[101] Ein Sylvester-Lied

Wohlauf Musik zum kommenden Morgen!
Nun werf ich hinweg die bleichen Sorgen,
Den eiteln Kummer,
Den Herzensverdummer,
Und allen Gram und jeden Verdruß –
Der Freundschaft geb ich neuen Kuß!
Nun bringet mir wieder den schäumenden Becher,
Ich werde schon wieder ein löblicher Zecher.
In rauschende Lieder
Schwärmender Brüder
Misch ich fortan meinen Jubel ein –
Es lebe die Freude, es lebe der Wein!
Das lumpichte Schmachten, das leidige Sehnen
Es tauget nicht, bringt statt Gedanken nur Thränen,
Nur Wanken und Schwanken,
Grübeln und Kranken,
Ein mißtrauisch Wesen, Jedwedem Halbfeind,
Und bringt zur Verzweiflung den besten Freund.
Begraben der Liebe Lust und Schmerzen!
Ich habe euch wieder, ihr fröhlichen Herzen!
Die kleinen Leiden
Sterben und scheiden,
Wir kosten den schönen Augenblick,
Und träumen laut von der Zukunft Glück.
[102]
Drum sollen sich alle Stimmen lösen,
Es ist ein tüchtiges Herz genesen.
Gesang erschalle,
Der Böller knalle!
Schaut vorwärts nur und nie zurück –
Gesundheit Brüder! Wohlauf Musik!

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Zitationsvorschlag für diese Edition
TextGrid Repository (2012). Eichrodt, Ludwig. Ein Sylvester-Lied. Digitale Bibliothek. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0002-A0B9-2