seinen verfolgungen fårtig / und schienen sie ihm alle gleich zu seyn / wann er nur zum mann mir verhelfen möchte. Weil er alle freiheit bei mir hatte / sahe er eines tags die gelegenheit ab / als ich auf der jagt zwischen ihn und den Ebal einritte / und wir beide einen hirschen /der uns entgegen kame / mit einem pfeil zugleich / zu einer zeit / und fast an einer stelle fälleten. Wolte der himmel! (sagte Thebah hierzu /) daß euer beider sinnen so gleichf \rmig in allen wåren / als sie hierinn gewesen! doch wird es allein bei meiner Prinzessin stehen: dann / wegen des Fürsten von Seir / ich mich schier für versichert achte. Diese worte jagten / so wol dem Ebal als mir / eine röte ab; und wie ich eben dem Thebah wolte antworten / kame mir Ebal zuvor / und sagte zu ihm: Woher seit ihr ein ergrůnder meiner gedanken? ich zweifele / ob ihr dieselben recht wisset. Einmal ist dieses gewiß / daß ihr euch meiner vertreulichkeit nicht berůmen könnet. Hiemit rannte er von uns hinweg / und bliebe ich damit von ihme so vergnůget / als von des Thebah beginnen erzůrnet: deme ich dann mein misfallen hierüber genugsam [364] zu spůren gabe. Aber er achtete solches wenig / und sagte mir zur antwort: ich kennete nicht mein eigen båstes / noch die kraft seiner vorsorge / die er vor mich billig tragen müste.

Sobald nachmals Ebal mit mir allein zu sprechen kame / entschuldigte er sich aufs höchste / wiedaß er dem alten Thebah nie anlaß zu dergleichen reden gegeben; und wolte er sich ja so wol rechtfårtigen / als sehr ihn seine augen anklageten. Ich beantwortete ihm seine åuserliche verstellung / mit den worten: wiedaß ich wol gewonet wåre / dergleichen scherzreden von dem Thebah zu h \ren. Doch m \chte ich wůnschen /(sagte ich /) er håtte war geredet / daß nämlich unsere sinnen sich in allem gleichf \rmig befänden. Wie so /schönste Prinzessin? fragte Ebal / ganz erfreuet und auser sich selber. Darum / (antwortete ich /) daß ich alsdann versichert wäre / dermaleins durch eure hůlfe in der Dianen tempel nach Ninive zu kommen / von der man mich schon zweimal unbilliger weise entfůret hat. Nimmermehr (gabe Ebal nun / ganz verwirret /zur antwort) werde ich die welt so hoch beleidigen /derselben ihren sch \nsten glanz zu entziehen. Auser diesem / biete ich ganz willigst der Prinzessin von Chaldea meine dienste an: in jenem stuck aber / muß ich billig mich ungehorsam weisen. Mir mag aber sonsten (sagte ich hinwider /) kein angenemer dienst widerfahren: hat also der Thebah in seinen wunsch /und ich in meiner hoffnung / gar weit gefehlet.

Hiermit kamen etliche andere dazu / die dieses gespräch verstöreten. Er aber åuserte sich meiner von der zeit an je mehr und mehr / und verbarge / soviel müglich / seine traurigkeit: mit der ihn oft seine schwester vexirte / baß er ganz unwillig wurde. Weil dieselbe von tag zu [365] tag zuname / als gabe Mehetabeel um soviel genauere acht auf sein thun / um endlich die ursach seines leidens zu ergrůnden. Eines tags fande sie ihn im garten / da er in eine baumrinde etwas schriebe. Als sie ihme lang zugesehen / kame auch ich dazu / und zeigete sie mir ihren bruder von fernen. Selbiger gienge endlich hinweg / ohne uns zu sehen /und hinterliesse seiner schwester die begierde / zu sehen / was er in den baum geschrieben. Sie eilete mit mir dahin / und wir lasen diese reimen:


So will ich doch nicht sprechen:

solt gleich der himmel brechen.

mein reden nůtzet nicht.

Sie soll mir niemals hören /

den hochmut ihr zu mehren /

was meinem sinn gebricht.


K \nt' ich selbst meinem herzen

verbergen meine schmerzen /

ich wolt es lassen nicht.

Gar wolt ich mich bemůhen /

selbst aus mir selbst zu ziehen /

was meinem sinn gebricht.


Ob ich im herzen leide:

doch soll sie diese freude

hierdurch geniessen nicht /

daß meine qual mich triebe /

zu sagen / daß ich liebe /

und was dem sinn gebricht.


Mein bruder (finge Mehetabeel hierauf an) ist sehr hochmütig verliebet / daß er lieber leiden wil / als seine qual offenbaren. Er thut wol / (antwortete ich /) daß er seine plage nicht anderen mitteilet / sondern die für sich selber behält. Wer mag aber wol (fragte sie) diese geliebte seyn? Die recte warheit dir zu sagen / (gabe ich ihr zu antwort /) so gläube ich nicht anderst / als daß ich es bin: dann ich / dieses zu glåuben / viele anzeigungen [366] habe. Doch wirst du ihme niemals sagen / daß ich seine liebe merke: weil er noch trauriger werden möchte / daß das jenige / so er wil so gar geheim gehalten haben / ist entdecket worden. Wer weiß aber / (antwortete sie /) ob er nicht gern wolte / daß du es wüstest? daß nur er es dir nicht sagen d \rfte. Was solte ihm das helfen? (wandte ich darwider ein /) Ihm ist ja mein gelůbde wol bekant /und er selber setzet in seinen reimen / daß ihm keine hoffnung ůbrig seie. Hierauf redeten wir miteinander ab / wie wir uns hiebei anstellen wolten: dann sie ware / in keinem ding / meinen fürhaben entgegen /weil sie allzuwol wuste / daß mein gelůbde sich nimmer brechen liesse. Also verharreten wir beiderseits in unserer verstellung / da keines den andern sagete /was es wuste oder merkete.

Inzwischen bekame mein herr vatter von Babel befehl / ehe er wieder nacht Syrien kehrte / eine gesandschaft in Egypten abzufordern / und von dem K \nig Pharao Uchoreus / des Osiris und der Isis bildnüs abholen zu lassen / welchen zu ehren der König / in Damasus / zwei tempel erbauet / da die bildnise solten hinein gesetzet und verehret werden. Mein herr vatter gehorchte alsobald diesem befehl: da dann zu Dedan und aller orten auf dem gebirge Seir / da die Isis und Osiris solten herdurch gefůret werden / grosse zurüstungen geschahen / dieselben auf das herrlichste zu entfangen und einzuholen. Ich ward aber unpåßlich /als die gesandten aus Egypten mit den bildnisen zurůcke kamen: denen dann alle Fůrsten von Seir fůr Dedan entgegen zogen.

Dazumal fande dein herr vatter / ganz unverhofft /deinen bruder den Dison / unter den Egyptiern: welche zeitung gleich nach Dedan erschallete / und daselbst / insonderheit bei deiner fraumutter / die eben bei mir war / [367] eine unbeschreibliche freude erweckete. Wir begleiteten / ihre vergnügung / mit unsren glůckwünschungen: und ward dieser einiger sohn /den sie so lang fůr verloren gehalten / mit solcher bewegung des gemůtes von ihr entfangen / daß man sie fast onmächtig aus seinen armen tragen muste. Gantz Seir hatte anteil an dieser freude. Ich / weil ich /wegen noch-anhaltender schwachheit / ihn nicht sehen konte / liesse ihn mir von der Mehetabeel beschreiben: die dann seine wackerheit nicht gnug mir fürmalen kunte. Ich erfuhre auch von ihr / wiedaß er wäre ein priester der Isis in Egypten worden: wiewol man nicht zweifele / er wůrde diesen orden wieder ablegen. Ich wünschete / unwissend warum / daß er m \chte beståndig verbleiben. Ich erhielte auch meinen wunsch: dann / etliche tage nach seiner ankunft / kame seine fraumutter zu mir / und klagete mir / daß ihr sohn ganz hartnäckicht darauf bestůnde / der Isis priester zu bleiben; und wolte er mit den andern Egyptischen pfaffen wieder fortziehen / und sich in der Isis tempel zu Damascus begeben. Sie sagte / wie sehr ihr herr auf ihn erzürnet wäre: und sie selber gehube sich hierbei gar ůbel / daß ihre freude so kurze zeit gedauret hatte.

Ich entfande hierob so grosse vergnůgung / daß ich sie kaum fůr deiner fraumutter verbergen kunte: und was ganz Seir betrůbete / das war mein h \chste freude. Die gesandten zogen mit den g \tter bildern wieder hinweg / zugleich den Dison mit sich davon fürend. Deine fraumutter ware nicht zu tr \sten / und dein herr vatter voller zorn / daß er dieses beginnen seines sohnes nicht verwehren k \nnen Mein herr vatter sprache ihn zufrieden / indem er ihm riete / er solte heimlich seinem sohn etliche månner nachschicken / die ihn mit list entfůrten / und wieder zu ihm bråchten. Diesen anschlag setzte der [368] Ana ins werk / und zwar so heimlich / daß unser keines etwas hiervon innen wurde. Es glückte ihme auch nach seinem begehren: massen der Dison unversehens wieder nach Dedan kame / und wuste ich nicht anderst / als daß solches mit seinem eigenen willen geschehen wåre. Ich verůbelte ihm diese unbeståndigkeit gar hoch / und name mir fůr /ihm solches fůrzurucken / sobald mir meine gesundheit / ihn zu sehen / zulassen wůrde.

Wenig tage waren verstrichen / als mein herr vatter einsmals zu mir kame / und nach vielen umreden mir anbrachte / wiedaß er und der Ana beschlossen håtten / mich an den Dison zu verheuraten. Ich weigerte mich gleich / diesen schluß einzugehen / und sagte: Ich wolte in allem eine gehorsame tochter seyn / auser in dem / was wider die götter liese. Es sei allbereit gewalts genug / die man mir anthäte / indem man mich von dem tempel abhielte: dieses wůrde nun gar zuviel seyn / wann man mich ůberdas zum heuraten zwingen wolte. Alles dieses / so ich weitlåufig und mit vielen thrånen fürbrachte / dienete mir nirgendzu / als daß mein herr vatter nur desto zorniger und härter mir gebote / seinem befehl nachzuko en / und sagte er dar bei: Ich solte ihm zutrauen / daß er es wol dahin bringen wolte; und d \rfte ich mir nicht einbilden / durch list von Dedan zu ko en / wie ich zu Haran gethan: dann er mich fleissig genug bewachen lassen / und meiner person sich recht versichern wolte. Hiemit ginge er von mir / und kame bald darauf meine fraumutter / welche mir eben dergleichen fürbrachte / und eben so wenig durch meine thrånen sich erweichen liesse ja fast noch hårters sinnes ware / als der herr vatter. Es bliebe auf ihrer seite bei dem schluß / daß ich den Dison ehlichen solte; auf meiner seite aber bei dem fürsatze / eher zu sterben / als der Diana treubrůchig zu werden.

[369] Diese harte verfolgung nun / dergleichen ich fůrhin nicht versuchet / weil meine eltern wegen des heuratens es mir noch niemals so nahe gebracht hatten /stiesse mir sehr an das herze: und sahe ich kein mittel in der welt / wie ich k \nte hiervon erl \set werden / als / wann ich den Dison darzu brächte / daß der / in erkennung der unm \glichkeit / selber von dieser heurat abstůnde. Demnach ůberredte ich die Mehetabeel /daß sie / mit deinem bruder zu reden / gelegenheit suchen / ihme so wol sein als mein gelübde fůrhalten /und ihn / von dieser heurat abzustehen / bitten solte. Diese / als sie bei ihm mein aufgetragenes gewerbe abgeleget / kame ganz fr \lich wieder zu mir / und brachte mir diese gute zeitung / wiedaß Dison in sei nem gelůbde ja so beständig als ich verbliebe; daß er mit gewalt von dem bilde der Isis wåre entfůret worden; daß er seinem herr vatter / meine angetragene heurat / ebenfalls abgeschlagen; daß er schon einmal wieder auf dem weg gewesen wåre / davon zu fliehen / weswegen er auch jezt gefangen gehalten wurde; und daß er die Isis inståndig anruffe / mich hiervon zu erretten: und solte ich gleichfalls meine Diana anflehen / daß keine Göttin ihn nicht verlassen m \chte. Man kan gedenken / wie / dieses edlen Fůrsten entschliessung zu h \ren / mir eine freude war / und gewanne ich ihn deswegen so lieb / weil ich ihn meinem sinn so ånlich befunde / daß ich oftermals wůnschete / er m \gte mit mir eines geschlechtes seyn / damit wir unsere lebenszeit ståts mit einander zubringen k \nten. Ich ertruge nach diesem den zwang meiner eltern mit einen viel ruhigern gemůte / weil ich den Dison nicht für meinen mitverfolger halten dorfte.

Unser beiderseits eltern aber verharreten in ihrem schluß / ihre ungehorsame kinder zusammen zu bringen. Weil wir einander noch nie gesehen hatten / als wolte [370] meine fraumutter / ich solte mit ihr den Dison besuchen. Wie ich aber dieses vorher von der Mehetabeel erfahren / liesse ich den Dison bitten / sich krank zu stellen / damit er nicht d \rfte zu mir kommen: und ich widersezte mich ernstlich / ihn zu besuchen / mit fůrwand / daß solches sich nicht gezieme / und dem Dison båsser als mir zu thun anstehen k \nte. Hiemit läneten wir es an beiden teilen ab / und war die ursach / daß wir also unsere zusammensprache scheueten /diese / weil wir besorgeten / wir würden unsere eltern erzůrnen / wann wir in ihrer gegenwart anderst / als sie es begehreten / miteinander geredet hätten. Als sie aber nun lang sich vergeblich bemüheten / uns auf ihre meinung zu bringen / wurde der Ana endlich ungedultig / und setzete einen tag unserer hochzeit an /da wir solten mit gewalt zusammen getrauet werden: wie dann alle Seirische Fůrsten nach Dedan kamen /unserem hochzeitfest beizuwonen.

Die gottsfůrchtige Poliphide / deine fraumutter /ware hierinn unser beider einiger trost: die von ihrem gewissen überzeuget wurde / wiedaß es sůnde wåre /uns also zu zwingen. Sie vertrauete mir demnach / als sie mich eines tags gar kläglich gebärden sahe / wiedaß sie fůrhabens wåre / dem Dison ihrem sohn heimlich davon zu helfen: weil sie spůrete / daß doch er so wenig als ich unsere gelůbde verlassen wolten. Ich dankete ihr hievor mit meinen thränen / und lage ihr inståndig an / daß sie gleiche güte gegen mir fůrkehren / und mich in der Diana tempel zu ihrer schwester verhelfen wolte. Dieses aber schluge sie mir rund ab /fürwendend / sie håtte über anderer leute kinder die macht nicht / die ihr die g \tter über ihre eigene verliehen: also dorfte ich ihr dieses nicht mehr anmuten. Der junge Ebal inzwischen / der nicht ohne eiversucht und schmerzen warname / was bei uns [371] fůrginge /kunte nicht långer zu Dedan verbleiben / sondern zoge hinweg / ohne einigen abschied von mir zu nemen: weil er sich befahrete / wie er der Mehetabeel vertrauet / er m \gte von seiner liebe sich etwas merken lassen / und nicht so vollkommen ein meister seiner worte bleiben / als er vorhin bei mir gewesen war. Es hatte auch seine schwester nicht eher / als dißmal /aus ihme sein leiden erfahren.

Als aber nun / zu des Disons flucht / alles bereitet war / fůrete ihn eines abends die Mehetabeel / in weibskleider verstellet / zu mir in die kammer: und solte er / unter dieser verstellung / mit der Poliphide nach Moab reisen / die jårlich das fest des gottes Chamos daselbst besuchete. Nachdem wir einander gegrůsset / sagte ich zu ihme: Ich m \chte wůnschen /mein vetter / daß die jenige / die zu dieser eurer verstellung unschuldige ursache gegeben / auch so nahe bei ihrer erl \sung wåre / und der hoffnung mit euch gen \sse / sich bald an dem ort zusehen / da sie stäts in gedanken lebet. Ich verhoffe aber / die grosse Diana werde mich auch endlich erh \ren / gleichwie die Isis sich euer angenommen. Tugendhafte Aramena! (antwortete er mir /) der himmel soll mein zeuge seyn / wie mich dieses in meiner jetzigen glůckseeligkeit betrůbet / daß ich zu erlösung der vollkommensten Prinzessin der welt so gar nicht dienen kan / und daß ich / ohne sie in ruhe zu wissen /derselbigen nun allein geniessen muß. Versichert euch / mein vetter! (sagte ich hinwider /) daß ich euch eure ruhe von herzen g \nne / und gewiß verhoffe / bald eine gleichmåsige glůckseeligkeit zu erlangen.

Als wir / nach diesen und anderen reden / einander umfasset / und gute nacht gewůnschet / reisete dein bruder / also verstellet / mit seiner fraumutter hinweg / und [372] hatte niemand einigen argwahn auf die Poliphide: weil dieselbige so meisterlich den Dison vorher verbergen lassen / daß man zu Dedan ihn schon gemisset / ehe noch ihre reise nach Rabbath fortginge. Der Ana war hierob so ergrimmet / daß er schwure /er wolte seinen sohn dem Moloch opfern / wann er ihn würde wieder bekommen: Also waren die Seirische Fürsten vergeblich nach Dedan gekommen / und durch des Bräutgams flucht die hochzeit aufgehoben: welches meine eltern auch nicht wenig verh \nete.

Wir zogen bald darauf / durch Canaan / (allwo wir dem alten Isaac und der Rebecca meiner mutter schwester zusprachen) wieder in Syrien / da mein herr vatter sich gar sehr / wiewol vergeblich / bemühete /zu Damascus in der Isis tempel von den Dison etwas zu erfahren: dann die priester daselbst seine anwesenheit so standhaft laugneten / und vermutlich verheeleten / daß er nichtes ausrichten kunte. Ich bliebe aber daselbst nicht lang unangefochten / indem die K \nigin der Bactrianer von Hemath zu uns kame / und ihres bruders sohn den Prinzen Apries / und seine schwester die Prinzessin Ardelise bei sich hatte. Dann diese K \nigin wolte gleich / besagten ihren vettern /mit mir verheuraten: worzu der Thebah / seiner gewonheit nach / gar meisterlich halse. Weil ich aber die Ardelise gar wol kante / als erfuhre ich von ihr /daß ihr bruder bereits anderswo liebete: da ich ihr hingegen meinen zustand vertrauet. Dieses verursachete unter uns eine so feste freundschaft / daß jederman gläubete / als hätten wir einander geliebet. Ich liesse auch den Thebah mit fleiß in diesem wahn /damit er aufhörete / mich ferner zu verfolgen: welches dann uns manche kurzweil machete / daß wir also den alten Thebah betriegen kunten.

[373] Dieses wärete also hin bis in den früling nächstverwichenen jahrs / da uns die K \nigin der Bactrianer wieder verlassen. Der Thebah sahe wol / daß der Apries nicht solche liebe beim abschied mir erzeigte / als er wol ihme eingebildet: demnach ward er sinns / weil er doch nie ermůden kunte / an meiner verheuratung zu arbeiten / er wolte den Elihu den Fürsten von Ram / der gar ein wackerer verständiger herr ist / in dieses spiel fůren / und ausfüren machen / was mit dem Bethuel / Ebal / Dison und Apries vergebens war fürgenommen worden. Weil er nun bei meinem herr vattern sich viel vermochte / als überredte er denselbigen leichtlich / daß er vergangenen herbst in Mesopotamien nach Acraba reisete. Meine fraumutter hat an diesem ort ein landgut / und wächset alda treflicher wein: daher wir selber / uns zu ergetzen / der weinlese beiwohnen wolten. Es liget dieses Acraba nahe bei dem Fůrstentum Bus / in welchem der Elihu / und zwar zu Ram / nur ein feldwegs von Acraba / sich aushielte. Ich thate diese reise mit freuden / weil ich also dem tempel der Diana etwas näher kame / und die angeneme gesellschaft der Lea und Rahel wieder zu geniessen verhoffete. Mein herr vatter aber liesse mir so wenig freiheit / daß mir bald meine eingebildete vergnůgung wieder verschwunde: dann ich wurde aller orten so hart bewachet / daß ich auch nie keine gelegenheit absehen kunte / nur mit der Tirza allein zu reden / weil allemal viele personen um uns blieben /die von meinen eltern befehl hatten / meiner zu hůten /und auf alles mein thun acht zu geben.

Weil in selbiger gegend fast alle Mesopotamische und Syrische Fürsten ihre weinberge haben / als war die gesellschaft alda sehr groß. Der Elihu verzoge nicht / sich mit uns bekant zu machen: zumal er allbereit vorher [374] zu Babel um meinen herr vattern gewesen ware. Seine geschicklichkeit erwarbe ihm bald unser aller wolneigung: wie dann auch ich ihn in allem so sittsam und verståndig befunde / daß ich mir seine gesellschaft sonders belieben liesse. Dem Thebah ware dieses eine sonderbare freude / und vermeinte er nun gånzlich / daß ich dem Elihu můste zu teil werden. Er wolte aber seine gedanken hierinn heimlicher füren /als er vordessen gethan: womit er mehr verderbet als gut gemachet hatte. Also sagte er mir nichtes / und liesse mich mit dem Elihu so frei umgehen / als ich selber wolte.

Dieser Fůrst lude uns einsmals zu gaste auf sein kelterhaus / welches mitten in seinen weinberg gebauet war. Viele Syrische Fůrsten und Fürstinnen kamen daselbst zusammen: da den abend / auf einer breiten wiesen / welche der Phrate umfliesset / das gesamt frauenzimmer spaziren ginge. Weil der Elihu sich zu mir gesellete / kamen wir / unter andern gesprächen / von den torheiten der liebe zu reden. Ich behaubtete / daß es gar eine nårrische sache um die liebe wäre / massen alle ihre wirckungen töricht schienen. Er bekråftigte meine meinung / setzete aber doch hinzu: wiedaß auch er dieser krankheit / ob er gleich alle ihre torheiten wol erkennete / unterworfen sei / und an einem ort lieben müsse / da er nichtes zu hoffen håtte. Ich bestürzete hierůber / vermeinend /ich wůrde hierinn an ihm einen Bethuel oder Ebal finden. Er aber / als der gar vertråulich mit mir lebete /halfe mir bald aus meinen irrigen wahn / indem er mir entdeckete / wiedaß er in die Rahel gebrant sei: von der er aber nie etwas zu hoffen hätte / weil sie von ihren eltern fůrlängst an den Jacob versprochen wäre. Weil er dieses mit einiger bewegung fůrbrachte / taurete es mich sehr / einen solchen Fůrsten / von so vielen tugenden / [375] den / mit solcher qual beleget zu wissen. Ich suchete auch / ihn davon abzubringen / ihm alle ersinnliche gründe für haltend / die eines andern ihn ůberreden m \chten: Er aber beantwortete alles das / so ich ihm fůrhielte / allein mit vielen seufzen. Dieses bewoge mich / seiner in scherze zu spotten / und machte ich etliche reimen auf seinen zustand: da er selber mir die verse stellen hulfe. Also beschrieben wir einen verliebten menschen / in diesen zeilen:


Die liebe ist ein trieb / daß wir uns selber hassen /

gesundheit / witz und ruh gutwillig fahren lassen.

Sie ist ein gift dem leib / ein tod für unsren geist:

daß beides geist und leib nicht seine werk erweist.

Wir hassen uns so sehr / daß wir auch gerne stůrben /

wann wir der liebe zweck dadurch gewiß erwürben.

Selbst zehren wir uns ab. Wir wollen t \richt seyn.

Wir wollen unsre ruh / fůr unlust / stellen ein.

Wie blaß und gar verstellt / wie mager und verfallen /

wird unser angesicht. Ein wüten und ein wallen

von schrecken / eiversucht / von furcht / von qual und schmerz

durchwandret unsren leib / und presset unser herz.

Der freie geist ist hin. Er dienet seinen feinden.

Er liebet / was ihn plagt. Er wůnscht / sich zu befreunden /

mit kummer und mit pein. Diß bringt die lieb uns bei.

Muß man dann nicht gestehn / daß sie voll torheit sei?


Als ich dieses / nachdem es gesetzet / laut hergelesen / sahe inzwischen der Elihu jemanden nicht weit von uns / der ihme unbekant war / und mich ohne unterlaß anschauete. Er wurde dadurch bewogen / scherzend zu mir zu sagen: Was gilt es / Prinzessin! wir haben in diesen reimen die abbildung von jenem fr \mden gemacht / der mit so verliebten gebården die sch \nheit der Aramena betrachtet? Hiemit sahe ich nach ihme / und befunde / was der Elihu berichtet: massen dieser fr \mde so aus sich selber mich betrachtete / daß er eher mehr einem steinernen bilde / als einem menschen / ånlich sahe. Sein ansehen [376] und gute gestalt / neben der unkentlichkeit dieses menschen /macheten mich begierig / zu wissen / wer er seyn m \chte. Als wir in unserem spazirgang für ihn über gehen musten / grüssete er mich mit einer tiefen vergnügung / und wolte Elihu mich ůberreden / daß er ihn sagen h \ren: O unvergleichliche wundersch \ne! welches ich aber nur für seinen scherz hielte: wiewol es sich hernach erwiese / daß Elihu wahrgeredet. Des folgenden abends / gingen wir an eben selbigen ort: da uns der fr \mde wieder zu gesicht kame / und zwar in eben solcher stellung / wie das erstemal. Weil nun meine begierde zuname / zu wissen / wer er wäre /fragte ich hierum jemanden / mit dem ich ihn reden gesehen: der mir aber keinen andern bescheid zu geben wuste / als daß dieser frömde / mit etlichen bedienten und einer frauenperson / vor wenig tagen in Acraba angekommen / und hätte er ebenfalls gleich jetzo nach meinen namen gefraget / und grosse frende erwiesen / als er erfahren / wer ich wåre.

Elihu und ich / hatten hierüber unsern scherz: wiewol ich gleich dabei mir weissagete / ich wůrde davon noch müssen ungemach anstehen. Als ich eben seiner / etliche tage hernach / in meinem zimmer gedachte /kame ein geschrei aus / es hätte die Königin von Ninive kriegsvolk nach Acraba geschicket / den Prinzen von Sichem zu verfolgen / der eine ihrer kammerjungfrauen von Ninive entfüret; dieser Prinz wäre auch gefunden worden / und die jungfrau mit den Niniviten wieder hinweg gezogen. Mein herr vatter / der den Niniviten zu ihrem nachsuchen verholfen / weil die Königin / die solches anihn begehret / des Bel Ochus wachter war / wolte nichts desto weniger dem Prinzen von Sichem alle h \flichkeit erweisen. Weil wir nun vernommen / daß er ihn auf unser haus bringen wůrde / ihn daselbst zu bewirten / als [377] ginge ich an ein fenster stehen / den Hemoz ko en zu sehen. Ich wurde gewar / zu meiner bestůrzung / daß es eben der fr \mde war /den ich beim spazirgehen gesehen: und indem ich mich alles dessen / was wir uns von ihm eingebildet /eriñerte / vermehrte solches meine verwunderung / die ich ohnedas ůber dieser fr \mden begebenheit geschöpfet.

Der Prinz Hemor zeigte sich zwar etwas beschämet / daß er sich als einen entfůrer der jungfrauen muste ansehen lassen: doch entschuldigte er sich damit / daß es mit ihrem guten willen geschehen. Sonsten erwiese er alsobald eine sonderbare vergnůgung / um meinen herr vatter zu seyn: der ihn zu meiner fraumutter fůrete / dieselbe anzusprechen. Weil auch ich mich daselbst befande / als ånderte er / mich ersehend / zu vielen malen die farbe / und begrüssete mich mit so sonderbarer art / daß nicht allein ich / sondern auch alle anwesende / die warheit von seiner liebe urteilen konten. Elihu bescherzete mich gleich hierůber; wiewol es mir nicht låcherlich ware: dann aus vorhergehenden dingen konte ich leichtlich mir die rechnung machen / wie meine eltern hierbei sich anstellen würden. Auch der alte Thebah ware / wider seinen gebrauch / hierůber sehr unlustig. Dann / ob er gleich den Hemor / wegen seines grossen standes und der guten geschicklichkeit / nicht tadelen kunte: so zoge er dennoch den Elihu ihme weit für / und wolte / mit seinen beredungen / mich lieber an diesen als an jenen knüpfen; wie er dann / verm \g seiner habenden freiheit / bei mir ab- und zugehen / mich vermahnete /den Hemor nicht anzunemen / sonderen meine gunst dem Elihu zu lassen. Wie willig ich ihme nun das erste versprache / so unn \tig achtete ich / ihm das an dere zu beantworten. Doch liesse ich ihn gern in dem wahn / daß ich den Elihu liebete: damit er nicht auf den Hemor gerahten möchte.

[378] Dieser Prinz nun machte mir seine liebe bald kund / und offenbarete sich auf so manche art und weise /daß man in ganz Acraba davon redete. Meine fraumutter hatte noch nie einen gewůnschtern schwiegersohn nach ihrem sinn gesehen: daher es nicht viel mühe brauchte / bei ihr so wol als nach gehends bei meinem herr vatter gute hoffnung für seine liebe zu erlangen. Ich aber erwiese ihm hingegen nur desto heftiger / wie unmůglich ich zu seiner liebe wůrde zu bringen seyn / und name alle seine aufwartungen mit solchem widersinn an: daß / wann nicht der himmel /hierdurch mich also sehr zu verfolgen / hätte beschlossen gehabt / der Prinz leichtlich wůrde abgeschrecket seyn worden / seine zeit bei mir zu verlieren.

Er begleitete uns nach Damascus / dahin wir wieder abreiseten: sowol / weil die weinlese nun geendet / und es gegen den winter ginge; als auch wegen des Elihu / den sie mit mir in gar zu naher verståndnüs stehend achteten / und deswegen in verdacht hatten. Ich verliesse auch diesen Fürsten ungern / und ermahnete ihn / wie auch der Thebah thate / wiewol nicht aus gleichem fůrhaben / er m \chte doch mit dem ersten in Syrien kommen / mich zu besuchen. Weil nun / wie gesagt / der Hemor nicht abliesse / mich mit seiner liebe zu verfolgen / und ich weder die ehrerbietung des Bethuels / noch die verschwiegenheit des Ebals / noch des Disons gleichheit im gelübde / an diesem verliebten befande / als ware er mir auch mit seiner liebe der allerunertråglichste. Er wolte mich durch seine fleissige bedienung / und nicht durch die zusage meiner eltern / erwerben: liesse derowegen nichtes unversuchet / was er nur immermehr ersinnen konte / mich zu gewinnen. Es verliefen damit etliche monate / wiewol fůr ihn ganz vergeblich: weil mein fůrsatz so unbeweglich [379] bliebe / daß er mit allem nichtes ausrichtete.

Meine eltern / die / auf sein eigenes bitten / dieses also stille mit angesehen / wurden dessen endlich überdrüssig. Sie wolten / weil sie mich nicht h \her noch bässer anbringen kunten / als wann ich dereinst Königin von Canaan würde / gleichwol dieses glück nicht aus hånden gehen lassen. Demnach / befahrende / die ungedult m \chte des Prinzen liebe endlich überwägen / und ihn finn-åndern wachen / geboten sie mir / gleichwie sie zu Dedan mit dem Dison gethan / ich solte den Hemor heuraten. So vergeblich nun vor diesem mein flehen und bitten gewesen / so wenig kunte ich auch jezt ausrichten. Und ob ich wol zu vielen malen dem Hemor in die augen sagte / Ich wolte lieber sterben / als ihn ehlichen: so ware doch alles um sonst / und richtete ich damit mehrers nicht aus / als daß man von einer zeit zur andern verzoge / die heurat zu vollziehen / ob ich endlich noch mit guten willen darzu zubringen seyn m \chte. Mein herr vatter hielte dafür / der Oberpriesterin / seiner schwester / einwilligung wůrde hierbei viel thun / und mich eher zum gehorsam bewegen: reisete deswegen nach Ninive / von dannen er mit der Celia erdichtetem jawort wieder zurück kame. Daß aber dieselbe damit nicht friedlich gewesen / hat ihre jetzige abschickung an mich genugsam dargethan: ob man schon dazumal ein anders vorgegeben.

Sobald nun der früling begunte herfür zubrechen /da wurde ohne långern verzug meine abreise aus Syrien angestellet. Und weil zu Damascus / der Königin von Ninive / wie auch der K \nigin von Tyrus / ankunft vermutet wurde / als kunte mein herr vatter und fraumutter mich nicht in Canaan begleiten. Demnach[380] trugen sie dem Thebah und der Fůrstin Calaride auf /mich nach Debes zu bringen / dahin die reise gehen solte / weil selbiges Fürstentum dem Prinzen Hemor zugeh \rte: welcher nicht wolte / daß ich nach Sichem kåme / weil er damals mit seinem herr vatter / wegen der verstossung seiner fraumutter / in übelvernemen stunde. Daß aber meine eltern nicht gleich zu Damasco die hochzeit wolten vollzogen haben / halte ich dafür / sei dieses die ursach gewesen / weil sie vermuteten / wie übel ich mich gebården wůrde: da es dann bei allen Syrischen Fůrsten ihnen eine b \se nachrede hätte erwecken können / um daß sie also ihr einziges kind in einen ihr widrigen ehestand gen \tigt. Ich schiede von Damasco so traurig hinweg / daß ich fast nicht wuste / was ich thåte. Der alte Thebah vermeinte mich zu frieden zu sprechen / und sagte mir viel vor /von des Hemors vollkommenheit und tugend: Aber solches gereichete zu mehrung meiner qual / indem ich von ihm diese wankelmütigkeit erleben muste /daß er / der zuvor des Hemors liebe widersprochen /nun auch dieselbige mitbilligte.

Zu Camon / traffe ich des statthalters von Ninive sohn den Tharsis an / welcher bei der Königin Delbois in diensten ist / und dazumal von Ninive kommend / nach Damasco reisete. Ich hatte ihn vorher nie gesehen / weil er der zeit im krieg ware / als ich unter seines vattern schutz / wie ich von Haran flohe / mich begeben. Weil er / meiner fraumutter wegen / mir befreundet / als gabe ich ihm geh \r in meinem zimmer: da er dann / aus meinen thrånen / meinen zustand wol abnemen kunte. Weil ich nun spůrete / daß er erbärmnis mit mir hatte / als wolte ich sein mitleiden noch h \her treiben. Ich růckete ihm fůr / wiedaß sein vatter allein an allem meinem unglůck schuldig wåre / weil er mich zu Ninive nicht båsser [381] wider meine eltern beschůtzen m \gen. Dieses ginge ihm so sehr zu herzen /daß seine grosmut ihn triebe / seine dienste mir gleich anzubieten. Ich bate ihn so beweglich / als mir müglich war / daß er mich von dem Hemor befreien wolte: worzu er sich gleich willigst erklärte / und mir gewiß versprache / im gebirge Gilboa unterwegs mir vorzuwarten / und dem Hemor mich zu entfůren / auch hierzu eiligst alle behörige anstalt zu machen. Diese hoffnung / erlöset zu werden / machte mich / die folgende tage meiner reise / ruhiger aussehen: woraus Hemor grosse vergnůgung sch \pfete. Er wolte aber bei Ennon nicht über den Jordan fahren / weil er erfahren / daß sein herr vatter daselbst sich befånde. Demnach reiseten wir über den see Cinereth: da ich dann von dem edlen Elieser und Ephron unwissend errettet wurde / welche die Fůrstin von Seir zu befreien vermeinten; ich aber bildete mir ein / es wåre der Tharsis / der mir die versprochene hůlfe leistete.

Wie ich nachgehends durch den Piream ihnen wieder abgenommen / und nach Thanac eingebracht / von dar durch den Tharsis aufs neue nach Bethera entfůret / aber neben dir / liebste schwester! von dem Fürsten Beri wieder verrahten und hieher nach Salem geliefert worden: solches hastu alles mit erlitten und angesehen. Ich habe nichtes mehr ůbrig zu sagen / als dieses / daß ich / wie der Tharsis mich leztmals aus Bethera davon brachte / ich wol mit ihm hätte davon und dem Beri entkommen können. Er gabe mir aber daselbst so frech und deutlich seine liebe zu verstehen / daß ich lieber bei dir bleiben und deine abenteuren mit erleben / als ferner mich ihme vertrauen wollen. Demnach sprunge ich / ehe er sich dessen versahe / vom pferd herab; und indem ich denen / die uns verfolgeten /entgegen eilete / wurde es mir [382] nicht schwer / ihme zu entgehen: massen er die flucht nemen muste / weil er wol sahe / daß er wider die anderen alleine nicht bestehen konte. Alles mein ausgestandenes leiden nun achte ich gering / wann nur endlich die gütige Diana mir beistehen wil / daß ich in ihren tempel / sie ruhig zu bedienen / gelangen m \ge. Und hierzu habe ich jezt noch grössere hoffnung / da ich der grossen g \ttin die Ahalibama zur dienerin erworben / welche unsern tempel mit ihrer angenemen gegenwart zum h \chsten zieren wird: wie dann auch unsere Oberpriesterin grosse vergnůgung entfangen wird / wann sie also ihrer schwester tochter wird stäts bei sich haben k \nnen.


* * *


Ja / liebste Aramena! (sagte hierauf Ahalibama /) du hast in mir solchen lust zu diesem leben erwecket /daß ich von nun an der grossen Diana angelobe / ihre dienerin zu werden / und mit dir und deinen gespielinnen meine lebenszeit in ihrem tempel / da so süsse ruhe zu finden ist / hinzubringen. Briane und Zimene höreten diese entschliessung der Fürstin von Seir mit ja so grossem vergnügen an / als Aramena. Als sie aber noch davon redeten / tratte der Fürst von Cale und dessen gemalin zu ihnen in das gemach: welche von hof gekommen waren / und in gesellschaft des K \nigs Melchisedech und der fürtrefflichen C \lidiane den tag verbracht hatten. Ahalibama fragte gleich: ob die Fůrstin Casbiane morgen noch ihre reise fortsetzen wolte? Aber selbige vertr \stete sie auf den nåchsten tag hernach / weil sie vom K \nig zu Salem /beim opfer des folgenden tags zu / erscheinen / neben ihren gemal eingeladen wäre. Der Fürstin von Seir machte dieses einige unruhe / aus besorgung / sie möchte / durch ferneren verzug / dem Beor wieder in die hånde geraten. Aber der Arsas sprache ihr [383] einen muht ein / und thåte ihr die versicherung / daß übermorgen vor tags unfehlbar ihre reise mit seiner gemalin für sich gehen solte: da dann ja noch fůnf tage zurück wären / ehe ihre verschliessung zum ende liefe /und man ihrer flucht innen werden kůnte. Als sie hierauf ihr dieses gefallen lassen / und Arsas neben seiner gemalin ihr eine ruhige nacht gewůnschet / und fůr seine person / weil er nach verrichtetem opfer seine reise nach Kiriath-Sepher fortsetzen wolte / von ihr abschied genommen hatte: bereitete sich dieser fůrst und seine Casbiane zu dem morgigen opfer / welches der K \nig Melchisedech angestellet / um dem Arsas dessen rechte weise zu zeigen / damit er seine K \ni gin darinn unterrichten möchte.

Als demnach die nacht fürbei / und kaum der morgen herfür gebrochen / da kame des K \nigs von Salem oberkämmerer der Jarah: welcher den Arsas und die Casbiane / auf des Königs wagen / zum opfer abholen solte. Weil er sie schon hierzu bereit funde /als fuhren sie sobald miteinander dahin / nach einem berge / der auserhalb des schlosses unferne vom Jordan gelegen war. Der K \nig Melchisech hatte / neben den beiden Prinzessinnen und der hofstatt von Salem /sich daselbst bereits eingefunden. Wie nun der K \nig den Arsas und dessen gemalin gegrůsset / sagte er zu ihnen: Gesegnet seit ihr dem herrn / der himmel und erden besitzet! damit fürete er sie zu dem altar / und wie sie ingesamt alda niedergekniehet / hube die gemeine an / einen lobgesang zu singen / welchen die Prinzessin C \lidiane ehmals verfasset hatte / in diesen reimen:


Ihr v \lker / auf! lobsinget unsrem Gott /

dem herren aller welt:

der uns in aller noht

und fårlichkeit erhält:

[384]

der alles hat / was ist / zum nutzen uns gegeben;

in dessen milder hand wir schweben / weben / leben.


Er hat die welt / diß wundergrosse haus /

wie es jezt sichtbar ist /

für uns geschmůcket aus

nur in sechs tage-frist.

Die erde / luft und feur / die wasser an der festen /

erschuff der grosse Gott / zu unsrem nutz und bästen.


Das paradeis / gab er dem menschen ein:

woselbst die h \chste lust /

der unschuld heller schein /

ganz völlig war bewust.

Des leibes edler stand / die ruh der keuschen seelen /

ernehrte dieser ort. Es muste nichtes fehlen.


Der Lucifer / der allersch \nste geist /

von hochmut angefůllt

verlore allermeist

den glanz / der ihn umhůllt.

Gott stieß ihn von sich hin. Sein fall / die menschen fällte /

als er mit list und neid zu ihnen sich gesellte.


Ob solcher fall uns schon die ruhe nam:

doch Gottes liebeshuld

hinwieder zu uns kam /

und deckte unsre schuld /

verhieß uns våtterlich den edlen weibessamen /

der wiederbringen soll der huld-verlornen namen.


Als ferner doch die sünden-volle welt

im argen wurde alt /

verließ was Gott gefållt /

ward in der andacht kalt:

Hat sie zwar Gottes zorn gestrafft mit wasserwogen:

Doch schiene bald darauf / sein sch \ner gnadenbogen.


Die vier par leut / die sein zorn ůbrig lies /

nam er in seine hut /

und sie recht unterwies /

was wåre recht und gut.

Sie musten fruchtbar seyn: die erde zu beerben.

Er schwur / die welt nicht mehr durch wasser zu verderben.


[385]

Doch blieb die welt in fůnden so verkehrt /

daß in des Sch \pfers ehr /

die ihm allein geh \rt /

sie menschen stellten her /

zu göttern wurfen auf. Doch seine gůt zu weisen /

lies er nicht alle welt in diesen irrtum reisen.


Er låst des liecht von seinem reinen schein

noch leuchten auf der erd.

Es soll noch allzeit seyn

ein auserwehlte heerd /

die diesen Gott recht ehrt / der Gott allein zu nennen /

ohn welchen wir kein gut / noch einen herren / kennen:


Drum auf mit uns / ihr seelen / die ihr ehrt

den grossen wunder-Gott!

Sein lob werd ståts gemehrt

von uns / bis in den tod.

Er ist allein der herr. Er ist allein zu loben.

So hoch der himmel ist / soll seyn sein nam erhoben.


Hierauf liesse der K \nig die opfer verrichten / welche bestunden in einer dreijãrigen ziege / einer dreijårigen kuh / einem dreijårigen widder / einer turteltaube / und einer jungen taube: die dann alle geschlachtet / und nachgehends auf den altar angezůndet worden. Mitlerweile nun von den priestern / die der König in seinem dienst hatte / dieses verrichtet wurde / erklärte Melchisedech dem Arsas umständlich / was durch alles dieses angedeutet wůrde: wie nämlich die thiere ihr blut zu dem ende vergiessen můsten / daß die menschen sich dabei erinnern m \chten / wie sie Gott eine allgemeine versönung für ihre sünde schuldig wären. Es habe dem H \chsten / von der welt anfang her / dieser gebrauch / als ein ihme recht angenemer gottesdienst / wolgefallen: und wolle er also /durch vorbildung der kůnftigen erl \sung / angeruffen und verehret seyn. Wie nun das opfer geendet war /und sie såmtlich alda vor dem herrn [386] angebetet hatten /name der K \nig den Arsas mit auf seinen wagen /welches auch Cölidiane und Jaelinde mit der Casbiane verrichteten: worauf sie also miteinander auf das schloß fuhren.

Melchisedech fůrete daselbst den Fůrsten in sein geheimes zimmer / und ůberreichte ihm etliche geschenke für seine K \nigin / die er ihr zu bezeugung seiner freundschaft schickete. Das buch Jezirah ware mit unter diesen geschenken / wie auch des Henochs und des Noa gesetze: welche auf güldene tafeln gegraben und mit edelsteinen eingefasset waren. Arsas entfinge solche mit grosser ehrerbietung / und suchete darauf an / um seine erlassung. Der K \nig erteilte ihme dieselbige / sagend: Er k \nne leichtlich ermessen / daß der Fůrst darum von Salem also hinweg eilete / weil das hochzeitfest des K \nigs Beor mit der Fůrstin von Seir für der thür wåre / deme er freilich nicht wol beiwonen könte. Hiernächst bezeugte er /wie sehr es ihn schmerze / daß sein haus zu etwas dienen můste / welches der K \nigin Delbois billigen schmerzen verursache. Doch hängte er die entschuldigung hinan / wiedaß er / als unter den König von Canaan geh \rig / keine macht habe / sich seinem willen zu widersetzen / sondern es alles / wie es ginge / geschehen lassen můsse. Der kluge Arsas / ungeacht er den König also reden h \rete / wolte dannoch weder den Demas noch sich selber verrahten / mit entdeckung / daß bereits die Ahalibama auf dem weg wåre /dem Beor zu entgehen. Er dankete ihm allein fůr alle seine gute bezeigungen / und nachdem er sich nochmals ihme zu gnaden befohlen / name er auch abschied von den beiden Prinzessinnen. Weil er alda seine gemalin fande / als vermanete er sie heimlich /ihre reise nach Damasco folgenden tags ja gewiß fortzusetzen / und begabe sich damit auf den weg nach[387] Kiriath Sepher: bei allen / die ihn in Salem gekant /ein gutes lob hinterlassend.

Casbiane wolte sich der kurzen zeit / die ihr in Salem zuverbleiben noch ůbrig ware / bei den beiden Prinzessinnen von Caphtor wol bedienen: liesse sich demnach von der Jaelinde (weil C \lidiane / wegen eines sonderbaren fürfalles / sich entschuldigte /) allenthalben umher fůren / alles / was sehwürdig / in augenschein zu nemen / damit sie ihrer K \nigin von allem völligen bericht geben könte. Also wurde ihr von der Prinzessin / im herumfůren / erzehlet / wiedaß dieses Salem von des vorigen K \nigs schwester / der K \nigin von Canaan / der fraumutter des K \nigs Beor und des K \nigs Ephron / wåre erbauet worden: welche / zum andenken ihres vatterlandes / es Salem genennet / und nach ihrem tode / ihres bruders sohne dem Melchisedech / und nicht ihren eigenen kindern /es vermachet håtte. Dann weil die s \hne in ihrem leben schon streiten wollen / weme es vor den andern gebüre / als habe sie / solchen zank aufzuheben / dieses mittel ergriffen: und wäre also dieses schloß dem K \nig von Salem zu teil worden / ob es gleich im Königreich Sichem gelegen wäre.

Alles / was die Assyrier in ihrer baukunst erfunden / liesse in diesem schlosse sich bewunderen. Natur und fleiß machten es feste: gleichwie es / durch die gegend angenem / und durch den pracht der zimmer herrlich / erschiene. Es lage auf einer klippen / welche rund umher sehr tief ausgehauen ware / und breite wassergråben hatte. Die Königin hatte fruchtbare erden / zu behuf des gartens / mit grossen kosten hinein füren / und also den felsichten grund bedecken lassen. An der åusern mauer / rund um das schloß /stunden sch \ne sommerhäuser / die ůber die mauer hinab in das angenemste thal und in [388] eine breite grůne ebene sahen: wie dann in zweien derselben / der Fůrst Sobal und der Fůrst Arsas ihre wonungen hatten. Das schloß an ihm selbsten / lage auf der \bersten klippen etwas erhobener: also daß man / aus den gemåchern /weit umher sehen / und ůber etliche meilen den Jordan beobachten kunte. Alle zimmer und såle waren gew \lbet / mit dem reinesten marmor / und hatte jedes gemach einen springbrunn: das dann im sommer die wonungen so kůhl machete / daß man fast von keiner hitze wuste. Der boden ware mit den herrlichst-gewirkten decken überall bekleidet / und mit helfenbeinernen bånken besetzet. Und weil es sonderlich zu einem sommerhause bereitet / als waren lauter blumen und früchte in die teppiche so kůnstlich gewirket / daß sie wie natürlich schienen. Ein grosser saal teilete das haus in zwei plåtze oder hofsitze: deren einen der K \nig von Canaan / den andern der Melchisedech mit den Prinzessinnen bewonete. In diesem saal ware /oben am gew \lbe / das himmlische gestirne abgebildet / wie solches Abraham der Fůrst von Heber entworfen hatte.

Casbiane besahe dieses alles mit sonderbarem vergnůgen / und muste bekennen / ob sie wol viel prächtige gebäude in Assyrien gesehen / daß an zierlichkeit dieses Salem den preiß erhielte. Als sie das zimmer fůrbei gingen / in welchem Aramena und Ahalibama bewachet worden / fanden sie die Königliche wacht dafůr stehen / und berichtete Jaelinde die Fůrstin von Ninive / wiebaß allhier die beide bråute sich befänden. Sie aber / als die es was die Ahalibama betraffe /viel båsser wuste / konte kaum ihre gebården so wol bergen / daß die nicht fast etwas verrahten hätte. Um aber die Jaelinde von diesem gespråche zu bringen /die von des K \nigs Beor heurat viel fürbringen wolte / fragte sie Casbiane: [389] Wie es doch käme / daß der K \nig von Salem nicht auch einmal an das heuraten gedächte? zumal es ja schad wåre / daß dieser edle stamm mit ihm abgehen solte.

Ach meine Fůrstin! (sagte Jaelinde seufzend /) unser vetter hat bereits einen sohn gehabt / der neben seiner mutter gar erbårmlich ums leben gekommen: weswegen seither der König nicht wieder heuraten wollen. Meine Königin ist so begierig / (sagte Casbiane /) von allem / was den König von Salem angehet / eigentliche nachricht zu haben / daß ich weiß /ich wůrde ihr keine h \here vergnügung geben / als wann ich ihr dieses mit umstånden erzehlen k \nte. Was mir davon wissend / (antwortete Jaelinde /) ist so wenig und verwirret mir erzehlt worden / daß ich ganz nit tůchtig bin / einige umstände darbei zu berichten: dann ich kaum das siebende jahr erreichet hatte / als dieses unglůck fürginge. Ich weiß nichtes mehr davon / als daß der Prinz Adonisedech / neben seiner fraumutter / auf dem schlosse Sion verbronnen / und daß man meine schwester und mich mit grosser gefahr aus dem brand errettet. Man hat mir / wie gesagt / nie etwas umständlichers berichten wollen: weil der K \nig gar nicht vertragen kan / daß man davon redet. Ich weiß auch nicht einmal zu sagen / von was fůr einem hause die K \nigin gewesen: weil der K \nig /aus mir-verborgnen ursachen / solches gar heimlich hålt.

Casbiane / muste mit dieser nachricht zufrieden seyn. Indem sie fortgingen / kamen sie in einen langen gang / da / unter andern auszierungen / schwarze tafeln von agat an beiden seiten hingen / die eine schrift in sich hielten. Diese tafeln / (sagte Jaelinde /) sind gedåchtnise von allen denen Fůrstin / die zu Salem studiret haben: [390] und hat jeder einen spruch hierinn hinterlassen / darbei der König sich ihrer erinnert. Wie daß sie nicht vielmehr (sagte Casbiane) ihre bildnise hierein gegeben haben? Dieses (gabe Jaelinde zur antwort) ist wider unsern gottesdienst: massen hiervon alle abg \ttereien erstlich entstanden sind. Casbiane wurde hierauf begierig / etliche der schriften zu lesen; tratte also näher hinzu / und fande auf einer tafel folgendes:


Wann / aus der Tugendlieb / die Eiversucht entstehet /

so ist sie wol verg \nnt.

Ein Neid / der ohne haß nur auf die nachfolg gehet /

mit lobe wird gekr \nt.


Der Prinz aus Egypten / (sagte Jaelinde) hat diesen reim allhier hinterlassen. Aber die nächstfolgende zeilen sind von einem Teutschen Fürsten / nåmlich von dem edlen Cimber / geschrieben worden. Sie lase dieselben hierauf der Casbiane fůr / welche also lauteten:


Wer eigentlich die wahre freundschaft nehret:

dient seinem freund / ohn ansehn / ohn gewinn.

wird eigne ruh dadurch schon abgezehret:

man gibet eh sich / als den freund / dahin.


In warheit / (sagte Casbiane) diesen möchte ich zum freunde haben: dann man deren wenige / wie sie hier beschrieben werden / in der welt finden wird. Solte dieser Cimber einmal verliebt werden / so würde / meines bedůnkens / kein heftigerer liebhaber jemals gewesen seyn. Jaelinde beseufzete dieses /ohne darauf zu antworten / und entfunde bei sich die gröste eiversucht / wann sie bedachte / daß der Casbiane ihre Königin diese liebe des Cimbers / wie sie von der Aramena erfahren / zu hoffen hätte. Sie dorfte aber diese Fürstin hierum nicht befragen / aus besorgung / sie möchte mehr hören / als sie zu wissen verlangte. Sie kamen nun fürter zu den andern [391] tafeln /und funde Casbiane eine schrift / dieses lauts:


Wer auf den Anfang siht / von wannen er entsprossen /

und auch sein End erwegt:

der wird zu keiner lust / die wider Gott / gereget;

er folget unverdrossen

dem Tugendpfade nach / der von der erden fůhrt /

die nur den leib / doch nie den himmelsgeist / berürt.


