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An einen Freund

Du, der so lang im Herzen mich geborgen
Mit allen meinen grämlichen Gebrechen,
Mit meinen hastig immer neuen Schwächen,
Mit allen meinen wunderlichen Sorgen;
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Die Hand verzeihend botest jeden Morgen,
Wenn ich die Nacht vorher mit blindem Stechen,
Mit ungerechtem, vorwurfsvollem Sprechen
Dir schnitt ins Herz, so treu und unverborgen:
Nicht um zu spähn nach Tadel oder Lobe,
Will ich dir diese Lieder übersenden,
Die zagend unter meiner Hand verblassen!
Nein, nur zur letzten, schweren Freundesprobe:
Ich muß mich gegen deinen Glauben wenden –
Wirst du mich darum endlich doch verlassen?

Notizen
Entstanden vielleicht 1844. Erstdruck 1845.
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Zitationsvorschlag für diese Edition
TextGrid Repository (2012). Keller, Gottfried. 2. An einen Freund. Digitale Bibliothek. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0003-9F78-C