[355] 4. Berliner Pfingsten

Heute sah ich ein Gesicht,
Freudevoll zu deuten:
In dem frühen Pfingstenlicht
Und beim Glockenläuten
Schritten Weiber drei einher,
Feierlich im Gange,
Wäscherinnen fest und schwer!
Jede trug 'ne Stange.
Mädchensommerkleider drei
Flaggten von den Stangen,
Schönre Fahnen, stolz und frei,
Als je Krieger schwangen;
Frisch gewaschen und gesteift,
Tadellos gebügelt,
Blau und weiß und rot gestreift,
Wunderbar geflügelt!
Lustig blies der Wind, der Schuft,
Falbeln auf und Büste,
Und mit frischer Morgenluft
Füllten sich die Brüste;
Und ich sang, als ich gesehn
Ferne sie entschweben:
Auf und laßt die Fahnen wehn,
Lustig ist das Leben!

Notizen
Aus der Sammlung »Neuere Gedichte (1854)«, dort unter dem Titel »Berliner Pfingsten«.
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Zitationsvorschlag für diese Edition
TextGrid Repository (2012). Keller, Gottfried. 4. Berliner Pfingsten. Digitale Bibliothek. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0003-9C6C-9