Dieses hat (sagte Jaelinde) der Prinz der Philister allhier hinterlassen; und das beistehende / der Fůrst von Theman / welches also lautet:


Was hilft mir gut und geld? wann ich in meinem sinn

nicht recht vergnůget bin.

Wann ich mit müh nach ehr / nach pracht und wollust hasche:

was fang ich? staub und asche;

es ist nur schn \der wind. Ein selbst zufriedner sinn /

der schwindet nimmer hin.


Dieses folgende / (fuhre Jaelinde fort zu reden) ist von dem Prinzen von Hemath hieher beigetragen worden:


Wer bleibt mit dem vergnügt / was er bereits erworben:

hat schlechten muht / und ist ihm selber abgestorben.


Wer hat dann (fragte Casbiane) das hierauf-folgende geschrieben? Der Fürst Aran von Seir / (antwortete Jaelinde /) ein mensch von so kleiner tugend / als grosser boßheit. Sein reim / ward dieses lauts gefunden:


Viel leichter ist / die ganze welt zu zwingen /

als sein gemůt recht in den zwang zu bringen.


Er hat wol wahr geurteilet: (verfolgete Jaelinde /) massen er solches mit seinem eigenen beispiel genug erwiesen.

Als Casbiane noch mehrere nachfolgende reimen besehen wolte / kame der Fůrst Sobal von Seir daselbsthin / [392] der bei dem K \nig Beor gewesen war: deswegen sie / in einen andern gang / der nach der Prinzessinnen zimmer fůrete / sich eilig hinweg begaben. Dann Casbiane vermiede mit fleiß / den Fůrsten von Seir zu sprechen: weil sie die Assyrische seite halten muste / deren die Fůrsten von Seir / wegen der dem Beor bewilligter heurat mit der Ahalibama / zuwider waren. Es ware aber eben essenszeit: daher Jaelinde die Casbiane zur malzeit fürere / da die Cqlidiane /neben der Calaride und Thoris / sich auch einfunden. Diese alle beredten sich miteinander / den nachmittag spaziren zu fahren / nach Ennon / allwo der Melchisedech auch sonderbare gebråuche eines gottesdienstes /mit baden im Jordan / hatte angestellet. Weil sie nun zu wagen dahin fahren / zu schiffe aber wiederkehren wolten / als wurde hierzu alle anstalt gemacht: und kamen sie also / in geschwinder eile / nach Ennon /alda sie so lange sich aufhielten / bis die abendr \te am himmel erschiene.

C \lidiane hatte der gesellschaft / mit ihren angenemen gesprächen / die zeit dermassen gekůrzet / daß sie wol noch spåter an die růkkehr wůrden gedacht haben / wann sie nicht befahren můssen / das schloß möchte gesperret werden. Deswegen sezten sie sich allzusammen auf zween kåhne / und fuhren also wieder auf Salem zu. Die viele nachtigallen / die an beiden seiten des users / auf den schattichten båumen /bei untergang der sonne sich hören liessen / machten sie vor aufmerken ganz verstummen: dann sie sich mehr ergetzeten / dieser freien luftmusik zuzuhören /als selber gespråche anzufahen.

Nachdem sie beim garten wieder angelanget / auch C \lidiane und Jaelinde bereits ausgetretten waren, wolte Calaride ihnen folgen: bliebe aber mit dem rock an einem nagel des schiffes behangen / also daß sie fallen [393] muste / und damit den kahn umzoge / daß alle die andere ins wasser fielen. Ihr schrecken war um soviel grösser / weil der andere kahn noch weit zurůck ware. Doch kame / auf ihr geschrei / der gärtner / so eben im garten ware / ihnen zu hůlfe: und weil das wasser nicht tief / sprunge er / neben etlichen von den Edelleuten / die sie bei sich gehabt / in den fluß hinein / und brachten zu erst die Thoris / nachgehends etliche von den jungfrauen / und letzlich die Calaride heraus. Casbiane wurde allein noch gemisset: worůber beide Prinzessinnen sich sonders bekümmert erwiesen. Als nun der gärtner nochmals hinein gesprungen / funde er sie unter dem schiffe / da sie sich fest an ein holz mit beiden hånden hielte. Sie wurde / ohne anzeig einiges lebens / heraus gebracht / und stůrzete ihr das wasser häufig aus mund und ohren. Die Prinzessin / weil es nicht weit von dar nach der Fůrstin von Cale behausung war / liesse dieselbe dorthin tragen / und ginge selber mit / inzwischen eiligst nach des K \nigs von Salem leibarzte sendend / daß der m \chte der Furstin zu hůlfe kommen.

Das grosse geråusche / so sie macheten / als sie dergestalt in das haus kamen / neben dem geheule von der Casbiane bedienten / erscholle gleich bis in das zimmer / da Ahalibama und ihr ritter Dison sich verborgen aufhielten: die dann grosse angst entfunden /wegen der vermutung / daß sie verrahten seyn m \chten / gleichwol keinen raht wusten / was sie beginnen solten. Der beherzte Tirzis wolte sich hinaus wagen /um nachricht einzuholen. Brianes aber und Zimenes /die eben zugegen waren / erboten sich hierzu / als die es mit minderer gefahr verrichten kunten. Diese nun erfuhren bald das unglück / so Casbiane betroffen: welches sie der Ahalibama und dem Dison berichteten / und damit zwar ihre [394] [396]gefassete einbildung stilleten /aber ihre sorge nicht ringerten; weil sie leichtlich absehen kunten / daß dieses ihrer abreise hinternis bringen wůrde. Sie schicketen aber von zeit zu zeit den Brianes und Zimenes ab / um zu erfahren / wie es mit der Casbiane stůnde: die dann vernamen / wiedaß es gar schlecht mit ihr beschaffen / und die sprache sich noch nicht wieder bei ihr eingestellet. Dergleichen berichte bekamen sie die ganze nacht herr durch: daher sie / fůr angst / kein auge zuschlossen. Der folgende morgen fande die Fůrstin noch im vorigen zustande /und wurde sie von den beiden Prinzessinnen wieder besuchet / die bei antretender nacht sie verlassen hatten. Sie kunten aber wenig bei ihr ausrichten / weil so gar kein zeichen einiges verstandes sich bei ihr wolte blicken lassen: daher sie mit thrånen von ihr gingen /und dieses unglück höchlich beklageten.

Der haubtmann Demas geriete hierüber auch in nicht-geringe beisorge / der Ahalibama flucht möchte hierdurch verrahten werden: die er dann / neben der Prinzessin Aramena / in grossen ångsten zu seyn /leichtlich ermessen kunte. Demnach begabe er sich heimlich in das haus / verhoffende / den Brianes oder Zimenes anzutreffen / und mit ihnen hierüber sich zu unterreden. Als er sie bald gefunden / und niemand auf sie acht hatte / liesse er sich von ihnen zur Fůrstin von Seir fůren: die dann / neben der Aramena / innigst erfreuet wurden / in dieser ihrer angst ihn zu sehen. Ach Demas! (sagte sie zu ihme /) wie wil dieses ablaufen? Ich sorge / des himmels grausamkeit und mein unglück / werde euren fleiß und mühe vergebens machen. Gnådige Fůrstin! (antwortete Demas /) sie fassen nur einen guten muht! Sie sitzen alhier sicher und verborgen genug / niemand wird sie ausspåhen. Solten auch gleich die tage [396] ihrer verschliessung verlaufen / bevor sei von hinnen kommen k \nten / so finde ich doch darum fůr sie die gefahr nicht gr \sser: dann der K \nig Beor wird sie eher auf allen strassen / als hier in einem hause / suchen und verfolgen lassen. Mit dergleichen worten / sprache er sie wieder zu frieden.

Wie sie aber hiervon noch redeten / brachte ihnen Zimenes die fr \liche post / wiedaß Casbiane nun wieder redete / und hie årzte hoffnung macheten / daß es mit ihr sonder gefahr seyn wůrde. Wie demnach Ahalibama versichert worden / daß niemand bei dieser Fürstin wåre / ginge sie durch einen verborgenen gang heimlich zu ihr / sie zu besuchen. Casbiane erwiese ihr mehr sorge / die sie ihrentwegen truge / als um ihren eigenen zufall / und versprache ihr / sich so stark zu machen / als ihr immer würde müglich seyn; um / mit dem ersten / ihre reise nach Damascus fortzusetzen. Weil sie aber wol vermutete / daß solches schwerlich vor acht tagen geschehen würde: als befohle sie ihrer kammerjungfrauen / die allein um der Ahalibama da-seyn wuste / ja fleissige acht zu haben /daß solches ferner geheim verbleiben m \chte. Nachdem sie hierauf die Casbiane wieder verlassen / entschlosse sie sich / in gedult der zeit abzuwarten: wie ingleichem der vermeinte Dison / dem lauf des glůcks und der schickung des himmels dieses ferner muste anbefohlen seyn lassen.

Der verliebte König von Canaan aber / der nur noch etliche tage biß zu seiner eingebildeten vergnůgung zehlete / begabe sich mit spatem abend ganz allein in den schloßgarten: da er seinen verliebten gedanken ein zeitlang geh \r gabe / und letzlich einen knaben vor seiner Fürstin fenster kommen liesse / wo er sie vermutete / der ihr zu ihren folgendes lied in eine harfe singen muste:


[397]

Angeneme Einsamkeit /

finstre wålder / büsche-schatten /

båch' und brunnen / bunte matten /

und ihr felder weit und breit!

euch ist lange kund gewesen /

meiner liebe heftigkeit:

ihr genesen /

nach so langem trauerstand /

machet mir doch einst bekandt.


Sage an / du důstrer Håyn!

werd ich noch mehr leiden můssen?

oder meiner lieb geniessen?

Du sprichst: Ja / es soll so seyn.

Ihr / ihr thrånen dieser erden /

meiner thrånen vorbild-schein!

soll ich werden

bald erquickt nach meiner qual?

Ja! rufft euer gegenhall.


Lasset ihr dann dieses zu /

solchen trost bei euch zu fassen:

ey so wird dann gleicher massen

meine schöne / meine ruh /

mir mit solchem trost erscheinen.

Ja mein sinn der sagt mir nu /

daß mein weinen

soll in freude seyn verwandt:

sie kr \nt meinen liebesstand.


Indem dieses der knab mit gar annemlicher stimm sunge / schauete der K \nig gegen dem fenster hinauf /ob er erwittern möchte / daß seine Ahalibama zugeh \ret. Weil das wetter gar still ware / als vername er /daß jemand lachete: welches dann die beide hinterlassene dirnen waren / die sich gar viel davon einbildeten / daß ein so grosser K \nig ihnen dergestalt aufwartete. Weil die verliebten alles zu ihrem bästen deuten /als tr \stete sich auch der Beor mit den gedanken / daß dieses lachen seiner [398] Ahalibama / fůr ihn ein gutes zeichen wäre. Er begabe sich hierauf / weil die nacht anfingen daher zu dunklen / wiederum aus dem garten: da seine bediente / neben des Melchisedechs schloßhaubtmann / für der thůr seiner warteten / und ihn wieder hinaus begleiteten.

Dieser haubtmann hatte befehl von der Prinzessin C \lidiane / sobald es nacht seyn wůrde / den priester Sephar / mit bei sich habenden personen / zu ihr /durch den garten / einzulassen. Als er nun daselbst an der thür etwan eine stunde gewartet / sahe er den Sephar / neben einem ansehnlichen ritter und zweien frauenpersonen / ankommen. Nachdem er sie hatte eingelassen / sagte ihm der Sephar / wiedaß er in etlichen stunden wieder zu růcke kommen würde: worauf er mit denen bei sich habenden fortginge / die er /durch den garten / an die andere seite des schlosses fůrete. Sie fanden daselbst einen felsen ausgehauen /dessen thůr sich bei ihrer ankunft öffnete: da sie / von der Prinzessin Cölidiane und noch einer andern hohen dame / die der Sephar / drei tage vorher / und zwar eben in der nacht / als Ahalibama und Aramena entkommen waren / zu ihr gebracht hatte / entfangen wurden.

Wiewol Cölidiane dieselbe sonders sch \n befunden / so erweckete doch in ihr eine neue verwunderung /die ansichtigung der jůngsten unter diesen beiden neu-ankommenden: welche zwar klein von person / aber dabei so voll majeståt ware / daß es ihr gar nicht schwer fiele / sich für die Prinzessin Amesses aus Egypten darzugeben / dafür sie auch geehret und entfangen worden. Hierauf entfingen sie einander / Cölidiane / diese Prinzessin / und den / der mit ihr gekommen / so der Armizar Prinz aus Ophir ware; dieser seine schwester / die Prinzessin Indaride / welche er bei der C \lidiane gefunden; und [399] selbige hinwiederum / mit bezeugung sonderbarer zuneigung / die Prinzessin aus Egypten.

Ich weiß in warheit nicht / (begunte Cölidiane die Amesses anzureden /) wie ich mich in mein jetziges glück finden soll / so fůrneme königliche personen zu bedienen: zumal bei solchen umstånden / da / wegen begehrter geheimhaltung / ich mich behintert sihe /ihrem hohen stande gemäs ihnen einige ehre zu erweisen. Meine sch \ne Prinzessin (gabe Amesses zur antwort) erzeiget mir so viel gutes / indem sie dergestalt mich heimlich hier in Salem aufnemen wollen / daß ich um nichts anders willen ein bässeres glůck verlange / als / einmal wegen dieser wolthat mich vollkomlich zu rächen. Darf ich aber nicht (fragte Cölidiane) dem K \nig dieses glück entdecken / daß ihme Gott also unvermutet so vorneme gäste bescheret? Wir hoffen / (sagte der Prinz von Ophir /) daß der Prinzessin von Caphtor gütigkeit werde so gros seyn / uns für ihre gåste allein zu behalten. Dann dieser Prinzessin leben und wolfart hånget daran / daß wir aller orten m \gen heimlich verbleiben. Auch meine schwester wird der grosse verlust / den sie erlitten / ohne zweifel auch alle grosse gesellschaft meiden und sie gesonnen machen / sich lieber in der stille aufzuhalten. Ich habe bereits (sagte die so angeneme als betrübte Indaride /) hierum die Prinzessin C \lidiane gebeten; und sie hat mir versprochen / mir allhier geheimen aufenthalt zu g \nnen: wiewol ich nicht hoffe / daß solcher lang wåren werde / massen mein tod nicht ferne mehr seyn wird / mich alles jammers zu entledigen. Weil ich zum teil (sagte C \lidiane hierauf) der Prinzessin von Ophir unglück weiß / kan ich zwar um ihre betrůbnůs sie nicht verdenken / aber wol ihre ungedultige verzweifelung schelten. Ein grosmůtiges herz muß niemals den tod [400] um seiner ruhe willen suchen / sondern in gedult leiden / was und wie lang es Gott haben wil. Ach meine Prinzessin! (antwortete Indaride seufzend /) wem diese vollkommenheit manglet / der wird ohne straffe dergleichen ungedult erzeigen d \rfen.

Hiemit wandte sich Cölidiane zu dem Prinzen von Ophir / deme sie seine bitte gewårend versprache / ihr daseyn solte geheim gehalten werden / weil sie es also begehreten. Hiernächst fůrete sie ihre gäste in ein gew \lbtes zimmer: welches / ob es wol unter der erden war / dennoch an keinem einigen dinge mangel hatte /und so k \niglich ausgeziert ware / daß Indaride und Amesses alle bequemlichkeit daselbst funden: wiewol die C \lidiane dünkete / daß solches für diese grosse Prinzessinnen viel zu schlecht wåre / und dannenhero sich nochmals entschuldigte / daß sie in geheim nicht båsser k \nten bedienet werden. Als auch die alte frau / die mit der Prinzessin Amesses gekommen und ihre wartfrau ware / den Sephar fragte: Ob sie an diesen ort geheim bleiben k \nten? gabe ihr der zur antwort /und berichtete: wiedaß kein mensch auf dem schloß /auser der C \lidiane geheimsten bedienten / jemals an diesen ort komme; und daß die Prinzessin sonsten diese gew \lber / arzneien und k \stliche wasser darinn zu brennen / gebrauchet / nun aber / wegen ankunft dieser fr \mden / sie also hätte zurichten lassen.

Wie nun Sephar hiermit ihr alle furcht vertrieben hatte / ginge er zu der Prinzessin Cölidiane / welcher er heimlich anmeldete / wiedaß der Prinz von Ophir noch vor tags wieder hinweg gedächte. Diese Prinzessin fragte hierauf den Armizar: Ob er dann sobald die Prinzessin Amesses verlassen k \nte? dann der Sephar hätte ihr sein weg-eilen jetzund berichtet. Ich weiß die [401] Prinzessin von Egypten (antwortete der Prinz) nunmehr in so sicherem schutz / daß sie / solchen zu erhalten / meiner gegenwart nicht långer nötig hat: mir aber wil obligen / ohne verweilung dahin bedacht zu seyn / daß / da sie meinetwegen in Egypten ein reich verlassen / ihr in Ophir ein anders verschaffet werde. Ich bin sonsten (sagte C \lidiane) des Hiarbas gute freundin jederzeit gewesen: allein in diesem handel muß ich der billigkeit beifallen / und wůnschen / daß Ophir an seinen rechten K \nig wiederkehre. Ich wůnsche / (erwiederte Amesses /) daß die gewogenheit / welche die Prinzessin C \lidiane dem bruder erwiesen / nunmehr auch auf die schwester / und folgbar auf diesen Prinzen / als mit deme mir das glůck und unglück gemein ist / fallen m \ge. Ich werde (antwortete C \lidiane) mich ihrer aller dienerin erkennen. Weil ich aber so kurze zeit die ehre haben soll / den Prinzen Armizar zu sehen / als m \chte ich wol zuvor etwas umståndlicher die ursachen wissen / die so grosse personen zu mir gefüret: dann ich von dem Sephar nur gar unvollkommen erfahren / was in Egypten und Ophir mit ihnen sich zugetragen.

Es ist billig / (sagte Indaride zu ihren bruder /) daß ihr hierinn die Prinzessin C \lidiane vergn \get: zumal ihr auch mir diese erzehlung noch schuldig seit / als die ich in Ophir wenig von eurem zustand erfahren. Ich erbiete mich / zu gehorsamen: (sagte der Prinz /) besorge aber / die nacht m \chte hierzu unbequem und eine unh \flichkeit seyn / die Prinzessin C \lidiane mit unseren håndeln von der ruhe abzuhalten. Ich achte keinen schlaf / (wandte C \lidiane hierwieder ein /) gegen dieser vergnügung. Weil ich auch den tag über / um verdacht zu meiden / meinen Prinzessinnen wenig werde aufwarten k \nnen / als muß ich notwendig mich der nacht-zeit [402] bedienen: wiewol mit der besorgung / daß mein fürwitz ihnen fůr dißmal ungelegenheit verursachen / und nicht allein ihre ruhe st \ren / sondern auch / mit dem Prinzen / von seinem abschiede sich in geheim zu bereden / behinterlich seyn werde. Wir haben keine geheimnise / (sagte Amesses /) die unsere gůtige beschützerin nicht solte mitwissen d \rfen. Und was die ruhe betrifft / (sezte Indaride hinzu) finde ich dieselbe mehr in der gesellschaft / als im allein-seyn. Ihr werdet demnach / mein bruder /diese übrige zeit bei eurer Prinzessin nicht bässer anwenden, können / als wann ihr uns euer beider liebs-und lebenslauf fürtraget. Armizar / der Prinzessinnen begehren ein genügen zu thun / hube hierauf an /nachdem sie alle sich gesetzet / ihnen folgender massen zu erzehlen:

Die geschichte des Armizars und der Amesses
Die geschichte des Armizars und der Amesses.

Ich befinde / in erinnerung alles dessen / was ich zu sagen habe / daß mir gar ein schweres amt aufgetragen worden: indem ich gehalten bin / sowol von denen / die meiner Prinzessin das leben gegeben / als von meiner stiefmutter / nicht das båste zu sagen. Ich m \chte auch wünschen / daß die ganze welt solches nicht mit mir wůste / und ich überhoben seyn k \nte /ohne erwehnung derselben / die begehrte geschichte zu erzehlen. Wo aber eines ohn das andere übel zu verstehen seyn wůrde / als muß man mir nicht verargen / wann ich der warheit blind folge / und diesen lehrsatz / daß man der seinigen mångel zudecken /und von hohen gekr \nten håubtern nicht böses reden solle / etwas aus den augen setze.

Mein vatterland ist Ophir / und entspringen wir von dem Eber aus Chaldea / dessen enkel vom Jaketan / der Ophir / erster König alda gewesen. Mein herr vatter / [403] der grosse Jaziz / der wegen der vielen kriege den zunamen des grossen bekommen / verheuratete sich mit einer Prinzessin aus Meden / des Pharnus schwester / welcher der lezte K \nig in selbigem reiche gewesen: von derselben bin ich geboren worden. Weil sie aber bald die welt gesegnete / als schritte mein herr vatter zur andern ehe / und name des lezten K \ nigs von Basan tochter / die Rehuma / die jůngste unter dreien schwestern: und diß geschahe / als selbiges land in stiller ruhe fasse / und man noch nichtes von der Teutschen ankunft h \rete / welche nachgehends dieses reich unter sich brachten und auch noch besitzen.

Diese Rehuma / eine der listigsten frauen von der welt / ware darbei so voll hochmuts / daß sie nicht leiden wolte / daß ich dermaleins ihr K \nig werden /und daß ihre kůnstige kinder unter meinem gebot leben solten. Demnach hielte sie es fůr keine sůnde /auf mittel zu gedenken / wie ich m \chte aus dem weg geråumet werden: allermeist / wie sie sich schwanger fülete. Ja / sie kunte mich nicht so lang dulten / bis sie såhe / ob sie auch einen sohn gebåren würde: sondern / ehe noch ihre geburt-zeit heran nahete / muste ich mein vatterland råumen. Doch das verhångnis / so alles regiret / verwehrete ihr / daß sie mich nicht / wie sie leichtlich hätte thun k \nnen / t \den liesse / sondern sich begnügte / daß ich in Ophirfür todt gehalten / und von meiner wartfrauen heimlich im Bactrianischen lande / da sie zu haus gehörte / auferzogen würde. So listig nun diese Königin sonst ware / so sehr betroge sie sich hierinnen / daß sie meiner wartfrauen trauete. Dann / ob wol dieselbige aus furcht versprache / ihr in allem zu gehorchen / so thåte sie doch nachgehends das widerspiel / und fůrete mich hinab in Egypten zu der K \nigin Nergade / die meines herr vattern [404] schwester und des K \nigs Uchoreus gemalin ware. Ich wurde alda / von der K \nigin / mit freuden aufgenommen / auch sehr lieb und wehrt gehalten. Weil ich kaum zwei jahre auf mir hatte / als liesse sie mich mit allem fleiß / bei ihren zwei s \hnen / den Prinzen Amosis und Hiarbas / erziehen: vorhabens / wann ich wůrde erwachsen seyn / dem K \nig Jaziz ihrem bruder mich wieder zuzuschicken / und darbei / wie ihn seine gemalin um diesen sohn bringen wollen / berichten zu lassen. Sie hielte aber meine geburt heimlich: damit Rehuma nicht neue list erdenken m \chte / meinen tod zu befördern. Im K \nigreich Ophir / wurde ich nun fůr todt beweinet / und kame Rehuma mit gegenwärtiger Prinzessin Indaride nieder: die dann meinen verlust nicht wieder ersetzet /weil die von Ophir lieber einen jungen Prinzen gehabt håtten. Meiner stiefmutter widerfuhre nachmals zu gerechter strafe / daß sie kein lebendiges kind mehr auf die welt brachte. Als aber nach diesem ein jahr verloffen / da gebare die K \nigin Nergade dem Pharao eine tochter / welche die Prinzessin Amesses hier zugegen ist. Sie ware kaum etliche stunden alt / da machte man bereits zwischen ihr und mir eine heurat / und hatte ich mich so sonderbar freudig angestellet / als ich die neugeborne Amesses zu sehen bekommen / daß die K \nigin daraus unsere kůnftige liebe ihr selber weissagete. Ich gewann die Amesses alsobald in der wiegen so lieb / daß ich weinete / wann man mich von ihr bringen wolte: woran dann ihre eltern grosse freude hatten.

Dergestalt verstriche unsere kindheit / und hatte ich das glůck / alles / was man mich lehrete und worzu man mich anwiese / wol zu fassen: welches dann die zuneigung des K \nigs und der K \nigin gegen mir vermehrete. Bei dem Prinzen Hiarbas aber erweckte solches [405] eine eifersucht / der sich von kindheit auf mit mir nicht vergleichen kunte: und weil die jugend hitzig ist / als pflagen wir an beiden teilen einander wenig nachzugeben. Der Pharao ward hierdurch bewogen / diesen Prinzen in Canaan nach Salem zu schicken / daß er alda m \chte erzogen werden. Aber der åltste Prinz Amosis / welcher sehr friedfertig / liesse mir gern den fůrzug in den ritterlichen ůbungen /die wir zusammen lerneten. Ich aber / ob ich schon damals noch nicht wuste / wer ich wåre / und mich fůr einen bruder der beiden anderen Prinzen hielte / liebete jedoch die Prinzessin Amesses heftiger / als mich dünkte / daß man ein schwester lieben konte / und truge viel mehr ehrerbietung gegen ihr / als gegen ihre brůder / da ich sie mir doch gleich nahe verwandt achtete.

Einesmals / als wir im frůling des Nilus grosses fest begingen / da der sich über ganz Egypten ergiesset / waren wir nach Noph von den priestern der Isis zu gast geladen: dahin dann der ganze k \nigliche hof erschiene. Weil nun einer unter den priestern in der sternkunst (wie sie dann fast alle diese wissenschaft haben / und solche von den Hebreer-Fürsten dem Abraham erlernet /) und in der deutkunst / sonders erfahren war: als begabe es sich / daß der K \nig begehrete / dieser priester solte einem jeden unter uns in die hand schauen / und von unsern künftigen abenteuren etwas verkůndigen. Er wolte lang nicht daran: weil er schon mehr als zuviel aus der Prinzessin und meinem gesichte urteilete / was uns begegnen wůrde. Als aber der K \nig darauf drunge / sagte er einem jeden etwas aus der hand: doch mit so dunkelen worten / daß man es nicht alles deutlich begreifen kunte. Wie er nun zu mir kame / und ich ihme meine hand gewiesen / bestůrzete er sehr / und sagte endlich [406] nur dieses: Ich würde dermaleinst / als ein priester der Isis / sterben. Die Prinzessin Amesses / die zu nächst darbei stunde / und es mit anhörete / ward hierob ganz entfårbet /gleichwie auch ich errötete / welches der K \nigin anlaß gabe / uns zu fragen: warum wir hierůber uns also entsetzeten? Amesses wolte nichtes antworten. Ich aber / der ich freier reden dorfte / sagte: wiedaß mir die ehre / ein priester der Isis zu werden / darum schwer ankommen würde / weil ich alsdann nicht mehr so viel um die Amesses seyn könte. Und eben dieses (sagte hierauf die Königin) hat vielleicht meiner tochter entfärbung verursachet. E. Maj. haben es errahten / (antwortete die unschuldige Prinzessin /) und muß ich bekennen / daß es mir schwer fallen wůrde / den Armizar nicht stäts um mich zu haben. Dieses gefiele der K \nigin gar wol / und wůnschete sie nichtes lieber / als diese liebe jederzeit bei uns zu ernehren: dadurch sie / ihre tochter dereinst zur K \nigin in Ophir zu machen / verhoffete.

Dergestalt verliefe noch etliche zeit / da endlich ein krieg mit den Arabern / die im lande Chus wohnen /und Moren sind / entstunde. Der Prinz Amosis zoge selber mit zu feld / unter des K \nigs feldherrn dem berůmten Epha / einem Fůrsten aus Midian: den der K \nig darum liebte / weil er von dem Hebreer Abraham entsprossen ist / der sein eltervatter gewesen. Ich bekame / bei diesen grossen feldzug / auch meine verrichtung / und hatte das glück / daß der feldherr mit mir wol zufrieden war. Weil wir bis in das andere jahr zu feld waren / als lernete ich in der zeit den krieg mit so gutem fortgang / daß mir der Epha ein teil der Egyptischen v \lker anvertraute: da ich dann den K \nig Scheba neben seiner tochter der schönen Danede / in der stadt Naphis / gefangen bekame. Ich kan von dieser m \rin [407] wol sagen / daß sie die sch \ne geheisen: dann ich nie in ihrer landsart etwas angenemers gesehen / und war ihre bildung so vollkommen /daß die schwarze farbe ihr keinen nachteil bringen kunte.

Dieser glückliche streich / brachte beiden K \nigreichen den frieden wieder. Dann / als die herren von Nebajoth / Saba / Arabien und Hevila / die bisher sich in diesen krieg nicht eingemischet und stille gesessen / erfuhren / daß der König von Chus gefangen worden: merketen sie wol / daß unsere macht ihnen würde schaden bringen / wann sie ferner unseren glůcklichen waffen also zuschauen wolten. Demnach schlugen sie sich alle zusammen / und wolten entweder den König Scheba wieder los haben / oder Egypten überziehen. Weil nun die Egyptischen priester /die gar viel gelten / zum frieden rieten / den wir nunmehr mit allen denen bedingnisen / die wir nur verlangen mochten / erlangen kunten: als vergnügte sich Pharao / daß er / was er vor dem krieg an den Chusiten zu suchen gehabt / von ihnen erhielte / und gabe er ihnen dargegen ihren König wieder.

Mit was fůr ehre und großpracht ich in der k \niglichen haubtstadt Tanis entfangen wurde / will ich nicht beschreiben: und hatte das gerůchte / von meinen wenigen thaten / ein mehrers ausgebreitet / als ich würdig war. Amosis erhebte selbst meinen ruhm dermassen / wie auch der Epha / daß ich ursach hatte / mit meinem glůcke mich vergnůgt zu achten. Die K \nigin / welche nun mich in dem stand sahe / daß ich mich meinem herr vatter mit ehren zeigen dorfte / wolte mir nicht långer verschweigen / wer ich wåre: erzehlte mir demnach alles / in gegenwart der sch \nen Amesses /wie es mit meiner geburt beschaffen. Die ehre / mich zur Krone von Ophir geboren zu wissen / machte mich nun nicht geringe einbildung [408] fassen: und die liebe zu der Egyptischen Prinzessin feurete damit sich so heftig an / daß ich solche nicht verbergen kunte. Die ståtige beiwonung von unserer kindheit auf / hatte unser beider gemüter also aneinander geknůpfet / daß Amesses / ohne daß ich / nach art anderer verliebten /mich darum ångstiglich bemůhet / meine liebe gütig aufname: und solches um soviel mehr / weil der K \nig / sowol als die K \nigin / ihr anbefohlen /meine aufwartung willig anzunemen. Also sahe ich mich nun auf der h \chsten staffel der glückseligkeit /da ich mich eines so grossen reiches kron-erben nennen / auch ohne eifersucht und sorge die angeneme Amesses lieben kunte; und zweifele ich fast / ob jemals ein glückseliger liebhaber gewesen / der also ohne müh und gram zu dem zwecke gelanget / darnach andere wol ihre lebtage sich vergeblich bemůhen.

Wie aber dieser sonderbaren glůckseligkeit kein sterblicher wůrdig war / also liesse mich der himmel auch bald darauf inne werden / wie ihme so leicht sei /eine abwechselung in unseren zustand einzuschalten: indem er verschaffete / daß ich / der ich so vollkommen glückhaft gewesen / die h \chsten proben der widerwertigkeit anstehen und erfahren muste. Es wolte eben der K \nig seine abgesandten nach Ophir abordnen / dem K \nig meinem herr vatter seines sohnes wesen und leben zu hinterbringen: als gesandte von Ophir zu uns kamen / bei dem Pharao etwas anzubringen. Wir befanden uns dazumal nicht in der haubtstadt des reiches / sonderen in der stadt Says /als diese botschaft von Ophir ankame: deswegen allein der Pharao nach Tanis reisete / und mich bei der K \nig n liesse. Weil nun die entdeckung meiner person bei hof nicht kůndig war / als erfuhren die von Ophir nichtes von dem sohn ihres Königs / und[409] brachten dem Pharao ihr gewerbe an: wiedaß ihr König Jaziz / weil ihme der himmel keine månnliche erben gegeben / einen von den Egyptischen Prinzen an sohnes statt annemen wolte / der seine tochter Indaride ehlichen / und nach seinem tode K \nig von Ophir werden solte. Und hierzu ernennten sie den Prinzen Hiarbas / von deme sie in Canaan viel gutes vernommen hatten.

Dieses unverhoffte anmuten meines herr vattern /kame dem Pharao gewünscht für / und vergasse er auf einmal / wer ich ware / und was mir von rechts wegen gebůrete: weil er / mit dieser gelegenheit / seinen jůngsten sohn zu einen so måchtigen K \nig machen kunte. Demnach versprache er denen abgesandten alsobald / seinen jüngsten sohn ihrem K \nig zuzusenden / und wandte grossen fleiß an / daß sie von mir ja nichtes erfahren m \chten: massen er sie auch deswegen so eiligst / als möglich / wieder abfårtigte. Er wuste aber nun nicht / was er mit mir anfahen solte: und in seinem gewissen wol befindend / wie grosses unrecht er mir anthåte / kunte er sich nicht dazu verstehen / sich von mir sehen zu lassen. Also verstrichen etliche wochen / daß wir musten zu Says verbleiben / ehe wir einigen befehl oder nachricht von hof bekamen. Die Königin / welche ebenfalls begierig ware / zu erfahren / wie es ihrem herrn erginge / und was die gesandte von ihrem bruder aus Ophir gewolt hatten / bezeugte mir zum \ftern ihre verwunderung ůber des Pharao beginnen / daß er uns nicht wieder nach Tanis holen liesse / da er sonst fast keinen tag ohne sie seyn kunte. Ich konte ebenfalls mich hieraus nicht finden. Weil ich aber noch keines unglücks gewonet war / als anete mir auch nichts widriges: und ware ich / wegen der glůckseeligkeit / meine Prinzessin stäts bei mir sehend und ihrer gesellschaft geniessend / [410] so wol zu frieden / daß ich wenig an andere dinge gedachte.

Endlich aber bekame die Königin befehl / alleine nach Tanis zu kommen: die Prinzessin aber / wie auch der Prinz und ich / musten zu Says zurůcke bleiben. Der Pharao entdeckte der K \nigin sein anligen: wiewol er dazumal noch im zweifel schwebete / und bald / von seinem b \sen gewissen gequälet / mich meinem herr vattern offenbaren / bald dem Hiarbas die Ophirische Kron zuwenden wolte. Nergade / von mütterlicher liebe geblendet / sprache alsofort ihrem gemal einen muht ein / dieses glůck ja nicht zu verschlagen /sondern mit beiden händen anzunemen. Wie nun sein vatterherz ihn leichtlich hierzu bewegete / als ware nur die frage / wo man dann mit mir bleiben solte. Dieses auszudenken / fiele ihnen zimlich schwer: allermeist / weil sie meinen muht wol kanten / der mich unmůglich zu diesem unrecht wůrde schweigen lassen. Und wolten sie gleich schon zuweilen auf meinen tod wehlen / so schluge ihnen doch solches aus den gedancken / die erinnerung / daß ihre tochter mich liebete: welche nicht verschweigen wůrde / wer ich gewesen. Demnach bereueten sie wol tausendmal / daß sie mir gesaget / wer ich wåre / und daß sie selber / zu der Prinzessin und meiner liebe / so grosse bef \rderung gethan hatten. Nergade wolte / man solte den Hiarbas für den Prinzen von Ophir ausgeben / und mich hingegen zum Hiarbas machen: sie mussen aber befahren / daß alsdann die Rehuma / wider diesen ihren vermeinten stiefsohn / viel gefårliches schmieden wůrde / und k \nte er dann auch auf die weise die Indaride nicht heuraten / welche doch allein seinen thron befestigen kunte. In dieser ungewißheit verharreten sie eine gute zeitweile / bis sie endlich beschlossen / die Prinzessin erstlich von mir [411] zu nemen: und solte inzwischen ich zu Says mit einer starken wacht verhütet werden / damit ich nicht hiervon ungefär etwas innen würde / und heimlich davon nach Ophir ginge.

Ich ware eben bei der Amesses im gemach / mit ihr höchstvergnügt überlegend / wie ihr dereinst zu mut seyn wůrde / wann sie in ein so weit entferntes land /als Ophir wåre / mit mir hinweg reisen solte. Ich h \rete damals / aus ihrem holdseeligen munde / die antwort: wiedaß ihr die ganze welt nicht zu weit seyn solte / dieselbe durchzureisen / wann es mit ihrem Armizar geschehen könte. Indem tratte Petosiris / des K \nigs oberkåmmerer / zu uns ins gemach: worüber wir uns beide erfreueten / weil wir hoffeten / vom K \nig etwas erwůnschtes zu vernemen. Wie aber die Prinzessin ihme freudig entgegen kame / sagte er / mit ernstlichen gebärden: ich m \chte in mein zimmer kommen / er håtte mir etwas anzudeuten; immittels müste die Prinzessin sich gefasst halten / nach Tanis zu reisen. Sie fragte gleich: Ob ich ihr dann nicht gesellschaft leisten wůrde? Er wolte ihr aber keinen fernern bericht geben: und ware es schon also angeordnet / daß / sobald ich in meinem gemach wåre / die Prinzessin mit ihrem bruder hinweg reisen muste. Ihre angst fůr mich / ware nicht geringer / als meine unruhe: und zeigte ich dem Petosiris mein verlangen / von ihm zu vernemen / was er von des K \nigs wegen mir anzubringen håtte. Weil derselbige mich ståts geliebet / als konte er mir mein gefängnis nicht ohne thränen ankůndigen. Ich muß gestehen / daß bei damaliger meiner unwissenheit / es mich nicht wenig befr \mdete / an dem ort mich gefangen zu sehen / da man mich jederzeit so hoch geliebet. Mein gewissen klagete mich um nichtes an / und argw \hnete ich auf die Rehuma / ob [412] die etwan hierunter wirken m \chte: ich kunte aber auch dieses nicht fůr möglich absehen.

Weil mir nun Petosiris nichtes mehr sagen wolte /als liesse ich dem Pharao vermelden: Ich verlangete zu vernemen / was ihn dazu bewege / mit einem Kronprinzen also zu handeln. Hiemit gabe ich mich in die gedult / und entfunde nichtes schmerzlicher / als die abwesenheit meiner Prinzessin. Indem ich ferner tausenderlei ursachen ůberdachte / die mich möchten in diese gefängnis gebracht haben / fiele mir endlich ein: ob ich etwan einen mitbuler bekommen håtte /dem der Pharao geneigter als mir worden wåre. Aber hierwider tr \stete mich der K \nigin beståndigkeit /von der ich glaubte / daß sie mein wort beim K \nig reden würde. Wie nun die Prinzessin nach Tanis gekommen / verheelte man ihr / was beschlossen war /und kunte sie nicht erfahren / wo ich geblieben wåre: sie spůrete aber aus des K \nigs und der K \nigin unruhe so viel / daß etwas besonderes müste fůrgegangen seyn. Der Prinz Amosis / der mich sehr liebete /kunte ebenfalls hievon nichtes erforschen. Also gebare dieses unwesen am ganzen hofe viel wunderliche urteile: da doch keiner erriete / was es eigentlich wåre.

Der Epha / welcher vor allen grossen bei hof um meine geburt und liebe zur Prinzessin wuste / hatte sich von ihrer schönheit also einnemen lassen / daß er sie fůrlångst liebgewonnen. Er spielete aber damit so geheim / weil er an mir / als der ich ihme wegen meiner geburt sehr weit überlegen war / einen gar zu gefärlichen mitbuler hatte / daß niemand das geringste hiervon gemerket. Nun aber meine abwesenheit ihme einen freiern zutritt bei der Prinzessin zuliesse / als wuchse dardurch auch seine liebe: so gar / daß er einsmals die künheit name / solche der Amesses zu entdecken. Diese grosmütige Prinzessin erzůrnete [413] sich so sehr hierüber / daß sie gleich hinginge / solches der K \nigin zu klagen: gegen der sie dann nicht allein über den Epha sich höchst beschwerete / sondern auch ihre betrübnis über meine so lange abwesenheit hervor stiesse. Die K \nigin aber wolte ihr von mir nichtes sagen / und gebote ihr dabei: Sie solte dem Epha mit aller h \flichkeit begegnen; und ob zwar ihr wille nicht sei / seine liebe anzunemen / so müste sie dennoch nicht so hart mit ihme verfahren / daß er bewogen würde / von ihrem hofe abzugehen / da der K \nig seine dienste unmůglich missen k \nte.

Die arme Amesses / fande in diesem befehl wenig vergnügung. Der Epha aber / als deme sie gedreuet /sich über ihn zu beschweren / hatte bei dem K \nig fürgebauet / und seine erlassung begehret: weil er besorgte / wann der K \nig innen wůrde / wohin ihn seine freche gedanken verleitet / er wůrde grosse ungnade und beschimpfung zu erwarten haben. Dieses kame nun dem Pharao so fr \md für / daß er nicht wuste / was er gedenken solte. Weil er den Epha sehr liebete / als kunte er sich nicht entschliessen / ihme den begehrten abschied zu geben: hingegen wolte er durchaus wissen / was ihn bewege / solches zu verlangen. Epha sagte: Er håtte sich gegen den K \nig versůndiget / und befünde sich so schwach / daß er von seinem verbrechen nicht abstehen k \nte / es sei dann daß der König ihm zuliesse / Egyptenland auf ewig zu räumen. Weil Epha dem Pharao ein mehrers nicht sagen wolte / als ward er ganz unruhig / und entdeckte solches der K \nigin: die ihm hierauf / des Epha liebe zu der Prinzessin / offenbarete. Dieses würde zur andern zeit den König sehr beleidigt haben: jetzund aber / da er mein verderben auf alle weise suchete / ware ihm solches die gewünschteste zeitung / als deren er zu seinem vorhaben sich bedienen kunte.

[414] Als er folgends mit etlichen priestern der Isis / die seinen geheimen raht machen / sich unterredet / was mit mir fůrzunemen wåre? gefiele der schluß: ich můste den heiligen orden der Isis annemen / und ihr mit priester werden; und ob ich solches mit gutem willen nicht thun wolte / k \nten leichtlich mittel /mich hierzu zu zwingen / erfunden werden. Weil dieses insonderheit der Orgas riete / so der Isis Oberpriester / und in sehr hohem ansehen beim Pharao ware: als wurde seinem raht gleich gefolget / und anbei die arme Prinzessin verdammet / den Epha zu ehlichen /welchen der K \nig / auf seinen todesfall / zum statthalter des reiches benennen wolte / daß er seinem sohn dem Prinzen Amosis / als einem herrn von gar zu frommer natur / und der sich eher zu einem geistlichen als regenten schickte / die regirung füren hälfe. Die Königin / so allemal mit im raht sasse / billigte dieses alles / im meinung / daß man auf solche weise mit mir aufs leidlichste verfahren wůrde / weil die priester nächst dem König im reich die gr \sten wåren. Sonsten hatte sie allemal heftig widersprochen / wann die stimmen im raht auf meinen tod gezielet: weil noch so weit / einige wolgunst gegen ihres brudern sohn / bei ihr ůbrig geblieben ware. Die Prinzessin Amesses / die hiervon nichtes wuste / zwunge sich indessen / soviel ihr můglich / dem Epha ihren haß zu bergen / und wolte hierinn ihrer fraumutter gehorchen / ob es ihr schon schmerz entfindlich fiele.

Der K \nig aber wolte nun ins werk richten / was er ihme fůrgenommen: liesse demnach den Epha nächsten tags in sein zimmer holen / und kůndigte ihm an /wie er ihme seine tochter zur ehe geben wolte. Epha /der dieses glůck nimmermehr vermutet / warf sich für den K \nig auf die kniehe / und wuste nicht / ob ihm diese freude warhaftig [415] begegnete / oder ob ihme nur also tråumete. Pharao aber name ihn bei der hand /und fürete ihn zu der Amesses: die gleichfalls nicht wenig sich entsetzte / den K \nig ihren vatter in solcher begleitung ankommen zu sehen. Ich gebe dir /Amesses! (sagte er gleich zu ihr /) den Epha zu einen gemal: weil Armizar dich verlassen / und den dienst der heiligen g \tter fůr dich und sein reich erwehlet. Er ist ein priester der Isis geworden: und weil dadurch das band zurissen / so dich an ihn verbunden / als nimm an seiner stat den Epha von mir an; und versehe ich mich zu dir / daß dein gehorsam hierinn / wie allemal / sich erweisen werde. Die halbtodte Amesses /kunte hierauf kein wort antworten / und vername auf einmal gar zu viel ůbels / als daß ihr gemüte solchem widerstehen k \nnen. Die treue liebe / mit der sie mir so unschuldiger weise zugethan gewesen / und welche sie so plötzlich von mir verachtet zu seyn erfuhre /kunte sie so geschwind nicht verlassen / daß Epha etwas fůr sich hätte hoffen dörfen. Der schmerze nun /samt dem verdruß / daß ihr / diesen vermessenen zu lieben / anbefohlen worden / ginge ihr also zu herzen /daß die sprache zurůck bliebe / und sie / ganz aus sich selber / ihren herr vatter ansahe.

Pharao / der solches vorher von ihr wol vermuten k \nnen / fuhre fort gegen ihr / und sagte: Mich wundert nicht / daß dich des Prinzen von Ophir beginnen bestürzt machet; ich selber habe mich anfangs nicht darein finden k \nnen. Nun aber kanst du mein misfallen / das ich hierüber getragen / mir nicht bässer benemen / noch auch an seiner verachtung dich vollkommener råchen / als wann du den Epha dir zum gemal erkiesest: welcher deiner liebe würdig ist / weil ich ihn nach mir zum fůrnemsten im reich ernenne / und er deine schöne nach würde erkennet und ehret. Unter diesen des Pharao reden / [416] erholete sich Amesses wieder / und bate ihren herr vatter: daß ihr ein wenig zeit / sich wol zu bedenken / m \chte gelassen werden; und solle er inzwischen glåuben / daß sie ståts seine gehorsame tochter seyn wůrde. Mit dieser kurzen antwort / war der K \nig / sowol als der Epha / h \chst vergnüget. Sobald sie aber von ihr gegangen / liesse Amesses ihren schmerzen den vollen lauf / warfe sich auf ein bette / und schůttete alles wider meine unbeståndigkeit aus / was ihr die wut nur in den sinn gabe. Sie ware gar nicht zu tr \sten / und erlitte in ihrem herzen die gr \ste marter: welches sich nicht entschliessen kunte / einen zwar nunmehr feindseligen freund aus-und hingegen einen liebenden feind einzulassen; indem die liebe zu mir in einen haß / und der haß zu den Epha in liebe / sich verwandeln solte.

In solcher angst brachte sie etliche tage hin: da die K \nigin / des Königs betrug meisterlich bef \rderend /ja so grossen unwillen / als er / ůber meine unbeståndigkeit zeigete / und die Amesses dahin zu ůberreden trachtete / aus rache den Epha zu heuraten. Sie erhielte es auch endlich / daß sie ihr jawort von sich gabe /und dem Epha / auf ihrer eltern begehren / die ehe versprache. Ob nun zwar ihr gehorsam sie hierzu triebe / und ihre grosmut / um aller welt dadurch zu weisen / daß sie sich um mich und meinen vermeinten wankelsinn nicht betrůbe: so wolte dannoch ihr innerlicher schmerze sich nicht also verbergen oder unterdrůcken lassen / daß nicht der leib ausstehen müssen /was der muht ůberwunden hatte. Es befiele sie eine gefårliche krankheit / die länger anhielte / als anfangs die ärzte vermutet. In solcher zeit litte sie des Epha besuchungen ganz gedultig: und ob sie ihn gleich nicht liebete / so ůberwand sie sich dennoch / aus gehorsam gegen ihren Eltern / seine liebesversicherungen [417] anzuh \ren / und ihn fůr ihren kůnftigen gemal zu erkennen.

Es ist aber nun zeit / daß ich berichte / wie es mir zu Says inzwischen ergangen. Ich lebete also / aller dinge unwissend / in meinem gefängnis / als eines tags der ehrwürdige Orgas zu mir kame / ůber dessen ankunft ich mich so sehr verwunderte / als erfreuete: weil ich eines teils nit aussinnen kunte / was ihn zu mir fůrete; anders teils aber begierig ware / wie es zu hof und fůrnemlich mit meiner Prinzessin stůnde / von ihm zu vernemen. Anfangs wolte er mir nichtes melden / sich gar bekůmmert anstellend. Endlich aber /wie ich so hart darauf drunge / von ihm die ursach meiner gefångnis zu wissen / und ihm sagte / wie mir wol bekant wäre / daß ihme von des K \nigs thun und anschlågen nichtes verborgen seyn k \nte: brache er heraus / und benennte die ursach dieser seiner ansprache / daß der K \nig ihme befohlen / mir eine zeitung anzubringen / die vermutlich mich sehr befrömden wůrde. Ich gabe zur antwort: Es wäre mir nun schon so viel fr \mdes widerfahren / daß ich nichtes wůste /das eine noch gr \ssere befr \mdung bei mir erwecken k \nte. So wisset dann / (fuhre er fort /) daß die Pinzessin Amesses verheuratet worden.

Wann ich noch mich erinnere / wie bei anh \rung dieser worte mir zu mut worden / verliere ich fast alle sinnlichkeit / und weiß nicht zu sagen / wie ich mich hierauf gebärdet: dann ich darůber ganz von mir selber kame. Nachdem ich / durch meine bediente / in den stand / von dem Orgas mein unglůck weiter zu vernemen / wieder gesetzet worden / erzehlte er mir: wie Epha um die Prinzessin beim K \nig angehalten /wie Amesses ebenfalls in ihn sich verliebt bezeiget /und wie der K \nig / seiner tochter belieben hierinn zu erfüllen / die heurat vollziehen / [418] und mich inzwischen in haft nemen lassen / damit ich dieser ehe mich nicht widersetzen könte. Keine worte důnkten mich damals zu hart / der unbeståndigen Amesses ihre untreu fürzurucken. Und ob es wol mir ganz unmüglich fůrkame / daß ihre tugend / die ich vermeinte so wol erkennt und geprüfet zu haben / diese leichtsinnigkeit begehen k \nnen: so brachte doch der Orgas alles so scheinbarlich für / daß ich es glauben muste. Ich betrachtete hierneben auch die undankbarkeit des K \nigs / die vergessenheit der K \nigin / und des Epha verlorne ehrerbietung: und sahe ich mich mit so vielem elende von allen orten / wo ich mich nur hinwendete / belagert / daß auch wol ein standhafterer sinn /als der meinige / håtte unterligen mögen.

Es vergingen viel tage / in welchen Orgas / mir ein mehreres / insonderheit das jenige / worum er eigentlich ausgesendet war / fůrzubringen / nåmlich mich zum priestertum zu bereden / bedenken truge: dann ich so voller schmerzen ware / daß er mich / alles anzuh \ren / für untůchtig erkante. Und ob ich schon ihme / als dem Oberpriester / deme man königliche ehre erweiset / mit m \glichster höflichkeit begegnete: so triebe mich doch zum öftern die ungedult / daß ich harte worte wider ihn und den König heraus stiesse /wann er diesen entschuldigen oder mich trösten wolte. Ich nennte den Pharao ungescheut einen verråter / der mir das entzogen / was mir allein geh \ret hatte. Ich dråuete auch \ffentlich / daß ich mich zu råchen nicht vergessen wolte / so lang in mir ein warmer blutstropfe seyn wůrde.

Mein elend / das ich in solcher zeit ausstunde /recht zu beschreiben / würde mir unmůglich fallen. Mich schmerzete am meisten / daß Amesses aus eigenem willen zu dieser heurat geschritten wäre: und solte es mich nicht so [419] sehr verdrossen haben / wann ich nur hätte wissen mögen / daß sie durch zwang dazu gebracht worden. Gedachte ich dann an mein gefångnis / das ich in solcher zeit můssen ausstehen /um dem Epha seine vergnůgung nicht zu beunruhigen: so wolte ich schier rasend werden / und dråuete dem glůckhaften Epha / daß er diese seine vergnůgung mir nicht lange ruhig besitzen solte. Betrachtete ich ihn aber hinwieder / als meiner Prinzessin gemal /die ich / ihn beleidigend / auch betrůben wůrde: so spůrte ich diese wut in meinem herzen wieder verleschen. Also fůreten Amesses und ich / beiderseits übel betrogen / einerlei leidwesen: da sie meine unbeståndigkeit / ich aber ihre untreu / beklagete. Man hielte uns aber beiderseits so eingeschlossen / daß wir nichtes von allem diesem betrug erfahren konten.

