Herrmann der deutsche Cherusker
Drama von Schreinermeister Meier


Erster Aktus

Kaiser Augustus von Rom:

Varus, du kaiserlicher Feldmarschall,
Ziehst jetzt direct zum Teutoburger Walde
Und schlägst die Barribaren all -
Varus:

Sehr wohl!
Augustus:

Zertrümmre sie nur balde!
Du kriegst der besten Legionen drei.
Bring sie mir ja zurück, Jubitter steh' dir bei,
Sonst mußt du wieder selbst Gemeiner werden.
Varus:

Sehr wohl!
Augustus:

Jetzt geh, sieg oder stirb auf Erden!

[39] Zweiter Aktus

Varus:

O fürchterliche, schröcklichen Gebüsche
Des wildgewachsenen Teutoburger Walds!
Ha! Wie es schüttet! Säß ich doch zu Tische!
Als wie mit Kübeln kommt mir's auf den Hals.
Der Hagel will mich grimmig steinigen,
Ihr römische Götter!
Was ist das ein entsetzliches Donnerwetter
In diesen schaurigen altdeutschen Hainien?
Segestes der Verräther:

Du edler Römer, zittre nicht,
Glaub, daß sich das Gewitter bricht.
Bei uns thuts oft nur so.
Varus:

Wie's grollt!
Das hat mein theurer Kaiser nicht gewollt,
Daß seine besten Legionen,
Die schönsten Bataillonen
Durchnäßt und nahrungslos hier stürben.
Segestes:

Was spielest du den Mürben?
Ein Römer, der den Muth verliert?
Varus:

Du hast verrathend uns verführt;
Der du dein deutsches Vaterland verrathen,
Verräthst auch so als gründlicher Verräther
Du deinen römischen Wohlthäter?
[40] Segestes:

Ich bin verkannt, drum wehe mir und Schand!
Ich wollte nur das Beste für mein Land.
Du doch verläumdest deinen Muth.
Varus:

Ich sage dir, Segestes, sei so gut,
Verbirg in deinen schändlichen Gebürgen
Dich unverzüglich, um dich zu erwürgen.
Wolfschluchten, solche bin ich nicht gewohnt,
Und heut' scheint nicht einmal der Mond.
Segestes:

Lies jeden alten römischen Autoren,
Daß Herrmann euch gelockt in diese Mooren,
Nicht ich, nein er, mein Schwiegersohn.
Er ist ein Bösewicht, und dieses kommt davon.
Varus:

Nun meinetwegen. Zeis soll ihn verfluchen.
Ich will das Eiserste versuchen.

Dritter Aktus

Hermann:

Wohlauf, ihr alten Deutschen! Sieg oder Tod!
Die römischen Knürpse zu vernichten
Im Morgenroth, im Abendroth,
Ist eine Kleinigkeit vor uns, die Wasserdichten.
Varus:

Halt ein, Verräther! Vorwärts Marsch, Legionen!
Und gieng es gegen Teufel und Huronen,
Rettet die Adler erster Klasse!
[41] Hermann:

Nur nicht so hitzig, wälsche Rasse!
Varus:

Schäm' dich, das Regenwetter zu benützen,
Man rauft nicht, wenn die Götter blitzen.
Von Dir hätt' ich das nicht gedacht.
Hermann:

Es ist halt das die Teutoburger Schlacht.

Vierter Aktus

Varus:

Bis hierher und nicht weiter, ich verzage.
Da knuspr' ich schon zwei volle Tage
An dieser alten Brodrind! O Geschick,
Für einen römischen Feldherrn ohne Glück!
Die alten Deutschen:

Wo Muth und Kraft in deutscher Seele flammen,
Fehlt nie das blanke Schwert beim Becherklang.
Wir stehen fest und halten treu zusammen,
Und rufen's laut in feurichtem Gesang:
Ob Fels und Eiche splittern,
Wir werden nicht erzittern,
Den Jüngling reißt es fort mit Sturmeswehn,
Für's Vaterland in Kampf und Tod zu gehn.
Varus:

Ha, welche wüsten Kneipenlieder
Der baribarischen Zechgebrüder!
Schrecklich zerreißen sie mein italienisch Ohr,
Sie kommen mir aus keiner Tonart vor.
[42] Die Deutschen:

