Pour le mérite

Sie wollen dir den Tag entfernen,
Der schon so frisch am Himmel weht:
Das ist's, was in den neuen Sternen
Für dich, mein Volk, geschrieben steht!
Man gibt als Futter deinen Blicken
Der Sterne kalten, falschen Schein;
Du magst sie all zusammenflicken,
Sie werden keine Sonne sein.
Nicht eine Lanze wird es brechen,
Das neue, zahme Rittertum;
Kaum wird ein Sänger für dich sprechen,
Man macht ja selbst die Sänger stumm.
Nein, edles Roß! du bist verloren
Und von der Meute totgehetzt,
Wenn nicht der Fremdling dir die Sporen
Bald wieder in die Flanken setzt;
Wenn sie nicht draußen Freiheit rufen,
Daß du in Galle überschäumst,
Und hoch mit flammensprühnden Hufen
Dich gegen deine Dränger bäumst;
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Wenn sich nicht über deinem Hause
Von Westen her ein Wetter ballt,
Und bis in deine sichre Klause
Der Donner der Empörung schallt.
Du bist und bleibst ein Knecht, der fluchend
Am heil'gen Zorn sein Süpplein kocht,
Bis fremde Völker, Einlaß suchend,
Erst an die Türe dir gepocht!

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Zitationsvorschlag für diese Edition
TextGrid Repository (2012). Herwegh, Georg. Pour le mérite. Digitale Bibliothek. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0003-5F7E-B