Mein kummer hatte mich so unachtsam gemacht /daß ich nicht einmal warname / wiedaß ich noch / als zuvor / gefangen gehalten wurde: und spůrete solches allererst / wie ich / nach wiedererlangten leibeskråften / die ich von bekůmmernüs ganz verloren gehabt / den schluß fassete / das undankbare Egypten zu verlassen / und nach Ophir zu reisen. Weil mich nun die wacht nicht auslassen wolte / als beschwerete ich mich darůber gegen den Orgas: der aber einen K \niglichen befehl aufzeigete / daß es mit mir also muste gehalten werden. Dieses mehrete nun meine ungedult / und machte mich auf mittel denken / wie ich los kommen m \chte. Orgas kame nun wieder öfters zu mir / und begunte nach und nach von dem vergnůgten leben der priester in der Isis tempel mir fürzuschwatzen: und wuste ich anfangs nicht / wohin ich solches deuten solte. Er sagte mir letzlich: wie er schwerlich glåube /daß der K \nig mich jemals wieder los lassen würde; weil er zu sehr meine rache befürchte. [420] Er sagte ferner: Es stehe mir ein weg offen / diesen beschwerlichen banden zu entgehen / wann ich mich dazu entschliessen wolte. Wie er mich nun begierig aufmerken sahe / berichtete er mich weitläuftig: wie die Isispriester in ihrem gesetze die freiheit håtten / jederman in ihren geistlichen orden aufzunemen / der sich dazu geneigt finden liesse; und k \nte ihnen der König eine solche person nicht fůrenthalten. Daferne mich nun nach meiner freiheit verlangte / so k \nte ich durch ein so vergnůgtes mittel dazu gelangen: und wolte er mich dessen versichern / daß ich / wann ich die süssigkeit ihres lebens nur einmal kostete / dieselbe nachmals nicht um alle kronen der welt zu vertauschen begehren wůrde. Er erinnerte mich dabei / was einer aus ihren priestern mir vordessen aus der hand geweissagt. Kurz! er ermůdete nicht / alle ersinnliche gründe herbei zu bringen / die mich überreden möchten / ein Isis priester zu werden.

Ob ich nun wol im herzen keine regung fülete / ein geistliches leben anzunemen / auch mein gemüte noch viel zu verwirret war / eine ruhe zu erwehlen: so name ich mich doch åuserlich an / als liesse ich mir seine vorschläge gefallen / weil ich dadurch aus meinen verdrießlichen banden zu entwischen verhoffete. Also betroge ich den Orgas / oder vielmehr den König / von dem ich so erschrecklich ware hintergangen worden /mit gleicher list / und ergriffe eben dieses mittel / so sie / mich ewig gefangen zu halten / ersonnen hatten /aus ihren hånden zu entgehen. Wie nun Orgas meine enschliessung gleich nach hof berichtete / wurde der Pharao neben der Nergade damit h \chst erfreuet: und verordnete er alsobald / daß ich nach Noph in den tempel / so heimlich / daß niemand etwas davon innen werden möchte / solte gebracht werden. Weil sie mir traueten / daß ich diesen [421] orden anzunemen recht entschlossen wåre / als reisete Orgas mit mir von Says heimlich hinweg / ohne sonderliche fůrsorge fůr meine person / und kamen wir nach Noph / ehe ich noch eine gelegenheit / zu entrinnen / absehen kunte.

Daselbst aber traffe ich ungefår einen meiner alten bekanten den Migdol an / welchen in geheim zu sprechen / ich einsmals / als Orgas in dem tempel war /gelegenheit bekame. Diesem klagete ich meinen zustand / wie elend es mir erginge / und was ich zu thun entschlossen wåre. Ich erfuhre von ihm hinwider /wiedaß der Prinzessin Amesses beilager mit dem Epha noch nicht vollzogen wåre / und daß sie gar krank danider låge. Diese unverhoffte zeitung / machte mich die augen \ffnen / daß ich allhand den betrug / damit sie umgingen / merkete / und wurde mein fast erstorbenes herz halb wieder lebendig: dann ich kunte hieraus abnemen / meine Amesses můsse von betrůbnis krank ligen / daß sie mich zu verlassen wäre gezwungen worden. Demnach entschlosse ich mich um so viel begieriger / meine freiheit zu suchen / um / des Epha beilager noch zu hintertreiben / und dieser betriegerei zu entgehen. Also redete ich mit dem Migdol ab / in der nacht mich davon zu machen: worzu er mir seinen beistand versprache. Unser schluß ware / daß ich nach Raemses gehen wolte / da die bůrger mir sonderlich gewogen waren: und weil sie / wegen des statthalters des Pythons unerträglicher regirung /leichtlich zu einem aufstand kunten beweget werden /als hatte ich die hoffnung / daselbst viel gutes auszurichten.

Unser anschlag glůckte uns nach wunsch und willen / und kame ich auf einem pferd / welches Migdol bestellet / mit ihme davon / als der Orgas sich dessen zum wenigsten versahe: da wir dann nacht und tag fortreiseten / bis [422] wir Raemses erreicheten. Weil mich fast ganz Egypten für ihres Pharao sohn hielten / und folgbar die leute der stadt mich für ihren Prinzen erkennten / als namen sie mich mit grossem frolocken auf: zumal sie bisher / wegen meiner abwesenheit / da niemand gewust / wo ich geblieben wåre / in sorgen gestanden. Der statthalter Python ware zu meinem glücke nicht anheimig: deswegen fiele mir um soviel leichter / mein vorhaben werkstellig zu machen. Ich liesse gleich die åltesten der stadt zu mir kommen /und offenbarete denen / wie es mir erginge / wie nämlich mein herr vatter der Pharao mich zwingen wolte /ein Isis-priester zu werden. Demnach wolte ich mich hiemit in ihren schutz begeben / der hoffnung und zuversicht lebend / sie wůrden ein solches nicht zulassen: zumal ich meinem vatterland noch viel nützlichere dienste zu erweisen vermeinte / als wann ich fůr ihnen den g \ttern räucherte. Die von Raemses / denen mein ungemach sehr das herz rürete / erboten sich alsobald / mir zu dienen / auch ihr gut und blut bei mir aufzusetzen: wie sie dann gleich mich zu ihren herrn aufwurfen / und mir die heersmacht des Pythons untergaben. Ich gebrauchete mich dieses glůckes so bescheidenlich / daß ihre gunst gegen mir je mehr und mehr zuname. Diese zeitung erscholle bald nach Tanis / und wurde der König dardurch in übergrossen schrecken gesetzet: welcher straks dem Epha befehl erteilete / Raemses wieder zum gehorsam zu bringen /und sich meiner person zu bemächtigen. Orgas hatte aller seiner klugheit vonn \ten / des K \nigs zorn zu entgehen / und seine nachlåssigkeit zu entschuldigen. Aber niemand ware fröher / als der Prinz Amosis / der mich sehr liebete / und meinetwegen bis dahin in grossen sorgen gestanden ware.

Die bestürzung und verwirrung über dieser plötzlichen [423] änderung / verursachete / daß man sich nicht in acht name / für der Prinzessin Amesses dieses zu verbergen: und kan man gedenken / wie ihr zu mut worden / als sie hörete / baß ich ein herr in Raemses worden / da sie mich in der Isis tempel zu seyn gewiß vermutet. Der beschämte Epha hatte den muht nicht / der Prinzessin zuzusprechen: weil er besorgen muste /daß ihr nun seine betriegerei wäre bewust worden. Unser beider gemüter waren hierdurch zwar etwas ruhiger worden: doch wuste sie noch nicht / ob ich ganz an dieser verlassung unschuldig wåre; und ich / kunte mich auch noch nicht allerdings in ihre verlobung mit dem Epha richten. Ich suchete zwar oft gelegenheit /an sie zu schreiben / kunte aber hierzu keinen sicheren weg finden: dann ob mir wol der Prinz ihr bruder sehr gewogen war / so durfte ich jedoch mich auf ihn nicht verlassen / weil ich besorgen muste / er würde die geheimheit hierbei / wie es vonn \ten / nicht in acht nemen. Inzwischen entbote ich dem K \nig: Ich wolle wissen / warum ich so lange müssen gefangen sitzen /und was ihn darzu bewogen / aus mir einen priester der Isis zu machen? da ihme ja wol bekant wåre / wie der himmel mich zu anderen verrichtungen håtte lassen geboren werden.

Ich erfuhre in Raemses / wiedaß der Prinz Hiarbas fürlångst von Salem nach Ophir wåre abgefordert worden / um / selbiges reich dereinst zu erben. Also wurde meinem sinne noch klårer / was der K \nig mit mir fůrhätte: und hielte ich es darum für kein unrecht /mich auf alle weise zu råchen / da ich so hoch ware beleidiget worden. Also brachte ich in geschwinder eile volk zusammen / und fielen mir alle umligende stådte zu / samt dem ganzen lande Gosen: daß ich also mich måchtig genug sahe / des Epha ankommender macht zu widerstehen. [424] Dieser nun / als ein erfahrner kriegsmann / von dem ich auch den krieg gelernet hatte / schåtzete mich nicht so hoch / als sehr ich mich beursacht achtete / gegen ihn behutsam zu gehen. Weil ich aber auf meiner seite eine gerechte sache wuste / als erwartete ich seiner mit freudiger standhaftigkeit. Meine rede nicht gar zu weitlåuftig zu machen / wil ich nur dieses sagen / daß es endlich zu einer haubtschlacht kame / da das glůck den sieg auf meiner seite verliehe: daß ich also das feld erhielte / und den Epha zwunge / sich bis nach Says zurück zu ziehen. Ich verfolgete aber meinen sieg / und von liebe getrieben / liesse ich den Epha fahren / als den ich mit den seinigen so abgemattet wuste / daß er sobald sich nicht wieder erholen wůrde / und ginge gerad auf Tanis zu: welches ich belagerte / in hoffnung / dardurch den K \nig zu båssern gedanken zu bringen /und meine Prinzessin wieder zu erlangen.

Weil der Pharao dieser meiner entschliessung sich nicht versehen / als brachte ihn der schrecken alsobald auf die gedanken / von dannen zu entfliehen: wurde also die anstalt gemachet / mit dem ganzen hof / die folgende nacht / sich aus der stadt nach Says zu begeben / dahin frische v \lker schon im anzug waren / den Epha zu verstårken. Ich erfuhre diese flucht / setzete ihnen deswegen eiligst nach mit einem grossen hausen der meinigen / und ertapte den wagen der Prinzessin: die ich / neben ihrer leibwacht / unwissend was ich fůr sch \ne beute bekommen / gefangen name / und ferneres nachjagen einstellete / weil ich von der nacht ůberfallen wurde. Als ich nun im lager wieder angekommen / ersahe ich / beim schein der fakeln / meine Amesses unter den gefangenen. Ich kan wol nicht sagen / was freude und bestůrzung mich zugleich überfallen. Ich warfe mich [425] alsobald zu ihren füssen /welche ich umfassete: und vermochte kein einiges wort herfůr zubringen. Sie aber / ob sie wol / wie sie mir nachgehends bekante / mich zusehen erfreuet war / achtete ihrem zustande geziemender / mich als ihres vatters feind zu halten. Demnach risse sie sich von mir los / und sagete: wiedaß solche bezeigungen sich nicht gebůreten / da sie meine gefangene wåre. Die meisten von den umstehenden / kunten sich nicht darein finden / bruder und schwester / dafür sie uns hielten / also miteinander reden zu h \ren.

Weil ich mich bald wieder erholete / und den leuten ihre einbildung / daran dißmal meine wolfart hienge /nicht benemen wolte: als befahle ich / man solte die Prinzessin in ein gezelt füren. Ich ginge hierauf zu ihr ganz allein / um / aus ihrem schönen mund das urteil entweder meines todes oder meines lebens anzuh \ren. Von eiversucht getrieben / kunte ich mich nicht enthalten / ihr anfangs ihre untreu und unbeståndigkeit fürzurücken / zu ihr sagende: Ach Prinzessin! wie ist diese ansprache so unterschieden von dem lezten abschiede / den wir zu Says voneinander namen! wer hätte mir damals sagen sollen / daß ich die Amesses nicht wieder mit solchem gemüte / sondern also gar veråndert und dem glůckseligen Epha zugethan / antreffen wůrde? Ich weiß nicht / (gabe sie mir zur antwort /) ob Amesses sich so verändert / wie der Prinz Armizar: der so wol gegen die götter / als gegen den menschen / sich so unbeständig erweiset / daß ich zweifeln muß / ob noch in ihme der alte tugendgeist zu finden sei. Wie so / Amesses? (fragte ich sie / ganz bestůrzet /) welcher unbeständigkeit bin ich dann zu bezůchtigen? Habt ihr mich nicht erstlich verlassen /Armizar! (antwortete sie /) und die entschliessung gefasset / der Isis priester zu werden? Habet ihr nicht[426] diese meinung wieder geändert / und euch fůrgenommen / den Pharao / der euch erzogen / um kron und thron zu bringen? Müsset ihr nicht selbst gestehen /daß ich betrogen und Isis hintergangen worden? daß Pharao / seine sorgfalt / an einen undankbaren verwendet?

Ach liebste Amesses! (sagte ich hierwider /) niemals ist mir dieses in den sinn gekommen / der Isis priester zu werden: und der himmel weiß / daß mein herz mit recht einiger untreu nit kan beschuldiget werden. Hierauf erzehlte ich ihr alles / wie es mir zu Says ergangen: das ihr dann / mehr als zu klar / meine unschuld erwiese. Als ich sie überdas berichtete / wie Pharao mir die unbilligkeit erwiese / und den Hiarbas als Erbprinzen nach Ophir geschickt håtte; kunte sie ihre eltern nicht ferner entschuldigen / und die augen mit thrånen füllend / sahe sie mich ganz mitleidig an /und sagte: Ihr sehet / Armizar! wie nahe mir eure feinde verwandt sind / und wie mich das recht der natur zwinget / ihrem willen zu folgen / und eure gerechte sache zu verlassen. Pharao thut euch unrecht: aber er bleibet dannoch mein vatter. Und ob ich euch gleich dem Epha tausendmal in meinem herzen vorziehe / so muß ich doch – – – Ach grausame! (fiele ich ihr allhier in die rede /) höret auf / mir mein leztes urteil zu sprechen. Ich habe schon genug / daß ich weiß / ihr wollet eher der unbilligkeit / als dem rechte / beitretten. Ihr könnet auch eure zuneigung / mit dem willen eures vatters / nicht rechtfårtigen. Hierauf beteurete sie mir hoch / daß sie den Epha nicht aus liebe / sondern allein aus gehorsam gegen ihre eltern / ehlichen wůrde.

Hiermit endete sich unsere erste zusammen sprache: da ich dann das übrige der nacht in gröster unruhe hinbrachte / weil ich bei mir unschlůssig war / was ich mit der Amesses nun ferner fůrnemen solte. Ihre besitzung / [427] war der vornemste zweck / darnach ich zielete. Weil ich des halben K \nigreichs meister war /als hoffete ich den K \nig zur billigkeit zu vermögen /wann ich / fůr die Prinzessin / ihme sein abgenommenes land wieder friedlich abtråtte. Demnach begabe ich mich folgenden tags wieder zu der Prinzessin / ihr mein vorhaben zu eröffnen. Sie aber wolte mir ihre gedanken / ob sie gleich mit den meinigen gleichf \rmig waren / nicht entdecken / und sagte allein: Ich hätte macht zu thun / was ich wolte; sie k \nte jezt an nichtes / als an ihre freiheit / gedenken. Weil ich nun sahe / daß es ihr nicht zuwider wäre / schickete ich einen herold an den Pharao nach Says ab / der dem K \nig den frieden anbieten / und zugleich die Prinzessin fůr mich zur ehe begehren solte. Mitlerweile nun dieser ausen war / speiseten wir uns beiderseits mit hoffnung / der K \nig wůrde dieses gern eingehen: und bei solcher hoffnung / name die Prinzessin gůtig auf / daß ich sie von meiner liebe unterhalten dorfte /und verhielte mir nichtes von aller der marter / die sie meinetwegen ausgestanden / als sie mich unbeständig gegläubet. Und ob sie wol darbei mich immer bate /sie an ihre eltern wieder zu ůberlassen: so spürete ich doch soviel / daß mein ungehorsam hierinn sie nicht beleidigte.

Nachdem ich lange und mit schmerzen auf des K \nigs erklårung gewartet / kame endlich der herold wieder / und brachte mir keinen andern bescheid / als daß Pharao mit funfzigtausend mann mir entgegen kåme / und selber mir die antwort bringen wolte /wem er seine tochter bestimmet håtte. Wolan dann! (sagte ich / in gegenwart der Prinzessin /) weil der Pharao seine tochter mir wieder abzunemen kommet /so wil ich sie bis in den tod beschůtzen: dann er hat sie mir eher als den Epha zugesaget / und sein versprechen unbillig geschwåchet. [428] Hiemit entschlosse ich mich / dem K \nig entgegen zu gehen / und liesse die Prinzessin wol bewahret auf ein stetes bergschloß füren / das nicht weit von Tanis gelegen ist. Die grosse liebe meiner soldaten / die sie zu mir trugen / und meine unschuld / machte / daß sie weder die gefahr beachteten / noch auch ihren eigenen König in person zu bestreiten sich scheueten / ob schon des Pharao macht viel grösser war / als die meinige. Also kame es wieder zu einem haubttreffen / da der sieg lang zweifelhaft ware: endlich aber fiele er auf des K \nigs seite / und muste ich mit den meinigen das feld räumen. Weil in wärendem gefechte / von den K \nigischen ware ausgebreitet worden / wiedaß ich ein Prinz von Ophir / und nicht aus Egypten wäre: als wurde hierdurch der eifer und die zuneigung der meinigen so gar gemindert / daß sich die meisten zu den Pharao schlugen / und ich kaum tausend mann bei mir behielte.

Mit diesen begabe ich mich in eile zu růcke nach dem schloß / alda ich die Prinzessin gelassen: in meinung / sie von dar nach Raemses / und folgends weiter nach Ophir zu füren. Ich wurde aber von dem Pharao so geschwind verfolget / daß ich mit der Prinzessin nicht hinweg kommen konte / sondern mich belågern lassen muste. Weil nun der ort ůberaus fest war /und keinen mangel an lebensmitteln hatte / als entschlosse ich / bis auf den lezten mann mich zu wehren / und stunde also eine lange belågerung aus. Ich hatte aber hierbei die vergnügung / meine Amesses immer zu sehen: ob wol / an ihrer seite / wenig ruhe sich hierbei funde / weil sie in stäter angst für meine person schwebete. Sie lage mir auch mit unaufhörlichem bitten in den ohren / daß ich sie ihrem herr vatter wieder zuschicken solte.

Als sie aber meine halsstarrigkeit sahe / gedachte sie [429] auf mittel und wege / wie sie mir ohne mein wissen dienen möchte. Demnach sandte sie heimlich jemanden zu dem Pharao / der ihme anmelden muste: wofern sie meiner freiheit versichert wåre / so wolte sie dem Pharao das schloß aufgeben. Dieses thåte sie aus guter meinung: weil sie hochvernůnftig wol ermessen kunte / daß ich in die länge nicht wůrde ausdauren k \nnen. Pharao name dieses anerbieten willigst an / und liesse seiner tochter meine freiheit versprechen / wann sie ihr wort halten wůrde: dann er selber ware nun müde worden / diese belägerung auszufüren. Hierauf beredte die gute Prinzessin gegenwärtigen Sephar / der damals mein waffenträger war /auf ihre seite / und ihme offenbarend / was sie zu meinem båsten gehandelt / brachte sie durch ihn die Königischen in das schloß / und machete also der belågerung ein ende.

Ich vermutete nichtes weniger / als dieses / und ware ganz sicher / als ich die feinde mir auf dem hals sahe. Mitlerweile sie alle mauren und thore besetzeten / sagte mir Amesses / was sie gethan / und wolte / daß ich mit ihr zum König mich verfůgen solte / bei deme sie meine freiheit erhalten håtte. Ich muß bekennen /daß ich / so lieb mir die Prinzessin ware / ganz ungedultig hierůber wurde: und bildete ich mir fůr gewis ein / sie hätte dieses alles / aus haß gegen mir / und aus liebe zu dem Epha / fůrgenommen. Wie ich nun diesen glůcklichen mitbuler ankommen sahe / ginge ich voller wut und eifer auf ihn los / und rieffe ihm zu: Er solte ankommen / mir jetzund die Prinzessin von Egypten das lezte mal zu bestreiten. Er / der in der warheit grosmütig ist / wolte mir diesen angetragenen kampf nicht versagen / und stellete sich dapfer zur gegenwehr. Weil ich aber mehr wut als fůrsichtigkeit gebrauchete / als verursachete ich [430] damit / daß wir beiderseits in geschwinder eile viele wunden bekamen. Das zulaufende volk / brachte uns mit grosser mühe voneinander / als Epha sowol als ich / von dem vielen verlornen blute / schon begunten onmächtig zu werden.

Die Prinzessin / die unseren streit nit verhintern kunte / hatte inzwischen zu ihrem herrn vatter sich begeben: und ware ihr erstes wort / daß sie ihn seines versprechens erinnerte / mir meine freiheit zu schenken. Pharao aber / der nun erlanget / was er verlanget / hielte nicht fůr n \tig / sich ferners zu verheelen /sondern sagte der Amesses in die augen / wiedaß ich sterben můste. Hiemit sahe sie / wiewol zu spat / was sie ausgewirket / und ware nicht zu trösten: so gar /daß man sie bewachen muste / weil sie ihr selber leid anthun wolte. Der Epha und ich / lagen inzwischen an unseren entfangenen wunden danieder: welches den Pharao verursachete / noch etliche tage alda zu verharren. Mein unfall / ward inzwischen überall kund: daher alle die jenigen / so bisher meine seite gehalten / sich gutwillig an den K \nig ergaben. Also brachte die eroberung dieses schlosses / den Egyptern den frieden wieder: und wurde Raemses / zur straffe ihrer untreu / geschleiffet.

Als endlich Epha und ich das reisen wieder vertragen kunten / brachte man uns nach Tanis / alda ich vername / wiedaß die rache des K \nigs mit nichts anders / als durch mein blut / k \nte befriediget werden. Amosis / der mir noch nie seine gunst entzogen / bemůhete sich vergebens / mich zu befreien. Die K \nigin / wolte mich zum priester haben: Orgas / bate ebenfals darum. Amesses aber vergasse aller ehrerbietung gegen ihrem herrvattern / und bote sich an / fůr mich zu sterben / wann der K \nig ja durch blut můste ausges \net werden. [431] Epha / unangesehen ich sein mitbuler ware / bate gleichfalls für mein leben. Sephar mein waffenträger / der so unschuldig / neben der Prinzessin / mich in dieses unglůck gestürzet / begabe sich aus verzweifelung hinweg: welcher / nach vielen wunderbaren abenteuren / endlich alhier des Königs Melchisedech priester worden. Wie mir damals zu mut war / kan man leichtlich gedenken / da ich den Epha fůr glückhaft und meine Prinzessin fůr unbeståndig halten muste: und machte mir dieses letzere die meisten gedanken / da ich sonst wegen dessen /was mir fůrstunde / wenig sorge truge / auch nichtes lieber / als den tod / verlangen und wůnschen konte. So sehr nun derselbige beim K \nig beschlossen war /so mächtig ware dennoch der K \nigin und des Orgas fůrbitte: also daß ich endlich ein Isis-priester zu werden verurteilet wurde; und solte an eben den tag / da man mich \ffentlich einfůren wůrde / die trauung des Epha mit der Prinzessin zugleich fürgenommen werden.

Amesses wurde hierum nicht von neuem befraget /ob gleich die umstände / ihre erste zusage gegen den Epha / wol nichtig machen kunten. Sie erfuhre auch wenig von allem dem / was über mich beschlossen worden: so gar / daß sie / meinen tod noch besorgend / auf mittel gedachte / mich zu erl \sen. Ihr bruder ware ihr zu ihrem fůrhaben sehr behülflich; und von dem Migdol bedienet / brachte sie es dahin / daß sie bei nacht in mein gefängnis kame / und mir meine freiheit ankündigte. Ich erschracke nicht wenig / die Prinzessin so unvermutet bei mir zu sehen. Ihre reden waren / daß sie mich antriebe / die gelegenheit in acht zu nemen / und mich eilends davon zu machen: dann ihr bruder hatte leute und pferde bestellet / die mich hinweg bringen solten. Ich aber wolte mich keineswegs hierzu verstehen / und [432] sie / ganz aus mir selber /anschauend / sagte ich zu ihr: Wie nun / grausame Amesses! so habt ihr noch gr \ssere marter / als den tod / fůr mich ersonnen? weil ihr vieleicht erfindet /daß derselbige mir von meinem elend gar zu geschwinde abhelfen würde? Amesses beantworte dieses erstlich mit einem starken thrånenbach / der ihr so häufig aus den augen drunge / daß sie kein wort zu sagen vermochte. Endlich aber brache sie in diese worte heraus: Ach Armizar! wie grosses unrecht thut ihr mir / also von mir urteilend? Ich liebe euch / Prinz von Ophir / und wünsche eure ruhe h \her / als mein leben. Hat mein voriges thun euch meine liebe nicht k \nnen bezeugen / so erkennet doch solche nun aus dieser meiner lezten that / da ich / meinem herrn vatter zuwider handelend / euch zu befreien hieher komme.

O elende freiheit / (rieffe ich /) die mir bitterer als der tod seyn wird! Was hilft mich mein leben wann Amesses nicht für mich lebet? Lasset mich lieber sterben / als des Epha glück erleben! Ihr můsset leben /mein Armizar! (sagte sie /) wofern euch der Amesses leben lieb ist. Und ich bitte euch um unserer liebe willen: g \nnet mir doch / daß die person euch wieder befreie / die euch in diese bande gebracht hat. Wann ihr mir wollet versprechen / (antwortete ich /) den Epha nicht zu lieben / so wil ich die angetragene freiheit annemen. Ich habe bereits meinen sinn euch geoffenbaret / (wiederholete sie /) daß ich euch liebe: daraus k \nnet ihr leichtlich ermessen / daß ich fůr den Epha nichtes übrig habe / als – – – Allhier verstummete sie / und ich rieffe: Fahret nur fort zu sagen. / O grausame! daß ihr für den Epha nichtes übrig habet / als die Amesses selber. Mein kindlicher gehorsam (fuhre sie fort /) wird mich zwar dazu zwingen / mich dem Epha zu geben: aber versichert euch / Armizar / er [433] soll meiner nicht lang geniessen / dann ich bald zu sterben gedenke. So lasset mich erstlich sterben / (sagte ich /) weil ich ja alles verloren / was ich auf der welt gehabt. Lebet / lebet / edeler Prinz! (wiederholete sie /) und bemåchtiget euch des thrones / den die meinigen euch unrechtmäsiger weise zu entziehen gedenken.

Nach vieler solcher wortwechselung / und als ich beständig dabei verharrete / lieber zu sterben / als ohne hoffnung ihrer liebe mich frei zu machen / zoge sie einen dolch herfůr / und hielte den an ihre brust /sagende: Wann ihr dann / Prinz von Ophir / die freiheit von mir nicht annemen wollet / so entfanget doch das blut der jenigen / die an allem eurem vorigen und jetzigen unglück schuldig ist; welches sie euch hier mit / zur aussönung dessen / was sie euch zuwider gethan / aufopfert. Hiemit hätte sie ihr selber gewalt angethan / wann ich ihr nicht håtte zugeruffen: Ich wolte gern frei werden / nach ihrem begehren. Wie ich demnach zugelassen / daß mir meine bande abgel \set wurden / sagte ich ferner zu ihr: Ihr wollet / grausame Prinzessin / daß ich leben soll / da ihr doch fůr meine liebe mir keine hoffnung übrig lasset. Lebet und hoffet / (antwortete sie /) und thut / was ihr verm \get /mich von dem Epha zu befreien! Diese worte stiesse sie gar geschwind heraus / und begleitete dieselben mit einer entfärbung: also daß ich ihre gemütsbewegung daraus sattsam spůren konte. Weil sie mich nicht eher verlassen wolte / bis ich mit denen jenigen hinweg wäre / die mich aus der stadt / und wohin ich reisen wolte / bringen solten: als folgete ich alsofort ihrem willen / und sahe mich auser Tanis / ehe ich noch recht begreifen konte / wie mir geschehen wåre.

Ich kunte nun nicht ersinnen / was ich fürnemen solte / der ich mich sonder macht und gewalt sahe /dem König [434] die Prinzessin abzufordern / und dem Epha dieselbe ferner zu bestreiten. Ich fülete zwar zum öftern eine anreitzung / nach Ophir zu gehen /und selbiges mein vätterliches reich zu besprechen: aber unmüglich fiele es mir / meine Prinzessin hinter mir zu verlassen: zumal weil ihre lezte worte mich aufmunterten / noch zu hoffen / und dahin zu trachten / wie ich ihrem befehl / sie von den Epha zu befreien /nachkommen m \chte. Auser sie heimlich zu entfüren /sahe ich nun hierzu kein mittel: ob ich aber dazu gelangen / oder auch ihren sinn dahin lenken würde /deswegen stunde ich in grossem zweifel. Jedoch bei so verzweifeltem zustand / wolte ich nichtes unversucht lassen. Demnach begabe ich mich / mit denen jenigen / die mich befreiet / und deren treue ich wol versichert war / heimlich wieder nach Tanis: in welcher grossen stadt ich / wegen mänge der leute / wol ein jahr verborgen bleiben wolte / ehe ein mensch mein da-seyn erfahren solte.

Mittlerweil ich nun an meinem anschlag arbeitete /befande der Pharao durch meine flucht sich in neue furcht gesetzet: weil er besorgte / ich würde nun wieder eine unruh im reich anstiften / oder doch nach Ophir gehen / und seinem sohn dem Prinzen Hiarbas das reich bestreiten. Dannenhero liesse er mich / aller orten / fleissig suchen. Weil auch der Epha / auf die vollziehung seiner heurat mit der Amesses / inständig drunge / als wurde ein tag zum beilager angestellet: da die Prinzessin / solches noch länger aufzuschieben / sich vergeblich bemůhete. Demnach thäte sie nichts anders / als unaufhörlich weinen: muste also der sonst glückhafte Epha dieses leiden ausstehen / daß er diejenige / die ihn glückseelig machete / in unglück setzen würde.

Ich erfuhre alles dieses / was bei hof fůrginge: welches [435] mich dann / mein fürhaben zu f \rdern / desto ämsiger machete. Wie ich nun / zu entfürung der Prinzessin / alle bereitschaft gemacht / kame ich / durch hůlfe des Prinzen Amosis / heimlich zu ihr in ihr zimmer: und diß geschahe den abend vorher / da den andern tag ihre reise nach Noph / um daselbst in der Isis tempel ihre trauung zu vollziehen / fůrsich gehen solte. Weil sie nichtes hiervon gewust / als erschracke sie so heftig / mich bei ihr zu sehen / daß sie schier überlaut geruffen / und also allen anschlag entdecket håtte. Ich funde sie von gram und weinen so verstellet / daß / wann ihre sch \nheit nicht so vollkommen in mein herz gebildet wäre / ich die Amesses in der Amesses fast nicht mehr erkant hätte. Weil keine zeit zu versäumen ware / als sagte ich ihr kůrzlich: Ich håtte /ihrem befehl zu folgen / ein mittel ersonnen / welches sie von dem Epha befreien k \nte. Sie hörete mich gedultig an / als begierig zu vernemen / was ich dann ausgesonnen håtte. Wie sie aber die flucht nennen h \rete / und daß sie sich von mir solte nach Ophir entfüren lassen / wolte sie ganz nicht daran / sondern rückete mir für: Wie ich so wenig einbildung von ihrer tugend hätte / daß ich ihr ein solches anmuten d \rfte. Sie sagte ferner: sie håtte vermeinet / ich wůrde ihr gift oder einen dolch gebracht haben; welches sie lieber annemen wolte / als dieses mittel / welches fůr ihren guten namen gar zu gefårlich wåre. Alles mein und ihres bruders zusprechen kunte sie von ihrer meinung nicht abbringen / und wolte ich die ungedult mich ůbermeistern lassen / sie mit gewalt zu entfüren. Sie vermerkte solches aus ein- und anderen ungedultigen worten / wurde darüber ganz unwillig /und entwieche / ehe ich mich dessen versahe / aus ihrem in ihrer fraumutter gemach: mich so aus mich selber hinterlassend / daß ich / wann Amosis [436] mich nicht hätte angetrieben / von dar nicht würde hinweg zu bringen gewesen seyn.

Ich setzete nun alles auf die höchste verzweifelung / und weder kron noch thron mehr achtend / kame mir in den sinn / ein Isis-priester zu werden. Ich begabe mich noch die nacht auf den weg / und meldete mich zu Noph bei dem Orgas an: der wol h \chlich sich entsetzete / mich zu sehen; noch mehr aber in verwunderung geriete / als er hörete / wozu ich mich entschlossen håtte. So wol der eifer um seine g \ttin / als die liebe zu seinem K \nig / von dem er versichert war /wie ihn dieses mein fürnemen h \chst erfreuen / und er dadurch von aller furcht ganz befreiet werden wůrde /triebe ihn an / mein begehren gleich zu erfüllen. Und ob wol sonsten ein jeder / in der stadt Phatures / im dienst der G \ttin muß recht unterrichtet werden / ehe er zu Noph eingefüret wird / und sein gelůbde ableget / welches dann lange zeit erfordert: so wolte ich doch nicht länger warten / sondern war gewillet / den tag /wann Amesses wůrde im tempel getrauet werden /mein gelůbde zu thun / und also mich / wie ein opfer /fůr ihren augen hinzugeben. Ich verlangte auch / um deß willen / bis dahin heimlich zu bleiben: welches der Orgas mir alles zuliesse. Also wurde in eil ein priesterliches kleid verfårtiget / welches ich bei der einfürung anziehen solte. Und wiewol der priester eine gewisse zahl ist / so wurde doch ich über dieselbige eingenommen / bis daß einer stůrbe: da ich dann in die rechte ordnung kommen solte.

Wie nun der ganze K \nigliche hof nach Noph sich verwandlet / und der grausame tag erschienen war /darinn ich meine Prinzessin auf ewig verlieren solte: da kamen sie såmtlich mit grossem pracht in den tempel der Isis. Ich / der ich aus einem verborgenen ort alles mit [437] ansehen kunte / erblickete bald die Amesses in königlichem schmucke: dabei aber so erblasset und bestůrzet / daß ich innerlich deswegen eine / wiewol grausame / freude entfunde. Sie ward von zweien kammerherren mehr getragen als gefüret: und sahe sie stäts nach der erden / gleich als hätte sie gewünschet /darein zu vesinken. Wie sie an den thron kame / da sie neben dem Epha / bis die opfer geschlachtet würden / sitzen solte / fiele sie auf den stul / ohne jemanden im tempel einige ehrerbietung zu erweisen / ganz kaltsinnig nieder. Folgends bliebe sie in den tiefsten gedanken sitzend / und gabe auf nichtes acht: verglieche sich also in allem einer leiche / die man daselbst begraben solte. Ich kunte mich ůber ihre stränge tugend nicht gnug verwundern / welche sie zu dieser marter gebracht hatte: und rückete ich ihr in meinem sinn zum \ftern fůr / daß sie / diesen gang zu thun /gar wol hätte k \nnen ůberhoben bleiben / wann sie nur meiner liebe folgen wollen.

Als aber alles volk nun im tempel versammlet war /und eben die opfer angehen solten / da begleitete mich die gesamte schaar der priester / von den Orgas gefüret / in den tempel: da dann jederman mich ersehend bestůrzet wurde / und der name Armizar überall erschallete. Ich / der ich kein aug von meiner Prinzessin abwandte / sahe / daß die nennung meines namens sie aufmerkend machete. Als sie / nach langen umhersehen / mich gefunden / schrye sie ůberlaut: Ach Armizar! und fiele damit zurücke / ihren jungfrauen ganz onmächtig in die arme. Epha / der neben ihr sasse /erschracke höchlich hierůber: inzwischen jederman zulieffe / der Prinzessin beizuspringen. Ich hätte solches mit verrichtet / wann ich meinen begierden folgen d \rfen. Indem sie aber noch mit ihr zu thun hatten / tratte der Orgas zu dem gleichfalls bestürzten [438] Pharao / und endeckete ihm meine entschliessung: der dann / voller freuden hierüber / allen haß vergasse /und mich zu vielen malen umarmete. Aber diese liebkosungen wurden von mir so kaltsinnig angenommen / daß alle anwesende wol sahen / was ich in meinem gemüt litte. Wie nun unterdessen die Prinzessin wieder zu sich selber gekommen / solte meine einfůrung ihrer vertrauung / als ein heiliges werk / vorgehen. Ich liesse alles geschehen / was man mit mir fůrname /ohn einiges widerstreben: weswegen allen denen / die mich ehmals im krieg gesehen / die thränen in die augen schossen / und jederman ein mitleiden ůber meinen zustand erwiese.

Ich hatte nun die priesterliche kleidung angezogen /und sasse bereits auf den kniehen / dem Oberpriester den Eid abzulegen / als von dem orte her / da die K \nigin fasse / ein unversehenes geråusche entstunde. Diß gabe mir ursach / nach ihr hinzusehen: und wurde ich gewar / daß sie in den armen des K \nigs wie todt lage. Alle anwesende drangen hinzu / zu vernemen /was ihr geschehen: und die Prinzessin ihre tochter stiege gleichfals von idrem thron herunter / ihrer fraumutter beizuspringen. Weil nun hierdurch alles in unordnung geriete / als verliesse auch der Orgas seinen platz / um zu sehen / was mit der K \nigin vorginge. Es hatte aber ein schlagfluß die Königin gerüret / daß alle årzte / die zugegen waren / ihren eiligsten tod ankündigten. Sie hatte kurz vorher in sich selber gesprochen / welches eine ihrer frauen gehöret: O wie handeln wir mit dem Armizar! worauf sie gleich sprachlos dahin gesunken. Der Pharao / welcher sie überaus liebete / hielte seine sterbende gemalin in seinen armen. Die Prinzessin aber / weil sie hierdurch gelegenheit ůberkame / ohne scheu zu klagen / zwunge sich nicht mehr in ihrem leidwesen / sondern stellete sich sehr [439] kläglich an: das dann sowol ihrer fraumutter als ihr eigener zustand verursachete.

Nachdem man viele vergebliche mittel angewendet / starbe die K \nigin in den armen ihres gemals: und wurde hierüber das allgemeine wehklagen und der schrecken so groß / daß man ferner / weder an des Epha trauung / noch an meine einweihung / gedachte. Die leiche / welche der K \nig und die Prinzessin nicht verliessen / wurde nächst am tempel in des Oberpriesters wonung gebracht: damit nicht jederman die K \nigin todt und den Pharao klagen sehen m \chte. Der Orgas befale / daß ich und die andere priester in unsere verordnete wonungen uns begeben solten. Es ware überall / im tempel und in der stadt / ein unbeschreiblicher schrecken / und kame es jederman sehr frömd für / daß dieses freudenfest in so grosses trauren verwandelt worden. Wie mir hiebei zu mut wurde / weiß ich selber nicht zu melden: doch funde ich mehr ruhe als angst hierüber in meinem gemůte / weil ich die Prinzessin an den Epha noch nicht getrauet wuste / und also noch hoffen kunte.

Der Pharao ware gar nicht zu tr \sten / in diesem so pl \tzlichen verlust seiner Nergade. Und Epha / der dadurch seine glůckseligkeit verz \gert sahe / dorfte sich nicht unterstehen / den K \nig zu bitten / daß er mit der Prinzessin / bevor die grosse traur ein wenig fůrbei wåre / beilager halten m \chte. Alle gedanken des K \nigs gingen nun dahin / wie er seine liebe gegen der Nergade mit einer überaus pråchtigen begräbnis erweisen m \chte. Er liesse demnach / nahe für dem tempel der Isis / eine herrliche pyramide und begråbnis aufbauen / dergleichen an grösse und sch \nheit fürhin in Egypten nicht gesehen worden: und solte / wann dieser bau färtig / die leichbestätigung [440] mit grossem pracht geschehen. Orgas immittels /der nicht unbillig besorgete / ich m \chte / weil ich mein gelůbde noch nicht vollzogen / wieder anders sinnes werden / liesse mich fleissig bewachen / daß ich nicht vom tempel entko en möchte. Er wolte auch etliche mal die gebräuche mit mir vollziehen: ich aber wandte allemal soviel darwider ein / daß es sich von einer zeit zur andern verzoge. Indessen fiele auch ein krieg mit den Libyern ein: da dann Epha zu feld gehen muste / derselben kriegesflut / die sich gar gefårlich anliesse / zu steuren. Man hielte es vor mir so heimlich / daß die Prinzessin noch nicht dem Epha beigelegt wäre / daß ich solches oft für allbereit geschehen achtete.

Wie nun endlich der Nergade begråbnis färtig wor den / da musten alle die grossen aus ganz Egypten sich in Noph versammelen / dieser besenknis beizuwonen. Es solte aber / der Königin zu ehren / der göttin Isis ihr grosses opfer gehalten werden / welches der K \nig Osymandias fůr jaren angeordnet: und bestunde solches darinn / daß einer von ihren priestern /mit grossem geprånge / in ihrem tempel lebendig begraben / und ihr also aufgeopfert wurde. Weil nun dieses gar selten sich begabe / massen es bei des Pharao Uchoreus zeiten niemals geschehen: als wurde ganz Egypten begierig / diese seltene gebråuche anzusehen. Wie nun der grosse festtag erschienen / da wurde die leiche der Nergade / von dem K \nig / dem Prinzen / der Prinzessin / und von dem ganzen hofe /in den tempel begleitet: da Orgas und wir såmtliche priester sie entfingen / und für der g \ttin Isis bild niedersetzeten. Ich hatte / seit daß die Königin gestorben / die Prinzessin nicht wieder gesehen: die mir nun in ihren trauerkleidern viel sch \ner / als ehmals in ihrem königlichen brautschmuck / fůrkame. Ich wuste nicht /ob ich [441] sie / als des Epha gemalin / oder als die alte Amesses / anschauen solte. Indem merkete ich / daß sie nach mir sich umsahe. Sobald sie mich ins gesicht bekommen / schluge sie die augen gen himmel / und hielte folgends ein tuch dafür / ihre thrånen / die sie wegen der Königin durfte fliessen lassen / abzutrocknen.

Als nun das opfergepränge anginge / da wurden wir priestere / in unseren sieben ordnungen / rund um den altar gestellet. Nach etlichen gesängen / wurfe Orgas das los über uns: da dann mich die reihe vor allen traffe / daß ich das grosse opfer werden solte. Die andåchtigsten unter unserem haufen / wolten mir diese ehre bestreiten / vorgebend: weil ich noch nicht mein gelůbde abgeleget / so k \nte ich hierzu nicht gelangen. Ich aber / als der ich des lebens müd ware / wolte mich hiervon nicht verdrången lassen: und bekame ich beifall von den ältsten priestern / die am meisten in den geheimnisen des gottesdienstes erfahren waren /daß ich ohne streit der Isis opfer werden künte. Als dieses bis für den K \nig erschollen / zeigte der sich sehr ruhig darüber: Amesses aber erschracke so heftig / daß ich die erblassung ihres gesichtes / von dem orte / da ich stunde / absehen kunte. Man fürete mich hierauf an einen besondern ort: da ich zum opfer bereitet /auch mit blumen und kråutern ausgezieret wurde. Man brachte einen grossen ochsen / der auf dem haubt einen blumenkranz und ein blumengehänge am hals truge: welchen ich bei den hörnern fassen / und also wieder in den tempel gehen muste.

Mein erstes / so ich thäte / war dieses / daß ich nach der Prinzessin mich umsahe. Es ware aber derselbigen eine onmacht zugestossen / daß man sie aus den tempel bringen müssen. Dann weil sie mich nun in todesgefahr wuste / kunte sie ihre zuneigung nicht ferner bergen. [442] [444]Weil sie ihr vorstellete / daß um ihretwillen mir dieses alles begegnete / als kame die erbarmung und das mitleiden zu ihrer herzlichen liebe: daher sie ihr weheklagen offentlich ohne zwang fürete / und weder den König noch den Epha betrachtend /alle welt ihre zu mir tragende liebe sehen liesse. Die gebråuche gingen immittels mit mir fort / und als die priester viel wesens mit mir getrieben / schlachteten sie den ochsen auf den altar: ich aber wurde in ein wolriechendes tuch ganz eingewickelt / auf ein bette /so mit stattlichen wolriechenden kråuteren angefůllet war / gebunden / und damit in ein gruft hinunter gelassen / welche sie oben mit einer eisernen thür versperreten. Ich solte darinnen verhungern / und also /den eingefürten gesetzen gemäs / ein opfer der Isis werden. Nach diesem / und wie alles volk mit grosser ehrerbietung solches angesehen / ward auch der K \nigin begräbnis verrichtet. Hierauf wurde sieben tage lang der Isis fest gefeiret: da jederman zu meinem grabe wallfarten ginge / mich als einen geheiligten der Isis zu verehren und anzubeten.

Ich lage nun in dieser finstern gruft / die sonst der Isis priestern zur begräbnis dienete / keine andere gedanken habend / als zu sterben: und muß ich gestehen / daß das natürliche entsetzen fůr dem tode bei mir nicht ausenbliebe / da ich mich so nahe bei meinem lebens-ende sahe. Doch wůnschete ich nichtes anders / als daß der tod sich nur bald einstellen m \chte: als welchen nichtes grausamer / als der verzug / machet. Wie ich nun etwan zween tage also lebendig begraben gelegen / erblickte ich unversehens ein licht / das die gruft erleuchtete. Weil ich gebunden war / und auf dem růcken lage / kunte ich nicht um mich sehen: doch kamen mir endlich die jenigen / welche die lampe trugen / die dieses licht verursachete / [444] so nahe /daß ich den Prinzen Amosis / den Migdol / und den priester / der ehmals aus meiner hand / wiedaß ich ein priester der Isis sterben würde / gewarsaget hatte / ersehen kunte. Der Prinz Amosis fiele mir gleich um den hals / inzwischen der priester und der Migdol mich los macheten. Nachdem solches geschehen / und ich nicht begreifen kunte / ob dieses / was ich sahe /wahr wåre / oder ob mir träumete / sagte Amosis zu mir: Ich solte gutes muts seyn / ich wåre erlöset. Hierauf erzehlte er mir / wie gegenwårtiger priester seinem und seiner schwester bitten gehör gegeben / und zu dieser meiner befreiung hůlfliche hand mit angeleget. Ich erfuhre folgends von dem priester / wiedaß diese gruft einen verborgenen gang håtte / der in das weite feld hinaus fürete. Hierbei liesse die Prinzessin mich /durch alles was mir auf der welt zum liebsten wäre /bitten / ich solte in mein vatterland reisen / alda mein vätterliches reich einzunemen und mich kund zu geben: bei allen g \ttern mir versprechend / daß sie inzwischen den Epha nicht ehlichen / auch mir nicht wehren wolte / sie aus Egypten mit gewaffneter hand abzufordern.

Ich erfuhre dieser gestalt auf einmal so viel neues /daß ich anfangs in meine bestürzung mich noch mehr vertieffete. Endlich aber / wie ich dem Amosis fůr diese meine so unverhoffte befreiung / ja wiederbelebung / dank gesaget / und mich verpflichtet / der Prinzessin befehl nachzukommen / liesse ich mich / von dem priester und den Migdol / aus dieser gruft hinaus fůren. Weil Migdol bei mir bleiben wolte / als machten wir uns zusammen auf den weg / und namen die beschwerliche reise fůr uns / nach Ophir zu gehen: nachdem ich zuvor dem Amosis / meine sache bei der Prinzessin / nochmals auf das båste anbefohlen: dann ich ware nun verliebter / als noch jemals [445] zuvor: weil die fast erloschene hoffnung / gleich als aus der asche / wieder herfür zu blicken begunte.

Mitlerweile ich nun aus dem land war / finge der Pharao an / seine tochter mehr zu liebkosen / als er vordessen gethan / und geriete endlich gar in den wahnsinn / sie zu heuraten: welches er für keine sünde hielte / das exempel des Osiris und der Isis anfürend /von welchen etliche sagen wollen / sie seien einander eben so nahe befreundet gewesen. Der tugendhaften Amesses aber / ware dieses ein grosser greul / und spürete sie mit åuserstem unmute / daß des Pharao unrechtmäsige liebe von tag zu tag zuname. Epha war nicht der lezte / der hiervon in Libyen geruch bekame: und muste er solches um soviel mehr glåuben / weil er / als er nach glůcklich vollendeten kriege wieder nach haus kommen wolte / von hof ernstlichen befehl kame / in Libyen zu bleiben. Ich ware schon bis in Arabien gelanget / als der Prinz Amosis / durch einen eigenen bedienten / mir dieses zuentbieten liesse: welches dann verursachete / daß ich auf die wiederkehr / und in dieser noht meiner Prinzessin / mit hintansetzung aller meiner andern angelegenheiten / beizustehen /bedacht wurde. Um aber keinem menschen einigen argwahn von mir einzuråumen / kame ich / mit hůlfe des vorbenennten Isis-priesters / durch den verborgenen gang / wieder in die gruft / die ehmals meine begråbnis gewesen. Die Prinzessin / damit sie gelegenheit / mich zu sprechen / erlangen m \chte / liesse sich / nach landesgebrauch / mit fürwand einer andacht /etliche tage in das angebåude des tempels verschliessen: da ich dann aus der gruft / wann sonst niemand im tempel ware / zu ihr hinauf steigen konte. Der priester / der um unsere sachen wuste / hatte auch ihr einen schlüssel gegeben / dessen sie sich bedienen mochte / wann sie wolte in den tempel [446] gehen: und ware niemand als ihre wartfrau bei ihr / als bei nacht wir dergestalt zusammen kamen.

Wer jemals geliebet / wird sich leichtlich k \nnen einbilden / wovon diese unsere zusammensprache gehandelt habe. Meine erzelung in die änge zu bringen /wil ich allein sagen / daß ich die Prinzessin / wiewol mit grosser můhe / endlich dahin ůberredet / daß sie /ihres vatters unbilliger liebe zu entgehen / mir die erlaubnis gabe / sie aus Egypten zu entfüren. Zu dieser entschliessung wurde sie / mehr durch verzweifelung /als liebe / bewogen. Dann / um liebe willen / wolte sie ehmals / wie ich erzehlet / hiervon nichtes h \ren: nun aber / da sie in der h \chsten angst von der welt schwebete / sahe sie kein anders mittel als entweder zu sterben / oder zu entfliehen / wann sie des Pharao ansinnen entgehen wolte. Demnach erwelete sie das lezte von diesen beiden: zumal sie auch / meiner beståndigen liebe ein solches schuldig zu seyn / selber erkante. Ich wurde / nach diesem ihrem entschluß /der vergnügteste von der welt; und erinnerte ich sie hierauf dessen / was sie bei unserem ersten abschiede zu Says zu mir gesaget: es solte nåmlich ihr die welt nicht zu weit seyn / wann sie dieselbige nur mit mir durchreisen wůrde. Wir beschlossen / um sicherheit willen / mit den Assyrischen gesandten fortzugehen: welche damals von dem K \nig Bel Ochus angekommen waren / die bildnise des Osiris und der Isis nach Syrien abzuholen.

Weil wir dieserwegen etliche male / um alles recht abzureden / bei nacht zusammen kamen / als ertappete uns das lezte mal ein junger priester im tempel / der bei der Isis bilde die nacht wachete. Dieser / als er alles / wie wir zusammen kåmen / in geheim mit abgesehen / verschlosse das loch / dadurch ich allemal aus der gruft in den schmalen gang / der mich aufs feld fürete / gelangen [447] kunte. Ich hatte mit der Prinzessin abgeredet / die folgende nacht leute und pferde /durch hülfe ihres bruders des Prinzen Amosis / der von allem mitwissenschaft hatte / herbei zu schaffen /und sie also nach Baalzephon zu entfüren / da die bediente der Assyrischen gesandten lagen. Ich kunte aber / weil mir der junge priester den eingang verschlossen / zu bestimter zeit nicht in die gruft kommen: worůber ich dann heftig erschracke / als befahrend / unser anschlag wäre verraten und offenbar worden. Die Prinzessin aber / als sie den priester / der sie im tempel wieder belauret / deswegen besprochen und mit guten worten und geschenken auf ihre seite beredet / kame neben dieser gegenwårtigen frauen durch die wieder-er \ffnete gruft zu mir / als ich eben / wie besagt / in gr \sten sorgen mich befande. Wie nun der Prinz Amosis alda abschied von uns genommen /machten wir uns auf den weg nach Baalzephon zu gehen. Also kamen wir glůcklich und sicher aus Egypten hinweg: da Amesses / als lange wir mit den Assyrischen gesandten reiseten / sich männlicher kleidung bedienet.

Nachdem wir dieselben in der Moabiter lande verlassen / wandten wir uns gegen morgen / und kamen /nach langem reisen / in das K \nigreich Elam: da ich mit der Prinzessin in der stadt Hahla verharren muste / weil sie sehr unpåßlich wurde / und nicht weiter fort kunte. Ich erfuhre aber alda / daß der König von Elam / der tapfere Amraphel / krieg fůrete mit meinem herrn vatter / und der K \nig von Assyrien / als dessen mutter bruder / sich in diesen krieg mit eingemischet: welcher dann auch mit dem König der Bactrianer kriegete / durch welches land ich reisen muste / wann ich nach Ophir wolte. Weil ich nun ůberdas sowol der Ophirischen sprache als des landes unberichtet war /als bote sich [448] der getreue Migdol an / als welcher aus Ophir bürtig ware / die reise über sich zu nemen / und dem Jaziz / meinem herr vattern / meinen zustand zu er \ffnen. Es verliefe viel zeit / daß er nit wieder kame. Weil nun inzwischen es mit der Amesses sich båsserte / als beredete ich sie / wiewol mit grosser můhe / daß sie / um frische luft zu sch \pfen / und ihre traurigkeit in etwas zu mildern / sich herfür- und mit dem Elamitischen frauenzimmer bekant machete. Dann ob sie wol mich herzlich liebete / und mir \fters beteurete / daß sie kein ungemach in der welt achte /um nur bei mir zu seyn: so stiege ihr doch mehrmals zu sinne / ihr so gar verånderter zustand / und daß sie aus ihrem vatterland so heimlich entfliehen můssen /davon die ursache den wenigsten bekant ware; dannenhero sie / von b \ser nachrede / sich nicht befreiet achten kunte. Weil sie nun / auf mein bitten / unterweilen die gesellschaften besuchet / als breitete sich das gerüchte von ihrer sch \nheit bald ůberall aus /also daß / in ganz Hahla und den umligenden orten /die sch \ne ausländerin gepriesen wurde.

