Der Dom zu Köln

Es ist ein Wald voll hoher Bäume,
Die Bäume seh ich fröhlich blühn,
Und aus den Wipfeln fromme Träume
Zum fernen Reich der Geister fliehn.
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So kühner Sinn und ernstes Streben,
Das aus den Steinen Blumen treibt,
Es ist der Väter Art und Leben,
Das nimmer auf der Erde bleibt.
Das wollen diese Säulen sagen,
Die himmelwärts die Blicke ziehn,
Dazwischen, wie in grauen Tagen
Im Eichenhain, die Beter knie'n.
Wo das Geheimniß wird begangen,
Im heil'gen, stillen Dunkelklar,
Ist hoch ein Teppich aufgehangen,
Ein Zelt, voll Bilder wunderbar.
Es ist kein eitles Licht der Sonnen,
Was durch die bunten Scheiben fällt,
Ist Widerschein der ew'gen Wonnen,
Ist Strahl aus einer bessern Welt.
Doch seitwärts winkst du, süße Laube,
Nach der mein Sehnen ewig schaut,
Kapelle, wo der alte Glaube,
Die Lieb' und Wehmuth Hütten baut.
Hier dürfen keine Lieder klingen,
Ob auch die Brust von Liedern schwillt;
Nur schweigend, wo die Engel singen,
Grüß' ich, Maria, hier dein Bild.

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Zitationsvorschlag für diese Edition
TextGrid Repository (2012). Schenkendorf, Max von. Der Dom zu Köln. Digitale Bibliothek. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0004-C541-D