[58] Virtuosität

An Ad. Friedr. Grafen von Schack.


Wen Trieb und Fleiß zu jener Stufe trugen,
Wo Stoff und Form sich beugen unwillkürlich,
Der baut sein Kunstgebild in festen Fugen,
Auf deren Grund kein Höchstes unausführlich.
Und die mit Blicken staunend überschlugen
Des Ganzen Ordnung, finden nur gebührlich
Den Schmuck und Schimmer, der bis zur Verschwendung
Das Werk umgiebt in festlicher Vollendung.
Am schwersten wird des Dichters Form die Massen
Ergreifen, die doch sonst so leicht bezwingbar,
Wenn Hörer auf ein Tongeriesel passen,
Das nur des Geigers Zauberhand erschwingbar;
Wenn Stimmen trillernd sich vernehmen lassen
In einem Kreuzgewirr, das kaum noch singbar,
Dann zuckt's und kribbelt's in den Händen Allen,
Dem wohlverdienten Beifall beizufallen.
Sie nennen's Virtuosität, und schelten,
Und loben auch, wenn Einer Virtuos ist.
Man schelte den, der sonst in allen Welten
Nichts ist, wenn er die Prunkeffekte los ist.
Doch lassen gern das Krauseste wir gelten,
Wenn unterm Schmuck der Inhalt schön und groß ist.
Um freies Spiel hat nie umsonst geworben
Die Kunst, bei der das Können unverdorben.
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Der Dichter freilich, der sich in den Kopf setzt
Mit Form und Reimspiel sich einmal zu putzen,
Hat Wenige nur für sich. Jeder Tropf setzt
Sich gleich parat, den Putz ihm aufzumutzen,
Und sagt, wer an den Rock den simpeln Knopf setzt
Braucht nicht mit Nestelband das Kleid zu stutzen.
Der Kenner nur folgt mit geheimer Spürung,
Vielleicht vergnügt, dem Gang der Formenführung.
Denn stets mit der gewohnten Reime Ticktack
Eintönig klingt zu oft der Strophen Uhrwerk.
Recht hat der Dichter, wenn in lust'gem Tricktrack
Er spielend zwingt des spröden Reims Naturwerk.
Wer kühnlich wagt, der fährt auch wohl im Zickzack,
Und bringt zum Ziele sein poetisch Fuhrwerk.
So widm' ich Dir, o Freund, dies Bündel Schnickschnack,
Der formend Du so viel gebracht in Schick, Schack!

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