Ein Elamitischer Fůrst / namens Sadrach / der fürnemste nach dem König und seinem vatter dem reichsstatthalter / hatte / nicht weit von Hahla / am fluß Pison / ein lusthaus / welches sonderlich sch \n erbauet war. Dorthin fůreten uns etliche Elamitische damen / die bei uns in Hahla woneten: da dieser herr die Amesses so sch \n befande / daß sie ihn ganz verliebt machete. Dannenhero begunte er nachgehends /dieser sch \nen ausländerin / wie man sie daselbst nennte / öffentlich aufzuwarten / und liesse seiner liebe den zaum dermassen schiessen / daß er ohne sie nicht leben kunte. Als er aber ihre strångheit spürete /und dahero für seine liebe wenig hoffnung sahe / erkrankte er aus verzweifletem verlangen: [449] weswegen der reichsstatthalter selber / der Amesses wolneigung für seinen sohn zu gewinnen / bei ihr sich bemůhete /auch mir deswegen freundlich zusprache / als der ich mich ihren bruder nennte. Diese verfolgung triebe uns aus Elam / und musten wir heimlich bei nacht uns davon machen: da wir dann / den weg in das K \nigreich Bactra für unsicher achtend / wieder zu růcke gingen. Weil eben der winter einfiele / als ware es gar beschwerlich reisen: dannenhero ich mit meiner Prinzessin / als die solcher unruhe nicht gewonet / nicht wol fortzukommen wuste; die ich doch auch / wegen ihrer schönheit / an keinem orte sicher lassen kunte.

Wir verblieben in einer kleinen stadt an den Mesopotamischen gränzen / Colorina genant / und waren ganz unschlüssig / was wir weiter fůrnemen wolten: als der himmel gegenwärtige meine Prinzessin C \lidiane dorthin fůrete / welche von des K \nigs von Salem leuten / aus Bactra zurůcke kommend / daselbst durch nach ihrem vatterland begleitet wurde. Ich traffe auch alda unversehens den Sephar hier zugegen an: der dann / mich lebendig sehend / fůr grosser freude schier sterben wollen. Ich er \ffnete demselben meinen zustand / wie ich nicht wüste / wo ich mit der Amesses hin solte: die ich / bevor sie in sicherheit wåre / nicht verlassen / und doch / wegen unserer wolfart / die reise nach Ophir nicht länger verschieben k \nte. Er gabe mir gleich den raht / ich solte / die Prinzessin von Egypten / seiner Prinzessin der sch \nen Cölidiane zufüren: mit versicherung / daß sie an keinem orte in der welt vergnůgter / als zu Salem /würde leben können. Die Amesses name diesen raht mit freuden an: massen sie herzlich verlangete / nach so vielem ausgestandenen ungemach / sich einmal /wieder bei ihres gleichen und in ruhe zu sehen. Offentlich aber und bekant [450] in Salem zu leben / hielten wir für bedenklich: weil der König von Canaan mit dem Pharao in bündnis stunde / und wir besorgeten /weil es gar zu nahe bei Egypten / es würde der Amesses da-seyn nicht verschwiegen bleiben. Wir wolten nun / durch den Sephar / bei der Prinzessin uns heimlich anmelden lassen: aber wir verschoben solches /als wir den Mesan / den kammerherrn des Elamitischen statthalters / bei ihr sahen / der die Amesses in Elam oft gesehen / und wir demnach fůr ihme uns verbergen musten; zumal er / wie uns Sephar berichtete /von seines jungen herrn liebe und der flucht der sch \nen auslånderin / viel geredet.

Als nun die sch \ne C \lidiane fortreisete / und der Elamite sie bis ůber den Jordan geleitete / bliebe der Sephar mit dem troß zurůcke: mit deme wir / allemal eine tagreise spåter / ihnen nachzogen. Zu Jabes /wurden wir von der Amesses abermaliger unpåßlichkeit angehalten: da der Sephar uns bei einem seiner verwandten zur herberge brachte / auch uns einen guten arzt verschaffete. Doch musten wir daselbst über einen monden zubringen / ehe die Prinzessin wieder genesen konte. Nun m \gen es ungefår ein par wochen seyn / seit daß wir uns / hieher zu kommen /wieder auf den weg begeben. Weil der getreue Sephar uns nicht verlassen wollen / als hatten wir an ihme einen lieben reisgefärten.

Es widerfuhre uns aber auf diesem weg in einem wald eine unvermutete begebnis / die meine schwester zu uns und mit hieher brachte. Wir ersahen etliche weibesbilder / die / auf uns zukommend / uns gar ängstig fragten: Ob wir nicht / auf unserm wege / eine dame hätten angetroffen? Sie redeten so zerbrochen Syrisch / daß wir sie daran / sowol auch an ihrer frömden kleidung / für auslåndisch erkennen musten. Nachdem wir [451] sie mit Nein abgefårtiget / liefen sie wieder von uns / und begegnete uns wiederum einer zu pferd / welcher gegen uns eben dieselbige frage thäte. Weil dieser etwas verståndlicher redete / als fragte ich hinwiederum: wen sie dann verloren håtten /und woher sie kämen? Er wolte mir aber anders nichtes entdecken / als daß sie aus Ophir kåmen. Dieses machte mich nun noch begieriger / ein mehrers zu erforschen / und von meinem vatterlande etwas neues zu erfahren. Ich erbote mich / ihme die verlorne person in diesen walde suchen zu helfen / und brachte damit zuwegen / daß er sich zu mir gesellete. Ich fragte ihn /als wir fortritten / um den Ophirischen zustand: und erfuhre von ihm / daß der König Jaziz mein herr vatter todt wåre / und der Hiarbas die regirung angenommen håtte.

Diese zeitung ginge mir sehr zu herzen / indem mir dadurch das geblüte gerůret / und zugleich die begierde / dem Hiarbas meine Kron zu bestreiten / ergr \ssert wurde. Als ich ferner nach der Prinzessin Indaride fragte / ob Hiarbas dieselbe geheuratet? finge er heftig an zu seufzen / und sagte: Ach die teure Prinzessin! wisset ihr etwan / wo sie zu finden ist? ach! so verheelet es doch dem jenigen nicht / der ihr so treulich aufgewartet. Aus diesen reden vermerkete ich / daß meine schwester die verlorne dame seyn müste / welche er suchete: deswegen ich mir noch mehr angelegen seyn liesse / sie zu finden. Ich erfuhre endlich von ihme / wiedaß sie es wåre / und daß eine verzweifelung sie von ihnen abgebracht hätte / nachdem sie den tod des K \nigs Antraphel von Elam erfahren / den sie inbrůnstig geliebet. Dieses ginge mir sehr nahe / und wandten wir so grossen fleiß an / daß wir letzlich die betrübte Indaride antraffen / als sie eben im werk begriffen war / sich in einen bach zu stůrzen. Wir [452] verwehreten ihr dieses m \rdliche beginnen: sie aber / als sie den Ascadates erkant / welcher ihr kåmmerer in Ophir gewesen / verwiese sie ihme h \chlich / daß er sie nicht wolte sterben lassen. Wir sprachen ihr zu /daß sie solchen verzweifelten gedanken nicht raum geben solte. Weil sie gut Syrisch redte / als gab ich mich ihr fůr ihren bruder zu erkennen: da sie dann /ungeacht ihrer grossen traurigkeit / sich sehr erfreuete / einen so nahen blutsverwandten bei ihr zu sehen. Meine Prinzessin / gabe sich ihr hierauf auch zu erkennen.

Nachdem wir in gesamt ihr zugeredet / mit uns nach Salem zu kommen / willigte sie darein: und funden sich damit ihre dirnen auch wieder herbei / welche sie zuvor gesuchet hatten. Ich vername von ihr unterwegs / die ursachen ihrer verzweifelung / samt dem rechten zustand in Ophir: und muß ich bekennen / daß solche mächtig genug seien / einem die lust zu leben zu benemen. Der Sephar aber / in dessen hause wir hier zu Salem heimlich eingekehret / erwiese mit so starken gründen / daß man ihm selber das leben nicht nemen d \rfe / daß Indaride sich bewegen lassen / mit der Amesses / ihren schutz bei der unvergleichlichen C \lidiane zu suchen. Sie kame drei tage eher hieher als wir: weil meine Amesses / wegen abermaliger schwachheit / etwas spåter eingelanget; die nun /neben mir / der Prinzessin von Caphtor sch \nen dank saget / daß sie ihren schutz den verlassenen nicht versagen wollen.

Sie urteile nun / hochwehrte Prinzessin / ob die Amesses / so wol als ich / nicht befugt sei / um unsere geheimhaltung zu bitten / und ob nicht / die entdeckung unserer personen / uns so wol in Ophir als in Egypten schaden könte? Ich bin gewillet / mit den Ascadates die reise nach meinem reiche alsobald fůrzunemen / weil ich von [453] dem Migdol nicht erfahre / wo er geblieben sei. Ich eile von hinnen / um die Elamitische v \lker / wo m \glich / noch auf den gränzen des reiches anzutreffen / und sie zu bereden / daß sie /beides den tod ihres K \nigs Amraphel zu rächen / und mein reich dem Hiarbas abzunemen / mir beistehen wollen.


* * *


Also endete der Prinz Armizar / die erzehlung seiner geschichte. C \lidiane / nachdem sie ihm hierfür gedanket / erwiese nicht allein ein grosses mitleiden ůber der Prinzessin Amesses unglück / sondern versprache auch / ihr so wol als der Prinzessin von Ophir / nach m \glichkeit zu dienen. Sie versicherte sie darbei / an der person des Königs Melchisedech / eines so tugendhaften gemůtes / daß er / wann er schon dieser Prinzessinnen anwesenheit erfahren solte / weder dem K \nig von Canaan / noch sonst einigen menschen / zu ihrem schaden / solches offenbaren würde. Doch wolte sie es ihme / sowol als allen anderen menschen / so lang verschweigen / bis sie von ihnen selbst / sie ihme bekant zu machen / um dadurch ihnen bässere bequemlichkeit zu verschaffen / erlaubnis erlangen würde.

Der Prinz von Ophir schickete sich hierauf zum abschied: und weil C \lidiane ihme nicht hinterlich seyn wolte / als name sie die Indaride bei der hand / und begabe sich mit derselben in ein nebenzimmer: da dann der verliebte Armizar / seiner betrübten Prinzessin gute nacht zu sagen / raum gewunne. Ob nun wol dieselbe sich schon lang hierzu geschicket / auch zu erlangung ihrer ruhe / nichtes dienlicher erkante: so kunte sie doch ihre angst und bekümmernis nicht verbergen / die ihr / das andenken der gefärlichkeit von ihres Armizars beginnen / verursachete. Sie besorgete / weil sie / die meistezeit [454] ihres lebens / und absonderlich dieser liebe wegen / viel widerwärtigkeiten gehabt / es wůrde der grausame schluß des himmels ůber sie noch mehr ůbels beschlossen haben. In dieser betrachtung / stellete sie sich so betrůbt an / daß Armizar selbst zur wehmütigkeit bewogen wurde: und hatte er aller seiner beredsamkeit vonnöten / ihr einen trost einzusprechen. Wie sie nun einander ewiger wechsel-treue und beståndigkeit versichert und zur letze umarmet hatten / ginge der Armizar / ganz verst \ret und aus sich selber / nach den andern beiden Prinzessinnen / und name abschied von denselben /der Cölidiane nochmals seine Prinzessin anbefehlend. Die Indaride wůnschete ihrem bruder tausendfältiges glůck zu seinem vorhaben / welches auch von der C \lidiane beschahe. Hierauf ginge er / von dem Sephar begleitet / wieder / durch den garten / aus dem schlosse / und begabe sich nach dessen behausung /um des folgenden tags seine reise anzustellen. Cölidiane name bald darauf auch abtritt von ihren gästen /weil es schon bald morgen wolte werden: und muste sie aller behutsamkeit sich bedienen / diese bewirtung geheim zu halten. Wie sie dann ihrer eigenen schwester hiervon nichtes sagte / sondern eine andere ursach ihres ausenbleibens derselben fůrbrachte / und sich neben sie schlaffen legte.

Jaelinde aber stunde mit dem tag auf / und schickte einen von ihren kämmerern nach der Fůrstin Casbiane / ihren zustand zu erfahren: der dann die gewůnschte post zurůck brachte / wiedaß die Fůrstin wol geruhet /und grosse bässerung diese nacht entfunden hätte. Sie machte sich demnach auf / diese ihre freundin zu besuchen / spazirte / wie sie alle morgen zu thun gewonet war / in den garten / und begabe sich von dannen nach der Fürstin von Cale behausung. Ihr begegnete unterwegs / [455] auf der breiten wiesen / der Prinz Hemor: der ihr gleich die hand bote / sie nach der Casbiane zu füren. Weil nun die Prinzessin sich nicht zuvor anmelden lassen / und man ihrer / in so früher morgenzeit / sich nicht versehen hatte: als befunde sich Ahalibama / mit ihrem ritter Dison / eben bei der Casbiane / wie Hemor und Jaelinde ankamen. Zu allem glůck / ersahe sie noch im vor-saal / der Casbiane kammerjungfrau: welche dann eiligst hinein liefe /und die Fürstin von Seir / sich zu verbergen / warnete. Selbige hatte kaum so viel zeit / durch eine hintertür hinweg zu kommen. Der Dison / so ihr folgete / ward von dem Hemor / wiewol nur von hinten / noch gesehen: der aber seine Aramena allhier nicht suchete /sondern auf dem schloß sicher verwahret achtete.

Weil Hemor die Fůrstin von Cale vorher nie gesehen / als begrůssete er sie mit grosser ehrerbietung /und bezeugete ihr / sowol sein mitleiden ůber ihr unglück / als seine freude ůber ihre genesung. Weil sie ihm auch für eine verwandtin von seiner Aramena ware beschrieben worden / als bemůhete er sich um soviel mehr / sich ihr gefållig zu erweisen: zumal auch sie ihme mit aller höflichkeit hinwieder begegnete. Es hatte aber dieser gefärlicher überfall sie so bestürzt gemacht / daß sie sich lang nicht erholen kunte. Jaelinde merkte dieses / vermutete aber / daß solches deswegen geschåhe / weil sie / sowol als der Fürst Arsas ihr gemal / die gesellschaft der Sichemiten zu vermeiden trachtete: dieserwegen raunete sie ihr heimlich ins ohr / wiedaß der Prinz von ungefår mitgekommen wåre / und håtte sie es ihm nicht versagen können / als er / sie hieher zu begleiten / sich angeboten. Casbiane aber / um der Prinzessin zu erweisen / daß ihr des Prinzen anwesenheit nicht zuwider wäre /sagte zu ihm / unter anderen gespråchen: Es sei ihr die h \chste freude / vor ihrer [456] abreise den Prinzen noch zu sehen / der sich mit ihrer nahen basen verheuraten würde. Sie bate auch zum scheine / daß er ihr einigen befehl an der Aramena eltern auftragen wolte / zu denen sie bald kommen würde.

Hemor bezeugte hierauf sein verlangen / daß Casbiane dem hochzeitfest möchte beiwohnen k \nnen: welches sie aber / sowol mit ihrer unpäßlichkeit als der eiligstnötigen abreise / entschuldigte. Hemor låchelte hierüber / sagende: Wann des K \nigs beilager mit der Fürstin von Seir nicht zugleich mit angesetzet wåre / so wůrde wol der Prinzessin Casbiane unpäßlichkeit und abreis-eile so groß nicht seyn. Sie beantwortete solches mit stillschweigen / um nicht weiters zu berůren / worvon so gefårlich zu reden ware. Als die Prinzessin / bald hernach / ihren abtritt von der Fürstin wieder name / bate sie der Hemor / daß sie seine person denen Syrischen Fürsten aufs båste befehlen wolte. Damit fůrete er die Jaelinde nach dem schloßgarten: welche er / um ihr in ihren freien gedanken nicht hinterlich zu seyn / alda allein liesse / und /sich zu ergetzen / mit des Königs von Canaan und Salem bedienten auf die jagt sich begabe.

Der Dison / ware neben der Fürstin von Seir / über diesem zufall / in ein solches entsetzen gerahten / daß sie / schon verrahten zu seyn / sich befůrchteten. Und ob wol Casbiane der Ahalibama sagen liesse / daß der Hemor nichtes von ihrem da-seyn gemerket / so ware sie doch also furchtsam worden / daß sie kaum mehr aus ihrem zimmer gehen wolte / und mit der h \chsten ungedult verlangete / ehist von Salem hinweg zu reisen: worzu sie aber eher keine hoffnung hatte / als wann Casbiane völlig wůrde genesen seyn. Wie sie nun also / ihren betrübten zustand erwågend / mit dem Dison am fenster [457] stunde / kame ihr in die augen ein gebåude / welches ganz allein in einem thal lage /und rund umher mit båumen umgeben war. Als sie es lang betrachtet / fragte sie / ob niemand wůste / was dieses wäre? Brianes sagte alsofort unbedachtsam: wiedaß alda der Prinz Elieser begraben låge. Dieser bericht risse ihr von neuem ihre wunden auf / daß sie alles ihres erlittenen verlustes sich erinnerte. Doch hielte sie es / bei allen schmerzen / für ihre vergnůgung / den ort zu sehen / da ihres Eliesers leichnam lage: wie sie dann / mit dessen andenken / am fenster etliche stunden hinbrachte / daß Dison sich vergeblich bemühete / sie davon hinweg zu bringen.

Endlich fiele ihr ein / wiedaß ihre pflicht erfordere /dem Elieser ein todtenopfer zu thun / nach weise derer / die auf dem gebirge Seir wonen: welche die meinung haben / daß die todten nicht eher ruhen k \nnen / bis ein solches opfer verrichtet wäre. Wie sie nun hierum sich lange gequälet / entdeckete sie ihre betrübte begierde: da man aber die unmůglichkeit dargegen anfürete / und daß solches anderst nicht / als mit der gefahr / wieder in des Beors gewalt zu gerahten / geschehen k \nte. Der schöne Dison sagte ihr / unter an dern: Elieser wůrde schon mit ihrem guten willen zufrieden seyn / und lieber sehen / daß sie dieses opfer einstellete / als daß sie dadurch sich wieder in vorige gefahr stůrzen solte. Ob nun zwar bei ihr die furcht sehr groß war / sie auch alle die gründe fůr gůltig hielte / die ihr / sie abzumanen / fůrgebracht wurden: so ware dannoch die liebe in ihr so mächtig / daß sie darauf bestunde / in der nacht heimlich sich dahin zu begeben. Dem Demas / der durch hülfe der Casbiane kammerjungfrauen mit ihr zu sprechen kame / entdeckte sie dieses ihr gefårliches fůrhaben / und bate /daß er ihr hierzu wolte beförderlich seyn.

[458] Dieser bemühete sich erstlich gar sehr / wiewol vergebens / sie hiervon abzubringen. Als er aber ihre beståndigkeit sahe / bote er ihr seine dienste hierzu an / ginge hin / und verschaffete ihr zypressen und andere kråuter / die bei dergleichen opfern gebrauchet wurden. Sobald es nacht worden / stellete er sich bei der Fůrstin wieder ein / die mit schmerzlichem verlangen seiner wartete. Sie hatte ihr fürnemen der Casbiane anzeigen lassen / auch die anderern mit aufgesprochen / sie dahin zu begleiten: unter denen dann Dison der furchtsameste war / daß es etwan ůbel ablaufen möchte. Sie musten sich aber in ein schiff setzen / welches Demas zu dem ende heimlich dahin füren lassen: auf demselben kamen sie ůber den breiten graben / und gingen folgends / beim schein des mondes / so lange fort / bis sie des Eliesers grab erreicheten. Dieses war ehmals eines Königs von Sichem grab gewesen / der es dahin bauen lassen / und sehr k \stlich aufgefüret. Von ausen stunden / auf einem durchbrochenen felsen / fůnf dreieckichte hohe spitz-seulen oder pyramiden /von denen die mitlere fůr den andern hervorragete. Es ware um den felsen an vier ecken ausgehauen / und inwendig gar tief / daß man viel staffeln hinunter steigen muste / ehe man zu dem grab kame.

Die verkleidete Aramena / als eine geheiligte jungfrau der Diana / wolte und durfte sich nicht verunreinigen bei den todten: verbliebe deswegen / neben dem Brianes / Zimenes und Tirzis / oben fůr der höle. Ahalibama aber / von der Astale und dem Demas begleitet / stiege hinab. Sie funde ihren Elieser / bei brennung vieler lampen / auf einen roste ligen / eingewunden in starke balsamirte tücher. Neben ihm stunde ein krug / darinn sein herz und eingeweide aufbewahret wurde. Wann Astale und der Demas sie nit begriffen hätte / würde sie [459] gerad auf den k \rper niedergefallen seyn. Als sie / nach vielen vergossenen thrånen / sich etwas erholet / kniehete sie bei der leiche nieder / und verrichtete ihr gebet: worauf sie / dem todten zu ehren / das opfer anstellete.

Mitlerweile sie diese traurige letz-ehre dem Elieser erwiese / hatten droben Dison / Brianes / Zimenes und Tirzis in die vier eingänge des felsen sich verteilet /um aufsicht zu haben / wann etwan jemand dahin kommen solte. Es ware dergestalt fast eine stunde verlaufen / als die verstellte Prinzessin ein geråusche nahe bei ihr in den büschen vername / und bald darauf zwo personen sahe herfůr reiten / welche / als sie von den pferden abgestiegen / sich nicht weit von dem felsen gerad gegen ihr über setzeten. Weil ihnen der mond in das gesichte schiene / als liesse sich der eine fůr einen ansehnlichen ritter / der andere aber fůr einen priester erkennen: und zwar für eben denselbigen / der fůr etlichen tagen / neben einer fr \mden weibsperson / sich bei nacht im garten sehen lassen. Wie sie nun damals begierig gewesen / solche frömde zu kennen / also ward die begierde nun bei ihr erneuret / und machte sie aufhorchen: ob sie etwan etwas reden und dadurch sich kund geben möchten.

Sie hatte nicht fehl gedacht / und hörete bald den einen also sagen: Ach Sephar! wozu läst es mein verhångnis mit mir kommen / daß ich nun fliehen muß /dessen ich ungewonet bin. Man muß sich (antwortete der andere /) der zeit und anderer umstände bedienen /und wird das dem grossen Armizar nicht schimpflich seyn / daß er jezt vor dem Prinzen von Sichem geflohen: weil / ganz Egypten und Morenland / von dessen herzhaftigkeit zeugen können. Es scheinet (sagte der erste wieder) der grausame himmel wolle allenthalben hinterung in mein vorhaben einschieben: weil mir nun auch dieses [460] noch begegnen müssen / meine reise zu behintern. Wie kame es aber / (fragte der andere /) daß mein Prinz von dem Hemor gesehen wurde?

Als ich (hube der erste an zu erzehlen /) mit dem Ascadates heute frůh von euch abschied name / um meine reise fortzusetzen / begegnete uns um mittag in dem walde / der nahe hierbei liget / und sich / wie ihr wisset / auf etliche meilen erstrecket / der Prinz Hemor / von allen Sichemitischen herren begleitet /welcher jagens halber dahin gekommen war. Wie ich die mänge der leute sahe / rante ich mit dem Ascadates fort: damit nicht einer unter so vielen / mich ersehend / einige kentnis von mir haben / und also mich verrahten m \gte. Wie ich aber spůren kunte / so wurde der Hemor meiner gewar / und durch mir-unwissende ursachen getrieben / sandte er mir von den seinigen etliche nach / die mich anhalten solten. Die geschwindigkeit unserer pferde dienete uns / ihr beginnen lange vergeblich zu machen. Wie mich aber in die långe verdrosse / mich also verfolgen zu lassen /wandte ich mich um in geschwinder eile / und mein gesichte so gut verbergend als ich kunte / zoge ich von leder / und hiesse meine verfolgere damit von ihrem fůrnemen abstehen. Sie rieffen aber alle einer dem andern zu: man solte den Tharsis fahen! und grieffen mich damit sämtlich an. Ich wůrde auch /wann ich nicht eine gerechte sache gehabt / und der Ascadates mir nicht treulich beigestanden wäre /wegen der månge haben erligen můssen. Sie entfunden aber alle dergestalt meinen arm / daß mir keiner mehr nahen dörfte / und sie sich / viel todte hinterlassend / in die flucht begeben musten.

Hemor dieses von weiten sehend / befande sich durch der seinigen niderlage sehr verh \net / und sandte seinen waffentråger zu mir / der mir sagen muste: Ich m \chte [461] es mit seinem herrn selbst versuchen / als welcher begierig wåre / der seinigen tod an mir zu rächen. Weil ich nun nicht gewonet / dergleichen ausfoderung abzuschlagen / als setzete ich alles hintan /was mir bedenklich seyn k \nnen / und ritte / mit dem waffentråger / dem Hemor zu. Als ich ihme aber etwas näher gekommen / sahe ich bei dem Prinzen von Canaan jemand reiten / den ich zu kennen vermeinete. Ich fragte den waffenträger: ob dieser / der bei seinem herrn ritte / nicht der Elamite Mesan wäre? Als der solches mit ja beantwortet / ånderte ich meinen schluß / und befunde unratsam / dem Mesan mein gesicht sehen zu lassen / als welcher daraus der Prinzessin nahe anwesenheit auch vermuten wůrde. Demnach wandte ich mein pferd / und sägte zu dem waffentråger: Er solte seinem herrn vermelden / wiedaß eine unumgångliche noht mich triebe / sein begehren jezt nicht zu erfůllen; ich z \ge aber hin / ein grosses reich einzunemen / da dann / wie ich hoffete / dergleichen thaten von mir solten kůndig werden / daß er nicht ursach haben solte / diese verweigerung des kampfs vor einige feigheit auszudeuten. Hiemit rennte ich fort / der antwort unerwartet. Und ob wol Hemor mit den seinigen bis gegen den abend mich verfolgete / so kunten sie mich dennoch nicht einholen: und alle die jenigen / welche mir zu nahe kamen / entfunden meinen säbel dermassen / daß solches den andern zum schrecken und zur warnung dienete / mich nicht so gar eifrig zu verfolgen. Endlich funde ich ein dickes gebůsche / da ich mich mit dem Ascadates leichtlich verbergen kunte. Als sie mich darinn verloren / ritte ich wieder zu euch / mein Sephar / und liesse den Ascadates acht haben / wann der Hemor wieder in Salem würde eingelangt seyn: da ich ihn / bei diesem grabe mich zu suchen / [462] bestellet / und nun seiner wiederkunft mit schmerzen erwarte.

Allem ansehen nach (antwortete Sephar) hat man meinen Prinzen für den Tharsis angesehen / von deme ich h \ren sagen / daß er soll die Prinzessin von Chaldea lieben / welche ihm der Hernor zu einer braut hat auserwehlet: und ist es doch all verwundersam / daß so was unvermutliches des Prinzen reise behintern můssen. Indeme sie noch spracheten / kame einer eiligst zu ihnen gerannt / der in fr \mder sprache zu dem Armizar sagte: der Hemor wůrde bald hieher kommen / solte er demnach von dannen hinweg eilen. Der Prinz thåte solches alsofort / neben dem Sephar: aber Aramena / weil dieselbe sprache ihr unbekant war /konte die ursach dieses hinwegeilens nicht begreifen. Sie wurde aber gewar / daß der priester / indem er sich auf sein pferd schwunge / einen zedel fallen liesse. Diesen hube sie von der erden auf / sobald sie hinweg waren; und weil der mond gar hell schiene /als konte sie folgende zeilen in Egyptischer sprache darinn lesen:


Ob ich zwar unaussprechliche marter entfinde / von hinnen zu scheiden: so tröstet mich doch die versicherung eurer beständigen liebe / und daß ich euch bei der unvergleichlichen Cölidiane in so sicherm schutze weiß; weil ich auch der fästen hoffnung lebe / der gerechte himmel werde mit unseren bisher ausgestandenen verfolgungen vergnügt seyn / und mich die Kron für euch / liebste Prinzessin! erwerben lassen / welche ihr allein zu tragen würdig seit. Bis dahin befästet euer herz in gedult / und erinnert euch stäts / bei der gegenwart meiner schwester / ihres [463] abwesenden bruders. Dieselbe wird euch allemal versichern / daß ich unaufhörlich bin

Euer ergebenster Diener.


Der inhalt dieser schrift / ware der verstellten Aramena so unverständlich / daß sie nichtes davon begreifen kunte: und dienete ihr alles dieses / was sie geh \ret / zu nichtes / als daß sie ihr daraus des Tharsis gegenwart in der nåhe einbildete. Inzwischen / der Ahalibama wiederkunft aus dem grabe / sich noch etwas verzoge / die sie dann in ihrer andacht nicht verst \ren dorfte: wurde sie von dem schlaff ůberfallen. Sie ware aber kaum in so sůsse ruhe begraben /da kame der Prinz Hemor / von dem Salma begleitet /daselbsthin / und vermeinte den flůchtig vermeinten Tharsis alda anzutreffen / welchen er / den ganzen nachmittag / vergeblich verfolget hatte. Weil er gewisse nachricht von dem Salma bekommen / daß dieser Tharsis / der bereits einmal / von Thanac / ihme seine Aramena entfůret / wiederum einen heimlichen anschlag auf diese Prinzessin habe: als verursachte solches bei diesem verliebten den eifer / den er dißfalls verspüren liesse. Weil ihme so wenig / als jemanden von seinen leuten / der Tharsis von gesicht bekant war / als kunte der Armizar gar leicht dafür angesehen und gehalten werden: allermeist / da derselbige / durch seine flucht und bedeckung des angesichtes / sich hatte verdåchtig gemacht.

Der schlaffende Dison / kehrte das angesicht nach der wand des felsens / und liesse dem Hemor nichtes /als eine hand / von seiner unvergleichlichen sch \nheit sehen: der dann in seinem herzen bekante / daß er /seiner Prinzessin hånde ausgenommen / niemals eine schönere gesehen. Diese zarte hand hielte einen zedel / welchen der [464] [466]Prinz zu lesen begierig wurde: dannenhero er leise hinzu schliche / und denselben hinweg name. Eine innerliche regung triebe ihn hierauf an /diesem jüngling ins gesicht zu sehen: er kunte aber nicht dazu gelangen. Weil die h \flichkeit ihm verwehrete / einen frömden an seiner ruhe / und sonderlich bei den gräbern / welche heilig geachtet sind / zu beunruhigen: als begabe er sich wieder von ihme / und hoffete / der entfürte zedel solte ihn genug verståndigen. Er durchlase selbigen begierig / und wiederholte solches zum \ftern: fande aber so wenig klarheit darinnen / daß er nichts ůberall davon verstunde.

Inzwischen endete sich der Ahalibama betrübtes opfer: welche / als sie / auf anmanen des Demas /ihren liebsten Elieser wieder verlassen můste / zuvor auf einen schwarz-marmornen krug / darein sie häufig ihre thrånen hatte fallen lassen / mit einem eisernen griffel folgende trauer-reimen schriebe:


Nim diese thränen hin /

die ich um dich vergiesse /

O Prinz! der du mir warst / was ich dir annoch bin.

Wann dem gebot mir nicht das leben liesse /

so würde dieser stein /

der ewig soll die thränen hier bewahren /

mich selber schliessen ein /

und mich mit dir im tode fåst bepaaren.


Hierauf küssete sie noch einmal zu guter letze den erkalteten k \rper / und liesse sich von der Astale und dem Demas wieder hinauf begleiten: da dann Tirzis /Brianes und Zimenes / h \chst beängstigt / ihr den schlaffenden Dison und den anwesenden Hemor zeigeten.

Ein kalter schaur überfiele sie hierüber / daß sie /nun von schrecken und betrübnis zugleich eingenommen / nicht wuste / was sie beginnen solte. Sie rieffe etliche mal / in dieser angst / den namen Dison: vermeinend / [466] dadurch die Aramena wach zu machen /daß sie zu ihnen käme. Diese nennung des Disons hörete der Hemor sobald / als der schlaffende jůngling: welcher dann erwachend / umher sahe / und den Hemor gleich erkennete. Hierüber sprange er erschrocken auf / und liefe halb todt / zu den andern / in die innere gruft. Sie seumeten sich nicht / in eine nebenhöle sich zu verkriechen: da sie / wegen der dunkelheit / nicht befahren durften / von dem Hemor gefunden zu werden. Dieser Prinz fassete den geh \rten namen Dison wol in sein gedåchtnis / und bewahrete fleissig den gefundenen zedel / der ihm allerhand seltsames nachdenken machete. Vom Salma angemanet /begabe er sich wieder zu pferd: mit den andern in des Jarah lusthause zu ůbernachten / weil das schloß bei nacht nie ge \ffnet wurde. Das übrige der nacht verbrachte er mit stätigem nachsinnen: wiewol er nichts gewisses / aus allem / noch zur zeit abnemen und schliessen kunte.

Aramena / die ihm dißmal so nahe gewesen / neben der Fürstin von Seir / schicketen den Demas / als sie eine gute weile gelauret / aus der h \le / um zu erforschen / ob der Prinz noch vorhanden wåre. Selbiger /wie er aller orten es ledig gefunden / kehrte mit dieser erfreulichen zeitung zurůcke / und brachte sie folgends sicher und ohne gefahr in der Casbiane behausung: sie ernstlich vermanend / daß sie ferner still und in ihrem gemach sich inn halten solten / damit sie nicht m \chten einmal entdecket werden. Diese heilsame lehre namen sie auch nun fleissig in acht / so gar /daß Ahalibama sich nicht mehr getrauete / die Casbiane zu besuchen. Sie erwarteten also mit grosser angst des gefärlichen tages / da ihre flucht würde müssen offenbar werden / und lebeten in nicht geringer sorge / ihr grausames verhångnis m \chte [467] noch nicht schlüssig seyn / an ihren so lang ausgestandenen verfolgungen ein ende zu machen. Je mehr aber dieser ihre furcht zuname / je grösser wurde das verlangen bei dem verliebten vatter und sohne / nach der herzu-nahenden zeit ihrer glückseligkeit: also daß sie kaum die wenige hinterstellige tage mit gedult erharren konten.

Als endlich der gewůnschte morgen angebrochen /der dem Beor seine Ahalibama / und dem Hemor die Aramena / zu eigen geben solte / sandte der König die Fürstin Thoris / mit k \stlichen kleidern / zu den beiden Prinzessinnen von Caphtor / und liesse sie bitten /selbige der Ahalibama und Aramena zu überlieferen /und diese beide bräute damit auszieren zu helfen: welches Cölidiane / so wol als Jaelinde / willigst über sich namen. Wie nun / nach gewonheit / alle jungfrauen / die in Salem waren / aufs schönste geschmůcket /sich in der Prinzessinnen gemach eingefunden hatten /begaben sie sich sämtlich / in zierlicher ordnung /nach dem verschlossenen zimmer. Zuvorderst / gingen die königliche musikanten; und nach ihnen / vier und zwanzig adeliche knaben / die da früchte und zuckerwerk / neben anderen kostbaren geschenken fůr die beide bräute / mit sich brachten. Hierauf folgete die sch \ne C \lidiane / neben ihrer schwester: deren jene /der Ahalibama brautrock / welcher über und über von diamanten glånzete / diese aber der Aramena ihren /der mit perlen reichlich gestickt ware / daher trugen. Auf diese kamen Calaride / Thoris / und alle andere anwesende damen.

Wie nun die bisher-verschlossen-gehaltene thür geöffnet worden / traten die beide Prinzessinnen hinein /neben der glückwünschung / den beiden bråuten ihre kleidungen zu ůberreichen und anzuschmůcken. Sie sahen sich [468] aller orten nach ihnen um: und wie die erschrockene Calaride ihre anvertraute Aramena / und Thoris die Ahalibama / nirgend funden / anete ihnen gleich etwas von der warheit. Nachdem sie endlich eine kammer zu hinterst ge \ffnet / funden sie die zwei zurückgelassene dirnen / welche / wie abgeredet worden / einander an des bettes pfosten gebunden hatten. Als nun Calaride sie befragte / wie sie in diesen stand geraten / und wo die Prinzessinnen wåren? sagte die eine: wiedaß / diese nacht / etliche personen in das fenster / nachdem sie die eiserne gitter abgehoben /gestiegen / und die beide bråute / durch hůlfe einer wurfleiter / hinunter in den garten gebracht håtten. Sie und ihre gespielen håtten zwar der wacht solches anmelden wollen / wären aber dergestalt von diesen fr \mden angebunden worden: und würde man im gemach auf dem tisch von der Ahalibama und Aramena zwei schreiben fingen / die ihnen vieleicht mehr / als sie wůste / entdecken k \nten. Die dirne wuste dieses so scheinbarlich und jammerend fůrzubringen / daß die andern es alle gläubeten / die dann hierůber unbeschreiblich sich entsetzeten.

Das geschrei / daß die K \nigliche bräute in ihren gemächern nicht wären gefunden worden / breitete sich alsobald im ganzen schloß aus / und kame endlich auch vor den K \nig Beor: der eben im werk begriffen war / sich seiner braut auf das herrlichste im königlichen schmuck sehen zu lassen. Er eilete / ganz erstaunet / nach dem gemach / da C \lidiane und Jaelinde / halb entselbstet / noch mit den brautkleidern stunden. Er durfte nach der Ahalivama flucht nicht fragen / weil ihrer aller erschrockene angesichter solches genug bezeugeten / und ihm sein unglůck ankündigten. Die Thoris überreichete ihm die zwei schreiben / die auf dem tisch waren gefunden [469] worden. Nachdem er der Ahalibama ihres / so an ihn lautete /abgelesen / rieffe er: O hartnåckichte feindin meiner ruhe! und begunte die anwesenden zugleich so ergrimmt und betrůbt anzusehen / daß er die herzen der meisten mit furcht und mitleiden anfüllete.

Indem kame auch der K \nig von Salem dazu /neben dem Fürsten Beri / dem Sobal von Seir / und dem Prinzen Hemor: welcher letzere schier wolte unsinnig werden / als er die flucht seiner Aramena innen wurde. Sein betrůbter vatter gabe ihm der Aramena gefundenes schreiben: dessen ablesung / ihn seines unglücks versicherte. Weil er sich gleich des zedels erinnerte / den er vor vier tagen bei des Eliesers grab gefunden / geriete er in den argwan / C \lidiane můsse um diese flucht wissen / und sahe sie gar scharf an: die aber ein so unschuldiges wesen von sich blicken liesse / daß er das herz nicht fassen kunte / sie hierüber zu besprechen. Der Fürst Sobal von Seir / bezeugete imgleichen sein grosses misfallen ob dieser flucht von seines bruders tochter. Kurz! jedermann war so verwirret / daß sie nur einander ansahen / ohne daß sie ergrůnden konten / wie dieses zugegangen. Melchisedech / um dem Beor zu erweisen / daß er hieran ganz unschuldig / liesse aller orten fleissige nachsuchung anstellen. Weil man auch der aussage der beiden dirnen gläubte / daß sie erst verwichene nacht entkommen wären: als vermuteten sie / daß sie noch nicht weit von Salem hinweg seyn könten. Demnach wurden auf alle strassen leute ausgesendet / mit allem fleisse sie zu suchen und auszuforschen. Kein ort im garten / bliebe unbesehen: und weil Hemor sie bei des Eliesers grab vermutete / als rannte er wie ein rasender daselbsthin / da er aber alles leer gefunden.

Der K \nig Beor geriete hierůber in eine so tiefe traurigkeit / [470] daß er niemand um sich sehen noch leiden wolte: und schmerzete ihn / nicht allein seiner Ahalibama abermaliger verlust / sondern auch der schimpf / daß mitten in seinem lande / auf einen so festen schlosse / da auch zwei Könige zugegen gewesen / so ein raub geschehen k \nnen. Wann er bedachte /wie Cölidiane den sterbenden Elieser ehmals heimlich zu besuchen gewust / geriete er in starken argwan / sie oder Melchisedech selber håtte der Ahalibama davon geholfen: allermeist wann er auch des Fürsten Arsas fleissige besuchungen / die er bei dem Melchisedech und den Prinzessinnen abgeleget / erwoge / die ohnzweifel auf die hinterung dieser heurat m \chten gezielet haben. Weil er dem Demas in allem trauete / als gedachte er nicht an denselben / daß er ihn also solte betrogen haben. Doch wurden die söldner scharf befraget / die für dem zimmer wacht gehalten: aus denen man aber / weil sie unschuldig waren / nichtes bringen kunte.

Casbiane erfuhre auch zeitlich in ihrem hause / was auf dem schloß fůrginge / und wolte lang nicht dem geschrei von der Aramena flucht glauben beimessen: bis folgenden tags der bekůmmerte Thebah und die wehemütige Calaride zu ihr kamen / und die unbesonnenheit der Aramena ihr mit thränen klageten. Die Fürstin von Cale wuste nicht / was sie hiervon denken solte / weil sie gewiß glåubete / daß Aramena nicht mit der Fürstin von Seir wåre durch den Demas befreiet worden: über deren flucht sie sich äuserlich ja so bestürzt anstellete / als sie es wegen der Aramena innerlich im herzen war. Der alte Thebah / der sich gar nicht wolte zufrieden geben / fürete die betrübteste reden / und beklagte / wie soviel das ganze Syrien hierdurch verloren: und hätte fast der schmerz / von der Aramena wahrer [471] geburt / ihn etwas entdecken gemacht. Weil Casbiane sich nun wieder zimlich wol auf befunde / als beschlosse sie / in etlichen tagen ihre reise fürzunemen. Calaride bote sich zur reisgefårtin an: wurde aber durch den Thebah zurůcke gehalten /der es für thunlicher achtete / solang in Canaan zu verbleiben / bis eigentliche nachricht von Aramenen hingelangen m \chte. Casbiane stimmete ihm bei / und halfe sie hierzu bereden: weil sie nicht wolte / daß Calaride eher / als in Damasco / der Ahalibama flucht erfahren solte.

Sobald Calaride mit dem Thebah wieder von ihr hinweg waren / ginge Casbiane nach der Ahalibama gemach: die sie neben den andern / wegen dieses handels / in grossen ängsten fande. Sie erzehlte ihnen alles / was bei hof fürgegangen: insonderheit / daß Aramena ebenfalls nicht wåre gefunden worden. Die Fürstin von Seir stellete sich hierbei ganz unwissend an / und Dison / der mit im gemach war / bliebe in so freiem wesen / daß man ihn in keinen verdacht ziehen kunte. Casbiane fragte unter andern: was doch wol eigentlich / solchen haß gegen den Prinzen von Canaan / in der Aramena herzen erwecken m \chte? zumal ja an diesem herrn nichtes zu finden / das nicht liebens würdig wåre. Ob wol (gabe Ahalibama zur antwort) das gefallen unterschiedlich ist / und vieleicht dieser Prinz der sch \nen Aramena nicht anstehen mögen: so halte ich doch dafür / ihr gelübde / so sie der G \ttin Diana gethan / werde diese widerspånstigkeit verursachet haben.

Es ist aber (antwortete Casbiane) dieses gelübde nicht gültig: dann ich von ihren anverwandten zum öftern verstanden / daß sie hierzu von ihren eltern niemals erlaubnis bekommen k \nnen. So kan auch solches darum nicht zugelassen werden / weil sie eine einzige [472] tochter / und von königlichen geschlecht entsprossen ist / die den stammen noch fortpflanzen kan. Es ist mir leid um sie / daß sie sich also gr \blich verstossen / und wird ihr dieser ungehorsam keine gute nachrede bringen. Dison / der dieses mit anh \rete /håtte die Aramena gern verantwortet / dorfte es aber nicht thun / und überliesse solches der Ahalibama /die hierauf sagete: So lang ich die Prinzessin von Chaldea gekant / habe ich / neben ihren andern tugenden / solche bedachtsamkeit bei ihr befunden / daß ich gewiß dafür halte / sie werde ihre flucht zuvor wol haben ůberleget; und achte ich meines orts ihr gelübde so rechtmåsig / daß ich selber entschlossen bin /selbigen orden anzunemen / und mein übriges leben der Diana aufzuopfern. Ich wil (beantwortete Casbiane lächlend) die Aramena nun nicht mehr beschuldigen / weil sie eine so gute fůrsprache bekommen. Was aber diese der Ahalibama entschliessung betrifft / selber nach Ninive in den tempel zu gehen: hoffe ich /selbige werde ihr in Syrien wol ausgeredet werden /wann meine K \nigin diesen vorsatz wird erfahren haben.

Hiemit kame der Demas zu ihnen hinein / der Ahalibama dirne mitbringend / die von ihrer Fůrstin mit freuden aufgenommen wurde: der Aramena hinterlassene dirne aber / war bei der Calaride geblieben. Die ser hauptmann / weil er wuste / daß er der Aramena zustand für der Casbiane muste heimlich halten / stellete sich an / als ob er nichtes von den umständen ihrer flucht sagen könte / und berichtete allein / in was verwirrung jezt der hof stünde; wie Melchisedech und Beor halb uneins geworden / da der lezte den ersten in verdacht gezogen; und wie gleichwol niemand auf ihn einigen verdacht wůrfe / daß er der jenige sei /der durch den garten die Ahalibama håtte davon gebracht. Er gabe nun [473] ferner den raht / Casbiane solte ja nicht eher hinweg reisen / als bis die ausgeschickten /welche jezt alle strassen beritten / wieder zu hause seyn wůrden. Damit aber die Fůrstin von Cale sich auser allen verdacht setzen m \chte / beschlosse sie /wiewol sie noch nicht völlig wieder genesen / gen hof zu gehen / und nochmals von den Prinzessinnen abschied zu nemen.

Sie fande / als sie solches den andern tag ins werk setzete / die beide schwestern von Caphtor sehr betrübet: sonderlich die Cölidiane / welche h \chst betraurete / daß Ahalibama / ohne daß sie dieselbige zum wahren glauben bekehret / sich also von ihr verloren hatte. Sie besorgeten auch sehr / dieser handel dörfte eine grosse feindschaft zwischen dem K \nig von Canaan und dem Melchisedech erwecken / die dann über diesen ihren vettern hinausgehen würde: dann der Beor wolte es ihm nicht aus dem sinn reden lassen /daß sie nicht allerseits um der Ahalibama flucht wissenschaft trůgen. Weil sie nun des Beors gemüte sehr rachgierig kenneten / als konten sie nicht anderst / als hieraus viel b \ses befahren. Casbiane suchete sie hiemit wieder zufrieden zu sprechen / daß des Beors grimm sich gleich wieder legen würde / wann man erfahren / wo Ahalibama hingekommen; und wie unmůglich es wåre / daß solches gar lang könte verborgen bleiben. Wie sie nun fast den ganzen tag mit den beiden Prinzessinnen zugebracht / name sie ihren abschied: da dann dieselben sich der K \nigin von Ninive aufs demütigste anbefehlen liessen / und ihr zugleich erwiesen / daß sie durch ihre gegenwart sich sonders vergnügt befunden.

Der verliebte Hemor ware inzwischen nicht zu tr \sten / und vermehrte sich sein und des K \nigs leidwesen noch um ein grosses / als nach etlichen tagen /von allen [474] orten / die ausgeschickten wieder kamen /und nit einige nachricht von den Prinzessinnen mitbrachten. Wie nun der Prinz alles genäuer bei sich überlegte / geriete er in den wahn: ob auch wol Cölidiane die Aramena und Ahalibama verborgen in Salem heimlich aufbehalten / und Aramena der Ahalibama brudern lieben möchte? Wie dann der gefundene zedel ihme zu diesen gedanken anlaß gabe / welchen er bei einem frömden jüngling gefunden / deme man mit dem namen Dison geruffen. Er zoge demnach den zedel wieder herfůr / und überlase ihn nochmals mit bedacht: wordurch er dann in seiner einbildung gestärket wurde. Als eben damals der Thebah zu ihm kame / offenbarte er ihm gleich seine gedanken / und legte die schrift also aus: Sehet ihr wol / mein vatter! (sagte er zu dem Thebah /) daß dieser schreiber verliebt gewesen / daß er gegenliebe genossen / daß seine Prinzessin in der C \lidiane verwahrung sei / daß er ihr ein reich / so ihr zugeh \ret / einnemen wil / und daß er eine schwester in ihrer gesellschaft habe / die einen grossen verlust elitten. Wer kan dieser sonst seyn / als der Dison? der die Aramena liebet / der von Cölidianen heimlich allhier geheget wird / der ihr Syrien einzunemen bemühet ist / und der die Ahalibama bei ihr weiß / welche den Fürsten Elieser verloren. Kan auch wol der warheit etwas ånlicher / als dieses /seyn? So habe ich auch / mit diesem namen / neulich einen fr \mdling nennen h \ren. Bin ich nicht unglückseelig / daß ich / in verlierung meiner Prinzesessin /einen so geliebten mitbuler finde?

Der alte Thebah / als er den Prinzen also reden hörete / befande alles so müglich / daß er fast im geringsten nicht mehr daran zweifelte. Dann es liesse sich mutmassen / daß der Fürst von Seir / der Dison / seinen sinn / ein Isis-priester zu bleiben / verloren / und von der Aramena [475] schönheit sich gewinnen lassen: die vieleicht auch von der Calaride / wider des Thebah wissen / ihre geburt erfahren / und von der Ahalibama ůberredet worden / diesen Fůrsten zu lieben. Thebah wuste nicht / was er hierzu sagen solte: dann diese einbildung ihme lieber war / als wann Aramena in den Tempel nach Ninive gegangen wåre. Mitlerweile er dieses also bei sich bedachte / überlase der Prinz auch nochmals der Aramena schreiben; das dann in seiner eiversucht ihn stårkete / und in diese worte heraus brechen machete: Ach Aramena! ihr habt dem glůcklichen Dison eure treue gelobet / ehe ihr mich gesehen; und habet nichtes mehr für mich übrig / als meine freundin zu seyn / weil ihr des Disons verlobte Aramena heisset. Die viele seufzer liessen ihm nicht zu /seine klage fortzusetzen. Der Thebah hatte sich inzwischen bedacht / und befunde fůr Syrien nützlicher /daß Hemor der Aramena gemal und K \nig in Syrien würde / als der Dison: weil der K \nig von Canaan mehr macht hatte / sich bei dem reiche Syrien zu erhalten / als ein Fürst von Seir. Demnach gabt er dem Prinzen den raht / er solte seine einbildung alsobald seinem herr vattern kund machen: damit er von dem Melchisedech erhalten möge / dieserwegen bei der Cölidiane eine anfrage und nachsuchung anzustellen.

Der verliebte Hemor säumete nun nicht / dieses seinem herr vatter zu hinterbringen: den er damit so voll hoffnung machete / daß er bereits die verlorne Ahalibama wieder gefunden achtete. Demnach begabe er sich gleich zu dem Melchisedech: den er mit seinem anbringen / als ob von Cölidiane die beiden Prinzessinnen heimlich aufenthalten würden / sehr erschreckete. Er beteurete gar hoch / daß er solches so wenig wisse / als glauben k \nne / und liesse alsobald die C \lidiane beruffen: [476] die er dann / in des Beors gegenwart / hierum befragte. Diese gute Prinzessin erblassete / als ihr diese bezüchtigung angemeldet / und /auf ihr leugnen / die gefundene schrift / darinn ihr name zu lesen war / fürgewiesen wurde. Sie erriete wol / daß Armizar / allen umstånden nach / dieses müste an die Amesses geschrieben haben: sie wolte aber dieselbige nicht verrahten / und verneinte ferner /daß sie etwas hierum wisse. Sie thäte aber solches mit so ungewissen gebärden / daß Beor in seiner einbildung gestårket und Melchisedech ganz verwirret wurde.

Ich weiß nicht (sagte Beor /) was ich hiervon denken oder gläuben soll. Der K \nig von Salem wird mir nicht verargen / wann ich / auf die seine zu kommen /die gemächer der Cölidiane samt allen heimlichen \rtern dieses schlosses durchsuchen lasse: dann die umstånde sind so deutlich / daß ich nicht zweifele /das zu finden / was ich suche. C \lidiane / dieses hörend / ward sehr beängstiget; und Melchisedech / der solches sahe / zoge seine Nichte auf eine seite / und fragte sie / ob sie dann hierum wüste? Sie beteurete bei dem höchsten Gott / daß sie von der Ahalibama und Aramena nichtes sagen k \nte. Was aber das schreiben belangte / darinn ihr name stünde / hätte sie zwar davon einige kentnis: sie dörfte aber davon nichts offenbaren / bevor ihr solches von den personen / die es anginge / und die heimlich bei ihr wären /erlaubet würde; welches zu erlangen / sie gleich hingehen wolte. Melchisedech / um den Beor zu befriedigen / sagte ihm / was er von ihr gehört. Selbiger wolte aber der Cölidiane nicht trauen / daß sie von ihnen hinweg ginge: dann er besorgete / sie m \chte die Ahalibama warnen / oder weiter verstecken. Demnach begehrte er / selber mitzugehen: das dann die Prinzessin muste geschehen lassen / weil sie kein anders mittel sahe / aus dem [477] verdacht zu kommen. Doch ersuchte sie beide Könige / daß sie die namen derer / die sich in ihren schutz begeben håtten / nicht wolten zu wissen begehren.

