Parteigänger

Gefallen sind die Hiebe,
Verflogen Staub und Rauch,
Und süße Bruderliebe
Blüht wieder an jedem Strauch!
Hin ist so mancher Brave,
Und blökend ziehn die Schafe
Zum Pferch nach altem Brauch.
Nun singt in allen Pfannen
Der fette Siegesbrei;
So reit ich denn von dannen,
Die Straßen sind ja frei!
Und winkt ein Schank an Wegen,
Will ich hinein mich legen
Und sehn, was Ruhen sei!
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Ich bin als heißer Zecher
Auf einen Trunk erpicht;
Doch füllen meinen Becher
Wohl Tränen Christi nicht –
Ich trink nur herbe Reben
Und laß im Herben leben
Mein Schätzel derb und schlicht!
Ich bin ein wilder Reiter,
Auch beißt und schlägt mein Gaul;
Ich bin ein grober Streiter
Und führ ein grobes Maul;
Und sind auch allerwegen
Mir rostig Schild und Degen –
Drein schlag ich drum nicht faul!
Und ist der Streit geendet
Und ist die Tat getan,
Mag ich, wie's auch sich wendet,
Doch keinen Lohn empfahn!
Will nicht im Rate tagen,
Will Ketten nicht und Kragen,
Die stehen mir nicht an.
So sitz ich in der Schenke
Zur braunen Distel wert,
Weil draußen an der Tränke
Gesattelt steht das Pferd;
Ich lach der neuen Herren,
Die an der Beute zerren,
Und lockre still mein Schwert.

Notizen
Entstanden 1843. Erstdruck 1872.
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Zitationsvorschlag für diese Edition
TextGrid Repository (2012). Keller, Gottfried. Parteigänger. Digitale Bibliothek. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0003-9949-2