Du schwerer Wein, kannst du nicht brechen

Du schwerer Wein, kannst du nicht brechen
Das tiefgebeugte müde Herz?
Ich will mit Wasser dich nicht schwächen,
Und nicht mit Thränen meinen Schmerz;
An mir soll ihre Schuld sich rächen,
Ich opfre mich zu ihrem Scherz.
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Wie glühend Gold ich stürz' dich nieder,
Bis meine Kehle sich dir schließt;
Mitleid'ge Seelen, singt mir Lieder
Vom Lethe her, der mich umfließt!
Es dreht und wirbelt sich im Saale,
So geht es in der andern Welt,
Die Geister nehmen Sitz beim Mahle,
Das ich in Einsamkeit bestellt;
Ihr scheinet mir bekannt, und gleichet
Der Einen, ha! nun kenn' ich euch!
Ihr Lügenbilder all, entweichet,
Und sinkt zurück in's dunkle Reich!
So dacht' ich sie in goldnen Zeiten,
So log sie sich in meinen Sinn, –
Zerstreut euch in den leeren Weiten!
Ihr weichet nicht? ihr setzt euch hin?
Wie kommt ihr mir so ungeladen,
Und steiget aus der Flaschen auf?
Auch goldner Wein ist mir zum Schaden!
Wo thut sich Trost und Heil mir auf?

Notizen
Entstanden zwischen 1806 und 1808. Erstdruck in dieser Sammlung.
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Zitationsvorschlag für diese Edition
TextGrid Repository (2011). Arnim, Ludwig Achim von. Du schwerer Wein, kannst du nicht brechen. Digitale Bibliothek. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0002-0C84-C