Also ginge sie / in begleitung des Beors und Melchisedech / durch den garten / nach den gewölbten felszimmern / dahinein sie beide K \nige fürete. Selbige ersahen / mit h \chster verwunderung / zwo schöne damen / neben etlichen andern personen / die da schienen / ihre bediente zu seyn. Die beide damen wurden so bestürzet / sich also überfallen und ihrer meinung nach verrahten zu sehen / daß / wann C \lidiane nicht wäre fürangegangen / sie für entsetzen hätten vergehen mögen. Vergebet mir / wehrte freundinnen / (sagte C \lidiane zu ihnen /) daß ich die K \nige von Canaan und Salem zu euch herein füre! Ich habe dadurch meine unschuld müssen an den tag bringen: weil man mich / aus dieser sendschrift / in verdacht hält / als wüste ich um die flucht der bräute des K \nigs und Prinzens von Canaan. Es wird aber meine Prinzessin / (sagte sie ferner / sich zu der Amesses kehrend /) ohne entdeckung ihrer namen / welche die Könige nicht zu wissen begehren / allhier sagen k \nnen / ob ihr dieser zedel gehöre / und ob ihre gespielin die schwester des jenigen sei / der sie liebet. Hiermit überreichete sie der Amesses den zedel; welche / ganz erschrocken / ihres liebsten Armizars hand erkennte / und der C \lidiane diese antwort gabe: Ich bekenne / daß dieser brief an mich geschrieben / und daß meine gespielin allhier des jenigen schwester ist / der dieses geschrieben. Wolan! (sagte hierauf Cölidiane zum Beor /) sind E. Maj. nun zufrieden? und haben sie die Ahalibama bei mir gefunden? Ich sehe wol / (antwortete Beor /) daß hier Ahalibama nicht ist: sie kan aber / gleich dieser fr \mden / auch anderswo hierum verborgen aufbehalten [478] werden. E. Maj. m \gen suchen / wo sie wollen: (gabe C \lidiane zur antwort /) wann ich nur dieser beiden sicherheit erhalten kan / so habe ich sonst nichtes zu bewahren.

Der ungedultige Beor verharrete in seinem fůrsatze / ferner nachsuchen zu lassen. Cölidiane aber bate den Melchisedech um vergebung / daß sie / ohne sein vorbewust / diese fr \mden eingenommen / die so sehr /um allhier geheim zu bleiben / gebeten hätten. Melchisedech lobete ihr beginnen / daß sie hierinn das recht der bewirtung in acht genommen / und sagte zu den zwo sch \nen fr \mden: wiedaß sein haus zu ihren diensten stünde / und weil sie verborgen seyn wolten /ein anderes zimmer für sie bereitet werden solte / da sie bequemer / und ja so geheim als dißorts / ihre aufenthaltung haben k \nten. Sie namen beide dieses mit gebürlichem dank an / wiewol sie wegen ihrer bestürzung nicht viel worte machen kunten. Der Beor bekümmerte sich so wenig / zu erfahren / wer sie wåren / daß sie deswegen nicht ferner bekränket wurden. Melchisedech befahle seinem oberkämmerer / daß sie / von der Cölidiane leuten bedienet / in ein anders zimmer gebracht werden m \chten: dann Cölidiane konte solches selber nicht verrichten / weil der Beor sie nicht hinweg lassen wolte / sondern sie fast zwange / mit ihm alle \rter und winkel des hauses zu durchkriechen; wiewol er alle diese můhe vergebens angewendet / und also leer abziehen můssen.

Als dieses der Hemor erfuhre / und daß seine mutmassung fehl geschlagen / auch das schreiben die zwei gefundene frömde damen anginge: finge er an /ihm etwas anders einzubilden / und gläubete / daß der Tharsis / den er vor etlichen tagen verfolget / seine Aramena entfůret habe. Der Salma stårkete ihn in diesem wahn / [479] ihme beteurend / der Tharsis habe / mit hülf etlicher bedienten des Fůrsten von Cale / einen anschlag auf die Prinzessin gemacht / und Hadat /sein bruder / des Tharsis vertrautester bedienter / sei der jenige / der ihme dieses geoffenbaret. Hemor erinnerte sich hierbei / was der ritter / den er für den Tharsis angesehen / ihme durch seinen waffentråger zuentbieten lassen: daß er nämlich den angemuteten kampf / aus dringenden ursachen / nicht eingehen könte / und jezt hinz \ge / ein grosses reich einzunemen. Was ist das anders / (sagte er /) als daß Tharsis der Aramenen herkunft weiß / und die Syrische Fürsten auf seiner seite hat / sich zum besitzer der Aramena und des Syrischen reiches zu machen? Und hat er auch darum den kampf mit mir nicht eingehen wollen / weil ihme solches håtte hinterlich seyn mögen / die Aramena zu entfůren.

Der alte Thebah / der zugegen war / schlosse aus allen diesen umständen / daß der Aramena geburt nicht so heimlich sei / als er vermeinet. Er befande demnach für ratsam / daß der Prinz mit dem ersten /sein recht an die Prinzessin und folgbar an ihr erbkönigreich / den Syrischen ständen kund machen solte. Der Hemor selbst beschlosse / jüngst-abgeredter massen / mit dem Fůrsten Elon / dem Aner und Thebah /nach Hierapolis zu ziehen: woselbst / wie Thebah berichtete / die Fůrsten / wie sie jårlich pflegten / bald zusammen kommen würden. Der Fürst Sobal von Seir / kame indem zu ihnen: welcher bereits vom König Beor abschied genommen hatte / und übel zufrieden war / weil er gar kaltsinnige versicherung wegen der bereits-versprochenen hülfe bekommen hatte. Dann der Beor schriebe seinen erlittenen verlust allen zu /also daß auch der Fůrst von Seir nicht frei von verdacht bliebe. Wiewol nun dieser [480] bässern trost bei dem Prinzen zu erlangen vermeinte / so gabe doch derselbe ihm genug zu verstehen: wiedaß sie selber ihrer v \lker würden benötigt seyn / den entfangenen schimpf zu råchen. Doch versprache er darbei / daß den Fürsten von Seir nach m \glichkeit solte beigesprungen werden.

Weil dieses Prinzens betrübnis ihn seiner h \flichkeit nicht vergessen machte / als begleitete er den Fůrsten von Seir gar ansehnlich aus Salem / bis an den Jordan. Er bliebe daselbst ůbernacht zu Ennon /und liesse sich / von seiner tiefsten traurigkeit / am spaten abend / in den nächsten wald füren: da er / von niemanden als von dem Salma begleitet / in der einsamkeit sein leiden erwägete. Nachdem er sich můde gegangen / sasse er nieder an einen bach / dessen angenemes gesåusel ihme einige ergetzlichkeit geben kunte. In solcher betrübten stille / brachte ihn ein geräusche aus seinen gedanken: welches verursachete /daß er sich umsahe / und zweier personen gewar wurde / die sich nicht ferne von ihm niedersetzeten. Der eine von diesen beeden / ware grosses ansehens /und zeigete in allem eine hohe geburt. Seinen nebensitzer erkante Hemor für den Elamiten Mesan / der die Prinzessin Cölidiane aus Bactra zu rücke gebracht. Weil ihme / wegen seines verlustes / alles verdächtig fürkame / als bildete er ihm gleich ein / er habe an diesem ansehnlichen unbekanten einen mitbuler bekommen: demnach h \rete er fleissig und in aller stille zu / was sie reden würden.

Daß ich ihn gesehen / (hörte er den Mesan sprechen /) ist ganz gewiß / und zweifele ich auch schier nicht daran / er habe mich wieder erkant / und deswegen den kampf geflohen / den ihme der Prinz Hemor anbieten lassen: damit er nicht neben der sch \nen /die wir suchen / m \chte [481] verrahten werden. Wo du ihn gesehen / (hube hierauf sein beisitzer an zu reden /) da ist auch zweifelsohn die jenige nicht ferne / die mich aus Elam getrieben. Ach Mesan! m \chte ich doch alle meine můhe nicht vergebens haben angewendet /diese wundersch \ne wieder zu finden / ohne die ich nicht leben kan. Ich weiß / (antwortete Mesan /) wo sie ist: und habe ich meinen Fůrsten nicht eher mit dieser zeitung erfreuen wollen / bis ich warhafte nachricht von ihr erhalten. Als hierauf der andere h \chst begierig sich bei dem Mesan ferner erkundigen wolte / deutete selbiger ihm an / wiedaß jemand ihr gespräch durch den nächsten busch anhörete. Deswegen stunden sie eiligst auf / und gingen tiefer in das holz hinein: den Hemor sehr unwillig hinterlassend / daß er nicht erhorchen können / wo diese sch \ne / welche er bereits für seine Aramena achtete / hingekommen wåre. Indem ersahe er einen andern / welcher auch die beide Elamiten belauret hatte. Dieser kame aus dem gebüsch herfür / zu einem / der neben ihm ginge / also sagend: Ach Hadat! ich zweifele nun nicht mehr / daß Aramena von deme sei entfüret worden / der / dieser Elamiten aussage nach / dem Hemor den kampf versaget. O glückseliger mitbuler / wer du auch seyn magst! du hast mit deiner list und geschwindigkeit den Tharsis ůberwunden / und was ich schon gewis in meinen händen zu haben vermeinet / durch eine übernatürliche gewalt erlanget.

Hemor kunte mehr nicht als dieses h \ren / weil sie im reden immer fürter- und also seinem geh \r entgangen waren. Also hinterbliebe dieser armseliger verliebter so gar entselbstet / daß / wann Salma ihn nicht erinnert håtte / wie man wegen antretender nacht wieder nach Ennon kehren müste / er die ganze nacht daselbst verblieben wåre. O himmel / (rieffe er /) wieviel mitbuler lässest [482] du mich erfahren! Ich weiß nicht allein von dem Dison und Tharsis / sondern ich habe nun noch zwei unbekante bekommen: deren einer so glücklich seyn soll / daß er die Aramena entfüret. Ach unglůckseliger Hemor! dieses ist deine straffe / daß du die jenige verlassen / welche du eher als diese Prinzessin geliebet: und gleich wie jener Aramenen willfärigkeit dir einen eckel machete / also verursachet dir nun dieser Aramena halsstarrigkeit / die gr \ste marter / und must du erleben / daß sie dir von einem unbekanten entfůret worden / der seine dapferkeit und großmut gnugsam spüren lassen / und der ihr das reich wieder erlangen wil / dessen sie eine Erbkönigin geboren ist. Hierauf erzehlte er dem Salma alles / was ihme begegnet / und daß er nun den rechten Tharsis kenne. Weil aber dieser ja so unglůckhaft als er selbst ware / als wurde sein haß viel grösser wider den jenigen / den er letzlich nach der jagt fůr den Tharsis angesehen.

Er name ihm hierauf fůr / den Mesan zu suchen /der ihme sagen solte / wo die Prinzessin wåre: als von dem er selber zuvor hatte gehöret / daß er solches gewiß wisse. Wie er ihn deswegen durch alle die seinige im walde suchen lassen / (wiewol weder er noch der Tharsis mehr zu finden war /) muste er sich bis folgenden tag gedulten. Der Mesan hatte sich allemal / so lang er in Salem gewesen / bei dem Jarah / und nachgehends bei des Hemors leuten / aufgehalten. Weil nun der Hemor hoffete / bei dem Jarah etwas von ihme zu erfahren / als eilete er wieder nach Salem / und gabe dem Salma befehl / sich in der Casbiane behausung in geheim nach den jenigen bedienten zu erkundigen / die dem Tharsis wåren willfårig gewesen / ihme die Aramena entfůren zu helfen. Als er seinem betrůbten vatter zugesprochen / [483] und ihm alles erzehlet / schöpfete der eine kleine hoffnung / daß Mesan von der Ahalibama auch etwas wissen m \chte. Es ward aber dadurch nur seine ungedult vermehret / weil dieser Elamite so wenig zu Salem als zu Ennon gefunden wurde.

Salma aber / seines herrn befehl nachzukommen /begabe sich nach dem haus der Fürstin von Cale: und weil er mit ihren bedienten bekant / als bemühete er sich sehr / etwas zu erforschen. Er kunte aber anders nichtes erfahren / als daß des Fürsten Arsas hofmeister / ungefär für zehen oder zw \lf tagen / einen frömden Fůrsten heimlich in ihrem hause bewirtet: mit dem er viel gespråche gehalten. Dieses machte dem Salma die gewisse vermutung / dieser Fürst würde der Tharsis gewesen seyn. Wie er aber / solches seinem herrn zu berichten / sich wieder hinweg begeben / berichtete die verkleidete Tirza / welcher auf des Salma thun acht gegeben / den anderen / wiedaß des Prinzen Hemors vertrautester bedienter da gewesen wåre. Hierüber gerieten sie sämtlich in die neue sorge / er m \chte von ihrem da-seyn etwas ausgeforschet haben. Die verstellete Zimene vermehrte des schönen Disons furcht / diese nachricht hinzusetzend: wiedaß der hofmeister / ihr bruder / mit dem Fůrsten von Sepharvaim einen anschlag gehabt / die Aramena zu befreien: welcher jetzund gar übel zufrieden wäre / nachdeme kündig worden / daß die Prinzessin von jemand anderem aus Salem sei entfüret worden. Alles dieses triebe sie an / ihre abreise zu beschleunigen: worzu dann Casbiane die folgende nacht bestimmete / mit fürgeben / daß sie / wegen der hitze / bei tag nicht reisen m \chte.

Nachdem nun die nacht angebrochen / begabe sich Casbiane / Ahalibama / Astale / und eine von der Fürstin von Cale jungfrauen / auf den wagen: da die Fürstin [484] von Seir gar fleissig ihr angesicht verhüllte / daß niemand sie für jemand anders / als fůr der Casbiane jungfrau / ansehen m \chte. Der oberkämmerer Jarah hatte befehl vom Melchisedech / die Fürstin von Cale bis ein stuck wegs zu begleiten. Der Dison muste /neben den andern / auf kamelen folgen / weil die wägen nur für das frauenzimmer bestimmet waren /welches mit nicht geringem ungemach geschahe: doch vertruge er alles gern / weil er sich darbei seiner freiheit erinnerte. Wann einiges ding der Ahalibama /nach ihrem verlust / hätte vergnügung geben k \nnen /so solte es diese ihre endliche erl \sung gethan haben. Nun aber vermochte auch dieses nicht / ihr trauren zu stillen / und brachte sie den ganzen weg mit weinen hin / sich erinnerend / wie sie nach Salem gekommen / und wie leer sie jezt hinweg ziehen muste. Bei anbrechendem morgen / als sie über den Jordan gegangen / sahen sie sich nicht ferne von Camon. Als sie daselbst gegen den mittag angelanget / und malzeit hielten / betrachtete Casbiane den anmutigen Dison gar genau: worüber ihme gar bang wurde. Weil sie ihn mit in ihre unterredungen gezogen / und also einen sonders anmutigen geist in ihme verspüret: als begehrete sie nachgehends an die Ahalibama / wie sie wieder fortreiseten / ob nicht ihr ritter Dison mit auf ihrem wagen fahren d \rfte. Dieses wurde von der Ahalibama so gerne erlaubet / als von dem Dison angenommen.

Casbiane sagte unter andern / als sie den Dison ferner betrachtet: Ich finde solche gleichheit in des Disons angesichte / mit dem lezten K \nig in Syrien dem Aramenes / dessen abbildung ich oft gesehen / daß ich sorge / die Fůrstin von Seir werde / ihres ritters wegen / in Syrien ungelegenheit bekommen; zumal / da man jezt gar stark [485] redet / ob solte ein sohn von besagtem K \nig nachgeblieben seyn. Das wåre mir ein glück /(antwortete Dison) wann ich dadurch ein so grosses reich erlangen könte. Oder vielmehr ein unglück! (wandte Casbiane ein /) weil am Assyrischen hof das hinterbliebene blut des Aramenes sehr verfolget wird /und dieser nachgelassene Prinz in lebensgefahr schwebet. Ich wil nicht hoffen / (wiederholete Dison) daß diese gefahr mich treffen werde: massen meine Fürstin / deren ich diene / gewisses zeugnis von dem zustand meiner eltern wird erteilen können / daß die keine k \nigliche wůrde betreten haben.

Wie nun Ahalibama dieses bekråftiget / und ihrem ritter beifall gegeben / kamen sie unter solchen gesprächen zu abends in ein dorf / dahin einer von der Casbiane fürausgeschickten zurük kame / und der Fürstin von Cale anmeldete: wiedaß die K \nigin von Ninive noch nicht zu Damasco ihren einzug gehalten /weil die zurüstungen / sie zu entfangen / noch nicht färtig gewesen; und wäre sie inzwischen im Königreich Hemath geblieben / dahin sie in etlichen tagen zu der Königin kommen k \nten. Casbiane färtigte gleich einen ab / durch den sie / die ankunft der Ahalibama / der K \nigin wissen liesse. Des folgenden tages brachen sie von diesem dorfe wieder auf / und thåten eine starke tagreise: da sie dann abends die stadt Berothai erreichten / welche dem K \nig von Hemath zustehet / von dar sie / in zweien tagen / nach Hemath zu der K \nigin gelangen kunten.

[486]
Das Vierte Buch
Reihen-Erzehlung der Geschichte von Moab und Ammi
Reihen-Erzehlung der Geschichte von Moab und Ammi.

Unsere beiden helden / derer leben und thaten wir beschreiben wollen / sind von ankunft Ebreer / und haben ihre vorfahren die Chaldeische Kron getragen: daher auch in ihnen das Königliche geblüt aufgwallet / und sie die rümliche ehrsucht gefület / dermaleinst auch thronen zu besteigen. Ihre geburt / ware zwar lasterhaft: doch ist sie / wegen des vatters unwissenheit / und wegen dessen t \chter als ihrer můtter einfalt / in etwas zu entschuldigen. Was auch dißfalls den ruhm unserer helden verdunklen m \chte / das ersetzete vollk \mlich ihre tugend und edeles gemůte: welches dann von jugend auf sich erwiese / und in ihnen dermassen herfür leuchtete / daß Moab ein wunder seiner zeit /und Ammi ein unvergleichlicher held / mit recht kunte genennet werden. Gleichwie aber / des Sodomischen und anderer drei oder vier Königreiche untergang / bei Loths töchtern die einbildung / als wann die ůbrige ganze welt im feuer verdorben wåre / verursachete /und sie zu müttern derer machete / deren schwestern sie billiger heisen solten: also machte nachgehends die erkentnis ihres irrtums / daß sie sich der tracht ihrer leibesfrucht schämeten / und alle bekante gesellschaften meideten. Ja sie flohen gar aus Canaan hinweg / und begaben sich unwissend wohin / über den Jordan / an das meer / welches die sünden der Sodomiten abgewaschen hatte / und die todte [496] See genennet wird. Sie liessen sich nieder in einer höle / alda ihre weibliche bürden abzulegen / und vermeinten daselbst von aller menschlichen gesellschaft ganz entfernet zu leben.

Aber ein Riese / der alda auf den bergen seiner schafe hütete / kame gegen abend in diese höle / als seine wonung / sein vieh einzutreiben. Seine verwunderung über diese beide fr \mdlinge ware ja so groß /als ihr erschrecken über diesen grossen mann. Ihrer beider sch \nheit stache ihn dermassen in die augen /daß er / der sonst wenig von erbarmung wuste / erstlich zu mitleiden / und hernach zur liebe bewogen wurde. Er brachte zu ihnen ein paar weiber / von ihrer gr \sse / die ihrer wol pflegen und ihnen aufwarten musten. Endlich gebaren sie alda / den Moab und Ammi: ihnen nicht einbildend / daß diese kinder solche helden solten werden / die dermaleinst das land bezwingen wůrden / in welchem sie jezt arme fr \mdlinge und wåisen waren.

Der Riese / ihr pflegvatter / die sch \nheit dieser kinder betrachtend / gedachte bei sich / was für ein herrliches geschenke dieselbigen fůr seinen K \nig seyn wůrden / welcher vom geschlechte der Emim war / und seine Königliche hofstatt zu Ar hatte. Demnach beschlosse er / sobald die knaben würden entwehnet seyn / sie gen hof zu bringen / die můtter aber für sich zu behalten. Diese art riesen hatten damals die weise /daß sie sich bemüheten / kleine weibspersonen und deren kinder in ihr land zu fůren: weil sie solche von natur liebeten / und sich gerne mit jenen verheurateten. Wie nun Moab und Ammi das zweyte jahr erreichet / musten sie abgewehnet werden / und wurden ihren betrůbten müttern aus den armen gerissen / die der Riese nach Ar brachte. Der K \nig / name diese sch \ne kinder mit freuden auf: und als er nach ihrer[497] ankunft fragte / muste der riese auch ihre mütter zu ihm bringen / die er für sich zu behalten vermeint hatte. Die sch \nheit derselben / erweckte eine solche liebe in dem K \nig / daß er sie allen seinen weibern fůrzoge / und sie beide zur ehe name. Also wurden Moab und Ammi / gleich des Königs andern kindern /erzogen: und weil dieses volk gar wild war / als hatten ihre můtter fleissige aufsicht / daß ihre kinder nicht auch verwildern möchten. Sie liessen sich auch selbst von jugend auf so wol an / daß sie / in diesem rauhen lande / da sie keine sitten noch höflichkeit sahen / gleichwol durch hůlfe der mütterlichen zucht /in allem ihrem thun sich huldseelig erwiesen: wie uns der Fůrst Ninias ferner wird beschreiben k \nnen.

Hiemit schwiege die Königin / und Ninias / weil er ernennet worden / und ihn die reihe traffe / finge an /die geschichte folgender gestalt fortzusetzen.

Es ware der Moab von gemüte gar rechtfärtig / also daß er nie etwas unrechtes leiden kunte: wie er dann allemal / wann sie mit den andern K \niglichen kindern spieleten / die jenigen straffete / die dergleichen etwas begingen. Weil er nun also bei allen sich in sonderbare ehrerbietung setzete / als wehlten ihn / die kinder des K \nigs und der grossen bei hof / zu ihren K \nig / und Ammi wurde sein feldobrister und geheimer raht: die andere aber bekamen ämter / die ihnen der Moab zuteilete / wie er jeden wůrdig erkante. Letzlich teileten sie sich / in zween haufen. Des K \nigs sohn / der nach ihm die Kron haben solte / Brammis genannt / ward feldherr über das eine heer / und wehlte zu seinen feldhaubtmann / den sohn eines grossen herrn / der beim König in sonderbaren gnaden stunde: Moab aber / wurde feldherr des andern haufens / der in knaben von gemeiner grösse bestunde. Solchergestalt huben sie an / im gebirge [498] den krieg zu spielen / und zogen recht zu feld gegen einander: da dann / die steine und baum-äste / ihr gewehr / und baumrinden ihre schilde waren.

Der Moab erhielte allemal den sieg / weil sein feldobrister der Ammi klůger und vorsichtiger sich erzeigete / als der auf des Brammis seite: bei deme dieses nicht eine geringe eiversucht erweckete. Dann dieser junge riese war von natur boshaftig und tyrannisch /und hegete überdas einen eingewurzelten haß gegen unsere beide helden: dann er ware ståts von seiner mutter verhetzet worden / gegen diese kinder als eink \mlinge feindselig zu seyn. Weil er hierbei auch ehrsůchtig war / als bemühete er sich sehr / über den Moab einen vorteil zu erlangen. Demnach bote er ihm und seinem heer eine schlacht an / als er zuvor / wider ihre abrede / heimlich noch eine grosse anzahl seines gleichen knaben zu sich genommen hatte / die sein heer dermassen verstärkten / daß er den Moab weit übermångete. Moab und Ammi / sich keines solchen versehend / liessen sich leichtlich zum treffen bereden. Als sie aber mitten im streit sich befanden / brache des Brammis hinterhalt herfür / und ůberwältigten den gegenteil / daß Ammi gefangen wurde / und Moab mit gar wenigen in seine vestung / die die natur in einem felsen angelegt hatte / entweichen muste. Moab / über diese ungerechtigkeit sehr erbittert / und wegen seines feldobristen unglůck betrůbet / wolte den mit aller gewalt wieder los haben: allermeist als er von einem überlaufenden knaben erfuhre / daß Brammis den Ammi gar ůbel halten liesse.

Demnach begabe er sich mit den seinigen fůr des Brammis vestung: vorhabens / dieselbe zu stůrmen /und den Ammi zu erledigen. Er kunte aber nichtes ausrichten / weil man mit steinen so heftig auf sie herab [499] wurfe / daß etliche der seinen todt geworfen wurden: da dann die andere die flucht namen / und also den Moab zwungen / vom sturm abzulassen /und wieder abzuziehen. Sein grosmůtiges herz kunte dieses nicht verschmerzen / und ward auf die ausgerissene so erbittert / daß er ůber den / der zu erst entlaufen / ein urteil ergehen ließ / daß er solte gehenket werden: welches von den seinigen straks vollzogen wurde. Weil er nun nicht ruhen konte / er håtte dann den Ammi wieder / als bote er fůr ihn dem Brammis eine der vestungen an / die er ihm hatte abgewonnen: der aber solches nicht annemen wolte / und den Ammi gefangen behielte. Die befreiung desselbigen und was darbei fürgegangen / wird die Prinzessin von Seir zu erzehlen ihr belieben lassen.

Ahalibama bedachte sich ein wenig / und erlångerte hierauf diese geschichte folgender massen.

Des Ammi scharfer verstand / den er von jugend auf blicken lassen / dienete ihm in seiner gefängnis /die andern knaben zu ůberreden / daß sie / ehe der sich dessen versahe / des Brammis seite verliessen /und ihn los machend / mit ihme bei nacht davon flohen und zu dem Moab ůbergingen. Dieser junge held wåre bald für freuden gestorben / als er seinen bruder wieder frei sahe: und gabe er gleich / zur vergeltung /allen den jenigen / die mit dem Ammi waren herůber gekommen / die fůrnemste åmter. Er beschlosse auch /alsofort den Brammis in seiner vestung zu überfallen: das er dann gar glücklich verrichtete / und etliche gefangene davon brachte. Der Brammis wolte schier rasend werden / als er des Ammi erledigung und seines erlittenen verlusts gewar wurde. Weil er nun sich den schwåchern sahe / als begehrte er auf etliche wochen einen stilstand: welchen ihme Moab verwilligte. In solcher zeit kamen sie von beiden seiten zusammen /[500] und waren gute freunde miteinander: da fůrnemlich ihre ergetzung im jagen des nidern wilds bestunde. Was aber / in wårendem diesem stillstand / der Brammis für eine falschheit und tück begangen / wird der Pelech uns am båsten sagen können.

Dieser ihr gastfreier wirt / nachdem also die reihe an ihn gelanget / belustigte die gesellschaft mit folgender ersetzung der geschichte.

Es hatte Brammis zu keinem andern ende diesen stillstand erwehlet / als daß er sich an dem Ammi /und an denen / so zu dem Moab waren übergegangen / råchen möchte. Wie er nun endlich seinen vorteil ersehen / lude er den Moab zur jagt / mit den fůrnemsten seiner kriegsbedienten. Als sie erschienen / und sich alles guten versahen / name er ihn gefangen / und liesse die andern nidermachen. Als der Ammi dessen innen worden / liesse er / solches zu rächen / alles zum kriege wieder färtig machen / und bekame grossen zulauf von des Brammis knaben / die sich an ihres feldherrn grausamer verůbter that årgerten / und ihme nicht mehr zu gebot stehen wolten. Also belägerte er den Brammis in seiner vestung / und schlosse ihn also ein / daß er nirgend heraus kommen kunte. Weil aber des Brammis vestung gar schwer einzunemen ware / als kunte Ammi seinen bruder nicht sobald erledigen / wie er wol gewünschet: doch hoffete er / er wůrde sich endlich ergeben müssen. Brammis wehrte sich zwar ein zeitlang dapfer: endlich aber /als es an narungsmitteln / die in feld- und baumfrüchten bestunden / mangeln wolte / ersonne er ein grausames mittel / den Ammi zu zwingen / daß er von der belågerung abstehen müste. Er liesse den Moab auf die höhe eines felsen bringen / und rieffe von dar / zu den Ammi herab: wofern er nit gleich würde die vestung verlassen [501] so solte sein bruder hinab gestürzet werden. Dieses erweichete den Ammi / daß er den abzug fůrname. Aber der erhitzte Moab / deme unerträglich fiele / länger also gefangen zu seyn / fassete ein herz / und sprange selbst aus freiem willen über den felsen hinab / als er seinen bruder zum abzuge sich rüsten sahe. Er kame noch so glücklich hinunter /daß er nur einen arm brache / und sich nicht zu todt fiele. Der Ammi / solches ersehend / bildete ihm ein /Brammis håtte den Moab lassen hinab werfen: fiele demnach / mit seinem volk / die vestung so grimmig an / daß er dieselbe erstiege. Etliche der seinigen ergriffen / in der ersten wut / den Brammis / und wurfen ihn / ohne ihres feldherrn befehl zu erwarten / über den felsen hinab: da er dann / wann er nicht wåre in einem strauch behangen geblieben / sein leben hätte einbůssen můssen. Die Prinzessin Ammonide / wird uns nun ferner berichten / wie dieser kinderkrieg zum ende gelaufen / und was deswegen bei hof / als es ausgekommen / vorgenommen worden.

Ammonide seumete sich nicht / ihr aufgetragenes stůck von dieser geschicht folgender massen fůrzubringen.

Die beschädigung des Moab / die harte verfarung mit den knaben / welche Moab so wol als Brammis erwůrgen lassen / neben den andern ungelegenheiten /die aus diesem kinderkrieg entstanden / darunter des Brammis herabstürzung vom felsen nicht die geringste ware / kame endlich nicht allein bei hof / sondern auch im ganzen lande aus: da dann der König gleich die verordnung thäte / daß sein sohn Brammis neben seinen andern kindern nach Ar kommen / und dieses spielen einstellen musten. Die jenige vätter / die ihre kinder hierbei eingebüsset / beschwerten sich hierob sehr hoch bei dem König / sonderlich der jenige / dessen sohn der Moab hatte [502] [504]aufhenken lassen: wodurch endlich der König bewogen wurde / die beide knaben den Moab und Ammi / ob er sie schon wegen ihrer tugend / auch um ihrer mütter willen / sehr liebete / von hof zu thun / weil er sie nicht ferner / wider soviel feinde / unter denen Brammis der vornemste war / beschützen konte. Nachdem er sie mit einem stuck gelds versehen / schicketen ihre mütter sie nach Mesopotamien zu ihrem vettern dem Nahor: der sie frölich aufname / auch mit seinen kindern vollends erziehen und in allen krieges übungen / als wozu sie von natur die neigung hatten / unterrichten liesse. Wie sie sich alda in des Nahors beide töchter die Maecha und Jisca verliebet / muß uns der Prinzessin von Seir ihr ritter beschreiben: als welchen ich dafür ansehe / daß er es uns allen hierinn zuvorthun / und diese gemütsneigung aufs beweglichste werde fürbringen k \nnen.

Dison wurde ganz schamrot / als ihme dieses von der Ammonide aufgetragen wurde: und durfte er sich hierwider nicht entschuldigen / wiewol es ihm sehr schwer ankame. Die ganze gesellschaft betrachtete seine sch \ne gestalt / als er mit sonderbarer annemlichkeit folgendes stuck dieser geschichte vorbrachte.

Unsere helden wären ganz vollkommen gewesen /wann sie nicht der liebe zuviel gewalt über sich gelassen håtten: welche sie als ein gift beschliche / daß sie / in anschauung der schönen Maecha und Jisca / ihre freiheit verloren / die bisher alle ihre thaten begleitet. Also legten sie / mit den kinderjahren / ihre ruhe des gemůtes ganz von sich: und wurde Moabs leuenmut /den die Riesen nicht zwingen k \nnen / nun durch den holdseligen schein der Maecha gebändiget; gleichwie auch des Ammi dapferkeit und seltener verstand nicht mehr in ihme die [504] herrschaft allein behielte / nachdeme er die Jisca gesehen. Sie merketen diese sinn-änderung einander bald ab: und weil nichtes in ihren herzen jemals verborgen war / das sie einander nicht vertrauet håtten / als erfuhre der Ammi in kurzem / daß Moab eben das gift von der Maecha schönheit gesogen / welches ihme der Jisca annemlichkeit beigebracht hatte. Gleichwie diese unvergleichliche brůder in allem einander änlich gewesen / also waren sie es auch in der liebe. Welchergestalt aber solche von der Maecha und Jisca vermerket und aufgenommen worden / wird Aramena bässer als ich erzehlen können.

Ahalibam hörte mit verwunderung diesen namen nennen / und die jenige / so solchen fürete / fuhre also fort in der geschicht-erzehlung.

Der sch \ne Ammi / welchen die natur äuserlich mehr als den Moab bezieret / funde nicht grosse beschwerlichkeit / sich bei der Jisca beliebt zu machen. Dann weil die ohnedas nicht eines so gar strengen gemütes war / liesse sie sich leichtlich durch des Ammi aufwartung gewinnen. Gleichwie auch die sonne /wann sie in ein spiegelglas ihre stralen wirfet / dieselbigen wieder zurůcke bekommet: also zündete das feuer / so den Ammi verliebt gemachet / auch die Jisca an / daß sie so wenig ohne den Ammi / als er ohne sie / leben kunte. Doch verbarge sie dieses liebesfeur fůr ihren eltern / schwester und brůdern: weil sie wenig hoffnung sahe / daß der Nahor ihr zulassen würde / einen zu heuraten / der keine andere mittel / als die ihme sein schwerd erwerben k \nte /und nur tugend ohne geld hatte / welches in der welt wenig ansehen zu machen pfleget. Deswegen riete sie dem Ammi / daß er ihren brůdern durch seine dapferkeit sich beliebt machen solte: worzu er dann gute gelegenheit hatte / [505] weil sie immer krieg mit ihren nachbaren anfingen / und die lånder / welche ihre vorfahren vordessen in Chaldea besessen / wieder zu erlangen trachteten. Wie dann insonderheit der Kemuel bemůhet ware / seine dapfere grosmut in Syrien zu erweisen: deme dann / aus obberürter ursach / der Ammi in selbigem krieg solche nutzbare dienste zu leisten sich beflisse / daß er einige erkentlichkeit von ihme dafůr erwarten konte.

Solchergestalt / ware der Ammi in seiner liebe zimlich vergnüget. Der Moab aber / der unglückselige Moab / funde grossen widerstand bei seiner Maecha: weil dieselbige allbereit ihr herz einem andern ergeben hatte / den sie von jugend auf geliebet; der hingegen ihrer liebe würdig war / weil es ihme an keiner einigen tugend zur vollkommenheit mangelte; der auch / in des Moab gedanken selber / für ihm einen solchen vorzug hatte / daß er gestehen muste / Maecha habe in ihrer liebe wol gewehlet. Was noch mehr ist / so machte sie den Moab zu ihren vertrauten in der liebe: weil sie / indem er mit ihr in Haran erzogen wurde /und sie also ståts umeinander waren / ihre freundschaft ihme vollkommen zugewendet. Also wuste niemand bässer / als er / ihre zuneigung zu diesem seinem glückhaften mitbuler. Er hatte / wiewol er sonst /von kindheit auf / sich fůr nichtes gescheuet / nie das herz / ihr seine liebe zu entdecken. Hingegen dienete er ihr / wider sich selber / in allen begebenheiten / daß sie mit seinem mitbuler heimlich kunte zu reden kommen / den sie vor ihren eltern offentlich nicht sprechen dorfte. Ich wolte glauben / er hätte / ihrer ruhe wegen / seine eigene liebe ihr nimmermehr entdecket: wann die wahre geschichte nicht so lautete / daß Maecha den Moab bekommen. Solches aber / weil es von mir nicht gebürlich kan beschrieben werden / will ich dem [506] Fürsten Jothan und seinen nachbaren zu beschreiben überlassen.

Ich finde mich (sagte der Jothan /) in solcher verwickelung / indem Aramena nicht einmal den mitbuler des Moab mit namen genennet / daß ich nicht weiß / wie ich dieses ihr der wahren geschichte eingeschaltete gedichte fortfüren solle. Doch wil ich es versuchen / um nicht ungehorsam zu erscheinen.

Des K \nigs von Zoba sohn / der Rehob / war der jenige / den die Maecha liebete. Und weil er / da sein vatter mit dem Nahor im krieg stunde / heimlich in Haran sich aufhielte: als wuste niemand von dieser liebe / als der Moab / in welchen / wie Aramena allbereit erwehnet / die Maecha ein sonderbares vertrauen gesetzet hatte / weil seine stätige und fleissige bemühung / ihr gefällig zu seyn / sie dahin ůberredte /daß sie seine freundin wurde. Also muste er / diese ihre neigung für sich zu erhalten / ihre zusammenkunft allståts bef \rdern helfen. Er gewanne auch hierdurch / wider seinen dank / die wolneigung des wackern Rehob / also daß dieser sein mitbuler sein bäster freund wurde: wiewol / seine und der Maecha freundschaft / den Moab wenig erfreute / und er nur seinen jammer sehen / ja selber mit befördern muste. Wann die Fůrstin Casbiane nicht zugegen wäre / wolte ich hiervon ein mehrers berichten. Weil aber sie / als eine Syrerin und nahe anverwandtin der Maecha / solches besser verrichten kan / als will ich ihr hiemit meinen platz überlassen: mit bitte / daß sie nicht sobald als ich aufh \ren wolle / damit die reihe mich nicht zum andernmal treffen möge / diesen faden / der mir jezt so bange gemacht / fortzudrehen.

Die ganze gesellschaft lachte / ůber dieser bitte des Fürsten Jothans. Als aber Casbiane solche [507] beantworten wolte / winkete ihr die K \nigin / daß sie nur in der erzehlung fortfahren solte: welches sie dann also verrichtete.

Dergestalt stunden die sachen in Haran / da unsere beide helden / wegen ihrer sonderbaren geschicklichkeit / als ein wunder angesehen wurden: und hatten sie von der wildheit / die sie bei den riesen zu Ar sich angewehnet / nichtes mehr übrig / als soviel ihnen zur dapferkeit dienen konte. Weil der Maecha / unter allen ihren brůdern / der åltste und jüngste / der Uz und Bethuel / die liebsten waren / als gesellete sich auch Moab am liebsten zu diesen beiden / um auch durch dieses mittel sich bei ihr in gunst zu setzen. Der dapfere Kemuel ware zwar seinem gemůte am änlichsten: weil aber die Jisca / des Ammi liebste / denselben unter ihren brüdern am meisten liebete / als überliesse er seinem bruder hierinn den fürzug / daß der allein um Kemuels gunst sich bewerben dorfte. Also zoge der Ammi mit dem Kemuel in den krieg / als er Syrien eroberte / welches land ein teil der Sammesunim / die auch riesen waren / besessen hatten: da dann Jisca von seinen thaten soviel erzehlen hörte / daß dadurch ihre liebe / sowol als sein lob und gerůchte /sich vermehrete.

Moab / der noch zu Haran war / sahe zwar seines bruders glück ohne eiversucht an: doch krånkte ihn hierbei / daß er seine liebe bei der Maecha alsofort in schlechtem zustand wissen muste. Der Prinz Rehob /den sie liebete / muste von Haran wieder nach haus ziehen: weil sein herr vatter ihn abforderte / und der krieg / der schon lange gemunklet / zwischen ihme und dem Nahor sich äuserte. Uz / des Nahors ältster sohn / ginge wider ihn zu feld / da der Moab mit reisete: welchen Maecha ersuchete / sein můglichstes zu thun / daß die von Zoba [508] in diesem krieg nicht unterligen / und dem Rehob kein leid widerfahren m \chte. Dieses war ein harter befehl / wider die jenige zu streiten / deren seite man hålt / und seinem mitbuler wider sich selber zu dienen. Dennoch verprache er ihr solches / und seinen gehorsam zu erweisen / fürete er ein eigenes heer: womit er allemal anderswo sich befunde / als wo der Rehob mit seinen v \lkern stunde. Wie aber dieser krieg abgelaufen / ůberlasse ich dem Fürsten Ardeus / als welcher von krieg mehr erfahrung als ich hat / zu erzehlen.

Also übername / der Fůrst von Chesed / die beschreibung dieses kriegs / den er der gesellschaft folgender massen bekant machete.

Der dapfere Moab / dessen hand von jugend auf zu siegen gewonet / gabe sich in diesem kriege bald kund: wie er dann dem Uz / in kurzer frist / das land Hus eingewonne / welches noch jezt seine nachkommen besitzen. Also siegeten diese beide brüder gleichsam in die wette: daher allein ihr name genug war /den feinden einen schrecken einzujagen. Der Uz hatte immittels / im andern teil des reiches Zoba / auch grosses glück / indem er / durch verräterei der Sophonier / den Prinzen Rehob gefangen bekame: den er gleich nach Haran dem Nahor zusandte / alda er dann in so unwürdiger gestalt fůr seiner liebsten augen erscheinen muste. Mitlerweil aber Maecha ůber diesem unglůck des Rehob sich h \chlich bekůmmerte / gingen des Uz und Moabs glückhafte waffen immer weiter: da der Moab / gleichwie zuvor dem Uz das land Hus /also letzlich auch das Fůrstentum Bus / fůr des Nahors zweiten sohn / erworben. Als sie hierauf nach Haran wieder kamen / ward er von jederman als ein Gott geehret. Aber Maecha war gar übel mit ihm zufrieden / daß er / ihren willen zu erfüllen / des [509] Rehob gefängnis nicht verwehret hatte. Wie er sich gegen sie entschuldiget / wie Rehob wieder los gekommen / und was sich weiter begeben / wird die Fürstin Perseis uns fůrzutragen ihr belieben lassen.

Der Moab (erlångerte Perseis die geschichte /) vername der Maecha ůbelzufriedenheit: doch wuste er /in erzehlung seiner verrichtungen / sich so fein zu entschuldigen / daß sie ihn fůr unschuldig hielte. Sie lage aber ihm ståts in den ohren / daß er den Rehob heimlich los machen solte: worinn er ihr endlich / aus antrieb seiner innigsten liebe / gehorsamte / dem Rehob das gefängnis öffnete / und ihm davon halfe. Der edle Rehob ware nicht sobald von seinen unterthanen wieder gesehen worden / da namen sie ihn / weil sein herr vatter todt war / zum K \nig an / und wurfen das Syrische joch wieder vom halse. Hierauf änderte sich alsobald der ganze zustand des krieges / indem bald hernach auch der Nahor die welt gesegnete: da dann dessen kinder genug unter sich selber zu thun bekamen / und also der König Rehob zu Zoba unangefochten bliebe. Weil er aber die Maecha zur Kron-genossin verlangte / als machete er ein bůndnis mit dem Kemuel: der hatte nun die Syrische Kron aufgesetzet /und mit des Ammi hülfe alle riesen vertrieben / die da umher gewohnet. Maecha bliebe bei dem Bethuel in Haran / welches ihm zum erbteil angefallen ware. Aber die Jisca zoge nach Damascus / zum König Kemuel: welcher / in erinnerung der treuen dienste / die der Ammi ihm erwiesen / diese seine schwester an ihn versprache. Es wolte aber des Ammi grosmut ihm nicht zulassen / dieses glůck anzunemen / bevor er ein land erworben håtte. Diese seine begierde zu erfüllen /eråugete sich eine gute gelegenheit: wie uns der Fůrst Jonadas wird erzehlen k \nnen.

[510] Dieser Fůrst von Hemath / der aus K \niglichen geblüt und der nåchste an der Kron ware / hatte fast mit ungedult der zeit erwartet / bis er ernennet worden /seine erfindungen zu dieser geschicht auch herbei zu tragen. Weil sein gemůte jezt mehr mit liebes- als kriegs-gedanken umginge / als ersonne er noch etwas zu des Ammi und Moab leben / das nachgehends den anderen viel mühe machete / es in den schranken der warheit zu enthalten. Seine erzehlung / bestunde in folgenden umstånden.

Es ware unter den riesen / die der dapfere Ammi aus Syrien verjaget / ein Sammesunischer Fürst / namens Chomasbolus: dem der König Kemuel in ståtiger doch etwas freier gefångnis zu Damasco aufbehielte. Weil der aber umher gehen dorfte / und dannenhero die Jisca \fters zu sehen bekame: als ward er von ihrer schönheit dermassen eingenommen / daß er sich heftig in sie verliebte / und auf mittel bedacht wurde / wie er sie entfüren und nach Ar bringen möchte / da der König Brammis sein vetter regirete. Er ersahe ihm hierzu eine bequeme zeit / wie der K \nig neben dem Ammi eben auf der jagt war: brachte also die Jisca davon / ehe sich jemand dessen versehen k \nnen. Der verliebte Ammi wolte schier verzweiflen / als er in der wiederkehr sich so schmerzlich beraubt fande. Es hätte ihn auch zu leben verdrossen /wann ihn nicht die rache und begierde / diesen verlust seiner liebsten alle Sammesunim und Emim entgelten zu lassen / aufgehalten håtte. Sein natürlicher widerwille gegen diese v \lker ware schon vorher so groß /daß er ihme fåst fůrgenommen hatte / sie zu ůberziehen / und ihr land fůr seine sch \nste Jisca zu erobern. Nunmehr aber war diese sůsse hoffnung verschwunden / und bliebe nichts übrig / als die schmerzliche[511] rachgier / die allein sein leben noch fristete. Der K \nig Kemuel versahe ihn mit v \lkern aus einem lande von Babel / welches seine gemalin / die Königin Ziparis von Assyrien / ihme zugebracht hatte.

Inzwischen er sich zu diesem feldzug růstete / lebete zu Haran der verliebte Moab in nicht båsserem zustande. Dann / er muste sehen / wie der König Rehob \ffentlich um die Maecha werben liesse / und sie ihme gleichfalls bald aus den augen hinweg fůren wůrde. Weil er kein mittel sahe / ohne verletzung der tugend /des Rehob glück zu behintern / als wolte er in Haran nicht länger verbleiben / da er so vergeblich seinen heldenmut gewiesen / und vor soviel ausgestandene liebesschmerzen keine vergeltung erworben. Demnach entschlosse er / seinem bruder im zuge wider die Sammesunim zu folgen / und das land zu verlassen /da er alle seine ruhe und vergnůgung verloren hatte. Maecha / die ihn ståts als ihren båsten freund gehalten / sahe seinen abzug mit grosser betrůbnis an; und Bethuel ihr bruder / der in allem dem verståndigen Moab bisher gefolget hatte / bemühete sich sehr / wiewol vergebens / ihn von seinem fůrhaben abzubringen. Endlich aber / als er seine beståndigkeit sahe / gabe er ihme v \lker mit / die er seinem bruder zu hülfe fůren solte. Also zogen Moab und Ammi aus Syrien und Mesopotamien hinweg / da sie ihre freiheit und liebsten verloren: und wolten / weil sie in der liebe so unglůckselig waren / im krieg ferner ihr heil versuchen. Sie gingen aber also zu krieg / daß sie gleichwol dabei der verheurateten Maecha und der entfůreten Jisca sich stäts erinnerten. Und ob sie wol beide gleich unglůckhaft waren / so achtete doch jeder sein leiden fůr gr \sser / als des andern seines. Der Ammi sagete: Er wolte noch eher zufrieden seyn / wann er nur wissen solte / wo die [512] Jisca geblieben. Moab klagete: Er wolte sich weniger ůber sein unglück beschweren / wann er nur sagen k \nte / daß die Maecha ihn jemals geliebet habe. Wie aber Maecha von des Rehob heurat abgekommen / wird uns die schöne Fůrstin von Arvad zu erzehlen wissen.

Ich finde fůr mich allzuschwer / (sagte Dersine / die / gleich der Ammonide / bei der Königin von Ninive am hof war /) da der Fůrst Jonadas uns berichtet /Maecha sei im begriff gewesen / den Rehob zu heuraten / daß ich nun etwas ersinnen solle / wordurch solches verhintert worden. Als sie hierauf ein wenig nachgesonnen / fuhre sie also fort / in der erzehlung.

Es wurde zu Haran die k \nigliche hochzeit angestellet / und kame der wackere Rehob dahin / seine Fürstin abzuholen / und nach Zoba zu füren. Aber am abend vorher / da folgenden tags die hochzeit fortgehen solte / kame die Maecha hinweg / daß niemand wuste / durch wen oder wohin sie entkommen wåre. Weil auch ich solches nicht weiß / als wil ich den Abias hiervon reden lassen / welcher uns bässern bericht wird geben k \nnen.

Des verliebten K \nigs von Zoba bestůrzung (erzehlte dieser kammerherr von Hemath / nachdem man ůber der Dersine lustige ausrede wol gelachet /) war so heftig / daß er håtte sterben m \gen / wann er nicht seines lebens noch wåre benötigt gewesen / um die rauber seiner Maecha zu erfahren und abzustraffen /oder sonst die beschaffenheit von ihrem so unvermuteten verlust zu ergrůnden. Indem er aber hiermit beschåftigt war / kame ihm zu ohren / wiedaß der Moab die Maecha geliebet: welches geschrei etliche personen erwecket hatten / und fůr gewiß bezeugeten. Dieses brachte ihm den argwahn / der Moab müste dieser rauber seyn. Demnach / aller ehmaligen [513] freundschaft vergessend / fassete er / in dieser seiner gemütsverwirrung / den ůbereilten schluß / den Moab zu verfolgen / und ihm die beute wieder abzujagen. In solchem fürsatze / sein reich und alles hintan setzend / floge er fast mehr / als daß er reisete / unsere beide helden einzuholen. Nachdem er in dem land / welches nun die Ammoniter besitzen / angelanget / h \rete er allenthalben von den fůrtrefflichen heldenthaten des Moab und Ammi / und hatte Ammi bereits Rabbath eingenommen / alda auch die beide brůder sich aufhielten. Der eifersůchtige Rehob kame dahin / nur von etlichen waffenträgern begleitet / und hielte sich etliche tage ganz heimlich daselbst auf.

Eines tags belaurete er den Moab / im walde / der nahe an Rabbath stosset / als derselbige / seinen betrübten gedanken nachhångend / ganz allein ginge. Rehob vername aus etlichen klagworten / die der Moab fůrete / daß er sich beschwerete / er wäre nicht geliebet: daher ihm die einbildung noch gewisser wurde / dieser hätte seine getreue Maecha bei sich /und verfolge sie mit seiner liebe. Diesemnach kunte er sich nicht långer zwingen oder verborgen halten / sondern / sein schwerd bl \ssend / liesse er sich vor dem Moab sehen / und ihn zugleich diese worte h \ren: Hie ist dein glůckseliger mitbuler / der dir der Maecha liebe bestreitet! Mich must du erstlich überwinden /ehe du von ihr etwas zu hoffen habest. Moab erschracke ůber diesem anblick des Rehob also heftig /daß / wann jener ihme nicht auf den leib gedrungen und ihn zur gegenwehr gen \tigt hätte / er wol lange nicht aus seiner bestürzung wůrde zu bringen gewesen seyn. Er wehrete sich auch des Rehobs / ohne daß er nicht bedachte / was er thåte: weil ihme nicht zeit gelassen wurde / diese abenteur recht zu ůberlegen. Ohne [514] zweifel wůrden diese helden einander aufgerieben haben / wann nicht der Ammi wåre dazu gekommen / der sie vonsammen brachte / und / ihrer alten freundschaft sie erinnerend / durch seine bitte soviel ausrichtete / daß sie von ihrem wůtigen kampf abliessen.

Rehob / der mehr und gefårlichere wunden / als der Moab / entfangen / muste leiden / daß man ihn in Rabbath brachte. Und ob er wol zu erst in seiner einbildung beståndig verharrete / die Maecha wåre in Moabs hånden: so wurde er doch bald eines andern berichtet. Demnach / das jenige nicht bei dem Moab findend / was er suchete / verlore er zwar die eifersucht / aber nicht seine grausame betrůbnis: dann er muste nun sich noch unglůckseliger achten / als vorhin / weil er nicht wuste / wo oder bei wem er seine Maecha suchen solte. Moab war ebenfalls nicht zu tr \sten / als er erfuhre / wie Maecha verloren ware. Diese beide edle mitbuler huben hiemit an / einander wieder zu lieben / und neben dem Ammi den verlust ihrer liebsten zu beklagen. Der dapfere Rehob erbote sich auch / teils aus freundschaft gegen ihnen / teils aus angeborner grosmut / meistenteils aber aus verzweifelung / diesen beiden helden in ihrem krieg wider die riesen beizustehen. Dann er suchete / nach diesem seinem grossen verlust / nichts als den tod /und bekůmmerte sich wenig um das reich / das er verliesse. Wie sie nun den krieg wider den König Brammis / miteinander fortgesetzet / wird uns / weil ich eine dame nach mir wehlen muß / niemand bässer als die Aramena berichten können.

Aramena sagte: Weil ich / so erfahren im kriege von dem Abias angesehen werde / wil ich mich m \glichst bemůhen / ihn in seiner einbildung zu stärken. Damit begunte sie / in dieser erzehlung / also fortzufahren.