Edite, bibite, collegiales -
Varus:

O Hohn auf mich, entbehrend jedes Mahles.
Und der Tabaksqualm und die schrecklich langen
Pfeifen und Hopfenstangen!
Die Deutschen:

Heil dem Manne, der den grünen Hain
Des Vaterlandes sich zur Heimat auserwählet,
Den die Freiheit und der goldne Wein
Mit Liebe, Muth und Fröhlichkeit beseelet.
Wenn die Hörner schallen und die Büchsen knallen,
Blüht auf Feindesleichen Freiheit deutscher Eichen.
Heil dem Manne der den grünen Hain ...
Varus:

Das erste ging noch an, dies aber tödtet!
Mich wundert nur der lange Athem da.
Wie Hermanns Nase sich so finster röthet!
Ein blutig Omen, Omen sagt man ja?
Die Deutschen:

Was ist des deutschen Vaterland,
Ist's Schwabenland? -
Varus:

Sieg' oder stirb, sprach mir des Reiches Vogt,
Da ich das Erstere nun nicht vermogt,
Gelingt vielleicht das Letztere mir, auf Ehre,
Dadurch, daß ich die Räuberlieder höre.
Die Deutschen:

Freiheit, die ich meine ...
[43] Varus:

Nein, jetzt ist es genug! Auch das noch, nein!
Komm! Sclave, bohr dein Schwert in mich hinein.
Rücklings geht es am besten. Nun?
Die Folter währt zu lange, ich will ruhn.
Sclave:

Ich elendiger Sclave, solch Verbrechen
Begehn und dennoch dann verhungern?
Varus:

Wie die dort hinten fürchtig zechen,
Und in den finstern Wäldern lungern!
Mach' vorwärts, Schurge! oder ich thu's selbst.
Sclave:

Gib Acht, daß du nicht an der Wurzel stölpst.
Varus:

Mach' doch! Ich stehl' dir gleich den Ruhm,
Den weltberühmten Varus zu ertödten.
Sclave:

Wo denket Ihr hinan?
Varus:

So fahre flöten!
Sieh, Schurg, so fallt ein Römer um.
Sclave:

Das heiß' ich schlimm die Zeit verkürzt,
Wenn Einer in sein Schwert sich stürzt.

[44] Fünfter Aktus

Kaiser Augustus:

Hilf heiliger Eßkuhlab, hilf, Frau!
Es steckt im Halse mir der halbe Pfau.
Frau Augustus:

Bei dieser Schreckensbotschaft ist's kein Wunder.
Kaiser Augustus:

Ich bring den Brocken nicht hinunter.
Frau Augustus:

Zur Hilfe, rettet nur den Kaiser!
Kaiser Augustus:

Beruhige Dich, es ist vorbei, das da.
Ich bin nur etwas weniges heiser,
O edle Kaiserin von Afrika,
Europia, Asia, wenn auch nicht Amerika.
Frau Augustus:

Gottlob, o Jubbiter! - Ja, jah.
Kaiser Augustus:

O Varus, Varus gib mir meine
Legionen wieder!
Frau Augustus:

Das war eine
Von deinen welthistor'schen, von
Deinen Kalambuhrs, ich kenn' das schon.
Kaiser Augustus:

Hin ist dahin! Laßt mich nach Lüften schnappen.
Erst vor drei Monden neue Achselklappen
Mit Gold!
[45] Frau Augustus:

Und nagelneue Wappen
Auf Schild und Pickelhaub'.
Und die Tornister!
Kaiser Augustus:

Mir wird so dumm, so düster!
Frau Augustus:

Wo willst du hin?
Kaiser Augustus:

Gleich, Frau, bin ich zurück.
Frau Augustus:

O lange dauert oft ein Augenblick!
- Nun, was hast du gemacht?
Kaiser Augustus:

Ich hab nur schnell
Und ohne alle Leidenschaft
Die deutschen Leibgardisten abgeschafft;
Denn denen trau' ein And'rer! Werriwell.
Der römische Kaiser ist so dumm nicht als
Er aussieht. Sapperlot, mein Hals!

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Zitationsvorschlag für diese Edition
TextGrid Repository (2012). Eichrodt, Ludwig. Herrmann der deutsche Cherusker. Digitale Bibliothek. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0002-9DC8-2