[515] Der K \nig Brammis / der nach seines vettern tod die regirung angetreten / hatte zwar dessen thron /aber nicht seine gůte und tugend geerbet / und erwiese an sich das widerspiel in allen dingen. Weil sein kindischer haß wider den Moab und Ammi mit ihm erwachsen / als liesse er dessen auch dieser helden beide můtter entgelten / welche er dem Moloch im thal Hinnon erbårmlich aufopferte. Sie erfuhren diese greuliche that zu Rabbath / und die betrůbnis hierüber / zündete ihre rache von neuem an / also daß sie / da sie bisher mit der eroberung Rabbath sich vergnüget /nun mit h \chstem eifer den krieg wider den Brammis fortsetzeten / und keines von den Emim oder Sammesunim verschoneten. Ihr wůrgendes schwerd frasse alles / was ihnen nur fürkame. Endlich lieferten sie /nahe beim gebirge Gilead / den riesen eine schlacht /die an beeden theilen sehr blutig war: doch verloren die riesen / und wurden geschlagen / daß ihrer 30000. auf der walstatt blieben. Brammis entflohe mit seinen gewaltigen nach Ar: daselbst er von Moab und Ammi / die ihren sieg verfolgeten / belägert wurde. Weil dieser ort von natur sehr fåst war / als kunten sie lange dem Brammis nichtes abhaben / der sie auch mit oftmaligen ausfällen sehr beunruhigte. Der K \nig Rehob hatte / in einem dieser ausfälle / sich so weit verwaget / den feind wieder nach der stadt jagend / daß / wann Moab ihme nicht eiligst wåre zu hülf gekommen / er sein leben hätte můssen einbůssen. Diesen dienst betrachtete Rehob gar erkentlich / ob gleich sein fůrsatz nur zum sterben ginge: gleichwie auch der grosmütige Moab ihm nicht konte leid seyn lassen / daß er seinem mitbuler das leben erhalten. Ich ůberlasse aber diese belågerung dem Fürsten von Hemath / selbige weiter auszufüren: der uns dann auch / von dem [516] riesen Chomasbolus / ferneren bericht wird ertheilen k \nnen.

Es hatte Chomasbolus (liesse dieser Fürst sich hierauf vernemen /) seine sch \ne beute von Damasco nach Ar eingebracht: aber bei der grosmütigen Jisca solchen widerstand gefunden / daß er seine gefangenin fůrchten muste. Es ware gleichwol in diesem riesen soviel ehrerbietung / daß er ihre gegenliebe nicht mit zwang / sondern durch fleissige bedienung gewinnen wolte. Dieses erhielte ihr noch das leben / welches sie sonst / wann man ihrer ehre etwas håtte anmuten wollen / ihr selbst zu nemen / entschlossen ware. Es begabe sich aber / zu ihrem unglůck / daß auch der K \nig Brammis sich in sie verliebte / bei deme mehr macht und weniger ehrerbietung sich funde / und muste Chomasbolus gleich zurücke stehen. Also sahe sich die unglůckselige Jisca in noch gr \sserer verfolgung: da dann diese einige hoffnung sie noch tr \stete / daß sie ihren Ammi so nahe wuste / und von dessen dapferkeit ihre freiheit erwartete. Dieser held / unwissend / daß seine geliebte ihm so nahe wäre / setzete mit seinen helfern die belagerung eiferigst fort / und wurde / in einem ausfalle / der Chomasbolus gefangen: das dann dem verliebten Ammi die h \chste freude war / weil er durch diesen seinen mitbuler von der sch \nen Jisca etwas zu erfahren verhoffete. Wie gros wurde aber sein verlangen / sie zu erretten / als er vername / daß sie in des Brammis gewalt wåre! Er sparete nun keinen fleiß / die vestung eiligst einzubekommen: worzu ihme der Chomasbolus / aus rachgier gegen seinem König / selbst behůlflich war / und ihm einen weg zeigete / durch welchen die vestung zum leichtesten k \nte erstiegen werden.

Wie sie aber hierüber zu werk waren / kame ein gewaltiges [517] heer riesen aus Hazorim dem Brammis zu hůlfe / also daß unsere helden gezwungen wurden /sich zu teilen: da dann Moab wider die Aim ginge /Ammi aber und der K \nig Rehob vor Ar verblieben. Wiewol nun diese teilung ihre macht sehr schwåchete / so wolte doch Ammi den sturm fůrnemen. Sobald die hierzu bestimmete nacht angekommen / fůrete sie Chomasbolus an den bedeuteten ort: da dann Ammi und Rehob die stadt erstiegen / und alles durch die schärfe des schwerds jageten / was ihnen zu handen kame. Weil aber die riesen in der stadt grossen widerstand thäten / und ihre macht sehr groß war / als verranten sie eiligst den folgenden den paß: also daß der erhitzte Ammi und Rehob / nur mit etlich hundert mann / sich in Ar sahen / und / von allen seiten umringet / nirgend ausweichen kunten. Diese beede helden verübeten damals wunderdinge / und erlegten eine so grosse månge riesen / daß ihnen die erschlagene fast zur mauer dieneten / um etwas von dem gefechte auszuruhen. Weil sie den tod fůr augen sahen / und solchen lieber als ihr gefängnis wehlen wolten / als fochten sie mit unbeschreiblicher dapferkeit. Sie wurden aber endlich / von den vielen wunden / also entkråftet / daß sie unter den todten hinfielen. Wie sie aber / auf befehl des Brammis / recht besichtigt wurden / funde man noch ein leben in ihnen: das dann diesem wüterich eine fr \liche post war / weil er also feine rache desto vollkommener an ihnen auszuůben vermeinete. E. Maj. werden geruhen / uns von dieser geschicht ein mehreres bekant zu machen.

Der Fürst Jonadas hatte / dieses sagend / die K \nigin mit einer tiefen verneigung angesehen: welche hierauf die erzehlung folgender gestalt fortsetzete.

Es hat uns noch keiner berichten wollen / wo die Maecha [518] sei hingekommen: wiewol Dersine dem kammerherrn Abias ein solches aufgetragen. Demnach wil ich bemüht seyn / dem suchenden Moab seine geliebte auch wieder zu verschaffen. Dieser held zoge denen riesen Aim bis an den fluß Arnon entgegen / und lieferte ihnen eine schlacht: die er gewonne / und nicht allein die riesen zwunge / nach Hazorim zurůcke zu entrinnen / sondern auch des K \nigs von Hazorim sohn den Rapha gefangen bekame / und also einen herrlichen sieg davon brachte. Diesen Rapha befunde der Moab so tugendhaft von gemůte / und so scharf an verstand / daß er ihn / weil er auch bei der schlacht viel zeichen einer grossen dapferkeit spůren lassen /in seine freundschaft aufname / unangesehen er sein feind und gefangener war. Demnach hielte er ihn gar ehrlich / und weil er / täglich mit ihme umgehend /eine sonderbare traurigkeit an ihm verspůrete / die aus anderer ursach / als aus seiner gefangenschaft / herrůren muste / als befragte er ihn einsmals: was sein anligen wåre? Der Rapha offenbarete ihm / in antwort: wiedaß seine bande ihn nicht so sehr schmerzeten /als dieses / daß ihme hierdurch alle macht benommen wåre / eine dame / die er liebete / vom tode zu erretten / welche auf dem berge Pegor gefangen såsse / und von seinem herrvatter dazu verdammet wåre / daß sie solte dem Baal Peor geopfert werden. Es wären nur noch acht tage dahin / da diese opferung solte für sich gehen / welche zu hintern er bereits einen anschlag gefasset håtte: der aber nun / durch seine gefängnis /wäre vergeblich worden.

Den mitleidigen Moab taurete dieser unfall von herzen / weil er / als einer der liebete / des Rapha angst wol erkennen kunte. Demnach bote er sich freiwillig an / mit seinem volke / des riesen geliebte zu erretten: weil [519] er ohnedas / seinem sieg nachzusetzen /gesonnen ware. Er versprache auch dem Rapha die freiheit / wann er ihm angeloben wolte / nicht mehr wider ihn zu kriegen. Dieser verliebte riese / bekennte und nennte sich hiergegen des Moab ewig verbundenen. Als sie nun an den berg Pegor gekommen / auf welchem der tempel des Baal-Peors stunde / der von allen seiten trefflich befästiget ware: stürmete der Moab den berg mit höchstem eifer / und erstige denselben. Mitlerweile nun der Rapha / seine gefangenin zu erl \sen / bemühet war / brachte Moab alles unter seine gewalt: wodurch er das halbe land von Hazorim ihme botmäsig machete. Er håtte seinem sieg weiter nachgesetzet / wann ihn nicht / die betrůbte zeitung von dem unglück und gefängnis seines bruders Ammi und des K \nigs Rehob / wäre eingelanget. Weil ihn nun die brüderliche liebe antriebe / ihm in dieser noht beizuspringen: als verliesse er den berg Pegor wol besetzet / und eilete nach Ar zurücke; da dann Rapha ihn nicht verlassen / sondern begleiten wolte. Dieser Prinz von Hazorim / fůrete die erl \sete dame mit sich / welche Moab / wegen vieler geschåfte / noch nicht gesehen hatte. Sie waren noch eine tagreise von Ar /als die zeitung kame / wiedaß der König von Hazorim gestorben wäre. Moab / seine großmut dem Rapha vollk \mlich zu zeigen / liesse ihm zu / daß er nach Hazorim zurücke reisen / und die Kron seines vatters aufsetzen mochte: da hingegen Rapha dem Moab versprache / ihme den Brammis bekriegen zu helfen.

Es hatten aber die zu Ar des Moab ankunft erfahren: dannenhero sandte der K \nig der Emim ihme seine gr \ste macht entgegen / welche in dem gebirge unversehens auf ihn stiesse. Moab bekame die zeitung von der herannahung des feindes / als er eben mit dem Rapha [520] in das gezelt der jenigen dame gehen wolte /die er auf dem berg Pegor ihme befreien helfen. Weil er nun also / diese besuchung geschwind abzulegen /gezwungen war / als eilete er in das gezelt hinein. Er fande daselbst die sch \nheit / die ihm seine freiheit genommen / um deren willen er soviel qual ausgestanden / und deren verlust ihme so unertråglich gewesen. O Maecha! rieffe er / und bliebe damit stehen: weil unverhoffte freude und bestürzung ihn zugleich also überfielen / daß ihme kein sinn / als das gesichte /zum gebrauch ůbrig bliebe. Maecha hingegen / den Moab ersehend / wurde nicht weniger erfreuet: dann sie vorher / wegen innigster traurigkeit / sich nicht bemühet hatte / zu erfragen / wer dem Rapha geholfen håtte / sie vom berge zu entfůren. Wie sie aber beiderseits / wegen der bestůrzung / einander anzureden verzogen / kamen die kriegsbedienten des Moab einer nach dem andern eiligst gelaufen / und meldeten ihm an / wiedaß die riesen bereits in sein lager eingebrochen wären / und nun anfingen / alles in unordnung zu bringen. Der Pelech / unser wirt / soll ferner sagen /wie es weiter ergangen.

Der dapfere Moab / (ersetzete Pelech /) der nicht /seine liebe zu vergnůgen / seiner soldaten-gebůr vergessen wolte / eilete von der schönen Maecha hinweg / nachdem er sie einem seiner kriegsbedienten in obacht befohlen / und schwunge sich zu pferde / dem feinde widerstand zu thun: da er auch solche dinge verrichtete / die niemals keiner ihme gleich oder vor-thun mögen. Die gegenwart seiner Maecha verdoppelte seinen muht: also daß die Emim / welche bereits gesieget hatten / ganz in die flucht geschlagen wurden. Er liesse sie bis vor Ar verfolgen: er selbst aber kehrte wieder zurücke nach dem lager / die Maecha zu sprechen. Er funde / bei seiner wiederkunft [521] ihr gezelt ganz leer / und wuste ihm niemand bericht zu geben /wo sie m \chte geblieben seyn. Also hatte er sie zuvor / gleich als im traum / gesehen / und zweifelte er / ob es wahr gewesen / daß er die Maecha diesen tag gesehen. Rapha liesse sich ebenfalls nirgend finden / wie auch der kriegsbediente / deme Maecha anbefohlen worden. Der betrůbte Moab wolte schier verzweifeln /und wuste nicht / was er beginnen solte: dann er nicht zugleich seinen bruder und die Maecha befreien / und doch auch keines von beiden verlassen kunte. Die Prinzessin von Seir wird uns berichten / was er in dieser beschwerlichkeit für einen schluß ergriffen habe.

Wann ich ihn nach meinem sinn (sagte Ahalibama) solte thun machen / so würde er mir die verlorne Maecha suchen müssen. Nun tauret mich aber auch der gefangene Ammi / der seines bruders beistand hoch vonn \ten hat / also daß ich ihme des Moabs hülfe nicht länger entziehen kan. Hierauf sezte sie die erzehlung fort / wie folget.

Der bekůmmerte Moab entschlosse sich / an Ar einen sturm zu versuchen / ehe die grausamkeit des Brammis ein unglůck wůrken m \chte: demnach bote er sein ganzes heer auf / solches werkstellig zu machen. Brammis / diese zurüstung ersehend / erinnerte sich noch / was er fůr ein mittel in seinen kinderjahren ersonnen / seinen feind vom sturm abzuhalten. Demnach liesse er den Ammi und Rehob auf die mauer fůren / welche inzwischen an ihren wunden wieder genesen waren / und entbote dem Moab hinaus: wo er nicht von dem stůrmen abstůnde / so solte er des Ammi und Rehobs håubter abschlagen sehen. Der beångstigte Moab wuste nicht / wie er sich hierinn verhalten solte / und ware ganz unschlüssig. Indem ersahe er / daß ein getůmmel und gefechte auf der mauer entstunde; und bald darauf / daß Ammi [522] und Rehob befreiet / und mit schwerdten / sich zu wehren / versehen wurden. Wiewol er nun nicht eigentlich wuste /was diß bedeutete / so vermutete er doch etwas gutes: fuhre demnach mit dem stürmen fort / und zwar so glůcklich / daß er die stadt erstiege / und also diese fastunüberwindliche vestung ůberwältigte. Der Fürst von Ressen / wird uns hievon ein mehrers berichten.

Der Rapha (erzehlte Ninias /) ware neben der Maecha in Ar gekommen: da ihn Brammis / als seinen vettern / willig aufgenommen. Weil er nun dem Moab / fůr die von ihm entfangene wolthaten / auf alle weise wieder dienen wolte / als hatte er diesen anschlag gemachet / den Ammi und Rehob zu befreien / wann Moab die stadt stürmen wůrde. Wie nun solches glücklich verrichtet / und Moab herr von der stadt war / überlieferte ihm der Rapha seinen bruder / neben dem K \nig von Zoba / und gabe unserem helden zu erkennen / wiedaß er ihme diesen dienst geleistet /indem er ihn also anredete: Nimm hin / grosser held! von des Rapha hand / deinen befreiten bruder und bundsverwandten? Er ist dir noch viel mehr als dieses schuldig: weil du ihm die jenige befreiet und wieder gegeben hast / an der sein leben hånget. Der bestůrzte Moab wuste nicht / wie er dieses beantworten solte /und klagete sein grausames verhängnis an / welches ihme hinterlich war / seinen mitbuler zu hassen. Er dorfte auch / bei solchen umstånden / nicht nach der Maecha fragen / welches er doch mit noht unterliesse. Nachdem er ihme vor diese rettung seiner freunde gedanket / und Rehob und Ammi ihre beide erl \sere vielfåltig umarmet hatten: begaben sie sich såmtlich nach der königlichen burg / da fůrnemlich den Ammi verlangte / seine geliebte Jisca zu sehen.

Als diese vier helden in das gemach eingetreten / da [523] Maecha und Jisca innen waren / liefe die letzere gleich zu dem Ammi / denselben zu entfangen. Die erste aber / ersahe ihren geliebten Rehob nicht sobald / da begunte sie ihm um den hals zu fallen: und kan man denken / wie dieses dem Moab und Rapha gefallen. Rehob / der nichtes von ihrem da seyn gewust /wäre schier in ihren armen für freuden gestorben. Wiewol nun die gegenwart des Moab seine freude ein wenig unruhig machete / so kunte er doch ein so unvermutetes glůck nicht ohne sonderbare gemüts-erfrö lichung annemen und geniessen. Der Rapha sprache dem Moab zu / ihm seine dame zu schützen / als welche er keinem andern g \nnen k \nte. Es halte ihn auch nur bloß die ehrerbietung / die er für ihm trüge / zurůcke / daß er nicht dem Rehob gleich zeigete / wie grosses anteil er an der Maecha zu haben vermeinte. Ach! (seufzete und sagte hierauf der ungedultige Moab / zu dem Rapha /) du sihest / edler held / sowol an mir als an dem Rehob / einen mitbuler: gedenke darum / wie ich so ganz untüchtig bin / dir zu dienen /da ich selbst in einer verzweifelten liebe lebe. Diese worte machten den Rapha so unwillig / daß er nicht wuste / wozu er sich entschliessen solte. Doch ůbermeisterte ihn die liebe / daß er ihm fůrname / die Maecha zu behaubten. Demnach ginge er / voller wut / aus dem zimmer hinaus. Weil er unter den Emim /die er auch besagter massen auf seine seite gebracht /und also den Ammi und Rehob befreiet / hoch angesehen war: als brachte er dieselben jetzund gleich wieder auf / daß sie ihm folgeten / ihm die Maecha rauben zu helfen. Weil aber des Moab / Rehob und Ammi v \lker diesem verzweifelten liebhaber zu stark waren / als wurde er gefangen / und alle diese Emim erleget. Es hielten aber unsere helden fůr unbillig /den jenigen / der sie befreiet und ihnen so [524] grosse dienste gethan / gefangen zu halten: dannenhero sie den Rapha alsobald wieder auf freien fuß stelleten. Wie es weiter abgelaufen / werden wir von der Prinzessin Ammonide erfahren.

Der Ammi (erzehlte Ammonide /) liesse sich darzu gebrauchen / zwischen diese helden zu gehen / und sie miteinander zu vers \nen. Rapha aber wolte / weil er sich sonst ohne alle macht sahe / die sache auf einen kampf stellen / den er dem Rehob antragen liesse: und Rehob willigte solches ein / mit der bedingnis / daß der ůberwundene solte die Maecha fahren lassen. Sie waren aber beide so dapfer / daß jeder entweder den sieg oder den tod hoffete davon zu tragen. Rapha suchete / die Maecha zu sprechen / und bate sie / wann er in diesem kampf stürbe / daß sie dem Moab ihre liebe gönnen wolte: welche bitte auch der Rehob gegen ihr ablegete. Also ginge / in gegenwart des ganzen heers / dieser blutige kampf an: welcher ihnen beiden tödlich war / indem der Rapha gleich auf dem platz bliebe / Rehob aber nur noch etliche stunden lebete / die er in seiner Maecha armen zubrachte: und bate er sie nochmals / in anwesenheit des Moab / daß sie nach ihm diesen helden lieben wolte / der ihrer allein würdig wäre. Also sturben diese beide edle K \nige von Zoba und Hazorim / und verlore Moab damit auf einmal zween wehrte freunde. Wie es nach deren absterben weiter ergangen / wollen wir von dem Ardeus hören.

Wir haben noch nicht gehöret / (erlångerte dieser die geschichte /) wo der K \nig Brammis hingekommen. Dieser herr / als er auf einer seite alles dergestalt in unordnung sahe / name die flucht mit den vornemsten des reiches / und entronne nach Seirath / das nahe am gebirge liget: daselbst er alles gesammlet / was ihme von seiner macht noch ůbrig ware. Unsere helden såumeten sich [525] auch nicht / den Brammis zu verfolgen. Den Ammi triebe hierzu die begierde / seiner Jisca des Brammis Kron aufzusetzen. Der Moab aber verfolgte diesen krieg / weil er von der betrübten Maecha befehl bekommen hatte / alle des Rapha landsleute auszurotten / und also an ihnen Rehobs blut zu råchen. Sie liessen / in diesem kriege / alles durch die schärfe des schwerdes sterben / zur rache des todes ihrer mütter. Brammis wolte sein heil noch eins an ihnen versuchen / und lieferte ihnen eine schlacht: in welcher ihn der Ammi mit eigener hand erleget. Hierauf wurden alle Sammesunim und Emim gånzlich ausgerottet / daß ihrer gar wenig ůberblieben: die aber zinsbar wurden / und ferner keine gewalt mehr ůberkamen. Die Fůrstin von Arvad wird nun ferner sagen / was sich zu Ar zugetragen / allwo die beide schwestern zurůcke gelassen wurden.

Nachdem die Dersine also aufgefordert worden /ginge sie zuvor zur Königin von Ninive / und sagete ihr etwas in das ohr: und als ihr dieselbe solches belieben lassen / erweiterte sie die erzehlung / wie folget.

Die Maecha / welche des Rehobs tod sehr beweinete / funde noch einigen trost in ihrer schwester gegenwart: die dann sehr bemůhet war / den Moab bei ihr beliebt zu machen / und ihr / unter andern ursachen /des sterbenden Rehobs eigenen befehl fůrhielte. Also wurde Maecha nach und nach / fůr den Moab / gewonnen. Jisca hatte ihr alles erzehlet / was ihr mit dem riesen Chomasbolus begegnet / wie derselbige in Ar todt geblieben / und wie Ammi und Rehob so unglůcklich durch einen sturm in die stadt gekommen wären. Maecha erzehlete ihr hinwieder / wie sie / den tag vor ihrer hochzeit / aus Haran gekommen. Ihre worte / wird uns der kammerherr [526] Abias fürtragen: den ich zum zweitenmal / mit der K \nigin erlaubnis / benenne / weil er das erstemal nicht recht verrichtet /was ihme war auferleget worden.

Abias hatte dessen sich nicht versehen / weil es wider des spieles satzungen liefe / von einer mitspielenden person zweimal aufgefodert zu werden: befande sich demnach in nicht geringer verwirrung. Gleichwol / als er deme / was er zu sagen hatte / ein wenig nachgesonnen / beschrånkte er das ihme aufgetragene mit diesen worten.

Die Maecha erzehlete der Jisca / wie des Raphavatter / der K \nig von Hazorim / einen Bactrianer bei sich gehabt / der vorhin bei dem K \nig Zoroaster /dem berümten zauberer / war in diensten gewesen. Weil er nun dieser kunst auch wol erfahren war / als hatte er dem K \nig von Hazorim / auf sein begehren /alle sch \ne damen der ganzen welt in einem gesichte sehen lassen. Es hatte ihm keine båsser / als die Maecha / gefallen: daher er dem Bactrianer angelegen /diese schöne ihm zu verschaffen. Selbiger brachte solches durch seine zauberische künste zuwegen / und wurde Maecha / unsichtbarer weise / mitten aus Haran hinweggezucket / daß niemand etwas davon wargenommen. Wie sie nach Hazorim gebracht worden / wolte der riese / aus heftiger liebe / sie mit gewalt zu seinem willen zwingen. Maecha aber widerstunde ihm mit so grosmütiger entschliessung / daß sie einsmals den Oberpriester des Baal-Peors / der sie zu des K \nigsliebe bereden wollen / mit eigener hand erwürgte. Hierdurch hatte sie seine liebe in solchen haß verwandelt / daß er sie dem gott Baal Peor auf dem berge Pegor wolte opfern lassen: wovon aber der Rapha / welcher sich auch in sie verliebet / mit hůlfe des Moab sie errettet. Die Fürstin von Cale wolle ihr nun belieben lassen / [527] uns zu berichten / was ferner mit diesen zweien brüdern und schwestern zu Ar vorgegangen.

Unsere helden (erzehlte Casbiane /) kamen endlich sieghaft wieder in Ar an / da Ammi des Brammis Kron seiner Jisca zu füssen legete. Hierauf wurde er /mit allgemeiner bewilligung / zum K \nig erklåret ůber das ganze land / das zwischen Syrien / Arabien und dem gebirge Gilead liget / welches die Sammesunim und die Emim bewonet hatten. Er erwehlte die stadt Rabbath zu seinem hoflager / dahin er auch die Jisca fůrete: welche nun seiner liebe sich v \llig ergabe / und / ihn heuratend / die erste K \nigin von Ammon wurde. Der ritter Dison wolle nun auch sagen / wie Moab seine Maecha ůberwunden / daß sie des Rehob vergessen / und sich ihm geschenket.

Weil Maecha des liebens gewonet war / (setzete Dison hinzu /) seit daß sie ihr herz dem Rehob eingeraumet / als fiele es dem Moab nicht schwer / sich in dessen stelle bei ihr zu setzen. Weil sie sein sterbender mitbuler ihme gleichsam im lezten willen vermachet / und er auch / das geschlechte der Aim austilgend / ihren befehl erfůllt hatte: als war die vergeltung dafür / ihr herze / welches sie ihm so vollkommen zu besitzen übergabe / als es jemals dem Rehob eigen gewesen. Die k \nigliche hofmeisterin wird die beilager- und kr \nungsfeste / bässer als ich / anstellen k \nnen.

Das beilager der beiden brůdere mit den beiden schwestern / (erzehlte Perseis /) wurde zu Rabbath gehalten. Der glückhafte Moab / begabe sie hierauf von seinem bruder / den K \nige von Ammon / in das land Hazorim: welches er nach seinem namen Moab nennte. Er liesse auch eine stadt bauen / deren er den namen Rabbath Moab gabe: alda seine Maecha gekr \net wurde. [528] Es wurden / unsern beiden helden zu nachrum / stattliche ehrengedåchtnise von kostbarem marmor aufgerichtet / woran diese reimen geschrieben stunden: welche / zum beschluß dieser geschicht / der Fürst Jothan uns wiederholen wird.

Ich sehe wol / (sagte Jothan /) daß mir mein warten ůbel gelungen: und / da ich vermeinte zum leichtesten davon zu kommen / wird mir nun die schwereste last aufgeleget. Ich habe aber niemals die poeterei gelernet / auch / die warheit zu bekennen / wenig beliebung darzu getragen. Wann ich nun / der Perseis befehl nachzukommen / gehalten seyn solte / wůrde man wol noch etliche stunden auf meine einflüsse warten müssen. Deswegen überlasse ich diese reimen jemand anderem in der gesellschaft / und wil nicht eifern mit dem / der bässere verse als ich machen kan. Wann es nicht (sagte die Königin /) bereits anhübe dunkel zu werden / wolten wir gern des Jothans einfålle erwarten. Weil wir aber an die rükkehr gedenken můssen /als wollen wir darum losen / wer von uns anderen dem Jothan soll seine last abnemen. Damit wurden /auf der K \nigin befehl / der Merone / welche nicht mit gespielet / die augen verbunden / und sie in die mitte gestellet: und solte die person / zu der sie also blindlings gehen wůrde / die begehrte reimen verfårtigen. Es traffe aber die Königin selber: welche / als sie ein wenig sich bedacht hatte / des Moab und Ammi geschichte mit diesen lobreimen beschlosse.


Die / so ihre mutter solte seyn /

ward zum stein.

Sittim / das verfluchte thal / von dem feuer umgekehret /

das vom himmel fiel herab /

hielten ihre töchter fůr der ganzen welt ihr grab /

meinten / alles sei verzehret.

[529]

Ob die that schon ware sünd:

doch so hat der vorsatz lob verdient /

eine neue menschenwelt mit dem vatter anzubauen.

Irrtum war es / keine bosheit nicht /

der die keuschheit riss' aus ihrer pflicht.

Hat die unschuld / schuld begangen?

Ob sie ja des vatters weiber und der brůder mütter seind:

ach! dem riesen-stammen / unsrem feind /

haben sie den tod geboren;

Sůndgeburt / die misgeburt auszurotten / war erkoren.

Ach! was tugend-helden

hat diß laster uns gezeugt!

Låstermåuler / schweigt!

Moab / A i / man mit ruhm soll von welt zu welt vermelden.

Ehret hier den nam:

Er ist zweier völker Königs-stam.


Die ganze gesellschaft / ergetzete sich mit diesen reimen der K \nigin: welche / als man / um wieder heimzufahren / aufgestanden war / die Ahalibama bei der hand name / und / indem sie nach dem schiffe zu gingen / sie fragte: wie ihr diese art zu spielen gefiele / und ob es nicht eine edle gemůts ergetzung wäre? Ahalibama bejahete solches / und erinnerte allein dieses dabei: daß in dergleichen gespråchspielen / die gesellschaft einig seyn und gleiche beliebung darzu tragen müste / sonsten k \nte eine person alles leichtlich verderben. Dieses urteil gefiele der K \nigin gar wol /und setzte sie hinzu: wiedaß sie / an dem Jothan / fast eine solche person gehabt hätten. Sie lobete hingegen den ritter Dison gar sehr / daß der sich aufs bäste hierein gefunden: fragete auch nach dessen herkunft /erfuhre aber von der Ahalibama nichtes mehrers / als daß er vom gebirge Seir bůrtig wåre. Hiemit setzeten sie sich zu schiffe / und kamen schier bei nachtzeit wieder auf des Pelech schloß. Und weil die K \nigin /folgenden tags nach Hemath wieder abzureisen / gewillet [530] war / als begaben sie sämtlich sich also fort nach ihren gemåchern / um zu ruhe zu gehen.

Die Ahalibama fande ihren ritter Dison / nachdem sie bei der K \nigin / die ihr ihr abreis-vorhaben angesaget / sich etwas aufgehalten / der Astale / weil sie dieser spazirfart nicht beigewonet / alles erzehlen /was fůrgegangen / und hörete ihn eben folgende worte sprechen: Diese Aramena ist länger von person als ich / hat braune offenbare augen voll feuer und liebreitzung / eine etwas erhobene nase / einen schönen mund / und castanienbraune haare / welche ihr / wie es scheinet / von natur in krause locken fallen. Sie ist dabei liecht von farbe / und eines freien munteren wesens: also daß / wann ich warhaftig Dison wäre / ich mich nicht scheuen wolte / ihr aufzuwarten. Indem Astale antworten wolte / wiedaß sie nie auf dem gebirge Seir diese Aramena gesehen håtte / kame ihr Ahalibama zuvor / zu dem Dison sagende: Du bist verliebt / mein Dison / in diese dame deines namens! und wer weiß / ob dich nicht die g \tter straffen / daß du eben so vergeblich diese Aramena lieben müssest /als mein bruder Dison dir umsonst aufgewartet. Dergleichen torheit (antwortete die verkleidete Aramena /) liset man in keinem buch von der g \tter leben. So habe ich auch dergleichen leiden nicht verdienet / weil ich deinen bruder mehr damit erfreuet als betrübet /daß ich ihn nicht lieben können / indem ein gleichmåsiges gelůbde / nie zu heuraten / ihn von mir abgehalten.

Wer mag aber (fragte hierauf Ahalibama /) diese Aramena seyn? Sie ist (gabe Dison zur antwort /) aus deinem lande bůrtig / und wartet der K \nigin von Ninive fůr eine jugfrau auf. Sie hat gar genau und fleissig deinen zustand erkundiget / und habe ich genug zu thun gehabt / ihr alle fragen sonder teuschen zu beantworten. [531] Sie muß mich kennen: (sagte Ahalibama /) dann / als ich sie neben den andern jungfrauen begrůssete / liesse sie sonderbare zeichen blicken / dar aus ich ein solches abnemen kunte. Hierauf gingen sie zur ruhe: da dann der Dison und Tirzis / aus der Ahalibama gemach abtretend / zum Brianes und Zimenes sich geselleten: welche fůr bediente der Casbiane / als mit welcher sie von Ninive gekommen waren / sich ausgaben. Diese viere blieben stäts beieinander / und beflissen sich / von aller månnlichen gesellschaft entfernet / ganz abgesondert zu leben.

Am folgenden morgen / wie die schöne Delbois mit dem ganzen Ninivitischen hofe / da sich Ahalibama von Seir nun auch mit unter rechnete / von dem Pelech / mit bezeugung h \chster zufriedenheit / abschied genommen / fuhren sie in gesamt nach der Königlichen stadt Hemath: da der Fürst Jonadas / wegen des K \nigs unverm \glichkeit / sie stattlich entfinge und mit ansehnlicher wirtschaft beehrete. Allhier funde der sch \ne Dison seine ergetzlichkeit / in besichtigung der gemächer / die ehmals der unglůckseligen Ardelise zur wonung gedienet: dann der kåmmerer Abias fůrete eines tags / die bediente der Ahalibama / aller orten umher; da sie auch in das zimmer kamen / allwo der sch \nen Amorite bildnis hinge / welches so unglůckliche wirkung in des Königs gemůte verursachet hatte. Dison und Astale / die unlängst diese Prinzessin gesehen / funden das bild ihr ganz gleich; und sagte Abias / als er diese beide also aufmerkend ersahe: Wolte der himmel / wir håtten niemals diese sch \nheit allhier gesehen! so wůrden wir nicht in das unglůck gerahten seyn / darinn wir jezt schweben. Es hat aber die Prinzessin Amorite / (versezte Dison /) zu diesem erfolgten unglůck / ganz unschuldig eine ursach seyn můssen. [532] Es ist schwer / (wandte Abias darwider ein /) von hohen personen zu reden: sonst håtte man wol m \gen wünschen / diese Prinzessin wäre weniger verliebt / und in ihrem thun mehr bedachtsam gewesen. Dison dorfte / um argwahn zu verhůten /dieses nicht verantworten.

Sie kamen damit auf einen saal / allwo sie das gesamte Ninivitische frauenzimmer / neben den Fürsten von Ninive und dem adel aus Hemath antraffen: welche / den Dison ersehend / ihn gleich in ihre gesellschaft zogen. Sie hatten mit einem Chaldeer zu thun /der in der warsagerkunst sehr erfahren war / und ihnen in gesamt / aus den händen oder dem gesichte /ihr kůnftiges glück offenbaren muste. Casbiane / die mit zugegen / wolte haben / der Dison solte ihm /gleich den andern / aus den hånden etwas weissagen lassen: er aber weigerte sich dessen / aus beisorge /dieser Chaldeer möchte in seiner kunst gar zu gewiß seyn. Aramena / der Delbois kammerjungfrau / dieses h \rend / sagte: Ich bin fr \lich / daß der ritter Dison sich ja so sehr als ich widersetzet / kůnftige dinge zu erkůndigen. Er kan aber (sprache Dersine /) eben sowol aus dem gesichte / als aus den hånden / urteilen / und wollen wir des Disons und der Aramena geheimnise doch wol erfahren / wann sie schon noch so fleissig ihre hånde verbergen. Hiemit sprache die ganze gesellschaft dem Chaldeer zu / er solte aus ihrem gesichte etwas warsagen.

Dieser / wie er sie beide genau betrachtet / finge an zu lachen / sagende: Ich wil nimmer von meiner kunst und wissenschaft das geringste halten / wo nicht diese beide personen ehelich zusammen verlobet sind. Dieses machte den Dison kůhner / weil er hieraus die ungewißheit des Chaldeers erkante / und scheuete er sich nun nicht mehr / ihm seine hand zu zeigen / ihme zugleich zusprechend: [533] Er solte recht ergründen / wie lange sie zusammen wären versprochen gewesen / und ob die hochzeit bald würde fůr sich gehen? Wie nun der Chaldeer des Disons hand wol besehen / sagte er: Ehe etliche monden vorbei laufen / wird euer beider trauung geschehen. Wird aber (fragte Aramena) nichtes sonderliches bei unserer hochzeit fůrgehen / und werden sich keine mitbuler einstellen? Wann ich (antwortete der Chaldeer) eure hand gesehen / wil ich bald mehr nachricht hiervon geben. Aramena / die sich nunmehr ja so wenig / als der Dison / scheuete /weil sie ihn fůr einen betrieger zu achten begunte /reichete ihm die hand dar; welche er lang besahe / und endlich sagte: Soviel ich aus dieser hand absehen kan / wird es euch grosse můhe kosten / gegenwårtigen ritter zu erlangen / und sind an beiden teilen måchtige mitbuler und mitbulerinnen vorhanden.

Dieses ist wol sonderlich ausgesonnen! (sagte Aramena /) wir sind långst zusammen versprochen gewesen / und sollen bald hochzeit halten: und dannoch wird es mir viele mühe kosten / diesen ritter zu überkommen. Dem mag seyn / wie ihm wolle / (antwortete der Chaldeer / entwas entrüstet /) so wird doch die zeit die warheit herfür bringen. Wolan dann! (fuhre Aramena in ihrem scherze fort /) so wil ich mich bei zeiten bemůhen / des Disons gegenliebe zu gewinnen. Und ich / (sagte Dison lächlend /) wil mich so sträng gegen die sch \ne Aramena erzeigen / daß es ihr sauer genug werden soll / mein herze zu gewinnen. Wie ich es ansehe / (unteredete Siringe /) so muß Dison die stelle der liebsten annemen / unsere Aramena aber sich als den verliebten aufwårter anstellen. Wolan /ich bin es zufrieden / (sagte Aramena /) und ernenne mich von nun an des sch \nen Disons / als meiner gebieterin / ergebensten diener. [534] Diesen sch \nen diener (antwortete Dison) neme ich willigst auf / nach dem verstande des Chaldeers / und wil von nun an den namen ihrer gebieterin füren.

Die ganze gesellschaft ergetzete sich an diesen scherzreden des Disons und der Aramena. Der Chaldeer aber / welcher sich durch diesen spott sehr beleidigt befunde / wurde von eifer erhitzet / und wolte nicht långer verbleiben; sagte aber zuvor / ehe er sich hinweg begabe / dem Dison heimlich ins ohr: Ich wil euch nicht mit gleicher můnze bezahlen / sonst möchte ich wol vieleicht etwas von euch offenbaren k \nnen / das euch das lachen vertreiben wůrde. Dison / dieses hörend / wurde ganz mit röte überzogen / welches jederman ihm anmerkete: das dann neue gelegenheit zu scherzen gabe. Indem kame die K \nigin mit den Prinzessinnen auch dazu / welche gleich fragete / wovon ihre unterredung handelte? Als man es ihr erzehlet /betrachtete immittels Ahalibama die Aramena von neuem / als sie auch ihre augen auf die ihrigen unverwandt gerichtet funde: und fülete sie in ihrem herzen eine sonderbare zuneigung gegen ihr / deren ursachen ihr doch verborgen waren. Ihr ritter Dison / wurde gleichfalls von der K \nigin mit ungemeiner gemůtsbewegung angesehen; und weil jederman von ihme wissen wolte / was der Chaldeer ihm hätte ins ohr geraunet / sagte er: Es wåre etwas gewesen / das seinen zustand allein betreffe / und nicht die Aramena / deren er es sonst / als seinem getreuen aufwårter / nicht verschweigen wolte. Dieses brachte Dison mit so guter art für / daß er ihrer aller zuneigung / die seine in allen dingen sich erweisende annemlichkeit ihm vorhin erworben / damit vermehrete.

Weil die K \nigin im werke begriffen war / nach dem garten zu gehen / alda der Fürst Jonadas die abendmalzeit [535] zurichten lassen / als begaben sie sich såmtlich da hin; da dann Dison und Aramena ståts beieinander verblieben. Unter andern gespråchen /sagte diese jungfrau zu der Ahalibama rittern: wiedaß sie groß verlangen trůge / die Prinzessin von Seir in geheim zu sprechen; und bate ihn / daß er seiner Prinzessin solches anmelden wolte: welches er ihr verhiesse. Es wuchse auch / von der zeit an / in ihrer beider herzen eine sonderbare freundschaft / die in nichtes als in der verträulichkeit noch unvollkommen ware. Nachdem nun dieser abend mit allerhand ergetzlichkeiten / welche die von Hemath aussinnen kunten /ware zugebracht worden / und die gesellschaft sich voneinander begabe / brachte Dison der Ahalibama das gewerbe der Aramenen an: deren begierde und verlangen hierdurch noch mehr entzůndet wurde /diese Seirische dame zu kennen. Demnach suchete sie am folgenden morgen gelegenheit / sie in ihrem gemach allein zu sprechen. Weil sie aber / eben an dem tag / neben der Fůrstin Dersine ihre aufwartung bei der K \nigin ablegen muste / welches die kammerfrauen unter sich liessen herumgehen / als kunte sie nicht dazu gelangen. Doch spürete Aramena wol aus ihren gebärden / als Ahalibama zur K \nigin kame / daß der Dison bereits das aufgetragene gewerbe bei ihr můste abgeleget haben.

Weil die K \nigin sich entschlossen hatte / des Wothans tempel zu sehen / fůrnemlich darum / daß sie möchte mit den Druyden in kundschaft gerahten: als liesse sie in der frühe ihren wagen bespannen. Der Jonadas brachte sie / allein von der Ahalibama / Ammonide / Aramena und Dersine begleitet / hinten von dem schloß hinunter: da sie / wie sie aus der stadt gekommen / sich auf ein schiff setzeten / und also nach dem tempel fuhren. [536] Der oberste unter den Druyden /entfinge sie alda am ufer: und weil es noch nicht opfer zeit war / als funden sie den tempel ganz ledig / daß also die sch \ne Delbois alles desto freier besichtigen kunte. Weil der Druyde sie in allem unterrichten wolte / sagte er zu ihr / indem sie über den grossen hof des tempels gingen: Diesen bau des gottes Wothan / hat die K \nigin Sonna / unseres K \nigs verstorbene gemalin / gestiftet; wiewol wir in unserem lande uns keiner tempel bedienen / sondern in finstern wäldern den gottesdienst verrichten. Dieser frommen K \nigin fůrsatz war aber dieser / daß sie in diesem lande desto eher ihre weise einfüren m \chte: welches nicht geschehen k \nnen / wann sie die tempel håtte abschaffen wollen / weil das gemeine volk nimmermehr davon wůrde seyn zu bringen gewesen / als die der tempel gar zuviel gewonet ist. War dann / diese K \nigin / (fragte Delbois /) aus der Teutschen geschlechte? Sie war (berichtete der Druyde /) des jetzigen statthalters der Amoriter des Suevus schwester / und eine fraumutter der unglůckseligen Ardelise und des beklagenswůrdigen Apries: welche beide ihr leben an diesem ort haben lassen můssen. Ich habe von dieser grausamen that (sagte die K \nigin /) viel gehöret; und muß euer Wothan ein grausamer gott seyn / daß er mit menschenblut wil ausges \net werden. Dieses alles (antwortete der Druyde) hat eine geheime ausdeutung: und weil mir wissend / daß E. Maj. eine edele begierde tragen / unseren glauben und gottesdienst eigentlicher zu kennen; als scheue ich mich nicht / deroselben alles zu eröffnen.

Es ist das menschliche geschlecht / wie unser Urvatter Tuiscon uns gelehret / bei anfang der welt / in so schwere sünde gegen Gott gerahten / daß sie nicht wieder zu gnaden [537] hätten gelangen k \nnen / wann nicht Gott seines gesch \pfes sich erbarmet / und sie mit einer verborgnen verheisung von einem jungfrauen-sohn / welcher der welt vers \ner werden soll / getröstet håtte. Diese jungfrau beten wir / unter dem namen der Isis / als eine heilige G \ttin an / und halten sie fůr des Wothans tochter; verehren sie auch ganz anderst / als die Egyptier thun / wie in Basan unter des Gambrivius regirung mag gesehen werden. Wir haben auch diese menschenopferung dem Wothan zu ehren angestellet / um uns dadurch gegen ihme einiger massen dankbar zu erweisen / fůr die verheisung / die wir von der Isis sohn entfangen. Dieser euer glaube /(sagte Delbois /) ist eines teils nicht zu verwerfen: doch kan ich nicht finden / wie aus dieser verheisung /die wir von einem kůnftigen versöner haben / folgen solle / daß man dörfe menschen schlachten. Es gebůret uns nicht / (gabe der Druyde zur antwort /) in den geheimen gesetzen zweifelend zu grůbelen; und was aus liebe zu dem Wothan geschihet / wird derselbige nicht ůbel aufnemen. Delbois / die bei fernerem widersprechen befahren muste / der Druyde wůrde nachlassen / ihr so frei alles zu berichten / hielte damit ein / und kame sie damit in den tempel.

Es stunde mitten in demselben ein dreieckichter Altar / von welchem / als die K \nigin ihn wegen dessen ungew \nlicher gestalt befragte / der Druyde ihr diesen bericht gabe: Dieser Altar (sagte er /) deutet die Gottheit an / welche zwar einig ist / aber (ein grosses geheimnis!) in dreifacher gestalt betrachtet wird. Dorten (sprache er ferner / ihr ein gemålde zeigend /) k \nnen E. Maj. eigentlicher sehen / wie wir die heilige Gottheit abbilden. Hiemit fůrete er die Königin nåher zu diesem bilde / welches zugleich eine Sonne /einen Mond und [538] [540]ein Feur vorstellete. Als Delbois hierüber mehrere erklärung verlangte / sagte der Druyde: Dieses kan anderst nicht erklåret werden / als daß Sonne / Mond und Feuer / gleichwie die Gottheit / zugleich ein wesen haben. Wil man nun die Sonne fůr den Teutates / den Mond fůr die Isis / und das Feur für den Wothan nemen / sind solches gute gedanken. Es ist aber / wie gesagt / dieses geheimnis so groß / daß man nicht viel davon reden darf. Hiervon name die K \nigin gelegenheit / ihn zu fragen: ob sie dann viele götter / oder nur eine einige Gottheit gläubeten? Es ist nur ein Gott / (antwortete der Druyde /) der unsern vatter Tuiscon in unser land gefüret / dessen gesetze wir noch unverbrüchlich halten und in acht nemen. Hierinnen falle ich euch bei / (sagte die K \nigin / doch etwas heimlich / zu ihme /) und finde euren glauben bässer gegrůndet / als aller anderen v \lker ihren / die hierum wonen.

Dieses urteil / so die schöne Delbois fållete / gefiele dem Druyden sehr wol / und sagte er zu ihr: Wann E. Maj. in Basan unsere gebråuche sehen und alda mit denen Druyden sich besprechen solte / bin ich versichert / sie wůrden ein grosses vergnůgen daran haben. In diesem lande aber hat / wie gesagt / nicht alles so vollkommen k \nnen angestellet werden: weil die leute / von ihren anderen gew \nlichen weisen / nicht abzubringen gewesen. Was haltet ihr aber (fragte die K \nigin /) von den seelen der menschen? glåubet ihr /daß dieselbigen unsterblich seien? Ja freilich! (antwortete der Druyde /) Unsere seele ist ein geist / der nicht mit dem leib vergehet: daher bei uns die getreue eheweiber ihren månnern nach dem tode folgen / um zu verschaffen / daß ihre seelen desto eher wieder m \gen zusammen kommen. Euer glaube von der seelen unsterblichkeit ist gut / (sagte Delbois /) [540] aber das jenige / so ihr daraus folgern wollet / ist unrecht. Kein mensch ist herr über seinen leib / noch über sein leben: d \rfen wir es also nicht selber verkůrzen / ehe es dem sch \pfer gefället. Teils unter den Vacien /(versezte der Druyde /) welche eine besondere art unserer geistlichen sind / glåuben eben das / was E. Maj. vorgebracht: es ist aber dieser streit unter uns noch nicht er \rtert worden.

Indem also die K \nigin mit dem Druyden gespräche hielte / hatte sich Ahalibama nach der andern seite des tempels begeben / da ein Dianen bild von weissem marmor auf einer seule stunde: fůr welchem sie niederfiele / und dieser göttin / als deren sie sich zu dienen verlobet hatte / sich anbefohle. Die erinnerung / warum sie dieses gelůbde gethan / triebe ihr hierbei håufig die lehren aus den augen. Die K \nigin traffe sie in solcher stellung an / und sagte / diese ihre abg \tterei bei sich heimlich tadelend: Wie finde ich euch also / meine base? Ahalibama / die indeß wieder aufgestanden war / antwortete der K \nigin: Man wird mich nicht verdenken / daß ich der grossen Diana vor allen göttern meine verehrung abstatte / als in deren dienst ich mich verlobet / und mein ůbriges leben in ihrem tempel zu Ninive hinzubringen / entschlossen bin. Dieser schluß / (sagte die K \nigin darwider / die Ahalibama damit umarmend /) soll sich noch mit des h \chsten hůlfe ändern / wann wir miteinander etwas mehrers werden bekant worden seyn: welche worte aber von niemanden / als von der Ahalibama / geh \ret wurden. Die K \nigin fragte hierauf ferner den Druyden: wie dieses Dianen-bild wåre in ihren tempel gekommen? Selbiger antwortete: Es håtte der K \nig von Hemath solches dahin stellen lassen / weil das gemeine volk diese g \ttin sehr verehrete; [541] und weil / unter ihrer gestalt / auch die Isis wol könte verstanden werden / als wäre es von ihnen im tempel gedultet worden.

Indem begunte das volk nach und nach den tempel anzufüllen / und kamen die Vacien / Barder und Druyden / die gew \nliche opfer zu halten: welche jezt / wegen der unpåslichkeit des K \nigs / als fůr dessen wiedergenesung sie baten / verdoppelt wurden. Die K \nigin / so nun alles besehen hatte / wolte alda nicht långer / verharren / sondern als sie von dem obersten Druyden abschied genommen / begabe sie sich mit den ihrigen wieder zu schiffe. Im hinfahren nach der stadt / begegnete ihr der Fůrst Ninias von Ressen /neben den andern Ninivitischen Fůrsten: welche ihre verseumnus entschuldigten / daß sie der K \nigin nicht eher aufgewartet. Sie bliebe aber diesen mittag allein /in ihrem zimmer. Als derentwegen Ahalibama von ihr hinweg ginge / raunete Aramena ihr ins ohr / sie hoffe die erlaubnis / folgenden morgens in ihrem gemach ihr aufzuwarten: welches Ahalibama nicht beantworten kunte / weil eben Aramena eiligst zur K \nigin geruffen wurde.

Die ursach / warum Delbois allein seyn wolte / war diese / weil der Midianitische Fůrst Hanoch sich heimlich bei ihr angeben lassen: welchem Aramena /als alle die anderen sich hinweg begeben / in ihr gemach bringen muste. Weil dieser Fůrst / des Esau und ihres liebsten Prinzen vertrautester war / als entfinge sie ihn gar h \flich / zu ihm sagende: Weil seine tugend ihr fürlångst bekant gewesen / als håtte sie / auf sein begehren / allein und ohne vorbewust ihrer Ninivitischen Füsten / ihm geh \r zu geben / kein bedenken getragen; ihn dabei versicherend / daß sie in seinem anligen ihm nach möglichkeit wolte beistand leisten. Hanoch wurde / durch dieses [542] gütige anerbieten der schönsten K \nigin von der welt / so aus sich selber gebracht / daß er fast nicht worte genug finden kunte / fůr diese gnade ihr zu danken.

Als er ferner / seine angelegenheit fürzutragen / um erlaubnis gebeten / finge er also an zu reden: Es stellet mich jezt für E. Maj. augen / die bedrängnis des grossen Edoms / der auch bereits auf dem weg ist / in Syrien zu kommen; um bei dem K \nig Bel Ochus E. Maj. herrvattern / wider die Fürsten von Seir hülfe zu begehren / die ihme unbilliger weise sein land genommen. Ganz Canaan stehet seinen feinden bei / und ist dieser dapfere held verloren / wofern Assyrien nicht seiner gerechten sache beitretten wird. Er setzet aber fůrnemlich in E. Maj. diese zuversicht / und ersuchet dieselbe / um der freundschaft Abimelechs willen / als von welchem Prinzen ihme wissend ist / daß er schon längst verdienet / E. Maj. wol empfolen zu seyn. Die notwendigkeit / daß mein hier seyn noch zur zeit m \ge geheim verbleiben / bringet mich dazu / diesen schutz von E. Maj. allein und heimlich zu begehren: weil die grossen von Hemath ohnzweifel / wegen ihres Kronprinzen Bileams / die Seirische seite halten werden. Es machte mir auch / die anwesenheit der Prinzessin Ahalibama / viel gedanken / sie möchte mir hinterlich seyn / dieses geh \r bei E. Maj. zu erlangen / wann sie meiner ankunft wäre innen worden.

Versichert euch / Fůrst von Midian! (gabe die K \nigin zur antwort /) daß euer vetter / der edle Esau / nicht unrecht mich zu seiner freundin erwehlet. Dann der Prinz / den er so wol im krieg angefůret / und aus welchen er einen so dapferen helden / gleich wie er selber ist / gemachet / hat mich fůrlängst / ihn hoch zu halten / beredet. Weil ich von meinen Niniviten zu ordnen habe / als werde ich ihm die begehrte hülfe nicht versagen: insonderheit [543] weil ich die gerechte sache auf seiner seite vermute. Mich soll auch die freunschaft / die ich mit der Prinzessin Ahalibama ge macht / nicht abhalten / dem freunde des Prinzen Abimelechs / in seinem billigen begehren / nach m \glichkeit beizustehen. Diese lezte worte begleitete sie mit einer r \te im angesicht / welches sie mit ihrer hand bedeckete.

Hanoch / der über dieser erklärung innigst erfreuet war / erbote sich hierauf / wann Ihr Maj. es gnädig begehrten / dero die ursach dieses krieges zu erzehlen: da sie dann selber wůrden urteilen können / ob die Seirische Fůrsten rechtmåsige ursach gehabt / gegen den Fürsten von Edom also zu handelen. Mir wird das liebste seyn / (antwortete die Königin /) sowol die ursach dieses kriegs / als von dieses helden ganzem leben etwas zu vernemen. Diese begierde růret von unterschiedenen ursachen her / unter denen eine der fürnemsten ist / daß er von einem geschlecht entsprossen / welches ich für allen anderen in der welt hoch achte: und werde ich diesen tag nicht vergnügter können zubringen / als wann ich von euch umståndlich verneme / was von jugend auf eurem vettern begegnet / wie seine und des Prinzen Abimelechs freundschaft sich angefangen / und wie er zu seinem Fürstentum Edom gekommen sei.

E. Maj. legen mir (antwortete Hanoch /) etwas so grosses auf / daß / wann ich nicht von jugend auf alle seine thaten mit angesehen und denen beigewonet håtee / ich unmůglich eine so verwirrte geschicht förmlich wůrde fürbringen k \nnen. Weil aber die bulerei grossen anteil hat an allen seinen begebenheiten /und sonderlicher in ihme / als bei anderen / jederzeit geherrschet: so weiß ich fast nicht / ob E. Maj. nachgehens die hochachtung fůr meinen vettern behalten werden / wann sie die viele bulerische [544] unbeständigkeiten erfahren / die er fürgekehret / und damit einen viel andern sinn / als sein freund der Prinz Abimelech / von sich erscheinen lassen. Ich weiß allbereit zum teil / (sagte die Königin /) von seinem sonderbaren gemůte / welches er in seinem lieben blicken lassen: ich werde auch dieserwegen nie aufh \ren / ihn also hoch zu achten / wie es anderweit seine dapferkeit und tugendruhm verdienet. Wann dann diese betrachtung (wiederholete Hanoch) mich nicht abhalten darf / E. Maj. befehl ein genügen zu leisten: werde ich bemůhet seyn / so umståndlich als mir můglich / des Esau leben dero fůrzutragen. Weil aber etliche stunden dazu geh \ren werden / als erwarte ich von E. Maj. befehl / ob sie die jetzige oder eine andere zeit dazu verwenden wollen. Wie nun die K \nigin nochmals ihre sonderbare begierde erwiesen / und der Aramena /welche allein bei ihnen im zimmer war / befohlen hatte / niemand von ihren bedienten / unter vorwand /daß sie schlaffe / einzulassen / hiesse sie den Hanoch bei ihr niedersitzen: den sie hierauf / wie folget / erzehlen h \rete.

Die Geschicht des Esau / der Judith - Ada und Mahalaath
Die Geschicht des Esau / der Judith / Ada und Mahalaath.

Der weitberůmte Fůrst Abraham / der aus G \ttlicher offenbarung sein vatterland Chaldea verlassen und in Canaan gekommen / erlangete von Gott die verheisung / daß sein same dermaleins das land Canaan besitzen solte. In solchem vertrauen / setzete er alles hintan / und dem worte des h \chsten gläubend / verbrachte er sein leben / als ein fr \mdling / in den K \nigreichen Sichem / Egypten / Kiriath Arba und Gerar. Sein sohn Isaac / auf welchen und dessen nachkommen die verheisung ginge / erbete diese lebens-art von dem vatter. [545] Aber mein vatter / der Midian / neben seinen fünf brüdern / die Abraham aus der Ketura erzeuget / begabe sich / gleichwie auch sein erster sohn Ismael von der Hagar / aus Canaan hinweg: da dann mein vatter / durchs schwert / sich des landes bemåchtigte / welches jezt nach seinem namen Midian genannt wird / und an dem roten meer liget. Isaac verheuratete sich / bei lebzeiten unsers Grosvatters / mit einer Fůrstin aus Mesopotamien der Rebecca / der schwester der jetzigen statthalterin in Syrien der Tharasile: wiewol diese von ihrer schwester nichtes wissen kan / weil sie in Haran lang hernach geboren worden / als die Rebecca bereits geheuratet hatte. Von dieser Rebecca / ist der Esau und dessen bruder der Jacob / zu Mamre im K \nigreich Kiriath Arba / geboren worden.

Die ungleichheit dieser beiden brüder / erschiene /sowol in der gestalt des leibes als des gemůtes / so groß: daß sie / ungeacht sie zwillinge waren / dannoch ganz widerwårtige beliebungen zeigeten. Esau war von jugend auf wild / flüchtig und kriegerischer natur; Jacob hingegen allezeit eines stillen wesens: daher Isaac den Esau / die mutter aber den Jacob /mehr liebete. Im ståtigen jagen bestunde des Esau ergetzlichkeit / und wartete er dem König Esron / dem herr vatter des jetzigen K \nigs von Hebron / fleissig auf / der ihn sehr lieb gewonne: daher er mehr bei hof / als bei seinen eltern / sich aufhielte. Dieses freie leben machte ihn auch immer wilder / und wuste er /weil er keines zwangs gewonet / seine begierden gar nicht zu båndigen. Dannenhero er / als er einsmals von der jagt ermůdet nach haus kame / und sehr hungrig war / seine erstgeburt dem Jacob um ein essen verkaufete: welches er damals wenig achtete / weil seine flüchtige jugend ihn abhielte / recht zu bedenken / wie an [546] dieser erstgeburt / die verheisung des gelobten landes Canaan und des sonderbaren segens fůr allen völkern / gelegen war. Der kluge Jacob hingegen / hatte solches wol ůberleget / als der es aus den predigten seines vatters zu haus erlernet: daher er diese gelegen heit ergriffen / so ein herrliches recht an sich zu ziehen.

Nicht lang hernach / wie die erstgeburt des Esau also liederlich verloren gegangen / begabe sich sein vatter / wegen einer grossen teurung / die das land beschwerete / nach Gerar zu dem K \nig der Philister /dem vatter des jetzigen K \nigs Abimelech: der ihn und sein haus gar wehrt hielte. Der muntere Esau geriete bald in vertreuliche kundschaft mit dem jetzigen K \nig / der damals noch Kronprinz war / und mit dem dapfern Fůrsten Ahusath dessen brudern. Als dieser mit denen riesen Caphtorim einen krieg anfinge / erlangte Esau bewilligung von seinem vatter / daß er dorfte mit zu feld gehen: da er sich dann so ritterlich hielte / daß er bald / wegen seiner heldenthaten / bei den Philistern viel lobs und ůberall grossen ruhm erlangete. Die vertilgung der Caphtorim / brachte dem Prinzen Ahusath die besitzung selbiges landes / und dem Esau die gute nachrede zuwege / daß jederman ihn die ursach dieses sieges nennete. Er setzete sich auch hierdurch so fåst in die angefangene freundschaft bei den zweien Prinzen der Philister / daß sie nicht ohne ihn leben kunten.

Seine mutter / die Rebecca / ware mit sonderlicher sch \nheit begabet / die ihr auch in ihrem alter beståndig geblieben: massen der Ebreer geschlecht / und sonderlich des Abraham sein haus / den vorzug für andern erhålt / daß sie / ohne an kråften ihres leibes oder des verstandes im geringsten abzunemen / viel jahre erreichen; wie dann auch diese beide brüder jezt viel jünger erscheinen / als sie sind. [547] Nun die sch \nheit der Rebecca machte / daß Isaac deswegen bei hof anfechtung befahrete: dannenhero er nicht trauete / sie für seine ehefrau auszugeben / sondern zu den leuten sagte / wiedaß sie seine schwester wåre. Der König Abimelech / solches glåubend / bekame lust / die sch \ne Rebecca zu ehlichen: da zugleich in des Esau herzen / ein liebesfeuer gegen die Prinzessin Philistina / der åltsten tochter des K \nigs / sich entzündete. Zwar beide verliebte wurden anfangs / durch die ungleichheit ihrer wahl / zurůcke gehalten / ihre liebe \ffentlich zu füren. Dann der K \nig die Rebecca / als eine auslånderin / fůr seinen Fůrsten nicht wol dorfte zur K \nigin machen. Esau sahe auch wol in seinem zustande / daß nach einer grossen K \nigs-tochter seine gedanken vergeblich angewandt seyn wůrden. Der Philistina ältester bruder / wurde des Esau vertrauter in seiner liebe / und wolte / wegen der guten dienste / die er seinem bruder dem Fůrsten von Caphtor erwiesen / seine gedanken nicht ungerecht sprechen / massen er sagete: Der Esau wåre ein held /der eine Kron erlangen könte / da das glůck ihm keine gegeben håtte.

Wie sich aber nichtes weniger bergen lässt / dann die liebe / als merkte man auch bald des K \nigs liebe zu der Rebecca: daher Esau / diesem unheil / das seinen eltern hieraus vorstunde / zu entgehen / den beiden Prinzen offenbarete / daß Rebecca seine mutter wäre. Weil nun der K \nig gar tugendhaft und gottsfůrchtig war / als machten sie durch den feldhaubtmann Phichol / der sehr viel bei dem K \nig galte / die anstalt / daß er einswals in Isaacs garten spaziren ginge / zu einer zeit / da man dem Phichol angesaget / daß der Isaac mit der Rebecca im sommerhaus allein seyn wůrde: da er dann / durch das fenster / sie beide einander umarmen sahe / und daraus [548] erkennte / daß sie eheleute wåren. Des K \nigs liebe / weil sie einen ehelichen zweck gehabt / verlosche gleich nach dieser kundschaft: dann / weil die tugend gr \sser in ihm war / als einige begierde / als stunde er gleich ab / die Rebecca mit vorigen gedanken anzusehen. Er verwiese es auch nachgehends dem Isaac gar hoch / daß er also sein weib verleugnen wollen: davon ihme leichtlich grosses unheil hätte zukommen k \nnen. Der kluge Phichol / der tugend des K \nigs diese versuchung aus den augen zu schaffen /und allem unheil fürzubauen / brachte es folgends dahin / daß sich der Isaac aus Gerar auf das land begabe: da er an aller haabe von Gott dermassen gesegnet wurde und zuname / daß man ihn im lande der Philister den mächtigsten nennen kunte. Die reine lehre von der wahren erkentnis Gottes / breitete er dabei so glůcklich aus / daß viele Philister rechtgläubig wurden: wie dann unter andern der Kronprinz den falschen G \tzendienst der Dagone verlassen / und die beschneidung / wiewol heimlich und seinem vatter unwissend / angenommen.

Der verliebte Esau wartete inzwischen der Philistina fleissig auf / und zwar mit zimlich-gutem fortgange: wann er nicht selber / aus ungedult / es verderbet håtte. Ich kame um selbige zeit ein kind nach Gerar /weil meine fraumutter des K \nigs schwester gewesen: nach deren absterben / mein vatter mich nach Gerar /alda erzogen zu werden / geschicket. Weil die beide t \chter des Königs mich gar lieb gewonnen / als liebkosete mir der Esau / um durch mich seiner Prinzessin herze zu gewinnen. Meine von natur zu ihm tragende freundschaft / zeigte sich ihme gleich in meinen kinderjahren / und gewanne ich ihn so lieb / als einen vatter: daher es ihme nicht schwer wurde / mich nach seinem willen abzurichten / [549] wie er nur selber wolte. Weil er mir alles abzufragen pflegte / als vertrauete ich ihm auch einsmals / daß die Prinzessin Philistina auf den abend baden würde. Ich zeigte ihm auch die gelegenheit / wo er die Prinzessin könte verborgen sehen. Er kame / durch meine hůlfe / heimlich hinein: da er dann / wann er nicht von seiner ungedult sich hätte meistern lassen / unvermerkt ihre sch \ne håtte betrachten k \nnen. Er aber / als er sie ohne ihre dirnen allein sahe / kame aus seinem verborgenen winkel herfůr: und beleidigte damit diese keusche tugendhafte Prinzessin dermassen / daß sie / wie sie dißmal sich eiligst von dar in ein nebengemach begeben und verschlossen hatte / ihn nachmals nicht mehr sehen noch sprechen wolte. Er ginge gleich zu ihren beiden brüdern / bei selbigen sein beginnen zu entschuldigen: die aber bei ihrer erzůrnten schwester keine verzeihung / und kaum so viel erlangen konten / daß sie dem K \nig dieses verschwiege.

Ihre grosse verachtung aber / die sie nach diesem ihm sehen liesse / brachte ihn bald auf andern sinn /als die zwo Prinzessinnen von Basan / Salamis und Eglone / nach Gerar kamen / die die K \nigin Milda aus Arabien / ihre fraumutter / nach dem König von Chus reisend / zu Basan hinterlassen hatte: dann er gleich in die Eglone sich verliebte / und der Prinzessin von Gerar ganz vergasse. Dieses brachte der Philistina mehr ruhe / als ihrem bruder: welcher auch nicht sobald dieser Prinzessin ansichtig worden / da hatte er seine freiheit verloren. Es muste also seyn / daß diese beide freunde von einem orte das liebesgift in sich sogen: dann auch die Salamis schön genug ware /einen von ihnen zu verwunden / und also dieser ihrer beunruhigung vorzukommen. Der Prinz der Philister spůrete gleich an dem [550] Esau / was er selber in seinem herzen fülete: litte also zweifache marter / nämlich von eifersucht und liebe. Er bemůhete sich ja sehr / in des Esau herzen die verloschene liebe gegen der Philistina wieder aufzufeuren: er funde aber bei ihr so harten widerstand / und bei ihm solche kaltsinnigkeit /daß er nichtes ausrichten kunte.

Weil das gerůchte von der Philistina wunderschönheit / sich gar weit ausgebreitet hatte / auch darneben ihre tugend überall mit ruhm bekant worden war: als hatte ein bildnis von ihr / so nach Syrien gekommen /dem K \nig Aramenes dermassen das herz getroffen /daß er nicht durch gesandte um sie warbe / sondern in eigener person / den weiten weg bis nach Gerar kame. Es erwarbe ihm nicht allein / seine herrliche gestalt und fürtreffliches wesen / jedermans wolneigung: sondern man sahe ihn auch / wegen seiner hohen wůrde /weil er einer von den gr \sten Monarchen der welt war / aller menschen hochachtung und verehrung an sich ziehen. Der K \nig Abimelech wurde ganz bestůrzet /und bildete ihm viel damit ein / den K \nig von Syrien in seinem lande zu sehen. Man deutete anfangs / die ursach seiner ankunft / auf seine begierde / frömde Königreiche zu besehen: nachgehends aber wiese es sich aus / daß Philistina ihn herbei gezogen håtte. Keiner unter allen Philistern ware / der nicht diese heurat für ein sonderbares glůck ihrer Prinzessin hielte. Sie selbst / als sie nun den willen ihres herr vattern wuste / truge kein bedenken / ihr herze alsobald dem Aramenes zu ergeben.

Das ganze land ward hierdurch erfreuet / auser dem Kronprinzen / und dem Esau des K \nigs Aramenes nahen befreundten. Dann dieser letzere finge schier wieder an / die Philistina so hoch zu lieben / als die Eglone / und machte damit ihm selber viel unruhe /die ihme niemand [551] benemen kunte: weil er um selbige zeit seinen begierden noch zuviel raum liesse / die ihn ohn alles nachdenken regireten. Weil nun ein solches von ihme lautbar wurde / als begunten die grossen bei hof davon zu reden / und befanden / daß es der Prinzessin zur ungelegenheit und hinternis ihrer ehren gereichen m \chte. Weil nun sie zum teil ihme ohnedas /wegen der gunst / die er bei den beiden Prinzen erlanget / aufsåtzig waren: als brachten sie es bei dem K \nig dahin / daß ihme / jedoch mit höflichkeit / zu verstehen gegeben wurde / er m \chte ein zeitlang den hof verlassen / und sich zu seinen vatter hinaus auf das land begeben. So sehr ihn nun dieses anmuten verdrosse / so wenig kunte er es verhintern. Er warfe aber einen argwahn auf den Kronprinzen / daß der /wegen der Prinzessin Eglone / diese hofraumung mit auswürken helfen. Dieser tugendhafte herr / der sich dessen ganz unschuldig wuste / betrübte sich nicht wenig um diese beschimpfung seines freundes: und weil er ihn sehr liebete / bemühete er sich aufs åuserste / ihn der beståndigkeit seiner freundschaft zu versichern. Aber der Esau hielte solches alles nur fůr ein gestelltes wesen / und schiede ganz entrüstet von hof hinweg / mit der gesonnenheit / diesen schimpf nicht ungerochen zu lassen.

Weil er des hoflebens zuviel gewohnet / kunte er unmůglich bei seinem vatter auf dem lande verbleiben. Er erlangte aber von ihm die erlaubnis / daß er /in gesellschaft des Lothans Fürstens von Seir / bei Ascalon sich auf das meer begeben / und mit selbigem eine reise nach Chitim thun dorfte: dann der Lothan /aus sonderbarer reisbegierde / dieses weitabgelegene land zu besuchen beschlossen hatte. Ich mochte damals sechzehn jahre auf mir haben / als diese reise für sich ginge: und weil [552] ich auch / mich zu versuchen /belieben truge / als erlangte ich von dem K \nig / daß Esau mich mitnemen mochte. Wir kamen / nach langwůriger reise / in Thuscien / zu den Janigenen: welche v \lker noch von dem Noa ihren namen fůren / der dahin gekommen und Janus genannt worden. Der K \nig / so daselbst regirte / hiesse Alteus: und weil er eben mit den Celtiberiern im krieg begriffen war / als boten Lothan und Esau / neben andern vom gebirge Seir / ihm ihre dienste an. Der K \nig liesse ihm solches nicht allein sonders wolgefallen / sondern er untergabe auch diesen beiden Fůrsten / weil er seine bäste heerfůrer im streit vorloren hatte / seine v \lker /und machte den Lothan zum feldobersten ůber die Aborigenen / und den Esau ůber die Janigenen / unter denen ich dann auch am ersten die waffen anzoge.

Den verlauf dieser kriege E. Maj. weitlåuftig zu erzehlen / achte ich fůr unn \tig. Genug wird seyn /wann ich sage / daß der sieg auf unsere seite fiele /und unsere beide helden einen grossen ruhm ihres namens / durch ihre dapfere thaten / im lande stifteten /vom K \nig reichlich beschenket und kaum nach langer zeit wieder erlassen wurden. Auf unserer rückreise / låndeten wir in Egypten an / da der König Themosis / des jetzigen K \nigs herr vatter / regirte. Weil mein ältster bruder / der Epha / daselbst am hof ware / als machte der uns freien zutritt beim K \nig. Ihm ware eben ein sohn geboren worden / den er nach sich Epha nennen liesse: dessen name jezt in Egypten gar bekant ist / und dienet dieser mein vetter / als oberster feldherr / dem Pharao Uchoreus / mit beiderseits grosser zufriedenheit. Wir hielten uns in Egypten etliche monden auf / bis der Fůrst Lothan wieder nach dem gebirge Seir reisete / da wir dann voneinander schieden.

[553] Ich kame mit dem Esau in der Philister land / alda der Jacob sich noch aufhielte / und besuchete er daselbst seinen vattern: wiewol mit nicht geringem verdrus / ihn an einem orte zu finden / woselbst man ihn so sehr beleidiget hatte. Es ware aber inzwischen eine grosse veränderung fůrgegangen: dann der K \nig Abimelech ware gestorben / dessen sohn die våtterliche Kron aufgesetzet / und die Eglone geheuratet hatte; so ware auch / die Prinzessin Philistina / K \nigin in Syrien worden. Solchergestalt muste / des Esau liebe / an zweien orten verleschen. Der K \nig von Gerar erfuhre nicht sobald seine ankunft / da liesse er ihn nach hof erbitten: und ware er so erfreut / seinen alten freund wieder zu sehen / daß alle kaltsinnigkeit des Esau ihm nicht verwehren kunte / sich ihme geneigt zu erzeigen. Die ersehung der Eglone / erneurete des Esau alte wunden; und Abimelech / der solches merkete / wurde darob sehr betrübet: zumal er keine gelegenheit absehen kunte / wie er seinen freund anderweit vergnůgen m \chte. Als auch die grossen bei hof dessen gewar wurden / und sie ihn zu dem um die gunst / die er beim K \nige hatte / beneideten: macheten sie / daß die hirten von Gerar / dem Isaac in seinem feldleben alles zuwider thäten / was nur ersinnlich seyn kunte / damit er / ihr land zu verlassen / endlich m \chte gen \tiget werden. Dieses ihr fůrhaben /hatte auch seinen gewünschten fortgang: massen sie also mit diesem frommen mann umgingen / daß er nach Bersaba sein hauswesen verwandelte; und muste Esau seinem vatter dahin folgen / der ihn nicht mehr an dem hof wissen wolte / da man ihn so übel gehalten.

Der K \nig entfunde / diese des Esau abermalige entfernung / gar ůbel: und weil er dessen vattern allemal sonders geehret / als wuste er nicht / wie er dessen schleunigen [554] abzug verstehen solte. Demnach reisete er selber zu ihm nach Bersaba / um von ihme die ursach dieser seiner eiligen landraumung zu vernemen. Der Prinz Ahusath / neben dem Phichol / waren mit ihm auf dieser reise. Es wurde von neuem ein bund / zwischen dem König und dem Isaac / aufgerichtet: weil dieser fromme herr verspüret / daß sein land / um Isaacs willen / von Gott viel segen genossen. Weil er auch dem Esau zeigen wolte / wie sehr es ihm um seine freundschaft zu thun wåre / als kame er eines tags zu ihme / als er eben bei dem Prinzen von Caphtor sich befunde; da er / ihn herzlich umfassend /zu ihm sagte: Ich sehe / mein freund / daß ihr mich nicht mehr also liebet / wie vor diesem; aus dieser ursach / wie ich abnemen kan / daß ich der jenigen vor euch geniesse / die wir ehmals miteinander geliebet. Weil ich nun euch / so wenig meines glücks teilhaftig machen / als gegen mich also verändert sehen kan: so bitte ich euch / daß ihr mir doch ein mittel fůrschlagen wollet / womit ich eure freundschaft erhalten m \ge. Mir soll / auser Eglone / nichtes so lieb seyn / das ich euch nicht / auf euer begehren / solte zukommen lassen.

Diese grosmůtigkeit des K \nigs / hatte bei dem Esau die wirkung / die er gewünschet / und kunte er /sonder grosse gemůtsbewegung / den K \nig nicht also reden h \ren. Nachdem er ihm seine schwachheit gestanden / daß er die K \nigin Eglone noch bisher geliebet / versprache er ihm / forthin davon abzustehen /und sich zu verheuraten mit der jenigen / die ihm der König fůrschlagen würde: um dadurch ihme kund zu machen / daß er warhaftig von seiner liebe genesen wåre. Die freude des K \nigs / ůber diese erklårung /ware ungemessen. Und seinen freund zu vergnůgen /erwehlte er gleich in seinen gedanken / die Fürstin von Canaan / des Beri tochter / die schöne [555] Judith /deren fraumutter eine Prinzessin von Gerar gewesen; die auch an seinem hof auferzogen wurde / weil ihr herr vatter mit des Fůrsten Lothans von Seir schwester zur andern ehe geschritten ware. Also name er /wie er wieder von dem Isaac hinweg schiede / den Esau mit sich zurücke nach Gerar: daselbst er / von der Eglone und allem ihrem frauenzimmer / aufs ehrlichste entfangen wurde.

Bei dieser entfahung / hatte Esau eine unter dem frauenzimmer fůr die jenige angesehen / die ihm der König wůrde bestimmet haben. Es ware aber dieselbige / nicht die Judith / sondern die Ada / des Elons Fürstens der Heviter tochter / eines sehr angenemen wesens: daher sie fůr allen anderen frauenpersonen herfür schiene / also daß der Esau auf keine andere seine augen und gedanken richten kunte. Der König aber / der ihme die Judith bestimmet / die er als sein kind liebete / liesse derselben / nach etlichen tagen /durch die K \nigin diese heurat fürtragen: die dann gleich ihren willen in des K \nigs wolgefallen sezte /und ihm alles heimstellete / wie er mit ihr schaffen wolte. Es wurde der zeit am hof zu Gerar / allerhand lust und ergetzlichkeit / der jungen Königin zu ehren /angestellet / worzu von allen orten das schöneste frauenzimmer sich eingefunden. Der Esau / als der so verliebter als kriegerischer natur ist / liesse sich bei allen freuden und abend-tänzen finden: da er aber keiner mehr / als der schönen Ada / aufwartete / die ihn so warhaftig verliebt machete / daß er nie der Philistina und Eglone gefangener so heftig gewesen ware.

Einsmals / wie wir alle bei einem tanz versamlet waren / und Esau / seiner gewonheit nach / sich der Ada hatte zu füssen gesetzet / die er stäts mit gesprächen unterhielte: befahle der K \nig der Judith / daß sie den Esau solte [556] zum tanz auffordern. Wie sie nun solches verrichtet / da hätte billig der Esau nachgehends / ůblicher höflichkeit gemäs / bei ihr verbleiben und ihr gesellschaft leisten sollen. Er ware aber eben in ein so åmsiges gespräche mit der Ada gerahten gewesen / daß er gleich wieder sich zu derselbigen begabe / und die Judith allein sitzen liesse. Dieses machte bei den anwesenden ein grosses aufsehen: zumal ihrer viele allbereit des K \nigs willen wusten / wie er nåmlich zwischen ihme und seiner basen der Judith eine heurat treffen wolte. Der K \nig / der selber anfinge dieses beginnen des Esau in acht zu nemen / suchete gelegenheit / weil der tanz noch wårete / zu ihm zu kommen. Wie nun Esau sich bei ihm setzen müssen /kame es eben / daß die Judith zu tanz gefůret wurde. Abimelech name hiervon anlaß / ihn zu fragen: Ob ihme diese Fůrstin nicht wol gefiele? Esau / wiewol von der Ada sch \nheit gleichsam ganz verzaubert /vergasse sich dennoch so weit nicht / daß er nicht solte gewust haben / wie er gegen dem K \nig von der wasen desselben reden solte. Demnach priese er sie zum båsten heraus / wie sie dann auch dessen wůrdig war / und verursachte damit / daß der K \nig den schluß noch fåster fassete / sie an den Esau / neben einem Fürstentum / das nahe an das gebirge Seir stösset / zu vergeben.

Weil ich dessen von den bedienten des Königs berichtet wurde / als sagte ichs ihme selbigen abend /wie wir nach haus gekommen. Aber die Ada gefiele ihm bässer ohne mitgift / als die Judith mit einem Fůrstentum. Weil er in allem seinem wesen heftig ist /als name daher bei ihme die liebe zu der Ada also überhand / daß er folgenden tags gelegenheit suchete /ihr dieselbige fůrzutragen: und wuste er sie also einzunemen / daß sie sich für ihn erklårete / und ihm ihre gegenliebe zusagte. Dieses ginge [557] alles so heimlich zu / daß der K \nig davon das geringste nicht erfuhre: welcher inzwischen nach Hebron sandte / zu dem Fůrsten Beri / und denselben bitten liesse / daß er zu ihm nach Gerar kommen wolte / weil er ihn n \tig zu sprechen håtte. Dieser Fůrst / der des K \nigs Ephron bruder ist / såumete sich nicht / dahin zu reisen: da ihn dann der K \nig berichtete / was fůr eine heurat er mit seiner tochter fürhatte / und seine meinung darüber begehrte. Wie nun der Beri ihme alles wol gefallen lassen / wurde Esau fürberuffen: welchen der K \nig bei der hand name / und ihn in seiner gemalin gemach fůrete / alda bei der Eglone sich die Judith befande. Wie er mir nachgehends erzehlet / so ist ihme niemals seltsamer zu sinn gewesen / als damals / da die Königin ihm die Judith zubrachte und sagte: Hier ist die jenige / edler Esau! die euch der K \nig / neben einem Fůrstentum / zur gemalin übergibet; welches beides ihr von meiner hand annemen wollet.

Dem Esau verwehrte einerseits das andenken der Ada / diese gabe anzunemen: worzu ihn doch anderseits der wolstand und die gnadmilde des K \nigs anmanete. In solchem zweifel verstummete er gänzlich /und verzoge zu antworten: da dann der K \nig nicht wuste / wohin er solches deuten solte. Ich finde (sagte er låchlend /) den helden Esau jezt viel erschrockener / als wann tausend gewaffnete männer gegen ihm stůnden. Ich wil ihm aber dafür gut sagen / daß sich der Judith herze also gütig zeigen soll / wie es billig ist / daß man sich gegen dem Esau erweise. Hiermit trate Beri auch hinzu / und thäte ihm gleichmäsige versicherung / seine rede mit einer glückwůnschung beschliessend. Also erlangte Esau / der so oft vergebens geliebet / nun ohne liebe / was er nicht gesuchet. Er sahe sich aber von allen seiten so belägert / daß [558] er nicht anderst / als dieses anbot mit einigem dank annemend / sich heraus zu wickeln wuste. Indem kame zu ihnen der Fůrst von Caphtor / neben dem ganzen hofe: da dann alsofort seine verlobung überall ausgebreitet wurde. Jederman erwiese hierüber grosse freude / auser dem Esau: welcher nicht wuste / wie ihm geschahe / und von der gesellschaft sobald er nur kunte / sich wegmachete. Seine unruhe ware so groß /daß er die ganze nacht kein aug schlosse. Wie er auch folgenden tags / bei dem angesezten freudenfest / sich einfinden muste / ginge ihm alles so kaltsinnig und verwirret ab / daß der K \nig in die eifersucht geriete: der Esau liebe annoch die K \nigin / daher ihm diese traurigkeit entstünde. Durch diese einbildug des K \nigs / und des Esau unruhe / wurde die angestellte freude sehr verringert.

Weil Ada sich hierbei nicht finden liesse / als mehrete solches des Esau betrůbnis / und machte / daß er sich / um von ihr etwas zu erfahren / beim tanze zur kammerjungfrauen der K \nigin gesellete / und sie um die Ada befragte: weil er wuste / daß sie deren getreue freundin jederzeit gewesen. Selbige nun růckete ihm sein unrecht fůr / daß er die unschuldige Ada also geåffet / und ihr von seiner liebe was hätte weiß gemachet / da doch nun die Judith ihre stelle vertråte: mit bericht / wiedaß dieselbe jezt nichts anders thåte / als weinen; und / als ihr gram sich anliesse / d \rfte sie bald ihr leben hierůber einbüssen. Es håtte nicht viel gefehlet / Esau wåre / auf diesen bericht / gleich nach der Ada zimmer gelaufen. Weil er sich aber vor den anwesenden zwingen muste / als bate er die jungfrau /ihme bef \rderlich zu seyn / daß er in geheim sie sprechen m \chte. Sie versprache ihm solches / nach langem weigern / und bestellte ihn / daß er folgende nacht im vorgemach der K \nigin auftwarten solte / da sie [559] ihn zur Ada bringen wolte. Dieses ihrer beider åmsiges gespråche sahe der eifersůchtige K \nig mit schmerzen an / und mehrte dadurch seine beunruhigung sich dermassen / daß er sich kaum halten kunte /dieselbe nicht öffentlich herfůr brechen zu lassen.

Am folgenden tag / sandte er den Phichol zu Esau /und liesse ihm sagen: Es kåme ihm die art / wie er mit der Judith umginge / sehr fr \md für / und wüste er nicht / was er davon denken solte. Er traue aber seiner tugend gånzlich zu / daß er sein gegebenes wort nicht widerruffen / noch die Königliche håuser Hebron und Gerar beschimpfen werde / mit verachtug der jenigen /die ihme nach seinem willen wåre verlobet worden. Esau wurde hierdurch / in seine verwirrung / noch mehr vertieffet: indem seine grosmut ihm verbote /sein gegebens wort zu widerruffen; und doch seine liebe gegen der Ada also heftig ware / daß er sie nicht verlassen kunte. Die einwilligung seines vatters dorfte er nicht fürschůtzen / weil er zu Bersaba dem K \nig /aus freiem willen / gar zu teuer versprochen hatte /nach dessen wahl zu heuraten: zumal ihn auch / das versprochene Fürstentum / so weit von seinem vatter frei sprache / daß er ohn ihn sein haus versorgen kunte. Wie er demnach seine ehre allzusehr diesem handel eingemischet sahe / liesse er / wiewol wider sein herze / sich dieser entschliessung vernemen: Er wolle dem in allem nachkommen / was zwischen dem K \nig und ihme zu Bersaba wäre abgeredet worden. Der K \nig beruhigte sein gemůte mit dieser erlangten antwort / und ordnete einen gesandten ab / zu den Königen von Kiriath Arba und Canaan / als den beeden brůdern des Beri: ihre einwilligung / wegen dieser heurat / einzuholen. Damit auch der Isaac zuvor darum begrůsset würde / erbote sich der Fůrst von Caphtor / selbst [560] zu ihme nach Bersaba zu reisen / und es ihme fürzutragen.

Sobald aber die nacht anbrache / in welcher der Königin jungfrau den verliebten Esau zu der Ada fůren wolte / die er / um verdacht zu verhůten / nicht offentlich sprechen dorfte: begabe er sich an den bestellten ort / der dann ein gar langer offener gang war / von deme man / an dem einen ende nach der K \nigin zimmer / an dem andern aber nach des Königs gemach ginge. Indem nun der Esau ganz allein der jungfrauen alda erwartete / fůgete es sich zum unglück /daß der K \nig ungefår aus seinem fenster sahe / und nicht weit von der Eglone gemach eine mannsperson erblickete. Weil um diese zeit sich kein mensch alda dorfte finden lassen / als vermutete er alsbald / es můste etwas sonderbares vorseyn. Demnach ginge er durch etliche gemåcher / die an diesen offenen gang gebauet waren / und kame in eines derselben / daraus er diesem menschen konte gerad ins gesichte sehen. Die dunkelheit der nacht verwehrete ihm nicht / den Esau gleich zu erkennen: worůber alsofort seine eifersůchtige gedanken erwacheten / daß er von der K \nigin ungleiche gedanken sch \pfete. Wie er sich nun eine weile damit geplaget / sahe er seiner gemalin kammerjungfrau ankommen / die eine lampe truge /und zu dem Esau sagte: Er solte ihr folgen / weil die jenige seiner wartete / die er liebete. Hiemit gingen sie miteinander zur thůr hinein / die in das vorgemach der K \nigin fůret: und setzeten damit den unglůckseligen König in die gröste qual / die er mochte sein lebenlang entfunden haben.

Er hatte jederzeit seine gemalin herzlich geliebet /und sich alles guten zu ihrer tugend versehen: und nun muste er gläuben / daß sie bei nacht den Esau zu ihr kommen [561] liesse. Und / welches ihm den schmerzen mehrete: ihm widerfuhre dieser sein eingebildter schimpf / von seinem liebsten freund / den er jederzeit so hoch geliebet. Er kunte lang keinen schluß fassen /was er hierinn thun solte. Endlich triebe ihn der eifer /dem Esau nachzufolgen / und sowol ihm als der Eglone ihre untreu fůrzurucken. Also begabe er sich / ganz entselbstet / nach der K \nigin gemach. Als er die thůr er \ffnet / sahe er seine gemalin bei einer person sitzen / die er / weil er den růcken hergewandt / fůr den Esau hielte.

So habt ihr (rieffe er ihr zu /) meine unschuld bisher also gemißbrauchet / daß ihr nur den schein ehelicher liebe und freundschaft mir erwiesen / in der that aber eure und meine ehre so gröblich beleidigen d \rfen. Diese worte / die er in hitzigem eifer heraus stiesse / machten die K \nigin und ihren beisitzer ganz bestůrzet / daß sie eiligst aufstunden / und jene zu diesem sagte: Machet euch geschwind von hinnen /ehe des K \nigs zorn weiter ůber euch ausbreche. Als selbiger solchem nachkommen wolte / stiesse er unversehens an den tisch / daß der leuchter mit dem liecht umfiele und verlosche. Die K \nigin rieffe alsobald nach ihren leuten / daß sie leicht bringen solten. Wie aber diß geschehen / ware der jenige / mit dem die K \nigin geredet / bereits hinweg / und sagte sie zum König / den sie ganz verstellt funde: Er m \chte doch nicht so gar ungůtig aufnemen / daß sie dieses gethan / worzu der eifer um ihren glauben sie getrieben hätte. Der K \nig aber konte weder diese worte recht einnemen / noch sie ferner anh \ren / sondern /ihr den rücken zuwendend / ginge er von ihr / und sagte nur dieses: Es ist mir leid / Eglone! daß ich euch bisher geliebet / um des willen mich jezt eure that soviel mehr schmerzet. Womit er sich wieder nach [562] seinem gemach begabe / und die Eglone ganz verstürzet stehen liesse.

Mitlerweil er also sich beunruhigte / brachte Esau seine zeit bei der Ada in h \chster vergnügung zu: welche er auch ůberredte / daß sie ihn heimlich zu ehlichen / und er ihr hingegen versprache / weil seine ehre ihn triebe / auch die Judith zu heuraten / daß er sie ståts fůr seine fürnemste gemalin halten / und ihr vor der andern seine liebe g \nnen wolte. Hiemit redeten sie zusammen ab / daß / sobald seine hochzeit mit der Judith würde vorbei seyn / die Ada nach Sichem zu dem Elon ihren herr vattern reisen solte: dahin er kommen und sie abholen wolte. Hierauf schieden sie /mit tausend versicherungen ewiger treu und holdschaft / voneinander. Die Ada aber muste geschehen lassen / was Esau / als der sich nun ihr fůr einen ehegemal anverlobet / von ihr forderte: wiewol sie sich lang widersetzet / weil sie diese lezte gunst erst /wann ihre ehe offentlich kund seyn wůrde / ihme zu erlauben / gesonnen gewesen. E. Maj. vergeben mir /daß ich des Esau freies beginnen so künlich fůrbringe: dann / weil Ada / gleich nach dieser also vollzogenen ehe / schwanger wurde / als wůrde ich / ohne dieses zu melden / meine erzehlung nicht deutlich fortfüren k \nnen. Ich halte aber dafůr / E. Maj. werden begierig seyn / zu wissen / was es mit vorbesagter nåchtlichen ansprache bei der K \nigin für eine bewandnis gehabt: welche ich dann erstlich erzehlen wil / bevor ich vom Esau weiter fortfahre.

Es war die Eglone / in ihrem vatterland Basan / in dem g \tzendienst / und sonderlich in der verehrung des g \tzens Astaroth / so eiferig auferzogen worden /daß so wenig der Isaac / als ihr gemal der K \nig Abimelech / ihr solchen aberglauben benemen kunte. Weil nun ihr der König nicht weit von Gath / zu ihrer belustigung / etliche [563] ländereten geschenket hatte: als ware sie gewillet / dem Astaroth zu ehren / einen tempel dahin zu bauen. Zu dem ende / liesse sie heimlich aus Basan einen priester des Astaroth kommen: den sie verborgen in Gerar aufhielte / mit demselben über diesem fůrhabenden bau sich zu bereden. Weil sie aber solches \ffentlich nicht thun wolte / damit sie nicht an ihrem vorhaben gehintert würde / als hatte sie hierzu die nacht erwehlet: das dann so unglücklich abliefe / daß der K \nig dazu gekommen und dadurch in so grosse eifersucht geraten. Weil nun aber dieses ihr beginnen so hochstraffbar nicht war: als schmerzete sie nicht wenig / daß sie hierüber so harte worte von dem K \nig h \ren můssen / da sie / als eines grossen K \nigs tochter / höflicher gehalten seyn wolte. Demnach liesse sie folgenden morgens den Ahusath /des K \nigs brudern / zu sich kommen / und klagte ihm / wie es ihr ergangen: der dann / weil er damals auch noch am dienste der götzen hinge / ihr desto williger seinen beistand versprache / und gleich zum K \nig ginge / ihn deswegen anzusprechen.

Er funde den K \nig in tiefer traurigkeit / und entfinge auf seinen vortrag diese antwort: Ach daß Eglone ihre g \tter soviel liebte / als die menschen! dann so einen irrtum k \nte man ihr leichter vergeben / als ein grobes laster. Sie weiß aber von selbsten / was mich auf ihr schmerzet: welches ich / weil sie eines grossen K \nigs tochter ist / niemanden entdecken wil; doch daß sie kůnftig meiner gegenwart sich åusere. Nach dieser abfårtigung des Ahusath / wolte auch der Esau / seiner täglichen gewohnheit nach / in das K \nigliche gemach treten / und dem Abimelech aufwarten: ihm wurde aber / von dem haubtmann der wacht / der eintritt verwehret / weil solches der K \nig befohlen hatte. Indem er hierüber bestürzet [564] stunde / sahe er die jungfrau / welche ihn zu der Ada gebracht hatte / nach der gefångnis hinunter fůren / die da kläglich weinete / und den Esau ersehend / ihm zurieffe: wiedaß sie dieses unglůck seinetwegen erlitte. Hieraus kunte er nun nicht anderst urteilen / als daß alles / was zwischen ihm und der Ada fůrgelaufen / müsse verrahten / und dadurch diese ungnade des K \nigs verursachet worden seyn. Demnach begabe er sich wieder auf sein gemach / und sandte mich alsobald zum K \nig / daß ich / was mit der Ada fůrgegangen / entschuldigen /und / wiedaß ihn solches an seinem versprechen / die Fürstin Judith zu ehlichen / nicht hintern würde / versichern solte.

Wiewol sonsten der König mir niemals geh \r verweigert / so kunte ich doch diesesmal nicht fůrgelangen / und sandte der König den Phichol zu mir / der mir in seinem namen sagen muste: Er k \nne leichtlich ermessen / daß ich / meinen vettern zu entschuldigen /vor ihn begehrte: es sei aber solcher dienst bei ihm ůbel angewendet. Esau habe nicht als ein freund bei ihm gehandlet / und solte derselbe je eher je lieber seinen hof verlassen: welches alle die straffe wäre /die er ihm als seinem alten freund auflegen wolte. Ich kame / mit dieser antwort / wieder zurücke zu dem Esau: welcher das unbillige verfahren des K \nigs nicht begreifen kunte. Um aber jederman zu erweisen / wie er sein wort und zusage nicht gebrochen / ginge er zu dem Fürsten Beri / und versicherte denselben nochmals / daß er seine tochter zu ehlichen beståndig gesonnen wäre. Beri / von diesem allem nichts wissend / wurde höchlich bestürzet ůber des K \nigs verfahren: weil nun Esau hieraus vermerkete / daß ihme von dem / was mit der Ada fůrgegangen / noch nichtes kůndig war / wolte er sich auch nicht selber anklagen.

[565] Indem kame der Phichol zu ihnen; welcher auf das /was ich ihm angebracht hatte / daß nämlich der Esau die Judith noch heuraten wolte / vom K \nig / wiewol mit unmute / die antwort brachte: Der K \nig wolte des Esau zusage / die Fůrstin Judith betreffend / seinem freien willen heimstellen. Er möchte sie aber zu Bersaba / bei seinen eltern / heuraten / wann es ihm gefiele: wo nicht / wolte er ihn nicht ferner darzu verbinden.

Diese kaltsinnigkeit des Königs / stärkete den Esau in dem wahn / daß seine liebe und heimliche verehlichung mit der Ada ihm würde kündig worden seyn. Der bestůrzete Beri aber / wolte gleich zum König gehen / dieser gåhen veränderung wegen mit ihme zu sprechen: es wurde ihm aber von dem Phichol gesaget / daß der König keinen menschen sprechen wolte. Diese verwirrungen / brachten den ganzen hof zu Gerar in unruhe. Die Königin / verwandelte sich nach Gath / und hatte gegen dem K \nig / wegen seiner harten worte / einen grossen unwillen gefasset / welcher durch ihrer jungfrauen gefängnis gemehret wurde: dann sie achtete dieselbe darum also beschimpfet zu seyn / weil sie den priester des Astaroth in ihr gemach eingelassen. Der K \nig / in die tiefste traurigkeit gleichsam versenket / kame nie aus seinem zimmer. Die Ada / welche auch alles verrahten zu seyn vermeinet / schwebete in höchster angst und bekümmernis /und ginge ihr die gefångnis der jungfrauen sehr zu herzen. Weil sie auch fůrchtete / ihr möchte eben dergleichen widerfahren / sandte sie einen getreuen slaven heimlich zu dem Esau / und liesse ihn bitten / daß er sie hinweg fůren wolte / ehe des K \nigs zorn auch über sie ausginge: dann sie bildete ihr ein / wiedaß auch die Königin ihr ungnådig wåre.

[566] Der verliebte Esau / den die empfangene beschimpfung sehr schmerzete / wolte seine Ada nicht daselbst lassen: machte demnach einen anschlag / sie sowol /als die jugfrau / zu entfůren. Er überliesse mir / dieses werkstellig zu machen: weil er fůr seine person so einen anschlag nicht erwarten / sondern gleich von Gerar hinweg wolte. Kurz vor seinem abzug / kame der Prinz von Caphtor zu ihme: der dann mit thrånen sein unglůck beklagete / und ganz nicht ergründen kunte / was doch dem K \nig immer begegnet seyn möchte / das alle diese fr \mde wirkungen verursachet / daß er so schleunig seiner gemalin und seinem liebsten freund aufsåtzig worden. Es liesse ihm aber der König / durch den kammerherrn Bagastanes / nochmals heimlich sagen / als eben die grossen von hofe bei ihm waren und abschied namen: Er möchte ja niemals gegen einigen menschen in der welt gedenken /was zwischen ihnen fůrgegangen / wann anderst ihme die ehre des jenigen noch ein wenig lieb wäre / der ihn so hoch geliebet. Und ob er es wol nicht darnach gemachet / daß ihme das Fůrstentum könte geschenket werden: so wolte doch der K \nig sein versprechen halten / und nicht also mit ihme wie er gegen ihme gethan hätte / handelen. Saget eurem K \nig wieder /(antwortete Esau / ganz erhitzet und ůberlaut /) daß ich sein Fůrstentum nicht begehre / und ist mir meine ehre so lieb / als ihm die seinige: welche zu erhalten und aller welt zu zeigen / wil ich die Fůrstin Judith heuraten / weil ich es einmal versprochen. Aber das unbillige verfahren / so er gegen mir fürgenommen /darf ich nicht ruchtbarer machen / als es bereits ist: und so des K \nigs ehre dadurch beleidiget worden /hat er es niemanden als ihme selber allein zu danken. Hiermit ginge er / von allen anwesenden Philistern begleitet / zu der Judith: [567] die über diesem allem sich sehr ångstete / zumal weil sie nicht wissen kunte /was fůrgegangen. Der abschied ware / auf des Esau seite / gar kaltsinnig / und eilete er sehr hinweg / den undankbaren hof zu verlassen / da man / wie er vermeinte / nicht befuget gewesen / also mit ihm zu verfahren.

Ich ware mit etlichen seinen bedienten zurücke verblieben / aus fůrsatze / des Esau begehren zu erfůllen / und die Ada neben der gefangenen jungfrauen zu entfůren. In der nacht nun / kame ich heimlich nach hof / da der kämmerer über das frauenzimmer / der bestochen worden / mich einliesse: und brachte ich also die Ada glůcklich davon. Den hůter aber / der die jugfrau verwarete / fande ich so eigensinnig / daß er mir gar nichtes wolte zu willen seyn. Demnach auf der Ada ihre bitte / die besorgte / man möchte bei längerem verzug / ihrer flucht innen werden / liesse ich sie im gefångnis / und brachte allein diese Fůrstin zu dem Esau hinaus / der unser im feld wartete. Ein grosser teil seines unmuts verlore sich / als er diese liebe person wieder umarmen konte. Und ob er wol anfangs sie mit nach Bersaba nemen wollen / so befande er es doch nachmals unthunlich: weil seine ehre dabei noht leiden / und der König dannenhero mit bässerem grunde wider ihn etwas wůrde fůrbringen k \nnen. Also wurde beschlossen / daß ich sie ins K \nigreich Sichem zu ihrem herr vattern begleiten / und daselbst ausgeben solte / wiedaß wegen einer unruhe / die zu Gerar entstanden / sie alda nicht länger bleiben können.

Inzwischen ich also mit ihr ins land Canaan reisete / kame Esau nach Bersaba zu seinen eltern: da sein vatter sich sehr ůber seiner ankunft / ehe seine verlobung mit der Judith ruchtbar worden / erfreuete. Wie aber [568] dieselbige / neben dem unwillen / in welchem Esau von Gerar geschieden / aller orten ausbrache /betrübte sich der alte Isaac höchlich darůber: allermeist / da er sahe / wie sein sohn sich mit einer unglåubigen vermålete / welche auch an einem so pråchtigen hof erzogen war / daß sie seiner lebensart schwerlich wůrde gewonen k \nnen. Esau selber / seinen zustand erst recht betrachtend / kunte nicht anderst / als dieses alles ihme verdrůslich zu sinne ziehen: weil das schåferleben / so die seinige fůreten /sich gar ůbel bei die hof-weise reimete / und er wol zuvor sahe / wie gar nicht die Judith und Ada sich darein schicken würden. Und dieser letzern dorfte er ůberdas noch nicht einmal gedenken / weil er schon sahe / wie seine eltern die erste heurat mit der Judith aufnamen: die er doch / bloß seinen guten namen bei den Philistern zu erhalten / wolte ehlichen / indem er allein die Ada liebete.

Zu Gerar ginge es / nach unserm abschiede / noch wunderlicher daher. Der König / der seine gemalin fůr schuldig hielte / quälete sich lange in seinem gemůte /ehe er einen schluß fassen kunte / was er in dieser beschwerlichen sache fůrnemen solte. Weil die K \nigin nach Gath gezogen war / als schickte er ihr etliche kundschafter nach / die auf ihr thun acht haben und ihme alles hinterbringen musten / wie sie sich gebärdete / und was sie redte. Weil nun dieselbe / aus ungedult / vieler dråuworte sich vernemen liesse / wie ihr herr vatter / der König Abinael von Basan / ihrer /wider ein so hartes verfahren / sich annemen würde: als besorgete sich Abimelech einer grössern unruhe und weitläuftigkeit. Demnach fassete er den schluß /die K \nigin wieder nach Gerar holen und daselbst so genau verwahren zu lassen / daß ihr alle gelegenheit benommen seyn solte / nach Basan etwas von ihrem zustande zu berichten. Die gute Königin [569] muste diese einsperrung / unwissend warum / also erdulten. Weil die Fürstin Ada im frauenzimmer gemisset wurde / als bildete sie ihr ein / der K \nig sei heimlich in dieselbe verliebet / und sie verursache jezt alles ihr unglůck. Demnach fassete sie eine gleichmäsige eifersucht in ihrem herzen / und strebete nach nichtes mehr / als nach der gelegenheit / ihrem vatter nach Basan ihre unterdruckung zu verständigen.

Der betrůbte K \nig Abimelech name / bei so grosser verwirrung seiner sinnen / der Ada abwesenheit nicht zu herzen / sondern lebete in tiefster traurigkeit: also daß Gerar / so bisher ein aufenthalt der höchsten lust gewesen / nun der traurigste ort von der welt wurde. Der Prinz von Caphtor / zoge auch davon und nach seinem Fůrstentum. Der Beri name seine tochter / die Judith / mit sich nach Hebron. Ich / hatte nun die Ada nach Sichem gebracht / alda wir ein sehr herrliches freudenfest fanden / wegen der krönung des K \nigs Beor / dessen herr vatter unlängst gestorben war. Weil vor unserer ankunft / das gerüchte bereits die zu Gerar entstandene verwirrungen hingebracht hatte / als fiele es der Ada nicht schwer / dieselbige /als eine ursach ihrer ankunft / fůrzuschützen: da sie dann / von allen / mit freuden bewillkommet wurde. Der K \nig Beor / der noch gar jung war / liesse sich gleich der Ada gestalt also wol gefallen / daß man eine liebe bei ihm verspürete. Elon ihr vatter / solches merkend / machte sich so hohe gedanken / eine tochter Königin von Canaan zu sehen / daß er alle ersinnliche wege fürkehrete / diese liebe zu ernehren. Er befahle der Ada / gegen dem K \nig sich also zu verhalten /daß er ja keine ursach bekäme / von ihr abzulassen. Dieses erweckte / in der Ada gemůte / wunderliche entfindungen: da eines teils die treue / die sie dem Esau [570] gelobet / und dessen gemalin sie bereits heimlich worden ware / sie des Königs liebe fürchten / anders teils die herrlichkeit der Krone ihr solche beliebt / machete. Ich halte auch dafür / wann der Esau nicht die lezte gunst von ihr bekommen håtte / sie würde ihm schwerlich seyn beståndig verblieben.

Weil ich in Sichem / nach des Esau begehren /mich verweilete / um auf der Ada wesen acht zu haben: als erfuhre ich alles dieses / was fürliefe / und sandte einen an den Esau ab / ihme solches zu hinterbringen. Der Bote traffe ihn eben zu Hebron an / da er die hochzeit mit der Judith vollzoge. Weil er ohnedas betrůbt ware / als ist leichtlich zu ermessen / daß diese zeitung ihm vollends alle lust werde benommen haben. Es ware auch niemand fr \lich / bei diesem hochzeitfeste. Dann der Beri sahe wol / wie Esau seiner tochter wenig achtete. Weil auch seine eigene mittel nicht ůbrig groß waren / da der K \nig Ephron /sein bruder / ihme nicht das minste zu willen stunde /und das Fůrstentum fůr den Esau auch zurůck bliebe: als stellete er ihm leichtlich fůr / wie Judith ihrem stande so ungemås bei ihm leben wůrde.

Die heftigkeit der liebe zu der Ada / triebe den Esau / daß er / sobald die Judith nach Bersaba ware gebracht worden / ihm fürname / eine reise nach Sichem zu thun. Er wurde aber daran verhintert / durch einen zufall / der ihm auf der jagt begegnete / da ein starkes wildschwein ihn gefärlich verletzete / also daß er etliche monden / seiner heilung halber / sich innhalten muste. Unter solcher zeit fůlete die Ada bei sich /daß sie schwanger ware / und wuste nicht / wie sie es angreifen solte / dann wir von dem Esau keine nachricht bekamen: und besorgete sie / er håtte ihrer gar vergessen / und seine liebe nun v \llig allein auf die Judith gewendet. Die liebkosungen des K \nigs von[571] Canaan / brachten ihr hierbei in den sinn / was verlust ihr wegen des Esau vorstünde: daher gram und reue sich bei ihr dermassen einstellete / daß sie von tag zu tag abname. Der Elon ward hierüber sehr bekümmert / weil durch ihren tod er die hoffnung verlieren muste / einen so mächtigen König zum schwiegersohn zu bekommen. Der verliebte K \nig verliesse sie niemals / bis sie endlich sich gar zu bette legen muste. Als man aber die ärzte zu ihr brachte / befunden dieselben / wie es um sie stünde.

Ich bekame eben um die zeit nachricht von dem Esau / und sagte mir der jenige / den er an mich von Bersaba abgeschicket / wie tugendhaft die Judith sich bei ihm erwiese / und wie sie ihm dermassen zur hand ginge / daß sie bereits sein herze mehr als halb gewonnen hätte. Ich truge bedenken / dieses der Ada zu er \ffnen: weil sie vorhin / ůber der Judith glůck / zuviel eifersůchtig ware. Wie ich aber die ankunft des boten von Bersaba ihr vermelden wolte / ware es mit ihr in einen erbårmlichen zustand gerahten: weil der Elon ihr vatter erfahren hatte / wie die ärzte von ihr urteilten / daß sie schwanger wäre. Er hätte / für verzweifelung / ihme den tod anthun mögen. Weil er / sie selber zu sehen / sie nicht mehr würdigte / als liesse er seine gemalin ihre stiefmutter zu ihr gehen: die ihr muste fůrhalten / wie sie ihn und das ganze K \nigliche haus betrůbet håtte. Wiewol sie nun ihr schwanger-seyn nicht laugnete / so wolte sie doch den Esau nicht nennen. Weil ich sie nach Sichem gebracht hatte / als kame ich dieserwegen in verdacht: muste derhalben mich von dar hinweg begeben / ehe man nach mir greifen m \chte. Ich befunde nun höchst n \tig zu seyn / daß der Esau eiligst die Ada wieder hälfe zu ehren bringen / ehe ferner ihre und seine ehre darůber gefahr leiden [572] möchte. Also eilete ich nach Bersaba / und kame dahin / als Esau eben das bette verlassen hatte /und in gesellschaft seiner Judith sich befunde.

Es war aber unterdessen von der K \nigin Eglone /ungeacht ihrer versperrung / unter die Philister ausgebreitet worden / wiedaß der König mit der Ada zugehalten hätte: welches jederman für wahr gläubete. Auch der Esau selber machete ihm die gedanken / der Ada schwångerung můsse nicht von ihme / sondern von diesem K \nig / herrüren. Die umstånde / wie man zu Gerur mit ihm verfahren / stårketen ihn in dieser einbildung. Weil er aber / auch dieses glåubend / dannoch die Ada liebete / als wurde er so unwillig / daß alle meine bemůhung umsonst war / ihn eines bässern von seiner Ada zu bereden. Der Fůrst Beri / seiner Judith vatter / kame eben dazumal / mit seiner gemalin /des Fůrsten Lothans von Seir schwester / die er erst geheuratet hatte / und mit seinem ganzen hause / nach Bersaba: dann er ware mit seinem bruder / dem K \nig von Kiriath Arba / in so harte zweitracht gerahten /daß er sich hinweg machen müssen. Die haushaltung des Isaac / wurde durch diese gäste sehr beschweret: dann der K \nig Ephron hatte dem Beri alle seine mittel dermassen entzogen / daß Esau ihn völlig unterhalten muste. Dieses verursachete manchen unlust /weil Isaac / mit seiner Rebecca und dem Jacob /gleich den schåfern in Mesopotamien / schlecht und doch vergnůgt lebeten / und solcher hausgenossen nicht gewonet waren: wiewol Gott ihn in seinem stand so sonderlich segnete / daß er ein sehr grosser mann worden. Judith aber und die ihrigen / waren von jugend auf pråchtig und nach der weise bei hof erzogen: denen dann der Esau in seines vatters hause gleiche verpflegung verschaffen wolte / welches [573] dem Isaac und der Rebecca nicht zum båsten gefiele.

Alle diese widerwårtigkeiten / die der ungedultige Esau gar nicht vertragen kunte / trieben ihn an / dem kriege wieder nachzuziehen: weil er immer im feld glückhafter als zu hause gewesen war. Demnach seine Judith / neben ihrem vatter / stiefmutter und allem hausgesinde / seinen eltern auf dem halse lassend /zogen wir miteinander in Syrien / und wolte er die Ada ganz aus dem sinne schlagen: dann es ware gar zu warscheinlich fůrgebracht worden / daß der K \nig der Philister sie geliebet / und annoch ihrentwegen der Königin und ihme so aufsåtzig wåre. Wir funden / zu Damasco / alles in waffen: dann der K \nig Aramenes hatte mit dem König von Armenien in einen schweren krieg sich eingelassen. Die ankunft des Esau ware diesem K \nig höchst angenem / weil dessen dapferkeit ihme schon bekant war: daher er ihm grosse ehre erwiese / und ihn mit zu den h \chsten kriegsämtern bestellete. Die K \nigin Philistina / als seine erste liebe bekame er da auch wieder zu sehen. Und ob wol fůr der zeit sie ihme nicht hold gewesen so ware er ihr jedoch anjetzo sehr angenem: weil sie / von ihrem vatterland und ihren anverwandten / durch ihn etwas zu vernemen / verlangete. Wie er aber mit deme / was sich zu Gerar begeben / gar verschwiegen war / als spůrete sie wol / daß die vertråulichkeit zwischen ihrem bruder und ihme nicht mehr so verbündlich /als vordessen / seyn můste. Er aber gewonete nun wieder so sehr der angenemen gesellschaft dieser Königin / daß wenig fehlete / es wåre seine vorige liebe in ihm wieder angeglommen. Doch mäsigte er seine zuneigung / daß man dieselbige mehr ein freundschaft als liebe nennen mochte.

[574] Der grosse Aramenes zoge / in diesem krieg /selbst mit zu felde: deme der K \nig Barzanes von Armenien bis an das Taurische gebirge entgegen kame /und ein heer der Scythischen v \lker an sich ziehend /seiner mit einer grossen macht erwartete. Die K \nigin / welche ihren herrn niemals verlassen wolte / folgete ihm in diesem feldzug: in welchem Esau sich so dapfer hielte / daß wir treffliche siege erlangeten / und den feind bis an den fluß Araxes trieben. Es wärete dieser krieg eine lange zeit / da wir dann fast meister von ganz Armenien wurden. Wir vernamen inzwischen nichtes / von deme / was zu Gerar / Sichem und Bersaba fůrginge. Mit den gedanken war freilich der Esau an allen diesen dreien orten / und konte er des K \niges Abimelech unrecht / die von der Ada eingebildete untreu / und der seinigen beunruhigung / nie genug erwågen: massen wir zuweilen etliche stunden /mit gespråchen hiervon / zubrachten. Es ware doch noch allemal / eine liebe zu der Ada / aus seinen reden abzunemen. Er hatte ja all zu übereilt wider sie verfahren / da er seine einbildung billig auf mehr grůnde / als auf das blosse gerüchte / stellen sollen. Es mochte aber der seinigen zustand / dieses schnelle entschliessen guten teils verursachet haben / und ware etwan die verzweifelung sein gr \ster rahtgeber gewesen. Wie aber die zeit alles kan in vergessenheit bringen / also gewonete Esau nach und nach / nicht mehr so heftig sich der Ada zu erinnern: und wartete er der sch \nen Philistina / als welche / wie gesagt / stäts im feld mit ware / so vergnůgt auf / daß er nicht viel nach Canaan mehr gedachte.

Ich muß aber nun nach Gerar wiederkehren / und berichten / was sich in der zeit / da wir in Syrien waren / alda zugetragen. Des Abimelechs bekůmmernis / der Eglone versperrung / und die allgemeine traurigkeit bei hof [575] wårete noch also fort: bis die Fůrsten und grossen des reichs / dieses unwesen etwas genauer betrachtend / die ausgebrachte rede der K \nigin zu herzen fasseten / daß nämlich der K \nig die Fůrstin Ada lieben müsse / und daraus alles dieses unheil entstanden wåre. Weil nun bisher die K \nigin unfruchtbar gewesen / und die stände auf erhaltung ihres K \nigstammens ihr gr \stes absehen hatten: als waren die meisten der meinung / man solte dazu helfen / daß Ada mit dem K \nig verehlichet / und durch sie der K \nigliche stamm erhalten würde. Indem sie hierüber rahtschlageten / kame die zeitung aus dem land Canaan von Sichem / daß die Ada / welche der K \nig Beor heuraten wollen / ohne daß man wüste /von wem / wäre schwanger befunden worden. Keiner unter ihnen wolte nunmehr zweifelen / daß solche schwångerung von ihrem K \nig herrůrete: dannenhero sie / ohne vorwissen des K \nigs / etliche aus ihrem mittel nach Sichem abfårtigten / die den Fürsten Elon berichten solten / wiedaß sie / sich seiner tochter anzunemen /gewillet wåren / und daß ihre leibesfrucht noch dermaleinst ihr Kronprinz werden k \nte. Ehe sie aber nach Sichem angelangten / ware Ada bereits mit einem sohn darnieder gekommen: wodurch die liebe /so der K \nig Beor noch beståndig zu ihr getragen /ganz erlosche / und Elon dermassen erzůrnet wurde /daß er / alle våtterliche liebe ablegend / sie hinweg jagete / und für sein kind nicht mehr erkennen wolte.

Sie wuste nun / in diesem ihrem elenden zustande /nirgend anderst hin / als nach Bersaba zu dem Esau: ůber dessen verlassung und meinem ausenbleiben sie sich nicht gnug verwundern und beklagen kunte. Weil sie nun den Esau zum vatter ihres kleinen Eliphas nicht ernennet / und nach ihrer abreise von Sichem die Philister [576] dahin kamen / bereuete der Elon sehr / als er ihr anbringen h \rete / daß er seine tochter also von sich hatte verstossen. Die abgeordnete von Gerar waren auch sehr bekůmmert / daß sie von der Ada keine nachricht erhalten kunten. Sie aber kame inzwischen zu Bersaba an: und kan man leichtlich ermessen / wie angenem sie dem Isaac můsse gewesen seyn /der allbereit mit der ersten frauen des Esau seine plage hatte. Die Ada wolte schier von sinnen kommen / als sie h \rete / daß Esau in ein fernes land wäre hinweg gezogen / und sie / für alle treue / die sie ihm erwiesen / nun dieses zum dank hatte / daß sie / wie eine unehrliche und leichtsinnige / von den seinigen angesehen wurde. Weil sie nun bei des Esau eltern keinen glauben erhielte / als welcher ihnen hiervon nichtes hatte kund gemachet / so kunte sie kaum herberge in Bersaba erlangen. Ihre ehmalige gespielin /die Fürstin Judith / name sich ihrer aus erbårmnis noch am meisten an: dann weil ihr sinnlich war / wie Esau zu Gerar mit ihr kundschaft gehabt / als glåubte sie leichtlich / daß der kleine Eliphas ihres Esau sohn wåre / welchen sie herzlich zu lieben begunte / weil sie selber noch kein kind von ihme bekommen hatte. Diese guttåtigkeit der Judith linderte aber der Ada schmerzen ganz nicht / sondern mehrte vielmehr dieselben: weil sie ehmals die zusage von dem Esau empfangen hatte / daß sie seine fůrnemste frau werden solte; da es aber nun mit ihr dahin gekommen ware /daß sie ihrer mitbulerin gnade leben muste. Sie vergrämte sich daher dermassen / daß sie fast der Ada nicht mehr gleich sahe. Weil auch ståts ein hoher geist in ihr sich gereget / als gabe es zwischen ihnen manchen streit: welches dann zu des Isaacs und der Rebecca grossem herzenleid gereichete.

Dergestalt verliefe eine lange zeit / in welcher sie zu [577] Bersaba von uns / und wir in Armenien von ihnen /nichtes vernamen. Elon hatte / neben den Philistern /alles sein nachsuchen nach der Ada vergeblich angewandt / und gedachte niemand daß sie zu Bersaba sich aufhalten solte. Endlich fůgete es sich / daß ein Philister Fürst / namens Asdod / nach Bersaba kame /und die Ada / ungeacht sie sich sehr veråndert / erkennend / hierüber sich frölichst erzeigete: zumal / als er den kleinen Eliphas bei ihr funde / den er fůr seines Königs sohn hielte. Ihre schamhaftigkeit / sich von dem Asdod in einem so verånderten zustand sehen zu lassen / mehrete dieses Fůrsten einbildung: der sie ermanete / mit ihrem kleinen sohne nach Gerar zu kommen / da es ihr båsser als zu Bersaba ergehen solte. Weil sie aber sich vermeintlich erinnerte / wie herb der K \nig ihren handel mit dem Esau vordessen entfunden / als gabe sie dem Asdod zur antwort: Sie d \rfte es nicht wagen / vor des K \nigs angesicht zu kommen. Doch wolte sie / die ursach dessen / ihm nicht entdecken: der ihr / nichts solches vermutend /einen muht einsprache / und ihre verschwiegenheit für ein schamhaftigkeit hielte. Weil es ihr nun ohnedas zu Bersaba sehr verdrieslich erginge / als liesse sie sich überreden / und reisete mit nach Gerar: da der Asdod gleich den geheimen raht versamlen liesse / und ihnen fůrtruge / wiedaß die Ada / und des K \nigs sohn der Eliphas sich wieder gefunden håtten. Die ganze versamlung erfreuete sich hierüber / und ward beschlossen / die Ada neben dem kleinen Eliphas vor den K \nig zu bringen: der bis hieher noch immer bekůmmert gewesen / und wenig aus seinem zimmer gekommen war.

Als sie nun ihren schluß vollzogen / und die Ada vor den König brachten: fiele sie / ehe er dessen sich versahe / zu [578] seinen fůssen nieder / und bitterlich weinende / bate sie ihn um vergebung / daß sie ihn also beleidiget håtte. Der K \nig / der nicht wuste / was sie damit meinete / sahe sie mit grosser bestůrzung an. Die anwesende Fůrsten aber / zeigeten dem K \nig den kleinen Eliphas / und sagten: Dieser ist E. Maj. sohn /welchen wir dafůr erkennen / und die Ada fůr unsere K \nigin. Dieses sezte den K \nig und die Ada in grosse bestürzung / und machte jenen sie begierig fragen: was sie hiemit wolten? Asdod sagte zu der Ada: sie solte nur kůnlich reden / und des Eliphas geburt dem K \nig offenbaren. Hierauf begunte sie ausfůrlich zu erzehlen / wie Esau sie geliebet / und wie der K \nigin kammerjungfrau ihn bei nacht zu ihr gelassen: da er sie geehlichet / und sie gleich von ihm wäre schwanger worden. Sie sagte ferner / wie sie folgends / als sie gesehen / daß der K \nig diese that so ungnädig aufgenommen / sich heimlich durch mich entfüren lassen /und zu Sichem diesen sohn geboren hätte. Diß alles wurde / von dem K \nig mit h \chster aufmerkung /und von den Philistern mit grossem verdruß / angeh \ret. Diese / sahen hieraus / wie sehr sie in ihrer einbildung hatten gefehlet / indem sie hierdurch ihrem K \nige seine traurigkeit benemen wollen.

Abimelech aber / deme dieser bericht der Ada / die unschuld seiner gemalin zum teil er \ffnete / stunde zwischen freude und furcht / ob und was er hievon gläuben solte. Nachdem er sie in ein nebenzimmer abtretten lassen / muste man ihm die kammerjungfrau aus der gefångnis bringen / welche er ernstlich befragte / zu wem sie den Esau in der nacht gefüret håtte. Ihre bekentnis kame mit der Ada bericht ganz über ein; und als sie der K \nig ferner fragte: wer dann / in eben selbiger nacht / bei seiner gemalin gewesen? nennete sie den priester des Astaroth: [579] welches dann ebenfalls gleichlautete mit dem / was ihme sein bruder damals von der Eglone angebracht hatte. Diese unverhoffte zeitung bewegte des K \nigs gemůte dermassen / daß er alsobald zu der unschuldigen K \nigin ginge /und alles sein bisheriges verfahren ihr auf den kniehen abbate. Sie wuste anfangs / in diese schleunige ånderung / sich nicht zu finden: wie ihr aber nachgehends der K \nig von allem bericht gabe / auch die Ada herbei geholet wurde / und sie von ihr allen handel mit dem Esau erfuhre; verlore sich alsobald bei diesen edlen eheleuten / sowol der gehegte groll und die falsche eifersucht / als die daraus entstandene betrůbnis. Sie fielen einander um den hals / und erwiesen hiernåchst solche liebeszeichen / daß dadurch der ganze hof / und folgends auch das ganze land / in ihre vorige ruhe und freude wieder gesetzet wurde. Sonderlich waren die råhte hoch erfreuet / daß ihr vorhaben zwar anderst / als sie vermeinet / aber doch noch sowol und zu des K \nigs beruhigung / abgelaufen. Ada / die durch ihre hinkunft diese ruhe gestiftet / wurde von dem K \nig herrlich und wol gehalten. Er gewonne auch den Esau von neuem lieb / da er seine unschuld sahe / und verziehe ihme gerne / was zwischen ihm und der Ada fůrgegangen.

Unsere siegreiche waffen hatten inzwischen in Armenien erwůnschten fortgang / und kame es bei dem gebirge Ararat zu einer blutigen schlacht: da der unvergleichliche Aramenes solche heldenthaten verůbete / daß wann man g \tter machen dörfte / er billig unter dieselben könte gezehlet werden. Es begabe sich aber bei diesem treffen / daß ich mit denen / die mir der Aramenes zu fůren untergeben / die Prinzessin Barsine / die base des K \nigs / gefangen bekame / welche /gleich unserer Syrischen K \nigin / dem krieg folgete. Als ich mit meiner sch \nen beute in [580] [582]in das lager kame / in hoffnung / damit grosse freude bei den Syrern zu erwecken / h \rete ich aller orten das klägliche wehklagen über den verlust unserer Königin: die von einem Scythischen haufen / der unter wårendem treffen in das lager eingebrochen ware / neben allem frauenzimmer entfůret worden.

Esau ware nirgend zu finden: der hatte den raubern der K \nigin nachgesetzet. Er ereilete sie / unferne bei Tospia / da der Tigris entspringet: der / wie er allezeit im früling zu thun pfleget / sich stark ergossen hatte /also / daß er auch bei seinem ursprunge sehr tief ware. Porus / des K \nigs Barzanes vatter und bruder der Barsine / hatte die K \nigin entfüret. Dieser / wie er sich von dem Esau verfolget sahe / und die K \nigin nicht lassen wolte / name sie fůr sich auf sein pferd /deme er viel zutrauete / und setzete damit durch den fluß. Er geriete aber / zu seinem unglůck / in einen wirbel / also daß er die Königin fahren lassen / und vom pferd sich ledig machend / der wilden flut sich ergeben muste. Esau / dieses unglůck der Königin am ufer ersehend / bedachte sich nicht lange / was ihm zu thun wåre / sondern / von einer dapferen entschliessung getrieben / setzete er gleich mit seinem pferd in den strom / und ware so glůcklich / daß er die K \nigin ergriffe / und zu land brachte. Weil sie gar viel wasser eingeschluckt hatte / auch eben sich schwanger befande: als bekame ihr dieser zufall sehr übel /und brachte sie Esau gar schwach in das lager. Der K \nig ihr gemal / ware zugleich erfreuet ůber diesem des Esau guten dienst / und auch betrůbet / die Königin also schwach zu sehen.

Der sieg ware aber v \llig unser / und machte / daß der K \nig von Armenien / unserem K \nig friedenshandelung liesse antragen. Aramenes name dieselbe an / als nunmehr vorteilig für Syrien / und zogen endlich beide K \nige [582] zusammen / den frieden zu bestätigen: da dann in beider gemůtern eine wechsel hochachtung entstunde / also daß der alte Barzanes den unvergleichlichen K \nig von Syrien / und Aramenes hinwiederum den tugendhaften K \nig von Armenien /sehr lieb gewonne. Wie aber / bei diesem getroffenen frieden / die auswechselung der gefangenen geschehen solte / weigerte sich Barsine / wieder zu ihren bruder zu ziehen / und bate mich mit beweglichstem flehen /ihren tod auszusprengen. Ich konte einer solchen schönheit dieses nicht abschlagen / und hielte sie demnach für allen Armeniern ganz heimlich / die sie dann als todt beweineten. Sie dankete mir nachgehends tausendfältig / fůr diese ihre erl \sung. Ich erfuhre von ihr / daß ihr bruder sie zwingen wollen /den Prinzen aus Buctra den Oxyartes zu ehlichen / da sie doch bereits dem Pharnus dem König aus Meden versprochen wåre: welchen aber ihr bruder tödlich hassete / aus ursach / daß der Pharnus ihm seine schwester die Armire versaget / und dieselbe an den K \nig aus Ophir den Jazis verheuratet hatte.

Ich befande diese ihre fůrgebrachte ursache so erheblich / daß ich ihr vorhaben billigen muste / und ihr meine dienste anbote: die sie willigst anname / und mich ersuchete / sie heimlich in Meden zu fůren. Weil nun dieses gar verborgen muste zugehen / daß niemand es erfuhre / als meldete ich von ihrem da-seyn auch dem Esau selber nichtes / und hielte sie ståts in meinem zelt verborgen. Weil sie keinem andern sich anvertrauen wolte / sie in Meden zu bringen / ich aber / bis wir aus Armenien abgezogen seyn würden / hierzu nicht gelangen kunte / als muste sie sich noch eine gute weile gedulten: inzwischen dann / die gesellschaft dieser sch \nen Prinzessin / mir immer angenemer wurde.

[583] Wie nun der abzug aus Armenien / wiewol / sowol wegen der vielen fusv \lker / als wegen der Königin anhaltender unpäslichkeit / gar langsam / fortginge: fůrete ich die mir untergebene soldaten unter dem lezten haufen. Als wir an das Taurische gebirge kamen /und bei Samosata über den Phrat gehen wolten / hatten sich viele von den wilden Armeniern / die in demselben gebirge wohnen / zusammen geschlagen / welche mich zwischen den klippen unvermutlich ůberfielen: da dann ihre månge die meinigen / die ohnedas erschrocken waren / in die flucht und unordnung brachten. Ich thate diesen wilden möglichsten widerstand / und ware insonderheit wegen der Prinzessin Barsine in gr \sten ängsten / die ich zu beschützen mein åuserstes daran wagete. Wie ich aber sahe / daß alles verloren ginge / begabe ich mich / mit der Prinzessin und meinen übrigen / die bei mir getreulich hielten / in eine h \le: da ich / wider den ungeheuren haufen der feinde / bis auf den lezten blutstropfen zu fechten / mich entschlosse. Ich vermochte aber ihrer mänge nun nicht mehr zu widerstehen / als Esau / der von meinem unfall zeitung erhalten / eiligst mit seinen v \lkern umkehrend / mir zu hülf kame / als ich dessen zum h \chsten ben \tigt war / und mich errettete.

Die viele entfangene wunden hatten mich so geschwächet / daß / wie Esau zu uns in die h \le eintrate / ich ganz sinnlos in der schönen Barsine armen lage /die ihr grosses mitleiden mit heissen zehren bezeugete. Ihr klagen hatte so wenig ihre sch \nheit vermindert / daß Esau sie ganz verwundert betrachtete: und sein verliebtes gemüte / das dazumal noch wie ein zunder leichtlich zu entglimmen pflegte fůlete bereits / was der Barsine schönheit vermochte. Weil aber ihn die gebůr der freundschaft triebe / sich auch nach mir umzusehen: name Barsine [584] gelegenheit / in ihr gezelte sich zu verbergen. Ich wurde folgends auch in das meinige getragen / da man nach meinen wunden sahe: die aber von keiner sonderbaren gefahr befunden wurden / und mich allein etwas abkråftig machten.

Wie nun Esau und ich allein im gezelte beisammen waren / fragte er mich alsobald: wer die sch \ne dame wäre / die er bei mir in der h \le gesehen? Ich truge kein bedenken / ihme der Barsine zustand zu eröffnen / weil ich seiner verschwiegenheit mich getr \stete. Nachgehends liesse ich der Prinzessin durch meinen waffenträger sagen: daß sie sich gar nicht fůr meinem freund dem Esau scheuen dörfte / welcher / ihr zu dienen / ja so begierig als ich wäre. Durch diese versicherung ward sie kůhn gemachet / mich zu besuchen. Weil der K \nig von Syrien mir erlaubte / daß ich zu Samosata bleiben mochte / bis es mit meinen wunden sich wůrde gebässert haben / als wolte Esau mich auch nicht verlassen: und hatte er also täglich gelegenheit / die Barsine bei mir zu sehen. Wir redten / in seiner gegenwart / miteinander ab / daß / sobald ich wůrde genesen seyn / wir durch Assyrien nach Meden gehen wolten: dahin wir / weil der König Pharnus /welcher mit dem K \nige Armatrides von Assyrien krieg fürete / sich zu Dartha in der Abeliter landschaft mit seinen völkern befunde / für den Assyrern ganz sicher durchkommen kunten.

Die unruhe / welche Esau von der Prinzessin entfunde / liesse sich hierauf spüren / und offenbarete er mir / daß er die Barsine liebete: zugleich mich bittend / es zu verhintern / daß diese reise zu dem K \nig Pharnus nicht für sich gehen m \chte. Alle unmůglichkeiten / die ich ihm fůrbrachte / konten ihn nicht bewegen / von seiner liebe abzustehen. Ja er finge bald an / der Barsine selber [585] von seinem leiden fůrzusagen: welches sie mir klagete / und mich diese entschliessung fassen machte / ohne sein wissen mit ihr heimlich davon zu ziehen. Wie ich demnach vollkomlich an meinen wunden wieder genesen ware / und alles zu meiner fůrhabenden reise hatte färtig machen lassen /zoge ich von Samosata mit der Barsine bei nacht davon / und hinterliesse ein schreiben an den Esau: darinn ich meine that entschuldigte / und ihm zu erkennen gabe / wie sehr ich hierinn als sein treuer freund mich erwiese / indem ich ihme die ursach seiner qual hinweg genommen; worzu mich zwar ohnedas die pflicht und mein gegebenes wort angetrieben /welches ich nicht widerruffen k \nnen. Anfangs hatte Esau dieses gar übel entfunden: wie aber die abwesenheit der Barsine seiner gesunden vernunft wieder platz gegeben / funde er sich gar wol / in dieses mein verfahren / und name seinen weg nach Syrien.

Ich aber reisete mit der Barsine fort / bis wir zu Dartha glůcklich ankamen: alda ich dem König Pharnus seine Prinzessin ůberlieferte / zwar nicht ohne schmerz entfindung. Dann ich muß gestehen / daß schier die liebe / die ich dißorts an dem Esau getadelt / bei mir sich einfinden wollen. Weil diese meine erste liebe / einen solchen ausgang / wie ich bald erzehlen werde / genommen / als habe ich nachgehends mich ihr nicht mehr ergeben wollen / sondern bis jetzo von dieser gemůtsregung mich frei erhalten. Die erkentlichkeit des Pharnuns / die dankbarkeit der sch \nen Barsine / und meine betrůbte rückreise / achte ich unn \tig weitläuftig zu erzehlen. Ich kame in Syrien wieder an / als eben die Königin Philistina ihrem herrn einen Prinzen gebare / welcher Aramenes nach seinem herr vattern genennet worden. Aber diese freude ward vermundert / durch den [586] gleich darauf folgenden tod dieser edlen K \nigin / der das ganze reich in grosses trauren setzete. Esau / der den tod der jenigen / die er ehmals geliebet / hiermit erlebet / ware darůber so bekůmmert / als fast der König selber. Er vermochte auch nicht länger in Syrien zu verbleiben / sondern zoge / mit einem grossen gut an gold und edelgesteinen / welches er im Armenischen krieg erworben /wieder ins land Canaan.

Er fande seine eltern noch in ihrem gew \nlichen landleben zu Bersaba / neben seinem bruder / und der Judith: die inzwischen an sch \nheit also zugenommen hatte / daß seine liebe zu ihr um ein grosses vermehret wurde. Welchergestalt die Ada mit einem kinde dahin gekommen / nachgehends von den Philistern nach Gerar gebracht worden / anjetzo herrlich am hofe daselbst lebte / auch daß die K \nigin mit dem K \nig wieder verglichen wåre / und ihme einen sohn geboren: solches alles erfuhren wir daselbst / konten aber keinen eigentlichen bericht erlangen / wie es mit diesem vertrage und mit der Ada zugegangen wåre. Esau bildete ihm ein / die Ada wäre des Königs kebsweib worden / welches Eglone endlich gedultet / und daher des Königs gemüte wieder besänftiget hätte. Demnach erneuerte er seinen ehmaligen unwillen wider den Abimelech / und entfunde es sehr schmerzlich / daß Ada ihn also hintergangen / die er doch so inbrůnstig geliebet.

Weil nun seine erste liebste gestorben / die andere verheuratet / die dritte ihm / wie er vermeinte / so schändlich ungetreu worden / und die vierte auch einem andern ihre liebe zugewendet: als kehrete er sich ganz allein zu der Judith / welche er ohne zuneigung genommen hatte / und finge an / ihr so vollkommen seine liebe zu erweisen / daß er kaum einen augenblick von ihr seyn kunte. Weil auch [587] auch das landleben ihrem sinn so gar nicht gefiele / und er sie gern båsser håtte m \gen versorget sehen: als verwendete er sein mitgebrachtes geld daran / daß er ihr / bei uns im lande Midian / nicht weit von dem ihme angebotenen Fůrstentum / eine schöne herrschaft erkaufte / und mit ihr sich dahin begabe. Auch dem Fůrsten Beri / seinem schwiegervatter / einen gefallen zu erzeigen /name er dessen zwei junge herrlein / den Elieser und Ephron / mit dahin: die er / als wären es seine eigene kinder gewesen / sehr fleissig und wol erziehen liesse. Er bekame meinen bruder Epher / den regirenden Fůrsten in Midian / zum nachbarn: der mit ihm daselbst gute freundschaft hielte. Es waren alle meine verwandten erfreuet / mich wieder zu sehen: da ich aber / ungeacht sie mich gerne stäts bei sich haben wolten / dennoch von dem Esau mich nicht trennen liesse. Gleichwie ich ihn in kriegszeiten nie verlassen / also bliebe ich nun auch in seinen ruhe-tagen bei ihme: und lebete er so vergnůgt mit seiner Judith /daß / wann sein ehestand mit kindern håtte m \gen gesegnet werden / es ihme an nichtes wůrde gefehlet haben. Die zu Gerar erfuhren in der zeit / da wir daselbst woneten / nichtes von uns / und wir auch nichtes von ihnen: weil der ort zu äuserst am meer gelegen / und dort hinwårts von aller gesellschaft entfernet war.

Es begabe sich aber / daß der alte Fůrst von Seir auf dem gebirge / des Lothans vetter / in seinem hohen alter / von seiner gemalin / die er erst neulich geheuratet / eine tochter bekommen: worüber er sich so hoch erfreuet / daß er / als er ihr den namen wolte geben lassen / ein grosses fest anstellete / und alle benachbarte dazu einlude. Esau / als ein alter bekanter des Lothans / erschiene auch mit bei diesem freudenfest / und wurden wir zu Dedan auf dem gebirge herrlich entfangen. Die gesellschaft daselbst [588] ware sehr groß: dann nicht allein alle Fůrsten von Seir / des Seirs kinder / sich alda befunden / sondern auch der Prinz Zipor von Moab / der bruder der kindbetterin /mit vielen Moabitischen Fürsten / wie auch der Prinz Mamellus von Chaldea / dessen schwester die Poliphide den Fürsten Ana von Seir geheuratet hatte. Dieser Mamellus hatte neulich sich verehlichet mit des Esau mutter schwester / der Tharasile: die eben auf solche weise / ihrem vatter dem Bethuel / in seinem hohen alter / gleichwie die Timna (von deren geburtfest ich jezt rede /) dem Fürsten von Seir / ware geboren worden. Weil dieser Mamellus vom Assyrischen hause entsprossen / und zudeme bei E. Maj. herr vattern dem K \nig Bel Ochus in hohem ansehen schwebete / als erwiese ihm jederman hohe ehre. Er machte mit dem Esau genaue kundschaft / als von dessen heldenthaten / die er in dem lezten Aramenischen krieg erwiesen / er viel geh \ret hatte.

Als wir aber eines tags / da wir zimlich beråuschet waren / von dem König Aramenes in Syrien zu reden kamen / und Esau neben mir demselben viel lobs nachsagte / hingegen Mamellus / weil damals der unglückselige krieg zwischen E. Maj. herr vattern und diesem K \nig von Syrien / der endlich ihme das reich und leben gekostet / schon vor-ware / gar verkleinerlich redete: kamen wir daher mit worten gar hart aneinander / also daß / wann der Fůrst Ana und der Lothan nicht wåren dazwischen getretten / es nicht wol würde abgelaufen seyn. Der Ana fürete den Esau zu seiner gemalin / der sch \nen Poliphide / und Lothan den Mamellus / zu des Esau gemalin / der angenemen Judith: da dann Mamellus sich scheuen muste / gegen der Judith von dem Esau etwas widerliches zu reden /und Esau hinwiederum [589] der schwester des Mamellus von ihrem bruder nichtes feindliches fürsagen dorfte.

Es verursachte auch der Poliphide h \flichkeit / daß Esau bald seinen zorn vergasse / und dieser Prinzessin wundersch \ne betrachtend / von seiner alten begierde sich dermassen wiederum einnemen liesse /daß er mehr / als ihme wol gebůret håtte / sie in seinem herzen bewunderte. Er hatte in der zeit da er bei seiner Judith allein gelebet / auser ihr keine andere sch \nheit gesehen: daß also dieses guten teils seine beståndigkeit verursachet. Nun aber / da ihme soviel sch \nheiten fůrkamen / unter denen Poliphide damals unvergleichlich war / kunte er sich so weit nicht zwingen / daß er sie nicht håtte angebetet. Er wurde auch in rechtem ernste so eifersůchtig gegen dem Ana / als in dessen gemalin verliebet / daß / wer seine weise so gut als ich gekant / ein solches leichtlich wůrde gemerket haben. Poliphide / als verheuratet / gabe nicht acht auf des Esau verliebtes wesen / und gönnete ihm alle zugelassene freiheit: daher dann sein liebes feuer je mehr und mehr entzůndet wurde. Als nun alle die andern / nach vollendetem freudenfest / wieder nach haus kehreten / blieben allein Mamellus / Esau und ich noch daselbst. Der Prinz von Chaldea / schützete seiner schwester gegenwart für / als welche mit ihrem gemal bei dem schwiegervatter zu Dedan wonete. Esau aber wuste nicht / womit er sein da-bleiben besch \nen solte: zumal der Lothan / sein alter freund /selber nach Denhaba / daselbst er wonete / schon wieder abgereiset ware.

Es eråugete sich aber bald eine ursache / daß wir von Dedan hinweg musten. Der Prinz Mamellus hatte sich in die Judith so heftig / als Esau in die Poliphide / verliebet. Indem er aber mindere vorsichtigkeit als der Esau gebrauchete / gabe er sein anligen der Judith so [590] deutlich zu verstehen / daß sie ihn ganz unwillig abwiese. Als er nichts desto weniger die folgende tage fortfuhre / sie mit entdeckung seiner liebe zu beleidigen / klagete sie es dem Esau / mit bitte / sie von dieser marter zu befreien. Wiewol nun Esau in eben dem verbrechen steckete / dessen Mamellus beschuldiget wurde / so verdrosse es ihn doch heftig auf denselbigen: weil er hiervon entfunden / was er vordessen noch nie versucht hatte / nåmlich den eifer ůber einen mitbuler bei seiner ehefrauen. Als er aber / wegen der Poliphide / noch verzoge / hinweg zu reisen / und seine Judith dem Mamellus aus den augen zu bringen: finge Poliphide an / des Esau wesen genauer zu betrachten: und vermerkende / daß ihn nichtes als die liebe an- und aufhielte / name sie verlaub von dem Ana ihrem herrn / sich in die benachbarte warme båder zu begeben / um ihme aus den augen zu kommen. Weil die Judith mit ihr gesellschaft machete / als blieben Mamellus und Esau / bei dem Seir und dessen sohne dem Ana / zu Dedan / bis sie wiederkehren m \chten: da aber ihnen beiden die weile allzulang wurde / indem sie die jenigen nicht vor sich sahen /um derer willen sie so lang auf dem gebirge sich verweilet hatten.

Es fiele ihnen aber zu einer zeit ein / die jenigen /welche sie also unrechtmåßig liebeten / zu besuchen. Weil sie es heimlich halten musten / als erdichtete jeder eine andere reise / die er fůrhätte. Esau sagete /um dem Ana keinen verdacht zu geben / er wolte nach Denhaba reisen / den Lothan zu besuchen. Mamellus gabe für / er wåre gewillet / nach Ezeongaber zu reisen: damit er dem Esau allen argwahn benemen m \chte. Wir zogen etliche stunden später aus Dedan /als der Prinz von Chaldea / also daß wir am abend in die herberg kamen / da er den mittag gewesen war. Wir erfuhren von dem wirte / [591] daß er eben unsere strasse fůr uns hinreisete: welches den eifersůchtigen Esau in den argwahn brachte / es wåre Mamellus gleiches vorhabens ausgezogen; dann der weg nach Ezeongaber gegen dem meer zuginge / und nicht in das gebirge. Am folgenden tag erginge es uns eben also /daß man uns in den herbergen von dem Mamellus erzehlete. Weil deswegen der Esau eifriger fortreisete /als erreichten wir den Prinzen von Chaldea auf dem wege / als noch wenig meilen nach den warmbädern vor uns waren.

Als Mammellus uns ersehen / erschracke er nicht wenig / den Esau auf einem wege zu finden / der gar nicht nach Denhaba fůrete / dahin er doch eine reise fürgegeben hatte. Es war an beiden seiten die begrüssung zimlich kaltsinnig / und fragten sie einander fast zu einer zeit: ob hier der weg nach Denhaba und Ezeongaber hinginge? Da ihre antworten auch gleich waren / wiedaß sie ihre reise aus gewissen ursachen geåndert håtten. Esau / der um des Mamellus liebe wuste / erzürnte sich mehr über dieser begebenheit /als der andere: dem hingegen sehr leid ware / daß er also auf diesem weg war angetroffen worden. Wir reiseten also miteinander / ohne zu fragen / wohin wir wolten.

Als wir in die warme båder angelanget / musten wir beiderseits in einem wirtshause verbleiben / weil kein raum mehr übrig ware. Esau růstete sich alsobald /seine Judith zu besuchen: und Mamellus thåte desgleichen / seine schwester anzusprechen. Das frauenzimmer pflegten zwar sonst / bei gebrauch des bades /sich wenig sehen zu lassen / und gar nicht unter das mannsvolk zu kommen. Aber der gemal der einen /und der bruder der andern / kunten diß gesetze in etwas aufheben: daher Judith und Poliphide sich nicht weigerten / von [592] dem Esau und Mamellus sich sprechen zu lassen; wiewol beiderseits nicht ohne verwunderung / was ihre ankunft bedeuten m \chte.

Ihre zusammmkunft / deren ich mit beiwonete /ginge auf allen seiten gar verwirret ab. Dann die Judith / in ersehung des Mamellus / erinnerte sich /nicht ohne errötung / seiner liebe. Poliphide thåte nicht weniger / als sie den Esau erblickete. Mamellus dorfte / in gegenwart ihres gemals / der Judith nicht kůnlich zusprechen: und Esau hatte soviel arbeit / zugleich seiner liebe und eifersucht abzuwarten / daß solches ihm sehr beschwerlich fiele. Sie wusten die ursach ihrer hinkunft so wenig f \rmlich fürzubringen / daß dadurch der Judith und Poliphide die augen noch mehr ge \ffnet wurden / zu erwittern / warum diese beide wären angekommen. Wegen solcher verwirrung / wurde diese ihre besuchung bald geendet. Wie aber die unrechtmåsige liebe sie beide dahin gebracht hatte / also gabe sie ihnen auch einerlei in den sinn / um einige vergnůgung in ihrer liebe zu erlangen. Sie namen ihnen beide fůr / jeder die jenige / so er liebete / bei nacht im bade zu sehen / weil sie bei nåchtlicher zeit sich dessen gebrauchten. Sie bestachen beiderseits / ohne daß einer von dem andern wuste / etliche von den weibern und verschnittenen /welche dabei aufzuwarten pflegen: die dann / sie einzulassen / sich willigst erklåreten.

Esau / kame zu erst hinein / und ward an das ort gebracht / wo die Prinzessin von Seir ihre badstelle hatte: dann das bad in viele theile abgesondert ist / da jedwedere dame ihren besondern ort hat da sie allein seyn kan. Weil ich ůber des Esau gemůte soviel macht nicht hatte / ihn von diesem beginnen abwendig zu machen / so ermanete ich ihn doch / ehe er von mir ginge / daß er wenigst sich båsser als ehedessen zu Gerar / da er fast auf [593] gleiche weise die Philistina zu sehen bekame / aber aus heftiger liebe sich ihr kund gegeben hatte / in acht nemen solte: welches es mir versprochen. Er hatte in seinem winkel eine gute zeit gelauret / als endlich die sch \ne Poliphide mit einer dirne hinein kame / welche etliche liechter an den wänden umher anzündete: das dann dem Esau wol zu statten kame / die sch \ne Chaldeerin nach genůgen zu betrachten. Indem sie sich auskleidete / redete sie zur dieser ihrer vertrauten dirne von dem Esau / welchen sie sehr lobete / und darbei h \chlich sich beklagte /eine ursach zu seyn / daß er so unruhig lebete / weil sie mehr als zuviel seine zu ihr tragende liebe verspůret håtte. Man kan denken / wie hierdurch des Esau gemůte beweget worden: und war seine zufriedenheit unbeschreiblich / als sie / in solchen gespråche von ihme / immerfort verharrete.

Wie sie nun eine weile mit ihren niederkleidern im bade gesessen / da sie ihren verliebten die brust neben den armen ganz entbl \sst betrachten liesse: entstunde unversehens ein grosses geråusche / welches den Esau aufmerksam machete. Bald sahe er die Judith / mit einem angeworfenen mantel / ganz erschrocken und erblasset hinein kommen / die zu der Poliphide sagte: Ich suche schutz bei euch / Prinzessin von Seir /wider euren bruder! Als Poliphide sie gebeten / sich deutlicher zu erklären / gabe sie mit heftigen worten zu verstehen: wiedaß der Mamellus in ihr bad-zimmer sich heimlich verborgen / folgends / wie sie im bade gesessen / sich herfür gethan und ihr genåhert håtte; deme sie / als er sie anhalten wollen / mit noht hieher entlaufen wåre. Poliphide / schalte dieses freche beginnen ihres bruders. Esau aber ward hierüber so ergrimmet / daß er kaum an seinem verborgenen ort sich lassen kunte. Das geschrei der Judith [594] hatte alle /die im bade waren / aufgereget: welche / als sie h \reten / daß eine fr \mde mannsperson vorhanden wåre /sich darüber sehr erzůrneten / und diesen verwegenen / um ihn abzustraffen / fåst machen wolten. Aber Mamellus hatte sich da nicht lang umgedrehet / sondern ware / mit hůlfe der nacht / eiligst entsprungen.

Dem Esau ward hierbei gar übel zu mute / indem er befahren muste / daß man ihn daselbst finden möchte: und gläube ich nicht / daß der Esau jemals beångstigter gewesen / als dißmal / da seine ehre in gefahr ware / einen so harten schiffbruch zu leiden. Poliphide und Judith kleideten sich eiligst an / um von dar hinweg zu kommen: und ware die Judith gar nicht zu befriedigen / sondern dråuete sehr mit dem Esau / daß der ihren erlittenen schimpf rächen solte. Aber Poliphide bate hierwider: wiewol sie der Judith gestehen muste /daß sie es eben so hoch entfinden wůrde / wann ihr dieses widerfahren wäre. Wie sie nun hinaus gegangen / schlosse Poliphide selber die thür zu / und name / wider ihren gebrauch / den schlüssel mit sich / den sonsten die weiber / die ůber die båder bestellet / zu verwahren pflegten. Also sahe sich Esau in neuer noht / da er nicht heraus kommen konte / und also / den folgenden tag gefunden zu werden / befahren muste. Ruffen dorfte er nicht / aus beisorge / daß er sich dadurch selber verrahten m \chte. Er hatte lang vergeblich gehoffet / die jenige / so ihn eingelassen / würden / wann alle die andern hinweg wären / zu ihm kommen / und ihn auslassen. Er verlore aber endlich alle hoffnung / und kunte in solchem zustande nicht unterlassen / ihm selber sein t \richtes beginnen fůrzurücken.

Als aber etliche stunden vorbei waren / die ihn långer als jahre důnketen / \ffnete sich plötzlich die thůr / und [595] sahe er die Prinzessin Poliphide mit ihrer dirne /die eine lampe truge / zu ihm hinein kommen. Sie ginge straks auf ihn zu / und begunte ihn lächlend also anzureden: Wolan / mutwilliger bruder! hiermit erlasse ich euch der straffe / die ihr mehr als zu wol verdient habet. Esau / der für bestůrzung diese worte nicht recht einname / fiele ihr gleich zu füssen / und wuste nicht / wie er diese nochfreundliche ansprache der Prinzessin aufnemen solte. Sie aber / die ihn hiemit erkante / erschracke so häftig / daß ihr schier eine onmacht zuginge. Indem sie aber / unwissend / wie ihr geschahe / sich an eine wand lehnete / erzehlte ihr der verliebte Esau alles / wie seine innigste liebe ihn zu dieser that getrieben håtte: welche weder sie noch einiger mensch jemals hätte erfahren sollen / wann nicht ihre gůtigkeit sie jezt dahin gefůret håtte / um /wie er hoffete / sein grosses verbrechen ihme zu vergeben.

Diese erzehlung / vermehrete allererst der Prinzessin entsetzen. Sie vermeinte / ihren bruder daselbst anzutreffen. Dann ihre jungfrau hatte den Esau in seinem winkel erblicket / und für den Mamellus gehalten / als derselbe im auflauf gesucht wurde. Weil sie ihn aber nicht verrahten / sondern retten wollen / als hatte sie solches heimlich der Poliphide entdecket: welche deswegen die thůr selber versperret / und den schlůssel zu sich genommen / um / wann die andern hinweg wåren / wieder zu kommen / und ihrem bruder davon zu helfen. Nun sie aber an dessen stat den Esau / und zwar auf gleicher that gefunden / mahlete zwar anfangs ihre strånge tugend diese seine begangene frechheit ihr so grob für / daß sie ihn der h \chsten abstraffung würdig achtete. Als sie aber hingegen betrachtete / daß er gleichwol noch / anderst als ihr bruder / in den schranken der h \flichkeit geblieben / und dabei besorgete / wann sie zu hart mit ihme [596] verfůre /er an ihrem bruder / den sie herzlich liebete / sich råchen wůrde: als zwange sie ihren unwillen / und beschlosse / sich ihme gůtiger zu zeigen / als er verdienet.

Nachdem sie von ihrem schrecken sich etwas erholet / sagte sie zu dem Esau: Euer gutes glück / und nicht mein fůrsatz / hat mich hieher gefůret / euch zu befreien / dann ich meinen bruder allhier zu finden vermeinte. Håtte ich aber euch an diesem ort vermutet / wůrde ich mich um euch / nachdem ihr mich so hoch beleidiget / nicht dergestalt bemůhet haben / euch aus dem fůr augen schwebenden unheil zu reissen. Ich wil euch aber das verbrechen verzeihen / und euch wieder in freiheit setzen / wann ihr mir zweierlei eidlich versprechen wollet. Esau / um zu erweisen / wie begierig er wåre / ihren geboten nachzuleben / und dadurch ihre huld wieder zu erlangen / beteurete ihr alsobald mit einem eide / alles zu erfůllen / was sie ihm zu thun auferlegen wůrde. Hierauf verbote sie ihm erstlich / daß er niemals sie wieder sehen / oder doch /wann solches aus unvermeidlichen umständen geschehen müste / sie nie allein ansprechen solte. Ihr zweiter befehl ware / daß er / an ihrem bruder / auf keinerlei weise / wegen dessen / was ihn eine gleichmåssige torheit wider die Judith hätte begehen machen / sich rächen solte. Dieses waren zwo so harte bedingnise /daß der ångstige Esau gern seinen eid wieder zurůcke genommen håtte: doch muste er gehorsam versprechen / und ward also dieser seiner unvermuteten gefängnis erlassen / nachdem er von ihr hingegen die zusage erhalten / daß sie keinem menschen etwas hiervon eröffnen wolte.

Also sahe sich Esau zugleich in seiner liebe und rache unvergnůget / und kame ganz betrůbt wieder in die herberge: da er mir / diese seine abenteur / zu meiner h \chsten bestůrzung erzehlete. Der Mamellus ware am [597] morgen nicht mehr zu finden / als welcher noch vor tags hinweg gereiset: und hatte er sich / wie wir nachmals erfuhren / zu seinen leuten / die er in Bosra gelassen / verfüget / mit denen er seinen weg wieder nach Babel geno en. Als nun Esau anstunde /wie er mit seinem abschied es anschlagen solte / kame die Judith unversehens zu uns in den gasthof / von ihren dirnen begleitet: worůber er anfangs sich nicht wenig entsetzte / weil ihm das gewissen sagte / daß er an ihr sich so gröblich versündiget / und er sich besorgen muste / sie m \chte erfahren haben / was zwischen ihme und der Poliphide fůrgegangen. Ihr freies wesen aber / und die vielfåltige liebkosungen / die sie ihm erwiese / macheten ihn bald anderst glåuben / daß nåmlich Poliphide / ihre zusage haltend / seine schande verschwiegen hätte.

Sie vermeldete ihm hierauf die ursach ihrer ankunft / welche war / daß die Poliphide eiligst håtte post von Dedan bekommen / nach ihrem gemal wieder zu kehren: deswegen sie die bade zeit nicht auswarten wollen / sondern eiligst hinweg gezogen wåre. Dieses habe nun bei ihr / weil ihr das da bleiben ohne ihre gesellschaft nicht annemlich / gleichen vorsatz erwecket / daß sie die badecur auch angeben / und mit ihme wieder abreisen wolte. Esau merkete wol aus dieser erzehlung / was die schleunige abreise der Poliphide verursachet håtte. Er stellete sich aber ganz frei an /und zoge alsofort mit der Judith nach Denhaba / dahin er dißmal zu reisen anfangs fůrgegeben hatte. Es name ihn aber sehr wunder / daß die Judith ihme nichtes klagete / von des Mamellus beginnen: dann er wuste nicht / daß Poliphide die Judith h \chlich gebeten hatte / keine rache über ihren bruder von dem Esau zu begehren. Wie dann ihme / als wir bei dem Lothan uns eine weile aufgehalten / und [598] nun wieder vom gebirge Seir nach haus angekommen waren / dieses ståts in den gedanken bliebe. Ja es wurde letzlich eine sonderbare eifersucht daraus / die ihm in den sinn gabe: die Judith můsse dem Prinzen von Chaldea nicht so gar abhold seyn / wie sie wol ursach håtte. Endlich eråugete sich eine unglůckselige begebenheit / wordurch seine eifersucht vollends entbrennte und ausbrache. Hiervon aber desto verständlicher zu berichten / muß ich mich nach Gerar zurůcke wenden /und zuvor erzehlen / was alda sich zugetragen.

Es hatte die Ada / in so langer zeit / nichtes von uns erfahren / ohn allein / wie die zeitung von dem tode der K \nigin Philistina nach Gerar kame / und bald darauf die Prinzessin Andagone / des K \nigs der Philister und der Königin von Syrien schwester / den kleinen Prinzen Aramenes dahin brachte: welche alda von dem Esau erzehlte / wiedaß er / nach der Philistina tode / Syrien wieder verlassen håtte. Dieses setzete die Fůrstin Ada in neue sorgen: und ob ihr wol der K \nig alle ersinnliche freundschaft erwiese / so war sie doch nimmer v \llig zufrieden / weil es sie zusehr schmerzete / daß der Esau ihrer so ganz vergessen hatte. Endlich nach vieler zeit / erfuhre sie von Midianitischen kaufleuten / die nach Gerar kamen / daß der Esau sich in ihrem land aufhielte: welches sie sich entschliessen machete / ihme daselbsthin zu folgen. Sie hinterliesse den kleinen Eliphas / welcher mit dem Prinzen Aramenes und Abimelech erzogen wurde /daselbst zu Gerar. Der K \nig ordnete ihr zu den Fürsten Asdod / welcher sie begleiten / und den Esau seiner alten freundschaft versichern / auch wieder nach seinem hofe zu kommen / überreden solte.

Weil die Ada sich nicht eher dem Esau kund geben wolte / bevor sie eigentlich seinen sinn gegen ihr neben der [599] ursache / warum er sie also verlassen / erforschet: als reisete sie ganz heimlich in das land Midian / und zwar / um desto verborgener zu bleiben / in mannskleidern. Sie kame / wie Esau eben auf der jagt war / in sein haus / und liesse sich bei der Judith anmelden. Diese Fůrstin / begierig vom hofe zu Gerar jemanden zu sprechen / befahle gleich / daß man diese fr \mde zu ihr füren solte. Der slave / der solches verrichtete / und ein b \ser ohrenblåser bei dem Esau war / gab genaue achtung / wie Judith sich gegen diesem Philister gebårdete: welche dann / als sie eine weile heimlich mit der verkleideten Ada geredet / durch ihre entdeckung bewogen wurde / sie zu umarmen und zu kůssen. Als sie folgends die ursach ihrer ankunft vernommen / wolte